0
3
6
9
12
15
18
0
50
100
150
200
250
300
350
27.
29.
31.
33.
35.
37.
39.
41.
43.
45.
47.
49.
51.
1.
3.
5.
7.
9.
11.
13.
15.
17.
19.
21.
23.
25.
Influenzavirus-Nachweise
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
2015
Kalenderwoche
2016
Influenzavirus-Nachweise
ARE-Inzidenz 2015/2016
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
ARE-Inzidenz 2014/2015
ARE-/Influenza-Sentinel 2015/2016
LANDESUNTERSUCHUNGS-
ANSTALT FÜR DAS GESUNDHEITS-
UND VETERINÄRWESEN
im Freistaat Sachsen

│1
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2015/2016 im Freistaat Sachsen
............................................................................................................
2
1
Auswertung des epidemiologischen ARE-/Influenza–Sentinels 2015/2016 im Freistaat Sachsen und
Vergleich mit anderen Surveillance-Instrumenten
..........................................................................................................................................3
1.1
Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel sowie Saisonverlauf in Sachsen und Deutschland
.................................................................... 3
1.2
Sächsische Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG)
............................................................................................................... 7
1.3
Influenza-Saison 2015/2016 innerhalb Europas
.............................................................................................................................................. 9
1.4
Influenzavirus-Nachweise bei Geimpften (Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel)
...............................................................................
10
1.5
ARE-Normalgang und Verlauf, Beispiel Landkreis Mittelsachsen
..............................................................................................................
11
2
Auswertung des Influenza-Sentinels 2015/2016 im Freistaat Sachsen, mikrobiologischer Teil
......................................................12
2.1
Labordiagnostisches Vorgehen während des Sentinel-Zeitraumes
...........................................................................................................12
2.2
Ergebnisse des Sentinels vom Oktober 2015 bis April 2016
.......................................................................................................................12
3
Influenza-Impfstoff für die Saison 2016/2017
...............................................................................................................................................16

image
2 │
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2015/2016
im Freistaat Sachsen
Sehr geehrte Leserinnen und Leser des Influenza-Sentinel-
Berichts,
ein banaler grippaler Infekt beginnt meist langsam mit einem
Kratzen im Hals und leichtem Unwohlsein, es folgt die
typi-
sche Erkältungssymptomatik mit Schnupfen und Husten. Die
Symptome der Influenza hingegen setzen plötzlich und heftig
ein: hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen,
trocke-
ner Husten und schweres Krankheitsgefühl, verbunden oft mit
Kreislaufproblemen. Auch wenn diese Krankheitszeichen meist
nach einigen Tagen nachlassen, dauert es oft mehrere Wochen
bis die ursprüngliche Leistungsfähigkeit des Patienten
wieder-
hergestellt ist. Auch können zum Teil schwere Komplikationen
auftreten wie zum Beispiel Lungen- oder auch
Herzmuskelent-
zündungen. Gerade während der Grippewelle 2015/2016, über
die hier berichtet wird, wurden im Vergleich zu den Vorjahren
verhältnismäßig schwere und langwierige Krankheitsverläufe
beobachtet.
Insgesamt wurden ab der 40. KW 2015 bis einschließlich der 17.
KW 2016 im Freistaat 10.928 Influenza-Erkrankungen
melde-
technisch erfasst. Damit wurden in der Saison 2015/2016 in der
zweiten Saison in Folge ausgesprochen hohe Erkrankungszahlen
registriert.
Die Influenzawelle 2015/2016 begann in der zweiten
Kalender-
woche 2016, erreichte ihren Höhepunkt zwischen der 10. und 12.
Woche und wies einen ausgesprochen protrahierten Verlauf auf.
Bis zum Ende der Saison wurden viele der akuten Atemwegs-
erkrankungen weiterhin durch Influenzaviren verursacht. Einer
moderaten Influenza A(H1N1)pdm09-Welle schloss sich ab der
6. Woche 2016 eine ausgeprägte Influenza B-Welle an.
Die am häufigsten betroffenen Altersgruppen waren mit 23 %
die 5- bis 9-Jährigen, gefolgt von den jungen Erwachsenen (25
bis 44 Jahre) mit 22 %. Dass bei Kindern und Jugendlichen die
meisten Infektionen verzeichnet werden, ist die Regel. Die
ho-
hen Erkrankungsraten bei jungen Erwachsenen stellten
hinge-
gen eine Besonderheit dar.
In Sachsen sind in diesem Jahr 15 Menschen nachweislich an
Influenza verstorben. Diese Zahl ist an sich nicht ungewöhnlich,
in der Vorsaison 2014/2015 wurden in Sachsen 16 Todesfälle
an Influenza übermittelt. Auffällig in der Saison 2015/2016 war
jedoch das verhältnismäßig niedrigere Alter der an Influenza
Verstorbenen. Der Altersmedian der Todesfälle in der Saison
2015/2016 betrug nur 58 Jahre, während er in der Vorsaison
2014/2015 bei 72,5 Jahren gelegen hatte. Die Betroffenen
wa-
ren zumeist Risikopatienten, die an schweren Vorerkrankungen,
vor allem an chronischen Lungenerkrankungen litten. Zwei
Er-
wachsene verstarben jedoch, ohne dass Vorerkrankungen
be-
kannt geworden sind. Dies belegt einmal mehr, dass die
Influ-
enza keine harmlose Erkrankung ist und man sich durch eine
Impfung schützen sollte.
Von den in dieser Saison in Sachsen übermittelten Influenza-
Erkrankungen wurden ca. 60 % durch Influenza B ausgelöst. Seit
Jahren zirkulieren weltweit zwei genetisch unterschiedliche
In-
fluenza B-Linien: Yamagata und Victoria. Von den im Nationalen
Referenzzentrum im Rahmen des bundesweiten Sentinels der
Arbeitsgemeinschaft Influenza angezüchteten Influenza B-Viren
repräsentierten in dieser Berichtssaison 95 % die Victoria-Linie.
Demzufolge ist davon auszugehen, dass Influenza B-Victoria in
diesem Jahr mehr als die Hälfte aller Influenza-Infektionen
stell-
te. Dieser Impfstamm war jedoch nur im tetravalenten Impfstoff
der Saison 2015/2016 zusätzlich enthalten, während der
triva-
lente Impfstoff allein die Yamagata-Linie beinhaltete. Bezüglich
der Zusammensetzung des Influenza-Impfstoffs für die Saison
2016/2017 auf der Nordhalbkugel empfiehlt die WHO nun die
Aufnahme der Victoria-Linie in den trivalenten Impfstoff,
dem-
entsprechend wird dann die Yamagata-Linie nur im
tetravalen-
ten Impfstoff zusätzlich enthalten sein. Die sächsische
Impf-
kommission (SIKO) wird in Konsequenz ihre Impfempfehlungen
bezüglich Influenza ab 1. Januar 2017 ergänzen und aufgrund
der breiteren Stammabdeckung bei Influenza B die bevorzugte
Anwendung tetravalenter Impfstoffe empfehlen.
Mit langer Tradition stellt das sächsische
ARE-/Influenza-Sen-
tinel wissenschaftlich fundierte und für die Praxis wichtige
In-
formationen für prophylaktische und therapeutische
Bekämp-
fungsmaßnahmen zur Verfügung. In diesem Sinne möchten
wir allen Beteiligten in Arztpraxen, Krankenhäusern,
Gesund-
heitsämtern und sonstigen Einrichtungen unseren herzlichen
Dank aussprechen für die engagierte Mitarbeit. Die Lektüre des
vorliegenden Berichtes soll Ihnen einen Einblick in die Arbeit
der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Landeseinrichtung
des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hinsichtlich des weiteren
Ausbaus präventiver Maßnahmen für die Gesundheit aller
Bür-
gerinnen und Bürger geben.
Dr. Gerlinde Schneider
Präsidentin

