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EREIGNISSE ZÄHLEN
Eine statistische Zeitreise
durch den Freistaat Sachsen 1990 - 2015
STATISTISCHES
LANDESAMT
1990
2015
1991
1994
1992
1997
2002
2014
2008
2013
2010
2011
2012
1993
1996
1998
2001
2003
2004
2005
2006
2007
2009
1999
1995
2000

 
Inhalt
Seite
Vorwort
3
1990
Gründung des Freistaates Sachsen am 3. Oktober 1990
4
1991
Letzter Trabant läuft in Zwickau vom Band
6
1992
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen wird zum 1. Januar 1992 neu gegründet
8
1993
Solidarpakt zur Finanzierung der Deutschen Einheit wird am 27. Februar 1993 in
Potsdam beschlossen
10
1994
Erste große Kreisgebietsreform im Freistaat Sachsen
12
1995
Einführung der Pflegeversicherung als vierte Säule der Sozialversicherung
14
1996
Verlängerung der Ladenöffnungszeiten und Aufhebung des Sonntagsbackverbotes für Bäcker
ab Ende des Jahres
16
1997
Frauenquote im öffentlichen Dienst wird vom Europäischen Gerichtshof grundsätzlich für
zulässig erklärt
18
1998
Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Österreich sowie Österreich und Italien entfallen
20
1999
Bologna-Prozess - Startschuss für eine umfassende europäische Studienreform
22
2000
Meldeweg zu statistischen Erhebungen via Internet eröffnet
24
2001
Rekordpreis von 2,23 DM für einen Liter Superbenzin wird erreicht
26
2002
Hochwasser im August 2002 – die „Jahrhundertflut“
28
2003
Jahrhundertsommer folgt auf Jahrhundertflut: Hoch „Michaela“ bringt heißesten Sommer
seit 102 Jahren
30
2004
Ausbildungspakt - „Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs“
32
2005
Hartz IV - Der vierte Teil der Arbeitsmarktreform tritt zu Jahresbeginn in Kraft
34
2006
Neue Rechtschreibung gilt ab 1. August 2006 verbindlich für alle Schulen in der Bundesrepublik
Deutschland
36
2007
Orkantief „Kyrill“ rast im Januar 2007 über Europa hinweg und hinterlässt auch in Sachsen
schwere Schäden
38
2008
Sächsisches Nichtraucherschutzgesetz tritt in Kraft
40
2009
Im März 2009 treten das Konjunkturpaket II und die sog. „Abwrackprämie“ in Kraft
42
2010
Mit Jahresbeginn ist die Haltung von Legehennen in konventionellen Batterie-Käfigen beendet
44
2011
Für Mitgliedsstaaten der EU-Erweiterung von 2004 tritt das Arbeitnehmerfreizügigkeitsrecht
in Kraft
46
2012
Internationales Jahr der erneuerbaren Energien für alle
48
2013
Ab 1. August 2013 Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung oder in
Kindertagespflege
50
2014
Trockenster Winter seit 18 Jahren ist im März 2014 vorbei
52
2015
Gesundheitskarte wird alleiniger Nachweis zur Leistungsinanspruchnahme der gesetzlichen
Krankenversicherung
54
Literatur- und Quellennachweis
56
Abkürzungen
59
Fotonachweis
60

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Vorwort
Burkhard Müller,
Präsident des Statistischen Landesamtes Sachsen
©Foto Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
„Ereignisse zählen“ – gibt man dieses Begriffspaar in einer
häufig genutzten Suchmaschine im Internet ein, so erhält
man Antwortvorschläge zum Anzeigen von bestimmten
Ergebnissen bzw. Daten aus einem Tabellenbereich mit Text-
oder Zahleninhalten eines Tabellenprogramms. Und genau
darum dreht sich auch im weiteren Sinne unser statistisches
Tagesgeschäft: empirisch gewonnene Informationen in
Form von Daten und Ergebnissen darzustellen. „Ereignisse
zählen“ ist somit ureigene Arbeit meiner Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter. Gezählt wird für 280 Bundes- und
Landesstatistiken in Form von Monats, Quartals- oder
Jahreserhebungen. Die Ergebnisse werden aufbereitet,
analysiert und veröffentlicht. Zu den stark nachgefragten
Statistiken gehören vor allem die Bevölkerungsdaten, der
Verbraucherpreisindex und aktuelle Konjunkturdaten. Sie
sind Basis für politische Entscheider, wissenschaftliche
Untersuchungen, Recherchearbeiten von Medienvertretern
oder dienen als Informationsquelle für interessierte Bürger.
Unser Datenschatz ist jedoch um einiges größer. Mit
diesem Heft haben wir ihn in einen etwas anderen Kontext
gesetzt. Wir bieten Ihnen auf den folgenden Seiten eine
statistische Reise durch mehr als zwei zurückliegende
Jahrzehnte und den Freistaat Sachsen. Beginnend ab 1990
wurden pro Jahr besondere Ereignisse anhand unserer
Zahlen herausgehoben. So entstand eine breite Mischung
regionaler, nationaler und internationaler Themen aus
den verschiedensten Lebens- und Politikbereichen, aber
auch Rechtsänderungen, Wetterkapriolen und Statistik-
internes fand Beachtung. Sie lernen auf diese Weise
Themengebiete kennen, die sonst nicht so stark im Fokus
unserer Veröffentlichungen oder der Anfragen unserer
Datennutzer stehen.
Natürlich wird mancher mit dem einen oder anderen Jahr
auch ganz persönliche Erinnerungen verbinden. Es würde
uns freuen, wenn Sie beim Schmökern in diesem Heft
erstaunt zurückblicken und sich erinnern. In diesem Sinne:
Eine kurzweilige „statistische Zeitreise von 1990 bis 2015
durch den Freistaat Sachsen“ wünscht Ihnen
Burkhard Müller,
Präsident des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen
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Mit einem Festakt am 3. Oktober 1990 in der Meißner
Albrechtsburg wurde das Land Sachsen neu gebildet.
Das Meißner Architekturdenkmal ist das älteste Schloss
Deutschlands
und
Ausgangspunkt
der
sächsischen
Geschichte. Im Jahre 929 ließ König Heinrich I. auf einem
Felsen über der Elbe eine hölzerne Wehranlage errichten.
Meißen wurde zum Mittelpunkt der gleichnamigen
Grenzmark gegenüber den noch slawischen Gebieten
des Ostens. Der Markgraf herrschte über die gesamte
Mark Meißen und residierte im Vorgängerbau der
Albrechtsburg. Diese ist als „Wiege Sachsens“ in die
Geschichte eingegangen. [5]
Die Bildung des Landes Sachsen erfolgte 1990 weit-
gehend unter Beachtung der historischen Grenzen durch
die Zusammenlegung der Kreise Hoyerswerda und
Weißwasser des ehemaligen Bezirkes Cottbus (heute Land
Brandenburg) sowie der drei Bezirksterritorien Dresden,
Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Leipzig. Die Kreise
Schmölln und Altenburg des Bezirkes Leipzig wurden in
das Land Thüringen eingegliedert.
Seit seiner Neugründung hat sich der Freistaat Sachsen
gewandelt und wirtschaftlich stark weiterentwickelt.
Systematisch und zahlenmäßig nachvollziehbar werden
diese Entwicklungen durch Beobachtung und Dokumen-
tation. Zahlen über gesellschaftliche, wirtschaftliche,
soziale und kulturelle Lebensbereiche sammeln, aufberei-
ten, analysieren und veröffentlichen sind Aufgaben, die
durch die amtliche Statistik wahrgenommen werden. Das
Statistische Landesamt des Freistaates Sachsen als Teil der
amtlichen Statistik im föderativ gegliederten System der
1990
Wesentliche Zentren der friedlichen Revolution von 1989 lagen in Sachsen. Noch bevor das Thema
deutsche Einheit ins Gespräch kam, kamen Rufe nach Wiederherstellung der Länder auf. Auch hier war
treibende Kraft die demonstrierende Bevölkerung in Sachsen, die die Wiederherstellung des Landes unter
der weiß-grünen Flagge forderte. [1] Zur letztlichen Errichtung des Landes Sachsen wurde am 12. Juli
1990 die Bildung des Sächsischen Forums beschlossen. Dieses galt als Fortsetzung der Runden Tische der
drei ehemaligen DDR-Bezirke Dresden, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Leipzig. [2] Am 3. Oktober 1990
um 0:00 Uhr trat die Deutsche Demokratische Republik der Bundesrepublik Deutschland bei, wodurch
laut Ländereinführungsgesetz automatisch die „neuen“ Länder gebildet wurden. [3] Die Wahl des ersten
Sächsischen Landtages ist auf den 14. Oktober 1990 datiert. Die historische Bezeichnung „Freistaat Sachsen“
erhielt das Land am 27. Oktober 1990 in der 1. Sitzung des ersten Sächsischen Landtages zurück. [4]
Gründung des Freistaates Sachsen am 3. Oktober 1990
Albrechtsburg Meißen
4
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Bundesrepublik erfüllt diese per gesetzlichen Auftrag.
Dabei gilt zu beachten, dass ein 1:1-Vergleich von statis-
tischen Daten aus den ersten 1990er Jahren mit den ak-
tuell vorliegenden statistischen Ergebnissen in einer lan-
gen Zeitreihe nur bedingt und eingeschränkt möglich ist.
Veränderungen der Rechtsgrundlagen, methodische An-
passungen in den letzten 25 Jahren sowie umfangreiche
Gebietsänderungen erschweren vergleichbare merkmals-
bezogene und regionale Aussagen. Anhaltspunkte zur Be-
urteilung der Entwicklungen im Freistaates Sachsen wer-
den seit seiner Neuerrichtung gefunden und dargestellt.
Zur Wahl des ersten Sächsischen Landtags am 14. Okto-
ber 1990 waren insgesamt 160 Abgeordnete zu wählen,
davon 80 direkt, die übrigen nach dem Prinzip der Verhält-
niswahl. In 5 106 Wahlbezirken und 80 Briefwahlvorstän-
den der 80 Landtagswahlkreise konnte jeder Wähler zwei
Stimmen vergeben. 526 Direktbewerber von 24 Parteien
und anderen Wahlvorschlagsträgern sowie 595 Listenbe-
werber von 12 Parteien und anderen Wahlvorschlagsträ-
gern standen zur Wahl. Viele Bürgerinnen und Bürger im
Freistaat nahmen an diesem Tag von ihrem Wahlrecht
Gebrauch. Die Wahlbeteiligung lag bei 72,8 Prozent.
Im Vergleich dazu gingen zur letzten Landtagswahl am
31. August 2014 noch 49,1 Prozent aller Wahlberechtig-
ten an die Wahlurne. Nach den Grundsätzen der Perso-
nenwahl waren 60 Abgeordnete direkt und die übrigen
nach dem Prinzip der Verhältniswahl zu wählen. In 3 615
Wahlräumen und bei 569 Briefwahlvorständen der ins-
gesamt 60 Landtagswahlkreise konnten die Stimmen
auf 537 Direktbewerber von 12 Parteien und 5 anderen
Wahlvorschlagsträgern sowie auf 371 Listenbewerber
von 14 Listenparteien verteilt werden.
2014
126 Sitze
CDU (59)
DIE LINKE (27)
SPD (18)
AFD (14)
GRÜNE (8)
Wahlberechtigte und Wahlbeteiligung zu den Landtagswahlen im Freistaat Sachen von 1990 bis 2014
1990
1994
1999
2004
2009
2014
Wahlberechtigte
3 709 210
3 586 160
3 592 456
3 554 542
3 510 336
3 376 627
Wähler
2 699 724
2 093 815
2 196 282
2 118 792
1 830 819
1 659 497
ungültige Listenstimmen
66 302
30 033
32 210
38 657
33 470
21 998
gültige Listenstimmen
2 633 422
2 063 782
2 164 072
2 080 135
1 797 349
1 637 499
Wähler
72,8
58,4
61,1
59,6
52,2
49,1
ungültige Listenstimmen
2,5
1,4
1,5
1,8
1,8
1,3
gültige Listenstimmen
97,5
98,6
98,5
98,2
98,2
98,7
Datenquelle: Wahlstatistik
Merkmal
Landtagswahl
Prozent
1990
160 Sitze
CDU (92)
SPD (32)
LL-PDS (17)
Forum (10)
F.D.P. (9)
Verteilung der Sitze im Sächsischen Landtag nach den Wahlen am 14. Oktober 1990 und 31. August 2014 nach Parteien
Datenquelle: Landeswahlleitung
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Für einen Autokauf mussten sich die Bürgerinnen und
Bürger der DDR voranmelden. Nach geduldigem Warten
und mit dem Einlösen der dann viele Jahre alten Auto-
bestellung – dem einzigen „Wertpapier“ in der DDR – be-
zahlten DDR–Bürger vergleichsweise viel Geld für den
Kauf eines „Trabis“. [10] Der Preis für den Kleinwagen soll-
te zu Produktionsbeginn in den 50ern bei einer geplanten
Jahresmenge von 12 000 Stück nicht mehr als 4 000 (DDR)
Mark betragen. Das letzte 1989 vorgestellte Modell wurde
mit rd. 19 000 (DDR) Mark angesetzt. [11] Doch die Nach-
frage ging rasant zurück aufgrund der sich auf den Markt
drängenden Automarken anderer renommierter Hersteller.
Man wartete lange auf ihn – in der Regel bis zu 15 Jahre: den Trabant, auch Trabi/Trabbi genannt. Er kam
in verschiedenen Farben daher, u. a. „Gletscherblau“, „Delphingrau“, „Panamagrün“, „Papyrusweiß“ oder
„Ahorngelb“. [6] Hergestellt wurde der Trabant in der sog. „Automobilbaustadt Zwickau“. Hier werden seit
mehr als 100 Jahren erfolgreich Kraftfahrzeuge entwickelt und produziert. Den Grundstein legte August
Horch 1904, 1909 gründete er hier mit Audi sein zweites Unternehmen. Heute wird in Zwickau u. a. der VW
Golf und Passat produziert. [7] Das erste Modell des Trabants, der Trabant P50, wurde ab 1957 in Zwickau
hergestellt. [8] Genau 3 069 099 der ‚legendären‘ Autos liefen im Zwickauer Werk in 34 Jahren vom Band.
Am 30. April 1991 um 14.51 Uhr rollte dann der letzte Trabi aus der in die Jahre gekommenen Montage-
halle. [9] Design und Technik veränderten sich im Laufe der Zeit kaum. Nach der Wiedervereinigung konnte
sich der Trabant bei den Kunden gegen die Konkurrenzprodukte der am Automobilmarkt international agie-
renden Konzerne nicht mehr durchsetzen. Trotzdem ‚lebt‘ er noch, wie heutige Bestandszahlen aufzeigen.
1991
Letzter Trabant läuft in Zwickau vom Band
Bestand* an Personenkraftwagen der Marken Trabant und Wartburg in Sachsen 1995 bis 2015
0
50 000
100 000
150 000
200 000
250 000
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
2013
2015
Trabant
Wartburg
* Bestand bis 2000 jeweils zum 1. Juli, ab 2001 jeweils zum 1. Januar
Datenquelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Flensburg
Trabant Logo
6
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Ist der Trabi heute ein Kultobjekt? Die Statistikzahlen
lassen ein „ja“ vermuten: zum Stand 1. Januar 2015 wa-
ren noch 8 589 Fahrzeuge vom Typ Trabant im Freistaat
Sachsen gemeldet. Bei einer Gesamtzahl von 2 094 414
registrierten Personenkraftwagen mit einem amtlichen
Kennzeichen im Freistaat Sachsen lag der Anteil damit bei
0,4 Prozent. 20 Jahre zuvor waren es noch 225 982 Trabis.
Bei insgesamt 2 055 289 Personenkraftwagen zum Stand
1. Januar 1995 entsprach dieser Wert einem Anteil von
knapp 11 Prozent der in Sachsen gemeldeten Pkw. Bun-
desweit waren zur Jahresmitte 1995 noch 663 631 Trabis
gemeldet. Zum Jahresbeginn 2015 ging die Bestandszahl
in der Bundesrepublik auf 32 832 zurück. Sowohl 1995 als
auch 2015 waren im Ländervergleich im Freistaat Sachsen
die meisten Trabis gemeldet. Ähnlich dem Trabant erging
es dem im thüringischen Eisenach hergestellten Wart-
burg. Dieser konnte sich auch nicht gegen die westliche
Konkurrenz durchsetzen. Weitaus geringer war dabei die
Bestandszahl der bis April 1991 im Nachbarbundesland
produzierten Fahrzeuge dieses Typs. Zum Stand 1. Janu-
ar 2015 gab es 2 068 Stück im Freistaat Sachsen, 90 755
waren es noch 1995. Bundesweit lag die Bestandszahl
1995 bei 284 047, 20 Jahre später bei 7 244. [12]
Der Gesamtbestand an Pkw insgesamt im Freistaat Sachsen
zeigt ein sehr deutliches Bild: am weitesten verbreitet waren
2015 Personenkraftwagen des Herstellers Volkswagen.
Jeder fünfte registrierte Pkw in Sachsen kam von diesem
Hersteller. Mit ein wenig Abstand folgten dann Fabrikate
der Hersteller Opel/GM (10,4 Prozent), Ford (8,3 Prozent)
und Renault/Dacia (6,9 Prozent).
Im Zentralen Fahrzeugregister des Kraftfahrtbundesamtes
sind alle Kraftfahrzeuge und -anhänger (ausschließlich
der außer Betrieb gesetzten Fahrzeuge) zum angegebe-
nen Zählzeitpunkt gespeichert. Statistische Auswertungen
hierzu spiegeln also die tatsächlichen Zulassungen und
somit den Straßenverkehr wider. [13]
Wartburg
Trabant
Wartburg
Trabant
Baden-Württemberg
378
2 112
96
819
Bayern
723
3 593
132
1 295
Berlin
15 196
23 959
226
959
Brandenburg
52 018
113 397
1 384
5 401
Bremen
51
221
7
45
Hamburg
82
471
15
99
Hessen
504
1 919
60
623
Mecklenburg-Vorpommern
29 311
63 436
497
2 557
Niedersachsen
965
4 921
87
1 041
Nordrhein-Westfalen
883
5 654
142
1 305
Rheinland-Pfalz
179
1 123
26
356
Saarland
23
251
3
67
Sachsen
90 755
225 982
2 068
8 589
Sachsen-Anhalt
46 670
109 864
1 190
4 573
Schleswig-Holstein
312
1 754
29
331
Thüringen
45 812
104 453
1 278
4 755
Bundesrepublik Deutschland
284 047
663 631
7 244
32 832
Bestand an Wartburg und Trabant nach Ländern 1995 und 2015
1. Juli 1995
1. Januar 2015
Datenquelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Flensburg
Trabant 601 Kombi
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Hinter den Ereignissen steht eine lange Tradition der sächsischen amtlichen Statistik. Diese reicht bis ins Jahr
1474 zurück. Aus diesem Jahr sind Feststellungen der Regierung über das im Land vorhandene Vermögen
und über die Zahl der ansässigen Einwohner überliefert. Im August 1850 wurde das „Statistische Bureau des
Ministeriums des Innern“ errichtet. Dieses Statistische Büro war die Fortsetzung des „Statistischen Vereins
für das Königreich Sachsen“, der im Jahre 1831 ins Leben gerufen worden war. In den Vorjahren sind sta-
tistische Erhebungen in größerem Umfang in Sachsen vorgenommen worden. Aber erst mit der Einrichtung
des Statistischen Vereins begann die systematische, zahlenmäßige Beobachtung des Landes, so dass das Jahr
1831 als Geburtsstunde der amtlichen Statistik in Sachsen angesehen werden kann. [14] Das Amt blickt folg-
lich im Jahr 2016 auf eine 185–jährige Tradition zurück.
Mit dem 3. Oktober 1990, dem Tag der Deutschen Ein-
heit, galt das Bundesstatistikgesetz (BStatG) auch für den
Freistaat Sachsen. Um den Übergang von zentralistisch
organisierten Statistiken der DDR schnell auf die dezen-
tral, föderalistisch organisierte Bundesstatistik vollziehen
zu können, war bereits im März 1990 die Staatliche Zen-
tralverwaltung für Statistik der DDR in Statistisches Amt
der DDR umbenannt worden. Im Oktober 1990 wurde das
Gemeinsame Statistische Amt der neuen Länder (GeStAL)
mit Sitz in Berlin gegründet. Der Einigungsvertrag legte
sodann die Überführung des GeStAL in entsprechende
Einrichtungen der Länder fest. Bereits seit Mitte 1990
wurden weitgehend übereinstimmende Eckzahlen für die
Bevölkerungsstatistiken genutzt. Ab Januar 1991 wurden
dann für alle Statistiken die Konzepte und Methoden der
Bundesstatistik angewandt. Im Frühjahr 1991 beschloss
das Sächsische Staatsministerium des Innern das Einset-
zen eines Aufbaustabes zur Einrichtung eines statistischen
Landesamtes. Im Juni 1991 nahm der Aufbaustab seine
Arbeit auf. Zuerst wurde den bis dahin ca. 900 Beschäftig-
ten in der Statistik gekündigt und alle zukünftig zu beset-
zenden Stellen ausgeschrieben. Ab Oktober 1991 fand die
Personalauswahl aus rund 3 000 Bewerbungen statt. [14]
Zeitgleich entschied die Sächsische Staatsregierung
am 15. Oktober 1991, dass das zukünftige Statisti-
sche Landesamt seinen Sitz nicht in Dresden haben
sollte. Gründe waren die zu der Zeit hohen Immobi-
lienkosten in Dresden sowie die sich bereits abzeich-
nende
Strukturschwäche
in
Ostsachsen.
Außerdem
gehörte das leer gezogene Kasernengelände, zuletzt
Sitz der Offiziersschule der Luftstreitkräfte/Luftvertei-
digung der DDR, zum Bundes- bzw. Landesbesitz. [15]
1992
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen wird zum
1. Januar 1992 neu gegründet
Bauarbeiten Gebäude Macherstraße 63 (Zwischenbau und Südflügel), 1995
Gebäude Macherstraße 63 (Zwischenbau mit Nord-/Südflügel),2016
8
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Am 1. Januar 1992 nahm das Statistische Landesamt seine
Arbeit auf. Die Außenstellen in Chemnitz und Leipzig wur-
den noch im gleichen Jahr zum 30. Juni geschlossen. Die
Außenstelle Dresden zog bis Mitte 1993 vollständig in die
im Verwaltungszentrum Kamenz liegenden Gebäude. Bis
Ende 2004 erfolgten hier umfangreiche Bau- und Reno-
vierungsmaßnahmen, die bei laufendem Betrieb vonstat-
ten gingen. Heute gehören die Gebäude Macherstraße 63
und Garnisonsplatz 15 zum Statistischen Landesamt.
Die Organisationsstruktur des Statistischen Landesamtes
veränderte sich seit 1992 in größeren Abständen. Meh-
rere Strukturanpassungen, bedingt durch Veränderung in
den laufenden Statistiken, Übertragung neuer gesetzlicher
Aufgaben, Großprojekte in mehrjährigem Abstand (bspw.
die Jahre um 1995 mit der Gebäude- und Wohnungszäh-
lung und um 2011 mit dem Zensus 2011) sowie Personal-
abbauvorgaben der Landesregierung wirkten sich auf die
Mitarbeiterzahl und die Anzahl der Abteilungen aus. Heute
besteht das Statistische Landesamt aus 3 Abteilungen:
Abteilung 1: Allgemeine Verwaltung und Wahlen
Abteilung 2: Bevölkerung, Soziales, öffentliche Haushalte
Abteilung 3: Wirtschaft
Zum 1. Januar 1992 wurden insgesamt 339 Beschäftigte
eingestellt. Zum 31. Dezember 2000 lag die Mitarbeiterzahl
dann bei 551 Männern und Frauen. Dazu kamen 6 Auszu-
bildende. [16] Zum 20-jährigen Jubiläum im Jahr 2012 war
die Zahl der Beschäftigten auf 320 gesunken. Aktuell sind
im Statistischen Landesamt 338 Mitarbeiterinnen und Mit-
arbeiter beschäftigt, darunter 5 Auszubildende.
Maßgebliche Grundlage für die Arbeit des Statistischen
Landesamtes ist der gesetzliche Auftrag. Das Sammeln
statistischer Daten erfolgt dabei niemals willkürlich,
sondern ausschließlich, wenn der Gesetzgeber einen be-
stimmten Datenbedarf festgestellt hat. In einem Einzel-
statistikgesetz wird genau festgelegt, welche Angaben
erfragt werden dürfen. Die Ergebnisse der statistischen
Erhebungen sind nach Abschluss der Arbeiten der breiten
Öffentlichkeit unter Wahrung des Statistikgeheimnisses
zugänglich zu machen. Jährlich werden alle Publikatio-
nen in einem Veröffentlichungsverzeichnis aufgeführt.
In der Ausgabe für 1992 sind 102 Statistische Berichte,
11 Verzeichnisse und das Statistische Jahrbuch zu finden.
Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass das Statistische
Jahrbuch 1991 insgesamt 253 Seiten zählte und 20,00 DM
kostete. Die Ausgabe 2015 umfasste 535 Seiten und war
für 24,90 € als gebundenes Exemplar erhältlich.
Im aktuellen Veröffentlichungsverzeichnis 2016 sind
214 Statistische Berichte, 7 Verzeichnisse, 54 Faltblätter
und Statistisch betrachtet sowie Sonderhefte und das
Statistische Jahrbuch gelistet. Lag der Schwerpunkt der
Publikationen 1992 noch auf gedruckten Exemplaren, ist
heute weitgehend das Angebot an Veröffentlichungen im
Internet kostenfrei elektronisch verfügbar.
63
15
63
15
P
P
A13
B97
A13
B97
Bhf
A4
Garnisonsplatz
Macherstraße 63
Garnisonsplatz 15
S 94
A4
Pulsnitz
Radeburg
Bautzen
Königsbrück
Hoyerswerda
Burkau
Bernsdorf
Ruhland
Siedlungsweg
Macherstraße
Nordstraße
Hohe Straße
Hoyerswerdaer
Oststraße
Bahnhofstraße
Töpfer
Bautzner Straße
Rosa-Luxemburg
Weststraße
Wallstraße
Königsbrücker Straße
Pulsnitzer
S 94
Straße
straße
-
Straße
Straße
Gebäude Garnisonsplatz 15, 1994
Gebäude Macherstraße 63 (Südflügel) mit Armeefahrzeugen der ehem. Offizier-
schule Kamenz, 1994
Lageplan bzw. Anfahrtsskizze zum Statistischen Landesamt in Kamenz
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9

