0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
0
50
100
150
200
250
300
350
27.
29.
31.
33.
35.
37.
39.
41.
43.
45.
47.
49.
51.
1.
3.
5.
7.
9.
11.
13.
15.
17.
19.
21.
23.
25.
Influenzavirus-Nachweise
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
2014
Kalenderwoche
2015
Influenzavirus-Nachweise
Inzidenz 2014/2015
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
Inzidenz 2013/2014
ARE-/Influenza-Sentinel 2014/2015
LANDESUNTERSUCHUNGS-
ANSTALT FÜR DAS GESUNDHEITS-
UND VETERINÄRWESEN
im Freistaat Sachsen

 
│1
Inhaltsverzeichnis
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2014/2015 im Freistaat Sachsen
............................................................................................................
2
1
Auswertung des epidemiologischen ARE-/Influenza–Sentinels 2014/2015 im Freistaat Sachsen und
Vergleich mit anderen Surveillance-Instrumenten
..........................................................................................................................................3
1.1
Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel sowie Saisonverlauf in Sachsen und Deutschland
.................................................................... 3
1.2
Sächsische Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG)
............................................................................................................... 7
1.3
Influenza-Saison 2014/2015 innerhalb Europas
.............................................................................................................................................. 8
1.4
Influenzavirus-Nachweise bei Geimpften (Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel)
................................................................................. 9
1.5
ARE-Normalgang und Verlauf, Beispiel Stadt Chemnitz
..............................................................................................................................
10
2
Auswertung des Influenza-Sentinels 2014/2015 im Freistaat Sachsen, mikrobiologischer Teil
......................................................11
2.1
Labordiagnostisches Vorgehen während des Sentinel-Zeitraumes
...........................................................................................................11
2.2
Ergebnisse des Sentinels vom Oktober 2014 bis April 2015
.......................................................................................................................11
3
Influenza-Impfstoff für die Saison 2015/2016
...............................................................................................................................................15

image
 
2 │
Sehr geehrte Leserinnen und Leser des
Influenza-Sentinel-Be-
richts,
wann, wo (zuerst) und mit welcher Intensität die saisonale
In-
fluenzawelle auftritt, lässt sich nicht voraussagen. Doch eines
ist sicher: sie kommt, Jahr für Jahr. Die Influenza hat im Winter
„Saison“ und das liegt daran, dass Influenzaviren außerhalb
ih-
rer Wirtsstrukturen bei niedrigen Temperaturen und in
trocke-
ner Luft stabiler und die Schleimhäute der oberen Atemwege
sowie das Immunsystem generell anfälliger für Infektionen sind.
Außerdem halten wir uns in der kalten Jahreszeit mehr in
ge-
schlossenen, ungelüfteten Räumen auf.
Die Influenzawelle der Saison 2014/2015 entwickelte sich zu
einer ausgeprägten Influenza-Epidemie. Der Gipfel bzw. das
Plateau der stark ausgeprägten Influenzawelle, in der die
epide-
mische Schwelle überschritten wurde, lag zwischen der 6. und
10. Kalenderwoche 2015. Es ist nicht ungewöhnlich und war
sogar zu erwarten, dass nach einer schwächeren Saison wie sie
2013/2014 mit nur 375 gemeldeten Erkrankungen in Sachsen zu
beobachten war, eine stärkere Erkrankungswelle folgte.
Die Saison 2014/2015 zeichnete sich vor allem durch sehr hohe
Erkrankungszahlen aus. So wurden von der 40. Kalenderwoche
2014 bis zur 17. Kalenderwoche 2015 mit insgesamt 12.594
Meldungen in Sachsen die meisten Influenzafälle in einer
Sai-
son seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001
registriert. Die Dunkelziffer liegt sicherlich noch um ein
Vielfa-
ches, eventuell bis zu 100-mal höher, da nicht alle Erkrankten
den Arzt aufsuchen und dieser dann auch nur bei wenigen
Pati-
enten eine Laboruntersuchung veranlasst.
Selbst in der pandemischen Saison 2009/2010 waren im
Ver-
gleichszeitraum (40. KW 2009 bis 17. KW 2010) „nur“ 10.634
Influenza-Erkrankungen verzeichnet worden. Insgesamt
wur-
de während der Pandemie im Jahreszeitraum 2009 mit 13.784
zwar eine höhere Fallzahl erreicht als bisher im Jahr 2015 (mit
12.646 bis zur 33. Kalenderwoche), allerdings ist anzunehmen,
dass während der Pandemie auf Grund der hohen
Aufmerksam-
keit, die der „neuen“ Influenza zu Teil wurde, mehr Patienten
auf Influenza untersucht wurden als üblich. Betroffene und
Ärz-
teschaft hatten damals ein erheblich gesteigertes Interesse an
diagnostischer Abklärung. Demzufolge ist es fraglich, ob 2009
tatsächlich mehr Menschen in Sachsen an Influenza erkrankt
gewesen sind als in der Berichtssaison 2014/2015.
Ausgehend von Kindereinrichtungen und Schulen breitete sich
die Influenza-Epidemie 2014/2015 in die Bevölkerung aus und
erreichte Alten- und Pflegeheime. Es kam zu Schulschließungen
und bedauerlicherweise traten auch in Krankenhäusern
Erkran-
kungshäufungen auf.
Kein Impfstoff bietet einen hundertprozentigen Schutz. Vor
al-
lem Personengruppen (z. B. ältere oder chronisch kranke
Men-
schen), deren Immunsystem generell weniger gut auf Impfungen
anspricht, entwickeln zum Teil nicht die gewünschte
Immunant-
wort. Ein großes Problem des Influenzavirus besteht in seiner
genetischen Variabilität. Aufgrund der sich ständig
wandeln-
den Virusstämme ist es erforderlich, dass die Komponenten des
Impfstoffes den tatsächlich zirkulierenden Virusvarianten
ange-
passt werden. Die Empfehlungen der
Weltgesundheitsorganisa-
tion bilden hierbei die Grundlage für die Impfstoffhersteller zur
Produktion der Impfstoffe für die jeweils nächste Saison. Bereits
im Februar des Vorjahres, also knapp ein Jahr vor der nächsten
Influenzawelle, muss die WHO entscheiden, welche Varianten
mutmaßlich auftreten und deshalb zur Impfstoffherstellung
empfohlen werden, damit alle notwendigen Studien und die
Produktion zeitgemäß erfolgen können. Der Influenza A(H3N2)-
Stamm, der sich in diesem Jahr in Sachsen wie bundesweit
durchgesetzt hat, war nicht optimal im Impfstoff vertreten. Eine
solche Abweichung zwischen angenommenen und tatsächlich
zirkulierenden Viren lässt sich nicht ganz ausschließen.
Grund-
sätzlich erkrankten trotzdem vor allem die Ungeimpften, zumal
selbst der nicht ideal passende Impfstoff durch Kreuzimmunität
für einen gewissen Schutz sorgte.
Die Influenza gehört zu den fieberhaften Erkrankungen der
Atemwege und geht mit zum Teil erheblichen
Allgemeinsymp-
tomen und Komplikationen einher. Die akuten respiratorischen
Erkrankungen (ARE) sind einer der häufigsten Anlässe für einen
Arztbesuch. Um das Ansteckungsrisiko mit Influenzaviren zu
verringern, sollte man wenn möglich zu Personen mit
Symp-
tomen einer akuten Atemwegserkrankung Abstand halten.
Re-
gelmäßiges gründliches Händewaschen kann das Risiko einer
Atemwegsinfektion ebenfalls vermindern. Und natürlich sollte
man sich eben durch die jährliche Influenza-Impfung schützen.
Allen am Sächsischen ARE-/Influenza-Sentinel Beteiligten in
Arztpraxen, Krankenhäusern, Gesundheitsämtern und sonstigen
Einrichtungen danken wir herzlich für die engagierte Mitarbeit.
Ohne Sie wäre dieser Bericht, der Ihnen auch einen Einblick in
die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer
Landes-
einrichtung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes zum Erhalt
und Ausbau präventiver Maßnahmen für die Gesundheit unser
Bürgerinnen und Bürger vermitteln soll, nicht möglich gewesen.
Dr. Gerlinde Schneider
Präsidentin
Vorwort zum ARE-/Influenza-Sentinel 2014/2015
im Freistaat Sachsen