│3
1 Auswertung des epidemiologischen ARE-/
Influenza–Sentinels 2015/2016 im
Freistaat Sachsen und Vergleich mit anderen
Surveillance-Instrumenten
typischer Symptomatik an einer Influenza A(H1N1)pdm09
er-
krankt war. In der 48. KW 2015 erfolgten mittels PCR ein
wei-
terer Influenza A(H1N1)pdm09-Nachweis bei einem 2-jährigen
Jungen sowie ein Influenza B-Nachweis bei einem 11 Monate
alten Säugling. Beide Patienten stammten aus dem
Erzgebirgs-
kreis und waren ungeimpft.
Zum Beginn des Jahres 2016 wurde bundesweit eine leichte
Er-
höhung der ARE-Aktivität registriert, die sich jedoch zunächst
weiterhin auf einem niedrigen, ab der 3. KW auf einem
gering-
fügig erhöhten Niveau bewegte. Zunahme der
Probeneingangs-
zahlen, Influenza-Nachweise und Meldezahlen deuteten auf
den Beginn der saisonalen Influenzawelle hin.
Ab der 4. KW 2016 kam es in Sachsen wie auch deutschlandweit
zu einem sprunghaften Anstieg der Influenzavirus-Nachweise.
Auch die Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen
nahm zu, befand sich bis zur 5. KW 2016 noch auf einem leicht,
ab der 6. KW nach einem Anstieg dann jedoch auf einem
deut-
lich erhöhten Niveau, wobei zunächst der Osten und die Mitte
Deutschlands und ab der 6. KW der Westen Deutschlands von
der saisonalen Grippewelle erfasst wurden. Generell wurden
während der Saison 2015/2016 in der Mitte, dem Osten sowie
dem Westen Deutschlands höhere Werte bezüglich der ARE-
Aktivität verzeichnet als im Norden und Süden.
Influenza A(H1N1)pdm09-Viren dominierten bis dahin
deutsch-
landweit mit 68 % vor Influenza B mit 26 % und Influenza
A(H3N2) mit 7 %.
Von der 6. bis zur 9. KW 2016 stieg die Influenza-Aktivität
wei-
ter an, bundesweit wurden mäßig bis deutlich erhöhte Werte
re-
gistriert: der Gipfel der Influenzawelle 2015/2016 war erreicht.
Ab der 5. KW 2016 war der Anteil an Influenza B an allen
Influ-
enza-Nachweisen kontinuierlich gestiegen. Er lag in der 9. KW
bei 57 % und zu Saisonende sogar bei 85 %.
Auf Grund dessen, dass sich in der Berichtssaison 2015/2016
ei-
ner mäßigen Influenza A(H1N1)pdm09-Welle eine ausgeprägte
Influenza B-Welle anschloss, wies die Gesamtsaison einen
aus-
gesprochen protrahierten Verlauf auf.
Erst ab der 11. KW 2016 sank die ARE-Aktivität bundesweit. Es
wurden zunächst noch moderat erhöhte und ab der 14. KW nur
noch leicht erhöhte Werte verzeichnet. Rückläufige
Probenein-
gangszahlen, Influenza-Nachweise und Meldezahlen belegten
das Ende der saisonalen Influenzawelle. Schließlich erreichte
auch die ARE-Aktivität ab der 16. KW 2016 ein für die
Jahres-
zeit übliches Niveau.
Im Vergleich zur Vorsaison waren 2015/2016 sowohl im NRZ
als auch in den Laboratorien der Landesuntersuchungsanstalt
ähnlich hohe Zahlen von Probeneingängen sowie
Influenzavi-
rus-Nachweisen zu verzeichnen. Die meisten Probeneingänge
erreichten das NRZ sowie die LUA von der 8. bis zur 12. KW
2016. Auch die größte Anzahl von Nachweisen erfolgte in
die-
Die
Ergebnisse
der
Influenza-Überwachung
der
Saison
2015/2016 basieren wie bereits in den vergangenen Jahren
(siehe LUA-Mitteilungen sowie diesbezügliche Sonderhefte) auf
diversen erhobenen Daten.
Hierzu zählen aus epidemiologischer Sicht insbesondere:
]
das Influenza-Sentinelsystem des öffentlichen
Gesundheits-
dienstes (ÖGD) in Sachsen bzw. der Arbeitsgemeinschaft
In-
fluenza (AGI) inklusive Sachsen in Deutschland
]
der Erregernachweis (PCR und Virusanzüchtung) unter
ande-
rem zur Bestätigung epidemiologischer Daten (Beginn/Ende
einer Epidemie)
]
die Berücksichtigung entsprechender Informationen aus den
anderen Bundes- und den europäischen Nachbarländern zu
Häufungen, Informationen über Krankheitsverläufe,
Kompli-
kationen, Altersspezifität, Mortalität etc.
Die Auswertung dieser Faktoren erlaubt die folgende
Einschät-
zung der Influenza-Aktivität für die Saison 2015/2016.
1.1 Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel sowie
Saison-
verlauf in Sachsen und Deutschland
Im letzten Quartal 2015 entsprach die Häufigkeit akuter
respi-
ratorischer Erkrankungen (ARE-Morbidität) im Freistaat
Sach-
sen dem erwarteten Niveau. Auch in den anderen
Bundeslän-
dern gestaltete sich die ARE-Influenza-Situation unauffällig.
Die Werte der Konsultationsinzidenzen für Gesamtdeutschland
zeigten die übliche Altersgruppenverteilung und bewegten sich
in dem für die Jahreszeit normalen Bereich. Die ARE-Aktivität
war gemäß den virologischen Ergebnissen des Nationalen
Refe-
renzzentrums für Influenza (NRZ Influenza) in diesem Zeitraum
insbesondere auf Rhinoviren zurückzuführen.
Innerhalb des bundesweiten Sentinels der AGI erfolgten im
Na-
tionalen Referenzzentrum ab der 42. Kalenderwoche (KW) 2015
zunächst vereinzelte Influenzavirus-Nachweise. Von der 40. bis
einschließlich der 53. KW 2015 wurden im Sentinel der AGI
ins-
gesamt 28 Influenza A(H3N2)- und 4 Influenza A(H1N1)pdm09-
Infektionen sowie eine Influenza B-Virus-Infektion identifiziert.
Unter den nachgewiesenen respiratorischen Erregern
dominier-
ten Rhinoviren mit 64 %, gefolgt von humanen Metapneumo-
und Adenoviren mit jeweils 10,5 %. Influenzaviren stellten 8 %
und RS-(Respiratory Syncytial)Viren 7 % der im NRZ in diesem
Zeitraum (40. – 53. KW 2015) geführten Nachweise.
Der erste Nachweis einer Influenzavirus-Infektion der Saison
innerhalb des sächsischen Sentinels gelang in der 43.
Kalender-
woche 2015 und damit zu einem deutlich früheren Zeitpunkt
als während der Saison 2014/15 bzw. 2013/2014. Betroffen war
eine 48-jährige ungeimpfte Ärztin aus der Stadt Leipzig, die mit

4 │
sen Berichtswochen. Ihren Höhepunkt erreichte die diesjährige
Influenzawelle vergleichsweise spät von der 10. bis 12. KW 2016
(siehe Abbildungen 1, 3, 4 und 5 sowie Tabelle 1).
Grundsätzlich zirkulierten in der Saison 2015/2016 alle drei
Influenzavirus-Typen: die beiden Subtypen A(H1N1)pdm09 und
A(H3N2) sowie der Virustyp B. Allerdings dominierte im
sächsi-
schen Sentinel Influenza B mit 302 Nachweisen (61,8 %) vor
In-
fluenza A(H1N1)pdm09 mit 176 Nachweisen (36,0 %), während
nur 10 Influenza A(H3N2)-Infektionen (2,0 %) und eine nicht-
typisierbare A-Infektion (0,2 %) identifiziert wurden. Auch im
AGI-Sentinel rangierte Influenza B mit 55 % der Nachweise (bis
einschließlich der 16. KW 2016) vor Influenza A(H1N1)pdm09
mit 43 % und Influenza A(H3N2) mit nur 2 %.
Für den Freistaat Sachsen kann auf der Basis der Influenza-
Überwachung durch das epidemiologische und mikrobiologische
ARE-/Influenza-Sentinel in der vergangenen Influenza-Saison
von einer ausgeprägten Influenza-Welle mit bemerkenswert
protrahiertem Verlauf gesprochen werden. Die
Influenza-Aus-
breitung erfolgte in Sachsen (wie im übrigen Bundesgebiet)
zeitlich vergleichsweise spät und etwas moderater, jedoch
lang-
wieriger als in der vorherigen Saison, die als ausgeprägte
Influ-
enza-Epidemie bezeichnet werden konnte. Die Influenzavirus-
Zirkulation dauerte in Sachsen von der 43. KW 2015 bis zum
Ende des Beobachtungszeitraumes in der 17. KW 2016 an. Die
Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen erreichte im
Freistaat erst von der 11. bis zur 13. KW 2016 ein moderat
er-
höhtes Niveau (siehe Abbildungen 1, 3, 4 und 5 sowie Tabelle 3).
Altersverteilung (Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel)
Die identifizierten Influenza-Erkrankungen innerhalb des
Sen-
tinels betrafen in etwa zu einem Drittel Klein- und
Vorschul-
kinder (1 - < 7 Jahre, 32,4 %) sowie Schulkinder und
Jugend-
liche (7 - < 17 Jahre, 34,8 %). In der Altersgruppe Erwachsene
(17 - < 60 Jahre) wurden 28,1 % aller Fälle registriert. Nur
2,9 % der Erkrankungen traten bei Senioren (≥ 60 Jahre) auf.
Der Hochrisikogruppe der unter 1-Jährigen ließen sich 1,8 % der
Fälle zuordnen (siehe Tabelle 2 und Abbildung 2).
Somit wurden 2015/2016 mit 67,2 % rund zwei Drittel aller
innerhalb des Sentinels nachgewiesenen Infektionen bei
Kin-
dern und Jugendlichen verzeichnet. In der Vorsaison 2014/2015
hatte diese Altersgruppe mit 49,1 % nur knapp die Hälfte der
Fälle gestellt. Dass Kinder und Jugendliche die deutlich am
meisten betroffene Altersgruppe bilden, ist die Regel. In der
Saison 2011/2012 traten 62,4 % und 2010/2011 74,2 % der
Fälle bei Kindern und Jugendlichen auf. Auffällig in der Saison
2015/2016 war hingegen der mit nur 2,9 % ausgesprochen
niedrige Anteil der erkrankten Senioren (≥ 60 Jahre). In der
Vor-
saison 2014/2015 hatte dieser Anteil 16,9 % betragen, was aber
eine im Vergleich sehr hohe Rate darstellte.
Den
klinischen Verlauf
der diesjährigen
Influenza-Erkrankun-
gen beschrieben die behandelnden Ärzte überwiegend als
ver-
gleichsweise langwierig und verhältnismäßig schwer.
Die diesjährige Influenza-Epidemie zeichnete sich durch einen
ausgesprochen protrahierten Verlauf mit hohen
Erkrankungs-
zahlen aus. Die durchschnittliche Positivrate betrug 36,6 % und
war sogar etwas höher als während der Influenza-Epidemie des
Vorjahres. Das Plateau der ausgeprägten Influenzawelle lag
zwi-
schen der 7. und 13. KW 2016 und damit etwa zwei Wochen
Tabelle 1: Probeneinsendungen, Influenzavirus-Nachweise
(mittels PCR) und Positivraten
KW
Probenein-
sendungen
Anzahl positiver
Proben
Positivrate (in %)
40-53
115
3
2,6
1
11
3
27,3
2
30
4
13,3
3
25
6
24,0
4
55
21
38,2
5
61
14
23,0
6
74
27
36,5
7
70
33
47,1
8
108
50
46,3
9
133
59
44,4
10
157
89
56,7
11
178
75
42,1
12
136
57
41,9
13
70
22
31,4
14
43
8
18,6
15
40
11
27,5
16
13
3
23,1
17
13
3
23,1
Summe
1.332
488
36,6
Tabelle 2: Altersaufgliederung der Patienten mit Influenza-
virus-Nachweis (mittels PCR)
Altersgruppen
Sachsen
0 - < 1
9
=
1,8 %
1 - < 7
158
=
32,4 %
7 - < 17
170
=
34,8 %
17 - > 60
137
=
28,1 %
60
14
=
2,9 %
Gesamt
488
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
200
40-53
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
Anzahl
2015
Kalenderwoche
2016
Probeneinsendungen
darunter Nachweise
Abbildung 1:
Probeneinsendungen und Influenzavirus-Nachweise (mittels
PCR) nach Kalenderwochen (Tag der Probenahme),
Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel, 40. KW 2015 – 17. KW
2016

