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Waldschutz- Information 2/2019
- Nur per Email!
1. Befallssituation Buchdrucker in Fichtenbeständen
Die Summe des bisher für das „Borkenkäferjahr 2019/20“ in FSKB/BK-App registrierten
Stehendbefalls an Fichte durch den Buchdrucker hat per 30. September mit 1,12 Mill. m³ (inkl.
eines Teils im Ruhebereich des NLP) die Vorjahresmenge - bezogen auf das gesamte
Borkenkäferjahr 2018/19 (Juni bis Mai) - von 0,85 Mill. m³ bereits um 30 % überschritten. Die
Abbildung 1 zeigt die regionale Verteilung des Befalls in allen Eigentumsarten. Mehr als ein Drittel
(35%) des derzeitigen Befalls konzentriert sich auf die beiden am stärksten betroffenen LK-
Distrikte/Reviere Sebnitz und Löbau. Auf die 5 LK-Distrikte/Reviere mit Befallsmengen von jeweils
40 bis 80 Tm³ entfällt ca. ein Fünftel (22%) des Gesamtbefalls. Die nächste Stufe umfasst 25%.
Abb. 1: Regionale Verteilung des Stehendbefalls durch Buchdrucker im Wald aller Eigentumsarten per 30.09.2019
(Quelle: FSKB)
In den unteren und mittleren Lagen kam es laut PHENIPS und den Daten des sächsischen
Borkenkäfermonitorings fast überall zur Ausbildung einer 3. Generation. Mindestens eine 2.
Generation und z.T. noch die dazugehörige Geschwisterbrut wurden in den oberen Lagen angelegt.
Durch die zahlreichen warmen Tage im September und Oktober ist davon auszugehen, dass die
Waldschutz- Information 1/2019
Betriebsmitteilung
STAATSBETRIEB SACHSENFORST
Geschäftsleitung, Referat Waldentwicklung/Waldschutz
Empfänger
Alle FoB
AfG
Bearbeiter/-in
Otto/ Matschulla/
Hodel/Schafheutle
Telefon
+49 3501 542 -335
-222
Geschäftszeichen
Graupa,
08.11.2019

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Seite 2 von 5
meisten Käfer ihren Reifungsfraß abschließen
konnten. Dieser erfolgte in der Regel bei noch
ausreichend vorhandenen Nahrung im Brutbaum.
Bei sehr hohen Besiedelungsdichten kam es zum
Ausschwärmen
der
Jungkäfer
und
nach
Besiedelung weiterer Bäume zur Fortsetzung des
Reifungsfraßes
bzw.
zum
Aufsuchen
der
Überwinterungsquartiere.
Ungewöhnliche
hohe
Fangzahlen im September und Oktober an einer
Vielzahl
der
Borkenkäfermonitoringstandorte
belegen
dies.
Der
Wert
von
3.000
Buchdruckern/DFS*KW, bei dem von frischen
Stehendbefall ausgegangen wird, wurde in dieser
Zeit 44-mal an verschiedenen Standorten überschritten. Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, dass
ein Teil der Käfer auch zu dieser Zeit noch auf die gleichen Lockstoffsignale wie in der Schwärmzeit
reagierte.
Die vorgenannten Aspekte haben Einfluss auf das Überwinterungsverhalten der Buchdrucker und
damit auch auf die Sanierungsstrategie im Winterhalbjahr. Nach RICHTER (1989) kommt es nach
Abschluss des Reifungsfraßes zur Überwinterung dieser Käfer im Boden. Andere Autoren gehen
nur von einem Anteil von 10% an überwinternden Jungkäfern in der Bodenstreu aus. Die übrigen
Käfer überwintern in der Rinde frisch angeflogener oder ggf. schon befallener Fichten mit noch
besiedelbarer Rinde. Die Abb. 2 zeigt eine derartige Situation.
Aufgrund der aktuell sehr hohen
Befallsintensität muss in den meisten Fällen mit sanierungsrelevanten Anteilen von
überwinternden Jungkäfern unter der Rinde gerechnet werden.
Damit sind neben den
üblicherweise im Winterhalbjahr vorhandenen, erst im Spätsommer befallenen Fichten die zunächst
noch geringe Nadelverfärbungen/-verluste aufweisen und in denen die Käferentwicklung noch nicht
abgeschlossen ist (a), auch Fichten mit ähnlichen Befallssymptomen vorhanden, aus denen die
Jungkäfer bereits ausgeflogen sind (b). Hinzu kommen fast symptomlose Fichten, die von den
Jungkäfern als Überwinterungsquartier genutzt werden (c). Auftreten können diese drei Varianten in
allen Höhenlagen. Es handelt sich dabei jedoch je nach Höhenlage um Käfer aus unterschiedlichen
Generationen bzw. Geschwisterbruten. Die Varianten a und c müssen mit dem Ziel der
Dichtereduktion der überwinternden Käfer in den nächsten Monaten saniert werden. Die natürliche
Mortalität ausgereifter Käfer in geeigneten (trockenen) Überwinterungsquartieren unter der Rinde
beträgt etwa 50%. Anbetracht der vorhandenen Käferdichten und der Populationsdynamik von
Forstschadinsekten, speziell des Buchdruckers, ist dies jedoch ein geringer Wert.
