ARE-/Influenza-Sentinel 2018/2019
LANDESUNTERSUCHUNGS-
ANSTALT FÜR DAS GESUNDHEITS-
UND VETERINÄRWESEN
im Freistaat Sachsen
0
30
60
90
120
150
180
0
50
100
150
200
250
300
27.KW
29.KW
31.KW
33.KW
35.KW
37.KW
39.KW
41.KW
43.KW
45.KW
47.KW
49.KW
51.KW
1.KW
3.KW
5.KW
7.KW
9.KW
11.KW
13.KW
15.KW
17.KW
19.KW
21.KW
23.KW
25.KW
Influenzavirus-Nachweise 2018/2019
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
2018
Kalenderwochen
2019
Influenzavirus-Nachweise
ARE-Inzidenz 2018/2019
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
ARE-Inzidenz 2017/2018

│1
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2018/2019 im Freistaat Sachsen
............................................................................................................
2
1
Auswertung des epidemiologischen ARE-/Influenza–Sentinels 2018/2019 im Freistaat Sachsen
und Vergleich mit anderen Surveillance-Instrumenten
..................................................................................................................................3
1.1
Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel sowie Saisonverlauf in Sachsen und Deutschland
.................................................................... 3
1.2
Sächsische Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG)
............................................................................................................... 7
1.3
Influenza-Saison 2018/2019 innerhalb Europas
..............................................................................................................................................
9
1.4
Influenzavirus-Nachweise bei Geimpften (Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel)
.................................................................................
9
1.5
ARE-Normalgang und Verlauf, Beispiel Landkreis Mittelsachsen
..............................................................................................................
11
2
Auswertung des Influenza-Sentinels 2018/2019 im Freistaat Sachsen, mikrobiologischer Teil
......................................................12
2.1
Virologische Diagnostik im Rahmen des Influenza-Sentinels
.....................................................................................................................
12
2.2
Ergebnisse des Sentinels von Oktober 2018 bis April
2019.........................................................................................................................12
3
Sächsische Impfdatenbank: Auswertungen zu Influenza-Impfungen
......................................................................................................16
4
Influenza-Impfstoff für die Saison 2018/2019
...............................................................................................................................................18

image
2 │
Sehr geehrte Leserinnen und Leser des ARE-/Influenza-Sentinel-
Berichts,
während der Influenza-Saison 2018/2019, über die in dieser
Veröffentlichung berichtet wird, wurden im Freistaat Sachsen
22.642 Influenza-Erkrankungen meldetechnisch erfasst. Dies
sind zwar weniger als halb so viele Influenza-Fälle wie in der
Vorsaison, die Berichtssaison 2018/2019 rangiert bezüglich der
übermittelten Fallzahl nach der Rekordsaison 2017/2018 jedoch
auf dem zweiten Platz. In der Saison 2017/2018 war bezüglich
der Meldezahlen mit übermittelten 47.765
Influenza-Erkran-
kungen ein Rekordwert seit 2001 erreicht worden. In den
Vor-
jahren wurden hingegen jeweils nur maximal 10.000 bis 16.000
Influenza-Fälle übermittelt. Die Dunkelziffer liegt sicherlich
noch um einiges höher, da nicht jeder Erkrankte den Arzt
auf-
sucht und dieser dann auch nicht bei allen Patienten eine
La-
boruntersuchung veranlasst. Sicherlich haben eine gesteigerte
Surveillance und eine Zunahme labordiagnostischer Nachweise
mit zum Anstieg der Meldezahlen in den vergangenen Jahren
beigetragen, nichtsdestotrotz liegt jedoch eine weitere Saison
mit außergewöhnlich hoher Krankheitslast hinter uns.
Die Influenzawelle 2018/2019 begann in Sachsen in der 5.
Ka-
lenderwoche 2019 und endete nach der 13. Kalenderwoche
2019. Mit jeweils über 2.200 gemeldeten Influenza-Fällen
er-
reichte die diesjährige Influenzawelle von der 6. bis zur 10. KW
2019 ihren Höhepunkt. In der 7. und 8. KW 2019 kamen sogar
jeweils über 3.400 Erkrankungen zur Meldung.
In der Saison 2018/2019 dominierten in Sachsen wie auch
bun-
desweit Influenza A-Viren deutlich mit über 99 %, Influenza
B-Viren wurden nur vereinzelt nachgewiesen. Innerhalb des
sächsischen Sentinels waren knapp zwei Drittel (63,3 %) der
typisierbaren Influenza-Infektionen durch den Subtyp A(H1N1)
pdm09 und ein gutes Drittel (36,7 %) durch den Subtyp
Influen-
za A(H3N2) bedingt. Laut Untersuchungsergebnissen des
Natio-
nalen Referenzzentrums für Influenza gehörten die Influenza A-
Viren bundesweit nahezu paritätisch dem Subtyp A(H1N1pdm09
und dem Subtyp A(H3N2) an.
Wie schon in der Vorsaison erkrankten während der Saison
2018/2019 in Sachsen verhältnismäßig viele Erwachsene im
berufstätigen Alter, nur insgesamt ein Drittel der Erkrankungen
traten bei Kindern und Jugendlichen auf. Mehr als die Hälfte
aller während der Saison 2018/2019 gemeldeten Fälle betraf
Patienten im Alter zwischen 20 und 64 Jahren. 16 % der
Er-
krankungen, und damit ein deutlich größerer Anteil als in der
Vorsaison, traten bei Kleinkindern (1-4 Jahre) auf, in 12 % der
Fälle waren über 64-jährige Senioren betroffen.
In Sachsen verstarben in der Saison 2018/2019 insgesamt 74
Patienten nachweislich an Influenza. Betroffen waren
aus-
schließlich Erwachsene im Alter zwischen 45 und 97 Jahren,
der Altersmedian der Verstorbenen lag bei 78,5 Jahren. Damit
waren zwar deutlich weniger Todesfälle zu beklagen als in der
Vorsaison mit 176 Meldungen, dennoch belegt diese Zahl die
Bedrohlichkeit dieser Erkrankung vor allem für ältere, mit
Vorer-
krankungen belastete Patienten.
Die Saison 2018/2019 zeichnete sich nicht nur durch ein
aus-
geprägtes Influenza-Geschehen, sondern auch durch
vergleichs-
weise sehr hohe Meldezahlen von Respiratorischem Synzytial-
Virus (RSV)-Infektionen aus. Insgesamt wurden ab der 40. KW
2018 bis einschließlich der 17. KW 2019 im Freistaat Sachsen
5.539 RSV-Infektionen meldetechnisch erfasst, was ungefähr
einer Verdopplung der üblicherweise gemeldeten Fallzahl
ent-
spricht. Knapp die Hälfte aller Erkrankungen wurde bei
Kleinkin-
dern diagnostiziert. Auch die Anzahl der in der Saison 2018/2019
registrierten Todesfälle, betroffen waren ausschließlich
Erwach-
sene (Altersmedian: 83,5 Jahre), war mit 23 Verstorbenen
äu-
ßerst hoch. In den vorherigen drei Saisons wurden jeweils nur
maximal drei Todesfälle gemeldet.
Kein Impfstoff bietet einen hundertprozentigen Schutz. Vor
allem Personengruppen, deren Immunsystem generell weniger
gut auf Impfungen anspricht (z. B. ältere oder chronisch kranke
Menschen), entwickeln zum Teil nicht die gewünschte
Immu-
nantwort. Vor allem gegen den Influenza A(H3N2)-Stamm, der
in der vergangenen Influenza-Saison in Sachsen wie bundesweit
kursierte, war nur eine suboptimale Impfeffektivität vorhanden.
Trotzdem ist und bleibt die Impfung gegen Influenza die
wirk-
samste und wichtigste Schutzmaßnahme gegen diese schwere
Erkrankung.
Im Januar 2018 hatte die Ständige Impfkommission (STIKO) am
Robert Koch-Institut ihre Influenza-Impfempfehlung präzisiert
und für die Impfung gegen saisonale Influenza explizit einen
tetravalenten Influenza-Impfstoff empfohlen. Diese Empfehlung
der Bevorzugung 4fach-valenter vor 3fach-valenten
Impfstof-
fen war durch die Sächsische Impfkommission (SIKO) bereits ab
1.01.2017 erfolgt. Die schlussendlich klare Positionierung der
STIKO führte dazu, dass die Verwendung des tetravalenten
Impf-
stoffes als Kassenleistung abrechenbar wurde. In Folge kamen
in der Saison 2018/2019 überwiegend tetravalente Impfstoffe
zur Anwendung. Dies hat gemeinsam mit der ausgeprägten
In-
fluenza-Epidemie der Vorsaison 2017/2018 sicherlich mit dazu
beigetragen, dass der Abwärtstrend der Impfquoten in Sachsen
gestoppt wurde und in der Saison 2018/2019 eine, wenn auch
geringe Zunahme der Impfbereitschaft zu registrieren war (siehe
Teil 3 dieses Berichts).
Mit langer Tradition stellt das sächsische
ARE-/Influenza-Sen-
tinel wissenschaftlich fundierte und für die Praxis wichtige
In-
formationen für prophylaktische und therapeutische
Bekämp-
fungsmaßnahmen zur Verfügung. In diesem Sinne möchten wir
allen Beteiligten in Arztpraxen, Krankenhäusern,
Gesundheits-
ämtern und sonstigen Einrichtungen unseren herzlichen Dank
für die engagierte Mitarbeit aussprechen.
Die Lektüre des vorliegenden Berichtes soll Ihnen einen Einblick
in die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer
Landes-
einrichtung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hinsichtlich
präventiver Maßnahmen für die Gesundheit aller Bürgerinnen
und Bürger geben.
Dr. Gerlinde Schneider
Präsidentin
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2018/2019
im Freistaat Sachsen

