0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
0
50
100
150
200
250
300
27.KW
29.KW
31.KW
33.KW
35.KW
37.KW
39.KW
41.KW
43.KW
45.KW
47.KW
49.KW
51.KW
1KW.
3.KW
5.KW
7.KW
9.KW
11.KW
13.KW
15.KW
17.KW
19.KW
21.KW
23.KW
25.KW
Influenzavirus-Nachweise
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
2017
Kalenderwochen
2018
Influenzavirus-Nachweise
ARE-Inzidenz 2017/2018
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
ARE-Inzidenz 2016/2017
ARE-/Influenza-Sentinel 2017/2018
LANDESUNTERSUCHUNGS-
ANSTALT FÜR DAS GESUNDHEITS-
UND VETERINÄRWESEN
im Freistaat Sachsen

│1
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2017/2018 im Freistaat Sachsen ............................................................................................................ 2
1
Auswertung des epidemiologischen ARE-/Influenza–Sentinels 2017/2018 im Freistaat Sachsen
und Vergleich mit anderen Surveillance-Instrumenten ..................................................................................................................................3
1.1
Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel sowie Saisonverlauf in Sachsen und Deutschland .................................................................... 3
1.2
Sächsische Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) ............................................................................................................... 7
1.3
Influenza-Saison 2017/2018 innerhalb Europas .............................................................................................................................................. 9
1.4
Influenzavirus-Nachweise bei Geimpften (Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel) ................................................................................. 9
1.5
ARE-Normalgang und Verlauf, Beispiel Landkreis Mittelsachsen ............................................................................................................11
2
Auswertung des Influenza-Sentinels 2017/2018 im Freistaat Sachsen, mikrobiologischer Teil ......................................................12
2.1
Virologische Diagnostik im Rahmen des Influenza-Sentinels .....................................................................................................................12
2.2
Ergebnisse des Sentinels von Oktober 2017 bis April 2018.........................................................................................................................12
3
Sächsische Impfdatenbank: Auswertungen zu Influenza-Impfungen ......................................................................................................17
4
Influenza-Impfstoff für die Saison 2018/2019 ...............................................................................................................................................18

image
2 │
Sehr geehrte Leserinnen und Leser des ARE-/Influenza-Sentinel-
Berichts,
die hinter uns liegende Influenza-Saison 2017/2018 ist in vieler
Hinsicht bemerkenswert: seit Einführung des Infektionsschutz-
gesetzes (IfSG) im Jahr 2001 kam noch nie eine so hohe Zahl an
Influenza-Erkrankungen zur Meldung. Die Zahl der nachweis-
lich an Influenza Verstorbenen erreichte ein nie dagewesenes,
erschreckendes Niveau. Dies unterstreicht wieder einmal die
Bedeutung der Influenza als Infektionskrankheit, zumal ja bei
weitem nicht alle Erkrankungs- und Todesfälle gemeldet wer-
den und man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen muss.
Möglicherweise haben eine gesteigerte Surveillance und eine
Zunahme labordiagnostischer Nachweise mit zum Anstieg der
Fallzahlen beigetragen, nichtsdestotrotz liegt eine Saison mit
außergewöhnlich hoher Krankheitslast hinter uns.
Gleichzeitig nehmen die Impfraten bedauerlicherweise stetig
ab, wie die Auswertungen der Sächsischen Impfdatenbank, die
Sie in Teil 3 des vorliegenden Berichts zusammengefasst finden,
belegen. Warum sinkt die Bereitschaft, sich mit einer Impfung
gegen eine lebensbedrohliche Erkrankung zu schützen? Der In-
fluenza B-Stamm, der sich in diesem Jahr in Sachsen wie bun-
desweit durchgesetzt hat, war im trivalenten, von den gesetz-
lichen Krankenkassen grundsätzlich erstatteten Impfstoff nicht
vertreten. Trotzdem erkrankten aber vor allem die Ungeimpften,
zumal selbst der nicht ideal passende Impfstoff durch Kreuzim-
munität für einen gewissen Schutz sorgte. Die unklare Situation
und Diskussion um die Empfehlung sowie Kostenübernahme des
tetravalenten Impfstoffs während der Saison 2017/2018 haben
jedoch sicherlich keine positive Auswirkung auf die Impffreudig-
keit der Ärzteschaft sowie der Patienten gehabt.
Die Influenzawelle 2017/2018 begann in Sachsen in der 2. Ka-
lenderwoche (KW) 2018, erreichte ihren Höhepunkt während-
dessen die epidemische Schwelle überschritten wurde, ab der
8. bis einschließlich der 12. KW 2018 und endete erst nach der
15. KW 2018. Insgesamt wurden ab der 40. KW 2017 bis ein-
schließlich der 17. KW 2018 im Freistaat Sachsen 47.765 In-
fluenza-Erkrankungen meldetechnisch erfasst. Im Vergleich zu
Vorjahren dauerte die saisonale Grippewelle also sehr lange
an. In der Saison 2017/2018 dominierten in Sachsen wie auch
bundesweit Influenza B-Viren deutlich mit 76 % vor Influenza
A-Viren. Die Influenza B-Viren wiederum waren zu 99 % der
Yamagata-Linie zuzuordnen, einem Virusstamm, der nur im
Vierfach-Grippe impfstoff enthalten war. Die Influenza A-Viren
gehörten vor allem dem Subtyp A(H1N1)pdm09 an, der Subtyp
A(H3N2) wurde nur sehr vereinzelt identifiziert. Der Anteil der
nachgewiesenen Influenzatypen hat sich während der Saison
verändert: die Zahl der Influenza A-Virusnachweise nahm ste-
tig zu und zum Ende der Saison wurden mehr Influenza A- als
Influenza B-Viren detektiert. Demzufolge wurde eine sehr aus-
geprägte Influenza B-Welle noch durch eine Influenza A-Welle
verstärkt.
Verglichen mit Vorjahren erkrankten in der Saison 2017/2018,
wie schon in der Vorsaison, 2016/2017 verhältnismäßig viele,
vor allem ältere Erwachsene. 43 % aller gemeldeten Fälle be-
trafen Patienten, die älter als 44 Jahre waren. Die am meisten
betroffenen Altersgruppen bildeten mit 29 % aller insgesamt
Erkrankten die älteren Erwachsenen (45 bis 64 Jahre) gefolgt
von den 25- bis 44-Jährigen mit 22 % und den über 64-jähri-
gen Senioren mit 14 %. Nur insgesamt 35 % der Erkrankungen
traten bei Kindern und Jugendlichen auf. In den meisten Influ-
enzasaisons tragen Kinder und Jugendliche mehr als die Hälfte
bis zu zwei Dritteln der Erkrankungslast.
In Sachsen verstarben in der Saison 2017/2018 insgesamt 176
Patienten nachweislich an Influenza. Dies stellt einen weiteren,
traurigen Rekord dar. Die bisher meisten Todesfälle waren mit
83 Betroffenen in der Vorsaison 2016/2017 registriert worden,
was schon damals einen Höchstwert dargestellt hatte. Die wäh-
rend der Saison 2017/2018 gemeldeten Todesfälle betrafen 84
Frauen und 91 Männer im Alter zwischen 37 und 97 Jahren so-
wie ein 1-jähriges Kind. Der Altersmedian lag bei 82 Jahren.
Allen Beteiligten am Influenza-Sentinel möchten wir an die-
ser Stelle unseren herzlichen Dank aussprechen. Nur durch das
große Engagement der Sentinelärzte sowie der Mitarbeiter aus
den Gesundheitsämtern vor Ort waren die Durchführung des
Sentinels sowie die vorliegenden Auswertungen möglich gewe-
sen. Wir hoffen auch in Zukunft auf Ihre enge Kooperation, um
im Rahmen der Influenza-Surveillance die Prävention und das
Management von Influenza-Erkrankungen weiter verbessern zu
können.
Dr. Gerlinde Schneider
Präsidentin
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2017/2018
im Freistaat Sachsen