Deshalb muss
weiterhin eine regelmäßige Befallskontrolle als Grundlage für eine wirksame Sanierung
erfolgen.
Die Kontrollen sollten vorrangig in der Umgebung der diesjährigen Befallsstellen und
Polterplätze durchgeführt werden. An frisch, nur zum Reifungsfraß besiedelten Bäumen, ist zurzeit
immer noch Bohrmehl und zum Teil Harztropfen erkennbar. Die sonstigen Anzeichen von Befall,
wie das Verfärben der Nadeln, Nadelabfall, Spechtabschläge und abfallende Rinde sind noch nicht
vorhanden. Bei Bäumen mit Befall aus dem August ist mit diesen Anzeichen zu rechnen. Die Suche
muss in regelmäßigen Abständen bis zum Frühjahr fortgesetzt werden, da aufgrund der
unterschiedlichen Befallszustände und dem Witterungsverlauf immer wieder sanierungsrelevanter
Stehendbefall sichtbar wird.
Die Dinglichkeit der Sanierung ergibt sich jetzt nicht aus dem Entwicklungszustand des
Käfers
sondern
aus
dem
Zustand
der
Befallsbäume.
Durch
die
kontinuierliche
Weiterentwicklung (z.B. Reifungsfraß) bei Temperaturen über 8°C
lockert sich die Rinde
permanent. Sehr hohe Besiedelungsdichten, Frost und die Aktivität von Spechten und anderen
nahrungssuchenden Vögeln forcieren diesen Prozess. Fällt die Rinde ab, gehen die Käfer zur
Überwinterung in den Boden und eine Sanierung ist nicht mehr möglich/sinnvoll. Dieser Aspekt ist
auch bei den Sanierungsmaßnahmen zu berücksichtigen. Ein „Sammeln“ des Befalls bis zum
Frühjahr 2020 erleichtert zwar das Erkennen und reduziert den Aufwand auch für die Aufarbeitung,
es reduziert aber auch den angestrebten Effekt der Dichtreduktion.
Insbesondere in den
Befallsschwerpunkten sollten alle Möglichkeiten genutzt werden, die Ausgangsdichte für
das kommende Frühjahr weitestgehend zu reduzieren.
Hinzu kommt, dass auch neue
abiotische Schäden im Winterhalbjahr noch Aufarbeitungskapazitäten ungeplant binden könnten.
Abb. 2: Reifungsfraß an Fichte (Foto: Sonnemann)

Seite 3 von 5
2. Forstschädliche Kurzschwanzmäuse
Die forstschädlichen Kurzschwanzmäuse befinden sich derzeit in einer Massenvermehrung. Die
Abbildung 3 zeigt für die Jahre 2018 und 2019 die Ergebnisse für die 21 durch R46 mittels
Schlagfallenfänge (2 Nächte 100 Fallen) beprobten Kontrollflächen zur Überwachung der
Populationsdynamik von Erdmaus, Feldmaus und Rötelmaus. Die Prognosefänge finden jeweils im
März, Juni, September und November statt. Die Ergebnisse aus dem Monat November 2019 stehen
noch aus, dennoch kann aktuell ein starker Anstieg der Mäusepopulation im Vergleich zum Vorjahr
festgestellt werden. Im September 2019 überschritt der Fangindex auf 10 der insgesamt 21
Monitoringflächen und damit auf deutlich mehr Flächen als im Vorjahr (2 von 21) die kritische Zahl
von 10. Ähnliche Ergebnisse lieferten auch Untersuchungen anderer Bundesländer.
Aufgrund der erhöhten Mäusepopulationen muss in diesem Winterhalbjahr mit Schäden, speziell in
Laubholzkulturen gerechnet werden. Gefährdete Laubholzkulturen sollten deshalb auf erste
Schäden kontrolliert, mit den vorgegebenen Monitoringverfahren überwacht und falls erforderlich
mit zugelassenen Rodentiziden behandelt werden.