│3
Die
Ergebnisse
der
Influenza-Überwachung
der
Saison
2018/2019 basieren wie bereits in den vergangenen Jahren
(siehe LUA-Mitteilungen sowie diesbezügliche Sonderhefte) auf
diversen erhobenen Daten.
Hierzu zählen aus epidemiologischer Sicht insbesondere:
]
das Influenza-Sentinelsystem des Öffentlichen
Gesundheits-
dienstes (ÖGD) in Sachsen beziehungsweise der
Arbeitsge-
meinschaft Influenza (AGI) inklusive Sachsen in Deutschland
]
der Erregernachweis (PCR und Virusanzüchtung) unter
ande-
rem zur Bestätigung epidemiologischer Daten (Beginn/Ende
einer Epidemie)
]
die Berücksichtigung entsprechender Informationen aus den
anderen Bundes- und den europäischen Nachbarländern zu
Häufungen; Informationen über Krankheitsverläufe,
Kompli-
kationen, Altersspezifität, Mortalität etc.
Die Auswertung dieser Faktoren erlaubt die folgende
Einschät-
zung der Influenza-Aktivität für die Saison 2018/2019 (40.
Ka-
lenderwoche (KW) 2018 – 17. KW 2019).
1.1 Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel sowie
Saison-
verlauf in Sachsen und Deutschland
Zu Beginn der Saison entsprach die Häufigkeit akuter
respiratori-
scher Erkrankungen (ARE-Morbidität) im Freistaat Sachsen dem
erwarteten Niveau. Auch in den anderen Bundesländern
gestal-
tete sich die ARE-Influenza-Situation unauffällig. Die Werte der
Konsultationsinzidenzen für Gesamtdeutschland zeigten die
üb-
liche Altersgruppenverteilung und bewegten sich in dem für die
Jahreszeit normalen Bereich. Die ARE-Aktivität war gemäß den
virologischen Ergebnissen des Nationalen Referenzzentrums für
Influenza (NRZ Influenza) in diesem Zeitraum hauptsächlich auf
Rhinoviren zurückzuführen. Alle anderen untersuchten
Atem-
wegserreger wurden selten oder gar nicht nachgewiesen. Bis
einschließlich der 6. KW 2019 erfolgten weder im Rahmen des
Sächsischen Sentinels noch am NRZ Influenzavirus-Nachweise.
Ein bundesweiter, leichter Anstieg der ARE-Aktivität wurde erst
ab der 47. KW 2018 beobachtet. Jedoch bestanden weder für
Sachsen noch für das übrige Bundesgebiet Hinweise auf eine
erhöhte Influenza-Aktivität. Unter den nachgewiesenen
res-
piratorischen Erregern dominierten weiter Rhinoviren,
verein-
zelt wurden Adenoviren, RS-(Respiratory Syncytial-)Viren und
humane Metapneumoviren detektiert. Ebenfalls in der 47. KW
gelangen die ersten zwei Influenza A(H1N1)pdm09-Nachweise
der Saison innerhalb des Sentinels der AGI (Arbeitsgemeinschaft
Influenza) am NRZ.
Ab der 49. KW 2018 wurde auch in Sachsen ein Anstieg der
ARE-Aktivität registriert. Zudem wurden die ersten drei
Influ-
enza A(H1N1)pdm09-Nachweise innerhalb des Sächsischen
Sentinels geführt. Betroffen waren eine 21-jährige ungeimpfte
Frau aus dem LK Meißen sowie ein 65-jähriges Ehepaar aus dem
Erzgebirgskreis, das trotz tetravalenter Impfung mit typischer
Symptomatik erkrankte.
Bis zum Jahresende blieben die Werte stabil und bewegten sich
durchweg auf einem für die Jahreszeit üblichen Niveau. Am NRZ
wurden anhand bundesweit eingesandter Proben bis
einschließ-
lich der 52. KW 2018 jeweils 11 Influenza A(H1N1)pdm09-
be-
ziehungsweise A(H3N2)-Infektionen bestätigt.
Zu Beginn des Jahres 2019 stieg der Anteil von Nachweisen an
RS- sowie auch von Influenzaviren am NRZ merklich an. Ab der
2. KW 2019 rangierten Influenzaviren unter den am NRZ
identi-
fizierten, respiratorischen Erregern an erster Stelle, gefolgt von
RS- und Rhinoviren. Nach Definition der AGI begann die
Grippe-
welle der Saison 2018/2019 in Deutschland in der 2. KW 2019.
Der Beginn der Grippewelle auf Bevölkerungsebene orientiert
sich an der Influenza-Positivenrate der virologischen Sentinel-
Surveillance. Sobald der Wert für die untere Grenze des
95-Pro-
zent-Vertrauensbereichs zwei Wochen in Folge über 10 % liegt,
beginnt die Grippewelle mit der ersten dieser beiden Wochen.
Ab der 4. KW 2019 war ein weiterer Anstieg der Influenza-
Aktivität zu beobachten. Neben einer Zunahme von Influenza-
Infektionen, von denen bis dahin bundesweit 55 % dem Subtyp
A(H1N1)pdm09 und 45 % dem Subtyp A(H3N2) zuzuordnen
waren, wurde eine deutliche Ko-Zirkulation von RS-Viren
ver-
zeichnet. Auch in Sachsen markierten die Zunahme von
Proben-
einsendungen, Influenzavirus-Nachweisen sowie Meldezahlen
den Beginn der saisonalen Influenzawelle. Aus dem SK Dresden
wurden die ersten Influenza A-Todesfälle der Saison übermittelt.
Betroffen waren zwei ungeimpfte Männer im Alter von 66
be-
ziehungsweise 80 Jahren.
Nach einem weiteren Anstieg befand sich die ARE-Aktivität
bundesweit ab der 5. KW 2019 auf einem deutlich, ab der 6. KW
2019 dann auf einem stark erhöhten Niveau, die
Influenza-Posi-
tivenrate stieg auf über 50 %. Eine Zunahme der Grippeaktivität
war in Gesamtdeutschland bis einschließlich der 7. KW 2019 zu
verzeichnen. Der Höhepunkt der Influenzawelle wurde in
Sach-
sen wie auch bundesweit in der 8. und 9. KW 2019 erreicht.
Die Influenzaaktivität hielt trotz leichten Rückgangs jedoch an.
Weiterhin wurde eine ausgesprochen hohe Zahl an Influenza-
Erkrankungen übermittelt.
Ab der 11. KW 2019 wurde nur noch eine moderat erhöhte
Ak-
tivität der akuten respiratorischen Erkrankungen gemessen, die
Zahl der gemeldeten Erkrankungen war rückläufig. Der Gipfel
der Influenzawelle war überschritten.
1 Auswertung des epidemiologischen ARE-/
Influenza–Sentinels 2018/2019 im
Freistaat Sachsen und Vergleich mit anderen
Surveillance-Instrumenten

4 │
Nach Definition der AGI endete die Influenzawelle in
Deutsch-
land bei nur noch geringer Influenza-Aktivität in der 14. KW
2019. Ab der 15. KW 2019 dominierten – wie zu Saisonbeginn
– wieder Rhinoviren unter den nachgewiesenen Erregern von
Atemwegserkrankungen.
Mit der 17. KW wurde die Influenza-Saison 2018/2019 im
Frei-
staat Sachsen abgeschlossen. Bis zum Ende des
Berichtszeit-
raums war jedoch weiterhin eine Viruszirkulation zu
verzeich-
nen.
Für den Freistaat Sachsen kann auf der Basis der Influenza-
Überwachung durch das epidemiologische und mikrobiologische
ARE-/Influenza-Sentinel in der vergangenen Influenza-Saison
von einer ausgeprägten Influenzawelle gesprochen werden.
Die Grippewelle der Saison 2018/19 begann nach Definition der
Arbeitsgemeinschaft Influenza in der 2. KW 2019, in Sachsen
war ein deutlicher Ansstieg erst ab der 4. KW 2019 zu
verzeich-
nen. Sie erreichte mit einem Gipfel zwischen der 6. und 10. KW
ihren Höhepunkt während der 8. bis 9. KW 2019 und endete in
der 14. KW 2019. Sie hielt bundesweit 13 Wochen an. In der
Saison 2018/2019 dominierten in Sachsen wie auch bundesweit
Influenza A-Viren mit über 99 %, Influenza B-Viren wurden nur
sehr vereinzelt nachgewiesen. Die Influenza A-Viren gehörten
laut Untersuchungsergebnissen des Nationalen
Referenzzen-
trums für Influenza nahezu paritätisch dem Subtyp A(H1N1)
pdm09 und dem Subtyp A(H3N2) an (Abbildungen 1, 3, 4 und 5
sowie Tabellen 1 und 3).
Altersverteilung
(Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel)
Die identifizierten Influenza-Erkrankungen innerhalb des
Senti-
nels betrafen zu mehr als einem Viertel Klein- und
Vorschulkin-
der (1 - < 7 Jahre, 28,8 %), zu etwa einem Fünftel Schulkinder
und Jugendliche (7 - < 17 Jahre, 20,2 %). In der Altersgruppe
Erwachsene (17 - < 60 Jahre) wurden 31,1 % aller Fälle
regist-
riert. 18,1 % der Erkrankungen traten bei Senioren (
60 Jahre)
auf. Der Hochrisikogruppe der unter 1-Jährigen ließen sich (wie
schon in der Vorsaison) 1,8 % der Fälle zuordnen (Tabelle 2 und
Abbildung 2).
Somit wurden mit 50,8 % die Hälfte aller Nachweise innerhalb
des Sentinels 2018/2019 bei Kindern und Jugendlichen (< 17
Jahren) geführt. Im Vergleich zur Vorsaison erfolgten anteilig
mehr Nachweise in der Altersgruppe der Klein- und
Vorschulkin-
der und weniger Nachweise bei Erwachsenen (17 - < 60 Jahre).
Den
klinischen Verlauf
der diesjährigen
Influenza-Erkrankun-
gen beschrieben die behandelnden Ärzte vor allem bei älteren
Patienten als verhältnismäßig schwer und langwierig.
Die diesjährige, ausgeprägte Influenzawelle begann in Sachsen
in der 5. KW 2019, erreichte ihren Gipfel ab der 6. bis
einschließ-
lich der 10. KW 2019 und endete nach der 13. Woche 2019. Die
durchschnittliche Positivenrate betrug 39,4 % und befand sich
damit im erwarteten Bereich. Die Aktivität der akuten
respira-
torischen Erkrankungen befand sich in Sachsen nur zu Anfang
und zum Ende der Berichtssaison über dem Normalgang, das
heißt über dem für die Jahreszeit erwarteten Niveau. Zu Beginn
der Saison, also zum Jahresende 2018 wurden die
Atemwegser-
krankungen aber vor allem durch Rhinoviren verursacht. Die für
den Jahreszeitraum hohen Influenza-Erkrankungszahlen gegen
Ende der Berichtssaison führten dazu, dass die Signalschwelle
Tabelle 1: Probeneinsendungen, Influenzavirus-Nachweise
(mittels PCR) und Positivenraten
KW
Probenein-
sendungen
Anzahl positiver
Proben
Positivenrate
(in %)
40-1
102
8
7,8
2
33
4
12,1
3
36
10
27,8
4
49
13
26,5
5
108
42
38,9
6
144
62
43,1
7
234
120
51,3
8
168
75
44,6
9
131
67
51,1
10
140
64
45,7
11
133
49
36,8
12
80
35
43,8
13
82
25
30,5
14
42
13
30,9
15
49
16
32,7
16
27
14
51,9
17
10
1
10,0
Summe
1.568
618
39,4
Tabelle 2: Altersaufgliederung der Patienten mit Influenza-
virus-Nachweis (mittels PCR)
Altersgruppen
Sachsen
0 - < 1
11
=
1,8 %
1 - < 7
178
=
28,8 %
7 - < 17
125
=
20,2 %
17 - < 60
192
=
31,1 %
60
112
=
18,1 %
Gesamt
618
0
50
100
150
200
250
40-52
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
Anzahl
2018
Kalenderwoche
2019
Probeneinsendungen
darunter Nachweise
Abbildung 1:
Probeneinsendungen und Influenzavirus-Nachweise (mittels
PCR) nach Kalenderwochen (Tag der Probenahme)

