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Schutz von weidenden
Rindern und Pferden vor
großen Beutegreifern

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 2
Schutz von weidenden Rindern und Pfer-
den vor großen Beutegreifern
(Literaturstudie)
Ulrike Wehrspohn, Stephan Schäfer, Eberhard von Borell

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 3
Inhalt
1
Einleitung
.............................................................................................................................................................. 7
1.1
Anlass .................................................................................................................................................................... 7
1.2
Zielsetzung ........................................................................................................................................................... 8
2
Große Beutegreifer und ihre Lebensräume ................................................................................................ 9
2.1
Artenkennzeichnung und Vorkommen ............................................................................................................. 9
2.2
Auftreten und Verbreitung großer Beutegreifer im mitteleuropäischen Raum ........................................... 10
3
Dokumentierte
Übergriffe auf Wild- und Nutztiere .................................................................................... 13
3.1
Internationale Fallbeispiele................................................................................................................................. 16
3.2
Nationale Fallbeispiele ........................................................................................................................................ 19
4
Formen des Herdenschutzes ......................................................................................................................... 22
4.1
Passive Abwehrmaßnahmen ............................................................................................................................. 22
4.2
Aktive Abwehrmaßnahmen ................................................................................................................................ 25
4.3
Vergrämung von Beutegreifern ......................................................................................................................... 26
4.4
Maßnahmen zur Bestandsregulierung am Beispiel des Wolfes ................................................................... 27
5
Bewertung von potentiellen Herdenschutzmaßnahmen für nationale Rinder- und Pferdehalter
und Handlungsempfehlungen
........................................................................................................................ 28
6
Zusammenfassung ............................................................................................................................................ 32
Literatur
Anhang

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:
Standörtliche Lage nachgewiesener Wolfspopulationen im Europäischen Raum
11
(nach WWF 2014)
Abbildung 2:
Anteil (%) von Wölfen betroffener und gefressener Beutetiere im Zeitraum
12
2001-2009 (NABU 2009)
Abbildung 3:
Überblick über die Mitteldeutsche Tieflandpopulation der Wölfe und Vorkommen
15
in Deutschland (NABU 2015 a)
Abbildung 4:
Kadaver eines von Wölfen gerissenen Pferdes in Italien (Foto: Bonnani 2016)
16
Abbildung 5:
Wolfsangriffe auf Nutztiere in der schwedischen Provinz Värmland
18
(nach Olssen 2014)
Abbildung 6:
Ursachen (%) gemeldeter Wolfsübergriffe (n=13) auf Rinder bzw. Kälber
20
in den Jahren 2007-2015 im Land Brandenburg (nach LUGV 2016)
Abbildung 7:
Gemeldete Anzahl toter oder verletzter Tiere in Niedersachsen (Rissereignisse
20
2008 - 2016) und Anteil der Pferde und Rinder mit Stand vom 28.02.2016
(nach LUGV 2016)
Abbildung 8:
Gemeldete Anzahl toter oder verletzter Tiere (Rissereignisse 2008-2016)
21
in Sachsen und Anteil der Pferde und Rinder mit Stand von 2008 bis März 2016
(nach Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz 2016)
Abbildung 9:
Eine zusätzlich, durch zwei mit Langisolatoren befestigte Elektroleiter, gesicherte
23
Stabilzaunanlage (Foto: Klingenberger)

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 5
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1:
Zusammenfassung der Risse von großen Beutegreifern auf Nutztiere in der
17
Provinz L’Aquila (Mittelitalien) nach Anzeigen der Weidetierhalter
(nach Cozza et al. 1996)
Tabelle 2 :
Durch den Wolf getötete Nutztiere durch den Wolf in den Bergen von
18
Bulgarien im Zeitraum von 1999-2009 (nach Genov et al. 2010)
Tabelle 3:
Rissverursacher von mit Senderhalsbändern ausgestatteten Kälbern (East Eagle
19
und Adobe Ranch) in Regionen des Mexikanischen Wolfs (USA)
(nach Breck et al. 2011)
Tabelle 4:
Summe der jährlichen Nutztierrisse im Land Brandenburg in den
19
Jahren 2007– 2016 mit Stand vom 14.01.2016 (nach LUGV 2016)
Tabelle 5:
Bewertung von passiven Herdenschutzmaßnahmen
28
Tabelle 6:
Bewertung von aktiven Herdenschutzmaßnahmen
29
Tabelle 7:
Vergrämung von Beutegreifern
31
Tabelle 8:
Maßnahmen zur Bestandsregulierung
31
Anhang
Tabelle A1:
Vorgegebener Mindestschutz der Länder für nonletale Abwehrmaßnahmen

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 6
Abkürzungsverzeichnis
AGRIDEA
Schweizerische Vereinigung für die Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums
BfN
Bundesamt für Verbraucherschutz
BMELV
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
COE
Council of Europe
LfU
Bayerisches Landesamt für Umwelt
LfULG
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
LUGV
Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg
DJV
Deutscher Jagdverband
MUV
Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz - Saarland
MUGV
Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg
NABU
Naturschutzbund Deutschland e. V.
WWF
World Wide Found for Nature

 
Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 7
1 Einleitung
1.1 Anlass
Weltweit teilen sich Menschen mit einer vielfältigen Flora und Fauna die unterschiedlichsten Lebensräume. Vor
dem Hintergrund eines anhaltenden Artensterbens haben vor allem Artenschutzmaßnahmen einen hohen Stellen-
wert. Globale Bemühungen und Maßnahmen zum Erhalt gefährdeter Arten stützen sich dabei zunehmend auf in-
ternational abgestimmte Handlungsrichtlinien. Für den europäischen Raum bildet in diesem Zusammenhang das
bereits 1979 in Bern (Berner Übereinkommen) von den Mitgliedsstaaten und weiteren Unterzeichnern im Europarat
beschlossene Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen, wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer
natürlichen Lebensräume (COE 1979) eine grundlegende Handlungsbasis. Mit diesem Abkommen, wie auch mit
der EWG-Richtlinie von 1992, üblicherweise als Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie bezeichnet, verpflichten sich
die Unterzeichner zum Arten- und Gebietsschutz. Insbesondere geht es um die Sicherung der Artenvielfalt im eu-
ropäischen Gebiet der Mitgliedstaaten durch die „Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden
Tiere und Pflanzen“ (EWG, 1992). Im Anhang IV dieses Dokumentes wird u.a. auch der Wolf (Lupus canis) unter
strengen Schutz gestellt.
Im Ergebnis verschiedener Artenschutzmaßnahmen etablieren sich große Beutegreifer, wie der Wolf, wieder in
Deutschland und werden zunehmend von der Gesellschaft in unserer Kulturlandschaft bewusster wahrgenommen.
Die Zukunft des Wolfes in der Bundesrepublik Deutschland hängt entscheidend von seiner Akzeptanz in der Ge-
sellschaft ab. Deshalb wird neben der Aufklärung der Öffentlichkeit dem Interessenausgleich mit möglichen Kon-
fliktgruppen, wie Weidetierhaltern und Jägern, ein besonderer Stellenwert beigemessen.
Die Tatsache, dass große Beutegreifer in den gemeinsamen Lebens- bzw. Aufenthaltsbereichen unserer kleinräu-
migen, stark strukturierten Kulturlandschaften eine zunehmende Verbreitung finden, ruft in der Öffentlichkeit eine
breite Diskussion hervor. Die Wiederansiedlung und zunehmende Ausbreitung von Wölfen, aber auch Luchsen,
erwecken bei vielen Unsicherheiten und Ängste.
Unter den nationalen Bedingungen kleinstrukturierter Landschaften wird der gemeinsame Lebensraum in vielfälti-
ger Weise geteilt, was sich u.a. auch in Konflikten zwischen Mensch, Nutz- und Wildtieren wiederspiegelt. Mit der
Ausbreitung von Wölfen in Deutschland muss festgestellt werden, dass es zunehmend zu Übergriffen auf Nutztiere
kommt. Davon sind vor allem Weidetiere jegliche Art betroffen.
Eine Freilandhaltung von Nutztieren beansprucht zur Ernährung und Haltung einen Teil der multifunktionalen Kul-
turlandschaft, im Besonderen der durch Grünlandbiotope geprägten Offenlandschaften. Dabei bestimmen neben
wirtschaftlichen Aspekten der gewerblichen Tierhaltung auch Gründe des Natur- und Landschaftsschutzes sowie
der Hobbytierhaltung und Erholung die Form und Intensität dieser naturangepassten Formen der grünlandgebun-
denen Tierhaltung.
Lassen sich für die fondssparende Weidehaltung auf Grünlandstandorten eine Vielzahl von begründeten Vorteilen
dieser Nutztierhaltung gegenüber der intensiveren Stallfütterung und –haltung benennen, so sind jedoch auch hal-
tungs- bzw. verfahrensspezifische Probleme und Risiken bei der Freilandhaltung nicht außer Acht zu lassen. Diese
bürgen im Einzelfall nicht abzuschätzende Schäden oder Verluste.
In den Wolfsverbreitungsgebieten und auf den Wanderrouten einzelner Wölfe kommt es vor, dass diese Wildtiere
in die Haltungsbereiche von Nutztieren eindringen und auf der Beute- und Futtersuche vor allem ungeschützte,
kleine Wiederkäuer angreifen, diese verletzen oder töten. In diesen Fällen entstehen den betreffenden Tierhaltern
zum Teil erhebliche Nachteile, die über den Verlust an gerissenen Nutztieren hinausgehen und in der Konsequenz
angepasste Maßnahmen für den Schutz der Nutztierherden nach sich ziehen.
Dem hohen Schutzstatus des Wolfes geschuldet, erhalten Tierhalter im Falle von derartigen Schäden, bei denen
ein Riss an Nutz- und Gatterwild festgestellt oder bei dem der Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden

 
Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 8
kann, Beihilfen durch die zuständigen Länder. Diese fördern einerseits die Errichtung eines wirkungsvollen, vor-
beugenden Herdenschutzes, andererseits stehen diese Regularien zur Schadensbegleichung bei wolfsverursach-
ten Verlusten zur Verfügung. Im Hauptfokus stehen dabei die Halter kleiner Wiederkäuer. Rinder- und Pferdehalter
waren in der Vergangenheit davon, bis auf wenige Ausnahmen, ausgeschlossen.
Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie beauftragte das Institut für Agrar- und Ernäh-
rungswissenschaften (Professur für Tierhaltung und Nutztierökologie) der Martin-Luther-Universität Halle-
Wittenberg mit einer Literaturstudie zum Schutz von Rindern und Pferden vor großen Beutegreifern.
1.2 Zielsetzung
In den zurückliegenden Jahren haben sich in den Wolfsverbreitungsgebieten, auf von Nutztieren beanspruchten
Haltungsbereichen, durch Wolfsangriffe auf kleine Wiederkäuer oder geschwächte, Einzeltiere oder Jungtiere an-
derer Tierarten verschiedene Schadensereignisse und Verluste ergeben, wie unterschiedliche Quellen belegen. In
jährlichen Dokumentationen staatlicher Stellen, der Wolfsbeauftragen oder der Jägerschaft der Länder werden
diese Rissereignisse zusammengefasst. Für Deutschland sammeln beispielsweise „LUPUS“, Wildlife Consulting
über Jahre hinweg entsprechende Informationen aus den Wolfshabitaten und liefern jährlich aktualisierte Berichte
sowie detaillierte Ergebnisse zum internationalen Wolfsmonitoring (z. B. Reinhardt et al. 2013). Ähnliche Aktivitäten
verfolgen und veröffentlichen auch polnische Fachkollegen von der Associationfor Nature „Wolf“ (Nowak et al.
2006).
Aus bisherigen eher seltener festgestellten Übergriffen von Wölfen auf Herden und Einzeltiere großer Herbivoren,
wie Rinder und Pferde, stellt sich jedoch die Aufgabe, diesen Tierhaltern Empfehlungen zum Herdenschutz zu
unterbreiten und als Handlungsgrundlage in angemessener Form entsprechende Unterstützung zum vorbeugen-
den Schutz ihrer Tierbestände vor Übergriffen von großen Beutegreifern zu gewähren bzw. im nachgewiesenen
Schadensfall Entschädigungen zu zahlen.
Bisher ausgearbeitete Empfehlungen zum Herdenschutz sind vorrangig für die am häufigsten von Wolfsattacken
betroffenen Nutztiere, Schafe und Ziegen ausgerichtet und in den letzten zwei Jahrzehnten schwerpunktmäßig in
den Wolfsverbreitungsgebieten in unterschiedlichen Art und Intensität gereift und zur Anwendung gekommen
(WWF 2014).
Die Forderungen der Halter kleiner Wiederkäuer und zunehmend der Mutterkuh- und Pferdebranche werden mit
einem zunehmenden Risiko, Verluste durch Wolfsattacken zu erleiden, massiver und in der Konsequenz ein vor-
beugender Herdenschutz immer wichtiger. Ein vorbeugender Herdenschutz für Rinder- und Pferdehalter hat die
tierspezifischen Verhaltenseigenschaften, das Haltungsmanagement und standörtlichen Weidebedingungen dieser
großen Herbivoren zu berücksichtigen.
Die öffentliche Kritik und Vorwürfe Betroffener verweisen darauf, dass die Bundesländer im Zusammenhang mit
den Folgen des kompromisslosen Wolfschutzes die Unterstützung für betroffene Tierhalter von Rindern und Pfer-
den bisher unzureichend verfolgen und oft nur in Einzelfällen finanziell entschädigen. Diesen Umstand aufgreifend
sind die staatlichen Entscheidungsträger, Verbände und Wolfsbeauftrage wie auch die Tierhalter in den betreffen-
den Bundesländern auf der Suche nach vertretbaren Lösungen.
Ziel der Arbeit ist es, auf der Basis einer Literaturrecherche im nationalen und internationalen Schrifttum und unter
Berücksichtigung von
Erfahrungen aus aktuellen Schadensfällen in den Verbreitungsgebieten großer Beutegreifer,
Empfehlungen zum Herdenschutz und
geeignete Managementmaßnahmen für nationale Rinder- und Pferdehalter abzuleiten.