Abb. 3: Fangergebnisse des Kurzschwanzmäusemonitorings aller Kontrollflächen der beteiligten Forstbezirke
aus den Jahren
2018
und
2019
Bei der Bekämpfung der Kurzschwanzmäuse müssen neben der Einhaltung der guten fachlichen
Praxis und des integrierten Pflanzenschutzes einige
neue Regelungen
beachtet werden. Im
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Anzahl der Mäuse je 100 Fallen in 2 Fallennächten
Monate
FoB Taura 2019
FoB Taura 2018
FoB Leipzig 2019
FoB Leipzig 2018
FoB Dresden 2019
FoB Dresden 2018
FoB Neustadt 2018
FoB Oberlausitz 2019
FoB Oberlausitz 2018
FoB Bärenfels 2019
FoB Bärenfels 2018
FoB Chemnitz 2019
FoB Chemnitz 2018
FoB Plauen 2019
FoB Plauen 2018
FoB Adorf 2019

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Seite 4 von 5
Rahmen der Verlängerung der Zulassungen der bisher verwendeten Rodentizide wurden diesen
neue Anwendungsbestimmungen auferlegt, die es in dieser Form im Forstbereich bisher nicht gab.
Bei der verdeckten Ausbringung des Rodentizides in die Mäusegänge oder Mäuselöcher, muss nun
eine
handelsübliche Legeflinte
verwendet werden (NT664). Mit dieser soll der Köder tief und
unzugänglich für Vögel eingebracht werden.
Auch an die Ausbringung der Rodentizide mit
Köderstationen
werden besondere Anforderungen
gestellt. Diese müssen mechanisch stabil, witterungsresistent und manipulationssicher sein
(NT680), zudem müssen sie mit einem Warnhinweis der vorgeschriebenen Angaben („Vorsicht
Mäusegift“, Wirkstoff, Giftnotruf, Hinweis „Kinder und Haustiere fernhalten“) beschriftet werden. Die
im Forstbereich üblichen Köderstationen (z.B. spezielle Papp- oder aus anderem, z.T.
verwitterbaren Material hergestellte Röhren) erfüllen diese Anforderungen nicht und können
deshalb
nicht mehr verwendet
werden. Auch die Theysohn-Köderstation ist für die derzeitig
zugelassenen Zinkphosphidköder auf Grund der Bildung von erhöhten, repellent wirkenden
Gaskonzentrationen im Inneren nicht geeignet. Bisher ist keine, den Anwendungsbestimmungen
gerecht werdende Köderstation im Handel erhältlich. Unter diesen Umständen wird die Ausbringung
mittels Köderstation in dieser Saison wahrscheinlich entfallen.
Die derzeit praktikabelste Anwendungsform ist die gezielte Ausbringung auf von den Mäusen
aufgesuchten Arealen innerhalb der gefährdeten Flächen durch
streuen
der in Form ungeöffneter
Folienbeutel (NT647) zugelassenen Präparate (siehe Anlage) im Zeitraum November bis März.
Durch die neuen Anwendungsbestimmungen ergeben sich zusätzliche
Anwendungsverbote in
bestimmten Gebieten
. Die Ausbringung von Rodentiziden gegen Erd-, Feld- und Rötelmaus ist in
Vogelschutzgebieten
(SPA) und
Naturschutzgebieten untersagt
(NT802). Gleiches gilt für
Rastplätze von Zugvögeln
während des Vogelfluges (NT803).
Zusätzlich darf keine Anwendung in Vorkommensgebieten der
Haselmaus
, des Feldhamsters, der
Birkenmaus und der Bayerischen Kleinwühlmaus stattfinden (NT820). Die Abbildung 4 zeigt die
Vorkommensgebiete der Haselmaus in Sachsen.
Abb. 4 Vorkommensgebiete der Haselmaus in Sachsen
Eine Übersicht mit allen aktuell zugelassenen Rodentiziden, deren Ausbringungsmöglichkeiten und
Anwendungsbestimmungen befindet sich im Anhang.
gez. Otto, RL 46

Seite 5 von 5
Übersicht der zugelassenen Rodentizide
NT647
(ungeöffnete
Folienbeutel)
NT649 (nicht
auf
vegetationsfr
eien Flächen)
NT662 (nur auf
[Erst]Aufforst
ungs-, NV-
flächen)
NT663 (mit
geeigneten
Gerät
einbringen
[z.B.Schermau
spflug])
NT664
(Legeflinte)
NT666
(nicht in
Häufchen
ablegen)
NT680
(Köder-
station)
NT802
(Vogel-
u.NSG)
NT803
(Zugvögelr
astplatz)
NT820
(Feldhamster, Hasel-
, Birk- u. Bayr.