 
│3
Die
Ergebnisse
der
Influenza-Überwachung
der
Saison
2014/2015 basieren wie bereits in den vergangenen Jahren
(siehe LUA-Mitteilungen sowie diesbezügliche Sonderhefte) auf
diversen erhobenen Daten.
Hierzu zählen aus epidemiologischer Sicht insbesondere:
]
das Influenza-Sentinelsystem des öffentlichen
Gesundheits-
dienstes (ÖGD) in Sachsen bzw. der Arbeitsgemeinschaft
In-
fluenza (AGI) inklusive Sachsen in Deutschland
]
der Erregernachweis (PCR und Virusanzüchtung) u. a. zur
Be-
stätigung epidemiologischer Daten (Beginn/Ende einer
Epi-
demie)
]
die Berücksichtigung entsprechender Informationen aus den
anderen Bundes- und den europäischen Nachbarländern zu
Häufungen, Informationen über Krankheitsverläufe,
Kompli-
kationen, Altersspezifität, Mortalität etc.
Die Auswertung dieser Faktoren ermöglicht nachstehende
Ein-
schätzung der Influenza-Aktivität für die Saison 2014/2015.
1.1 Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel sowie
Saison-
verlauf in Sachsen und Deutschland
Im letzten Quartal 2014 entsprach die Häufigkeit akuter
respi-
ratorischer Erkrankungen (ARE-Morbidität) im Freistaat
Sach-
sen dem erwarteten Niveau. Auch in den anderen
Bundeslän-
dern gestaltete sich die ARE-Influenza-Situation unauffällig.
Die Werte der Konsultationsinzidenzen für Gesamtdeutschland
zeigten die übliche Altersgruppenverteilung und bewegten sich
in dem für die Jahreszeit normalen Bereich. Die ARE-Aktivität
war gemäß den virologischen Ergebnissen des Nationalen
Re-
ferenzzentrums für Influenza in diesem Zeitraum insbesondere
auf Rhinoviren, gegen Jahresende zusätzlich auch auf RS-Viren
zurückzuführen.
Innerhalb des bundesweiten Sentinels der AGI erfolgten im
Na-
tionalen Referenzzentrum (NRZ) ab der 41. Kalenderwoche (KW)
2014 zunächst vereinzelte, gegen Jahresende dann mehr und
mehr Influenzavirus-Nachweise. Von der 40. bis einschließlich
der 52. KW wurden im Sentinel der AGI insgesamt 31
Influ-
enza A(H3N2)-, 6 Influenza A(H1N1)pdm09 sowie 6 Influenza
B-Virus-Infektionen identifiziert. Verglichen mit der Vorsaison
2013/2014 wurde das Siebenfache an Nachweisen geführt.
Die ersten Nachweise einer Influenzavirus-Infektion der Saison
innerhalb des sächsischen Sentinels gelangen in der 49. und
50. Kalenderwoche 2014 und damit zu einem deutlich früheren
Zeitpunkt als während der Saison 2013/2104. Bei einem
10-jäh-
rigen Schüler aus der Stadt Leipzig sowie einem 6-jährigen
Jun-
gen aus dem Erzgebirgskreis wurde jeweils Influenza A(H3N2)
nachgewiesen. Beide Patienten waren mit typischer
Symptoma-
tik erkrankt und nicht gegen Influenza geimpft.
Zum Jahreswechsel wurde bundesweit eine leichte Erhöhung
der ARE-Aktivität registriert, vor allem im Süden, Norden und
zum Teil auch im Westen Deutschlands. In Bayern wurde sogar
bereits eine deutlich erhöhte ARE-Aktivität verzeichnet. Ab der
2. KW 2015 kam es in Sachsen wie auch deutschlandweit zu
einem sprunghaften Anstieg der Probeneinsendungen und
Influ-
enzavirus-Nachweise. Auch die Aktivität der akuten
respiratori-
schen Erkrankungen nahm zu, befand sich bis zur 4. KW 2015
noch auf einem geringfügig, ab der 5. KW nach einem starken
Anstieg dann jedoch auf einem deutlich erhöhten Niveau, wobei
zunächst der Süden, dann der Osten und ab der 6. KW auch der
Norden und Westen sowie die Mitte Deutschlands von der
sai-
sonalen Grippewelle erfasst wurden.
Influenza A(H3N2)-Viren dominierten bis dahin
deutschland-
weit mit 80 % vor Influenza A(H1N1)pdm09 (13 %) und
Influ-
enza B (7 %).
Von der 6. bis zur 9. KW stieg die Influenza-Aktivität weiter an,
bundesweit wurden stark erhöhte Werte verzeichnet: der Gipfel
der Influenza-Epidemie 2014/2015 war erreicht.
Ab der 10. KW 2015 sank die ARE-Aktivität zwar bundesweit,
befand sich aber weiterhin auf sehr hohem Niveau. Nach einem
weiteren Rückgang wurden ab der 12. KW moderat erhöhte und
ab 13. KW nur noch leicht erhöhte Werte registriert.
Zum Ende der Saison erreichte die ARE-Aktivität ab der 14. KW
ein für die Jahreszeit übliches Niveau.
Im Vergleich zur Vorsaison war 2014/2015 sowohl im NRZ als
auch in den Laboratorien der Landesuntersuchungsanstalt ein
Vielfaches an Probeneingängen sowie
Influenzavirus-Nachwei-
sen zu verzeichnen. Die meisten Probeneingänge erreichten das
NRZ sowie die LUA von der 5. bis zur 10. KW 2015. Auch die
größte Anzahl von Nachweisen erfolgte in diesen
Berichtswo-
chen. In Sachsen lag der Höhepunkt der Influenzawelle in der
6. und 7. KW 2015, bundesweit in den Wochen 7 und 8 (siehe
Abbildungen 1, 3, 4 und 5 sowie Tabelle 1).
Grundsätzlich zirkulierten in der Saison 2014/2015 alle drei
In-
fluenzavirus-Typen: die beiden Subtypen A(H3N2) und A(H1N1)
pdm09 sowie der Virustyp B. Allerdings dominierte im
sächsi-
schen Sentinel Influenza A(H3N2) mit 363 Nachweisen (77,2 %),
während 66 Influenza A(H1N1)pdm09- (14,0 %), 3,0 % nicht
ty-
pisierbare Influenza A- und 27 Influenza B-Infektionen (5,7 %)
identifiziert wurden. Auch im AGI-Sentinel rangierte Influenza
A(H3N2) mit 63 % der Nachweise (bis einschließlich der 16. KW
2015) deutlich vor Influenza A(H1N1)pdm09 (15 %) und
Influ-
enza B (22 %).
Für den Freistaat Sachsen kann auf der Basis der Influenza-
Überwachung durch das epidemiologische und mikrobiologische
ARE-/Influenza-Sentinel in der vergangenen Influenza-Saison
von einer ausgeprägten Influenza-Epidemie gesprochen werden.
Die Influenza-Ausbreitung erfolgte in Sachsen (wie im übrigen
1 Auswertung des epidemiologischen ARE-/
Influenza–Sentinels 2014/2015 im
Freistaat Sachsen und Vergleich mit anderen
Surveillance-Instrumenten