 
Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 9
2 Große Beutegreifer und ihre Lebensräume
2.1 Artenkennzeichnung und Vorkommen
Der zoologischen Ordnung nach lassen sich Carnivora durch zwei Unterordnungen unterscheiden, der terrestri-
schen (230 Arten) und der überwiegend im Wasser lebenden Arten (31), welche sich hauptsächlich räuberisch,
vom Fleisch anderer Wirbeltiere ernähren(Storch und Welsch 2014). Sie werden in Landraubtiere (Fissipedia) und
Wasserraubtiere (Pinnipedia) differenziert. Dabei steht der Begriff der „Beutegreifer“ umgangssprachlich als Syno-
nym für Raubtiere (Carnivora).
Die Landraubtiere, die aus 13 Carnivorenfamilien bestehen, werden hauptsächlich in zwei Übergruppen eingeteilt.
Einerseits die Katzenartigen (Feliformia) mit sieben Untergruppen und die Hundeartigen (Caniformia) mit neun
Untergruppen (Hunter et al. 2012).
„Die Raubtiere (Carnivora) bilden die fünftgrößte der 29 heutigen Säugerordnungen; sie kommen auf allen großen
Landmassen einschließlich Antarctica vor und haben jeden wichtigen Lebensraum der Erde besiedelt, vom
hyperarrieden Inneren der Sahara bis zu den Eisflächen der Arktis.“
(Hunter et al. 2012). Ihre besondere Ange-
passtheit an ihre Lebensräume ist hierfür besonders von Vorteil. Einige Raubtiere fressen vermehrt Aas oder auch
kleinere Wirbellose. Darüber hinaus wird das Ernährungsspektrum, zum Beispiel von Bären, auch durch Früchte
und Wurzeln erweitert oder sie ernähren sich, wie der Pandabär komplett vegetarisch.
Landraubtiere besitzen dafür scharfe Krallen an den Extremitäten und vor allem ein schneidendes Gebiss („Brech-
scherenapparat“), wie Storch und Welsch (2014) beschreiben. Das Gebiss der Raubtiere ist speziell an ihre Nah-
rung angepasst. Die Eckzähne dieser Tiere sind stark verlängert und greifen scherenförmig ineinander ein. Das ist
das sogenannte Brechscherengebiss. Ihren Kiefer können sie nur auf- und abwärts bewegen und dadurch einen
hohen Druck aufbauen, den sie zum Töten ihrer Beute nutzen oder um Fleisch aus dem Kadaver zu reißen.
Das Sozialverhalten der Carnivoren ist sehr unterschiedlich entwickelt. Viele von ihnen leben in Gruppen oder Fa-
milienverbänden zusammen und kümmern sich gemeinsam um die Jungenaufzucht, wie zum Beispiel Löwen oder
Wölfe. Andere Arten dagegen leben als Einzelgänger und finden nur zur Paarung zusammen.
„Alle Caniden entwi-
ckeln dauerhafte soziale Beziehungen, die sich um ein monogames Männchen-Weibchen-Paar konzentrieren, das
zur Aufzucht des Nachwuchses zusammenarbeitet; in einigen Fällen bleiben die Jungtiere des letzten Wurfs bei
ihren Eltern und beteiligen sich bei der Aufzucht weiterer Geschwister“
(Hunter et al 2012).
Auch das Jagdverhalten der Carnivoren ist recht vielseitig. Sozialere Raubtiere, die in Gruppen leben, jagen meis-
tens auch zusammen. Sie hetzen ihre Beute, kreisen sie ein oder separieren einzelne Tiere aus der Gruppe, um
sie dann zu erlegen. Die Jagdtechniken der Einzelgänger, wie Tiger oder Puma, variieren stark.
Sie schleichen sich an ihre Beute an oder lauern ihr auf, um sie zu überraschen und dann zu erlegen.
Bären vergleichsweise haben keine bestimmten Präferenzen zur Jagd und erbeuten ihre Nahrung, wenn sich die
Gelegenheit bietet.
Raubtiere verfügen bekanntermaßen über ausgeprägte Sinnesleistungen, wobei der Gesichtssinn, das Hör- oder
das Riechvermögen dominieren.
Die meisten Raubtiere sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie nutzen vorrangig den Schutz der Dunkelheit, um sich
ihrer Beute zu nähern. Allerdings gibt es auch dabei vereinzelt Ausnahmen, wie Beobachtungen des Jagdverhal-
tens von Wölfen beweisen.
Wölfe werden wegen ihres opportunistischen Jagdverhaltens auch als „Gesundheitspolizei“ des Waldes betitelt,
denn durch die Auswahl an Beutetieren üben sie einen positiven Einfluss auf den Gesundheitszustand der Beute-
tierpopulationen aus. Das Risiko der Erbeutung steigt bei kranken, schwachen oder reaktionsarmen Jung- oder
Alttieren im Vergleich zu schnellen, wehrhaften Tierarten oder –gruppen.
Durch die Wiederkehr der Wölfe schließt sich somit eine Lücke in unserem Ökosystem, denn die Anwesenheit
großer Beutegreifer steht in den gemeinsamen Lebensräumen von heimischen Wild- und Nutztieren in
Wechelsbeziehung zur Natur- und Landschaftsentwicklung (Heurich 2015).

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 10
2.2 Auftreten und Verbreitung großer Beutegreifer im mittel-
europäischen Raum
In Mitteleuropa gibt es vor allem fünf Arten großer Carnivoren: Luchs (Lynxlynx), Wolf (Canislupus), Fuchs
(Vulpesvulpes), Braunbär (Ursusarctos) und den Vielfraß (Gulogulo).
Der Fuchs als kleinerer Beutegreifer war in Mitteleuropa nie ausgerottet. Er ist für die Landwirtschaft kein bedeu-
tender Konkurrent. Selten werden neugeborene Lämmer oder Kälber gerissen, hauptsächlich ernährt er sich von
kleinen Nagetieren und Aas (Cuisin et al. 1995).
Der Vielfraß kommt in Skandinavien vor. Es leben dort gegenwärtig ca. 1.250 Tiere in zwei Populationen, die
248.000 Quadratkilometer umfassen (Chapron et al. 2014). Auch er ernährt sich hauptsächlich von Aas, aber auch
von Vogeleiern oder Beeren (Cuisin et al. 1995). Selten reißt er Rentier- oder Elchkälber.
Der europäische Braunbär ist eine Unterart des Braunbären. In Europa leben nach Chapron et al. (2014) ca.
17.000 Individuen in 10 Populationen auf einer Fläche von 485.000 Quadratkilometern. Besonders in Skandinavien
und Osteuropa ist er heimisch. In Mitteleuropa kommt er häufig in den Alpen oder Pyrenäen vor. Er zählt zu den
Allesfressern, der sich vor allem von Beeren, Nüssen und Wurzeln ernährt. Auch Aas oder kleine Beutetiere wie
Mäuse verschmäht er nicht. Hin und wieder reißen Bären größere Beutetiere, wie Hirsche oder auch ungenügend
geschützte landwirtschaftliche Nutztiere.
Ein größeres Problem als der Bär und Luchs stellt der Wolf mit seiner Ausbreitung für landwirtschaftliche Nutztiere
dar. Durch sein Jagdverhalten ist er für vielfache Verluste an Wild- und Nutztieren verantwortlich.
Im Jahre 2000 wurden in der Lausitz (Sachsen) das erste Mal wieder Wolfswelpen nachgewiesen und seitdem
erobert der Wolf seine früheren Verbreitungsgebiete zunehmend zurück (Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“)
.
Als
Opportunisten passen sich Wölfe und andere Beutegreifer an die jeweiligen Bedingungen an und suchen sich die
leichteste Beute aus, die sie finden können. Wölfe in Mitteleuropa leben bevorzugt in steppenähnlichen Gebieten
mit Baumgruppen oder Wäldern, die sie als Deckung auf ihren Jagdzügen nutzen. Zu ihren Beutetieren gehören
Rotwild, Schwarzwild und auch Niederwild.
Weltweit haben Wissenschaftler und Wolfsexperten durch Beobachtungen und Untersuchungen das Verhalten
dieser Beutegreifer erkundet und Erkenntnisse zusammengetragen. Hierzu finden sich international betrachtet eine
Vielzahl an Quellen von wahren und vermeintlichen Wolfsexperten, welche das jeweils vorherrschende Bild des
Wolfes, das häufig bedrohend in einer breiten Öffentlichkeit reflektiert wird, aufzeigen.
Insgesamt gibt es in Europa ca. 12.000 Wölfe, in 10 Populationen auf über 798.000 Quadratkilometer verteilt las-
sen sie sich in 28 Ländern nachweisen (Chapron et al. 2014). Die Abb.1 zeigt einen Überblick über die im europäi-
schen Raum nachgewiesenen Wolfspopulationen.

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Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 11
Abbildung 1: Standörtliche Lage nachgewiesener Wolfspopulationen im Europäischen Raum
(nach WWF 2014)
Die Populationen sind nach ihrem Verbreitungsgebiet benannt. Einzelne Populationen sind so isoliert, dass es
keinen genetischen Austausch mit anderen Populationen gibt. Das kann bei zu kleinen Populationen zum Problem
werden. Ein Beispiel hierfür ist die Iberische Wolfspopulation im Norden Spaniens oder auch die Skandinavische
Population in Schweden und Norwegen
(http://www.wolfsregion-lausitz.de/index.php/verbreitung/verbreitung-in-
europa).
Nach offiziellem Stand des Bundesamtes für Naturschutz lebten bis zum Herbst 2014 mindestens 31 Wolfsrudel,
4 Paare und 5 territoriale Einzeltiere sowie eine unbekannte Anzahl nicht territorialer Einzelwölfe in Deutschland.
Für das Monitor-Jahr 2013/2014 wurden über 100 Wolfswelpen in Deutschland bestätigt (DJV 2015). Das Bun-
desamt für Naturschutz benannte im Monitoring-Jahr 2014/2015 Bestände von 31 Wolfsrudeln, 8 Wolfspaaren und
6 sesshaften Einzelwölfen. Das Verbreitungsgebiet umfasst die Bundesländer Sachsen, Brandenburg, Sachsen-
Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen (BfN 2016; BMUB 2015).
Es muss festgestellt werden, dass Wölfe natürlicherweise auch in Deutschland landwirtschaftliche Nutztiere in ihr
Beutespektrum aufnehmen.
Untersuchungen zufolge bestand das Futterspektrum der Wölfe im Zeitraum 2001-2009 zu mehr als der Hälfte
(54%) aus Rehen, zu einem Viertel (24,7%) Rothirschen, 16,3 % Wildschweinen sowie 7% übrigen Tieren, unter
denen sich weniger als ein Prozent (0,8%) Nutztiere verbergen (NABU 2009), wie in der Abb. 2 ersichtlich ist.

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Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 12
Abbildung 2: Anteil (%) von Wölfen betroffener und gefressener Beutetiere im Zeitraum 2001-2009
(NABU 2009)
Werden die vordrängenden großen Beutegreifer nicht durch abschreckende Herdenschutzmaßnahmen am Errei-
chen ihrer Beute gehindert, so ist es nicht ausgeschlossen, dass sich ein erfolgreiches Rissereignis im folgenden
Zeitraum wiederholt und lokal einen deutlich höheren Beuteanteil und Anzahl gerissener Nutztiere nach sich ziehen
kann.
Vor allem Schafe und Ziegen, aber auch Schweine, Kälber und Fohlen sind potentiell gefährdet, von großen Beu-
tegreifern getötet oder verletzt zu werden.
Auch eine einmal verlorene Scheu oder die Gewöhnung an die Nähe des Menschen und seiner Tiere führt dazu,
dass Annäherungsversuche der Beutegreifer an die Haltungsbereiche und Weideflächen von Nutztieren in Abhän-
gigkeit der beidseitigen Reaktion zunehmen und sich konfliktreicher bzw. schadensreicher entwickeln können.
Fälle registrierter und bestätigter Rissereignisse durch Wölfe, bei denen große Herbivoren, wie Rinder oder Pferde,
verletzt oder getötet wurden, sind den vorliegenden Meldungen nach in den einzelnen Bundesländern sehr selten
und mehrheitlich waren nur einzelne Tiere betroffen, wie von staatlichen Wolfsbeauftragten in den letzten Jahren
fortlaufend registriert wurde. Das wildtiergenetische Labor der SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung
analysiert dazu als nationales Referenzzentrum Wolfs- und Luchsproben aus ganz Deutschland und liefert die
Ergebnisse von DNA-Analysen.
Dabei sind in der Mehrzahl vorrangig immer wieder junge unerfahrene, kranke oder lahme, in der Bewegungsakti-
vität eingeschränkte Tiere betroffen, die bei Wolfsübergriffen getötet oder verletzt wurden.
Hierbei geben die erfassten Schadensfälle Hinweise, dass dabei auch andere Schadensursachen in Betracht ge-
zogen werden müssen, wie zum Beispiel Totgeburten, verendete Jungtiere oder Kadaver, die in der Folge von
Beutegreifern gefressen wurden, wie betroffene Mutterkuhhalter einräumen oder auch nachfolgende Untersuchun-
gen vermuten lassen.
Betrachtet man Ergebnisse zur Kälbersterblichkeit bei Rindern, insbesondere bei Mutterkuhhaltung, so belegen
Untersuchungen nach Weber (2007) in Mecklenburg-Vorpommern haltungs- und verfahrensbedingte Verluste bei
Kälbern von 9,6% (3,5 % Totgeburten und 6,1% Aufzuchtverluste). Gräfe (2010) berichtet aus Thüringen unter
praktischen Bedingungen von 3 %Kälberaufzuchtverlusten und nach jüngeren Erhebungen für die Mutterkuhhal-
tung von ca. 5 % (Gräfe 2013).
Bei Übergriffen von Wölfen auf Nutztierherden mit Rindern und Pferden können dabei, wenn auch weit weniger oft
betroffen als Schaf- und Ziegenhalter, für diese Tierhalter wolfverursachte wirtschaftliche Schäden entstehen.
Deshalb stehen die nationalen Landwirte wie auch Tierhalter in den europäischen Wolfsverbreitungsgebieten vor
der Aufgabe, ihre Herden besser vorbeugend zu beschützen und alte Methoden des Behütens wie auch den
Schutz durch Herdenschutztiere wieder zu erlernen und zu praktizieren.
Dazu stehen den Tierhaltern in Deutschland verschiedene internationale Erfahrungen, wie beispielsweise aus der
Schweiz (Landry 1999; AGRIDEA 2015) und nationale Quellen für die Information zur Verfügung.
Bisher in den Bundesländern und angrenzenden Nachbarländern gewonnene Erkenntnisse und Ergebnisse von
Wolfsbeauftragten stellen dafür eine solide Basis dar und erfordern von den fachlichen Beratern und staatlichen