Kleinwühlmaus)
NT704
(Sicherheits
abstand zu
Wasser)
ARVALIN
007851-00/00-002
Zulassung
30.04.2022
Feldmaus
bei Bedarf
3
auslegen;
Nagetiergänge
verdeckt,
Giftgetreide
-
-
-
-
X
-
-
X
X
X
10 m
ARVALIN
007851-00/00-012
Zulassung
30.04.2022
Feldmaus
bei Bedarf
3
auslegen;
Köderstation
verdeckt,
Giftgetreide
-
-
-
-
-
-
X
X
X
X
10 m
ARVALIN Forte
007851-00/00-013
Zulassung
30.04.2022
Feldmaus
bei Bedarf
3
auslegen;
Nagetiergänge
verdeckt,
Giftpellets
-
-
-
-
X
-
-
X
X
X
10 m
Detia
Wühlmausköder
Neu
033366-61/00-010
Zulassung
31.12.2021
Schermaus
bei Bedarf;
ganzjährig
1
auslegen;
Nagetiergänge
verdeckt
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
10 m
Ratron Gift-Linsen
025388-00/00-013
Zulassung
30.04.2022
Feldmaus,
Erdmaus;
Rötelmaus
bei Bedarf
1
auslegen;
Nagetiergänge
verdeckt,
Giftköder
-
-
-
-
X
-
-
X
X
X
10 m
Ratron Gift-Linsen
025388-00/00-017
Zulassung
30.04.2022
Feldmaus,
Erdmaus;
Rötelmaus
bei Bedarf,
Herbst UND
Winter
1
auslegen;
Köderstation
verdeckt,
Giftköder
-
-
-
-
-
-
X
X
X
X
10 m
Ratron Gift-Linsen
025388-00/00-019
Zulassung
30.04.2022
Feldmaus,
Erdmaus;
Rötelmaus
bei Bedarf,
November bis
März
1
auslegen;
Köderverfahren
streuen, mit
Beutel; gezielte
Ausbringung
X
X
X
-
-
X
-
X
X
X
10 m
Ratron Gift-Linsen
Forst
025388-62/00-013
Zulassung
30.04.2022
Feldmaus,
Erdmaus;
Rötelmaus
bei Bedarf
1
auslegen;
Nagetiergänge
verdeckt,
Giftköder
-
-
-
-
X
-
-
X
X
X
10 m
Ratron Gift-Linsen
Forst
025388-62/00-017
Zulassung
30.04.2022
Feldmaus,
Erdmaus;
Rötelmaus
bei Bedarf,
Herbst UND
Winter
1
auslegen;
Köderstation
verdeckt,
Giftköder
-
-
-
-
-
-
X
X
X
X
10 m
Ratron Gift-Linsen
Forst
025388-62/00-019
Zulassung
30.04.2022
Feldmaus,
Erdmaus;
Rötelmaus
bei Bedarf,
November bis
März
1
auslegen;
Köderverfahren
streuen, mit
Beutel; gezielte
Ausbringung
X
X
X
-
-
X
-
X
X
X
10 m
Ratron Giftweizen
034041-00/00-006
Zulassung
30.04.2022
Feldmaus,
Erdmaus;
Rötelmaus
bei Bedarf
1
auslegen;
Nagetiergänge
verdeckt,
Giftgetreide
-
-
-
-
X
-
-
X
X
X
10 m
Ratron Schermaus-
Sticks
025389-00/00-007
Zulassung
30.04.2025
Schermaus
bei Bedarf
1
auslegen;
Nagetiergänge
verdeckt,
Giftköder
-
-
-
X
-
-
-
-
-
-
10 m
Ratron Schermaus-
Sticks
025389-00/00-008
Zulassung
30.04.2025
Schermaus
bei Bedarf
1
auslegen;
Köderstation
verdeckt,
Giftköder
-
-
-
-
-
-
X
-
-
-
10 m
Wühlmausköder
033366-62/00-010
Zulassung
31.12.2021
Schermaus
bei Bedarf;
ganzjährig
1
auslegen;
Nagetiergänge
verdeckt
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
10 m
Wühlmausköder
Arrex
033366-60/00-010
Zulassung
31.12.2021
Schermaus
bei Bedarf;
ganzjährig
1
auslegen;
Nagetiergänge
verdeckt
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
10 m
WÜHLMAUS-
KÖDER RATZIA
033366-63/00-010
Zulassung
31.12.2021
Schermaus
bei Bedarf;
ganzjährig
1
auslegen;
Nagetiergänge
verdeckt
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
10 m
Wühlmausköder
WUELFEL
033366-00/00-010
Zulassung
31.12.2021
Schermaus
bei Bedarf;
ganzjährig
1
auslegen;
Nagetiergänge
verdeckt
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
10 m
Name
Anwendungsnum-
mer
Status
zugelassen bis
Anwendungsbestimmung
Schad-
organismen
/Zweck
Anwendungsz
eitpunkt
max. Zahl der
Be-
handlungen
Anwendungs-
technik
weitere
Erläuterungen

 
Seite 1 von 2
Waldschutz- Information 2/2019 (Nachtrag)
- Nur per Email!