4 │
Bundesgebiet) erheblich rascher und stärker als in der
vorheri-
gen Saison, die die schwächste jemals registrierte
Influenzawel-
le darstellte. Die Influenzavirus-Zirkulation dauerte in Sachsen
von der 49. KW 2014 bis zum Ende des Beobachtungszeitraumes
in der 17. KW 2015 an. Die Aktivität der akuten respiratorischen
Erkrankungen erreichte im Freistaat von der 5. bis zur 10. KW
2015 ein stark erhöhtes Niveau (siehe auch Abbildungen 1, 3, 4
und 5 sowie Tabelle 3).
Altersverteilung
(Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel):
Die identifizierten Influenza-Erkrankungen innerhalb des
Senti-
nels betrafen zu mehr als einem Drittel Erwachsene (17 - < 60
Jahre, 34,0 %). In der Altersgruppe der Klein- und
Vorschulkin-
der (1 - < 7 Jahre) sowie bei den Schulkindern und
Jugend-
lichen wurden mit 23,0 % bzw. 22,9 % beinahe gleich hohe
Erkrankungszahlen registriert. 16,9 % der Erkrankungen traten
bei Senioren (≥ 60 Jahre) auf. Der Hochrisikogruppe der unter
1-Jährigen ließen sich 3,2 % der Fälle zuordnen (siehe auch
Ta-
belle 2 und Abbildung 2).
Somit wurde 2014/2015 mit 49,1 % annähernd die Hälfte aller
innerhalb des Sentinels nachgewiesenen Infektionen bei
Kin-
dern und Jugendlichen verzeichnet. In der Vorsaison 2013/2014
hatte dieser Anteil mit 69,0 % mehr als zwei Drittel betragen.
Auch in der Saison 2011/2012 hatten die Kinder und
Jugendli-
chen mit 62,4 % sowie 2010/2011 mit 74,2 % die deutlich am
meisten betroffene Altersgruppe gebildet. In der Berichtssaison
2014/2015 wurden mehr Erkrankungen bei Erwachsenen
beob-
achtet als 2013/2014 (27,6 %), jedoch weniger als während der
Influenzawelle 2012/2013 mit damals 37,1 %.
Den
klinischen Verlauf
der diesjährigen
Influenza-Erkrankun-
gen beschrieben die behandelnden Ärzte überwiegend als
mit-
telschwer und komplikationslos.
Die diesjährige Influenza-Epidemie zeichnete sich durch
aus-
gesprochen hohe Erkrankungszahlen aus. Die durchschnittliche
Positivrate betrug 34,5 % und war damit annähernd um das
4fache höher als während der moderaten Influenzawelle des
Vorjahres. Der Gipfel bzw. das Plateau der stark ausgeprägten
Influenzawelle lag zwischen der 5. und 11. KW 2015. Die
Aktivi-
tät der akuten respiratorischen Erkrankungen lag von der 4. bis
zur 12. KW 2015 durchweg über dem Normalgang. Die
epide-
mische Schwelle wurde in Sachsen zwischen der 6. und 10. KW
überschritten (siehe auch Tabellen 1 und 3 sowie Abbildungen
3, 4 und 5).
In Sachsen wurden in der Saison 2014/2015 innerhalb des ÖGD-
Sentinels insgesamt 441 Influenza A- sowie 27 Influenza
B-In-
fektionen nachgewiesen. 363 der 441 mittels PCR typisierbaren
Influenza A-Viren ließen sich dem Subtyp A(H3N2) und 66 dem
Subtyp A(H1N1)pdm09 zuordnen, wobei jeweils zwei
Doppel-
infektionen Influenza A(H3N2) und A(H1N1)pdm09 registriert
wurden.
Wie schon in den vorherigen Influenza-Saisons 2012/2013 und
2013/2014 konnte auch 2014/2015 eine Kozirkulation der
bei-
den Influenza A-Subtypen A(H1N1)pdm09 und A(H3N2) sowie
Influenza B beobachtet werden, wobei in der aktuellen
Berichts-
saison eine deutliche Dominanz von Influenza A(H3N2) zu
ver-
zeichnen war.
Detaillierte Angaben zu den sächsischen Ergebnissen sind im
Teil 2 – Influenza-Sentinel/mikrobiologischer Teil aufgeführt.
Abbildung 1:
Probeneinsendungen und Influenzavirus-Nachweise (mittels
PCR) nach Kalenderwochen (Tag der Probenahme),
Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel, 40. KW 2014 - 17. KW
2015
Tabelle 1: Probeneinsendungen, Influenzavirus-Nachweise
(mittels PCR) und Positivraten
KW
Probenein-
sendungen
Anzahl positiver
Proben
Positivrate (in %)
40-48
42
0
0
49
14
1
7,1
50
15
1
6,7
51
15
5
33,3
52
8
1
12,5
1
6
0
0
2
18
5
27,8
3
46
19
41,3
4
93
29
31,2
5
145
60
41,4
6
156
71
45,5
7
131
69
52,7
8
116
38
32,8
9
136
56
41,2
10
117
41
35,0
11
103
42
40,8
12
59
12
20,3
13
64
11
17,2
14
28
6
21,4
15
17
0
0
16
19
1
5,3
17
10
0
0
Summe
1.358
468
34,5
Tabelle 2: Altersaufgliederung der Patienten mit Influenza-
virus-Nachweis (mittels PCR)
Altersgruppen
Sachsen
0 - < 1
15 = 3,2 %
1 - < 7
108 = 23,0 %
7 - < 17
107 = 22,9 %
17 - > 60
159 = 34,0 %
60
79 = 16,9 %
Gesamt
468
0
50
100
150
200
40-48
49
50
51
52
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
Anzahl
2014
Kalenderwoche
2015
Probeneinsendungen
darunter Nachweise

│5
Mit insgesamt 1.358 Einsendungen (davon 468 mit positivem
Ergebnis) während des Sentinelzeitraumes (40. KW 2014 –
17. KW 2015) wurde in den LUA-Laboratorien verglichen mit
der Vorjahressaison, die durch eine ausgesprochen moderate
In-
fluenzawelle auffiel, mehr als das Vierfache der damaligen
Pro-
benanzahl untersucht. Die Positivrate, das heißt der Prozentsatz,
der den Anteil der Sentinelproben darstellt, in denen
Influenza-
viren nachgewiesen wurden, betrug 34,5 % und war somit auch
gegenüber der Vorsaison annähernd 4fach erhöht. Die Anzahl
der Nachweise war mit 468 Positiven sogar 16-mal höher als
2013 /2014.
Tabelle 3 liefert einen Überblick über die Sentinel-Erhebungen
seit 1999 hinsichtlich Anzahl der Probeneinsendungen und
Nachweise, der Positivraten sowie der Influenzavirus-Typen und
-Subtypen.
0
5
10
15
20
25
30
35
0 < 1
1 - < 7
7 - < 17
17 - < 60
60 und älter
Prozent
Altersgruppe
Abbildung 2:
Influenzavirus-Nachweise (mittels PCR) nach Altersgruppen,
Sächsisches ARE-/Influenza-Sentinel 2014/2015
0
10
20
30
40
50
60
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
40.
41.
42.
43.
44.
45.
46.
47.
48.
49.
50.
51.
52./1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
Mittelwert
Erkrankungen
2014 Kalenderwoche 2015
Erkrankungen
gesamt
Mittelwert pro
meldende
Praxis/Einrichtung
Abbildung 4:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2014/2015
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
0
50
100
150
200
250
300
350
27.
29.
31.
33.
35.
37.
39.
41.
43.
45.
47.
49.
51.
1.
3.
5.
7.
9.
11.
13.
15.
17.
19.
21.
23.
25.
Influenzavirus-Nachweise
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
2014
Kalenderwoche
2015
Influenzavirus-Nachweise
Inzidenz 2014/2015
Normalgang
präepidemische Schwelle
epidemische Schwelle
Inzidenz 2013/2014
Abbildung 3:
ARE und Influenza in Beziehung zum Normalgang 27. KW 2014 – 26. KW 2015, Stadt Chemnitz

6 │
Tabelle 3: In der LUA Sachsen erhobene Influenzavirus-Nachweise, Saison 1999/2000 bis 2014/2015
Saison
Anzahl
Probeneinsen-
dungen
Anzahl
Nachweise
(Anzucht und/
oder PCR)
Positivrate
(%)
Anzahl
Proben
Nachweis
Infl. A
Anzahl
Subtyp
A(H1N1)
Anzahl
Subtyp
A(H1N2)
Anzahl
Subtyp
A(H3N2)
Anzahl
Proben
Nachweis
Infl. B
2014/2015
1.358
468
34,5
441
66
1)2)
-
363
2)
27
2013/2014
323
29
9,0
28
4
1)
-
24
1
2012/2013
1.785
895
50,1
692
399
1)
-
287
202
2011/2012
436
101
23,2
76
5
1)
-
69
25
2010/2011
1.267
524
41,4
310
309
1)
-
1
214
2009/2010
2.364
920
38,9
920
917
1)
-
-
-
2008/2009
2.296
826
36,0
679
8
-
369
149
2007/2008
1.629
449
27,6
190
188
-
2
259
2006/2007
2.088
733
35,1
732
16
-
290
1
2005/2006
1.183
181
15,3
48
11
-
36
133
2004/2005
4.310
1.922
44,6
1.192
110
-
194
748
2003/2004
1.628
482
29,6
482
-
-
482
-
2002/2003
3.588
1.195
33,3
1.088
1
1
1.086
110
2001/2002
1.239
411
33,2
174
-
3
171
241
2000/2001
1.379
401
29,1
397
396
-
1
4
1999/2000
1.854
411
22,2
411
-
-
411
-
1)
Subtyp A(H1N1)pdm09
2)
darunter 2 Doppelinfektionen A(H1N1)pdm09 und A(H3N2)
0
10
20
30
40
50
60
40
42
44
46
48
50
52
2
4
6
8
10
12
14
16
Mittelwert pro meldende Praxis/Einrichtung
2014
Woche
2015
2013/14
2014/15
Erwartungswert
moderat
Signalschwelle
Abbildung 5:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) in Sachsen 2013/2014 und 2014/2015, Mittelwert pro meldende Praxis/Einrichtung

