Verordnung
über die Leistungsprüfungen und die Zuchtwertfeststellung
bei Rindern
Fassung der Bekanntmachung vom 6. Juni 2000 (BGBl. 1 S. 805)
§ 1
(1) Zur Zuchtwertfeststellung bei einem Rind werden mindestens
1.
je nach der Zuchtrichtung die Zuchtwertteile Milchleistung oder Fleischleistung oder
beide Zuchtwertteile sowie
2.
bei einem Bullen, der zur künstlichen Besamung verwendet wird, der Zuchtwertteil
Zuchtleistung
festgestellt. Bei einem Bullen wird auch die äußere Erscheinung beurteilt. Der Zuchtwertteil Milch-
leistung umfasst mindestens die Leistungsmerkmale Fettmenge und Eiweißmenge, der Zucht-
wertteil Fleischleistung mindestens die Leistungsmerkmale Gewichtszunahme und Fleischansatz,
der Zuchtwertteil Zuchtleistung mindestens die Leistungsmerkmale Fruchtbarkeit, Kalbeverlauf
einschließlich der Kälberverluste und Nutzungsdauer. Sofern im Zuchtziel der täglichen
Gewichtszunahme keine wirtschaftliche Bedeutung beigemessen wird, kann auf deren Erfassung
verzichtet werden. Genetische Besonderheiten und Erbfehler werden ab dem 16. Juni 2002
entsprechend der Festlegung nach § 1 b der Verordnung über Zuchtorganisationen durch
Untersuchungen nach wissenschaftlich anerkannten Grundsätzen festgestellt.
(2) Nach Anlage 1 werden die Leistungsmerkmale für den Zuchtwertteil Milchleistung an
weiblichen, für den Zuchtwertteil Fleischleistung mindestens an männlichen und für den
Zuchtwertteil Zuchtleistung mindestens an weiblichen Rindern in Leistungsprüfungen ermittelt
sowie die äußere Erscheinung mindestens an Bullen beurteilt.
(3) Der Zuchtwert wird nach den Grundsätzen der Anlage 2 festgestellt. Werden dabei die
Leistungsmerkmale in einem Index zusammengefasst, so werden sie nach ihrer sich aus dem
Zuchtprogramm ergebenden Bedeutung gewichtet.
(4) Bei der Zuchtwertfeststellung wird für die einzelnen festgestellten Zuchtwertteile die Genauigkeit
mindestens für Bullen angegeben.
§ 1a
Die für die Erteilung der Besamungserlaubis zuständige Behörde veröffentlicht bei Bullen, die zur
künstlichen Besamung eingesetzt werden, das Ergebnis der nach § 1 Abs. 1 Satz 5 durchgeführten
Untersuchungen.
§ 2 (Inkrafttreten, Außerkrafttreten)

Anlage 1
(zu § 1 Abs. 2)
Grundsätze für die Durchführung der Leistungsprüfungen
und die Beurteilung der äußeren Erscheinung
1.
Voraussetzungen
Die zu prüfenden Rinder müssen nach den Bestimmungen der Viehverkehrsordnung
gekennzeichnet und mit diesem Kennzeichen in den Prüfungsunterlagen aufgeführt
sein.
2.
Milchleistungsprüfung
2.1
Allgemeines
2.2.1
In der Milchleistungsprüfung wird nach den vom Internationalen Komitee für
Leistungsprüfungen in der Tierproduktion festgelegten Richtlinien durchgeführt. Es
werden alle Milchkühe des Bestandes geprüft.
2.2
Durchführung der Prüfung
2.2.1
Bei der Prüfung werden für jede Kuh mindestens die Milchmenge sowie der Fett- und
Eiweißgehalt ermittelt (reguläre Prüfung) und als Tagesgemelk dargestellt.
2.2.2
Die Melkzeiten und das Melkverfahren dürfen am Prüfungstag gegen über den be-
triebsüblichen Melkzeiten und Melkverfahren nicht geändert werden.
2.2.3
Zum
Wiegen
und
Messen
dürfen
nur
vom
Internationalen
Komitee
für
Leistungsprüfungen in der Tierproduktion anerkannte Geräte und Einrichtungen
verwendet werden. Für Geräte zur Bestimmung der Milchinhaltsstoffe gelten die
Mindestanforderungen der Milch-Güteverordnung vom 9. Juli 1980 (BGBl. 1 S.
878,1081) in der jeweils geltenden Fassung.
2.2.4
Das am Prüftag angewendete Verfahren ist für jedes Einzeltier in den
Prüfungsunterlagen zusammen mit den Prüfungsergebnissen zu registrieren..
