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Zwinger Dresden
Baumaßnahmen des Freistaates Sachsen
von 1991 bis 2015

Zwinger Dresden
Baumaßnahmen des Freistaates Sachsen
von 1991 bis 2015

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Der Dresdner Zwinger gilt als ein Wahrzeichen des Landes und als ein Identifikationsbau vieler Bür-
gerinnen und Bürger. Die prominente Lage in der Landeshauptstadt, die bau- und kunsthistorische
Bedeutung und die Konzentration hochrangiger Museen zeigen: Der Zwinger steht im Zentrum
der Öffentlichkeit. Bauen im Zwinger ist daher für die Staatshochbauverwaltung in Sachsen eine
Verpflichtung zu höchster Sorgfalt und baukünstlerischer Qualität.
Kurfürst Friedrich August I., auch bekannt als August der Starke, hat den Dresdner Zwinger als
steinernes Zeichen seines Repräsentationswillens und Machtanspruchs errichten lassen. Seitdem
stellt er ein prachtvolles Zeugnis barocken Zeitgeistes dar.
Unter der Leitung des Oberlandbaumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann und des Bildhauers
Balthasar Permoser manifestierte sich die Entwurfsidee als Gesamtkunstwerk in einer künstleri-
schen Einheit aus Pavillons, Balustraden, Brunnenanlagen, Vasen und Figurenschmuck. Die künst-
lerische Einheit des Zwingerensembles setzt sich bis in die kleinsten Details fort und übt heute,
wie schon zur Zeit seiner Entstehung, eine Faszination auf seine Besucher aus.
Ursprünglich als Orangerie von europäischen Rang erbaut, beherbergen die den Innenhof um-
gebenen Gebäude des Zwingers heute weltweit bekannte und für die Öffentlichkeit zugängliche
Museen, wie z.B. die Porzellansammlung, den Mathematisch-Physikalischen Salon und die Galerie
Alte Meister, die von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gepflegt und präsentiert werden.
Diese Sammlungen besitzen teils empfindliche Exponate, die hohe klimatechnische Standards be-
nötigen. Dies erfordert umfangreiche Gebäudetechnik und behutsame bauliche Anpassungen, um
einen denkmalgerechten sowie modernen Betrieb der Ausstellungsräume zu gewährleisten und der
hohen Nutzungsintensität gerecht zu werden.
Im Hinblick auf die kulturhistorisch herausragende Bedeutung des Zwingers ist der Pflege der Bau-
werke besondere Beachtung zu schenken. Die kleinen und großen Baumaßnahmen bedürfen daher
einer akribischen Vorbereitung und einer für die vorhandene Bausubstanz behutsamen Ausführung.
Besonders der für den Bau verwendete sächsische Sandstein, der seinen Ursprung im urzeitlichen
Meer der Kreidezeit hat und dessen verfestigte Sedimente heute die Gipfel des Elbsandsteingebir-
ges bilden, weist einige je nach Abbauregion unterschiedliche Eigenschaften auf. So ist der Cottaer
Sandstein wegen seiner guten Bearbeitbarkeit für anspruchsvolle Bildhauerei geeignet, während
die Varietät des Postaer Sandsteins aufgrund seiner hohen Festigkeit für Bausteine mit tragender
Funktion Verwendung findet. Textur und wechselnde Farbnuancen des Sandsteins prägen dabei das
ästhetische Bild des Zwingers.
Doch auch massiver Stein ist vergänglich, speziell Sandstein reagiert empfindlich auf Umweltein-
flüsse. Ohne eine kontinuierliche Pflege wäre die Schönheit des Zwingers schon längst vergangen.
Um den Schutz des Ensembles bemüht sich die 1991 wieder eingerichtete Zwingerbauhütte, die
zur Niederlassung Dresden I des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements gehört. Deren
Mitarbeiter wissen dank handwerklichem Können und langjähriger Erfahrung mit den Eigenheiten
des Steins umzugehen und tragen so kontinuierlich zum Erhalt der Bauwerke bei.
Kontinuität und Neubeginn, Erhalt und Nutzung kennzeichnen die Baugeschichte des Zwingers
bis zum heutigen Tag. Das Bauwerk durchlief in seiner langen Geschichte bereits sechs Restaurie-
rungsphasen. Dies verdeutlicht, dass der Erhalt des Zwingers eine Aufgabe ist, die von Generation
zu Generation weitergegeben wird. Ein lohnender Aufwand für ein Bauwerk, welches nicht nur für
das reiche kulturelle Erbe Sachsens steht, sondern auch Identifikation für eine ganze Region ist.
Grußwort
Prof. Dr. Georg Unland
Sächsischer Staatsminister der Finanzen

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Wie kaum ein anderes Bauwerk in Sachsen wirkt das Zwingerensemble durch seine bildkünst-
lerische Gestaltung. Im ästhetischen Zusammenspiel aus Pavillons, Galerien und Hofgestaltung
bilden die barocken Anlagen ein Gesamtkunstwerk, welches zu den bedeutendsten Baudenkmä-
lern Europas zu zählen ist.
Dabei beeindruckt allein schon die materielle Fülle und Dimension. Das unter der Leitung des
Architekten Matthäus Daniel Pöppelmann und des Bildhauers Balthasar Permoser errichtete
spätbarocke Bauwerk umfasst ca. 15.000 Quadratmeter reich gestaltete Fassadenflächen, etwa
1,2 Kilometer Balustraden, 16 zum Teil mehrläufige Treppenanlagen, 450 freistehende Figuren
und 150 bauwerksgebundene Plastiken. Die Wasserspiele des Zwingers, einschließlich des Nym-
phenbades, bestehen aus 17 Wandbrunnen mit einer Vielzahl von Wasserbecken sowie sieben frei-
stehenden Brunnenanlagen. Die umfangreiche Aufzählung ließe sich noch um einiges verlängern.
Die für den Besucher scheinbar ewige Schönheit der Sandsteinoberflächen wird allerdings durch
das permanente Einwirken von Umwelteinflüssen bedroht. Mit zunehmendem Alter des Zwingers
wachsen auch die Aufgaben der Steinrestaurierung. Die komplexen Schutzanforderungen an das
Bauwerk erfordern zum einen die langfristige Beobachtung der Bausubstanz, zum anderen ein
rasches Vorgehen bei Schäden, um größere Folgeschäden schon im Anfangsstadium zu verhin-
dern. Um den intensiven und kontinuierlichen Schutz des Zwingerensembles gewährleisten zu
können, hat sich eine heute selten gewordene Institution etabliert – die Bauhütte. Die Zwinger-
bauhütte moderiert und koordiniert hierbei zentral alle Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten.
Bei der Planung und Ausführung von Baumaßnahmen gilt es, Aspekte der Denkmalpflege mit den
Anforderungen an einen zeitgemäßen Betrieb der Museen im Zwinger in Einklang zu bringen.
Folglich ist es unerlässlich, jeder Baumaßnahme eine akribische Planung sowie Bauforschung
vorauszuschicken. Nur so kann gewährleistet werden, dass Schutz und Nutzung der Anlagen
gleichermaßen Beachtung finden.
Beispielhaft stehen hierfür die Baumaßnahmen für den Mathematisch-Physikalischen Salon.
Der Planungs- und Entwurfsgedanke basierte auf der historischen Intention, den Zwinger als
Gesamtkunstwerk zu betrachten. Die ursprünglichen Baustrukturen und Gestaltungsprinzipien
waren daher maßgebend. In diesem Kontext wurde für die Sammlung ein repräsentativer sowie
funktionaler Ausstellungsort entwickelt, der sich in die architektonische Einheit des Zwingers
integriert und zugleich genügend Raum für eine anspruchsvolle museale Nutzung schafft.
Dennoch, nach Abschluss einer Bau- oder Restaurierungsmaßnahme am Zwinger stehen meist
schon die nächsten Aufgaben an. Nur durch eine fachgerechte, kontinuierliche und intensive
Baupflege ist das Zwingerensemble auch für nachfolgende Generationen in seiner Pracht weiter
zu erhalten.
Die vorliegende Broschüre stellt nicht nur die wichtigsten Baumaßnahmen der letzten Jahre dar,
sondern beleuchtet auch aktuelle Erkenntnisse der Bau- und Gestaltungsgeschichte des Zwin-
gers. Ich wünsche allen Lesern eine interessante Lektüre.
Grußwort
Prof. Dieter Janosch
Technischer Geschäftsführer
Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement

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Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
DER DRESDNER ZWINGER
MASSNAHMEN
ANHANG
Kontinuität und Neubeginn
10
Zeittafel
12
Denkmalwert und Denkmalpflege
16
Archäologie im Zwinger
26
Beständig im Wandel – Bau- und Gestaltungsgeschichte
30
Wiederaufbau zwischen 1945 – 1989
36
Instandhaltung und Baupflege
40
Braunsches Atelier
44
Porzellansammlung
48
Jahrhundertflut 2002 und Hochwassermanagement
58
Nymphenbad
60
Mathematisch-Physikalischer Salon
72
Zwingerbauhütte
86
Die Grotte im Dresdner Zwinger
96
Bauteilbegriffe
106
Chronologie
108
Planung und Gestaltung
110
Literatur
111
Bildnachweis
112

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10 |
| 11
Kontinuität und Neubeginn –
Die sechste Zwingerrestaurierung unter der
Leitung der sächsischen Bauverwaltung
Roland Enke
Mit der Gründung des Freistaates Sachsen ging
ein rascher Aufbau der Verwaltung einher. So
wurde am 1. Januar 1991 die Staatshochbau-
verwaltung (ab 2003 Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilien und Baumanagement) ins Leben
gerufen. Als Teil der Bauverwaltung folgte im
Juni 1991 die Wiedereinrichtung der Zwin-
gerbauhütte. Fachkräfte, die bereits seit den
1980er Jahren am Erhalt des Zwingers mit-
wirkten, konnten ihre begonnene Arbeit in der
Zwingerbauhütte fortführen.
Ein einheitliches Gesamtkonzept für die Res-
taurierung des Zwingers – nunmehr die sechste
Restaurierung in seiner langen Geschichte –
hatte man bereits 1994 erarbeitet. Daran be-
teiligt waren die Bauverwaltung des Freistaates
Sachsen, das Landesamt für Denkmalpflege, die
Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
und die Staatliche Schlösserverwaltung (seit
2013 Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten
Sachsen gemeinnützige GmbH).
Auf der Basis dieses Konzeptes sind Zeit-
und Ablaufpläne erstellt sowie die Kosten
ermittelt worden. Die Abfolge der einzelnen
Bauabschnitte orientierte sich am jeweiligen
Zustand der Bausubstanz und der Gebäude-
technik, sowie nach den im Zwinger unter-
gebrachten Institutionen und den bereitge-
stellten finanziellen Mitteln. Ergänzend zur
Grundlagenermittlung für die umfassenden
Aufgaben der Zwingerrestaurierung schaltete
die Bauverwaltung Ende der 1990er Jahre eine
Bauforschung ein, die sich sowohl bei der Vor-
bereitung als auch während der Ausführung
der weiteren Baumaßnahmen als hilfreich und
qualitätssichernd erwies.
Die Restaurierung des Zwingers vollzog sich
von den stadtseitigen hin zu den wallseitigen
Einleitung | Kontinuität und Neubeginn
Baugruppen. Beginnend mit dem Kronentor
(1985 –1990), dem neuen Kupferdach des
Porzellanpavillons (1992) und dem Glocken-
spielpavillon (1992–1996) erstreckte sich das
Baugeschehen mit dem Umbau des Braun-
schen Ateliers zum heutigen Café Alte Meister
(2000–2001), über die Porzellansammlung
(1998–2010), der Restaurierung des Nym-
phenbades (2006–2008), des Umbaus und der
Restaurierung des Mathematisch-Physikali-
schen Salons (2010–2013) bis zum Abschluss
wesentlicher Arbeiten am Kronentor (2013–
2014). Seit 2014 erfolgt nun die komplette Res-
taurierung des Wallpavillons. Begleitet wurden
diese großen Baumaßnahmen von kleineren
Teilabschnitten, wie der Sanierung der Hof-
brunnen und der Instandsetzung des Teiches,
sowie des stetig erforderlichen Bauunterhaltes.
Im Hinblick auf die kulturhistorisch herausra-
gende Bedeutung des Zwingers ist der Pflege
der Bauwerke besondere Beachtung beizu-
messen, damit sich auch künftige Generati-
onen an der Pracht dieses Gesamtkunstwerks
erfreuen können. Die kleinen und großen
Baumaßnahmen bedürfen daher einer akri-
bischen Vorbereitung und einer für die Bau-
substanz behutsamen Ausführung. Die größ-
te Herausforderung dabei ist, die heutigen
hohen musealen und baulich-technischen
Anforderungen sowie die intensive Nut-
zung zu berücksichtigen. Neben der (Bau-)
Geschichte bildet die bauvorbereitende und
baubegleitende Forschung während der Bau-
maßnahmen die Grundlage für die gegen-
wärtige Restaurierungsphase des Ensembles.
In Verbindung mit den heutigen musealen
Anforderungen und technischen Möglichkei-
ten entwickelte sich daraus eine Kontinuität,
die eine wichtige Brücke zur baulichen Unter-
haltung des Ensembles aus der Vergangenheit
in die Zukunft schlägt. Daher sind Beiträge
zum Denkmalwert und Denkmalpflege, zur
Archäologie sowie aktuelle Erkenntnisse zur
Bau- und Gestaltungsgeschichte des Zwin-
gers dieser Broschüre erläuternd vorange-
stellt. Die Beschreibungen der wichtigsten
Bauaufgaben der Zwingersanierung folgen
im Anschluss.
Einleitung | Kontinuität und Neubeginn
Seiten 8/9: Zwingerhof mit wallseitiger Bau-
gruppe (Mathematisch-Physikalischer Salon,
Wallpavillon, Französischer Pavillon, v. li. n. re.),
2015
Linke Seite: Kronentor Restaurierung
1985–1991, anlässlich der Fertigstellung der
Restaurierung des Kronentores, 1989
Rechte Seite: Pavillon E, Kellergeschoss,
Auskofferung für zusätzlichen Depotraum der
Porzellansammlung, Restaurierung 1998–2002

12 | Einleitung | Zeittafel
Einleitung | Zeittafel
| 13
Zeittafel
POLITIK
1700
Dresden zählt ca. 21.000 Einwohner.
1700–21
Großer Nordischer Krieg um die
Vorherrschaft im Ostseeraum.
1701
Der preußische Kurfürst Friedrich III. erhebt sich
zum preußischen König Friedrich I., 1713†.
1703
Gründung von Sankt Petersburg durch
Peter den Großen, Russische Hauptstadt ab 1712.
1706
Niederlage Sachsen/Polens im
Großen Nordischen Krieg, Verlust der polnischen Königskrone für Sachsen.
1709
Nie-
derlage der Schweden bei Poltawa; Friedrich August I. gewinnt die polnische Königskrone
als August II. zurück.
1711
Friedrich August I. von Sachsen wird nach dem Tod Kaiser
Josephs I. Reichsvikar.
1712
Geburt von Friedrich II. von Preußen, gen. der Große, 1786†.
1719
Hochzeitsfest in Dresden für den Sohn von August dem Starken, Friedrich August
II. von Sachsen und Maria Josepha von Österreich.
1733
1. Februar, August der Starke
stirbt in Warschau; Regierungsantritt von Friedrich August II. von Sachsen, 1763†.
1738
Bestätigung von Friedrich August II. als polnischer König August III.
1740 –45
Schle-
sische Kriege.
1756–63
Siebenjähriger Krieg, Friede von Hubertusburg.
1762
Sophia
von Anhalt-Zerbst wird Zarin Katharina II. von Russland, gen. die Große 1796†.
1789
Französische Revolution.
1900
Dresden zählt ca. 396.000 Einwohner.
1914–18
Erster Weltkrieg.
1918
9. No-
vember: Ausrufung der (Weimarer) Republik; 28. November: offizielle Abdankung Kaiser
Wilhelm II., zugleich Ende der Monarchie in Sachsen.
1933
Machtergreifung der Natio-
nalsozialisten.
1939–45
Zweiter Weltkrieg, 7./8. Mai 1945: bedingungslose Kapitulati-
on Deutschlands.
1949
23. Mai: Gründung der Bundesrepublik Deutschland, 7. Oktober:
Gründung der Deutschen Demokratischen Republik.
1951
Gründung der Europäischen
Gemeinschaft für Kohle und Stahl („Montanunion“), Ursprung der späteren EU.
1973
Beitritt (BRD und DDR) zur UNO.
1989
9. November: Fall der Mauer.
1990
3. Oktober:
Deutsche Wiedervereinigung.
1992
6. Juni: Verfassung des Freistaates Sachsen tritt in
Kraft.
Ab 1994
Abzug der Alliierten Streitkräfte aus Deutschland.
2000
Dresden zählt
ca. 477.000 Einwohner.
2002
Einführung der Euro-Währung.
2007
Weltweite Finanzkrise.
1800
Dresden zählt ca. 62.000 Einwohner.
1806
Kurfürst Friedrich August III., gen. der
Gerechte, wird von Napoleon zu König Friedrich August I. von Sachsen erhoben.
1813–15
Befreiungskriege gegen Napoleon, Wiener Kongress.
1823–80
Wiedereinrichtung der
Dombauhütte und Vollendung des Kölner Doms.
1835
Erste Eisenbahnfahrt zwischen
Nürnberg und Fürth mit einer Dampflokomotive.
1836
Gründung der Dresdner Elbschiff-
fahrtsgesellschaft, Bau der „Königin Maria“ als erstes deutsches Personendampfschiff.
1848/49
„Märzrevolution“ und Frankfurter Reichsverfassung.
1849
Maiaufstand Dres-
den; Flucht u.a. von Wagner und Semper aus Dresden.
1871
Deutsche Reichsgründung
und Kaiserproklamation in Versailles.
1643–1715
Regierungszeit Ludwig XIV.
1663–99
Großer Türkenkrieg.
1670
12. Mai:
Geburt von Friedrich August von Sachsen in Dresden.
1680
Regierungsantritt von
Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen, 1691†.
1684
Österreich, Venedig und Polen
gründen Heilige Liga gegen die Türken.
1686
Beitritt Russlands, Brandenburgs und
Schwedens zur Heiligen Liga.
1687–89
Kavalierstour von Friedrich August durch Euro-
pa (u.a. Wien, Versailles) .
1688
Regierungsantritt des preußischen Kurfürsten Friedrich
III.
1691
Regierungsantritt von Kurfürst Johann Georg IV. von Sachsen, 1694†.
1693
Hochzeit von Friedrich August von Sachsen mit Christiane Eberhardine von Branden-
burg-Bayreuth.
1694
Regierungsantritt von Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen,
gen. August der Starke, 1733†.
1695–96
Friedrich August I. von Sachsen wird Ober-
befehlshaber des kaiserlichen Heeres in Ungarn im Großen Türkenkrieg.
1697
1. Juni:
Friedrich August I. von Sachsen konvertiert zum Katholizismus; 26./27. Juni: Wahl zum
König von Polen; 15. September: Krönung in Krakau als August II.
17. Jh.:
Erbauung der Alten Zwingergrotte auf dem Areal der späteren Bogengalerie J.
1672–78
Erbauung des Reithauses mit Reitbahn durch Wolf Caspar von Klengel, des
Schießhauses zwischen den Pavillons G und H sowie der Gemäldegalerie. Die Gebäude
entstanden über den verschütteten Befestigungsanlagen der Stadt Dresden aus dem
Mittelalter sowie aus dem 15. und 16. Jh.
Ab 1709
Baubeginn am Zwinger mit Anlage halbrunder Terrassen im Festungswall aus
den 1570er Jahren.
Ab 1712
Fertigstellung der ersten Baugruppe mit den Bodengaleri-
en K und L sowie den Pavillons F und G. Zudem entsteht das Nymphenbad. Anstelle der
Langgalerien sind Terrassen im Bau. Erste Erweiterungspläne des Zwingers nach Süden
und nach Osten in Richtung Elbe.
Bis 1718
Erweiterung des Zwingers in Richtung Stadt
mit Bau der Langgalerien O und N, dem Kronentor P sowie dem nachträglich einge-
fügten Wallpavillon D. Die Planungen sehen im Süden einen Abschluss mit weiteren
Pavillons sowie großen Kaskaden und in Richtung Elbe Galerieanbauten und ein neues
Schloss vor.
Bis 1719
Vorläufige Fertigstellung des Zwingers zur Fürstenhochzeit im
September 1719 durch weitgehend spiegelbildlich zur Wallgruppe errichtete Gebäude.
Es entstehen die Pavillons H und E sowie das damals größte Opernhaus Europas anstelle
des heutigen Anbaus A. Die gebogenen Teile der Galerien M und J sowie der Pavillon E
können aus Zeitmangel nur in Holz errichtet werden.
1722–1728
Die in Holz errich-
teten Baukörper werden durch Massivbauten ersetzt und die Galerien aufgrund erster
Bauschäden nachträglich massiv gewölbt.
1783–95
Erste Zwingerrestaurierung unter
Hofkondukteur Johann Daniel Schade.
1924–36
Vierte Zwingerrestaurierung unter Hubert Ermisch. Anlegen der Hofgestal-
tung in Anlehnung an einen historischen Kupferstich von M. D. Pöppelmann. Ersatz
verwitterter Figuren durch Kopien und Neuschöpfungen.
1936
Auflösung der Zwinger-
bauhütte.
1945
Erhebliche Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg; Wiedereinsetzung der
Zwingerbauhütte als „Bauabteilung Zwinger“.
1945–63
Fünfte Zwingerrestaurierung
unter Hubert Ermisch; abgeschlossen von Arthur Frenzel.
1965
Auflösung der Zwinger-
bauhütte.
Ab 1985
Sechste Zwingerrestaurierung unter Leitung der Bauabteilung der
Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bis 1991, anschließend Fortführung durch die
Sächsische Staatshochbauverwaltung. Zwingerbaumeister Ulrich Aust (bis 1992†) und
Zwingerbaumeister Karl Schöppner (ab 1993).
1991
Fortführung der Restaurierungsar-
beiten am Zwinger durch die wieder eingerichtete Zwingerbauhütte als Teil der Sächsi-
schen Staatshochbauverwaltung.
2002
Hochwasser überflutet Zwinger.
Ab 1812
Verschütten des Wallgrabens, der den Zwinger im Osten und Norden umgibt,
gärtnerische Gestaltung der Außenbezirke um den Zwinger.
1847–55
Bau der heuti-
gen Gemäldegalerie Alte Meister sowie des neuen Kupferstich-Kabinettes an der bislang
offenen Ostseite des Zwingers. Somit Aufgabe aller bis dahin existierenden Forumsplä-
ne zur Erweiterung des Zwingers in Richtung Elbe.
1849
Erhebliche Zerstörungen des
Opernhauses, der stadtseitigen Pavillons C und E sowie der Bogengalerien M und J durch
Brandstiftung während der Maiaufstände.
1852–57
Wiederherstellung der brandge-
schädigten Zwingerbereiche durch Karl Moritz Haenel. Es entstehen die Anbauten A und B .
1857–63
Zweite Zwingerrestaurierung unter Karl Moritz Haenel. Der Zwinger erhält
einen Anstrich mit Ölfirnis.
1880–98
Dritte Zwingerrestaurierung unter Verwendung
von Portlandzement, Behandlung der Figuren mit Fluaten; Ölfarbenanstrich fast aller
Zwingerfassaden.
17. Jahrhundert
18. Jahrhundert
19. Jahrhundert
20./21. Jahrhundert
BAUGESCHICHTE ZWINGER

