image
image
image
Umsetzung der Fünften Verordnung zur Änderung
der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung
1
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
Gliederung
1.
Aktionsprogramm Insektenschutz
2.
Änderung Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung
3.
Herausgabe von Daten zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nach SächsUIG
4.
Gedanken zur Entwicklung des Pflanzenschutzes
2
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
image
1. Aktionsprogramm Insektenschutz
Aktionsprogramm Insektenschutz der vergangenen Bundesregierung
Ursache:
v.a. Aussagen der „Krefelder Studie“ zum Rückgang der Biomasse
von Insekten in Deutschland
Ziele:
Trendumkehr beim Rückgang der Insekten und ihrer Artenvielfalt
Verbesserung des Rote-Liste Status von Insekten
Steigerung der Insektenbiomasse bei gleichzeitigem Erhalt der
Artenvielfalt
3
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
1. Aktionsprogramm Insektenschutz
Aktionsprogramm Insektenschutz der vergangenen Bundesregierung
Es wurden insgesamt 9 Handlungsfelder definiert:
Insektenlebensräume und Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft fördern
Lebensräume für Insekten in anderen Landschaftsbereichen wiederherstellen
und vernetzen
Schutzgebiete als Lebensräume für Insekten stärken
Anwendung von Pestiziden mindern
Einträge von Nähr- und Schadstoffen in Böden und Gewässer reduzieren
Lichtverschmutzung reduzieren
Forschung vertiefen – Wissen vermehren – Lücken schließen
Finanzierung verbessern – Anreize schaffen
Engagement der Gesellschaft befördern
4
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
1. Aktionsprogramm Insektenschutz
5
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33
„Krefelder Studie“
Durchführung durch Entomologischen Verein
Biomasse von fliegenden Insekten untersucht (1989 - 2016)
63 wechselnde Standorte in Naturschutzgebieten (DE)
Rückgang von 75% der Biomasse in den vergangenen 27 Jahren
Kritik aus wissenschaftlicher Sicht:
Uneinheitliche Probenzahl pro Jahr
Ständiger Ortswechsel (63 Standorte, max. 4 Jahre am selben Ort)
Keine Aussagen zur Artenvielfalt und Biodiversität
Studie ist dennoch Grundlage umfangreicher politischer Entscheidungen

image
1. Aktionsprogramm Insektenschutz
6
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33
Weitere Studien ohne Würdigung
Monitoring von Fluginsekten (Chris R. Shortall)
4 Agrarstandorte in England (1973 – 2004)
Saugfallen (Höhe 12 m)
An 3 Standorten keine Änderungen festgestellt
1 Standort mit Rückgang, aber aufgrund landschaftlicher Veränderungen
Meta-Analyse zu Insektenpopulationen (van Klink et al., Science 368, 417-420, 2020)
Zusammenfassung von 166 Langzeitstudien
1.676 Orte weltweit
Veränderung terrestrischer (-8,8%) und aquatischer (+11,3%)
Insektenpopulationen pro Dekade
Insgesamt kein globaler Trend zum Insektenrückgang feststellbar
Rückgang terrestricher Arten nur in Europa
Insgesamt schwächt sich Rückgang seit 1990 ab
Leider keine Berücksichtigung dieser Studien in aktuellen Diskussionen

