VwV Biotopschutz
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Verwaltungsvorschrift
des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft
zum Vollzug des § 26 des Sächsischen Gesetzes über Naturschutz und
Landschaftspflege – Schutz bestimmter Biotope
(VwV Biotopschutz)
vom 27. November 2008
Zum Vollzug des Sächsischen Gesetzes über Naturschutz und Landschaftspflege (Sächsisches
Naturschutzgesetz – SächsNatSchG ) in der Fassung der Bekanntmachung vom 3. Juli 2007
(SächsGVBl. S. 321), zuletzt geändert durch Gesetz vom 18. August 2008 (SächsGVBl.
S. 543), erlässt das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft folgende
Verwaltungsvorschrift:
I.
Vorbemerkung zum gesetzlichen Biotopschutz
§ 26 SächsNatSchG schafft über den in § 30 des Gesetzes über Naturschutz und
Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG) vom 25. März 2002 (BGBl. I
S. 1193), das zuletzt durch Artikel 2 des Gesetzes vom 8. April 2008 (BGBl. I S. 686, 688)
geändert worden ist, enthaltenen Katalog hinaus einen gesetzlichen Biotopschutz für im
Freistaat Sachsen besonders charakteristische Biotope. Das betrifft die Biotoptypen magere
Frisch- und Bergwiesen, höhlenreiche Altholzinseln, höhlenreiche Einzelbäume,
Streuobstwiesen, Stollen früherer Bergwerke, Serpentenitfelsfluren sowie in der freien
Landschaft befindliche Steinrücken, Hohlwege und Trockenmauern. § 26 SächsNatSchG
regelt ferner weitere Einzelheiten des Biotopschutzes durch die Naturschutzbehörden,
insbesondere die Eintragung in Verzeichnisse und deren Bekanntmachung.
II.
Erläuterung der gesetzlichen Bestimmungen
1.
§ 26 Abs. 1 SächsNatSchG
Die Biotope des § 26 Abs. 1 SächsNatSchG sind unmittelbar kraft Gesetzes
geschützt, ohne dass es eines weiteren Umsetzungsaktes bedarf. Die in § 26 Abs. 6
SächsNatSchG genannten, von den unteren Naturschutzbehörden zu führenden
Verzeichnisse haben nur deklaratorischen Charakter. Sie konkretisieren die gesetzlich
geschützten Biotope, erhöhen die Transparenz für die Bürgerinnen und Bürger sowie
vereinfachen den Verwaltungsvollzug. Dem gesetzlichen Schutz unterliegen daher
auch die Biotope, die nicht oder noch nicht in den Verzeichnissen enthalten sind. Da
bestimmte Biotope einer hohen Eigendynamik unterliegen und im Laufe der Zeit
entstehen oder sich verändern können, kommt es allein auf den tatsächlichen Zustand
der Natur an. Die in § 26 Abs. 1 SächsNatSchG genannten Biotoptypen werden in
Abschnitt III dieser Verwaltungsvorschrift näher definiert.
2.
§ 26 Abs. 2 SächsNatSchG
In den geschützten Biotopen gilt ein umfassendes Veränderungsverbot. Verboten sind
alle Handlungen, die zu einer Zerstörung oder sonstigen erheblichen oder
nachhaltigen Beeinträchtigung der besonders geschützten Biotope führen können.

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Ausreichend ist danach die hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass die verbotene
Handlung zu einer Zerstörung oder erheblichen oder nachhaltigen Beeinträchtigung
führt. Das Veränderungsverbot nach § 26 Abs. 2 SächsNatSchG verpflichtet nicht zur
Vornahme bestimmter Handlungen, die über die bisherige Nutzung oder
Bewirtschaftung hinausgehen.
a)
Verbot der Änderung der bisherigen Nutzung oder Bewirtschaftung (§ 26
Abs. 2 Nr. 1 SächsNatSchG )
Gibt ein Eigentümer die Nutzung oder Bewirtschaftung auf, so soll er nicht
zur Fortsetzung der Maßnahmen verpflichtet werden. In § 41 Abs. 2 Satz 2
SächsNatSchG wurde jedoch die Möglichkeit geschaffen, dass die
Naturschutzbehörde zur Durchsetzung des Biotopschutzes Pflegemaßnahmen
auf den Grundstücken durchführt, die der Eigentümer unter bestimmten
Voraussetzungen zu dulden hat. Unter dieses Verbot der Veränderung der
Nutzung können zum Beispiel fallen:
Intensiv-Beweidung auf bisher extensiv genutztem Grünland, Aufforstung
von offenen Dünen, Entwässerung von Feuchtflächen. Nicht dem Verbot
unterfallen demgemäß regelmäßig:
aa)
Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen, die zur Erhaltung oder
Wiederherstellung der geschützten Biotope notwendig sind;
bb)
Bewirtschaftungsmaßnahmen der Forstbehörden in Waldbiotopen
nach § 24 Abs. 1 und 3 des Waldgesetzes für den Freistaat Sachsen (
SächsWaldG ) vom 10. April 1992 (SächsGVBl. S. 137), das zuletzt
durch Artikel 73 des Gesetzes vom 29. Januar 2008 (SächsGVBl.
S. 138, 188) geändert worden ist, in der jeweils geltenden Fassung,
zur Erhaltung und Schaffung ökologisch stabiler Wälder aus
standortgerechten Baumarten sowie natürlicher oder naturnaher
Biotope und Waldränder;
cc)
die Fortsetzung der land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen
Nutzung in der Art und in dem Umfang, wie sie bei Inkrafttreten des
SächsNatSchG ausgeübt wurde;
dd)
Bewirtschaftungsmaßnahmen im Rahmen der ordnungsgemäßen
Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, die den langfristigen Bestand
eines geschützten Biotops nicht beeinträchtigen.
b)
Verbot der Einbringung von Stoffen, die Beeinträchtigungen herbeiführen
können (§ 26 Abs. 2 Nr. 2 SächsNatSchG )
Hierunter können zum Beispiel fallen: Düngung von Magerrasen,
Biozidspritzungen. Zu weiteren Handlungen, die in dem jeweiligen Biotop
verboten sind, gibt die untere Naturschutzbehörde Hinweise. Im Verhältnis
zu bestehenden Rechtsverordnungen nach §§ 16 bis 22 SächsNatSchG
gewährleistet § 26 SächsNatSchG einen allgemeinen gesetzlichen Schutz der
dort genannten Biotope. Besondere Regelungen in Rechtsverordnungen und
Satzungen über geschützte Gebiete bleiben neben § 26 Abs. 1 SächsNatSchG
anwendbar.
c)
Beseitigung und Beeinträchtigung invasiver Arten
Für die Beseitigung oder Beeinträchtigung invasiver Arten gilt das Verbot
des § 26 Abs. 2 SächsNatSchG nicht. Bei der Regelung handelt es sich um
eine gesetzliche Klarstellung insbesondere im Hinblick auf die in § 26 Abs. 1
Nr. 2 und 3 SächsNatSchG genannten Biotoptypen. Es soll deutlich werden,
dass die Beseitigung von invasiven Arten insbesondere an Gewässern
zulässig ist. Das gilt jedoch dann nicht, wenn mit der Beseitigung der

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invasiven Arten auch das Biotop an sich zerstört oder erheblich beeinträchtigt
wird. Dies setzt eine Bewertung im Einzelfall voraus. Die Definition der
invasiven Art befindet sich in § 3 Abs. 2 Nr. 6 SächsNatSchG .
3.
§ 26 Abs. 3 SächsNatSchG
Das Klettern an Felsen und das Begehen von offenen natürlichen Block- und
Geröllhalden außerhalb von bestehenden Wegen können zu erheblichen oder
nachhaltigen Beeinträchtigungen der Biotope führen. Als gesetzliche Ausnahme von
den Verboten des § 26 Abs. 2 SächsNatSchG bleibt jedoch das Felsklettern an den
Klettergipfeln im Sächsischen Elbsandsteingebirge, im Zittauer Gebirge, im
Erzgebirge und im Steinicht in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang zulässig.
Art und Umfang der seither ausgeübten Felskletterei im Freistaat Sachsen bestimmen
sich nach den Sächsischen Kletterregeln, die zum Zeitpunkt des
Gesetzgebungsverfahrens und der Verabschiedung des Sächsischen
Naturschutzgesetzes galten, veröffentlicht in Band 6 des Kletterführers, Sportverlag
Berlin, Seite 44-57, Auflage 1991. In der Ausgabe bis 1990 sind die circa 1 100
anerkannten, von der gesetzlichen Ausnahme betroffenen Klettergipfel im Einzelnen
aufgeführt. Die gesetzliche Ausnahme gilt nicht für das Klettern an Massivwänden.
Als Massivwände werden Felswände bezeichnet, deren höchster Punkt ohne oder mit
sehr kurzer Kletterei erreichbar ist, durch deren Abbrüche aber Kletterwege
hindurchführen. Weiterhin gilt die gesetzliche Ausnahme nicht, soweit besondere
gesetzliche Vorschriften (§ 25 Abs. 1 Nr. 7 SächsNatSchG ), Festsetzungen in
Rechtsverordnungen (Schutzgebietsverordnungen nach §§ 16 bis 21 SächsNatSchG )
oder Einzelanordnungen (etwa nach § 25 Abs. 5 SächsNatSchG ) entgegenstehen.
4.
§ 26 Abs. 4 SächsNatSchG
Nach den beiden Tatbestandsalternativen des § 26 Abs. 4 Satz 1 können von dem
umfassenden Beeinträchtigungsverbot des § 26 Abs. 2 SächsNatSchG Ausnahmen
zugelassen werden. Darüber hinaus bestehen für weitere Tatbestände gesetzliche
Ausnahmen in § 26 Abs. 4 Satz 3, ohne dass eine Entscheidung im Einzelfall
notwendig ist.
a)
Rechtscharakter der Ausnahmetatbestände
§ 26 SächsNatSchG ist gegenüber der Eingriffsregelung (§ 8 ff.
SächsNatSchG ) die speziellere Vorschrift. Für die ausnahmsweise
Zulässigkeit einer gemäß § 26 Abs. 2 SächsNatSchG verbotenen
Veränderungshandlung sind deshalb immer die besonderen
Tatbestandsvoraussetzungen des § 26 Abs. 4 SächsNatSchG zu prüfen.
Soweit es sich um ein Biotop im Bereich eines durch Rechtsverordnung nach
§§ 16 bis 21 SächsNatSchG besonders geschützten Gebietes handelt, ist
zusätzlich eine Befreiung nach § 53 SächsNatSchG erforderlich. Diese ist
gleichzeitig mit der Ausnahmeentscheidung nach § 26 Abs. 4 SächsNatSchG
zu erteilen, wenn für beide Entscheidungen dieselbe Behörde zuständig ist.
Im Übrigen weist die Naturschutzbehörde bei der Erteilung der
Ausnahmeentscheidung darauf hin, dass zusätzlich eine Befreiung nach § 53
SächsNatSchG einzuholen ist. Ist das Verbot des § 26 Abs. 2 SächsNatSchG
deshalb nicht zu beachten, weil ein gesetzlicher Ausnahmetatbestand nach
§ 26 Abs. 4 Satz 3 SächsNatSchG vorliegt, greift zwar die spezielle
Biotopschutzvorschrift des § 26 SächsNatSchG nicht, andere
Schutzvorschriften des Naturschutzrechtes, beispielsweise
artenschutzrechtliche Vorschriften oder Schutzgebietsvorschriften, sind bei
Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen einzuhalten.
b)
Voraussetzungen der Ausnahmetatbestände im Einzelnen