│3
Die
Ergebnisse
der
Influenza-Überwachung
der
Saison
2017/2018 basieren wie bereits in den vergangenen Jahren
(siehe LUA-Mitteilungen sowie diesbezügliche Sonderhefte) auf
diversen erhobenen Daten.
Hierzu zählen aus epidemiologischer Sicht insbesondere:
]
das Influenza-Sentinelsystem des Öffentlichen Gesundheits-
dienstes (ÖGD) in Sachsen bzw. der Arbeitsgemeinschaft In-
fluenza (AGI) inklusive Sachsen in Deutschland
]
der Erregernachweis (PCR und Virusanzüchtung) unter ande-
rem zur Bestätigung epidemiologischer Daten (Beginn/Ende
einer Epidemie)
]
die Berücksichtigung entsprechender Informationen aus den
anderen Bundes- und den europäischen Nachbarländern zu
Häufungen, Informationen über Krankheitsverläufe, Kompli-
kationen, Altersspezifität, Mortalität etc.
Die Auswertung dieser Faktoren erlaubt die folgende Einschät-
zung der Influenza-Aktivität für die Saison 2017/2018 (40. Ka-
lenderwoche (KW) 2017 – 17. KW 2018) .
1.1 Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel sowie Saison-
verlauf in Sachsen und Deutschland
Zu Beginn der Saison entsprach die Häufigkeit akuter respiratori-
scher Erkrankungen (ARE-Morbidität) im Freistaat Sachsen dem
erwarteten Niveau. Auch in den anderen Bundesländern gestal-
tete sich die ARE-Influenza-Situation unauffällig. Die Werte der
Konsultationsinzidenzen für Gesamtdeutschland zeigten die üb-
liche Altersgruppenverteilung und bewegten sich in dem für die
Jahreszeit normalen Bereich. Die ARE-Aktivität war gemäß den
virologischen Ergebnissen des Nationalen Referenzzentrums für
Influenza (NRZ Influenza) in diesem Zeitraum insbesondere auf
Rhinoviren zurückzuführen. Allerdings erfolgten im NRZ Influ-
enza bereits in der 40. KW 2017 auch drei Influenza B-Virus-
Nachweise. Eine, wenn auch geringe Influenzavirus-Zirkulation
war also ab Saisonbeginn zu verzeichnen.
Ein bundesweiter, leichter Anstieg der ARE-Aktivität wurde be-
reits ab der 41. KW 2017 beobachtet. Jedoch bestanden weder
für Sachsen noch für das übrige Bundesgebiet Hinweise auf eine
erhöhte Influenza-Aktivität. Unter den nachgewiesenen respi-
ratorischen Erregern dominierten Rhinoviren, vereinzelt wurden
Adenoviren, RS-(Respiratory Syncytial-)Viren und humane Me-
tapneumoviren detektiert.
Der erste Nachweis einer Influenzavirus-Infektion der Saison
innerhalb des sächsischen Sentinels gelang in der 41. KW 2017
und somit im Vergleich zu Vorjahren ausgesprochen früh. Be-
troffen war ein 9-jähriger ungeimpfter Junge aus der Stadt
Chemnitz, der mit einer Influenza A(H3N2) im Krankenhaus be-
handelt wurde. In der 42. KW erfolgte ein weiterer Nachweis
einer Influenza A(H3N2)-Infektion bei einer 62-jährigen unge-
impften Patientin aus dem Erzgebirgskreis. Die ersten drei Influ-
enza B-Nachweise der Saison innerhalb des sächsischen Senti-
nels wurden in der 48. bis 50. KW 2017 geführt.
Bis zum Jahresende wurde zunächst ein mäßiger Anstieg der
ARE-Aktivität registriert, meist blieben die Werte noch stabil
und bewegten sich durchweg im für die Jahreszeit üblichen
Bereich. Ab der 50. KW bis zum Jahreswechsel war dann eine
geringfügig erhöhte ARE-Aktivität zu verzeichnen. Nachdem
bis zu diesem Zeitpunkt deutschlandweit vorrangig Rhinoviren
nachgewiesen worden waren, wurden zunehmend Influenzavi-
ren und auch RS-Viren detektiert. Nach Definition der AGI be-
gann die Grippewelle der Saison 2017/2018 in Deutschland in
der 52. KW 2017.
Zum Beginn des Jahres 2018 lagen die Werte des Praxisindex
insgesamt im Bereich moderat erhöhter ARE-Aktivität. Auch bei
den Probeneingangszahlen, Influenza-Nachweisen und Mel-
dezahlen war eine Zunahme zu beobachten. Im NRZ Influenza
wurden ab der 2. KW 2018 hauptsächlich Influenzaviren detek-
tiert. Alle anderen untersuchten Erreger wurden nur noch spora-
disch nachgewiesen. Im Freistaat Sachsen markierten erst ab der
2. KW 2018 eine deutliche Zunahme sowohl der Influenzavirus-
Nachweise als auch der Meldezahlen sowie das Erreichen eines
moderat erhöhten Niveaus der Grippe-Aktivität den Beginn der
saisonalen Influenzawelle.
Ein weiterer Anstieg der Influenza-Aktivität erfolgte ab der
4. KW 2018, es wurden deutlich erhöhte, ab der 6. KW dann so-
gar stark erhöhte Werte registriert. Bis einschließlich der 8. KW
war ein weiterer Anstieg zu beobachten.
Die Grippewelle erreichte in Deutschland ihren Höhepunkt wäh-
rend der 8. bis 10. KW 2018. Die Influenza-Positivenrate lag
bundesweit bei 66 %. Alle anderen untersuchten Erreger wur-
den nur sporadisch nachgewiesen. Influenza B-Viren (mit 99 %
aus der Yamagata-Linie) waren seit der 40. KW 2017 mit 73 %
die am häufigsten identifizierten Influenzaviren, gefolgt von In-
fluenza A(H1N1)pdm09-Viren mit 23 % und Influenza A(H3N2)-
Viren mit 3 %.
Leicht sinkende Werte deuteten ab der 10. KW 2018 darauf
hin, dass der Gipfel der Influenza-Epidemie überschritten war.
Die Grippe-Aktivität war aber zunächst weiterhin stark, ab der
13. KW dann nur noch moderat erhöht. Auch Influenza-Pro-
beneingänge, -Nachweise sowie -Meldedaten waren rückläufig.
Nach Definition der AGI endete die Influenzawelle in Deutsch-
land bei nur noch geringer Influenza-Aktivität in der 14. KW
2018. In Sachsen wurden in der 14. KW noch deutlich erhöhte
Werte registriert und erst mit der 15. KW war bei nur noch ge-
ringer Aktivität ein Ende der Influenzawelle zu konstatieren.
1 Auswertung des epidemiologischen ARE-/
Influenza–Sentinels 2017/2018 im
Freistaat Sachsen und Vergleich mit anderen
Surveillance-Instrumenten

4 │
Mit der 17. KW wurde die Influenza-Saison 2017/2018 im
Freistaat Sachsen abgeschlossen. Bis zum Ende des Berichts-
zeitraums war jedoch weiterhin eine Viruszirkulation zu ver-
zeichnen. Im Vergleich zu Vorjahren dauerte die saisonale Grip-
pewelle also sehr lange an.
Im Vergleich zur Vorsaison waren 2017/2018 sowohl im NRZ
Influenza als auch in den Laboratorien der Landesuntersu-
chungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA)
Sachsen höhere Zahlen von Probeneingängen sowie Influenza-
virus-Nachweisen zu verzeichnen. Die meisten Probeneingänge
erreichten die LUA Sachsen von der 4. bis zur 12. KW 2018.
Auch die größte Anzahl von Nachweisen erfolgte in diesen Be-
richtswochen. Der Gipfel der Grippe-Epidemie lag in Sachsen
zwischen der 8. und 12. KW 2018 (siehe Abbildungen 1, 3, 4 und
5 sowie Tabelle 1).
Grundsätzlich zirkulierten in der Saison 2017/2018 alle drei
Influenzavirus-Typen: die beiden Subtypen A(H1N1)pdm09 und
A(H3N2) sowie der Virustyp B. Absolut dominierender Virustyp
war allerdings Influenza B. Im sächsischen Sentinel rangierte
Influenza B mit 908 Nachweisen (72,9 %) vor Influenza A(H1N1)
pdm09 mit 308 (24,7 %), Influenza A(H3N2) mit 22 (1,8 %) und
nicht-typisierter Influenza mit 8 Nachweisen (0,6 %). Auch im
AGI-Sentinel dominierte bis einschließlich 17. KW 2018 Influen-
za B (mit 99 % aus der Yamagata-Line) mit 68 % der Nachweise
vor Influenza A(H1N1)pdm09 mit 28 % und Influenza A(H3N2)
mit 4 %.
In der Saison 2017/2018 waren bundesweit in den Altersgrup-
pen unterschiedliche Anteile der jeweils zirkulierenden Influen-
za-Virustypen zu verzeichnen. In den jüngeren Altersgruppen
(vor allem bei Kleinkindern) wurden mehr Influenza A(H1N1)
pdm09-Viren detektiert als bei Erwachsenen und Senioren, bei
denen Influenza B-Viren deutlicher dominierten. Der Anteil der
nachgewiesenen Influenzatypen hat sich während der Saison
verändert: die Zahl der Influenza A-Virusnachweise nahm ste-
tig zu und zum Ende der Saison wurden mehr Influenza A- als
Influenza B-Viren detektiert. Demzufolge wurde eine sehr aus-
geprägte Influenza B-Welle noch durch eine Influenza A-Welle
verstärkt.
Für den Freistaat Sachsen kann auf der Basis der Influenza-
Überwachung durch das epidemiologische und mikrobiologische
ARE-/Influenza-Sentinel in der vergangenen Influenza-Saison
von einer ausgeprägten Influenza-Epidemie gesprochen werden.
Die Influenza-Ausbreitung erfolgte in Sachsen (wie im übrigen
Bundesgebiet) zeitlich vergleichsweise früh. Die Influenzawelle
2017/2018 begann in Sachsen in der 2. KW 2018, erreichte ih-
ren Gipfel währenddessen die sogenannte epidemische Schwel-
le überschritten wurde, ab der 8. bis einschließlich der 12. KW
2018 und endete erst nach der 15. KW 2018. Die Influenzavi-
rus-Zirkulation dauerte in Sachsen von der 41. KW 2017 bis zur
17. KW 2018 an.
Die Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen befand
sich im Freistaat Sachsen bereits ab Beginn des Berichtszeitrau-
mes zeitweise deutlich über dem erwarteten Level und erreichte
von der 7. KW bis zur 14. KW 2018 ein stark erhöhtes Niveau
(siehe Abbildungen 1, 3, 4 und 5 sowie Tabelle 3).
Tabelle 1: Probeneinsendungen, Influenzavirus-Nachweise
(mittels PCR) und Positivenraten
KW
Probenein-
sendungen
Anzahl positiver
Proben
Positivenrate
(in %)
40-52
150
10
6,7
1
28
6
21,4
2
56
18
32,1
3
64
30
46,9
4
145
83
57,2
5
183
101
55,2
6
194
105
54,1
7
168
104
61,9
8
210
114
54,3
9
247
150
60,7
10
296
204
68,9
11
257
157
61,1
12
165
88
53,3
13
71
33
46,5
14
61
27
44,3
15
39
7
17,9
16-17
43
5
11,6
Summe
2.377
1.242
52,3
Tabelle 2: Altersaufgliederung der Patienten mit Influenza-
virus-Nachweis (mittels PCR)
Altersgruppen
Sachsen
0 - < 1
23
=
1,8 %
1 - < 7
258
=
20,8 %
7 - < 17
243
=
19,6 %
17 - > 60
480
=
38,6 %
60
238 =
19,2 %
Gesamt
1.242
0
50
100
150
200
250
300
40-52
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16-17
Anzahl
2017
Kalenderwoche
2018
Probeneinsendungen
darunter Nachweise
Abbildung 1:
Probeneinsendungen und Influenzavirus-Nachweise (mittels
PCR) nach Kalenderwochen (Tag der Probenahme)