Aktualisierung zum Punkt 2 „Forstschädliche Kurzschwanzmäuse“
Kurz nach dem Versand der Waldschutz-Information 2/2019 erreichte uns die Information, dass
seitens des BVL als dafür zuständiger Bundesbehörde einige Anwendungsbestimmungen für den
Einsatz von Rodentiziden verändert wurden. Der Grund dafür war der Widerspruch eines
Rodentizidherstellers gegen die im Rahmen der Verlängerung der Rodentizidzulassungen
eingeführten Anwendungsbestimmungen. Dieser Widerspruch wurde am 5.11.19 vom
Bundesamt
für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherhei
t als zulässig erklärt und hat zur Folge, dass die
Anwendungsmöglichkeiten im Rahmen der Rodentizidausbringung auf Forstflächen praktikabler
und weniger restriktiv sind. Er umfasst folgende Präparate.
Von den erneuerten Anwendungsbestimmungen betroffene Präparate.
Name
Zulassungsnummer
Ratron Gift-Linsen
025388-00
Ratron Gift-Linsen Forst
025388-60
Ratron Giftweizen
034041-00
Ratron Schermaus-Sticks 025389-00
ARVALIN
007851-00
Weitere Präparate sind im Widerspruchsbescheid
nicht
eingeschlossen, unter anderem das
Präparat
Arvalin Forte
.
Die nachfolgenden
vorherigen
Anwendungsbestimmungen wurden vom
Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherhei
t im Rahmen des Wiederspruchbescheides wie
dargestellt neu gefasst.
NT802
(aufgehoben)
Keine Anwendung in Vogel- und Naturschutzgebieten
NT802-1
(neu)
Vor einer Anwendung in Natura 2000 Gebieten (FFH- und Vogelschutzgebieten) ist nachweislich
sicherzustellen, dass die Erhaltungsziele oder der Schutzzweck maßgeblicher Bestandteile des
Gebietes nicht erheblich beeinträchtigt werden. Der Nachweis ist bei Kontrollen vorzulegen.
Das Anwendungsverbot von Rodentiziden in Naturschutzgebieten bleibt bestehen, da das
Ausbringen von Präparaten mit dem Wirkstoff Zinkphosphid gemäß der Pflanzenschutz-
mittelanwendungsverordnung in Naturschutzgebieten untersagt ist (§4 PflSchAnwV in Verbindung
mit Anlage 2). Nur mit Erlaubnis durch die Schutzregelung oder durch die Naturschutzbehörde ist
die Möglichkeit einer Anwendung gegeben.
Betriebsmitteilung
STAATSBETRIEB SACHSENFORST
Geschäftsleitung, Referat Waldentwicklung/Waldschutz
Empfänger
Alle FoB
AfG
Bearbeiter/-in
Otto/ /Schafheutle
Telefon
+49 3501 542 -335
Geschäftszeichen
Graupa,
18.11.2019

Seite 2 von 2
In Vogelschutzgebieten, in denen beispielsweise der Schwarzstorch die zu schützende Art ist, der
als Zugvogel von Oktober bis Februar nicht in seinen Brutgebieten weilt, sollte eine Bestätigung
dieses biologischen Sachverhaltes durch die zuständige uNB als kontrollrelevanter Nachweis
genügen. Das bedarfsangepasste Nachlegen der Präparate sollte hier ab Januar sicherheitshalber
unterbleiben. Durch Kontrollen der behandelten Flächen in diesen Gebieten hinsichtlich
oberflächlich verendeter Mäuse Ende Februar/Anfang März, vor der Rückkehr der Schwarzstörche,
wäre eine weitere nachweisbare Maßnahme zur Sicherung des Erhaltungszieles.
NT803
(aufgehoben)
Keine Anwendung auf Rastplätzen von Zugvögeln während des Vogelzuges.
NT803-1
(neu)
Keine Anwendung auf nachgewiesenen Rastplätzen von Zugvögeln während des Vogelzugs.
NT820
(aufgehoben)
Keine Anwendung in Vorkommensgebieten des Feldhamsters sowie der Haselmaus und der
Birkenmaus.