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 13
Entscheidungsträgern aller Bundesbehörden eine weitere ziel- und lösungsorientierte Mitarbeit aller Betroffenen.
Folglich erteilen die staatlichen Landesämter und ihre Wolfbeauftragten regelmäßig und auf Nachfrage fachdienli-
che Hinweise und Unterstützung.
Zusammenfassende Informationen vermittelt dazu eine Veröffentlichung des Sächsischen Landesamtes für Um-
welt, Landwirtschaft und Geologie über „
Schutzmaßnahmen vor dem Wolf“
(Schriftenreihe, Heft 16/2014, der Auto-
ren Walther und Franke 2014), die im Auftrage des Freistaates Sachsen erstellt wurde.
Darüber hinaus dürfte die von unterschiedlich motivierten, gesellschaftlichen Interessenvertretern geforderte bun-
desweit agierende, zentrale „Dokumentations- und Beratungsstelle Wolf“, die Anfang des Jahres 2016 unter der
Leitung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ihre Arbeit aufnahm, ein weiterer Schritt sein, Betroffe-
nen und in den Wolfsschutz involvierten Interessenvertretern sowie der interessierten Öffentlichkeit aktuelle Infor-
mationen rund um das Thema Wolf und Herdenschutz zur Verfügung zu stellen.
Nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen können vor allem Jungtiere unmittelbar nach der Geburt Opfer eines
Wolfsübergriffs werden. Bei Mutterkühen fördert das natürliche Geburtsverhalten, sich zum Zeitpunkt des Kalbens
von der Herde abzusondern, die Gefahr, dass die frisch geborenen Kälber für diesen Zeitraum nicht dem Schutz
der übrigen Herdenmitglieder unterliegen. Huftiere lassen auch in der Regel die Plazenta liegen und entfernen sich
nach dem Geburtsvorgang vom Geburtsort. Der Blutgeruch bei der Geburt wie auch auf der Fläche verbliebenen
Nach- oder Totgeburten können die Beutegreifer anlocken und bieten eine leichte Beute.
Wenn im Mai bis Juni die Wolfswelpen zur Welt kommen, ist der Nahrungsbedarf des Rudels dementsprechend
höher, da die Welpen bereits ab drei Wochen schon vorverdautes Fleisch fressen (Cuisin et al.1995). Der Beute-
bedarf steigt in diesen Zeiträumen dementsprechend. Auf ihrer Futtersuche stoßen sie auch auf die Haltungsberei-
che von Nutztieren und nähern sich den Weidetieren, da diese eine potentielle Beute darstellen.
Wie Abbildung 2 aufzeigt, kommt es dabei deutlich seltener zu Rissen an Nutztieren (0,8%) als an Wildtieren (mehr
als 97%). Bevorzugt werden ungeschützte Weidetiere, vor allem kleine Wiederkäuer, kranke oder wenige Tage alte
Jungtiere, aber auch Rinder- und Pferdeherden werden nach potentiellen Beutetieren durchsucht.
Beobachtungen und Berichte von Tierhaltern deuten darauf hin, dass bei oder nach einem Wolfsübergriff Herden-
mitglieder ausbrechen oder flüchten. Folglich sind bei einem solchen Fall weitere Schadensfälle an den betroffenen
Tieren nicht auszuschließen. Häufig zeigen die überlebenden Tiere nach einem entsprechenden Übergriff eine
anhaltende Unruhe oder ein verändertes (schreckhaftes) Verhalten, was sich auch in einem veränderten Futterauf-
nahmeverhalten dokumentieren kann, worauf auch Untersuchungen bei Rindern von KLUEVER et al. (2008, 2009)
hinweisen.
3 Dokumentierte Übergriffe auf Wild- und
Nutztiere
Die Erhaltung von wilden Raubtierarten steht in einem steten Konflikt mit landwirtschaftlicher Nutztierhaltung. Ei-
nerseits sind große Carnivoren wie Wolf, Luchs oder Dingo wichtig für das Gleichgewicht ökologischer Systeme,
andererseits sind sie immer potentielle Gefahren für Nutztiere, sei es durch deren Tötung oder auch durch Über-
tragung verschiedenster Krankheiten.
In Australien ist der
Dingo
das größte und für die Landwirtschaft bedeutendste Raubtier. Taxonomisch ist seine
Einordnung unsicher, da Dingos in ihrem Wesen sehr dem amerikanischen Wolf und den europäischen Grauwöl-
fen ähneln (Corbett 1995). Ihr lateinische Name Canislupusdingo lässt aber auf die nähere Verwandtschaft mit
dem Haushund schließen. Allgemein üblich wird der Dingo als Neozoen bezeichnet, ein vor tausenden Jahren
verwilderter Haushund, eingeschleppt von anderen Kontinenten. Seine Populationsgröße wird streng überwacht
und durch Giftköder oder Schießen einzelner Individuen reglementiert. Allerdings wurde ein Zusammenhang zwi-

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 14
schen dem Verschwinden der Dingos und der Zunahme der Pflanzenfresser, die Nahrungskonkurrenten für Rinder
darstellen, festgestellt (Prowse et al. 2015). Das Verhältnis zwischen Viehdichte, Anzahl von Kängurus und Dingos
ist dabei entscheidend. Jedoch muss man immer wieder mit Kälberverlusten rechnen, da der Dingo Kälber, Läm-
mer und Geflügel bei unzureichendem Schutz leicht erbeuten kann (Prowse et al. 2015).
In Nordamerika ist der
Kojote
weitaus häufiger anzutreffen als der
Wolf
. Der Lebensraum des Kojoten erstreckt
sich von Kanada und Alaska bis nach Mittelamerika, wohingegen der Wolf in den Vereinigten Staaten fast ausge-
rottet ist (Berger et al. 1985).
Nur noch vereinzelt findet man stabile Wolfspopulationen, wie zum Beispiel im
Yellowstone Nationalpark. Dort wurden Wölfe zwischen 1995 und 1996 wieder angesiedelt, um einen Einfluss auf
die freilaufenden Huftierbestände des Parks zu nehmen (Heurich 2015). Der Kojote hat folglich von der Ausrottung
des Wolfes profitiert, da er die freigewordenen Reviere übernahm (Haskel 2012).
Zu den Beutetieren des Kojoten gehören Aas, Nagetiere, Huftiere (meist Rehkitze), Insekten wie Grashüpfer und
auch landwirtschaftliche Nutztiere und Geflügel. Aber auch Früchte wie Beeren, Wassermelonen, Gemüse und
manchmal auch Katzen oder kleine Hunde werden gefressen. Gewöhnlich nehmen sie die am leichtesten zu be-
schaffende Beute auf (Green et al. 1990). Damit richten sie teilweise große finanzielle Schäden an. Manchmal
geraten auch Kojoten in einen sogenannten Blutrausch. Dann töten sie, genau wie Wölfe, deutlich mehr Tiere, als
sie fressen können. Flüchtende Tiere führen zu einer Art Automatismus und aktivieren das Beutefangverhalten der
Raubtiere.
Pumas
, auch Berg- oder Silberlöwen genannt, kommen in Nord-, Mittel- und Südamerika vor. Sie sind die größten
Konkurrenten der Wölfe, ob es nun um Nahrungsreviere oder auch das gegenseitige Töten von Jungtieren geht
(Chadwick 2013). Im Gegensatz zum Wolf ist seine Population recht groß und auch stabiler. Deshalb ist er in den
meisten Staaten der USA zum Abschuss freigegeben und steht in Südamerika nur in Chile unter Artenschutz. Zu
seiner bevorzugten Beute gehören große Huftiere wie Hirsche, Elche und Rentiere, aber auch kleinere Tiere wie
Skunks, Waschbären, Biber und Mäuse
(http://www.raubkatzen.info/puma.shtml).
Allerdings fressen Pumas kein
Aas. Hin und wieder werden auch landwirtschaftliche Nutztiere wie Rinder angegriffen, da Pumas aber vorzugs-
weise in entlegenen und schwer zugänglichen Regionen leben, halten sich derartige Übergriffe auf große Herbivo-
ren jedoch in Grenzen.
Auch
Bären
sind in Nord- und Südamerika, sowie Europa und Asien beheimatet. Als Omnivoren ernähren sie sich
aber nicht ausschließlich von Fleisch. Allerdings greifen Bären auch hin und wieder Nutztiere oder Menschen an. In
Nordamerika gibt es jedes Jahr ca. vier Angriffe von Braunbären, von denen aller zwei Jahre einer tödlich endet
(Linnell et al. 2002). Indes gibt es deutlich mehr Angriffe von Schwarzbären auf Menschen, wahrscheinlich da es
von ihnen mehr Individuen gibt und diese kleineren Bären sich näheran menschliche Siedlungen trauen, wie Linell
et al. (2002) berichten. Als Räuber von landwirtschaftlichen Nutztieren sind sie nicht so sehr gefürchtet. Nach einer
chinesischen Studie von Li et al. (2015) waren Braunbären nur für 10,6% der Nutztierrisse verantwortlich. Beson-
ders oft wurden Schafe und Ziegen durch Bären gerissen (54,9% aller Nutztierrisse), danach folgten Lämmer
(21,0%), Yaks und Rinder (19,2%), Kälber (4,9%) und Pferde mit 0,1%.
In der genannten Studie in der Qinghai Lake Region in China war tatsächlich der Wolf der Hauptfeind der Nutztie-
re. Mit 76,0% aller Nutztierrisse richtete er den größten finanziellen Schaden an (Li et al. 2015). Auffällig ist weiter-
hin, dass in den Sommermonaten, in denen die Nutztiere in den Bergen grasen, deutlich mehr Nutztiere von gro-
ßen Carnivoren erlegt werden als in den Wintermonaten, in denen die Nutztiere nahe den Siedlungen in einge-
zäunten Gebieten gehalten werden. Weiterhin wird von Li et al. (2015) drauf verwiesen, dass Pferde, die meist das
ganze Jahr nahe der Behausung der Besitzer gehalten werden, fast nie den Carnivoren zum Opfer fallen. Diese
wertvollen Nutztiere stehen unter intensiver Bewachung und werden auch besser ernährt, was ihre Gesundheit und
Wehrhaftigkeit stärkt.
Im Süden Asiens (vorzugsweise Indien), wo es noch heute viele
Tiger
gibt, gilt er als das gefährlichste Raubtier für
Mensch und Tier (Dinerstein et al. 2006). Seine hauptsächliche Nahrung besteht aus Hirschen, wilden Rindern und

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 15
Wildschweinen. Die nördlicher lebenden Tiger reißen auch Elche und Sikahirsche. Im südlichen Indien fressen sie
den Beobachtungen nach bisweilen auch Krokodile, Nager und Frösche (Seidensticker et al. 2008).
Es fällt auf, dass Tiger überdurchschnittlich oft Menschen angreifen und dann mit Namen wie „Menschenfresser“
betitelt werden. Nach Linnell et al (2015) wird das Ausmaß der Tigerangriffe als deutlich grösser als das eines je-
den anderen Beutegreifers eingeschätzt.
Der Lebensraum der
Löwen
und anderer Großkatzen in Afrika nimmt immer weiter ab. Es gibt nur noch wenige
Gebiete mit ausreichend großen Populationen von Löwen, um sich selbst zu regenerieren.Nach Quammen (2013)
sind solche Gebiete die Serengeti, Region im Südosten und Westen Tansanias, Gebiete in Botswana und Sim-
babwe sowie der Großraum zwischen Mosambik, Simbabwe und Südafrika (einschließlich des Krüger-
Nationalparks).
Rund die Hälfte der afrikanischen Löwen lebt heute in einem dieser Gebiete. Der Löwe ist die einzige Großkatze,
die sowohl einzeln als auch im Rudel jagt. Das bietet den Vorteil, dass auch Beutetiere erlegt werden können, die
deutlich grösser und schwerer sind als die Löwen
(http://www.welt-der-katzen.de/wildekatze/grosskatzen/
loewe/loewe-ernaehrung.html).
Zu ihren Beutetieren zählen große Huftiere wie Zebra, Büffel und Wasserböcke, aber auch Nagetiere und in Not-
zeiten Insekten. Oftmals reißen sie auch Ziegen oder Rinder der Landbevölkerung, die mit ihren Tieren zu nah an
die Territorien der Löwen kommen. Quammen (2013) verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die ärme-
ren Siedler der Region das Land an den Rändern der Schutzgebiete (z.B. in Tansania) bestellen, wo das Risiko,
auf Löwen zu treffen, besonders groß ist.
In Europa sind
Luchs
und
Wolf
die am weitesten verbreiteten Raubtiere, die sowohl Nutz- als auch Wildtiere rei-
ßen (Karlsson 2007).
Braunbär
und Luchs reißen nur Jungtiere von Huftieren und der
Vielfraß
hat nur eine sehr
beschränkte Verbreitung auf den Norden Europas (Heurich 2015). Huftiere in Mitteleuropa sind hierbei Reh, Rot-
hirsch und Wildschwein. In der Alpenregion zählen aber auch Gämsen und Mufflons zur Beute großer Carnivoren.
Nach Heurich (2015) reißen
Luchse
im Durchschnitt 50 Huftiere pro Jahr, wobei differenziert werden muss zwi-
schen weiblichen Alttieren mit Jungen, die ca. 80 Huftiere zur Strecke bringen und subadulten Tieren, die nur etwa
45 Beutetiere pro Jahr benötigen.
Der
Wolf
ist aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit, seiner weiten Verbreitung und seines Jagdverhaltens der be-
deutendste Jäger großer Huftiere in der nördlichen Hemisphäre (Peterson et al 2003).
Seine präferierte Beute sind Rothirsche. Bei dieser Tierart erbeutet er meist Kälber und alte oder verletzte Tiere.
Bei Wildschweinen ist es von Nordeuropa nach Südeuropa unterschiedlich. Im Norden werden Wildschweine eher
gemieden und im Süden machen sie den Großteil der Nahrung der Wölfe aus (Heurich 2015). In Skandinavien
frisst ein Wolf imDurchschnitt 29 Elche und 1,5 Rehe pro Jahr, in Polen 27 Rothirsche, 12 Wildschweine und zwei
Rehe (Jedrzejewski et al. 2002; Sand et al. 2005).
Abbildung 3: Überblick über die Mitteldeutsche Tieflandpopulation der Wölfe und Vorkommen
in Deutschland
(NABU 2015)

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 16
Die Identifizierung des Wolfs als Verursacher von Tierverlusten ist nicht immer leicht. Zwar kann man anhand von
Biss- und Rissverletzungen an den toten oder verletzten Tieren erkennen, ob es sich um einen hundeartigen Ver-
ursacher handelt, eine nachweisliche Bestätigung für einen Wolfsübergriff kann jedoch in der Regel nur mit Hilfe
einer DNA-Analyse vorgenommen werden. Dazu dürfen die Spuren bzw. Proben nicht älter als 24 Stunden oder
am Tatort verunreinigt sein und nur von Fachleuten genommen werden.
Eine schnelle Reaktion im Falle eines gemeldeten Schadensereignisses ist hierbei oberstes Gebot.
3.1 Internationale Fallbeispiele
In Europa gibt es immer wieder Attacken von großen Beutegreifern auf Nutztiere. Besonders oft werden Schafe
und Ziegen von Wölfen gerissen, aber auch Pferde und Rinder sind betroffen.
Die verfügbaren Quellen belegen, dass in allen Ländern, die über große Beutegreifer wie Wölfe verfügen, wieder-
holt Nutztiere gerissen werden. Meist handelt es sich bei diesen erbeuteten Nutztieren vor allem um Schafe, Zie-
gen, Damwild, deren Jungtiere, aber auch adulte Rinder. Vereinzelt können auch Pferde/Fohlen betroffen sein.
Aus der
Schweiz
berichtete das lokale Nachrichtenportal „1815.ch“ am 26.11.2013 von einem Wolf, der nächtlich
in eine Pferdekoppel eindrang und die sechs darin befindlichen Pferde so in Panik versetzte, dass sie ausbrachen
und auf ihrer Flucht noch drei weitere Pferde zum Ausbruch führten, die mit ihnen in einen Zaun einer benachbar-
ten Schafkoppel flüchteten. Die Pferde wurden nicht unmittelbar durch den Wolf verletzt, aber ein Schaf wurde ge-
tötet
(http://www.blick.ch/news/schweiz/westschweiz/ein-schaf-stirbt-dabei-walliser-wolf-jagt-pferde-herde-durchs-
tal-id2550311.html).
Das erste Mal wurden 2010 nachweislich neben Schafen auch Kälber in der Schweiz gerissen. Damals war es ein
Wolfspaar (ein männlicher und ein weiblicher Wolf), das aus Italien eingewandert war. Die Walliser Regierung gab
den Wolf daraufhin im Gebiet Montana-Varneralp zum Abschuss frei
.
Der Begründung nach ging es mit dieser
Entscheidung um den Schutz von rund 1.900 Rindern, Kühen und Kälbern, die im betroffenen Gebiet sömmerten
.
Der WWF kritisierte öffentlich die Entscheidung der Walliser Regierung und bezeichnete es als übereilt, da nicht
definitiv geklärt war, ob tatsächlich ein Wolf die Kälber gerissen hatte. Die Forderung der Umweltschutzorganisati-
on WWF lautete in diesem Fall, dass sich die Walliser Tierhalter vorzugsweise um einen ausreichenden Herden-
schutz hätten kümmern sollen
(http://www.nzz.ch/wallis-gibt-wolf-zum-abschuss-frei-1.7080176).
Abbildung 4: Kadaver eines von Wölfen gerissenen Pferdes in Italien
(Foto: A.Bonnani )
Auch
Italien
hat Nutztierrisse durch Wölfe zu verzeichnen. Im März 2016 berichten Medien von Angriffen auf eine
Pferdeherde in Mittelitalien. In den Bergen der Serrasecca und Morrone wurden seit der Wiederkehr des Wolfes in
den 1970er Jahren immer wieder Schafe, Ziegen und Pferde gerissen. Einer der letzten Übergriffe fand im März
2016 statt. Es wurden dabei 7 Jungpferde und eine unbekannte Anzahl von Schafen gerissen oder verletzt
(http://www.terremarsicane.it/marsica/?q=content%2Fe-poi-dicono-che-i-lupi-non-attaccanola-testimonianza-di-
ebonanni). Das war nicht der erste Übergriff von Wölfen auf Nutztiere in Italien. In Norden des Landes kommen