│5
Altersverteilung
(Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel)
Die identifizierten Influenza-Erkrankungen innerhalb des Senti-
nels betrafen in etwa zu je einem Fünftel Klein- und Vorschul-
kinder (1 - < 7 Jahre, 20,8 %) sowie Schulkinder und Jugend-
liche (7 - < 17 Jahre, 19,6 %). In der Altersgruppe Erwachsene
(17 - < 60 Jahre) wurden 38,6 % aller Fälle registriert. 19,2 %
der Erkrankungen traten bei Senioren (≥ 60 Jahre) auf. Der
Hochrisikogruppe der unter 1-Jährigen ließen sich 1,8 % der
Fälle zuordnen (siehe Tabelle 2 und Abbildung 2).
Somit waren mit 42,2 % aller Nachweise 2017/2018 wie auch
schon in der Vorsaison deutlich weniger Infektionen bei Kindern
und Jugendlichen (< 17 Jahren) zu verzeichnen als in vielen Sai-
sons zuvor. In der Saison 2015/2016 zum Beispiel hatte diese
Altersgruppe mit 69 % mehr als zwei Drittel der Fälle gestellt.
Der mit 19,2 % wie schon 2016/2017 vergleichsweise hohe An-
teil der erkrankten Senioren (≥ 60 Jahre) hatte in der Saison
2015/2016 nur 2,9 % betragen, was aber eine im Vergleich sehr
niedrige Rate darstellte.
Den
klinischen Verlauf
der diesjährigen Influenza-Erkrankun-
gen beschrieben die behandelnden Ärzte vor allem bei älteren
Patienten als verhältnismäßig schwer und langwierig.
Die diesjährige Influenza-Epidemie in Sachsen zeichnete sich
durch einen frühen Beginn bereits in der 2. KW 2018, Über-
schreitung der epidemiologischen Schwelle, extrem hohe Er-
krankungszahlen und einen langen Verlauf bis einschließlich
der 15. KW 2018 aus. Eine sehr ausgeprägte Influenza B-Welle
wurde durch eine hinzukommende Influenza A-Welle verstärkt.
Die durchschnittliche Positivenrate betrug 52,3 % und war da-
mit höher als je zuvor. Die Aktivität der akuten respiratorischen
Erkrankungen befand sich in Sachsen in der Berichtssaison be-
reits ab der 41. KW 2017 und bis zur 15. KW 2018 fast ständig
über dem Normalgang (Ausnahmen bildeten die 43., 44., 49. und
50. KW 2017 sowie die 3. KW 2018). Hierbei wurde die epidemi-
sche Schwelle ab der 8. KW bis einschließlich der 12. KW 2018
überschritten. Der Höhepunkt der protrahierten Influenzawelle
lag demzufolge zwischen der 7. und 13. KW 2018 (siehe Tabel-
len 1 und 3 sowie Abbildungen 3, 4 und 5).
In Sachsen wurden in der Saison 2017/2018 innerhalb des ÖGD-
Sentinels insgesamt 338 Influenza A- sowie 908 Influenza B-In-
fektionen nachgewiesen. 308 der 330 mittels PCR typisierbaren
Influenza A-Viren ließen sich dem Subtyp A(H1N1)pdm09 und
22 dem Subtyp A(H3N2) zuordnen, bei acht Influenza A-Viren
gelang keine Subtypisierung.
In der aktuellen Berichtssaison war demzufolge eine deutliche
Dominanz von Influenza B zu verzeichnen. Der Anteil der Influ-
enza A(H1N1)pdm09-Nachweise nahm im Verlauf der Saison zu,
während Influenza A(H3N2)-Nachweise nur vereinzelt geführt
wurden.
Detaillierte Angaben zu den sächsischen Ergebnissen sind im
Teil 2 – Influenza-Sentinel/mikrobiologischer Teil aufgeführt.
Mit insgesamt 2.377 Einsendungen (davon 1.242 mit positi-
vem Ergebnis) während des Sentinelzeitraumes (40. KW 2017 –
17. KW 2018) wurde in den LUA-Laboratorien eine ausgespro-
chen große Anzahl von Proben untersucht. Nur in den Saisons
2004/2005 sowie 2002/2003 waren mehr Probeneingänge zu
verzeichnen. Mit 1.242 positiven Proben wurde nach der Saison
2004/2005 die zweithöchste Anzahl an Influenza-Nachweisen
geführt. Die Positivenrate, das heißt der Prozentsatz, der den
Anteil der Sentinelproben darstellt, in denen Influenzaviren
nachgewiesen wurden, betrug 52,3 % und war somit sogar so
hoch wie nie zuvor.
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
0
50
100
150
200
250
300
27.KW
29.KW
31.KW
33.KW
35.KW
37.KW
39.KW
41.KW
43.KW
45.KW
47.KW
49.KW
51.KW
1KW.
3.KW
5.KW
7.KW
9.KW
11.KW
13.KW
15.KW
17.KW
19.KW
21.KW
23.KW
25.KW
Influenzavirus-Nachweise
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
2017
Kalenderwochen
2018
Influenzavirus-Nachweise
ARE-Inzidenz 2017/2018
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
ARE-Inzidenz 2016/2017
Abbildung 3:
ARE und Influenza in Beziehung zum Normalgang, 27. KW 2017 – 26. KW 2018, Stadt Chemnitz
0
5
10
15
20
25
30
35
40
0 < 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
60 und älter
Influenzavirus-Nachweise (%)
Altersgruppe
Abbildung 2:
Influenzavirus-Nachweise (mittels PCR) nach Altersgruppen

6 │
0
10
20
30
40
50
60
70
80
40
42
44
46
48
50
52
2
4
6
8
10
12
14
16
Mittelwert pro meldende Praxis/Einrichtung
Kalenderwoche
2016/17
2017/18
Erwartungswert
moderat
Signalschwelle
Abbildung 5:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2016/2017 und 2017/2018, Mittelwert pro meldende Praxis/Einrichtung
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
65
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
9.000
10.000
11.000
12.000
40. KW
41. KW
42. KW
43. KW
44. KW
45. KW
46. KW
47. KW
48. KW
49. KW
50. KW
51. KW
52. KW
1. KW
2. KW
3. KW
4. KW
5. KW
6. KW
7. KW
8. KW
9. KW
10. KW
11. KW
12. KW
13. KW
14. KW
15. KW
16. KW
17. KW
Mittelwert pro Einrichtung
Erkrankungen absolut
2017 Kalenderwoche 2018
Gesamt
Mittelwert pro meldende
Praxis/Einrichtung
Abbildung 4:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2017/2018, Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel, 40. KW 2017 – 17. KW 2018

│7
Tabelle 3: In der LUA Sachsen erhobene Influenzavirus-Nachweise, Saison 1999/2000 bis 2016/2017
Saison
Anzahl
Probeneinsen-
dungen
Anzahl
positive Proben
(Anzucht und/
oder PCR)
Positivenrate
(%)
Anzahl
Proben mit
Nachweis
Infl. A
Anzahl
Subtyp
A(H1N1)
Anzahl
Subtyp
A(H1N2)
Anzahl
Subtyp
A(H3N2)
Anzahl
Proben mit
Nachweis
Infl. B
2017/2018
2.377
1.242
52,3
338
1)
308
1)2)
-
22
908
1)
2016/2017
1.529
653
42,7
639
1
2)
-
594
14
2015/2016
1.332
488
36,6
187
176
2)
-
10
302
2014/2015
1.358
468
34,5
441
66
2)
-
363
27
2013/2014
323
29
9,0
28
4
2)
-
24
1
2012/2013
1.785
895
50,1
692
399
2)
-
287
202
2011/2012
436
101
23,2
76
5
2)
-
69
25
2010/2011
1.267
524
41,4
310
309
2)
-
1
214
2009/2010
2.364
920
38,9
920
917
2)
-
-
-
2008/2009
2.296
826
36,0
679
8
-
369
149
2007/2008
1.629
449
27,6
190
188
-
2
259
2006/2007
2.088
733
35,1
732
16
-
290
1
2005/2006
1.183
181
15,3
48
11
-
36
133
2004/2005
4.310
1.922
44,6
1.192
110
-
194
748
2003/2004
1.628
482
29,6
482
-
-
482
-
2002/2003
3.588
1.195
33,3
1.088
1
1
1.086
110
2001/2002
1.239
411
33,2
174
-
3
171
241
2000/2001
1.379
401
29,1
397
396
-
1
4
1999/2000
1.854
411
22,2
411
-
-
411
-
1)
darunter 4 Doppelinfektionen Influenza A(H1N1)pdm09 und Influenza B
2)
Subtyp A(H1N1)pdm09
Tabelle 3 liefert einen Überblick über die Sentinel-Erhebungen seit 1999 hinsichtlich Anzahl der Probeneinsendungen und Nachwei-
se, der Positivenraten sowie der Influenzavirus-Typen und -Subtypen.
1.2 Sächsische Meldedaten nach dem Infektionsschutz-
gesetz (IfSG)
Zusätzlich zu den in den Laboratorien der LUA Sachsen und im
Rahmen des ARE-/Influenza-Sentinels identifizierten Influenza-
viren wurden im Verlauf der Saison natürlich auch in anderen
entsprechenden Einrichtungen Influenza-Erkrankungen labordi-
agnostisch bestätigt, gemäß IfSG an die zuständigen Gesund-
heitsämter gemeldet und von diesen an die LUA übermittelt.
Insgesamt wurden ab der 40. KW 2017 bis einschließlich der
17. KW 2018 im Freistaat Sachsen 47.765 Influenza-Erkrankun-
gen meldetechnisch erfasst.
Damit wurden in der Saison 2017/2018 die meisten Influ-
enza-Fälle in einer Saison seit Einführung des Infektions-
schutzgesetzes (IfSG) im Jahr 2001 registriert. Die gemel-
dete Fallzahl war fast dreimal so hoch wie in der Vorsaison
2016/2017, in der bereits bezüglich der Meldezahlen ein
Höchstwert seit 2001 erreicht worden war.
Die Dunkelziffer
liegt sicherlich noch um einiges höher, da nicht jeder Erkrankte
den Arzt aufsucht und dieser dann auch nicht bei allen Patien-
ten eine Laboruntersuchung veranlasst. Allerdings kann davon
ausgegangen werden, dass der Anteil der Laboruntersuchungen
und damit auch Meldungen in den letzten Jahren zugenommen
haben und dies zu den hohen Fallzahlen beigetragen hat, wäh-
rend die Dunkelziffer abgenommen haben dürfte. In der nun
vergangenen Saison wurden somit auch deutlich mehr Influen-
za-Fälle verzeichnet als in der pandemischen Saison 2009/2010
mit „nur“ 10.634 Erkrankten im Vergleichszeitraum bzw. 13.784
Erkrankten im gesamten Jahr 2009.
Die in der Saison 2017/2018 von den sächsischen Gesundheits-
ämtern übermittelten Influenza-Nachweise gliedern sich auf
in 11.421 Influenza A- (davon wiederum 2.663 x als Influenza
A(H1N1)pdm09 und 30 x als Influenza A(H3N2) diagnostiziert),
36.143 Influenza B- sowie 201 nicht typisierte Influenzavirus-
Nachweise. Mit jeweils über 4.200 gemeldeten Influenza-Fäl-
len erreichte die diesjährige Influenzawelle von der 8. bis zur
12. KW 2018 ihren Höhepunkt. In der 10. KW kamen sogar 7.418
Erkrankungen zur Meldung (siehe Abbildung 6).
Ähnlich wie in der Vorsaison 2016/2017 erkrankten verhältnis-
mäßig viele, vor allem ältere Erwachsene. 43 % aller gemelde-
ten Fälle betrafen Patienten, die älter als 44 Jahre waren.
Die am meisten betroffenen Altersgruppen bildeten mit 29 %
aller insgesamt Erkrankten die älteren Erwachsenen (45 bis
64 Jahre) gefolgt von den 25- bis 44-Jährigen mit 22 % und den
über 64-jährigen Senioren mit 14 %. Die Altersgruppe der 5- bis
9-jährigen Grundschüler stellten 2017/2018 insgesamt 11 %,
die Kleinkinder (1-4 Jahre) 9 % sowie die 10-14-Jährigen 6 %
der Fälle. 5 % der Erkrankungen wurden bei 15- bis 19-jährigen
Jugendlichen registriert, in 2 % der Fälle waren 20-24-Jährige
und in nur 1 % Säuglinge (< 1 Jahr) betroffen (siehe Abbil-
dung 7).
Nur insgesamt ein Drittel der Erkrankungen traten also bei Kin-
dern und Jugendlichen auf. In den meisten Influenzasaisons
tragen Kinder und Jugendliche mehr als die Hälfte bis zu zwei
Dritteln der Erkrankungslast.