Die Jahresrechnungsstatistik spiegelt die Ist-Einnahmen
der Kommunen wider, gegliedert nach Aufgabenberei-
chen und gruppiert nach Einnahmearten. Bedeutendste
kommunale Einnahmearten sind dabei die Steuern, die
Schlüsselzuweisungen vom Land und die Zuweisungen für
Investitionen vom Land.
Die Steuereinnahmen setzen sich aus Realsteuern, Ge-
meindeanteilen an Gemeinschaftssteuern, anderen Steu-
ern und steuerähnlichen Einnahmen zusammen, die von
1994 bis 2014 kontinuierlich angestiegen sind. Zu den
steuerähnlichen Einnahmen zählen u. a. die Fremdenver-
kehrsabgabe und die Abgaben von Spielbanken. Andere
Steuern, die die Kommunen erheben dürfen, sind z. B. die
Vergnügungssteuer, die Hundesteuer und die Zweitwoh-
nungssteuer. Von ihrer Höhe her weitaus bedeutender sind
die nach einem festgelegten Schlüssel an die Gemeinden
gezahlten Anteile an der Einkommenssteuer sowie an der
Umsatzsteuer. Die höchsten Einnahmen werden jedoch
mit den Realsteuern erzielt. Diese setzen sich aus den
Grundsteuern A und B sowie der Gewerbesteuer zusam-
men.
Mit der selbständigen Festlegung der Hebesätze haben die
Gemeinden die Möglichkeit, die Höhe ihrer Realsteuerein-
nahmen unmittelbar zu beeinflussen. Am niedrigsten blie-
ben im betrachteten Zeitraum von 1994 bis 2014 die ge-
wogenen Durchschnittshebesätze der Grundsteuer A für
land- und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke. Am
stärksten stiegen die gewogenen Durchschnittshebesätze
der Grundsteuer B für bebaute und bebaubare Grundstücke.
1993
Solidarpakt zur Finanzierung der Deutschen Einheit wird am
27. Februar 1993 in Potsdam beschlossen
Der Solidarpakt beinhaltet besondere Transferleistungen, die im Rahmen des Länderfinanzausgleichs an die
neuen Länder und Berlin bis heute gezahlt werden. Bereits 2001 wurde der Solidarpakt II beschlossen, der
von 2005 bis 2019 weitere 156 Milliarden Euro bereithält. [17] Das System des Länderfinanzausgleichs dient
auf Bund-Länder-Ebene dem Ausgleich von Finanzkraftunterschieden zwischen den Ländern. [18] Parallel
dazu gibt es den kommunalen Finanzausgleich, mit dessen Hilfe die Finanzkraft der Kommunen zumindest
angeglichen werden soll. Die zugewiesenen Mittel sollen es ermöglichen, ihre Aufgaben ordnungsgemäß
und eigenverantwortlich zu erfüllen. Grundlage für das komplexe Berechnungsverfahren des Finanzaus-
gleichs sind neben Einwohner- und Schülerzahlen auch Daten zu den Einnahmen der Gemeinden. Will man
die finanzielle Lage einer Gemeinde beurteilen, so können als wichtige Indikatoren u. a. die Steuereinnah-
men aus der Jahresrechnungsstatistik herangezogen werden.
absolut
je Einwohner
absolut
je Einwohner
absolut
je Einwohner
absolut
je Einwohner
1 000 Euro
Euro
1 000 Euro
Euro
1 000 Euro
Euro
1 000 Euro
Euro
1994
617 316
134,32
548 584
119,36
10 176
2,21
534
0,12
1999
940 164
210,03
580 209
129,62
15 940
3,56
434
0,10
2004
1 187 275
275,68
494 255
114,76
17 084
3,97
544
0,13
2009
1 487 449
356,07
787 483
188,51
16 964
4,06
654
0,16
2014
1 873 025
462,98
1 093 481
270,29
23 551
5,82
638
0,16
Datenquelle: Jahresrechnungsstatistik
Steuern und Steuerähnliche Einnahmen in Sachsen 1994 bis 2014
Jahr
Realsteuern
Gemeindeanteile an
Gemeinschaftssteuern
Andere Steuern
Steuerähnliche Einnahmen
Gr 00
Gr 01
Gr 02
Gr 03
0
100
200
300
400
500
1994 1999 2004 2009 2014
Hebesatz Grundsteuer A
Hebesatz Grundsteuer B
Hebesatz Gewerbesteuer
Entwicklung der gewogenen Durchschnittshebesätze in Sachsen
Datenquelle: Realsteuervergleich
Prozent
10
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Im Unterschied dazu nahm die Erhöhung der gewoge-
nen Durchschnittshebesätze für die Gewerbesteuer einen
deutlich gedämpften Verlauf. Dennoch stellt das Aufkom-
men an der Gewerbesteuer nach wie vor den höchsten
Anteil an den Realsteuereinnahmen. Die Gemeinden müs-
sen vom Gewerbesteueraufkommen (brutto) eine Umlage
für Bund und Länder an das Finanzamt abführen. Nach
Abzug der Gewerbesteuerumlage vom Ist-Aufkommen der
Gewerbesteuer liegen die Gewerbesteuereinnahmen (net-
to) vor. Als Ausgleich für die Gewerbesteuerumlage erhal-
ten die Gemeinden einen Anteil an der Einkommensteuer.
Der seit 1998 als Ausgleich für den Wegfall der Gewerbe-
kapitalsteuer gezahlte Anteil an der Umsatzsteuer bildet
nach den Grundsteuern die vierte Säule der kommuna-
len Steuereinnahmen. [19] Die Gewerbesteuereinnahmen
(netto) je Einwohner haben sich in Sachsen von 1994 bis
2014 nahezu vervierfacht. Die Kommunen konnten 2014
mehr als ein Viertel (27,6 Prozent) ihrer Gesamtausgaben
mit Steuereinnahmen (netto) finanzieren. Im Vergleich
dazu belief sich der Anteil der steuerfinanzierten Ausga-
ben im Jahr 2004 auf 21,0 Prozent und lag im Jahr 1994
erst bei 11,3 Prozent. Damit erreichte der von zwischen-
zeitlichen Unterbrechungen gekennzeichnete positive
Wachstumstrend der Steuerdeckungsquote seinen bishe-
rigen Höhepunkt.
0
100
200
300
400
500
600
700
800
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
2014
Einnahmen der Gemeinden in Sachsen aus ausgewählten Steuern je Einwohner
Datenquelle: Jahresrechnungsstatistik
Euro
Steuern (netto)
Gewerbesteuer (netto)
Gemeindeanteil an
der Einkommensteuer
Grundsteuer A und B
Gemeindeanteil an
der Umsatzsteuer
Kreisfreie Stadt
Kreisgebiet
Land
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
2014
Chemnitz, Stadt
140
110
150
143
106
211
281
282
332
392
396
Dresden, Stadt
121
156
207
236
240
273
356
402
389
359
365
Leipzig, Stadt
133
150
214
202
182
224
343
355
309
351
464
Erzgebirgskreis
48
36
59
64
79
117
156
193
171
197
202
Mittelsachsen
51
61
80
94
86
164
227
300
297
259
274
Vogtlandkreis
45
42
61
90
62
130
176
263
205
244
268
Zwickau
87
84
113
119
135
134
167
279
212
393
391
Bautzen
61
74
110
80
77
125
165
222
218
242
255
Görlitz
50
46
57
59
57
94
137
244
191
250
255
Meißen
57
71
77
94
85
150
215
278
255
287
258
Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge
49
48
73
78
73
107
168
190
200
243
232
Leipzig
80
88
99
101
68
120
163
239
230
241
277
Nordsachsen
58
70
108
106
81
138
175
207
193
226
238
Sachsen
79
85
115
119
112
160
222
278
257
292
313
Gewerbesteuereinnahmen (netto) in EURO je Einwohner in Sachsen für die Jahre 1994 bis 2014
Datenquelle: Jahresrechnungsstatistik
0
5
10
15
20
25
30
1994
1999
2004
2009
2014
Steuerdeckungsquoten der Gemeinden in Sachsen
Prozent
Datenquelle: Jahresrechnungsstatistik
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11

Rechtliche Grundlage für die Bildung der Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen,
Sachsen-Anhalt und Thüringen war das Ländereinführungsgesetzes vom 22. Juli 1990. Der laut Gesetz vor-
gesehene Termin für die Bildung der sog. „Neuen Länder“, wie diese 5 Flächenländer bis weit in die 2000er
Jahre bezeichnet wurden, war der 14. Oktober 1990. Mit dem Einigungsvertrag wurde dieser Termin auf den
3. Oktober 1990 vorgezogen. Die regionale Gliederung der Landkreise und Kreisfreien Städte blieb zunächst
bestehen. Am 25. Mai 1993 beschloss der Sächsische Landtag das Kreisgebietsreformgesetz. Klagen mehrerer
Kreise vor dem Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen verhinderten vorerst die vollständige Umset-
zung dieser Reform zum 1. August 1994. Nach einem entsprechenden Gesetzgebungsverfahren traten am
1. Januar 1996 das 1. und 2. Kreisgebietsreformänderungsgesetz in Kraft. Eine weitere Neugliederung der
Landkreise des Freistaates Sachsen erfolgte per Gesetz am 1. August 2008. [20]
1994
Die seit 1952 in der DDR bestehende Gliederung der Land-
kreise und Kreisfreien Städte wurde 1990 zur Bildung
des Freistaates Sachsen übernommen. Demnach gab es
im Landesgebiet sechs Kreisfreie Städte und 48 Land-
kreise mit 1 620 kreisangehörigen Gemeinden. Die drei
Regierungsbezirke Chemnitz, Dresden und Leipzig wurden
erst zum 1. Januar 1991 per Kabinettsbeschluss gebildet.
1993 beschloss der Sächsische Landtag das „Sächsische
Gesetz zur Kreisgebietsreform – Kreisgebietsreform-
gesetz“. Mit dessen Inkrafttreten am 1. August 1994 soll-
te das Landesgebiet des Freistaates Sachsen neu in sieben
Kreisfreie Städte und 23 Landkreise gegliedert werden.
Klagen mehrerer Kreise vor dem Verfassungsgerichtshof des
Freistaates Sachsen verhinderten diese Reform vorerst.
Am 1. August 1994 gliederte sich das Gebiet des Frei-
staates Sachsen deshalb in sechs Kreisfreie Städte und
28 Landkreise. 1995 folgten das „Erste und Zweite Gesetz
zur Änderung des Kreisgebietsreformgesetzes und ande-
rer kommunaler Vorschriften“. Beide Gesetze traten zum
1. Januar 1996 in Kraft. Der Freistaat Sachsen gliederte sich
ab diesem Zeitpunkt in die drei Regierungsbezirke Dresden,
Chemnitz und Leipzig, sieben Kreisfreie Städte und 22 Land-
kreise. Erst 1999 fand die 1993 begonnene Gemeinde-
gebietsreform ihren Abschluss. 545 selbständige Gemein-
den gab es zum 1. Januar 1999 nach Inkrafttreten der
Gesetze zur Gemeindegebietsreform.
Die Kreisstruktur änderte sich in den darauffolgenden Jah-
ren geringfügig jeweils am 1. Januar 2000 und 2005 durch
Gemeindeeingliederungen. [20]
Eine einschneidende Änderung in der Gebietsgliede-
rung erfolgte zum 1. August 2008. Im Freistaat Sachsen
traten das Gesetz zur Neugliederung des Gebietes der Land-
kreise des Freistaates Sachsen und zur Änderung anderer
Gesetze (Sächsisches Kreisgebietsneugliederungsgesetz -
SächsKrGebNG) und das Gesetz zur Neuordnung der
Sächsischen Verwaltung (Sächsisches Verwaltungsneu-
ordnungsgesetz - SächsVwNG) in Kraft. Durch die Neu-
gliederung des Freistaates Sachsen verringerte sich die
Anzahl der Landkreise und Kreisfreien Städte auf zehn
Landkreise und drei Kreisfreie Städte. Die neuen Landkreise
wurden durch Zusammenlegung bestehender Landkreise
und Kreisfreier Städte gebildet. Vier Kreisfreie Städte wur-
den in die neuen Landkreise eingegliedert. Die drei Regie-
rungsbezirke blieben weiterhin bestehen. Durch die Neubil-
dung des Landkreises Mittelsachsen veränderte sich jedoch
der Zuschnitt der Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz.
Entsprechend dem Sächsischen Verwaltungsneuordnungs-
gesetz wurde das Gebiet des Freistaates Sachsen in die drei
Direktionsbezirke (früher: Regierungsbezirke) Chemnitz,
Dresden und Leipzig eingeteilt. Die räumliche Gliederung
der Direktionsbezirke (umfasste Landkreise und Kreisfreie
Städte) war in der Verordnung der Sächsischen Staatsre-
gierung zur räumlichen Gliederung der Direktionsbezirke
vom 16. Juli 2008 bestimmt. Diese wurde mit Inkrafttreten
des Sächsischen Standortegesetzes am 1. März 2012 auf-
gehoben, so dass die Ebene der Direktionsbezirke als räum-
liche Gliederung entfiel.
Der Freistaat Sachsen besteht seit 1. August 2008 aus den
drei Kreisfreien Städten Chemnitz, Dresden und Leipzig
sowie den Landkreisen Bautzen, Erzgebirgskreis, Görlitz,
Leipzig, Meißen, Mittelsachsen, Nordsachsen, Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge, Vogtlandkreis und Zwickau.
Durch weitere freiwillige Gemeindeeingliederungen und
-zusammenschlüsse verringerte sich die Zahl der selbstän-
digen Gemeinden auf 426 am 1. Januar 2016.
Aktuell besteht der Freistaat Sachsen aus drei Kreisfreien
Städten und zehn Landkreisen mit 423 kreisangehörigen
Gemeinden.
Erste große Kreisgebietsreform im Freistaat Sachsen
12
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Kreisfreie Städte und Landkreise im Freistaat Sachsen am 3. Oktober 1990
Gebietsstand: 3. Oktober 1990
Pirna
Aue
Torgau
Bautzen
Niesky
Kamenz
Riesa
Meißen
Löbau
Borna
Döbeln
Oschatz
Grimma
Hoyerswerda
Eilenburg
Freital
Sebnitz
Flöha
Wurzen
Weißwasser
Oelsnitz
Delitzsch
Zittau
Annaberg
Großenhain
Rochlitz
Freiberg
Marienberg
Geithain
Hainichen
Dippoldiswalde
Werdau
Dresden-Land
Auerbach
Zschopau
Bischofswerda
Stollberg
Leipzig-Land
Görlitz-
Land
Plauen-
Land
Zwickau-Land
Brand-
Erbisdorf
Klingenthal
Chemnitz-
Land
Glauchau
Dresden,
Stadt
Schwarzen-
berg
Reichenbach
Leipzig,
Stadt
Chemnitz,
Stadt
Hohenstein-
Ernstthal
Plauen,
Stadt
Zwickau,
Stadt
Görlitz,
Stadt
Kreisfreie Stadt
Landkreis
Kartengrundlage: Verwaltungsgrenzen, © GeoSN 2016
Gebietsstand: 1. Januar 2016
Kartengrundlage: Verwaltungsgrenzen, © GeoSN 2016
Görlitz
Bautzen
Leipzig
Meißen
Nordsachsen
Mittelsachsen
Erzgebirgskreis
Zwickau
Vogtlandkreis
Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge
Dresden,
Stadt
Leipzig,
Stadt
Chemnitz,
Stadt
Pirna, Stadt
Borna, Stadt
Plauen, Stadt
Meißen, Stadt
Torgau, Stadt
Zwickau, Stadt
Görlitz, Stadt
Bautzen, Stadt
Freiberg, Stadt
Annaberg-Buchholz, Stadt
Kreisfreie Städte und Landkreise im Freistaat Sachsen mit dem zuständigen Verwaltungssitz am 1. Januar 2016
Kreisfreie Stadt
Landkreis
Kreisstadt
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13

Am 1. Januar 1995 wurde die Pflegeversicherung als eigenständiger Zweig der Sozialversicherung einge-
führt. Damit wurde die letzte große Lücke der sozialen Versorgung geschlossen. Die Versicherungspflicht
gilt für alle gesetzlich, freiwillig und privat Krankenversicherten. Die Finanzierung erfolgt durch Beiträge,
die auf ein Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen festgelegt wurden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber
tragen den Beitrag jeweils zur Hälfte. Als finanzieller Ausgleich für die Arbeitgeber wurde in allen Bundes-
ländern bis auf Sachsen der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag gestrichen. In Sachsen wurde der
Beitrag zur Pflegeversicherung damit zunächst von den Arbeitnehmern allein getragen. Spätere Beitragser-
höhungen wurden je zur Hälfte auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt. Der Beitragssatz für sächsi-
sche Arbeitnehmer ist jedoch bis heute ein Prozent höher als der der Arbeitgeber. Zum 1. Januar 2005 wurde
zusätzlich ein Beitragszuschlag für Kinderlose eingeführt. [21]
Seit Einführung der im 2–jährigen Turnus zu erhebenden
Pflegestatistik im Jahr 1999 hat sich die Zahl der Pflegebe-
dürftigen, die Leistungen der Pflegeversicherung bezogen,
im Freistaat Sachsen von 118 123 auf 149 461 im Jahr
2013 erhöht. Das entspricht einem Anstieg um mehr als
ein Viertel. Die steigende Zahl der Leistungsempfänger ist
vor allem von der demografischen Entwicklung Sachsens
abhängig, die durch die Alterung der Bevölkerung
gekennzeichnet ist. Das Durchschnittsalter der sächsischen
Bevölkerung erhöhte sich im gleichen Zeitraum um
4,0 Jahre auf 46,6 Jahre in 2013. Die Anzahl der Einwohner,
die 65 Jahre und älter waren, stieg in diesem Zeitraum um
209 321 Personen bzw. 26,4 Prozent.
Die kontinuierliche Erhöhung der Zahl der zu pflegen-
den Personen spiegelt sich auch bei der Betrachtung der
verschiedenen Hilfearten wider. Die Zahl der stationär
betreuten Leistungsempfänger stieg von 1999 bis 2013
um mehr als die Hälfte an. Um sogar mehr als das 1,5-fache
erhöhte sich die Zahl der Personen, die einen ambulanten
Pflegedienst in Kombination mit Pflegegeldleistungen in
Anspruch nahm. Wesentlich geringere Erhöhungen gab es
bei ausschließlich ambulanter Pflege. Hier wurden knapp
9 Prozent mehr Leistungsempfänger betreut. Nach einem
zwischenzeitlichen Rückgang der Pflegegeldempfänger
wurden 2013 nur rund 4 Prozent mehr festgestellt als
14 Jahre zuvor.
Unter den Pflegebedürftigen sind nach wie vor deutlich
mehr Frauen als Männer. Der Anteil der Männer stieg je-
doch von 29,0 Prozent 1999 auf 34,5 Prozent im Jahr 2013.
Der Anteil der Leistungsempfänger, die professionelle
Einführung der Pflegeversicherung als vierte Säule der Sozial-
versicherung
1995
Leistungsempfänger der Pflegeversicherung in Sachsen
nach der Leistungsart
0
30 000
60 000
90 000
120 000
150 000
1999 2005 2007 2009 2011 2013
* ab 2009 ohne teilstationäre Pflege
Datenquelle: Pflegestatistik
Pflegegeldempfänger
(ohne Kombinations-
leistungen)
Kombination aus
ambulanter Pflege
und Pflegegeld
Ambulante Pflege
(ohne Kombinations-
leistungen)
Stationäre Pflege*
Leistungsart
2005
2007
2009
2011
2013
Leistungsempfänger
insgesamt
1,5
7,6
11,5
17,7
26,5
davon
Stationäre Pflege
29,8
40,3
41,7
49,0
51,2
Ambulante Pflege*
12,0
-10,2
2,9
4,2
8,9
Kombination aus
ambulanter Pflege und
Pflegegeld
-21,0
75,9
94,0
104,4
165,3
Pflegegeldempfänger*
-15,2
-11,0
-11,0
-4,0
3,8
* ohne Kombinationsleistungen
Datenquelle: Pflegestatistik
Veränderung der Leistungsempfänger der Pflegeversicherung
in Sachsen 2005 bis 2013 gegenüber 1999 nach Leistungsart
(in Prozent)
14
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Pflege nutzen, lag im Freistaat mit 60,1 Prozent deutlich
über dem Bundesdurchschnitt von 52,6 Prozent. Die sta-
tionäre Pflege hat in den letzten Jahren gegenüber der
ambulanten Betreuung an Bedeutung gewonnen. Ihr An-
teil stieg deutlich von 26,0 Prozent 1999 auf 31,1 Prozent
für 2013.
Die professionelle stationäre Pflege wurde 2013 von
866 stationären Pflegeeinrichtungen durchgeführt, fast
doppelt so viele wie 1999. Mit 501 Einrichtungen wurde
der größte Teil von freigemeinnützigen Trägern betrieben.
Privat wurden 325 Einrichtungen geführt und nur 40 Ein-
richtungen hatten einen öffentlichen Träger.
29,0 Prozent der Pflegebedürftigen wurden durch am-
bulante Pflegedienste betreut. Reichlich zwei Fünftel der
Fälle erhielten dabei eine Teilleistung als Pflegegeld, da sie
zusätzlich von Angehörigen oder anderen Privatpersonen
pflegerisch versorgt wurden.
Der Anteil der ambulanten Betreuung einschließlich der
Gewährung von Pflegegeld hat sich in den letzten Jah-
ren stark erhöht. 1999 nahmen lediglich 25,4 Prozent der
Pflegebedürftigen diese Leistungsart in Anspruch, davon
reichlich ein Fünftel in Kombination mit der Gewährung
von Pflegegeld. Insgesamt wurde die ambulante Pflege
von 1 052 Pflegediensten ausgeführt. Gegenüber 1999
erhöhte sich deren Anzahl um fast ein Viertel. Der größte
Teil der ambulanten Pflegedienste wird privat betrieben.
2013 waren das 728 Einrichtungen, was einem Anteil von
mehr als zwei Dritteln entsprach. Mit 312 Einrichtungen
hatten mehr als ein Viertel einen freigemeinnützigen Trä-
ger, nur 12 Einrichtungen wurden durch die öffentliche
Hand betrieben.
Der Anteil der Leistungsempfänger, die lediglich Pflege-
geld erhielten, also ausschließlich von Angehörigen oder
anderen Privatpersonen betreut wurden, lag 2013 bei
39,9 Prozent. Hier zeigt sich im zeitlichen Verlauf eine
sinkende Tendenz. 1999 bezog noch fast die Hälfte alle
Leistungsempfänger ausschließlich Pflegegeld.
Infolge des demografischen Wandels und der damit ver-
bundenen Alterung der Bevölkerung wird die Anzahl der
Pflegebedürftigen in Zukunft stark ansteigen. Das wird
eine verstärkte Nachfrage nach ambulanten und stationä-
ren Pflegeleistungen zur Folge haben. Nahmen 2013 noch
etwa 90 000 Pflegebedürftige die Leistungen eines am-
bulanten Pflegedienstes oder einer stationären Pflegeein-
richtung in Anspruch, so werden es 2030 voraussichtlich
mehr als 130 000 sein. 2013 kamen auf 1 000 Einwohner
noch 22 Pflegebedürftige, die stationär oder ambulant
betreut wurden. 2030 werden es zwischen 36 und 38 je
1 000 Personen sein. Um die Versorgung der steigenden
Anzahl Pflegebedürftiger durch die stationären und am-
bulanten Pflegeeinrichtungen sicher zu stellen, werden in
den nächsten Jahren mehr Pflegekräfte benötigt.
7
39,9
12,2
16,8
30,5
0,6
Leistungsempfänger der Pflegeversicherung in Sachsen
im Dezember 2013 nach Leistungsart
(in Prozent)
149 461
* ohne teilstationäre Pflege
Datenquelle: Pflegestatistik
Pflegegeldempfänger
(ohne Kombinations-
leistungen)
Kombination aus
ambulanter Pflege
und Pflegegeld
Ambulante Pflege
(ohne Kombinations-
leistungen)
Vollstationäre Dauerpflege*
Kurzzeitpflege
© Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen - K VIII 2 - 2j/13
Leistungsart
1999 2005 2007 2009 2011 2013
Leistungsempfänger
insgesamt
100
100
100
100
100
100
davon
Stationäre Pflege
26,0
33,3
34,0
33,1
33,0
31,1
Ambulante Pflege*
19,6
21,6
16,3
18,1
17,3
16,8
Kombination aus
ambulanter Pflege
und Pflegegeld
5,8
4,5
9,5
10,1
10,1
12,2
Pflegegeld-
empfänger*
48,6
40,6
40,2
38,8
39,6
39,9
* ohne Kombinationsleistungen
Datenquelle: Pflegestatistik
Antei der Leistungsempfänger der Pflegeversicherung in
Sachsen 1999 sowie 2005 bis 2013 nach Leistungsart
(in Prozent)
Leistungsempfänger der Pflegeversicherung in ambulanten
sowie stationären Einrichtungen Sachsens 2013, 2020,
2025 und 2030
Datenquellen:
Werte für 2013: Pflegestatistik
Werte für 2020, 2025 und 2030: Vorausberechnung auf der Basis der beiden
Varianten der 5. Regionalisierten Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen;
Stand: 2013
0
7 500
15 000
22 500
30 000
37 500
45 000
52 500
60 000
67 500
75 000
2013
V1 V2
V1 V2
V1 V2
stationär und
teilstationär
ambulant
2020
2025
2030
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15

image
Bis ins Jahr 1900 konnten in Deutschland Läden an sie-
ben Tagen in der Woche zwischen 5 und 23 Uhr geöffnet
sein. Nach und nach griffen Regelungen, die die Laden-
öffnung an Sonntagen einschränkten bzw. die Länge der
Ladenöffnungszeiten an Wochentagen. Diese Entwicklung
ist in erster Linie damit zu erklären, dass sich der Charak-
ter der Läden veränderte. Neben dem bis dahin dominie-
renden „familiengeführten“ Laden entstanden die ersten
Kaufhäuser mit zahlreichen angestellten Verkäufern. Die
gesetzlichen Regelungen zur Ladenöffnungszeit hatten
natürlich auch sozialpolitische Ziele (Achtstundentag). Im
Laufe der Zeit gab es in der Bundesrepublik zahlreiche Ver-
änderungen im Hinblick auf den „Ladenschluss“ und viele
Ausnahmeregelungen. [23]
Das sogenannte Sonntags- bzw. Nachtbackverbot wur-
de in Deutschland 1915 eingeführt und war eigentlich
ernährungswirtschaftlich begründet. Es sollte weniger
gebacken werden, damit die Getreidevorräte länger rei-
chen. Daneben hatte es auch ein sozialpolitisches Ziel.
Mit der Einführung des Achtstundentages wurden die
Beschäftigten in den Bäckereien vor zu langen und ge-
sundheitsschädlichen Nachtarbeitszeiten geschützt. Über
zahlreiche Änderungen hinweg hatte die Regelung zum
Ladenschluss und zum Sonntagsbackverbot in der Bun-
desrepublik bis November 1996 Bestand. [24]
Nach Gründung der DDR bestanden hier ähnliche Rege-
lungen über die Ladenöffnungszeiten. Bäcker und Flei-
scher hatten montags meist geschlossen, dafür sonn-
abends geöffnet. Die meisten Geschäfte öffneten ab
9 Uhr, die Bäcker bereits früher. 18 Uhr war allgemeiner
Ladenschluss. Und mittags waren die meisten (kleineren)
Geschäfte
ebenfalls
geschlossen.
Sonnabends
war
ursprünglich bis 15:30 Uhr geöffnet, ohne Mittags-
pause. Mit der schrittweisen Einführung der Fünftage-
woche verringerten sich auch die Ladenöffnungszeiten
an Sonnabenden. In größeren Städten waren sie weiter
gestreut, nach und nach wurden auch längere Ladenöff-
nungszeiten üblich („Spätverkauf“ von Lebensmitteln). [25]
Die letzte Handels- und Gaststättenzählung in Deutsch-
land erbrachte für 1993 eine Zahl von rund 23 800 Ar-
beitsstätten im Einzelhandel Sachsens mit einer Ge-
schäftsfläche von 5,5 Millionen Quadratmetern. Die rund
95 700 Beschäftigten hatten für 1992 einen Umsatz von
umgerechnet 10,8 Milliarden Euro erwirtschaftet.
1996
Verlängerung der Ladenöffnungszeiten und Aufhebung des
Sonntagsbackverbotes für Bäcker ab Ende des Jahres
Gesetze über Ladenöffnungszeiten bzw. –schließzeiten gibt es in Deutschland seit dem Jahr 1900. In der
Bundesrepublik Deutschland wie auch in der Deutschen Demokratischen Republik wurden entsprechende
Regelungen seit den 1950er Jahren fortgeführt, die im Laufe der Zeit mehrfach gelockert wurden. 1989
kam der „lange Donnerstag“. 1996 folgte die Öffnung bis 20 Uhr, die seit 2003 auch samstags gilt. Am
1. Juni 2003 wurden die Ladenöffnungszeiten letztmalig bundesweit verlängert: wochentags und sonn-
abends von 6 bis 20 Uhr. Seit Inkrafttreten der Föderalismusreform zum 1. September 2006 regeln die
einzelnen Bundesländer die Ladenöffnungszeiten selbst. Das Sonntagsbackverbot war zunächst eine ernäh-
rungswirtschaftliche Maßnahme aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Aus sozialpolitischen Gründen wurde
diese Regelung beibehalten und hatte bis 1996 in Deutschland Bestand. Die ausgedehnten Ladenöffnungs-
zeiten werden von einem Großteil der Bevölkerung angenommen. [22]
Einkaufszentrum
16
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image
Eine große Anzahl von Waren in den Geschäften des Frei-
staates Sachsen wird im Ausland erzeugt. Für einige aus-
gewählte Warengruppen ist die Entwicklung der Einfuhren
in der Abbildung oben ersichtlich. Darunter befinden sich
beispielsweise die Südfrüchte, die vollständig aus ande-
ren Ländern eingeführt werden. Selbst Tafelwein wird in
Deutschland nicht angebaut. Beim Gemüse schwanken die
jährlichen Einfuhren zwar beträchtlich, es ist aber keine
wirkliche Tendenz zu beobachten. Stark gestiegen ist da-
gegen der Import von Käse.
Die Umsätze im Handel hängen zum einen von den ver-
kauften Warenmengen ab, zum anderen auch von den
Verbraucherpreisen. Für einige ausgewählte Warengrup-
pen ist die Entwicklung der Verbraucherpreise in der lin-
ken Abbildung dargestellt. Bei Obst und Gemüse zum Bei-
spiel zeigen sich deutliche Schwankungen im Zeitverlauf,
langfristig steigen die Preise jedoch deutlich an. Bei der
Position Fleisch und Fleischwaren gab es zwar auch Jah-
re mit leicht rückläufigen Verbraucherpreisen, insgesamt
gesehen ist die steigende Tendenz jedoch sehr ausgeprägt
erkennbar.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
2014
Wein
Südfrüchte
Obst, außer
Südfrüchte
Gemüse und sonstige
Küchengewächse
Fleisch und
Fleischwaren
Käse
2015
Einfuhr ausgewählter Produkte des Ernährungsgewerbes in den Freistaat Sachsen 1992 bis 2015
Millionen Euro
Datenquelle: Außenhandelsstatistik
0
20
40
60
80
100
120
140
1995
1999
2003
2007
2011
2015
Fleisch/
Fleisch-
waren
Molkerei-
produkte/
Eier
Verbraucherpreisindizes ausgewählter Warengruppen
1995 bis 2015
2010 = 100
0
20
40
60
80
100
120
140
1995
1999
2003
2007
2011
2015
Gemüse
Wein
2010 = 100
Obst
Datenquelle: Verbraucherpreisstatistik
Geschäftsöffnungszeiten
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17