 
│7
1.2 Sächsische Meldedaten nach dem
Infektionsschutz-
gesetz (IfSG)
Zusätzlich zu den in den Laboratorien der LUA Sachsen und im
Rahmen des ARE-/Influenza-Sentinels identifizierten
Influenza-
viren wurden im Verlauf der Saison natürlich auch in anderen
entsprechenden Einrichtungen Influenza-Erkrankungen
labordi-
agnostisch bestätigt, gemäß IfSG an die zuständigen
Gesund-
heitsämter gemeldet und von diesen an die LUA übermittelt.
Insgesamt wurden ab der 40. KW 2014 bis einschließlich der 17.
KW 2015 im Freistaat 12.594 Influenza-Erkrankungen
melde-
technisch erfasst.
Damit wurden in der Saison 2014/2015 die meisten Influen-
za-Fälle in einer Saison seit Einführung des Infektionsschutz-
gesetzes im Jahr 2001 registriert.
Zum Vergleich: in der Vorsaison 2013/2014 waren nur 375 Fälle
gemeldet worden. Die in der Saison 2014/2015 von den
säch-
sischen Gesundheitsämtern übermittelten Influenza-Nachweise
gliedern sich auf in 9.237 Influenza A- (davon wiederum 1.134 x
als Influenza A(H1N1)pdm09 und 262 x als Influenza A(H3N2)
diagnostiziert), 3.064 Influenza B- sowie 293 nicht typisierte
Influenzavirus-Nachweise (siehe Abbildung 6).
Verglichen mit vorherigen Influenza-Berichtsjahren erkrankten
in der Saison 2014/2015 wie schon in der vorherigen Saison
verhältnismäßig viele Personen im Erwachsenenalter: 60 % aller
gemeldeten Fälle betrafen Patienten, die älter als 19 Jahre
wa-
ren. Jeweils etwa ein Viertel aller gemeldeten Erkrankungsfälle
traten mit 23,6 % bei jungen Erwachsenen (20 bis 44 Jahre)
und Personen im Alter zwischen 45 und 64 Jahren (25,2 %) auf.
11,5 % aller Erkrankungen wurden bei über 64-Jährigen
regis-
triert.
Die unter den Kindern und Jugendlichen am meisten
betrof-
fenen Altersgruppen bildeten mit 12,8 % bzw. 13,0 % aller
insgesamt Erkrankten die 1-4-jährigen Kleinkinder sowie die
Vor- und Grundschüler (5-9 Jahre). In nur 1,2 % der Fälle waren
Säuglinge (< 1 Jahr) erkrankt (siehe Abbildung 7).
Die Verteilung der Erkrankungslast auf die verschiedenen
Al-
tersgruppen veränderte sich im Laufe der Influenza-Saison
2014/2015. Zu Beginn der Saison waren vor allem Klein- und
Schulkinder an Influenza erkrankt. Bis Ende Februar 2015 war
dann eine stetige Zunahme von Erkrankungsfällen bei
Erwach-
senen zu verzeichnen. Hier bestätigt sich die Erfahrung, dass die
Grippewelle vor allem über Kindereinrichtungen und Schulen in
die Bevölkerung getragen wird.
Dass laut Datenübermittlung der sächsischen Gesundheitsämter
in der Saison 2014/2015 nur knapp 5 % der an Influenza
Er-
krankten im Krankenhaus behandelt werden mussten, spiegelt
mit Sicherheit nicht die tatsächlichen Gegebenheiten wider. Der
Anteil der hospitalisierten Patienten hatte in den Vorsaisons
zwischen 9 und 14 % betragen. In der aktuellen Berichtssaison
ist von einer erheblichen Untererfassung und hohen
Dunkelzif-
fer an Hospitalisierten auszugehen. Auf Grund der extrem hohen
Zahl von Erkrankungsmeldungen konnten die Gesundheitsämter
keine Einzelfallermittlungen durchführen. Aus Abbildung 7 wird
jedoch ersichtlich, dass der Anteil der Patienten, bei denen eine
Krankenhausbehandlung notwendig war, erwartungsgemäß in
der Risikopopulation der Säuglinge und Senioren deutlich höher
war, als in den übrigen Altersgruppen.
Todesfälle:
Im Freistaat Sachsen verstarben in der Saison
2014/2015 insgesamt 16 Patienten nachweislich an Influenza.
Die Betroffenen (4 Frauen und 12 Männer) waren zwischen 33
und 95 Jahre alt und bis auf eine 90-Jährige ungeimpft. Einer
Influenza A (davon 6 x als A(H1N1)pdm09 subtypisiert) erlagen
13, einer Influenza B 3 Patienten. Zum Vergleich: in der
mode-
raten Vorsaison 2013/2014 war nur ein einziger Todesfall
über-
mittelt worden, während der epidemischen Influenza-Saison
2012/2013 kamen 22 letale Verläufe zur Meldung.
Erkrankungshäufungen:
In der Berichtssaison 2014/2015
wur-
den in Sachsen insgesamt 75 Influenza-Ausbruchsgeschehen
gemeldet. Es erkrankten jeweils zwischen 3 bis 44 Personen,
der Median lag bei 10 Personen. Zum Vergleich: in der
Vorsai-
son 2013/2014 wurde keine einzige Erkrankungshäufung
über-
mittelt, während in der Saison 2012/2013 über 30 Ausbrüche
berichtet worden war. In jedem Fall muss hier aber von einer
erheblichen Untererfassung und somit hohen Dunkelziffer
aus-
0
250
500
750
1000
1250
1500
1750
2000
40 42 44 46 48 50 52 2
4
6
8 10 12 14 16
Anzahl
2014
Meldewoche
2015
Influenza, nicht typisiert
Influenza B
Influenza A
Abbildung 6:
Influenza 2014/2015 in Sachsen, gemeldete Influenza-Nachweise