8 │
Laut Datenübermittlung der sächsischen Gesundheitsämter
mussten in der Saison 2017/2018 insgesamt 8 % der an Influ-
enza Erkrankten im Krankenhaus behandelt werden. Der Anteil
der hospitalisierten Patienten hatte in den Vorsaisons zwischen
9 und 14 % betragen. Hier ist aber von einer erheblichen Unter-
erfassung und hohen Dunkelziffer an Hospitalisierten auszuge-
hen. Gerade während ausgeprägten Influenza-Epidemien führen
stark zunehmende und extrem hohe Zahlen von Erkrankungs-
meldungen dazu, dass die Gesundheitsämter weniger Einzelfall-
ermittlungen durchführen. Infolgedessen sind auch die Hospi-
talisierungsraten auf Grund lückenhafter Dateneingaben nicht
zu bewerten.
Auch eine Aussage zu Impfdurchbrüchen ist nur eingeschränkt
möglich. Bei zum Teil über 4.000, zum Höhepunkt in der 10. KW
2018 sogar 7.400 neuen Influenza-Erkrankungen in der Woche
waren die sächsischen Gesundheitsämter außer Stande, ent-
sprechende Einzelfallermittlungen zum Impfstatus durchzufüh-
ren. Laut Dateneingabe im Mindestabstand von 14 Tagen vor
Erkrankungsbeginn gegen Influenza geimpft waren insgesamt
2.015 der in Sachsen während der Saison 2017/2018 an Influ-
enza Erkrankten, was einem Prozentsatz von 4,2 % der Betrof-
fenen entspricht. Allerdings könnte diesbezüglich eine Unterer-
fassung auf Grund der erwähnten lückenhaften Ermittlung und
Dateneingabe vorliegen. Interessant – obgleich nicht überra-
schend – stellt sich die Altersgruppenverteilung dar. Während
bei den 65 Jahre und älteren Senioren 10,3 % Impfdurchbrüche
registriert wurden, gefolgt von den älteren Erwachsenen (44 bis
64 Jahre) mit 6,5 %, waren in den anderen Altersgruppen nur je-
weils zwischen 0,9 und 2,5 % Impfdurchbrüche zu verzeichnen.
Todesfälle
: Im Freistaat Sachsen verstarben in der Saison
2017/2018 insgesamt 176 Patienten nachweislich an Influenza.
Dies stellt einen traurigen Rekord dar. Die bisher meisten To-
desfälle (seit IfSG-Einführung) wurden in der Saison 2016/2017
registriert. Damals verstarben 83 Menschen an Virusgrippe. In
der Berichtssaison 2017/2018 kamen also doppelt so viele leta-
le Verläufe zur Meldung wie je zuvor. Die betroffenen Erwach-
senen (84 Frauen und 91 Männer) waren zwischen 37 und 97
Jahre alt. Außerdem verstarb ein 1-jähriger Junge, der an einer
komplexen Herzfehlbildung litt, trotz tetravalenter Impfung an
einer Influenza B. Der Altersmedian der Verstorbenen lag bei
82 Jahren und war damit ähnlich hoch wie in der Vorsaison
2016/2017 (86 Jahre), während er in der Saison 2015/2016 nur
58 Jahre betragen hatte. Einer Influenza B erlagen 158, einer
Influenza A 17 Patienten. Ein Patient verstarb an nicht typi-
sierter Influenza. Bei 19 der Verstorbenen war eine zeitgerechte
saisonale Influenza-Impfung dokumentiert, in zwei dieser Fälle
war tetravalenter Impfstoff verabreicht worden.
Erkrankungshäufungen
: In der Berichtssaison 2017/2018 wur-
den in Sachsen insgesamt 46 Influenza-Ausbruchsgeschehen
gemeldet, wobei gerade hier von einer erheblichen Untererfas-
sung und somit hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Es erkrank-
ten jeweils zwischen 2 bis 19 fast ausschließlich ungeimpfte
Personen. 16 (35 %) der in der Saison 2017/2018 registrierten
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
40
42
44
46
48
50
52
2
4
6
8
10
12
14
16
Anzahl
2017
Meldewoche
2018
Influenza, nicht typisiert
Influenza B
Influenza A
Abbildung 6:
Influenza 2017/2018 in Sachsen, gemeldete Influenza-Nachweise nach IfSG, 40. KW 2017 – 17. KW 2018
1 %
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
14.000
16.000
0 < 1
1 - 4
5 - 9
10 - 14
15 - 19
20 - 24
25 - 44
45 - 64
65 u. älter
Fallzahl
Alter
27 %
7 %
51 %
14 %
Abbildung 7:
Influenza 2017/2018 in Sachsen, Altersverteilung,
Meldedaten nach IfSG, 40. KW 2017 – 17. KW 2018

│9
Influenza-Ausbrüche traten in Krankenhäusern bzw. stationären
Einrichtungen auf.
1.3 Influenza-Saison 2017/2018 innerhalb Europas
Während der Influenza-Saison berichten das European Centre
for Disease Prevention and Control (ECDC) mit seinem Influen-
za-Netzwerk EISN und die WHO Region Europa wöchentlich in
einem gemeinsamen Bericht über die Influenza-Situation in Eu-
ropa. Alle Länder melden ihre Daten über die ECDC-Datenplatt-
form TESSy (The European Surveillance System). Die Ergebnisse
werden im Internet veröffentlicht.
In den ersten Wochen der Influenza-Saison befand sich die In-
fluenza-Aktivität generell auf einem für die Jahreszeit üblichen,
niedrigen Niveau. Alle europäischen Länder berichteten über
eine geringe klinische Influenza-Aktivität (niedrigster Wert der
Aktivitätseinstufung).
Malta war in der 42. KW 2017 die erste europäische Region, in
der kurzzeitig mittlere Influenza-Aktivität verzeichnete wurde.
In der 49. KW meldeten dann Frankreich und zum Jahresen-
de auch England, Irland, Italien, Montenegro, die Niederlande,
Norwegen, Spanien, die Schweiz und die Türkei bereits mittlere
Aktivität.
Unter den Influenzavirus-Nachweisen, die in Europa ab der
40. KW 2017 bis zum Jahresende berichtet wurden, dominierten
Influenza B-Viren mit 63 %. Von den Influenza B-Virusnachwei-
sen, die innerhalb Europas weiter charakterisiert wurden, gehör-
ten bis Ende 2017 insgesamt 96 % zur Yamagata- und nur 4 %
zur Victoria-Linie.
Die Influenza B-Yamagata-Linie war nicht als Komponente im
aktuellen trivalenten Influenza-Impfstoff enthalten. Nur der
tetravalente Impfstoff beinhaltete beide Stämme. Schätzwerte
der Impfeffektivität deuteten jedoch aufgrund von Kreuzpro-
tektivität auf eine gewisse Schutzwirkung auch des trivalenten
Impfstoffs gegen Influenza-Infektionen der Yamagata-Linie hin.
Am 01.03.2018 wurden vorläufige Ergebnisse zur Wirksamkeit
des Influenza-Impfstoffs in Europa publiziert. Insgesamt wur-
de die Wirksamkeit der Impfung zwischen 25 und 52 % gegen
Influenza in allen Altersgruppen geschätzt, wobei hinsichtlich
Influenza A(H1N1)pdm09 eine Wirksamkeit von 55-68 % und
für Influenza B von 36-54 % kalkuliert wurde. Die Wirksamkeit
gegen Influenza A(H3N2) wurde noch niedriger vermutet.
Mit Jahresbeginn 2018 wurde auch in Deutschland mittlere
Influenza-Aktivität registriert und mit Irland, Nordirland und
Italien und im Folgenden Luxemburg, Malta, Spanien und Wales
übermittelten die ersten europäischen Länder bereits hohe In-
fluenza-Aktivität. 16 der 46 meldenden Länder berichteten nun
über eine weitverbreitete Influenza-Ausbreitung. Betroffen wa-
ren hierbei zunächst vor allem Nord-, Süd- und Westeuropa.
Es zirkulierten Influenza B- und Influenza A-Viren, wobei ins-
besondere die Anteile der nachgewiesenen Influenza A(H1N1)
pdm09- bzw. A(H3N2)-Viren in den Ländern sehr unterschied-
lich waren. Bei den Influenzavirus-Nachweisen, über die seit der
40. KW 2017 berichtet wurde, dominierten Influenza B-Viren
mit insgesamt 65 %. Von den Influenza B-Viren, bei denen die
Linie bestimmt wurde, handelte es sich zu 97 % um die Yama-
gata-Linie.
Ab der 4. KW 2018 berichtete zunächst Luxemburg, ab der
5. KW auch Albanien und Finnland über sehr hohe Influenza-
Aktivität. In Deutschland war ab der 6. KW 2018 hohe Aktivität
zu verzeichnen.
Ab der 11. KW sank die Influenza-Aktivität gemäß WHO in den
meisten Ländern der gemäßigten Zone der nördlichen Hemi-
sphäre, der Höhepunkt der saisonalen Influenzawelle war im
Westen, Norden und Süden Europas überschritten. Im Osten
Europas hingegen wurde weiterhin über einen Anstieg berich-
tet. Mit der 13. KW wurden in Europa keine hohen Werte mehr
übermittelt und ab der 16. KW 2018 war in allen beteiligten
europäischen Ländern nur noch niedrige klinische Aktivität zu
beobachten. Eine Ausnahme bildete Georgien, das auch in der
17. KW 2018 noch mittlere Aktivität verzeichnete.
Die Influenzawelle der Saison 2017/2018 begann im Westen,
Norden und Süden Europas und breitete sich von dort nach
Osten aus. Eine hohe Viruszirkulation wurde zwischen der 52.
KW 2017 und der 12. KW 2018 registriert. Dieser Zeitraum ist
deutlich länger als in den Vorjahren und trug mit zur Schwere
der Influenzawelle bei. Influenza B und hier fast ausschließlich
die Yamagata-Linie war der dominierende Virustyp der Saison
2017/2018 in Europa. Auch die Mehrzahl der schweren Fälle, die
in dieser Saison gemeldet wurden und meist bei Erwachsenen
auftraten, war auf eine Influenza B-Infektion zurückzuführen.
1.4 Influenzavirus-Nachweise bei Geimpften
(Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel)
Zu 2.058 der insgesamt untersuchten 2.377 Einsendungen
(86,6 %) liegen Angaben zum Impfstatus vor. Somit wurde bei
319 (13,4 %) der Untersuchten anlässlich der Probenahme leider
kein Impfstatus erhoben. Auch in den vorangehenden Saisons
erfolgte bei zwischen 12,5 % bis maximal 28,5 % der Proben-
einsendungen keine Influenza-Impfanamnese oder zumindest
keine Eintragung derselben auf dem Probenbegleitschein. Das
Ziel einer lückenlosen Erfassung der Impfanamnese war bislang
bedauerlicherweise nicht erreichbar. Laut Impfanamnese aktu-
ell gegen Influenza geimpft waren insgesamt 329 (13,8 %) der
Patienten, von denen Proben eingegangen waren, 1.729 Proban-
den (72,7 %) waren anamnestisch gegen Influenza ungeimpft.
Für die folgenden Berechnungen zu Erkrankung und Impfung
wird die Anzahl von 2.058 Probanden bzw. von 1.116 Positiv-
Nachweisen mit erhobenem aktuellen Impfstatus Influenza be-
treffend (geimpft oder ungeimpft) zugrunde gelegt.
Trotz gesicherter Grippe-Impfung erkrankten 168 Probanden
unseres Sentinels an Influenza.
Der Anteil geimpfter Personen
an allen mit Influenzavirus-Nachweis (= Influenza-Positive)
betrug insgesamt 15 %
(Anteil Ungeimpfter: 85 %). Damit war
er niedriger als in den Saisons 2016/2017, 2014/2015 sowie
2011/2012, in denen der Influenza-Subtyp A(H3N2) dominiert
hatte, aber höher als bei bisherigen Saisons, in denen Influenza
B-Nachweise überwogen wie z. B. 2007/2008 und 2015/2016
(siehe Abbildung 8 und Tabelle 3).
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften in der Gesamtgrup-
pe der Influenza-Positiven lag insgesamt bei 1:5,6; das heißt
unter den Erkrankten waren annähernd mehr als 6-mal so
viele Ungeimpfte wie Geimpfte
. Während für
Geimpfte
eine