Ein nationales Gesetz zur bevorzugten Beförderung von Frauen im öffentlichen Dienst ist gem. des im
November 1997 gefällten Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) unter bestimmten Voraussetzungen
mit EU-Recht vereinbar. Der EuGH billigte damit entsprechende Passagen des Landesbeamtengesetzes von
Nordrhein-Westfalen. [26] Die Entscheidung des EuGH untersetzte den bereits allgemein in Deutschland im
öffentlichen Dienst eingeschlagenen Weg zur gleichberechtigten Stellenbesetzung mit Frauen und Män-
nern. Seit 1996 dienen die Ergebnisse der jährlich durchgeführten Sächsischen Frauenförderungsstatistik
den Dienststellen/Einrichtungen des öffentlichen Dienstes des Freistaates Sachsen als Kontrollinstrument
bei der Feststellung von Frauenquoten sowie als Basis für die Erstellung, Aktualisierung und Überprüfung
der Frauenförderpläne und bilden damit die Grundlage für Maßnahmen zur Förderung von Frauen, um ihre
Unterrepräsentanz in den Führungspositionen einzelner Bereiche zu verbessern. [27]
Am 24. Februar 1994 beschloss der Sächsische Landtag
das Gesetz zur Förderung von Frauen und der Verein-
barkeit von Familie und Beruf im öffentlichen Dienst im
Freistaat Sachsen (Sächsisches Frauenförderungsgesetz
- SächsFFG). Geregelt werden darin u. a. grundsätzlich
die Einstellung und der berufliche Aufstieg von Frauen in
Bereichen des öffentlichen Dienstes mit geringem Frauen-
anteil. Benannt werden zudem Maßnahmen, die zu einer
Erhöhung der Frauenquote in Führungs- und Leitungs-
funktionen beitragen können. [28]
Voraussetzung für die Feststellung von Veränderungs-
und Einflussmöglichkeiten auf die Situation der Frauen so-
wie die Entwicklung von Frauenförderungsmaßnahmen im
öffentlichen Dienst ist die Durchführung einer jährlichen
Bestandsaufnahme zur Beschäftigtensituation in Form
der Sächsischen Frauenförderungsstatistik.
Ein ebenfalls wichtiges Anliegen der Sächsischen Frauen-
förderungsstatistik ist die Darstellung von Ergebnissen,
die einerseits den hohen Frauenanteil im öffentlichen
Dienst im Verhältnis zu anderen Wirtschaftszweigen
erkennen lassen und andererseits das Aufzeigen von
Defiziten hinsichtlich der Chancengleichheit von Frauen in
Führungspositionen ermöglichen. Darüber hinaus werden
fundierte Angaben geliefert, die die Berücksichtigung von
Frauen bei Einstellungen, Beförderungen und Höhergrup-
pierungen sowie der Beteiligung an Fortbildungsmaßnah-
men im Berufsleben veranschaulichen.
Einer differenzierten Analyse des Anteils der Frauen mit
obersten Leitungsfunktionen und leitenden Funktionen
in den Bereichen des öffentlichen Dienstes kommt daher
eine besondere Bedeutung zu. Beamte und Arbeitnehmer
werden im Rahmen der Sächsischen Frauenförderungs-
statistik nach 13 Bereichen unterschieden. Für jeden
Bereich liegt jeweils eine für ihn gültige funktionelle
Gliederung vor, auf deren Grundlage die Beschäftigten be-
stimmten Funktionen zuzuordnen sind. Der Frauenanteil
an den Beschäftigten im öffentlichen Dienst lag 2015 bei
65,5 Prozent, das waren 130 699 Frauen. Ein sehr hoher
Frauenanteil war Ende Juni 2015 in den Bereichen „Sons-
tige öffentlich-rechtliche Einrichtungen/ Sozialversiche-
1997
Frauenquote im öffentlichen Dienst wird vom Europäischen
Gerichtshof grundsätzlich für zulässig erklärt
Datenquelle: Sächsische Frauenförderungsstatistik
1997
2015
1997
2015
1997
2015
1997
2015
1997
2015
1997
2015
1997
2015
1997
2015
1997
2015
1997
2015
1997
2015
1997
2015
1997
2015
Sonst. ö.-r. Einrich-
tungen/SV-Träger
(ab 2006)
Sparkassen
Polizei
Eigenbetriebe/
Zweckverbände
Gemeinden/Gv.
< 10 000 Ew.
Landkreise/Gemein-
den > 10 000 Ew.
Justizvollzugs-
anstalten
Staatsanwalt-
schaften
Gerichte
Hochschulen
Schulen
Krankenhäuser
Allgemeine
Behörden
Frauen
mit obersten Lei-
tungsfunktionen
mit leitenden
Funktionen
sonstige
0
25
50
75
100
Prozent
Frauenanteil im öffentlichen Dienst am 30. Juni 1997
und 2015 nach Bereichen und Funktionsebenen
18
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rungsträger“ (82,3 Prozent), „Schulen“ (78,2 Prozent), „Ge-
meinden/Gemeindeverbände mit unter 10 000 Einwohnern“
(75,4 Prozent) und „Sparkassen“ (74,2 Prozent) zu finden. In
den meisten Bereichen verringerte sich ihr Anteil gegenüber
1997. In den traditionellen Männerdomänen „Polizei“ und in
„Justizvollzugsanstalten“ stieg dagegen der Anteil an Frau-
en. Dennoch arbeiteten in diesen Bereichen zur Jahresmitte
2015 verhältnismäßig wenige weibliche Beschäftigte. Auch
im Bereich Hochschulen sind seit Jahren mehr Männer als
Frauen tätig.
Die differenzierte Betrachtung der 13 Bereiche nach
Funktionsebenen verdeutlicht, dass sich mit steigen-
der Funktionsebene der Frauenanteil an den Beschäf-
tigten verringert. Die durchschnittliche Frauenquote an
den Beschäftigten mit obersten Leitungsfunktionen von
45,1 Prozent (2 251 Frauen) wurde Ende Juni 2015 in
fast allen Bereichen des öffentlichen Dienstes Sachsens
unterschritten. Lediglich im Bereich „Schulen“ wurden
mit 66,9 Prozent (1 386 weibliche Personen) überdurch-
schnittlich viele Frauen mit einem Spitzenamt betraut.
Am Erhebungsstichtag 2015 war der Anteil von Frauen in
der obersten Führungsebene bei den Bereichen „Justiz-
vollzugsanstalten“, „Polizei“, „Staatsanwaltschaften“ und
„Hochschulen“ besonders unterrepräsentiert. Während
im „Polizeibereich“ und bei den „Hochschulen“ der Frau-
enanteil gegenüber 1997 um 4,8 bzw. 10,3 Prozentpunkte
stieg, verringerte er sich bei den „Justizvollzugsanstalten“
um 15,7 und den „Staatsanwaltschaften“ um 13,4 Prozent-
punkte von allen Bereichen am stärksten.
Den größten Anstieg an weiblichen Führungskräften um
18,2 Prozentpunkte verzeichneten gegenüber 1997 die
„Landkreise (LRÄ) und Gemeinden mit 10 000 und mehr
Einwohnern“. Von allen Beschäftigten im öffentlichen
Dienst übten Ende Juni 2015 nur 2,5 Prozent (4 992 Frau-
en und Männer) eine Spitzenfunktion aus.
Die hohe Frauenquote von 66,1 Prozent an den Beschäf-
tigten mit leitenden Funktionen im öffentlichen Dienst
(31 886 weibliche Beamte und Arbeitnehmer) schwankte
in den einzelnen Bereichen zum Teil beträchtlich. Auch in
dieser Funktionsebene verzeichnete der Bereich „Schulen“
Ende Juni 2015 den höchsten Frauenanteil von 78,8 Pro-
zent (22 089 Frauen, einschl. Lehrerinnen). Obwohl ein an-
haltender Personalrückgang an Frauen in diesem Bereich
registriert wurde, stieg ihr Anteil im Vergleich zum Jahr
1997. Im Bereich „Sparkassen“ fand ein überdurchschnitt-
licher Personalabbau zu Lasten der Frauen in Leitungs-
funktionen statt. Hier reduzierte sich die Frauenquote
am stärksten. Weniger Frauen als Männer nahmen wie-
derum in den Bereichen „Polizei“ und „Hochschulen“ eine
Leitungsfunktion wahr. Gegenüber 1997 zeigt sich den-
noch in beiden Bereichen eine positive Entwicklung. Der
größte Anstieg in dieser Funktionsebene um 17,4 Prozent-
punkte wurde bei den „Eigenbetrieben und Zweckverbän-
den“ ermittelt, wie die untere Tabelle zeigt. 24,1 Prozent
aller Beamten und Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst
(48 207 Personen) hatten Ende Juni 2015 eine leitende
Funktion inne.
1997
2000
2005
2010
2015
Insgesamt
38,3
40,8
44,2
44,5
45,1
Allgemeine Behörden
20,9
24,9
26,1
27,9
28,4
Krankenhäuser
33,8
34,3
32,7
32,9
33,8
Schulen
62,2
60,9
64,3
65,8
66,9
Hochschulen
10,4
10,0
14,1
16,2
20,7
Gerichte
21,3
22,2
24,4
25,2
29,1
Staatsanwaltschaften
23,4
13,7
14,5
15,4
10,0
Justizvollzugsanstalten
21,6
18,6
19,4
11,8
5,9
Landkreise/Gemeinden
mit 10 000 u. mehr Ew.
16,9
17,2
18,3
24,5
35,1
Gemeinden/Gv. mit
unter10000Ew.
x
x
x
x
x
Eigenbetriebe/
Zweckverbände
32,8
27,6
32,5
34,7
41,8
Polizei
2,7
5,7
3,9
4,7
7,5
Sparkassen
41,7
40,4
37,5
35,2
36,1
Sonst. öffentl.-rechtl. Ein-
richt./SV-Träger (ab 2006)
-
-
-
37,0
32,9
Datenquelle: Sächsische Frauenförderungsstatistik
Frauenanteil an den Beschäftigten mit obersten
Leitungsfunktionen im öffentlichen Dienst am 30. Juni des
jeweiligen Jahres nach Bereichen
Bereich
(funktionelle Gliederung)
Frauenanteil in Prozent
Frauenanteil an den Beschäftigten mit leitenden
Funktionen im öffentlichen Dienst am 30. Juni des
1997
2000
2005
2010
2015
Insgesamt
52,9
62,2
62,0
66,4
66,1
Allgemeine Behörden
44,1
42,9
44,0
43,4
44,6
Krankenhäuser
64,8
60,5
57,3
60,4
63,3
Schulen*
76,3
75,7
77,0
79,0
78,8
Hochschulen
27,3
25,6
28,3
26,7
28,6
Gerichte
64,7
64,2
65,4
63,8
63,1
Staatsanwaltschaften
42,1
46,6
45,0
46,2
47,9
Justizvollzugsanstalten
44,3
51,9
50,4
31,8
39,1
Landkreise/Gemeinden
mit 10 000 u. mehr Ew.
57,3
55,1
55,2
57,8
57,0
Gemeinden/Gv. mit
unter 10 000 Ew.
55,1
57,1
56,8
69,9
70,2
Eigenbetriebe/
Zweckverbände
39,5
51,6
52,5
55,4
56,9
Polizei
9,0
6,4
9,1
9,4
11,4
Sparkassen
81,4
75,9
68,2
64,0
61,3
Sonst. öffentl.-rechtl. Ein-
richt./SV-Träger (ab 2006)
-
-
-
68,7
67,6
jeweiligen Jahres nach Bereichen
Bereich
(funktionelle Gliederung)
Frauenanteil in Prozent
* ab 1999 einschließlich Lehrern;
bis 1998 bei den sonstigen Beschäftigten erfasst
Datenquelle: Sächsische Frauenförderungsstatistik
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19

Das Abkommen von Schengen wurde am 14. Juni 1985 von der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Bel-
gien, Luxemburg und den Niederlanden unterzeichnet. Schengen ist ein Ort in Luxemburg an den Grenzen zu
Deutschland und Frankreich. Zwischen den Vertragsparteien wurde festgelegt, dass der schrittweise Abbau
der Personenkontrollen an den Binnengrenzen erfolgen soll. Für die Umsetzung des Schengener Abkommens
wurde fast genau 5 Jahre später am 19. Juni 1990 das Übereinkommen zur Durchführung des Schengener Ab-
kommens (Schengener Durchführungsübereinkommen – SDÜ) unterzeichnet. Darin wurden sog. Ausgleichs-
maßnahmen geregelt, die infolge der Abschaffung der Binnengrenzkontrollen einen einheitlichen Raum der
Sicherheit und des Rechts gewährleisten sollten. [29] Zum 1. April 1998 entfielen dann die Grenzkontrollen
zwischen Deutschland und dem Nachbarland Österreich sowie zwischen Österreich und Italien. [30] Ohne
Passkontrolle und theoretisch auch ohne Zwischenstopp war damit das Reisen nach Italien möglich. Und wie
attraktiv ist Sachsen bei ausländischen Gästen?
Reiseland Sachsen – die sächsischen Städte und Gemein-
den haben in den letzten 25 Jahren viel investiert, um den
Freistaat für Besucher aus dem In- und Ausland attraktiv
zu machen. Und es sind immer mehr Gäste gekommen.
Waren es im Jahr 1992 noch weniger als 2,5 Millionen Be-
sucher, so zählte die Statistik 2015 bereits mehr als drei-
mal so viele – lässt man die methodischen Veränderungen
in der Beherbergungsstatistik einmal außer Betracht.* Bei
den ausländischen Besuchern erhöhte sich die Zahl so-
gar von 182 000 im Jahr 1992 auf mehr als das Vierein-
halbfache (868 000) im Jahr 2015. Dabei ist jedoch kein
sprunghafter Anstieg der Anzahl der Gäste aus dem Aus-
land nach Wegfall der Grenzkontrollen im Jahr 1998 zu
beobachten, der Zuwachs erfolgte kontinuierlich. Im Jahr
2002 gab es einen Rückgang der Gästezahlen infolge des
schweren Hochwassers, als viele Beherbergungseinrich-
tungen schließen mussten. Im Jahr 2006 bescherte die
Fußballweltmeisterschaft in Deutschland auch den säch-
sischen Beherbergungseinrichtungen einen besonders
großen Besucheransturm. Das trifft aber sowohl auf die
Zahl der deutschen, als auch der ausländischen Gäste zu.
Auch die Übernachtungszahlen sind seit Anfang der
1990er Jahre kontinuierlich gestiegen, allerdings nicht
so stark wie die Gästezahlen. Die Zahl der gesamten
Übernachtungen stieg seit 1992 auf etwa das Zweiein-
halbfache, die der ausländischen Besucher auf circa das
Dreieinhalbfache. Damit hat sich die durchschnittliche
Aufenthaltsdauer deutscher Gäste von 3,1 Tagen 1992 auf
2,6 Tage 2015 reduziert. Ausländische Besucher blieben
1992 durchschnittlich 2,9 Tage in einer Beherbergungs-
einrichtung, zuletzt nur noch 2,2 Tage.
Etwa drei Viertel aller Besucher mit ständigem Wohnsitz
außerhalb Deutschlands waren in einem europäischen
Land beheimatet. Dieser Wert hat sich seit Anfang der
1990er Jahre nur unwesentlich verändert.
1998
Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Österreich sowie
Österreich und Italien entfallen
Datenquelle: Beherbergungsstatistik
0
100
200
300
400
500
600
1992
1997
2002
2007
2012
Ausland
Deutschland
Ankünfte
Ausland
Deutschland
Übernachtungen
Entwicklung der Gästezahlen in Sachsen aus der Bundesrepublik Deutschland und aus dem Ausland 1992 bis 2015
Messzahl
1992 = 100
2015
*) Methodische Änderungen: bis 2011 Beherbergungsstätten mit neun und
mehr Betten sowie Campingplätze mit drei und mehr Stellplätzen; ab 2012
Beherbergungsstätten und Campingplätze mit zehn und mehr Betten bzw.
Stellplätzen
20
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image
Dagegen stieg der Anteil der Gäste aus Asien stetig an
und beträgt seit der Jahrtausendwende rund elf Prozent.
In dieser Größenordnung liegt aktuell auch der Anteil der
Gäste vom amerikanischen Kontinent, nachdem er 2008
bis 2010 schon einmal bei 13 bis 14 Prozent gelegen hatte.
Im betrachteten Zeitraum von 1992 bis 2015 hat in den
meisten Jahren die Niederlande das Ranking der Her-
kunftsländer ausländischer Gäste in sächsischen Beher-
bergungseinrichtungen angeführt.
Vom Spitzenplatz verdrängt werden konnte die Niederlan-
de nur durch die Vereinigten Staaten in den Jahren um
die Jahrtausendwende und dann noch einmal 2009/2010.
Auf den Plätzen zwei und drei befanden sich außerdem
noch die Schweiz, Österreich und das Vereinigte Königreich.
Japan war lediglich in den Jahren 2004/2005 unter den
drei wichtigsten Herkunftsländern ausländischer Gäste
des Freistaates zu finden. Auch wenn die Spitzenpositionen
nur unter wenigen Ländern vergeben wurden, so gibt es
doch bei einigen anderen Ländern beachtliche Entwick-
lungen der Gästezahlen. So kamen im Jahr 2015 mehr als
31 000 Gäste aus der Volksrepublik China und aus Hong-
kong. Anfang der 1990er Jahre zählte man weniger als
1 000 Besucher aus diesen Ländern, vor zehn Jahren wa-
ren es noch keine 5 000. Auch spanische Gäste haben in
den letzten Jahren den Freistaat für sich entdeckt. 33 000
konnten 2015 in Sachsen begrüßt werden, 2009 waren es
noch nicht einmal halb so viele. Unsere tschechischen und
polnischen Nachbarn kannten das Territorium des heu-
tigen Sachsen eventuell schon aus Zeiten vor der politi-
schen Wende. Deren Gästezahlen entwickelten sich in den
1990er Jahren nur langsam, aktuell sind sie etwa auf das
Zehnfache der Anfangsjahre der Erhebung gestiegen.
Besonders attraktiv für ausländische Gäste ist die Landes-
hauptstadt Dresden. Fast jeder zweite ausländische Gast
wurde im Jahr 2015 in einer Beherbergungseinrichtung
der Stadt Dresden registriert. Im Jahr 1998 lag dieser An-
teil bei 40 Prozent. Damals wie heute war Dresden bei den
Gästen aus den Vereinigten Staaten und der Schweiz be-
sonders beliebt. Knapp ein Viertel der ausländischen Gäste
machten im letzten Jahr in der Messestadt Leipzig Station.
Auch hier waren Besucher aus den Vereinigten Staaten am
häufigsten vertreten, gefolgt vom Vereinigten Königreich
und der Schweiz. Unter den Flächenreisegebieten konn-
te das Sächsische Elbland die meisten Besucher aus dem
Ausland begrüßen. Drei Prozent aller ausländischen Gäste
verbringen ihren Urlaub in Sachsen auf einem Camping-
platz. Hier waren erwartungsgemäß die Niederländer ab-
solut in der Überzahl.
0
20
40
60
80
Schweden
Polen
Frankreich
Italien
Japan
Vereinigtes Königreich
Österreich
Schweiz
Vereinigte Staaten
Niederlande
Die zehn wichtigsten Herkunftsländer ausländischer
Gäste 1998 und 2015
Tausend Personen
1998
0
20
40
60
80
Japan
Spanien
Italien
Tschechische Republik
Vereinigtes Königreich
Polen
Vereinigte Staaten
Österreich
Schweiz
Niederlande
Tausend Personen
2015
Datenquelle: Beherbergungsstatistik
48,2
24,1
6,1
5,8
4,8
3,8
3,5
2,4
1,3
Ausländische Gäste 2015 nach Reisegebieten
(Anteil in Prozent)
Datenquelle: Beherbergungsstatistik
Dresden, Stadt
Leipzig, Stadt
Sächsisches Elbland
Sächsisches Burgen-
und Heideland
Erzgebirge
Chemnitz, Stadt
Oberlausitz-
Niederschlesien
Sächsische Schweiz
Vogtland
Wandergruppe am Grenzübergang Schmilka
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21