│5
in der 14. und 15. KW überschritten wurde. Der Höhepunkt der
Influenzawelle lag zwischen der 6. und 10. KW 2019 (Tabellen 1
und 3 sowie Abbildungen 3, 4 und 5).
In Sachsen wurden in der Saison 2018/2019 innerhalb des ÖGD-
Sentinels ausschließlich Influenza A-Infektionen nachgewiesen.
373 der 589 mittels PCR typisierbaren Influenza A-Viren ließen
sich dem Subtyp A(H1N1)pdm09 und 216 dem Subtyp A(H3N2)
zuordnen, bei 29 Influenza A-Viren (4,7 %) gelang keine
Subty-
pisierung.
In der aktuellen Berichtssaison waren demzufolge innerhalb
des sächsischen Sentinels knapp zwei Drittel
beziehungswei-
se 63,3 % der typisierbaren Influenza-Infektionen durch den
Subtyp A(H1N1)pdm09 und ein gutes Drittel beziehungsweise
36,7 % durch den Subtyp Influenza A(H3N2) bedingt.
Detaillierte Angaben zu den sächsischen Ergebnissen sind im
Teil 2 – Influenza-Sentinel/mikrobiologischer Teil aufgeführt.
Mit insgesamt 1.568 Einsendungen während des
Sentinelzeit-
raumes (40. KW 2018 – 17. KW 2019) wurde in den
LUA-La-
boratorien eine ähnlich große Anzahl von Proben untersucht
wie in der Saison 2016/2017, jedoch deutlich weniger als in der
Vorjahressaison 2017/2018, in der Rekordwerte erreicht worden
waren. Mit 618 positiven Proben wurden in der Berichtssaison
2018/2019 auch nur halb so viele Influenza-Nachweise wie
2017/2018 geführt. Die Positivenrate, das heißt der Prozentsatz,
der den Anteil der Sentinelproben darstellt, in denen
Influenza-
viren nachgewiesen wurden, lag mit 39,4 % verglichen mit den
Vorjahren im durchschnittlichen Bereich.
Zur Begriffserläuterung der Abbildungen 3 und 5:
Akute Atemwegserkrankungen treten jahreszeitlich bedingt
generell unterschiedlich häufig auf. Anhand über viele Jahre
hinweg erhobener Daten wurden Werte, also
Erkrankungs-
zahlen errechnet, die für den jeweiligen Zeitraum normal
sind (
Normalgang, Erwartungswert
), sowie Werte, die
da-
rauf hindeuten, dass das Erkrankungsaufkommen über das
übliche Maß hinausgeht. Die
Signalschwelle
markiert, dass
die Anzahl an Neuerkrankungen in einem solchen Maß über
dem Erwarteten liegt, dass eine nicht mehr für die Jahreszeit
übliche Erkrankungswelle vorliegt.
0
5
10
15
20
25
30
35
40
0 < 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
60 und älter
Influenzavirus-Nachweise (%)
Altersgruppe
Abbildung 2:
Influenzavirus-Nachweise (mittels PCR) nach Altersgruppen
0
30
60
90
120
150
180
0
50
100
150
200
250
300
27.KW
29.KW
31.KW
33.KW
35.KW
37.KW
39.KW
41.KW
43.KW
45.KW
47.KW
49.KW
51.KW
1.KW
3.KW
5.KW
7.KW
9.KW
11.KW
13.KW
15.KW
17.KW
19.KW
21.KW
23.KW
25.KW
Influenzavirus-Nachweise 2018/2019
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
2018
Kalenderwochen
2019
Influenzavirus-Nachweise
ARE-Inzidenz 2018/2019
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
ARE-Inzidenz 2017/2018
Abbildung 3:
ARE und Influenza in Beziehung zum Normalgang, 27. KW 2018 – 26. KW 2019, Stadt Chemnitz

6 │
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
40. KW
41. KW
42. KW
43. KW
44. KW
45. KW
46. KW
47. KW
48. KW
49. KW
50. KW
51. KW
52. KW
1. KW
2. KW
3. KW
4. KW
5. KW
6. KW
7. KW
8. KW
9. KW
10. KW
11. KW
12. KW
13. KW
14. KW
15. KW
16. KW
17. KW
Mittelwert pro Einrichtung
Erkrankungen absolut
2018 Kalenderwoche 2019
Gesamt
Mittelwert pro
meldende
Praxis/Einrichtung
Abbildung 4:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2018/2019
0
10
20
30
40
50
60
70
80
40
42
44
46
48
50
52
2
4
6
8
10
12
14
16
Mittelwert pro meldende Praxis/Einrichtung
2018
Woche
2019
2017/18
2018/19
Erwartungswert
moderat
Signalschwelle
Abbildung 5:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2017/2018 und 2018/2019, Mittelwert pro meldende Praxis/Einrichtung

│7
Tabelle 3: In der LUA Sachsen erhobene Influenzavirus-Nachweise, Saison 1999/2000 bis 2018/2019
Saison
Anzahl
Probeneinsen-
dungen
Anzahl
positive Proben
(Anzucht und/
oder PCR)
Positivenrate
(%)
Anzahl
Proben mit
Nachweis
Infl. A
Anzahl
Subtyp
A(H1N1)
Anzahl
Subtyp
A(H1N2)
Anzahl
Subtyp
A(H3N2)
Anzahl
Proben mit
Nachweis
Infl. B
2018/2019
1.568
618
39,4
618
373
1)
-
216
-
2017/2018
2.377
1.242
52,3
338
1)
308
1)
-
22
908
2016/2017
1.529
653
42,7
639
1)
-
594
14
2015/2016
1.332
488
36,6
187
176
1)
-
10
302
2014/2015
1.358
468
34,5
441
66
1)
-
363
27
2013/2014
323
29
9,0
28
4
1)
-
24
1
2012/2013
1.785
895
50,1
692
399
1)
-
287
202
2011/2012
436
101
23,2
76
5
1)
-
69
25
2010/2011
1.267
524
41,4
310
309
1)
-
1
214
2009/2010
2.364
920
38,9
920
917
1)
-
-
-
2008/2009
2.296
826
36,0
679
8
-
369
149
2007/2008
1.629
449
27,6
190
188
-
2
259
2006/2007
2.088
733
35,1
732
16
-
290
1
2005/2006
1.183
181
15,3
48
11
-
36
133
2004/2005
4.310
1.922
44,6
1.192
110
-
194
748
2003/2004
1.628
482
29,6
482
-
-
482
-
2002/2003
3.588
1.195
33,3
1.088
1
1
1.086
110
2001/2002
1.239
411
33,2
174
-
3
171
241
2000/2001
1.379
401
29,1
397
396
-
1
4
1999/2000
1.854
411
22,2
411
-
-
411
-
1)
Subtyp A(H1N1)pdm09
Tabelle 3 liefert einen Überblick über die Sentinel-Erhebungen seit 1999 hinsichtlich Anzahl der Probeneinsendungen und
Nachwei-
se, der Positivenraten sowie der Influenzavirus-Typen und -Subtypen.
1.2 Sächsische Meldedaten nach dem
Infektionsschutz-
gesetz (IfSG)
Zusätzlich zu den in den Laboratorien der LUA Sachsen und im
Rahmen des ARE-/Influenza-Sentinels identifizierten
Influenza-
viren wurden im Verlauf der Saison natürlich auch in anderen
entsprechenden Einrichtungen Influenza-Erkrankungen
labordi-
agnostisch bestätigt, gemäß IfSG an die zuständigen
Gesund-
heitsämter gemeldet und von diesen an die LUA Sachsen
über-
mittelt.
Insgesamt wurden ab der 40. KW 2018 bis einschließlich der
17. KW 2019 im Freistaat Sachsen 22.642
Influenza-Erkrankun-
gen meldetechnisch erfasst.
Damit wurden in der Saison 2018/2019 zwar weniger als halb
so viele Influenza-Fälle wie in der Vorsaison registriert, die
Berichtssaison 2018/2019 rangiert bezüglich der übermit-
telten Fallzahl nach der Rekordsaison 2017/2018 jedoch auf
dem zweiten Platz.
In der Saison 2017/2018 war bezüglich der
Meldezahlen mit übermittelten 47.765 Influenza-Erkrankungen
ein Rekordwert seit 2001 erreicht worden. In den Vorjahren
wurden hingegen jeweils nur maximal 10.000 bis 16.000
Influ-
enza-Fälle übermittelt. Die Dunkelziffer liegt sicherlich noch um
einiges höher, da nicht jeder Erkrankte den Arzt aufsucht und
dieser dann auch nicht bei allen Patienten eine
Laboruntersu-
chung veranlasst. Allerdings kann davon ausgegangen werden,
dass der Anteil der Laboruntersuchungen und damit auch der
Meldungen in den letzten Jahren zugenommen hat und dies zu
den hohen Fallzahlen der vergangenen Jahre beigetragen hat,
während die Dunkelziffer abgenommen haben dürfte.
Nichts-
destotrotz kann 2018/2019 von einer im Vergleich
ausgespro-
chen starken Influenza-Saison gesprochen werden.
Die in der Saison 2018/2019 von den sächsischen
Gesundheits-
ämtern übermittelten Influenza-Nachweise gliedern sich auf
in 22.443 Influenza A- (davon wiederum 3.829 x als Influenza
A(H1N1)pdm09 und 440 x als Influenza A(H3N2) diagnostiziert),
109 Influenza B- sowie 90 nicht typisierte
Influenzavirus-Nach-
weise. Mit jeweils über 2.200 gemeldeten Influenza-Fällen
er-
reichte die diesjährige Influenzawelle von der 6. bis zur 10. KW
2019 ihren Höhepunkt. In der 7. und 8. KW 2019 kamen sogar
jeweils über 3.400 Erkrankungen zur Meldung (Abbildung 6).
Ähnlich wie in der Vorsaison 2017/2018 erkrankten viele
Er-
wachsene im berufstätigen Alter. Die Hälfte aller während der
Saison 2018/2019 gemeldeten Fälle betraf Patienten im Alter
zwischen 25 und 64 Jahren. Dabei war die am meisten
betrof-
fene Altersgruppe mit 25 % aller insgesamt Erkrankten die 25-
bis 44-Jährigen, dicht gefolgt von den 45- bis 64-Jährigen mit
24 %. 16 % der Erkrankungen, und damit ein deutlich größerer
Anteil als in der Vorsaison, traten bei Kleinkindern (1-4 Jahre)
auf, in 12 % der Fälle waren über 64-jährige Senioren
betrof-
fen. Die Altersgruppe der 5- bis 9-jährigen Grundschüler
stell-
ten 2018/2019 insgesamt 11 %, die 10-14-Jährigen sowie die
15- bis 19-jährigen Jugendlichen jeweils 4 % der Fälle. 3 % der
Erkrankungen wurden bei 20-24-Jährigen registriert und in nur
1 % waren Säuglinge (< 1 Jahr) betroffen (Abbildung 7).

