image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Verwendung von hochwertigem Vermehrungsgut der
Hybrid-Lärche und Aspe in Zeitmischungen: Eine Option für
die Anpassung an den Klimawandel?
María del Carmen Dacasa Rüdinger, Wolfgang Hüller, Heino Wolf
Staatsbetrieb Sachsenforst, Referat Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung, Bonnewitzer Straße 34, 01796 Pirna, Germany
Contact: maria.dacasa@smul.sachsen.de; wolfgang.hueller@smul.sachsen.de; heino.wolf@smul.sachsen.de
Beispiel 2: Truppweise Mischung auf Zeit von Aspe in einem Stieleichen-Bestand
Ziel:
Waldumbau von Fichte zu Stieleiche auf pseudovergleytem Standort
Anlage:
FoB Leipzig, 1,5 ha, Frühjahr 2014; Frässtreifen im Abstand von 2 m, leichte Kalkung (3t/ha); Eichen-Sämlinge, Verband 1,0 m x 2,0 m, keine
Wildschutzmaßnahmen; Hybridaspenklone aus in vitro-Vermehrung, Verband 3,0 m x 2,0 m, Containerpflanzen, Einzelschutz mit Freiwuchsgitter oder mit
Wuchshüllen; Pappel-Setzstangen entlang der Rückegasse in Doppelreihe (ca. 4,0 m x 4,0 m), Einzelschutz mit Fegeschutzspiralen; Freimähen der Eichenkultur.
Ergebnisse (Aspe):
4% Ausfälle nach der Pflanzung; durchschnittlicher Höhenzuwachs im 2. Wuchsjahr: Ca. 100 cm.
Förderkennzeichen 22034914
Laufzeit: 2012-2018
Beispiel 1: Lärchen-Vorwald
Ziel:
Waldumbau von Fichte zu Buche auf mäßig frischen Standort
Anlage:
FoB Leipzig, 1,2 ha, Frühjahr 2015; einjährige Hybridlärchen aus somatischer Embryogenese, Verband 3,0 m x 3,0 m, Containerpflanzen; Behandlung
gegen großen braunen Rüsselkäfer, zweimaliges Freimähen.
Ergebnisse:
3% Ausfälle nach der Pflanzung; durchschnittlicher Höhenzuwachs im 2. Wuchsjahr: Ca. 80 cm.
Konsensfähige Anpassungsstrategien sind möglich!
Durch die Verwendung von höherwertigem Vermehrungsgut der Hybridlärche und Aspe können verschiedene Anpassungsstrategien gleichzeitig auf ein und
derselben Fläche umgesetzt werden: Erhöhung der Baumartenvielfalt im Vergleich zum traditionellen Anbau, Verkürzung der Produktionszeit durch schnelles
Wachstum, Differenzierung der Waldstrukturen bei Kombination mit langsam wachsenden Baumarten sowie Schutz für Zielbaumarten. Höherwertiges
Vermehrungsgut zeichnet sich außerdem durch eine größere Widerstandskraft unter anderem gegenüber abiotischen Stressoren aus und verbessert somit die
Bestandesstabilität. Die Nutzung von Hybridlärche und Aspe in relativ kurzen Umtriebszeiten trägt zur Versorgung der holzverarbeitenden Industrie mit
Schwachholz-Sortimenten bei und ermöglicht dem Forstbetrieb eine Flexibilisierung von Produktionszielen bei geringerem Anbaurisiko.
Die Verwendung von höherwertigem Vermehrungsgut als Bestandteil alternativer Waldbausysteme eröffnet neue Möglichkeiten zur Kombination
unterschiedlicher Anpassungsstrategien. Diese Vorgehensweise kann dabei auch der Findung von Kompromisslösungen bei der Erfüllung forstwirtschaftlicher
und naturschutzfachlicher Ziele in Zeiten eines sich wandelnden Klimas dienen.
Referenzen
Bolte, A. et al., 2009 vTI Agric. For. Res. 4 (59): 269-278; Schütz, J.P., 1999 Schweiz. Z. Forstwes. 150: 1-12; Brang, P. et al., 2014 Forestry 87: 492-503; Reif, A. et al., 2010 NuL 42 (9): 261-266
Fläche nach der Pflanzung April 2015
August 2016
Wachstumswerte in 2. Wuchsjahr bis zu 132 cm
Eiche
Aspe
Pappel
Verteilung der Trupps. Eiche (Ei), Aspe (As), Pappel (Pa)
Juli 2014
Wachstumswerte in 2. Wuchsjahr bis zu 300 cm
Hochwertiges Pflanzenmaterial für alternative Waldbausysteme
Die Veränderung des Klimas führt notwendigerweise zu einer Anpassung von Waldbaustrategien, um die Stabilität und Produktivität der Wälder auch unter den
neuen Klimaverhältnissen zu gewährleisten (Bolte et al. 2009). Alternative Waldbausysteme können bei der Begründung von Wäldern mit höherer Resilienz
eine wichtige Rolle spielen (Schütz, 1999). Dies kann durch die Kombination von mehreren Anpassungsstrategien erfolgen zum Beispiel durch die Erhöhung der
Baumartenzahl oder durch eine Diversifizierung der Waldstruktur (Brang et al. 2014). Weitere Anpassungsmaßnahmen wie zum Beispiel die Verwendung von
eingeführten Baumarten oder die Verkürzung von Produktionszeiten werden weiterhin stark diskutiert und sorgen unter anderem für Spannungen zwischen
Forstwirtschaft und Naturschutz (Reif et al. 2010). Dabei könnte gerade die Pflanzung von höherwertigem Vermehrungsgut eingeführter Baumarten einen
wichtigen Beitrag zur Findung von Konsenslösungen zwischen beiden Interessensgruppen leisten. Wir möchten hier die integrierte Verwendung von derartigem
Pflanzenmaterial innerhalb alternativer Waldbausysteme anhand von zwei Beispiele darstellen.