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Abteilung Gartenbau, Gartenakademie
Söbrigener Str. 3a, 01326 Pillnitz
Internet:
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
Bearbeiter:
Barbara Schön, überarbeitete Auflage von Bernd Voigtländer
E-Mail:
gartenakademie@smul.sachsen.de
Gartentelefon donnerstags 14-17 Uhr: 0351 2612-8080; Fax: 0351 2612-8099
Redaktionsschluss:
08.05.2013
Anbau von Erbsen im Haus- und Kleingarten
Tipps und Hinweise zu Sortimenten, Kultur und Verwendung
Bedeutung
Erbsen,
Pisum sativum
L., zählen zu den ältesten, von Menschen kultivierten Pflanzen. Junge grüne
Gemüseerbsen werden in Mitteleuropa seit dem Ausgang des Mittelalters geschätzt. Sie waren und
sind eine Zuspeise und Delikatesse. Seit Ende des 19. Jahrhunderts gehören sie in Deutschland zu
den wirtschaftlich bedeutendsten Gemüsearten.
Die Heimat der Erbse ist wahrscheinlich das Mittelmeergebiet und
Vorderasien.
Jung und unreif geerntete Erbsen besitzen einen vorzüglichen Ge-
schmack. Neben Vitaminen enthält das grüne Korn verschiedene
Zucker und organische Säuren, die den Geschmack bestimmen.
Hochwertiges Eiweiß, Lecithin und Mineralstoffe sind ebenfalls
enthalten.
Gemüseerbsen sind einjährige, krautige Pflanzen mit sortenab-
hängig recht unterschiedlicher Wuchshöhe. Der Spross ohne Fes-
tigungselemente ist dünn. Hohe Sorten benötigen deshalb eine
Stütze.
Foto: B. SCHÖN, LfULG
Standort
Ideale Bedingungen findet die Erbse im gemäßigten, maritimen Klima. Warmes Wetter bis Mai be-
günstigt die Bildung von viel Blattmasse. Ein anschließender heißer Sommer führt zu einer guten
Fruchtausbildung des Grünkorns. Lang anhaltende Hitzeperioden fördern dann jedoch einen schnellen
Qualitätsverlust. In Sachsen sind weitgehend gute Wachstumsbedingungen gegeben, nur die Nieder-
schläge reichen oft nicht aus.

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An den Boden stellt die Erbse recht hohe Ansprüche. Er sollte tiefgründig sein und einen guten Struk-
tur- und Humuszustand aufweisen. Schwere und nasse Böden sind für den Anbau nicht geeignet. Bö-
den mit stauender Nässe erhöhen die Fusariumgefahr.
An den Wurzeln des Schmetterlingsblütengewächses siedeln sich Knöllchenbakterien an. Diese sind
in der Lage, Luftstickstoff zu binden. Durch ihre Tätigkeit kann ein wesentlicher Teil des Stickstoffbe-
darfes der Erbse gedeckt werden Ein guter Kalkzustand und eine optimale Durchlüftung des Bodens
sind somit nicht nur für die Pflanzen, sondern auch für die Förderung der Knöllchenbakterien wichtig.
Sorten
Nach den Nutzungseigenschaften sowie der Beschaffenheit der Hülse und der Körner kann die Gemü-
seart folgendermaßen eingeteilt werden:
Pal- oder Schalerbsen
(
Pisum sativum
conv.
sativum
) besitzen ein glattschaliges Trockenkorn. Die
Reservestoffe sind vorwiegend als Stärke eingelagert und die reifen Samen sind somit zum Kochen
geeignet. Sie sind leicht frostverträglich und können früh gesät und auch recht früh geerntet werden.
Für den Garten bieten sich unter anderem die nachfolgenden Sorten an:
‘Frühe Harzerin‘, ‘Kleine Rheinländerin‘,
‘Markana‘, ‘Germana‘, ‘Überreich‘.
Markerbse
n (
Pisum sativum
conv.
medullare
) besitzen ein geschrumpftes Trockenkorn. Das Trocken-
korn ist nicht zum Kochen geeignet. Die Reservestoffe sind vorwiegend als Zucker eingelagert, das
grüne Korn schmeckt süßer. Markerbsen sind im Gegensatz zu Palerbsen frostempfindlicher und wer-
den in der Regel zeitlich später gesät. Nachfolgende Sorten können gewählt werden:
’Evita’, ‘Sublima’, ’Aromunda’, ‘Wunder’,
’von Kelvedon’, ’Markana’, ’Rondo’, ’Senator’,
’Lancet’, ’Novelia’, ’Moni’, ’Remus’, ’Migella’,
’Bonita’, ’Boretta’, ’Bördi’, ’Salout’, ’Vitara’.