│5
später als in der Vorsaison. Die Aktivität der akuten
respiratori-
schen Erkrankungen befand sich in Sachsen erst ab der 10. KW
2016, dann aber bis zur 17. KW 2016, über dem Normalgang,
erreichte jedoch nur moderat erhöhte Werte. Die epidemische
Schwelle wurde in Sachsen in der Saison 2015/2016 im
Gegen-
satz zum Vorjahr nicht überschritten (siehe Tabellen 1 und 3
sowie Abbildungen 3, 4 und 5).
In Sachsen wurden in der Saison 2015/2016 innerhalb des ÖGD-
Sentinels insgesamt 187 Influenza A- sowie 302 Influenza
B-In-
fektionen nachgewiesen. 176 der 187 mittels PCR typisierbaren
Influenza A-Viren ließen sich dem Subtyp A(H1N1)pdm09 und
10 dem Subtyp A(H3N2) zuordnen, bei einem Influenza A-Virus
gelang keine Subtypisierung.
Wie schon in den drei vorherigen Influenza-Saisons konnte auch
2015/2016 generell eine Kozirkulation der beiden Influenza A-
Subtypen A(H1N1)pdm09 und A(H3N2) sowie Influenza B
beob-
achtet werden, wobei in der aktuellen Berichtssaison eine
deut-
liche Dominanz von Influenza B, gefolgt von Influenza A(H1N1)
pdm09 zu verzeichnen war und nur vereinzelte Nachweise von
Influenza A(H3N2) geführt wurden.
Detaillierte Angaben zu den sächsischen Ergebnissen sind im
Teil 2 – Influenza-Sentinel/mikrobiologischer Teil aufgeführt.
Mit insgesamt 1.332 Einsendungen (davon 488 mit positivem
Er-
gebnis, darunter eine Probe mit einer Doppelinfektion) während
des Sentinelzeitraumes (40. KW 2015 – 17. KW 2016) wurde in
den LUA-Laboratorien annähernd die gleiche Anzahl von
Pro-
ben untersucht wie in der epidemischen Vorsaison 2014/2015.
Die Positivrate, das heißt der Prozentsatz, der den Anteil der
Sentinelproben darstellt, in denen Influenzaviren nachgewiesen
wurden, betrug 36,6 % und lag somit auf dem Niveau der
Vor-
saison. Auch die Anzahl der Nachweise war mit 489 Positiven
vergleichsweise hoch.
Tabelle 3 liefert einen Überblick über die Sentinel-Erhebungen
seit 1999 hinsichtlich Anzahl der Probeneinsendungen und
Nachweise, der Positivraten sowie der Influenzavirus-Typen und
-Subtypen.
0
5
10
15
20
25
30
35
0 < 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
60 und älter
Prozent
Altersgruppe
Abbildung 2:
Influenzavirus-Nachweise (mittels PCR) nach Altersgruppen,
Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel, 40. KW 2015 – 17. KW
2016
0
3
6
9
12
15
18
0
50
100
150
200
250
300
350
27.
29.
31.
33.
35.
37.
39.
41.
43.
45.
47.
49.
51.
1.
3.
5.
7.
9.
11.
13.
15.
17.
19.
21.
23.
25.
Influenzavirus-Nachweise
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
2015
Kalenderwoche
2016
Influenzavirus-Nachweise
ARE-Inzidenz 2015/2016
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
ARE-Inzidenz 2014/2015
Abbildung 3:
ARE und Influenza in Beziehung zum Normalgang, 27. KW 2015 – 26. KW 2016, Stadt Chemnitz

6 │
0
10
20
30
40
50
60
70
40
42
44
46
48
50
52
2
4
6
8
10
12
14
16
Mittelwert pro meldende Praxis/Einrichtung
2015
Kalenderwoche
2016
2014/15
2015/16
Erwartungswert
moderat
Signalschwelle
Abbildung 5:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2014/2015 und 2015/2016, Mittelwert pro meldende Praxis/Einrichtung
0
5
10
15
20
25
30
35
40
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
40. KW
41. KW
42. KW
43. KW
44. KW
45. KW
46. KW
47. KW
48. KW
49. KW
50. KW
51. KW
52./53. KW
1. KW
2. KW
3. KW
4. KW
5. KW
6. KW
7. KW
8. KW
9. KW
10. KW
11. KW
12. KW
13. KW
14. KW
15. KW
16. KW
17. KW
Mittelwert
Erkrankungen absolut
2015 Kalenderwoche 2016
gesamt
Mittelwert pro meldende
Praxis/Einrichtung
Abbildung 4:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2015/2016

│7
Tabelle 3: In der LUA Sachsen erhobene Influenzavirus-Nachweise, Saison 1999/2000 bis 2015/2016
Saison
Anzahl
Probeneinsen-
dungen
Anzahl
positive Proben
(Anzucht und/
oder PCR)
Positivrate
(%)
Anzahl
Proben mit
Nachweis
Infl. A
Anzahl
Subtyp
A(H1N1)
Anzahl
Subtyp
A(H1N2)
Anzahl
Subtyp
A(H3N2)
Anzahl
Proben mit
Nachweis
Infl. B
2015/2016
1.332
488
36,6
187
2)
176
1)2)
-
10
302
2)
2014/2015
1.358
468
34,5
441
66
1)
-
363
27
2013/2014
323
29
9,0
28
4
1)
-
24
1
2012/2013
1.785
895
50,1
692
399
1)
-
287
202
2011/2012
436
101
23,2
76
5
1)
-
69
25
2010/2011
1.267
524
41,4
310
309
1)
-
1
214
2009/2010
2.364
920
38,9
920
917
1)
-
-
-
2008/2009
2.296
826
36,0
679
8
-
369
149
2007/2008
1.629
449
27,6
190
188
-
2
259
2006/2007
2.088
733
35,1
732
16
-
290
1
2005/2006
1.183
181
15,3
48
11
-
36
133
2004/2005
4.310
1.922
44,6
1.192
110
-
194
748
2003/2004
1.628
482
29,6
482
-
-
482
-
2002/2003
3.588
1.195
33,3
1.088
1
1
1.086
110
2001/2002
1.239
411
33,2
174
-
3
171
241
2000/2001
1.379
401
29,1
397
396
-
1
4
1999/2000
1.854
411
22,2
411
-
-
411
-
1)
Subtyp A(H1N1)pdm09
2)
darunter 1 Doppelinfektion Influenza A(H1N1)pdm09 und Influenza B
1.2 Sächsische Meldedaten nach dem
Infektionsschutz-
gesetz (IfSG)
Zusätzlich zu den in den Laboratorien der LUA Sachsen und im
Rahmen des ARE-/Influenza-Sentinels identifizierten
Influenza-
viren wurden im Verlauf der Saison natürlich auch in anderen
entsprechenden Einrichtungen Influenza-Erkrankungen
labordi-
agnostisch bestätigt, gemäß IfSG an die zuständigen
Gesund-
heitsämter gemeldet und von diesen an die LUA übermittelt.
Insgesamt wurden ab der 40. KW 2015 bis einschließlich der
17. KW 2016 im Freistaat 10.928 Influenza-Erkrankungen
mel-
detechnisch erfasst.
Damit wurden in der Saison 2015/2016 in der zweiten Saison
in Folge ausgesprochen hohe Erkrankungszahlen registriert.
In der Vorsaison 2014/2015 waren mit 12.594 Fällen die
meis-
ten Erkrankungen in einer Saison seit Einführung des
Infektions-
schutzgesetzes im Jahr 2001 gemeldet worden.
Die in der Saison 2015/2016 von den sächsischen
Gesundheits-
ämtern übermittelten Influenza-Nachweise gliedern sich auf
in 4.293 Influenza A- (davon wiederum 2.070 x als Influenza
A(H1N1)pdm09 und 12 x als Influenza A(H3N2) diagnostiziert),
6.289 Influenza B- sowie 346 nicht typisierte Influenzavirus-
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
40 42 44 46 48 50 52 2
4
6
8 10 12 14 16
Anzahl
2014
Meldewoche
2015
Influenza, nicht typisiert
Influenza B
Influenza A
Abbildung 6:
Influenza 2015/2016 in Sachsen, gemeldete Influenza-Nachweise nach IfSG, 40. KW 2015 – 17. KW 2016