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aa)
Nach der ersten Tatbestandsalternative in § 26 Abs. 4 Satz 1
SächsNatSchG können Ausnahmen nur zugelassen werden, wenn die
Beeinträchtigungen ausgeglichen werden können. Nach der
Neufassung des Naturschutzrechtes ist es für die Ausnahme nicht
mehr erforderlich, dass ein wichtiger Grund vorliegt. Ausgeglichen
ist eine Beeinträchtigung, wenn nach Beendigung der nach § 26
Abs. 2 SächsNatSchG verbotenen Veränderungshandlung im
konkreten Fall ein gleichartiger Biotop mit naturräumlichem Bezug
zum Ort der Beeinträchtigungshandlung entsteht. Unter einem
gleichartigen Biotop ist ein Biotop vom selben Biotoptyp zu
verstehen, der in den standörtlichen Gegebenheiten und der
Flächenausdehnung mit dem zerstörten oder beeinträchtigten Biotop
im Wesentlichen übereinstimmt. Ferner muss wahrscheinlich sein,
dass sich in absehbarer Zeit ein in seiner biologischen Funktion etwa
gleichwertiger Biotop entwickeln kann. Die untere
Naturschutzbehörde prüft unter Zugrundelegung der vom
Antragsteller beigebrachten Informationen, ob ein derartiger
Ausgleich möglich ist und welche Ausgleichsmaßnahmen hierfür
geeignet und erforderlich sind. Dabei ist nach den
Bewertungskriterien der Verordnung des Sächsischen
Staatsministeriums für Umwelt und Landesentwicklung über den
Ausgleich von Eingriffen in Natur und Landschaft (Naturschutz-
Ausgleichsverordnung – NatSchAVO ) vom 30. März 1995
(SächsGVBl. S. 148, 196), geändert durch Artikel 3 der Verordnung
vom 5. Dezember 2001 (SächsGVBl. S. 734, 735), in der jeweils
geltenden Fassung, zu verfahren.
bb)
Nach der zweiten Tatbestandsalternative in § 26 Abs. 4 Satz 1
SächsNatSchG müssen überwiegende Gründe des Gemeinwohls eine
Ausnahme erfordern. Es ist eine Abwägung in zwei Schritten
vorzunehmen. Zunächst ist zu prüfen, ob Gründe des Gemeinwohls
das Interesse an der Erhaltung des Biotops überwiegen. Der Begriff
„überwiegende Gründe des Gemeinwohls“ entspricht dem des § 53
Abs. 1 Nr. 2 SächsNatSchG . Überwiegende Gründe des
Gemeinwohls können unter anderem dann gegeben sein, wenn die
bauliche Entwicklung einer Gemeinde überhaupt oder nahezu nur
unter Eingriffen in nach § 26 Abs. 1 SächsNatSchG geschützte
Biotope möglich ist. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn in
einer Gemeinde auf dem unbebauten Gemeindegebiet in großem
Umfang nur noch Flächen vorhanden sind, die die
Tatbestandsmerkmale nach § 26 Abs. 1 SächsNatSchG erfüllen.
Dabei ist jedoch eine sorgfältige Prüfung der Erforderlichkeit
vorzunehmen (siehe unten). Außerdem ist die allgemeine Häufigkeit
und jeweilige Wertigkeit des betroffenen Biotoptypes besonders zu
berücksichtigen. Ein überwiegender Gemeinwohlbelang kann auch
die unter Beachtung der ökologischen Erkenntnisse durchgeführte
Flurneuordnung darstellen, mit der ein Ausgleich zwischen den
verschiedenen Interessen angestrebt wird. Nach §§ 37, 38 und 41 des
Flurbereinigungsgesetzes (FlurbG) in der Fassung der
Bekanntmachung vom 16. März 1976 (BGBl. I S. 546), das zuletzt
durch Artikel 22 des Gesetzes vom 20. Dezember 2007 (BGBl. I

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S. 3150, 3184) geändert worden ist, in der jeweils geltenden Fassung,
sind die Belange des Naturschutzes angemessen zu berücksichtigen.
In den Erläuterungen zum Wege- und Gewässerplan mit
landschaftspflegerischem Begleitplan ist für jeden Einzelfall zu
begründen, dass die Voraussetzungen des § 26 Abs. 4 SächsNatSchG
erfüllt sind, wenn ein Biotop beeinträchtigt oder zerstört werden soll.
cc)
In einem zweiten Schritt ist die Erforderlichkeit zu prüfen. Diese ist
nur gegeben, wenn eine Verwirklichung des Vorhabens nicht an
anderer Stelle als an der des Biotops möglich oder zumutbar ist. Bei
der Beurteilung der baulichen Entwicklung einer Gemeinde ist
jeweils zu prüfen, ob nicht an anderer Stelle des Gemeindegebiets
ungeschützte Flächen zur Verfügung stehen. Ergibt die Prüfung, dass
die Maßnahme nur am Ort des Biotops verwirklicht werden kann, so
sind Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen nach § 9 Abs. 2 und 3
SächsNatSchG zu veranlassen. In erster Linie sind
Ausgleichsmaßnahmen zu veranlassen. Dies sind solche, die mit
naturräumlichem Bezug zum Ort der nach § 26 Abs. 2
SächsNatSchG verbotenen Veränderungshandlung durchgeführt
werden und durch die ein funktionsbezogener Ausgleich erreicht
wird. Ausgleich in diesem Sinne bedeutet den Erhalt eines
gleichwertigen Naturpotentials im Sinne der Erhaltung von
Minimallebensräumen für die vom Eingriff beeinträchtigten
Populationen auf gleichen Biotoptypen mit möglichst gleichem
Vernetzungsgrad (siehe Buchstabe b Doppelbuchst. aa). Sind
derartige Ausgleichsmaßnahmen nicht möglich oder nicht zumutbar,
sind Ersatzmaßnahmen anzuordnen. Ersatzmaßnahmen sind solche,
die nicht am Ort der nach § 26 Abs. 2 SächsNatSchG
beeinträchtigenden Handlung zu einem Ausgleich führen oder mit
denen kein funktionsbezogener Ausgleich erreicht wird. Sie können
auf mehreren Flächen verteilt erfolgen und können nach Art und
Umfang verschiedenartig ausgestaltet sein.
dd)
In § 26 Abs. 4 Satz 3 SächsNatSchG sind gesetzliche
Ausnahmetatbestände enthalten, die, ohne dass es einer Zulassung
durch die Naturschutzbehörde bedarf, kraft Gesetzes gelten. Die
Privilegierung gilt einerseits für Fälle der freiwilligen
Bewirtschaftungsbeschränkung aus Gründen des Naturschutzes. Eine
Rückkehr zur ursprünglichen Bewirtschaftung soll innerhalb der
genannten Fristen möglich sein. Eine weitere Privilegierung gilt für
technische Anlagen der öffentlichen Wasserwirtschaft. Eine
Anordnung von Kompensationsmaßnahmen erfolgt in beiden Fällen
nicht. Die gesetzlichen Ausnahmen bestehen jedoch gegebenenfalls
vorbehaltlich der Verträglichkeit mit den Erhaltungszielen eines
Natura-2000-Gebietes.
5.
§ 26 Abs. 5 SächsNatSchG
Die Vorschrift dient der Genehmigungskonzentration bei der verfahrensführenden
Behörde, allerdings bleibt das Einvernehmen der Naturschutzbehörde erforderlich. In
Anlehnung an die Fristverkürzung im Rahmen der Eingriffsregelung soll bei der
Ausnahmeerteilung von Biotopschutzvorschriften eine Fristverkürzung möglich sein,
da im Rahmen von Eingriffen vielfach auch Biotope betroffen sind. Betroffen sind
hiervon vor allem Schadensbeseitigungsmaßnahmen nach Hochwasserereignissen.

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Aufgrund der Vielzahl der betroffenen Biotope ist eine Fristverkürzung nur bei
unverzüglichen Schadensbeseitigungsmaßnahmen aufgrund der mit der
Fristverkürzung einher gehenden Belastung für die Behörden angemessen.
6.
§ 26 Abs. 6 SächsNatSchG
a)
Führen der Verzeichnisse
Die unteren Naturschutzbehörden führen Verzeichnisse der ihnen bekannten
geschützten Biotope, die Listen und Karten umfassen. Sie können von
jedermann während der Dienststunden eingesehen werden und werden in
regelmäßigen Abständen veröffentlicht. Die Listen haben zumindest
folgenden Inhalt:
aa)
Flurstücksnummer,
bb)
Gemarkung,
cc)
Größe (m²),
dd)
Name und Anschrift des Eigentümers und – soweit bekannt – des
Pächters,
ee)
Biotoptyp entsprechend Abschnitt III,
ff)
Art der Pflegemaßnahmen,
gg)
Erhaltungszustand des Biotops,
hh)
Nummer der Biotopkartierung.
Das Recht zur Einsichtnahme umfasst nicht die in den Listen unter
Doppelbuchstabe dd und ff enthaltenen Angaben. In den der Öffentlichkeit
zugänglich gemachten Listen sind diese Angaben wegzulassen oder
unkenntlich zu machen (zum Beispiel durch Schwärzen). Die
Kartendarstellung erfolgt vorzugsweise digital oder in einer geeigneten
analogen Karte. Die parzellenscharfe Erfassung erfolgt auf der Grundlage
von Flurstückskarten oder Forstgrundkarten. Das Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie (LfULG) dokumentiert die in den
Verzeichnissen geführten geschützten Biotope, die ihm hierzu von den
unteren Naturschutzbehörden regelmäßig mitgeteilt werden. Das LfULG
übersendet den unteren Naturschutzbehörden die ausgewerteten Ergebnisse
von Biotopkartierungen. Die Wald-Biotop-Kartierung ist eine gesetzliche
Aufgabe der Forstbehörden und erfolgt auf der Grundlage des § 37 Abs. 1
Nr. 10 SächsWaldG . Sie wird vom Staatsbetrieb Sachsenforst im
Zusammenwirken mit dem LfULG erarbeitet und laufend fortgeschrieben.
Sie dient als Grundlage für die Aufnahme in die Verzeichnisse der
geschützten Biotope. Weitere Kartierungen können als Arbeitsgrundlage
verwendet und in die Verzeichnisse überführt werden, wenn diese vorher von
einer Fachbehörde oder unteren Naturschutzbehörde bewertet worden sind.
Ein Anspruch auf umfassende Kartierung der geschützten Biotope innerhalb
einer bestimmten Frist besteht nicht, wie sich aus dem Wortlaut des § 26
Abs. 5 Satz 1 SächsNatSchG ergibt. Danach sind nur über die „bekannten“
Biotope Verzeichnisse zu führen.
b)
Rechtscharakter der Eintragung in Verzeichnisse und der Bekanntmachung
Die von den unteren Naturschutzbehörden geführten Verzeichnisse in Form
von Listen und Karten haben als Folge des unmittelbaren Schutzes der
Biotope kraft Gesetzes nur deklaratorische Bedeutung. Wie in § 26 Abs. 1
SächsNatSchG ausdrücklich bestimmt ist, hängt der Schutz der Biotope nicht
davon ab, dass sie in den Verzeichnissen eingetragen sind. Die Eintragung ist
daher kein Verwaltungsakt und kann von den betroffenen
Grundstücksberechtigten nicht mit Widerspruch und Anfechtungsklage