14 |
| 15
1706–11
Taschenbergpalais durch Pöppelmann.
Ab 1710
Umbau von Dresden nach der
neuen Bauordnung von Johann Friedrich Karcher.
1712
Gründung des Sächsischen In-
genieurskorps in Dresden.
1715–16
Holländisches Palais durch Johann Rudolph Fäsch.
1719–20
Schloss und Garten Großsedlitz, Heidenau, vermutlich durch Matthäus Da-
niel Pöppelmann, Zacharias Longelune, Johann Christoph Knöffel.
1720–24
Schloss
Pillnitz durch Pöppelmann.
1723–25
Weinbergkirche Pillnitz durch Pöppelmann.
1723–33
Umbau von Schloss Moritzburg durch Pöppelmann, Mitarbeit Permoser.
1726–43
Frauenkirche durch Georg Bähr.
1727–32
Umbau des Holländischen Palais
zum Japanischen Palais durch Pöppelmann mit Zacharias Longelune.
1727–31
Augus-
tusbrücke durch Pöppelmann.
1732
Städtebauliche Planungen durch Pöppelmann für
die Königsstraße in Dresden-Neustadt.
1739–55
Hofkirche durch Gaetano Chiaveri.
1742–44
Galeriegebäude auf der Brühlschen Terrasse durch Johann Christoph Knöffel.
1764–92
Kreuzkirche durch Johann George Schmidt und Christian Friedrich Exner.
1901–07
Ständehaus an der Brühlschen Terrasse durch Paul Wallot.
1905–10
Neues
Rathaus durch Karl Roth.
1906–10
Städtischer Vieh- und Schlachthof (heute Messe
Dresden) durch Hans Erlwein.
1908–09
Tabakwarenfabrik Yenidze durch Hans Erlwein
1908–11
Gartenstadt Hellerau mit Festspielhaus durch Heinrich Tessenow.
1911–13
Italienisches Dörfchen durch Hans Erlwein.
1928–30
Hygiene-Museum durch Wilhelm
Kreis.
1962–69
Kulturpalast Dresden durch Wolfgang Hänsch.
Ab 1986
Wiederauf-
bau des Dresdner Schlosses.
1991–93
Sächsischer Landtag Dresden durch Peter Kulka
1997–98
Kino Ufa-Kristallpalast durch Coop Himmelb(l)au.
1998–2001
Neue Synago-
ge durch Wandel Hoefer Lorch und Hirsch.
1993–2005
Wiederaufbau der Frauenkirche
1999–2002
Gläserne Manufaktur VW durch Gunter Henn.
1999–2003
Sächsische
Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden durch Ortner & Ortner.
2001–07
Umbau des Dresdner Hauptbahnhofs durch Norman Foster.
2004–11
Umbau
des Militärhistorischen Museums durch Daniel Libeskind.
2007–13
Waldschlösschen-
brücke durch Eisenloffel + Sattler, Kolb + Ripke.
1809–29
Abbruch der Befestigungsanlagen, Beginn der Stadterweiterungen im Zuge der
Industrialisierung.
1830–32
Altstädter Wache durch Karl Friedrich Schinkel.
1835–36
Eingemeindungen der Antonstadt, Friedrichstadt, Leipziger Vorstadt (1866).
1839
Leip-
ziger Bahnhof (nahe heutigem Bhf. Neustadt) als Endpunkt der ersten Ferneisenbahn
Leipzig – Dresden.
1847–54
Gemäldegalerie Alte Meister („Sempergalerie“) durch Gott-
fried Semper.
1850–54
Schloss Albrechtsberg durch Adolf Lohse.
1871–78
Königli-
ches Hoftheater („Semperoper“) durch Gottfried Semper.
1873
Ausbau der Kasernen
in der Albertstadt, 1892 Eingemeindung.
1891–93
Elbbrücke („Blaues Wunder“) durch
Benno Hübel, Claus Koepcke und Hans Manfred Krüger.
1895–98
Neubau des Böhmi-
schen Bahnhofs als Hauptbahnhof durch Ernst Giese und Paul Weidner.
1664–67
Opernhaus am Taschenberg durch Wolf Caspar von Klengel.
1678–83
Palais
im Großen Garten durch Johann Georg Starcke, Gartenanlagen ab 1684 durch Johann
Friedrich Karcher.
1682–
Anlage des Kleinen Lustgartens (Fragmente erhalten im heu-
tigen Blüherpark) durch Johann Friedrich Karcher.
1685–1732
Brand in Altendresden
und Wiederaufbau als „Neue Königliche Stadt“ (heutige „Neustadt“).
1701–08
Johann Melchior Dinglinger schafft den Tafelaufsatz „Hofstaat zu Dehli am
Geburtstag des Großmoghuls Aureng-Zeb“.
1705
Antonio Stradivari baut seine Geigen
in Cremona.
1705
Pöppelmann wird Landbaumeister.
1708
Johann Friedrich Böttger
und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus erfinden das europäische Porzellan in Meißen.
1709
Erste Ausgrabungen in Herkulaneum/Vesuv.
1710
Gründung der ersten Porzel-
lanmanufaktur Europas in Meißen.
1710
Pöppelmann auf Studienreise in Prag, Wien,
Florenz, Rom und Neapel.
1710–14
Johann Gottfried Silbermann baut die große Or-
gel im Freiberger Dom.
1711
Georg Friedrich Händel feiert ersten Erfolg mit „Rinaldo“
in London; Jakob Le Blon erfindet den Dreifarbendruck.
1714
Gabriel Daniel Fahren-
heit entwickelt das Quecksilberthermometer; Henry Mill erfindet die Schreibmaschine.
1715/16
Berufung von Louis de Silvestre als Oberhofmaler August des Starken.
1718
Pöppelmann wird Oberlandbaumeister.
1721
Johann Sebastian Bach komponiert die
„Brandenburgischen Konzerte“.
1722
Johann Alexander Thiele malt zwei Gemälde zum
„Karneval im Zwinger“.
1723–29
Einrichtung des Grünen Gewölbes als Museum durch
Matthäus Daniel Pöppelmann, Raymond Leplat und Zacharias Longelune.
1725
An-
tonio Vivaldi komponiert die „Vier Jahreszeiten“.
1729
Pöppelmann veröffentlicht sein
Kupferstichwerk zum Zwinger.
1730/31
Permoser fertigt die „Kreuzigungsgruppe“ für
sein Grabmal, Dresden-Friedrichstadt.
1732
18. Februar: Permoser stirbt in Dresden.
1733
1. Februar: August der Starke stirbt in Warschau.
1736
17. Januar: Pöppelmann
stirbt in Dresden.
1738
Heinrich Graf von Brühl wird Leiter der königlichen Sammlun-
gen.
1769
James Watt erhält Patent zur Verbesserung der Dampfmaschine.
1797
Er-
findung der Lithografie durch Alois Senefelder.
1905
Albert Einstein veröffentlicht seine „Spezielle Relativitätstheorie“, 1916 die „Allge-
meine Relativitätstheorie“.
1906
Reginald Fessenden in Massachusetts, USA, sendet ers-
te Radiosendung durch drahtlose Telegrafie.
Um 1910
Erste abstrakte (gegenstandlose)
Werke der bildenden Kunst.
1917
Marcel Duchamp kreiert sein Ready-made „Fontäne“.
1938
Konrad Zuse fertigt mit dem Z1 den ersten frei programmierbaren mechanischen
Rechner.
1939
Auf der Internationalen Funkausstellung Berlin werden erste farbige
Fernsehbilder ausgestrahlt.
1961
Jurij Gagarin umkreist als erster Mensch die Erde.
1969
Neil Armstrong betritt als erster Mensch den Mond.
2011
Oktober: Weltbevölke-
rung steigt auf über 7 Milliarden.
2011
Erste Zwingerfestspiele mit „Die Mätresse des
Königs“ unter der Leitung von Dieter Wedel.
2012
Der Dresdner Maler Gerhard Richter
zählt weltweit zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart.
1817
Carl Maria von Weber eröffnet das deutsche Departement des Dresdner Hofthea-
ters.
1826
Joseph Nicéphore fertigt erste Fotografie der Welt im Heliografie-Verfahren
an.
1837
Samuel Morse entwickelt seinen elektrischen Schreibtelegrafen.
1843
Richard
Wagner wird Königlich-Sächsischer Kapellmeister an der Dresdner Hofoper, Urauffüh-
rung seiner Oper „Der fliegende Holländer“.
1851
Erste Weltausstellung im Londoner
Hyde Park.
1870
Gründung der Dresdner Philharmonie.
1876
Alexander Graham Bell
erhält ein Patent auf sein Telefon.
1886
Carl Benz baut mit dem Patent-Motorwagen
Nr. 1 das erste Automobil mit Verbrennungsmotor.
1888/89
Vincent van Gogh malt die
Gemälde „Sonnenblumen“ .
1651
13. August: Geburt Balthasar Permoser in Kammer (Chiemgau).
1662
5. März:
Geburt Matthäus Daniel Pöppelmann in Herford.
1662–90
Charles Le Brun wird Direk-
tor der Königlichen Manufaktur in Paris.
1665
Gianlorenzo Bernini vollendet die Büste
Ludwig XIV.
1668
Isaak Newton baut erstes Spiegelfernrohr.
1680
Matthäus Daniel
Pöppelmann beginnt seine Tätigkeit im Sächsischen Bauamt Dresden.
1690
John
Locke
verfasst das Essay „Ein Versuch über den menschlichen Verstand“.
1690
Berufung Per-
mosers durch Kurfürst Johann Georg III. als Hofbildhauer nach Dresden: Kabinettstücke,
„Fliegender Chronos“ zur Erinnerung an den Brand 1685 (zerstört).
1690–95
Permoser
schafft Skulpturen des Großen Gartens in Dresden.
1691
Pöppelmann wird Baukon-
dukteur.
1695
Gottfried Wilhelm Leibniz arbeitet an der Rechenmaschine.
1697
Per-
mosers Italienreise.
1650–1770
BAROCK
1720–1770
ROKOKO
1770–1830
KLASSIZISMUS
1830–1920
HISTORISMUS
1890–1910
JUGENDSTIL
1910–1925
EXPRESSIONISMUS
1920–1940
FUNKTIONALISMUS /
INTERNATIONALER STIL
1920–1940
ART DECO
1930–1950
NEOKLASSIZISMUS
1945–1975
NACHKRIEGSMODERNE
1950–1965
BRUTALISMUS
1970–1990
POSTMODERNE
1980–2000
DEKONSTRUKTIVISMUS
1990–
HIGH-TECH-ARCHITEKTUR
Einleitung | Zeittafel
Einleitung | Zeittafel
DRESDNER BAUGESCHICHTE
17. Jahrhundert
18. Jahrhundert
19. Jahrhundert
20./21. Jahrhundert
KULTUR
Epochen in Deutschland

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16 |
| 17
Der Dresdner Zwinger –
Denkmalwert und Denkmalpflege
Michael Kirsten
Der Dresdner Zwinger gilt als herausragendes
Beispiel deutscher Barockarchitektur und als
das Hauptwerk seines Architekten Matthäus
Daniel Pöppelmann. Die Symmetrie und Ge-
schlossenheit seiner baulichen Disposition
erwecken den Eindruck, der Bau sei von vorn-
herein nach einem einheitlichen „Masterplan“
entstanden. Erst ein Blick in die Planungs-,
Bau- und Nutzungsgeschichte lässt die Viel-
schichtigkeit seiner Genese und den Facetten-
reichtum seines Denkmalwertes erkennen.
Der Zwinger und seine Planungsgeschichte
Grundlage ist die sich mehrfach wandelnde
Zweckbestimmung des Bauwerks, die maßgeb-
lich aus den politischen, kulturellen und künst-
lerischen Ambitionen seiner Bauherrschaft
resultiert. Bescheidene Intentionen zum Bau ei-
ner Orangerie im Küchengarten des Hofes wur-
den in diesem Zusammenhang abgelöst von
Überlegungen, ein Forum zu entwickeln, das
im Hinblick auf den geplanten Schlossneubau
des Königs und Kurfürsten in verschiedensten
Konzeptionen und Varianten visionär entwi-
ckelt und planerisch durchdekliniert wurde, um
zuletzt als Rudiment großer Visionen auf den
bis heute erlebbaren Kern zu „schrumpfen“, der
dennoch den Eindruck vermittelt, nie sei ein
anderes Konzept verfolgt worden.
1
Damit wurde der Zwinger auch Maßstab für
das Handeln jüngerer Generationen, so auch
für Karl Moritz Haenel, der das Bauwerk nach
den Zerstörungen des Jahres 1849 sensibel re-
konstruierte und über vorgelagerte Baukörper
zu beiden Seiten des Stadtpavillons fortschrieb.
Gottfried Semper unternahm den Versuch,
Pöppelmanns Forumpläne nunmehr im Hin-
blick auf die Einbindung eines Opernhauses
und einer Gemäldegalerie erneut aufzugreifen.
Auch darin wird das Potenzial dieser hochka-
rätigen, im 18. Jahrhundert unvollendeten An-
lage noch einmal deutlich. Der Planungsansatz
Sempers scheiterte wie schon der seines Vor-
gängers Pöppelmann. Wie ihm gelang Semper
mit der den Hof schließenden Galerie eine Lö-
sung, die – wenn auch bescheidener – dennoch
aber schlüssig erscheint. Der städtebauliche
Anspruch blieb durch die „Öffnung“ der Galerie
über einen „Triumphbogen“, der die Achse von
Grabenbrücke, Kronentor und Theaterplatz ak-
zentuiert, lebendig. Damit waren alle, das Bau-
werk bis heute prägende Akzente gesetzt. Ne-
ben dem höfischen Zeremonienraum und dem
Musentempel gewann der Dresdner Zwinger
mit seiner Rettung in den Jahren des Wieder-
aufbaus nach 1945 eine weitere zeichenhafte
Bedeutung für den Überlebenswillen und die
Zukunftshoffnung der Dresdner Bevölkerung.
Der Dresdner Zwinger ist damit brillantes
Zeugnis einer gelungenen „Umnutzung“, die
einen „Zeremonienraum“ höfischer „Diplomatie
und Kultur“ in einen Musentempel, einen Ort
hochkarätiger Sammlungen, einen Erlebnis-
raum für die Öffentlichkeit und einen Ort der
Hoffnung transformierte.
Pöppelmanns Entwurfsideen
Der kunstgeschichtliche Wert des Bauwerks
resultiert aus seiner architektonischen und
künstlerischen Qualität, die aus dem Zusam-
mentreffen eines einfühlsamen Auftraggebers
– des sächsischen Kurfürsten Friedrich Au-
gust I. und in Personalunion polnischen Kö-
nigs August II. –, dem für das Gesamtprojekt
verantwortlichen Architekten Matthäus Daniel
Pöppelmann und dem auch dessen Architektur
prägenden Bildhauer Balthasar Permoser resul-
tiert. Trotz Akzeptanz, Anerkennung und Wür-
digung auch anderer „Zeitschichten“ des Bau-
werks muss deren Leistung stets im Mittelpunkt
der Betrachtung und aller Bemühungen um
eine sachgerechte Rezeption der Anlage stehen.
Während sich Pöppelmann beim Bau der Bo-
gengalerie und beider Pavillons im Rahmen
der in Dresden heimischen Formensprache
bewegte, gelangen ihm für Kronentor und
Wallpavillon geniale Entwürfe, denen das
Ensemble seinen Weltruhm verdankt. Schaut
man zurück auf die Genese des Kronentores
und des Wallpavillons, stellt man fest, dass
die Entwürfe zu beiden Bauwerken unter-
schiedliche Entwurfsphasen repräsentieren.
Ursprünglich waren Bauwerke geplant, die
in ihrem formalen Repertoire zwischen dem
Schlossneubau und der bis dahin vollendeten
Orangerie vermitteln sollten.
Der Dresdner Zwinger | Denkmalwert und Denkmalpflege
1
Zu den archivalischen Quellen vgl.: Kirsten, Michael: Der Dresdner Zwinger, in: Jahrbuch der Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden 20 (1988), S. 53 – 76.
Rechte Seite: Otto Ewel, Der Marmorsaal vor
der Zerstörung, Aquarell, 1945
Der Dresdner Zwinger | Denkmalwert und Denkmalpflege

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Das Kronentor
So ist uns zum Kronentor ein 1712/13 ge-
schaffener Plan überliefert, der ein Bauwerk
mit kräftiger Rustika im Erdgeschoss, frei ste-
henden Säulen im Obergeschoss und einer
Kuppel zeigt, die auf einer kräftigen Balustra-
de im Attikabereich ruht. Die formalen Bezüge
zu den nach Pöppelmanns Wien–Rom–Reise
geschaffenen Entwürfen zur Hauptschauseite
des neuen Schlosses sind offensichtlich. Erst
als sich 1714 die Separierung des Zwingerho-
fes vom Schloss abzeichnete, eröffnete sich
die Möglichkeit, eine ganz eigenständige For-
mensprache zu entwickeln. Nun setzte das für
den Zwinger so charakteristische Bestreben
nach Auflösung festgefügter Strukturen und
nach Verschmelzung von Bildwerk und Archi-
tektur ein, was auf engstes Zusammenwirken
von Pöppelmann und Permoser schließen lässt.
Die Portalentwürfe beseelte seitdem ein völlig
neuer Geist.
Der Stich Pöppelmanns im Kupferstichwerk
von 1729 zeigt einen Entwurf, der in eben
diesem Prozess entstand. Im Unterschied zu
ursprünglich geplanten Torbauten ist die um-
gesetzte Version mehr Zeichen und Symbol als
bergende Hülle. Die Grenze zum Szenischen,
zur Bühne ist überschritten, und erst in dieser
Sphäre findet sich dem Kronentor vergleichba-
res Material. Man denke nur an die derselben
Sphäre angehörigen Triumphpforten, Trauerge-
rüste und Festdekorationen und nicht zuletzt
an die Altarentwürfe des österreichischen Ar-
chitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach
(1656 –1723).
Pöppelmann hatte Gelegenheit, die von diesem
entworfenen Ehrenpforten von 1690 und 1699
kennenzulernen. Sie fußten auf dem Motiv des
in der römischen Baukunst geschaffenen drei-
torigen Blocks des Triumphtores und gediehen
unter der Hand eines über die Bildhauerei zur
Architektur gelangten Künstlers durch die Fülle
dekorativ-plastischen und figürlichen Schmucks
gleichsam selbst zum Abbild einer „pompa fes-
tivalis“. Die Verschmelzung von Architektur und
Plastik war auch Methode bei Fischer von Er-
lach, nur wurden seine diesbezüglichen Bauten
in vergänglichen Materialien angelegt. Erstmals
im Kronentor „gerann“ eine solche, bisher nur
im Rahmen zeitlich begrenzter Feierlichkeiten
gebräuchliche Festdekoration zu Stein. Nur aus
diesem Grund blieb sie der Nachwelt als „über-
raschender Einzelgänger“ erhalten.
Die Galerien
Für die Langgalerie griff Pöppelmann erneut
das Motiv einer Grottenwand auf, das er von
den Villen um Frascati, insbesondere von der
Arkadenfolge des Wassertheaters der Villa Tor-
lonia (Ludovisi-Conti) her kannte. Anstelle der
Nischen traten im Falle der Langgalerie die sich
ebenfalls im Rundbogen öffnenden Fenster.
Der Wallpavillon
Noch um 1713 ging man von dem Bestre-
ben aus, die Treppenanlage im Scheitel der
Orangerie in einen Pavillon auf rechteckigem
Grundriss zu integrieren. Drei Blätter mit Ent-
wurfsvarianten blieben erhalten. Auch dafür
haben die nach 1710 geschaffenen Entwür-
fe zur Schauseite eines Schlossneubaus Pate
gestanden. Der nach 1715 realisierte Entwurf
übertraf die drei genannten jedoch bei wei-
tem an Originalität. Anstelle der unorganisch
und steif die Galerie sprengenden rechtecki-
gen Baukörper setzte Pöppelmann den sich
konvex wölbenden Pavillon in die sich für
den Betrachter konkav darstellende Bogen-
galerie. Das Motiv der aufgesprengten Form,
des in gegenläufigem Sinne aufgebrochenen
Giebels, kehrt hier im Grundriss wieder. Jede
Fensterachse ist in sich konkav geschwun-
gen. Damit erzielte Pöppelmann Zurückhal-
tung und Spannung zugleich. Stärker noch
als am Kronentor verschmilzt am Wallpavillon
Bildwerk und Architektur zu einer genialen
Einheit. Pöppelmann und Permoser dürften
zu etwa gleichen Teilen am Entwurf beteiligt
gewesen sein.
Linke Seite: Kronentor, Ansicht von der
Stadtseite, 2008
Rechte Seite: Marmorsaal nach der Zerstörung,
1945
Der Dresdner Zwinger | Denkmalwert und Denkmalpflege
Der Dresdner Zwinger | Denkmalwert und Denkmalpflege