image
1. Aktionsprogramm Insektenschutz
Aktionsprogramm Insektenschutz der vergangenen Bundesregierung
Umsetzung erfolgte 2021 mit dem „Insektenschutzpaket“:
Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatG):
Schutz von Biotopen (artenreiches Grünland, Trockenmauern, Streuobstwiesen)
Verringerung der Lichtverschmutzung
Anwendungsverbot von Bioziden in Schutzgebieten
5. Verordnung zur Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung (PflSchAnwV)
Einschränkungen beim Einsatz von Glyphosat
Anwendungsverbot bestimmter Pflanzenschutzmittel in Schutzgebieten
Gewässerabstände beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
Verstöße sind CC relevant!
7
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
2. Änderung der PflSchAnwV
§
3 b Besondere Anwendungsbestimmungen für Glyphosat
(2) Die Anwendung ist nur zulässig, wenn:
Vorbeugende Maßnahmen nicht durchgeführt werden und andere technische
Maßnahmen nicht geeignet oder zumutbar sind.
Aufwandmenge, Häufigkeit der Anwendung und zu behandelnde Flächen sind auf das
notwendige Maß zu beschränken.
Grundsätze des Integrierten Pflanzenschutzes sind zu beachten
Es wird eine Dokumentation der Abwägungsgründe empfohlen
8
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
2. Änderung der PflSchAnwV
§
3 b Besondere Anwendungsbestimmungen für Glyphosat
(3) Eine Anwendung zur Vorsaatbehandlung ist nur zulässig:
Zur Bekämpfung perennierender (ausdauernder) Unkrautarten (z.B.: Ackerkratzdistel,
Ackerwinde, Ampfer, Landwasserknöterich, Quecke, Weidelgras usw.)
Auf den betroffenen Teilflächen
Dokumentation wird empfohlen
Zur Unkrautbekämpfung auf erosionsgefährdeten Ackerflächen
Ausgenommen sind Direktsaat- oder Mulchsaatverfahren und die Stoppelbehandlung
nach der Ernte
9
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
2. Änderung der PflSchAnwV
§
3 b Besondere Anwendungsbestimmungen für Glyphosat
(4) Eine flächige Anwendung auf Grünland ist nur zulässig
Zur Erneuerung des Grünlandes bei einer Starkverunkrautung, welche die
wirtschaftliche Nutzung des Grünlandes oder die Futtergewinnung wegen eines Risikos
für die Tiergesundheit nicht mehr möglich macht
Die Anwendung ist auf die betroffenen Teilflächen zu beschränken
Vorbereitung einer Neueinsaat auf erosionsgefährdeten Flächen oder Flächen bei
denen eine wendende Bodenbearbeitung auf Grund anderer Vorschriften nicht erlaubt
ist.
10
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
2. Änderung der PflSchAnwV
§
3b Besondere Anwendungsbestimmungen für Glyphosat
(5) Folgende Anwendungen sind nicht mehr zulässig:
Spätanwendung vor der Ernte
Anwendung in Wasserschutzgebieten
Anwendung in Heilquellenschutzgebieten
Anwendung in Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten
11
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
image
2. Änderung der PflSchAnwV
§
4 Verbot der Anwendung in Gebieten mit Bedeutung für den Naturschutz
In Naturschutzgebieten, Nationalparks, Nationalen Naturmonumenten,
Naturdenkmälern und gesetzlich geschützten Biotopen dürfen folgende PSM nicht
angewendet werden:
PSM mit Stoffen der Anlage 2 oder 3 PflSchAnwV (z.B.: Zinkphosphid)
Alle Herbizide
Bienen- oder bestäubergefährliche Insektizide (B1 bis B3; NN 410)
12
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
2. Änderung der PflSchAnwV
§
4 Verbot der Anwendung in Gebieten mit Bedeutung für den Naturschutz
Verbote gelten auch für FFH Gebiete, dort ausgenommen sind:
Ackerflächen
Flächen zur Vermehrung von Saat- und Pflanzgut
Gartenbau, Weinbau, Obstbau, Hopfenanbau und sonstige Sonderkulturen
13
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
2. Änderung der PflSchAnwV
§
4 Verbot der Anwendung in Gebieten mit Bedeutung für den Naturschutz
Auf Ackerflächen in FFH Gebieten sollen in den Bundesländern freiwillige
Vereinbarungen und Maßnahmen zur Bewirtschaftung ohne der genannten PSM
getroffen werden
Untersuchung und Berichterstattung durch das BMEL bis 30.06.2024
Daher neue AUK Maßnahme für die GAP Förderperiode ab 2023 geplant:
Insektenschonende Ackerbewirtschaftung in FFH Gebieten
Kein Einsatz von Herbiziden und Insektiziden, außer im Öko-Anbau zugel. PSM
Alle Flächen des Betriebes in FFH Gebieten
TN erforderlich, um weitere gesetzliche Einschränkungen zu verhindern
14
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
2. Änderung der PflSchAnwV
§
4 Verbot der Anwendung in Gebieten mit Bedeutung für den Naturschutz
Die zuständige Behörde kann Ausnahmegenehmigungen unter folgenden
Voraussetzungen erteilen:
Abwendung erheblicher landwirtschaftlicher, forstwirtschaftlicher oder sonstiger
wirtschaftlicher Schäden
Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, insbesondere vor invasiven Arten
Gewährleistung der Verkehrssicherheit von Schienenwegen
Keine Ausnahmen: Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat!
15
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
2. Änderung der PflSchAnwV
16
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33
Verfahrensablauf für Ausnahmegenehmigungen
nach
§
4 Abs. 2 PflSchAnwV in Sachsen:
LfULG (R73) ist zuständige Behörde für die Erteilung der Ausnahmegenehmigung
Für eine Genehmigung ist jedoch das Einvernehmen der zuständigen
Naturschutzbehörde erforderlich
Vor Antragstellung wird empfohlen:
Frühzeitige Kontaktaufnahme mit dem LfULG (R73) zur Klärung der formalen
Antragsvoraussetzungen und möglicher Bekämpfungsalternativen
Antragsformular wird als Download auf der Internetseite des LfULG abrufbar sein
Bis zur Bereitstellung des Formulars auch formloser Antrag möglich
Umfangreiche Begründung für Ausnahmetatbestand erforderlich
Boniturergebnisse, Fallenfänge, Prognosemodelle, Vorjahresbefall usw.
Einzelfallentscheidung für die Bekämpfung eines konkreten Schaderregers
Sammelantrag für mehrere Schaderreger einer Kultur möglich