8 │
Nur insgesamt ein Drittel der Erkrankungen traten also bei
Kin-
dern und Jugendlichen auf. In den meisten Influenzasaisons
tragen Kinder und Jugendliche mehr als die Hälfte bis zu zwei
Dritteln der Erkrankungslast.
Laut Datenübermittlung der sächsischen Gesundheitsämter
mussten in der Saison 2018/2019 insgesamt 10 % der an
Influ-
enza Erkrankten im Krankenhaus behandelt werden. Besonders
hoch waren die Hospitalisierungsraten, wie zu erwarten, in den
Altersgruppen der Säuglinge und Senioren mit über 20 %.
Aller-
dings erfolgte nur in 57 % der Fälle hierzu eine Dateneingabe,
das heißt bei 43 % aller Erkrankten wurde nicht übermittelt, ob
eine Hospitalisierung erfolgte oder nicht. Der Anteil der
hospi-
talisierten Patienten hatte in den Vorsaisons zwischen 9 und
14 % betragen. Hier ist jedoch generell von einer
Untererfas-
sung und Dunkelziffer an Hospitalisierten auszugehen. Gerade
während ausgeprägten Influenza-Epidemien führen stark
zu-
nehmende und extrem hohe Zahlen von Erkrankungsmeldungen
dazu, dass die Gesundheitsämter weniger Einzelfallermittlungen
durchführen. Infolgedessen sind auch die Hospitalisierungsraten
auf Grund lückenhafter Dateneingaben nicht abschließend zu
bewerten.
Auch eine Aussage zu Impfdurchbrüchen ist nur eingeschränkt
möglich. Bei zum Teil über 2.000, zum Höhepunkt in der 7. und
8. KW 2019 sogar jeweils 3.440 neuen Influenza-Erkrankungen
in der Woche waren die sächsischen Gesundheitsämter außer
Stande, entsprechende Einzelfallermittlungen zum Impfstatus
durchzuführen. Laut Dateneingabe – und die erfolgte nur in
41 % aller Fälle – waren im Mindestabstand von 14 Tagen vor
Erkrankungsbeginn gegen Influenza geimpft insgesamt 4,7 %
der in Sachsen während der Saison 2018/2019 an Influenza
Er-
krankten. Allerdings könnte diesbezüglich eine Untererfassung
auf Grund der erwähnten lückenhaften Ermittlung und
Daten-
eingabe vorliegen. Interessant – obgleich nicht überraschend –
stellt sich die Altersgruppenverteilung dar. Während bei den 60
Jahre und älteren Senioren 11,9 % Impfdurchbrüche registriert
wurden, gefolgt von den älteren Erwachsenen (40-59 Jahre) mit
6,2 %, waren in den anderen Altersgruppen nur jeweils
zwi-
schen 1,1 und 3,2 % Impfdurchbrüche zu verzeichnen.
Todesfälle
: Im Freistaat Sachsen verstarben in der Saison
2018/2019 insgesamt 74 Patienten nachweislich an Influenza A.
Die bisher meisten Todesfälle (seit IfSG-Einführung) wurden in
der Vorsaison 2017/2018 registriert. Damals erlagen 176
Men-
schen einer Virusgrippe. Die in der Berichtssaison 2018/2019
betroffenen Erwachsenen (29 Frauen und 45 Männer) waren
zwischen 45 und 97 Jahre alt. Der Altersmedian der
Verstor-
benen lag bei 78,5 Jahren und war damit etwas niedriger als
in der Vorsaison 2017/2018, in der er 82 Jahre betragen
hat-
te. Bei sechs der Verstorbenen war eine zeitgerechte saisonale
Influenza-Impfung dokumentiert. Die regionale Verteilung der
in der Saison 2018/2019 in Sachsen gemeldeten Todesfälle an
Influenza stellt sich wie folgt dar: der Stadtkreis (SK) Dresden
übermittelte zwölf, der SK Chemnitz elf Fälle, der SK Leipzig
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
40
42
44
46
48
50
52
2
4
6
8
10
12
14
16
Anzahl
2018 Meldewochen 2019
Influenza, nicht typisiert
Influenza B
Influenza A
Abbildung 6:
Influenza 2018/2019 in Sachsen, gemeldete Influenza-Nachweise nach IfSG, 40. KW 2018 – 17. KW 2019
1%
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
0 < 1
1 - 4
5 - 9
10 - 14 15 - 19 20 - 24 25 - 44 45 - 64
65 u.
älter
Fallzahl
Alter
31%
7%
49%
12
%
Abbildung 7:
Influenza 2018/2019 in Sachsen, Altersverteilung,
Meldedaten nach IfSG, 40. KW 2018 – 17. KW 2019

│9
sowie die Landkreise (LK) Görlitz, Mittelsachsen und der
Vogt-
landkreis je sieben Fälle. Jeweils fünf Todesfälle wurden aus
den LK Erzgebirgskreis und Leipzig gemeldet, die LK Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge und Zwickau registrierten je vier Fälle. In
den LK Bautzen und Meißen kamen jeweils zwei Todesfälle und
im LK Nordsachsen ein Todesfall zur Meldung.
Erkrankungshäufungen
: In der Berichtssaison 2018/2019
wur-
den in Sachsen insgesamt 112 Influenza-Ausbruchsgeschehen
und damit mehr als doppelt so viele Erkrankungshäufungen wie
in der Vorsaison gemeldet, wobei gerade auch hier jeweils von
einer erheblichen Untererfassung und somit hohen Dunkelziffer
auszugehen ist. Mit 48 % wurde knapp die Hälfte aller
Erkran-
kungshäufungen aus Kindertagesstätten und Schulen
übermit-
telt. 32 %, also etwa ein Drittel, der Ausbrüche wurde in
statio-
nären Einrichtungen registriert. Aus Altenheimen erfolgten 7 %
und aus Betreuungs- und Wohnstätten 5 % der Meldungen von
Erkrankungsgeschehen (Sonstige: 8 %). Es erkrankten jeweils
zwischen zwei bis 38 Personen (Median: 5), die bis auf wenige
Ausnahmen nicht gegen Influenza geimpft waren.
Respiratorische Synzytial-Virus- (RSV-)Infektionen
2018/2019
:
Gemäß § 2 (1) Nr. 17 der Sächsischen Meldeverordnung zum
In-
fektionsschutzgesetz ist der Labornachweis einer Infektion mit
RSV in Sachsen meldepflichtig. Dieser Erreger von
Atemwegsin-
fektionen ist dafür bekannt, dass er insbesondere bei Senioren,
Risikopatienten im Erwachsenenalter (chronische Herz- und
Lungenerkrankungen) sowie Säuglingen zu schweren, mitunter
lebensbedrohlichen Krankheitsverläufen führen kann.
Die Saison 2018/2019 zeichnete sich nicht nur durch ein
ausgeprägtes Influenza-Geschehen, sondern auch durch
ver-
gleichsweise sehr hohe Meldezahlen von RS-Infektionen aus.
Insgesamt wurden ab der 40. KW 2018 bis einschließlich der
17. KW 2019 im Freistaat Sachsen 5.539 RSV-Infektionen
mel-
detechnisch erfasst, in der Vorsaison 2017/2018 wurden 3.604
Fälle übermittelt, der 3-Jahres-Mittelwert lag bei nur 2.812
RSV-Erkrankungen. Somit war in der Saison 2018/2019
unge-
fähr eine Verdopplung der Fallzahl zu verzeichnen. Es erkrankten
vor allem Kleinkinder im Alter zwischen 1 und 4 Jahren (46 %
der Fälle), ein Viertel aller Erkrankungen wurde bei Säuglingen
diagnostiziert, Senioren (> 65 Jahre) waren in 9,4 % der Fälle
betroffen. Auch die Anzahl der in der Saison 2018/2019
regis-
trierten Todesfälle war mit 23 Verstorbenen äußerst hoch. In
den vorherigen drei Saisons wurden jeweils nur maximal drei
Todesfälle gemeldet. Es verstarben in der Saison 2018/2019
ins-
gesamt 14 Männer und 9 Frauen im Alter zwischen 50 und 95
Jahren, der Altersmedian lag bei 83,5. Fünf der Todesfälle traten
im Zusammenhang mit zwei Ausbrüchen in Seniorenheimen auf.
1.3 Influenza-Saison 2018/2019 innerhalb Europas
Während der Influenza-Saison berichten das European Centre
for Disease Prevention and Control (ECDC) mit seinem
Influen-
za-Netzwerk EISN und die WHO Region Europa wöchentlich in
einem gemeinsamen Bericht über die Influenza-Situation in
Eu-
ropa. Alle Länder melden ihre Daten über die
ECDC-Datenplatt-
form TESSy (The European Surveillance System). Die Ergebnisse
werden im Internet veröffentlicht.
In den ersten Wochen der Influenza-Saison befand sich die
In-
fluenza-Aktivität generell auf einem für die Jahreszeit üblichen
niedrigen Niveau. Alle europäischen Länder berichteten über
eine geringe klinische Influenza-Aktivität (niedrigster Wert der
Aktivitätseinstufung). Erst ab der 42. KW 2018 und auch nur
vereinzelt wurden innerhalb der europäischen Sentinelsysteme
Influenza-Nachweise geführt.
Georgien war in der 49. KW 2018 – und damit zu einem
ver-
gleichsweise späten Zeitpunkt – das erste europäische Land,
in dem mittlere Influenza-Aktivität verzeichnete wurde. In der
Folgewoche meldeten dann auch Kirgisistan, Malta und die
Uk-
raine mittlere Aktivität, bis zum Jahresende schlossen sich die
Niederlande sowie die Türkei an. Die Influenza-Positivenrate der
europäischen Sentinelsysteme stieg bis zur 52. KW auf 37 %.
Es wurden fast ausschließlich Influenza A- und nur wenige
In-
fluenza B-Viren detektiert, wobei zunächst der Subtyp A(H3N2)
mit 53 % vor dem Subtyp A(H1N1)pdm09 mit 47 % rangierte.
Mit Jahresbeginn 2019 wurde in Portugal und Groß-Britannien
mittlere Influenza-Aktivität registriert und mit Malta
übermit-
telte die erste europäische Region hohe Influenza-Aktivität.
Weiterhin berichtete aber die Mehrzahl der europäischen
Län-
der über niedrige Erkrankungsraten. In der 2. KW war dann in
Montenegro sowie der Türkei und in der 3. KW in Rumänien
hohe Influenza-Aktivität zu verzeichnen. Weiterhin dominierten
Influenza A-Viren mit 99 %, der Subtyp A(H1N1)pdm09 wurde
nun aber etwas häufiger nachgewiesen als der Subtyp A(H3N2).
Neben Deutschland meldeten weitere 15 Länder ab der 4. KW
2019 und in der Folge ab der 5. KW 20 Länder mittlere
Influen-
za-Aktivität. Hohe Erkrankungszahlen wurden vor allem im
Süd-
osten und Süden Europas sowie in Frankreich registriert. Ab der
6. KW 2019 war auch in Deutschland hohe Influenza-Aktivität
zu verzeichnen.
Die Influenza-Positivenrate innerhalb der europäischen
Senti-
nelsysteme betrug nun 53 %. Weiterhin dominierte Influenza
A mit 99 %, wobei 59 % der Influenza A-Viren dem Subtyp
A(H1N1)pdm09 und 41 % dem Subtyp A(H3N2) zuzuordnen
waren. Bis einschließlich der 8. KW wurde aus Deutschland,
Frankreich sowie einigen Ländern im Südosten Europas hohe
Influenza-Aktivität gemeldet, in der 9. KW übermittelten dann
nur noch Nord-Mazedonien sowie der Kosovo hohe Werte.
Ab der 11. KW 2019 war in keinem europäischen Land mehr
hohe Grippe-Aktivität zu verzeichnen. In den folgenden
Wo-
chen berichteten nur noch Finnland, Bosnien-Herzegowina, die
Slowakei, der Kosovo, Rumänien und Kasachstan über mittlere
Influenza-Aktivität, die ab der 16. KW dann auch in diesen
Län-
dern nicht mehr zu beobachten war.
Die Influenzawelle der Saison 2018/2019 breitete sich
tenden-
ziell vom Westen in den Süden und Osten Europas aus, wobei
neben Frankreich und Deutschland vor allem Länder im Süden
und Südosten von einer ausgeprägten Grippewelle betroffen
waren. 99 % der Influenza-Erkrankungen waren durch Influenza
A bedingt. Der Subtyp A(H1N1)pdm09 dominierte europaweit
mit 55 % vor dem Subtyp A(H3N2) mit 45 %.
1.4 Influenzavirus-Nachweise bei Geimpften
(Sächsi-
sches ARE-/Influenza-Sentinel)
Zu 1.372 der insgesamt untersuchten 1.568 Einsendungen
(87,5 %) liegen Angaben zum Impfstatus vor. Somit wurde bei
196 (12,5 %) der Untersuchten anlässlich der Probenahme leider
kein Impfstatus erhoben. Auch in den vorangehenden Saisons