Im Wintersemester 2015/2016 gab es im Freistaat Sach-
sen 6 Universitäten, 6 Kunsthochschulen, 12 Fachhoch-
schulen und 2 Verwaltungsfachhochschulen. An diesen
Einrichtungen waren insgesamt 113 281 Studenten im-
matrikuliert, fast 55 000 bzw. knapp 93 Prozent mehr
als 1993. 16 611 hatten eine ausländische Staatsbürger-
schaft (1993: 2 917). Im Jahr 1993 betrug der Anteil aus-
ländischer Studenten 5 Prozent. Er erhöhte sich seitdem
um fast 10 Prozentpunkte auf knapp 15 Prozent im Jahr
2015. Im Wintersemester 2015/16 waren 15 277 Studenten
immatrikuliert, die ihre Hochschulzugangsberechtigung
nicht in der Bundesrepublik Deutschland erworben hatten
(Bildungsausländer). Im Vergleich zum Jahr 1993 (2 799)
hat sich die Anzahl der Bildungsausländer mehr als ver-
fünffacht. 2015 schrieben sich 21 104 Studienanfänger an
Sachsens Hochschulen ein, 9 005 bzw. 74 Prozent mehr als
1993. Unter ihnen waren 5 846 bzw. rund 28 Prozent, die
ihre Hochschulzugangsberechtigung im Ausland erworben
hatten. Im Jahr 1993 betrug der Anteil der Bildungsausländer
unter den Studienanfängern etwas über 6 Prozent. Die meis-
ten Studienanfänger schrieben sich 2015 in einem Studien-
fach der Fächergruppe „Ingenieurwissenschaften“ ein. Mehr
als ein Drittel aller Studienanfänger (7 675 bzw. 36 Prozent)
wählten ein Studienfach dieser Fächergruppe. 6 248 Studi-
enanfänger entschieden sich für die Fächergruppe „Rechts-,
Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“, 2 413 für die Geis-
teswissenschaften und 2 038 für ein Fach der Mathematik,
Naturwissenschaften. Im Wintersemester 2015/16 studier-
ten insgesamt 49 968 Studenten (44 Prozent) in einem Fach
der Mathematik-, Natur- oder Ingenieurwissenschaften.
Einen ähnlich hohen Anteil wie bei den Studenten wie-
sen auch die Abschlussprüfungen in den Fächergruppen
Mathematik-, Natur- und Ingenieurwissenschaften auf.
2015 wurden von insgesamt 22 303 Abschlussprüfungen
Am 19. Juni 1999 unterzeichneten die Hochschulministerinnen und –minister aus 30 europäischen Staaten in
der italienischen Stadt Bologna eine gemeinsame Erklärung, die einen Reformprozess in Gang setzte. Der sog.
Bologna–Prozess, eine transnationale Hochschulreform, wurde zunächst in 29 europäischen Staaten einge-
leitet. Diese Reform zielte auf eine Harmonisierung und Internationalisierung der Studiengänge sowie die
Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums ab, der stetigen Wandlungen unterliegt. Wich-
tigste Veränderung für die Studenten war die zweistufige Studienstruktur mit den berufsqualifizierenden
Studienabschlüssen Bachelor und Master. Zudem wurden die Studienabschlüsse verschiedener Einrichtungen
vergleichbarer und bei Hochschulwechsel anrechenbar. Insbesondere die Hochschulausbildung in Deutsch-
land sollte dadurch praxisorientierter erfolgen und die Studenten auf den späteren beruflichen Einsatz besser
vorbereiten. Mittlerweile sind 47 europäische Staaten am Bologna–Prozess beteiligt. [31]
1999
Bologna-Prozess - Startschuss für eine umfassende
europäische Studienreform
0
20
40
60
80
100
120
1993
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
2013
2015
Tausend
Studenten an sächsischen Hochschulen 1993 bis 2015
Studenten
darunter ausländische
Studenten
Datenquelle: Hochschulstatistik
22
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9 542 in einem Studienfach dieser Fächergruppen erfolg-
reich absolviert (43 Prozent). Damit erreicht Sachsen nicht
nur im Vergleich der Bundesländer eine Spitzenposition,
sondern erweist sich im internationalen Vergleich als
Technikhochburg.
Im Wintersemester 1999/2000 schrieben sich an den säch-
sischen Hochschulen erstmals 105 Studenten für einen
Bachelor–Studiengang ein. 96 Studenten begannen ein
Masterstudium. Zehn Jahre später erreichte die Zahl der
Bachelorstudenten im ersten Fachsemester mit 15 149 den
bisherigen Höchststand. Das waren 52 Prozent aller Stu-
denten im ersten Fachsemester. Die meisten Studenten
im ersten Fachsemester in Masterstudiengängen wurden
vorerst 2014 mit 8 724 registriert (26 Prozent). Von den
insgesamt 22 303 bestandenen Abschlussprüfungen im
Jahr 2015 waren 8 704 Bachelor- und 6 735 Masterab-
schlüsse. Somit stieg der Anteil Bachelor- und Masterab-
schlüsse von 0,3 Prozent im Jahr 2000 auf 69 Prozent im
Jahr 2015. Die höchste Anzahl Bachelorabschlüsse gab es
bisher 2014 mit 9 349. Das waren 41 Prozent aller bestan-
denen Prüfungen. Die meisten Masterabschlüsse wurden
2015 mit 6 735 registriert (30 Prozent).
Die Fächergruppe Sprach- und Kulturwissenschaften hatte
unter den stark besetzten Fächergruppen mit 48 Prozent
den höchsten Anteil an Bachelorabschlüssen gefolgt von
den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit
einem Anteil von 46 Prozent. In den medizinischen Fächern
dominiert nach wie vor das Staatsexamen mit 50 Prozent
in der Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissen-
schaften und 78 Prozent in der Veterinärmedizin.
0
10
20
30
1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Studenten im 1. Fachsemester an den Hochschulen in Sachsen nach angestrebtem Abschluss
Tausend
übrige Abschlüsse
Master
Bachelor
Datenquelle: Hochschulstatistik
absolut
Prozent
absolut
Prozent
2000
9 898
-
-
29
0,3
2001
10 275
8
0,1
37
0,4
2002
10 890
63
0,6
100
0,9
2003
11 705
147
1,3
150
1,3
2004
12 223
296
2,4
193
1,6
2005
12 928
470
3,6
283
2,2
2006
13 995
510
3,6
381
2,7
2007
15 789
949
6,0
642
4,1
2008
16 580
1 457
8,8
643
3,9
2009
18 063
2 630
14,6
865
4,8
2010
19 828
5 107
25,8
1 114
5,6
2011
21 995
7 311
33,2
1 766
8,0
2012
21 853
8 013
36,7
3 030
13,9
2013
22 568
8 950
39,7
4 744
21,0
2014
22 602
9 349
41,4
5 773
25,5
2015
22 303
8 704
39,0
6 735
30,2
Datenquelle: Hochschulstatistik
Bestandene Abschlussprüfungen an sächsischen Hochschulen nach ausgewählten Prüfungsgruppen in den
Prüfungsjahren 2000 bis 2015
Darunter
Prüfungsjahr
Insgesamt
Bachelor
Master
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Das neue Datenerfassungsprogramm namens “w3stat-
Datenerfassungsprogramm” für die zentral durchgeführte
Intrahandelsstatistik wurde Ende des Jahres 2000 vom
Statistischen Bundesamt fertiggestellt und ausgeliefert.
Ein wichtiger Schritt in Richtung medienbruchfreier Sta-
tistikproduktion war getan. Im Vorfeld mussten Abläufe
neu überarbeitet und durchdacht, Schnittstellen geschaf-
fen und vor allem bestehende Sicherheitskonzepte er-
weitert und angeboten werden. [33] Im November 2000
berichtete das Statistische Bundesamt über den Einsatz
modernder Informations- und Kommunikationstechno-
logien bei der Datenerhebung. Die Amtsleiter der Statis-
tischen Ämter des Bundes und der Länder unterstrichen
seinerzeit die Notwendigkeit, die Abgabe statistischer
Meldungen per Internet so schnell und so weit wie mög-
lich anzubieten. [34]
w3stat hatte wesentliche Vorteile gegenüber dem bis-
herigen Aufbereitungsprozess: Qualität und Aktualität
wurden gesteigert, da bereits bei der Erfassung der Daten
unmittelbar bei der Eingabe die Daten hinsichtlich Feh-
lern geprüft werden konnte. Dieser Prozess ist auch als
sog. Plausiprüfung bzw. Plausibilisierung in der amtlichen
Statistik bekannt. Damit war bereits in der Anmeldephase
im Dialogverfahren die Möglichkeit gegeben, fehlerhaf-
te Daten direkt durch richtige Angaben zu ersetzen. [33]
Bereits 2001 folgten erste Überlegungen der Statistischen
Ämter des Bundes und der Länder, für Interneterhebun-
gen ein einheitliches Internetportal mit leichtem Zugang
für die Nutzer einzurichten. Notwendige Investitionen in
Hard- und Software wurden erforderlich, die technischen,
organisatorischen aber auch rechtlichen Rahmenbedin-
gungen mussten geschaffen, Personal qualifiziert werden.
Zur weiteren Modernisierung und Rationalisierung der
amtlichen Statistik sollten Verbundstandards für Internet-
Erhebungen entwickelt werden. Unter dem Begriff „E-
Statistik 2005“ wurde strategisch von Bund und Ländern
darauf hingearbeitet, den Weg zur E-Statistik zu forcieren
und den Bezug zum E-Government herauszuarbeiten. Die
Bedeutung des Internets für die weitere Modernisierung
und Rationalisierung war bereits Anfang der 2000er Jahre
nicht mehr von der Hand zu weisen.
Ein weiterer Meilenstein wurde mit dem „Masterplan der
amtlichen Statistik“ im Jahr 2003 gesetzt. Ein besonderer
Schwerpunkt bei der Reform des statistischen Systems
wurde im umfassenden Einsatz modernster Informations-
und Kommunikationstechnik gesehen. Die im Masterplan
festgelegten Maßnahmen sollten in den Folgejahren einen
wesentlichen Beitrag zur Entlastung von Unternehmen,
zur Entbürokratisierung und zum effizienten Ressourcen-
einsatz leisten. [35]
Im nächsten Schritt galt es, bundesweit Erhebungen für
die Berichterstattung per Internet anzubieten, spätestes
Ziel war Jahresende 2003. Folgende Statistiken wurden
hierzu festgelegt:
Monatsbericht im Tourismus,
Monatsbericht einschl. Auftragseingangserhebung für
Betriebe im Bereich Verarbeitendes Gewerbe, Bergbau
und Gewinnung von Steinen und Erden,
Vierteljährliche Dienstleistungsstatistik.
Zur CeBIT in Hannover im Jahr 2004 informierte die
amtliche Statistik im Rahmen von „Deutschland Online –
eStatistik“ zum Masterplan und den Zielen zur Erwei-
terung der IT-Verfahrensentwicklung im statistischen
Verbund. Bis zur Zielerreichung des einheitlichen Internet-
portals vergingen dann noch einige Jahre.
Mittlerweile ist mit Inkrafttreten der Novelle des Bun-
desstatistikgesetzes (§ 11 a BStatG) zum 1. August 2013
die
Nutzung
von
Online-Meldewegen
für
öffentli-
che Verwaltungen sowie für Betriebe und Unterneh-
men verpflichtend. Bis dato bot die amtliche Statistik zur
Das Internet bietet Unternehmen, Bürgern und der amtlichen Statistik einen modernen Weg, Daten zu erhe-
ben. Das Statistische Bundesamt hat mit dem Pilotprojekt w3stat im März 2000 den Meldeweg via Internet
zunächst nur für die zentral durchgeführte Intrahandelsstatistik eröffnet. Ein Großteil der Statistischen
Ämter der Länder hat in den Folgejahren dieses Erhebungsmedium ebenfalls erfolgreich erprobt.
Zwischenzeitlich wurden die in den Ämtern vorhandenen Ansätze und Verfahren gebündelt und in ein
deutschlandweit einheitliches und technisch hochwertiges System erarbeitet. Dieses wird seit 1. Januar 2005
deutschlandeweit unter dem Namen IDEV (Internetdatenerhebung im Verbund) eingesetzt. [32]
2000
Meldeweg zu statistischen Erhebungen via Internet eröffnet
24
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Online-Datenerhebung bereits ein breites Angebot. Um
die Online-Meldezugänge wie auch die Informationen zu
den Meldewegen zusammenzufassen, wurde am 30. Ja-
nuar 2014 unter https://erhebungsportal.estatistik.de das
Erhebungsportal als gemeinsame Plattform der Statisti-
schen Ämter des Bundes und der Länder für die Melder im
Internet freigeschaltet.
Der Statistische Verbund präsentiert sich damit gegenüber
seinen Auskunftgebenden in einem einheitlichen Auftritt
und bietet einen zentralen Zugang zu den Online-Ver-
fahren in den Statistischen Ämtern des Bundes und der
Länder. Im Fokus des Erhebungsportals steht die Unter-
stützung der Meldungsabgabe. Es bietet zentral Infor-
mationen zu den Erhebungen sowie einen schnellen und
zentralen Zugang auf die von den Statistischen Ämtern
angebotenen Online-Meldeverfahren IDEV und .CORE. Da-
neben gab es seit 2003 die sächsische Lösung XIMA.
IDEV
Mit IDEV können Auskunftgebende über das Internet Mel-
dungen zu verschiedenen amtlichen Statistiken an die Sta-
tistischen Ämter des Bundes und der Länder übermitteln.
IDEV ist ein einheitlicher Meldeweg, der seit 2005 von
den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder
angeboten wird. Zurzeit sind bereits über 50 Statistiken
bundesweit online verfügbar. Darüber hinaus werden
die Angebote der Statistischen Ämter ständig erweitert.
Die statistischen Daten können direkt über elektronische
Online-Formulare gemeldet werden. Darüber hinaus bietet
IDEV vielfältige Unterstützungsfunktionen, die den Mel-
deaufwand erheblich reduzieren. Alle über IDEV angebo-
tenen Statistik-Fragebögen haben das gleiche Layout und
die gleiche einheitliche Bedienoberfläche. [36]
.CORE
.CORE bzw. eSTATISTIK.core ist ein innovatives Online-
Meldeverfahren der Statistischen Ämter des Bundes und
der Länder, das seit 2005 für Datenlieferungen an die amt-
liche Statistik angeboten wird und eine bequeme Alter-
native zum Papierfragebogen und zum Onlinefragebogen
darstellt.
Anders als bei Meldungen mittels Fragebogen können
die von der Statistik erfragten Daten von den auskunfts-
pflichtigen Unternehmen oder öffentlichen Stellen mit
eSTATISTIK.core automatisiert aus ihrem jeweiligen Soft-
waresystem in elektronischer Form gewonnen werden. Vor
der Übermittlung können in der Regel die Daten am Bild-
schirm daraufhin überprüft werden, ob sie vollständig und
richtig sind. Im Anschluss daran übermittelt der Anwender
das Datenpaket (XML) über eine sichere Internetverbin-
dung an den zentralen Dateneingang der amtlichen Sta-
tistik. Von dort wird die Datenlieferung umgehend an das
jeweils zuständige Statistische Amt weitergeleitet. [36]
XIMA
Bereits 2003 wurde eine Kooperationsvereinbarung zwi-
schen dem Statistischen Landesamt des Freistaates Sach-
sen und der Firma xima media GmbH geschlossen. Auf
dieser Basis konnten die vorliegenden Ergebnisse einer
Diplomarbeit, die an der TU Dresden in Zusammenarbeit
mit der xima media GmbH geschrieben wurde, zu einer
leistungsstarken Anwendung „xima-forms“ weiterent-
wickelt werden. Diese Anwendung zum Dateneinzug mit
Onlineformularen wurde 2003 erstmalig im Statistischen
Landesamt des Freistaates Sachsen für die Vierteljährliche
Konjunkturstatistik in bestimmten Dienstleistungsberei-
chen eingesetzt.
Entwicklung der Onlinemeldungen über IDEV, .CORE und XIMA im Statistischen Landesamt des Freistaates Sachsen
* .CORE: Statistiken die über EMSy gesteuert werden; IDEV: 138 Onlinestatistiken; XIMA: 86 Onlinestatistiken (Stand 2016)
Datenquelle: Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste (SID)
0
20 000
40 000
60 000
80 000
100 000
120 000
140 000
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180 000
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
IDEV*
.CORE*
Anzahl Onlinemeldungen
XIMA*
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25

Der tägliche Blick auf die Preisanzeigen an den Tankstellen
ist für eine Vielzahl sächsischer Verbraucher schon rou-
tinemäßig. Besonders Pendler und Vielfahrer beobachten
kritisch die Entwicklungen. Mittlerweile wissen Sie, dass
es früh und abends am teuersten ist. Wie sah es allerdings
im historischen Zeitabriss aus? Antwort auf diese Frage
gibt die Verbraucherpreisstatistik. Mit einem Wägungs-
anteil von rund 38 Promille bestimmen „Kraftstoffe“ den
sächsischen Verbraucherpreisindex nicht unerheblich.
2015 dämpften die günstigen Preise an den Tankstellen
die Jahresteuerung um 0,5 Prozentpunkte auf nur 0,3 Pro-
zent. Ohne diesen positiven Einfluss hätte der jährliche
Preisanstieg bei 0,8 Prozent gelegen. In den beiden Jah-
ren zuvor (2013 und 2014) zeigte sich ein ähnliches Bild,
allerdings betrug die abschwächende Wirkung jeweils nur
0,2 Prozentpunkte. Seit 1995 drückten nur noch 1998 so-
wie 2009 die Preise an den Zapfsäulen die Jahresteuerung
- damals um 0,1 bzw. 0,4 Prozentpunkte.
Es gab jedoch auch eine andere Entwicklung, bei der sich
steigende Kraftstoffpreise negativ auf den Verlauf des
Verbraucherpreisindex auswirkten - am stärksten bisher
2000 sowie 2010. Die Jahresteuerung betrug in diesen
beiden Jahren 1,5 bzw. 1,1 Prozent. Ohne die Berücksichti-
gung der Positionen „Diesel, Super und Co“ hätte der jähr-
liche Preisanstieg bei nur 0,9 bzw. 0,7 Prozent gelegen.
Diese Ausführungen zeigen bereits, dass die Preise für
„Kraftstoffe“ sehr viel Dynamik besitzen. Ein entschei-
dender Faktor sind die Notierungen an der Rohölbörse.
Neben dem Dollarkurs spielen auch politische Gegeben-
heiten (z. B. Kriege) oder wirtschaftliche Entscheidun-
gen (z. B. Embargos, Förderbegrenzungen, Nachfrage)
eine große Rolle. 1995 kostete das Barrel Rohöl für den
OPEC-Korb knapp 17 Dollar. Drei Jahre später zahlte man
sogar nur rund 12 Dollar. Dies war in den zurückliegenden
20 Jahren der bisherige Tiefstpreis. Der höchste Preis im
Betrachtungszeitraum wurde mit fast 110 Dollar für das
Im Vorfeld der Bundestagswahl 1998 wurde die Auseinandersetzung zum Thema „5 Mark pro Liter Benzin“
Inhalt der öffentlichen und politischen Diskussion. 3 Jahre danach erreichte kurz vor Einführung des Euro
der Benzinpreis am 8. Mai 2001 mit 2,23 D-Mark den bis dato höchsten D-Mark-Betrag für einen Liter
Superbenzin. [37] Eine 2014 veröffentlichte Studie zur „Bedeutung und Nutzung des Autos“ stellt dar, dass
es 55 Prozent der befragten Personen sehr wichtig sei, ein eigenes Auto zu besitzen. Bezieht man hierbei
die Größe einer Ortschaft mit ein, lag dieser Wert bei Personen aus Gemeinden mit weniger als 5 000 Ein-
wohnern bei 65 Prozent. [38] „Des Deutschen liebstes Kind“, so wird des Öfteren das Auto in den Medien
bezeichnet, verursacht Kosten. Neben diversen Unterhaltskosten belasten insbesondere die laufenden Ausga-
ben für Kraftstoffe die persönliche Haushaltskasse.
Rekordpreis von 2,23 D-Mark für einen Liter Superbenzin wird
erreicht
2001
<
0
20
40
60
80
100
120
2010 = 100
Verbraucherpreisindex in Sachsen
Verbraucherpreisindex
Verbraucherpreisindex ohne Kraftstoffe
Datenquelle: Verbraucherpreisstatistik
0
1
2
3
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Jahresteuerungsraten
Prozent
Entwicklung des Verbraucherpreisindex und der Jahresteuerungsrate in Sachsen 1996 bis 2015
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image
Fass im Jahr 2012 registriert. Hintergrund war u. a. die
verstärkte Nachfrage speziell im asiatischen Raum ver-
bunden mit der Verhängung des Ölembargos gegen den
Iran als Folge des umstrittenen Atomprogramms. Zuvor
hatte bereits der „Arabische Frühling“ und die damit ge-
rade in Libyen verbundene Unsicherheit den Preis von
61 (2009) auf 77 (2010) und 107 (2011) Dollar anstei-
gen lassen. In den Folgejahren zog die neue Schieferöl-
Fördertechnologie (Fracking) in den USA ein Überange-
bot an Öl auf dem Weltmarkt nach sich, das auch durch
Förderbeschränkungen nicht begrenzt wurde. Ein rapider
Preisverfall setzte ein, der im Jahr 2015 bei nur 49 Dol-
lar je Barrel Öl seinen momentanen Endpunkt fand. [39]
Die Höhe der Kraftstoffpreise definiert sich nicht nur
über die Produktions-/Rohstoffkosten, sondern auch über
Steuern und den Deckungsbeitrag. Dieser trägt zum Ge-
winn der Mineralölwirtschaftsunternehmen bei, umfasst
jedoch nur einen kleineren Teil des Endpreises. Ein großer
Nutznießer im Mineralölhandel bleibt der Staat. Er kassiert
bei jeder Tankfüllung kräftig mittels Mineralöl- und Mehr-
wertsteuer mit. In den vergangenen 20 Jahren erhöhten
sich beide Steuersätze mehrfach, was sich letztendlich auf
die Kraftstoffpreise auswirkte.
Zum 1. April 1998 stieg zwar die Mehrwertsteuer von
15 auf 16 Prozent, die Kraftstoffpreise sanken jedoch im
Vergleich zu 1997 um fast sechs Prozent, da 1998 mit
nur zwölf Dollar pro Barrel Rohöl das billigste Öljahr im
betrachteten Zeitverlauf war. Die weitere Erhöhung der
Mehrwertsteuer auf die immer noch gültigen 19 Prozent
am 1. Januar 2007 ging mit Teuerungen am Rohölmarkt
(ca. 13 Prozent) einher. Sächsische Verbraucher zahlten in
der Gesamtbetrachtung des Jahres 2007 somit knapp fünf
Prozent mehr als im Vorjahr. Das Nachsehen hatten Kraft-
fahrer auch in Bezug auf die Ökologische Steuerreform,
kurz Öko-Steuer genannt. In fünf Stufen änderten sich ab
1. April 1999 dann jährlich zum 1. Januar die Steuersätze.
Für „Benzin“ war der Ausgangspunkt 50,1 Cent.
Momentan behält der Staat 65,4 Cent je Liter als Steuer
ein. Der für „Dieselkraftstoff“ generell niedrigere Steu-
ersatz, ein Ausgleich erfolgt hier über die Kfz-Steuer, er-
höhte sich bis zum 1. Januar 2003 von 31,7 auf 47,0 Cent.
Gleichzeitig verdoppelte sich der Rohölpreis in diesem
Zeitabschnitt, sodass sich „Kraftstoffe“ innerhalb dieser
fünf Jahre um fast 40 Prozent verteuerten. Zahlte man
1998 noch 57 Cent für den Liter „Diesel“ waren es 2003
im Schnitt 88 Cent. Das entsprach einem Plus von rund
54 Prozent. Etwas moderater sah es bei „Super“ (38 Pro-
zent) und „Super Plus“ (41 Prozent) aus. Wiesen die
Zapfsäulen 1998 noch 79 bzw. 80 Cent aus, kostete der
Liter für diese Sorten 2003 bereits mehr als einen Euro
(1,09 bzw. 1,13 Euro).
Bündnis 90/Die Grünen forderten im Bundestagswahl-
kampf 1998: „5 DM für den Liter Benzin“! Davon blieben
Autofahrer zum Glück selbst im Jahr 2012 verschont, als
die Kraftstoffpreise mit 1,65 Euro für „Super“, 1,70 Euro
für „Super plus“ und 1,49 Euro für „Diesel“ ihr bisheri-
ges Hoch erreichten. Mittlerweile sanken sie wieder auf
1,39 Euro, 1,47 Euro bzw. 1,17 Euro (Stand: 2015).
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1995
2000
2005
2010
2015
2010=100
* Datenquellen: Verbraucherpreisstatistik,
Rohölpreis OPEC-Korb: MWV Mineralölwirtschaftsverband e. V.
Kraftstoffe versus Rohöl
Dollar/Barrel
Verbraucherpreisindex: Kraftstoffe
Rohölpreis OPEC-Korb
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20
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2005
2010
2015
Euro/l
Dieselkraftstoff
Entwicklung der Preise für Dieselkraftstoff und Benzin
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0,80
1,00
1,20
1,40
1,60
1,80
1995
2000
2005
2010
2015
Euro/l
Super (ab 2011: E5)
Super plus
Benzin
Datenquelle: Verbraucherpreisstatistik
Kraftstoffpreisanzeige an einer Tankstelle
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Unwettertief „Ilse“ erreicht am 11. August 2002 Ost- und Südostdeutschland und sorgte in den folgenden
Tagen für immense Regenmengen. Am Erzgebirgsnordrand stauten sich immer wieder die Regenwolken und
lösten starken Dauerregen aus. Dadurch kam es örtlich zu noch nie aufgetretenen Wasserständen an Flüssen
und Strömen. [40] Regenrekorde gab es öfter in den letzten Jahrzehnten. Im August 2002 werden jedoch
neue Marken gesetzt: binnen 24 Stunden fallen in Zinnwald 312 Liter Wasser pro Quadratmeter, auf dem
Fichtelberg regnete es am 12. August 2002 insgesamt 193 Liter, in Dresden 158, in Görlitz 174 Liter. Dies
entsprach statistisch gesehen nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes mindestens der Menge eines
halben Jahres. Sachsen wurde von zwei Fluten heimgesucht – einer stürzenden und einer steigenden. Die
Schäden der steigenden Flut waren groß, die stürzende verheerend. Die Kraft des Wassers lässt sich rech-
nerisch beschreiben: stürzen 50 Kubikmeter einen zehn Meter hohen Abhang hinunter, hat dies energetisch
eine Kraft/Wirkung eines 20 Tonnen schweren Lastwagens, der mit 80 Stundenkilometern ein Haus rammt.
[41]
Im Zusammenhang mit dem Baugeschehen stellte die Ein-
führung der D-Mark am 1. Juli 1990 die erste wichtige
Zäsur dar. Den Zeitraum von 1994 bis 1997 kann man als
die „Boomjahre“ des sächsischen Baugewerbes bezeich-
nen. Im Rohbau war der Umsatz 1997 bereits leicht zu-
rückgegangen, im Ausbaugewerbe wurde in diesem Jahr
der Spitzenwert erwirtschaftet. Die stärksten Umsatz-
steigerungen verbuchten in dieser Zeit der Wohnungsbau
und der Wirtschaftsbau (Errichtung neuer Betriebs- und
Bürogebäude).
In den Folgejahren, bis in die Mitte der 2000er Jahre, ist
der Umsatzrückgang im sächsischen Baugewerbe ein Zei-
chen des strukturellen Rückbaus. Die Überkapazitäten in
der Bauwirtschaft der neuen Länder wurden zurückgefah-
ren. Im Jahr 2003 lag der Umsatz im Bauhauptgewerbe
entgegen dem mittelfristigen Trend über dem Vorjahres-
wert. Das war ganz wesentlich eine Folge des Hochwas-
sers vom August 2002. Die Zerstörungen durch das Hoch-
wasser machten sich beim Wiederaufbau bzw. bei der
Reparatur besonders in den Bausparten Straßenbau und
öffentlicher Tiefbau durch Umsatzsteigerungen bemerk-
bar. Aber auch im Wohnungsbau wurde der mittelfristige
Umsatzrückgang zeitweilig unterbrochen.
2002
Hochwasser im August 2002 – die „Jahrhundertflut“
0
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2001
2003
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2009
2011
2013
2015
Baugewerblicher Umsatz im Bauhauptgewerbe in Sachsen 1991 bis 2015 nach ausgewählten Bauarten
Millliarden Euro
Berichtskreis: Betriebe mit in der Regel 20 und mehr tätigen Personen
Datenquelle:Baugewerbestatistiken
Straßenbau
Wirtschaftshochbau
Wohnungsbau
Öffentlicher Hoch-
und Tiefbau
Wirtschaftstiefbau
Auswirkung
des Hoch-
wassers
2002
Wegen Hochwassers gesperrte Zufahrt zum Diakonissenkrankenhaus Dresden
über die Holzhofgasse am 15. August 2002
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image
Im Tiefbau wurden 2003 mehr Arbeitsstunden geleistet
als im Vorjahr, besonders im Straßenbau und öffentlichen
Tiefbau. Auch 2004 blieben die Stundenumfänge noch
auf diesem Niveau. Erst 2005 setzte sich die längerfris-
tige rückläufige Tendenz wieder deutlich durch. Im Hoch-
bau dagegen sind Auswirkungen des Augusthochwassers
von 2002 zwar ebenfalls vorhanden gewesen, statistisch
lassen sie sich jedoch nicht erkennen. Die langfristig wir-
kende, rückläufige Tendenz beim baugewerblichen Umsatz
überlagert den kurzfristig infolge der Beseitigung von
Hochwasserschäden aufgetretenen Umsatzanstieg.
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2009
2011
2013
2015
Geleistete Arbeitsstunden im Tiefbau in Sachsen 1991 bis 2015 nach ausgewählten Bauarten
Millionen Stunden
Straßenbau
Öffentlicher Tiefbau
Wirtschaftstiefbau
Auswirkung
des Hoch-
wassers
2002
Berichtskreis: Betriebe mit in der Regel 20 und mehr tätigen Personen
Datenquelle: Baugewerbestatistiken
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2001
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2005
2007
2009
2011
2013
2015
Geleistete Arbeitsstunden im Hochbau in Sachsen 1991 bis 2015 nach ausgewählten Bauarten
Millionen Stunden
Wohnungsbau
Öffentlicher Hochbau
Wirtschaftshochbau
Rückläufige
Entwicklung
setzt sich
fort
Berichtskreis: Betriebe mit in der Regel 20 und mehr tätigen Personen
Datenquelle:Baugewerbestatistiken
Morgenstimmung im überfluteten Rosengarten in Dresden am 16. August 2002
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Während in früheren Jahrhunderten Dürren öfter zu ka-
tastrophalen Zuständen bei der Versorgung der Bevöl-
kerung mit Lebensmitteln (Ernteausfälle, Teuerung) oder
Trinkwasser (Austrocknung von Brunnen) führten, waren
2003 zumindest Ernteausfälle zu beobachten. Bei der Be-
trachtung der Auswirkungen des Hochs „Michaela“ auf die
Landwirtschaft muss die Witterung in der gesamten Ve-
getationsperiode einbezogen werden. [44]
Ernteerträge bei Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben
lagen 2003 in Sachsen deutlich unter dem jeweiligen
langjährigen mittleren Niveau. Die meisten anderen Feld-
früchte, die im Sommer auf Feuchtigkeit zum Wachstum
angewiesen sind, waren ebenso betroffen. Bei Getreide
sanken die Erträge 2003 beträchtlich, da die Trockenheit
besonders die Monate April bis Juni betraf. Dieser Zeit-
raum ist ein wichtiger Teil der Vegetationsperiode für
Getreide, in der es „wachsen und gedeihen“ muss. Nach
einem etwas feuchteren und kühleren Juli folgte ein alle
Rekorde brechender Dürremonat August. Das heißt, Ge-
treide verdorrte auf den Feldern. Für ausgewählte Getrei-
dearten sind die Erträge in der Abbildung rechts darge-
stellt. Bei Winterweizen erreichte der Ertrag in Sachsen
noch 49,3 dt/ha, im Zehnjahresmittel 1996 bis 2005 wa-
ren es rund 67,5 dt/ha. Bei Roggen lag der Ertrag 2003 bei
37,4 dt/ha und damit auch sehr deutlich unter dem Zehn-
jahresmittel von 53,3 dt/ha. Deutschlandweit erzielten
die Landwirte bei den durchschnittlichen Ernteerträgen
außerordentlich niedrige Ernten, auch im Vergleich zum
überschwemmungsgeprägten Vorjahr. Überdurchschnitt-
lich waren insbes. Weizen, Gerste, Roggen und Körnermais
betroffen. [45] Der Ausfall bei der Getreideernte wurde
durch verstärkte Einfuhren ausgeglichen. 2003 wurde für
2,2 Milliarden Euro Weizen eingeführt, im Jahr davor war
es für rund 500 Millionen Euro und im Jahr danach für
2003
Jahrhundertsommer folgt auf Jahrhundertflut:
Hoch „Michaela“ bringt heißesten Sommer seit 102 Jahren
Die sog. „Hundstage“ zwischen 23. Juli und 23. August brachten 2003 europaweit eine extreme Hitzewelle.
Während das Hochwasser im Vorjahr sich nur auf einzelne Gebiete besonders katastrophal auswirkte, hatten
die Temperaturrekorde dieses Jahres großflächige Auswirkungen. Seit Beginn der Wetter- bzw. Tempera-
turaufzeichnungen wurden noch keine so heißen Temperaturen in Deutschland gemessen. [42] Meteorolo-
gisch handelte es sich um eine sogenannte Omegalage. Das üblicherweise über den Azoren im Westatlantik
liegende Hochdruckgebiet hatte sich nach Osten auf den europäischen Kontinent verlagert. Damit konnte an
seiner Westseite trocken-heiße Tropikluft aus dem Sahararaum nach Norden strömen. In Europa war die Hit-
zewelle die zweitstärkste Naturkatastrophe der letzten 100 Jahre nach dem Erdbeben von Messina 1908. Die
meteorologischen Messungen in Sachsen seit 1761 belegen, dass der Sommer 2003 ein extremes Ereignis
war. Zu einer warmen und sonnenscheinreichen Witterung kam auch noch eine beträchtliche Niederschlags-
armut hinzu. [43]
0
50
100
150
200
250
1991
1993
1995
1997
1999
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2005
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2009
2011
2013
2015
Zuckerrüben
Kartoffeln
Getreide*
1990 = 100
Ernteerträge ausgewählter Feldfrüchte in Sachsen 1991 bis 2015
* einschließlich Körnermais und Corn-Cob-Mix (CCM), ein meist in der Schweinemast eingesetztes Futter aus Teilen der Maiskolben
Datenquelle: Agrarstatistiken
30
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image
image
reichlich eine Milliarde Euro. Gerste wurde 2003 für einen
Betrag von 2,3 Milliarden Euro eingeführt, 2002 war es für
gut 700 Millionen Euro und 2004 für 1,8 Milliarden Euro.
Bei Roggen spielt der Außenhandel in diesen Jahren keine
Rolle.
Die Ernteerträge bei ausgewählten Obstarten machen
deutlich, dass sich Hitze und Dürre nicht bei allen Obst-
arten gleichermaßen auswirken müssen. Bei Kirschen z. B.
wirkte sich die Trockenheit nicht ertragsmindernd aus,
weil die Ernte bereits im Juni beginnt. Damit lag ein grö-
ßerer Teil der Trockenphasen des Jahres 2003 im Zeitraum
nach der Ernte.
Der Vergleich der Erträge bei Äpfeln und Birnen zeigt,
dass neben dem Wasserdargebot auch weitere Faktoren
eine Rolle spielen. Bei Birnen wirkte sich die Trockenheit
ertragsmindernd aus, bei Äpfeln dagegen nicht. Die gute
Apfelernte 2003 war auf eine entsprechende Fruchtent-
wicklung im Sommer zurückzuführen, was wiederum
durch die Befruchtung der Blüten im Frühjahr mög-
lich wurde. Für die Einfuhr einzelner Obstarten aus dem
Ausland stehen keine Angaben zur Verfügung. Frisch-
obst (ausgenommen Südfrüchte) insgesamt wurde 2003
jedoch im Wert von 48,3 Milliarden Euro nach Sachsen
eingeführt. Im Jahr davor lag der Betrag bei 42,7 Milliar-
den Euro und im Jahr danach bei 40,0 Milliarden Euro. Es
wird also deutlich, dass im Dürrejahr 2003 mehr Frisch-
obst importiert wurde, als in den Jahren davor und da-
nach. Die Abweichung lag bei plus 13 bis 20 Prozent.
Bei Frischgemüse (Gemüse und sonstige Küchengewäch-
se, frisch) zeigte sich eine ähnliche Entwicklung. 2003
wurden hier für 67,6 Milliarden Euro Waren eingeführt, im
Jahr davor für 58,3 Milliarden Euro und im Jahr danach
für 53,1 Milliarden Euro. Hier lag die Abweichung bei 16
bis 27 Prozent.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
1991
1993
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2015
Wintergerste
Winterweizen
Roggen
Erträge bei ausgewählten Wintergetreidearten in Sachsen 1991 bis 2015
dt/ha
0
50
100
150
200
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300
350
400
1991
1993
1995
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2009
2011
2013
2015
Erträge bei ausgewählten Obstarten in Sachsen 1991 bis 2015
dt/ha
Birnen
Äpfel
Sauerkirschen
Süßkirschen
Datenquelle: Agrarstatistiken
Erntegeschehen
Feld
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31