 
8 │
gegangen werden. Neun der 75 in der Saison 2014/2015
re-
gistrierten Influenza-Ausbrüche (12 %) traten in stationären
Einrichtungen auf. Der Anteil des erkrankten Personals an der
Gesamterkrankungszahl war mit durchschnittlich 18 %
bedau-
erlicherweise sehr hoch und ist ein Beleg für die ungenügende
Durchimmunisierung von medizinischem und Pflegepersonal.
1.3 Influenza-Saison 2014/2015 innerhalb Europas
Während der Influenza-Saison berichten das European Centre
for Disease Prevention and Control (ECDC) mit seinem
Influen-
zanetzwerk EISN und die WHO Region Europa wöchentlich in
einem gemeinsamen Bericht über die Influenza-Situation in
Eu-
ropa. Alle Länder melden ihre Daten über die
ECDC-Datenplatt-
form TESSy (The European Surveillance System). Die Ergebnisse
werden im Internet veröffentlicht.
In den ersten Wochen der Influenza-Saison befand sich die
In-
fluenza-Aktivität generell auf einem für die Jahreszeit üblichen,
niedrigen Niveau. Alle europäischen Länder berichteten über
eine geringe klinische Influenza-Aktivität (niedrigster Wert der
Aktivitätseinstufung).
Vereinzelt wurde sporadische (Aserbaidschan, Litauen, Polen,
Nordirland und Schottland) bzw. lokale geografische
Ausbrei-
tung (Finnland) registriert. Ein steigender Trend war zunächst
nur in Bulgarien und Nordirland zu verzeichnen.
Es zirkulierten Influenza A- neben Influenza B-Viren. Von den
subtypisierten Influenza A-Viren gehörte der überwiegende
An-
teil zum Subtyp A(H3N2).
Ab der 44. KW 2014 war eine leicht steigende Tendenz der
In-
fluenza-Aktivität zu beobachten, die zunächst in Rumänien und
Usbekistan auffiel. In der 46. KW berichteten acht –
hauptsäch-
lich in den östlichen Regionen gelegene – Länder Europas über
einen steigenden Trend. Weiterhin wurde die Influenza-Aktivität
aber generell noch als niedrig eingestuft, mit Ausnahme von
Malta, das bereits mittlere Influenza-Aktivität meldete.
In den folgenden Wochen berichteten zunehmend mehr Länder
über eine sporadische geografische Influenza-Ausbreitung.
Aserbaidschan registrierte ab der 48. KW 2014 als erstes
eu-
ropäisches Land mittlere Influenza-Aktivität. Eine regionale
Ausbreitung wurde in England sowie den Niederlanden in der
49. KW übermittelt.
Zum Jahresende wurde dann in Malta, den Niederlanden, der
Slowakei und England mittlere Influenza-Aktivität registriert.
Neun Länder (darunter auch im Westen gelegene wie
Frank-
reich, England, Wales, Spanien und die Niederlande) meldeten
einen steigenden Trend.
Von den in Europa ab der 40. bis zu 52. KW 2014
nachgewie-
senen Influenza-Infektionen waren 76 % durch Influenza A
und 24 % durch Influenza B verursacht. Unter den Influenza
A-Nachweisen dominierte der Subtyp A(H3N2) mit 73 % vor
dem Subtyp A(H1N1)pdm09 mit 14 % und nicht subtypisierten
Influenza A (13 %).
Mit dem Jahreswechsel begann die Influenza-Saison 2014/2015
in Europa. Albanien, Island, Malta, die Niederlande, Portugal,
Schweden, England und Schottland verzeichneten eine mittlere
Influenza-Aktivität und insgesamt 14 Länder berichteten über
einen steigenden Trend.
Die Anzahl der Länder, die eine Zunahme der Influenza-Aktivität
übermittelten, stieg in den ersten Wochen des Jahres 2015
kon-
tinuierlich an, insbesondere im Westen und Norden der WHO
Europa-Region. Für die 3. KW 2015 berichteten bereits 29
Län-
der über einen steigenden Trend, wobei aber weiterhin
überwie-
gend nur geringe Influenza-Aktivität registriert wurde.
In der 4. KW meldete dann mehr als die Hälfte aller
europäi-
schen Länder mittlere, Albanien, Belgien, Italien und Portugal
sogar bereits hohe Influenza-Aktivität.
In den folgenden Wochen breitete sich die Influenza weiter in
Europa aus, insbesondere in den west- und mitteleuropäischen
Ländern. Als erstes europäisches Land verzeichnete Luxemburg
in der 6. KW 2015 sehr hohe Influenza-Aktivität.
In der 8. KW 2015 registrierten 35 Länder mittlere oder hohe
Influenza-Aktivität.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
0 < 1
1 - 4
5 - 9
10 - 14 15 - 19 20 - 24 25 - 44 45 - 64 65 u.
älter
Hospitalisierungrsate (%)
Fallzahl
Alter
Fallzahl
Hospitalisierungsrate
Abbildung 7:
Influenza 2014/2015 in Sachsen, Altersverteilung (Meldedaten nach IfSG, 40. KW 2014 – 17. KW 2015)

 
│9
In vielen Ländern wurde jedoch bereits ein gleichbleibender
oder sinkender Trend beobachtet, mit Ausnahme von Dänemark,
Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden, Moldawien,
Russ-
land, Serbien, der Slowakei und der Ukraine, wo die ARE-Raten
ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hatten.
Die Influenza-Erkrankungen nahmen zunächst in West- und
Teilen Mitteleuropas ab, während die Werte in Nordeuropa
sta-
bil blieben und in Regionen Mitteleuropas und Osteuropa sogar
noch zunahmen.
In der 11. KW 2015 berichteten 28 Länder über eine mittlere
und nur Serbien über eine hohe Influenza-Aktivität, alle
ande-
ren Länder verzeichneten eine niedrige Aktivität. In den
meis-
ten europäischen Ländern war der Höhepunkt der
Grippewel-
le überschritten und es wurde ein sinkender Trend registriert.
Nur in Armenien, Georgien, Bulgarien und Serbien wurde ein
steigender Trend der ARE- bzw. Influenza-Aktivität beobachtet.
Generell breitete sich die Influenzawelle der Saison 2014/2015
(wie schon oft zuvor) vorherrschend vom Westen Europas nach
Osten hin aus.
Zum Saisonende (15. KW 2015) meldeten sechs Länder mittlere,
33 Länder niedrige Influenza-Aktivität. In 26 europäischen
Län-
dern wurde ein sinkender Trend beobachtet.
Während Influenza A-Viren zu Beginn der Saison dominierten,
wurden ab der 11. KW mehr Influenza B-Viren als Influenza A-
Viren detektiert.
In der gesamten Saison (40. KW 2014 - 15. KW 2015) wurden
europaweit in 68 % der Proben Influenza A- und in 32 %
Influ-
enza B-Viren nachgewiesen.
1.4 Influenzavirus-Nachweise bei Geimpften
(Sächsi-
sches ARE-/Influenza-Sentinel)
Zu 1.136 der insgesamt untersuchten 1.358 Einsendungen (83,7
%) liegen uns Angaben zum Impfstatus vor. Somit wurde bei
222 (16,3 %) der Untersuchten anlässlich der Probenahme
lei-
der kein Impfstatus erhoben. In der vorangehenden fünf Saisons
erfolgte bei zwischen 12,5 % bis maximal 28,5 % der
Proben-
einsendungen keine Influenza-Impfanamnese oder zumindest
keine Eintragung derselben auf dem Probenbegleitschein. Vom
Ziel einer lückenlosen Erfassung der Impfanamnese sind wir
weiterhin entfernt. Laut Impfanamnese aktuell gegen Influenza
geimpft waren insgesamt 183 (13,5 %) der Patienten, von denen
Proben bei uns eingegangen waren, 953 Probanden (70,2 %)
waren anamnestisch gegen Influenza ungeimpft.
Für die folgenden Berechnungen zu Erkrankung und Impfung
wird die Anzahl von 1.136 Probanden bzw. von 414 Positiv-
Nachweisen mit erhobenem aktuellen Impfstatus Influenza
be-
treffend (geimpft oder ungeimpft) zugrunde gelegt.
Trotz gesicherter Grippeimpfung erkrankten 73 Probanden
un-
seres Sentinels an Influenza.
Der Anteil geimpfter Personen an
allen mit Influenzavirus-Nachweis (= Influenza-Positive) be-
trug insgesamt 17,6 %
(Anteil Ungeimpfter: 82,4 %) und war
somit höher als in vergangenen Jahren (siehe Abbildung 8).
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften in der
Gesamtgrup-
pe der Influenza-Positiven lag insgesamt bei 1:4,7; d.h.
unter
den Erkrankten waren annähernd 5-mal so viele Ungeimpfte
wie Geimpfte.
Während für Geimpfte eine auf die Anzahl der
Probeneinsendungen (mit Impfstatus) bezogene
Erkrankungsra-
te von 6,4 % (Relation 73 positive Geimpfte / 1.136 Proben mit
bekanntem Impfstatus) ermittelt werden konnte, betrug diese
bei Ungeimpften insgesamt 30 % (Relation 341 positive
Unge-
impfte / 1.136 Proben mit bekanntem Impfstatus).
Auf Grund der hohen Probenanzahl und der Kozirkulation
drei-
er Influenzaviren bietet sich in der Saison 2014/2015 zudem
eine Betrachtung der Impfdurchbrüche nach den verschiedenen
Influenzavirus-Typen bzw. -Subtypen an.
Bei 390 von 441 nachweislich an Influenza A erkrankten
Pro-
banden war der Impfstatus bekannt. Sie gliedern sich auf in 69
Geimpfte und 321 Ungeimpfte. Demzufolge waren unter allen
Influenza A-Positiven, von denen der Impfstatus bekannt war,
17,7 % geimpft und 82,3 % ungeimpft. Eine weitere
Aufglie-
derung nach den Subtypen A(H1N1)pdm09 und A(H3N2) ergibt
folgendes Bild: Bei 58 der 66 Patienten mit A(H1N1)pdm09-
Nachweis wurde ein Impfstatus erhoben, 7 von diesen waren
geimpft (12,1 %) und 51 (87,9 %) nicht. Bei 321 der 363 an
Influenza A(H3N2)-Erkrankten lagen Angaben zum Impfstatus
vor. 60 (18,7 %) Personen waren geimpft, 261 (81,3 %)
hinge-
gen nicht.
Definitive Angaben zum Impfstatus erfolgten bei 24 der 27
In-
fluenza B-Positiven. In dieser Gruppe befanden sich 4 geimpfte
und 20 ungeimpfte Patienten. Also waren unter allen
Influen-
za B-Positiven mit bekanntem Impfstatus 16,7 % geimpft und
83,3 % nicht.
Die Relation von Geimpften zu Ungeimpften ergab bei den
In-
fluenza A-Positiven 1:4,6, bei den Influenza B-Positiven 1:5. Das
heißt, unter den an Influenza A-Erkrankten wie auch unter den
an Influenza B-Erkrankten waren annähernd bzw. exakt 5-mal
so viele Ungeimpfte wie Geimpfte. Allerdings unterscheiden
sich die beiden Influenza A-Subtypen deutlich: Das Verhältnis
von Geimpften zu Ungeimpften zeigte bei Influenza A(H1N1)
pdm09 die Relation von 1:7,3, das heißt unter den an Influenza
A(H1N1)pdm09-Erkrankten waren mehr als 7-mal so viele
Un-
geimpfte wie Geimpfte. Bezüglich Influenza A(H3N2) errechnete
sich eine Relation von nur 1:4,4. Dementsprechend befanden
sich in dieser Gruppe also nur gut 4-mal so viele Ungeimpfte
wie Geimpfte.
Die „Ungeimpftenrate“ (also die Erkrankungsrate der
Ungeimpf-
ten mit Influenzavirus-Nachweis abzüglich der Erkrankungsrate
der Geimpften mit Influenzavirus-Nachweis dividiert durch die
Erkrankungsrate der Ungeimpften mit Influenzavirus-Nachweis)
lag in dieser Saison insgesamt bei ca. 79 %. Bezüglich Influenza
A ergab sich eine Ungeimpftenrate von 78,5 %, für Influenza B
von 80 %. Auch hier divergieren die beiden A-Subtypen
erheb-
lich: für Influenza A(H1N1)pdm09 konnte eine Ungeimpftenrate
von 86 % erhoben werden, bei Influenza A(H3N2) gelang durch
die Schutzimpfung eine Verringerung der Erkrankungsrate um
13
7
11
1
6
18
9
8
18
87
93
89
99
94
82
91
92
82
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2006/07 2007/08 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15
Ungeimpfte
Geimpfte
Abbinldung 8: Relation geimpfter und ungeimpfter Personen mit Influenza-
virus-Nachweis (Saison 2006/2007 bis 2014/2015, Sächsisches
ARE-/Influenza-Sentinel)