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 17
solche Übergriffe häufiger vor (Dondina et al 2015). Diese Tiere wandern in Gebieten der Schweiz und Italien um-
her und sind damit wichtige genetische Austauscher der Mitteleuropäischen Flachlandpopulation und der Italieni-
schen Population.
Tabelle 1: Zusammenfassung der Risse von großen Beutegreifern auf Nutztiere in der Provinz
L’Aquila (Mittelitalien) nach Anzeigen der Weidetierhalter
(nach Cozza et al. 1996)
Schafe und Ziegen (%)
Rinder (%)
Pferdeartige (%)
Stichprobengröße (n) Tierart
75
54
92
Beschädigte
48,4
18,0
32,2
Adulte Tiere
99,0
4,0
20,0
Jungtiere
1,0
96,4
80,0
Saisonale Verteilung
Winter
8,0
13,0
8,7
Frühling
21,3
40,7
51,1
Sommer
42,7
31,5
29,3
Herbst
28,0
14,8
10,9
Tageszeit der Attacke
(n=73)
(n=47)
(n=74)
Tagsüber/Dämmerung
54,7
20,4
16,3
Nacht
44,3
79,6
83,7
Ort der Attacke
(n=67)
(n=49)
(n=86)
Grasende Herde
68,7
14,3
4,7
Pferch
31,3
12,2
18,6
Magerweide
0,0
73,5
76,7
Standort
(n=29)
(n=19)
(n=30)
Offene Fläche
20,7
31,6
36,7
Bewaldetes Gelände
79,3
68,5
63,3
In der Tabelle 1 sind die von den Weidetierhaltern (Mittelitalien) angezeigten Risse aufgeführt und nach verschie-
den Umweltbedingungen sortiert. Es zeigt sich deutlich, dass bei Schafen und Ziegen zum größten Teil adulte Tie-
re (99%) und bei Rinden (94,4%) und Pferdeartigen (96,8%) hauptsächlich Jungtiere den Beutegreifern zum Opfer
fielen. Frei grasende Schafe und Rinder waren demnach häufiger betroffen als eingezäunte, gepferchte Tiere. Die
Tatsache, dass Rinder und Pferdeartige auf Magerweiden besonders häufig von Rissen betroffen waren, lässt auf
großflächig, weit auseinander grasende Weideherden schließen, deren Schutz der Einzeltiere durch einen ge-
schlossenen Herdenverband fehlte.
Nach den vorliegenden Ergebnissen von Cozza et al. (1996) zum Standorteinfluss zeigt sich auch eine annähern-
de Verdopplung der Rissereignisse bei Rindern und Pferdeartigen im bewaldeten Gelände.
In
Frankreich
wurde im Oktober 2013 eine ganze Herde Merens-Pferde angegriffen. Die 30 Tiere waren durch
einen Elektrozaun und Pyrenäenberghunde geschützt. Trotzdem verschaffte sich ein Rudel Wölfe Zutritt zu der
Koppel und riss eine Stute, wie der Wolfsbeauftragte der Region bestätigte. Schon 2011 wurde ein Pferd durch
Wölfe verletzt und 2012 kam es zu einem weiteren Riss eines Fohlens
(http://archives.
nicematin.com/vallees/un-
troupeau-de-chevaux-attaque-par-le-loup-a-auron.1488261.html).

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 18
In AvilaSotalbo,
Spanien
, wurde Anfang Februar 2016 der Herdenschutzesel einer Rinderherde getötet und aufge-
fressen. Es ist bekannt, dass Esel aufgrund ihrer hohen Aufmerksamkeit Hundeartige schon frühzeitig erkennen
und die Herde warnen können. Der Esel warnte zwar die Rinder, diese zogen sich auch zu einer kompakten Grup-
pe zusammen, und somit wurde er alleiniges Opfer der Wölfe. Darüber hinaus berichteten Landwirte von weiteren
14 Wolfsattacken auf ihre Nutztierherden.
(http://www.agronewscastillayleon.com/uccl-denuncia-la-muerte-de-un-
asno-en-un-ataque-de-lobo-en-la-localidad-abulense-de-sotalbo).
In
Schweden
wurden die Übergriffe von Wölfen im Bundesland Värmland seit 2003 registriert und ausgewertet.
Wie aus der Abb. 5 zu entnehmen ist, wurden auch hier auffallend viele Schafe gerissen, am zweithäufigsten Hun-
de und danach erst Rinder und andere Tierarten (Olssen 2014). Im Juni 2014 brachen 25 Färsen aus Furcht vor
Wölfen aus ihrer Koppel aus. Ein Tier wurde tot aufgefunden. Dass es Wölfe waren, die den Ausbruch der Herde
aus ihrer Weidefläche verursachten, bestätigt der zuständige Sachbearbeiter für Wildangelegenheiten bei der Lan-
desverwaltung von
Värmland(http://www.amaroktv.de/news/schweden-werden-wolfsangriffe-auf-
rinder-häufiger).
Abbildung 5: Wolfsangriffe auf Nutztiere in der schwedischen Provinz Värmland
(nach Olssen 2014)
In
Bulgarien
gab es von 1990 bis 1998 keine Beweise für Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere. Seit 1999 gibt es sie wieder,
wenn auch nur unvollständige Informationen über Wolfsattacken auf Wild- und Nutztiere vorliegen, wie aus der Tab. 2 zu ent-
nehmen ist (Genov et al. 2010;
Stoynov 2014). Die vergleichsweise hohen Risszahlen weisen auf eine extensive Weidetierhal-
tung auf den weitflächigen Gebirgsweiden in Bulgarien und den damit verbundenen eingeschränkten Herdenschutz hin.
Tabelle 2: Durch den Wolf getötete Nutztiere in den Bergen von Bulgarien im Zeitraum von 1999 - 2009
(nach Genov et al. 2010)
Schafe
Ziegen
Kühe und
Kälber
Pferde und
Fohlen
Maultiere
und Esel
Hunde
Gesamt
Anzahl
1207
519
175
123
134
110
2268
%
53,2
22,9
7,7
5,4
5,9
4,9
100
Aber nicht nur in Europa gibt es Angriffe auf Pferde und Rinder. In den
USA
werden auch regelmäßig Nutztiere von
Wölfen getötet. Ende Januar 2016 war es in Billings (Montana) eine Färse. Die zuständige Biologin bestätigte,
dass sich ein Rudel Wölfe, bestehend aus einer Alphahündin, einem Jährling und vier Welpen, in der Gegend auf-
hielt und für den Riss verantwortlich sei
(http://www.greatfallstribune.com/story/news/local/
2016/01/29/ wolves-
blame-cow-death-fishtail-area/79514684/). Einen Monat später, Ende Februar, kam es in Klamath (Oregon) zum
Riss eines 10 Monate alten Kalbes durch einen besenderten Wolf. Auch hier bestätigte der zuständige Wildbiologe
den Riss durch diesen Wolf
(http://www.dailyjournal.net/view/story/
cb348b140d4441aa856e4260ce672758/OR--
Wolf-Attacks-Calf).
(
Rot: Schafe; Blau: Rinder; Grün: Hunde; Gelb: andere Nutztiere)

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 19
Breck et al. (2011) führte eine Studie mit besenderten, halbwild aufwachsenden Kälbern durch, die in Regionen mit
erhöhtem Vorkommen von großen Beutegreifern aufwuchsen. So wurde der prozentuale Anteil der tatsächlich von
Wölfen gerissenen Kälber untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass nicht Wölfe, sondern Pumas und andere Ur-
sachen als Haupttodesursache angesehen werden können (vergl. Tab.3) .
Tabelle 3: Rissverursacher von mit Senderhalsbändern ausgestatteten Kälbern (East Eagle und
Adobe Ranch, USA) in Regionen des Mexikanischen Wolfs
(nach Breck et al. 2011)
Unter-
suchungs-
ort
Anzahl
markierter
Kälber
Anzahl
und
Anteil
(%) toter
Kälber
Todesursachen
Puma
Wolf
Schwarz-
bär
Kojote
andere
Ursache
unbekannt
East Eagle
Ranch
618
40 (6,5%)
27(67,5%)
3 (7,5%)
3 (7,5%)
1 (2,5%)
4 (10%)
2 (5,0%)
Adobe
Ranch
312
6 (1,9%)
0 (0,0%)
0 (0,0%)
0 (0,0%)
0 (0,0%)
4 (66,7%)
2 (33,3%)
3.2 Nationale Fallbeispiele
In Deutschland ist die Mitteleuropäische Flachlandpopulation des Wolfes beheimatet. Die Tiere in Deutschland
sind größtenteils aus Polen eingewandert. Im Jahr 2000 wurden die ersten Wolfswelpen in Sachsen geboren. Seit-
dem breiten sich Wölfe in Deutschland immer weiter aus und führen nachweislich zu Schäden an Weidetieren.
Landesweite Erfassungen der staatlichen Wolfsbeauftragen in den Bundesländern belegen, dass bei Rissereignis-
sen und gemeldeten Tierverlusten, bei denen ein Wolf vermutet wird, vor allem kleine Wiederkäuer (Schafe und
Ziegen) zu Schaden kommen. Dies belegen u.a. die erfassten Schadensfälle in den Ländern mit nachgewiesenen
Wolfsvorkommen, wie am Beispiel vom Land Brandenburg aus der Tabelle 4 zu entnehmen ist.
Tabelle 4: Summe der jährlichen Nutztierrisse in Land Brandenburg in den Jahren 2007 – 2016
mit Stand vom 14.01.2016
(nach LUGV 2016)
Jahr
Schafe
Ziegen
Damwild
Rinder
Pferde
2007
4
0
0
0
0
2008
71
2
0
0
0
2009
34
1
1
0
0
2010
61
1
23
2
0
2011
87
1
13
1
0
2012
50
0
17
2
0
2013
46
0
2
0
0
2014
51
0
3
5
0
2015
74
0
19
3
1
2016
14
0
0
0
0
Gesamt
492
5
78
13
1

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 20
Die mehrjährigen Erfassungen von Nutztierrissen enthalten unter den gemeldeten Fällen verletzter oder vermisster
Tiere eine sehr hohe Verlustzahl an Schafen, jedoch nur eine geringe Anzahl, bei denen Rinder zu Schaden ka-
men und nur einen einzigen Übergriffe bei Pferden. Ähnliche Erfahrungen vermitteln auch vergleichbare Erhebun-
gen aus anderen Bundesländern (beispielsweise Niedersachsen und Sachsen, vergleiche Abb. 7 und 8) über ge-
meldete Nutztierverluste und Risse, bei dem ein Wolfsübergriff belegt oder nicht ausgeschlossen werden konnte.
Abbildung 6: Ursachen (%) gemeldeter Wolfsübergriffe (n=13) auf Rinder bzw. Kälber
in den Jahren 2007-2015 im Land Brandenburg
(nach LUGV 2016)
Nach Informationen des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg
(2016) war nur bei 17 % der gemeldeten Schadensereignisse (Wolfsübergriffe) tatsächlich ein Wolf Verursacher
bzw. ein Wolfsübergriff nicht auszuschließen.
Diese Tatsache belegt, dass bei den gemeldeten Verlusten und Schadensfällen bei Rindern und Pferden ein über-
wiegend hoher Anteil anderer Ursachen in Betracht kommt, wie an dem brandenburgischen Fallbeipiel aus der
Abbildung 6 ersichtlich wird.
Abbildung 7: Gemeldete Anzahl toter oder verletzter Tiere (Rissereignisse 2008-2016) in
Niedersachsen und Anteil der Pferde und Rinder mit Stand vom 28.02.2016
(nach LUGV 2016)
Nach Erkenntnissen aus Niedersachsen häufen sich, wie der Abb. 7 zu entnehmen ist, die gemeldeten Rissereig-
nisse im Frühjahr und Herbst. Hauptsächlich sind unter den getöteten oder verletzten Tieren vor allem kleine Wie-
Wolf/Wolf
nicht
ausge-
schlossen
17%
Tot-
geburten
20%
Hund
3%
Krankheit
22%
unbekannt
(ohne
Kaniden)
38%
2007 - 2015
0
50
100
150
Jan Feb März Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Anzahl aller toten oder verletzten Tiere
Anzahl aller toten
oder verletzten Tiere
0
5
10
15
Jan Feb März Apr Mai Jun
Jul
Aug Sep Okt Nov Dez
Rinder/Kälber
Rinder/Kälber, Wolf
Verursacher
0
2,5
5
Jan Feb März Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Pferde/Fohlen

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 21
derkäuer (und Damwild) betroffen, wie an den niedersächsischen Ergebnissen in den Jahren 2008 bis zum Febru-
ar 2016 zusammenfassend dargestellt wird. Bei Rindern bzw. Kälbern zeigt sich aus den Summen der Jahre 2008
bis 2016 bei den gemeldeten Schadensereignissen in Niedersachsen eine monatliche Zunahme der Fälle (n=82)
bis November. Bestätigte 12 Wolfsübergriffe auf Rinder (14,6%) häufen sich demnach von Juli bis September.
Abbildung 8: Gemeldete Anzahl toter oder verletzter Tiere (Rissereignisse 2008- März 2016)
in Sachsen und Anteil der Pferde und Rinder
(nach Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz 2016)
Die Summe der registrierten Anzahl toter oder verletzter Tiere weist auch in Sachsen im Frühjahr und Herbst eine
Anhäufung der gemeldeten Schadensfälle auf. Darunter ist, wie am Beispiel von Niedersachsen aufgezeigt wird,
wiederum nur ein geringer Anteil gemeldeter Tierverluste und Verletzungen bei Rindern und nur in Einzelfällen bei
Pferden festzustellen. Dabei sind bei Rindern zum Zeitpunkt des Frühjahrauftriebs und im Herbst die meisten
Schadensmeldungen zu verzeichnen.
Es ist davon auszugehen, dass die geringe Anzahl gemeldeter Rissereignisse bei Rindern im November und De-
zember auf die reduzierte Zahl weidender Rinder infolge einer Aufstallung im Rahmen einer Stall-Weide-Haltung
zurückzuführen ist.
Aus Sachsen-Anhalt wurde 2015 von einem Übergriff auf eine Konik-Pferdeherde berichtet, die sich in einem be-
waldeten, extensiv betriebenen Weidestandort (ehemaliger Truppenübungsplatz) in der Oranienbaumer Heide
befand. Dabei wurde ein Fohlen verletzt und ein Wolf konnte in diesem Fall als Verursacher nicht ausgeschlossen
werden.
0
25
50
75
100
125
150
175
Jan Feb März Apr Mai Jun
Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Anzahl aller toten oder verletzten Tiere
Anzahl aller toten oder
verletzten Tiere
0
2
4
6
8
10
12
Jan Feb März Apr Mai Jun
Jul
Aug Sep Okt Nov Dez
Rinder/Kälber, Wolf
Verursacher
Rinder/Kälber
0
2
4
6
8
10
Jan Feb März Apr Mai Jun
Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Pferde/Fohlen