8 │
Nachweise. Mit jeweils deutlich über 1.000 gemeldeten
Influ-
enza-Fällen erreichte die diesjährige Influenzawelle von der 10.
bis zur 12. Kalenderwoche ihren Höhepunkt (siehe Abbildung 6).
Verglichen mit der Vorsaison erkrankten in der Saison 2015/2016
verhältnismäßig viele Kinder und Jugendliche: 57 % aller
gemel-
deten Fälle betrafen Patienten, die jünger als 19 Jahre waren.
Die unter den Kindern und Jugendlichen am meisten
betroffe-
nen Altersgruppen bildeten mit 23 % aller insgesamt Erkrankten
die Vor- und Grundschüler (5 bis 9 Jahre) gefolgt von den 1-
bis 4-jährigen Kleinkindern mit 17 %. 10 % der Erkrankungen
traten in der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen und 5 % bei
15- bis 19-jährigen Jugendlichen auf. In 2 % der Fälle waren
Säuglinge (< 1 Jahr) erkrankt.
22 % aller gemeldeten Erkrankungsfälle traten bei jungen
Er-
wachsenen (20 bis 44 Jahre) und 16 % bei Personen im Alter
zwischen 45 und 64 Jahren auf. Nur 4 % aller Erkrankungen
wurden bei über 64-Jährigen registriert. Dies ist ungewöhnlich:
in der Vorsaison 2014/2015 zum Beispiel war mit 11,5 % das
Dreifache an Infektionen in dieser Altersgruppe zu verzeichnen
(siehe Abbildung 7).
Die Verteilung der Erkrankungslast auf die verschiedenen
Al-
tersgruppen veränderte sich im Laufe der Influenza-Saison
2015/2016. Zu Beginn der Saison waren vor allem Kleinkinder
und junge Erwachsene an Influenza erkrankt. Im weiteren
Ver-
lauf war dann eine stetige Zunahme von Erkrankungsfällen bei
älteren Erwachsenen und Grundschülern zu verzeichnen. Zum
Ende der Saison dominierten die Erkrankungsfälle mit 23 %
un-
ter Grundschülern, gefolgt von 21 % unter jungen Erwachsenen.
Dass laut Datenübermittlung der sächsischen
Gesundheitsäm-
ter in der Saison 2015/2016 nur insgesamt 10 % der an
In-
fluenza Erkrankten im Krankenhaus behandelt werden mussten,
spiegelt mit Sicherheit nicht die tatsächlichen Gegebenheiten
wieder. Der Anteil der hospitalisierten Patienten hatte bereits
in den Vorsaisons zwischen 9 und 14 % betragen. Gerade in
der Saison 2015/2016 wurde aber über verhältnismäßig
schwe-
re und langwierige Krankheitsverläufe berichtet. Deshalb ist
in der aktuellen Berichtssaison - wie schon im Vorjahr - von
einer erheblichen Untererfassung und hohen Dunkelziffer an
Hospitalisierten auszugehen. Zu Beginn der Influenza-Saison
2015/2016 errechneten sich Hospitalisierungsraten von über
30 %, zu Jahresbeginn sanken die Raten zwar, lagen aber immer
noch bei 15 - 25 %. Stark zunehmende und extrem hohe Zahlen
von Erkrankungsmeldungen führten dazu, dass die
Gesundheits-
ämter weniger Einzelfallermittlungen durchführten.
Infolgedes-
sen waren die Hospitalisierungsraten auf Grund lückenhafter
Dateneingaben nicht mehr berechenbar. Aus Abbildung 7 wird
jedoch ersichtlich, dass der Anteil der Patienten, bei denen eine
Krankenhausbehandlung notwendig war, erwartungsgemäß in
der Risikopopulation der Säuglinge und Senioren deutlich höher
war als in den übrigen Altersgruppen.
Auch eine Aussage zu Impfdurchbrüchen ist nicht möglich. Bei
zum Teil über 1.000 neuen Influenza-Erkrankungen in der
Wo-
che waren die sächsischen Gesundheitsämter außer Stande,
entsprechende Einzelfallermittlungen zum Impfstatus
durchzu-
führen. Bei den übermittelten 339 Patienten, die trotz
Influ-
enza-Impfung erkrankt waren, wurde bei 52 % der Nachweis
einer Influenza A und bei 48 % der Nachweis einer Influenza B
geführt.
Todesfälle:
Im Freistaat Sachsen verstarben in der Saison
2015/2016 insgesamt 15 Patienten nachweislich an
Influen-
za. Die Betroffenen (10 Männer, 4 Frauen und ein Mädchen)
waren zwischen 6 und 87 Jahre alt und bis auf zwei 75- bzw.
85-jährige Patienten ungeimpft. Einer Influenza A (davon 3 x
als A(H1N1)pdm09 subtypisiert) erlagen 9, einer Influenza B 5
und einer nicht typisierten Influenza ein Patient. Die meisten
der an Influenza Verstorbenen litten unter Vorerkrankungen des
Herzens und vor allem auch der Lunge. Letztendlich
todesur-
sächlich war jeweils eine Pneumonie, die zum Teil mit
respirato-
rischer Globalinsuffizienz und Multiorganversagen einherging.
Zum Vergleich: in der Vorsaison 2014/2015 waren 16 Todesfälle
0
20
40
60
80
100
0
250
500
750
1.000
1.250
1.500
1.750
2.000
2.250
2.500
> 1
1 - 4
5 - 9 10 - 14 15 - 19 20 - 24 25 - 44 45 - 64 65 u.
älter
Hospitalisierungrsate (%)
Fallzahl
Alter
Fallzahl
Hospitalisierungsrate
Abbildung 7:
Influenza 2015/2016 in Sachsen, Altersverteilung (Meldedaten nach IfSG, 40. KW 2015 – 17. KW 2016)