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Die Vorbilder
Auf der Suche nach den Gestaltungsgrundla-
gen ist auf Bauten und Entwürfe des Wieners
Lucas von Hildebrandt (1668–1745) und auf
das Werk des Römers Francesco Borromini
(1599–1667) zu verweisen. Stärker noch ist
der Wallpavillon Sakralbauten des böhmisch-
en Barock verpflichtet. Die Klosterkirche von
B
evnov, ein Werk des in Prag tätigen Christoph
Dientzenhofer (1655–1722), oder die Bauten
in Kuks zeigen ebenso wie die Fassade der
Klosterkirche in Osek solch plastisch modellier-
te Körper. Gesims- und Volutenmotive scheinen
sich zu verselbständigen. Im Bereich der Gie-
belabschlüsse wurden „zerfetzte Endformen“
geschaffen. Im Unterschied zu den böhmischen
Bauten löste Pöppelmann jede Grundform
durch Bildwerk und plastischen Dekor derart
auf, dass an die Stelle von dramatischer Bewe-
gung und stürmisch-monumentaler Zerklüf-
tung eine heitere und bizarre Dynamik trat.
Das Bildprogramm
Das Bildprogramm des Bauwerks diente ei-
ner Verherrlichung des Regenten. Dreh- und
Angelpunkt ist Hercules Saxonicus, dessen
„Bild-Säule theils als eines Ober-Aufsehers [...]
theils als eines Welt-Unterstützers, wie er die
Himmels-Kugel auf seinen Schultern träqet, in
Abzielung auf die damahlige Reichs-Stadthal-
terschaft unseres Heldenmüthigen Königs, in
der Höhe über der großen Treppe ausgestellt“
2
wurde. Pöppelmann, der diese Erklärung im
Vorwort seines Kupferstichwerkes gab, ver-
wies auf eine der zwölf Taten des Herkules. Um
sich von Atlas die Äpfel der Hesperiden brin-
gen zu lassen, die „von vielen eigentlich [...] als
wahrhafftige Pomerantzen-Aepfel verstanden
werden“, musste er jenem für kurze Zeit das
Himmelsgewölbe tragen. Diese Erzählung bot
sich als mythologische Parallele zur 1711 aus-
geübten Reichsstatthalterschaft Augusts des
Starken an. Noch um 1713 beabsichtigte man,
anstelle des Kronentores in der Mittelachse
des geplanten Schlossneubaus ein Herkules-
portal zu errichten. Diese Idee erübrigte sich,
nachdem ein vergleichbares Bildprogramm
am Wallpavillon realisiert wurde. Die große
Bedeutung, die Herkules im Dresdner Zwin-
ger zukam, ist Ausdruck der selbstbewussten
Haltung Augusts des Starken gegenüber den
Habsburgern, denen Herkules in besonderem
Maße Zeichen ihres Monopols auf die Kai-
serkrone war. Das die Symbolkraft des Tores
nach wie vor bestimmende Motiv ist jedoch
die von der Kuppel und deren Akanthusran-
ken getragene Krone, die sich, umgeben von
vier polnischen Adlern, eindeutig als polni-
sche Königskrone ausweist.
Linke Seite links: Minerva von Balthasar
Permoser (z. Zt. in der Skulpturensammlung
der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden)
Linke Seite rechts: Apoll von Balthasar
Permoser (z. Zt. in der Skulpturensammlung
der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden)
Rechte Seite: Vestibül im Wallpavillon,
Blick zur Bogengalerie K, 2009
2
Pöppelmann, Matthäus Daniel: Vorstellung und Beschreibung des von Sr. Kgl. Majest. in Pohlen u. Churf. Durchl.
z. Sachsen erbauten sogen. Zwinger-Gartens-Gebäuden oder der Kgl. Orangerie zu Dresden, Dresden 1729.
Der Dresdner Zwinger | Denkmalwert und Denkmalpflege
Der Dresdner Zwinger | Denkmalwert und Denkmalpflege

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22 |
| 23
Sinnfälliger erscheint das Programm des Wall-
pavillons. Vier sich um die Wappenkartusche
gruppierende Skulpturen zeigen eine Anspie-
lung auf das Parisurteil. Anstelle von Prinz
Paris trat August der Starke und an die Stelle
des Apfels die polnische Königskrone. Die üb-
rigen vier Skulpturenpaare, wohl Gruppen der
vier Winde, verkünden den Ruhm des Hercu-
les Saxonicus in alle vier Himmelsrichtungen.
Die Mittelkartusche ziert das kursächsisch-
polnische Wappen, über dem auch hier die
polnische Königskrone dargestellt ist. Getra-
gen wird diese Ebene, in der sich Politik und
Mythologie kaum entflechtbar durchdringen,
von Kräften der Natur, von Faunen und Sa-
tyrn. Eine sich dieser ikonographischen Ebene
anschließende Welt ist die der Nymphen, für
die man in Form einer Grotte, grottenähnli-
chen Architekturen und Brunnenanlagen das
erforderliche Umfeld schuf.
Träger der Ikonographie sind Werke „in kom-
binierter Maler- und Bildhauerey“, wie es von
der „inwendigen Auszierung“
3
des Kronen-
tores heißt. Hauptmeister dieser Zier war der
Bildhauer Balthasar Permoser, der aufgrund
seines Anteils oft in einem Atemzug mit dem
Architekten genannt wird, denn der Zwinger
ist unvorstellbar ohne den reichen plastischen
Schmuck, der untrennbar zum Bauwerk gehört.
Permoser als kongenialer Partner
Pöppelmanns
Für 1715 ist Permosers Tätigkeit im Zwinger
erstmals belegt. In diesem Jahr signierte er die
Skulptur eines Apoll für den Grottensaal im
Erdgeschoss, wo sich heute der Eingangsbe-
reich des Mathematisch-Physikalischen Salons
befindet. Ihr Pendant war die Skulptur einer
Minerva, die – ebenfalls inschriftlich bezeugt –
1716 entstand. Hervorragende Werke seiner
Hand finden sich unter den Nischenskulptu-
ren des Nymphenbads (Nymphe mit Muschel,
Nymphe, die zum Bade geht und Nymphe, die
vom Bade kommt) und des Kronentores (Vulcan
und Ceres). Den Höhepunkt seines Schaffens
erreichte er mit dem Schmuck des Wallpavil-
lons. Unter den Hermen schuf Permoser die
mittleren Gruppen. Sie lösen sich gleichsam
organisch aus Gliedern der Architektur und
treten an deren Stelle. Durch Signatur der den
Pavillon bekrönenden Skulptur des Herkules
bekannte sich der Meister zu seinem Gesamt-
werk im Zwinger.
In der Synthese von Plastik und Architektur
spielte auch Farbe und Malerei eine wichtige
Rolle. So trug die Sandsteinarchitektur eine
helle Lasur, die zur „Veredelung“ des Steins
beitrug und den Fond für vergoldete Wap-
penkartuschen bot. Die Dächer erhielten einen
Anstrich in Blau. Sie trugen kupfergetrieben-
vergoldeten Schmuck. Die Kuppel des Kronen-
tores wurde durch acht große Akanthusran-
ken gefasst, die gleichsam in Fortführung der
Architektur, den Aufsatz der Kuppel mit vier
polnischen Adlern und die Krone des Königs
optisch tragen. Im Inneren bot sich die Mög-
lichkeit zur Bemalung der Plafonds und Wände.
So entstanden die prächtigen Deckengemälde
im Obergeschoss beider Pavillons der nord-
westlichen Baugruppe, im zum Graben gele-
genen Pavillon ein Werk von Louis de Silvestre
(1675–1760) mit Szenen um Amor und Psyche
– in seinem Pendant ein Werk von Heinrich
Christian Fehling (1654–1725) mit einer Apo-
theose Augusts des Starken. Die Ausmalung der
Säle von Oper und Redoute übernahm Giovanni
Antonio Pellegrini (1675–1741).
3
Crell, Johann Christian (ICCander): Kurzgefaßtes Sächsisches Kern-Cronicon, Leipzig und Freyburg 1732,
Abschnitt 3, S. 59.
Linke Seite: Wallpavillon, Hoffassade, Mittel-
achse rechts, um 1718 von Balthasar Permoser,
Dreiergruppe der Satyrhermen, 2013
Der Dresdner Zwinger | Denkmalwert und Denkmalpflege
Der Dresdner Zwinger | Denkmalwert und Denkmalpflege

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| 25
Denkmalpflegerische Ziele der Gegenwart
Trotz architektonischer „Fortschreibung“ stand
und steht nach wie vor der barocke Kernbau
im Zentrum weltweiter Würdigung. Dies ist
Anspruch und Herausforderung auch für den
Denkmalpfleger der Gegenwart. Sowohl Sub-
stanz als auch Gestalt des Kulturdenkmals
verdienen in diesem Zusammenhang einen
höchst sensiblen Umgang. Nach den enormen
Zerstörungen des Bauwerks im Zweiten Welt-
krieg, der Rettung seiner Ruine in Zeiten größ-
ter Not und seinem Wiederaufbau gilt diese
Verpflichtung in besonderem Maße. Bewährt
hat sich dabei eine Methodik, die Substanz-
pflege bzw. Schutz und Revitalisierung des an-
gestrebten Erscheinungsbildes als Einheit ver-
steht. So gehen konservatorische Maßnahmen
an der Sandsteinhülle des Bauwerks einher mit
Maßnahmen zur „Aufhellung“ schwarz pati-
nierter Skulpturen und Architekturteile, deren
Erscheinungsbild bisher im krassen Gegensatz
zum heiteren und dynamischen Charakter
des Bauwerks stand. Ohne die ursprünglich
vorhandene helle Lasur der ganzen baulichen
Hülle zu rekonstruieren, entsteht damit ein
ähnlich harmonischer Gesamteindruck.
Jede Sanierungsmaßnahme orientiert sich pri-
mär am bauzeitlichen Erscheinungsbild. Dies
gilt für technisch-klimatisch zu ertüchtigende
Fenster, für die Rekonstruktion der in Scharen
gegliederten Dachflächen und Lüftungsschorn-
steine, der Bodenbeläge auf den Terrassen und
Galerien. Auch zwei der nach den Zerstörun-
gen im Zweiten Weltkrieg in unterschiedlicher
Qualität neu hergestellten Innenräume im
Obergeschoss des Deutschen- und des Por-
zellanpavillons erfuhren eine Rekonstruktion
ihrer Raumgeometrie in Gesims- und Kapitell-
zone und im Bodenbelag. Im Porzellanpavillon
erstreckte sich diese Maßnahme auch auf das
Erdgeschoss. Im Obergeschoss des Mathema-
tisch-Physikalischen Salons wurde die inter-
pretierende, dennoch aber anspruchsvolle Re-
konstruktion der Wiederaufbauzeit nach dem
Krieg als Zeugnis dieser Epoche bewahrt.
In diesem Sinn wurden bzw. werden auch die
Säle im Obergeschoss von Stadt- und Wallpa-
villon behandelt. Eine große Herausforderung
stellt der einst reichste und wichtigste Saal des
Zwingergartens – der Marmorsaal im Oberge-
schoss des Französischen Pavillons – dar. Von
diesem Raum blieben eine Vielzahl hochkarä-
tiger Fragmente in Form von Pilastersockeln,
Gesimsfragmenten und Brüstungsintarsien
erhalten. Eine Probeachse zur Auslotung aller
Möglichkeiten für eine Rekonstruktion wurde
bereits Ende der 1980er Jahre angelegt. Eine
weitere Vertiefung ist notwendig.
Die Aufgabe der jüngeren Einwölbung im Erd-
geschoss des Mathematisch-Physikalischen Sa-
lons eröffnete die Möglichkeit einer Rückfüh-
rung des Raumes auf seine alte Grundstruktur.
Die Fülle der dabei auftretenden Befunde war
überwältigend. Die nunmehr hergestellte Fas-
sung zeigt sich – wenn auch im Deckenspiegel
noch in der Rohbaufassung – als ein wichtiger
Schritt in die richtige Richtung. Mit Rückfüh-
rung der für zwei Wandnischen des Raumes
bestimmten Bildwerke des Apoll und der Mi-
nerva – beides herausragende Werke des Bild-
hauers Balthasar Permoser – würden sowohl
der Raum als auch die 200 Jahre ausgelagerten
Skulpturen ihre hohe Qualität und alte Strahl-
kraft neu entfalten.
Doch nicht nur der Baukörper trägt zum Er-
scheinungsbild des Zwingers maßgeblich bei.
Die im Laufe der Zeit mehrfach überformten
Freiflächen sind gleichsam als „Podium“ des
Baudenkmals erlebbar. Die strukturelle Aufnah-
me des Pöppelmann‘schen Gartenplanes durch
Hubert Ermisch um 1930 deckt sich mit der
Zielstellung, den Kernbau des 18. Jahrhunderts
ins Zentrum der Wahrnehmung zu rücken,
auch wenn dieser damals nie realisiert wurde.
Sie hat sich als Bindeglied zwischen der Fest-
spielarchitektur des Barock und dem Galerie-
bau der Neorenaissance gut bewährt.
Insofern trägt auch ihre Pflege der anfangs be-
schriebenen Zielstellung im Umgang mit Pöp-
pelmanns „Römischer Schauburg“ Rechnung.
Die Geschichte der Restaurierung des Dresd-
ner Zwingers zeigt nachdrücklich, dass nur
dem Bauwerk „dienende“, sich in ihrer gestal-
terischen Konsequenz unterordnende und die
Grundintention der Architektur respektierende
Maßnahmen dem Anspruch des Kulturdenk-
mals standhalten und auch künftig Bestand
haben werden.
Rechte Seite: Wallpavillon von Osten, 2013
Der Dresdner Zwinger | Denkmalwert und Denkmalpflege

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| 27
Archäologie im Zwinger
Oliver Spitzner und Thomas Westphalen
Die verschiedenen Baumaßnahmen im Dresd-
ner Zwinger waren auch mit mehr oder we-
niger umfangreichen Erdeingriffen verbunden.
Das Sächsische Landesamt für Archäologie
betreute diese Arbeiten baubegleitend oder,
wenn sich abzeichnete, dass dies zu Konflik-
ten mit anderen Gewerken führen würde,
auch durch bauvorbereitende Grabungen.
Unter den zahlreichen Freilegungen verdienen
hier die mit dem Festungsbau verbundenen
eine besondere Beachtung. Die Bezeichnung
„Zwinger“ ist insofern etwas irreführend, als
das ursprünglich der Raum zwischen innerer
Stadtmauer und der vor dieser errichteten
spätmittelalterlichen Zwingermauer gemeint
ist. Die hochmittelalterliche Stadtmauer ver-
lief unterhalb der Bogengalerie J und tangierte
den Westrand des Glockenpavillons, um dann
leicht nach Osten in Richtung Sophienstraße
zu verschwenken. Ihr vorgelagert war in einem
Abstand von ca. 20 Metern die in den ersten
Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts errichtete
Zwingermauer, die wiederum durch einen Gra-
ben zusätzlichen Schutz erfuhr. Reste dieser
massiven renaissancezeitlichen Befestigung,
die dem mittelalterlichen Mauerring vorgela-
gert waren, fanden sich bei einer Leitungsver-
legung vor dem Porzellanpavillon.
Auf den Zusammenhang zwischen Schlosser-
weiterung und Festungsbau unter Kurfürst
Moritz ab dem Jahre 1547 wurde bereits an
anderer Stelle hingewiesen. Der Fortschritt in
der Waffentechnik und im Belagerungswesen
im 16. Jahrhundert machte die Zusammenfas-
sersicherer Lage zu bauen. Dafür kam nur der
Wall nördlich des Zwingers in Frage. Um das
Gesamtbild der historischen Anlagen nicht zu
beeinträchtigen, wurde das Bauwerk im Wall
„versenkt“. Da im Bereich der Baustelle ledig-
lich die Wallschüttung des 16. Jahrhunderts zu
erwarten war, wurde eine Baubegleitung durch
das Landesamt für Archäologie vereinbart.
Bautechnisch wurde mit einem Spritzbeton-
verbau gearbeitet. Das bedeutete, dass die
Baugrube für das Technikbauwerk in Schich-
sung und Vergrößerung der ehemals drei, nur
wenige Jahrzehnte vorher errichteten Basti-
onen westlich des Schlosses zu dem giganti-
schen Erdwerk notwendig, auf dem 150 Jahre
später die augusteischen Lustbauten errichtet
wurden. Die unter August dem Starken „Luna“
genannte Bastion nahm ein Dreieck mit einer
Fläche von ca. 5 Hektar ein. Landseitig nach
Westen war ein Wasser führender Graben das
erste Hindernis, das potenzielle Angreifer zu
überwinden hatten, ehe sie auf die steilge-
böschte, aus großen Sandsteinquadern gesetz-
te und bis über 10 Meter hohe Außenmauer
der Bastion trafen. Um besser gegen Artillerie-
beschuss gesichert zu sein, befand sich hinter
der Mauer eine mächtige Erdanschüttung.
Stadtwärts schloss sich dann der eigentliche
Zwinger an, eine Freifläche, die den Verteidi-
gern nach einer Erstürmung der Außenwerke
der Bastion freies Schussfeld gewähren sollte.
Unter den verschiedenen Grabungen brachten
die von 2003 und 2010 neue Erkenntnisse zum
inneren Aufbau der Bastionswerke.
Das Elbhochwasser vom August 2002 setzte
auch die nordwestlich vom Zwinger am Fuße
des Walles gelegenen technischen Anlagen
unter Wasser und zerstörte diese. Hierbei han-
delte es sich unter anderem um die Notstrom-
aggregate und die Klimaanlagen für die im
Zwinger untergebrachten Museen der Staatli-
chen Kunstsammlungen Dresden. Die Lage des
dann errichteten Neubaus resultierte aus der
Notwendigkeit, die Klimatechnik in unmittel-
barer Nähe der Sammlungen und in hochwas-
ten von der Wallkrone beginnend ausgebag-
gert wurde. Dabei kam im Sohlbereich der
Baugrube unerwartet Fundamentmauerwerk
zum Vorschein. In Absprache mit der Bauherr-
schaft und um den Bauablauf nicht zu gefähr-
den, wurde entschieden, das Mauerwerk bis
zur geplanten Bausohle freizulegen, um seine
Ausmaße zu erkennen. Die aktuelle Befund-
situation hatte zu einer Projektänderung ge-
führt, in deren Folge der Westteil des oberen
Mauerwerkes komplett erhalten bleiben konn-
te. Weiter sollte im Ostteil der Baugrube eine
Bodenplatte eingebaut werden, deren Bau-
tiefe einen Abbruch des unteren Mauerwer-
kes zur Folge gehabt hätte. Diese konnte hier
soweit verringert werden, dass die historische
Bausubstanz erhalten blieb.
Anhand der Bauvermessung, Fotos und eige-
ner Beobachtungen ergibt sich folgende Be-
fundsituation:
In der in den ehemaligen Festungswall knapp
10 Meter tief einschneidenden, 25 Meter lan-
gen und 13,50 Meter breiten Baugrube liegen
rechtwinklig zur Wallachse angeordnet neun
Streifenfundamente. Sie befinden sich am
nördlichen Rand der Baugrube und ziehen
über ihren Rand in den Bereich des heutigen
Weges am Wallfuß hinaus. Der nach Osten
abfallende Weg kappt das Mauerwerk im Nor-
den. Etwa unter dem Weg muss die grabensei-
tige Festungsmauer verlaufen.
Der Südabschluss der Mauern konnte exakt
in einer Flucht verlaufend gefasst werden.
Diese liegt parallel zur heute noch sichtbaren
Der Dresdner Zwinger | Archäologie
Der Dresdner Zwinger | Archäologie
Rechte Seite oben: Freigelegte Fundstücke aus
der Grottenausstattung im Pavillon F, 2008
Rechte Seite unten: Kanalfragmente aus dem
18. Jh. unter dem Becken 2 im Zwingerhof,
2008

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Festungsmauer, die von der in den Zwinger-
teich ragenden „Scharfen Ecke“ nach Westen
verläuft. Das Niveau der Oberseite der Funda-
mente steigt sanft von West nach Ost. Nach
der Bauvermessung und der Auswertung
haben die Fundamente eine durchschnitt-
liche Breite von 0,50 und eine Höhe von
1,44 Meter, mit einem durchschnittlichen
Abstand von 2,35 Meter zueinander. Als
Baumaterial wurde grob zugehauener, an
den Sichtseiten leicht geglätteter Sandstein
verwendet. Die Mauern wurden zweischalig,
in unregelmäßigen Lagen freistehend aufge-
führt. Der Mörtel schien weißlich, war grob-
sandig und relativ fest.
Bei einem Probeschnitt wurde sichtbar, dass
die oben genannten Mauern auf einer wei-
teren Gründung sitzen. Leider wurde diese
Gründung baubedingt nicht weiter freigelegt,
so dass keine genaueren Maße vorliegen. Die
Fundamente weisen eine Breite von ca. 0,75
und eine Höhe von ca. 1,30 Meter auf. Sie sind
analog zu den mittig darauf gesetzten Mau-
ern ausgerichtet und nach dem Vergleich mit
dem Baugrundgutachten leicht in bzw. direkt
auf den anstehenden Auelehm gegründet.
Als Baumaterial wurde ebenfalls Sandstein
verwendet. Bemerkenswert ist, dass die Zwi-
schenräume der Fundamente überwölbt sind.
Beim Abbrechen der vier östlichen Fundamen-
te wurde beobachtet, dass an der Nahtstelle
zwischen oberem und unterem Fundament
teilweise eine Lehmschicht lag. Daraus kann
abgeleitet werden, dass nach dem Bau der
unteren Fundamente der Wall bis zu deren
Oberkante aufgeschüttet wurde. Anschlie-
ßend wurden die oberen Mauern gesetzt und
ebenfalls wieder bis zur Oberkante mit Lehm
zugeschüttet. Ähnliche Konstruktionselemen-
te konnten 2010 bei den Baumaßnahmen im
bzw. beim Mathematisch-Physikalischen Sa-
lon beobachtet und dokumentiert werden.
Erste Beobachtungen dieser auffälligen Kon-
struktionen konnten bereits 1959 ebenfalls
am Wallpavillon festgehalten, allerdings nicht
zufriedenstellend untersucht werden.
Bei den oben angeführten Befunden handelt
es sich um das von Eva Papke
1
als „Speramen“
bezeichnete Mauerwerk der renaissancezeit-
lichen nordwestlichen Festungserweiterung,
durch welches die eigentliche Befestigungs-
mauer rückseitig stabilisiert wurde. Diese
entstand unter der Bauleitung von Rochus zu
Lynar ab 1569 und wurde 1574 abgeschlos-
sen. Als große bauliche Herausforderung
musste die Festung über den alten, mit Elbe
und Weißeritz verbundenen Stadtgraben in
das von der Weißeritz geprägte Vorland hin-
ausgebaut werden. Das Speramenmauerwerk
ist rechtwinklig zur eigentlichen Festungs-
mauer angeordnet und zieht in den dahinter
geschütteten Wall. Es dient dazu, den Erd-
druck des Walles von der Mauer fernzuhalten
bzw. auszugleichen.
Im Winter 2013/14 wurden in Zusammenarbeit
mit dem Sächsischen Immobilien- und Bau-
management Dresden I durch das Landesamt
für Archäologie Sachsen Flächensondierun-
gen im Zwingerhof durchgeführt. Sie haben
im Vorfeld der anstehenden Hofsanierung die
bisherigen Hinweise präzisiert und Aufschluss
über die früheren Gestaltungen des Areals
geliefert. Es wurden vier Sondierungsflächen
geöffnet. In den Grabungsflächen 1 und 2
konnten historische Gartengestaltungen aus
der Zeit Matthäus Daniel Pöppelmanns nach-
vollzogen werden. Die Grabungsfläche 3 wid-
mete sich der Alten Zwingergrotte aus dem
17. Jahrhundert, die bereits 1716 für die Vollen-
dung des südlichen Zwingerabschlusses wieder
abgebrochen wurde und über die kaum Nach-
richten oder Beschreibungen bekannt sind.
Durch einen Suchschnitt in Fläche 4 konnte
zudem die mittelalterliche Zwingermauer und
der frühe Stadtgraben erfasst werden.
Links: Orthogonale Luftaufnahme von
Grabungsfläche 1 in der Wallexedra, 2013
Rechts: Übersichtsplan zu den
Flächensondierungen, 2013/2014
1
Papke, Eva: Festung Dresden. Aus der Geschichte der Dresdner Stadtbefestigung, Dresden 1997.
Der Dresdner Zwinger | Archäologie
Der Dresdner Zwinger | Archäologie

