In memoriam Prof. Dr. Dr. Ing. h. c. Gottfried Kiesow
Nach schwerer Krankheit ist am 7. November 2012 Prof. Dr. Dr. Gottfried Kiesow verstorben.
Sein Ableben bedeutet einen großen Verlust für die Denkmalpflege in Deutschland.
Gottfried Kiesow wurde am 7. August 1931 in Altgennin / Kreis Landsberg an der Warthe
geboren. Von 1951 bis 1956 studierte er an der Universität Göttingen Kunstgeschichte,
Klassische Archäologie und Geschichte mit anschließender Promotion. Danach erhielt er am
Kunsthistorischen Institut in Florenz einen Forschungsauftrag über „Gotische Architektur in
der Toscana“. Ab 1961 war er zwei Jahre Bezirksdenkmalpfleger in Hannover und
anschließend drei Jahre Bezirkskonservator in Braunschweig. 1966 wurde Gottfried Kiesow
Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Seit 1975 als Honorarprofessor im
Fachbereich Kunstgeschichte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am
Main tätig, übernahm er im gleichen Jahr auch den Vorsitz der Vereinigung der
Landesdenkmalpfleger der Bundesrepublik Deutschland sowie die Leitung der Arbeitsgruppe
„Fachliche Fragen der Denkmalpflege“ des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz.
Prof. Kiesow war Mitbegründer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und ab 1990 deren
Stellvertretender Vorsitzender. Von 1994 bis 2010 als Vorsitzender der Stiftung tätig,
übernahm er 2010 den Vorsitz im Kuratorium der Stiftung.
2004 verlieh ihm die Technische Universität Dresden die Ehrendoktorwürde. Am 27. Juni
2010 wurde er von der Deutschen Nationalstiftung für sein Lebenswerk mit dem Deutschen
Nationalpreis 2011 ausgezeichnet.
Getreu seinem Credo „Denkmalschutz ist der Dank an die Vergangenheit, die Freude an der
Gegenwart und unser Geschenk an die Zukunft“ war Prof. Kiesow während seines gesamten
Schaffens darum bemüht, den Menschen in unserem Land den Wert des baukulturellen
Erbes zu vermitteln und deren Unterstützung für die Bewahrung unserer Denkmale für
künftige Generationen zu bewirken. Dabei stellten die Kontaktpflege mit den Unterstützern
der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, den Bürgern unseres Landes und insbesondere die
Arbeit mit Jugendlichen und Kindern Schwerpunkte seines Schaffens dar. Mit einer Vielfalt
an Publikationen, Vorträgen und Veranstaltungen wirkte er im Sinne dieser Zielstellungen. In
den zurückliegenden 25 Jahren entwickelte sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in
Deutschland mit über 190 000 Förderern, Freunden, Partnern und der GlücksSpirale zur
größten Bürgerbewegung für den Denkmalschutz. Über 3 800 Kulturdenkmale konnten in
dem genannten Zeitraum gerettet und für kommende Generationen bewahrt werden. Mit der
von Prof. Kiesow gegründeten „Ingeborg- und Gottfried Kiesow-Stiftung“ leistete der einen
weiteren persönlichen Beitrag zur Förderung der Denkmalkultur.
Sein initiativreiches Handeln zur Erhaltung des baukulturellen Erbes fand auch darin
Anerkennung, dass ihm das Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und
Städtebau 1991 gemeinsam mit Dipl. Ing. Michael Bräuer aus Rostock den Vorsitz der
neugegründeten Expertengruppe „Städtebaulicher Denkmalschutz“ übertrug. Dieses
Bundesförderprogramm wurde ursprünglich nur für den Geltungsbereich der ostdeutschen
Länder und Ostberlins beschlossen, um den reichen Denkmalbestand in diesem Teil
Deutschlands zu erhalten. Die Expertengruppe hatte die Aufgabe die Durchführung des
Programms zu begleiten und im Dialog mit allen Beteiligten, insbesondere den geförderten
Städten, sowie Experten der Denkmalpflege und des Städtebaus, den beabsichtigten
Stadterneuerungsprozess zu unterstützen. Als einer der Vorsitzenden der Expertengruppe
gelang es Prof. Kiesow, die Ziele der Stiftung im Konsens mit den Orientierungen und

Wirkungen des Förderprogramms zu verknüpfen. Die Ergebnisse des Förderprogramms und
des Wirkens der Expertengruppe sind in den Programmstädten gut erkennbar.
Seine Angehörigen, Freunde und die Fachwelt werden Prof. Kiesow mit einem
unermüdlichen Tatendrang und seinem partnerschaftlichen Verhalten schmerzhaft
vermissen.
Klaus Otto