│9
und während der moderaten Saison 2013/2014 nur ein einziger
Todesfall übermittelt worden. Während der epidemischen
Influ-
enza-Saison 2012/2013 kamen 22 letale Verläufe zur Meldung.
Auffällig in der Saison 2015/2016 war das verhältnismäßig
niedrige Alter der an Influenza Verstorbenen. Der Altersmedian
Todesfälle in der Saison 2015/2016 betrug nur 58 Jahre,
wäh-
rend er in der Vorsaison 2014/2015 bei 72,5 Jahren gelegen
hatte.
Erkrankungshäufungen:
In der Berichtssaison 2015/2016
wur-
den in Sachsen insgesamt 28 Influenza-Ausbruchsgeschehen
gemeldet. Das war weniger als die Hälfte der während der
Sai-
son 2014/2015 übermittelten 75 Erkrankungshäufungen. Es
er-
krankten jeweils zwischen 2 bis 40 Personen. In jedem Fall muss
hier aber von einer erheblichen Untererfassung und somit
ho-
hen Dunkelziffer ausgegangen werden. Neun (32 %) der in der
Saison 2015/2016 registrierten Influenza-Ausbrüche traten in
Schulen auf, jeweils sieben Häufungen (25 %) wurden in
stati-
onären Einrichtungen bzw. Familien registriert. Vier Geschehen
(14 %) betrafen Kindertagesstätten und ein Ausbruch (4 %) eine
Wohngruppe.
1.3 Influenza-Saison 2015/2016 innerhalb Europas
Während der Influenza-Saison berichten das European Centre
for Disease Prevention and Control (ECDC) mit seinem
Influen-
za-Netzwerk EISN und die WHO Region Europa wöchentlich in
einem gemeinsamen Bericht über die Influenza-Situation in
Eu-
ropa. Alle Länder melden ihre Daten über die
ECDC-Datenplatt-
form TESSy (The European Surveillance System). Die Ergebnisse
werden im Internet veröffentlicht.
In den ersten Wochen der Influenza-Saison befand sich die
In-
fluenza-Aktivität generell auf einem für die Jahreszeit üblichen,
niedrigen Niveau. Alle europäischen Länder berichteten über
eine geringe, klinische Influenza-Aktivität (niedrigster Wert der
Aktivitätseinstufung).
In einigen Ländern wurde sporadische (Aserbaidschan,
Frank-
reich, Deutschland, Estland, Großbritannien, Irland, Lettland,
Li-
tauen, Norwegen, Slowenien, Spanien, Türkei, Ungarn) bzw.
lo-
kale geografische Ausbreitung (Armenien, Finnland) registriert.
Es zirkulierten Influenza A- neben Influenza B-Viren. Von den
subtypisierten Influenza A-Viren gehörte der überwiegende
An-
teil zum Subtyp A(H1N1)pdm09. Ab der 47. KW 2015 wurde
dann aus nahezu allen Ländern Nord- und Mitteleuropas eine
sporadische bzw. lokale geografische Verbreitung gemeldet.
Zum Jahresende wurde dann zunächst aus den Niederlanden
und Nordirland später auch aus Finnland, Israel und der Türkei
mittlere Influenza-Aktivität übermittelt. Obgleich die meisten
Länder noch eine nur sporadische geografische Verbreitung
ver-
zeichneten, wurde in Schweden bereits eine weite, in Armenien
und dem Kosovo eine lokale und in den Niederlanden eine
regi-
onale geografische Verbreitung beobachtet.
Von den in Europa ab der 40. bis zur 52. KW 2015
nachge-
wiesenen Influenza-Infektionen waren 72 % durch Influenza A
und 28 % durch Influenza B verursacht. Unter den Influenza
A-Nachweisen dominierte der Subtyp A(H1N1)pdm09 mit 82 %.
Wie bereits in der Vorsaison begann die „eigentliche“ Influenza-
Saison 2015/2016 in Europa mit dem Jahreswechsel. Die meisten
Influenzavirus-positiven Nachweise (58 %) erfolgten zunächst
aus nur zwei Ländern der WHO-Euroregion: der Türkei und
Is-
rael. Generell, wie auch insbesondere bei hospitalisierten
inten-
sivpflichtigen Influenzafällen, dominierte der Subtyp A(H1N1)
pdm09. Aus mehreren Ländern Osteuropas (Armenien, Israel, der
Türkei und der Ukraine) wurde über schwere Krankheitsverläufe
und Todesfälle durch Influenza A(H1N1)pdm09 berichtet.
Griechenland und Malta waren die ersten Länder Europas, die
für die 2. KW 2016 bereits hohe Influenza-Aktivität
übermittel-
ten. Neben den bereits genannten Ländern fielen nun auch in
Kasachstan und der Russischen Föderation schwere
Krankheits-
verläufe und Todesfälle durch A(H1N1)pdm09 auf.
Hauptsäch-
lich betroffen waren junge Erwachsene, die oft keine
Vorerkran-
kungen aufwiesen.
Mit Georgien, Irland, der Ukraine und Weißrussland
verzeich-
neten weitere Länder ab der 4. KW 2016 eine hohe Influenza-
Aktivität, während in der Russischen Föderation sowie der
Uk-
raine und ab der 5. KW 2016 auch in Finnland bereits sehr hohe
Aktivitätswerte auftraten.
In der 7. KW 2016 meldeten noch 14 Länder Europas eine
anstei-
gende klinische Aktivität der Atemwegserkrankungen, während
21 Länder bereits eine sinkende klinische Aktivität
verzeichne-
ten. Sieben Länder registrierten zu diesem Zeitpunkt hohe
Influ-
enza-Aktivität, der Höhepunkt der saisonalen Influenzawelle in
Europa war erreicht.
In den folgenden Wochen nahm die Influenza-Aktivität
zuneh-
mend ab. Ab der 11. KW 2016 waren in keinem europäischen
Land mehr hohe Werte zu verzeichnen.
Generell breitete sich die Influenzawelle der Saison 2015/2016
vorherrschend vom Osten Europas nach Westen hin aus und
er-
reichte zwischen der 5. und 7. KW 2016 ihren Gipfel. In der
Vorsaison war die Ausbreitung von Westen nach Osten erfolgt.
Zum Saisonende (15. KW 2016) meldeten zwei Länder mittlere,
37 Länder niedrige Influenza-Aktivität. In 92 % der europäischen
Länder wurde ein sinkender oder stabiler Trend beobachtet.
Während Influenza A-Viren zu Beginn der Saison dominierten,
wurden ab der 9. KW 2016 mehr Influenza B-Viren als Influenza
A-Viren detektiert.
In der gesamten Saison (40. KW 2015 - 15. KW 2016) wurden
europaweit in 58 % der Proben Influenza A- und in 42 %
Influ-
enza B-Viren nachgewiesen. Unter den subtypisierten
Influenza A-Viren betrug der Anteil der A(H1N1)pdm09-Viren
87 %.

10 │
1.4 Influenzavirus-Nachweise bei Geimpften
(Sächsi-
sches ARE-/Influenza-Sentinel)
Zu 1.118 der insgesamt untersuchten 1.332 Einsendungen
(83,9 %) liegen Angaben zum Impfstatus vor. Somit wurde bei
214 (16,1 %) der Untersuchten anlässlich der Probenahme leider
kein Impfstatus erhoben. Auch in den vorangehenden Saisons
erfolgte bei zwischen 12,5 % bis maximal 28,5 % der
Proben-
einsendungen keine Influenza-Impfanamnese oder zumindest
keine Eintragung derselben auf dem Probenbegleitschein. Vom
Ziel einer lückenlosen Erfassung der Impfanamnese sind wir
weiterhin entfernt. Laut Impfanamnese aktuell gegen Influenza
geimpft waren insgesamt 124 (9,3 %) der Patienten, von
de-
nen Proben eingegangen waren, 994 Probanden (74,6 %) waren
anamnestisch gegen Influenza ungeimpft.
Für die folgenden Berechnungen zu Erkrankung und Impfung
wird die Anzahl von 1.118 Probanden bzw. von 447 Positiv-
Nachweisen mit erhobenem aktuellen Impfstatus Influenza
be-
treffend (geimpft oder ungeimpft) zugrunde gelegt.
Trotz gesicherter Grippe-Impfung erkrankten 44 Probanden
un-
seres Sentinels an Influenza.
Der Anteil geimpfter Personen
an allen mit Influenzavirus-Nachweis (= Influenza-Positive)
betrug insgesamt 9,8 %
(Anteil Ungeimpfter: 90,2 %) und war
somit wieder deutlich niedriger als im vergangenen Jahr (siehe
Abbildung 8).
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften in der
Gesamtgrup-
pe der Influenza-Positiven lag insgesamt bei 1:9,2; das heißt
unter den Erkrankten waren annähernd 9-mal so viele Unge-
impfte wie Geimpfte
. Während für Geimpfte eine auf die Anzahl
der Probeneinsendungen (mit Impfstatus-Angabe) bezogene
Er-
krankungsrate
von 3,9 % (Relation 44 positive Geimpfte/1.118
Proben mit bekanntem Impfstatus) ermittelt werden konnte,
betrug diese bei Ungeimpften insgesamt 36,0 % (Relation 403
positive Ungeimpfte/1.118 Proben mit bekanntem Impfstatus).
Auf Grund der hohen Probenanzahl und der Kozirkulation
drei-
er Influenzaviren bietet sich in der Saison 2015/2016 zudem
eine Betrachtung der Impfdurchbrüche nach den verschiedenen
Influenzavirus-Typen bzw. -Subtypen an.
Bei 170 von 187 nachweislich an Influenza A erkrankten
Pro-
banden war der Impfstatus bekannt. Sie gliedern sich auf in 19
Geimpfte und 151 Ungeimpfte. Demzufolge waren unter allen
Influenza A-Positiven, von denen der Impfstatus bekannt war,
11,2 % geimpft und 88,8 % ungeimpft. Eine weitere
Aufglie-
derung nach den Subtypen A(H1N1)pdm09 und A(H3N2) ergibt
folgendes Bild: Bei 160 der 176 Patienten mit A(H1N1)pdm09-
Nachweis wurde ein Impfstatus erhoben, 17 von diesen waren
geimpft (10,6 %) und 143 (89.4 %) nicht. Bei 9 der 10 an
Influ-
enza A(H3N2)-Erkrankten lagen Angaben zum Impfstatus vor.
Zwei (22 %) Personen waren geimpft, 7 (78 %) hingegen nicht.
Definitive Angaben zum Impfstatus erfolgten bei 277 der 302
Influenza B-Positiven. In dieser Gruppe befanden sich 25
ge-
impfte und 252 ungeimpfte Patienten. Also waren unter allen
Influenza B-Positiven mit bekanntem Impfstatus 9 % geimpft
und 91 % nicht.
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
27.
32.
37.
42.
47.
52/53.
5.
10.
15.
20.
25.
30.
35.
40.
45.
50.
3.
8.
13.
18.
23.
28.
33.
38.
43.
48.
1.
6.
11.
16.
21.
26.
31.
36.
41.
46.
51.
4.
9.
14.
19.
24.
29.
34.
39.
44.
49.
2.
7.
12.
17.
22.
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
Kalenderwochen der jeweiligen Influenza-Saison
Normalgang
epid. Schwelle
ARE-Inzidenz
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
Abbildung 9:
ARE-Normalgang und Verlauf 2011 – 2016, LK Mittelsachsen (gesamt)
13
7
11
1
6
18
9
8
18
10
87
93
89
99
94
82
91
92
82
90
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Ungeimpfte
Geimpfte
Abbildung 8:
Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit
Influenzavi-
rus-Nachweis, (Saison 2006/2007 bis 2015/2016, Sächsisches
ARE-/Influenza-Sentinel)