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der Leitung von Pöppelmann ein Broderiepar-
terre mit ornamentalen Beetformen, worin
auch seltene und kostbare exotische Gehölze
aufgestellt wurden. Zudem legte man unterir-
dische Entwässerungskanäle an, durch die das
anfallende Niederschlagswasser sowie die Ent-
wässerung der Grottensäle, des Nymphenbades
sowie des Opernhauses und des geplanten Re-
doutensaales abgeleitet werden konnte.
Für die vorläufige Fertigstellung des Zwingers
zur Hochzeit des Kurfürstensohnes Friedrich
August II. mit der Kaisertochter Maria Jose-
pha von Österreich im September 1719 ebnete
man ab Ende 1718 den Garten wieder ein, da
die Freifläche im Zwinger als Turnierplatz bei
den höfischen Festlichkeiten vorgesehen war.
Zwischen den Festlichkeiten im Sommer dien-
ten der Innenhof sowie die Konsolen vor den
großen Rundbogenfenstern nach wie vor als
Aufstellungsort für exotische Bäume. Zudem
setzte man bei Festveranstaltungen Vögel aus,
die mit ihrem Gesang die Besucher des öffent-
lich zugänglichen Zwingers erfreuen sollten.
In den 1730er Jahren entstand ein Wegekreuz
Für die Entstehungszeit des Dresdner Zwin-
gers waren bislang bereits zahlreiche Pla-
nungswechsel bekannt, im Detail fehlten
jedoch viele Informationen. Um die Ände-
rungen von Planung und Bau zu präzisieren,
wurden im Zug der jüngsten Untersuchungen
die schriftlichen und bildlichen Quellen so-
wie die ersichtlichen Baubefunde im Vorfeld
der Sanierung zusammengetragen und damit
die bauliche Entwicklung aufbereitet. Zudem
konnten die Baumaßnahmen von der Baufor-
schung begleitet werden. Im Ergebnis zeigt
sich, dass die bauliche Genese in der Frühzeit
des Zwingers weitaus differenzierter ist, als
man bisher annahm: Offensichtlich verstand
es der Zwingerarchitekt Matthäus Daniel Pöp-
pelmann in genialer Weise, seine Gestaltungs-
visionen mit den sich ständig wandelnden
Anforderungen des Kurfürsten und Königs an
die Nutzung in Einklang zu bringen. Es kamen
Bauabschnitte ans Licht, die bis dahin nicht
bekannt und teilweise nur im Fundamentbe-
reich ausgeführt waren.
Der Zwinger stellt mit seinen verschiedenen
Baukonzepten und ineinander verschränkten
Funktionen, die von Fest- und Speisesälen,
Grotten, Orangerien, Opernhaus und Redou-
tensaal bis hin zu einem Garten auf dem Wall,
einem Turnierplatz und Orangenparterre im
Hof reichten, einen „höfischen Freizeitpark“
des 18. Jahrhunderts dar, der in der euro-
päischen Architektur- und Kulturgeschichte
ohne Beispiel ist. Da bereits 1728 große Teile
des Zwingers als „Palais des Sciences“ für die
Präsentation der höfischen Sammlungen um-
genutzt wurden, zerriss man kurz nach seiner
Entstehung diese funktionalen und gestalte-
rischen Zusammenhänge, die bald darauf in
Vergessenheit gerieten. Die ursprüngliche Ein-
heit von Konzeption, Nutzung und Gestaltung
blieb wohl auch daher ohne Nachahmung. Da-
bei spielt nicht nur die Einzigartigkeit der Ge-
samtanlage, sondern auch die Innenausstat-
tung eine erhebliche Rolle. Unsere Kenntnisse
darüber waren allerdings bisher marginal und
konnten durch die jüngsten Untersuchungen
maßgeblich erweitert werden.
Neben den Untersuchungen an den Gebäu-
den wird momentan die Entwicklung der his-
torischen Hofgestaltung im Zwinger aufge-
arbeitet. Aufgrund neuerer Quellenforschung
sowie der Dokumentation von Befunden
während vereinzelter Eingriffe in das Hofni-
veau seit den frühen 1990er Jahren kann die-
se in markanten Eckpunkten nachvollzogen
werden. Die heutige Hofgestaltung entstand
zwischen den Jahren 1924 und 1936 im Zuge
der Vierten Zwingerrestaurierung unter Hu-
bert Ermisch. Dabei brachte man unter dem
aktuellen Laufniveau flächig eine Befesti-
gungsschicht (Packlage) aus zerschlagenen
Fassadenfragmenten ein, die während der
Gebäuderestaurierung ausgebaut wurden und
bei der Wiederherstellung keine Verwendung
fanden. Unterhalb dieser Packlage dokumen-
tieren zahlreiche archäologische Befunde die
wechselvolle Geschichte der Hofgestaltung
bis heute (Abb. 1).
Mit dem Bau der wallseitig gelegenen Zwin-
gerbereiche in den 1710er Jahren trug man
das kurz zuvor entstandene Reithaus sowie das
Schießhaus ab, um vor den neuen Gebäuden
hinreichend Freiraum zu schaffen. Hier ent-
stand nach mehreren Entwurfsvarianten unter
zwischen Stadt- und Wallpavillon, sowie dem
Kronentor und dem südwestlichen Abschluss
zum heutigen Theaterplatz. Seitlich davon
legte man vier quadratische, schlichte Rasen-
flächen mit eingezogenen Ecken sowie wei-
tere Rasenflächen vor dem Wall- und Stadt-
pavillon an. Orangenbäume und exotische
Kübelpflanzen umrahmten diese und flankier-
ten Wege und Mauerkanten (Abb. 3). Bis 1746
blieb diese Gestaltung nahezu unverändert.
In jenem Jahr wurde innerhalb des Zwin-
gerhofes ein hölzernes Theater errichtet –
das so genannte Mingottische Opernhaus –
welches jedoch schon 1748 abbrannte. Nur
die Rasenflächen stellte man nach dem Brand
wieder her. Zu Beginn des Siebenjährigen
Krieges 1756 war der Zwingerhof aber durch
mangelnden Unterhalt zu einem ungestalte-
ten, leeren Platz verkommen. Das bekannte
Ölgemälde von Bernardo Bellotto zeigt diesen
Zustand und lässt die Gestaltung nur noch er-
ahnen (Abb. 4).
Der Dresdner Zwinger | Bau- und Gestaltungsgeschichte
Der Dresdner Zwinger | Bau- und Gestaltungsgeschichte
Beständig im Wandel – Erkenntnisse zur
Bau- und Gestaltungsgeschichte des Dresdner
Zwingers mit Schwerpunkt Hofgestaltung
Hartmut Olbrich
Rechte Seite oben: Abb. 1, Übersicht zu
den Befunden, Stand Oktober 2013
Rechte Seite unten: Abb. 2, Idealgrundriss des
Zwingers, Kupferstich nach M. D. Pöppelmann,
1729 publiziert

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32 |
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Erst ab 1766 wurden in den Sommermonaten
wieder exotische Pflanzen im Hof aufgestellt,
die bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhun-
derts das Bild des Zwingerhofes prägten. Die
Vorbereitungen zur Hochzeit des Kurfürsten
Friedrich August III. (des Gerechten) mit Maria
Amalie Auguste, Pfalzgräfin von Zweibrücken-
Birkenfeld-Bischweiler im Jahre 1769 verdeut-
lichten den schlechten Zustand des Zwingers:
Für diese Feierlichkeiten wurde neben der
Neugestaltung der Innenräume auch der Hof
aufwändig umgestaltet. Um den Zwingerhof
bei Regen trockenen Fußes durchqueren zu
können, legte man ein neues Kanalsystem zur
Entwässerung an. Darüber entstand wieder ein
Wegekreuz, das man durch schlichte Sand-
steinsockel mit Holzgeländern abschrankte
(Abb. 5). Neben vier schmalen Beeten ließ man
in den vier Feldern seitlich der Wege vertiefte
Rasenflächen mit schrägen Böschungen und
kleinen Treppen – so genannte Tiefparterre-
anlagen – ein. Daneben stellte man wieder
Orangenbäume und südländische Gehölze auf,
deren hohe Wertschätzung durch umfassende
Inventarlisten und Pläne aus dieser Zeit belegt
sind. Die kostspielig zu pflegenden Tiefparter-
reanlagen verfüllte man aber bereits ab 1794
wieder und schuf stattdessen große runde
Wasserflächen, in die jeweils eine Fontäne ein-
gefügt wurde (Abb. 6).
1843 wurde das Denkmal für Friedrich Au-
gust den Gerechten im Nordwesten des Hofes
platziert und im darauf folgenden Jahr pflas-
terte man die Hauptwege. Nach dem Bau der
Gemäldegalerie in den Jahren 1847 bis 1856
entstanden begrünte Böschungen vor den Ga-
lerien. Zudem verschüttete man die vier gro-
ßen Wasserbecken. An ihre Stelle traten nun
je ein Schalenbrunnen nach einem Entwurf
von Gottfried Semper. Zwei von ihnen haben
sich noch erhalten: Sie stehen vor dem Sächsi-
schen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie in Pillnitz (Abb. 7). Darüber hin-
aus wurden die Hauptwege mit flankierenden
Balustraden versehen und durch Gaslaternen
erhellt. Das mittlerweile desolate Hofentwäs-
serungssystem musste zu Beginn der 1870er
Jahre repariert und teilweise erneuert werden.
Linke Seite: Abb. 3, Gabriel Bodenehr d. Ä.,
Der Zwingerhof in den 1730er Jahren
Rechte Seite oben: Abb. 4, Ausschnitt,
Bernardo Bellotto, Der Zwingerhof, zw. 1749
und 1753
Rechte Seite unten: Abb. 5, Die Hofgestaltung
mit Tiefparterreanlagen und Orangenbäumen,
1774
Der Dresdner Zwinger | Bau- und Gestaltungsgeschichte
Der Dresdner Zwinger | Bau- und Gestaltungsgeschichte

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Nach Abschluss dieser Erdarbeiten erfolgte eine
erneute Umgestaltung des Hofes.
Ab 1876 legte man Rasenflächen um das Denk-
mal sowie vor den Freitreppen der Bogenga-
lerien und dem Wallpavillon an. Erstmals seit
dem Entwurf von Pöppelmann wurde wieder
eine feste Bepflanzung eingebracht, da die
exotischen Bäume durch Vandalismus und
die schlechte Luft zu sehr litten. Man pflanz-
te große Buchsbaumhalbkugeln, säumte die
Hauptwege mit Rotdorn als Hochstämme und
setzte dazwischen Klematispflanzen. Ab den
1880er Jahren, im Zuge der Dritten Zwinger-
restaurierung, vergrößerte man alle Rasenflä-
chen, um das Wegesystem axial besser auf die
Zwingergebäude ausrichten zu können. Zudem
entstanden weitere Rasenflächen seitlich des
Hauptweges, die mit niedrigen Metallgittern
umfasst und durch Buchsbaumhecken, Buchs-
baumhalbkugeln und Rosen als Hochstämme
gegliedert waren. Ein überreicher Garten in Stil
des Historismus war erwachsen, der die vier
Brunnen aus der Zeit Gottfried Sempers und
das Denkmal für Friedrich August den Gerech-
ten mit einbezog (Abb. 8).
Mit der Vierten Zwingersanierung 1924 bis
1936 war die Erneuerung der versandeten
Hofentwässerung notwendig. Zudem wurden
zwei Tiefbrunnen angelegt, mit denen man die
Wasserspiele sowie das Nymphenbad betrieb.
Infolgedessen fand erneut eine Neugestaltung
des Zwingerhofes statt. Nach Vorlage eines
idealisierenden Kupferstiches aus dem frühen
18. Jahrhundert gab man die reiche Gestaltung
zugunsten einer barockisierenden Formgebung
auf und legte die heute noch erhaltenen Wasser-
becken mit den zentralen Fontänen an (Abb. 2).
Hinter den Becken entstanden in reduzierter
Form die im Kupferstich verzeichneten Parter-
reanlagen, mit denen man die ornamentalen
Beete des 18. Jahrhunderts andeutete. Darüber
hinaus experimentierte man bei Musteraufstel-
lungen mit Orangenbäumen und Pflanzkübeln
auf den Konsolen vor den Fenstern der Bo-
gengalerien. Dabei fanden verschiedenfarbige
Holzkübel wie auch Gefäße aus Meißner Por-
zellan Verwendung.
Das Denkmal Friedrich August des Gerechten
fand kurzzeitig einen neuen Aufstellungsort
vor dem Mittelrisalit der Gemäldegalerie. Da
es die zentrale Blickachse zwischen der Galerie
und dem Kronentor beeinträchtigte, wurde das
Denkmal jedoch nach knapp einem Jahr Stand-
zeit wieder entfernt und auf die Nordseite des
Japanischen Palais versetzt. Die Hofgestaltung
der 1930er Jahre wurde im Zweiten Weltkrieg
in Mitleidenschaft gezogen, bis 1963 aber – bis
auf die Rasenflächen zwischen den Bogengale-
rien K und L – wiederhergestellt. In den 1990er
Jahren erfolgten noch das Einebnen der kleinen
Rasenflächen sowie das Verschmälern der Frei-
treppe vor der Gemäldegalerie.
Mit den jüngsten archäologischen Flächenson-
dierungen im Zwingerhof sollen die bisherigen
Erkenntnisse vertieft und präzisiert werden.
Linke Seite oben: Abb. 6, Ausschnitt, J. Carl August
Richter, Innere Ansicht des Zwingers zu Dresden,
um 1830
Linke Seite unten: Abb. 7, Ausschnitt, Friedrich
Wilhelm Bässler, Innere Ansicht des Zwingers in
Dresden, nach 1848
Rechte Seite: Abb. 8, Luftaufnahme des Zwinger,
März 1925
Der Dresdner Zwinger | Bau- und Gestaltungsgeschichte
Der Dresdner Zwinger | Bau- und Gestaltungsgeschichte

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Der Wiederaufbau des Zwingers
zwischen 1945 und 1989
Roland Enke
Die Bombennacht des 13. Februars 1945
hinterließ den Zwinger schwer getroffen.
Die „Daten zum Wiederaufbau des Zwingers
nach der Zerstörung 1945“, die der damalige
Dresdner Landeskonservator Hans Nadler we-
nig später verfasste, leitete er mit den Worten
ein: „Starke Zerstörung durch Sprengbomben
und Brandmunition. Erhalten blieben: Das
Nymphenbad, die Umfassungsmauern der vier
Eckpavillons, der Langgalerien, des Stadtpa-
villons und des Kronentores. Der Wallpavillon
war bis auf die Mauerschäfte, die aus dem Lot
geraten waren, zerstört, desgleichen war auch
die anschließende elbseitige Bogengalerie
durch Sprengbombenvolltreffer aufs schwers-
te beschädigt.“ Und er setzte hinzu: „In den
ersten Wochen nach der Zerstörung Bergung
der ‚letzten wertvollen Reste des Zwingers‘
durch H. Ermisch, unterstützt von 15 Mann
einer Sanitätsabteilung.“
Hubert Georg Ermisch hatte die Vierte große
Zwingerrestaurierung ab den 1920er Jah-
ren geleitet. Sein Engagement – und das der
Dresdner – und sein Fachwissen zum Zwinger
waren für den Wiederaufbau unschätzbar. Im
Juni 1945 verfasste er eine Denkschrift mit
dem Titel: „Ist die Rettung des Zwingers noch
möglich?“ Damit verlieh er im kriegszerstör-
ten Dresden der Hoffnung auf Wiederaufbau
kraftvoll Ausdruck. Auf dieser Grundlage be-
schlossen der Stadtbaurat, die Landesdenk-
malpflege und die Landesverwaltung Sachsen
die Wiederherstellung.
Der Dresdner Zwinger | Wiederaufbau zwischen 1945 und 1989
Wiederaufbau zwischen 1945 und 1989
Bereits im Herbst 1945 richtete Ermisch eine
neue Zwingerbauhütte ein, die er bis zu sei-
nem Tod 1951 leitete. Der Bildhauer Albert
Braun wurde ebenfalls 1945 von der Landes-
verwaltung beauftragt, die Bildhauerarbeiten
zu betreuen. Die sowjetische Besatzungsmacht
unterstützte den Wiederaufbau mit Materi-
alzuweisungen, und über die Lose der Zwin-
gerlotterie brachten die Dresdner insgesamt
2,7 Millionen Mark zusammen. Im Juli 1947 war
das Kronentor wiedererrichtet, im Mai 1951
wurde ein Teil des Innenhofes für Besucher
freigegeben. Die Übergabe der Gemäldegalerie
Alte Meister an die Staatlichen Kunstsamm-
lungen Dresden erfolgte 1960 als markanter
Meilenstein. Bis 1963 waren unter der Leitung
von Arthur Frenzel, dem Nachfolger von Hu-
bert Ermisch, alle Gebäude und Außenanlagen
wiederhergestellt und der Wiederaufbau abge-
schlossen. Bis dahin hatte die Restaurierung
11,8 Millionen Mark gekostet.
Der schnelle Wiederaufbau in Zeiten absolu-
ten Materialmangels blieb jedoch nicht ohne
Folgen. Wie Gutachten bezeugen, gaben bei-
spielweise Verwitterungsschäden schon in
den 1980er Jahren Anlass zur Besorgnis. 1984
erarbeitete das Institut für Denkmalpflege
eine Zielstellung für das Kronentor, den Mar-
morsaal im Französischen Pavillon und den
Anbau B. Das Kronentor gehörte – neben der
Kupferdeckung des Porzellanpavillons – zur
ersten gezielten Restaurierungsmaßnahme mit
Baubeginn 1985. Die Versuche des Zwinger-
baumeisters Ulrich Aust, eine systematische In-
standsetzung zu etablieren, konnten wegen der
äußerst knappen Geld- und Materialressourcen
bis zum Jahr der Wende 1989 allerdings nicht
umgesetzt werden. So musste der Zwinger seit
der Fertigstellung von 1963 – in seinem Zu-
stand gealtert – weiter verharren.
Die kontinuierliche Arbeit am Zwinger über all
die Jahre hinweg schuf in personeller Hinsicht
nachhaltige Strukturen: Als der Freistaat Sach-
sen 1990 neu gegründet wurde und damit auch
die neue sächsische Bauverwaltung ihre Arbeit
aufnahm, standen ihr bereits in der Anfangs-
phase qualifizierte und motivierte Mitarbei-
ter zur Verfügung, die mit den Problemen am
Zwinger vertraut waren.
Linke Seite: Wiederaufbau des Zwingers,
Werkstück am Flaschenzug, Mai 1951
Rechte Seite: Arbeiten am Lehrbauhof,
Bildhauerlehrling Johanna Dörschel bei der
Punktierung, Mai 1951
Seiten 38/39: Wallpavillon mit den
anschließenden Bogengalerien, Beginn mit
dem Wiederaufbau nach 1945

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Instandhaltung und Baupflege –
tägliches Beiwerk
Karl Schöppner
Der Dresdner Zwinger ist mit weltbekannten
Museen, vielen kulturellen Veranstaltungen und
mehreren Millionen Besuchern jährlich ein stark
„öffentlich genutztes Ensemble“. Ebenso beacht-
lich sind seine baulichen Dimensionen. Kurz und
nüchtern in Zahlen zusammengefasst lassen
sich die Fakten so darstellen:
Das gesamte Areal, hier einschließlich der Ge-
mäldegalerie Alte Meister, hat eine Größe von
ca. 100.000 Quadratmeter. Davon entfallen ca.
12.400 Quadratmeter auf die Wasserflächen des
Zwingerteiches, hinzu kommen ca. 1.400 Qua-
dratmeter Wasserspiele und Brunnen unmit-
telbar im Zwinger selbst, der Zwingerhof mit
Boskettflächen von ca. 16.000 Quadratmeter,
ca. 6.200 Quadratmeter begehbare Terrassen mit
1,2 Kilometer Balustraden.
Etwa 15.000 Quadratmeter mit reichem Zierrat
und feinsinnigen Bildprogrammen gestaltete
Fassadenflächen verleihen den Baukörpern
eine eindrucksvolle Lebendigkeit. Nahezu
700 Skulpturen und 150 Hermen zählt die fi-
gürliche Ausstattung, davon bekrönen etwa
450 freistehende Figuren und Vasen die Ba-
lustraden, Attikazonen der Pavillons sowie das
Nymphenbad. Hinzu kommen zahlreiche Trep-
penanlagen, etwa 370 großformatige Holz-
fenster, Beleuchtungsanlagen und natürlich die
Vielzahl technischer Systeme, die für den Be-
trieb, die Sicherheit und Funktion des gesamten
Ensembles benötigt werden. Insgesamt rund
8.150 Quadratmeter Ausstellungsfläche bieten
Zwinger und Gemäldegalerie Alte Meister.
Spätestens hier wird deutlich, dass ständige
Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten un-
erlässlich sind. Verkehrssicherheit, Baupflege
und Bewirtschaftung erfolgen bei „laufendem
Betrieb“ und sind wichtiges „tägliches Beiwerk“
neben den grundlegenden Sanierungen einzel-
ner Sammlungen, Gebäude oder Freianlagen.
Für diese pflegenden Maßnahmen werden
jährlich bis zu eine Million Euro investiert.
Der Dresdner Zwinger | Instandhaltung und Baupflege
Der Dresdner Zwinger | Instandhaltung und Baupflege
Linke Seite: Herkulesfigur auf dem
Wallpavillon, 2009
Rechte Seite: Kronentor, Restaurierung 2013,
Attikafiguren fertig zum Versetzen
Seiten 42/43: Wallpavillon mit Einrüstung,
Ansicht Hofseite mit Baustelleneinrichtung,
2015