10 │
erfolgte bei zwischen 12,5 % bis maximal 28,5 % der
Proben-
einsendungen keine Influenza-Impfanamnese oder zumindest
keine Eintragung derselben auf dem Probenbegleitschein. Das
Ziel einer lückenlosen Erfassung der Impfanamnese war bislang
bedauerlicherweise nicht erreichbar. Laut Impfanamnese
aktu-
ell gegen Influenza geimpft waren insgesamt 222 (14,2 %) der
Patienten, von denen Proben eingegangen waren, 1.150
Proban-
den (73,3 %) waren anamnestisch gegen Influenza ungeimpft.
Für die folgenden Berechnungen zu Erkrankung und Impfung
wird die Anzahl von 1.372 Probanden beziehungsweise von 553
Positiv-Nachweisen mit erhobenem aktuellen Impfstatus
Influ-
enza betreffend (geimpft oder ungeimpft) zugrunde gelegt.
Trotz gesicherter Grippe-Impfung erkrankten 88 Probanden
un-
seres Sentinels an Influenza A. D
er Anteil geimpfter Personen
an allen mit Influenzavirus-Nachweis (= Influenza-Positive)
betrug insgesamt 16 %
(Anteil Ungeimpfter: 84 %). Damit
war er zwar relativ hoch, aber doch niedriger als in den Saisons
2016/2017, 2014/2015 sowie 2011/2012, in denen der
Influen-
za-Subtyp A(H3N2) dominiert hatte (Abbildung 8 und Tabelle 3).
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften in der
Gesamt-
gruppe der Influenza-Positiven lag insgesamt bei 1:5,3; das
heißt
unter den Erkrankten waren mehr als 5-mal so viele
Ungeimpfte wie Geimpfte
. Während für
Geimpfte
eine auf die
Anzahl der Probeneinsendungen (mit Impfstatus-Angabe)
bezo-
gene
Erkrankungsrate von 6,4 %
(Relation 88 positive
Geimpf-
te/1.372 Proben mit bekanntem Impfstatus) ermittelt werden
konnte, betrug diese bei Ungeimpften insgesamt 33,9 %
(Relati-
on 465 positive Ungeimpfte/1.372 Proben mit bekanntem
Impf-
status). Die Erkrankungsraten bei Geimpften wie Ungeimpften
waren somit niedriger als in der Vorsaison.
Auf Grund der Probenanzahl und der Kozirkulation der beiden
Influenzavirus-Subtypen A(H1N1)pdm09 sowie A(H3N2) bietet
sich in der Saison 2018/2019 zudem eine Betrachtung der
Impf-
durchbrüche nach den verschiedenen Influenzavirus-Subtypen
an.
Eine Aufgliederung nach den Subtypen A(H1N1)pdm09 und
A(H3N2) ergibt folgendes Bild: Bei 341 der 373 Patienten mit
A(H1N1)pdm09-Nachweis wurde ein Impfstatus erhoben, 41
von diesen waren geimpft (12 %) und 300 (88 %) nicht. Bei
186 der 216 an Influenza A(H3N2)-Erkrankten lagen Angaben
zum Impfstatus vor. 45 (24,2 %) Personen waren geimpft, 141
(75,8 %) hingegen nicht.
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften ergab bei den
Influenza A(H1N1)pdm09-Positiven 1:7,3, bei den Influenza
A(H3N2)-Positiven 1:3,1. Das heißt, unter den an Influenza
A(H1N1)pdm09-Erkrankten waren ungefähr 7-mal so viele
Un-
geimpfte wie Geimpfte, während sich unter den an Influenza
A(H3N2)-Erkrankten nur annähernd 3-mal so viele Ungeimpfte
wie Geimpfte befanden. Dass nach Impfung ein besserer Schutz
gegen Influenza A(H1N1)pdm09 aufgebaut wird als gegen
Influ-
enza A(H3N2), ist regelmäßig zu beobachten und wurde in der
Berichtssaison 2018/2019 besonders deutlich.
Die „Ungeimpftenrate“ gibt die Verringerung der
Erkrankungsra-
te an Influenza bei Geimpften gegenüber den Ungeimpften an.
Sie errechnet sich aus der Erkrankungsrate der Ungeimpften mit
Influenzavirus-Nachweis abzüglich der Erkrankungsrate der
Ge-
impften mit Influenzavirus-Nachweis dividiert durch die
Erkran-
kungsrate der Ungeimpften mit Influenzavirus-Nachweis. In der
Saison 2018/2019 betrug die Ungeimpftenrate insgesamt 81 %
und war damit ähnlich hoch wie in der Vorsaison 2017/2018, in
der sie bei 82 % gelegen hatte. Allerdings hatte sich 2017/2018
bezüglich Influenza A eine Ungeimpftenrate von 92 % ergeben,
für den 2017/2018 dominierenden Influenzatyp B war eine
Un-
geimpftenrate von 78 % errechnet worden. Auch bezüglich der
Ungeimpftenrate divergierten die beiden A-Subtypen in der
Sai-
son 2018/2019 erheblich: für Influenza A(H1N1)pdm09 konnte
eine Ungeimpftenrate von 86 % erhoben werden, bei Influenza
A(H3N2) gelang hingegen durch die Schutzimpfung eine
Verrin-
gerung der Erkrankungsrate um nur 68 %.
Dir durchschnittliche
Ungeimpftenrate von 81 %
, die die
Ver-
ringerung der Erkrankungsrate bei Geimpften gegenüber
Unge-
impften darstellt, demonstriert auch in dieser Saison – wenn
auch weniger deutlich als in anderen Berichtsjahren – die
Schutzwirkung der saisonalen Grippeimpfung. Zum Vergleich:
in der Saison 2016/2017 errechnete sich eine Ungeimpftenrate
von 77 %, in den anderen Saisons lag diese zwischen 78 und
so-
gar 99 % (2009/2010). Vergleicht man die Ungeimpftenrate der
Saison 2018/2019 nach Virustypen so rangiert die
Schutzwir-
kung der Influenza A(H1N1)pdm09-Impfstoffkomponente mit
86 % deutlich vor Influenza A(H3N2) mit 68 %.
Betrachtet man die Altersgruppenverteilung der in der Saison
2018/2019 trotz Impfung erkrankten 88 Personen, so waren 49
Patienten (56 %) – also mehr als die Hälfte – 60 Jahre und
älter, bei 30 Patienten (34 %) handelte es sich um Erwachsene
zwischen 17 und 59 Jahren. Außerdem erkrankten 5 Kinder und
Jugendliche (6 %, 7-16 Jahre) sowie 4 Klein- und
Vorschulkin-
der (4 %, 1-6 Jahre) trotz saisonalem Impfschutz.
Bei 68 der 88 trotz Impfung an Influenza erkrankten Personen
lagen nähere, wenn auch zum Teil bedauerlicherweise ungenaue
Angaben zum verabreichten Impfstoff vor. Tetravalenten
Impf-
stoff hatten 67 der Betroffenen erhalten, nur ein Patient war
laut Angaben trivalent geimpft. Die hier geführten 68
Influen-
za-Nachweise gliedern sich auf in 35-mal Influenza A(H1N1)
pdm09 sowie 33-mal Influenza A(H3N2).
13
7
11
1
6
18
9
8
18
10
19
15
16
87
93
89
99
94
82
91
92
82
90
81
85
84
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Ungeimpfte
Geimpfte
Abbildung 8:
Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit
Influenzavirus-Nachweis