│11
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften ergab bei den
In-
fluenza A-Positiven 1:7,9, bei den Influenza B-Positiven 1:10,1.
Das heißt, unter den an Influenza A-Erkrankten waren 8-mal
so viele Ungeimpfte wie Geimpfte, unter den an Influenza B-
Erkrankten sogar 10-mal so viele Ungeimpfte wie Geimpfte. Die
beiden Influenza A-Subtypen unterscheiden sich wie schon in
der Vorsaison 2014/2015 deutlich voneinander: Das Verhältnis
von Geimpften zu Ungeimpften zeigte bei Influenza A(H1N1)
pdm09 die Relation von 1:8,4, das heißt unter den an Influenza
A(H1N1)pdm09-Erkrankten waren mehr als 8-mal so viele
Un-
geimpfte wie Geimpfte. Bezüglich Influenza A(H3N2) errechnete
sich eine Relation von nur 1:3,5. Dementsprechend befanden
sich in dieser Gruppe also nur knapp 4-mal so viele Ungeimpfte
wie Geimpfte. Allerdings ist dieser Vergleich aufgrund dessen,
dass nur sehr wenige Influenza A(H3N2)-Nachweise geführt
wurden, statistisch sehr unsicher.
Die „Ungeimpftenrate“ (also die Erkrankungsrate der
Ungeimpf-
ten mit Influenzavirus-Nachweis abzüglich der Erkrankungsrate
der Geimpften mit Influenzavirus-Nachweis dividiert durch die
Erkrankungsrate der Ungeimpften mit Influenzavirus-Nachweis)
stellt die Verringerung der Erkrankungsrate bei Geimpften
ge-
genüber Ungeimpften dar. Sie lag in dieser Saison insgesamt
bei ca. 89 % und damit um 10 % höher als in der Vorsaison
2014/2015. Bezüglich Influenza A ergab sich eine
Ungeimpften-
rate von 87 %, für Influenza B von 90 %. Auch hier divergieren
die beiden A-Subtypen erheblich: für Influenza A(H1N1)pdm09
konnte eine Ungeimpftenrate von 88 % erhoben werden, bei
Influenza A(H3N2) gelang durch die Schutzimpfung eine
Verrin-
gerung der Erkrankungsrate um immerhin 71 %.
Die durchschnittliche
Ungeimpftenrate von 89 %
demonstriert
auch in dieser Saison deutlich die Schutzwirkung der saisonalen
Grippe-Impfung. Zum Vergleich: in der Saison 2012/2013
er-
rechnete sich eine Ungeimpftenrate von 90 %, in den anderen
Saisons lag diese zwischen 78 und sogar 99 % (2009/2010).
Vergleicht man die Ungeimpftenrate der Saison 2014/2015
nach Virustypen, so rangiert die Schutzwirkung der Influenza
B-Impfstoffkomponente mit 90 % vor Influenza A(H1N1)pdm09
(88 %) und Influenza A(H3N2) mit 71 %.
Bei 33 der 44 trotz Impfung an Influenza erkrankten Personen,
lagen Angaben zum verabreichten Impfstoff vor. Trivalenten
Impfstoff hatten 32 der Betroffenen erhalten. Die hier
geführ-
ten Influenza-Nachweise gliedern sich auf in 17-mal
Influen-
za B, 14-mal Influenza A(H1N1)pdm09 sowie einmal Influenza
A(H3N2). Der einzige mit tetravalentem Impfstoff immunisierte
Patient erkrankte an einer Influenza B.
1.5 ARE-Normalgang und Verlauf, Beispiel Landkreis
Mittelsachsen
Eine kontinuierliche Fortführung der Sentinelsysteme in
Sach-
sen ermöglicht auch in Zukunft fundierte Aussagen sowie die
Beurteilung der Entwicklungen über Jahre (z. B. zum Ausmaß
von Epidemien, zum zeitlichen Ablauf, zur regionalen
Ausbrei-
tung, zu den jeweiligen besonders betroffenen Altersgruppen
etc.).
Dies soll nachfolgend für die letzten 5 Jahre am Beispiel des
Landkreises Mittelsachsen dargestellt werden (epid. Schwelle
= epidemische Schwelle). Abbildung 9 veranschaulicht noch
einmal deutlich den protrahierten Verlauf der
Influenza-Sai-
son 2015/2016 im Vergleich vor allem zur Vorjahressaison
2014/2015.
Bearbeiter: Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
Annett Friedrich
Marion Undeutsch

12 │
2.1 Labordiagnostisches Vorgehen während des
Senti-
nel-Zeitraumes
Wie auch in den Vorjahren basiert die Labordiagnostik für das
Influenza-Sentinel auf einem Stufenprogramm. In einem ersten
Schritt werden die Patientenproben (Nasen-/Rachenabstrich
oder Rachenabstrich) parallel in zwei verschiedenen
PCR-Un-
tersuchungen auf Influenzaviren geprüft (PCR-Screening). Die
eingesetzten PCR-Verfahren ermöglichen den Genom-Nachweis
von Influenza A-Viren (einschließlich dem Subtyp Influenza
A(H1N1)pdm09) bzw. von Influenza B-Viren. Bei einem
nega-
tiven Ergebnis im PCR-Screening kann eine Influenza-Infektion
mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Ist das
Screening-Ergebnis für eine Patientenprobe positiv, werden
weitere Laboruntersuchungen durchgeführt:
]
Es erfolgt eine Subtypisierung der Influenza A-Viren durch
den Einsatz spezifischer PCR-Verfahren. Auf der Basis von
spezifischen Hämagglutinin- und
Neuraminidase-Genberei-
chen können die Influenza- Subtypen A(H3N2) und A(H1N1)
unterschieden werden. Darüber hinaus kann der Subtyp
A(H1N1)pdm09 identifiziert werden.
]
Es wird eine Vermehrung und Isolierung von Influenza A-
bzw. B-Virusstämmen aus positiv getesteten
Patientenpro-
ben mittels Zellkulturtechnik (unter Einsatz von
MDCK-/Ma-
din Darby Canine Kidney-Zellen) angestrebt. Zum Nachweis
der Virusvermehrung dient ein Hämagglutinationstest (HAT).
In Abstimmung mit dem Nationalen Referenzzentrum
Influ-
enza (NRZ Influenza) am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin
wird eine definierte Auswahl von Influenzavirus-Isolaten zur
weiterführenden Diagnostik (intratypische Differenzierung auf
Genomebene) an das NRZ Influenza gesendet.
2.2 Ergebnisse des Sentinels vom Oktober 2015 bis
April 2016
Die Influenza-Saison 2015/2016 war wie die vorangegangene
von 2014/2015 durch eine hohe Influenza-Aktivität geprägt.
Somit waren ähnlich hohe Zahlen von zu untersuchenden
Pa-
tientenproben und von Influenza-positiven Proben (Positivrate)
zu beobachten.
An der LUA wurden in der Zeit von Oktober 2015 bis April 2016
insgesamt 1.332 Patientenproben (Nasen- und Rachenabstriche
bzw. Rachenabstriche) auf das Vorhandensein von
Influenzavi-
ren untersucht (2014/2015: 1.358).
Im PCR-Screening konnten in insgesamt 488 Sentinel-Proben
Influenzaviren nachgewiesen werden. Dies entspricht einer
Po-
sitivrate von 36,6 % (2014/2015: 34,5 %). Bei einem Patienten
lag eine Doppelinfektion mit Influenza A(H1N1)pdm09-Viren
und Influenza B-Viren (Victoria-Linie) vor, woraus sich
insge-
samt 489 Influenzavirus-Genomnachweise ergaben.
Die Verteilung der Probenzahlen auf die einsendenden
Ein-
richtungen (Sentinel-Arztpraxen, Krankenhäuser,
Gesundheits-
ämter) sowie die dazugehörigen Positivraten sind in Tabelle 1
dargestellt. Eine Aufschlüsselung von Probeneinsendungen und
Positivraten nach territorialen Gesichtspunkten zeigt Tabelle 2.
2 Auswertung des Influenza-Sentinels 2015/2016
im Freistaat Sachsen, mikrobiologischer Teil
Tabelle 1: Probeneinsender, Probenzahl, positive Proben
und Positivrate nach PCR-Diagnostik
Einsender
Anzahl der
Proben
Anzahl der
Influenzavirus-
positiven Genom-
nachweise
Positivrate [%]
Sentinel-Arztpraxen
809
366
45,2
Krankenhäuser
477
108*
22,6
Gesundheitsämter/
Institute
46
15
32,6
Gesamt
1.332
489
36,7
* Doppelinfektion
Tabelle 2: Aufschlüsselung der Probeneinsendungen und
der positiven Influenzavirus-Genomnachweise
nach territorialen Gesichtspunkten
Kreis
Anzahl der
Einsender
Anzahl der
Einsendungen
Anzahl positiver
Influenzavirus-
Genomnach-
weise
Region Chemnitz (5 Kreise)
Chemnitz/Stadt
13
145
49
Erzgebirgskreis
18
488
194*
Mittelsachsen
4
124
39
Vogtlandkreis
1
6
4
Zwickau
10
35
14
Gesamt
46
798
300
Region Dresden (5 Kreise)
Bautzen
8
75
18
Dresden/Stadt
0
0
0
Görlitz
0
0
0
Meißen
6
45
23
Sächsische
Schweiz-Osterz-
gebirge
7
118
58
Gesamt
21
238
99
Region Leipzig (3 Kreise)
Leipzig/Stadt
9
91
45
Leipzig
7
197
44
Nordsachsen
3
8
1
Gesamt
19
296
90
Gesamtsumme
86
1.332
489
* Doppelinfektion
Die Influenza-Aktivität pro Kalenderwoche (KW) im Sentinel
2015/2016 wird durch grafische Darstellung der Anzahl der
Pa-
tientenproben im Verhältnis zur Zahl der Proben mit positiven
Influenzavirus-Genomnachweisen in Abbildung 1 anschaulich.
Mit Beginn des Sentinels in der 40. KW 2014 bis zur 1. KW 2015
blieb die Summe der wöchentlichen Probeneingänge unter 20.
Danach stieg die Zahl der Sentinel-Proben pro KW deutlich an.