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 22
4 Formen des Herdeschutzes
Bei Rindern und Pferden ist davon auszugehen, dass diese Tierarten in Abhängigkeit ihrer Größe und der damit
zusammenhängenden Fähigkeit des natürlichen Verhaltens selbst schützen, das heißt durch schutzartige Flucht-
und kraftvolle Verteidigungsreaktionen gegenüber nahenden Gefahren und eindringenden Wildtieren üben sie für
sich und ihre Jungtiere einen Selbstschutz aus. Besonders bei Pferden sind die optischen und akustischen Sinnes-
leistungen darauf ausgerichtet, durch Flucht- und Erkundungsreaktionen Feinde zu vermeiden. Bohnet (2011) be-
schreibt dazu das Fluchtverhalten von Pferden. Bleibt demnach ein fluchtauslösendes Objekt stationär, so lässt
sich feststellen, dass sich ein Pferd nach unterschiedlicher Zeit annähert, um es zu erkunden. Nach anfänglicher
visueller Fixierung folgt mit steigender Stresssituation ein Angriff oder die Flucht des Pferdes.
Die Formen des Herdenschutzes sind sehr vielfältig und vorrangig den Umständen der Viehhaltung anzupassen.
Für Gebiete, in denen große Beutegreifer eine potentielle Gefahr für Weidetiere darstellen, stehen den Tierhaltern
verschiedene Techniken und Maßnahmen zum Schutz ihrer Tierbestände zur Verfügung. Untersuchungen von
Reinhardt et al (2012) vermitteln einen Überblick zu Herdenschutzmethoden in Deutschland.
Hier sind wolfssichere Zäune im Allgemeinen die erste Wahl der Weidetierhalter, für den elementaren Schutz ihrer
Herden zu sorgen. Jedoch sind bei großflächigen Koppeln und langen Außenzaunanlagen, wie sie oftmals bei der
extensiven Weidenutzung mit Rindern, insbesondere bei Mutterkuhhaltung, vorzufinden sind, sehr material- und
kostenaufwändig. Folglich können mögliche passive und aktive Herdenschutzmaßnahmen der Rinder- und Pferde-
herden miteinander kombiniert werden.
Zu beachten ist jedoch, dass in Deutschland die Bundesländer bisher unterschiedliche Vorgaben zum Mindest-
schutz für Wolfsgebiete vorgeben, der erfüllt sein muss,um bisherige Ausgleichszahlungen zu erhalten. DieTabelle
A1 im Anhang vermittelt einen Überblick über diebisher geforderten Mindestschutzmaßnahmen für Nutztierherden
in einzelnen Länder und sonstige freiwillige Maßnahmen für kurzfristige Übergangslösung zum Schutz vor großen
Beutegreifern.
Die für Rinder und Pferde in Frage kommenden Maßnahmen bzw. Methoden des Herdenschutzes lassen sich in
vier Kategorien unterteilen. Diese Maßnahmen sind:
-
passive Abwehrmaßnahmen,
-
aktive Abwehrmaßnahmen,
-
Vergrämung von Beutegreifern und
-
Bestandsregulierung der Beutegreifer.
Ein angepasstes oder tiergerechtes Herden- und Weidemanagement gehört zu jeder der vier hier aufgeführten
Maßnahmen des Herdenschutzes und sollte immer zuerst in Betracht gezogen werden.
4.1 Passive Abwehrmaßnahmen
Passive Abwehrmaßnahmen sind in erster Linie die Art und Weise der Einfriedung von Haltungs- und Weideflä-
chen durch eine geschlossene, unterbrechungsfreie Außenzaunanlage.
Im Gegensatz zur ständigen Behirtung freilaufender Weidetierherden, zum Beispiel bei der Hütehaltung von klei-
nen Wiederkäuern, kommt zum Herdenschutz bei stationärer Weidetierhaltung von Rinder- und Pferdeherden der
Errichtung und Nutzung sicherer Weidezäune eine vorrangige Bedeutung zu.
Weidezäune haben nicht nur die Funktion, Weidetiere in dem bestimmten Gebiet zu halten, sondern auch ein Ein-
dringen von außen zu verhindern. Aufgrund der meist großen Weidegebiete oder der Vielzahl an einzelnen Weide-
teilflächen (Koppeln) von Rindern und Pferden ist es den Weidetierhalten oft auch mit finanzieller Unterstützung
seitens der Länder nicht möglich, völlig neue Zaunsysteme zu errichten. Als Alternative dürfte sich eine Erweite-

image
Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 23
rungen oder Anpassungen bestehender Stabil- oder kombinierter elektro-mechanisch wirkender Festzäune (Kom-
bizäune) ebenso arbeits- und kostenintensiv gestalten.
Pferdekoppeln
sind in den meisten Fällen stationär und mit einem festen Weidezaun umgeben. Anders als bei
Schafhaltern werden die Weiden oft über lange Zeiträume genutzt (NABU 2015). In diesen Fällen können an den
bestehenden Weidezäunen einige bauliche Veränderungen durchgeführt werden. Da Wölfe in erster Linie versu-
chen Zäune zu untergraben, ist ein außen am Zaun angebrachter Untergrabeschutz sinnvoll. Alternativ kann auch
nur die Lücke zwischen unterster Querverbindung des Zauns und Boden geschlossen werden
(www.weidezaun.info).
Am besten funktioniert es mit stromführenden Litzen, die einen maximalen Abstand von 20
cm zum Boden aufweisen. Idealerweise sollten diese Drähte außen 15 cm vor dem Zaun mit Langisolatoren an-
gebracht werden. Das hat auch den Vorteil, dass der Wolf auf Abstand zum Zaun gehalten wird (NABU 2015).
In der Abb. 9 wird ein durch zwei zusätzliche stromführende Leiter ergänzte Stabilzaunanlage dargestellt.
Abbildung 9: Eine zusätzlich, mit zwei an Langisolatoren befestigte Elektroleiter, gesicherte Stabilzaun-
anlage
(Foto: Klingenberger)
Sollte eine Anbringung der Litzen außerhalb der Koppel nicht möglich sein, kann man die Litzen auch innerhalb der
Koppel an den Weidepfählen befestigen, allerdings ohne Langisolatoren, da es sonst zu Verletzungen an den emp-
findlichen Pferdebeinen kommen kann. Weiterhin sollte bei dieser Methode hochwachsendes Gras regelmäßig
gekürzt werden, um den Stromfluss nicht zu schwächen.
Reinhardt und Kluth (2007) empfehlen für Pferde und Rinder, dass:
ab einer Herdengröße von 8 erwachsenen Tieren kein besonderer Schutz nötigt ist,
für kleinere Herden oder nur Kälber/Fohlen sind Koppeln mit E-Draht zu sichern
(mind. 4 Litzen; untere Litzen mit max. 20 cm Bodenabstand),
bei Maschendrahtzaun sollte die Zaunanlage wildschweinsicher sein
(in Boden einlassen oder mit EDraht) und
Tiere sollten nachts eingestallt werden, wenn kein geeigneter Zaun vorhanden ist.
Als kurzfristige Maßnahmen können in akuten Fällen in den Wolfserwartungsgebieten Flatterbänder und Lappenzäune zur
Wolfsabwehr angebracht werden (Davidson-Nelson et al. 2010). Ein Flatterband kann eine Breitbandlitze sein, die mitca. 20 cm
Abstand horizontal über den bestehenden Zaun gespannt wird. Eine Elektrifizierung ist nicht nötig. Genauso wie der Lappen-
zaun, der aus an Schnur festgebundenen ca. 1 m langen Streifen besteht, verunsichert das im Wind schwankende und flattern-

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 24
de Band den Wolf (
Musiani et al.2003).
Allerdings ist er nur als Übergangsschutz einsetzbar, da ein Gewöhnungseffekt zu
erwarten ist. Hierzu bieten einige Bundesländer den Tierhaltern sogenannte Notfallsets an, worauf der WWF (2014)hinweist.
Rinderweiden
sind in den meisten Fällen halbstätionär und nur mit einfachen Metallpfählen und Stromlitzen um-
zäunt. Hierbei genügen diese oftmals nicht den Empfehlungen zum sicheren
Zaunbau
für den Risikobereich 3
(AID, 2010).
Nach AID (2010) genügen für Rinder-Außenzäune zur Mutterkuh- und Kälberhaltung im Risikobereich 3 dreireihi-
ge, verzinkte Stahldrähte mit bis zu 110 cm Höhe, was vorrangig ein Ausbrechen verhindern soll. Dabei wird emp-
fohlen, die Drahthöhe für den untersten Einzeldraht 45 - 60 cm, den mittleren 75 - 80 cm und den obersten Einzel-
draht 90-100 (110) cm Höhe zu bemessen. Diese Zaunanlage verhindert jedoch wegen des fehlenden Unter-
schlupfschutzes nicht das Eindringen großer Wildtiere.
Alternativ sind wolfssichere Zaunanlagen mit 5 Litzen oder Bändern zu errichten. Somit bietet es sich an, die Au-
ßenzaunanlagen um zwei oder drei Litzen zu ergänzen. Aber auch diese Nachrüstung gewährlistet keinen hun-
dertprozentigen Schutz.
Mehrjährige Erfahrungen an Schafweidezäunen bestätigen, dass die Gefährdung der Herden wirksam vermindert
werden kann, indem der Abstand der untersten Litze zum Boden nie grösser als 20 cm ist, um ein Unterwühlen
durch Wölfe zu erschweren und bei Kontakt abschreckend zu wirken.
Um ein Überwinden bzw. Unterwühlen der Zaunanlage für Wölfe zu erschweren, sollten die Drähte der Außen-
zaunanlage bei Rinderweiden zweckmäßigerweise in 20, 40, 60, 90, 120 cm Bodenabstand angebracht werden.
Bei Mutterkühen mit Jungtieren sollten mindestens zwei stromführende Elektrolitzen angeschlossen sein, damit die
Jungtiere nicht von der Weide entweichen können (Mettler et al. 2015). Ein oftmals empfohlener Kälberschlupf wird
somit ausgeschlossen.
Alternativ können auch wolfssichere Zäune mit 5 Litzen oder Bändern errichtet werden. Wichtig ist hierbei, Torbe-
reiche, Wassergräben und Geländeunebenheiten immer mit abzusichern. Der Abstand der untersten Litze zum
Boden darf zu diesem Zweck nicht grösser als 20 cm und sollte ständig stromführend sein.
Weidezaunausrüster verweisen darauf, dass eine unterbrechungsfreie Stromversorgung und ausreichende Span-
nung, Leitfähigkeit und Erdung notwendig für Elektrozaunanlagen und von besonderer Bedeutung für einen zuver-
lässigen Betrieb sind. Als Stromquelle stehen hierfür von verschiedenen Anbietern für Weidetechnik unterschiedli-
che Stromquellen (9V/12 V oder 230 V-Anlagen) zur Verfügung. Als ideal wird eine Zaunspannung von 4.000 bis
5.000 Volt benannt (ELEFANT-Weidezaungeräte 2016).
Nach TEXAS-TRADING (2015) können je nach Leitfähigkeit und verwendeten Leitern (Seile, Breitbänder, Litzen
und Drähte) bei langen Zaunstrecken häufig mehr als 4.000 – 7.000 V erreicht werden.
Je nach Bewuchs sind bei normalem bis starkem Bewuchs bei Strecken bis 1000 m mindestens 2 - 6 Joule an
Leistungsbedarf der Elektrozaunanlage zu sichern (Patura 2015).
Bei besonders großem Wolfdruck kann, wenngleich sehr aufwändig, der Außenzaun mit elektrischen Weidenetzen
verstärkt werden.
Detaillierte Informationen zum praktischen Weidezaunbau und technischen Parametern in Abhängigkeit von ein-
zelnen Standortbedingungen vermitteln auch Walter und Franke (LfULG 2014).
Die über die letzten Jahre gesammelten Erfahrungen zeigen, dass der Herdenschutz ausschließlich mit passiven
Mitteln und Techniken des Zaunbaus keinen absoluten Schutz bietet und somit hinsichtlich einer Wolfsabwehr an
seine Grenzen stößt.
Bedeutsam und verlustmindernd sind auch die Möglichkeiten eines veränderten
Haltungs- und Herdenmanage-
ments
bei Rindern und Pferden anzusehen. Umfassende Informationen zur tiergerechten Fleischrinderzucht und
zum Haltungsmanagement von Mutterkühen vermittelt u.a. Hampel (2014). Bei der Mutterkuhhaltung beeinflusst
eine erfolgreiche Aufzucht der Kälber maßgeblich die Wirtschaftlichkeit dieses Haltungsverfahrens. Eine tägliche
mehrmalige Herdenkontrolle und die Weidesicherheit sind in den Kalbezeiten vorrangig auf den Schutz der Jung-
tiere auszurichten. Weiterhin kann eine angepasste Weideführung die Risiken eines Wolfsangriffes vermindern. Zu
diesem Zweck können Möglichkeiten einer eingeschränkten Weideflächenzuteilung, zeitweiligen Aufstallung hoch-

