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AUERBACH
Malen ist für Matthias
Kriesel wie Meditieren. Zumindest
fast. Was ihm vor die Linse kommt
und das Zeug zu einem guten Motiv
hat, wird mit Pinsel und Farbe kon-
serviert. Viel hat der Plauener Künst-
ler im Bild festgehalten, seit er vor 20
Jahren auf Aquarellmalerei umstieg.
Ein kleiner Teil seines bisherigen
Schaffens ist jetzt im Auerbacher
Amtsgericht zu sehen und trägt die
Überschrift „Unterwegs 2019“. Auf
zwei Etagen zieren 29 Werke jünge-
ren Datums die weißen Wände.
Matthias Kriesel hat es vornehm-
lich auf Landschaften abgesehen.
Kleinode im Burgsteingebiet und
anderen vogtländischen Gegenden
haben es genauso in seine Motiv-
Auswahl geschafft wie die Ostsee,
Dresden, der Gardasee, Venedig, Hol-
land und Kuba. Mit Menschen pflegt
er beim Malen sparsam umzugehen.
Auch ins Detail geht Kriesel dabei
nicht. Intensiv, aber schnell erfass-
bar, so sollen seine Gesamtkunst-
werke wirken. „Komplizierte Moti-
ve verwirren den Betrachter. Ich ten-
diere deshalb mehr zu einfachem
Bildaufbau“, sagt er. Meist dienen Fo-
tos als Vorlagen, seltener ist er mit
Malwerkzeug in der Natur zu sehen.
Wer Matthias Kriesels jüngere
Aquarellmalerei kennt, wird Unter-
schiede feststellen. Noch relativ neu
ist seine Herangehensweise. „Früher
habe ich viel mehr spontan losge-
legt, wenn mir ein Motiv gefallen
hat“, erzählt er. Inzwischen gibt er
der Vorbereitung breiteren Raum.
„Ich fertige mehr Skizzen an, mache
mir Notizen, beschäftige mich mit
der Wirkung der Farben und ver-
schiedenen Maltechniken, überden-
ke die Perspektive und lasse diese be-
wusst in meine Arbeiten einfließen“,
erklärt der Plauener Jahrgang 1962.
Auch das verwendete Papier ist
nicht mehr das gleiche wie einst.
Heute kommen schwerere, speziell
für Aquarelle geeignete Sorten zum
Einsatz. Beim Ausprobieren neuer
Farben stieg er von Grundfarben auf
Tuben um. Beruflich als Sacharbei-
ter unterwegs, hat er sich das nötige
Wissen allein, in Workshops, Fach-
zeitschriften und mit Hilfe eines in-
ternationalen Netzwerks Gleichge-
sinnter angeeignet. Malerei faszi-
nierte ihn schon in früher Kindheit.
Ungeahnte Türen öffnete ein Aha-
Erlebnis: „Mein großer Bruder hat
mir mal gezeigt, dass man Farben
auch mischen kann.“ Da war Kriesel
acht Jahre. Inzwischen stellt er
deutschlandweit aus.
Zum zweiten Mal engagierte ihn
das Amtsgericht Auerbach für das
Projekt „Kunst & Justiz“. Gemälde in
einem Gebäude zu zeigen, das Otto
Normalbürger lieber von außen
sieht, ist für Matthias Kriesel nichts
Ungewöhnliches. Bei Ausstellungen
im Plauener Gericht sei er positiv da-
rauf angesprochen worden, sagte
der Künstler. „Wenn man das Wort
Gericht hört, denkt man immer an
Strafe“, ergänzte Gerichtsdirektorin
Inge Bahlmann. „Das macht aber
nur einen Bruchteil aus.“
SERVICE
Ausstellung im Amtsgericht öffnet
bis Ende September wochentags ab 8.30 Uhr.
Maler legt Wert auf gute Vorbereitung
Mit der Ausstellung „Un-
terwegs 2019“ im Auerba-
cher Amtsgericht lässt
Matthias Kriesel Betrach-
ter an seiner Leidenschaft
für die Malerei teilhaben.
VON SYLVIA DIENEL
Matthias Kriesel mit dem Bild „Am Grassimuseum in Leipzig“.
FOTO: JOACHIM THOß
Freie Presse - Auerbacher Zeitung 8. Juni
2019