10 │
auf die Anzahl der Probeneinsendungen (mit Impfstatus-Anga-
be) bezogene
Erkrankungsrate von 8,2 %
(Relation 168 positi-
ve Geimpfte/2.058 Proben mit bekanntem Impfstatus) ermittelt
werden konnte, betrug diese bei Ungeimpften insgesamt 46,1 %
(Relation 948 positive Ungeimpfte/2.058 Proben mit bekanntem
Impfstatus). Die Erkrankungsrate bei Geimpften entsprach der-
jenigen der Vorsaison, war aber doppelt so hoch wie 2015/2016.
Die Erkrankungsrate bei Ungeimpften war hingegen 2017/2018
deutlich höher als in den Vorjahren, in denen sie jeweils um die
36 % betragen hatte.
Auf Grund der hohen Probenanzahl und der Kozirkulation drei-
er Influenzaviren bietet sich in der Saison 2017/2018 zudem
eine Betrachtung der Impfdurchbrüche nach den verschiedenen
Influenzavirus-Typen bzw. -Subtypen an.
Bei 311 von 338 nachweislich an Influenza A erkrankten Pro-
banden war der Impfstatus bekannt. Sie gliedern sich auf in 22
Geimpfte und 289 Ungeimpfte. Demzufolge waren unter allen
Influenza A-Positiven, von denen der Impfstatus bekannt war,
7,1 % geimpft und 92,9 % ungeimpft. Eine weitere Aufgliede-
rung nach den Subtypen A(H1N1)pdm09 und A(H3N2) ergibt
folgendes Bild: Bei 287 der 308 Patienten mit A(H1N1)pdm09-
Nachweis wurde ein Impfstatus erhoben, 18 von diesen waren
geimpft (6,3 %) und 269 (93,7 %) nicht. Bei 18 der 22 an Influ-
enza A(H3N2)-Erkrankten lagen Angaben zum Impfstatus vor.
Drei (16,7 %) Personen waren geimpft, 15 (83,3 %) hingegen
nicht.
Definitive Angaben zum Impfstatus erfolgten bei 809 der 908
Influenza B-Positiven. In dieser Gruppe befanden sich 147 ge-
impfte und 662 ungeimpfte Patienten. Also waren unter allen
Influenza B-Positiven mit bekanntem Impfstatus 18,2 % ge-
impft und 81,8 % nicht.
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften ergab bei den
Influenza A-Positiven 1:13,1, bei den Influenza B-Positiven
1:4,5. Das heißt, unter den an Influenza A-Erkrankten waren
13-mal so viele Ungeimpfte wie Geimpfte, während sich unter
den an Influenza B-Erkrankten nur annähernd 5-mal so viele
Ungeimpfte wie Geimpfte befanden. Allerdings unterscheiden
sich die beiden Influenza A-Subtypen deutlich: Das Verhältnis
von Geimpften zu Ungeimpften zeigte bei Influenza A(H1N1)
pdm09 die Relation von 1:14,9, das heißt unter den an Influenza
A(H1N1)pdm09-Erkrankten waren 15-mal so viele Ungeimpf-
te wie Geimpfte. Bezüglich Influenza A(H3N2) errechnete sich
eine Relation von nur 1:5,0. Dementsprechend befanden sich
in dieser Gruppe also nur 5-mal so viele Ungeimpfte wie Ge-
impfte. Dass nach Impfung ein besserer Schutz gegen Influenza
A(H1N1)pdm09 aufgebaut wird als gegen Influenza A(H3N2), ist
regelmäßig zu beobachten.
Die „Ungeimpftenrate“ gibt die Verringerung der Erkrankungs-
rate an Influenza bei Geimpften gegenüber den Ungeimpften
an. Sie errechnet sich aus der Erkrankungsrate der Ungeimpf-
ten mit Influenzavirus-Nachweis abzüglich der Erkrankungsrate
der Geimpften mit Influenzavirus-Nachweis dividiert durch die
Erkrankungsrate der Ungeimpften mit Influenzavirus-Nachweis.
In der Saison 2017/2018 betrug die Ungeimpftenrate insgesamt
82 %. Bezüglich Influenza A ergab sich eine Ungeimpftenra-
te von 92 %, für Influenza B von 78 %. Auch hier divergieren
die beiden A-Subtypen erheblich: für Influenza A(H1N1)pdm09
konnte eine Ungeimpftenrate von 93 % erhoben werden, bei
Influenza A(H3N2) gelang durch die Schutzimpfung eine Verrin-
gerung der Erkrankungsrate um immerhin 80 %.
Die durchschnittliche
Ungeimpftenrate von 82 %
, die die Ver-
ringerung der Erkrankungsrate bei Geimpften gegenüber Unge-
impften darstellt, demonstriert auch in dieser Saison – wenn
auch weniger deutlich als in anderen Berichtsjahren – die
Schutzwirkung der saisonalen Grippeimpfung. Zum Vergleich:
in der Saison 2016/2017 errechnete sich eine Ungeimpftenrate
von 77 %, in den anderen Saisons lag diese zwischen 78 und so-
gar 99 % (2009/2010). Vergleicht man die Ungeimpftenrate der
Saison 2017/2018 nach Virustypen so rangiert die Schutzwir-
kung der Influenza A(H1N1)pdm09-Impfstoffkomponente mit
93 % deutlich vor Influenza A(H3N2) mit 80 % und Influenza B
mit 78 %.
Betrachtet man die Altersgruppenverteilung der in der Saison
2017/2018 trotz Impfung erkrankten 168 Personen, so waren
79 Patienten (47 %) - also annähernd die Hälfte - 60 Jahre und
älter, bei 70 Patienten (42 %) handelte es sich um Erwachsene
zwischen 17 und 59 Jahren. Außerdem erkrankten 15 Kinder
und Jugendliche (9 %, 7 -16 Jahre) sowie 4 Klein- und Vorschul-
kinder (2 %, 1-6 Jahre) trotz saisonalem Impfschutz.
Bei 140 der 168 trotz Impfung an Influenza erkrankten Perso-
nen, lagen nähere, wenn auch zum Teil bedauerlicherweise un-
genaue Angaben zum verabreichten Impfstoff vor. Trivalenten
Impfstoff hatten 110 der Betroffenen erhalten. Die hier geführ-
ten Influenza-Nachweise gliedern sich auf in 98-mal Influen-
za B, 9-mal Influenza A(H1N1)pdm09 sowie 3-mal Influenza
A(H3N2). Die Gabe von tetravalentem Impfstoff war bei 30 an
Influenza Erkrankten dokumentiert. Allerdings erfolgte eine ge-
naue Bezeichnung des Impfstoffes (Influsplit Tetra® bzw. Flu-
enz® Tetra) nur bei 22 Probanden. Fünf Patienten erkrankten
trotz tetravalenter Impfung an einer Influenza A (davon vier mit
Nachweis des Subtyps A(H1N1)pdm09 und einer an untypisier-
ter Influenza A). Bei 25 (davon 18 mit definitiver Impfstoffbe-
nennung) Patienten trat nach 4fach-Impfung eine Influenza B-
Erkrankung auf.
13
7
11
1
6
18
9
8
18
10
19
15
87
93
89
99
94
82
91
92
82
90
81
85
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Ungeimpfte
Geimpfte
Abbildung 8:
Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Influenzavi-
rus-Nachweis