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Vom Braunschen Atelier zum Galeriecafé
Siiri Klose
Baugeschichtlich ist das Braunsche Atelier ei-
nes der jüngsten Bauteile des Zwingers. Karl
Moritz Haenel ließ es bei der Zweiten Zwin-
gersanierung in den Jahren 1852 bis 1857
zwischen Gemäldegalerie und Französischem
Pavillon für das Kupferstich-Kabinett bauen.
Den kleinen, eingeschossigen Bau gliedert
ein mittiger Eingang, zu dem eine Sandstein-
treppe führt. Links und rechts davon liegen
je drei Fensterachsen, die sich im Innenraum
in Form von Gewölbebögen fortsetzen. Die
Kriegszerstörungen überstand dieser Teil des
Zwingers relativ unbeschadet, weshalb ihm
beim Wiederaufbau eine wichtige Funktion
zukam. Albert Braun, verantwortlich für die
Rekonstruktion des Figurenschmucks, nutzte
das Gebäude bis 1962 als Atelier.
Seit 1962 war das Braunsche Atelier nur als
Abstellraum genutzt worden. Nach 1989 zeig-
te sich das Gebäude besonders im Außenbe-
reich stark sanierungsbedürftig. Die Fenster
und die Kupferabdeckung der Laterne waren
ebenso undicht wie die plattenbelegte Dach-
terrasse, so dass Feuchtigkeit in die Zwischen-
decke eindringen konnte. Auch die Fenster-
rahmen waren verwittert, genauso wie Teile
der Sandsteinbalustraden und der Treppe.
In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für
Denkmalpflege Sachsen entschied sich die
Bauverwaltung, bei der Sanierung die Later-
ne zu entfernen: Zum einen bereitete sie die
größten Probleme beim Abdichten des Da-
ches, zum anderen war sie eine Ergänzung aus
dem Jahr 1927, die ohnehin die ursprüngliche
Anmutung des Zwingers verfremdete. Die
Terrasse wurde geschlossen und mit einem
Sandsteinbelag versehen.
Schon bei der Sanierung der Gemäldegalerie
1988 bis 1992 war für das Braunsche Atelier
eine Nutzung als Galeriecafé vorgesehen, die
aber nicht zur Ausführung kam. Ein gastrono-
misches Angebot im Umfeld des Zwingers und
der Gemäldegalerie fehlte somit weiterhin.
Ende der 1990er Jahre wurde die Idee der
gastronomischen Nutzung wieder aufgegrif-
fen. Für eine entsprechende Umnutzung des
Ateliers brauchte es lediglich eine überschau-
bare Zahl von Einbauten: eine Küche, Lüf-
Maßnahmen | Braunsches Atelier
Maßnahmen | Braunsches Atelier
tungsanlagen, sanitäre Einrichtungen, einen
Lagerraum und einen behindertengerechten
Zugang zur Gemäldegalerie, der gleichzeitig
den zeitgemäßen Sicherheits- und Brand-
schutzanforderungen entsprechen musste.
Als ideal erwies sich zudem der Haupteingang
im Hochparterre, der einen galerieunabhängi-
gen Restaurantbetrieb ermöglicht.
Die Hauptaufgabe beim Innenausbau war die
Schaffung eines möglichst großen Gastraums,
dessen Reiz durch die hohe Bogenfensterrei-
he an der Nordseite unterstrichen wird. Die
wallseitige Fensterachse wurde für den Ein-
bau einer Küche genutzt und die Fensterach-
se nächst der Galerieseite mit verschiedenen
Funktionen belegt – dort befindet sich der
barrierefreie Zugang zur Gemäldegalerie und
eine Treppe führt in den neuen Garderoben-
und Sanitärbereich im Untergeschoss. Auf der
Wallseite des Souterrains ist der Lagerraum
untergebracht, so dass er von Lieferfahrzeu-
gen angefahren werden kann. Durch die Be-
lüftungsanlage von Restaurant und Küche
wird die Abluft unsichtbar über eine Zwi-
schendecke in den Zwingerwall geleitet.
Die mittleren fünf Raumachsen sind dem
Gastraum vorbehalten, hervorgehoben und
zusammengefasst durch einen beigen Stein-
fußboden mit einem großzügigen quadrati-
schen Muster und einem langen Tresen, der
gleichzeitig eine Barriere zum hinteren Raum-
teil bildet. Erweitert wurde der Gastronomie-
betrieb durch die Bestuhlung der Terrasse vor
dem Eingang und den kleinen Vorplatz zur
Semperoper.
Als Besonderheit wurden die Wandbemalun-
gen von 1852 konserviert, außergewöhnliche
und sehenswerte Fragmente auch sichtbar ge-
macht. In den Gewölbezwickeln und Lünetten
bilden sie heute einen reizvollen Kontrast zu
den ansonsten weiß verputzten Wänden und
dem beigefarbenen Ton des Steinbodens.
Seit 2001 hat das Café und Restaurant „Alte
Meister“ geöffnet. Vis-à-vis der Sempero-
per, abseits der großen Touristenströme und
doch schnell und unkompliziert zu erreichen,
erfreut es sich bei Dresdnern und Touristen
großer Beliebtheit.
Linke Seite: „Café Alte Meister“, Abend-
stimmung auf dem Vorplatz zwischen dem
Denkmal „Carl Maria von Weber“ und der
Gemäldegalerie Alte Meister, 2015
Seite 46: Bauzustand vor der Restaurierung,
1999
Seite 47: Gastraum nach Fertigstellung,
konserviertes Fragment der bauzeitlichen
Wandmalerei, 2001
TECHNISCHE DATEN
Grundfläche:
320 m²
davon Gastraum: 138 m²
Terrassenflächen: 266 m²
Bauzeit:
2000–2001
Baukosten:
rd. 1,2 Millionen Euro
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Maßnahmen | Braunsches Atelier
Maßnahmen | Braunsches Atelier
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Porzellansammlung
Karl Schöppner
Als 1958 Dresdens Kunstschätze und damit
auch die wertvollen Stücke der Porzellan-
sammlung aus der Sowjetunion zurückkehrten,
war der Wiederaufbau des Zwingers schon fast
vollendet. Vier Jahre später, 1962, konnte das
Porzellan in den neu eröffneten Ausstellungs-
räumen präsentiert werden: dazu zählten die
östliche Langgalerie (N) neben dem Kronentor,
der angrenzende Porzellanpavillon (E) und die
Bogengalerie (J) bis zum Glockenspielpavillon
(C). Die sich daran anschließende Bogengalerie
(M) diente als Depot. Neben dem Mathema-
tisch-Physikalischen Salon wurde die Samm-
lung rasch zur großen Attraktion im Zwinger.
Fast 40 Jahre später zeigten sowohl die Bau-
substanz als auch die Ausstellungspräsentation
einen deutlichen Erneuerungsbedarf.
Zustand vor der Sanierung
Die Bogengalerie (M) – im Erdgeschoss Depot,
im darunter liegenden Souterrain / Kellerge-
schoss Lager – nahm der Porzellansammlung
der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
wertvolle Ausstellungsfläche. Der Museums-
eingang lag im Anbau A und damit abseits der
Besucherströme. Zudem belegten hier noch
Verwaltungsräume potenzielle Präsentations-
flächen, und es gab für das Personal weder
Sozial- noch Sanitärräume. Dazu kamen ein
nicht mehr zeitgemäßes Ausstellungsdesign,
veraltete Heizungs-, Klima-, Licht- und Si-
cherheitstechnik, morsche Fenster und ge-
schädigte Fassaden. Unzulänglichkeiten der
Zwingerrestaurierung von 1930 machten sich
bemerkbar: Das Laternen-Oberlicht über dem
Foyer des Anbau A verfremdete die originale
Anmutung des Zwingers. Beim Wiederaufbau
in den 1950er Jahren waren die Innenräume
der Galerien und speziell die Säle im Pavillon
dem barocken Original, wie es die Kupferstiche
von Matthäus Daniel Pöppelmann zeigten, nur
schematisch nachempfunden worden: we-
sentliche raumprägende Gliederungselemen-
te wie Gesimse, Kämpfer, Pfeilervorlagen und
Dekorteile fehlten. Selbst die Deckengewölbe
entsprachen nicht der ursprünglichen Geome-
trie. Die Bogenfenster im Erdgeschoss reichten
auf der Hofseite nicht bis zum Boden, sondern
waren mit einer Brüstung und davor stehenden
Heizkörpern versehen. Defektes Parkett und
unterschiedliche Fußbodenbeläge störten die
Ausstellungsbereiche. Im Souterrain war die
Not der Wiederaufbauzeit und der folgenden
Jahre noch deutlicher zu spüren.
Maßnahmen | Porzellansammlung
Maßnahmen | Porzellansammlung
Linke Seite: Anbau A vor der Sanierung,
Blick ins Foyer mit Staubdecke des Oberlichtes,
vor Instandsetzung
Rechte Seite: Pavillon E, EG vor der Sanierung,
Raumduktus des Wiederaufbaus nach 1945,
Aufnahme 1998
Seiten 50/51: Porzellanpavillon OG, Rohbau
1999/2000, Verstärkung der Preußischen
Kappen (Wiederaufbau nach 1945) und
Ertüchtigung der Tragfähigkeit der Decke

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Umbau und Sanierung der
Porzellansammlung
Den Zwinger als Gesamtkunstwerk zu erhal-
ten, darüber waren sich die Staatlichen Kunst-
sammlungen Dresden (SKD), das Landesamt für
Denkmalpflege und die Bauverwaltung bei den
Überlegungen zur Neugestaltung der Porzellan-
sammlung einig. Weil die Porzellansammlung
die erste zusammenhängende Restaurierungs-
maßnahme nach dem Wiederaufbau nach 1945
überhaupt war, mussten hier tragfähige, in die
Zukunft reichende Lösungsvorschläge präzi-
siert und weiter entwickelt werden. Nicht nur
die Präsentation der Innenräume, sondern die
Wechselwirkung zwischen Innen und Außen
war zu berücksichtigen. So war zum Beispiel
die Frage der „Grundbeleuchtung“ des Pavil-
lons und der Galerien von großer Wichtigkeit:
sie muss natürlich die Ausstellungsstücke und
den Raum beleuchten, wirkt aber sowohl in den
Stadtraum als auch in den Zwingerhof hinein.
Die geometrische Gestaltung der Fenster war
seit der Sanierung des Deutschen Saals An-
fang der 1990er Jahre verbindlich festgelegt,
aber ihre Funktion als Teil der äußeren Siche-
rungsebene des Museums und als notwen-
diger Filter für schädliche Tageslichtanteile
noch nicht gelöst. So musste die Konstruktion
neuer Fenster auf den „Prüfstand“, sollte doch
die Anmutung eines historischen Bauteils,
trotz aller gestiegenen Anforderungen, mög-
lichst erhalten bleiben. Als Varianten wurden
eine glasteilende, eine auf die Glasebene ge-
setzte oder eine in die Scheiben eingegossene
Sprossung diskutiert. Zur Ausführung kam die
glasteilende Sprosse, lag sie doch der histori-
schen Konstruktion am nächsten.
Der Scheibenaufbau, der für die Fenster der
Langgalerie N erstmals entwickelt wurde,
war damals eine technologische Neuerung. In
der Konstruktion wurden der Schutz vor UV-
Strahlung und Wärmeverlusten sowie die An-
forderungen an Einbruchsicherheit vereinigt.
Das Scheibenverbundsystem filtert zudem den
Eintrag von bestimmten Wellenlängen des
Lichts. Besonders die Farbwiedergabe der Por-
zellanbemalungen war so optimal zu sichern.
Selbst der Schattenwurf des einfallenden Son-
nenlichtes wurde bei der Hobelung der Glas-
oberflächen berücksichtigt.
Eine Verlegung des Eingangsbereiches in
den stärker frequentierten Glockenspielpa-
villon war auf der Grundlage verschiedener
Lösungsansätze zu planen. Dafür musste der
große Saal im Obergeschoss als Museums-
foyer mit Kasse und Garderobe ausgestattet
werden. Auch war damit der Einbau neuer
Treppen nötig, die das Erdgeschoss mit dem
Saal verbinden. Die Forderung nach einem
barrierefreien Zugang vom Innenhof-Niveau
zur Ausstellungsebene der Bogengalerien im
Erdgeschoss machte außerdem das Einfügen
von zwei Aufzügen notwendig.
Mit der Umnutzung des Obergeschosssaales
von einem geschlossenen Veranstaltungsbe-
reich zum Foyer konnte man die lange geheg-
te Absicht eines „Terrassenumganges“ vom
Wall durch das Kronentor, den Saal und über
die Treppe am Anbau B bis zum Theaterplatz
verwirklichen.
Damit auch die Bogengalerie M als Ausstel-
lungsfläche dienen konnte, musste sie von
den Einbauten befreit und renoviert werden.
Freilegungen verschütteter Räume in den
Kellern des Porzellanpavillons und des Anbau
A ermöglichten es, die dringend benötigten
Depotflächen signifikant zu erweitern. Ein in-
terner Personenaufzug verbindet sie mit dem
Erdgeschoss, um die empfindlichen Exponate
gefahrlos transportieren zu können.
Maßnahmen | Porzellansammlung
Maßnahmen | Porzellansammlung
Linke Seite: Bogengalerie M, KG,
Rohbauarbeiten, 2004
Rechte Seite: Anbau A nach Abschluss der
Instandsetzung, 2013

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Die Gestaltung der Porzellansammlung
2006 und 2012
Eine weitere umfangreichere Maßnahme reali-
sierte man im Rahmen des Konjunkturpaketes II.
Sie umfasste die energetische Ertüchtigung der
sanierungsbedürftigen Fenster der Bogengale-
rie J, die 2002 nicht ausgewechselt wurden. Wei-
terhin wurden die Zuganker, die der statischen
Sicherung der Gewölbe dienen, aus technischen
und ästhetischen Gründen ausgetauscht. Die
Beleuchtungsanlage wurde ebenfalls nachge-
rüstet. Zudem konnte eine Neugestaltung der
Porzellansammlung in der Bogengalerie J, dem
Tiersaal im Pavillon E und der Giebelwand der
Langgalerie N realisiert werden.
In der Bogengalerie J wurde das chinesische
und japanische Porzellan August des Star-
ken auf dekorativen Kaminattrappen, neuen
Glassockeln und vergoldeten Konsolen an den
Wänden eindrucksvoll arrangiert. Die wandsei-
tigen Bögen sind thematisch mit hochwertiger
farbiger Seide bespannt oder mit spiegelnden
Lackflächen versehen. Die Architektur mit den
toskanischen Säulen und den flachen Kreuzge-
wölben blieb dabei erhalten.
Die Wände der acht Bögen an der Längswand
des Tiersaals wurden mit geprägten Ledertape-
ten bezogen. Davor sind die Vogelplastiken aus
Meißner Porzellan, wie auf einem Baumgeäst
sitzend, auf vergoldeten Konsolen präsen-
tiert. Durch die verspiegelten Bögen an den
Schmalseiten wirkt der gesamte Raum größer.
Vor den Bögen der Wände und der Fenster
stehen Postamente mit weiteren Tierplastiken.
Auch die drei stilisierten Felslandschaften in
der Mitte des Raumes sind mit fast lebensgro-
ßen Porzellantieren bestückt. Zwei der Land-
schaften stellen die Kontinente Afrika und
Europa dar und sind mit Baldachinen bekrönt.
Dazwischen erhebt sich ein Holzpavillon als
Volière für weitere Vogelplastiken.
Den Abschluss der neu gestalteten Bereiche
bildet die Giebelwand der Langgalerie N. Hier
werden verschiedene Gefäße in türkisgrünem
Fond, die bisher in einer Vitrine zu sehen wa-
ren, offen und vor der mit Seide bespannten
Wand auf vergoldeten Konsolen arrangiert.
Außeninstandsetzung
Bereits 1992 war das Dach des Porzellanpavil-
lons neu gedeckt worden. Zur Außeninstand-
setzung ab 1997 gehörten auch die Erneue-
rung der Terrassendichtungen und -beläge
ebenso wie die Restaurierung und Konservie-
rung der Fassaden. Erstmals wurde hier das
Verfahren angewendet, eine Schutzlasur auf
die Putti der Balustraden und Attikaskulptu-
ren aufzubringen. Im Vorfeld der Fassaden-
restaurierung führte man abschnittsweise die
Trockenlegung der Kelleraußenmauern durch,
Die Kellergeschosse der Bogengalerien M und
J und des Anbau A, die für Depots und Depot-
verwaltung, eine Restaurierungswerkstatt, So-
zialräume sowie Technik- und Sanitärbereiche
vorgesehen waren, wurden entkernt und für
die jeweiligen Nutzungen ausgebaut.
In der Langgalerie und den Bogengalerien stan-
den vor allem die Reparatur und Erneuerung
der Fenster, die Stabilisierung der historischen
Gewölbezonen sowie der Einbau neuer Fuß-
böden an. Mit der Sanierung von Rissschäden
in Gewölben und Wänden begannen 1997 die
ersten Instandsetzungsmaßnahmen. Es folg-
ten die Sanierung der Porzellanpavillons, der
Bogengalerie J, des Glockenspielpavillons im
Inneren und schließlich der Bogengalerie M.
Durch die Neuordnung der Ausstellungsräume,
die Schaffung zusätzlicher Ausstellungsflä-
chen, die Differenzierung von Funktionsberei-
chen und Funktionsbeziehungen, neue interne
Erschließungen, Raumgewinn für Depots durch
die Freilegung verschütteter Raumressourcen
und die komplette Erneuerung der Gebäude-
technik konnte die Präsentationsqualität des
Museums, die Sicherheit der Exponate und der
Gebäudebestand stark verbessert werden. Dies
bietet der Porzellansammlung die Perspektive
für einen langfristigen Verbleib mit allen Funk-
tionen im Zwinger.
verbunden mit der umfangreichen Erneue-
rung des Entwässerungssystems der Dächer
und Terrassen in den Zwingerteich.
Die aus der Vierten Zwingerrestaurierung der
1920er Jahre über dem Foyer des Anbau A
eingefügte Laterne trug man ab und kehrte zu
der Variante mit flachen Oberlichtern zurück,
die Karl Moritz Haenel in dem Neubau in den
1850er Jahren ausgeführt hatte. Weiter wur-
den die Skulpturennischen in der stadtseitigen
Außenfassade des Böttgersaals geschlossen.
Auch sie waren eine Erfindung der 1920er
Jahre – eine problematische, wie sich heraus-
stellte: Sie sorgten für Kältebrücken und damit
für Kondensationsflächen und Temperatur-
schwankungen im Obergeschoss des Pavillons.
Zudem hatten die hier aufgestellten Skulpturen
die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg nicht
überstanden.
Maßnahmen | Porzellansammlung
TECHNISCHE DATEN
Grundfläche:
3.860 m²
davon Museum:
1.812 m²
Depotfläche:
706 m²
Bauzeit:
1997–2012
(mit Unterbrechungen)
Baukosten:
18,4 Millionen Euro
Besonderheit:
Erster zusammenhängender Restaurierungskomplex (Pilotwirkung);
Raumgewinnung durch Auskofferung im KG
CHRONOLOGISCHER BAUABLAUF
1997 – 1998
Restaurierung der Langgalerie N.
1998 – 2002
Sanierung Porzellansammlung, einschließlich der Innensanierung
des Glockenspielpavillons.
2002
Beseitigung der Flutschäden.
2004 – 2005
Umbau und Instandsetzung der Bogengalerie M.
2006
Überarbeitung des Ausstellungskonzeptes durch die SKD und
Neugestaltung der Ausstellung.
2009 – 2010
Energetische Ergänzung der Bogengalerie J und Neugestaltung der
Ausstellung in der Bogengalerie und dem Tiersaal.
Linke Seite: Porzellanpavillon EG,
Tiersaal nach der Neugestaltung durch
Peter Marino, 2013
Seiten 56/57: Porzellanpavillon OG,
Zustand 2013

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Der Zwinger unter Wasser – Jahrhundertflut
2002 und Hochwassermanagement
Siiri Klose
Am 11. / 12. August 2002 erlebten Dresden und
das benachbarte Erzgebirge ungewöhnlich hef-
tige Regenfälle. Trotz ausreichender Bemessung
konnten die Abläufe der Terrassen im Zwinger
die Wassermassen nicht mehr ableiten. Zusätz-
lich war unmittelbar an der Uferböschung des
Zwingerteiches eine Hauptsammelleitung der
Stadtentwässerung geplatzt und die Abwässer
stürzten unkontrolliert und in großen Mengen
in den Zwingerteich. Als weitere große Gefah-
renquelle für den Zwinger drohte das zusätz-
lich aus der Kanalisation quellende Wasser in
die Kellerdepots zu strömen.
Bedingt durch die extremen Niederschläge
verwandelte sich die Weißeritz in einen rei-
ßenden Strom und „suchte sich dabei ihr al-
tes Flussbett zurück, aus welchem sie im 19.
Jahrhundert durch den Eisenbahnbau verlegt
wurde.“
1
Sie überflutete tatsächlich in der da-
rauf folgenden Nacht große Teile der Dresdner
Innenstadt, zerstörte eine nahe gelegene Tra-
fostation für die Stromversorgung des Zwin-
gers und flutete einige Zentimeter hoch den
Zwingerhof. Doch diese Bedrohung war erst
der Anfang, die Schäden im Zwinger waren zu
diesem Zeitpunkt noch relativ gering.
Der Elbpegel stieg aber weiter. Am 13. Au-
gust wurde Katastrophenalarm ausgelöst.
Glücklicherweise waren die Depots der Por-
zellansammlung zu dieser Zeit noch nicht mit
Kunstgut bestückt. Mit dem Elbhochwasser
gerieten jedoch die unterirdischen Depots der
Gemäldegalerie Alte Meister mit vielen wert-
vollen Bildern in außerordentliche Gefahr. Die
Räumung gestaltete sich hier sehr schwierig:
Durch den Stromausfall funktionierten we-
der Alarmanlage, Licht noch Lastenaufzüge.
Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und die
Bundeswehr unterstützten erfolgreich die
Mitarbeiter des Sächsischen Bau- und Immo-
bilienmanagement (SIB) und der Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden (SKD) bei der Ber-
gung der Kunstwerke.
Am 17. August erreichte das Elbhochwasser
seinen Scheitelpunkt bei 9,40 Metern. Das
Souterrain der Porzellansammlung und die
Tiefendepots der Gemäldegalerie waren längst
vollgelaufen. Im Zwingerhof ragten nur noch
die Kandelaber um die Hofbrunnen aus einer
geschlossenen, braunen Wasserfläche hervor.
Auch in den Räumen der Zwingerbauhütte in
der Kleinen Packhofstraße stand das Wasser
bis zu 1,15 Meter hoch. Die schweren Figuren
und Steinteile konnten nicht geborgen werden
und standen tagelang im Wasser. Noch gra-
vierender aber war der Verlust von Teilen des
Plan- und Archivmaterials.
Nach der Flut
Der Bedrohung des „Aufschwimmens“ durch
den erhöhten Grundwasserspiegel hatte der
gesamte Gebäudekomplex standgehalten.
Schon am 28. August konnten die Besucher
den Innenhof des Zwingers wieder betreten.
Die Beseitigung der Schäden im Inneren der
Gebäude dauerte erheblich länger: Heizungs-,
Klima-, Sicherheits- und Brandmeldetechnik
sowie elektrische Anlagen, die in den Kellern
untergebracht waren, mussten ersetzt werden.
Mauern waren zu trocknen, Schmutz zu ent-
fernen, Böden und Wände zu sanieren, Mobi-
liar neu anzuschaffen. Eine eingedrückte, rund
15 Meter lange Wand in einem Revisionsgang
der Porzellansammlung musste neu errichtet
werden, und auch die Restaurierungswerk-
stätten benötigten eine neue Einrichtung.
Als wichtige Konsequenz aus dem Jahrhundert-
hochwasser entwickelte der SIB gemeinsam
1
Zit. n.:
http://dresden.stadtwiki.de/wiki/Hochwasser_2002
[16.1.2014]
TECHNISCHE DATEN DER NOTSTROMERSATZANLAGE (NEA)
Grundfläche:
185 m²
Bauzeit:
2002 – 2003
Kosten der Beseitigung
der Flutschäden Zwinger
und Gemäldegalerie:
1,5 Millionen Euro
Besonderheit:
Externes Stromaggregat für die Versorgung des Kulturquartiers
in der Altstadt im Notfall.
mit den SKD ein Hochwasserschutzkonzept. Die
Gefahrenquellen wurden analysiert und durch
umfangreiche Maßnahmen „entschärft“. Darü-
ber hinaus gewährleisten heute turnusmäßige
Einsatzübungen durch die SKD den routinierten
Einsatz von Personal und Ausrüstung.
Eine weitere essentielle Konsequenz aus dem
Hochwasser war der Bau einer Notstromer-
satzanlage durch die Bauverwaltung, die im
Wall am Zwingerteich eingefügt wurde. Sie
kann bei einem Stromausfall nicht nur den
Zwinger, sondern auch das Schauspielhaus,
die Oper, die Gemäldegalerie und das Dresdner
Schloss versorgen.
Wie das erneute Hochwasser im Jahr 2013
zeigte, waren die gemeinsamen Anstrengun-
gen zum Hochwasserschutz für den Kernbe-
reich der Altstadt sehr erfolgreich. Im Zwinger
wurden präventiv die vorgesehenen Aktivitä-
ten für den Katastrophenfall eingeleitet, aber
nicht beansprucht. Die starken Regengüsse
schädigten lediglich Grünflächen und Hofbe-
läge, und ein Nebenraum war kurzzeitig vom
Wasserrückstau betroffen. Insgesamt hat sich
die Kombination dieser verschiedenen Maß-
nahmen als ausreichend erwiesen, um gegen
diese extremen Naturkatastrophen gewapp-
net zu sein.
Linke Seite oben: Kontrollgang im Zwingerhof
während der Flut
Linke Seite unten: Neubau der Notstromanlage
im Zwingerwall, Einfädeln des tonnenschweren
Dieselmotors in die Montageluke 2003
Rechte Seite: Übersichtsfoto bei bereits leicht
gesunkenem Wasserstand
NEA
Maßnahmen | Jahrhundertflut 2002 und Hochwassermanagement
Maßnahmen | Jahrhundertflut 2002 und Hochwassermanagement

