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Trockene Heiden in Sachsen (FFH-Lebensraumtyp 4030)
Naturschutzfachliche Bedeutung
Heiden sind Hotspots der Biodiversität. Sie beher-
bergen in Relation zu ihrer Fläche außergewöhnlich
viele und seltene Arten.
In
Heideökosystemen
spielt
die
Besenheide
(
Calluna vulgaris
) eine zentrale Rolle, an die sich
eine Vielzahl von Organismen angepasst hat.
Obwohl floristisch relativ artenarm, sind sie struktur-
reich und bieten trockene, nährstoffarme Bedingun-
gen. Sie weisen daher eine artenreiche Fauna mit
einem hohen Anteil an Spezialisten auf (z. B. Spin-
nen, blütenbestäubende Insekten oder Vögel). Für
solche Arten sind sie ein Refugium in der heute stark
beanspruchten Landschaft.
Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU, kurz
FFH-Richtlinie, führt die Trockenen Heiden im An-
hang I als Lebensraumtyp (LRT) 4030. Sie genießen
damit auch EU-weit besondere Aufmerksamkeit des
Naturschutzes und es besteht die Verpflichtung, sie
in einem günstigen Erhaltungszustand zu bewahren
oder diesen zu erreichen.
Verbreitung
Die größeren Heidegebiete gehen in Sachsen haupt-
sächlich auf militärische Nutzung als Übungsplätze
zurück, durch die weite Bereiche offengehalten wur-
den. Damit standen sie auch der Landwirtschaft oder
für Bauvorhaben nicht zur Verfügung.
Viele dieser Areale werden heute nicht mehr vom Mi-
litär genutzt. Eine Ausnahme stellt der aktive Trup-
penübungsplatz Oberlausitz dar, auf dem sich große
Heidevorkommen befinden.
Regionale Schwerpunkte sind auf den Sandböden
des Tieflands zu finden, z. B. in der Königsbrücker
oder der Muskauer Heide. Kleinere Vorkommen gibt
es außerdem z. B. im Erzgebirge (Abb. 1).
Rund 4.027 ha wurden bisher kartiert. Weitere mög-
liche Vorkommen des Lebensraumtyps müssen
noch näher untersucht werden. Bis 2024 sollen die
Kartierungen abgeschlossen sein.
Abb. 1: Verbreitung Trockener Heiden in Sachsen
(In den ausgefüllten Messtischblättern sind Vorkom-
men bekannt; Quelle: Datenportal iDA, LfULG 2020).
Eigentum
Über 90 % der LRT-Flächen befinden sich in öffent-
lichem Eigentum, wobei der Freistaat der größte Ei-
gentümer ist (Abb. 2). Demzufolge liegt die Verant-
wortung für die Trockenen Heiden hauptsächlich in
der öffentlichen Hand.
Abb. 2: Eigentumsverteilung des Lebensraumtyps Tro-
ckene Heiden in Sachsen
(Andere Eigentümer sind z. B. Naturschutzverbände,
Kirchen oder gemischter Besitz. Diese machen mit
knapp 4 ha jedoch weniger als 0,1 % aus; Stand: Ja-
nuar 2021).
49%
44%
6%
1%
Land
Bund/BVVG
Private
Kommunen
Andere
Daten und Fakten – Daten und Fakten – Daten und Fakten – Daten und Fakten – Daten und Fakten – Daten und Fakten

Abteilung 6, Naturschutz, Landschaftspflege
Telefon: 03731-294-2101
E-Mail:
martin.stock@smul.sachsen.de
www.lfulg.sachsen.de
Stand: Januar 2021
Erhaltungszustand und Gefährdung
Ein Viertel des Bestandes wurde mit Erhaltungszu-
stand C (mittel bis schlecht) bewertet (Abb. 3). Mehr
als zwei Drittel befinden sich in einem guten Zustand,
nur 4 % wurden als hervorragend eingestuft.
Abb. 3: Erhaltungszustand der Trockenen Heiden in
Sachsen
(Dargestellt sind alle bisher kartierten Flächen des
Lebensraumtyps. Stand: Dezember 2020).