Die duale Ausbildung an Berufsschulen stellt nach wie
vor mit fast 50 Prozent aller Schüler an berufsbildenden
Schulen den quantitativ bedeutsamsten Bereich dar. Das
Schulberufssystem mit dem Ausbildungsschwerpunkt Ge-
sundheits- und Sozialberufe an Berufsfachschulen steht
mit 28 Prozent aller Schüler an zweiter Stelle. Am 31. De-
zember 2015 befanden sich rund 47 400 Auszubildende
im dualen System. Davon haben 18 300 Jugendliche ih-
Dem Beschluss von Bundesregierung und Spitzenverbänden der Wirtschaft am 16. Juni 2004 ging die Ver-
abschiedung eines Gesetzes über eine Ausbildungsplatzabgabe durch den Bundestag am 7. April 2004 und
die Ablehnung dieses Gesetzes im Bundesrat am 12. Juni 2004 voraus. Das gemeinsame Ziel von Regierung
und Wirtschaft war es, allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen ein Angebot auf
Ausbildung zu unterbreiten. [46] Die ausbildenden Betriebe trugen die Sach- und Personalkosten der Aus-
bildung, die Bundesagentur für Arbeit gewährte einen Zuschuss zum Unterhalt der Jugendlichen. Der Aus-
bildungspakt wurde im Februar 2005 mit der Kultusministerkonferenz ins Leben gerufen, galt zunächst bis
Ende 2006 und wurde bis 2014 mehrmals verlängert. Im Anschluss schlossen Bund, Länder, Industrie und
Gewerkschaften am 12. Dezember 2014 die Allianz für Aus- und Weiterbildung. Maßnahmen zum Abbau von
Engpässen im Fachkräftebereich, der Verbesserung der Qualität und Attraktivität der beruflichen Ausbil-
dung und Integration von Flüchtlingen durch Ausbildung und Arbeit wurden ergriffen. [47]
2004
Ausbildungspakt - „Nationaler Pakt für Ausbildung und Fach-
kräftenachwuchs“
0
20
40
60
80
100
120
1993
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
2013
2015
Tausend
Datenquelle: Berufsbildungsstatistik
Auszubildende in der dualen Ausbildung in Sachsen 1993 bis 2015
Eckdaten der dualen Ausbildung in Sachsen 1993, 2004 und 2012 bis 2015
Merkmal
1993
2004
2012
2013
2014
2015
Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge
30 665
31 455
18 516
17 846
18 227
18 322
Auszubildende
90 935
88 416
50 695
47 871
47 064
47 403
männlich
57 295
55 304
31 767
30 287
30 125
30 498
weiblich
33 640
33 112
18 928
17 584
16 939
16 905
Vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge
4 927
6 793
6 140
5 767
5 365
5 246
Teilnahmen an Abschlussprüfungen (ohne Externe)
33 659
36 476
20 926
17 700
16 276
15 187
darunter bestandene Abschlussprüfungen
27 719
29 944
17 980
15 382
14 197
13 240
Teilnahmen an Fortbildungs-/Meisterprüfungen
9 923
6 982
6 472
6 799
6 105
5 732
Datenquelle: Berufsbildungsstatistik
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ren Ausbildungsvertrag im Jahr 2015 neu abgeschlossen.
Mehr als 13 200 Auszubildende haben 2015 ihre Prüfung
erfolgreich absolviert. Gegenüber dem Jahr 1993 ging die
Zahl der Auszubildenden um 43 532 bzw.fast 48 Prozent,
die der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um
12 343 bzw. etwas über 40 Prozent und die der bestan-
denen Abschlussprüfungen um 14 479 bzw. 52 Prozent
zurück.
Frauen sind in der dualen Ausbildung unterrepräsentiert, da
sie häufiger Dienstleistungsberufe wie z. B. Staatlich aner-
kannte Erzieherin oder Altenpflegerin wählen, die im Schul-
berufssystem ausgebildet werden. Der Anteil von Frauen in
der dualen Berufsausbildung ging von 37 Prozent im Jahr
1993 auf 36 Prozent im Jahr 2015 leicht zurück.
Vom Rückgang der Zahl der Auszubildenden waren die
einzelnen Ausbildungsbereiche unterschiedlich betroffen.
Im Ausbildungsbereich Hauswirtschaft hat sich die Zahl
der Auszubildenden seit 1993 um fast 82 Prozent ver-
ringert, während im Bereich Landwirtschaft lediglich ein
Rückgang von etwas unter 5 Prozent zu verzeichnen war.
In den zahlenmäßig stärksten Bereichen Industrie und
Handel sowie Handwerk verringerte sich die Zahl der Aus-
zubildenden um ein bzw. zwei Drittel.
Den Auszubildenden stehen über 300 anerkannte Ausbil-
dungsberufe zur Auswahl. Favorit unter den Ausbildungs-
berufen war 2015 der Kraftfahrzeugmechatroniker. Von
den 47 403 Auszubildenden im Jahr 2015 entschieden sich
2 713 Jugendliche und somit fast 6 Prozent aller Auszubil-
denden für diesen Ausbildungsberuf. Die TOP 10 der am
häufigsten gewählten Ausbildungsberufe fallen bei Frauen
und Männern sehr unterschiedlich aus. Während bei den
Frauen die Berufe Kauffrau im Einzelhandel, Bürokauf-
frau und Verkäuferin dominierten, waren es bei den Män-
nern die Berufe Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker
und Mechatroniker. Etwas über 44 Prozent der weiblichen
Auszubildenden konzentrierten sich auf einen Beruf aus
der Liste der TOP 10. Bei den männlichen Auszubildenden
traf dies auf 42 Prozent zu.
0
900
1 800
2 700
Fachinformatiker
Konstruktionsmechaniker
Koch
Kaufmann im Einzelhandel
Fachkraft für Lagerlogistik
Industriemechaniker
Zerspanungsmechaniker
Mechatroniker
Elektroniker
Kraftfahrzeugmechatroniker
männlich
Datenquelle: Berufsbildungsstatistik
0
900
1 800
2 700
Sozialversicherungsfachangestellte
Verwaltungsfachangestellte
Hotelfachfrau
Medizinische Fachangestellte
Industriekauffrau
Zahnmedizinische Fachangestellte
Friseurin
Verkäuferin
Kauffrau für Büromanagement
Kauffrau im Einzelhandel
weiblich
Auszubildende in den 10 am stärksten besetzten Ausbildungsberufen in Sachsen 2015 nach Geschlecht
49,9
38,2
2,1
3,0
4,9
1,9
1993
90 935
Auszubildende in Sachsen 1993 und 2015 nach Ausbildungs-
bereichen
(in Prozent)
60,7
26,3
3,9
3,6
4,9
0,7
Industrie und Handel
Handwerk
Landwirtschaft
Öffentlicher Dienst
Freie Berufe
Hauswirtschaft
2015
47 403
Datenquelle: Berufsbildungsstatistik
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33

Am Jahresende 2005 lebten 559 693 Menschen in Sach-
sen in 328 745 Bedarfsgemeinschaften mit Bezug von
Leistungen
der
Grundsicherung
für
Arbeitsuchende
(SGB II-Leistungen). Am Jahresende 2006 war ihre An-
zahl bis auf 565 924 Personen angestiegen. Nach einem
stetigen Rückgang um insgesamt 33,7 Prozent wurden im
Dezember 2014 nur noch 375 064 Personen in 221 424
Bedarfsgemeinschaften nachgewiesen. 279 906 der Leis-
tungsberechtigten waren erwerbsfähige Personen im Alter
von 15 Jahren bis zur Regelaltersgrenze (2014: 65 Jahre
und 3 Monate). Sie bezogen diese Unterstützungsleistung
ergänzend oder als alleiniges Einkommen in Form von
Arbeitslosengeld II (ALG II). Nicht erwerbsfähige Mitglie-
der der Bedarfsgemeinschaften erhalten diese Leistung
als Sozialgeld. 91 767 (96,4 Prozent) davon waren unter
15-Jährige. Damit machten Kinder fast ein Viertel der ins-
gesamt vom SGB II betroffenen Personen aus.
Leistungen nach dem SGB II sind die am häufigsten ge-
währte Mindestsicherungsleistung. Diese sichern den
grundlegenden Lebensunterhalt von Personen, die durch
eigenes Einkommen und Vermögen, das ihrer nächsten
Angehörigen sowie durch andere Sozialleistungen dazu
nicht in der Lage sind. Die als Mindestsicherung zusam-
mengefassten Leistungen haben verschiedene gesetzliche
Grundlagen, die die jeweiligen Leistungsberechtigten und
weitere Anspruchsvoraussetzungen definieren. Sie unter-
scheiden sich vor allem durch ihren Empfängerkreis.
Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) erhalten Er-
werbsfähige bzw. mit ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft
Lebende. Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsmin-
derung (SGB XII) setzt das Erreichen der Regelaltersgren-
ze oder eine anerkannte volle Erwerbsminderung nach
§ 43 SGB VI voraus. Ohne diese Anerkennung haben
nicht erwerbsfähige Hilfebedürftige, die auch nicht mit
Erwerbsfähigen in einer Bedarfsgemeinschaft leben, An-
recht auf Leistungen der Hilfe zum Lebensunterhalt nach
SGB XII. Ausländer mit einer Aufenthaltsgestattung auf-
grund eines laufenden Asylverfahrens bzw. schon abge-
lehnte Asylbewerber, die sich aus unterschiedlichen Grün-
den (meist geduldet) noch tatsächlich im Bundesgebiet
aufhalten, beziehen zur Deckung ihres Lebensunterhaltes
Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz
Am 1. Januar 2005 trat das SGB II (Sozialgesetzbuch Zweites Buch – Grundsicherung für Arbeitsuchende)
im Ergebnis des 4. Teiles der Arbeitsmarktreform in Kraft. Das Konzept wurde von einer durch die Bundes-
regierung eingesetzten Kommission unter Leitung von Peter Hartz erarbeitet. Ziel war, die Eigenverantwor-
tung der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen zu stärken und Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes
nur dann zu erbringen, wenn die Hilfebedürftigkeit nicht anderweitig, vor allem durch Eingliederung in den
Arbeitsmarkt, beseitigt werden kann. Dazu wurden die Arbeitslosen- und Sozialhilfe für Erwerbstätige zu
einer Grundsicherung für Arbeitsuchende zusammengeführt. [48] Mit der sog. „Hartz IV-Reform“ hat sich
das gesamte Sozialleistungssystem in Deutschland grundlegend verändert. Leistungen nach dem SGB II sind
seitdem die wichtigsten den Lebensunterhalt sichernden Sozialleistungen in Deutschland.
2005
Hartz IV - Der vierte Teil der Arbeitsmarktreform tritt zu
Jahresbeginn in Kraft
0
100 000
200 000
300 000
400 000
500 000
600 000
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
Empfänger von Leistungen der sozialen Mindestsicherung in Sachsen im Dezember 2005 bis 2014
Anzahl
Sozialhilfe (SGB XII), AsylbLG,
Kriegsopferfürsorge
Sozialgeld
Arbeitslosengeld II
Mindestsicherungsleistungen
im Rahmen der/des
Grundsicherung für
Arbeitsuchende (SGB II), als
Datenquelle SGB II: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Daten vor Revision 04/2016
34
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(AsylbLG). Kriegsbeschädigte und deren Hinterbliebene,
aber auch andere Personen mit einem sozialen Entschä-
digungsrecht (z. B. Soldaten, Zivildienstleistende, Impf-
geschädigte, in der DDR politisch Verfolgte) haben einen
Anspruch auf Leistungen der Kriegsopferfürsorge.
Der Bezug von Mindestsicherungsleistungen ist sowohl in
den einzelnen Altersgruppen als auch regional sehr unter-
schiedlich ausgeprägt, was sich durch bevölkerungsbezo-
gene Quoten gut verdeutlichen lässt. Bei einer Gesamt-
quote von 10,6 Empfängern je 100 Einwohner in Sachsen
am Jahresende 2014 reichte die Quote von 8,6 im Erzge-
birgskreis bis 14,3 in der Stadt Leipzig. Fast drei Viertel der
Mindestsicherungsempfänger befanden sich im Alter von
15 bis unter 65 Jahren (dem sogenannten erwerbsfähigen
Alter) – ihre bevölkerungsbezogene Quote lag mit 12,6 je
100 Einwohner nur wenig höher als die Gesamtquote. Viel
öfter von Mindestsicherung betroffen sind Kinder - mit
19,2 von 100 unter 15-Jährigen war das zum Jahresende
2014 fast jedes fünfte Kind. Ältere Menschen mussten da-
gegen sehr selten auf entsprechende Leistungen zurück-
greifen (fast ausschließlich Grundsicherung im Alter) – am
Jahresende 2014 bezogen etwa 12 000 ab 65-Jährige
Mindestsicherungsleistungen – das waren nur 1,2 von
100 Einwohnern dieses Alters.
Ältere Menschen können zwar derzeit im Vergleich zu
jüngeren viel häufiger ihren Lebensunterhalt ohne Min-
destsicherungsleistungen bestreiten, dennoch ist seit
Neuordnung des Sozialleistungssystems 2005 der Anteil
der Leistungsbezieher in dieser Bevölkerungsgruppe bis
2014 auf das 1,3-fache angestiegen. Die Bevölkerung
im erwerbsfähigen Alter und Kinder waren im gleichen
Zeitraum in Sachsen immer seltener auf Mindestsiche-
rungsleistungen angewiesen. Seit 2006, dem Jahr mit der
höchsten Mindestsicherungsquote, ist diese für die Ge-
samtbevölkerung Sachsens auf dreiviertel ihres damaligen
Wertes gesunken.
Leistungsart
Anzahl
Anteil in
Prozent
Leistungen nach dem SGB II
1)
(Grundsicherung für Arbeitsuchende; "Hartz IV")
375 064
87,5
Arbeitslosengeld II
2)
279 906
65,3
Sozialgeld
2)
95 158
22,2
Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes
nach dem SGB XII (Sozialhilfe)
3)
36 468
8,5
Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderung (4. Kapitel SGB XII)
30 282
7,1
laufende Hilfe zum Lebensunterhalt
außerhalb
von Einrichtungen (3. Kapitel SGB XII)
6 186
1,4
Regelleistungen nach dem AsylbLG
(Asylbewerberleistungsgesetz)
16 549
3,9
Laufende Leistungen der Kriegsopferfürsorge
630
0,1
Insgesamt
428 711
100
1) Personen in Bedarfsgemeinschaften
2) Arbeitslosengeld II für erwerbsfähige, Sozialgeld für nicht erwerbsfähige Hilfebedürftige
3) Empfänger mit sächsischem Leistungsträger am 31. Dezember
Datenquelle SGB II: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Daten vor Revision 04/2016
Empfänger von Leistungen der sozialen Mindestsicherung
in Sachsen im Dezember 2014 nach Leistungsarten
unter 15 15 - 65 65 und mehr
SGB II
375 064 91 767 282 759
538
SGB XII
36 468
1 158
24 014
11 296
AsylbLG
16 549
3 760
12 715
74
Kriegsopfer-
fürsorge*
630
·
·
·
Insgesamt
428 711 96 685 319 488
11 908
je 100 Einwohner
10,6
19,2
12,6
1,2
Empfänger 2005
593 971 117 111 465 834
8 752
je 100 Einwohner
13,9
26,8
16,2
0,9
* keine Erfassung nach Alter
Datenquelle SGB II: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Daten vor Revision 04/2016
Mindestsicherungsempfänger und -quoten in Sachsen
im Dezember 2014 und 2005 nach Altersgruppen
Leistungsart
Insgesamt
Alter
(von … bis unter … Jahren)
60
70
80
90
100
110
120
130
140
2005
2008
2011
2014
Messzahl
Mindestsicherungsquoten einzelner Altersgruppen
in Sachsen im Vergleich zu 2005
65 und mehr
15 - 65
unter 15
Insgesamt
Alter von ... bis
unter ... Jahren
Datenquelle SGB II: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Daten vor
Revision 04/2016
Copyright Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen | EREIGNISSE ZÄHLEN |
35
0
5
10
15
20
25
30
Insgesamt unter 15
15 - 65
65 und
mehr
Mindestsicherungsquoten in Sachsen 2005 und 2014
nach Altersgruppen
2005
2014
65 und mehr
Alter von … bis unter … Jahren
je 100 Einwohner
Datenquelle SGB II: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Daten vor
Revision 04/2016

In Sachsen wurde im Schuljahr 2015/16 an 1 483 allge-
meinbildenden Schulen unterrichtet. Die Gesamtschüler-
zahl hatte sich nach einem Rückgang bis zum Schuljahr
2009/10 wieder erhöht und betrug 351 700 im Schuljahr
2015/16. Gegenüber 1992 ging damit die Schülerzahl
um 268 800 bzw. etwas über 43 Prozent zurück. 34 903
Kinder wurden 2015 neu eingeschult. Gegenüber 1993
hat sich die Zahl der Schulanfänger um 23 013 bzw. fast
40 Prozent verringert. Die wenigsten Einschulungen wur-
den im Jahr 2001 mit 23 587 erfasst. Seitdem steigt die
Anzahl wieder. Der überwiegende Teil der schulpflichtigen
Kinder begann im Schuljahr 2015/16 seine Schullaufbahn
an einer Grundschule, knapp 4 Prozent an einer der all-
gemeinbildenden Förderschulen und 0,6 Prozent an einer
Freien Waldorfschule.
Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Anweisungen zur Orthografie in Schulen. Ab 1. Januar 1903
galt für die Behörden, ab 1. April 1903 an den Schulen die Orthografie nach Konrad Duden. Der „Duden“
wurde regelmäßig weiterentwickelt, was nach dem 2. Weltkrieg zu einem „Ost-“ und einem „Westduden“
führte. In den 1980er Jahren erfolgte die Koordinierung der Arbeit an der deutschen Orthografie der einzel-
nen deutschsprachigen Länder durch die Gründung eines internationalen Arbeitskreises. Dieser leitete 1994
einen Vorschlag zur Neuregelung der Orthografie der deutschen Sprache an die politischen Entscheidungs-
instanzen weiter. Die Kultusministerkonferenz beschloss für Deutschland die Einführung der neuen Recht-
schreibung ab dem 1. August 1998. In der Folgezeit kam es zu massiver Kritik an der Reform und zur Umkehr
einzelner Bundesländer und Verlage zur früheren Rechtschreibung. Am 2. März 2006 wurde einer reformier-
ten Rechtschreibreform zugestimmt und am 1. August 2006 verbindlich in den Schulen eingeführt. [49]
2006
Neue Rechtschreibung gilt ab 1. August 2006 verbindlich für
alle Schulen in der Bundesrepublik Deutschland
Schüler an allgemeinbildenden Schulen in Sachsen in den Schuljahren 1992/1993 bis 2015/2016
0
100
200
300
400
500
600
700
1992/1993
1995/1996
1998/1999
2001/2002
2004/2005
2007/2008
2010/2011
2013/2014
Datenquelle: Sächsische Schulstatistik
Tausend
0
10
20
30
40
50
60
70
1993
1999
2005
2011
Schulanfänger
Absolventen/
Abgänger
Datenquelle: Sächsische Schulstatistik
Absolventen/Abgänger und Schulanfänger in Sachsen in den
Schuljahren 1993 bis 2015
Tausend
2015
36
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Schülerinnen und Schüler mit über das normale Maß
hinausgehenden Schwierigkeiten können durch zielge-
richtete pädagogische und therapeutische Maßnah-
men zeitweilig für zwei Jahre überwiegend in Klas-
senstufe 3 in den dafür eingerichteten Lese- und
Rechtschreibklassen
(LRS-Klassen)
gefördert
werden.
Im Schuljahr 2015/16 besuchten 2 343 Schüler LRS-
Klassen an sächsischen Grundschulen, wobei zwei Drittel
Jungen waren. In den letzten 15 Jahren lag der Anteil der
Schüler in LRS-Klassen an allen Grundschülern bei rund
2 Prozent.
27 972 Schulentlassene verließen im Jahr 2015 die allge-
meinbildenden Schulen im Freistaat Sachsen. Das waren
1 085 mehr als im Vorjahr, aber 20 995 bzw. fast 43 Pro-
zent weniger als im Jahr 1993. Von 1998 bis 2008 überstieg
die Zahl der Schulentlassenen die der Schulanfänger. 2009
gab es erstmals wieder mehr Abc-Schützen als Schulab-
gänger. In den letzten Jahren veränderte sich nicht nur
die Anzahl der Absolventen und Abgänger, sondern auch
die Struktur bezüglich der erreichten Abschlüsse. Am Ende
des Schuljahres 2014/15 verließ etwas mehr als die Hälfte
(51 Prozent bzw. 14 131) aller Absolventen und Abgänger
die Schule mit einem Realschulabschluss. 32 Prozent bzw.
9 063 erhielten die allgemeine Hochschulreife, 9 Prozent
schlossen die allgemeinbildende Schule mit einem Haupt-
schulabschluss (2 424) ab und 8 Prozent gingen ohne
Hauptschulabschluss von der Schule.
28 754 Lehrpersonen waren an den allgemeinbildenden
Schulen im Schuljahr 2015/16 voll- bzw. teilzeitbeschäftigt.
Das waren 30 Prozent weniger als im Schuljahr 1992/93
(41 182). Vom Lehrerrückgang in den letzten Schuljahren
waren fast alle Schularten betroffen, am stärksten die
Mittel-/Oberschulen mit einem Rückgang um 43 Prozent.
Knapp 62 Prozent der Lehrer an allgemeinbildenden Schu-
len waren im Schuljahr 2015/16 vollzeitbeschäftigt.
Im Schuljahr 2015/16 betrug das Durchschnittsalter der
Lehrpersonen an den allgemeinbildenden Schulen in
Sachsen 49,7 Jahre. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) aller
Lehrer im Schuljahr 2015/16 war 55 Jahre und älter. Auf
eine Lehrperson an allgemeinbildenden Schulen entfielen
im Schuljahr 2014/15 rechnerisch 13,2 Schüler. Damit lag
Sachsen knapp unter dem Bundesdurchschnitt und an
10. Stelle im Vergleich aller Bundesländer (Platz 1 Schles-
wig-Holstein 14,8). [50]
Absolventen/Abgänger in Sachsen nach Abschlussarten in ausgewählten Schuljahren
absolut
Prozent
absolut
Prozent
absolut
Prozent
absolut
Prozent
1993
48 967
6 139
12,5
4 427
9,0
27 590
56,3
10 811
22,1
1994
52 128
5 370
10,3
6 042
11,6
29 787
57,1
10 929
21,0
1995
58 381
6 286
10,8
6 897
11,8
30 293
51,9
14 905
25,5
2006
49 330
4 316
8,7
5 506
11,2
25 715
52,1
13 793
28,0
2007
43 268
3 744
8,7
4 239
9,8
21 788
50,4
13 497
31,2
2008
35 771
3 134
8,8
3 078
8,6
15 977
44,7
13 582
38,0
2009
30 259
2 690
8,9
2 547
8,4
13 274
43,9
11 748
38,8
2010
23 310
2 341
10,0
2 248
9,6
11 805
50,6
6 916
29,7
2011
21 816
2 259
10,4
2 340
10,7
10 847
49,7
6 370
29,2
2012
22 679
2 288
10,1
2 347
10,3
11 585
51,1
6 459
28,5
2013
25 106
2 599
10,4
2 543
10,1
12 885
51,3
7 079
28,2
2014
26 887
2 348
8,7
2 676
10,0
13 954
51,9
7 909
29,4
2015
27 972
2 354
8,4
2 424
8,7
14 131
50,5
9 063
32,4
ohne
Haupt-
schulabschluss
Hauptschulabschluss
Realschulabschluss
allgemeine
Hochschulreife
Jahr
Gesamt
Abschlussart
Datenquelle: Sächsische Schulstatistik
0
20
40
60
80
100
1992/93 2006/07 2013/14 2014/15 2015/16
60 und mehr
50 - 60
40 - 50
30 - 40
unter 30
Voll- bzw. teilzeitbeschäftigte Lehrpersonen Sachsens
nach Altersgruppen
Prozent
Im Alter von ... bis
unter ... Jahren
Datenquelle: Sächsische Schulstatistik
Grundschulen
16,6
16,3
Mittel-/Oberschulen
12,7
x
Gymnasien
Sekundarbereich I
14,5
15,0
Sekundarbereich II
11,2
12,3
Insgesamt
13,2
13,5
Schüler-Lehrer-Relation 2014/15
Schulart/ Bildungsbereich
Sachsen
Deutschland
Datenquelle: Kultusministerkonferenz, Dokumentation Nr. 209 - Dezember 2015
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37