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Namensgebung und Bedeutung
In der großen Gesamtanlage des Zwingers ist
das Nymphenbad ein besonderer und mar-
kanter Ort voll naturhafter Ursprünglichkeit
und Mythologie. Es liegt eher abgeschieden
zwischen dem Wall im Nordwesten und dem
Französischen Pavillon. Von 1712 bis etwa
1719 dauerte die Bauzeit.
Zur Namensgebung und der Bedeutung der
Anlage schrieb der Dresdner Kunsthistoriker
Fritz Löffler: „Das Nymphenbad ist kein Bad,
sondern ein Grottensaal und Wassertheater,
durch seinen plastischen Schmuck in den Sei-
tenwänden ein Nymphäon, wie es Pöppelmann
auf seiner Reise nach Italien kennenlernte, das
größte und originellste nördlich der Alpen.
Es diente, wie der Chronist Iccander 1726
schrieb, den Herrschaften, die im Erdgeschoß
des Pavillons spielten, zum refraichieren. Das
Nymphenbad mit seinem irreführenden Na-
men präsentiert sich so als Architektursaal, als
ein geschlossener Raum im Freien, dem der
Himmel als Decke diente.“
1
(Abb. 1).
Maßnahmen | Nymphenbad
Maßnahmen | Nymphenbad
Die Restaurierung des Nymphenbades
im Dresdner Zwinger
Karl Schöppner
Neben Matthäus Daniel Pöppelmann sehen
wir eine weitere bedeutende Persönlichkeit im
Kunstschaffen des frühen 18. Jahrhunderts
am Zwinger: Es ist der Hofbildhauer Balthasar
Permoser, der „zweite“ Schöpfer des Zwingers.
2
Eine Reihe von Nymphen stammt direkt von
seiner Hand.
Ein Grund für die relativ lange Bauzeit dürfte
die schwierige Wasserversorgung des Zwin-
gers gewesen sein. Vom höher platzierten
Wasserreservoir des am Wilsdruffer Tor gele-
genen Kuhturms gelangte das „kostbare Nass“
zu den verschiedenen Wasserkünsten im
Zwinger. Nur durch diesen Höhenunterschied
konnte man den notwendigen Druck für die
Wasserspiele erzeugen. Der letztlich zu gerin-
ge Druck ließ die Fontänen zur Erbauungszeit
eher filigran wirken. Es darf daher nicht ver-
wundern, dass das Nymphenbad nur vorüber-
gehend mit Wasser versorgt wurde und über
lange Zeit provisorisch in Erscheinung trat.
Einen guten Eindruck vom Zustand gibt eine
Abbildung von 1848 (Abb. 2).
Etwa 200 Jahre dauerte es, bis das Nymphä-
on seine heutige, repräsentative Erscheinung
erhielt. Bei der großen Instandsetzung der
1920er Jahre rekonstruierte man auch die
Wasserkünste im Nymphenbad vollständig.
Der damalige Leiter der Zwingerbauhütte
Dr. Hubert Ermisch ließ dazu zwei Tiefbrun-
nen für den wechselseitigen Betrieb im
Zwingerhof anlegen.
3
Von dort aus förderten
elektrisch betriebene Pumpen mit 30 PS je
185 m³/h Grundwasser zu den jeweiligen
Wasserspielen, das anschließend in den Zwin-
gerteich abgeführt wurde.
Im Zuge dieser Restaurierungsphase legte
man auch das große Mittelbecken in seiner
heutigen Form im Nymphenhof an, umgeben
mit offenen Balustraden und umfangreichem
Figurenschmuck. Alle fehlenden Nymphen der
Ostwand samt Sockel entstanden unter der
Leitung des Bildhauers Georg Wrba (Abb. 3).
Von den Kriegszerstörungen 1945 blieb das
Nymphenbad nahezu verschont.
Ab 1991 betreut wesentlich die Zwingerbau-
hütte den architektonischen Bestand. Dabei
galt es, vorwiegend die äußere Hülle des Ge-
bäudes zu sichern und fortschreitende Schä-
den einzudämmen.
1
Löffler, Fritz/Pritsche, Willy: Der Zwinger in Dresden, Leipzig 1976, S. 26.
2
Marx, Harald (Hg.): Matthäus Daniel Pöppelmann: Der Architekt des Dresdner Zwingers,
Leipzig 1989, S. 54.
3
Ermisch, Hubert Georg: Der Dresdner Zwinger, Dresden 1965, S. 90.
Linke Seite oben: Abb. 1, Nymphenbad nach
dem Kupferstich von M.D. Pöppelmann 1729,
Blick vom Französichen Pavillon zum Wall
Linke Seite unten: Abb. 2, Nymphenhof,
Zustand 1848
Rechte Seite oben: Abb. 3, Detailausschnitt
einer Nymphe der östl. Seite des Nymphenho-
fes, Neuschöpfung von Georg Wrba aus den
1920er Jahren

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Anlass zur Restaurierung des Nymphenbades
Zunehmend unkontrollierte Wasserverluste in
den Becken und der schlechte technische
Zustand der Wasserspiele machten den Be-
trieb und die Steuerung der Fontänen immer
schwieriger. Erhebliche Verwitterungsschäden,
korrodierte Eisenanker und Durchfeuchtungen
in verschiedenen Bereichen – auch der Figu-
rennischen – erforderten die umfassende Re-
staurierung der Fassaden und ihrer Schmuck-
teile sowie eine Erneuerung der Wasser- und
Betriebstechnik. Um mögliche Gefährdungen
für die Besucher auszuschließen, wurde 2006
die Restaurierung eingeleitet.
Besonderheiten, Bauablauf und Maßnahmen
Durch die besondere topografische Lage der
Baustelle direkt am Hauptweg zum Zwinger-
wall herrschte ein ständiger Platzmangel für
alle erforderlichen Flächen der Baustellenein-
richtung. Verstärkt wurde die Situation durch
nahe stehende Bäume der Lindenallee, die bis
ins Baufeld ragten und bei den Schutzeinhau-
sungen berücksichtigt werden mussten (Abb. 5).
Öffentliche Veranstaltungen im unmittelbar
angrenzenden Französischen Pavillon, Muse-
umsnutzung und Gastronomiebetrieb in direkter
Nachbarschaft zum Nymphenhof erforderten
zusätzliche Rücksichtnahmen und geräuschar-
mes Arbeiten.
In einem ersten Bauabschnitt widmete man
sich der dem Wall zugewandten Seite mit der
Sanierung der Treppenläufe, des oberen Be-
ckens, der Kaskade, den seitlichen Fassaden-
prospekten und dem unteren Kaskadenbecken
auf dem Niveau des Nymphenhofes. Eine soli-
de Einhausung und eine baubegleitende Hei-
zung stellten die ganzjährige Durchführung
der Restaurierungsarbeiten sicher.
Der zweite Abschnitt umfasste den Nymphen-
hof mit dem großen Wasserbecken und den
Fassaden (Abb. 9). Eine besondere Bedeutung
hatte eine elektrooptische, verformungsge-
rechte Bauvermessung, die die Grundlage für
die spätere Werkplanung darstellte. Bereits in
einer frühen Planungsphase war man so in der
Lage, die Schablonen für die neuen Steinstufen
und Podestplatten zu entwickeln und sie direkt
an den Natursteinbetrieb zur Vorfertigung zu
liefern. So konnte der Bauprozess zeitlich er-
heblich gestrafft werden. Auch der Aufriss der
Versetzmarken an den mehrfach geschwun-
genen Treppenwangen erfolgte durch den
Vermesser. Damit war die Steinmetzfirma von
diesem zeitintensiven Arbeitsvorgang entlas-
tet. Ohnehin war das „Einfädeln“ der mono-
lithischen Stufen zwischen die Wangen der
Treppenläufe bei einer passgenauen Randfuge
von maximal einem Zentimeter Breite eine ver-
setztechnische Herausforderung (Abb. 6).
Nach der Konsolidierung der Treppenfunda-
mente und der Unterbauten des Beckens wur-
den die Rohrführungen für die Wasserspiele
sowie der elektrischen Versorgungsleitungen
verlegt und entsprechende Dichtungsmaßnah-
men vorgenommen.
Wasserhaltung und Feuchteschutz
Durch nachhaltiges und differenziertes Vor-
gehen bei den einzelnen Problemstellungen
konnten zusätzliche Verluste durch Eingriffe
im ohnehin stark reduzierten historischen
Baubestand vermieden werden. So wurde zum
Beispiel ein Beckenrand mit Bodenplatten aus
der Barockzeit nicht abgebaut, weil man die
Dichtigkeit durch eine Kombination aus tradi-
tioneller Bleiabdichtung und modernen Dicht-
stoffen erreichte. Der in den 1920er Jahren
eingebaute Rand des Beckens im Nymphen-
hof war – ebenso wie die Bodenplatten – mit
harter Zementschlämme so extrem vergossen,
dass sie ein Abbau völlig zerstört hätte. Daher
blieb das Baugefüge an diesen Stellen in situ
erhalten, wurde an wenigen Stellen nachge-
dichtet und in die Flächendichtung des neuen
Beckenbodens sicher eingebunden.
Als Dichtungsebene kam eine glasvliesbe-
wehrte Kunststoffabdichtung zum Einsatz,
die starke Scherbewegungen aufnimmt und
problemlos an unterschiedliche Formen an-
gepasst werden kann. Die Steinschalen der
Wandnischenbrunnen (Abb. 7) und des unte-
ren Kaskadenbeckens schlug man mit Bleifolie
aus, die man sehr akribisch an vorhandene
Schmuck- und Detailformen anpasste (Abb. 8).
Um den Feuchtehaushalt der Grundmauer der
Treppenwangen nicht negativ zu beeinflussen,
wurde unterhalb der Treppenläufe eine Lehm-
schlagebene eingebaut. Sie erhielt zur Sicher-
heit Bodenabläufe, um stehendes Wasser in
den Unterbauten zu verhindern. Um das Ober-
flächenwasser von den Fundamentmauern
fern zu halten, erfolgte entlang der Außen-
mauern der Einbau von stabilen, horizontalen
Dichtungsebenen.
Linke Seite: Abb. 4, Blick in den Nymphenhof,
Versetzarbeiten des Beckenbodens, Sandstein-
platten stammen aus dem historischen Bruch-
revier im Elbsandsteingebirge, im Hintergrund
Fassade vom Französischen Pavillon
Rechte Seite oben: Abb. 5, Schutzeinhausung
für Winterbau, bogenförmige Kranbahn für die
Transportarbeiten unter Dach
Rechte Seite Mitte oben: Abb. 6, Einpassen der
monolitischen Treppenstufen
Rechte Seite Mitte unten: Abb. 7, Bleiblechab-
dichtung einer Brunnenschale
Rechte Seite unten: Abb. 8, Abdichtung des
Beckenrandes im sichtbaren Bereich mit
Bleifolie, die unter dem Beckenboden an eine
Kunststoffdichtung anschließt
Maßnahmen | Nymphenbad
Maßnahmen | Nymphenbad

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Wasserspiele und betriebstechnische
Einbauten
Bis 2006 funktionierte die Wasserversorgung
der Brunnen und Fontänen nach dem „Durch-
laufprinzip“. Für die Zukunft bedeutete dies ein
unwirtschaftliches Unterfangen und eine gro-
ße Verschwendung von Grundwasser. Zudem
verschmutzte es verstärkt durch Fremdstoffe,
wie Analysen ergaben. Nährstoffinhalte und
eine deutliche Erwärmung des Grundwassers
bewirkten aggressives Algenwachstum, wel-
ches nicht nur kürzere Reinigungszyklen for-
derte, sondern auch die Sandsteinarchitektur
zunehmend belastete.
Mit der Neukonzipierung als Umwälzsystem –
in einem geschlossenen Kreislauf, aber mit ge-
trennt betriebenen Düsen der Wasseraustritte
– erzielte man höhere Effizienz, größere Um-
weltverträglichkeit, niedrigere Betriebskosten
und eine benutzerfreundlichere Steuerung. Das
aufbereitete Wasser ist frei von chemischen
Verunreinigungen und kann bei der Entleerung
des Systems in den Vorfluter eingeleitet wer-
den. Im Zuge dieser Maßnahme erfolgte eben-
falls die zwingend notwendige Erneuerung al-
ler Grundleitungen.
Für die Optimierung der Infrastruktur zur öffent-
lichen Nutzung des Nymphenbades, beispiels-
weise bei Veranstaltungen, sorgte der Einbau
von Senkelektranten für eine flexible Strom- und
Wasserentnahme.
Hilfreich bei der Trassenführung der neuen Lei-
tungen für die Ver- und Entsorgung war das
noch von Hubert Ermisch angelegte unterirdi-
sche Gangsystem. Es wurde baulich saniert und
stellenweise für den Einbau neuer Pumpen,
Sammelbehälter, Filter- und Steuerungsanla-
gen erweitert.
Abb. 9, Grundriss der Anlage mit angrenzen-
den Bauteilen, Bildmitte li: oberes Becken
mit anschl. Kaskade und seitl. Treppenläufen,
Bildmitte: Nymphenhof
Maßnahmen | Nymphenbad
Maßnahmen | Nymphenbad

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Beleuchtung des Nymphenbades
Die Beleuchtung des Nymphenbades wurde zu-
rückhaltend ausgelegt. Dabei ging man diffe-
renziert vor. Die Verkehrssicherheit der beiden
Treppenläufe erzielte man mit der Kombination
mehrerer Lichtquellen: LED-Lichtschläuche, die
versteckt in Falzen der Treppenwangen unter-
gebracht sind, vorhandene Kandelaber an den
Treppenaustritten wurden mit zusätzlich ein-
gebauten Strahlern aufgerüstet (Abb. 10), und
vorhandene Rabitzdecken ermöglichten die
Ergänzung durch kleine Deckenstrahler unmit-
telbar über den Laufflächen.
Aus dem Erdgeschosssaal des Französischen
Pavillons fällt abends das Licht in den Nym-
phenhof. Es wird ergänzt durch dezente
Strahler im Hauptgesims, das lediglich die Ver-
kehrsfläche betonen soll. Die Nymphen in den
Nischen bleiben dabei bewusst im Zwielicht
der Nacht. Nicht die gleißende nächtliche Zur-
schaustellung ist hier die Intention, sondern die
Erfahrbarkeit eines naturhaften Ortes, der Irdi-
sches und Mystisches miteinander verbindet.
Steinrestaurierung
Schadstoffe aus der Umwelt, Verwitterung und
biogener Bewuchs hatten die Oberflächen der
steinernen Hülle deutlich angegriffen. Durch
gezielte, konzeptionell abgestimmte steinres-
tauratorische Maßnahmen wurden daher alle
Oberflächen gesichert, wo nötig ergänzt und
die Figuren auf den Balustraden mit einer Si-
likonharzlasur geschützt. Zerstörte Architek-
turteile und Bildwerke mussten durch exakte,
detailgetreue Bildhauerkopien ersetzt werden.
Die Architektur der Schauseite des Nymphen-
bades zum Wall hin ist wie eine Theaterkulisse
gestaltet. Kräftige Sandsteinsäulen tragen ein
reich gegliedertes Hauptgesims, auf dem wie-
derum die Balustraden mit den Vasen und Putti
stehen. Geborstene Vierungen, geschwächte
Pfeilerquerschnitte sowie korrodierte Veranke-
rungen reduzierten die Belastbarkeit einzelner
Säulentrommeln so, dass man sie auswechseln
musste (Abb. 11).
Zum historischen Figurenbestand gehören
zunächst 16 Nymphen aus dem Hofbereich,
davon stammen sechs originale Figuren aus
der frühen Bauzeit zwischen 1715 und 1719
(Abb. 13), geschaffen von Balthasar Permoser,
Benjamin Thomae, Paul Egell und Christian
Kirchner. Weitere zehn Stück bereichern das
Ensemble im Mittelteil. Bei den insgesamt 45
Skulpturen der Balustraden- und Gesimsauf-
sätze handelt es sich durchweg um Kopien oder
Neuschöpfungen aus der Zeit vor und unmit-
telbar nach 1945, sie gelten zum größten Teil
inzwischen selbst als „Originale“. Detailliertere
Ausführungen zur Steinrestaurierung sind im
Beitrag „Die Zwingerbauhütte und Steinrestau-
rierung am Zwinger“ zu finden.
Bei der Restaurierung des Nymphenbades über-
nahm die Zwingerbauhütte einen beachtlichen
Arbeitsanteil in Eigenleistung des Bauherrn.
So wurden beispielsweise alle neuen Baluster
von Mitarbeitern der Hütte angefertigt, eben-
so wurden die Restaurierung aller Nymphen,
Sockel, Balustradenfiguren und der Brunnen-
schmuck im oberen Bassin durchgeführt und
dazu umfangreiche Abbau- und Versetzarbei-
ten des Figurenschmuckes geleistet (Abb. 12).
Linke Seite: Abb. 10, Oberes Becken mit
Kandelaber und LED – Lichtschlauch zur
Beleuchtung der Treppenläufe, 2014
Rechte Seite links: Abb. 11, Eine neu her-
gestellte Säulentrommel wird zum Versetzen
vorbereitet. Deutlich zu sehen ist die ab-
wechselnde Gliederung des Säulenschaftes
mit „stilisiertem Tropfenmoos“, 2007
Rechte Seite rechts: Abb. 12, Abbau einer
Nymphe an der Kaskade, 2006
Maßnahmen | Nymphenbad
Maßnahmen | Nymphenbad

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F
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C
P
N
H
E
B
A
Die Instandsetzung des Nymphenbades war
eine komplexe, umfangreiche und anspruchs-
volle Restaurierungsarbeit sowohl für Planer,
Bauhandwerker und Restauratoren. In der Bau-
ausführung blieben die Eingriffe auf das tech-
nisch notwendige Maß beschränkt.
Mit seiner ungewohnten Bildsprache entführt
das Nymphenbad als großartige Rarität säch-
sischer Baukultur in eine mythologische Welt
aus längst vergangener Zeit. Besucher können
diesen abgeschiedenen Ort über den Wall oder
das Erdgeschoss des Französischen Pavillons
erschließen. Die ruhige Atmosphäre des Nym-
phenbades lädt heute wieder zum Erfrischen
und Verweilen ein (Abb. 14).
TECHNISCHE DATEN
Grundfläche:
875 m²
Bauzeit:
2006–2008
Baukosten:
2,64 Millionen Euro
Besonderheit:
Brunnen und Wasserspiele
Linke Seite oben: Detail, Permoser 1715–18,
„Nymphe, die zum Bade geht“
Unten: Abb. 13, Westliche Nischenreihe
(Besatz v. re. n. li.: Egell 1718–19 „Spielende
Nymphe“, Permoser 1716 „Nymphe, die vom
Bade kommt“, Permoser 1715–18 „Nymphe,
die zum Bade geht“, Thomae 1714–16
„Nymphe, die ihr Gewand über die rechte
Schulter hebt“, Kirchner 1718 „Nymphe
mit dem Blütenstrauß“, Permoser 1711–12
„Nymphe mit Muschel“, Entwurf und Modell
Schlesinger 1960er Jahre „Der Frühling“
Seiten 70/71: Abb. 14, Nymphenbad, Blick vom
Französischen Pavillon zum Wall, 2014
Maßnahmen | Nymphenbad
Maßnahmen | Nymphenbad