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angefochten werden. Die Möglichkeit der Feststellungsklage bleibt
unberührt. Gegen nachfolgende Entscheidungen, die auf Eintragungen in den
Verzeichnissen beruhen, können hingegen die üblichen Rechtsmittel
eingelegt werden. Aus demselben Grund ist die schriftliche Information der
Gemeinden sowie der Grundstückseigentümer und sonstigen
Nutzungsberechtigten über die Biotopeigenschaft eine Auskunft und stellt
keinen Verwaltungsakt dar. Dies gilt auch für die Fälle, in denen ein
Grundstückseigentümer oder sonstiger Nutzungsberechtigter die Feststellung
der Biotopeigenschaft beantragt. In einem solchen Fall ist der Eigentümer
oder sonst Nutzungsberechtigte mit einfachem Schreiben über die auf seinem
Grundstück vorgefundenen Biotope, gegebenenfalls nach Einzelfeststellung,
im Übrigen auf der Grundlage der Verzeichnisse nach Buchstabe a zu
unterrichten. Ist ein geschützter Biotop im Sinne des § 26 Abs. 1
SächsNatSchG vorhanden, wird empfohlen, den Antragsteller mit der
Auskunft darüber gleichzeitig auf die Rechtsfolgen des § 26 Abs. 2
SächsNatSchG sowie darauf, dass Ausnahmen zugelassen werden können,
und die Voraussetzungen hierfür nach § 26 Abs. 4 SächsNatSchG
hinzuweisen. Das Schreiben muss den Hinweis enthalten, dass es sich
lediglich um eine Auskunft und nicht um eine verbindliche Feststellung
handelt.
c)
Information der Gemeinden und Grundstücksberechtigten
Die Biotopeigenschaft und die damit verbundenen Veränderungsverbote im
Sinne des § 26 Abs. 2 SächsNatSchG werden dem Grundstückseigentümer,
dem Nutzer, der Gemeinde und allen anderen sonstigen Betroffenen durch
einfaches Anschreiben mitgeteilt und bei mehr als fünf Betroffenen in der
Regel durch öffentliche Bekanntmachung bekannt gemacht, sofern es mehr
als fünf Betroffene gibt. Diese richtet sich nach den durch die
Bekanntmachungssatzung der Gemeinde festgelegten oder – in Ermangelung
derselben – nach den ortsüblichen Formen. Insoweit übliche Formen sind:
aa)
das Einrücken der Listenbeschreibung in das Amtsblatt der
betroffenen Gemeinde;
bb)
das Einrücken der Listenbeschreibung in eine bestimmte,
regelmäßig, mindestens einmal wöchentlich erscheinende Zeitung,
oder
cc)
sofern die betroffene Gemeinde weniger als 5 000 Einwohner hat,
der Anschlag an der Verkündungstafel des Rathauses und an den
sonstigen hierfür ortsüblich bestimmten Stellen während der Dauer
von mindestens einer Woche, wobei gleichzeitig durch das
Sächsische Amtsblatt, die Zeitung oder auf andere geeignete Weise
auf den Anschlag aufmerksam zu machen ist.
Die in den Biotopverzeichnissen enthaltenen Karten können dadurch bekannt
gemacht werden (Ersatzbekanntmachung), dass sie an einer bestimmten
Verwaltung der Gemeinde zur kostenlosen Einsicht durch jedermann
während der Dienststunden niedergelegt werden, hierauf im schriftlichen Teil
hingewiesen wird und im schriftlichen Teil der wesentliche Inhalt der
niedergelegten Teile umschrieben wird.
d)
Veröffentlichung der Verzeichnisse
Die regelmäßige Veröffentlichung der Verzeichnisse durch die unteren
Naturschutzbehörden gemäß § 26 Abs. 6 Satz 4 in Verbindung mit § 15
Abs. 4 Satz 3 SächsNatSchG kann in folgenden Formen erfolgen:

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aa)
den unter Buchstabe c dargelegten oder
bb)
durch Einrücken der Listen in einer bestimmten, mindestens einmal
wöchentlich kreisweit erscheinenden Zeitung, wobei in den
gemeindlichen Amtsblättern, Zeitungen, Anschlagtafeln oder auf
andere geeignete Weise mindestens eine Woche zuvor auf die
Veröffentlichung aufmerksam zu machen ist. Dabei soll ein Hinweis
erfolgen, dass die den Biotopverzeichnissen beigefügten Karten bei
der unteren Naturschutzbehörde zur kostenlosen Einsicht durch
jedermann während der Dienststunden ausliegen. Bei der
Veröffentlichung sind Name und Anschrift der Eigentümer und
sonstigen Grundstücksberechtigten sowie Angaben über die Art der
bisherigen Nutzung (siehe Buchstabe a Doppelbuchst. dd und ff)
wegzulassen. Die Veröffentlichung der Verzeichnisse ist bei
entscheidenden Veränderungen, mindestens jedoch alle drei Jahre,
vorzunehmen. Die untere Naturschutzbehörde ist grundsätzlich
zuständig für die Weitergabe der § 26-Kartierungen an berechtigte
Dritte. Für die Weitergabe an die Forstverwaltung, an Bundes- oder
EU-Behörden sowie für die Einspeisung in das
Umweltinformationssystem ist das LfULG zuständig. Damit diese
Aufgabe erfüllt werden kann, sind Kopien der erstellten
Verzeichnisse in digitaler Form zu übergeben. Die
datenschutzrechtlichen Vorschriften sind zu beachten. Die
Weitergabe von Informationen über Standorte stark gefährdeter oder
vom Aussterben bedrohter Arten an Dritte darf, soweit dies
zwingend erforderlich ist, nur in Abstimmung mit der Fachbehörde
erfolgen.
III.
Definitionen der einzelnen Biotoptypen
1.
Vorbemerkung
Biotop ist der Lebensraum einer Lebensgemeinschaft freilebender Tier- und
Pflanzenarten (Biozönose), deren Zusammensetzung aufgrund standörtlicher
Gegebenheiten und abiotischer Faktoren typisch und charakteristisch ist. Als
geschützte Biotope gelten nur solche Flächen, welche aufgrund der
Standortverhältnisse und langjährigen Nutzung beziehungsweise langjährigen
Sukzession bei Nutzungsaufgabe Gewähr für einen langfristig gesicherten Bestand
des Biotops bieten. Für Flächen, welche lediglich vorübergehend im Rahmen von
Fördermaßnahmen extensiv genutzt oder stillgelegt werden, gilt § 26 Abs. 4 Satz 3
SächsNatSchG . Für Flächen, auf denen rechtmäßig ein Kahlhieb vorgenommen
worden ist, steht § 26 SächsNatSchG einer nach § 20 SächsWaldG bestehenden
Verpflichtung zur Wiederaufforstung nicht entgegen.
a)
Die nach § 26 Abs. 1 SächsNatSchG geschützten Biotope werden anhand der
Standortverhältnisse, der Vegetation und sonstiger Eigenschaften definiert.
b)
Zur Verdeutlichung der Biotopdefinitionen sind in der Regel kennzeichnende
Arten aufgeführt. Die Nennung kennzeichnender Arten beschränkt sich auf
die wichtigsten Pflanzen- beziehungsweise Tierarten, die den Biotop
charakterisieren. Die Arten stehen als Beispiel für weitere nicht genannte
Pflanzen und Tiere innerhalb des Biotopgefüges. In einzelnen Fällen wird auf
eine Mindestgröße des Biotoptypes, der erfasst wird, hingewiesen.

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Abweichungen hiervon sind möglich und müssen immer im Zusammenhang
mit der Naturraumausstattung gesehen werden. Insbesondere bei Wiesen- und
Waldbiotopen begründet nicht das Vorkommen einer einzigen besonderen
typischen Art, sondern erst die Kombination von mehreren genannten Arten
das Vorliegen eines geschützten Biotops. Ein Bestand kann in der Regel aus
vegetationskundlicher Sicht einem bestimmten Biotoptyp zugeordnet werden,
wenn die Pflanzendecke zu einem erheblichen Anteil aus kennzeichnenden
Arten der Pflanzengesellschaften besteht; dabei ist nicht die Artenzahl,
sondern der Deckungsgrad entscheidend. Die bei der Definition der Biotope
beispielhaft genannten Vegetationseinheiten entsprechen in der Regel den in
der einschlägigen Fachliteratur beschriebenen Gesellschaften. Stehen mehrere
Bestände der geschützten Biotoptypen untereinander in direktem Kontakt,
sind sie unabhängig von ihrer Größe alle geschützt, wenn einer der Bestände
die typenspezifische Mindestgröße erreicht.
c)
Als naturnah werden Biotope bezeichnet, die ohne gezielte Veränderung des
Standortes oder ohne direkten menschlichen Einfluss entstanden sind, nicht
wesentlich vom Menschen verändert wurden und höchstens extensiv genutzt
werden, sowie künstlich geschaffene Biotope, die nach ihrer Entstehung einer
weitgehend natürlichen Entwicklung überlassen wurden und für den Standort
typische Pflanzen- und Tierarten aufweisen. Als naturnahe Wälder werden
Wälder bezeichnet, deren Baumschicht weitgehend aus standorttypischen
Baumarten besteht und die eine weitgehende Übereinstimmung von Standort,
Waldbestand und Bodenvegetation aufweisen.
2.
Definition der einzelnen Biotoptypen
Inhaltsübersicht nach Buchstabe a:
aa)
Moore
bb)
Sümpfe
cc)
Röhrichte
dd)
Seggen- und binsenreiche Nasswiesen
ee)
Bruchwälder
ff)
Moorwälder
gg)
Sumpfwälder
hh)
Auwälder
Inhaltsübersicht nach Buchstabe b:
aa)
Quellbereiche
bb)
Natürliche und naturnahe Bereiche fließender Binnengewässer einschließlich
ihrer Ufer und der dazugehörigen uferbegleitenden natürlichen und
naturnahen Vegetation und regelmäßig vom Gewässer überschwemmten
Bereiche
cc)
Altarme fließender Gewässer
dd)
Natürliche und naturnahe Bereiche stehender Binnengewässer einschließlich
ihrer Ufer und ihrer natürlichen und naturnahen Verlandungsbereiche
Inhaltsübersicht nach Buchstabe c:
aa)
Trocken- und Halbtrockenrasen
bb)
Magere Frisch- und Bergwiesen
cc)
Borstgrasrasen
dd)
Wacholder-, Ginster- und Zwergstrauchheiden
ee)
Schwermetallrasen
Inhaltsübersicht nach Buchstabe d:

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aa)
Gebüsche und naturnahe Wälder trockenwarmer Standorte einschließlich
ihrer Staudensäume
bb)
Höhlenreiche Altholzinseln und höhlenreiche Einzelbäume
cc
Schlucht-, Blockhalden- und Hangschuttwälder
Inhaltsübersicht nach Buchstabe e:
aa)
Offene Felsbildungen
bb)
Offene natürliche Block-, Schutt- und Geröllhalden
cc
Offene Binnendünen
dd)
Serpentinitfelsfluren
ee)
Löss- und Lehmwände
Inhaltsübersicht nach Buchstabe f:
aa)
Streuobstwiesen
bb)
Stollen früherer Bergwerke
cc)
Steinrücken
dd)
Hohlwege
ee)
Trockenmauern
a)
§ 26 Abs. 1 Nr. 1 SächsNatSchG
aa)
Moore
Moore sind vom Regen- oder vom Mineralbodenwasser abhängige,
natürliche oder naturnahe Lebensräume, überwiegend baumfrei oder
mit Moorwäldern bestockt und durch Torfböden (Moorböden)
charakterisierte Biotopkomplexe sowie Moorgewässer (Kolke,
Schlenken, nasse Torfstiche). Zu den Mooren gehören:
Hochmoore sind gekennzeichnet durch ausschließlich vom
Niederschlag bestimmte Wasser- und Nährstoffversorgung sowie
charakterisiert durch dichte Torfmoospolster (extreme
Nährstoffarmut der Standorte).
Zwischenmoore (Übergangsmoore) sind Übergangsstadien zwischen
Niedermooren und Hochmooren mit Pflanzenarten aus beiden
Biotoptypen.
Niedermoore (Flachmoore) sind Moore, deren Böden von Grund-,
Quell- oder Sickerwasser (Mineralbodenwasser) durchtränkt sind,
insbesondere Kleinseggen-Moore.
Zu den Mooren einschließlich der Moorwälder gehören auch
Moorkolke, regenerierende Torfstiche, Schwingrasen, Wollgras-,
Pfeifengras-, Zwergstrauch und moorbirkenreiche Degenerations-
und Regenerationsstadien sowie Weidengebüsche auf Torfböden
sowie Komplexe aus diesen Einheiten. Erfasst sind alle Biotope auf
Moorböden, die in der Regel im Komplex untereinander
vorkommen. Sie stehen oft in Kontakt zu anderen geschützten
Biotopen wie Bruchwälder, Kleinseggensümpfe, Röhrichte,
Nasswiesen und Quellbereiche. Nicht erfasst sind Flächen auf
standortfremden Aufforstungen, zum Beispiel isolierte kleinflächige
Moorgesellschaften in Gräben.
Kennzeichnende Arten der Moore sind:
Hoch- und Übergangsmoore:
Torfmoos-Arten (zum Beispiel Sphagnum rubellum, Sphagnum
magellanicum), Moosbeere (Vaccinium oxycoccus), Rauschbeere
(Vaccinium uliginosum), Scheiden-Wollgras (Eriophorum

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vaginatum), Rosmarinheide (Andromeda polifolia), Sonnentau-Arten
(Drosera spp.), Heidekraut (Calluna vulgaris), Moor-Bergkiefer
(Pinus rotundata), Birken (Betula spp.), Wasserschlauch-Arten
(Utricularia spp.), Schlamm-Segge (Carex limosa), Schnabelbinsen-
Arten (Rhynchospora alba et fusca);
Niedermoore:
Seggen-Arten (zum Beipsiel Carex nigra, Carex flava, Carex
echinata), Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris), Fadenbinse (Juncus
filiformis), Fettkraut (Pinguicula vulgaris), Schmalblättriges und
Breitblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium et latifolium),
Fieberklee (Menyanthes trifoliata), Sumpf-Blutauge (Comarum
palustre).
bb)
Sümpfe
Sümpfe sind überwiegend baumfreie, teils gebüschfreie, von
Sumpfpflanzen dominierte Lebensräume auf mineralischen bis
anmoorigen (torfigen) Nassböden, die durch Oberflächen-, Quell-
oder hochanstehendes Grundwasser geprägt sind und nicht oder nur
extensiv genutzt werden, insbesondere Kleinseggen-Sümpfe,
Großseggenriede, Schneiden- und Binsenriede, Waldsimsen-,
Schachtelhalm- und Hochstaudenvegetation, Weidensumpfgebüsche.
Kennzeichnende Arten der Sümpfe sind:
Schlank -Segge (Carex acuta), Sumpf-Segge (Carex acutiformis),
Steife Segge (Carex elata), Blasen-Segge (Carex vesicaria),
Schnabel-Segge (Carex rostrata), Spitzblütige Binse (Juncus
acutiflorus), Flatter-Binse (Juncus effusus), Knäuel-Binse (Juncus
conglomeratus), Fadenbinse (Juncus filiformis), Waldsimse (Scirpus
sylvaticus), Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre), Sumpf-
Reitgras (Calamogrostis canescens), Echtes Mädesüß (Filipendula
ulmaria), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre), Echter
Baldrian (Valeriana officinalis), Sumpf-Kratzdistel (Cirsium
palustre), Kohldistel (Cirsium oleraceum), Wald-Engelwurz
(Angelica sylvestris), Behaarter Kälberkropf (Chaerophyllum
hirsutum), Sumpf-Pippau (Crepis paludosa), Akeleiblättrige
Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium), Grau-Weide (Salix
cinerea), Ohr-Weide (Salix aurita) sowie Arten der Riede, der
Niedermoore oder der Quellbereiche.
cc)
Röhrichte
Röhrichte sind durch meist hochwüchsige und artenarme
Pflanzenbestände gekennzeichnete Biotope am Ufer und im
Verlandungsbereich stehender oder fließender Gewässer oder auf
mehr oder weniger nassen Standorten außerhalb von Gewässern.
Kennzeichnende Arten der Röhrichte sind:
Schilf (Phragmites australis), Schmalblättriger Rohrkolben (Typha
angustifolia), Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia), Rohr-
Glanzgras (Phalaris arundinacea), Schwaden-Arten (Glyceria
fluitans, Glyceria maxima), Seggen-Arten (Carex acuta, Carex
acutiformis, Carex disticha, Carex elata, Carex rostrata, Carex
riparia), Gewöhnliche Teichsimse (Schoenoplectus lacustris),
Kalmus (Acorus calamus), Teich-Schachtelhalm (Equisetum
fluviatile), Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus), Wasserfenchel

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(Oenanthe aquatica), Schwanenblume (Butomus umbellatus),
Wasserkresse (Rorippa amphibia), Blutweiderich (Lythrum
salicaria), Binsen-Schneide (Cladium mariscus), Pfeilkraut
(Sagittaria sagittifolia), Aufrechter Igelkolben (Sparganium erectum),
Gewöhnlicher Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica) sowie Arten
der Niedermoore und Sümpfe.
dd)
Seggen- und binsenreiche Nasswiesen
Seggen- und binsenreiche Nasswiesen sind extensiv genutzte
Pflanzenbestände auf nassen oder wechselnassen Moor-, Anmoor-
oder Gleyböden. Sie sind gekennzeichnet durch einen hohen Anteil
von Nässe anzeigenden Pflanzenarten mit einem hohen Anteil von
Seggen und Binsen (Carex und Juncus).
Erfasst sind auch staudenreiche Brachestadien von seggen- und
binsenreichen Nasswiesen sowie linienförmige Bestände an Bach-
und Flussufern. Nicht erfasst sind Flächen, die kleiner als 300 m²
oder zu mehr als 50 Prozent verbuscht sind, wenn sie nicht in engem
räumlichen Kontakt zueinander oder zu anderen geschützten
Biotopen liegen und forstwirtschaftlich genutzte Flächen, auf denen
ein Kahlhieb vorgenommen ist.
Kennzeichnende Arten der Nasswiesen sind:
Wiesen-Segge (Carex nigra), Schlank-Segge (Carex acuta), Sumpf-
Segge (Carex acutiformis), Hirsen-Segge (Carex panicea), Flatter-
Binse (Juncus effusus), Knäuel-Binse (Juncus conglomeratus),
Spitzblütige Binse (Juncus acutiflorus), Faden-Binse (Juncus
filiformis), Wald-Binse (Scirpus sylvaticus), Sumpf-Schachtelhalm
(Equisetum palustre), Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi),
Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria), Rasen-Schmiele
(Deschampsia cespitosa), Großer Wiesenknopf (Sanguisorba
officinalis), Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Sumpf-
Kratzdistel(Cirsium palustre), Sumpf-Schafgarbe (Achillea
ptarmica), Sumpf-Hornklee (Lotus pedunculatus), Wolliges
Honiggras (Holcus lanatus), Breitblättriges Knabenkraut
(Dactylorhiza majalis), Sumpfdotterblume (Caltha palustris),
Wiesen-Knöterich (Bistorta officinalis), Kohldistel (Cirsium
oleraceum), Sumpf-Pippau (Crepis paludosa), Sumpf-
Vergißmeinnicht (Myosotis scorpioides agg.), Trollblume (Trollius
europaeus), Bach-Nelkenwurz (Geum rivale), Pfeifengras (Molinia
caerulea), Teufelsabbiss (Succisa pratensis), Gewöhnliche
Natternzunge (Ophioglossum vulgatum), Prachtnelke (Dianthus
superbus), Färber-Scharte (Serratula tinctoria), Lungen-Enzian
(Gentiana pneumonanthe), Wiesensilge (Silaum silaus), Sibirische
Schwertlilie (Iris sibirica), Brenndolde (Cnidium dubium),Weißes
Straußgras (Agrostis stolonifera agg.), Kriechendes Fingerkraut
(Potentilla reptans) sowie Arten der Niedermoore und Riede.
ee)
Bruchwälder
Bruchwälder sind naturnahe Wälder und Gebüsche auf nassen,
nährstoffreichen Moorböden mit ganzjährig hochanstehendem
Grundwasser. Zu den naturnahen Bruchwäldern gehören Erlen-
Bruchwälder, Birken-Bruchwälder und Weiden-Faulbaum-Gebüsche.
Kennzeichnende Arten der Bruchwälder sind:

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Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), Moor-Birke (Betula pubescens),
Seggen-Arten (Carex elongata, Carex acutiformis), Bittersüßer
Nachtschatten (Solanum dulcamara), Gelbe Schwertlilie (Iris
pseudacorus), Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus), Gewöhnlicher
Gelbweiderich (Lysimachia vulgaris), Weiden-Arten (Salix cinerea,
Salix aurita, Salix pentandra), Faulbaum (Frangula alnus), Sumpf-
Reitgras (Calamogrostis canescens), Sumpf-Haarstrang (Peucedanum
palustre), Sumpf-Labkraut (Galium palustre), Blut-Weiderich
(Lythrum salicaria), Schlangen-Wurz (Calla palustris), Torfmoos-
Arten (Sphagnum spp.).
ff)
Moorwälder
Moorwälder sind naturnahe Wälder auf nassen, nährstoffarmen
Moorstandorten. Dazu gehören Moorbirken-, Waldkiefern- und
Fichtenmoorwälder.
Kennzeichnende Arten der Moorwälder sind:
Moor-Birke (Betula pubescens), Karpaten-Birke (Betula pubescens
ssp. carpatica), Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), Gemeine Fichte
(Picea abies), Torfmoos-Arten (Sphagnum spp.) sowie Arten der
Hoch- und Zwischenmoore.
gg)
Sumpfwälder
Naturnahe Sumpfwälder sind Wälder und Gebüsche auf
Mineralboden mit hochanstehendem Grundwasser, die größere
Wasserschwankungen vertragen; in der Regel liegen sie außerhalb
der Überflutungsauen. Zu den Sumpfwäldern gehören die Erlen-
Eschenwälder, insbesondere die Traubenkirschen-Erlen-
Eschenwälder, nasse Eichen-Hainbuchenwälder, nasse Eichen-
Birkenwälder sowie weitere Wälder auf nassen sumpfigen
Mineralböden.
Kennzeichnende Arten der Sumpfwälder sind:
Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), Gewöhnliche Esche (Fraxinus
excelsior), Traubenkirsche (Prunus padus), Sumpf-Segge (Carex
acutiformis), Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria), Gelbe
Schwertlilie (Iris pseudacorus), Gewöhnlicher Gelbweiderich
(Lysimachia vulgaris), Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Wald-
Binse (Scirpus sylvaticus), Sumpf-Pippau (Crepis paludosa), Pfeifen-
Gras (Molinia coerulea), Rasenschmiele (Deschampsia cespistosa),
Echtes Springkraut (Impatiens noli-tangere), Bitteres Schaumkraut
(Cardamine amara), Wechselblättriges Milzkraut (Chrysosplenium
alternifolium), Quell-Sternmiere (Stellaria uliginosa) sowie Arten der
entsprechenden Waldtypen.
hh)
Auwälder
Auwälder sind naturnahe Wälder und Ufergebüsche in
Überflutungsbereichen von Bächen und Flüssen. Charakteristisch
sind die unterschiedlich lang andauernden periodischen
Überschwemmungen und die damit verbundene Ablagerung der im
Wasser mitgeführten Sedimente. In der Flussaue werden
unterschieden:
Weichholzauwälder und Uferweidengebüsche, die jährlich mehrmals
überflutet werden. Sie sind zudem gekennzeichnet durch laufende
Erosions- und Sedimentationsvorgänge in Abhängigkeit von

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Bodenbeschaffenheit, Höhenlage und Wasserregime im Bereich von
Flüssen/Bächen und Altarmen. Kennzeichnende Baumarten sind
Silberweide (Salix alba) und weitere Weidenarten der Weichholzaue.
Hartholzauwälder
Dieser Typus ist seltener bis sporadisch überflutet. Nur stärkere
Hochwasser erreichen diese Standorte.
Beherrschende Baumarten sind: Stieleiche (Quercus robur), Esche
(Fraxinus excelsior), Feld-Ulme (Ulmus minor), Flatter-Ulme
(Ulmus leavis). Nicht erfasst sind ein- und zweireihig gepflanzte
standortfremde Ufergehölze an ausgebauten Gewässern.
Kennzeichnende Arten der Auwälder sind:
Weichholzaue
Silber-Weide (Salix alba), Bruch-Weide (Salix fragilis), Korb-Weide
(Salix viminalis), Mandel-Weide (Salix triandra), Schwarzpappel
(Populus nigra), Rohrglanz-Gras (Phalaris arundinacea), Große
Brennnessel (Urtica dioica), Bittersüßer Nachtschatten (Solanum
dulcamara), Kletten-Labkraut (Galium aparine);
Hartholzauwälder
Stieleiche (Quercus robur), Esche (Fraxinus excelsior), Feld-Ulme
(Ulmus campestris), Flatter-Ulme (Ulmus laevis), Blutroter
Hartriegel (Cornus sanguinea), Schwarzer Holunder (Sambucus
nigra), Weißdorn-Arten (Crataegus spp.), Europäisches
Pfaffenhütchen (Euomymus europaeus), Gewöhnlicher Schneeball
(Viburnum opulus), Scharbockskraut (Ficaria verna),
Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Gelbes Windröschen
(Anemone ranunculoides), Wald-Goldstern (Gagea lutea),
Gundermann (Glechoma hederacea), Echter Nelkenwurz (Geum
urbanum), Waldziest (Stachys sylvatica).
Die Erlen-Eschen-Wälder bilden an kleinen Flüssen, Bächen und
Quellbereichen meist schmale Bestände mit den charakteristischen
Baumarten: Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), Gewöhnliche
Traubenkirsche (Prunus padus), Gewöhnliche Esche (Fraxinus
excelsior), Winkel-Segge (Carex remota), Wechselblättriges
Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium), Sumpf-Pippau (Crepis
paludosa), Wald-Sternmiere (Stellaria nemorum), Rauhaariger
Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum), Rasenschmiele
(Deschampsia cespitosa), Gewöhnliches Hexenkraut (Circea
lutetiana), Wald-Schachtelhalm (Equisetum sylvaticum).
b)
§ 26 Abs. 1 Nr. 2 SächsNatSchG
aa)
Quellbereiche
Quellbereiche sind natürliche, ständig oder zeitweise schüttende
Grundwasseraustritte aus der Erdoberfläche im Wald oder im
offenen Gelände. Quellbereiche umfassen Quellen einschließlich
deren typischen Umgebung. Die typische Umgebung der Quellen
umfasst je nach Quelltyp Quellflur, Quellbach, Quellwald,
Kleinseggensumpf, Nasswiese, Niedermoor oder Zwischenmoor
sowie nasse Staudenflur, die vom Quellwasser beeinflusst sind. Die
Quelle kann als Sturz-, Tümpel- oder Sickerquelle auftreten. In der
Regel sind eigentliche Quellfluren nur wenige Quadratmeter groß.
Erfasst sind alle natürlichen nicht gefassten Quellwasseraustritte

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einschließlich ihrer naturnah ausgebildeten Umgebung sowie an
gefassten Quellen alle naturnah ausgebildeten Quellbereiche.
Quellbäche sind auch als naturnahe und unverbaute Bachabschnitte
erfasst. Quellbereiche kommen oft in Verbindung mit anderen
geschützten Biotopen wie Bruchwäldern, Röhrichten, Mooren und
Nasswiesen vor.
Kennzeichnende Arten der Quellfluren sind:
Quellkraut (Montia fontana), Bitteres Schaumkraut (Cardamine
amara), Milzkraut-Arten (Chrysosplenium spp.), Quell-Sternmiere
(Stellaria uliginosa), Armleuchter-Algen (Characeae), Quellmoos-
Arten (Philonotis spp.).
bb)
Natürliche und naturnahe Bereiche fließender Binnengewässer
einschließlich ihrer Ufer und der dazugehörigen uferbegleitenden
natürlichen und naturnahen Vegetation und regelmäßig vom
Gewässer überschwemmten Bereiche.
In naturnahen Landschaften sind naturnahe und unverbaute Bäche
und Flüsse in Wälder und Wiesen ihrer Auen eingebunden. Ihr
Verlauf ist nicht oder nur unwesentlich künstlich verändert. Die
Ufervegetation kann aus Gehölz- oder Hochstaudensäumen und
Uferröhrichten bestehen. Naturnahe Fließgewässer sind
gekennzeichnet durch wechselnde, träge fließende oder stark
strömende Flussbereiche oder Wasserfälle, seichte oder tiefe Stellen
(Kolke) mit verschiedenartigen Sohlensubstraten, sowie Prallhänge
mit Uferabbrüchen und -rutschungen, Gleitufer mit Kies-, Sand-,
Schlick oder Felsbänken einschließlich der Ufervegetation. Langsam
fließende Gewässer zeigen häufig einen gewundenen,
mäandrierenden Verlauf. In träge fließenden Abschnitten kann es zu
Abschnürungen und Bildung von Altarmen und Altwassern, ähnlich
stehender Gewässer, kommen (siehe Buchstabe b Doppelbuchst. cc).
Die Pflanzendecke umfasst sowohl die Wasservegetation, die aus
charakteristischen Wasserpflanzengesellschaften, zum Beispiel
Unterwasservegetation und Schwimmblattgesellschaften bestehen
kann, wie auch typische Gesellschaften der Ufervegetation. Dazu
gehören zum Beispiel Zweizahngesellschaften und Röhrichte,
Nasswiesen und Hochstaudenfluren, Pestwurzfluren und
Gehölzsäume. Erfasst sind alle Fließgewässerabschnitte ab einer
Länge von 20 m, deren Sohle weitgehend naturbelassen geblieben ist
und ungestörten Kontakt zum Untergrund hat. Der Übergangsbereich
zwischen Wasser und Land ist in der Regel vielgestaltig. Technische
Ufersicherungen, welche die natürliche Fließgewässerdynamik und
den natürlichen Gewässerverlauf erheblich einschränken, existieren
nicht oder nur an wenigen Stellen. Eingeschlossen sind regelmäßig
überschwemmte und unverbaute beziehungsweise unversiegelte
Retentionsflächen an den Ufern und in den Auen von naturnahen
Fließgewässern oder Fließgewässerabschnitten. Erfasst sind nur
Vordeichbereiche oder Bereiche an nicht eingedeichten
Fließgewässern, bei denen Vegetation, Geländemerkmale oder
sonstige Merkmale auf eine in der Regel jährliche Überflutung
hinweisen. In trockenen Jahren kann die Überflutung ausbleiben.
Kennzeichnende Arten naturnaher und unverbauter Bach- und