2.3
Leistungsangaben im Zuchtbuch
2.3.1
Zur Darstellung der Ergebnisse der Milchleistungsprüfung werden mindestens ver-
wendet:
2.3.1.1
alle 305-Tage-Leistungen; eine 305-Tage-Leistung ist die Leistung in derzeit vom Tage
nach dem Kalben bis zum Ende des letzten Prüfungszeitraums dieser Laktation,
mindestens von 250 Tagen, längstens bis zum Ablauf des 305. Laktationstages;
angegeben werden die Ordnungszahl der Laktation und die Anzahl der Laktationstage,
sowie
2.3.1.2
die mittlere 305-Tage-Leistung; sie ist der Durchschnitt aller 305-Tage-Leistungen;
angegeben werden die Zahl der Laktationen und die mittlere Zwischenkalbezeit.
2.3.2
Zusätzlich können verwendet werden:
2.3.2.1
die Jahresleistung; sie ist die Leistung einer Kuh in einem Prüfungsjahr;
2.3.2.2
die mittlere Jahresleistung; sie wird berechnet, indem die Leistung in der Zeit vom
Tage nach dem ersten Kalben bis zum Ende des letzten abgeschlossenen Prüfungs-
jahres, bei abgegangenen Kühen bis zu ihrem Abgang, durch die Anzahl der Tage
dieses Zeitraums dividiert und das Ergebnis mit 365 multipliziert wird; Voraussetzung
für die Berechnung ist, dass mindestens zwei Laktationen abgeschlossen sind und der
Zeitraum vom ersten Kalben an mindestens 730 Tage beträgt;
2.3.2.3
die Lebensleistung; sie ist die Leistung vom Tage nach dem ersten Kalben bis zum
Ende des letzten abgeschlossenen Prüfungsjahres, bei abgegangenen Kühen bis zum
Abgang;
2.3.2.4
die Bestandsdurchschnittsleistung; sie wird berechnet, indem die Milchmenge,
Fettmenge und Eiweißmenge eines Bestandes im Prüfungsjahr durch die Summe der
Futtertage des Bestandes dividiert und die Ergebnisse mit 365, in einem Schaltjahr mit
366, multipliziert werden.
2.3.2.5
die Teilleistung von im Verlauf der ersten Laktation abgegangenen Kühe vom Tage
nach der Kalbung bis zum Abgang unter Angabe der Laktationstage.

2.3.3
Werden Leistungen auf das Alter der Kühe standardisiert, so werden sie besonders
gekennzeichnet.
2.3.4
Auf Antrag kann die zuständige Behörde zusätzlich Leistungen von Spenderkühen
nach einem Embryotransfer kennzeichnen.
2.4
Nicht einbezogene Leistungen
In die Leistungsangaben werden als beeinträchtigt anerkannte Leistungen nicht ein-
bezogen. Leistungen werden auf Antrag von der zuständigen Behörde als beein-
trächtigt anerkannt, wenn die Summe aus Fett- und Eiweißmenge
2.4.1
bei der ersten 305-Tage-Leistung oder Jahresleistung unter 50 v. H., bei der zweiten
305-Tage-Leistung oder Jahresleistung unter 60 v. H. der Bestandsdurchschnitts-
leistung oder bei einer späteren 305-Tage-Leistung oder Jahresleistung unter 60 v. H.
der mittleren 305-Tage-Leistung oder mittleren Jahresleistung liegt und diese Lei-
stungsminderung auf Verkalben, Embryotransfer oder eine durch tierärztliches Attest
nachgewiesene Krankheit - ausgenommen eine Fruchtbarkeitsstörung - zu-
rückzuführen ist oder
2.4.2
bei der ersten 305-Tage-Leistung oder Jahresleistung unter 50. v. H. der Bestands-
durchschnittsleistung liegt und das geprüfte Rind bei der Kalbung noch nicht 20
Monate alt war.
2.5
Nachprüfung
2.5.1
Die Ergebnisse der Milchleistungsprüfung werden stichprobenweise durch Nach-
prüfungen oder andere geeignete Maßnahmen abgesichert. Bestandsnachprüfungen
werden im Anschluss an reguläre Prüfungen durchgeführt. Werden sie erst später
durchgeführt, so erstrecken sie sich über eine gegenüber der regulären Prüfung
zusätzliche Melkzeit. In diesem Falle dient die erste Melkzeit der Überprüfung des
Melkintervalls, das der Bestandsprüfung vorausgeht, und wird in die Berechnung der
Leistungen nicht einbezogen. Die Ergebnisse der Bestandsnachprüfung sind für die
Feststellung der Leistung im Bestand maßgebend.
2.5.2
Als fehlerhaft festgestellte Ergebnisse der regulären Prüfungen werden nicht berück-
sichtigt.
3.
