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Tschechisches Hydrometeorologisches Institut
Außenstelle Ústí nad Labem
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
Abschlussbericht:
Untersuchung im deutsch-tschechischen Grenzgebiet
von Luftschadstoffen und
Geruchsstoffen mittels Geruchsprobandenprogramm
im Winterhalbjahr 2001/02
Auftraggeber:
Ministerium für Umwelt der Tschechischen Republik
Vršovická 65, CZ - 100 10 Praha 10
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
Archivstr. 1, D-01099 Dresden
Projektbearbeitung:
Tschechisches Hydrometeorologisches Institut (ČHMÚ) Prag, Außenstelle
Ústí nad Labem
Ing. Jan Abraham, Mgr. Lenka Janatová, Ing. Tomáš Hrbek
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG) Dresden,
Dr. Holger Gerwig
Mitarbeit:
Immissionskalibrierlabor (KLI) des Tschechischen Hydrometeorologischen
Instituts (ČHMÚ) Prag
Abteilung für Modellerstellung und Gutachten (OME) des Tschechischen
Hydrometeorologischen Instituts (ČHMÚ) Prag
Bezirkshygienestation (KHS) Ústí nad Labem
Kreishygienestation (OHS) Most
Institut für Umweltuntersuchungen GmbH (IFU) Ottendorf
Staatliche Umweltbetriebsgesellschaft Sachsen (UBG) Radebeul
Ústí nad Labem und Dresden, Oktober 2002

Seite 2 von 23
Inhalt
1 Einleitung
4
2
Untersuchung von Benzol und anderen Luftschadstoffen
5
2.1 Tschechischer Teil des Untersuchungsgebietes 5
2.2
Deutscher Teil des Untersuchungsgebietes
8
3
Untersuchung der Gerüche mittels Geruchsprobandenprogramm
12
3.1 Tschechischer Teil des Untersuchungsgebietes 12
3.2
Deutscher Teil des Untersuchungsgebietes
16
4 Zusammenfassung
20
5 Schlussfolgerungen
21
6 Literatur
22
Anlagen
1 Projektuntersuchungsgebiet - Karte
2a Projektabschlußbericht: „Benzolmessung, Geruchstoffidentifizierung und
Geruchsobjektivierung mittels Geruchsprobandenprogramm im deutsch -
tschechischen Grenzgebiet“, CHMU April 2002. 150 Seiten.
2b
Benzolmessungen, Identifikation von Geruchsstoffen und Objektivierung der Ge-
ruchsbelastung mittels Geruchsmodul im deutsch-tschechischen grenznahen
Raum, CHMU Dezember 2001. 43 Seiten.
3
Erhebung von Gerüchen in der Umgebung von Seiffen, IFU August 2002. 94
Seiten.
4a
Meteorologische Verhältnisse und deren Auswirkungen auf die Benzolgehalte der
Luft im grenznahen deutsch/tschechischen Erzgebirgsraum 1. Zwischenbericht:
Oktober 2001 bis Januar 2002, LfUG April 2002. 26 Seiten.
4b
2. Zwischenbericht: Februar bis März 2002, LfUG Mai 2002. 16 Seiten.
5
Einfluss der Windrichtung auf Benzolkonzentration bzw. Benzoldosis unter
Berücksichtigung verschiedener Wochentage im grenznahen
deutsch/tschechischen Erzgebirgsraum - von Januar 1999 bis Dezember 2001 -,
LfUG April 2002. 13 Seiten.

Seite 3 von 23
Abkürzungen
BaP Benzo(a)pyren
BMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
BTXE
Benzol, Toluol, Xylole (Summe von ortho-, meta und para-
Xylol), Ethylbenzol
CHMU
Český hydrometeorologický ústav
(Tschechisches Hydrometeorologisches Institut)
KGW
Kammgebiet – West
KGO
Kammgebiet - Ost
LfUG
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
M Meziboří
MZP CR Ministerstvo životního prostředí České republiky
(Ministerium für Umwelt der Tschechischen Republik)
m/s
Meter pro Sekunde
m ü NN
Meter über Normalnull
μg/m³
Mikrogramm pro Kubikmeter
(ein μg ist der Millionste Teil eines Gramms)
PAK Polyaromatische Kohlenwasserstoffe
SMUL Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
SODAR
(SOnic Detection and Ranging) Ein Gerät, welches mittels Schallwellen
die Windgeschwindigkeit in verschiedenen Höhen misst und
ermöglicht die Art und Höhe von Inversionen zu bestimmen.
SO
2
Schwefeldioxid
UBA Umweltbundesamt
UBG
Staatliche Umweltbetriebsgesellschaft Sachsen
VOC
volatile organic compounds = flüchtige organische Stoffe

Seite 4 von 23
1 Einleitung
Mit Bezug auf den Beschluss der 4. Sitzung der deutsch-tschechischen Umweltkommission
am 29. und 30.10.2001 wurde die deutsch-tschechischen Ad hoc AG Geruchsbelastung be-
auftragt, den vorliegenden Abschlußbericht zu erstellen.
Mitglieder dieser AG sind Vertreter des Ministeriums für Umwelt der Tschechischen Repu-
blik (MZP), des Tschechischen Hydrometeorologischen Institutes (CHMU), des Umweltbun-
desamtes (UBA), des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft
(SMUL) und des Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (LfUG).
Die Beschwerden von Bürgern über unerwünschte Gerüche im grenznahen Gebiet des Mittle-
ren Erzgebirges waren Anlass für diese Untersuchung.
Dieser Abschlußbericht fasst wesentliche Teile der bisherigen Untersuchungen auf tschechi-
scher und deutscher Seite zusammen.
In einem Teil wird der Zusammenhang zwischen der Konzentration von Benzol bzw. anderen
Luftschadstoffen und meteorologischen Bedingungen, insbesondere der Windrichtung und
der Windgeschwindigkeit dargestellt. Die Messstationen für Luftschadstoffe und Meteorolo-
gie befanden sich im sächsischen Teil auf dem Schwartenberg und in Deutscheinsiedel sowie
die SODAR-Station in Neuhausen. Im tschechischen Gebiet befinden sich die Messstationen
in Rudolice v Horách und Most. Die Messstation Most befindet sich in der Nähe des tschechi-
sches Untersuchungsgebietes, 15 km in südsüdöstlicher Richtung von Meziboří.
Betrachtet wird in dem Geruchsprobandenprogramm auf deutscher Seite das grenznahe Ge-
biet mit den Orten Olbernhau, Neuhausen, Deutschneudorf, Deutscheinsiedel und Seiffen. Im
tschechischen Teil umfasst das Gebiet Meziboří, Kammgebiet – West (Brandov, Hora Sv.
Kateřiny und Nová Ves v Horách) und Kammgebiet - Ost (Mníšek, Klíny und Český Jiřetín).
Die hier dargestellten Daten der Gerüche und Luftschadstoffe werden als Grundlage für wei-
tere Berechnungen zur Rückverfolgung von Luftmassen verwendet, was die bereits durch
REIMER (2001) gelieferten Ergebnisse örtlich stärker eingrenzen wird.