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 25
tragender Muttertiere und verstärkte Kontrollen durch sachkundige Herdenbetreuer während des Kalbens oder im
Zeitraum des Fohlens in Betracht gezogen werden.
Besonders groß ist das Risiko eines Wolfsangriffs auf Weiden und Koppeln auf denen abgekalbt oder abgefohlt
wird, sowie auf Weideflächen, die sehr junge Kälber und Fohlen beherbergen. Das Risiko einer erfolgreichen
Wolfsattacke wird mit zunehmendem Alter der Jungtiere geringer (AGRIDEA 2015).
Zur Geburt zieht sich das Muttertier in eine ruhige Ecke der Weide, abseits der Herde, zurück. Danach lässt sie ihr
Jungtier oft für eine kurze Zeitspanne alleine. Der blutige Geruch der Nachgeburt kann Beutegreifer wie Wölfe oder
Füchse anlocken. Deshalb sollte die Weide so konzipiert sein, dass die Jungtiere jederzeit gut gesehen werden
und die Alttiere sie im Bedarfsfall verteidigen können (weidezaun.info).
Kleine Weideflächenbemessungen und abgegrenzte Umtriebsweiden verhindern, dass sich Einzeltiere zu weit von
der Herde wegbewegen oder ausbrechen können und somit, getrennt von den anderen, zur leichten Beute werden
(Reinhardt und Kluth 2007). Ein oftmals empfohlener Kälberschlupf oder Schlupfweiden (creepgrazing) sollten in
Wolfsverbreitungsgebieten entfallen.
Insgesamt hat der Wert der Tierherde, und besonders bei Pferden der monitäre Wert des Einzeltiers, den Aufwand
zu rechtfertigen, in den besonders gefährdeten Zeiträumen und zur Überwachung der Geburten eine zeitbegrenzte
Aufstallung der Muttertiere vorzunehmen.
Eine Einschränkung der Ganztagsweide für Pferde durch ein nächtliches Einstallen der Tiere kann sich als ebenso
sinnvoll erweisen, da Wölfe dämmerungsaktiv sind und in dieser Tageszeit bevorzugt jagen (Mettler et al. 2015). Ist
das nicht möglich, sollte der Weidestandort, wenn möglich, verlagert werden. Übersichtliche und exponierte Wei-
den in Nähe des Hofes sind zu bevorzugen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die Weide in diesen
risikoreichen Zeiträumen möglichst nicht in Waldnähe liegt und starke Verbuschung und Unübersichtlichkeit den
Beutegreifern keine Deckung bietet.
Empfohlen wird eine erhöhte Präsenz des Tierhalters und verstärkte Herdenkontrolle, damit im Bedarfsfall schnell
gehandelt und beispielsweise betroffene Tiere in Hof- und Stallnähe gebracht werden können (AGRIDEA 2015).
4.2 Aktive Abwehrmaßnahmen
Aktive Abwehrmaßnahmen sind hauptsächlich der Einsatz von Herdenschutztieren. Sie zielen darauf ab, es gro-
ßen Beutegreifern so schwer wie möglich zu machen, zu den Herden vorzudringen oder einzelne Tiere der Herde
zu attackieren (Smith 2000). Am bekanntesten, und auch in einigen Bundesländern gefördert, ist der Einsatz von
Herdenschutzhunden
. Allerdings werden sie bisher vorrangig in Schafherden eingesetzt. Ein in der Schweiz vom
Bundesamt für Umwelt (BUFA) gefördertes Wolf-Projekt untersuchte dazu den Einsatz von Herdenschutzhunden
und Eseln zur Abwehr von Wolfsattacken.
In den einsamen Weiten Anatoliens vertrauen die Tierhalter ihre Herden schon seit Jahrhunderten Herdenschutz-
hunden an, wie zum Beispiel dem Kangal, einem türkischen Herdenschutzhund.
Im dicht besiedelten Deutschland sind diese Hunderassen heutzutage weitgehend noch unbekannt und ihr Einsatz
gestaltet sich nicht problemlos. Das dürfte auch ein Grund dafür sein, weshalb sich Weidetierhalter in Deutschland
erst in den letzten Jahren intensiver mit der Möglichkeit auseinandergesetzt haben, ihre Tierbestände mit Unter-
stützung von ausgebildeten Herdenschutzhunden zusätzlich zu sichern. Hierzu kann z.B. auf Erfahrungen Schwei-
zer Tierhalter zurückgegriffen werden, wie sie Landry (1999) beschrieb.
Der Einsatz dieser Hunde ist bei Rinder- und Pferdehaltern in Deutschland noch relativ unbekannt (NABU 2015). In
der USA und der Schweiz gibt es vereinzelt Untersuchungen zur Praktikabilität von Herdenschutzhunden in Rin-
derherden (VerCautern et al. 2012; AGRIDEA 2015). Herdenschutzhunde können ein guter Schutz vor dem Wolf
sein, wenn die Hunde an ihre Herde gewöhnt wurden und mindestens zwei Hunde vorhanden sind. Zwei Tiere sind
deshalb wichtig, damit ein Tier nicht panisch reagiert, wenn zum Beispiel mehrere Wölfe aus verschiedenen Rich-
tungen angreifen (WWF 2014). Eine gute Sozialisierung mit der Herde ist Voraussetzung, da Herdenschutzhunde
sich sowohl an die Herde als auch das Territorium binden. Wenn Gefahr droht, schlagen sie Alarm und greifen

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 26
nicht an, solange sich die potenzielle Gefahr außerhalb des Weidezauns aufhält (AG Herdenschutzhund et al.
2014; Coppinger et al. 2007).
Die Bindung der Herdenschutzhunde sollte in erster Linie an die Herde sein und erst in zweiter Linie an den Men-
schen, da der Hund sonst den Menschen vorziehen könnte und keinen optimalen Schutz mehr für die Tiere er-
bringt (VerCautern et al. 2012). Andererseits sollen die Hunde vertraut mit ihren Bezugspersonen sein und sich
einfangen, untersuchen und transportieren lassen (VerCautern et al. 2012). Weiterhin müssen sie Wanderer, Rei-
ter, Hundebesitzer und Jäger ignorieren und dürfen keinesfalls angreifen, um ihre Herde gegen sie zu verteidigen
(WWF 2014). Zusammenfassende Darlegungen zu den Eigenschaften und zum Verhalten von Herdenschutzhun-
den vermittelt Schoke (2000).
Eine Alternative zu Herdenschutzhunden sind
Esel
, die in Herden gehalten werden, um Beutegreifer durch Rufen
anzuzeigen und durch Tritte und Bisse zu vertreiben. Der Esel sollte um die 200 kg wiegen und eine Größe von 1
m bis 1,20 m haben (Dohner 2013). Größere und schwerere Tiere sind noch besser geeignet. Stuten, Wallache
und Hengste eignen sich gleichermaßen für den Herdenschutz, allerdings sind Hengste in der Regel am aggres-
sivsten (Dohner 2013). In Ländern mit langer Schutztiertradition, wie der Türkei, werden Esel nicht als Schutztiere
eingesetzt (NABU 2015). Es liegen allgemein bisher noch nicht genug Studien über ihre Eignung vor. In der
Schweiz gibt es Versuche mit Eseln in Schafherden, die die Herde auf kleinen, überschaubaren Flächen gut be-
schützen können
(http://www.lfl.bayern.de/itz/herdenschutz/029058/;
Cadurisch et al. 2004), allerdings nur, wenn
sie alleine gehalten werden. Esel zum Schutz von Pferden oder Rindern einzusetzen ist in Deutschland nicht er-
probt, im Zweifelsfall sollte auf eine Anschaffung aber verzichtet werden (NABU 2015).
Als weitere Alternative kommt der Einsatz von
Lamas
in Frage. Auch mit Lamas als Herdenschutztieren gibt es
bisher sehr wenige Erfahrungen. Die Schweiz hat 2012 dazu ein Pilotprojekt mit Lamas als Herdenschutztierenin
Schafherden gestartet
(http://www.agrarheute.com/news/esel-lama-hund-besten-gegen-wolf-hilft).
Durch die sehr unterschiedlichen Ergebnisse bisheriger Feldversuche, kann keine endgültige Aussage über ihre
Eignung als Herdenschutztiere getroffen werden
(http://www.lfl.bayern.de/itz/herdenschutz/029058/).
Vertreter deutscher Alpaca- und Lamazüchter verweisen darauf, dass selbst Lamahalter nicht auf den Eigenschutz
bei dieser Tierart vertrauen und in Erwägung ziehen, ihre Herden zusätzlich durch Herdenschutzhunde zu sichern.
4.3 Vergrämung von Beutegreifern
Vergrämungsmaßnahmen sind Abschreckungsmethoden, um große Beutegreifer von Nutztieren, Bauernhöfen
oder auch Dörfern zu vertreiben. Die Tiere werden mit verschiedenen Methoden in ihrem Verhalten verunsichert
und sollen eine aversive Konditionierung mit dem unerwünschten Verhalten herstellen, um schließlich Angriffe zu
unterlassen. Vergrämungsmaßnahmen werden in Deutschland nur für verhaltensauffällige Einzeltiere und nur
durch die zuständige Naturschutzbehörde angeordnet. Im Managementplan Wolf – Stufe 2 für Bayern (2014) wer-
den diese Individuen wie folgt beschrieben: „
Unter verhaltensauffälligen Wölfen werden hier Tiere verstanden, de-
ren Verhalten außerhalb der Bandbreite des Verhaltens der meisten Wölfe liegt und die für den Menschen größere
wirtschaftliche und/oder sicherheitsrelevante Probleme verursachen.“
Weltweit gibt es viele verschiedene Vergrämungsversuche, die mehr oder weniger erfolgreich waren. Dazu gehö-
ren visuelle Mittel, wie Lampen.
Die
„FoxLights“-Lampen
haben einen eingebauten Sensor und beginnen mit der Dämmerung zu blinken. Einge-
setzt werden sollten sie allerdings nur periodisch, damit keine Gewöhnung der Beutegreifer stattfinden kann. Die
Anwendung soll laut AGRIDEA nach folgenden Gesichtspunkten erfolgen
(http://www.protection-
destroupeaux.ch/schutz-massnahmen/diverse-schutzmassnahmen/vergraemungen/):
„Bei Luchs-Risikoweiden während höchstens 2 Wochen nach einem Riss und präventiv während der be-
kannten Risikosaison.
bei Mutterkühen während den ersten zwei Wochen nach der Abkalbungszeit gegen den Wolf.
allgemein auf übersichtlichen, kleineren Weiden besser einsetzbar.“

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 27
Auch
Abschreckungsgeräusche
können eingesetzt werden. In Italien und der Schweiz wurde mit Geräusch-
Vergrämern gearbeitet.
In den USA sind sogenannte funk-aktivierte Wachsysteme im Einsatz
(http://www.protectiondestroupeaux.ch/
schutz-massnahmen/diverse-schutzmassnahmen/vergraemungen/; Stone et al. 2008).
Die italienische Version wird durch einen Temperatursensor ausgelöst, wenn Tiere zu nah an den Standort des
Gerätes kommen. Dann werden eine Reihe unterschiedlicher Geräusche abgespielt, um einen Gewöhnungseffekt
zu verhindern. Idealerweise soll dieses System noch durch Lampen erweitert werden, um zusätzlich ein visuelles
Signal zu erzeugen
(http://www.fototrappolaggio.net/uploaded/prodotti/prodotti_dissuasione.htm).
In den USA werden ähnliche Geräte verwendet. Der größte Unterschied besteht allerdings im auslösenden Mo-
ment. Das italienische Modell wird durch alle Tiere ausgelöst, die sich nähern, das amerikanische Modell nur durch
Funkwellen eines Tieres mit Senderhalsbandes. Die einzelnen Individuen, die von den Weiden ferngehalten wer-
den sollen, müssen folglich ein spezielles Sendehalsband bekommen (Stone et al. 2008).
Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit,
Schockhalsbänder
einzusetzen. Diese Technik wird in den USA
praktiziert, ist aber, wie bei der Benutzung von Senderhalsbändern, durch den hohen Zeit- und Arbeitsaufwand
unverhältnismäßig. Die Tiere müssen gefangen und mit dem Halsband ausgestattet werden. Nach einer gewissen
Zeitspanne sind sie erneuteinzufangen, um das Halsband wieder zu entfernen (Stone et al. 2008).
Weitere Vergrämungsmaßnahmen sind
Knallpetarden und Leuchtraketen
. Diese sind pyrotechnische Maßnah-
men, die ähnlich wie Feuerwerk wirken. Allerdings werden diese Methoden in der Schweiz und Frankreich nicht
empfohlen und auch die Effizienz ist bisher nicht ausreichend bewiesen
(http://www.protection-
destroupeaux.ch/schutz-massnahmen/diverse-schutzmassnahmen/vergraemungen/). In Deutschland fallen diese
zwei Methoden unter das Sprengstoffmittelgesetz und dürfen nicht immer oder von jedem verwendet und gekauft
werden.
Dies betrifft auch
nonletale Geschosse,
wie zum Beispiel Gummigeschosse, Paintballs oder Platzpatronen. Diese
Geschosse machen entweder explosionsartige Geräusche, um die Tiere zu erschrecken, oder treffen das Tier mit
einer gewissen Härte, ohne es zu verletzten (Stone et al. 2008, 2016). Auch hier ist aber auf die gültigen Waffen-
gesetze und Sicherheitsvorschriften beim Einsatz der Geschosse zu achten. Shivik et al. (2003) weisen darauf hin,
das keine gezielte Vertreibung von Weideplätzen gesichert ist, da die Tiere eher ein Meidungsverhalten zum
Schützen entwickeln.
Gustavson et al. (1982) beschäftigte sich in einem 3-jährigen Versuch in Saskatchewan (Kanada) mit der
Vergrämung von Kojoten durch mit
Lithiumchlorid
präparierte Schafskadaver. Das Lithiumchlorid soll als Emeti-
kum (brechreizende Substanz) wirken und bei den Beutegreifern mittels präparierter Beute und dem Lernvorgang
eine aversive Konditionierung erzeugen. Eine Anwendung derartiger chemischer Substanzen dürfte in Deutschland
aus verschiedenen Gründen (z.B. Tierschutz u.a.) nicht in Betracht kommen.
4.4 Maßnahmen zur Bestandsregulierung von großen Beute-
greifern
Besondere Konflikte und Schäden verursachen einzelne, verhaltensauffällige Beutegreifer, die mehr Nutztiere pro
Begegnung töten als die anderen Tiere in der Population (Breck et al. 2004). Dadurch liegt es nahe, eine gezielte
Bejagung oder Entnahme
der sogenannten „Problemtiere“ durchzuführen.
Der Wolf ist in Europa und auch in Deutschland streng geschützt und darf nach gegenwärtigem Stand nicht bejagt
werden. Im europäischen Recht ist er in den Anhängen II, IV und V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgeführt
und auch im deutschen Bundesnaturschutzgesetz im § 45 benannt. Nur in Sachsen ist der Wolf seit 2012 dem
Jagdrecht unterstellt. Trotzdem hat der Wolf weiterhin eine ganzjährige Schonfrist und darf nicht bejagt werden
(https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/15812.html).
Allerdings dürfen einzelne, verhaltensauffällige Tiere auf Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde ent-
nommen werden. Das schließt das Fangen und Töten durch eine fachkundige Person mit ein.