image
2. Änderung der PflSchAnwV
§
4 a Verbot der Anwendung an Gewässern
Pflanzenschutzmittel dürfen an Gewässern innerhalb eines Abstandes von 10 m ab
Böschungsoberkante nicht angewendet werden
Bei einer ganzjährig begrünten Pflanzendecke, beträgt der Abstand 5 m
Bodenbearbeitung zur Erneuerung des Pflanzenbewuchses darf einmal innerhalb
von fünf Jahren erfolgen
Ausnahmegenehmigungen durch zuständige Behörde möglich
§
4 a gilt nicht in Sachsen, weil Sachsen bereits eigene Regelungen zum
Gewässerabstand beim Einsatz von PSM im SächsWG festgelegt hat
In Sachsen gilt weiterhin der bisherige Gewässerabstand von 5 m
17
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
2. Änderung der PflSchAnwV
§
9 Generelles Anwendungsverbot
Ab 01. Januar 2024 unterliegen die Wirkstoffe Glyphosat und Glyphosat Trimesium
einem generellen Anwendungsverbot
Voraussetzung: Glyphosat erhält keine erneute EU-Wirkstoffgenehmigung
Keine Neuzulassung von Glyphosat für:
Haus- und Kleingarten
Flächen, die von der Allgemeinheit genutzt werden (z.B. Parks, Sportplätze)
Bestehende Zulassungen für die o.g. Bereiche bleiben unberührt
18
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33

image
3. Herausgabe von Daten zur Anwendung von
Pflanzenschutzmitteln nach SächsUIG
19
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33
Richtungsweisende Urteile des VGH Karlsruhe vom 04.05.2021
Baden Württemberg (BW) muss Naturschutz- und Wasserzweckverband Zugang
zu Pflanzenschutz-Aufzeichnungen gewähren
Anspruch besteht aus Umweltverwaltungsgesetz von BW, nicht aus dem
Pflanzenschutzrecht (PflSchG oder EU-PflSchVO)
Zugang in Sachsen (SN) ist durch
§
4 Sächsisches Umweltinformationsgesetz geregelt
Identische Rechtslage wie BW mit gleichen Auswirkungen
Erste Anfrage eines Naturschutzverbandes liegt auch in SN vor:
Flächen im Einzugsgebiet des Messstellen des Kleingewässermonitorings
Anwendungen der Jahre
2018
, 2019, 2020, 2021
Bezeichnung des verwendeten PSM
Zeitpunkt der Ausbringung
Aufwandmenge
Lage (Schlag) und Größe der behandelten Fläche
Aufzeichnungen zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind auch unter dem
Gesichtspunkt der Einsichtnahme Dritter sehr sorgsam und gewissenhaft zu führen!