│11
1.5 ARE-Normalgang und Verlauf,
Beispiel Landkreis Mittelsachsen
Eine kontinuierliche Fortführung der Sentinelsysteme in Sach-
sen ermöglicht auch in Zukunft fundierte Aussagen sowie die
Beurteilung der Entwicklungen über Jahre (z. B. zum Ausmaß
von Epidemien, zum zeitlichen Ablauf, zur regionalen Ausbrei-
tung, zu den jeweiligen besonders betroffenen Altersgruppen
etc.).
Dies soll nachfolgend für die letzten 5 Jahre am Beispiel des
Landkreises Mittelsachsen dargestellt werden (epid. Schwelle
= epidemische Schwelle). Abbildung 9 veranschaulicht noch
einmal den vergleichsweise ausgesprochen langen Verlauf der
Influenza-Epidemie 2017/2018 in der eine sehr ausgeprägte In-
fluenza B-Welle noch durch eine Influenza A-Welle verstärkt
wurde.
Bearbeiter: Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
Annett Friedrich
Siglinde Liedig
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
27.
32.
37.
42.
47.
52.
5.
10.
15.
20.
25.
30.
35.
40.
45.
50.
3.
8.
13.
18.
23.
28.
33.
38.
43.
48.
1.
6.
11.
16.
21.
26.
31.
36.
41.
46.
51.
4.
9.
14.
19.
24.
29.
34.
39.
44.
49.
2.
7.
12.
17.
22.
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
Kalenderwochen der jeweiligen Influenza-Saison
Normalgang
epid. Schwelle
Inzidenz
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
Abbildung 9:
ARE-Normalgang und Verlauf 2013 – 2018, LK Mittelsachsen (gesamt)

12 │
2.1 Virologische Diagnostik im Rahmen des Influenza-
Sentinels
Im Rahmen des Sentinels wurden zur Diagnostik sowohl Ra-
chenabstriche als auch Nasen-/Rachenabstriche eingesendet.
Der allgemeine Nachweis von Influenza A- und Influenza B-
Viren erfolgt mittels Multiplex-PCR. Influenza A-positive Pro-
ben wurden anschließend mittels Real time-PCR-Assays, die auf
die Amplifikation spezifischer Abschnitte des Hämagglutinin-
(HA-) und Neuraminidase-(NA-)Gens zielen, subtypisiert. Da-
durch konnte zwischen den in der vergangenen Saison in der
menschlichen Population zirkulierenden Subtypen A(H3N2) und
A(H1N1)pdm09 unterschieden werden.
Zusätzlich wurden ausgewählte, mittels PCR positiv getestete
Proben in Zellkultur (unter Verwendung von Hundenierenzellen
-
Madin Darby Canine Kidney
-(MDCK-)Zellen) gegeben. Zum
Nachweis einer erfolgreichen Virusvermehrung diente entweder
ein Hämagglutinationstest (HAT) oder es erfolgte die Bewertung
der Anzuchtversuche auf Basis charakteristischer Veränderun-
gen der Zellkultur (zytopathischer Effekt, CPE).
Nach erfolgreicher Anzucht wurde nach Absprache mit dem
Nationalen Referenzzentrum für Influenza (NRZ Influenza) in
Berlin eine definierte Auswahl der Isolate zur Feintypisierung an
dieses weitergeleitet.
2.2 Ergebnisse des Sentinels von Oktober 2017 bis April
2018
Im Berichterstattungszeitraum des sächsischen Influenza-
Sentinels von der 40. KW 2017 bis zur 17. KW 2018 wurden
insgesamt 2.377 Patientenproben von den verschiedenen Senti-
nelteilnehmern eingesendet. Dabei ließen sich knapp zwei Drit-
tel der Proben Patienten von Sentinelpraxen zuordnen, ca. ein
Drittel der Proben stammte von Patienten aus Krankenhäusern
und nur ein geringer Teil der Proben (ca. 4 %) wurde in den Ge-
sundheitsämtern direkt genommen (Tabelle 1).
Die Zahl der Einsender sowie die Anzahl der Einsendungen wa-
ren territorial verschieden. Mit 56 Einsendern stellte die Region
Chemnitz ca. die Hälfte der Sentinel-Teilnehmer, von denen ca.
60 % der Proben stammten (Tabelle 2).
Bereits die Influenzasaison 2016/2017 hatte sich durch eine
hohe Aktivität ausgezeichnet, die im letzten Sentinelzeitraum
noch weiter angestiegen ist. Der Anteil Influenzavirus-positiver
Genomnachweise der Saison 2017/2018 ist mit 52,3 % der
höchste der letzten 10 Sentinels. Nur in der Saison 2012/2013
war er mit 50,1 % vergleichbar hoch, lag aber ansonsten in der
Regel zwischen 35 % und 43 %. In schwachen Influenzasaisons
2011/2012 und 2013/2014 wurden dagegen lediglich in 23 bzw.
9 % der Proben Influenza-Viren nachgewiesen (Abbildung 1).
In den Sentinelpraxen war der Anteil Influenza-positiver Proben
mit 59 % höher als in den Krankenhäusern (41 %) oder Gesund-
heitsämtern (39 %; Tabelle 1). Auf Regionalebene (Chemnitz,
Tabelle 1: Einsenderbezogene Darstellung der Anzahl der
Sentinelproben, der positiven Influenzavirus-Ge-
nomnachweise sowie der ermittelten Positiven-
raten (= Anzahl positiver Proben/Anzahl eingesandter
Proben)
Einsender
Anzahl der
Proben
Anzahl der posi-
tiven Proben mit
Influenzavirus-
Genomnachweisen
Positivenrate
[%]
Sentinel-Arztpraxen
1.470
1)
871
59,3
Krankenhäuser
819
1)
337
41,1
Gesundheitsämter/
Institute
88
34
38,6
Gesamt
2.377
1.242
52,3
1)
je zwei Doppelinfektionen mit Influenza A(H1N1)pdm09 und Influenza B
Tabelle 2: Regionaler Vergleich der Anzahl der Einsender
und Sentinelproben, der positiven Influenzavi-
rus-Genomnachweise und ermittelten Positiven-
raten
Kreis
Anzahl der
Einsender
Anzahl der
Sentinel-
proben
Anzahl positiver
Influenzavirus-
Genomnach-
weise
Positiven-
rate [%]
Region Chemnitz (5 Kreise)
Chemnitz/Stadt
13
171
99
57,9
Erzgebirgskreis
23
1002
1)
515
51,4
Mittelsachsen
6
182
85
46,7
Vogtlandkreis
4
11
10
90,9
Zwickau
10
48
25
52,1
Gesamt
56
1.414
734
51,9
Region Dresden (5 Kreise)
Bautzen
5
266
1)
113
42,5
Dresden/Stadt
0
0
0
-
Görlitz
5
20
9
45,0
Meißen
6
175
122
69,7
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
7
146
1)
93
63,7
Gesamt
23
607
337
55,5
Region Leipzig (3 Kreise)
Leipzig/Stadt
11
153
1)
79
51,6
Leipzig
7
161
76
47,2
Nordsachsen
3
42
20
47,6
Gesamt
21
356
175
49,2
Gesamtsumme
100
2.377
1.246
52,4
1)
je eine Doppelinfektionen mit Influenza A(H1N1)pdm09 und Influenza B
2 Auswertung des Influenza-Sentinels 2017/2018
im Freistaat Sachsen, mikrobiologischer Teil
Dresden, Leipzig) waren die Gesamt-Positivenraten nur gering-
fügig (52-56 %) verschieden, wiesen aber territoriale Unter-
schiede auf Kreisebene auf (Positivenraten 43-91 %; Tabelle 2).

│13
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0
30
60
90
120
150
180
210
40/10
46/10
52/10
06/11
12/11
40/11
46/11
52/11
06/12
12/12
40/12
46/12
52/12
06/13
12/13
41/13
47/13
01/14
07/14
13/14
41/14
47/14
01/15
07/15
13/15
41/15
47/15
53/15
06/16
12/16
40/16
46/16
52/16
06/17
12/17
40/17
46/17
52/17
06/18
12/18
18/18
Anzahl Influenzavirus-Nachweise
Positivenrate [%]
Woche / Jahr
A(H1N1)pdm09
A(H3N2)
A nicht typisierbar
B
Positivenrate
Abbildung 2:
Anteil der Influenzavirus-Typen/-Subtypen an den Influenzavirus-Genomnachweisen und die Positivenraten für die Saisons 2010/2011 bis 2017/2018
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0
50
100
150
200
250
300
40/17
41/17
42/17
43/17
44/17
45/17
46/17
47/17
48/17
49/17
50/17
51/17
52/17
01/18
02/18
03/18
04/18
05/18
06/18
07/18
08/18
09/18
10/18
11/18
12/18
13/18
14/18
15/18
16/18
17/18
Positivenrate [%]
Anzahl
Monat/Jahr
Proben-Gesamtzahl
A(H1N1)pdm09
A(H3N2)
A nicht typisierbar
B
Positivenrate
Abbildung 1:
Anzahl der eingesandten Proben, Anzahl positiver Genomnachweise von Influenza A (A(H1N1)pdm09, A(H3N2), nicht typisierbar)- und Influenza
B-Viren pro Kalenderwoche im Sentinel 2017/2018 sowie die Positivenraten in der 51. KW 2017 – 17. KW 2018