│11
1.5 ARE-Normalgang und Verlauf, Beispiel Stadtkreis
Chemnitz
Eine kontinuierliche Fortführung der Sentinelsysteme in
Sach-
sen ermöglicht fundierte Aussagen sowie die Beurteilung der
Entwicklungen über Jahre (z. B. zum Ausmaß von Epidemien,
zum zeitlichen Ablauf, zur regionalen Ausbreitung, zu den
je-
weiligen besonders betroffenen Altersgruppen etc.).
Dies soll nachfolgend für die letzten 5 Jahre am Beispiel des
Stadtkreises Chemnitz dargestellt werden (epid. Schwelle =
epi-
demische Schwelle, Abbildung 9).
Bearbeiter: Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
Annett Friedrich
Siglinde Liedig
0
50
100
150
200
250
300
350
27.
32.
37.
42.
47.
52.
5.
10.
15.
20.
25.
30.
35.
40.
45.
50.
3.
8.
13.
18.
23.
28.
33.
38.
43.
48.
1.
6.
11.
16.
21.
26.
31.
36.
41.
46.
51.
4.
9.
14.
19.
24.
29.
34.
39.
44.
49.
2.
7.
12.
17.
22.
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
Kalenderwochen der jeweiligen Influenza-Saison
Normalgang
epid. Schwelle
ARE-Inzidenz
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
Abbildung 9:
ARE-Normalgang und Verlauf 2014 – 2019, SK Chemnitz (gesamt)

12 │
2.1 Virologische Diagnostik im Rahmen des Influenza-
Sentinels
Für die Labordiagnostik wurden im Rahmen des Sentinels
so-
wohl Rachenabstriche als auch Nasen-/Rachenabstriche
einge-
sendet. Der allgemeine Nachweis von Influenza A- und Influenza
B-Viren erfolgte mittels Multiplex-PCR. Anschließend wurden
zur weiteren Subtypisierung der Influenza A-Viren
verschiede-
ne Real time-PCR-Assays durchgeführt. Durch die Amplifikation
spezifischer Abschnitte des Hämagglutinin- (HA-) und
Neura-
minidase- (NA-)Gens konnte zwischen den in der vergangenen
Saison in der menschlichen Population zirkulierenden Subtypen
A(H3N2) und A(H1N1)pdm09 unterschieden werden.
Zusätzlich erfolgten mit ausgewählten PCR-positiv getesteten
Proben Anzuchtversuche mittels Zellkultur unter Verwendung
von Hundenierenzellen (
Madin Darby Canine Kidney
-(MDCK-)
Zellen). Zum Nachweis einer erfolgreichen Virusvermehrung
diente entweder ein Hämagglutinationstest (HAT) oder es
er-
folgte die Bewertung der Anzuchtversuche auf Basis
charakte-
ristischer Veränderungen der Zellkultur (cytopathischer Effekt,
CPE).
Nach erfolgreicher Anzucht wurde nach Absprache mit dem
Nationalen Referenzzentrum für Influenza (NRZ Influenza) in
Berlin eine definierte Auswahl der Isolate zur Feintypisierung an
dieses weitergeleitet.
2.2 Ergebnisse des Sentinels von Oktober 2018 bis April
2019
Im Berichterstattungszeitraum (40. KW 2018 – 17. KW 2019)
wurden insgesamt 1.568 Patientenproben untersucht. Rund
zwei Drittel der Proben (68 %) wurden von Sentinelpraxen
ein-
gesendet, etwa ein Viertel (28 %) von Krankenhäusern und 4 %
direkt von Gesundheitsämtern (Tabelle 1).
Die Zahl der Einsender sowie die Anzahl der Einsendungen
wa-
ren territorial verschieden. Mit über 37 Einsendern stellte die
Region Chemnitz circa die Hälfte der Sentinel-Teilnehmer, von
denen 60 % der Proben stammten (Tabelle 2).
Die vorhergehende Influenzasaison 2017/2018 war durch die
höchste Positivenrate (52,4 %) der letzten 10 Sentineljahre
ge-
kennzeichnet. Im Sentinel 2018/2019 sank der Anteil
Influen-
zavirus-positiver Genomnachweise auf 39,4 % und damit auf
einen Level früherer vergleichbarer moderater Influenza-Saisons
(Positivenraten 35 bis 43 %). Lediglich im Sentinel 2012/2013
war dieser Wert mit 50,1 % noch einmal überschritten
wor-
den. In den Saisons 2011/2012 und 2013/2014 mit niedriger
Influenza-Aktivität wurden lediglich in 23 bzw. 9 % der Proben
Influenzaviren nachgewiesen.
Der Anteil Influenza-positiver Proben war bei den von
Sentinel-
praxen eingesandten Materialien mit 44 % am höchsten,
be-
trug bei den Gesundheitsämtern 36 % und den Krankenhäusern
28 % (Tabelle 1).
Tabelle 1: Einsenderbezogene Darstellung der Anzahl der
Sentinelproben, der positiven Influenzavirus-Ge-
nomnachweise sowie der ermittelten Positiven-
raten
(= Anzahl positiver Proben/Anzahl eingesandter
Proben)
Einsender
Anzahl der
Proben
Anzahl der posi-
tiven Proben mit
Influenzavirus-
Genomnachweisen
Positivenrate
[%]
Sentinel-Arztpraxen
1.066
473
44,4
Krankenhäuser
435
121
27,8
Gesundheitsämter/
Institute
67
24
35,8
Gesamt
1.568
618
39,4
Tabelle 2: Regionaler Vergleich der Anzahl der Einsender
und Sentinelproben, der positiven Influenzavi-
rus-Genomnachweise und ermittelten Positiven-
raten
Kreis
Anzahl der
Einsender
Anzahl der
Sentinel-
proben
Anzahl positiver
Influenzavirus-
Genomnach-
weise
Positiven-
rate [%]
Region Chemnitz (5 Kreise)
Chemnitz/Stadt
10
147
61
41,5
Erzgebirgskreis
18
669
240
35,9
Mittelsachsen
2
57
13
22,8
Vogtlandkreis
2
48
30
62,5
Zwickau
5
26
11
42,3
Gesamt
37
947
355
37,5
Region Dresden (5 Kreise)
Bautzen
5
163
51
31,3
Dresden/Stadt
-
-
-
-
Görlitz
1
4
0
0,0
Meißen
7
103
52
50,5
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
8
106
47
44,3
Gesamt
21
376
150
39,9
Region Leipzig (3 Kreise)
Leipzig/Stadt
7
126
67
53,2
Leipzig
5
63
22
34,9
Nordsachsen
2
56
24
42,9
Gesamt
14
245
113
46,1
Gesamtsumme
72
1.568
618
39,4
2 Auswertung des Influenza-Sentinels 2018/2019
im Freistaat Sachsen, mikrobiologischer Teil
Großräumig, das heißt in der Region Chemnitz, Dresden und
Leipzig, unterschieden sich die Gesamt-Positivenraten nur
ge-
ringfügig und lagen bei 38 bis 40 %. Deutliche Unterschiede
ließen sich dagegen auf Kreisebene erkennen. Es wurden
Positi-
venraten zwischen 0 % bzw. 23 % bis 63 % (Tabelle 2) ermittelt.

│13
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0
50
100
150
200
250
40/18
41/18
42/18
43/18
44/18
45/18
46/18
47/18
48/18
49/18
50/18
51/18
52/18
01/19
02/19
03/19
04/19
05/19
06/19
07/19
08/19
09/19
10/19
11/19
12/19
13/19
14/19
15/19
16/19
17/19
Positivenrate [%]
Anzahl
Monat/Jahr
Proben-Gesamtzahl
A(H1N1)pdm09
A(H3N2)
A nicht typisierbar
Positivenrate
Abbildung 1:
Anzahl der eingesandten Proben, Anzahl positiver Genomnachweise von Influenza A-Viren (A(H1N1)pdm09, A(H3N2), nicht typisierbar) pro
Kalen-
derwoche im Sentinel 2018/2019 sowie die Positivenraten in der 48. KW 2018 – 17. KW 2019
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0
30
60
90
120
150
180
210
40/11
47/11
02/12
09/12
16/12
45/12
52/12
07/13
14/13
44/13
51/13
06/14
13/14
42/14
49/14
04/15
11/15
40/15
47/15
01/16
08/16
15/16
44/16
51/16
06/17
13/17
42/17
49/17
04/18
11/18
40/18
47/18
02/19
09/19
16/19
Positivenrate [%]
Anzahl Influenzavirus-Nachweise
Woche / Jahr
A(H1N1)pdm09
A(H3N2)
A nicht typisierbar
B
Positivenrate
Abbildung 2:
Anteil der Influenzavirus-Typen/-Subtypen an den Influenzavirus-Genomnachweisen für die Saisons 2009/2010 bis 2018/2019

