Sächsisches Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie
Gartenakademie
S c h n i t t
von
Apfelbäumen
Ansprechpartner:
Dr. Wolf-Dietmar Wackwitz
Sylvia Metzner
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Abteilung Gartenbau
Telefon: 0351 / 2612 - 8081
Telefax: 0351 / 2612 - 8099
E-Mail:
wolf-dietmar.wackwitz@smul.sachsen.de
sylvia.metzner@smul.sachsen.de
(kein Zugang für elektronisch signierte sowie für verschlüsselte
elektronische Dokumente)
Redaktionsschluss:
02 / 2009

Lehrgang im Obstgehölzschnitt
Die Notwendigkeit zum Schneiden der Obstgehölze
Eine sachgemäße Erziehung und Instandhaltung der Baumkrone durch eine
zweckmäßige Kronengestaltung ist die Grundlage für hohe und regelmäßige Erträge
und für eine gute Fruchtqualität. Dabei darf aber die Durchführung weiterer
Pflegemaßnahmen wie Bodenpflege, Düngung und Pflanzenschutz nicht
vernachlässigt werden. Die Aufgabe der Kronengestaltung besteht darin, die
Entwicklung leistungsfähiger Fruchtäste in der Baumkrone zu sichern und sie über die
gesamte Standzeit des Baumes zu erhalten.
Die wichtigsten Maßnahmen bei der Kronengestaltung sind der
Schnitt
und das
WaagerechtsteIlen von Trieben und Ästen.
Mit dem Schnitt werden Triebe, Äste, bzw. Teile von Ästen entfernt. Damit wird der
Aufbau einer lockeren und lichten Baumkrone und eine gute Belichtung des Laubes
und der Früchte erreicht. Das bietet eine gute Grundlage für die notwendige
Entwicklung der Früchte in der gesamten Baumkrone. Auch im Kroneninneren
entwickeln sich dabei noch Früchte von guter Qualität.
Ein weiteres Ziel des Schnittes ist die Begrenzung der Baumkrone. Damit wird
zusätzlich eine Erleichterung bei der Durchführung von Pflanzenschutzmaßnahmen
und der Ernte gesichert. Wir müssen bedenken, daß mit jeder Leitersprosse die
Qualität der ausgeführten Arbeiten eingeschränkt wird. Zum Teil wird die Erledigung
dieser Arbeiten überhaupt unmöglich gemacht. In einer licht- und luftdurchlässigen
Baumkrone treten auch ein geringerer Schädlings- und besonders Krankheitsbefall auf.
Das Waagerechtstellen der Triebe wird bevorzugt an jungen Bäumen zur Erziehung
einer leistungsfähigen Baumkrone mit frühem Ertragsbeginn durchgeführt.
Von allen Obstarten stellt der Apfel die höchsten Forderungen an den Schnitt. Diese
Obstart reagiert am empfindlichsten auf eine Vernachlässigung der Pflege der
Baumkrone mit Qualitätseinbußen. Diese zeigen sich in einer geringeren Fruchtgröße
einer schlechteren Ausfärbung und einem stärkeren Krankheitsbefall.
Die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung der Obstgehölze
Wachstumsförderungsgesetze
Die Entwicklung der Bäume wird wesentlich durch die Entwicklung der Einzelorgane
geprägt, die bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Diese Gesetzmäßigkeiten
werden als "Trieb- bzw. Wachstumsförderungsgesetze" bezeichnet.
Die Stärke des Wachstums eines Triebes bzw. Astes in der Baumkrone wird ganz
wesentlich von seiner Position, d. h. von seiner Höhe, in der er sich in der Baumkrone
befindet und seinem Neigungswinkel bestimmt. Daraus leitet sich ab, daß
grundsätzlich alle Triebe bzw. Äste eines Baumes, die andere in der Höhe ihrer
Position in der Baumkrone überragen, einen größeren Zuwachs aufweisen als sich
tiefer entwickelnde Triebe bzw. Äste.