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 28
Der Deutsche Jagdverband fordert in seiner Stellungnahme zum Wolf vom 19.06.2015:
„Die Verantwortlichen von
Bund und Ländern werden aufgefordert, sich schon jetzt damit auseinanderzusetzen, wie die zunehmende Wolfs-
population künftig auf einem stabilen, den Lebensraumbedingungen angepassten Niveau gehalten werden kann.“
Das setzt voraus, den Wolf in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie vom Anhang IV in den Anhang V zu verschieben,
um den Wolf unter Wahrung eines günstigsten Erhaltungszustandes bejagen zu können (DJV 2015).
In Schweden und den USA wurden auch
Umsiedlungen
verhaltensauffälliger Einzeltiere vorgenommen. Breck et
al. (2004) berichtete, das die Umsiedlungen jedoch sehr teuer und aufwendig waren.
5 Bewertung von potentiellen Herden-
schutzmaßnahmen für nationale
Rinder- und Pferdehalter und Hand-
lungsempfehlungen
Zum Schutz von weidenden Rindern und Pferden stehen den Tierhaltern verschiedene Formen des Herdenschut-
zes vor großen Beutegreifern zur Verfügung. Nicht jede mögliche Herdenschutzmaßnahme kann für Rinder und
Pferde empfohlen oder eingesetzt werden. Es gilt dabei, die Vor- und Nachteile einzelner Maßnahmen oder die
Wirksamkeit kombinierter Herdenschutzmaßnahmen unter Berücksichtigung einer Vielzahl an Einflussfaktoren
(z.B. Haltungsmanagement, Lage und Umfang der Haltungsflächen, Risikobereich, standörtliche Besonderheiten
u.a.) abzuwägen.
Die achfolgenden Ausführungen beinhalten Bewertungen potentieller Herdenschutzmaßnahmen für nationale Tier-
halter.
Unter den vorbeugenden (passiven) Schutzmaßnahmen kommt der Ergänzung und Nachbesserung von Zaunan-
lagen sowie deren sachkundigem Unterhalt und Betrieb eine elementare Bedeutung und Funktion zum Herden-
schutz von Rindern und Pferden vor großen Beutegreifern zu.
Tabelle 5: Bewertung von passiven Herdenschutzmaßnahmen
Herdenschutzmaßnahme
Vorteile
Nachteile
ErgänzungstationärerFestzaunanlagen
sehr gute Resultate
nicht überall möglich und erlaubt
kostenintensiv
ausreichende Geländeanpassung
notwendig (Gräben, Senken, Torbe-
reiche )
Nachrüsten von Litzen in (stromführen-
den) Weidezaunanlagen
kostengünstig
sehr gute Resultate
nicht überall möglich und erlaubt
hoher Pflegeaufwand
Bedarf spezieller Mähtechnik
Einsatz zusätzlicher Weidenetze
kostengünstig durch
Förderungen
nicht ausreichend stabil und hoch
genug für Rinder und Pferde
zusätzliche Zaunerhöhung erforder-
lich
hoher Materialaufwand
nur für kurze Zaunstrecken geeignet

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 29
Passive Schutzmaßnahmen durch funktionstüchtige Zaunanlagen (vergl. Tab. 5) versprechen bei sachgerechtem
Aufbau und mehrjähriger Nutzung einen weitestgehend sicheren Schutz. Allerdings sind Nachbesserungen von
Weidezäunen so nicht überall möglich und können bei großen Koppeln und Weiden sehr kostenintensiv werden.
Sinnvoll sind deshalb die Förderregelungen der Bundesländer, die die Weidetierhalter mit bis zu 75% des Kauf-
preises von Netzen und Litzen zur Nachrüstung der Weideflächenumzäunung unterstützen.
Dabei sollte der Gleichstellungsgrundsatz zwischen Schaf-, Rinder- und Pferdehaltern Beachtung finden.
Ergänzend zu den in der Tabelle 6 aufgeführten Herdenschutzmaßnahmen sind in der bereits vorliegenden Doku-
mentation: „
Schutzmaßnahmen vor dem Wolf
“ (LfULG 2014) ausführliche Darlegungen zu verschiedenen Herden-
schutzmaßnahmen zusammengefasst.
Tabelle 6: Bewertung von aktiven Herdenschutzmaßnahmen
Herdenschutz-
maßnahme
Vorteile
Nachteile
Herdenschutz-
hunde
hohe Selbstständig-
keit der Tiere
Arbeiten ohne Auf-
sicht
Herdentreue, respek-
tieren der Einzäu-
nung, wachsam, zu-
rückhaltend gegen-
über Menschen
hohe Geländesicher-
heit
mobile Einsatzfähig-
keit
hohe Anschaffungs- und Unterhaltskosten, meist oh-
ne Zuschüsse nicht zu finanzieren
Haltung von min. 2 Hunden
nicht jede Weidelage ist geeignet
Lärmbelastung in Siedlungsnähe möglich
hoher Ausbildungs- und Pflegeaufwand
Mangel an gut ausgebildeten Althunden in Deutsch-
land
nicht jeder Schutzhund und Rasse ist geeignet
lange Sozialisierungszeit und Prägung auf eine Tie-
rart (Herde) erforderlich
Erfahrung und Sachkenntnis des Besitzers wird ver-
langt
Prägung auf eine Tierart erforderlich (Aufwachsen in
der Herde)
zusätzlicher Witterungsschutz notwendig
(Hütte)
für Hütehaltung zusätzliche Hunde erforderlich
Esel
Kein spezielles Trai-
ning notwendig
Hohe Aufmerksam-
keit
Angeborene Abnei-
gung gegen Hunde-
artige
Reagieren auf Ein-
dringlinge mit Schrei-
en, Zähne zeigen
und Hufattacken
gute Geländesicher-
heit
hohe Lebenserwar-
tung bis zu 40 Jahre
möglich
Ausgeprägter Herdenschutz von einzeln gehaltenen
Tieren
Einzelhaltung ist aus Tierschutzgründen abzulehnen
Gemeinsame Haltung mit Herdenschutzhunden prob-
lematisch
ständiges Angebot von Raufutter
Zu eiweißreiches Futter führt zu Stoffwechselerkran-
kungen, ist nicht artgerecht
Wasser zur ständigen Verfügung erforderlich
Ständig zugängiger Wetterschutz notwendig
ausreichende Beschäftigung als Last- oder Zugtier
eignen sich nur zum Schutz von kleinen Herden
Eselsrufe sind sehr laut
Esel müssen während der Geburt von Jungtieren ge-
trennt gehalten werden
gegen Angriffe mehrerer Wölfe sind Esel machtlos
Übertragung von Krankheiten
auf (Stand-) Weiden wird die Grasnarbe durch die
Eselhufe schnell zerstört
feuchte Weidenkönnen Huferkrankungen verursa-
chen
Esel müssen täglich gepflegt werden
Regelmäßige sachkundige Hufpflege erforderlich

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 30
Fortsetzung Tabelle 6
Herdenschutz-
maßnahme
Vorteile
Nachteile
Zeitweiliges
Aufstallen trächtiger
Tiere
Schutz der Jungtiere
Kontrolliertes Abkal-
ben/Abfohlen
Minderung sonstiger
Jungtierverluste in der
geburtsnahen Phase
(Reduzierung der Tot-
geburten-rate)
besonderer Schutz
und Kontrolle für gebo-
rene Kälber und Foh-
len
hoher Arbeitsaufwand
Bedarf zusätzlicher Stallkapazität
nicht für jedes Haltungsverfahren geeignet
zusätzliche Futterbereitstellung
(Stallfütterung erforderlich)
kompakte Kalbezeiträume erforderlich
(weniger für Rinder-Direktvermakter geeignet)
Haltungs- und Weidemanagement erfordert
Veränderungen und Mehraufwand
Nächtliches
Aufstallen der Tiere
sicherste Methode
täglich hoher Arbeitsaufwand
Bedarf an zusätzlicher Stallkapazität und Stall-
fütterung
nicht für jedes Haltungsverfahren geeignet
keine Ganzjahresweide möglich
Begrenzung der Weidezeit
auf stallnahe Flächen begrenzt
Aufwändiger als passive sind die hier beschriebenen aktiven Herdenschutzmaßnahmen. Die Kombination von
Herdenschutztieren und einem angepassten Herdenschutzmanagement ist zu empfehlen. Beim Einsatz von Her-
denschutztieren sind Hunderassen zu bevorzugen, derenAusbildung und Einsatz sich in Herden zur Bewachung
und zum Schutz vor großen Beutegreifern bewährt hat.
Der Einsatz von ausgebildeten Herdenschutzhunden zum Bewachen in Rinder- und Pferdeherden ist in Deutsch-
land noch nicht ausreichend bekannt und getestet (NABU 2015). In den USA gibt es einige Studien zum Thema
Herdenschutzhunde in Rinderherden, die auch Erfolg versprechen. Untersuchungen zum Einsatz von Herden-
schutzhunden in umzäunten Weidegebieten erwiesen sich bei Schafen im Vergleich zum Einsatz in nicht umzäun-
ten Gebieten und in Abhängigkeit von der Flächengröße als kostengünstige und erfolgreiche Methode (LfULG
2014). Ein großer Nachteil dieser Schutzmethoden dürfte wohl im Anschaffungspreis und den Unterhaltskosten
solcher Tiere liegen. Geeignete Hunde aus Arbeitslinien kosten in Deutschland ca. 800 bis 1.000 Euro in der An-
schaffung pro Tier (exklusiv Unterhaltung und Ausbildung) und darüber hinaus sollten unter Tierschutzaspekten
mindestens zwei Herdenschutzhunde gehalten werden (Vanbommel 2015). Die Haftpflichtversicherung der Her-
denschutzhunde wird wie die der Hütehunde eingestuft.
Anders als Herdenschutzhunde brauchen
Lamas und Esel
als Herdenschutztiere keine spezielle Ausbildung. Die
Tiere werden in die Herde integriert und ihre natürlichen Schutzinstinkte werden aktiviert. Allerdings eignet sich
nicht jedes Lama oder jeder Esel für diese Aufgabe. Den besten Schutzinstinkt haben einzeln gehaltene Wallache
beider Tierarten. Hengste können unter Umständen zu wild werden oder ihre Herde attackieren. Über den Einsatz
von Eseln und Lamas in Pferde- oder Rinderherden liegen bisher keine belastbaren Untersuchungsergebnisse vor.
Diese Tiere neigen außerdem dazu, wenn sie nicht alleine gehalten werden, nur ihre Artgenossen zu beschützen.
Allerding ist die Einzelhaltung beider Tierarten tierschutzrelevant und im Zweifelsfall sollte davon abgesehen wer-
den (NABU 2015).
Die sicherste, aber auch aufwändigste Methode, besonders zum Schutz der Jungtiere in Rinder- und Pferdeher-
den, ist das Einstallen der Tiere über Nacht oder das kontrollierte Abfohlen oder Abkalben im Stall. Dort sind die
Tiere geschützt und unter regelmäßiger Aufsicht durch Menschen.

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 31
Tabelle 7: Vergrämung von Beutegreifern
Herdenschutzmaß-
nahme
Vorteile
Nachteile
FoxLights-Lampen
kurzfristige Schutzmaßnahme
leichter Auf- und Abbau
Gewöhnungseffekt
Diebstahlgefahr
Verschrecken aller Wildtiere
Abschreckungsgeräu-
sche
kurzfristige Schutzmaßnahme
leichter Auf- und Abbau
teure Anlagen
in Deutschland wenig erprobt
hoher Arbeitsaufwand beim Einfangen der Tie-
re (bei Anlagen mit Senderhalsband)
Verschrecken aller Wildtiere bei Wärmesensor
gesteuerten Geräten
nur Einzeltiere ausrüstbar
Schockhalsbänder
gezielte Anwendung
hoher Arbeitsaufwand beim Einfangen der
Tiere
ständige Überwachung der Tiere muss gewähr-
leistet sein
nicht praktikabel
Knallpetarden und
Leuchtraketen
gezielte Anwendung
genehmigungspflichtig
Nonletale Geschosse
gezielte Anwendung
genehmigungspflichtig
Lithiumchlorid
negative Konditionierung auf
bestimmtes Futter
Aufnahme der Substanz durch andere Tiere
möglich
in Deutschland nicht erprobt und von Natur-
schutzbehörden nicht empfohlen
Die Vergrämung von Beutegreifern gehört zu den aufwendigeren Herdenschutzmaßnahmen und wirkt meist nur
zeitlich begrenzt. Die Tabelle 7 vermittelt einen Überblick über die Vor- und Nachteile vergrämender Herdenschutz-
maßnahmen. Die Mehrzahl solcher Maßnahmen sind nur durch sachkundiges Personal durchzuführen und schlie-
ßen eine genaue Beobachtung der Tiere und ihrer Gewohnheiten voraus. Es ist dabei auch darauf zu achten, dass
keine unbeteiligten Dritten verletzt oder beeinträchtigt werden.
In der Fachwelt gelten bestandsregulierende Maßnahmen wie Bejagung, Entnahme und Umsiedlung von Problem-
tieren als umstrittenes Mittel (siehe Tab.8). Es ist dabei zwischen Bejagung und Entnahme zu unterscheiden. Unter
einer Entnahme kann auch das Umsiedeln von Wölfen oder Wolfshybriden in ein Wildgehege erfolgen und das
muss nicht die Tötung der Tiere zur Folge haben, wie im Fall einer Bejagung
.
Tabelle 8: Maßnahmen zur Bestandsregulierung
Herdenschutzmaßnahme
Vorteile
Nachteile
Bejagung oder Entnahme
endgültige Lösung
muss von zuständiger Behörde angeordnet
sein
bisher nur in speziellen Einzelfällen erlaubt
nur durch geschulten und beauftragten Perso-
nenkreis
Umsiedlung
gezielte Anwendung
kontrollierte Haltung
im Gehege möglich
noch keine erfolgreichen Studien zum Thema
hoher Arbeitsaufwand beim Einfangen der
Tiere
nur durch geschulten und beauftragten Per-
sonenkreis

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 32
Die
Umsiedlung
von Tieren in weit entfernte Gebiete war weder in den USA noch in Schweden erfolgreich. Davon
ist auch in Deutschland abzuraten.
Bis heute ist nur eine Umsiedlung von Wölfen, von Nordschweden nach Südschweden verbrachte Tiere, bekannt
und erfolgreich verlaufen
(SVENSKA
ROVDJURSFÖRENINGEN
2013).
Ein Wolfspaar wurde dabei aus Nord-
schweden zur Erweiterung der extrem inzuchtgefährdeten Südschwedischen Population umgesiedelt. Das ist der
erste erfolgreiche Versuch einer Umsiedlung, da in früheren Versuchen die Tiere die neuen Gebiete wieder verlie-
ßen und zum Teil zurückwanderten.
6 Zusammenfassung
Mit der Wiederausbreitung des Wolfes in die kleinstrukturierten Kulturlandschaften des Menschen bringen sich die
Existenz und der hohe Schutzstatus dieses großen Beutegreifers zurück in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.
Diese Entwicklung vollzieht sich dabei oftmals konfliktreich.
Der Biologie und den Verhaltenseigenschaften des Wolfes nach, sucht er in seinem Verbreitungsgebiet und auf
den Wanderrouten nach geeigneten Beutetieren.
Nationale wie auch internationale Quellen und langjährige Beobachtungen sowie Ergebnisse aus überregionalen
Monitorprogrammen verweisen darauf, dass das Beutespektrum des Wolfes durch einen großen Anteil an Wildtie-
rarten gedeckt wird, jedoch gehören auch Nutztiere wie Schafe, Gehegewild, Rinder und vereinzelt Pferde, wenn-
gleich in deutlich geringem Anteil, zum Nahrungsspektrum.
Ein gezielter Herdenschutz von Rindern und Pferden steht im Kontext mit der Forderung nach einem wirkungsvol-
len Wolfsschutz der kleinen Wiederkäuer. Dies betrifft neben der existenziellen Bedeutung für Berufstierhalter,
insbesondere der Schäfer, auch die Halter von kleinen Weidetierherden, Hobby- und Freizeittierzüchter bzw.
Tierhalter.
Mit der Freilandhaltung von Nutztieren, insbesondere der grünlandgebundenen Nutztierhaltung, tragen die Land-
wirte und Tierhalter einen maßgeblichen Beitrag zum Erhalt und zu der Entwicklung der Offenlandschaftsteile und
zu einer vielgestaltigen Kulturlandschaft in Deutschland bei.
Die festgestellten Übergriffe auf Rinder und Pferde lassen erkennen, dass der allgemein geringe Anteil dieser Beu-
tetiergruppe in den erfassten Rissereignissen verschiedener Länder eine leicht zunehmende Entwicklung erkennen
lässt. In Abhängigkeit verschiedener Einflussfaktoren wie der Tierart und Tierkategorie, Haltungsformen sowie den
praktizierten Schutzaufwendungen und standörtlichen Besonderheiten, ist aus den mehrjährigen Schadensbilan-
zen der Bundesländer zu erkennen, dass von den Nutztieren vor allem kleine Wiederkäuer, verletzte, erkrankte
oder frisch geborene Jungtiere, wie Kälber oder in Einzelfällen Fohlen, betroffen sind. Im Hinblick, dass die Anzahl
der Wölfe steigt, sind häufigere Übergriffe auf Rinder und Pferde jedoch nicht unwahrscheinlich.
Nationale Rissanalysen der betroffenen Bundesländer belegen bei Schafen und Ziegen deutlich höhere Verluste
an einzelnen Tieren als bei Rinderherden, vornehmlich von Mutterkuhherden. Hierbei erweisen sich unzureichend
geschützte Weidetierherden deutlich gefährdeter, wiederholten Wolfsübergriffen zu unterliegen und folglich sind
umfangreichere Schäden je Rissereignis wahrscheinlich.
Wie die durchgeführte Recherche belegt, ist in den Bundesländern der relative Anteil an gemeldeten Schadenser-
eignissen, bei denen Rinder, insbesondere Kälber, nachweislich Wölfe verletzt oder getötet wurden, nachweislich
geringer, als dies in der Presse oder Öffentlichkeit reflektiert wird.
Staatliche Nachweisführungen und die Mehrzahl der DNA-Analysen belegen, dass bei Rindern und Pferden ein
sehr geringer Anteil der registrierten Schadensfälle und Tierverluste auf den Wolf als Verursacher zurückzuführen
ist oder bei denen ein Wolfsübergriff nicht ausgeschlossen werden konnte. Größtenteils müssen bei beiden Tierar-
ten oftmals andere Schadensursachen mit in Betracht gezogen werden.
Für Pferdehalter zeigt die Literaturstudie nur in Einzelfällen Verluste durch bestätigte Wolfsübergriffe, bei denen
Fohlen natürlicherweise gefährdeter sind, als die wehrhaften Alttiere einer Herde.