Zuckererbsen
(
Pisum sativum
convar.
axiphium
) unterscheiden sich von den vorher genannten Grup-
pen durch das Fehlen einer Pergamentschicht zwischen Hülse und Korn. Deshalb können die jungen,
fleischigen und leicht süß schmeckenden Hülsen mit
den noch kleinen Samen im Ganzen verzehrt wer-
den. Zur Sortengruppe der Zuckererbsen zählen
beispielsweise:
‘Zuccola‘, ‘Ambrosia‘,
‘Schweizer Riesen‘, ‘Sugar‘, Sugar Bon‘,
‘Frühe Heinrich‘, ‘Oregon Sugar Pod‘.
Foto: Zuckererbse Sorte ‘Sugar‘ (B. SCHÖN, LfULG)
Zuckermarkerbsen
vereinen die Vorteile von Mark- und Zuckererbsen. Sie können sowohl frisch mit
Schale als auch gedünstet verzehrt oder wie Markerbsen gegart bzw. eingefroren werden. Eine früh
reifende Zuckermarkerbse ist z. B. die Sorte ‘Crispi‘.

Tabelle: Auswahl geeigneter Erbsensorten für den Anbau im Haus- und Kleingarten
Zuckererbse
Zuckererbse
Zuckererbse
Zuckererbse
Sorte
‘Norli‘
‘Kaiserschote‘,
‘Shiraz‘
‘Sugar Bon‘
‘Graue Bunt-
blühende‘
Wuchshöhe
50 cm
60 cm
50 cm – 75 cm
bis 100 cm
Aussaat
Anfang März bis
Juni
März bis Juni
April bis Juni
März bis Juni
Ernte
Juni bis Septem-
ber
Juni bis Septem-
ber
Juni bis Septem-
ber
Juni bis Septem-
ber
Farbe
grün
violett
grün
grün
Bemerkungen
Resistent gegen
Fusarium
Resistent gegen
Echten und Fal-
schen Mehltau
Reiser notwendig
Reiser notwendig,
lilafarbene Blüten
Zuckermark-
erbse
Schalerbse
Schalerbse
Schalerbse
Sorte
‘Delikata‘
‘Feltham First‘
‘Germana‘
‘Überreich‘
Wuchshöhe
75 cm
40 cm
70 cm
90 cm
Aussaat
April bis Juni
März bis April/
Juni bis Juli
April bis Juni
April bis Juni
Ernte
Juli bis September
Juni bis Juli/
September bis
Oktober
Juli bis September
Juli bis September
Farbe
grün
grün
grün
grün
Bemerkungen
resistent gegen
Echten Mehltau
und Fusarium
für Herbstanbau
Aussaat bis
Mitte Juli
besonders robust
Reiser notwendig
Markerbse
Markerbse
Markerbse
Markerbse
Sorte
‘Spring‘
‘Evita‘
‘Zuccola‘
‘Alderman‘
Wuchshöhe
60 cm
60 cm
60 cm
über 1,50 m
Aussaat
Ende Februar bis
Mitte Juli, früh
ab April
mittelfrüh
April bis Juli
mittelfrüh
April bis Juni
mittelfrüh
Ernte
Mai bis Oktober
ab Juni
Juni bis Septem-
ber
Juni bis August
Farbe
grün
grün
grün
grün
Bemerkungen
für Herbsternte
geeignet,
resistent gegen
Fusarium
zum Einfrieren
besonders geeig-
net
tolerant gegen
Fusarium und
Echten Mehltau
bewährte, ertrag-
reiche Sorte

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Anbau
Die Blütenanlage der Erbse wird durch die Tageslänge und die Temperatur gesteuert. Die Pflanze
reagiert als Langtagpflanze, d. h. die Blütenanlage wird durch lange Tage gefördert. Die kritische Ta-
geslänge beträgt 12 bis 14 Stunden.
Durch zeitige Aussaat muss ihr eine möglichst lange
Entwicklungszeit in der vegetativen Phase geboten
werden, um den Blütenansatz zu fördern. Ist der
Zeitraum zwischen Aussaat und dem Erreichen der
kritischen Tageslänge zu kurz, kann die Pflanze nur
wenig Blattmasse bilden und der Ertrag bleibt gering.