NT820-1, NT820-2, NT820-3
(neu)
Keine Anwendung in aktuell nachgewiesenen Vorkommensgebieten des Feldhamsters, der
Haselmaus und der Birkenmaus zwischen dem 1. März und dem 31. Oktober. Zusätzlich ist in
nachgewiesenen Vorkommensgebieten der Haselmaus in einem Umkreis von 25m um Bäume,
Gehölze oder Hecken die Anwendung von Rodentiziden verboten.
Damit sind die in der Abb. 4 der Waldschutz-Information 2/2019 dargestellten Vorkommensgebiete
der Haselmaus für die Entscheidung über einen Rodentizideinsatz nicht mehr relevant. Im Zeitraum
1. November bis 28./29. Februar können die oben genannten Präparate mit Ausnahme von Flächen
in einem Umkreis von 25m um Bäume, Gehölze oder Hecken auch in aktuell nachgewiesenen
Vorkommensgebieten eingesetzt werden.
Anwendung mittels Köderstationen
Bei der Ausbringung von Rodentiziden mittels
Köderstationen
müssen die Anwendungsverbote
auf Vogelschutzgebieten (SPA), auf Rastplätzen von Zugvögeln während des Vogelfluges und auf
den Vorkommensgebieten des Feldhamsters
nicht
beachtet werden. Die Anwendungsbestimmung
NT680
(mechanisch stabile, witterungsresistente und manipulationssichere Köderstationen),
NT820-2
(Einschränkungen auf Vorkommensgebieten der Haselmaus, s.o.) und
NT820-3
(Einschränkungen auf Vorkommensgebieten der Birkenmaus, s.o.) müssen dennoch berücksichtigt
werden.
gez. Otto, RL 46

Seite 1 von 2
Waldschutz- Information 2/2019 (Nachtrag 2)
- Nur per Email!
Anlage: Pflanzenschutzwarndienst Nr. 8 vom 18.Dezember 2019
Rückfragen einiger FoB zeigten, dass mit dem Nachtrag vom 18.11.2019 zur Waldschutz-
Information 2/2019 vom 8.11.2019 die bestehenden Unklarheiten hinsichtlich der neuen
Anwendungsbestimmungen beim Ausbringen von Rodentiziden, noch nicht vollständig geklärt
waren. In Abstimmung mit dem LfULG erfolgte eine für Anwendungen im Forst ausgerichtete
Auslegung der pflanzenschutzrechtlichen Anforderungen. Darauf basierend sowie mit Bezug auf die
bereits übermittelten Hinweise zum Thema und den in der Zwischenzeit vom LfULG veröffentlichten
Pflanzenschutz-Warndienst Nr. 8 vom 18. Dezember 2019 (siehe Anlage) wird nachfolgend mit
weiteren Erläuterungen das Thema Rodentizideinsatz im Forst präzisiert.
1.
Umsetzung der NT802-1 im Forst
NT802-1: Vor einer Anwendung in Natura 2000 Gebieten (FFH- und Vogelschutzgebieten) ist nachweislich sicherzustellen, dass die
Erhaltungsziele oder der Schutzzweck maßgeblicher Bestandteile des Gebietes nicht erheblich beeinträchtigt werden. Der Nachweis ist
bei Kontrollen vorzulegen
Da diese, nur mit einem erheblichen Abstimmungsaufwand umsetzbare Anwendungsbestimmung
bei Ausbringung der Präparate
in geeigneten Köderstationen nicht gilt
, sollte bei erforderlichen
Rodentizidanwendungen in Natura 2000 Gebieten (FFH- und Vogelschutzgebieten) ausschließlich
diese Anwendungstechnik verwendet werden. Zurzeit läuft ein Versuch durch das R46 des SBS, bei
dem verschiedene, im Handel erhältliche Köderstationen getestet werden. Deren Eignung im Sinne
der Anwendungsbestimmung NT680 wird in Abstimmung mit dem LfULG geklärt, so dass ca. Ende
Januar 2020 eine entsprechende Empfehlung durch das R46 erfolgen kann.
Falls eine
andere Anwendungstechnik
(streuen oder auslegen in Mäuselöcher unter Verwendung
einer handelsüblichen Legeflinte) genutzt wird, gilt die Regelung des LfULG aus dem Warndienst
Nr. 8. Danach ist eine Risikobeurteilung im Einzelfall erforderlich. Dafür sind die jeweiligen Unteren
Naturschutzbehörden zuständig. Diese Zustimmung ist vor der Anwendung einzuholen und gilt als
Nachweis bei möglichen Kontrollen.
2.
Umsetzung der NT803-1 im Forst
NT803-1: Keine Anwendung auf nachgewiesenen Rastplätzen von Zugvögeln während des Vogelzugs.