14 │
Anfang Dezember 2018 (49. KW) wurden erstmalig
Influenzavi-
ren nachgewiesen. Dabei handelte es sich in allen drei Proben
um den Influenza-Virussubtyp A(H1N1)pm09. Diesen folgten
in 51. KW 2018 weitere vier Nachweise vom Subtyp A(H1N1)
pdm09 sowie ein Nachweis vom Subtyp A(H3N2).
Ab Mitte Januar 2019 nahm die Zahl der wöchentlichen
Einsen-
dungen wie auch der positiv bestätigten Proben stetig zu und
gipfelte in der 6. KW – 10. KW 2019 mit insgesamt 817
unter-
suchten Proben und Positivenraten von 43 bis 51 %. Danach
nahm die Zahl der Einsendungen stetig ab, die Positivenrate
sank bis auf 10 % in der 17. KW 2019 (Abbildung 1).
Im Gegensatz zur vorhergehenden Saison 2017/2018, in der
In-
fluenza B-Viren dominierten, wurden in der Berichtssaison keine
Influenza-Viren dieses Typs nachgewiesen. Dagegen herrschten
während der Saison 2018/2019 A(H1N1)pdm09-Viren vor. Bis
auf die 9. KW 2019 (52 % A(H3N2)-Viren) betrug der Anteil
der A(H1N1)pdm09-Viren an den Influenza A-Virusnachweisen
53 bis 78 %. Zum Ende des Sentinels ab der 14. KW 2019, als
weniger als 50 Proben pro Woche eingesendet wurden, stieg
der Anteil der A(H3N2)-Viren über den der (H1N1)pdm09-Viren
(Abbildungen 1, 2, 3 und 4 sowie Tabelle 3).
Auch auf der gesamtdeutschen und europäischen Ebene wurden
in der Saison 2018/2019 fast ausschließlich Influenza A-Viren
nachgewiesen, wobei die Subtypisierung häufiger A(H1N1)
pdm09-Viren als A(H3N2)-Viren ergab: LUA Sachsen 63,3 %
vs. 36,7 %, AGI-Regionen Deutschland 51 % vs. 49 % (1) und
WHO-Region Europa 58 % vs. 42 % (2). Influenza B-Viren
wur-
den nur ganz vereinzelt nachgewiesen, ihr Anteil an den
Ge-
samtpositiven betrug europaweit lediglich 1 % (2).
Wie Abbildungen 2 bis 4 zeigen, waren außer in 2009/2010 in
den letzten 10 Jahren in allen Saisons Influenza A-Viren sowohl
des Subtyps A(H1N1)pdm09 als auch des Subtyps A(H3N2)
par-
allel vertreten, jedoch in wechselnden Anteilen. Diese betrugen
für A(H1N1)pdm09-Viren 0,2 bis 99,7 % und für A(H3N2)-Viren
0,2 bis 91,0 %. Ein vergleichbar geringer Anteil der Influenza B-
Viren an den zirkulierenden Influenzaviren wie im vergangenen
Sentinelzeitraum wurde in den letzten 10 Saisons wiederholt
beobachtet: 2009/2010 (0 %), 2013/2014 (3,4 %), 2014/2015
(5,7 %) und 2016/2017 (2,1 %) (Abbildungen 2, 3, 4).
Während in den vorhergehenden zwei Sentinels 2016/2017 und
2017/2018 kontinuierliche Positivenraten > 20 % bereits Ende
Dezember auftraten, wies die vergangene Saison einen späteren
Beginn auf.
Von den 618 in der PCR positiv getesteten Proben wurden 367
für Anzuchtversuche ausgewählt. In 273 Zellkulturen konnten
nachweislich mittels HAT und/oder CPE Influenzaviren vermehrt
werden. Das entspricht einer Erfolgsrate von 74,4 %.
Zur weiteren Charakterisierung wurden 123 Virusisolate an
das NRZ für Influenza gesandt. Von den 67 Influenza A(H1N1)
pdm09-Viren ließen sich mittels Hämagglutionationshemmtest
(HHT) alle der Gruppe 6B.1, die durch den Impfstoffstamm A/
Michigan/45/2015 repräsentiert wird, zuordnen. Die
über-
sandten 48 Influenza A(H3N2)-Virusisolate verteilten sich auf
verschiedene Subgruppen der Gruppe 3C.2a. 36 Isolate
re-
agierten mit dem Testserum gegen den Stamm A/Singapore/
INFIMH-16-0019/2016 der Subgruppe 3C.2a1. Mittels
Sequen-
zierung wurden elf 3C.2a1b-Viren identifiziert, die dem
Refe-
renzvirus Alsace/1746/2018 genetisch ähnlich sind, sowie ein
Virus der Subgruppe 3C.2a2, das dem Referenzvirus
Switzer-
land/8060/2017 ähnelt. Acht der Virusisolate konnten am NRZ
nicht typisiert werden (Tabelle 3).
Am NRZ für Influenza wurden für Deutschland neben der
Grup-
pe der 6B.1-Viren und den bereits erwähnten Subgruppen der
Tabelle 3: Zusammenfassung der Ergebnisse
Anzahl
Anteil an allen
Nachweisen
Anzahl eingesandter Proben innerhalb des Sentinel-Zeitraumes:
1.568
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der PCR:
618
1)
39,4 %
Anzahl der positiven PCR-Ergebnisse je Typ/Subtyp:
davon:
Influenza A:
618
100,0 %
Influenza A(H1N1)pdm09
373
60,4 %
Influenza A(H3N2)
216
34,9 %
nicht typisierbar
29
4,7 %
davon:
Influenza B
0
0,0 %
Anzahl der Virus-Anzuchtversuche im Sentinel-Zeitraum:
367
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der Virusanzucht:
273
74,4 %
Anzahl der zur
Typisierung ans NRZ
versendeten Proben
123
45,1 %
davon:
Influenza A-Virus:
123
Gruppe A(H1N1)pdm09 6B.1 (Michigan/45/2015-like)
67
2)
54,5 %
Gruppe A(H3N2) 3C.2a (HongKong/4801/2014-like)
48
39,0 %
Subgruppe A(H3N2) 3C.2a1 (Singapore/INFIMH-16-0019/2016-like)
36
2)
Subsubgruppe A(H3N2) 3C.2a1b (Referenzvirus Alsace/1746/2018)
11
3)
Subgruppe A(H3N2) 3C.2a2 (Referenzvirus Switzerland/8060/2017)
1
3)
nicht typisiert
8
6,5 %
1) keine Doppelinfektion
2) Typisierung mittels Hämagglutinationshemmtest (HHT)
3) Typisierung mittels Sequenzierung

│15
99,7
59,0
4,9
44,6
13,8
14,0
36,0
0,2
24,7
60,4
0,0
0,2
68,3
32,1
82,8
77,2
2,0
91,0
1,8
34,9
0,0
40,8
24,8
22,6
3,4
5,7
61,8
2,1
72,9
0,0
0
20
40
60
80
100
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
Prozent
Jahre
A(H1N1)pdm09
A(H3N2)
B
Abbildung 3:
Anteil der Influenzavirus-Typen/-Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirus-Genomnachweise für die Saisons 2009/2010 bis 2018/2019
99,7
59,0
4,9
44,6
13,8
14,0
36,0
0,2
24,7
60,4
0,0
0,2
68,3
32,1
82,8
77,2
2,0
91,0
1,8
34,9
0,0
40,8
24,8
22,6
3,4
5,7
61,8
2,1
72,9
0,0
0
20
40
60
80
100
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
Prozent
Jahre
A(H1N1)pdm09
B
A(H3N2)
Abbildung 4:
Anteil der Influenzavirus-Typen/-Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirus-Genomnachweise, beginnend mit der Saison 2009/2010 pro Virustyp
A(H3N2)-Viren zusätzliche Cluster der A(H3N2)-Viren identifiziert. Zusätzlich wurden Viren der Subgruppe 3C.2a3 (Referenzvirus
Cote d´Ivoire/544/2016), 3C.2a4 und 3C.3a (Referenzvirus A/England/538/2018) nachgewiesen. Unter den wenigen Influenza B-
Virusisolaten, die laut RKI und ECDC charakterisiert wurden, waren Vertreter der Yamagata- und Victoria-Linie zu finden (1, 2).
Danksagung
Wir danken dem NRZ für Influenza (Herrm Ralf Dürrwald und Kollegen) für die Charakterisierung der Influenzavirus-Isolate.
Bearbeiter: Dr. med. Ingrid Ehrhard
Dr. rer. nat. Beate Köpke
DB Ursula Reif
Siglinde Liedig