Fleischleistungsprüfung
3.1
Allgemeines
3.1.1
Die Fleischleistungsprüfung wird als Stationsprüfung oder als Feldprüfung bei
Veranstaltungen der Zuchtorganisationen, in Schlacht-, Mast- oder Zuchtbetrieben
durchgeführt. Der Fleischansatz wird als Bemuskelung (Bewertungsergebnis der
Bemuskelung von Keule, Rücken und Schulter) oder als Handelsklasse (Ergebnis der
Einstufung in das gemeinschaftliche Handelsklassenschema) oder als Fleischanteil
ermittelt.
3.2
Prüfungsarten
3.2.1
Stationsprüfung
Am lebenden Tier wird mindestens die durchschnittliche tägliche Gewichtszunahme im
Prüfungszeitraum soweit die Bemuskelung ermittelt. Für geschlachtete Tiere werden
zusätzlich die Nettogewichtszunahme und die Handelsklasse ermittelt. Die
Nettogewichtszunahme ergibt sich aus dem Schlachtgewicht dividiert durch die Zahl
der Lebenstage.
Zusätzlich können weitere Merkmale ermittelt werden, insbesondere
- bei lebenden Tieren die Körpermaße und die Futteraufnahme,
- bei geschlachteten Tieren der Muskelfleischanteil mittels Zerlegung der einer
geeigneten Schätzformel sowie Merkmale der Fleischqualität.
3.2.1.1
Eigenleistungsprüfung
Die Prüfung wird an männlichen Zuchttieren vorgenommen. Sie beginnt innerhalb der
ersten acht Lebensmonate und erstreckt sich bei Bullen der Zuchtrichtung Fleisch auf

mindestens 120 Tage, bei Bullen der Zuchtrichtung Milch und Fleisch auf mindestens
180 Tage.
3.2.1.2
Nachkommenprüfung
Die Prüfung wird an männlichen Masttieren vorgenommen, die Stichproben der
Nachkommen von Prüfbulle darstellen. Sie beginnt bei der Zuchtrichtung Fleisch
innerhalb der ersten acht Lebensmonate und erstreckt sich auf mindestens 120 Tage;
sie beginnt bei der Zuchtrichtung Milch und Fleisch und bei Kreuzungskälbern nach
einer Eingewöhnungsperiode spätestens am 112. Lebenstag und dauert in der Regel
bis zum 420., mindestens bis zum 330. Lebenstag.
3.2.2
Feldprüfung
3.2.2.1
Prüfung bei Veranstaltungen für Zuchttiere
Die Prüfung wird an männlichen Zuchttieren vorgenommen, die am Veranstaltungstag
mindestens zehn Monate alt sein müssen. Es werden mindestens die durchschnittliche
tägliche
Gewichtszunahme
seit
Geburt
unter
Abzug
des
rassetypischen
Geburtsgewichtes sowie die Bemuskelung ermittelt.
3.2.2.2
Prüfung in Schlachtbetrieben
Die Prüfung wird an männlichen Masttieren vorgenommen. Die Ergebnisse werden in
Schlachtbetrieben ermittelt.
3.3.2.3
Gelenkte Prüfung in Mastbetrieben
Die Prüfung wird an männlichen Zuchttieren vorgenommen, die Stichprobe der
Nachkommen von Prüfbullen darstellen.
Es werden mindestens die tägliche
Gewichtszunahme im Mastabschnitt sowie die Bemuskelung oder bei Vorliegen des
Schlachtergebnisses die Nettogewichtszunahme und die Handelsklasse ermittelt.
3.3.2.4
Prüfung bei Kälberabsatzveranstaltungen
Die Prüfung wird an männlichen zur Weitermast vorgesehenen Kälbern vorgenommen,
die Stichproben der Nachkommen von Prüfbullen darstellen.
Es
werden
mindestens das Alter, das Lebendgewicht und der Preis je Kilogramm Lebendgewicht
ermittelt.
3.3.2.5
Prüfung weiblicher Tiere der Zuchtrichtung „Milch und Fleisch“ in Milchviehbetrieben.
Die Prüfung wird an einer Stichprobe von weiblichen Nachkommen von Püfbullen
innerhalb von sechs Monaten nach der ersten Kalbung vorgenommen. Die Bewertung
erfolgt nach rassespezifischen Grundsätzen. Es wird mindesten die Bemuskelung
ermittelt.
3.3.2.6
Prüfung in Mutterkuhherden
Es werden geschlechtsspezifisch die auf 200 Tage standardisierten Gewichte und die
Bemuskelung der Kälber. Zusätzlich kann das 365-Tage-Gewicht ermittelt werden.
3.3
Nachprüfungen
Sofern die Fleischleistungsprüfung von Tierhaltern durchgeführt wird, werden die
Ergebnisse stichprobenweise durch Nachprüfung oder andere geeignete Maßnahmen
abgesichert. Die Ergebnisse der Nachprüfung sind für die Feststellung der Leistung
maßgebend.