Seite 5 von 23
2
Untersuchung der Benzolkonzentration und weiterer Schadstoffe
2.1
Tschechischer Teil des Untersuchungsgebietes
An den Stationen Rudolice v Horách und Most wurden im Zeitraum vom 01.11.2001 bis
31.03.2002 unter anderem die Benzolkonzentration sowie die Windrichtung und
-geschwindigkeit gemessen. Die Station Most liegt im Becken des Erzgebirgsvorlandes in
einer geographischen Höhe von 221 m, sie befindet sich außerhalb des Untersuchungsgebietes
in einer Entfernung von ca. 15 km südsüdöstlich in Richtung von Meziboří. Es handelt sich
um eine typische städtische Station in einem Industriegebiet, deren Daten im Rahmen der
Studien als begleitende Daten angeführt wurden. Die Station Rudolice v.H. ist eine Bergsta-
tion in einer geographischen Höhe von 840 m, die im Kammgebiet West des tschechischen
Teiles des Untersuchungsgebietes liegt.
Die Verfügbarkeit der gemessenen Daten während des Untersuchungszeitraumes lag für die
Station Most bei 93 % und für die Station Rudolice v Horách bei 79 % (Tabl. 2.1.1).
Der durchschnittliche Wert der Windgeschwindigkeit betrug in Most ca. 30 % der in Rudolice
v Horách gemessenen Windgeschwindigkeit (Rudolice v H. 5,6 m/s, Most 1,7 m/s).
Windstille (Windgeschwindigkeit kleiner als 0,5 m/s) trat in Most in 20,9 % und in Rudolice
v H. nur in 0,8 % der Zeit des Untersuchungszeitraumes auf.
Der Wind wehte im Untersuchungszeitraum vorwiegend aus westlicher bis nordwestlicher
Richtung in Rudolice v H. und aus südwestlicher bis westsüdwestlicher Richtung in Most.
Die durchschnittliche Benzolkonzentration in Rudolice v H. betrug 0,9 μg/m³ und in Most
3,0 μg/m³.
In Rudolice v H. wurde eine maximale Halbstundenbenzolkonzentration von 14,0 μg/m³ ge-
messen (15.2.02, 18.30 Uhr), in Most von 40,5 μg/m³ (31.3.02, 00.00 Uhr), Das 98-Perzentil
betrug in Rudolice v H. 2,7 und in Most 13,8 μg/m³. Konzentrationen größer oder gleich des
98-Perzentils treten in Most vor allem bei Windstille auf (90,4%), in Rudolice v Horách
größtenteils bei nordöstlichem und ostnordöstlichem Wind (84 %). Der 98-Perzentil liegt in
Rudolice v H. dreimal höher und in Most 4,5-mal höher als die durchschnittliche Konzentra-
tion.
In den Diagrammen 2.1.1. a-c weisen wir auf die grafische Verzerrung der Ergebnisse im
Most auf Grund von 20,9 % Anteil an Windstille hin, wobei die durchschnittliche Konzentra-
tion bei Windstille 6,6 μg/m³ beträgt und die Benzoldosis 45,0 % der Gesamtdosis für Most.
Die Häufigkeit der Windstille an der Station Rudolice v Horách ist gering und die grafische
Darstellung der Konzentration und der Dosis weist für Rudolice v H. keine ausgeprägte Ver-
zerrung auf.
In Rudolice v H. wehte der Wind im Untersuchungszeitraum vorwiegend aus nordwestlicher
Richtung (Abb. 2.1.1 a). In Rudolice v H. traten die höchsten Benzolkonzentrationen bei süd-
östlicher Strömung auf (1 bis 2 μg/m³) (Abb. 2.1.1 c), und der höchste Beitrag zur Benzolbe-
lastung war bei südöstlicher und nordwestlicher Strömung zu verzeichnen (Abb. 2.1.1 b).

Seite 6 von 23
Tab. 2.1.1:
Benzolkonzentration im tschechischen Teil des Untersuchungsgebietes
auf Basis von Halbstundenmittelwerten
Durch-
schnittl.
Konzen-
tration in
μg/m³
Maximum
in μg/m³
98-
Perzentil
in μg/m³
Verfügbar-
keit
v %
M RH M RH M RH M RH
11/01 3,2 0,6 29,0 6,6 12,4 1,4 94 89
12/01 2,8 1,1 21,7 4,0 9,9 2,9 99 79
01/02 3,4 0,9 37,1 9,6 16,4 2,5 88 57
02/02 2,9 0,8 24,4 14,0 14,7 3,0 97 92
03/02 3,0 1,1 40,5 5,2 13,3 2,5 98 78
11/01-
03/02
3,0 0,9 40,5 14,0 13,8 2,7 93 79
M = Most; RH = Rudolice v Horách
(b)
(c)
0%
5%
10%
15%
20%
N
NNO
NO
ONO
O
OSO
SO
SSO
S
SSW
SW
WSW
W
WNW
NW
NNW
Rudolice v Horách
Most
Abb. 2.1.1 a - c:
Windrichtungshäufigkeit in % (a), Benzoldosis in % (b) und
Benzolkonzentration in μg/m3 (c) der Stationen Rudolice v Horách
(dicke Linie) und Most (dünnere Linie) im Zeitraum vom 1.11.2001
bis 31.3.2002
Im Bezug der Benzolkonzentrationen auf die einzelnen Wochentage war kein Unterschied
festzustellen.
Beim Vergleich der Benzolkonzentrationen zwischen Most und Rudolice v H. wurde kein
analoger zeitlicher Verlauf der Minima und Maxima festgestellt (Abb. 2.1.2, Abb. 2.1.3), was
dem völlig unterschiedlichen Charakter des Standortes dieser Stationen entspricht.
0
1
2
3
4
N
NNO
NO
ONO
O
OSO
SO
SSO
S
SSW
SW
WSW
W
WNW
NW
NNW
(a)
0%
5%
10%
15%
20%
N
NNO
NO
ONO
O
OSO
SO
SSO
S
SSW
SW
WSW
W
WNW
NW
NNW