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Flussabschnitte einschließlich der Ufervegetation sind:
Flutender Hahnenfuß (Ranunculus fluitans), Wasser-Hahnenfuß
(Ranunculus aquatilis), Kamm-Laichkraut (Potamogeton pectinatus),
Wasserstern-Arten (Callitriche spp.), Flutender Schwaden (Glyceria
fluitans), Igelkolben-Arten (Sparganium spp.), Pfeilkraut (Sagittaria
sagittifolia), Gelbe Teichrose (Nuphar lutea), Rohr-Glanzgras
(Phalaris arundinacea), Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria),
Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus), Zweizahn-Arten (Bidens
spp.), Weiden-Arten (Salix spp.) sowie Arten der Auwälder,
Bruchwälder, Röhrichte und Riede.
cc)
Altarme fließender Gewässer
Altarme fließender Gewässer einschließlich der naturnahen
Ufervegetation sind durch Abtrennung vom Fluss/Bach entstandene
Gewässer. Sie sind ehemalige, zumindest zeitweise wasserführende
Haupt- oder Nebenarme von Fließgewässern. Eine Verbindung der
Altarme zum Flussbett kann zumindest zeitweise vorhanden sein.
Durch die Nähe zu den Fließgewässern können die Altarme und
Uferbereiche zeitweise überflutet werden. Die Ufervegetation
entspricht im Wesentlichen den Verlandungsbereichen stehender
Gewässer und naturnaher Bach- und Flussabschnitte (siehe
Buchstabe b Doppelbuchst. bb und dd).
Kennzeichnende Pflanzengesellschaften sind Laichkraut- und
Schwimmkrautgesellschaften, sowie Röhrichte, Seggenriede und
Ufergehölze. Nicht erfasst sind Altarme, deren Ufer oder Sohle über
längere Strecken künstlich verändert wurde.
Kennzeichnende Arten der Altarme fließender Gewässer inklusive
der Ufervegetation sind:
Kleine Teichlinse (Lemna minor), Vielwurzlige Teichlinse (Lemna
polyrhiza), Bucklige Wasserlinse (Lemna trisulca), Laichkraut-Arten
(Potamogeton spp.), Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae),
Krebsschere (Stratiotes aloides), Kanadische Wasserpest (Elodea
canadensis), Wasserfeder (Hottonia palustris), Rauhes Hornblatt
(Ceratophyllum demersum), Weiße Seerose (Nymphaea alba).
dd)
Natürliche und naturnahe Bereiche stehender Binnengewässer
einschließlich ihrer Ufer und ihrer natürlichen und naturnahen
Verlandungsbereiche
Natürliche oder anthropogene (von Menschenhand geschaffene)
stehende Gewässer aller Trophiestufen (dystroph, oligotroph,
mesotroph und eutroph) mit naturnaher Wasser- und Ufervegetation.
Die naturnahe Uferzone wird insbesondere durch den Gewässertyp
bestimmt, die Wasservegetation durch den Nährstoffgehalt des
Gewässers. Oft handelt es sich um nährstoffreiche Gewässer mit gut
ausgebildeter Vegetation. Die Gewässer können ständig Wasser
führen und auch zeitweise trockenfallen. Eingeschlossen sind auch
Kleingewässer (unter 1 ha) und ephemere Gewässer mit
fragmentarisch ausgebildeter Ufer- und Wasservegetation,
insbesondere wenn sie Bedeutung als Laichgewässer für Amphibien
besitzen oder eine für ephemere Gewässer typische Fauna
(Blattfußkrebse, Libellen, Wasserkäfer) aufweisen.
Zu den natürlichen oder naturnahen stehenden Binnengewässern

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gehören Tümpel, Weiher sowie naturnahe Teiche und
Abbaugewässer.
Tümpel sind naturnahe, in der Regel abflusslose Kleingewässer mit
geringer Tiefe, oft nur wenige Quadratmeter groß, die zeitweise
trockenfallen können.
Weiher sind größere abflusslose Flachgewässer mit weniger als 2 m
Tiefe, deren Gewässerboden von Wasserpflanzen noch besiedelt
werden kann.
Naturnahe Teiche sind künstlich angelegte Stillgewässer mit
regulierbarem Wasserzu- und -ablauf, die eine gut ausgebildete
Verlandungsvegetation und Wasserpflanzenbestände, teilweise in
jährlich wechselnder Ausprägung, besitzen.
Naturnahe Abbaugewässer umfassen zum Beispiel ehemalige Kies-,
Sand-, Ton- und Lehmgruben sowie Steinbrüche.
Verlandungsbereiche stehender Gewässer (Seen, Teiche, Weiher,
sonstige Stillgewässer) sind die Bereiche der Stillgewässer mit ihren
Ufern, in denen durch Ablagerungen von Pflanzenteilen und
Schwebstoffen eine fortschreitende langsame Aufhöhung des
Gewässerbodens erfolgt. Durch diese natürlichen
Verlandungsprozesse entsteht eine zeitliche und räumliche Abfolge
bestimmter Pflanzengesellschaften in den Flachwasserzonen mit
Unterwasservegetation, Schwimmblattgesellschaften, Röhrichten und
Seggenbeständen bis hin zu Ufergehölzen. Sofern nicht das gesamte
Gewässer naturnah ist, sind unverbaute Uferabschnitte mit
naturnahen Verlandungsbereichen wasserwärts mit der gesamten
emersen und submersen Wasservegetation eingeschlossen. Erfasst
werden die Verlandungsbereiche der Seen, Teiche, Weiher und
sonstiger Stillgewässer auch dann, wenn die Vegetationsabfolge
unvollständig oder unterbrochen ist. Nicht erfasst sind technische
Gewässer (Talsperren, Wasserspeicher).
Kennzeichnende Arten der naturnahen stehenden Binnengewässer
sowie ihrer natürlichen und naturnahen Verlandungsbereiche sind:
Wasserlinsen (Spirodela polyrhiza, Wolffia arriza), Laichkraut-Arten
(Potamogeton spp.), Hornblatt-Arten (Ceratophyllum spp.),
Tausendblatt-Arten (Myriophyllum spp.), Wasser-Knöterich
(Persicaria amphibia), Artengruppe Wasserhahnenfuß (Ranunculus
aquatilis agg.), Strandling (Littorella uniflora), Teichfaden
(Zannichellia palustris), Gelbe Teichrose (Nuphar lutea), Weiße und
Glänzende Seerose (Nymphaea alba et candida), Kanadische
Wasserpest (Elodea canadensis), Wassernuss (Trapa natans),
Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), Wasserfeder (Hottonia
palustris), Wasserschlauch-Arten (Utricularia spp.), Wasserstern-
Arten (Callitriche spp.), Characeae, Froschkraut (Luronium natans),
Scheidenblütgras (Coleanthus subtilis), Kröten-Binse (Juncus
bufonius), Binsen-Arten (Juncus spp.), Zyperngras-Arten (Cyperus
spp.), Zweizahn- Arten (Bidens spp.) sowie Arten der
Verlandungsbereiche stehender Gewässer und Röhrichte (siehe
Buchstabe b Doppelbuchst. dd).
c)
§ 26 Abs. 1 Nr. 3 SächsNatSchG

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aa)
Trocken- und Halbtrockenrasen
Trocken- und Halbtrockenrasen sind naturbelassene oder extensiv
genutzte, oft lückige, von niederwüchsigen Gräsern und Kräutern
geprägte Magerrasen auf trockenwarmen, flachgründigen, oft
südexponierten Standorten, zum Beispiel auf Fels-, Löss- und
Sandböden. Natürliche Trockenrasen sind nur kleinflächig an
extremen Standorten zu finden, zum Beispiel an Steilhängen. Durch
extensive Mahd oder Beweidung und durch Rodung der Wälder sind
dagegen Grasfluren als extensiv genutzte Formationen großflächiger
Magerrasen entstanden. Es werden Sand- und Silikatmagerrasen und
Halbtrockenrasen unterschieden.
Sand- und Silikatmagerrasen kommen auf nährstoffarmen Sand- oder
flachgründigen Gesteinsverwitterungsböden vor. Dazu gehören die
Gesellschaften der Silbergrasfluren, Grasnelken-Trockenrasen oder
Schafschwingelrasen.
Halbtrockenrasen sind artenreiche, durch extensive Bewirtschaftung
(Weide, Mahd) geprägte Pflanzengesellschaften, zum Beispiel
Fiederzwenken-Halbtrockenrasen und Trespen-Halbtrockenrasen.
Erfasst sind Trocken- und Halbtrockenrasen sowie kleinere
Bestände, wenn sie in engem räumlichen Kontakt zueinander oder zu
anderen geschützten Biotopen stehen. Vegetationsfreie Felskomplexe
sind mit einzubeziehen. Verbuschte Bereiche sind als Trocken- und
Halbtrockenrasen einzuordnen, wenn mindestens 50 Prozent der
Fläche offen sind. Nicht erfasst sind schmale (unter circa 2 m Breite),
lineare Ausbildungen an Wegrändern, sofern sie nicht in engem
räumlichen Kontakt zueinander oder zu anderen geschützten
Biotopen stehen.
Kennzeichnende Arten der Trocken- und Halbtrockenrasen sind:
Silbergras (Corynephorus canescens), Frühlings-Spergel (Spergula
morisonii),Kleiner Vogelfuß (Ornithopus perpusillus), Seggen-Arten
(Carex spp.), Knabenkraut-Arten (Orchis spp.), Gemeine Grasnelke
(Armeria maritima), Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum),
Heide-Nelke (Dianthus deltoides), Feld-Beifuß (Artemisia
campestris), Schaf-Schwingel (Festuca ovina agg), Fieder-Zwenke
(Brachypodium pinnatum), Aufrechte Trespe (Bromus erectus),
Zierliches Schillergras (Koeleria macrantha), Fingerkraut-Arten
(Potentilla spp.), Wolfsmilch-Arten (Euphorbia spp.), Gewöhnliches
Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), Astlose Graslilie
(Anthericum liliago) sowie Arten der offenen Felsbildungen (siehe
Buchstabe e Doppelbuchst. aa), der offenen Binnendünen (siehe
Buchstabe e Doppelbuchst. cc), der Gebüsche trockenwarmer
Standorte und ihrer Staudensäume (siehe Buchstabe d
Doppelbuchst. aa).
bb)
Magere Frisch- und Bergwiesen
Frischwiesen und Bergwiesen sind extensiv durch Mahd oder
gelegentliche Abweidung geschützte Wiesen auf frischen Standorten.
Frischwiesen gehören vegetationskundlich zu den Glatthaferwiesen
und schließen Kammgraswiesen ein. Bezeichnend für diesen Typus
sind Pflanzenarten mit geringen Nährstoffansprüchen (sogenannte
„Magerkeitszeiger“). Die Übergänge zu den Halbtrockenrasen (siehe

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Buchstabe c Doppelbuchst. aa) oder Borstgrasrasen (siehe
Buchstabe c Doppelbuchst. cc) sind kennzeichnend.
Bergwiesen gehören zum Verband Goldhafer-Wiesen auf mäßig
trockenen bis mäßig feuchten Standorten in den Höhenlagen der
Mittelgebirge. Nicht erfasst sind stark gestörte und
nährstoffangereicherte Wiesentypen der Frischwiesen. Erfasst sind
Frisch- und Bergwiesen ab 300 m² Größe.
Kennzeichnende Arten der mageren Frisch- und Bergwiesen sind:
Frischwiesen
Glatthafer (Arrhenaterum elatius), Wiesen-Labkraut (Galium
mollugo agg.), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Wiesen-
Pippau (Crepis biennis), Pastinak (Pastinaca sativa), Wiesen-
Schwingel (Festuca pratensis), Weide-Kammgras (Cynosurus
cristatus), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia),
Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella), Gemeines Ruchgras
(Anthoxantum odoratum), Rotes Straußgras (Agrostis capillaris),
Rot-Schwingel (Festuca rubra agg), Wiesen-Margerite
(Leucanthemum vulgare agg), Rauher Löwenzahn (Leontodon
hispidus), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Gewöhnliches Zittergras
(Briza media), Mittlerer Wegerich (Plantago media), Borstgras
(Nardus stricta) sowie Arten der Halbtrockenrasen (siehe
Buchstabe c Doppelbuchst. aa) und Borstgrasrasen (siehe
Buchstabe c Doppelbuchst. cc).
Bergwiesen
Gewöhnlicher Goldhafer (Trisetum flavescens), Wald-
Storchschnabel (Geranium sylvaticum), Bärwurz (Meum
athamanticum), Perücken-Flockenblume (Centaurea pseudophrygia),
Verschiedenblättrige Kratzdistel (Cirsium heterophyllum),
Geflecktes Johanniskraut (Hypericium maculatum), Rot-Schwingel
(Festuca rubra agg), Berg-Rispengras (Poa chaixii), Wiesen-
Knöterichknöterich (Bistorta officinalis), Rauher Kälberkropf
(Chaerophyllum hirsutum), Trollblume (Trollius europaeus) sowie
Arten seggen- und binsenreicher Nasswiesen (siehe Buchstabe a
Doppelbuchst. dd) und Borstgrasrasen (siehe Buchstabe c
Doppelbuchst. cc).
cc)
Borstgrasrasen
Borstgrasrasen sind durch extensive Beweidung oder einschürige
Mahd entstandene ungedüngte, niederwüchsige gras- oder
zwergstrauchreiche Rasen auf sauren, trockenen bis staufeuchten
Böden.
Borstgrasrasen leiten oft über zu weiteren geschützten Biotopen und
stehen in komplexen Zusammenhang mit diesen. Nicht erfasst sind
schmale (unter circa 2 m Breite), lineare Ausbildungen an
Wegrändern, sofern sie nicht in engem räumlichen Kontakt
zueinander oder zu anderen geschützten Biotopen stehen.
Kennzeichnende Arten der Borstgrasrasen sind:
Borstgras (Nardus stricta), Arnika (Arnica montana), Gewöhnliches
Katzenpfötchen (Antennaria dioica), Blutwurz (Potentilla erecta),
Gewöhnliches Kreuzblümchen (Polygala vulgaris),, Pillen-Segge
(Carex pilulifera), Dreizahn (Danthonia decumbens), Heidekraut