 
10 │
immerhin 77 %.
Dir durchschnittliche
Ungeimpftenrate von 79 %
, die die
Ver-
ringerung der Erkrankungsrate bei Geimpften gegenüber
Unge-
impften darstellt, demonstriert auch in dieser Saison – wenn
auch weniger deutlich als in anderen Berichtsjahren – die
Schutzwirkung der saisonalen Grippeimpfung. Zum Vergleich:
in der Saison 2012/2013 errechnete sich eine Ungeimpftenrate
von 90 %, in den anderen Saisons lag diese zwischen 78 und
so-
gar 99 % (2009/2010). Vergleicht man die Ungeimpftenrate der
Saison 2014/2015 nach Virustypen so rangiert die
Schutzwir-
kung der Influenza A(H1N1)pdm09-Impfstoffkomponente mit
86 % deutlich vor Influenza B (80 %) und Influenza A(H3N2)
mit 77 %.
1.5 ARE-Normalgang und Verlauf, Beispiel Stadt
Chem-
nitz
Eine kontinuierliche Fortführung der Sentinelsysteme in
Sach-
sen ermöglicht auch in Zukunft fundierte Aussagen sowie die
Beurteilung der Entwicklungen über Jahre (z. B. zum Ausmaß
von Epidemien, zum zeitlichen Ablauf, zur regionalen
Ausbrei-
tung, zu den jeweiligen besonders betroffenen Altersgruppen
etc.).
Dies soll nachfolgend beispielhaft für die letzten 5 Jahre am
Beispiel der Stadt Chemnitz dargestellt werden (epid.
Schwel-
le = epidemische Schwelle). Abbildung 9 veranschaulicht
noch einmal deutlich den ausgeprägten Verlauf der Influenza-
Saison 2014/2015 im Vergleich vor allem zur Vorjahressaison
2013/2014.
Bearbeiter: Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
Annett Friedrich
Marion Undeutsch
0
50
100
150
200
250
300
350
27.
32.
37.
42.
47.
52/53.
5.
10.
15.
20.
25.
30.
35.
40.
45.
50.
3.
8.
13.
18.
23.
28.
33.
38.
43.
48.
1.
6.
11.
16.
21.
26.
31.
36.
41.
46.
51.
4.
9.
14.
19.
24.
29.
34.
39.
44.
49.
2.
7.
12.
17.
22.
Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
2010
2011
2012
Kalenderwoche/Jahr
2013
2014
2015
Normalgang
epid. Schwelle
Inzidenz
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
Abbildung 9:
ARE-Normalgang und Verlauf 2010 – 2015, Stadt Chemnitz (gesamt)

 
│11
2.1 Labordiagnostisches Vorgehen während des
Senti-
nel-Zeitraumes
Wie auch in den Vorjahren basiert die Labordiagnostik für das
Influenza-Sentinel auf einem Stufenprogramm. Zum Screening
der Patientenproben (Nasen-/Rachenabstrich oder
Rachenab-
strich) werden zwei PCR-Verfahren für den Genom-Nachweis
von Influenza A-Virus (einschließlich des Influenza A(H1N1)
pdm09-Virus) bzw. von Influenza B-Virus eingesetzt. Negative
Ergebnisse im Influenza-PCR-Screening schließen eine
Influen-
za-Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Ist das Ergebnis
des Influenza-PCR-Screenings positiv, schließen sich im
Rah-
men der Stufendiagnostik weitere Laboruntersuchungen an:
]
Alle Influenza A-Viren werden durch den Einsatz weiterer
PCR-Verfahren subtypisiert. Dabei kann der Subtyp A(H1N1)
pdm09 bestimmt sowie eine Unterscheidung zwischen den
Subtypen A(H3N2) und A(H1N1) auf der Basis der
Hämagglu-
tinin- und Neuraminidase-Gene vorgenommen werden.
]
Influenza A- bzw. B-positiv getestete Patientenproben
wer-
den für die Virusanzucht ausgewählt. Ziel ist es, das
Influen-
zavirus in der Zellkultur (MDCK-/ Madin Darby Canine
Kid-
ney-Zellen) erfolgreich anzuzüchten und in ausreichendem
Maße zu vermehren. Zum Nachweis der Virusvermehrung
dient ein Hämagglutinationstest (HAT).
In Abstimmung mit dem Nationalen Referenzzentrum
Influen-
za (NRZ Influenza) am Robert Koch-Institut in Berlin wird eine
definierte Auswahl von Influenzavirus-Isolaten zur
weiterfüh-
renden Diagnostik (intratypischen Differenzierung auf
Genome-
bene) an das NRZ Influenza gesendet.
2.2 Ergebnisse des Sentinels vom Oktober 2014 bis
April 2015
Im Vergleich zum vergangenen Influenza-Sentinel 2013/2014
war die Saison 2014/2015 bundesweit durch eine deutlich
stär-
kere Zirkulation von Influenzaviren gekennzeichnet, was sich in
den Einsendezahlen und Virusnachweisen entsprechend
nieder-
schlug.
Im Sentinel-Zeitraum von Oktober 2014 bis April 2015 wurden
an der LUA insgesamt 1.358 Patientenproben (Nasen- und
Ra-
chenabstriche bzw. Rachenabstriche) auf das Vorhandensein
von Influenzaviren untersucht. Damit lag die Gesamtzahl der
untersuchten Patientenproben gegenüber der vergangenen
Sai-
son 2013/2014 (323) bei ca. dem Vierfachen, im Vergleich zur
Saison 2012/2013 (1.785) um ca. ein Drittel darunter.
Die Verteilung der Probenzahlen auf die einsendenden
Einrich-
tungen (Sentinel-Arztpraxen, Krankenhäuser,
Gesundheitsäm-
ter) ist in Tabelle 1, die Verteilung nach territorialen
Gesichts-
punkten in Tabelle 2 dargestellt.
In 468 Sentinel-Proben konnten Influenzaviren im
PCR-Scree-
ning nachgewiesen werden. Das entspricht einer Positivrate von
34,5 %. Darunter waren zwei Doppelinfektionen von Influenza
A(H3N2)- und Influenza A(H1N1)pdm09-Viren zu beobachten,
woraus sich insgesamt 470 Influenzavirus-Genomnachweise
ergaben.
Tabelle 1: Probeneinsender, Probenzahl, positive Proben
und Positivrate nach PCR-Diagnostik
Einsender
Anzahl der
Proben
Anzahl der PCR-
positiven Genom-
nachweise
Positivrate [%]
Sentinel-Arztpraxen
692
295*
42,6
Krankenhäuser
599
160
26,7
Gesundheitsämter/
Institute
67
15*
22,4
Gesamt
1.358
470
34,6
* Doppelinfektion
Tabelle 2: Aufschlüsselung der Probeneinsendungen und
der positiven Influenzavirus-Genomnachweise
nach territorialen Gesichtspunkten
Kreis
Anzahl der
Einsender
Anzahl der
Einsendungen
Anzahl positiver
Influenzavirus-
Genomnach-
weise
Region Chemnitz (5 Kreise)
Chemnitz/Stadt
15
131
45
Erzgebirgskreis
16
361
108
Mittelsachsen
6
136
42
Vogtlandkreis
2
17
4
Zwickau
7
15
5
Gesamt
46
660
204
Region Dresden (5 Kreise)
Bautzen
12
177
78
Dresden/Stadt
1
2
2
Görlitz
2
17
2
Meißen
6
57
32
Sächsische
Schweiz-Osterz-
gebirge*
10
145
60
Gesamt
31
398
174
Region Leipzig (3 Kreise)
Leipzig/Stadt*
10
90
43
Leipzig
7
208
49
Nordsachsen
1
2
0
Gesamt
18
300
92
Gesamtsumme
95
1.358
470
* Doppelinfektion
2 Auswertung des Influenza-Sentinels 2014/2015
im Freistaat Sachsen, mikrobiologischer Teil