Seite 7 von 23
0
5
10
15
20
25
30
01.11.2001
08.11.2001
15.11.2001
22.11.2001
29.11.2001
06.12.2001
13.12.2001
20.12.2001
27.12.2001
03.01.2002
10.01.2002
17.01.2002
24.01.2002
31.01.2002
07.02.2002
14.02.2002
21.02.2002
28.02.2002
07.03.2002
14.03.2002
21.03.2002
28.03.2002
[μg/m
3
]
Abb. 2.1.2:
Benzolkonzentrationen an der Station Most - Halbstundenmittelwerte
0
5
10
15
20
25
30
01.11.2001
08.11.2001
15.11.2001
22.11.2001
29.11.2001
06.12.2001
13.12.2001
20.12.2001
27.12.2001
03.01.2002
10.01.2002
17.01.2002
24.01.2002
31.01.2002
07.02.2002
14.02.2002
21.02.2002
28.02.2002
07.03.2002
14.03.2002
21.03.2002
28.03.2002
[μg/m
3
]
Abb. 2.1.3:
Benzolkonzentrationen an der Station Rudolice v Horách -
Halbstundenmittelwerte

Seite 8 von 23
2.2
Deutscher Teil des Untersuchungsgebietes
Im Zeitraum vom 1.10.01 bis 31.03.02 wurden an den Stationen Schwartenberg und Deut-
scheinsiedel u. a. die Parameter Benzolkonzentration, Windrichtung und Windgeschwindig-
keit erfasst.
Im Allgemeinen war die Windgeschwindigkeit in Deutscheinsiedel im Mittel nur halb so
groß, wie im direkten Vergleich mit der Höhenstation Schwartenberg. Die Verfügbarkeit der
Daten lag mit Ausnahme der Station Deutscheinsiedel für den Monat Dezember über 84 %
(Tab. 2.2.1).
Tab. 2.2.1:
Benzolkonzentration im deutschen
Untersuchungsgebiet auf Basis von
Halbstundenmittelwerten
Mittelwert
Benzol
in μg/m³
Maximum
Benzol
in μg/m³
98-
Perzentil
in μg/m³
Verfügbar-
keit
in %
S. D. S. D. S. D. S. D.
10/01 1,2 1,5 18,5 11,1 5,2 5,8 89 91
11/01 0,8 0,9 12,4 10,1 2,4 3,2 95 91
12/01 1,6 1,9 11,9 15,2 7,4 - 95 65
01/02 1,2 1,7 14,5 26,4 4,2 7,7 96 84
02/02 1,0 1,2 13,2 19,4 4,4 6,1 86 91
03/02 1,4 1,4 10,4 12,9 4,7 4,5 90 94
10/01-
03/02
1,2 1,4 18,5 26,4 5,2 5,9 92 86
S = Schwartenberg; D = Deutscheinsiedel; - keine Angabe möglich
(b)
(c)
0%
10%
20%
30%
40%
N
NNO
NO
ONO
O
OSO
SO
SSO
S
SSW
SW
WSW
W
WNW
NW
NNW
Schwartenberg
Deutscheinsiedel
0
1
2
3
4
N
NNO
NO
ONO
O
OSO
SO
SSO
S
SSW
SW
WSW
W
WNW
NW
NNW
Abb. 2.2.1a-c:
Windrichtungshäufigkeit in % (a), Benzoldosis in % (b) und
Benzolkonzentration in μg/m
3
(c) der Stationen Schwartenberg (dicke
Linie) und Deutscheinsiedel (dünnere Linie) vom 1.10.2001 bis
31.3.2002
(a)
0%
5%
10%
15%
20%
N
NNO
NO
ONO
O
OSO
SO
SSO
S
SSW
SW
WSW
W
WNW
NW
NNW

Seite 9 von 23
Die Benzolkonzentrationen sind im Vergleich zur Station Schwartenberg in Deutscheinsiedel
etwas höher, zeigen aber einen sehr ähnlichen zeitlichen Verlauf von Minima und Maxima (s.
Abb. 2.2.2 a und b).
0
5
10
15
20
25
30
04.10.2001
11.10.2001
18.10.2001
25.10.2001
01.11.2001
08.11.2001
15.11.2001
22.11.2001
29.11.2001
06.12.2001
13.12.2001
20.12.2001
27.12.2001
03.01.2002
10.01.2002
17.01.2002
24.01.2002
31.01.2002
07.02.2002
14.02.2002
21.02.2002
28.02.2002
07.03.2002
14.03.2002
21.03.2002
28.03.2002
[μg/m
3
]
(a)
0
5
10
15
20
25
30
04.10.2001
11.10.2001
18.10.2001
25.10.2001
01.11.2001
08.11.2001
15.11.2001
22.11.2001
29.11.2001
06.12.2001
13.12.2001
20.12.2001
27.12.2001
03.01.2002
10.01.2002
17.01.2002
24.01.2002
31.01.2002
07.02.2002
14.02.2002
21.02.2002
28.02.2002
07.03.2002
14.03.2002
21.03.2002
28.03.2002
[μg/m
3
]
(b)
Abb. 2.2.2:
Tagesmittelwerte und Maximale Halbstundenmittelwerte der
Benzolkonzentrationen an den Messstationen Schwartenberg (a) und
Deutscheinsiedel (b)
Die maximalen Halbstundenmittelwerte für Benzol wurden in Deutscheinsiedel am 13.01.02
mit 26,4 μg/m³ gemessen und am 06.10.01 mit 18,5 μg/m³ auf dem Schwartenberg. Die Mit-
telwerte über den gesamten Untersuchungszeitraum betrugen dagegen nur 1,2 (Schwarten-