Eine Erntestaffelung wie bei vielen anderen Gemü-
searten durch nacheinander folgende Aussaatzeiten
ist deshalb bei der Erbse nur bedingt möglich. Durch
den Anbau verschiedener Sorten mit unterschiedli-
cher Reifezeit kann aber eine Erntestafflung erreicht
werden. Für den späten Anbau im Juni/Juli sind nur
frühe Sorten geeignet.
Foto: B. VOIGTLÄNDER, LfULG
Je nach Wuchshöhe können auf ein Normalbeet mit 1,20 m Breite zwei bis vier Reihen gesät werden.
Da Vögel die keimenden Samen gern aufnehmen, sollten diese etwa 5 cm tief in die Erde kommen.
Einen noch besseren Schutz bietet das Abdecken mit Vlies oder Folie, welches gleichzeitig das Auflau-
fen beschleunigt. Nach der Bildung einiger Laubblätter entfernt man das Vlies oder die Folie.
Wenn hochwachsende Sorten etwa 10 cm Höhe erreicht haben, können die entsprechenden Rankhil-
fen gesteckt werden. Auf die verschiedene Wuchshöhe einzelner Sorten sollte bereits beim Saatgut-
kauf geachtet werden. Niedrige Sorten mit etwa 40 cm Wuchshöhe benötigen keine Hilfsmittel zum
Ranken, höher wachsende Sorten brauchen eine geeignete Rankhilfe aus Reisig oder Maschendraht.
Fotoreihe: B. VOIGTLÄNDER, LfULG
Frühe Erbsen räumen zeitig die Fläche, so dass beispielsweise Mitte Juni Rosenkohl nach Erbsen
gepflanzt werden kann. Als Nachkultur nach Erbsen eignen sich weiterhin verschiedenste Salate, Chi-
na- und Grünkohl, Spinat, Rettich oder Radieschen.
Erbsen und andere Leguminosen sollten nur alle 4 bis 5 Jahre auf der gleichen Fläche angebaut wer-
den, um einen Befall mit Fußkrankheiten und Stängelälchen zu vermeiden.
16. April Aufgang
27. Mai Blüte
10. Juni Ernte

Düngung, Pflege und Pflanzenschutz
Wenn eine Kompostgabe auf die Fläche ausgebracht wird, kann auf jegliche Mineraldüngung verzich-
tet werden. Steht kein organischer Dünger zur Verfügung, werden die fehlenden Hauptnährstoffe ent-
sprechend der Werte der Bodenuntersuchung ergänzt. Mit Stickstoff versorgt sich die Erbse weitge-
hend selbst, sofern gute Bedingungen für die Entwicklung der Knöllchenbakterien vorhanden sind.
Weitere Pflegearbeiten beschränken sich auf eventuell notwendige Unkrautbekämpfung mit gleichzei-
tiger Bodenlockerung und auf das Gießen bei Bedarf.
Bei weit gestellter Fruchtfolge und der Verwendung gesunden Saatgutes dürfte sich der Befall mit
Krankheiten und Schädlingen in Grenzen halten. Eine Bekämpfung des Erbsenwicklers, dessen Scha-
den meist erst beim Öffnen der Hülsen entdeckt wird, ist nur durch genaue Beobachtung und Kontrolle
des Falterfluges möglich und somit für den Kleingärtner kaum praktisch durchführbar.
Ernteverfrühung und Ernte
Ab Februar/März lassen sich frühe Sorten in Töpfen vorkultivieren und später auspflanzen.
Acht bis zehn Wochen nach der Aussaat können Erbsen geerntet werden. Da die jungen Erbsen sehr
schnell an Qualität verlieren, wird der Bestand mehrmals durchgepflückt. Besonders in Hitzeperioden
werden die grünen Samenkörner rasch hart. Zuckererbsen erntet man, wenn das Korn noch klein und
weich ist.
Vorteile
, die für einen Anbau von Erbsen im Garten sprechen:
räumt früh die Fläche (sortenabhängig nach 75 bis 100 Tagen)
Tiefwurzler (bis ein Meter tief wachsende Wurzeln)
führt dem Boden zusätzlich Stickstoff zu – „Stickstoffsammler“
hoher Vorfruchtwert im Gemüsegarten durch Beschattung des Bodens und Stickstoffanreiche-
rung.