image
Zusätzlichen Einfluss auf das Wachstum nimmt der Neigungswinkel des Astes. Das
Wachstum ist umso stärker, je aufrechter der Ast sich entwickelt hat.
Befinden sich zwei Äste in gleicher Höhe in der Baumkrone, dann wird immer der
aufrechter stehende dem flacheren im künftigen Wachstum überlegen sein.
Eine wesentliche Gesetzmäßigkeit des Wachstums in einer Baumkrone besteht in der
Spitzenförderung
(Abb. 1). Dieses bevorzugte Wachstum der Gipfelknospe führt zu
einer Hemmung des Austriebes der Seitenknospen des gleichen Astes. Das Entfernen
der Gipfelknospe durch den Schnitt beseitigt diese Hemmung und führt zum
verstärkten Austrieb der Seitenknospen.
Die Spitzenförderung tritt besonders während der Jungentwicklung eines Baumes auf.
Betrachtet man z. B. einen aufrechten einjährigen Langtrieb, so wird man feststellen,
daß die Knospen an seiner Triebspitze stärker austreiben als in seinem unteren
Bereich. Das stärkste Wachstum weist die steil stehende Terminalknospe
(Gipfelknospe) auf. Die Stärke des Neutriebes nimmt zur Basis hin ab und sein Winkel
zur Senkrechten wird größer.
Abb. 1: Spitzenförderung
Abb. 2: Oberseitenförderung
Die
Oberseitenförderung
(Abb. 2) ist durch die Bildung einer großen Anzahl von
Neutrieben gekennzeichnet. Befindet sich ein Trieb in einer waagerechten Stellung,
dann entwickelt sich der Neutrieb aus den an der Oberseite sitzenden Knospen. Die
Oberseitenförderung ist beim Kernobst stärker ausgeprägt als beim Steinobst. Die
Länge des Neuwuchses wird von der Stellung des Astes, seiner Stärke und seinem
Alter beeinflusst.
Wir müssen davon ausgehen, daß sich die überwiegende Anzahl der Triebe in der
Baumkrone in schräger Stellung befindet, so daß sowohl die Spitzenförderung als auch
die Oberseitenförderung wirksam werden. Entwickelt sich ein Ast in Richtung der
Waagerechten, wird die Oberseitenförderung stärker wirksam. Entwickelt er sich in
Richtung der Senkrechten, nimmt die Spitzenförderung zu.
Durch das "Waagerechtstellen von Langtrieben" vor Beginn der Vegetationsperiode
wird folgende positive Wirkung erzielt:
Verminderung der Spitzenförderung und damit der Länge des Neuwuchses
Erhöhung der Anzahl von Kurztrieben und Förderung der
Blütenknospendifferenzierung
Im Ergebnis dieser Maßnahme wird ein zu starkes vegetatives Wachstum zugunsten
der Fruchtbildung vermindert.
Eine weitere Gesetzmäßigkeit ist die
Scheitelpunktförderung
(Abb. 3). Sie tritt bei

image
Ästen auf, die sich durch den Fruchtbehang bogenförmig nach unten abgesenkt haben.
Der stärkste Neuwuchs entsteht am Scheitel des gebogenen Astes. Besonders
charakteristisch ist diese Erscheinung bei Birnbäumen.
Diese sogenannten "Reiter", die sich auf dem Scheitel der nach unten gebogenen Äste
entwickeln, können zur Verjüngung der Baumkrone genutzt werden. Der nach unten
gebogene Teil des Astes wird durch einen Sägeschnitt entfernt und der "Reiter" kann
zum Aufbau einer verjüngten Krone genutzt werden.
Ebenfalls vorrangig in alten Kronenteilen findet man die
Basisförderung
(Abb. 4).
Senkt sich ein Ast unter die Waagerechte ab, dann entsteht verstärkt Neuwuchs an der
Basis dieses Astes. Die Entwicklung der herabgebogenen Astspitze wird
vernachlässigt. Die Basisförderung ist besonders bei Sauerkirschen für die Verjüngung
der Kronen zu nutzen.
Abb. 3: Scheitelpunktförderung
Abb. 4: Basisförderung
Die Reaktion auf Schnittmaßnahmen
Neben den dargelegten Gesetzmäßigkeiten der Astentwicklung sind folgende
Reaktionen der Obstbäume auf Schnittmaßnahmen zu berücksichtigen:
Ein starker Schnitt des Neutriebes der vergangenen Vegetationsperiode in der
Baumkrone verringert in der folgenden Vegetationsperiode die Anzahl der
Triebe. Er fördert aber die durchschnittliche Länge dieser Triebe. Eine
zunehmende Schnittstärke bewirkt die Vergrößerung der Trieblänge und die
Verringerung der Anzahl Triebe (Abb. 5a). Damit verzögert sich aber auch der
Ertragsbeginn.
Ein schwacher Schnitt der Baumkrone bewirkt die Reduzierung der Trieblänge
des Neutriebes und die Erhöhung der Triebanzahl (Abb 5b).
Die gleichzeitige Anwendung des starken und schwachen Schnittes an einer
Baumkrone führt zur Umkehr der Wirkungen: An den stark geschnittenen
Kronenteilen ist die Triebbildung schwach, an schwach geschnittenen
Kronenteilen ist sie stärker. Daraus leitet sich ab, daß die in der Entwicklung
zurückbleibenden unteren Bereiche der Kronen nur schwach zu schneiden sind,
während die übermäßig geförderten oberen Kronenteile stärker geschnitten
werden sollten.