Seite 10 von 23
berg) bzw. 1,4 μg/m³ (Deutscheinsiedel). Die 98-Perzentile waren ungefähr viermal so groß
wie die Mittelwerte (s. Tab. 2.2.1).
Der Wind wehte im Beobachtungszeitraum überwiegend aus nordwestlichen Richtungen
(Abb. 2.2.1a). Auffällig ist, dass die Winde aus Richtung Südost den größten Beitrag zur Ben-
zolbelastung an der Station Schwartenberg leisteten (s. Abb. 2.2.1 b).
Für die Messstation Deutscheinsiedel gilt die gleiche Aussage. Hier sind die Häufigkeiten und
die Konzentrationen jedoch jeweils um ein bis zwei Teilungen der Windrose im Uhrzeiger-
sinn versetzt.
Die höchsten mittleren Benzolkonzentrationen werden an beiden Messstationen bei südlichen
bis südöstlichen Winden registriert. Auf dem Schwartenberg liegen die mittleren Benzolkon-
zentrationen bei SO und SSO bei 2 - 3 μg/m³, während aus den anderen Windrichtungen im
Mittel Konzentrationen von weniger als 1 μg/m³ registriert wurden (s. Abb. 2.2.1c). An der
Station Deutscheinsiedel wurden darüber hinaus auch bei anderen östlichen und südlichen
Windrichtungen mittlere Benzolkonzentrationen von über 2 μg/m³ berechnet, allerdings wa-
ren hier nur vergleichsweise wenig mit jeweils unter 2% der Gesamtereignisse beteiligt.
Bei Betrachtung der Halbstundenmittelwerte traten die maximalen Benzolkonzentrationen
ebenfalls bei Windrichtungen aus Südost und geringen Windgeschwindigkeiten auf (s. Anl.
4a, b)
0
1
2
3
4
5
A99 E99 A00 E00 A01 E01 A02
Benzol in μg/m³
y= 3,1 - 0,05x
Abb. 2.2.3:
Benzolkonzentration bei Windrichtung aus südöstlichen Richtungen (SO
und SSO) für die Winterquartale von Anfang 1999 bis Dezember 2001
Die mittlere Benzolkonzentration der vergangenen Winterquartale seit 1999 war aus südöst-
lichen Richtungen jeweils am höchsten von allen Windrichtungen und Betrug im Schnitt
3,1 μg/m³. Der maximale Wert wurde im ersten Quartal 2001 mit 4 μg/m³ erreicht (Abb.
2.2.3). Die Entwicklung der Benzolkonzentration aus südöstlichen Richtungen hat sich somit
in den vergangenen 2 Jahren kaum verändert.
Die Relation der Werte im Winter 98/99 und 99/00 zu den Werten im Winter 00/01 verhält
sich ähnlich wie die Windrichtungsanteile aus südöstlichen Richtungen (SO, SSO) und der

Seite 11 von 23
relativen Benzoldosis (s. Anlage 5). Damit ist ein deutlicher Zusammenhang zwischen den
hohen Benzol-Monatsmittelwerten in den Wintermonaten und der Windrichtungshäufigkeit
aus südöstlichen Richtungen gegeben.
Für verschiedene Wochentage lagen die Konzentrationen auf dem Schwartenberg bei Wind-
richtungen aus Südost und Südsüdost im Winter 99/00 (00/01) im Mittel zwischen 1,9 und
3,0 μg/m³ (2,6 und 3,7 μg/m³). Ein deutlicher Unterschied zwischen den Wochentagen kann
aufgrund statistischer Schwankungen nicht erkannt werden. Die Benzolkonzentration auf dem
Schwartenberg ist somit bezüglich der Wochentage vermutlich gleich verteilt (s. Anlage 5).
Im Winterhalbjahr korreliert die Höhe der Benzoldosis mit dem Anteil der Windrichtung aus
Südost und Südsüdost. D.h. je häufiger der Wind aus südöstlichen Richtungen weht, desto
höher ist die Benzoldosis auf dem Schwartenberg. Im Winter 00/01 traten Winde aus südöst-
lichen Richtungen relativ häufig auf, wie bereits in den beiden Wintern 95/96 und 96/97 (s.
Anlage 5, S. 8).

Seite 12 von 23
3
Untersuchung des Geruchs mittels des Geruchsprobandenprogramms
Auf der Grundlage eines von beiden Seiten abgestimmten Probandenprogrammes wurden in
den beiden Teilen des Untersuchungsgebietes Geruchswahrnehmungen erfasst und ausge-
wertet.
3.1
Tschechischer Teil des Untersuchungsgebietes
Untersucht wurden die Geruchsintensität, vermutete Geruchsquellen, der Geruchscharakter,
die subjektiven gesundheitlichen Wahrnehmungen der Probanden und weitere Beobachtungen
(Anlage 2a). Das Untersuchungsgebiet befindet sich an der Grenze zur Bundesrepublik
Deutschland und umfasst die folgenden Städte und Gemeinden:
Tab. 3.1.1:
Tschechischer Teil des Untersuchungsgebietes
Ort Fläche [km
2
]
Einwohnerzahl
Anzahl der Probanden
TSCHECHISCHER TEIL DES UNTERSUCHUNGSGEBIETES
Insgesamt 123,4 6197 20
MEZIBOŘÍ (M)
Meziboří 14,4 5068 10
Insgesamt 14,4 5068 10
KAMMGEBIET - WEST (KGW)
Brandov 12,3 265 2
Hora Sv. Kateřiny 18,5 323 1
Nová Ves v Horách
18,5
413
3
Insgesamt 49,3 1001 6
KAMMGEBIET - OST (KGO)
Mníšek 7,7 4 1
Klíny 18,4 63 1
Český Jiřetín 33,6 61 2
Insgesamt 59,7 128 4
Die geographische Höhe liegt zwischen 510 m (Meziboří) und 800 m (Klíny). Für die Bear-
beitung des Geruchsprobandenprogramms wurde das Untersuchungsgebiet in drei Teile ein-
geteilt: Meziboří (Stadt Meziboří), Kammgebiet – West (Brandov, Hora Sv. Kateřiny, Nová
Ves v Horách) und Kammgebiet - Ost (Mníšek, Klíny und Český Jiřetín). Die Beobachtungen
wurden von 20 Probanden durchgeführt, die an einem Ort wohnen und arbeiten (10 Proban-
den - Meziboří, 6 Probanden - Kammgebiet - West und 4 Probanden – Kammgebiet - Ost).
Für die Bestimmung des Geruchs der Stoffe, die im Fragebogen angegeben werden sollen,
wurde eine Schulung der Probanden durchgeführt, die darin bestand, die Probanden mit eini-
gen Gerüchen und auch mit dem richtigen Ausfüllen der Fragebögen vertraut zu machen. Die
Schulung der Probanden wurde von der Kreishygienestation Most durchgeführt.