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Geschichte des Salons
Der Mathematisch-Physikalische Salon gehört
weltweit zu den ältesten und bedeutendsten
wissenschaftshistorischen Sammlungen. Das
„Königliche Cabinet der mathematischen und
physikalischen Instrumente“ wurde 1728 im
Zwinger eröffnet. Im Jahr 1746 erhielt das
Museum schließlich seinen bis heute gültigen
Namen: „Mathematisch-Physikalischer Salon“.
Der Grundstock der Sammlung geht auf die
von Kurfürst August Mitte des 16. Jahrhun-
derts gegründete Kunstkammer zurück. Zu-
gleich war das Museum auch Behörde – Re-
ferenzmaße wurden hier aufbewahrt und im
18. Jahrhundert wurde der Salon zur zentralen
Zeitdienststelle Sachsens. Er ist ein Technik-
museum – aber darüber hinaus präsentiert der
Mathematisch-Physikalische Salon wissen-
schaftlich und künstlerisch wertvolle Exponate.
Von Beginn an war die Instrumentensammlung
im Festsaal des südwestlichen Pavillons unter-
gebracht. Mit dem Wiederaufbau der kriegszer-
störten Bauteile nach 1945 wurde die Ausstel-
lungsfläche erstmals um die Bogengalerie und
den Grottensaal erweitert. Nach Abschluss der
grundlegenden Sanierung 2013 erstreckt sich
der Mathematisch-Physikalische Salon vom
Kronentor bis zum Wallpavillon, mit einer un-
terirdischen Saal-Erweiterung im Wallbereich.
Maßnahmen | Mathematisch-Physikalischer Salon
Maßnahmen | Mathematisch-Physikalischer Salon
Planungsziele, Entwurf und Bauaufgabe
Der Mathematisch-Physikalische Salon ist in
verschiedenen Gebäudeteilen des Zwingers
untergebracht: Dem Uhrzeigersinn folgend
bezeichnet man sie als Langgalerie (nahe
Kronentor), Anbau R, Pavillon F (als zentraler,
mehrgeschossiger Mittelteil mit dem frühe-
ren Grottensaal und dem Festsaal im Ober-
geschoss), Bogengalerie und neuen Erweite-
rungsbau unter dem Wallniveau.
Der Entwurfsgedanke basiert auf der historisch
vorgegebenen Intention, den Zwinger als Ge-
samtkonzept bzw. -kunstwerk zu betrachten,
seine Genese zu würdigen und ihn als solches
zu erhalten. Die vorgefundenen, ursprüng-
lichen Baustrukturen und Gestaltungsprin-
zipien waren also bindend. Es galt, in diesem
Kontext für die Sammlungen einen angemes-
senen architektonischen funktionalen und re-
präsentativen Ausstellungsort zu entwickeln,
unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer
Grundsätze. In diesem Zusammenhang war die
nachhaltige Konsolidierung von Konstruktion,
Bauphysik, technischer Gebäudeversorgung,
Gebäudesicherheit, Fassaden und plastischer
Bauzier erforderlich.
Der Zustand des Salons zeigte in baulicher,
funktioneller und museumstechnischer Hin-
sicht gravierende Schäden und Unstimmig-
keiten. Zudem entsprach das Erscheinungsbild
nicht dem zeitgemäßen Status einer bedeu-
tenden wissenschaftlichen Sammlung. Mit den
Baumaßnahmen wurde das Museum um we-
sentliche Funktions- und Ausstellungsflächen
erweitert. Aufgrund archäologisch wichtiger
Funde in den Fundamentbereichen des ehema-
ligen Grottensaals konnte man das ursprüngli-
che Baukonzept, das die Schaffung von Funk-
tionsräumen im Kellergeschoss vorsah, jedoch
nicht mehr umsetzen. Es musste nach Alterna-
tivlösungen für einen Flächenersatz von Not-
depot, Werkstatt und Klimazentrale gesucht
und das bis dahin vorliegende Planungskonzept
grundlegend überarbeitet werden.
Mathematisch-Physikalischer Salon
Siegmar Lungwitz, Carla Wilkins und Christa Röthle
Langgalerie O nach Fertigstellung, 2013

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Funktion
Entsprechend den musealen Anforderungen
und internen Arbeitsabläufen ordnete man die
Funktionsbereiche neu. Die Ausstellungsflä-
chen befinden sich vorrangig in den repräsen-
tativen Räumen der Lang- und Bogengalerie
sowie im Festsaal des Pavillons. Der Verwal-
tungsbereich ist weiterhin im Anbau aus den
1920er Jahren verblieben. In einem unterirdi-
schen Neubau im rückwärtigen Wallbereich
wurden die Technikzentralen für Klima, Not-
depot und Werkstatt untergebracht. Sie liegen
entsprechend den räumlichen Gegebenheiten
und funktionalen Anforderungen dezentral
in den Souterrainbereichen. Weiterhin wur-
de in dem Neubau ein neuer Ausstellungssaal
für lichtempfindliche Ausstellungsobjekte ge-
schaffen. Dieser „Neue Saal“ verbindet die
Bogengalerie mit dem Anbau R und ermöglicht
so einen Rundgang im Museum.
In dem neuen Foyer sind Kasse mit Informa-
tion und Shop sowie Garderobe und Auf-
zug angeordnet. In unmittelbarer Nähe zum
Foyer befinden sich im Untergeschoss die
WC-Anlagen für die Besucher. Rollstuhlfahrer
gelangen vom Zwingerhof barrierefrei über
einen separaten Eingang und den Aufzug in
die Ausstellungsebenen.
Gestaltung
Das äußere Erscheinungsbild des Mathema-
tisch-Physikalischen Salons wird von der vor-
handenen Bausubstanz bestimmt, mit einer –
wie Pöppelmann sie nannte – „römischen
Säulenordnung“, durch reiche Profilierung
sowie einer Fülle von Schmuckelementen,
Figuren und Vasen geprägt. Hier wurde großer
Wert auf den Erhalt des Bestandes durch
steinkonservatorische und restauratorische
Maßnahmen gelegt.
Die neuen Fenster und Fenstertüren wurden
aus sicherheitstechnischen Gründen speziell
konstruiert. Gestaltung und Detaillierung der
Fenster erfolgte nach historischen Vorlagen,
abgestimmt auf die bereits früher eingebau-
ten Fenster am Deutschen Pavillon und der
Porzellansammlung.
Zu erwähnen ist die erneuerte Eindeckung
des Mansarddaches, die durch den schlechten
Zustand der Einbindungspunkte der Dachent-
wässerung sowie des schlechten Zustandes
des Altkupfers und der mangelhaften Befes-
tigung der Kupferbleche auf der Unterkon-
struktion erforderlich wurde. Die Breite der
neuen Kupferschare orientierte sich dabei am
bereits 1992 eingedeckten Dach des Porzel-
lanpavillons. Zur Aufwertung der ästhetischen
Erscheinung der „Dachlandschaft“ erhielten
die beiden Zierschornsteine eine Vergoldung
und korrespondieren sowohl mit den Akan-
thusblättern des Kronentores als auch den
Zierschornsteinen des Porzellanpavillons.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrie-
ges gestaltete man die Säle im Erd- und Ober-
geschoss des Pavillons im Stil der 1950er Jahre.
Im Obergeschoss blieb dieser Duktus der Raum-
schale erhalten. Den ehemaligen Grottensaal im
Erdgeschoss des Pavillons konnte man in seine
ursprüngliche Geometrie zurückversetzen. Heu-
te begrüßt es als repräsentatives Foyer die Be-
sucher. Die freigelegten farbigen Stuckelemente
geben einen Eindruck von der ehemaligen ba-
rocken Fassung des Saals. Der Museumseingang
ist entsprechend dem historischen Konzept zum
mittigen Portal des Pavillons verlegt worden und
wird über die geschwungene, zweiläufige Frei-
treppe erschlossen.
Die vorhandene, barock geprägte Innenarchi-
tektur von Lang- und Bogengalerie wurde in
der Substanz restauriert, die räumliche Farb-
gebung auf eine schlüssige Gesamterschei-
nung abgestimmt.
Mit großem planerischen Aufwand gelang
es, die zum Teil sehr komplizierten haustech-
nischen Installationen substanzschonend in
die Bauwerke zu integrieren.
Linke Seite: Pavillon F, OG – Hauptgesims der
Hoffassade, Steinrestaurierung, 2011
Rechte Seite oben: Langgalerie O unmittelbar
vor Baubeginn, hier noch als Zwischendepot
für die bereits abgebauten Attikafiguren genutzt,
2009
Rechte Seite unten: Pavillon F, Rohbau, Beginn
der Einrüstung für die Decke zum OG, 2010
Maßnahmen | Mathematisch-Physikalischer Salon
Maßnahmen | Mathematisch-Physikalischer Salon

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Bauablauf
Im Jahre 2008 erfolgten archäologische Unter-
suchungen. Die hier gemachten Funde hatten
einen zwischenzeitlichen Baustopp zur Folge.
Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurde
die Neukonzeption geprüft – die Gesamtpla-
nung, Kosten sowie der Bauablauf mussten
angepasst werden. 2009 lag die überarbeite-
te Entwurfsunterlage vor. Die Einrichtung der
Baustelle begann im Mai 2010, die Rohbau-
arbeiten starteten im Juni mit den ersten Ab-
bruchmaßnahmen.
Das weitere Baugeschehen verlief wie folgt:
Sept. 2010 Abschluss der ca. 7 Meter tiefen
Baugrube für den unterirdischen Neubau,
Abtransport von rund 3.000 Kubikmeter
Erdreich über den Zwingerwall, Einsatz von
Spezialtiefbautechnik zur Sicherung der
Baugrube und angrenzender Bauteile.
Okt. 2010 Grundsteinlegung für den Neu-
bau.
Jan. 2011 Beginn der Ausbauarbeiten mit
der Sanierung der Putzdecke im Oberge-
schosssaal.
Mai 2011 Montage der Fensterrahmen.
Mitte 2011 Beendigung der Rohbauarbei-
ten am Neubau, Einbau von ca. 100 Tonnen
Bewehrungsstahl, 850 Kubikmeter Beton,
Abtransport von rund 1.500 Kubikmeter
Bauschutt.
Ende 2011 Abschluss Einbau aller wesent-
lichen Rohinstallationen der Haustechnik,
Beendigung der Abdichtungsarbeiten an
den Terrassen.
Anfang 2012 Verlegung der ersten Natur-
steinböden. Aufgrund der Gebäudegeomet-
rie werden alle Platten im Wasserstrahlver-
fahren geschnitten. Jede Rohplatte des ca.
240 Mio. Jahre alten Kalksteins wurde im
Steinbruch bei Patrichberg/Treuchtlingen
(Bayern) begutachtet und ausgewählt.
Aug. 2012 Einbau der Ausstellungsvitrinen.
Okt. 2012 Abschluss der Ausbauarbeiten im
Grottensaal.
Dez. 2012 Einbau der Innentüren, Fertigstel-
lung des gläsernen Aufzugs.
Jan. 2013 Restarbeiten und Übergabe an
die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Unsichtbar aber wirkungsvoll – Die Technik
im Mathematisch-Physikalischen Salon
Für alle Beteiligte war es eine große Heraus-
forderung, die Ausstellungsräume des Mathe-
matisch-Physikalischen Salons auf den erfor-
derlichen Stand der Technik zu bringen. Zum
einen gibt es klimasensible Ausstellungstücke
unterschiedlichster Materialien, die höchs-
te konservatorische Anforderungen stellen.
Zum anderen waren die Ausstellungsberei-
che ursprünglich als Orangerien und Festsä-
le konzipiert, die diesen notwendigen Schutz
nicht boten. Die Skelettstruktur des Zwin-
gers, bestehend aus massiven Wandpfeilern
und großen Flächen der Fensterarkaden, bot
nur wenig Möglichkeiten, um Objekte vor
der direkten Licht- und Sonneneinstrahlung
verschattet unterzubringen. Eingriffe in die
Bausubstanz mussten sehr sensibel geplant
und substanzverträglich ausgeführt werden.
Um dies zu gewährleisten, nutzte man für die
Versorgungstrassen weitgehend Kanäle und
Schächte in jenen Wand- und Deckenzonen,
die bereits durch frühere Eingriffe geschaffen
wurden. Als Planungshilfe diente dabei ein
schematisches 3-D-Modell. Trotzdem waren
laufend baubegleitende Anpassungen an den
Bestand notwendig.
Jedes Anlagenteil wie Elektro-, Sicherheits- und
Haustechnik (Lüftung, Heizung, Klima) verfügt
über separate Steuersysteme (Datenbus). Die
Gebäudeleittechnik mit ihren 3.000 Daten-
punkten steuert die Haustechnik. Die Geräte
der Sicherheitstechnik werden über einen Loop
miteinander verbunden. Die einzelnen Systeme
arbeiten unabhängig voneinander, tauschen
aber untereinander Informationen aus, um
übergreifende Funktionen zu ermöglichen.
Insgesamt wurden für alle drei Systeme ca.
75 Kilometer Kabel verlegt.
Seit der letzten Grundsanierung und Rekon-
struktion des Mathematisch-Physikalischen
Salons 1955 hatten sich die technischen Be-
dingungen kaum verändert. Eine Lüftung bzw.
Klimatisierung wurde damals nicht eingebaut,
als UV-Schutz dienten schlichte Vorhänge an
den Fenstern. Die Ausstellungsobjekte beste-
hen jedoch teilweise aus organischen Verbin-
dungen – wie Leder, Holz, Lacke, Harze – und
verschiedensten Metallen. Um sie optimal zu
konservieren, sind enge Klimawerte zwingend
erforderlich, das heißt: geringe Temperatur-
schwankungen, konstante Luftfeuchtigkeit und
Schutz vor schädlichem Lichteintrag.
Im Überblick sind die auf die einzelnen Ausstel-
lungsbereiche abgestimmten klimatechnischen
Installationen zusammengefasst:
Langgalerie O: Raumheizung und Kühlung,
alle Vitrinen aktiv klimatisiert (eigene Kli-
maversorgung).
Bogengalerie: Raumheizung und Kühlung,
alle Vitrinen passiv klimatisiert (Silikatgel).
Anbau V: Klimatisierung des Raumes, alle
Vitrinen aktiv klimatisiert.
Festsaal im OG: Raumheizung und Küh-
lung, alle Vitrinen passiv klimatisiert.
Grottensaal: nur Raumheizung, alle Vitri-
nen passiv klimatisiert.
Drei Technikzentralen steuern die insgesamt
fünf Lüftungs- und Klimaanlagen. Alle Räu-
me verfügen über eine Fußbodenheizung und
Konvektoren. Im Festsaal liegen zusätzlich un-
ter der Decke Matten, die Kälte oder Wärme
abstrahlen können. Die Kältezentrale ist im
Wall untergebracht und Teil des Kälteverbun-
des der Gemäldegalerie Alte Meister. Es liegen
80 bis 90 Kilowatt Kältelast an.
Einen wesentlichen Teil des Schutzes des Aus-
stellungsguts übernehmen die Fenster, deren
Konstruktion in Verbindung mit dem Glas Ein-
bruchsicherheit, Wärmedämmung, Lichtfilter
und einen möglichst hohen Farbwiedergabe-
index in sich vereinen und dabei die Optik der
historischen Scheiben anstreben.
Bauherr, Planer und die ausführenden Gewer-
ke betreten beim komplexen Schutz der Aus-
stellungsstücke und dessen stetig steigenden
Anforderungen ein Spezialgebiet des Bauens.
Es gilt dabei immer, den Kompromiss zwischen
neuen Anforderungen und vorhandenem Be-
stand zu finden. Allgemeingültige Richtlinien
gibt es nur wenige, jedes Objekt erfordert eine
individuelle Begutachtung von Konservatoren,
Wissenschaftlern und Baufachleuten.
Linke Seite: Anbau V im Wall, Betonieren der
Fundamentplatte, 2010
Seiten 78/79: Pavillon F – das heutige Foyer
im Rohbau mit frisch eingebautem Estrich,
Bildmitte links oben: Musterachse für die
neue Deckengeometrie, 2011
Maßnahmen | Mathematisch-Physikalischer Salon
Maßnahmen | Mathematisch-Physikalischer Salon

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Ausstellung gestalten – Neue Präsentation
im Mathematisch-Physikalischen Salon
Die Ausstellungsgestaltung unterstreicht die
Architektur des Zwingers und setzt die heraus-
ragende Sammlung des Mathematisch-Phy-
sikalischen Salons in dem barocken Ensemble
aus Pavillons und Orangerien wirkungsvoll in
Szene. Den in weiß gehaltenen Sälen werden
edle, dunkel glänzende Oberflächen entgegen-
gesetzt. Im Zusammenspiel aus Architektur
und Ausstellung entsteht ein elegantes, har-
monisches Gesamtbild. Betritt der Besucher
einen der vielen Ausstellungssäle, erzeugt ein
charakteristisches und außergewöhnliches Ex-
ponat einen stimmungsvollen Blickfang und
bietet ihm einen räumlichen und thematischen
Einstieg und Übergang zu den einzelnen Aus-
stellungsbereichen.
Der Mathematisch-Physikalische Salon wird
über den zentral gelegenen, ehemaligen Grot-
tensaal mit dem Kassenbereich, Shop und der
Garderobe erschlossen. Der erste Blick wird auf
die fünf halbrunden Wandnischen an der Rück-
wand gelenkt, die exemplarisch Höhepunkte
aus der Sammlung zeigen. In Verbindung mit
einem Schlagwort bieten sie eine Vorschau auf
die Themen der Ausstellung und laden dazu ein,
tiefer in die einzelnen Bereiche einzusteigen.
Die klare und reduzierte Formensprache der
Möblierungseinbauten legt zudem die symme-
trische Struktur des Raumes offen und schafft
Blickbezüge zum Zwingerhof.
Vom Entree-Bereich aus gelangt der Besu-
cher in die Bogengalerie. Mit dezent farbigen
Stoffen bespannte Wandspiegel entlang der
geschlossenen, gebogenen Wand formen den
Hintergrund für die Exponate, zu denen die
einmalige Uhrensammlung des Mathema-
tisch-Physikalischen Salons gehört. Einzelne
Objekte werden in freistehenden Vitrinen her-
vorgehoben. Der hintere Bereich der Bogenga-
lerie wird mit einem flexiblen Präsentations-
system als Schaudepot ausgestattet. In den
großformatigen Sammlungsschränken lassen
sich auch Wechselausstellungen präsentieren;
zusätzlich gibt es hier Angebote für die Muse-
umspädagogik, so dass ein „lebendiges“ Muse-
um entstehen kann.
Linke Seite oben: „Neuer Saal“ im Anbau V
vor der Innenausstattung, 2012
Unten: Museale Ausstattung des „Neuen Saals“,
2013

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Der Rundgang durch die Bogengalerie führt zu
einem Durchgang zum „Neuen Saal“, der in dem
neuen Erweiterungsbau hinter dem Grottensaal
liegt. In dem mit Holz verkleideten Raum ohne
Tageslicht wird die Globensammlung in einer
Weltall-ähnlichen Atmosphäre präsentiert. In
der matt verspiegelten Vitrinenlandschaft ist
der Betrachter rundum von einem Universum
aus Globen umgeben. Im Zentrum des Raumes
sind die großformatigen Coronelli-Globen aus
der Zeit um 1700 als besondere Exponate in ei-
ner freistehenden Vitrine inszeniert.
Der Weg führt den Besucher weiter in die
Langgalerie. In diesem Ausstellungsbereich
werden die Exponate aus der Kunstkammer
des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts
gezeigt. Dem strengen Säulen- und Gewölbe-
Raster des lang gestreckten Raumes wird eine
Reihung unterschiedlich langer Tischvitrinen
entgegengesetzt, die zugleich die Raumpro-
portionen unterstreichen. Die Seitenflächen
der Tischvitrinen sind schräg nach innen ge-
klappt und geben dem Besucher die Möglich-
keit, näher an die Objekte heranzutreten. Ihre
skulpturale Form verleiht den Vitrinen zugleich
eine anmutige Leichtigkeit. Die Exponate wer-
den wie auf einem Catwalk in einem lebendi-
gen Wechsel offen oder unter Glas präsentiert.
Der Wendepunkt der Ausstellung wird durch
die beeindruckende Planetenuhr von 1563 –
1568, am Ende der Langgalerie, markiert.
Der Saal im Obergeschoss rundet die Neuge-
staltung des Salons räumlich und inhaltlich ab.
Der großzügige Festsaal liegt direkt über dem
Grottensaal und ist über den Aufzug oder die
außen liegende Freitreppe erreichbar. Die Be-
sonderheit des Ortes wird durch die Präsenta-
tion der außergewöhnlichen Exponate betont.
Großformatige Objekte wie zum Beispiel Tele-
skope, werden auf im Raum frei angeordne-
ten Podesten, die als inhaltliche Themeninseln
gestaltet sind, platziert. Die architektonische
Hülle ist als große begehbare Vitrine erlebbar.
Zur Neugestaltung des Grottensaals
Der Grottensaal wurde nach heutigen Erkennt-
nissen Anfang des 19. Jahrhunderts grundle-
gend saniert. Der gesamte Stuckschmuck, die
Brunnen und Nischen sowie die Raumgeo-
metrie wurden verändert – es entstand ein
schmuckloser Raum mit Mittelstützen und
gewölbten Deckenfeldern.
Die Planung zum Grottensaal sah in den ers-
ten Überlegungen die Wiederherstellung der
barocken Raumgeometrie mit Schmuckele-
menten – analog des Tiersaals in der Porzel-
lansammlung – vor. 2009 konnten umfang-
reiche Sondierungen vorgenommen werden,
die unerwartet viele Befunde brachten. Neben
14.500 Stuckelementen konnten auch Farb-
fassungen an Pfeilern und Pilastern sowie die
Brunnenabläufe aufgenommen werden. Ins-
besondere in den Arkadenlaibungen und den
sich anschließenden Sandsteinstützen waren
Originalteile des barocken Schmuckwerkes in
situ zu entdecken. Die aus den vielen abge-
schlagenen Bruchteilen und den am Bauwerk
vorhandenen Befunden brachten genaue Er-
kenntnisse zur Materialität und Geometrie des
Grottenraumes und entfachten die Diskussion
über die Raumfassung neu. Dabei war die Su-
che nach einer geometrischen und gestalte-
risch qualitätvollen Lösung gemeinsames Ziel
aller Beteiligten.
Die ursprüngliche räumliche Struktur mit Mit-
telsaal sowie den jeweils angrenzenden Seiten-
sälen wurde durch das Öffnen der Arkaden und
dem Einbau der neuen Decke in seiner geome-
trischen Grundform wiederhergestellt und ver-
mittelt so die historischen Dimensionen.
Die jetzt sichtbare Raumfassung unter Einbe-
ziehung der örtlich bestehenden Befunde bringt
das mögliche „Weiterbauen“ zum Ausdruck.
Maßgeblich für das Ziel war die Erhaltung und
Sichtbarmachung der am ursprünglichen Ein-
bauort befindlichen barocken Ornamente und
Farbfassungen des Grottensaals.
Die Gestaltung des neuen Bodens aus hellem
Kalkstein berücksichtigte die Erkenntnisse der
Bauforschung hinsichtlich der Lage und Ab-
messung des bauzeitlichen Brunnenbeckens
sowie der Randfriese entlang der Außenwände.
Die Innenfelder in den Sälen, die wahrschein-
lich mit Flusskieselsteinen ausgelegt waren und
im Mittelsaal zusätzlich eingelegte Ornamente
aufwiesen, wurden mit schlichten Plattenbelä-
gen desselben gestalterisch hochwertigen Be-
lages geschlossen.
Weitere Überlegungen sind nun vorerst ohne
bauliche Veränderungen am Bestand möglich.
Zugleich handelt es sich hier um einen Raum
von eindrucksvoller, zeitgemäßer Gestaltung,
die dauerhaft, oder aber auch nur temporär
sein kann.
Oben: Terrasse der Langgalerie O
im Rohbau, links Wetterschutz für
die Steinrestaurierung an der
hofseitigen Fassade, 2012
Seiten 84/85: Pavillon F OG nach
Fertigstellung, Raumduktus des
Wiederaufbaues nach 1945, 2015
TECHNISCHE DATEN
Grundfläche:
4.165 m
2
Museumsfläche:
1.071 m
2
Bauzeit:
2010 – 2013
Baukosten:
17 Millionen Euro
Besonderheit:
Hohe konservatorische Anforderungen hinsichtlich der Exponate,
denkmalverträgliche Anpassung der notwendigen technischen Einbauten
ans Bauwerk, Museumserweiterung durch Erbauwerk für Ausstellungssaal,
Steinrestaurierung aller Fassadenabschnitte.
Maßnahmen | Mathematisch-Physikalischer Salon
Maßnahmen | Mathematisch-Physikalischer Salon