12 │
40.
KW
41.
KW
42.
KW
43.
KW
44.
KW
45.
KW
46.
KW
47.
KW
48.
KW
49.
KW
50.
KW
51.
KW
52.
KW
1.
KW
2.
KW
3.
KW
4.
KW
5.
KW
6.
KW
7.
KW
8.
KW
9.
KW
10.
KW
11.
KW
12.
KW
13.
KW
14.
KW
15.
KW
16.
KW
17.
KW
Infl. A
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
1
5
1
0
5 19 29 59 70 67 38 55 38 35 7
7
4
0
0
0
Infl. B0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
1
2
0
1
3
7
5
4
2
0
1
0
0
20
40
60
80
100
Anzahl
Infl. A
Infl. B
Abbildung 2:
Positive Genomnachweise von Influenza-Virus A (Infl. A) und B (Infl. B) pro Kalenderwoche
0
50
100
150
200
40/14
41/14
42/14
43/14
44/14
45/14
46/14
47/14
48/14
49/14
50/14
51/14
52/14
01/15
02/15
03/15
04/15
05/15
06/15
07/15
08/15
09/15
10/15
11/15
12/15
13/15
14/15
15/15
16/15
17/15
Anzahl der Proben
Kalenderwoche
Proben
PCR-Positive
Anzahl eingesendete Proben: 1.358
Anzahl PCR-Positive:
468
Abbildung 1:
Anzahl der Patientenproben und Zahl der positiven Influenzavirus-Genomnachweise (PCR-Positive) pro Kalenderwoche im Sentinel 2014/2015

│13
Die Influenza-Aktivität pro Kalenderwoche (KW) im Sentinel-
Zeitraum 2014/2015 zeigt Abbildung 1 durch grafische
Darstel-
lung der Anzahl der Patientenproben im Verhältnis zur Zahl der
positiven Influenzavirus-Genomnachweise (PCR-Positive).
Von Beginn der Saison in der 40. KW 2014 bis zur 2. KW 2015
blieben die wöchentlichen Einsendezahlen unter 20. Danach
stieg die Zahl der Sentinel-Proben pro KW deutlich an. Im
Zeit-
raum zwischen der 5. bis 11. KW 2015 blieben die
wöchentli-
chen Einsendezahlen auf einem hohen Niveau von jeweils über
100 Proben. Das Maximum lag mit 156 Einsendungen in der
6. KW 2015. In der letzten Sentinel-Woche (17. KW 2015)
ka-
men noch 10 Proben zur Untersuchung – ohne Nachweis von
Influenzaviren (Abbildung 1).
Die beiden Doppelinfektionen von Influenza A(H3N2)- und
In-
fluenza A(H1N1)pdm09-Viren waren in der 8. KW bzw. 11. KW
2015 zu verzeichnen.
Der erste PCR-Nachweis eines Influenzavirus (Influenza
A(H3N2)) gelang in der 49. KW 2014. Positive Influenzavirus-
Genomnachweise waren danach bis zur 16. KW 2015 zu
be-
obachten, wobei die Nachweisrate ab der 5. KW 2015 deutlich
anstieg.
Im Sentinel-Zeitraum mit über 100 Patientenproben pro Woche
(5.-11. KW 2015) waren auch die meisten Influenza-Nachweise
zu beobachten - mit einer durchschnittlichen Positivrate von ca.
41 %. In diesem Zeitraum zirkulierten die Virustypen Influenza
A(H3N2), A(H1N1)pdm09 und Influenza B gemeinsam
(Abbil-
dung 2).
In der gesamten Saison überwog mit 363 Nachweisen der
Sub-
typ Influenza A(H3N2)-Virus gegenüber Influenza A(H1N1)
pdm09-Virus mit 66 Nachweisen. Darin enthalten sind die zwei
Doppelinfektionen, die durch diese beiden Influenzavirus A-
Subtypen bedingt waren. Bei 14 Influenza A-positiven Proben
konnte der Subtyp A(H1N1)pdm09 ausgeschlossen werden, eine
weitere Subtypisierung auf PCR-Basis gelang dagegen nicht. In
insgesamt 27 Patientenproben wurden Influenza-B-Viren
nach-
gewiesen. Der erste Nachweis von Influenza-Virus B gelang in
der 5. KW 2015.
Abbildung 2 zeigt das Verhältnis der Genom-Nachweiszahlen
von Influenza-Virus A und Influenza-B-Virus in den einzelnen
Kalenderwochen der Saison 2014/2015.
364 (78 %) der 468 Influenzavirus-positiven Patientenproben
der Saison wurden zur Virusanzucht ausgewählt. In 83 Fällen
(23 %) verliefen die Anzuchtversuche erfolgreich. Es konnten
59 Influenza A- und 24 Influenza B-Virusstämme angezüchtet
werden. Von den 59 Influenza A-Isolaten zählten 32 zum Subtyp
A(H1N1)pdm09 und 27 zum Subtyp A(H3N2).
Während der Saison wurden insgesamt 69
Influenzavirus-Iso-
late (83 %) an das NRZ Influenza in Berlin für eine umfassende
Antigen- und/oder genetische Analyse gesendet. Zur Auswahl
gehörten 30 Isolate vom Subtyp Influenza A (H1N1)pdm09, 23
vom Subtyp Influenza A(H3N2) und 16 Influenza
B-Virusstäm-
me.
In den Abbildungen 3 und 4 sind die Verteilungen der
Influ-
enzavirus-Typen/-Subtypen an der Gesamtzahl der
Influenza-
virus-Nachweise pro Jahrgang (Abbildung 3) bzw. pro Virustyp
(Abbildung 4) ab Sentinel-Zeitraum 2005/2006 bis 2014/2015
dargestellt.
Zusammenfassung der Ergebnisse:
Anzahl
Anteil an allen
Nach-
weisen
Anzahl eingesandter Proben innerhalb des Sentinel-Zeitraumes:
1.358
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der PCR:
(s. Abb. 1)
468
34,5 %
Anzahl der Influenzavirus-Nachweise:
470*
Anzahl der positiven PCR-Ergebnisse je Typ/Subtyp:
(s. Abb. 2)
davon:
Influenza A:
443*
94,3 %
Anteil Nachweise an
Influenza A
Influenza A(H3N2)
363*
77,2 %
81,9 %
Influenza A(H1N1)pdm09
66*
14,0 %
14,9 %
nicht typisierbar
(nicht A(H1N1)pdm09)
14
3,0 %
3,2 %
davon:
Influenza B
27
5,7 %
Anzahl der Virus-Anzuchtversuche im Sentinel-Zeitraum:
364
Anzahl der Proben mit einem
positiven Ergebnis in der Virusanzucht:
83
23 %
davon:
Influenza A-Virus:
59
71,1 %
Anteil Nachweise an
Influenza A
Influenza A(H1N1)pdm09
32
38,6 %
54,2 %
Influenza A(H3N2)
27
32,5 %
45,8 %
davon:
Influenza B-Virus:
24
28,9 %
Anteil Nachweise an
Influenza B
Yamagata-Linie
24
28,9 %
100,0 %
Viktoria-Linie
0
0 %
0 %
*
zwei Doppelinfektionen