Seite 13 von 23
Im Rahmen der Bewertung wurden die 17 Geruchscharakteristika in 3 Klassen aufgeteilt: in
Industriegerüche, Hausbrandgerüche und sonstige Gerüche (siehe Anlage 2a).
Die einzelnen Monate unterscheiden sich in der Belastung durch die Geruchmeldungen deut-
lich. Am stärksten belastet waren der November, Dezember und Januar (Abb. 3.1.1). Das
gleiche Bild zeigt sich auch für die Industriegerüche (Abb. 3.1.2). Fünfundzwanzig Prozent
der Geruchsmeldungen wurden den Industriegerüchen zugeordnet.
0
20
40
60
80
100
120
November
Dezember
Januar
Februar
März
Anzahl Geruchsmeldungen
alle Gebiete
Meziboří
Kammgebiet West
Kammgebiet Ost
Abb. 3.1.1:
Anzahl der Geruchsmeldungen in den Monaten November 2001 bis
März
2002 im tschechischen Teil des Untersuchungsgebietes
0
5
10
15
20
25
30
35
November
Dezember
Januar
Februar
März
Anzahl Meldungen Industriegerüche
alle Gebiete
Meziboří
Kammgebiet West
Kammgebiet Ost
Abb. 3.1.2:
Anzahl der Meldungen über Industriegerüche in den Monaten
November 2001 bis März 2002 im tschechischen Teil des
Untersuchungsgebietes

Seite 14 von 23
Die häufigsten, mehr als 30-mal von den Probanden genannten Gerüche waren bei möglichen
Mehrfachnennungen die folgenden (Anzahl der Nennungen): Rauch (Rauchgase) (254), Teer
(90), Ruß (47), andere Gerüche (38) und Benzin (35). Überhaupt nicht wahrgenommen wur-
den Ölgeruch, Mercaptane und Olefine. Minimal wahrgenommen wurden Gerüche von Mine-
ralöl, Erdgas und Lösungsmitteln.
Außerdem wurden die Probanden zur Herkunft des Geruchs befragt. Die Probanden nehmen
an, dass die meisten Gerüche ihre Ursache im Hausbrand haben (67 %), gefolgt von Chemie-
anlagen (15,4 %), der Landwirtschaft (6,1 %) und dem Autoverkehr (5,3 %). Andere Mög-
lichkeiten kamen überhaupt nicht vor oder sind minimal. Dei Abb. 3.1.3 zeigt die relative
Häufigkeit der von den Probanden genannten Gruppen der Geruchsquellen in den einzelnen
tschechischen Gebieten des Untersuchungsgebietes im Bezug auf alle Geruchsbeschwerden.
Am häufigsten wurde als Geruchsquelle der Hausbrand genannt.
0
10
20
30
40
50
60
70
Hausbrand KGW
Chemieanlagen M
Landwirtschaft
KGW
Chemieanlagen
KGW
Hausbrand M
Autoverkehr KGW
andere Quellen
KGW
Autoverkehr M
Kläranlage KGW
Landwirtschaft
KGO
sonstige Quellen
relative Häufigkeit [%]
Abb. 3.1.3:
Relative Häufigkeiten der von den Probanden bestimmten Geruchs-
quellen im tschechischen Teil des Untersuchungsgebietes
Im Rahmen der in der Anlage 2a angeführten Arbeiten wurde eine Auswertung der Zeit
(Stundenzahl), in denen laut den Meldungen der Probanden Geruch auftrat, vorgenommen.
Berücksichtigt wurden alle Stunden des Untersuchungszeitraumes (November bis März), ge-
gebenenfalls die Stunden zwischen 6.00 und 22.00 Uhr. Bei Industriegerüchen mit einer In-
tensität von größer oder gleich 3 in den Monaten November, Dezember und Januar in der Zeit
von 6.00 Uhr bis 22.00 Uhr wurden die einzelnen Probanden im Umfang von 0 % bis 7,8 %
(durchschnittlich 1,4 %) belästigt, in den Monaten Februar und März von 0 % bis 3,9 %
(durchschnittlich 0,2 %). Weiterhin wurde eine Bewertung des sog. zulässigen Maßes der
Geruchsbelästigung entsprechend dem ursprünglichen Entwurf der Anlage zur Regierungs-
verordnung zum Luftgesetz durchgeführt.
Gemäß dem Entwurf dieser Anlage würde dann eine Belästigung der Bevölkerung vorliegen,
wenn sich 5 % und mehr der beteiligten Befragten in mehr als 2 % der untersuchten Zeit
durch Geruch belästigt fühlen. Im Untersuchungszeitraum wurden bei Industriegerüchen in

Seite 15 von 23
mehr als 2 % der untersuchten Zeit drei der insgesamt 20 Probanden belästigt (davon zwei im
Kammgebiet - West und einer in Meziboří), also 15 % gegenüber den zulässigen 5 %. Bei
diesen drei Probanden lag die Zeit der Belästigung durch Industriegeruch bei 2,9 bis 3,3 %
der untersuchten Zeit.
Tab. 3.1.2a: Anzahl Geruchsmeldungen in Abhängigkeit der vorherrschenden
täglichen Windrichtung im tschechischen Teil des Untersuchungsgebietes
für den Zeitraum November 2001 bis März 2002
WINDRICHTUNG
[°]
MEZIBOŘÍ
KAMMGEBIET
WEST
KAMMGEBIET
OST
ALLE GEBIETE
keine Werte
0
4
1
5
360 (0)
2
22
1
25
30 4 8 2 14
60 5 3 0 8
90 2 10 0 12
120 19 7 0 26
150 1 29 1 31
180 4 8 0 12
210 10 23 0 33
240 4 32 1 37
270 0 60 3 63
300 0 58 4 62
330 0 37 1 38
Summe 51 301 14 366
Tab. 3.1.2b:
Anzahl Meldungen über Industriegerüche in Abhängigkeit der vorherr-
schenden täglichen Windrichtung im tschechischen Teil des Unter-
suchungsgebietes für den Zeitraum November 2001 bis März 2002
WINDRICHTUNG
[°]
MEZIBOŘÍ
KAMMGEBIET
WEST
KAMMGEBIET
OST
ALLE GEBIETE
keine Werte
0
0
0
0
360 (0)
2
2
0
4
30 4 2 2 8
60 1 0 0 1
90 2 3 0 5
120 15 1 0 16
150 1 6 0 7
180 2 0 0 2
210 9 1 0 10
240 3 4 0 7
270 0 4 0 4
300 0 13 0 13
330 0 12 0 12
Summe 39 48 2 89
Gemäß der seit dem 14.08.2002 gültigen Verordnung Nr. 356/2002 GBl. des Ministeriums für
Umwelt der tschechischen Republik zum Gesetz Nr. 86/2002 GBl. über die Luftreinhaltung
wird das zulässige Maß der Geruchsbelästigung dann überschritten, wenn mehr als 5 % der in
Städten lebenden, zufällig ausgewählten befragten Bevölkerung in mehr als 2 % der
untersuchten Zeit bei periodischer Untersuchung und mehr als 15 % der auf dem Lande