│13
Im Zeitraum zwischen der 8. und 12. KW 2016 wurden die
meis-
ten Sentinel-Proben pro Kalenderwoche (im Durchschnitt 142)
registriert. Dabei lag das Maximum mit 178 Einsendungen in der
11. KW 2016.
Das erste positive PCR-Screening-Ergebnis wurde im
Senti-
nel 2015/2016 in der 43. KW 2015 durch Nachweis von
In-
fluenza A(H1N1)pdm09 erbracht. Vereinzelte PCR-Nachweise
von Influenzaviren folgten danach erst wieder in der 48. KW
2015, wobei in jeweils einer Patientenprobe Influenza A(H1N1)
pdm09- bzw. Influenza B-Viren detektiert wurden. Ab der 1. KW
2016 nahm die Positivrate kontinuierlich zu und erreichte in der
10. KW 2016 mit 89 PCR-positiven Proben ihren Höhepunkt.
Im Sentinel-Zeitraum zwischen der 8. und 13. KW 2016
wur-
den ca. 72 % aller Influenza-Nachweise der Saison (352/489)
beobachtet. In diesem Zeitabschnitt lag die durchschnittliche
Positivrate bei ca. 46 %. Es zirkulierten die Virustypen Influenza
A(H3N2), A(H1N1)pdm09 und Influenza B gemeinsam.
In den letzten beiden Sentinel-Wochen (16./17. KW 2016)
ka-
men noch jeweils10 Patientenproben zur Untersuchung, von
de-
nen jeweils 3 Proben positiv auf Influenzaviren getestet wurden
(Abbildung 1).
40.
KW
41.
KW
42.
KW
43.
KW
44.
KW
45.
KW
46.
KW
47.
KW
48.
KW
49.
KW
50.
KW
51.
KW
52.
KW
53.
KW
1.
KW
2.
KW
3.
KW
4.
KW
5.
KW
6.
KW
7.
KW
8.
KW
9.
KW
10.
KW
11.
KW
12.
KW
13.
KW
14.
KW
15.
KW
16.
KW
17.
KW
Infl. A
0
0
0
1
0
0
0
0
1
0
0
0
0
0
3
4
5 18 9 18 23 20 24 29 19 5
4
2
1
1
0
Infl. B
0
0
0
0
0
0
0
0
1
0
0
0
0
0
0
0
1
3
5
9 10 30 35 60 56 52 19 6 10 2
3
0
20
40
60
80
100
Anzahl positiver Genomnachweise
Infl. A
Infl. B
Abbildung 2:
Positive Genomnachweise von Influenza-Virus A (Infl. A) und B (Infl. B) pro Kalenderwoche im Sentinel 2015/2016
0
50
100
150
200
40/15
41/15
42/15
43/15
44/15
45/15
46/15
47/15
48/15
49/15
50/15
51/15
52/15
53/15
01/16
02/16
03/16
04/16
05/16
06/16
07/16
08/16
09/16
10/16
11/16
12/16
13/16
14/16
15/16
16/16
17/16
Anzahl der Proben
2015
Kalenderwoche
2016
Proben
PCR-positive Proben
Anzahl eingesendete Proben: 1.332
Anzahl PCR-positive Proben: 488
Abbildung 1:
Anzahl der Patientenproben und Zahl der PCR-positiven Proben pro Kalenderwoche im Sentinel 2015/2016

14 │
Die Doppelinfektion von Influenza A(H1N1)pdm09-Viren und
Influenza B-Viren (Victoria-Linie) war in der 13. KW 2016 zu
verzeichnen.
Abbildung 2 zeigt das Verhältnis der Genom-Nachweiszahlen
von Influenza A- und Influenza B-Viren in den einzelnen
Kalen-
derwochen während der Saison 2015/2016.
Im Berichtszeitraum wurden am häufigsten Influenza B-Viren
detektiert (302/489). Dieser Influenza-Virustyp war ab der 3. KW
2016 kontinuierlich nachweisbar und dominierte während des
gesamten Sentinels unter den positiv getesteten PCR-Proben –
mit einem Maximum von 60 Influenza B-positiven Proben in
der 10. KW 2016. In dieser KW wurde ebenso die höchste
wö-
chentliche Gesamtpositivrate von Influenza-Viren während des
Sentinels beobachtet. Diese lag bei ca. 56,7 % (89/157).
In den Abbildungen 3 und 4 sind die Verteilungen der
Influen-
zavirus-Typen/-Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirus-
Nachweise pro Jahrgang (Abbildung 3) bzw. pro Virustyp
(Ab-
bildung 4) seit dem Sentinel-Zeitraum 2006/2007 dargestellt.
Im Berichtszeitraum 2015/16 ist besonders die Dominanz der
Influenza B-Viren unter den positiv getesteten Proben auffällig.
Der Anteil lag bei 61,8 %. Eine höhere Nachweisrate für
Influen-
za B-Viren als für Influenza A-Viren war letztmalig im Rahmen
des Sentinels von 2007/2008 zu beobachten gewesen.
Das Vorherrschen der Influenza B-Virus-positiven Proben im
Berichtszeitraum entsprach der bundesweiten Situation. Bis
zum Ende des Sentinels (17. KW 2016) wurden in Deutschland
insgesamt ca. 53 % der labordiagnostisch bestätigten
Influen-
za-Infektionen diesem Virustyp zugeordnet (Quelle: Influenza-
Monatsbericht des RKI, Kalenderwochen 17 bis 20).
Influenza A-Viren wurden in 38.3 % der positiv getesteten
Pati-
entenproben (187/488) identifiziert.
Die Subtypisierung der Influenza A-Viren durch den Einsatz
weiterer PCR-Verfahren ergab dabei folgendes Bild: Mit einer
Positivrate von 36,0 % dominierte der Virus-Subtyp Influenza
A(H1N1)pdm09 (176/489) gegenüber dem Subtyp Influenza
A(H3N2), der in 10 Proben detektiert wurde (2,0 %). Für eine
Influenza A positive Probe verlief die Subtypisierung ergebnislos
(0,2 %).
Das Verteilungsverhältnis der Influenza A-Virussubtypen
un-
terscheidet sich im Berichtszeitraum deutlich von dem in der
vorangegangenen Saison. Im Sentinel 2014/2015 zirkulierten
vorrangig Influenza A(H3N2)-Viren mit einem Anteil von 81,9 %
sowie der Subtyp Influenza A(H1N1)pdm09 mit einem Anteil
von 14,9 % an allen Influenza A-Nachweisen.
Von den 488 Influenza-PCR-positiven Patientenproben der
Sai-
son (eine Probe mit Doppelinfektion) wurden ca. 80 % (393) zur
Virusanzucht ausgewählt. In 230 Fällen gelang die Isolierung
von Influenza-Virusstämmen mittels Zellkultur. Das entspricht
einer Erfolgsrate von 58,5 %. 141 Kulturisolate waren Influenza
B-Virusstämme. Von den insgesamt 89 Influenza
A-Virusisola-
ten zählten 86 zum Subtyp A(H1N1)pdm09 und 3 zum Subtyp
A(H3N2).
Für eine umfassende Antigen- und/oder genetische Analyse von
Influenza-Virusstämmen wurden insgesamt 104 Influenzavirus-
Isolate (45 %) ausgewählt und an das NRZ Influenza in Berlin
weitergeleitet. Darunter waren 56 Influenza B-Virusstämme, 46
Isolate vom Subtyp Influenza A (H1N1)pdm09 und 3 vom Subtyp
Influenza A(H3N2).
Zusammenfassung der Ergebnisse:
Anzahl
Anteil an allen
Nach-
weisen
Anzahl eingesandter Proben innerhalb des Sentinel-Zeitraumes:
1.332
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der PCR:
(s. Abb. 1)
488
36,6 %
Anzahl der Influenzavirus-Nachweise:
489*
36,7 %
Anzahl der positiven PCR-Ergebnisse je Typ/Subtyp:
(s. Abb. 2)
davon:
Influenza A:
187*
38,2 %
Anteil Nachweise an
Influenza A
Influenza A(H1N1)pdm09
176*
36,0 %
94,1 %
Influenza A(H3N2)
10
2,0 %
5,3 %
nicht typisierbar
(nicht A(H1N1)pdm09)
1
0,2 %
0,5 %
davon:
Influenza B
302*
61,8 %
Anzahl der Virus-Anzuchtversuche im Sentinel-Zeitraum:
393
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der Virusanzucht:
230
58,5 %
davon:
Influenza A-Virus:
89
38,7 %
Anteil Nachweise an
Influenza A
Influenza A(H1N1)pdm09
86
37,4 %
96,6 %
Influenza A(H3N2)
3
1,3 %
3,4 %
davon:
Influenza B-Virus:
141**
61,3 %
*
eine Doppelinfektion
**
Von den 141 angezüchteten Influenza B-Virusstämmen wurden insgesamt 56 Isolate zur Feintypisierung an das NRZ weitergeleitet. Im Ergebnis der Untersuchungen am NRZ gehörten
55 Virusstämme zur Viktoria- und ein Virusisolat zur Yamagata-Linie. Im vergangenen Sentinelzeitraum waren ausschließlich Influenza B-Virusstämme der Yamagata-Linie nachweisbar
gewesen.