image
Die extrem starken Stürme führten zu Zerstörungen aller
Art, umgestürzte und abgebrochene Bäume, abgedeck-
te Dächer, zerstörte Häuser und Oberleitungen. Dort, wo
es stark geregnet hatte, führte Hochwasser zu weiteren
Zerstörungen. Aber auch, wo es relativ trocken geblieben
war, wie im Westerzgebirge, gab es beträchtliche Sturm-
schäden. Am stärksten waren die Sturmschäden dort, wo
der Boden auch noch durch den Regen stark aufgeweicht
war. [53] Die Sturmschäden in den Wäldern hatten Ein-
fluss auf den Holzeinschlag in Sachsen. 2007 wurde mit
1,7 Millionen Kubikmetern der höchste Holzeinschlag in
Sachsen registriert. Darunter waren allein knapp 1,3 Milli-
onen Kubikmeter Schadholzeinschlag und lediglich knapp
450 Millionen Kubikmeter planmäßiger Holzeinschlag. Die
Kapazitäten an Personal und Forsttechnik mussten vor-
rangig auf die Beseitigung des Windbruches konzentriert
werden. Zum einen stellten die umgestürzten Bäume Hin-
dernisse dar bzw. bestand an vielen Stellen die Gefahr he-
rabstürzender Baumteile, zum anderen drohte die Gefahr
des Befalls mit Borkenkäfern.
Im Jahr 2008 war der Holzeinschlag insgesamt mit ledig-
lich 960 Millionen Kubikmetern sehr niedrig, der Anteil
des Schadholzes war mit reichlich einem Viertel aber noch
relativ hoch.
Er galt als schwerster Orkan seit Jahrzehnten. Das Orkantief „Kyrill“ entwickelte sich am 16. Januar 2007 vor
der nordamerikanischen Ostküste. Durch den Jetstream, eine von West nach Ost verlaufende globale Höhen-
strömung, verlagerte sich das Tief sehr schnell nach Europa, wobei es sich weiter verstärkte. Am Morgen des
18. Januar wuchs das Tief „Kyrill“ über Großbritannien zum Sturmwirbel heran. Der gewaltige Luftdruckun-
terschied zwischen dem Kern des Tiefs und den das Tief umgebenden Luftmassen führten zur Ausbildung
eines Orkanfeldes. [51] Ab 14 Uhr gab es in Sachsen die ersten orkanartigen Böen im Tiefland. Gegen Abend
wurden im Bergland Orkanböen von 140 bis 180 km/h gemessen, in den Gipfellagen des Erzgebirges sogar
noch darüber (Fichtelberg 184 km/h). Neben Starkregen und Hagel gab es auch Tornados. Am Abend des
18. Januar stellte die Bundesbahn den gesamten Zugverkehr in Deutschland ein. [52]
2007
Orkantief „Kyrill“ rast im Januar über Europa und hinterlässt
auch in Sachsen schwere Schäden
0
200
400
600
800
1 000
1 200
1 400
1 600
1 800
2 000
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Schadholzeinschlag
Planmäßiger
Holzeinschlag
Holzeinschlag in Sachsen 2001 bis 2015
1 000 Kubikmeter
Datenquelle: Agrarstatistiken
Sturmschäden am 20. Januar 2007
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image
Dass sich im Windbruch offensichtlich Insekten, in ers-
ter Linie Borkenkäfer, ausgebreitet haben mussten, zeigt
die Abbildung oben. 2008 entfielen knapp zwei Drittel des
Schadholzeinschlages auf Wind und Sturm und reichlich
ein Drittel auf Insekten. Mit rund 95 000 Kubikmetern war
der Schadholzeinschlag infolge Insektenbefalls 2008 im
Untersuchungszeitraum auch am höchsten.
Nimmt man das letzte Jahr (2015) als ein durchschnittli-
ches Holzeinschlagsjahr, dann zeigen die Kreisdiagramme
die Abweichungen in der Struktur des Holzeinschlages
für das Jahr 2007. Während im Allgemeinen die Menge
des planmäßig eingeschlagenen Holzes dominiert, entfiel
auf das Schadholz aus dem Windbruch 2007 der weitaus
größte Teil.
Nachdem sich der Holzeinschlag in den Jahren nach 2008
wieder langsam erhöht hat, lässt sich am aktuellen Rand
beobachten, dass sich die Menge des eingeschlagenen
Holzes für Sachsen auf einem vergleichsweise hohen
Niveau stabilisiert hat.
Das in Sachsen geschlagene Holz wird für unterschiedli-
che Zwecke verwendet, hauptsächlich für die industrielle
Weiterverarbeitung, als Bauholz und Brennholz sowie für
den Export (Schnittholz, Rundholz). Zur Weiterverarbei-
tung gelangt natürlich auch importiertes Holz.
Die Ausfuhr von Holz erreichte 2007 mit rund 270 000 Ton-
nen einen ersten Höchstwert, davon 244 000 Tonnen
Schnittholz und 26 000 Tonnen Rundholz. Die Einfuhr
bewegte sich mit 276 000 Tonnen auf einem ähnlichen
Niveau, davon allerdings 218 000 Tonnen Rundholz und
nur 58 000 Tonnen Schnittholz.
0
200
400
600
800
1 000
1 200
1 400
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
Insekten,
sonstige Ursachen
Schnee, Duft*
Wind, Sturm
Schadholzeinschlag in Sachsen 2001 bis 2015 nach Schadensursachen
1 000 Kubikmeter
* Unter der Einschlagsursache „Duft“ versteht man die auf Bäumen niedergeschlagene Feuchtigkeit in Windrichtung.
Datenquelle: Agrarstatistiken
445 992
1 245 286
25 053
2007
Holzeinschlag in Sachsen 2007 und 2015
(in Kubikmetern)
1 716 331
Kubikmeter
1 290 020
76 192
27 449
Planmäßiger
Holzeinschlag
Wind, Sturm
Andere
Einschlags-
ursachen
1 393 661
Kubikmeter
2015
Datenquelle: Agrarstatistiken
Abtransport von Holz am 30. April 2007
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Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der sächsischen Bevöl-
kerung ab 15 Jahre bezeichneten sich 2013 als Nichtrau-
cher (bezogen auf Personen mit Angaben zum Rauchver-
halten). Weniger als ein Fünftel (19 Prozent) stuften sich
als regelmäßige Raucher ein, 4 Prozent rauchten nur
gelegentlich. Dabei gab es einen deutlichen Unterschied
zwischen den Geschlechtern: 29 Prozent der Männer und
nur 17 Prozent der Frauen gaben an, regelmäßig oder ge-
legentlich zu rauchen.
Am stärksten verbreitet war das Rauchen bei den 25- bis
unter 35-Jährigen. Von ihnen griffen 45 Prozent der Män-
ner und 32 Prozent der Frauen zu Zigaretten oder ande-
ren Tabakwaren. Allerdings hatten bereits in diesem Alter
13 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen diese
Gewohnheit wieder aufgegeben. Bei beiden Geschlechtern
sank auch danach mit zunehmendem Alter der Anteil der
Raucher, wofür es jedoch unterschiedliche Ursachen gab.
Die Mehrzahl der Frauen ab 35 Jahre hatte nie mit dem
Rauchen begonnen, in der Altersgruppe ab 65 Jahre galt
dies sogar für 90 Prozent. Männer konnten das deutlich
seltener von sich sagen. Zwar waren auch hier bei den ab
65-Jährigen die früheren oder gegenwärtigen Raucher
leicht in der Minderheit (47 Prozent), von den 35- bis un-
ter 65-jährigen Männern hatten jedoch nur zwischen 42
und 44 Prozent nie geraucht. Bei den älteren Jahrgängen
war der Anteil der ehemaligen Raucher wesentlich höher:
unter den 35- bis unter 45-jährigen Männern betrug er
17 Prozent, in der Altersgruppe ab 65 Jahre sogar 37 Pro-
zent.
Jüngere Männer und Frauen begannen nicht nur häu-
figer das Rauchen, als es in früheren Generationen der
Fall war, sondern auch in einem jüngeren Alter. Wer nach
dem 65. Lebensjahr rauchte, hatte mit durchschnittlich
21,4 Jahren erstmals zu Tabakwaren gegriffen. Die 25- bis
unter 35-jährigen Raucher waren beim Einstieg 4,5 Jahre
jünger gewesen. Wie schon beim Raucheranteil zeigten
Diesen Satz haben einige sicherlich schon gehört oder gar selbst gesagt: „Ab dem neuen Jahr höre ich auf
zu rauchen“. Dass das persönliche Verhalten von Rauchern Auswirkungen auf ihr Umfeld hat, ist unbe-
stritten. Es ist daher gesundheitspolitisches Anliegen, den Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens zu
verbessern. Freiwillige Regelungen zur Sicherstellung des Nichtraucherschutzes sind jedoch im öffentlichen
Raum nicht ausreichend. Daher haben in den Jahren 2007 und 2008 sämtliche Bundesländer Nichtraucher-
schutzgesetze erlassen. Seit 1. Juli 2008 gilt ein bundesweit flächendeckender Nichtraucherschutz. Das
Sächsische Nichtrauchergesetz trat bereits am 1. Februar 2008 in Kraft. Damit ist grundsätzlich das Rau-
chen in öffentlichen bzw. öffentlich zugänglichen Gebäuden untersagt. In Gaststätten ist das Rauchen nur
dann erlaubt, wenn besonders gekennzeichnete, abgetrennte Räume existieren. [54] Das Rauchen belastet
nicht nur die Gesundheit und das Umfeld, sondern auch die private Haushaltkasse. Hierbei erhöhten sich die
Preise in den letzten Jahren stark.
2008
Sächsisches Nichtraucherschutzgesetz tritt in Kraft
15
-
25
25
-
35
35
-
45
45
-
55
55
-
65
65
und
mehr
Männlich
17,9
16,5
17,0
17,9
18,2
18,6
19,7
Weiblich
18,9
16,3
16,8
18,3
19,5
21,2
25,4
Insgesamt
18,3
16,4
16,9
18,1
18,7
19,5
21,4
Datenquelle: Mikrozensus
Durchschnittliches Alter bei Rauchbeginn der Raucher in
Sachsen 2013 nach Altersgruppen und Geschlecht
Geschlecht
Insge-
samt
Alter von … bis unter … Jahren
0
20
40
60
80
100
Prozent
noch nie
geraucht
ehemalige
Raucher
gegenwärtig
Raucher
15 - 25
25 - 35
35 - 45
45 - 55
55 - 65
65 und
mehr
Bevölkerung in Sachsen 2013 nach gegenwärtigem und
ehemaligem Rauchverhalten, Altersgruppen und Geschlecht
Alter von … bis unter … Jahren
weiblich
männlich
Datenquelle: Mikrozensus
40
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sich auch beim Rauchbeginn der Frauen stärkere Verände-
rungen zwischen den Altersgruppen.
Das Einstiegsalter der Raucherinnen ab 65 Jahre hatte
bei 25,4 Jahren gelegen und damit um fast 6 Jahre über
dem der Männer. Bei 25- bis unter 35-jährigen Raucherin-
nen betrug das durchschnittliche Einstiegsalter nur noch
16,8 Jahre. Sie hatten damit sogar etwas früher zu Tabak-
waren gegriffen als die gleichaltrigen männlichen Raucher.
Bei den unter 25-Jährigen lag das Alter der Frauen beim
Rauchbeginn ebenfalls unter dem der Männer. Jugendli-
che in dieser Altersgruppe hatten im Durchschnitt weni-
ge Monate nach dem 16. Geburtstag mit dem Rauchen
begonnen – seit 2007 verbietet das Jugendschutzgesetz
die Abgabe von Tabakprodukten an Minderjährige. In den
letzten Jahren ist der Anteil der Raucher in Sachsen rück-
läufig. Dazu beigetragen haben vor allem die Männer. Der
Anteil der Raucherinnen unter den Frauen war hingegen
zunächst sogar gestiegen und blieb trotz Rückgangs auch
im Jahr 2013 höher als 1999. Besonders deutlich zeigt
sich diese Entwicklung bei den 15- bis unter 25-Jährigen.
Der Tabakkonsum der jungen Männer ließ in den letzten
10 Jahren deutlich nach und lag 2013 nur wenig über dem
Durchschnitt aller Männer in Sachsen. Der Raucheranteil
unter den jungen Frauen war nach 2005 zwar ebenfalls
rückläufig, lag jedoch um fast 10 Prozentpunkte höher als
der Durchschnittswert aller sächsischen Frauen.
Die meisten Raucher in Sachsen entschieden sich für die
Zigarette (einschl. selbst gedreht), die mit 97 Prozent den
Tabakkonsum dominierte. Regelmäßige Zigarettenraucher
griffen 2013 täglich überwiegend 5 bis 20 Mal zur Ziga-
rette (85 Prozent). Lediglich 9 Prozent rauchten weniger
als 5 Zigaretten pro Tag, 6 Prozent rauchten mehr als
20 Stück. Nicht nur der Anteil der Raucher insgesamt hat
sich in den letzten Jahren verringert, sondern auch deren
Zigarettenverbrauch. Im Jahr 2005 hatten 8 Prozent we-
niger als 5 Zigaretten geraucht, während der Anteil derer,
die mehr als 20 Zigaretten rauchten, um die Hälfte höher
war (9 Prozent) als 2013.
Neben dem Gedanken an die eigene Gesundheit und neu-
en Regelungen zum Nichtraucherschutz könnte auch der
Blick ins Portemonnaie zum Rückgang des Rauchens bei-
getragen haben. Die Preise für Tabakwaren haben sich in
Sachsen gegenüber 2000 mehr als verdoppelt. Mehrere
Erhöhungen der Tabaksteuer in diesem Zeitraum haben
daran einen wesentlichen Anteil. Besonders stark war der
Preisanstieg für Tabakfeinschnitt.
Im Budget des sächsischen Durchschnittshaushalts schlu-
gen 2013 Tabakwaren mit 15,85 Euro pro Monat zu Buche.
Zigaretten machten darunter mit 13,05 Euro den größten
Betrag aus. Da jedoch nur in rund 30 Prozent der sächsi-
schen Haushalte tatsächlich geraucht wurde, beliefen sich
deren Ausgaben für Tabakwaren auf monatlich mehr als
50 Euro. Rückblickend auf das Jahr 1998 betrugen die mo-
natlichen Ausgaben der Privathaushalte für Tabakwaren
im Freistaat noch 7,80 Euro, darunter 7,68 Euro für Ziga-
retten. Obwohl seitdem weniger geraucht wurde, haben
sich die Ausgaben für Tabakwaren damit nahezu verdop-
pelt. Der Ausgabenanteil für Zigaretten war dabei rück-
läufig. Die Gründe für diese Entwicklungen sind aus den
vorliegenden Statistikdaten nicht eindeutig nachweisbar.
Sowohl verändertes Kauf- und Konsumverhalten als auch
die Preisentwicklung können hierfür ausschlaggebend
sein.
Jahr
Insgesamt
Männlich
Weiblich
1999
24,5
33,6
16,2
2003
24,9
32,9
17,6
2005
24,5
31,7
17,7
2009
23,8
30,9
17,2
2013
22,7
29,3
16,6
1999
31,5
37,9
24,6
2003
37,0
43,2
30,2
2005
36,4
40,7
31,6
2009
34,4
38,1
30,4
2013
28,6
30,9
26,1
Datenquelle: Mikrozensus
Anteil der Raucher 1999, 2003, 2005, 2009 und 2013 in
Sachsen nach Geschlecht
(in Prozent)
Insgesamt
Darunter
im Alter von 15 bis unter 25 Jahren
40
50
60
70
80
90
100
110
120
130
140
2000
2005
2010
2015
Entwicklung des Verbraucherpreisindex für Zigaretten,
Zigarren/Zigarillos und Tabakfeinschnitt 2000 bis 2015
2010 = 100
Tabakfeinschnitt
Zigarren/Zigarillos
Zigaretten
Datenquelle: Verbraucherpreisstatistik
0
5
10
15
20
Tabakwaren
darunter
Zigaretten
1998
2003
2008
2013
Durchschnittliche Aufwendungen für Tabakwaren 1998,
2003, 2008 und 2013 in Sachsen
Datenquelle: Einkommens-und Verbrauchsstichprobe
je Haushalt und Monat in Euro
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41

2015 gab es in Sachsen ein Wirtschaftswachstum von
1,5 Prozent, d. h. das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt
(BIP) und damit die Summe der in Sachsen produzierten
Waren und Dienstleistungen stieg um 1,5 Prozent gegen-
über dem Jahr 2014 an. Das BIP betrug aktuell in jeweiligen
Preisen knapp 113 Milliarden Euro - 3,7 Prozent mehr als im
Vorjahr – und wurde in rund 2,9 Milliarden Arbeitsstunden
von 2,02 Millionen Erwerbstätigen mit einem Arbeitsplatz
im Freistaat erzielt. Aktuell erreichte der Freistaat Sachsen
ein Wirtschaftswachstum, das nah an das reale Resultat
für Deutschland herankam und dem der fünf neuen Länder
entsprach. Im Vergleich zum Jahr 1991 zeigt sich, dass sich
das BIP in Sachsen in diesen fast 25 Jahren in jeweiligen
Preisen mehr als verdreifacht hat. Mit Ausnahme der Jahre
1997, 2005 und 2009 gab es im Vergleich zum Vorjahr kei-
ne Verringerung des realen BIP. Im Jahr 2010 konnte nach
der unterstützenden Wirkung des Konjunkturpaketes II be-
reits wieder ein Wirtschaftswachstum um 3,1 Prozent fest-
gestellt werden und seit dem Jahr 2010 wurde aktuell ein
realer Zuwachs des BIP um 8,5 Prozent ermittelt.
Das preisbereinigte Ergebnis in Sachsen wurde 2015 durch
überdurchschnittliche Impulse aus dem Dienstleistungs-
sektor und hier insbesondere aus dem Bereich Handel,
Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation
bestimmt. Innerhalb des real nur verhalten wachsenden
Produzierenden Gewerbes stand dem Zuwachs der Brut-
towertschöpfung (BWS) im Verarbeitenden Gewerbe um
1,5 Prozent ein Rückgang der BWS im Baugewerbe um
1,9 Prozent gegenüber.
Aktuell wurden 68 Prozent der gesamten BWS in den
Dienstleistungsbereichen erwirtschaftet. Hier gab es seit
1991 (Anteil rund 62 Prozent) einen deutlichen Struk-
turwandel, der sich im Anstieg dieses Anteils zeigt. Im
Produzierenden Gewerbe wurden im Jahr 2015 reichlich
31 Prozent der gesamten BWS erbracht. 1991 hatte das
Produzierende Gewerbe mit knapp 37 Prozent Anteil an der
BWS noch ein höheres Gewicht. Die Land- und Fortwirt-
schaft, Fischerei hatte einen Anteil von rund einem Prozent
an der BWS. Pro Arbeitsstunde wurde aktuell ein BIP in
jeweiligen Preisen von 39,14 Euro erwirtschaftet. Das Pro-
Kopf-BIP je Erwerbstätigen 2015 betrug 55 891 Euro.
Im Jahr 2015 hatten 2,02 Millionen Erwerbstätige ihren Ar-
beitsplatz im Freistaat Sachsen, das waren rund 4 500 Per-
sonen bzw. 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr. 2014 wurde
der bislang höchste Stand bei der Zahl der Erwerbstäti-
gen am Arbeitsort nach dem Jahr 1991 festgestellt. Der
bisher niedrigste Stand bei der Erwerbstätigkeit war im
Um die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise abzumildern und die Rezession zu überwinden, trat
2009 das Konjunkturpaket II in Deutschland in Kraft. Neben der Beschäftigungssicherung z. B. durch ver-
stärkte Kurzarbeit wurde damit ein Investitionsprogramm mit dem Schwerpunkt der öffentlichen Infrastruktur
ins Leben gerufen. Im Ergebnis der Maßnahmen gab es im Freistaat Sachsen zwar einen Rückgang des realen
Bruttoinlandsprodukts 2009, aber bereits 2010 wurde wieder ein deutliches Wachstum erreicht. Die Zahl der
Erwerbstätigen in Sachsen verringerte sich 2009 nur geringfügig. Im Gegensatz dazu nahm 2009 die Zahl der
von den Erwerbstätigen geleisteten Arbeitsstunden deutlich ab. Im Rahmen des Konjunkturpaketes II wurde
außerdem die Umweltprämie zur Verschrottung von Kfz gezahlt, die eine staatliche Prämie aus dem Sonder-
vermögen des Bundes war. Sie konnte maximal 2 500 Euro betragen und wurde gewährt, wenn ein altes Kfz
verschrottet und ein Neu- oder Jahreswagen zugelassen wurde. [55] Die im Volksmund schnell gebräuchlich
gewordene Bezeichnung „Abwrackprämie“ wurde 2009 auch zum „Wort des Jahres“ gewählt. [56]
2009
Im März 2009 treten das Konjunkturpaket II und die sog.
„Abwrackprämie“ in Kraft
Erwerbstätige, Arbeitsvolumen und Bruttoinlandsprodukt
(BIP, preisbereinigt, Kettenindex) in Sachsen 1991 bis 2015*
2010 = 100
* Berechnungsstand: bis 2014 - August 2015; Jahr 2015 - Februar 2016
Datenquelle: VGR des Bundes
40
60
80
100
120
140
1991
1995
2000
2005
2010
2015
BIP
BIP je Erwerbstätigenstunde
Arbeitnehmer
Erwerbstätige
BIP je Erwerbstätigen
Arbeitsvolumen
Messzahl
42
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Jahresdurchschnitt 1993 zu verzeichnen. Aktuell wird die
Entwicklung in Sachsen von einem Anstieg der Zahl der
Arbeitnehmer ohne marginal Beschäftigte um 1,4 Prozent
geprägt. Diesem Anstieg stand ein Rückgang bei den mar-
ginal Beschäftigten (dazu gehören geringfügig entlohnte
Beschäftigte, kurzfristig Beschäftigte und Beschäftigte in
Arbeitsgelegenheiten, sog. „Ein-Euro-Jobs“) um 9,1 Prozent
gegenüber. Diese Personengruppe repräsentierte zuletzt
rund neun Prozent aller Erwerbstätigen.
Die Entwicklung 2015 zeigt ein Plus bei den Erwerbstätigen
im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und
Kommunikation, dass aber innerhalb der Dienstleistungs-
bereiche durch Rückgänge an anderer Stelle ausgeglichen
wird. Innerhalb des Produzierenden Gewerbes stand dem
Zuwachs an Arbeitsplätzen im Verarbeitenden Gewerbe um
0,5 Prozent ein Rückgang im Baugewerbe um 2,6 Prozent
gegenüber.
Gegenwärtig sind knapp 72 Prozent aller Erwerbstätigen
in den Dienstleistungsbereichen beschäftigt. Auch bei den
Erwerbstätigen stellt man einen deutlichen Strukturwandel
seit 1991 (Anteil rund 55 Prozent) hin zu einem höheren
Gewicht der Dienstleistungsbereiche fest. Im Produzieren-
den Gewerbe hatten 2015 rund 27 Prozent aller Erwerbs-
tätigen ihren Arbeitsplatz, 1991 waren es noch reichlich
42 Prozent.
Im Jahr 2015 betrug das durchschnittliche Arbeitspensum
eines Erwerbstätigen in Sachsen 1 428 Stunden und war
damit sechs Stunden bzw. 0,5 Prozent höher als im Vorjahr.
Im Vergleich zum Jahr 2000 reduzierte sich die Pro-Kopf-
Arbeitszeit um 7,9 Prozent bzw. 123 Stunden je Person.
Das Baugewerbe ist aktuell mit 1 650 Stunden die Bran-
che mit der längsten Pro-Kopf-Arbeitszeit in Sachsen. Im
Gegensatz dazu fiel die durchschnittliche Arbeitszeit im
Bereich Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung
und Gesundheit mit 1 367 Stunden am niedrigsten aus. Die
Pro-Kopf-Arbeitszeit in Sachsen lag 2015 um 57 Stunden
über der durchschnittlichen Arbeitszeit je Erwerbstätigen
in Deutschland. Die momentane Entwicklung resultiert aus
der deutlichen Abnahme der marginalen Beschäftigung
und der Tatsache, dass es 2015 drei Arbeitstage mehr gab
als im Vorjahr. Bei der langfristigen Betrachtung ist die Zu-
nahme der Teilzeitbeschäftigung die Hauptursache für das
geringer gewordene Arbeitsvolumen. Im Jahr 2009 konnte
durch die Wirkung des Konjunkturpaketes II ein massiver
Abbau von Erwerbstätigen vermieden werden. Beim Ar-
beitsvolumen, dass im Jahr 2009 um 3,4 Prozent zurück-
ging, wurden die Auswirkungen der vermehrten Kurzarbeit
bzw. des Abbaus von Arbeitszeitguthaben deutlich.
Die Umweltprämie als Bestandteil des Konjunkturpaketes II
sollte die Nachfrage nach Kfz fördern und der in Folge der
Finanzkrise geschwächten Automobilindustrie helfen. Dies
konnte in Sachsen nicht erreicht werden.
Bis Mitte der 90er stieg der Pkw-Bestand zunächst stark,
danach kontinuierlich an. Der Bruch in der Zeitreihe zwi-
schen 2007 und 2008 in der obigen Abbildung ist lediglich
methodisch bedingt. Am 1. Januar 2015 waren in Sachsen
2 094 414 Pkw zugelassen. Von 1993 bis 2014 ist der Pkw-
Bestand um rund ein Drittel gestiegen. Zusammen mit
dem Rückgang der Bevölkerung hat sich die Zahl der Pkw
je 1 000 Einwohner von 334 (1993) auf 516 (2014) um gut
die Hälfte erhöht.
Die Zahl der jährlichen Neuzulassungen bei Pkw lag im
Beobachtungszeitraum bereits 1993 mit 197 518 Kfz am
höchsten. Seither ist die Zahl tendenziell gesunken. Im
Jahr 2015 waren es 114 441 Pkw. Die Zahl der neu zuge-
lassenen Pkws stieg 2009 sprunghaft um 44 Prozent auf
169 206, 2010 ging sie aber auch wieder um ein Drittel auf
112 282 PKW zurück.
Im Jahr vor der Abwrackprämie war noch nicht ganz die
Hälfte (47,6 Prozent) der Pkws acht Jahre und älter, zu-
letzt (2014) war es bereits deutlich mehr als die Hälfte
(51,6 Prozent). Betrachtet man die Entwicklung der Pkw-
Neuzulassungen vor und nach 2009, so wird deutlich, dass
zumindest ein Teil der 2009 getätigten Autokäufe einer-
seits aufgeschobene oder andererseits vorgezogene Käufe
waren. 2008 und 2010 waren die absoluten Zahlen der neu
zugelassenen Pkw besonders niedrig.
Bruttowertschöpfung und Erwerbstätige in Sachsen 2015
Anteil an der Gesamtwirtschaft nach Wirtschaftsbereichen
1)
1) Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ 2008)
2) vorläufige Jahresdurchschnittsangaben am Arbeitsort;
Berechnungsstand: Februar 2016
Datenquelle: VGR des Bundes
0
5
10 15 20 25 30 35
Prozent
Land- und Forstwirtschaft,
Fischerei
Handel, Verkehr, Gastgewerbe,
Information und Kommunikation
Baugewerbe
Grundstücks- und Wohnungswesen,
Finanz- und Unternehmensdienstleister
Produzierendes Gewerbe
ohne Baugewerbe
Öffentliche und sonstige Dienstleister,
Erziehung und Gesundheit
Erwerbstätige
2)
Bruttowertschöpfung
0
20
40
60
80
100
120
140
160
'93 1995
2000
2005
2010
2015
Neuzu-
lassungen
Bestand und Neuzulassungen von Pkw in Sachsen 1993 bis 2015
1993 = 100
Bestand* am
1.1. eines
Jahres
Messzahl
"Abwrack-
prämie"
* ab März 2007 nur noch angemeldete Fahrzeuge ohne vorübergehende Stillegung/
Außerbetriebsetzung und nicht mehr Standort, sondern Wohnort des Zulassers
Datenquelle: Kraftfahrt-Bundesamt
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43