Auch diese Anwendungsbestimmung gilt bei Ausbringung der Präparate in geeigneten
Köderstationen nicht. Damit gelten Hinweise zu Pkt.1. Die Anwendung von Rodentiziden mit
anderen Anwendungstechniken auf nachgewiesenen Rastplätzen von Zugvögeln während des
Vogelzugs ist generell untersagt.
Waldschutz- Information 1/2019
Betriebsmitteilung
STAATSBETRIEB SACHSENFORST
Geschäftsleitung, Referat Waldentwicklung/Waldschutz
Empfänger
Alle FoB
AfG
Bearbeiter/-in
Otto/ /Schafheutle
Telefon
+49 3501 542 -335
Geschäftszeichen
Graupa,
21.01.2020

Seite 2 von 2
3.
Umsetzung der NT820-2 im Forst
NT820-2: Keine Anwendung in aktuell nachgewiesenen Vorkommensgebieten der Haselmaus in einem Umkreis von 25 m um Bäume,
Gehölze oder Hecken zwischen 1. März und 31. Oktober.
In nachgewiesenen Vorkommensgebieten der Haselmaus gilt für Flächen mit Bäumen, Gehölzen
oder Hecken und für die angrenzende 25 Meter Zone ein Verbot der Anwendung von März bis
Oktober. Im Umkehrschluss ist eine Anwendung von November bis Februar auf den oben
genannten Flächen möglich, da die Haselmaus Winterschlaf hält. Im Schaltjahr 2020 ist die
Anwendung bis zum 29. Februar möglich. Das LfULG hat im Warndienst Nr. 8 vom 18. Dezember
2019 die aktuelle Karte zu den Nachweisen der Haselmaus in Sachsen 2008 bis 2019 veröffentlicht.
Das LfULG betrachtet bei dem Begriff „aktuell nachgewiesene Vorkommensgebiete“ einen Zeitraum
von 12 Jahren, den auch die EU bei FFH-Gebieten vorgegeben hat. Danach sind deutlich weniger
Gebiete von dieser Anwendungsbestimmung betroffen, als nach der in der Waldschutz-Information
2/2019 dargestellten Gebietskulisse mit den Nachweisen für den Zeitraum 2001 bis 2006.
Entsprechend
der
guten
fachlichen
Praxis
im
(Forst-)Pflanzenschutz
finden
Rodentizidanwendungen im Forst nur im Herbst/Winter statt. Z.T. wird dies bzw. der Zeitraum
November bis März auch als Anwendungszeitraum vorgegeben. Die NT820-2 schränkt damit den
Zeitraum ein und konkretisiert ihn mit festen Terminen.
gez. Otto, RL 46

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Waldschutz- Information 2/2019 (Nachtrag 3)
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Am 13.02.2020 fand ein Besichtigungstermin mit Vertreterinnen des LfULG und Mitarbeitern des
Ref. 46 im Tharandter Wald zum Thema Rodentizidausbringung mittels Köderstationen statt. Ziel
des Treffens war die Beurteilung verschiedener Köderstationstypen hinsichtlich der Ende November
in Kraft getretenen Anwendungsbestimmungen (NT680). Die Ergebnisse werden im Folgenden
dargelegt.
1.
Beurteilung der verschiedenen Köderstationstypen
Köderstationen aus verwitterbaren Material wie Pappe
:
Die bisher in den Forstbezirken eingesetzten Köderstationen aus Pappe (hergestellt und angeboten
von der Firma Matthias Thiele) erfüllen die Vorgaben der neuen Anwendungsbestimmungen
nicht
.
Köderstationen
müssen
nach
der
Anwendungsbestimmung
NT680
mechanisch
stabil,
witterungsresistent und manipulationssicher sein. Diese Anforderungen sind bei den Köderstationen
aus Pappe nicht gegeben! Sollten sich noch Pappköderstationen im Einsatz befinden, müssen
diese schnellst möglich von den behandelten Flächen entfernt und ordnungsgemäß entsorgt
werden. Bei einer weiteren Anwendung liegt eine Ordnungswidrigkeit im Sinne des PflSchG vor.
Selbstgebaute Köderstationen
:
Der Einsatz von selbstgebauten Köderstationen (z.B. KG-Rohre aus dem Baumarkt) wird nicht
empfohlen, da sie meist nicht allen Anwendungsbestimmungen gerecht werden. Zu beachten ist vor
allem, dass die Köderstationen eine Barriere enthalten müssen, die das Austreten der Köder durch
Bewegung minimiert. Falls diese nicht enthalten ist, liegt ebenfalls eine unsachgemäße Anwendung
vor.