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(Calluna vulgaris), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere
(Vaccinium vitis-idaea), Sparrige Binse (Juncus squarrosus), Wald-
Läusekraut (Pedicularis sylvatica), Echte Mondraute (Botrychium
lunaria) sowie Arten der Zwergstrauchheiden (siehe Buchstabe c
Doppelbuchst. dd) und Moore (siehe Buchstabe a Doppelbuchst. aa).
dd)
Wacholder-, Ginster- und Zwergstrauchheiden
Heiden stellen zum Teil natürliche, meist durch Beweidung, Plaggen,
Streunutzung oder sonstige menschliche Beeinflussung entstandene
Ersatzgesellschaften dar. Immergrüne Zwerg-, Ginster- oder
Wacholdersträucher, prägen die überwiegend bodensauren oder
oberflächlich versauerten Standorte. Erfasst sind Wacholderheiden
mit mindestens sechs Wacholdersträuchern auf einer Fläche von
mindestens 100 m² sowie Ginster- und Zwergstrauchheiden, auch
wenn sie gestört sind. Nicht erfasst sind von Ginster oder
Zwergsträuchern bestandene Schlagflächen (Kahlschlag) im
Wirtschaftswald sowie schmale (unter circa 2 m Breite), lineare
Ausbildungen an Wegrändern, sofern sie nicht in engem räumlichen
Kontakt zueinander oder zu anderen geschützten Biotopen stehen.
Kennzeichnende Arten der Wacholder-, Ginster- und
Zwergstrauchheiden sind:
Wacholder (Juniperus communis), Glockenheide (Erica tetralix),
Heidekraut (Calluna vulgaris), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus),
Preiselbeere (Vaccinium vitisidaea), Rauschbeere (Vaccinium
uliginosum), Schafschwingel (Festuca ovina agg.), Heideginster
(Genista pilosa), Färberginster (Genista tinctoria), Besenginster
(Sarothamnus scoparius), Deutscher Ginster (Genista germanica),
Borstgras (Nardus stricta), Pfeifengras (Molinia coerulea), Flechten-
und Moos-Arten sowie Arten der Magerrasen.
ee)
Schwermetallrasen
Schwermetallrasen sind oft lückige grasreiche Fluren auf älteren
Abraumhalden des Erzbergbaus mit schwermetallreichem (zum
Beispiel Blei, Zink, Arsen, Kupfer) Gestein. Auf den vergleichsweise
jungen, anthropogen bedingten Ausbildungen der
Schwermetallstandorte in Sachsen finden sich insbesondere
charakteristische schwermetallspezifische Flechtengesellschaften
(Acarosporetum sinopicae, Lecanoretum epanorae). Kennzeichnende
Arten der Schwermetallrasen sind:
Schwermetalltolerante Sippen von Armeria maritima, Silene
vulgaris, Thlaspi caerulescens und Cardaminopsis halleri sowie die
Flechten Acarospora sinopica, A. smaragdula, A. rugulosa, Lecidea
silacea, Lecanora subaurea, L. epanora, L. handelii, Rhizocarpon
oederi, R. ridescens, Stereocaulon spp., Tremoleica atrata.
d)
§ 26 Abs. 1 Nr. 4 SächsNatSchG
aa)
Gebüsche und naturnahe Wälder trockenwarmer Standorte
einschließlich ihrer Staudensäume
Gebüsche trockenwarmer Standorte sind meist sonnenexponierte
Gebüsche in Felsbereichen und anderen trockenen, flachgründigen,
steinig-felsigen Standorten sowie sonstige Trockenheit ertragende
Gebüsche an südexponierten Waldrändern oder in der Feldflur an
Standorten, an denen Frische oder Feuchtigkeit anzeigende

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Pflanzenarten weitgehend fehlen. Naturnahe Wälder trockenwarmer
Standorte sind Wälder auf flachgründigen, meist südexponierten
Steilhängen, Felsstandorten, Steinschutthängen oder Dünensanden.
Dazu gehören thermophile Eichen-Hainbuchenwälder und
Eichenmischwälder mit Trauben-, Stiel- und Flaumeiche, trockene
Eichen-Birkenwälder, Ahorn Lindenwälder und naturnahe
Kiefernwälder trockenwarmer Fels- und Sandstandorte.
Staudensäume von Gebüschen und naturnahen Wäldern
trockenwarmer Standorte sind Staudenfluren an sonnenexponierten,
trockenen Wald- oder Gebüschrändern mit Trockenheit ertragenden
und meist wärmebedürftigen Arten. Nicht erfasst sind ruderale
Verbuschungsstadien auf Siedlungsbrachen.
Kennzeichnende Arten der Gebüsche und naturnahen Wälder
trockenwarmer Standorte sind:
Trauben-Eiche (Quercus petraea) und Stiel-Eiche (Quercus robur),
Hainbuche (Carpinus betulus), Hänge-Birke (Betula pendula),
Sommer-Linde (Tilia platyphyllos), Berg-Ahorn (Acer
pseudoplatanus), Feld-Ahorn (Acer campestre), Wald-Kiefer (Pinus
sylvestris), Elsbeere (Sorbus torminalis), Weißdorn (Crateagus
monogyna), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Hasel (Corylus
avellana), Rosen-Arten (Rosa spp.), Schlehe (Prunus spinosa),
Liguster (Ligustrum vulgare), Kreuzdorn (Rhamnus catharticus),
Mispel (Mespilus germanica), Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia
cyparissias), Straußblütige Wucherblume (Chrysanthemum
corymbosum), Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), Fieder-
Zwenke (Brachypodium pinnatum), Schwarze Platterbse (Lathyrus
niger), Große Fetthenne (Sedum maximum), Wald-Labkraut (Galium
sylvaticum), Nickendes Leimkraut (Silene nutans), Dürrwurz (Inula
conyza), Astlose Graslilie (Anthericum liliago), Schaf-Schwingel
(Festuca ovina agg.), Bleiches Habichtskraut (Hieracium schmidtii),
Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia), Pechnelke
(Viscaria vulgaris), Schwarzwerdender Geißklee (Cytisus nigricans),
Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum), Rauhaariger Alant
(Inula hirta), Kleiner Odermennig (Agrimonia eupatoria), Sand-
Segge (Carex arenaria agg.).
bb)
Höhlenreiche Altholzinseln und höhlenreiche Einzelbäume
Höhlenreiche Altholzinseln und höhlenreiche Einzelbäume sind
ältere Baumgruppen und Einzelbäume mit einem hohen Anteil an
Höhlen. Erfasst sind alle heimischen Baumarten und Obstbäume,
unabhängig, ob es sich um lebende oder abgestorbene Bäume
handelt. Einzelbäume werden bei Vorkommen einer großen Höhle
(zum Beispiel Schwarzspechthöhle) oder mehrerer kleiner Höhlen
erfasst. Bei nachweislichem Vorkommen unten genannter
höhlenbewohnender Tierarten sind höhlenreiche Einzelbäume,
unabhängig von der Anzahl der Höhlen, erfasst. Als höhlenreiche
Altholzinseln werden Baumgruppen erfasst, die sich in der
natürlichen Alterungs- oder Zerfallphase befinden, einen hohen
Anteil an Totholz besitzen und zumindest zu 20 Prozent aus
Höhlenbäumen bestehen.
Kennzeichnende Tierarten der höhlenreichen Altholzinseln und

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höhlenreichen Einzelbäume sind:
Hohltaube, Spechte, Rauhfußkauz, Steinkauz, Sperlingskauz,
Fledermäuse, Baummarder, Siebenschläfer, Hornissen, Bienen.
cc)
Schlucht-, Blockhalden- und Hangschuttwälder
Darunter sind vorwiegend Laub- und Laubmischwälder in steil
eingeschnittenen Tälern oder am Fuße von Steilwänden und
Felsabbrüchen auf Hang- und Blockschutt zu verstehen. Sie wachsen
sowohl auf kühl-feuchten als auch auf frischen bis trocken-warmen
und silikatischen bis kalkreichen Standorten. Kennzeichnende
Merkmale sind starke Hangneigung, Steinschutt- und/ oder
Blockreichtum, feinerdearme Rohböden und nachrutschendes
Substrat in Verbindung mit einem lichten Kronenschluss der
Baumschicht und einer häufig üppig entwickelten Krautschicht.
Dazu gehören Ahorn-Eschen-Schatthang-, Schlucht- und
Gründchenwälder, Ahorn-Linden-Hangschuttwälder, Eichen-
Sommerlinden-Blockhaldenwälder sowie Fichten- und Birken-
Ebereschen-Blockwälder.
Kennzeichnende Arten der Schlucht-, Blockhalden- und
Hangschuttwälder sind:
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Gewöhnliche Esche (Fraxinus
excelsior), Berg-Ulme (Ulmus glabra), Sommer-Linde (Tilia
platyphyllos), Eberesche (Sorbus aucuparia) Karpaten-Birke (Betula
pubescens ssp. carpatica), Fichte (Picea abies), Ausdauerndes
Silberblatt (Lunaria rediviva), Waldgeiß-Bart (Aruncus dioicus),
Dorniger Schildfarn (Poystichum aculeatum), Wald-Frauenfarn
(Athyrium filix-femina), Zerbrechlicher Blasenfarn (Cysptopteris
fragilis), Echtes Springkraut (Impatiens nolitangere),
Platanenblättriger Hahnenfuß (Ranunculus platanifolius), Alpen-
Milchlattich (Cicerbita alpina), Hohler Lerchensporn (Corydalis
cava), Ausdauerndes Bingelkraut (Mercurialis perennis),
Ruprechtskraut (Geranium robertianum), Gewöhnliche Goldnessel
(Lamium galeobdolon), Wald-Schwingel (Festuca altissima),
Christophskraut (Actea spicata) Tannen-Bärlapp (Hyperzia selago),
Sprossender Bärlapp (Lycopodium annotinum), Heidelbeere
(Vaccinium myrtillus) sowie Moosarten.
e)
§ 26 Abs. 1 Nr. 5 SächsNatSchG
aa)
Offene Felsenbildungen
Offene Felsenbildungen sind Gesteinsblöcke innerhalb und
außerhalb des Waldes mit spärlichem Gehölzaufwuchs auf Felsen,
Felsköpfen, Felswänden, Felsbändern und Felsspalten sowie alte,
offengelassene Steinbrüche mit spezifischen Flechten- und
Moosgesellschaften. Erfasst sind Felsbildungen, die mehr als 1,5 m
aus dem Boden ragen. Nicht erfasst sind Vorkommen in
Abbaustätten mit genehmigtem Betriebsplan.
Kennzeichnende Arten der offenen Felsbildungen sind:
Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre), Felsen-Fetthenne (Sedum
reflexum), Große Fetthenne (Sedum maximum), Braunstieliger
Streifenfarn (Asplenium adulterinum), Nördlicher Streifenfarn
(Asplenium septentrionale), Serpentin-Streifenfarn (Asplenium
cuneifolium), Gewöhnlicher Tüpfelfarn (Polypodium vulgare),