image
image
image
Abb. 5a: Starker Rückschnitt - Starker Austrieb
Abb. 5b: Schwacher Rückschnitt – Schwacher Austrieb
Der Schnitttermin
Der Obstbaumschnitt ist eng mit der Vorstellung verbunden, daß dieser im Winter
erfolgt. Diese Annahme ist aber nur teilweise richtig.
Der Schnitttermin hat eine wesentliche Bedeutung für die künftige Entwicklung der
geschnittenen Bäume. Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Sicherung einer schnellen
Verheilung der Schnittwunden. Diese stellen potentielle Eintrittspforten für
Rindenkrankheitserreger dar.
Bei Apfel und Birne wird der Schnitt am zweckmäßigsten unmittelbar vor dem
Vegetationsbeginn durchgeführt. Zwingt der Umfang der Schnittarbeiten im Garten
dazu, so ist die Durchführung des Schnittes von November bis Mitte April möglich.
Süßkirschen, Sauerkirschen und Pflaumen sind unmittelbar nach der Ernte zu
schneiden.

image
Der Sommerschnitt trägt beim Apfel zur Verbesserung der Belichtung der Früchte in
der Baumkrone und damit zur Verbesserung ihrer Ausfärbung und ihres Geschmackes
bei. Seine Durchführung ist bei Bäumen bis zu drei Meter Höhe im Hinblick auf
seinen Aufwand vertretbar. Diese Schnittmaßnahme wird nach Abschluss des
Triebwachstums durchgeführt (20. August bis 5. September).
Der Aufbau der Baumkrone
Von wenigen Ausnahmen abgesehen, bestehen die Obstbäume aus zwei Teilen
(Abb. 6):
Unterlage: Wurzelkörper mit mehr oder weniger langem Teil des Stammes
Edelsorte: Baumkrone und Teil des Stammes
Abb. 6: Jungbaum
Die früher häufige Zwischenveredlung mit Stamm und Gerüstbildnern hat mit dem
Übergang zu Niederstämmen ihre Bedeutung verloren. Die Baumkrone wird aus
Kronenteilen gebildet, die nach Rangordnung, Alter, Länge sowie Funktion
unterschieden werden können. Im Folgenden sollen nur einige, wesentliche Begriffe
geklärt werden.
Stamm:
Teil des Baumes von der Bodenoberfläche bis zur ersten Verzweigung
Stammverlängerung:
Hauptachse der Baumkrone von der ersten Verzweigung
bis zur Basis des letztjährigen Triebes
Kronengerüst:
Über mehrere Jahre bis zur vollen Nutzung des Standraumes
herausgebildetes Astgerüst der Krone, das während der gesamten Standzeit
erhalten bleibt
Trieb:
Einjähriger Spross, der nach der Anordnung in der Baumkrone als
Mitteltrieb, Leittrieb oder Seitentrieb unterschiedlicher Ordnung bezeichnet
wird
Ast/Fruchtast:
Mehrjähriges auch verzweigtes Kronenorgan
An dem Kronengerüst erfolgt keine nennenswerte Fruchtbildung. Die
Fruchtäste, die sich am Kronengerüst befinden, werden regelmäßig verjüngt,
d. h. es werden Teile von ihnen durch den Schnitt entfernt. Damit werden die
Voraussetzungen für die Entwicklung von neuen Trieben und somit für die
Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Baumkrone geschaffen.