Seite 16 von 23
lebenden, zufällig ausgewählten befragten Bevölkerung in mehr als 10 % der untersuchten
Zeit den Geruch als belästigend wahrnehmen.
In Meziboří wurden die meisten Geruchsmeldungen aus südöstlicher und südwestlicher Rich-
tung erfasst, während in den Kammgebieten die meisten Geruchsmeldungen aus westlicher
und nordwestlicher Richtung erfasst wurden. Bei den Industriegerüchen ist die Situation
analog.
3.2
Deutscher Teil des Untersuchungsgebietes
Erfasst wurden die Geruchsintensität, vermutete Quellen der Gerüche, der Geruchscharakter,
die Auswirkung auf das Befinden der Probanden sowie weitere Beobachtungen (SCHMIDT,
2002 s. Anlage 3). Das Untersuchungsgebiet befindet sich an der Grenze zur Tschechischen
Republik. Es umfasst die folgenden Gemeinden:
Tab. 3.2.1:
Deutscher Teil des Untersuchungsgebietes
Ort Fläche [km²] Einwohnerzahl
(2000)
Anzahl der Probanden
DEUTSCHER TEIL DES UNTERSUCHUNGSGEBIETES
Summe 138,9 19 375 20
OLBERNHAU
(Teilgebiet von ) Olbernhau
70,4
11 810
4
SEIFFEN
Deutschneudorf
(und Deutscheinsiedel)
8,0 1 271 6
Seiffen 12,4 2 847 4
Summe 20,4 4118 10
NEUHAUSEN
Neuhausen
48,0
3 447
6
Die geographische Höhe liegt zwischen 440 m (Flöhatal bei Olbernhau) und 823 m ü. NN.
(Ahornberg).
In Beachtung der genauen Lage der Wohnorte der beteiligten Probanden erfolgte für die
Auswertung eine Aufteilung unabhängig von der kommunalen Gliederung in drei Gebiete
(Olbernhau / Seiffen / Neuhausen). Seiffen und Deutschneudorf werden zusammengefasst.
Es waren 20 Probanden beteiligt, deren Geruchsvermögen durch die Geruchsschwellenbe-
stimmung für n-Butanol überprüft wurde. Für das Kennen lernen von bestimmten Geruchs-
stoffen, die in den Fragebögen benannt werden sollen, wurden vom LfUG drei Proben aus der
Abwasserbehandlung der Erdölchemie bereitgestellt. Diese Proben enthielten Mercaptane,
Olefine und Phenole. Die Probandenvorauswahl erfolgte nach ihren Wohnorten. Um mög-
lichst viele Informationen zu erhalten, wurden die Probanden angewiesen, soweit es sich auf
das Untersuchungsgebiet bezieht, ebenfalls Beobachtungen am Arbeitsort oder anderen Auf-
enthaltsorten zu erfassen.

Seite 17 von 23
Die sächsische Auswertung soll eine Datengrundlage für Trajektorienrechnungen liefern, die
eine genauere Ortung von Geruchsquellen ermöglicht und auf den Bericht von REIMER
(2001) aufbaut. Deshalb wurde Wert darauf gelegt, den Zeitpunkt und Ort zu bestimmen, an
dem ein Geruchsereignis auftrat. Eine Erfassung nach GIRL / VDI 3940 ist dafür nicht geeig-
net und unter den lokalen Bedingungen nicht praktikabel. Deshalb wurde die Vorgehensweise
in Anlehnung an VDI 3883/2 („Ermittlung von Belästigungsparametern durch Befragungen,
Wiederholte Kurzbefragungen von ortsansässigen Probanden“) realisiert. Zu Zeiten für die
keine Geruchsmeldungen gemeldet wurden, können Geruchsereignisse aufgetreten sein, die
von den Probanden nicht wahrgenommen wurden, da es nicht möglich ist über 24 Stunden
bzw. 16 Stunden über einen Zeitraum von einem halben Jahr bewusst den Riechsinn jederzeit
einzusetzen.
0
20
40
60
80
100
120
140
160
Oktober
November
Dezember
Januar
Februar
März
Anzahl Geruchsmeldungen
alle Gebiete
Olbernhau
Seiffen
Neuhausen
Abb. 3.2.1:
Anzahl der Geruchsmeldungen pro Tag und Proband in den Monaten
Oktober 2001 bis März 2002 im deutschen Teil des Untersuchungsgebietes
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Oktober
November
Dezember
Januar
Februar
März
Anzahl Meldungen Industriegerüche
alle Gebiete
Olbernhau
Seiffen
Neuhausen
Abb. 3.2.2:
Anzahl der Meldungen über Industriegerüche pro Tag und Proband in
den Monaten Oktober 2001 bis März 2002 im deutschen Teil des Untersu-
chungsgebietes