Ausgewählte, im Fachhandel erhältliche und vom Ref. 46 getestete Köderstationen aus
Plastik
:
Alle
vom
Referat
46
getesteten
Köderstationen
erfüllen
die
Anforderungen
der
Anwendungsbestimmungen und können für die Ausbringung der dafür zugelassenen Präparate
verwendet werden. In dem Test zeigte sich, dass alle Köderstationen nach 2-3 Tagen von den
Mäusen angenommen wurden. Bei der Köderstation von Flügel gab es Schwierigkeiten beim
Öffnen zwecks Kontrolle der Annahme bzw. zur Nachbeköderung an Frosttagen.
Tabelle 1: Verschiedene vom Referat 46 getestete Köderstationstypen.
Köderstation
Preis
Hersteller
Foto
Sugan
Mäuseköderbox
5,25€ / 2,95€
Duenger-shop / Grube
https://www.duenger-shop.de/Ratten--
Wuehl--Maeuse/Maeuse/Sugan--
MaeusekoederBox-1-Stueck.html
/
https://www.grube.de/maeusekoederbox-
aus-kunststoff-75-517/
Waldschutz- Information 1/2019
Betriebsmitteilung
STAATSBETRIEB SACHSENFORST
Geschäftsleitung, Referat Waldentwicklung/Waldschutz
Empfänger
Alle FoB
AfG
Bearbeiter/-in
Schafheutle/Otto
Telefon
+49 3501 542 -335
+49 3501 542 - 422
Geschäftszeichen
Graupa,
17.02.2020

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Mäuseköderbox
Nr.130
3,51€
Flügel
https://www.fluegel-
gmbh.de/produkte/pflanzenschutz/fang-
und-bekoederungssysteme-fuer-
maeuse/maeusekoederbox-nr.-130-
f06.022?c=12248
Roguard Köderbox
für Mäuse BASF
2,99€
Unkrautvernichter-shop
https://www.unkrautvernichter-
shop.de/Roguard-Koederbox-fuer-
Maeuse.html
Köderbox
für
Mäuseköder
2,85€
Unkrautvernichter-shop
https://www.unkrautvernichter-
shop.de/Koederbox-fuer-
Maeusekoeder.html
Köderbox für Ratten
und Mäuse
6,89€
Unkrautvernichter-shop
https://www.unkrautvernichter-
shop.de/Koederbox-fuer-Ratten-und-
Maeuse.html
Zu beachten ist, dass bisher keine dieser Stationen mit der laut NT680 erforderlichen Beschriftung
(„Vorsicht Mäusegift“, Wirkstoff, Giftnotruf, „Kinder und Haustiere fernhalten“) versehen ist. Diese
muss z.B. mit einem wasserfesten weißen Edding-Stift vor deren Anwendung angebracht werden.
Zudem müssen die Köderstationen z.B. durch einen Erdnagel oder Draht verankert werden.
2.
Weitere Hinweise im Ergebnis des Besichtigungstermins
-
Die Vertreterinnen des LfULG wiesen auf die Erfordernis eines Nachweises hin, der die
Notwendigkeit der Bekämpfung vor der Mittelausbringung belegt. Die im SBS praktizierten
Verfahren: Probefänge durch Schlagfallen (2 Fallennächte) oder die Apfelreisermethode
werden als hinreichend eingestuft (Siehe Fachliches Gutachten gemäß PEFC: Gutachten
zur Anwendung eines Pflanzenschutzmittels – Forstschädliche Kurzschwanzmäuse, außer
Schermaus
https://intranetz.forst.smul.sachsen.de/fachthemen/waldoekologie/waldentwicklung/waldschu
tz/psm/Freigegebene%20Dokumente/Maus-Prog-V10.pdf
). In einem vergleichbaren Gebiet
(ähnliche Vegetation, strukturelle Gleichheit, örtliche Zusammengehörigkeit) ist es
ausreichend einen Nachweis für mehrere räumlich benachbarte Flächen zu erbringen.
-
Im Vorkommensgebiet der Haselmaus (siehe Karte Pflanzenschutz-Warndienst Allgemein
Nr. 8 vom 18. Dezember 2019) darf eine Rodentizidanwendung nur vom November bis
einschließlich Februar stattfinden. Folglich müssen alle Rodentizidanwendungen in diesen
Gebieten ab dem 29.02.2020 eingestellt werden.
-
Bei der Anwendung von Rodentiziden durch einen Unternehmer im Auftrag des SBS, muss
durch die Ausschreibung gewährleistet werden, dass der Anwender sachkundig ist, das
Gewerbe
beim
LfULG
angezeigt
wurde
und
zudem
alle
aktuell
gültigen
pflanzenschutzrechtlichen Regelungen eingehalten werden.
gez. Otto, RL 46