image
Die Haltung von Legehennen und die Erzeugung von Konsu-
meiern werden statistisch durch eine monatliche Erhebung
in Unternehmen mit mindestens 3 000 Legehennenplätzen
(ohne Geflügelzucht und Vermehrungsbetriebe) erfasst.
Anfang der 1990er Jahre gab es in Sachsen rund 3,5 Mil-
lionen Haltungsplätze, davon die meisten in Form der
Käfighaltung. Ein erster Einschnitt war im Jahr 1997 zu
beobachten. Der einzelnen Henne musste mehr Platz im
Käfig zugestanden werden. Die Zahl der Legehennenplätze
sank in Folge dessen um acht Prozent. Bereits 1998 wurde
die frühere Größenordnung wieder erreicht. Ab 2005 lag
die Zahl der Haltungsplätze bei über vier Millionen. Mit
dem Aus für die Käfighaltung in Deutschland im Jahr 2010
sank die Zahl der Haltungsplätze auf rund 3,4 Millionen
und blieb in den Folgejahren in der Größenordnung von
3,6 bis 3,7 Millionen. Die Marke von vier Millionen wurde
nicht mehr überschritten.
Die Struktur der Legehennenhaltung wandelte sich im
Zeitverlauf. Ende der 1990er Jahre ging der Anteil der
Käfighaltung zurück. Von 2008 zu 2009 halbierte sich
die Zahl der Käfighaltungsplätze von 3,2 Millionen auf
Henne
1,6 Millionen. 2010 waren alle herkömmlichen Käfigplätze
aus der Produktion genommen. Die rund 220 000 Plätze
in der Kleingruppenhaltung wurden entsprechend der EU-
Richtlinie neu errichtet. Im Gegenzug erhöhten sich die
Zahl und die Anteile der anderen Haltungsformen.
Die Haltungsformen für Legehennen haben sich in den vergangenen Jahren in Deutschland grundlegend
verändert. Ein maßgeblicher Grund ist das seit 1. Januar 2012 europaweit gültige Verbot der Haltung in
konventionellen Käfigen. Das Käfigverbot geht dabei auf eine EU-Richtlinie [57] zurück. In Deutschland
war bereits zum 1. Januar 2010 das endgültige Aus der herkömmlichen Käfighaltung in Geflügelbetrieben
mit Legehennen besiegelt – zwei Jahre früher, als nach EU-Recht erforderlich gewesen wäre. Als Haltungs-
formen erlaubt sind seitdem nur noch die Kleingruppen-, die Boden- und die Freilandhaltung sowie die
ökologischer Erzeugung. Damit ging eine gewaltige Strukturänderung in den Eier produzierenden Betrieben
einher. [58] Die Entwicklung hin zu besseren Haltungsbedingungen von Tieren setzt sich auch künftig fort.
Der Bundesrat beschloss am 6. November 2015 die Beendigung der Haltung von Legehennen in Kleingrup-
pen in sogenannten ausgestalteten Käfigen. Hierfür ist eine Auslauffrist für bestehende Betriebe bis Ende
2025 vorgesehen. [59]
2010
Mit Jahresbeginn ist die Haltung von Legehennen in konven-
tionellen Batterie–Käfigen beendet
0
20
40
60
80
100
1991
1993
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
2013
2015
Freilandhaltung/
Ökologische Erzeugung
Bodenhaltung
Käfighaltung/
Kleingruppenhaltung*
Legehennenplätze nach Haltungsformen in Sachsen am 1. Dezember 1991 bis 2015
* ab 2010 nur noch Kleingruppenhaltung
Datenquelle: Agrarstatistiken
Prozent
44
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Die Bodenhaltung entwickelte sich in Sachsen zur vor-
herrschenden Haltungsform. Hierbei werden die Hennen
in geschlossenen Ställen gehalten, in denen sich die Tie-
re frei bewegen können. In den Ställen sind Gestelle mit
Laufflächen und Sitzstangen in bis zu vier Ebenen ange-
ordnet.
Daneben werden die Freilandhaltung und die ökologi-
sche Erzeugung als Haltungsformen unterschieden. An-
fang der 1990er Jahre gab es dafür in Sachsen weniger
als 100 000 Haltungsplätze, 2004 wurde die Marke von
300 000 überschritten. Zuletzt (2015) waren es rund
470 000 Legehennenplätze, davon 330 000 in Freiland-
haltung und 140 000 in Ökologischer Erzeugung.
Die Struktur bei den Haltungsformen zwischen Sachsen
und Deutschland ist unterschiedlich. Während die Bo-
denhaltung 2012 im deutschen Mittel knapp zwei Drittel
(64 Prozent) ausmacht, sind es in Sachsen rund 85 Prozent.
Die Legehennen in Sachsen erzeugten Anfang der 1990er
Jahre rund 600 Millionen Eier jährlich. Ab dem Jahr 2000
hatte sich die Eiererzeugung auf zum Teil mehr als eine
Milliarde erhöht, wobei es zwischen den Jahren durchaus
Schwankungen gab. Mit dem Abbau der Käfighaltungs-
kapazitäten im Jahr 2009 sank auch die Eiererzeugung
auf rund 900 Millionen Stück und 2010 schließlich auf gut
700 Millionen Stück. Der Rückgang ist damit zu erklären,
dass der Umbau der bestehenden Ställe mit herkömmli-
chen Käfigen zu Bodenhaltungsplätzen einen beachtli-
chen Aufwand an finanziellen Mitteln und Zeit erforderte.
Ab 2011 hat sich die Eiererzeugung in Sachsen auf einem
Niveau von reichlich 900 Millionen Stück stabilisiert. Im
Jahresdurchschnitt legt eine Henne rund 300 Eier. In den
frühen 1990er Jahren hatte sich die sog. Legeleistung
zwar noch etwas erhöht, seither ist sie aber nahezu kon-
stant.
Die im Jahr 2015 statistisch erfasste Jahresmenge von gut
921 Millionen Eiern entspricht 227 Eiern je sächsischen
Einwohner. Der durchschnittliche Eierverbrauch pro Kopf
lag 2015 deutschlandweit (vorläufig) bei 233 Stück. [60]
0
100
200
300
400
500
600
0
200
400
600
800
1 000
1 200
1991
1993
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
2013
2015
Jahreslege-
leistung
Jährliche
0
Eiererzeugung
Eiererzeugung und Legeleistung in Sachsen1991 bis 2015
Millionen Eier
Eier je Henne
Datenquelle: Agrarstatistiken
Datenquelle: Agrarstatistiken
76,4
15,6
8,0
Haltungsplätze in Deutschland (außen) und Sachsen (innen)
2008 und 2012 nach Haltungsformen
(in Prozent)
Käfighaltung
1)
Bodenhaltung
Freilandhaltung/
Ökologische
Erzeugung
62,1
16,3
21,7
2008
3,4
84,8
11,8
Kleingruppen-
haltung
2)
Bodenhaltung
Freilandhaltung/
Ökologische
Erzeugung
22,8
64,0
13,2
1) und Kleingruppenhaltung
2) und ausgestaltete Käfige
2012
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image
Zur Jahresmitte 2015 verfügten EU-Bürger aus den oben
genannten Staaten bereits seit vier Jahren über einen un-
eingeschränkten Zugang zum bundesdeutschen Arbeits-
markt. Wie aus der Beschäftigungsstatistik der Bundes-
agentur für Arbeit hervorgeht, waren zum 30. Juni 2015
am Arbeitsort Sachsen insgesamt 1 529 978 Personen
sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Vorjahresver-
gleich stieg die Zahl um 1,2 Prozent bereits das sechste
Jahr in Folge an. Abgesehen von 2005 und 2009 galt dies
auch für alle übrigen Jahre des Beobachtungszeitraums
seit 2004, sodass das damalige Ausgangsniveau jüngst
um gut ein Zehntel (11,6 Prozent) übertroffen wurde.
Die Zahl der Beschäftigten mit ausländischer Staats-
angehörigkeit lag zur Jahresmitte 2015 in Sachsen bei
39 700 Personen, ein Viertel (24,2 Prozent) höher als 2014.
Einen stärkeren Zuwachs hatte es hier in der seit 2004
ununterbrochen aufwärtsgerichteten Entwicklung noch
nicht gegeben. Damit waren am aktuellen Rand mehr als
doppelt so viele ausländische Beschäftigte wie 2011 und
annähernd vier Mal so viele wie 2004 zu verzeichnen.
Entsprechend erhöhte sich der Anteil der ausländischen an
allen Beschäftigten in Sachsen von 0,8 Prozent 2004 bis
auf 2,6 Prozent 2015. Der Anteil der Ausländer an der
sächsischen Bevölkerung lag zuletzt bei 3,2 Prozent. Be-
deutend höher lagen auf gesamtdeutscher Ebene die Aus-
länderanteile am 30. Juni 2015 mit 9,2 Prozent bei den
Beschäftigten und 9,7 Prozent bei den Einwohnern.
1)
Die Zahl der Beschäftigten in Sachsen, die eine estnische,
lettische, litauische, polnische, slowakische, slowenische,
tschechische, ungarische, maltesische oder zyprische
Staatsangehörigkeit besitzen, erreichte am 30. Juni 2015
mit 16 353 Personen einen neuen Höchststand. Das Vor-
jahresniveau wurde hier um mehr als ein Drittel (37,0 Pro-
zent) übertroffen. Damit setzte sich die seit 2011 bei
dieser Personengruppe durchweg mit Steigerungsraten
von mindestens 30 Prozent dynamisch voranschreitende
Beschäftigungsentwicklung weiter fort. Das Ergebnis von
2011 wurde Mitte 2014 um das Dreieinhalbfache, jenes
von 2004 um mehr als das Siebenfache übertroffen.
Die Freizügigkeit von Arbeitnehmern ermöglicht EU-Bürgern grundsätzlich, in einem anderen EU-Land zu
arbeiten. Die Übergangsfristen für die Arbeitnehmerfreizügigkeit wurden sehr unterschiedlich angewendet.
Deutschland schöpfte die maximal siebenjährige Übergangsfrist aus. Als letzter der alten EU-15-Staaten
öffnete Deutschland den Arbeitsmarkt für osteuropäische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ab dem
1. Mai 2011 erhielten Bürgerinnen und Bürger aus den acht mittel- und osteuropäischen Staaten Malta, Zy-
pern, Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakei, Slowenien, der Tschechischen Republik und Ungarn un-
eingeschränkten Zugang zum deutschen bzw. sächsischen Arbeitsmarkt. So benötigen Bürger der o. g. Länder
für eine (sozialversicherungspflichtige) Beschäftigung in Deutschland keine Arbeitserlaubnis mehr und dürfen
sich nun bis zu drei Monate zur Arbeitssuche hier aufhalten, während ihrer Betätigung hier wohnen und auch
nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses weiter bleiben. Darüber hinaus trat für die entsprechenden
Personenkreise mit dem 1. Mai 2011 auch die volle Dienstleistungsfreiheit in Kraft. [61, 62]
2011
Für Mitgliedsstaaten der EU–Erweiterung von 2004 tritt das
Arbeitnehmerfreizügigkeitsrecht in Kraft
0
5
10
15
20
25
30
35
40
2004
2007
2010
2013
2015
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Arbeitsort in
Sachsen am 30. Juni 2004 bis 2015 nach ausgewählter
Staatsangehörigkeit
Ausland
darunter
EU10-neu*
* EU-Beitrittsländer zum 1. Mai 2004 (Estland, Lettland, Litauen, Malta,
Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn und Zypern)
Datenquelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit, Neuverfahren
Tausend Personen
1) Aktuellere Angaben waren zu Redaktionsschluss nicht verfügbar
Eingang der Agentur für Arbeit Hoyerswerda
46
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Schließlich entfielen am 30. Juni 2015 bereits gut zwei
von fünf Beschäftigten in Sachsen mit einer ausländi-
schen Staatsangehörigkeit auf ein EU-Beitrittsland von
2004, nachdem es 2011 nur jeder Vierte gewesen war.
2)
Neun von zehn Beschäftigten in Sachsen aus den EU-
Beitrittsländern von 2004 besaßen am 30. Juni 2015 die
polnische (8 741), tschechische (4 367) oder ungarische
(1 866) Staatsangehörigkeit. Zu den bevorzugten Betäti-
gungsfeldern dieser Beschäftigten zählen die Erbringung
von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen („Zeitar-
beit“), das Gesundheits- und Sozialwesen, das Baugewer-
be sowie das Gastgewerbe.
Seit Aufhebung der Zutrittsbeschränkungen zum deut-
schen Arbeitsmarkt für Staatsangehörige der EU-Bei-
trittsländer von 2004 zur Jahresmitte 2011 ist die Zahl
der ausländischen Beschäftigten in Sachsen anhaltend
dynamischer angestiegen als in den Jahren zuvor mit „be-
schränkter Arbeitnehmerfreizügigkeit“.
2)
Gleichwohl ist die
von mancher Seite befürchtete Belastung des sächsischen
Arbeitsmarktes ausgeblieben.
So haben in Sachsen 2015 sowohl die Arbeitslosenzahl
mit 174 319 Personen als auch die Arbeitslosenquote mit
8,2 Prozent bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen
ihren vorläufigen Tiefststand seit Beginn der Arbeitslo-
senstatistik in den neuen Ländern 1991 erreicht. Im Ver-
gleich zum Höchstniveau von rund 400 000 Arbeitslosen
in den Jahren 2001 bis 2005 hat sich die Zahl seitdem
kontinuierlich um mehr als die Hälfte reduziert. Wäh-
rend die Größenordnung der älteren Arbeitslosen relativ
stabil blieb, nahm die Anzahl der jüngeren Arbeitslosen
tendenziell überdurchschnittlich ab. Insofern erreichte der
Arbeitslosenanteil der letztgenannten im Jahr 2015 mit
6,4 Prozent den niedrigsten Wert in Sachsen seit der Wie-
dervereinigung. Zehn Jahre zuvor – 2005 – hatte der ent-
sprechende Anteil mit 13,1 Prozent noch mehr als doppelt
so hoch gelegen.
4,3
3,2
6,8
5,2
17,7
11,4
23,6
26,7
47,6
53,5
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Arbeitsort in Sachsen am 30. Juni 2011 und 2015 nach ausgewählter
Staatsangehörigkeit
(in Prozent)
EU10-neu*
davon
Polen
Tschechische Republik
übrige zusammen
(Litauen, Lettland, Estland,
Slowenien, Zypern u. Malta)
Ausland ohne EU10-neu*
Ungarn
Slowakei
* EU-Beitrittsländer zum 1. Mai 2004 (Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn und Zypern)
Datenquelle: Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit, Neuverfahren
25,1
74,9
30.
Juni 2011
18 426
Personen
58,8
41,2
30.
Juni 2015
39 700
Personen
0,0
2,0
4,0
6,0
8,0
10,0
12,0
14,0
16,0
18,0
20,0
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
1991
1993
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
2013
2015
Arbeitslosenquote
1)
insgesamt
Arbeitslose und Arbeitslosenquote in Sachsen 1991 bis 2015 nach Altersgruppen
Tausend Personen
1)
bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen
2)
Jahresdurchschnittsangaben
Datenquelle: Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit, Datenstand: Dezember 2015
Prozent
15 bis unter 25 Jahren
Arbeitslose
2)
im Alter von ...
25 Jahren bis
unter 55 Jahren
55 Jahren und älter
2) Zu berücksichtigen sind bei diesen Entwicklungs- und Strukturaussagen
allerdings auch die niedrigen Absolutwerte und die damit in Verbindung
stehenden Basiseffekte.
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Der Primärenergieverbrauch (PEV) von erneuerbaren Ener-
gien war anfangs noch sehr gering. Anfang der 1990er
Jahre lag er bei rund 1 000 Terajoule. Das entsprach einem
Anteil am PEV insgesamt von nicht mehr als 0,3 Prozent.
In den folgenden Jahren erhöhte sich der Anteil nur sehr
gering. 2002 wurde die Ein-Prozent-Marke erreicht. In den
darauf folgenden fünf Jahren erhöhte sich der Anteil der
erneuerbaren Energien am PEV schneller und 2007 wurde
die Fünf-Prozent-Marke überschritten. Bis 2014 erhöhte
sich der Anteil auf 8,7 Prozent. Der PEV aus erneuerbaren
Energien erreichte 2014 eine Größenordnung von über
50 000 Terajoule. Um sich eine Vorstellung von der Größe
dieser Energiemenge zu machen: gut doppelt so viel Ener-
gie wurde 2012 in den Haushalten Sachsens verbraucht.
Die Bruttostromerzeugung in Sachsen schwankte im Zeit-
raum seit 1990 um eine Größe von 35 000 GWh. Der Zuwachs
der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien führte zur
wichtigsten Strukturverschiebung bei der Stromerzeugung.
Die aus erneuerbaren Energien gewonnene Strommenge
erreichte 2014 eine Größenordnung von rund 5 000 GWh.
Deren Anteil an der Bruttostromerzeugung Sachsens lag
2014 bei 11,8 Prozent, in Deutschland insgesamt waren es
25,9 Prozent. Dabei sind Windenergie und Biomasse die be-
deutendsten erneuerbaren Energieträger in Sachsen und im
deutschen Mittel.
Im Jahr 2010 hat die UN-Vollversammlung das Jahr 2012 als „Internationales Jahr der erneuerbaren Energi-
en für alle“ deklariert. Sowohl private Unternehmen als auch nationale Regierungen sollten auf die Wichtig-
keit der Energieversorgung für die weltweite Entwicklung hingewiesen werden. Die drei Hauptziele waren
die Sicherung des globalen Zuganges zu einer modernen Energieversorgung, die Verdopplung der Entwick-
lungsrate der Energieeffizienz und die Verdopplung des Anteils der erneuerbaren Energien in der weltwei-
ten Energieverwendung. Der globale Zugang zu moderner Energie soll bis spätestens 2030 gewährleistet
werden. Das betrifft vor allem die Entwicklungsländer. [63, 64] Aber auch die entwickelten Länder haben
sich Ziele für die Weiterentwicklung ihrer Energiesektoren gestellt. In Deutschland kann man sie unter dem
Schirm der „Energiewende“ zusammenfassen. Eine Säule ist der Ausbau der erneuerbaren Energien, deren
Energieanteil an der Stromerzeugung aus Sonne, Wind & Co. auf 55 bis 60 Prozent ausgebaut werden
soll. [65]
2012
Internationales Jahr der erneuerbaren Energien für alle
0
10 000
20 000
30 000
40 000
50 000
60 000
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
2014
TJ
Prozent
Primärenergieverbrauch (PEV) der erneuerbaren Energien insgesamt und Anteil am PEV insgesamt in Sachsen 1990 bis 2014
Datenquelle: Energiebilanzen Sachsen, 2014 - vorläufige Daten
Anteil am
PEV
insgeamt
Insgesamt
Windräder bei Radeberg
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image
Im Jahr 2014 gab es in Sachsen 314 Wasserkraftanlagen, die
in das Netz von Energieversorgungsunternehmen einspeis-
ten. Zwölf Anlagen haben eine Kapazität von 1 MW und
mehr. Bis 1994 lag die Bruttostromerzeugung aus Wasser-
kraft in Sachsen unter 100 GWh, die höchste Strommenge
wurde 2010 mit 325 GWh erzeugt.
Die Einspeisung von Strom aus Windkraftanlagen wird in
Sachsen seit 1994 bilanzmäßig erfasst. 2014 gab es in Sach-
sen 899 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 1 102 MW.
Bereits 1996 entfiel ein Viertel der Bruttostromerzeugung
aus erneuerbaren Energien auf die Windenergie. 2003 wur-
de der höchste Anteil mit gut zwei Dritteln (67,2 Prozent)
erreicht. Seither ist die Strommenge aus Windenergie zwar
tendenziell steigend, der Anteil an der Bruttostromerzeu-
gung aus erneuerbaren Energien ist dagegen sinkend.
Die Photovoltaik wird in Sachsen seit 2001 in der Energie-
bilanzierung erfasst. 2014 wurden 32 250 Photovoltaikan-
lagen mit einer Leistung von 1 452 MW gezählt. 2008 wurde
die Marke von 100 GWh Bruttostromerzeugung überschrit-
ten. Im Jahr 2014 betrug die Bruttostromerzeugung durch
Photovoltaik 1 418 GWh.
Biomasse dient sowohl der Strom- als auch der Wärmeer-
zeugung. Biodiesel und Bioethanol werden auch den Kraft-
stoffen beigemischt. 54 Prozent des PEV an Biomasse entfiel
2014 auf feste Biomasse, 27 Prozent auf Biogas und rund
12 Prozent auf biogene Kraftstoffe, der Rest verteilt sich auf
die anderen Biomassearten.
0
1 000
2 000
3 000
4 000
5 000
6 000
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
2014
GWh
Prozent
Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien (EE) und Anteil an der Bruttostromerzeugung insgesamt in Sachsen
1990 bis 2014
Klärgas, Deponiegas
Photovoltaik
Biogas
Biomasse*
Windenergie
Wasserkraft
Anteil EE an der
Bruttostromerzeu-
gung insgesamt
* ab 2006 einschließlich Klärschlamm und biogene Abfälle
Datenquelle: Energiebilanzen Sachsen
0
20
40
60
80
100
Deutschland
Sachsen
Photovoltaik
Biomasse*
Windenergie
Wasserkraft
Prozent
* einschl. Biogas, Klär-und Deponiegas, Klärschlamm, biogene Abfälle und sonstige
erneuerbare Energien
Datenquelle: Energiebilanzen Sachsen, Daten für Deutschland - AG Energiebilanzen,
Stand 12/2015
Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien in
Deutschland und Sachsen im Mittel der Jahre 2010 bis 2014
Biogasanlage und Photovoltaik Haßlau (Stadt Roßwein)
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49

Am
1. März 2015
wurden
in
Sachsen
insgesamt
295 784 Kinder unter 14 Jahren in einer Kindertagesein-
richtung oder in der Kindertagespflege betreut. Das waren
5,8 Prozent mehr Kinder als im Jahr 2013, dem Jahr, in
dem der Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung ab
dem 1. Lebensjahr eingeführt wurde. Bei den 1– bis unter
3–jährigen Kindern wurden 2015 gegenüber 2013 über 9 Pro-
zent und bei den 3– bis unter 6–Jährigen 3 Prozent mehr
Kinder betreut. Bereits 2013 war im Vergleich zu 2006
(dem ersten Jahr mit vergleichbaren Daten) die Zahl der
betreuten Kinder unter 14 Jahren um 63 000 bzw. 29 Pro-
zent gestiegen. Bei den 1– bis unter 3–Jährigen war ein
Anstieg um über die Hälfte und bei den 3– bis unter
6–Jährigen um über ein Zehntel zu verzeichnen.
97,5 Prozent der betreuten Kinder unter 14 Jahren waren
2015 in einer Kindertageseinrichtung und 2,5 Prozent
in der Kindertagespflege zur Betreuung untergebracht.
Kinder der Altersgruppe der 1– bis unter 3–Jährigen wur-
den zu 13 Prozent in der Kindertagespflege versorgt. Ta-
gesmuttis oder Tagesvatis kümmerten sich vor allem um
Kinder im Alter von unter 3 Jahren. Rund 96 Prozent der
Kinder in Kindertagespflege waren jünger als 3 Jahre, dar-
unter waren etwas über 91 Prozent zwischen 1– bis unter
3 Jahren. Im Alter von 3 bis unter 6 Jahren wurden ledig-
lich 293 Kinder (0,3 Prozent) von ihnen betreut.
Die Betreuungsquote sagt aus, wieviel Prozent der Be-
völkerung eines entsprechenden Alters in den Kinderta-
geseinrichtungen sowie in der Kindertagespflege betreut
werden. Wurden in Sachsen im März 2006 noch ein Drittel
der unter 3–Jährigen in einer Kindertageseinrichtung oder
in der Kindertagespflege betreut, war es am 1. März 2015
die Hälfte der Kinder dieser Altersgruppe. Bei den 3– bis
unter 6–Jährigen stieg die Betreuungsquote im gleichen
Zeitraum von rund 93 Prozent auf 97 Prozent. Damit lag
Das Kinderförderungsgesetz (KiföG) von 2008 war ein zentraler Baustein beim Ausbau der Kindertages-
betreuung in der Bundesrepublik. Dieses sah ab 1. August 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreu-
ungsplatz für alle Kinder ab vollendetem erstem Lebensjahr bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres
vor. Damit wurde eine weitere Möglichkeit für Eltern geschaffen, Familie und Beruf besser zu vereinbaren
und die frühkindliche Förderung ihres Kindes in einer Kindertageseinrichtung oder in Kindertagespflege
zu gewährleisten. Bereits seit 1996 gilt in Deutschland der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für
jedes Kind im Alter vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt. Dadurch können die Kinder
in Kindertageseinrichtungen, insbesondere im letzten Jahr vor Schulbeginn, besser auf den Übergang in
das Schulleben vorbereitet werden. Gesetzlich verankert wurde der Anspruch auf Kindertagesbetreuung im
Achten Sozialgesetzbuch – SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz), § 24. [66]
2013
Ab 1. August 2013 Rechtsanspruch auf einen Platz in einer
Kindertageseinrichtung oder in Kindertagespflege
Merkmal
2006
2013
2014
2015
Kinder in der Kindertages-
betreuung
216 656
279 692
289 071
295 784
darunter in Kindertagespflege
1)
2 295
6 906
7 438
7 500
Im Alter von … bis unter … Jahren
unter 1
1 238
1 124
1 159
1 185
1 - 3
31 542
48 403
51 138
52 874
3 - 6
89 013
98 674
100 510
101 727
6 - 11
93 437
129 083
133 936
137 450
11 - 14
1 426
2 408
2 328
2 548
Pädagogisches Personal
2)
und Tagespflegepersonen
20 602
28 842
30 160
30 733
darunter in Kindertagespflege
777
1 619
1 761
1 718
1) Kinder in Kindertagespflege ohne andere Betreuung
2) ohne freigestellte Einrichtungsleitung, Verwaltung, Hauswirtschaft und Technik
Datenquelle: Statistik der Kinder- und Jugendhilfe
Kinder in Kindertagesbetreuung, Pädagogisches Personal und Tagespflegepersonen in Sachsen
50
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der Freistaat 2015 in beiden Altersgruppen über dem bun-
desweiten Durchschnitt von rund 33 bzw. 95 Prozent.
Ohne die Kinder, die jünger als ein Jahr waren (deren Be-
treuungsquote lag bei 3,3 Prozent), wurden sogar drei
Viertel der Kinder unter 3 Jahren in Sachsen 2015 betreut.
Von den 288 284 Kindern, die im März 2015 eine Kinderta-
geseinrichtung besuchten, waren 173 084 Nichtschulkinder
(60 Prozent) und 115 200 Schulkinder (40 Prozent), die ne-
ben der Schule auch den Hort besuchten. An der Mittags-
versorgung in den Tageseinrichtungen nahmen 91 Prozent
der Kinder teil. Bei den Nichtschulkindern betrug dieser An-
teil 99 Prozent, von den Schulkindern, die den Hort besu-
chen, nahmen 79 Prozent am Mittagessen teil. Im Jahr 2006
waren es noch 89 Prozent der Schulkinder.
Die Hälfte der Kinder in Kindertageseinrichtungen wurde
mehr als 7 Stunden am Tag betreut. Das waren fast aus-
schließlich Kinder, die noch nicht die Schule besuchten.
Bei den Kindern, die bis zu 5 Stunden betreut wurden, lag
der Anteil der Schulkinder bei fast 93 Prozent. Nahezu alle
Kinder wurden an 5 Tagen in der Woche betreut. 90 Prozent
der Einrichtungen waren bereits vor 7.00 Uhr und 89 Prozent
der Einrichtungen bis 18.00 Uhr geöffnet.
Für die gestiegene Zahl an Kindern in der Kindertagesbe-
treuung war auch mehr Personal erforderlich. Die Zahl der
Tagesmuttis und Tagesvatis hat sich von 2006 bis 2015
mehr als verdoppelt (von 777 auf 1 718) und das pädago-
gische Personal in Kindertageseinrichtungen stieg um die
Hälfte (von 19 825 auf 29 015 Personen).
Gab es 2006 über 2 600 Kindertageseinrichtungen mit
fast 236 800 genehmigten Plätzen, waren es 2013 über
2 800 Einrichtungen mit mehr als 302 800 Plätzen. Bis
2015 erhöhte sich die Zahl der Einrichtungen um weitere
79 und die Zahl der genehmigten Plätze um rund 22 200.
Über die Hälfte der Kindertageseinrichtungen (56,8 Pro-
zent) hatte 2015 einen freien Träger. Der Deutsche
Paritätische Wohlfahrtsverband überwog bei den freien
Trägern. Er betrieb fast ein Drittel der Einrichtungen. Das
Diakonische Werk und sonstige der Evangelischen Kirche
in Deutschland angeschlossene Träger wiesen einen Anteil
von 18 Prozent sowie die Arbeiterwohlfahrt von 12,5 Pro-
zent auf. 43 Prozent der Einrichtungen befanden sich in
öffentlicher Trägerschaft.
Im Vergleich zu 2006 erhöhte sich der Anteil der Einrichtun-
gen in freier Trägerschaft um fast 9 Prozentpunkte und der
bei den genehmigten Plätzen um 5 Prozentpunkte.
Datenquelle: Statistik der Kinder- und Jugendhilfe
0
20
40
60
80
100
unter1
1-3
3-6
Betreuungsquote in Sachsen 2006, 2013 bis 2015
Alter von … bis unter … Jahren
Prozent
2006
2013
2014
2015
Datenquelle: Statistik der Kinder- und Jugendhilfe
Kinder in Kindertageseinrichtungen in Sachsen 2015 nach
Betreuungszeiten
(in
Prozent)
0,2
36,7
63,1
83,3
13,4
3,3
Nichtschulkinder
Schulkinder
173 084
115 200
über 7
über 5 bis 7
bis 5
Betreuungszeit pro Tag in Stunden
Merkmal
2006
2013
2014
2015
Insgesamt
2 622
2 815
2 860
2 894
öffentliche Träger
1 365
1 231
1 245
1 251
freie Träger
1 257
1 584
1 615
1 643
genehmigte
Plätze
236 757
302 837
314 807
325 040
öffentliche Träger
122 498
140 254
146 505
151 860
freie Träger
114 259
162 583
168 302
173 180
Datenquelle: Statistik der Kinder- und Jugendhilfe
Kindertageseinrichtungen und genehmigte Plätze in
Sachsen nach Trägerschaft
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51