Seite 18 von 23
Es erfolgt eine Auswertung der Zeit (Anzahl der Stunden), in der lt. den Meldungen der
Probanden Geruch auftrat. Der Anteil von mit Geruch belasteten Stunden hängt von der
Bewertung ab. Betrachtet wurden alle Stunden des Beobachtungszeitraumes Oktober bis
März bzw. die Stunden zwischen 6.00 und 22.00 Uhr. Die Auswertung erfolgte für alle
Geruchsintensitäten und für Gerüche mit einer Intensität von mindestens deutlich zu riechen
(3). Für Industriegerüche mit Intensität größer oder gleich 3 traten in den Monaten Oktober,
Dezember und Januar im Zeitraum 6:00 bis 22:00 zu 1,5 % bis 3 % der Stunden
Geruchsbelästigungen im Mittel aller berücksichtigten Probanden auf. In den Monaten
November, Februar und März lagen die Belästigungen bei 1 % bis 2 % der Stunden. In der
Geruchsimmissionsrichtlinie (GIRL) wird ab dem Immissionswert von 10 %, die Belästigung
als erheblich bewertet. Die GIRL kann allerdings in dem vorliegenden Fall, nicht direkt
angewendet werden, da ein Gebiet mit erheblichem Höhenprofil vorlag, keine eindeutige
Punktquelle bekannt ist und die Quelle vermutlich weit entfernt liegt. Demgegenüber wird im
Endbericht des tschechischen Probandenprogramms davon ausgegangen, dass eine erhebliche
Belastung auftritt, wenn mindestens 5 % der Bevölkerung über mehr als 2 % der Zeit durch
Gerüche belästigt werden (s. Anlage 2a, S. 41). Dieser Fall ist auf deutscher Seite im
vergangenen Winter für „Industriegerüche“ zeitweise eingetreten.
Die Monate unterschieden sich deutlich in der Geruchsbelastung. Am höchsten belastet war
der Monat Oktober gefolgt von den Monaten Januar und Dezember, was anhand der Anzahl
aller Geruchswahrnehmungen gezeigt werden kann (Abb. 3.2.1). Dasselbe Bild zeigt sich
ebenfalls für die Anzahl der Industriegerüche (Abb. 3.2.2.). Ca. 70 % der Geruchsmeldungen
werden Industriegerüchen zugeordnet.
Die 17 Geruchscharakteristika wurden in 3 Klassen eingeteilt: Industrie: Katzendreck, Ben-
zin, Ölgeruch, verbrannte Kunststoffe, süßlich, Phenole, Lösungsmittel, Mineralöl, Teer, Erd-
gas, Mercaptane, Olefine. Hausbrand: Ruß, Rauch (Rauchgase) nur wenn Hausfeuerung als
Quelle angegeben und Kombination Teer und Rauch. Sonstige (Landwirtschaft): Jauche,
Tierstall.
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
Chemieanlagen
Seiffen
Chemieanlagen
Neuhausen
Chemieanlagen
Olbernhau
Hausbrand und
Feuerungsanlagen
Seiffen
andere Quellen
Seiffen
Hausbrand und
Feuerungsanlagen
Neuhausen
andere Quellen
Neuhausen
Landwirtschaft
Neuhausen
andere Quellen
Olbernhau
Autoverkehr
Seiffen
Hausbrand und
Feuerungsanlagen
Olbernhau
sonstige Quellen
relative Häufigkeit [%]
Abb. 3.2.3:
Relative Häufigkeiten der von den Probanden bestimmten Geruchsquellen
im deutschen Teil des Untersuchungsgebietes

Seite 19 von 23
Die häufigsten Gerüche, mit mehr als 50 Nennungen, bei möglichen Mehrfachnennungen,
waren (Anzahl der Nennungen): Mercaptane (156), Katzendreck (138), Rauch (91), süßlich
(83), sonstige (69), Ruß (67), Olefine (61), Teer (53).
Außerdem wurden die Probanden nach der Herkunft der Gerüche befragt und die Antworten
in fünf Kategorien zusammengefasst: Feuerung (Hausbrand und Feuerungsanlagen), Land-
wirtschaft, Autoverkehr, Chemieanlagen und andere Quellen (Gewerbebetriebe,
Gas/Gasversorgung, Kläranlagen, sonstige). Die Abb. 3.2.3 zeigt die relative Häufigkeit der
genannten Geruchsquellgruppen der verschiedenen Teilgebiete in Bezug auf alle Geruchsbe-
schwerden. Am häufigsten werden Chemieanlagen genannt.
Tab. 3.2.2a: Anzahl Geruchsmeldungen in Abhängigkeit der vorherrschenden tägli-
chen Windrichtung im deutschen Teil des Untersuchungsgebietes für den
Zeitraum Oktober 2001 bis März 2002
WINDRICHTUNG [°]
ALLE GEBIETE
SEIFFEN
OLBERNHAU
NEUHAUSEN
keine Werte
14
10
1
2
360 (0)
6
2
0
4
30 6 6 0 0
60 0 0 0 0
90 1 0 0 1
120 1 0 1 0
150 360 196 86 78
180 5 2 0 3
210 12 8 2 2
240 6 4 0 2
270 33 13 6 14
300 33 18 3 12
330 27 10 5 12
Summe 504 269 104 131
Tab. 3.2.2b: Anzahl Meldungen über Industriegerüche in Abhängigkeit der vorherr-
schenden täglichen Windrichtung im deutschen Teil des Untersuchungs-
gebietes für den Zeitraum Oktober 2001 bis März 2002
WINDRICHTUNG [°]
ALLE GEBIETE
SEIFFEN
OLBERNHAU
NEUHAUSEN
keine Werte
7
5
0
2
360 (0)
4
2
0
2
30 4 4 0 0
60 0 0 0 0
90 1 0 0 1
120 1 0 1 0
150 268 136 72 60
180 4 2 0 2
210 10 6 2 2
240 4 3 0 1
270 27 11 5 11
300 20 12 2 6
330 14 6 0 8
Summe 364 187 82 95
Ein Vergleich mit Winddaten vom Schwartenberg zeigt, dass die unterschiedliche Anzahl von
Geruchsmeldungen im Wesentlichen von der Windrichtung abhängig ist. Auffallend ist die
Korrelation der Geruchsmeldungen mit am jeweiligen Tag vorherrschenden Winden in einem
Richtungsbereich von 135° - 165° (Südost).