│15
Bearbeiter: Dr. med. Ingrid Ehrhard
Dipl.-Biol. Ursula Reif
5,2
41,9
1,7
99,7
59,0
4,9
44,6
13,8
14,0
36,0
94,7
0,4
80,3
0
0,2
68,3
32,1
82,8
77,2
2,0
0,1
57,7
18,0
0
40,8
24,8
22,6
3,4
5,7
61,8
0
20
40
60
80
100
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
Prozent
Jahre
A (H1N1)pdm09
B
A (H3N2)
A (H1N1)
Abbildung 4:
Anteil der Typen/Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirus-Nachweise in %, beginnend mit der Saison 2006/2007 pro Virustyp
5,2
41,9
1,7
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
99,7
59,0
4,9
44,6
13,8
14,0
36,0
94,7
0,4
80,3
0
0,2
68,3
32,1
82,8
77,2
2,0
0,1
57,7
18,0
0
40,8
24,8
22,6
3,4
5,7
61,8
0
20
40
60
80
100
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
Prozent
Jahre
A (H1N1)
A (H1N1)pdm09
A (H3N2)
B
Abbildung 3:
Anteil der Typen/Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirus-Nachweise in %, beginnend mit der Saison 2006/2007 pro Jahrgang

16 │
3 Influenza-Impfstoff für die Saison 2016/2017
Nach Auswertung aller molekularbiologischen, virologischen und
serologischen Befunde im Rahmen der weltweiten Surveillance
in der Influenza-Saison 2015/2016 wurde von der WHO für die
Nordhalbkugel im kommenden Winter (Saison 2016/2017) die
folgende Impfstoffzusammensetzung empfohlen:
]
A/California/7/2009 (H1N1)pdm09-like virus
]
A/Hong Kong/4801/2014 (H3N2)-like virus
]
B/Brisbane/60/2008-like virus
Die Zusammensetzung des Influenza-Impfstoffes für die
nächs-
te Saison unterscheidet sich somit von der des bei uns in der
Saison 2015/2016 verwendeten Impfstoffes in der A(H3N2)-
sowie der B-Komponente. Seit 2001/2002 ist eine Kozirkulation
der beiden Influenza B-Linien Victoria und Yamagata zu
beob-
achten. In Konsequenz dieser Situation hat die WHO neben den
trivalenten erstmals (seit Sommer 2013 auf der Südhalbkugel
und Winter 2013/2014 auf der Nordhalbkugel) auch
quadriva-
lente Influenza-Impfstoffe empfohlen, die neben Antigenen der
beiden Influenza A-Virus-Subtypen (H3N2 und (H1N1)pdm09)
auch Antigene von Influenza B-Virusstämmen beider Linien
(Victoria und Yamagata) enthalten. Als Vertreter der
B-Yama-
gata-Linie wurde durch die WHO
]
B/Phuket/3073/2013-like virus
ausgewählt. Hierdurch kann eine bessere Wirksamkeit der
Imp-
fung bezüglich Influenza B erzielt werden.
Mindestens ein quadrivalenter Influenza-Impfstoff wird (wie
bereits in den Vorjahren) auch in der kommenden Saison
2016/2017 in Deutschland verfügbar sein.
In ihrer 47. Sitzung am 01.04.2016 hat die Sächsische
Impf-
kommission (SIKO) beschlossen, zum 01.01.2017 folgende
Er-
gänzung in ihren Impfempfehlungen (E1) vorzunehmen:
„Auf-
grund der breiteren Stammabdeckung bei Influenza B sollten
tetravalente Impfstoffe bevorzugt angewendet werden“.
Bearbeiter: Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
Schlussendlich sei auch in diesem Jahr allen an den
verschie-
denen Sentinelsystemen beteiligten Arztpraxen,
Gesundheits-
ämtern, Krankenhäusern und sonstigen Einrichtungen für die
engagierte Mitarbeit, ohne die eine aussagefähige
epidemiolo-
gische Analyse nicht möglich wäre, herzlich gedankt. Im Sinne
der Qualität unseres Sentinels möchten wir Sie für die nächste
Saison wiederum um eine lückenlose Datenerhebung, also das
unbedingt notwendige komplette Ausfüllen der
Probenbegleit-
scheine, bitten. Bitte bedenken Sie, dass es sich beim Sentinel
nicht um Routinediagnostik, sondern um ein
Surveillance-Pro-
gramm des Öffentlichen Gesundheitsdienstes des Freistaates
Sachsen handelt. Äußerst wichtig für die Bewertung der
Wirk-
samkeit der Influenza-Impfung ist insbesondere die lückenlose
Erfassung der Impfanamnese! Sie können damit wesentlich zur
wissenschaftlichen Aussagekraft unseres Sentinels beitragen.
Wir freuen uns auf eine weiterhin effektive Zusammenarbeit in
der kommenden Saison 2016/2017.
Bearbeiter: Alle am Influenza-Sentinel
beteiligten LUA-Mitarbeiter

Herausgeber:
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden
Redaktion:
Dr. med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1100
Redaktionskollegium:
Dr. med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1100
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Tel. 0351/8144-3200
DB Ursula Reif, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1200
Gestaltung und Satz:
SG IT, LUA Sachsen, Standort Dresden,
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden,
Tel.: 0351/8144 1712
Druck:
alinea Digitaldruck, Chemnitz |
www.alinea24.de
Redaktionsschluss:
30. Juli 2016
Bezug:
Dieses offizielles Mitteilungsblatt der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und
Veteri-
närwesen des Freistaates Sachsen wird über Verteilerliste versandt und kann kostenfrei im Internet
abgerufen werden:
www.lua.sachsen.de
und unter
www.publikationen.sachsen.de
Titelbild:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) und Influenza in Beziehung zum Normalgang, 27. KW
2015 – 26. KW 2016, Stadt Chemnitz
0
3
6
9
12
15
18
0
50
100
150
200
250
300
350
27.
29.
31.
33.
35.
37.
39.
41.
43.
45.
47.
49.
51.
1.
3.
5.
7.
9.
11.
13.
15.
17.
19.
21.
23.
25.
Influenzavirus-Nachweise
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
2015
Kalenderwoche
2016
Influenzavirus-Nachweise
Inzidenz 2015/2016
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
Inzidenz 2014/2015