image
Die Anzahl und Schwere von Straßenverkehrsunfällen in
einem Jahr hängt nicht unwesentlich von den Witterungs-
verhältnissen ab. Dabei ist natürlich das gesamte Jahr zu
betrachten. Wenn aber im Frühjahr relativ zeitig milde
Temperaturen und wenig Niederschlag den Aufenthalt im
Freien angenehm machen, sind häufiger die witterungs-
abhängigen Fortbewegungsmittel – Motorzweiräder und
Fahrräder – sowie mehr Fußgänger auf den Straßen zu
beobachten. Die verstärkte Verkehrsteilnahme hat in der
Regel einen Anstieg an Straßenverkehrsunfällen zur Fol-
ge, an denen diese Fahrzeuge bzw. die Fußgänger beteiligt
sind. Im ersten Quartal 2014 stieg die Zahl der verunglück-
ten Fahrradnutzer auf 669 und damit auf einen Wert, der
seit 1995 noch nie in den ersten drei Monaten eines Jah-
res registriert werden musste. Auch bei den Fahrern und
Mitfahrern von Motorzweirädern bedeuteten die 182 Ver-
unglückten im ersten Quartal 2014 den höchsten Wert in
einem ersten Quartal seit dem Jahr 2008.
Besonders deutlich wird der Einfluss der Witterung im
ausgehenden Winter auf die Zahl der verunglückten
– von der Witterung ungeschützten – Verkehrsteilneh-
mer bei einem Vergleich der Monate Januar bis März
2014 mit den entsprechenden Vorjahresmonaten mit
einem langen relativ schneereichen Winter. So hatte
sich die Zahl der verunglückten Fahrradnutzer im ers-
ten Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum
weit mehr als verdoppelt, bei den Fahrern und Mitfah-
rern von Motorzweirädern sogar vervierfacht. Auch bei
den Fußgängern lag die Anzahl der Verunglückten um
14 Prozent über dem Wert vom Jahresbeginn 2013. Sehr
tragisch waren sieben getötete Fahrer oder Mitfahrer
von Motorzweirädern im ersten Quartal 2014, von Ja-
nuar bis März 2013 gab es einen.Langfristig ist die Zahl
der Verkehrsunfälle und der Verunglückten seit Beginn
der Erhebung in dieser Form Anfang der 1990er Jahre
kontinuierlich zurückgegangen. Mussten 1995 von der
Polizei noch rund 20 500 Unfälle mit Personenschaden
mit 26 200 verletzten und 649 getöteten Personen auf-
In der Meteorologie beginnen die Jahreszeiten mit Beginn der Monate März, Juni, September und Dezem-
ber. Der meteorologische Winter dauert demnach in unseren Breiten vom 1. Dezember bis 28./29. Februar.
Ein normaler mitteleuropäischer Winter bietet mit Schneefällen, Tauwetter und eisig kalten Nächten viel
Abwechslung. Der Winter 2013/2014 war jedoch der trockenste Winter seit 1996. In Leipzig und Dresden fiel
in den 3 Wintermonaten nur die Hälfte des durchschnittlichen Niederschlages. Auf dem Fichtelberg wurden
in diesem Zeitraum nur 89 mm Durchschnittsniederschlag gemessen. Im Vgl. dazu waren es 338 mm im
Winter 2012/2013 und 397 mm 2011/2012. Selbst im Jahrhundertsommer 2003 fiel mehr Niederschlag als
in diesem Winter. Aufgrund der geringen Niederschläge fehlte im Frühjahr das in anderen Jahren übliche
Schmelzwasser. Gleichzeitig war der Winter einer der mildesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881.
Das Hochdruckgebiet „Benjamin“ bescherte jedoch Nord- und Osteuropa Mitte/Ende Januar 2014 noch fast
drei Wochen Kälte mit Nachttemperaturen von bis zu -21 Grad Celsius. [67, 68]
2014
Trockenster Winter seit 18 Jahren ist im März 2014 vorbei
Verunglückte Nutzer von Fahrrädern und Motorzweirädern
sowie verunglückte Fußgänger in Sachsen jeweils im
1. Quartal 2013, 2014 und 2015
0
100
200
300
400
500
600
700
800
Fahrrad
Motorzweirad
Fußgänger
2013
2014
2015
Datenquelle: Statistik der Straßenverkehrsunfälle
Motivfoto Fahrradunfall
52
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genommen werden, so waren es 2014 nur noch etwa zwei
Drittel der Unfälle und Verletzten und 30 Prozent der
Getöteten. Das trifft im Wesentlichen auch auf die ver-
unglückten Nutzer von Motorzweirädern und Fußgänger
zu. Bei den Fahrern und Mitfahrern von Fahrrädern ist die
Zahl der Verletzten gegenüber 1995 dagegen gestiegen,
wobei es sich bei dem Anstieg ausschließlich um Leicht-
verletzte handelt. Die Zahl der getöteten Fahrradnutzer
ist auf weniger als die Hälfte gesunken. Die gestiegenen
Zahlen der leichtverletzten Fahrradnutzer dürften damit
zusammenhängen, dass Fahrradfahren aus unterschiedli-
chen Gründen sehr beliebt geworden ist. Es gibt aber keine
Zahlen in der amtlichen Statistik, mit denen man die ver-
stärkte Fahrradnutzung belegen könnte.
Im Straßenverkehr sind Nutzer von Zweirädern sowie Fuß-
gänger – anders als Insassen von Pkw – nicht von einer
Karosse geschützt. Insbesondere bei den Nutzern von
Motorzweirädern, bei denen zusätzlich hohe Geschwin-
digkeiten eine Rolle spielen, sind die Folgen von Straßen-
verkehrsunfällen oft schwerwiegend. So starben in den
letzten zwei Jahren zwei von 100 verunglückten Fahrer
und Mitfahrer von Motorzweirädern, während diese Kenn-
ziffer bei Pkw-Insassen nur halb so hoch war.
Auch bei den Fußgängern verloren zwei von 100 Ver-
unglückten ihr Leben. Hier spielte das Alter der Fußgän-
ger noch eine besondere Rolle. Im Jahr 2014 war fast die
Hälfte aller getöteten und ein Drittel aller schwerverletz-
ten Fußgänger 65 Jahre oder älter. Ähnliche Anteile gab
es regelmäßig in den letzten Jahren. Ältere Verkehrsteil-
nehmer erleiden aufgrund ihrer körperlichen Verfassung
bei Verkehrsunfällen – besonders als ungeschützte Fuß-
gänger – oft schwerere Verletzungen. Das trifft auch für
Fahrradfahrer zu. 15 Prozent aller an einem Verkehrsunfall
beteiligten Fahrradnutzer im Jahr 2014 hatte den 65. Ge-
burtstag bereits hinter sich. Der Anteil dieser Altersgruppe
an den getöteten und schwerverletzen Fahrradnutzern be-
trug jedoch 23 Prozent.
Dagegen war mehr als jeder Fünfte an Unfällen beteiligte
Fahrradfahrer im Jahr 2014 von 25 bis unter 35 Jahre alt,
bei den Schwerverletzten und getöteten Fahrradnutzern
zählte etwas mehr als jeder Siebente zu dieser Altersgruppe.
Aber nicht nur die Witterung und das Alter der Verkehrsteil-
nehmer haben einen wichtigen Einfluss auf die Zahl und die
Schwere der Verletzungen bei Nutzern von Motorzweirä-
dern und Fahrrädern. Auch regionale Gegebenheiten spielen
eine wichtige Rolle. Der Landkreis Zwickau ist traditionell
mit Motorrädern eng verbunden. Dort gab es im Jahr 2014
nach der Stadt Dresden die meisten verunglückten Kraft-
radnutzer. In den Städten Dresden und Leipzig verunglückte
in den letzten Jahren etwa die Hälfte aller Fahrradnutzer.
Aber auch im Landkreis Bautzen mit vorwiegend flachem
Gelände gibt es viele verunglückte Fahrradnutzer.
Bei Straßenverkehrsunfällen verunglückte Nutzer von Fahrrädern und Motorzweirädern sowie Fußgänger
in Sachsen 1995 bis 2015
0
2 000
4 000
6 000
8 000
10 000
12 000
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
2011
2013
2015
Personen
Fußgänger
Fahrer und Mitfahrer von Fahrrädern
Fahrer und Mitfahrer von Motorzweirädern
Datenquelle: Statistik der Straßenverkehrsunfälle
Fahrer und Mitfahrer von Fahrrädern bei Straßen-
verkehrsunfällen in Sachsen 2014 nach Altersgruppen
Beteiligte an
Straßenverkehrsunfällen
9,9
16,0
33,3
25,8
15,0
unter 15
15 -unter 25
25 -unter 45
45 -unter 65
65 und mehr
Alter von ... bis ...
Jahre
8,1
10,4
26,5
31,9
23,1
Getötete und
Schwerverletzte
Datenquelle: Statistik der Straßenverkehrsunfälle
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53

image
Das Gesundheitswesen umfasste ursprünglich die Ein-
richtungen, von denen im Krankheitsfall die notwendige
Hilfe geleistet wurde. Mit der Bismarckschen Sozialge-
setzgebung (1883-1889) wurde die Versicherungspflicht
eingeführt, als erstes am 31. März 1883 die Krankenversi-
cherung. Sie galt nur für Arbeiter bis zu einer bestimm-
ten Einkommensobergrenze sowie sehr geringverdienen-
de Angestellte. Dieser Personenkreis hatte dadurch einen
Rechtsanspruch auf freie und medikamentöse ärztliche
Behandlung im Krankheitsfall für maximal 13 Wochen. [70]
Die Organisationsformen der Hilfegewährung und der Leis-
tungskatalog haben sich im Laufe der Zeit systembedingt
geändert, das Gesundheitswesen wurde jedoch als verläss-
licher Partner im Krankheitsfall wahrgenommen.
In den letzten drei Jahrzehnten wurde das Gesundheits-
wesen infolge der steigenden Ausgaben gesellschaftlich
sehr stark als Kostenfaktor wahrgenommen (gestiegene
Verbraucherpreise für medizinische Dienstleistungen). In
jüngerer Zeit hat sich diese Wahrnehmung dahingehend
gewandelt, dass die Gesundheitswirtschaft sowohl ein
Beschäftigungspotenzial als auch ein wirtschaftliches
Potenzial darstellt. Ein maßgeblicher Indikator zur Be-
schreibung der gesundheitswirtschaftlichen Situation ist
die Ärztezahl bzw. der sog. Ärztebesatz. Im Jahr 2015 gab
es in Sachsen insgesamt 16 930 Ärztinnen und Ärzte,
30 Prozent mehr als 1995. Knapp 40 Prozent waren in
ambulanten und 55 Prozent in stationären bzw. teilstatio-
nären Einrichtungen beschäftigt. Der Rest von gut fünf
Prozent verteilt sich auf andere Einrichtungen (z. B. Ver-
waltung, Rettungsdienste, Gesundheitsschutz).
Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in stationären/teilstati-
onären Einrichtungen hat sich in diesem Zeitraum stärker
Die elektronische Gesundheitskarte, die in der Regel mit einem Lichtbild der versicherten Person versehen ist,
wurde ab 2014 schrittweise eingeführt. Sie löste die am 1. Januar 1995 eingeführte, traditionelle Krankenver-
sichertenkarte ab. Seit 1. Januar 2015 muss in der Regel jeder gesetzlich Krankenversicherte in der Bundesre-
publik Deutschland über eine elektronische Gesundheitskarte verfügen. Die grundlegenden Zielstellungen für
die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte waren die Stärkung der Patientenrechte, eine bessere ad-
ministrative Kommunikation zwischen den verschiedenen Leistungserbringern (Haus- und Fachärzte, Labore,
Krankenhäuser u. a.) sowie eine höhere Effizienz im Gesundheitswesen und damit verbunden eine Kosten-
ersparnis. Auf Wunsch können alle relevanten Daten des Versicherten, z. B. über Allergien oder bedeutsame
Vorerkrankungen auf der Gesundheitskarte gespeichert werden. Im Notfall können diese Daten von Ärzten
bzw. Notfallsanitätern ausgelesen werden. [69]
2015
Gesundheitskarte wird alleiniger Nachweis zur Leistungsinan-
spruchnahme der gesetzlichen Krankenversicherung
0
1 000
2 000
3 000
4 000
5 000
6 000
7 000
8 000
9 000
1991
1995
1999
2003
2007
2011
2015
weiblich stationär
weiblich ambulant
männlich stationär
männlich ambulant
* einschließlich Ärzte in Einrichtungen gemäß § 311 SGB V und Angestellte, Teilzeitangestellte, Praxisassistenten
Datenquelle: Bundesärztekammer (vor 1993); Sächsische Landesärztekammer (ab 1993)
Ärztinnen und Ärzte in Sachsen am 31. Dezember 1991 bis 2015 nach ausgewählten Einrichtungen und Geschlecht
Personen
Elektronische Gesundheitskarte im Portemonnaie
54
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erhöht als im ambulanten Bereich. Auch die Geschlechter-
proportion hat sich verändert. 1995 arbeiteten im statio-
nären/teilstationären Bereich knapp 58 Prozent Ärzte und
42 Prozent Ärztinnen. 2015 war das Verhältnis nahezu
ausgeglichen (51 Prozent Ärzte). Die Zahl der Ärztinnen in
stationären/teilstationären Einrichtungen ist deutlich stär-
ker gestiegen als die der Ärzte. Im ambulanten Bereich gibt
es mehr Ärztinnen als Ärzte. Hier liegt der Frauenanteil im
gesamten Betrachtungszeitraum bei 55 bis 57 Prozent.
Neben der Berufsgruppe der Ärztinnen/Ärzte umfasst das
Gesundheitspersonal weitere medizinische Gesundheits-
berufe, Berufe in der Pflege und Altenpflege sowie Berufe
in der Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik. Daten zum
gesamten Gesundheitspersonal Sachsens werden seit dem
Jahr 2008 in vergleichbarer Weise durch das Statistische
Landesamt ermittelt. [71] Der größte Teil des Gesundheit-
spersonals* entfällt auf die ambulanten Einrichtungen.
Hier ist auch von 2008 bis 2014 mit 19 Prozent der größte
Zuwachs zu verzeichnen. Auch die Praxen sonstiger medi-
zinischer Berufe stockten ihr Personal um ein Drittel auf.
Dagegen erhöhte sich das Personal in den „klassischen
Einrichtungen“ (Arzt- und Zahnarztpraxen, Apotheken) nur
leicht (bis 6 Prozent).
Die Gesundheitsausgaben verteilen sich auf eine Reihe von
Ausgabenträgern (insbesondere Kranken-, Pflege-, Ren-
ten-, Unfallversicherungen, private und öffentliche Haus-
halte). Von 2008 bis 2013 stiegen die Ausgaben in Sachsen
von knapp 13 Milliarden EUR um knapp ein Viertel auf gut
16 Milliarden EUR. Der wichtigste Träger ist die gesetzliche
Krankenversicherung. Hier entfielen 2013 auf jeden Ein-
wohner im statistischen Mittel Ausgaben von 2 586 EUR.
Die soziale Pflegeversicherung folgte nach den absoluten
und relativen Ausgaben auf Platz 2 mit knapp 1,7 Milliar-
den EUR (2013), das entspricht 410 EUR pro Einwohner.
0
20
40
60
80
100
120
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Ambulante
Übrige
Stationäre/
teilstationäre
1 000 Beschäftigte
Berechnungsstand: Januar 2016
Datenquelle: Gesundheitspersonalrechnung der Länder
Einrichtungen
Gesundheitspersonal in Sachsen 2008 bis 2014 nach Art
der Einrichtung
0
20
40
60
Weiblich
Männlich
Krankenhäuser
Stationäre/teil-
stationäre Pflege
Arztpraxen
Praxen sonstiger
medizinischer Berufe
Ambulante Pflege
Zahnarztpraxen
1 000 Personen
Gesundheitspersonal in Sachsen 2014 nach ausgewählten
Einrichtungen und Geschlecht
Berechnungsstand: Januar 2016
Datenquelle: Gesundheitspersonalrechnung der Länder
* Ermittelt werden Beschäftigungsverhältnisse, d. h. Personen mit mehreren
Arbeitsverhältnissen können mehrfach gezählt sein
.
0
2
4
6
8
10
12
2008 2009 2010 2011 2012 2013
Gesetzliche
Kranken-
versicherung
Soziale
Pflegever-
sicherung
Private
Haushalte*
Private
Kranken-
versicherung
Übrige
Milliarden Euro
Gesundheitsausgaben
in Sachsen 2008 bis 2013 nach
Ausgabenträgern
* einschl. private Organisationen ohne Erwerbszweck
Berechnungsstand: April 2015
Datenquelle: Gesundheitsausgabenrechnung der Länder
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55

Literatur- und Quellenverzeichnis
[1]
Richter, M: Die Bildung des Freistaates Sachsen, Friedliche Revolution, Föderalisierung, deutsche Einheit 1989/1990,
aus Besier, G (Hg.): Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitätsforschung Bd. 24, Vandenhoeck &
Ruprecht, Göttingen 2004, 69-70
[2]
Uhlmann, F.: Die Gründung des Landes Sachsen (o. J.)
www.infoseiten.slpb.de/geschichte/sachsen/ueberblick/1989-90/die-gruendung-des-landes-sachsen/
(Stand: 31.08.2016)
[3]
Richter, M., a. a. O., 737-738
[4]
SLpB: Sachsen Überblick, 1900 bis heute (o. J.),
http://www.infoseiten.slpb.de/geschichte/sachsen/ueberblick/1990-heute/
(Stand: 31.08.2016)
[5]
Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gemeinnützige GmbH (Hg.): Geschichte, Die Wiege Sachsens
(o. J.)
http://www.albrechtsburg-meissen.de/de/albrechtsburg-meissen/geschichte/
(Stand: 31.08.2016)
[6]
(ohne Autor, o. J.),
http://www.trabant-original.de/otdbx/ColorDB_view.php
(Stand: 31.08.2016)
[7]
(ohne Autor), Automobilbaustadt Zwickau (o. J.),
https://www.zwickau.de/de/tourismus/stadtgeschichte/sutomobilbaustadt.php
(Stand: 31.08.2016)
[8]
(ohne Autor) Die Geschichte des Trabant (o. J.),
http://www.ddr-museum.de/de/ausstellung/highlights/trabi.html
(Stand: 31.08.2016)
[9]
Böhme, H.: 30.4.1991: Letzter Trabi rollt vom Band (o. J.),
http://www.kalenderblatt.de/index.php?what=thmanu&page=1&manu_id=504&tag=30&monat=4&year=201
6&dayisset=1&lang=de (Stand: 31.08.2016)
[10] Judt, M.: Aufstieg und Niedergang der Trabi-Wirtschaft, in Judt, M. (Hg.): DDR-Geschichte in Dokumenten:
Beschlüsse, Berichte, interne Materialien und Alltagszeugnisse, Berlin 1998 (Forschungen zur DDR-Gesellschaft),
87-88
[11] (ohne Autor, o. J.), https://de.wikipedia.org/wiki/Trabant_(Pkw) (Stand: 31.08.2016)
[12] Datenquelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Flensburg
[13] StLA Sachsen: Statistischer Bericht Bestand an Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern im Freistaat
Sachsen 1. Januar 2015, Kamenz 2015
[14] StLA Sachsen: 10 Jahre Statistisches Landesamt 1992 - 2001, Kamenz 2002, 15
[15] ebd., 15
[16] ebd., 16
[17] BMWi (Hg.): Solidarpakt II von 2005 bis 2019,
http://www.beauftragte-neue-laender.de/BNL/Redaktion/
DE/Standardartikel/solidarpakt_2_von_2005_bis_2019.html (Stand 31.08.2016)
[18] BMF (Hg.): Länderfinanzausgleich, Grundprinzip des Länderfinanzausgleichs,
http://www.bundesfinanzministeriIum.de
/Web/DE/Themen/Oeffentliche_Finanzen/Foederale_Finanzbeziehungen/Laenderfinanzausgleich/laenderfinanzaus-
gleich.html (Abruf 12. August 2016)
[19] Vgl. auch weiterführend BMF (Hg.)
http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/
Oeffentliche_Finanzen/Foederale_Finanzbeziehungen/Kommunalfinanzen/Beteiligung-Gemeinden-Umsatzsteuer-
Januar-2016.pdf?__blob=publicationFile&v=3 (Stand: 12. August 2016)
[20] Retschke, G.: Neue Kreisstruktur in Sachsen - Auswirkungen auf regionale Bezugssysteme, in StLA Sachsen:
Statistik in Sachsen, Nr. 4/2007, Kamenz 2007, 71-73
[21] BMG (Hg.): Pflegeversicherung, Geschichte, Entwicklung und Finanzierung (o. J.),
http://www.bmg.bund.de/themen/pflege/pflegeversicherung/geschichte-entwicklung-und-finanzierung.html
(Stand: 31.08.2016)
[22] TÜV Rheinland (Hg.): Arbeitsschutz gestern und heute - Die Geschichte des Arbeitsschutzes in Deutschland
(o. J.),
http://www.tuv.com/de/deutschland/aktuelles/arbeitsschutzgesetz/geschichte_des_arbeitsschutzes_in_
deutschland/diegeschichtedesarbeitsschutzesindeutschland.html (Stand: 31.08.2016)
[23] (ohne Autor): Ladenschluß in Deutschland - Eine Chronologie (o. J.),
http://www.bockenheim-aktiv.de/forum/
ladenschluss/ladenschlusseinechronologie.php (Stand: 31.08.2016)
[24] TÜV Rheinland (Hg.), a. a. O.
[25] ebd.
[26] Hellmut Marschall/Land Nordrhein-Westfalen, Abteilung Presse und Information, PM NR. 74/97, 11. Novem-
ber 1997, Urteil des Gerichtshofes der EG in dem Vorabentscheidungsverfahren C-409/95
[27] Sächsisches Frauenförderungsgesetz - SächsFFG vom 31. März 1994 (SächsGVBl. S. 684)
[28] ebd. zu Zielen der Förderung
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[29] Auswärtiges Amt: Schengener Übereinkommen (04.08.2016)
http://www.auswaertiges-amt.de
/DE/EinreiseUndAufenthalt/Schengen.html (Stand: 31.08.2016)
[30]
www.migration-info.de/artikel/1998-05-05/deutschland-oesterreich-italien-umsetzung-des-schengener
-abkommens (Stand: 31.08.2016)
[31] Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hg.):
Der Bologna-Prozess (o. J.),
www.kmk.org/themen/hochschulen/internationale-hochschulangelegenheiten.html
(Stand: 31.08.2016)
[32] „Deutschland Online: Vernetzte Statistik“ in Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg, Heft 9/2005,
unter
http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Service/Veroeff/Monatshefte/20050910.mha
[33] Blang, D.: Meldungen zur Intrahandelsstatistik mit „w3stat“ über Internet, in Statistisches Bundesamt:
Wirtschaft und Statistik 2/2001, Wiesbaden 2001, 102-104
[34] interne Aufzeichnungen
[35] interne Aufzeichnungen und Berichte
[36] Destatis: Datenerhebung (o. J.),
https://www.destatis.de/DE/UeberUns/UnsereZiele/Buerokratieabbau/eStatistik/
Datenerhebung_IDEV_eStatcore.html
[37] Chmura, N./Haunhorst, R.: Jahreschronik 2001, in: Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte
der Bundesrepublik Deutschland (o. J.),
http://www.hdg.de/lemo/jahreschronik/2001.html
(Stand 31.08.2016)
[38] forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH: Bedeutung und Nutzung des Autos (2014),
https://www.cosmosdirekt.de/CosmosCAE/S/linkableblob/home/84782-9999/data/studie-bedeutung-und-nut-
zung-auto-nonindex-data.pdf (Stand: 31.08.2016)
[39] MWV Mineralölwirtschaftsverband e. V., DM-Beträge wurden zum offiziellen EZB-Referenzkurs (1 Euro = 1,95583
DM) umgerechnet.
[40] Wagner, A./Laps, S.: Entwicklung und Vorhersage der Elbe-Hochwasserkatastrophe (2005),
www.unwetterzentrale.
de/uwz/226.html (Stand: 31.08.2016)
[41] Reimer, N.: Als der Regen kam, Ein Fotolesebuch zur Flut in Sachsen, Dresden 2002, 11-13
[42] Meteomedia GmbH: Witterungsregelfälle/Singularitäten, Hundstage (o. J.),
www.unwetterzentrale.de/uwz/383.html
(Stand: 31.08.2016)
[43] WetterOnline GmbH (Hg.): Vor zehn Jahren 40 Grad heiß, Rückblick, Hitzesommer 2003 (09.08.2013),
http://www.wetteronline.de/extremwetter/2013-08-09-ex
(Stand: 31.08.2016)
[44] Küchler, W.: Die Dürreperiode 2003 in Sachsen (o. J.),
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/download/
klima/duerrebericht_2003_2.pdf (Stand: 31.08.2016)
[45] Dr. Blumöhr, T/Walsemann, U.: Landwirtschaft in Deutschland 2003, in Statistisches Bundesamt (Hg.):
Wirtschaft und Statistik 2/2004, Wiesbaden 2004, 176
[46] Bundesagentur für Arbeit (Hg.): Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland,
Ergebnisbericht 2004, Nürnberg/Berlin 2005
[47] BMWi (Hg.): Allianz für Aus- und Weiterbildung (2016),
http://www.aus-und-weiterbildungsallianz.de/AAW/Navi-
gation/DE/Home/home.html (Stand: 31.08.2016)
[48] Zimmermann, K. F.: Eine Zeitenwende am Arbeitsmarkt, in BPB (Hg.): Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage
zur Wochenzeitung ‚Das Parlament‘, Heft 16/2005, Bonn 2005, 3-5
[49] Bibliographisches Institut GmbH Dudenverlag (o. J.): Geschichte der Rechtschreibung, Von heute bis zur Teilung
in Ausgabe Ost und Ausgabe West nach 1945,
http://www.duden.de/ueber_duden/geschichte-der-rechtschrei-
bung (Stand: 31.08.2016)
[50] KMK (Hg.): Statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz, Dokumentation Nr. 209 (2015),
http://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/Dok_209_SKL_2014.pdf
(Stand: 31.08.2016)
[51] Spatzierer, M./Sävert, T./Laps, S. (2007): Orkantief KYRILL - 18., 19.01.2007 (Tief Nr. 33) - Der schwerste Orkan
seit Jahrzehnten,
www.unwetterzentrale.de/uwz/348.html
(Stand: 31.08.2016)
[52] Oelschlägel, M. (o. J.): Analyse des Orkans Kyrill (16.1.07-20.1.07),
www.frontgewitter.de/Kyrill5.html
(Stand: 31.08.2016)
[53] ebd.
[54] SMS (2010): Sächsisches Nichtraucherschutzgesetz (SächsNSG),
www.gesunde.sachsen.de/download/
Download_Gesundheit/Saechs._Nichtraucherschutzgesetz_Fragen_und_Antworten.pdf (Stand: 31.08.2016)
[55] BAfA (Hg.): Abschlussbericht – Umweltprämie, Wirtschaftsförderung (2010),
http://www.bafa.de/bafa/de/
wirtschaftsfoerderung/umweltpraemie/publikationen/ump_abschlussbericht.pdf (Stand: 31.08.2016)
[56] GfdS: Abwrackprämie zum Wort des Jahres 2009 gewählt, Pressemitteilung vom 18.12.2009,
http://gfds.de/
wort-des-jahres-2009-abwrackpraemie/ (Stand: 31.08.2016)
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[57] Richtlinie 1999/74/EG des Rates vom 19. Juli 1999 zur Festlegung von Mindestanforderungen zum Schutz von
Legehennen, Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften, 03.08.1999, L 203/53
[58] BMEL (Hg.): Fragen und Antworten zur Legehennenhaltung in Deutschland (o. J.),
https://www.bmel.de/DE/Tier/
Nutztierhaltung/_texte/HaltungLegehennen-Bioeier_FAQ_Tierschutz.html (Stand: 31.08.2016)
[59] Bundesratsdrucksache 112/15 (B) vom 06.11.2015: Entwurf einer Sechsten Verordnung zur Änderung der Tier-
schutz-Nutztierhaltungsverordnung
[60] BLE (Bonn): Deutschland isst mehr Eier – 233 Stück pro Person, Pressemeldung vom 18.03.2016
[61] Richtlinie 2004/38/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004, Kapitel III, Artikel 6, Ab-