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Pfingst-Nelke (Dianthus gratianopolitanus), Habichtskraut-Arten
(Hieracium spp.) und Moos- und Flechten-Arten sowie Arten der
Trockenrasen.
bb)
Offene natürliche Block-, Schutt- und Geröllhalden
Offene natürliche Block-, Schutt- und Geröllhalden sind waldfreie,
natürlich entstandene Ansammlungen von Gesteinsblöcken und
Geröllen auf Kuppen und Steilhängen. Block-, Schutt- und
Geröllhalden sind über lange Zeiträume in langsamer Bewegung.
Erfasst sind auch steinige Rutschungen und Schutthalden mit
größeren Feinerdevorkommen sowie naturnahe Block- und
Geröllhalden mit einzelnen Sträuchern und Bäumen.
Kennzeichnende Arten der offenen natürlichen Block-, Schutt- und
Geröllhalden sind:
Heidekraut (Calluna vulgaris), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus),
Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea), Drahtschmiele (Deschampsia
flexuosa), Rotes Straußgras (Agrostis capillaris), Wolliges Reitgras
(Calamagrostis villosa), Flechten- und Moos-Arten, Arten der
offenen Felsbildungen (siehe Buchstabe e Doppelbuchst.aa), der
Ginster- und Zwergstrauchheiden (siehe Buchstabe c
Doppelbuchst. dd) sowie der Gebüsche und naturnahen Wälder
warmer Standorte (siehe Buchstabe d Doppelbuchst. aa).
cc)
Offene Binnendünen
Offene Binnendünen sind waldfreie, vom Wind aufgewehte
hügelartige Formen im Binnenland aus lockeren Sanden und mit
hoher Trockenheit. Erfasst sind unbewaldete oder nur sehr locker mit
Gehölzen bestandene Binnendünen oder Teilbereiche von
Binnendünen und Binnendünen mit naturnahen
Kiefernwaldgesellschaften (siehe Buchstabe d Doppelbuchst. aa).
Nicht erfasst sind bereits überbaute Bereiche.
Kennzeichnende Arten der offenen Binnendünen sind:
Silbergras (Corynephorus canescens), Frühlings-Spergel (Spergula
morisonii), Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis), Sand-Segge (Carex
arenaria), Mäuseschwanz-Federschwingel (Vulpia myuros), Kleiner
Vogelfuß (Ornithopus perpusillus), Berg-Sandglöckchen (Jasione
montana), Schaf-Schwingel (Festuca ovina agg.), Gemeine
Grasnelke (Armeria maritima), Sand-Strohblume (Helichrysum
arenarium), Feld-Beifuß (Artemisa campestris), Ausdauerndes
Knäulkraut (Scleranthus perennis).
dd)
Serpentinitfelsfluren
Natürliche oder anthropogene offene Felsbildungen oder Block- und
Geröllhalden aus Serpentinit mit Vorkommen der Serpentinit-
Streifenfarn-Gesellschaft beziehungsweise der für Serpentinit
typischen Streifenfarn-, Moos- oder Flechtenarten.
Kennzeichnende Arten der Serpentinitfelsfluren sind:
Serpentin-Streifenfarn (Asplenium cuneifolium), Braungrüner
Streifenfarn (Asplenium adulterinum), Asplenium x
poscharskyanum, Frullania fragilifolia, F. dilatata, F. tamarisci,
Thermutis velutina.
ee)
Löss- und Lehmwände
Löss- und Lehmwände sind durch natürliche Erosion oder

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anthropogen entstandene mehr oder weniger stark geneigte
Steilwände und Böschungen in Lössgestein oder lehmigen Substraten
zum Beispiel im Bereich von Uferabbrüchen, (Hohl-) Wegen,
Weinbergterrassen oder Abbaugebieten. Steile und in Erosion
befindliche Wände weisen keine oder eine schüttere Vegetation
meist aus Kryptogamen auf. Auf weniger stark geneigte Abschnitte
können Fragmente von Trocken- und Halbtrockenrasen sowie
Ruderal- und Saumvegetation, Hochstaudenfluren und Gebüsche zu
finden sein. Erfasst sind Löss- und Lehmwände, deren
Böschungsneigung mindestens 45 Grad beträgt ab einer Höhe
von 1 m. Eingeschlossen sind auch Uferabbrüche geringerer Höhe,
die eine besondere Eignung als Bruthabitat für den Eisvogel
aufweisen.
Nicht erfasst sind Erosionsrinnen auf Ackerflächen.
Kennzeichnende Tierarten der Löss- und Lehmwände sind:
Eisvogel, Bienenfresser, Uferschwalbe, Bienen, Grab- und
Faltenwespen.
f)
§ 26 Abs. 1 Nr. 6 SächsNatSchG
aa)
Streuobstwiesen
Streuobstwiesen sind extensiv genutzte Obstbaumbestände aus hoch-
oder mittelstämmigen Gehölzen, die oft unregelmäßig (gestreut) in
Grünland oder typischen Brachestadien angeordnet sind. Sie sind
gekennzeichnet durch einen artenreichen Unterwuchs und vielfältige
Kleinstrukturen wie Totholz und Baumhöhlen. Erfasst sind flächige
Bestände in der freien Landschaft und im Siedlungsbereich ab circa
500 m² oder zehn Obstbäumen. Intensiv genutzte Obstbaumanlagen
sind nicht erfasst. Typische Tierarten der Streuobstwiesen sind:
Steinkauz, Wendehals, Grünspecht, Kleinspecht, Neuntöter sowie
zahlreiche Insekten-Arten.
bb)
Stollen früherer Bergwerke
Stollen früherer Bergwerke sind durch den Bergbau entstandene
unterirdische Hohlräume. Erfasst sind auch nach längerer Zeit nicht
genutzte künstliche Hohlräume. Nicht erfasst sind für den
Besucherverkehr erschlossene oder genutzte Stollen. Typische
Tierarten der Stollen früherer Bergwerke sind:
Fledermausarten, zum Beispiel Wasserfledermaus, Mausohr und
Braunes Langohr sowie Feuersalamander, Zimteule, Höhlenspinne.
cc)
Steinrücken
Steinrücken sind linienförmige oder flächige Steinanhäufungen in
der freien Landschaft, entstanden aus abgesammelten Steinen von
landwirtschaftlichen Nutzflächen und zumeist abgelagert an deren
Rändern. Steinrücken besitzen in der Regel eine mehr oder weniger
ausgeprägte Baum-, Strauch- und Krautschicht. Sie können auch
vegetationsfrei oder nur spärlich bewachsen sein. Erfasst sind
Steinrücken ab einer Länge von circa 10 m beziehungsweise einer
Fläche ab 20 m² Größe.
Kennzeichnende Arten der Steinrücken sind:
Gewöhnliche Eberesche (Sorbus aucuparia), Berg-Ahorn (Acer
pseudoplatanus), Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior),
Zitterpappel (Populus tremula), Wilder Apfelbaum (Malus

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sylvestris), Wilder Birnbaum (Pyrus pyraster), Hänge-Birke (Betula
pendula), Trauben-Holunder (Sambucus racemosa), Hasel (Corylus
avellana), Faulbaum (Frangula alnus), Grau-Weide (Salix cinerea),
Ohr-Weide (Salix aurita), Weißdorn (Crataegus monogyna), Schlehe
(Prunus spinosa), Rosenarten (Rosa spp.), Himbeere (Rubus idaeus),
Brombeere (Rubus fruticosus), Heidekraut (Calluna vulgaris),
Heidelbeere (Vaccinium myrtillus).
dd)
Hohlwege
Hohlwege sind Wege in der freien Landschaft, die sich durch die
nutzungsbedingt verstärkte Erosion in das Gelände eingeschnitten
haben, einschließlich ihrer Steilböschung und eines ungenutzten
Streifens entlang der Böschungsoberkante. Die typische Vegetation
an Hohlwegen bilden insbesondere Gebüsche, Gehölze, Magerrasen,
Staudensäume und magere Frischwiesen. Nicht erfasst sind
Hohlwege, die weniger als 1 m eingeschnitten sind und deren
Böschungsneigung an der steilsten Stelle weniger als 45 Grad
beträgt.
ee)
Trockenmauern
Trockenmauern sind ältere, aus Natursteinen aufgeschichtete, nicht
verfugte Mauern, deren Mauerkörper von verschiedenen Tier- und
Pflanzenarten besiedelt ist. Nicht erfasst sind Trockenmauern mit
weniger als 0,5 m Höhe oder einer Mauerfläche von weniger als
2 m².
Kennzeichnende Arten der Trockenmauern sind:
Mauerraute (Asplenium ruta-muraria), Nordischer Streifenfarn
(Asplenium septentrionale), Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre),
Moos- und Flechtenarten sowie Arten der offenen Felsbildungen
(siehe Buchstabe e Doppelbuchst. aa).
IV.
Inkrafttreten und Außerkrafttreten
Diese Verwaltungsvorschrift tritt am Tage nach ihrer Veröffentlichung in Kraft. Gleichzeitig
tritt die Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und
Landesentwicklung zum Vollzug des § 26 des Sächsischen Gesetzes über Naturschutz und
Landschaftspflege – Schutz bestimmter Biotope (VwV Biotopschutz) vom 22. Februar 1994
(SächsABl. S. 466), geändert durch Verwaltungsvorschrift vom 8. August 1997 (SächsABl.
S. 965), zuletzt enthalten in der Verwaltungsvorschrift vom 17. Dezember 2007
(SächsABl. SDr. S. S 658), außer Kraft.
Dresden, den 27. November 2008
Der Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft
Frank Kupfer