image
20
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33
4. Gedanken zur Entwicklung des Pflanzenschutzes
Aktuelle Probleme in der öffentlichen Debatte:
Gezielte Kampagnen gegen Pflanzenschutz und Landwirtschaft
Desinformation und Unwissenheit der breiten Öffentlichkeit
Bevölkerungsmehrheit lebt in Städten und verliert Bezug zum Land
Gesellschaft im Überschuss: Hunger & Lebensmittelknappheit sind kein Thema
Gegenteilige Positionen oder anderslautende wissenschaftliche Fakten werden im
Diskurs zunehmend ausgeblendet
Kampagnenziel „Pesitzidfreie Landwirtschaft“ steht über dem Ziel einer
tatsächlichen Ökologisierung der Landwirtschaft

image
image
23
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33
Kritische Fragestellungen im gesellschaftlichen Diskurs:
Zitate: Andreas von Tiedemann, Universität Göttingen
4. Gedanken zur Entwicklung des Pflanzenschutzes

image
24
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33
Forderungen eines gesamtgesellschaftlichen Wandels zu einer
nachhaltigeren Landwirtschaft
Bisheriger Entwicklung sorgte für Verbesserung der Ernährungssicherheit
bei zeitgleicher Verbesserung der ökologischen Standards
In welche andere Richtung soll der Wandel erfolgen?
Widersprüche der „Ökologie Bewegung“ für eine weitere positive Entwicklung
zu einem umweltverträglicheren Pflanzenschutz:
Blockade der Gentechnik und innovativer Züchtungsmethoden
Potential nicht-chemischer Kontrolle von Schaderreger
Befürwortung des Kupfereinsatzes
Toxische/ Ökotoxische Nebenwirkungen
Glyphosatverbot
Vorteile des Bodenschutzes
Beizverbot/ Neonikotinoid-Verbot
Einsparpotentiale durch gezielte Ausbringung
4. Gedanken zur Entwicklung des Pflanzenschutzes

image
25
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33
Alternativen und deren Potential für eine Reduzierung des chemischen
Pflanzenschutzes:
Biologicals
Aktuell 16 Wirkstoffe (50 von 5.577 PS-Indikationen)
Derzeit Stagnation bei Einführung neuer PSM
Wirkungsgrade schwankend und nicht immer ausreichend
Mittleres Potential
Biotechnologie (Gentechnik, Genschere, Genstummschaltung)
Gesellschaftlich und politisch nicht akzeptiert
Sehr großes Potential
Digitalisierung (Robotik, digitale Techniken)
Praxisverfügbarkeit v.a. im Bereich Unkrautregulierung
Präzisere Applikation (sensorgesteuert)
Großes Potential
Vorbeugende Anbausysteme
Biologische Grenzen durch Anfälligkeit von Kulturpflanzen
Geringes Potential
4. Gedanken zur Entwicklung des Pflanzenschutzes

image
27
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33
Zusammenfassung:
Der Pflanzenschutz sichert Ernährung, Qualität und Ertrag
Ein genereller Verzicht auf den Pflanzenschutz ist ohne erhebliche negative
Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion nicht möglich
Produktivitäts- und Qualitätsverluste (Backweizen)
Verlust von Kulturarten (Raps, Zuckerrübe)
Verlust des Status als Hochertragsstandort
Höfesterben
Intensivierung der Produktion in anderen Teilen der Welt
Die Bedeutung an ganzheitlichen Bekämpfungsverfahren im Sinne des Integrierten
Pflanzenschutzes wird zunehmen
Unbedingte Notwendigkeit des Vorhandenseins wirtschaftlicher Alternativen, die
eine Reduzierung des chemischen Pflanzenschutzes ermöglichen
Aufklärung der Bevölkerung über verantwortungsvollen Umgang mit
Pflanzenschutzmitteln und deren Nutzen (z.B. Aktion „Schau ins Feld“)
Landwirtschaft hat sich bereits stark im Sinne des Umweltschutzes gewandelt und
ist bereit diesen Weg weiterzugehen
Dies geht aber nur gemeinsam und unter Wahrung der Kernaufgaben der Betriebe:
Die (land)wirtschaftliche Produktion und Ernährung der Bevölkerung!
4. Gedanken zur Entwicklung des Pflanzenschutzes

image
28
Hendrik Höne, SMEKUL Referat 33
Vielen Dank
für Ihre Aufmerksamkeit!
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien
eine schöne Adventszeit,
ein frohes Weihnachtsfest
sowie einen guten Rutsch in das Jahr 2022!