Seite 20 von 23
Im Winter 01/02 traten Winde aus südöstlichen Windrichtungen nicht so häufig auf, wie im
Winter 00/01. Wie bereits in den beiden Wintern 95/96 und 96/97 traten Winde aus südöstli-
chen Richtungen relativ häufig auch im Winter 00/01 auf (s. Anlage 5, S. 8). Gleichzeitig
wurden in diesen vorgenannten Wintern häufig Geruchsbeschwerden, insbesondere aus dem
Mittleren Erzgebirge abgegeben. Auch dieser Sachverhalt deutet auf eine Quelle für Gerüche
aus südöstlicher Richtung hin.
4 Zusammenfassung
Im Zeitraum vom 1.10.01 bis 31.03.02 wurde im Grenzgebiet zwischen Sachsen und der
Tschechischen Republik im Mittleren Erzgebirgskreis und im Kreis Most Untersuchungen zur
Belastung der Bevölkerung mit Luftschadstoffen und Gerüchen durchgeführt.
Die Ergebnisse der kontinuierlichen Benzolmessungen und Auswertungen von Windrichtung
und Windgeschwindigkeit ergaben auf deutscher Seite, dass ein eindeutiger Zusammenhang
zwischen Winden aus südöstlichen Richtungen und erhöhten bzw. maximalen Benzolkon-
zentrationen besteht. Dies trifft zu für den zeitlichen Verlauf der Halbstundenmittelwerte, den
Mittelwert des Winterhalbjahres 2001/2002 und die Winterquartale seit Anfang 1999. Die
Windrichtung aus Südost trägt zum überwiegenden Teil zur Benzolbelastung bei, wobei die
mittlere Konzentration mit weniger als 1,5 μg/m³ relativ gering im Vergleich zur Luftbe-
lastung in sächsischen Ballungsgebieten ist.
Für die Häufigkeit der Gerüche auf sächsischer Seite war der Monat Oktober gefolgt von den
Monaten Januar und Dezember am höchsten belastet. Für deutlich zu riechende Industriege-
rüche traten in den Monaten Oktober, Dezember und Januar im Zeitraum 6:00 bis 22:00 zu
1,5 % bis 3 % der Stunden Geruchsbelästigungen im Mittel aller berücksichtigten Probanden
auf. In den Monaten November, Februar und März lagen die Belästigungen bei 1 % bis 2 %
der Stunden. Am häufigsten wurden die wahrgenommenen Gerüche charakterisiert als Mer-
captane, Katzendreck und Rauch. Ca. 70 % der Geruchsmeldungen werden Industriegerüchen
zugeordnet und Chemieanlagen am häufigsten für die Ursache von Gerüchen benannt. Auf-
fallend ist die Korrelation der Geruchsmeldungen mit am jeweiligen Tag vorherrschenden
Winden in einem Richtungsbereich von 135° - 165° (Südost).
Auf der Grundlage der Messergebnisse der Benzolkonzentration auf der deutschen Seite im
Zeitraum bis zum Jahre 2001 begann die tschechische Seite im November 2001 mit der
Durchführung von Benzolmessungen auch an der Station Rudolice v H. In Most wurden Ben-
zolmessungen bereits früher durchgeführt. An der Station Rudolice v H. wurde der höchste
Beitrag zur Benzolbelastung bei südöstlicher und nordwestlicher Windrichtung festgestellt,
wobei die Benzolkonzentrationen bei Südostwind das Maximum aufwies. Die durchschnitt-
liche Benzolkonzentration für den gesamten Zeitraum betrug an der Bergstation Rudolice v
H. 0,9 μg/m³ und an der städtischen Station im Gebirgsvorland in Most 3,0 μg/m³.
Die Häufigkeit der Geruchsmeldungen auf der tschechischen Seite war in den Monaten No-
vember, Dezember und Januar am größten. Ein ausgeprägter Industriegeruch wurde in den
Monaten November, Dezember und Januar in der Zeit von 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr im Durch-
schnitt aller Probanden in 1,4 % der Beobachtungszeit verzeichnet und in den Monaten Feb-
ruar und März in 0,2 % der Beobachtungszeit. Die am häufigsten gemeldeten Gerüche waren

Seite 21 von 23
Rauch, Teer und Ruß. Zirka 25 % der Geruchsmeldungen wurden Industriegerüchen zuge-
ordnet, wobei als deren mögliche Quelle am häufigsten Chemieanlagen angegeben wurden.
Eine ausgeprägte Korrelation zwischen den gemeldeten Gerüchen und der Windrichtung
wurde nicht beobachtet, die meisten Gerüche wurden bei nordwestlicher Strömung gemeldet.
In Meziboří wurden die meisten Geruchsmeldungen aus südöstlicher und südwestlicher Rich-
tung erfasst, während in den Kammgebieten die meisten Geruchsmeldungen aus westlicher
und nordwestlicher Richtung erfasst wurden. Bei den Industriegerüchen ist die Situation
analog.
5 Schlussfolgerungen
Die kontinuierlichen Messungen von Kohlenwasserstoffen (Benzol) in den Stationen in Rudo-
lice v.H. und Deutscheinsiedel werden fortgesetzt.
Die gemessenen maximalen Benzolkonzentrationen sind für ländliche Stationen in Sachsen
untypisch. Der ab 1.1.2010 geltende Grenzwert der Europäischen Union für das Jahresmittel
für Benzol von 5 μg/m³ wird an keiner Messstation im Untersuchungsgebiet überschritten.
Mit den vorliegenden Geruchsmeldungen und den meteorologischen Daten auf tschechischer
und deutscher Seite werden für den Untersuchungszeitraum grenzüberschreitende
Trajektorienrechnungen durchgeführt. Ziel ist es dabei, die Lage möglicher Geruchsquellen
weiter einzugrenzen.
Es wird eingeschätzt, dass derzeit durch weitere zusätzliche Immissionsuntersuchungen in der
bisherigen Form keine wichtigen neuen Erkenntnisse gewonnen werden können. Neue Mög-
lichkeiten eröffnen sich mit der seit August 2002 in der Tschechischen Republik geltenden
neuen Durchführungsverordnung zum Luftreinhaltegesetz. Sie beinhaltet auch Regelungen
zur Geruchsbelästigung.
Auf Grund der Orographie und durch die Nähe eines Industriegebietes können in der Kamm-
region des Erzgebirges in Abhängigkeit von den meteorologischen Bedingungen insbesondere
in den Wintermonaten auch zukünftig zeitweise Geruchsbelastungen auftreten. (Maßnahmen
zur Beseitigung von Altlasten, die gegenwärtig in der Tschechischen Republik durchgeführt
werden, könnten künftig zu einer Reduzierung der Anzahl von o.g. Geruchsereignissen bei-
tragen.)

Seite 22 von 23
6 Literatur
REIMER, E. (2001): Ausbreitungsanalyse von Geruchsstoffen und anderen Parametern am
Mittleren Erzgebirge mittels Trajektorien, Institut für Meteorologie – Troposphärische Um-
weltforschung, FU Berlin; Abschlussbericht für Sächsische Landesamt für Umwelt und Geo-
logie.
SCHMIDT, G. (2002): Erhebung von Gerüchen in der Umgebung von Seiffen, IFU GmbH Pri-
vates Institut für Umweltanalysen; Abschlußbericht im Auftrag des Sächsischen Landesamtes
für Umwelt und Geologie.

image
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Příloha 1
Anlage 1
Mapa zájmového území projektu
Projektuntersuchungsgebiet - Karte
Měřicí stanice – Messstation
Probandi – Gemeinden der Probanden
Státní hranice – Staatsgrenze
Hranice zájmového území projektu – Grenze der beteiligten Gemeinden des
Projektuntersuchungsgebietes
Měřítko - Massstab 1 : 190 000
N
W
O
S