14 │
Der erste Influenza-Nachweis in der Saison 2017/2018, Subtyp
A (H3N2), gelang bereits Mitte November 2017. Diesem folgten
bis Anfang Januar 2018 weitere Einzelnachweise verschiedener
Influenza-Virustypen (A(H1N1)pm09, A(H3N2) und B. Ab der
zweiten Kalenderwoche 2018 nahm die Zahl der wöchentlichen
Einsendungen wie auch der positiv bestätigten Proben stetig zu.
Eine Positivenrate von > 20 % war über einen Zeitraum von
15 Wochen (von der 52. KW 2017 bis zur 14. KW 2018) nach-
weisbar (Abbildung 1). Ende Januar bis Mitte Februar (9. KW
– 11. KW 2018) wurden mit 61-69 % die höchsten Positiven-
raten verzeichnet. Influenza B-Viren waren 14 Wochen lang der
dominierende Virustyp. Ihr Anteil betrug 73 % an den Gesamt-
Positivennachweisen. Zum Ende des Sentinelzeitraumes wur-
den, wenn auch nur noch in Einzelnachweisen, hauptsächlich
Influenza A(H1N1)pdm09-Viren nachgewiesen. Diese stellten
auch den dominierenden Subtyp der Influenza A-Viren (25 %
der Gesamt-Positiven, 91 % der Influenza A-Viren) während
des Sentinels dar. Influenza A(H3N2)-Viren wurden im gesam-
ten Sentinelzeitraum nur vereinzelt nachgewiesen (2 % der
Gesamt-Positiven) (Abbildungen 1, 2, 3 und 4 sowie Tabelle 3).
Dies entspricht der gesamtdeutschen Situation. Laut RKI wur-
den im Rahmen des AGI-Sentinels in der vergangenen Saison
mit 68 % am häufigsten Influenza B-Viren identifiziert, gefolgt
von Influenza A(H1N1)pdm09-Viren mit 28 % und Influenza
A(H3N2)-Viren mit 4 % (1).
Europaweit dominierten im Sentinelzeitraum (40. KW 2017
– 20. KW 2018) mit einem Anteil von 63 % an den Gesamt-
Positiven ebenfalls Influenza B-Viren (2). Während in Sachsen
und Deutschland der Großteil der Influenza A-Viren zum Subtyp
A(H1N1)pdm09 zählte (91 % bzw. 88 % der Influenza A-Viren)
und nur ein geringer Teil zu Influenza A(H3N2)-Viren (7 % bzw.
12 % der Influenza A-Viren), war die Dominanz des Subtyps
A(H1N1)pdm09 in Europa weniger stark ausgeprägt. Zwei Drit-
tel der Influenza A-Viren zählten hier zu diesem Subtyp und ein
Drittel zum Subtyp A(H3N2) (2).
Eine vergleichbarer hoher Anteil an Influenza B-Viren an der
Zirkulation wie sie sich im vergangenen Sentinelzeitraum dar-
stellte, ist innerhalb der letzten 10 Jahre lediglich 2015/2016
(Influenza B: 62 %, Influenza A(H1N1)pdm09: 36 %) beobachtet
worden (Abbildung 2, 3 und 4). In den anderen Jahren wurden
in maximal einem Viertel der positiven Proben Influenza B-Viren
(2-25 %) nachgewiesen. Lediglich in 2010/2011 betrug der An-
teil der Influenza B-Viren 41 %.
Wie Abbildung 2 zeigt, traten kontinuierliche Positivenraten
> 20 % in den vergangenen Saisons in der Regel ab der 52. KW
bis ab der 3. KW des Folgejahres auf. Die schwachen Influenza-
saisons 2011/12 und 2013/14 wiesen allerdings einen späteren
Beginn auf.
Aufgrund des HAT und/oder CPE wurden 327 von 457 Anzucht-
versuchen von Influenza-positiven Proben (36,8 % der Gesamt-
Positiven) als positiv gewertet. Das entspricht einer Erfolgsrate
von 71,6 %.
Tabelle 3: Zusammenfassung der Ergebnisse
Anzahl
Anteil an allen
Nachweisen
Anzahl eingesandter Proben innerhalb des Sentinel-Zeitraumes:
2.377
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der PCR:
1.242
1)
52,3 %
Anzahl der positiven PCR-Ergebnisse je Typ/Subtyp:
davon:
Influenza A:
338
27,1 %
Anteil an den Nachweisen
an Influenza A
Influenza A(H1N1)pdm09
308
24,7 %
91,1 %
Influenza A(H3N2)
22
1,8 %
6,5 %
nicht typisierbar
8
0,6 %
2,4 %
davon:
Influenza B
908
72,9 %
Anzahl der Virus-Anzuchtversuche im Sentinel-Zeitraum:
457
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der Virusanzucht:
327
71,6 %
Anzahl der zur
Typisierung ans NRZ
versendeten Proben
185
2)
davon:
Influenza A-Virus:
74
40,0 %
Anteil an den Nachweisen
an Influenza A
Influenza A(H1N1)pdm09 Michigan/45/2015-like
64
3,4)
34,6 %
86,5 %
A(H3N2) HongKong/4801/2014-like
(Gruppe 3C.2a-Viren)
3
4)
1,6 %
4,1 %
A(H3N2) Singapore/INFIMH-16-0019/2016-like
(Gruppe
3C.2a1-Viren)
3
4)
1,6 %
4,1 %
nicht typisiert
4
2,2 %
5,4 %
davon:
Influenza B-Virus:
111
60,0 %
Anteil an den Nachweisen
an Influenza B
Yamagata-Linie (B/Yam Phuket/3073/2013-like)
110
59,5 %
99,1 %
Viktoria-Linie (B/Vic Brisbane/60/2008-like)
1
0,5 %
0,9 %
1)
Im Sentinelzeitraum wurden vier Doppelinfektionen mit Influenza A(H1N1)pdm09 und Influenza B detektiert.
2)
Es wurden nur ausgewählte Stämme mit entsprechendem HAT-Titer und/oder CPE zur Feincharakterisierung weitergeleitet, darunter zwei Doppelinfektionen.
3)
Die als Doppelinfektion ans RKI versendeten Proben wurden im NRZ nicht bestätigt, sondern als positiv für Influenza A(H1N1)pdm09 Michigan/45/2015-like angegeben.
4)
Die Typisierung der Influenza A(H1N1)pdm09-Viren erfolgte aufgrund ihrer antigenen, die der Influenza A(H3N2)-Viren aufgrund ihrer genetischen Eigenschaften.

│15
Zur weiteren Charakterisierung wurden 185 der Virusisola-
te, darunter zwei Doppelinfektionen, an das NRZ für Influenza
gesandt. Von den 74 Influenza A-Virusisolaten wurden 64 als
Influenza A(H1N1)pdm09 Michigan/45/2015-ähnliches Virus
beschrieben. Drei der Isolate wurden der Gruppe der 3C.2a-
Viren mit dem Referenzstamm A(H3N2) Hong Kong/4801/2014
und drei der Gruppe der 3C.2a1-Viren mit dem Referenzstamm
A(H3N2) Singapore/INFIMH-16-0019/2016 zugeordnet. Vier der
Influenza A-Virusisolate konnten am NRZ nicht typisiert werden.
Die Typisierung der 111 Influenza B-Virusisolate ergab 110 x
B/Yam Phuket/3073/2013-ähnliches Virus (Yamagata-Linie)
und 1 x B/Vic Brisbane/60/2008-ähnliches Virus (Victoria-
Linie). Auch deutschland- und europaweit waren B/Yam
Phuket/3073/2013-ähnliche Viren die dominierenden unter den
Influenza B-Viren (3, 4).
1,7
99,7
59,0
4,9
44,6
13,8
14,0
36,0
0,2
24,7
80,3
0,0
0,2
68,3
32,1
82,8
77,2
2,0
91,0
1,8
18,0
0,0
40,8
24,8
22,6
3,4
5,7
61,8
2,1
72,9
0
20
40
60
80
100
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
Prozent
Jahre
A (H1N1)pdm09
A (H1N1)
A (H3N2)
B
A (H1N1)pdm09
A (H1N1)
A (H3N2)
B
Abbildung 3:
Anteil der Influenzavirus-Typen/-Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirus-Genomnachweise für die Saisons 2008/2009 bis 2017/2018
1,7
99,7
59,0
4,9
44,6
13,8
14,0
36,0
0,2
24,7
80,3
0,0
0,2
68,3
32,1
82,8
77,2
2,0
91,0
1,8
18,0
0,0
40,8
24,8
22,6
3,4
5,7
61,8
2,1
72,9
0
20
40
60
80
100
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
Prozent
Jahre
A (H1N1)pdm09
B
A (H3N2)
A (H1N1)
Abbildung 4:
Anteil der Influenzavirus-Typen/-Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirus-Genomnachweise, beginnend mit der Saison 2008/2009 pro Virustyp

16 │
Danksagung
Wir danken dem NRZ für Influenza (Herrm Ralf Dürrwald und
Kollegen) für die Charakterisierung der Influenzavirus-Isolate.
Literatur
[1] Buda, S., Dürrwald, R., Biere, B., Buchholz, U., Tolksdorf, K.,
Prahm, K., Haas, W. und die AGI-Studiengruppe. Influenza-
Monatsbericht. Kalenderwoche 21 bis 24. 2018
[2] https://flunewseurope.org/PrimaryCareData.
[Online] 25.06.2018.
[3] https://influenza.rki.de/circulatingviruses.aspx.
[Online] 09.07.2018
[4] WHO Regional Office for Europe. Seasonal influenza in the
WHO European Region, 2017-2018 early season. 2018
Bearbeiter: Dr. med. Ingrid Ehrhard
Dr. rer. nat. Beate Köpke
DB Ursula Reif
Siglinde Liedig