Weitere 417 ha wurden als Entwicklungsflächen kar-
tiert. Sie weisen zwar aktuell nicht die Eigenschaften
des Lebensraumtyps 4030 auf, können sich aber zu
einem solchen entwickeln.
Der aktuelle FFH-Zustandsbericht 2013-2018 stuft
den Erhaltungszustand der Heiden insgesamt als
unzureichend ein (LfULG 2019).
Die wichtigste Gefährdungsursache ist die Sukzes-
sion. Durch die Aufgabe der militärischen Nutzung in
vielen Gebieten vor mehr als 25 Jahren bleiben
heute Störungen wie Feuer oder das Befahren mit
schweren Fahrzeugen aus. Dies führt zum Aufkom-
men von Bäumen und zur Überalterung der Besen-
heide, die zur Verjüngung auf vegetationsarme Bö-
den angewiesen ist (Tab. 1).
Tab. 1: Wichtigste Beeinträchtigungen der Trockenen
Heiden mit Prozentangaben bezogen auf die kar-
tierte Gesamtfläche von 4.027 ha
Beeinträchtigung
Fläche (ha)*
%
Störzeiger (z. B. Brombeere)
2.787,0
69,2
Verbuschung/Gehölzaufwuchs
2.251,2
55,9
Vergrasung/Verfilzung
2.023,3
50,3
Pflegedefizite
1.931,8
48,0
Beschattung
1.366,4
33,9
* Auf derselben Fläche können mehrere Beeinträchtigungen beste-
hen.
Ein weiteres Problem auf Heideflächen ist die Zu-
nahme von Gräsern, was zu Konkurrenzeffekten mit
Calluna
führen kann.
Schutz und Pflege
Bedeutende
Heidevorkommen,
wie
z. B.
die
Gohrischheide bei Zeithain, befinden sich in FFH-
bzw. Naturschutzgebieten und sind damit rechtlich
bestmöglich geschützt.
Zu ihrem dauerhaften Erhalt, besonders zur Verjün-
gung der Heide, sind regelmäßige Pflegemaßnah-
men erforderlich.
Zu den wichtigsten und gut erprobten Maßnahmen
gehören der Einsatz von Weidetieren (insbesondere
Schafe), die Entfernung von übermäßigem Gehölz-
aufwuchs, Brandpflege und Oberbodenabtrag (Plag-
gen, Schoppern).
In der aktuellen Förderperiode wurden über die
Richtlinie NE/2014 bisher 10 Vorhaben der Heide-
pflege mit rund 216.000 € bewilligt. Außerdem er-
folgte die Förderung von Technik und Ausstattung,
Öffentlichkeitsarbeit,
Naturschutzfachplanungen
und Studien zur Dokumentation von Artvorkommen.
Auf einigen ehemaligen Militärflächen erschwert die
Munitionsbelastung die Pflegemaßnahmen erheb-
lich. Der Einsatz geschützter Technik ist möglich, je-
doch aufwändig und teuer.
Langfristiges Ziel ist der Fortbestand von Habitatmo-
saiken, d. h. eines räumlichen Nebeneinanders der
verschiedenen Altersstadien von
Calluna
sowie wei-
terer Lebensräume, die miteinander in Verbindung
stehen (z. B. offene Sandflächen, Magerrasen), als
wichtige Voraussetzung für den Erhalt der Artenviel-
falt in der Heide.
Quellen
LfULG (2019):
Erhaltungszustand der FFH-LRT in Sachsen
und Deutschland in Berichten 2019 und 2013.
https://
www.natura2000.sachsen.de/download/natur/Tabelle_1_
Erhaltungszustand_der_FFH-LRT_in_Sachsen_und_
Bund_2013-2018.pdf (abgerufen am 9.12.2020).
LfULG (2020):
Interdisziplinäre Daten und Auswertungen
(iDA).
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/
ida (abgerufen am 8.12.2020).
Für Abbildungen und Tabellen wurden - wenn nicht an-
ders angegeben - Daten aus dem Informationssystem
Sächsische Natura 2000-Datenbank (IS SaND) des
LfULG verwendet.
4%
71%
25%
hervorragend (A)
gut (B)
mittel bis schlecht (C)