image
image
Anschneiden und Ableiten
Zum Verständnis der Schnittmaßnahmen sollen noch einige Begriffe erläutert werden.
Abb. 7: Anschneiden eines Triebes
Beim Anschneiden handelt es sich immer um das Einkürzen eines Triebes, d. h.
eines höchstens ein Jahr alten Kronenteiles. Das Anschneiden hat seine Bedeutung
verloren. Es ist nur noch zur Erziehung der Baumkrone, besonders des Mitteltriebes
notwendig.
Beim Anschnitt ist immer auf die Richtung des Auges zu achten, auf das angeschnitten
wird. Das Anschneiden erfolgt unmittelbar über dem Auge. Das Anschneiden führt
beim Kernobst zu vermehrter Bildung von Langtrieben ohne Entstehung von Früchten.
Abb. 8: Ableiten eines Triebes
Beim Ableiten erfolgt der Rückschnitt nicht auf einzelne Knospen, sondern auf eine
Verzweigung. Ableiten kann man nur an älteren Fruchtästen, die auf einen Trieb oder
Fruchtast zurückgeschnitten, d. h. abgeleitet werden. Der nach dem Ableiten
übrigbleibende Trieb darf auf keinen Fall angeschnitten werden. Auch hier ist auf eine

image
exakte Schnittführung mit der Säge bzw. der Schere zu achten. Das Ableiten
verringert die Anzahl Schnitte im Vergleich zum früher üblichen Anschneiden einer
Vielzahl von Trieben. Die geringere Anzahl Schnitte führt auch zur Verringerung der
Anzahl Neutriebe, die erneut eine größere Schnittarbeit im Folgejahr erfordern
würden.
Der Schnitt des Apfels
Als zweckmäßige Baumform bei neu zu pflanzenden Bäumen wird die Spindel
empfohlen. Diese Baumform sichert eine hohe Ertragsleistung und eine gute Qualität.
Durch ihre Baumhöhe von 3,0 bis 3,5 m sind alle Pflegemaßnahmen gut beherrschbar.
Grundlage für die Erziehung der Spindel sind Bäume auf mittelstark wachsenden
Unterlagen (M26, MM106). Unmittelbar vor der Pflanzung sollten nur
Wurzelbeschädigungen beseitigt werden. Dabei werden alle beschädigten Wurzeln bis
unmittelbar unter die Schadstelle in gesundes, d. h. helles Holz zurückgeschnitten. In
gleicher Weise ist auch bei den anderen Obstarten vorzugehen.
Pflanz- und Erziehungsschnitt
Der Pflanzschnitt ist abhängig von der Qualität des Pflanzgutes. Diese wird geprägt
durch die Anzahl Seitentriebe, deren Neigungswinkel und deren Anordnung an der
Stammverlängerung.
Im Idealfall besitzt der Baum neben dem Mitteltrieb drei bis vier Seitentriebe, die die
zukünftigen Gerüstäste darstellen. Zur Entwicklung der zukünftigen Gerüstäste sollten
drei, höchstens vier, möglichst gleichmäßig im Kreis verteilte Seitentriebe genutzt
werden. Es ist darauf zu achten, daß diese Seitentriebe sich nicht auf der gleichen
Höhe befinden, sondern möglichst übereinander angeordnet sind. Damit wird die
Gefahr des Ausbrechens an der Stammverlängerung vermieden.
Die Seitentriebe werden um etwa ein Drittel ihrer Länge eingekürzt. Dabei richtet man
sich nach den schwächsten Seitentrieben. Die anderen Triebe werden
dementsprechend stärker zurückgeschnitten (Abb. 9). Alle Triebe werden in einem
Winkel von etwa 60° zur Senkrechten gebunden. Unter Berücksichtigung der bereits
gegebenen Hinweise sind alle Triebe so zurückzuschneiden, daß sie in einer Ebene
enden. Den Mitteltrieb schneidet man etwa 30 cm über dem Ende der gebundenen
Seitentriebe an. Dabei ist auf die Auswahl des Auges zu achten. Die Augen der
Seitentriebe sollen immer nach außen zeigen.
Abb. 9: Pflanzschnitt eines gut verzweigten Baumes