16 │
3 Sächsische Impfdatenbank:
Auswertungen zu Influenza-Impfungen
Da keine gesetzliche Meldepflicht über die Durchführung von
Schutzimpfungen besteht, waren bisher Aussagen zu
Durch-
impfungsraten nur bei Kindern anhand der vorgeschriebenen
Erhebungen (3-Jährige in Kindertagesstätten,
Einschulungsun-
tersuchungen, 2. und 6. Klassen) zu treffen. Um Impfraten für
die Gesamtbevölkerung Sachsens angeben und infolgedessen
Impfstrategien entwickeln und verbessern zu können, wurde seit
2015 eine sächsische Impfdatenbank eingerichtet. Diese
bein-
haltet Datenmaterial der seit 2009 über die Kassenärztliche
Ver-
einigung im Freistaat Sachsen (KVS) abgerechneten Impfungen.
Grundlage bildet eine zwischen dem Sächsischen
Staatsminis-
terium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) und der KVS
2013 geschlossene und 2018 verlängerte Vereinbarung.
Die Abrechnung der Impfungen von kassenversicherten
Patien-
ten erfolgt nach zwei Vereinbarungen zwischen den
Kranken-
kassen und der KVS. Die eine behandelt Impfungen, die von der
Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut
empfohlen werden (Pflichtleistungen), die zweite zusätzliche
Impfungen auf Empfehlung der Sächsischen Impfkommission
(SIKO, Satzungsleistungen). Die Datensätze, die von der KVS
an die Impfdatenbank übermittelt werden, enthalten neben
der Abrechnungsziffer das Impfdatum, das Geburtsdatum, ein
Pseudonym der Person und deren Geschlecht. Seit dem Jahr
2016 lässt sich anhand des gelieferten Datenmaterials auch
die Kreiszugehörigkeit der einzelnen Personen nachverfolgen.
Limitierend ist beim Datenbestand, dass erst Impfungen ab
2009 bis einschließlich Ende 2018 vorliegen. In der sächsischen
Impfdatenbank sind nur gesetzlich versicherte Personen erfasst.
Um Impfraten für die Gesamtbevölkerung Sachsens angeben zu
können, erfolgt jeweils eine Hochrechnung unter der Schätzung
von 90 % gesetzlich und 10 % privat Versicherten.
Die jeweils absolute Zahl von durchgeführten
Influenza-Imp-
fungen pro Saison (1. September bis 28. Februar des
Folgejah-
res) seit 2009/2010 sowie die anhand der Bevölkerungszahlen
errechneten Impfquoten für den Freistaat Sachsen sind in der
folgenden Tabelle 1 aufgelistet. Nachdem die Impfquote seit
2009/2010 kontinuierlich abgenommen hatte, ist in der
ver-
gangenen Saison trotz aktuell noch fehlender Daten zu den
Monaten Januar und Februar 2019 ein Anstieg der allgemeinen
Impfquote auf 28,5 % zu verzeichnen.
Rückblickend auf die Influenza-Saison 2017/2018 haben sich
in den ersten zwei Monaten des Jahres 2018 noch 28.822
Per-
sonen gegen Influenza impfen lassen, was einem Anteil von
2,9 % (Mittelwert über die letzten neun Saisons: 2,6 %)
ent-
spricht. Insgesamt lag die Impfquote in dieser Saison trotz der
deutschlandweiten Empfehlung zur Verwendung des Vierfach-
Impfstoffs mit Beginn des Jahres 2018 und der auch medial
geführten Diskussion mit 27,3 % wieder unter den Werten der
Vorjahre.
Die Abbildung 1 zeigt den Verlauf der Impfquoten in den
Alters-
gruppen über alle bisher auswertbaren Influenza-Saisons.
In allen Altersgruppen lässt sich ein tendenzielles Absinken der
Impfraten über die Zeit erkennen. Im Bereich der Kinder und
Jugendlichen betrugen die Impfquoten der Saison 2018/2019
teilweise weniger als 50 % des Ausgangswertes der Saison
2009/2010. Auch bei den Erwachsenen zwischen 19 und 59
Jahren bzw. 60 und 69 Jahren betrug die Impfquote in der
säch-
sischen Bevölkerung 2018/2019 im Vergleich zu 2009/2010 nur
noch 56,3 % bzw. 63 % des Ausgangswertes. Außer in der
Al-
tersgruppe der 70- bis 79-Jährigen, in der sich der abnehmende
Trend auch 2018/2019 weiter fortsetzte, war in allen anderen
Altersgruppen im Vergleich zur Vorsaison 2017/2018 ein
An-
stieg der Impfraten zu verzeichnen.
Tabelle 1: Influenza-Impfungen und Impfquoten im Frei-
staat Sachsen, Saison 2009/2010 – 2018/2019
Saison
saisonale Impfung
Impfquote in %
2009/2010
1.568.279
41,8
2010/2011
1.221.597
32,7
2011/2012
1.158.009
31,7
2012/2013
1.107.036
30,4
2013/2014
1.103.448
30,3
2014/2015
1.053.828
28,9
2015/2016
1.035.384
28,2
2016/2017
1.015.821
27,7
2017/2018
1.002.535
27,3
2018/2019*
1.047.610
28,5
*
Stand 31.12.2018
Seit 2017 wird die Verwendung von nasal zu applizierendem
Influenza-Impfstoff in der Gruppe der 2- bis 17-jährigen Kinder
und Jugendlichen nicht mehr generell präferenziell empfohlen.
So sank auch die Zahl gegebener Impfdosen in diesem Bereich in
den letzten zwei Saisons im Vergleich zu den Vorjahren stark ab.
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Impfquote in Prozent
ab 90. Lebensjahr
ab 80. Lebensjahr bis zum
vollendeten 89. Lebensjahr
ab 70. Lebensjahr bis zum
vollendeten 79. Lebensjahr
ab 60. Lebensjahr bis zum
vollendeten 69. Lebensjahr
ab 19. Lebensjahr bis zum
vollendeten 59. Lebensjahr
ab 11. Lebensjahr bis zum
vollendetenb 18. Lebensjahr
ab 7. Lebensjahr bis zum
vollendeten 10. Lebensjahr
ab 3. Lebensjahr bis vollendetes
6. Lebensjahr
ab vollendetem 6. Monat bis 24
Monate
Impfquote allgemein
Abbildung 1:
Influenza-Impfquoten in Sachsen nach Altersgruppen und
allgemeine Impfquote, Saison 2009/2010 – 2017/2018,
*Stand 31.12.2018

│17
Tabelle 2: Impfdosen nasaler Influenza-Impfstoff pro Sai-
son in Sachsen; *Stand: 31.12.2018
Saison
Impfdosen nasaler Influenza-Impfstoff
2014/2015
10.236
2015/2016
8.846
2016/2017
13.705
2017/2018
4.760
2018/2019*
4.106
Mit der Verknüpfbarkeit abgerechneter Impfleistungen zum
Wohnort des Impflings auf Kreisebene bietet sich ein Vergleich
der Impfquoten pro Landkreis an. Nachdem es von der Saison
2016/2017 zur Saison 2017/2018 in den meisten Kreisen zu
ei-
nem leichten Abfall der Impfraten gekommen war, ist nun in
der aktuellen Saison durchgängig in allen Kreisen ein Anstieg
der Impfquoten zu verzeichnen, obwohl die Monate Januar und
Februar 2019 noch nicht mit im aktuellen Datenstand
berück-
sichtigt werden konnten.
Unter den Stadtkreisen war Chemnitz mit 24,4 % (Saison
2017/2018) derjenige mit der höchsten Impfquote, Dresden mit
22,2 % unter allen Kreisen derjenige mit der niedrigsten Rate
Geimpfter. In den Landkreisen wurden in Görlitz (32,1 %),
Baut-
zen (31,9 %) und Nordsachsen (31,8 %) die höchsten
Impfquo-
ten registriert. Im Erzgebirgskreis (25,4 %) und im Kreis
Säch-
sische Schweiz/Osterzgebirge (24,4 %) waren die niedrigsten
Impfraten unter den ländlichen Kreisen vorzufinden.
Bearbeiter: Dr. Ing. Ekkehard Hennebach
Lydia Sommer
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Impfquote in Prozent
2017/2018
2018/2019*
Abbildung 2:
Impfquoten pro Landkreis Saison 2017/2018 und 2018/2019;
*Stand: 31.12.2018

18 │
Nach Auswertung aller molekularbiologischen, virologischen und
serologischen Befunde im Rahmen der weltweiten Surveillance
in der Influenza-Saison 2018/2019 wurde von der WHO für die
Nordhalbkugel im kommenden Winter (Saison 2019/2020) die
folgende Impfstoffzusammensetzung empfohlen:
]
A/Brisbane/02/2018 (H1N1)pdm09-like virus
]
A/Kansas/14/2017(H3N2)-like virus
]
B/Colorado/06/2017-like virus (Victoria-Linie)
Die Zusammensetzung des Influenza-Impfstoffes für die
nächs-
te Saison unterscheidet sich somit von der des bei uns in der
Saison 2018/2019 verwendeten Impfstoffes in der A(H1N1)-
so-
wie in der A(H3N2)-Komponente. Seit 2001/2002 ist eine
Ko-
zirkulation der beiden Influenza B-Linien Victoria und
Yama-
gata zu beobachten. In Konsequenz dieser Situation hat die
WHO neben den trivalenten erstmals (seit Sommer 2013 auf der
Südhalbkugel und Winter 2013/2014 auf der Nordhalbkugel)
auch tetravalente Influenza-Impfstoffe empfohlen, die neben
Antigenen der beiden Influenza A-Virus-Subtypen (H3N2 und
(H1N1)pdm09) auch Antigene von Influenza B-Virusstämmen
beider Linien (Victoria und Yamagata) enthalten. Als Vertreter
der B-Yamagata-Linie wurde durch die WHO wie bereits in der
Vorsaison
]
B/Phuket/3073/2013-like virus (Yamagata-Linie)
ausgewählt. Hierdurch kann eine bessere Wirksamkeit der
Imp-
fung bezüglich Influenza B erzielt werden. Es ist davon
auszu-
gehen, dass in Sachsen in der Saison 2019/2020 überwiegend,
wenn nicht sogar ausschließlich, tetravalente Impfstoffe
ver-
wendet werden.
Bearbeiter: Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
4 Influenza-Impfstoff für die Saison 2018/2019
Schlussendlich sei auch in diesem Jahr allen an den
verschie-
denen Sentinelsystemen beteiligten Arztpraxen,
Gesundheits-
ämtern, Krankenhäusern und sonstigen Einrichtungen für die
engagierte Mitarbeit, ohne die eine aussagefähige
epidemiolo-
gische Analyse nicht möglich wäre, herzlich gedankt. Im Sinne
der Qualität unseres Sentinels möchten wir Sie für die nächste
Saison wiederum um eine lückenlose Datenerhebung, also das
unbedingt notwendige komplette Ausfüllen der
Probenbegleit-
scheine, bitten. Bitte bedenken Sie, dass es sich beim Sentinel
nicht um Routinediagnostik, sondern um ein
Surveillance-Pro-
gramm des Öffentlichen Gesundheitsdienstes des Freistaates
Sachsen handelt. Äußerst wichtig für die Bewertung der
Wirk-
samkeit der Influenza-Impfung ist insbesondere die lückenlose
Erfassung der Impfanamnese! Sie können damit wesentlich zur
wissenschaftlichen Aussagekraft unseres Sentinels beitragen.
Wir freuen uns auf eine weiterhin effektive Zusammenarbeit in
der kommenden Saison 2019/2020.
Bearbeiter: Alle am Influenza-Sentinel
beteiligten LUA-Mitarbeiter

Herausgeber:
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden
Redaktion:
Dr. med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1100
Redaktionskollegium:
Dr. med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1100
Dr. rer. nat. Beate Köpke, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1250
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Tel. 0351/8144-3200
Gestaltung und Satz:
SG IT, LUA Sachsen, Standort Dresden,
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden,
Tel.: 0351/8144 1712
Druck:
alinea Digitaldruck, Chemnitz |
www.alinea24.de
Redaktionsschluss:
30. Juli 2019
Bezug:
Dieses offizielles Mitteilungsblatt der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und
Veteri-
närwesen des Freistaates Sachsen wird über Verteilerliste versandt und kann kostenfrei im Internet
abgerufen werden:
www.lua.sachsen.de
und unter
www.publikationen.sachsen.de
Titelbild:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) und Influenza in Beziehung zum Normalgang, 27. KW
2018 – 26. KW 2019, Stadt Chemnitz
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27.KW
29.KW
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33.KW
35.KW
37.KW
39.KW
41.KW
43.KW
45.KW
47.KW
49.KW
51.KW
1.KW
3.KW
5.KW
7.KW
9.KW
11.KW
13.KW
15.KW
17.KW
19.KW
21.KW
23.KW
25.KW
Influenzavirus-Nachweise 2018/2019
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
2018
Kalenderwochen
2019
Influenzavirus-
Nachweise
ARE-Inzidenz
2018/2019
Normalgang
präepidemische
Schwelle
epidemische
Schwelle
ARE-Inzidenz
2017/2018