14 │
Bearbeiter: Dr. med. Ingrid Ehrhard
Dipl.-Biol. Ursula Reif
Abbildung 3:
Anteil der Typen/Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirus-Nachweise in %, beginnend mit der Saison 2005/2006 pro Jahrgang
6,1
5,2
41,9
1,7
99,7
59,0
5,0
44,6
13,8
14,0
20,4
94,7
0,4
80,3
0,2
68,3
32,1
82,8
77,2
73,5
0,1
57,7
18,0
40,8
24,8
22,6
3,4
5,7
0,0
20,0
40,0
60,0
80,0
100,0
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
Prozent
Jahre
A (H1N1)pdm09
* 0,3 % Influenza A nicht typisierbar / ** 1,98 % Influenza A nicht typisierbar / *** 0,78 % Influenza A nicht typisierbar / ****3,0 % Influenza A nicht typisierbar
A (H1N1)
A (H3N2)
B
A (H1N1)pdm09
* 0,3 % Influenza A nicht typisierbar / ** 1,98 % Influenza A nicht typisierbar / *** 0,78 % Influenza A nicht typisierbar / ****3,0 % Influenza A nicht typisierbar
A (H1N1)
A (H3N2)
B
****
***
**
*
6,1
5,2
41,9
1,7
99,7
59,0
5,0
44,6
13,8
14,0
20,4
94,7
0,4
80,3
0,2
68,3
32,1
82,8
77,2
73,5
0,1
57,7
18,0
40,8
24,8
22,6
3,4
5,7
0,0
20,0
40,0
60,0
80,0
100,0
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
2005/06
2006/07
2007/08
2008/09
2009/10
2010/11
2011/12
2012/13
2013/14
2014/15
Prozent
Jahre
A(H1N1)pdm09
B
A (H3N2)
A (H1N1)
Abbildung 4:
Anteil der Typen/Subtypen an der Gesamtzahl der Influenzavirus-Nachweise in %, beginnend mit der Saison 2005/2006 pro Virustyp

 
│15
Nach Auswertung aller molekularbiologischen, virologischen
und serologischen Befunde im Rahmen der weltweiten
Surveil-
lance in der Influenzasaison 2014/2015 wurde von der WHO für
die Nordhalbkugel im kommenden Winter (Saison 2015/2016)
die folgende Impfstoffzusammensetzung empfohlen:
]
A/California/7/2009 (H1N1)pdm09-like virus
]
A/Switzerland/9715293/2013 (H3N2)-like virus
]
B/Phuket/3073/2013-like virus
Die Zusammensetzung des Influenza-Impfstoffes für die
nächs-
te Saison unterscheidet sich somit von der des bei uns in der
Saison 2014/2015 verwendeten Impfstoffes in der A(H3N2)-
sowie der B-Komponente. Seit 2001/2002 ist eine
Kozirkula-
tion der beiden Influenza B-Linien Victoria und Yamagata zu
beobachten. In Konsequenz dieser Situation hat die WHO neben
den trivalenten erstmals (seit Sommer 2013 auf der
Südhalbku-
gel und Winter 2013/2014 auf der Nordhalbkugel) auch
qua-
drivalente Influenza-Impfstoffe empfohlen, die neben
Antige-
nen der beiden Influenza A-Virus-Subtypen (H3N2 und (H1N1)
pdm09) auch Antigene von Influenza B-Virusstämmen beider
Linien (Victoria und Yamagata) enthalten. Als Vertreter der B-
Victoria-Linie wurde durch die WHO wie bereits in den Saisons
2013/2014 und 2014/2015
]
B/Brisbane/60/2008-like virus
ausgewählt. Hierdurch kann eine bessere Wirksamkeit der
Imp-
fung bezüglich Influenza B erzielt werden.
Mindestens ein quadrivalenter Influenza-Impfstoff wird (wie
bereits in den Vorjahren) auch in der kommenden Saison
2015/2016 in Deutschland verfügbar sein.
Bearbeiter: Dr. med. Sophie-Susann Merbecks
3 Influenza-Impfstoff für die Saison 2015/2016
Schlussendlich sei auch in diesem Jahr allen an den
verschie-
denen Sentinelsystemen beteiligten Arztpraxen,
Gesundheits-
ämtern, Krankenhäusern und sonstigen Einrichtungen für die
engagierte Mitarbeit, ohne die eine aussagefähige
epidemiolo-
gische Analyse nicht möglich wäre, herzlich gedankt. Im Sinne
der Qualität unseres Sentinels möchten wir Sie für die nächste
Saison wiederum um eine lückenlose Datenerhebung, also das
unbedingt notwendige komplette Ausfüllen der
Probenbegleit-
scheine, bitten. Bitte bedenken Sie, dass es sich beim Sentinel
nicht um Routinediagnostik, sondern um ein
Surveillance-Pro-
gramm des Öffentlichen Gesundheitsdienstes des Freistaates
Sachsen handelt. Äußerst wichtig für die Bewertung der
Wirk-
samkeit der Influenza-Impfung ist insbesondere die lückenlose
Erfassung der Impfanamnese! Sie können damit wesentlich zur
wissenschaftlichen Aussagekraft unseres Sentinels beitragen.
Wir freuen uns auf eine weiterhin effektive Zusammenarbeit in
der kommenden Saison 2015/2016.
Bearbeiter: Alle am Influenza-Sentinel
beteiligten LUA-Mitarbeiter

16 │

Herausgeber:
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden
Redaktion:
Dr. med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1100
Redaktionskollegium:
Dr. med. Ingrid Ehrhard, LUA Sachsen, Standort Dresden, Tel. 0351/8144-1100
Dr. med. Sophie-Susann Merbecks, LUA Sachsen, Standort Chemnitz, Tel. 0351/8144-3200
Gestaltung und Satz:
SG IT, LUA Sachsen, Standort Dresden,
Jägerstr. 8/10, 01099 Dresden,
Tel.: 0351/8144 1712
Druck:
Druckerei & Verlag Christoph Hille, Boderitzer Straße 21e, 01217 Dresden, Tel: 0351/4712912
Redaktionsschluss:
30. Juli 2015
Bezug:
Dieses offizielles Mitteilungsblatt der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und
Veteri-
närwesen des Freistaates Sachsen wird über Verteilerliste versandt und kann kostenfrei im Internet
abgerufen werden:
www.lua.sachsen.de
und unter
www.publikationen.sachsen.de
Titelbild:
Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) und Influenzavirus-Nachweise (innerhalb des
Sentinel-
zeitraumes: 40. KW 2014 -17. KW 2015) in Beziehung zum Normalgang 27. KW 2014 - 26. KW 2015,
Stadt Chemnitz
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
0
50
100
150
200
250
300
350
27.
29.
31.
33.
35.
37.
39.
41.
43.
45.
47.
49.
51.
1.
3.
5.
7.
9.
11.
13.
15.
17.
19.
21.
23.
25.
Influenzavirus-Nachweise
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
2014
Kalenderwoche
2015
I
I
N
pr
e
I