image
Durch diesen Rückschnitt des Baumes bilden sich im folgenden Jahr zahlreiche
kräftige Triebe. Ende Mai/Anfang Juni sollte der Konkurrenztrieb entfernt werden.
Der Mitteltrieb wird auf 40 bis 50 cm Länge angeschnitten und alle übrigen kräftigen
Seitentriebe sind weitgehend waagerecht zu binden.
Es ist zu beachten, daß der Verlängerungstrieb der zukünftigen Gerüstäste nicht
waagerecht gestellt wird, sondern in einem Winkel von 60° zur Senkrechten verläuft.
Darauf ist auch in den nächsten Jahren Rücksicht zu nehmen. Ein Waagerechtstellen
der Gerüstäste bzw. ihrer Verlängerung würde zur Unterdrückung des Wachstums und
damit zum Verkümmern gegenüber der Stammverlängerung führen. Das
Waagerechtstellen der Äste kann auf verschiedene Weise erfolgen. Kleine
Betonklötzchen, an denen Wäscheklammern befestigt wurden, können eingesetzt
werden. Das Binden mit Fäden ist ebenfalls möglich.
Wird Pflanzmaterial mit einer ungenügenden Anzahl von Seitenästen verwendet, so ist
es zweckmäßig, die Stammverlängerung etwa 20 cm über der zukünftigen
Stammlänge anzuschneiden. In der Regel ist das in einer Höhe von 90 bis 110 cm.
Diese Maßnahme regt eine starke Neutriebbildung in der folgenden
Vegetationsperiode an. Man kann danach wie oben beschrieben verfahren. Der
Konkurrenztrieb sollte auch hier bei steilem aufrechten Wuchs entfernt werden
(Abb. 10).
Abb. 10: Pflanzschnitt eines schlecht verzweigten Baumes
In den folgenden Jahren erfolgt der Rückschnitt des Mitteltriebes jeweils auf 40 bis 50
cm Länge. Dieser Rückschnitt sichert eine gute Garnierung der Stammverlängerung
mit Fruchtästen. Er sollte Mitte Juni durchgeführt werden, ebenfalls die Entfernung
des Konkurrenztriebes. Das Waagerechtstellen der Triebe erfolgt Mitte Mai bis Mitte
Juni.
Besondere Aufmerksamkeit ist der pyramidalen Form der Baumkrone beizumessen.
Daraus ergibt sich die Forderung, daß die Fruchtäste im oberen Bereich der
Stammverlängerung so abgeleitet werden müssen, daß sie kürzer als die Fruchtäste im
unteren Bereich sind. Der Erziehungsschnitt ist nach dem 4. bis 5. Standjahr beendet.

image
Instandhaltungsschnitt
Beim Apfel ist bis zum drei- bzw. vierjährigen Astabschnitt eine gute Ertragsleistung
gewährleistet. Der jährlich durchzuführende Schnitt umfasst den Rückschnitt
abgetragener, nach unten gebogener Astpartien. Dieser Fall tritt etwa nach 3 bis 4
Jahren ein. Im Interesse eines lockeren Kronenaufbaus erfolgt der Rückschnitt auf
einen Seitentrieb in der Nähe der Mittelachse bzw. eines Gerüstastes. Besteht dazu
keine Möglichkeit, wird der Fruchtast um etwa die Hälfte seiner Länge auf einen
waagerecht stehenden Seitenast abgeleitet. Damit wird die Bildung von Neutrieben
angeregt. Steil stehende, kräftige Triebe werden grundsätzlich entfernt oder
waagerecht gestellt. Durch das Waagerechtstellen wird die Ertragsbildung dieser
Triebe gefördert und damit die Ertragsleistung des Baumes erhöht (Abb. 11).
Abb. 11: Instandhaltungsschnitt ( --- zu entfernendes Holz)
Es ist darauf zu achten, daß der Winkel der Gerüstäste zur Senkrechten von 60°
möglichst über die gesamte Standzeit erhalten bleibt. Damit ist eine entscheidende
Voraussetzung geschaffen, daß sich die Gerüstäste im Vergleich zur
Stammverlängerung ebenfalls gut entwickeln. Durch die Ausbildung kräftiger
Gerüstäste wird dem Spitzenwachstum des Baumes entgegengewirkt.
Instandhaltungsschnitt großkroniger Apfelbäume
In vielen Gärten befinden sich großkronige Apfelbäume. Bei allen Problemen ihrer
Bewirtschaftung sollte man doch stets ihren hohen ästhetischen Wert berücksichtigen.
Beim Instandhaltungsschnitt dieser Bäume sind Äste zu entfernen, die
abgetragen sind,
zu dicht stehen,
in das Kroneninnere hineinwachsen,
sich gegenseitig durch Überschneiden und Scheuem beeinträchtigen,
krank, verletzt und abgestorben sind oder
die Astrangordnung und das Gleichgewicht der Baumkrone stören
(Wasserschosse, Reiter).