4.
Zuchtleistungsprüfung
4.1
Fruchtbarkeit
Das Merkmal Fruchtbarkeit wird durch die Non-Return-Ergebnisse der Kühe am 90.
Tag nach der Belegung erhoben. Doppelbesamungen bleiben unberücksichtigt, der
Tag der Besamung wird nicht mitgezählt. In Mutterkuhherden wird stattdessen das
Erstkalbealter durch Befragung der Tierhalter ermittelt.
4.2
Kalbeverlauf
Die
Kälberverluste, Mehrlingsgeburten und Missbildungen sowie, außer in
Mutterkuhherden, der Kalbeverlauf werden getrennt für erste und spätere Abkalbungen
durch Befragen der Tierhalter ermittelt.
4.3
Nutzungsdauer
Die Nutzungsdauer wird über den Zeitpunkt des Abgangs weiblicher Tiere aus der
Leistungsprüfung ermittelt. Abgänge zur Zucht werden nicht berücksichtigt.

5.
Äußere Erscheinung
Die äußere Erscheinung wird nach einem Notensystem beurteilt.

Anlage 2
(zu § 1 Abs. 3)
Grundsätze für die Zuchtwertfeststellung
1.
Allgemeines
1.1
Der Zuchtwert wird nach wissenschaftlich gesicherten Methoden festgestellt. Dabei werden
verwandtschaftliche Beziehungen berücksichtigt und Leistungsunterschiede, die nicht genetisch bedingt
sind, nach Möglichkeit ausgeschaltet.
1.2
Die Zuchtwertteile werden als Relativzahlen berechnet und dazu für alle Merkmale in der Weise
standardisiert, dass die Zuchtwertteile der jüngsten drei vollständig geprüften Bullenjahrgänge der
Population einen Mittelwert von 100 ergeben und dass die Standardabweichung bei unbegrenzter
Informationsmenge 12 Punkte beträgt.
1.3
Die Zuchtwertteile werden entsprechend ihrer Bedeutung für die jeweilige Rasse zusammengefasst und
wie unter Nummer 1.2 standardisiert.
1.4
Die Sicherheit ist das Bestimmtheitsmaß für die Übereinstimmung zwischen dem festgestellten Zuchtwert
oder Zuchtwertteil und dem Zuchtwert oder Zuchtwertteil, der sich bei unbegrenzter lnformationsmenge
ergäbe.
1.5
Ein außerhalb des Geltungsbereichs dieser Verordnung festgestellter Zuchtwert von solchen Bullen, für
die im Geltungsbereich dieser Verordnung kein Zuchtwert mit hinreichender Sicherheit festgestellt
werden kann, wird auf Antrag nach einem vom Internationalen Komitee für Leistungsprüfungen in der
Tierproduktion anerkannten Verfahren umgerechnet.
2.
Milchleistung
Der Zuchtwertteil Milchleistung wird auf Grund des entsprechenden Zuchtwertteils des Vaters und der
Mutter und, soweit vorhanden, auf Grund der Eigenleistungen des Rindes und der Leistungen seiner
Nachkommen festgestellt.
Der Zuchtwert von Besamungsbullen wird festgestellt, wenn die Sicherheit mindestens 50 % beträgt.
3.
Fleischleistung
3.1
Der Zuchtwertteil Fleischleistung wird anhand von Ergebnissen der Fleischleistungsprüfungen
festgestellt. Dabei können Informationen aus mehreren Prüfungen entsprechend ihrer Bedeutung für den
Zuchtwert zusammengefasst werden.
3.2
Der Zuchtwertteil Fleischleistung bezieht sich auf eine Zuchtverwendung des Rindes in seiner
Zuchtrichtung. Er kann zusätzlich für Kreuzungen des Rindes mit Rindern anderer Zuchtrichtungen
festgestellt werden. Wenn er zusätzlich für Kreuzungen des Rindes mit Rindern anderer Zuchtrichtungen
festgestellt wird, ist dieses zu kennzeichnen.
3.3
Bei Besamungsbullen der Zuchtrichtung Milch und Fleisch und der Zuchtrichtung Fleisch muss der
Zuchtwertteil Fleischleistung mit einer Sicherheit festgestellt werden, die höher ist, als bei einer alleinigen
Eigenleistungsprüfung nach Anlage 1 Nr. 3.2.2.1. Sofern die Nettogewichtszunahme oder Merkmale der
Fleischqualität geprüft werden, sind diese Merkmale bei der Zuchtwertfeststellung von Besamungsbullen
zu berücksichtigen.
4.
Zuchtleistung
Im Zuchtwertteil Zuchtleistung werden die Ergebnisse für Fruchtbarkeit,
Kalbeverlauf und
Nutzungsdauer zusammengefasst.