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Auf Bauhütten wird man meist aufmerksam,
wenn von Kathedralen oder Domen die Rede
ist. In historischer Zeit besaßen die Bauhütten
„Die Kunst in Stein zu bauen“.
1
Diese Kunst er-
lebte im 19. Jahrhundert in Europa eine Wie-
derbelebung, als die teils seit Jahrhunderten
unvollendeten Dome wie in Köln, Meißen oder
Regensburg nun „fertiggestellt“ wurden.
Die Anfänge der Zwingerbauhütte 1924
Als man zu Beginn des 20. Jahrhunderts die
Vierte Zwingerrestaurierung startete,
2
besaßen
„Bauhütten“ noch immer eine hohe Bedeu-
tung, waren sie doch spezialisierte Werkge-
meinschaften, denen man ideell und praktisch
umfassende Restaurierungen wichtiger Bau-
werke zutraute. Zuständig für die anstehende
grundlegende Sanierung war das damalige
Sächsische Hochbauamt II, die Leitung der
Arbeiten wurde Regierungsbaurat Hubert Er-
misch übertragen.
3
In dieser Zeit entstand auch
der Begriff „Zwingerbauhütte“. Jedoch waren
Handwerker, Restauratoren, Maurer und Bild-
hauer nur über Werkverträge assoziiert und
damit keine direkten Mitglieder der Bauhütte.
Mit dem Abschluss des Wiederaufbaues nach
dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zwinger-
bauhütte 1968 aufgelöst.
Seit den frühen 1980er Jahren bemühte sich
Ulrich Aust, getrieben von der großen Sor-
ge um den baulichen Zustand des Zwingers,
mit den Betriebshandwerkern der damals für
den Zwinger verantwortlichen Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden die Etablierung
der Bauhütte wenigstens strukturell wieder
aufzugreifen.
4
Dieser Gedanke wurde mit der offiziellen
Wiedereinrichtung der Zwingerbauhütte am
18. Juni 1991 Wirklichkeit. Sie erfolgte mit Un-
terstützung der Sächsischen Staatsregierung
5
und war dem damaligen Staatshochbauamt
Dresden I (heute SIB Niederlassung Dresden I)
zugeordnet. Ein kleiner Festakt am Kronentor
markierte das Ereignis.
Struktur und Aufgaben
Im Jahr des Neubeginns umfasste die Bauhüt-
te zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als
Zwingerbaumeister wurde Ulrich Aust ernannt,
der bis zu seinem Tod 1992 diese Funktion inne
hatte, seit 1993 leitet Karl Schöppner als Zwin-
gerbaumeister die Bauhütte. In den folgenden
Jahren konnte die Zahl der Mitarbeiter auf 14
erweitert werden. Heute sind in der Bauhütte
sechs Mitarbeiter als Stammbesetzung be-
schäftigt (Steinhauer und Restauratoren). Seit
Maßnahmen | Zwingerbauhütte
Maßnahmen | Zwingerbauhütte
Die Zwingerbauhütte und
Steinrestaurierung am Zwinger
Karl Schöppner
/ Frank Hoferick
rischen Arbeiten in Eigenleistung ausgeführt
werden. Freie Berufe und Handwerksfirmen
werden mit Aufträgen ins Gesamtwerk der Re-
staurierung eingebunden.
Steinrestaurierung und -konservierung
am Zwinger
Kaum ein anderes Bauwerk in Sachsen hat,
wie das Zwingerensemble, durch seine bild-
künstlerische Gestaltung eine solch große
und faszinierende Wirkung. Die bearbeiteten
Steinoberflächen verleihen der Architektur
und den Kunstwerken Formenreichtum, Le-
bendigkeit und Ausdruck. Dem Betrachter ste-
hen sie überall sichtbar vor Augen.
Diese Oberfläche zu bewahren, zu schützen,
wenn nötig auch wieder detailgetreu herzu-
stellen, ist ein wichtiger Teil der Steinrestau-
rierung. Das Bauwerk steintechnisch in Stand
und verkehrssicher zu halten ist ein weiterer
Aspekt. Dabei ist das Original stets Orientie-
rung und Verpflichtung, die Grundsätze des
Denkmalschutzes haben oberste Priorität.
Da die ursprünglich geplante Ausstattung
des Zwingerensembles mit Figuren, Putti und
Vasen nicht vollständig verwirklicht wurde,
blieb es den Bildhauern späterer Bau- und
Restaurierungsphasen vorbehalten, das Werk
1998 ist die Lehrausbildung wieder erfolgreich
in das Aufgabenspektrum integriert.
War die gesamte Zwingerbauhütte bis 1998
noch ausschließlich im Zwinger untergebracht,
bezogen die Werkleute 2002/03 das Areal der
ehemaligen Königlichen Hufschmiede in der
Kleinen Packhofstraße. Der kleine Komplex
wurde dazu ausgebaut und erhielt Büros, Werk-
stätten, Sozialräume, Freiarbeitsplätze und ein
Depot. Damit erzielte die Bauhütte eine deutlich
gesteigerte Effizienz und Wirtschaftlichkeit.
Den hohen Anforderungen für die Steinkon-
servierung und Steinrestaurierung versucht die
Bauhütte durch qualitätvolles Handwerk, mit
wissenschaftlich fundierten Arbeitsmethoden,
langjährigen Erfahrungen und umfangreichem
Wissen, systematischen Planungs- und Aus-
führungskonzepten sowie anerkannten Stan-
dards der Denkmalpflege gerecht zu werden.
Eine entsprechende Mitarbeiterstruktur er-
möglicht es, diese Ansätze in theoretischer wie
in praktischer Hinsicht als „Eigenleistung des
Bauherrn“ umzusetzen. Sie hat dazu speziell
auf die Erfordernisse der Arbeiten zugeschnit-
tene Werkstätten, abgestimmte Ausrüstung,
die notwendige betriebliche Infrastruktur und
entsprechende Arbeitsmittel. Dabei können
allerdings nicht alle nötigen steinrestaurato-
Linke Seite oben: Werkhof mit
Freiarbeitsplätzen und Steinlager, 2009
Linke Seite unten: Modellierarbeiten
in der Werkstatt, 2008
Rechte Seite oben: Kronentor,
Versetzarbeiten der Attikafiguren, 2013
Rechte Seite unten: Nymphe im Wasserbad,
Methode zur effizienten Schadstoffminderung
im Sandstein, 2008

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Varietät.
6
Der Sandstein aus der Umgebung
von Cotta ist feinkörniger und weist eine ge-
ringere Druckfestigkeit als jener aus Posta auf.
In der ersten Bauphase verwendete man fast
ausschließlich Sandstein der Cottaer Varietät.
Wegen seiner feineren Struktur eignet er sich
besonders gut für sehr detailreiche Bildwerke.
Allgemein lässt sich sagen, dass der „Cottaer“
deutlich schneller verwittert, der grobkörnige,
offenporige „Postaer“ gegenüber Witterungs-
einflüssen hingegen recht stabil ist.
Eine Besonderheit des Elbsandsteins ist die
Bildung einer grauen bis schwarzen Färbung
der Oberflächen, welche umgangssprachlich
als „Patina“
7
bezeichnet wird. Man findet sie
hauptsächlich dort, wo der Stein direkt dem
Wetter ausgesetzt ist. Dies erklärt, warum ge-
rade die Attikazonen und Balustraden eine in-
Grundsätzlich wirken alle Witterungseinflüsse
belastend auf die Steinoberflächen und das
weitverzweigte Fugennetz. Insbesondere das
Niederschlagswasser trägt Schadstoffe ein,
transportiert Salze und greift im Winter durch
Frost-Tau-Wechsel das Gefüge des Steins an.
Biogener Bewuchs, Mikroorganismen, Flech-
ten, Moose und Gipskrusten beeinträchtigen
ebenfalls die Steinoberflächen. In der Wir-
kung zeigen sich die für ein heterogenes Se-
dimentgestein typischen Verwitterungsbilder:
absandende Oberflächen, Auswitterung tiefer
„Löcher“, so genannte Kavernen und damit
Reliefbildung, Ausprägung von Schalen sowie
Abbröckeln der Substanz des Steins. Die Schä-
digung originaler Oberflächen bedeutet oft ei-
nen unwiederbringlichen Substanzverlust.
Die heutige Steinrestaurierung
Nachdem 1963/64 der Wiederaufbau abge-
schlossen war, zeigten sich nur zwei Jahrzehn-
te später erneut erhebliche Schäden an Mau-
erwerk und Steinoberflächen. Seit der Mitte
der 1980er Jahre etablierte man schrittweise
Methoden der modernen Steinrestaurierung.
Grundlegende Fragen mussten geklärt werden,
beispielsweise zur Belastung der Steinsubstanz
mit Schadstoffen und deren Minderung, der
Schwärzung der Oberflächen, zur Festigung
des Steins und der Anwendung von Ersatzmör-
tel für Ergänzungen.
Nach 1990 haben sich die materiellen und
technologischen Voraussetzungen für die
tensive Schwärzung, die geschützteren Fassa-
den am Zwinger dagegen überwiegend einen
noch relativ hellen Ockerfarbton aufweisen.
Die Dritte Restaurierungsphase des Zwingers
von ca. 1880 bis 1898, als man über weite Stre-
cken Portlandzement als Restaurierungs- und
Steinergänzungsmaterial einsetzte und den
Zwinger dann anschließend flächendeckend
mit einem dichten Ölfarbanstrich optisch ein-
heitlich fasste, wirkt heute noch in besonde-
rer Weise nach. Ab 1910 und im Wesentlichen
nach 1924 musste diese Farbfassung durch
Ablaugung wieder entfernt werden. Man er-
reichte dies mit dem Einsatz der so genannten
Zwingerpaste, einer Mischung aus Natronlau-
ge und Löschkalk, angedickt zu Kompressen.
Schadenseinflüsse und Steinschäden
Die Folgen dieses Verfahrens sind noch immer
spürbar. Im Stein reicherte sich Natriumsulfat
an, eine Folge der Reaktion aus salzbildenden
Stoffen der Ablaugung und der Luftbelastung
durch Schwefeldioxid. Natriumsulfat ist ei-
nes der gefährlichsten bauschädlichen Salze,
welches in der Wechselwirkung aus Kristalli-
sation und Lösung die Steinsubstanz zerstört.
Neben diesem Salzeintrag schädigten über
Jahrzehnte hinweg auch hohe Immissionen
von Stäuben und Gasen aus der Verbrennung
fossiler Brennstoffe im Stadtgebiet das En-
semble. Auch die Verwendung der Zemente,
welche ebenfalls eine Salzbildung förderten,
sind zu nennen.
zu bereichern. Bis ins 20. Jahrhundert hinein
wurde das Bildprogramm durch Kopien und
Neuschöpfungen schrittweise ergänzt. Die
Bildhauer orientierten sich an barocken Vor-
bildern oder schufen ganz eigene stilistische
Auffassungen im Geschmack der jeweiligen
Epoche.
Heute existieren noch ca. 150 originale Skulp-
turen und Fragmente der ursprünglichen Ba-
rockausstattung. Einige davon kann man an
geschützten Standorten im Bauzusammenhang
bewundern, der größte Teil davon ist aber in De-
pots sicher geborgen. Weite Bereiche der Fassa-
den und deren plastisches Schmuckwerk stam-
men dagegen noch aus der barocken Bauzeit.
Für die historischen Ergänzungen wurde Elb-
sandstein unterschiedlicher Herkunft verwen-
det, die so genannte Cottaer - bzw. die Postaer
Linke Seite: Französischer Pavillon, dunkel
patinierter Figurenschmuck, im Vordergrund
Balustrade mit restaurierten Skulpturen, 2011
Rechte Seite: Besuch des Finanzministers
Prof. Dr. Unland in der Bauhütte am 6.11.2013
Maßnahmen | Zwingerbauhütte
Maßnahmen | Zwingerbauhütte

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nes Neuteils erzwingen. Steinmetze bearbeiten
sowohl komplette Werksteine, als auch klein-
teilige Vierungen
8
und versetzten diese am
Bauwerk. Die Steinbildhauer fertigen Kopien
von Figuren, Putti sowie Vasen an und erneu-
ern fehlendes Bildwerk an den Fassaden. Dabei
kommen auch heute noch die traditionell ver-
wendeten „Eisen“
9
und Handarbeit zum Einsatz.
Somit lassen sich die Steinoberflächen hand-
werklich gleichwertig gegenüber jenen der frü-
heren Zeiten bearbeiten, ein wichtiger Aspekt
bei der „Authentizität“ von Kopien und Neutei-
len. Die benötigten Steine stammen heute wei-
terhin aus den Brüchen Cotta und Reinhardts-
dorf, der Postaer Stein aus den Gebieten der
Mühlleite und der Ortschaft Wehlen.
Die eigentlichen restauratorischen Arbeiten
umfassen alle Arbeitsschritte, die dem unmit-
telbaren Erhalt eines Objektes dienen und die
konservierenden Charakter haben. Die dazu
erforderlichen Restaurierungstechniken und
eingesetzten Materialien wurden während
der letzten zwei Jahrzehnte durch naturwis-
senschaftliche Untersuchungen auf ihre An-
Steinrestaurierung deutlich verbessert. Die seit
1991 laufende Sanierung aller Gebäudeteile
erfordert zunächst, die Schadensursachen des
jeweiligen Abschnitts genau zu ermitteln und
Konzepte für die Restaurierung zu erarbeiten.
Dabei wird zur Vorbereitung der Maßnahmen
folgende Arbeitssystematik angewendet:
Dokumentation des Vorzustandes.
Erfassung sowie Kartierung der Schadens-
phänomene, des Baualters, der Steinvarie-
täten und der Befunde, wie Ritzungen und
Steinmetzzeichen.
Naturwissenschaftliche und restauratori-
sche Voruntersuchungen.
Erarbeitung eines Restaurierungskonzeptes.
Die Leistungsbereiche der Restaurierung selbst
gliedern sich in die handwerklich-künstle-
rische Arbeit der Steinmetze und Bildhauer
sowie die restauratorisch-konservatorischen
Arbeiten. Werksteine werden immer dann neu
hergestellt, wenn der Schädigungsgrad der
Steinoberfläche signifikant hoch ist oder kon-
struktive und statische Gründe den Einbau ei-
wendbarkeit geprüft und weiterentwickelt.
Ergebnisse der Kontrolle und Auswertung be-
reits abgeschlossener Restaurierungen fließen
stetig in die jeweils aktuellen Konzepte ein.
Bei der Restaurierung der Steinobjekte werden
folgende Arbeitsschritte ausgeführt:
Steinreinigung.
Entsalzung bzw. Salzminderung mittels
Kompressenverfahren an Fassaden oder
Wasserbadverfahren bei abgebauten Ein-
zelstücken in der Werkstatt.
Steinfestigung mit Kieselsäureethylester,
Schalenhinterfüllung mit Injektionsmör-
teln auf mineralischer Basis.
Konstruktive Sicherungen wie Klebungen
mit Kunstharzen, Stabilisierung durch
Stahldübel und Anker.
Substanzsicherung oder Wiederherstellung
abgewitterter Oberflächen mit minerali-
schen Steinergänzungsmörteln.
Farbretuschen und Farblasuren.
Dokumentation der durchgeführten Arbeiten.
Silikonharzfarblasuren am Zwinger
Aus denkmalpflegerischer Sicht widerspricht
die Schwärzung der Dachaufbauten und
Skulpturen den Intentionen einer Festarchitek-
tur. Mit einer zu intensiven Reinigung könnte
diese Patina „abrasiv“ mittels Sandstrahlver-
fahren abgetragen werden. Dies würde jedoch
zu einem hohen Verlust der gestalteten Stein-
oberfläche führen und kommt deshalb nicht in
Betracht.
Anwendung findet daher eine für den Zwinger
modifizierte Farblasur, die nach der Restau-
rierung der Objekte auf der Steinoberfläche
appliziert wird. Dazu verwendet man eine Si-
likonharzfarbe, deren Verträglichkeit auf Elb-
sandstein genau untersucht wurde. Bei der
Restaurierung des Kronentores 1989/90 hatte
man bereits die Attikaaufbauten und Skulptu-
ren in ähnlicher Weise aufgehellt und konnte
seitdem die Wirkung der Schutzschicht über
lange Zeit beobachten.
Die Silikonharzfarbe weist bauphysikalische
Eigenschaften auf, die jenen der früher an-
gewandten Ölfarbe weit überlegen sind. Zu-
Maßnahmen | Zwingerbauhütte
Maßnahmen | Zwingerbauhütte
Linke Seite: Durch Salzeinwirkung stark
geschädigte Maske einer Konsolfigur der
Bogengalerien, links vor – und rechts nach
der Restaurierung, 2009–2011
Rechte Seite links: Steinerhalt, Kopie einer
Krone mittels Punktierverfahren, Lehrausbil-
dung ZBH, 2011
Rechte Seite rechts: Figuren während der
Schadstoffminderung mittels Zellstoffkom-
pressen, Werkstatt der ZBH, 2008

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nächst ist die wasserabweisende Wirkung zu
nennen. Hinzu kommt eine sehr gute Dampf-
diffusionsfähigkeit, so dass die Steinoberflä-
chen „atmungsaktiv“ bleiben. Die Farbe wird
dünnschichtig aufgetragen, um den Charakter
der handwerklich bearbeiteten Steinoberflä-
chen, die feine Hiebstruktur, weiterhin zu zei-
gen. Im Gegensatz zur Ölfarbe, die den Feuch-
tehaushalt des Steines sperrt, bei Alterung
auf Steinoberflächen craqueliert und sich in
Schuppen ablöst, kreidet die Silikonharzfarbe
im Laufe der Bewitterung ab, zeigt also eine
allmähliche, fast unmerkliche Alterung.
Die ästhetische Wirkung der Farblasuren ist
enorm: Durch die Aufhellung der Skulpturen
werden deren Plastizität, Detailformen und
ikonographische Aussage wieder erkennbar.
Aber besonders aus konservatorischer Sicht
ist das Schutzsystem notwendig. Von den
wertvollen Oberflächen können Feuchtigkeit,
Schadstoffeintrag und Witterungseinflüsse
möglichst fern gehalten werden. Der Verwitte-
rungsprozess verzögert sich deutlich, die Ori-
ginale und auch die Kopien können länger an
ihrem Bestimmungsort verbleiben.
Das restauratorische Pflegekonzept
Ein Bauwerk wie der Zwinger benötigt eine
kontinuierliche Pflege, eine Fertigstellung im
wörtlichen Sinn kann es somit nicht geben.
Für diese weiterführende Baupflege ist erfor-
derlich:
kontinuierliches Pflegen der Fassaden
inklusive Fugen.
Instandhaltung der Farblasuren.
wiederkehrende Reinigung aller Steinober-
flächen von Schmutzschichten, Vogelkot
und biogenem Bewuchs bis hin zur leider
immer wieder notwendigen Entfernung
von „Graffiti“.
turnusmäßige Kontrollen der
Verkehrssicherheit.
Anbringen von Schutzeinhausungen
während der Wintermonate an besonders
exponierten Bereichen.
Zum Zwinger gehört auch ein über die Jah-
re erheblich gewachsener Depotbestand, der
derzeit ca. 750 Ausbauteile, Abgüsse, Befun-
de und vor allem jene Originale umfasst, die
kopiert werden mussten. Die Bestandsverwal-
tung von Zwinger und Depot erfolgt über ein
datenbankgestütztes Inventar- und Dokumen-
tationssystem. Darüber hinaus existiert ein
umfangreicher Aktenbestand an Arbeitsun-
terlagen, Bilddokumentationen und Restaurie-
rungsberichten.
Anpassung und Konzentration der Bauhütte
auf veränderte Rahmenbedingungen, wis-
senschaftliche Entwicklungen und denk-
malpflegerische Anforderungen sind dabei
ebenso wichtig wie die Beachtung von Wirt-
schaftlichkeit und Personalstruktur. Ein solch
außergewöhnliches baugeschichtliches und
kunsthistorisches Geschenk vergangener Ge-
nerationen, sächsischer Geschichte und Bau-
kultur ist auf die Kontinuität der Betreuung
und besondere Achtsamkeit auf planerischen,
aber vor allem auf handwerklich umsichtigen
Umgang angewiesen. Eine Werkgemeinschaft
im Sinne der heutigen Bauhütten ist daher ein
wichtiger Beitrag für die Weitergabe unseres
„Erbes in Sandstein“.
10
1
Rziha, Franz: Studien über die Steinmetz-Zeichen, Wien 1883, Reprint Leipzig 1989, S. 11.
2
Löffler, Fritz / Pritsche, Willy: Der Zwinger zu Dresden, Leipzig 1976.
3
Löffler, Fritz, „Ermisch, Hubert Georg Karl Rudolf Wilhelm“, in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 603,
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd140015582.html
[15.1.2014].
4
Zit. n. Dr. Gerhard Glaser: Entwicklungslinien der heutigen Zwingerbauhütte, unveröffentlichtes Manuskript 1996.
5
Der Schriftwechsel dazu befindet sich im Archiv der Zwingerbauhütte, als Zwingerbaumeister wurde
Herr Ulrich Aust (1942–1992) berufen.
6
Die Begriffe Cottaer und Postaer Varietät fassen hier übergreifend jeweils Material all jener Steinbrüche
zusammen, die den jeweiligen Gesteinseigenschaften zuzuordnen sind.
7
Es handelt sich vielmehr um einen Oberflächenfilm, der die Quarzkörner der oberen Kornlage vollständig
umhüllt und abgeschwächt mehrere Millimeter tief in den Stein hinein reicht.
8
Meist rechtwinklig (daher der Name) hergestellte Ergänzung aus Naturstein, wird in einen vorhandenen
Stein eingesetzt.
9
Als „Eisen“ werden einem Meißel ähnliche Werkzeuge zur Steinbearbeitung bezeichnet, die aus Stahl
geschmiedet sind und für verschiedene Arbeitsgänge unterschiedliche Ausprägungen aufweisen.
10
Schöppner, Karl: Balthasar Permoser und der Zwinger, in: Balthasar Permoser hats gemacht, Ausstellungs-
katalog Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Skulpturensammlung, 2001/02, Dresden 2001, S. 35–39.
Linke Seite: Bestandsschutz durch jährlichen
Winterverbau der Wandbrunnen an den
Langgalerien, Mitarbeiter der ZBH, 2008
Rechte Seite: Kronentor Ausschnitt
Attikabereich nach der Restaurierung, 2013
Seiten 94/95: Luftbild mit Blick von
Nordosten, 2003
Maßnahmen | Zwingerbauhütte
Maßnahmen | Zwingerbauhütte

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