Diese Schnittmaßnahmen sollten regelmäßig jährlich oder in größeren zeitlichen
Abständen von 2 bis 3 Jahren durchgeführt werden. Die jährliche Durchführung des
Schnittes hat den Vorteil, daß der Aufwand geringer ist und kein zu starker
Schnitteingriff durchgeführt werden muss.
Alle Triebe, die zu dicht stehen, oder Äste, die die
Astrangordnung
gefährden, sind
zu entfernen. Das gilt auch für alle Konkurrenztriebe und für sämtliche ins
Kroneninnere wachsende Langtriebe auf der Oberseite des Kronengerüstes. Beim
jährlichen Schnitteingriff ist es möglich,
Fehler
bereits während ihrer Entstehung zu
beseitigen.
Abgetragene Äste sind auf einen basisnahen Seitentrieb zurückzuschneiden. Im Laufe
der Zeit senken sich bei zahlreichen Sorten die Äste unter ihrem eigenen Gewicht und
dem Gewicht der Früchte bogenförmig herab. Auf dem Scheitelpunkt eines solchen
Fruchtbogens entstehen starke aufrecht wachsende Holztriebe (Reiter). Von diesen
belässt man einige günstig stehende zur Verjüngung der Gerüstäste.
Ist die künftige Gerüstastverlängerung genügend erstarkt und beginnt das Fruchtholz
der herabgesenkten Astspitze abzusterben, so wird dieser Teil des Astes bis auf die
neue durch den ehemaligen Reiter gebildete Gerüstastverlängerung zurückgesetzt.
Wichtig ist, daß diese Reiter genügend Licht für ihre Entwicklung erhalten.
Alle übrigen Äste in der Baumkrone sind auf möglichst waagerecht stehende Triebe
zurückzuschneiden (Schnitt auf Auslage). Dadurch wird die Triebbildung
eingeschränkt und die Fruchtbildung angeregt.
Bäume die längere Zeit keinen Schnittmaßnahmen unterzogen wurden, sind stärker
auszulichten. Dabei werden ältere starke Äste, die den Kronenaufbau stören,
abgestorben oder erkrankt sind, entfernt. Im Gegensatz zum jährlichen
Überwachungsschnitt müssen hier entstandene Fehler nachträglich korrigiert werden.
Diese Maßnahmen sind auch für einen ungeübten Gärtner verhältnismäßig einfach zu
realisieren.
Wird es auf Grund langer Vernachlässigung der Krone erforderlich, einen sehr
starken Auslichtungsschnitt vorzunehmen, sollte dieser auf mehrere Jahre verteilt
werden.
Durch einen derartigen plötzlichen Eingriff lassen sich Störungen im Gleichgewicht
der Krone und im Ertragsverlauf nicht vermeiden.
Verjüngungsschnitt
Das Verjüngen der Krone muss erfolgen, wenn die Triebleistung nachlässt, die Erträge
sinken und sich die Fruchtgröße merklich verschlechtert. Es ist zu beachten, daß
Baumkronen, die durch einen regelmäßigen Schnitt triebfähig und licht gehalten
werden, später Alterserscheinungen zeigen, als solche mit weniger intensivem oder
fehlendem Schnitt.

image
Abb. 12: Verjüngungsschnitt
In Abhängigkeit von der Obstart, der Sorte, dem Standort, der Unterlage und der
Schnittintensität wird ein Verjüngungsschnitt bereits nach 10 Jahren oder erst nach 20
Jahren notwendig. Durch den Verjüngungsschnitt soll das Wachstum angeregt werden.
Damit wird die Verjüngung des überalterten Astgerüstes und der Fruchtäste möglich.
Gleichzeitig wird die Kronenausdehnung soweit eingeschränkt, daß die Pflege
(Baumschnitt, Pflanzenschutz) und die Ernte erleichtert werden.