│17
3 Sächsische Impfdatenbank:
Auswertungen zu Influenza-Impfungen
Da keine gesetzliche Meldepflicht über die Durchführung von
Schutzimpfungen besteht, waren bisher Aussagen zu Durch-
impfungsraten nur bei Kindern anhand der vorgeschriebenen
Erhebungen (3-Jährige in Kindertagesstätten, Einschulungsun-
tersuchungen, 2. und 6. Klassen) zu treffen. Um Impfraten für
die Gesamtbevölkerung Sachsens angeben und infolgedessen
Impfstrategien entwickeln und verbessern zu können, wurde seit
2015 eine sächsische Impfdatenbank eingerichtet. Diese bein-
haltet Datenmaterial der seit 2009 über die Kassenärztliche Ver-
einigung im Freistaat Sachsen (KVS) abgerechneten Impfungen.
Grundlage bildet eine zwischen dem Sächsischen Staatsminis-
terium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) und der KVS
2013 geschlossene und 2018 verlängerte Vereinbarung.
Die Abrechnung der Impfungen von kassenversicherten Patien-
ten erfolgt nach zwei Vereinbarungen zwischen den Kranken-
kassen und der KVS. Die eine behandelt Impfungen, die von der
Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut
empfohlen werden (Pflichtleistungen), die zweite zusätzliche
Impfungen auf Empfehlung der Sächsischen Impfkommission
(SIKO, Satzungsleistungen). Die Datensätze, die von der KVS
an die Impfdatenbank übermittelt werden, enthalten neben
der Abrechnungsziffer das Impfdatum, das Geburtsdatum, ein
Pseudonym der Person und deren Geschlecht. Seit dem Jahr
2017 lässt sich anhand des gelieferten Datenmaterials auch die
Kreiszugehörigkeit der einzelnen Personen nachverfolgen. Limi-
tierend ist beim Datenbestand, dass erst Impfungen ab 2009
bis einschließlich 2017 vorliegen. Für die Recherche über enge
Zeiträume, wie bei der Influenza-Impfung, ist das weniger ein
Problem als zum Beispiel bei den Masern-Impfungen, wo beide
Impfdosen bis zu sechs Jahre auseinanderliegen. Bei einer kon-
tinuierlichen Fortführung des Projekts wird sich das zukünftig
von Jahr zu Jahr weniger auswirken. In der sächsischen Impf-
datenbank sind nur gesetzlich versicherte Personen erfasst. Um
Impfraten für die Gesamtbevölkerung Sachsens angeben zu
können, erfolgt jeweils eine Hochrechnung unter der Schätzung
von 90 % gesetzlich und 10 % privat Versicherten.
Die jeweils absolute Zahl von durchgeführten Influenza-Imp-
fungen pro Saison (1. September bis 28. Februar des Folgejah-
res) seit 2009/2010 sowie die anhand der Bevölkerungszahlen
errechneten Impfquoten für den Freistaat Sachsen sind in der
folgenden Tabelle 1 aufgelistet.
Auf Grund dessen, dass bisher nur Datenmaterial bis zum
Jahresende 2017 vorliegt, ist eine Gesamtbeurteilung für die
Impfquoten der Saison 2017/2018 noch nicht möglich und kann
erst nach der nächsten Datenlieferung durch die KVS durch-
geführt werden. Bis zum 31.12.2017 ließen sich für die Saison
2017/2018 in Sachsen 973.620 Personen gegen Influenza imp-
fen. Dies entspricht einer Impfquote von 26,5 % (Zum Vergleich:
In der Saison 2016/2017 waren zu diesem Zeitpunkt 26,7 % der
Sachsen gegen Influenza immunisiert worden). In den Vorsai-
sons wurden noch 1-5 % der Impfungen in den Monaten Januar
und Februar des Folgejahres verimpft. In wieweit die öffent-
lich geführte Diskussion über die Wahl des zu applizierenden
Impfstoffes (Dreifach- versus Vierfach-Impfstoff) zu Beginn des
Jahres 2018 und der Verlauf der Grippewelle diese Quote beein-
flusst hat, wird sich in der nächsten Auswertung zeigen.
Tabelle 1: Influenza-Impfungen und Impfquoten im Frei-
staat Sachsen, Saison 2009/2010 – 2017/2018
Saison
saisonale Impfung
Impfquote in %
2009/2010
1.568.279
41,8
2010/2011
1.221.597
32,7
2011/2012
1.158.009
31,7
2012/2013
1.107.036
30,4
2013/2014
1.103.448
30,3
2014/2015
1.053.828
28,9
2015/2016
1.035.384
28,2
2016/2017
1.015.821
27,7
2017/2018*
973.620
26,5
*
Stand 31.12.2017
In der anliegenden grafischen Darstellung sind die absoluten
Zahlen der in der entsprechenden Saison durchgeführten In-
fluenza-Impfungen sowie die jeweiligen Impfraten aufgeführt.
Die Saison 2009/2010 mit erstmaligem Auftreten der neuen
Variante Influenza A(H1N1)pdm09 stellte eine Sondersituation
dar, da zusätzlich zum saisonalen Impfstoff ein pandemischer
Impfstoff verabreicht wurde. Auch nach Abzug der Impfungen
mit pandemischem Impfstoff wurde in der Saison 2009/2010
mit 35,6 % (41,8 % mit pandemischem Impfstoff) die höchs-
te Impfquote erzielt, diese sank bis zur Saison 2017/2018 auf
26,5 % (siehe Abbildung 1).
In der Abbildung 2 sind die durchgeführten Influenza-Impfun-
gen und Impfquoten nach Altersgruppen für die letzte vollstän-
dig auswertbare Saison 2016/2017 dargestellt. Vergleichend
wurden die Impfquoten für die bisher stärkste Impfsaison
2009/2010 in die Abbildung aufgenommen.
0
200.000
400.000
600.000
800.000
1.000.000
1.200.000
1.400.000
1.600.000
1.800.000
2009/2010 2010/2011 2011/2012 2012/2013 2013/2014 2014/2015 2015/2016 2016/2017 2017/2018*
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
Anzahl der Impfungen
Impfquote in %
Anzahl Influenza-
Impfungen
Impfquote in %
Abbildung 1 : Influenza-Impfungen und Impfquoten in Sachsen,
Saison 2009/2010 – 2017/2018
(*2017/2018: vorläufiger Datenstand bis 31.12.2017)

18 │
Nach Auswertung aller molekularbiologischen, virologischen
und serologischen Befunde im Rahmen der weltweiten Sur-
veillance in der Influenza-Saison 2017/2018 wurde von der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Nordhalbkugel im
kommenden Winter (Saison 2018/2019) die folgende Impfstoff-
zusammensetzung empfohlen:
]
A/Michigan/45/2015 (H1N1)pdm09-like virus
]
A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016 (H3N2)-like virus
]
B/Colorado/06/2017-like virus aus der Victoria-Linie
Die Zusammensetzung des Influenza-Impfstoffes für die nächs-
te Saison unterscheidet sich somit von der des bei uns in der
Saison 2017/2018 verwendeten Impfstoffes in der A(H3N2)- so-
wie in der B-Komponente. Seit 2001/2002 ist eine Kozirkulation
der beiden Influenza B-Linien Victoria und Yamagata zu beob-
achten. In Konsequenz dieser Situation hat die WHO neben den
trivalenten erstmals (seit Sommer 2013 auf der Südhalbkugel
und Winter 2013/2014 auf der Nordhalbkugel) auch tetrava-
lente Influenza-Impfstoffe empfohlen, die neben Antigenen der
beiden Influenza A-Virus-Subtypen (H3N2 und (H1N1)pdm09)
auch Antigene von Influenza B-Virusstämmen beider Linien
(Victoria und Yamagata) enthalten. Als Vertreter der B-Yama-
gata-Linie wurde durch die WHO für 2018/2019 wie bereits in
der Vorsaison
]
B/Phuket/3073/2013-like virus
ausgewählt. Hierdurch kann eine bessere Wirksamkeit der Imp-
fung bezüglich Influenza B erzielt werden.
Mindestens ein tetravalenter Influenza-Impfstoff wird (wie
bereits in den Vorjahren) auch in der kommenden Saison
2018/2019 in Deutschland verfügbar sein.
In ihrer 47. Sitzung am 01.04.2016 hatte die Sächsische Impf-
kommission (SIKO) beschlossen, zum 01.01.2017 folgende Er-
gänzung in ihren Impfempfehlungen (E1) vorzunehmen: „Auf-
grund der breiteren Stammabdeckung bei Influenza B sollten
tetravalente Impfstoffe bevorzugt angewendet werden“.
Am 11.01.2018 präzisierte die Ständige Impfkommission (STI-
KO) am Robert Koch-Institut ihre Influenza-Impfempfehlung
und empfahl für die Impfung gegen saisonale Influenza einen
tetravalenten Influenza-Impfstoff mit aktueller, von der WHO
empfohlener Antigenkombination. Der Gemeinsame Bundes-
ausschuss (G-BA) hat am 05.04.2018 den Vierfachimpfstoff als
künftige Kassenleistung beschlossen. Damit kann in der Saison
2018/2019 die Schutzimpfung mit dem entsprechenden Impf-
stoff erfolgen.
Bearbeiter: Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
4 Influenza-Impfstoff für die Saison 2018/2019
Schlussendlich sei auch in diesem Jahr allen an den verschie-
denen Sentinelsystemen beteiligten Arztpraxen, Gesundheits-
ämtern, Krankenhäusern und sonstigen Einrichtungen für die
engagierte Mitarbeit, ohne die eine aussagefähige epidemiolo-
gische Analyse nicht möglich wäre, herzlich gedankt. Im Sinne
der Qualität unseres Sentinels möchten wir Sie für die nächste
Saison wiederum um eine lückenlose Datenerhebung, also das
unbedingt notwendige komplette Ausfüllen der Probenbegleit-
scheine, bitten. Bitte bedenken Sie, dass es sich beim Sentinel
nicht um Routinediagnostik, sondern um ein Surveillance-Pro-
gramm des Öffentlichen Gesundheitsdienstes des Freistaates
Sachsen handelt. Äußerst wichtig für die Bewertung der Wirk-
samkeit der Influenza-Impfung ist insbesondere die lückenlose
Erfassung der Impfanamnese! Sie können damit wesentlich zur
wissenschaftlichen Aussagekraft unseres Sentinels beitragen.
Wir freuen uns auf eine weiterhin effektive Zusammenarbeit in
der kommenden Saison 2018/2019.
Bearbeiter: Alle am Influenza-Sentinel
beteiligten LUA-Mitarbeiter
Wie in den Vorjahren steigen die Impfquoten mit zunehmendem
Alter an und erreichen in der Altersgruppe der über 90-Jährigen
75,7 %. Von den Kindern unter 2 Jahren wurden in der Saison
2016/2017 insgesamt 5,7 % gegen Influenza immunisiert.
Bearbeiter: Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
Dr. Ing. Ekkehard Hennebach
Lydia Sommer
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
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50.000
100.000
150.000
200.000
250.000
300.000
7 - 24
LM*
3 - 6
7 - 10
11 - 18 19 - 59 60 - 69 70 - 79 80 - 89
≥ 90
Impfquote in %
Anzahl der Impfungen
Lebensalter (Jahre)
Impfungen
2016/2017
Impfquote 2016/2017
Impfquote 2009/2010
Abbildung 2:
Influenza-Impfungen und Impfquoten in Sachsen nach Alters-
gruppen, Saison 2016/2017
(im Vergleich Impfquoten Saison 2009/2010; *Lebensmonat)

Herausgeber:
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden
Redaktion:
Dr. med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1100
Redaktionskollegium:
Dr. med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1100
Dr. rer. nat. Beate Köpke, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1250
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Tel. 0351/8144-3200
Gestaltung und Satz:
SG IT, LUA Sachsen, Standort Dresden,
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden,
Tel.: 0351/8144 1712
Druck:
alinea Digitaldruck, Chemnitz |
www.alinea24.de
Redaktionsschluss:
30. Juli 2018
Bezug:
Dieses offizielles Mitteilungsblatt der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veteri-
närwesen des Freistaates Sachsen wird über Verteilerliste versandt und kann kostenfrei im Internet
abgerufen werden:
www.lua.sachsen.de
und unter
www.publikationen.sachsen.de
Titelbild:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) und Influenza in Beziehung zum Normalgang, 27. KW
2017 – 26. KW 2018, Stadt Chemnitz
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1KW.
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Influenzavirus-Nachweise
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
2017
Kalenderwochen
2018
Influenzavirus-Nac
ARE-Inzidenz 2017/
Normalgang
präepidemische Sc
epidemische Schw
ARE-Inzidenz 2016/