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 33
Ein Abfohlen sollte zum Schutz der Jungtiere vorzugsweise im Stall erfolgen.
Durch weiterführende Untersuchungen und Beobachtungen ist ein wirksamer Einsatz von Herdenschutztieren
(Schutzhunden) in Pferdeherden zu prüfen.
Zum Schutz der Pferde ist eine besondere Aufmerksamkeit und Wert auf die Errichtung geschlossener Zaunan-
lagen zu legen, um ein Eindringen von großen Beutegreifern in die Weideflächen zu erschweren und das Verlet-
zungs- oder Verlustrisiko zu mindern.
Rinderhaltern kann empfohlen werden, neben der Gewährleistung eines Mindestschutzes durch die Anlage
sachgerecht bewirtschafteter Elektozaunanlagen zu prüfen, ob sich bei der Behirtung und dem Schutz der Wei-
detiere, insbesondere der Mutterkühe und deren Kälber, ein Einsatz von Herdenschutzhunden ermöglichen lässt.
Von einem oftmals empfohlenen Kälberschlupf auf Weideflächen ist in Wolfsverbreitungsgebieten abzuraten.
Der Einsatz von Eseln und Neukameliden zum Herdenschutz von Rindern und Pferden ist nicht zu empfehlen.
Eine zulässige Vergrämung von Wölfen stellt erfahrungsgemäß nur ein kurzfristiges Mittel dar, große Beute-
greifer von Nutztierherden fernzuhalten.
Über den Umgang mit verhaltens- und wesensauffälligen Wölfen sind weitere wissenschaftliche Erkenntnisse zu
sammeln, um das Risikopotential durch diese Einzeltiere zu reduzieren.
Grundsätzlich ist der Halter von Nutztieren für die in seiner Obhut befindlichen Tiere verantwortlich und sollte die
ihm zur Verfügung stehenden Mittel und probaten Möglichkeiten nutzen, den Schutz seiner Nutztiere zu gewähr-
leisten. Für Rinder- und Pferdehalter gilt daher vorrangig, den von den Ländern definierten Mindestschutz aller
Herdentiere umzusetzen und gezielt Haltungs- und Managementmängel (wie z.B. verfahrensbedingte Kälber-
sterblichkeit u.a.) zu verringern.
Vor dem Hintergrund des bestehenden hohen Schutzstatus des Wolfes und der erfolgversprechenden Ausbrei-
tung dieser Wildtierart in Deutschland und angrenzenden Ländern, sollten die Ergebnisse des Wolf-Monitoring
zur Populationsentwicklung, zu Wanderruten einzelner Paare und Einzeltiere sowie potentielle Gefahrenlagen
den Tierhaltern zeitnah mitgeteilt werden.
Unter dem Gesichtspunkt der Gleichstellung aller Nutztierhalter wird empfohlen, bei nachgewiesener Sorgfalts-
pflicht und praktiziertem Mindestschutz der landwirtschaftlichen Nutztiere in den Wolfsverbreitungsgebieten auch
Rinder- und Pferdehaltern staatliche Unterstützungen zur Prävention und zum Schadensausgleich im Fall eines
bestätigten Wolfsübergriffs zu gewähren.

 
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WALTHER, R.; FRANKE, H. (2014): Schutzmaßnahmen vor dem Wolf . Erprobung und Bewertung von Schutz-
maßnahmen für Nutztiere vor dem Wolf, insbesondere der Einsatz von Herdenschutzhunden und Elektronetzen.
Schriftenreihe des LfULG, Heft 16, ISSN: 1867-2868.
WALTHER, R.; FRANKE, H. (2014) Schutzmaßnahmen vor dem Wolf. Schriftreihe, Heft 16/2014. Sächsisches
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Dresden.
WWF DEUTSCHLAND (2010): Der Einsatz von Herdenschutzhunden.
WWF DEUTSCHLAND (2014): Schutz von Nutztieren vor dem Wolf, Informationen für Halter von Nutztieren in
Sachsen-Anhalt.
WEIDEZAUN.INFO (2016): Der Wolf ist zurück! So schützen Sie Ihre Tiere!
https://media.weidezaun.info/
Shopcontent/InfoPages/www.weidezaun.info/images/Anleitungen/Wolf.pdf.
Sonstige Internetlinks
http://www.agrarheute.com/news/esel-lama-hund-besten-gegen-wolf-hilft
http://www.wolfsregion-lausitz.de/index.php/verbreitung/verbreitung-in-europa
http://www.raubkatzen.info/puma.shtml
http://www.welt-der-katzen.de/wildekatze/grosskatzen/loewe/loewe-ernaehrung.html
http://www.nzz.ch/wallis-gibt-wolf-zum-abschuss-frei-1.7080176

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 40
http://www.blick.ch/news/schweiz/westschweiz/ein-schaf-stirbt-dabei-walliser-wolf-jagt-pferde-herde-durchs-
tal-id2550311.html
http://archives.
nicematin.com/vallees/un-troupeau-de-chevaux-attaque-par-le-loup-a-auron.1488261.html
http://www.agronewscastillayleon.com/uccl-denuncia-la-muerte-de-un-asno-en-un-ataque-de-lobo-en-la-localidad-
abulense-de-sotalbo
http://www.amaroktv.de/news/schweden-werden-wolfsangriffe-auf-rinder-häufiger
http://www.dailyjournal.net/view/story/
cb348b140d4441aa856e4260ce672758/OR--Wolf-Attacks-Calf
http://www.greatfallstribune.com/story/news/local/
2016/01/29/ wolves-blame-cow-death-fishtail-area/79514684/
http://www.lfl.bayern.de/itz/herdenschutz/029058/
http://www.lfl.bayern.de/itz/herdenschutz/029058/
http://www.protectiondestroupeaux.ch/
schutz-massnahmen/diverse-schutzmassnahmen/vergraemungen/
http://www.fototrappolaggio.net/uploaded/prodotti/prodotti_dissuasione.htm
http://www.protection-destroupeaux.ch/schutz-massnahmen/diverse-schutzmassnahmen/vergraemungen
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/15812.html

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 41
Anhang
Tabelle A1: Vorgegebener Mindestschutz einzelner Bundesländer für nonletale Abwehrmaßnahmen
Land
Zaun ohne Stromführung
Elektrozaun
Sonstige Maßnah-
men/Anmerkungen
Baden-Württemberg
keine Angaben
keine Angaben
noch kein anerkanntes Wolfsgebiet.
Präventivmaßnahmen sind noch
freiwillig. Fehlender Schutz ist hier
noch kein Grund für Verweigerung
von Ausgleichszahlungen.
Bayern
Nicht stromführender Festzaun
v.a. in der Hobbyhaltung nur
bedingt geeignet. Min. 1,20 m,
besser 1,40 m Höhe erforderlich.
Wildgatterzäune unbedingt
mit Untergrabschutz.
Lappenzaun nur als Sofort-
schutz nach Wolfsübergriff.
Permanente E-Zäune mit 5 Litzen
oder E-Litzen Stabilzäune. Abstand
vom Boden zur ersten Litze max.
20 cm, weitere Abstände 40 cm, 60
cm und 90 cm, Gesamthöhe sollte
1,20 m betragen.
E-Netzzäune sollten bei alleinigem
Einsatz verstärkte Vertikalstreben
aufweisen und min. 1,10 m hoch
sein.
Herdenschutzhunde: min. zwei er-
wachsene Tiere pro Herde.
Esel: nur ein adultes Tier pro Herde.
Brandenburg
Drahtgeflechtzäune, min 1,40 m
hoch und mit Spanndraht am
Boden versehen.
Knotengitterzäune (oft für Wild-
gatter verwendet) sollten einen
Unterwühlschutz haben. Der
sollte ca.1 m breit sein, flach
außen vor den Zaun gelegt, mit
Bindedraht am Zaun befestigt
und mit Erdankern am Boden
fixiert werden. Alternativ können
stromführende Litzen außen
mittels Isolatoren 20 cm über
dem Boden am Zaun ange-
bracht werden (min. 2.500 V).
Elektrozäune oder Fünf-Litzen-
Zäune von jeweils min. 90 cm
Höhe,
stromführend mit min. 2.500 V.
Wenn Wölfe lernen Zäune zu über-
springen kann zusätzlich ein Flat-
terband 30 cm über den Zaun ge-
spannt werden.
Ein Einsatz von Herdenschutz-
hunden ersetzt das Flatterband.
Als kurzfristige Übergangslösung
kann ein Lappenzaun um die Fläche
aufgestellt werden, bestehend aus
einer Schnur mit daran frei bewegli-
chen “Lappen“.
Mecklenburg-
Vorpommern
Nutzgeflecht- oder Litzenzäune
müssen min. 90 cm hoch und
voll geschlossen sein. Der Ab-
stand zum Boden darf max. 20
cm betragen, der Abstand zwi-
schen den Litzen darf ebenfalls
max. 20 cm groß sein.
Maschendrahtzäune müssen
min. 1,20 m hoch sein.
E-Zäune müssen min. eine Span-
nung von 2.000 V oder 1 Joule
aufweisen.
keine Angaben

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 42
Fortsetzung Tabelle A1
Land
Zaun ohne Stromführung
Elektrozaun
Sonstige Maßnamen/
Anmerkungen
Niedersachsen
Maschendraht- oder Knotenge-
flechtzäune müssen min. 1,20 m
hoch sein und über einen Un-
terwühlschutz verfügen. Dazu
kann der Zaun 30 cm tief in den
Boden eingelassen werden, in
20 cm über dem Boden im
Abstand von 15 cm zum Zaun
eine Litze oder Glattdraht strom-
führend gespannt werden oder
ein ca. 1 m breites Knotenge-
flechtnetz flach am Zaun ange-
bracht werden, welches auf
Zaunseite und auf der offenen
Seite alle 4 m befestigt werden
muss, sodass es min. alle 2 m
verankert ist;
90 cm hohe Zäune können mit
Breidbandlitzen oder Stachel-
draht auf 1,20 m erhöht werden.
Litzenabstand nicht grösser als
20 cm.
Voll geschlossener und strom-
führender Nutzgeflecht- oder Lit-
zenzaun mit min. 90 cm Höhe und
Unterwühlschutz
mit min. einer
stromführenden Litze (max. 20 cm
Abstand zum Boden)
Weidegeräte müssen (nach Her-
stellerangaben) min. 1 Joule Ent-
ladeenergie aufweisen.
keine Angaben
Sachsen-Anhalt
Ein ausreichend tiefes Einlassen
der Zäune in den Boden und
regelmäßige
Überprüfung auf
Festigkeit und Untergraben von
Wildgatterzäunen sind ausrei-
chend
Elektrozaun (Eurozaun) dessen
Maschenabstand 20 cm nicht über-
steigt, Stromspannung sollte min.
3.000 V betragen.
Zäune in der Nähe von Wolfsan-
siedlungen sollten mit Flatterbän-
dern auf 1,40 m erhöht werden.
Der Einsatz von Herdenschutz-
hunden ist zu prüfen und anzuwen-
den.
Unzureichend gesicherte Tiere
(z.B. von Hobbyhaltern) sind nachts
in Ställen oder ähnlich sicheren
Örtlichkeiten (geschlossene Schutz-
hütten) unterzubringen.
Thüringen
Maschendraht- oder Knotenge-
flechtzaun von min. 1,20 m
Höhe und ebenerdig abschlie-
ßend.
Ein min. 90 cm hoher, komplett
geschlossener Netzgeflecht- oder
Litzenzaun mit max. Litzenabstand
von 20 cm und min. 2.000 V oder
1 Joule. Der Abstand vom Boden
darf 20 cm nicht überschreiten.
Beaufsichtigung durch einen aus-
gebildeten Hüte- oder Herden-
schutzhund.
Für angebundene Nutz- oder Haus-
tiere erfolgt kein Schadensausgleich
(außer für Hunde).
Alle Angaben in der Tabelle A1 beziehen sich auf den Mindestschutz in Wolfsgebieten, der gegeben sein muss,
um bisherige Ausgleichszahlungen von den jeweiligen, staatlichen Landesämtern zu erhalten. Unter sonstigen
Maßnahmen werden freiwillige Maßnahmen oder Maßnahmen für kurzfristige Übergangslösung angegeben.

Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014| 43
Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
Telefon: + 49 351 2612-0
Telefax: + 49 351 2612-1099
E-Mail: lfulg@smul.sachsen.de
www.smul.sachsen.de/lfulg
Autor:
Ulrike Wehrspohn
Dr. Stephan Schäfer
Prof. Eberhard von Borell
Professur für Tierhaltung und Nutztierökologie
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften
Theodor-Lieser-Str. 11
06120 Halle
Telefon: + 49 345 5522 331
Telefax: + 49345 55 27 106
E-Mail: eberhard.vonborell@landw.uni-halle.de
Redaktion:
Vorname Nachname
Abteilung/Referat
Adresse der Dienststelle
Telefon: + 49 351 XXXX-X
Telefax: + 49 351 XXXX-X
E-Mail:
Fotos:
U. Wehrspohn (Deckblatt)
A. Bonnani (Abb.4)
J. Klingenberger (Abb.9)
Redaktionsschluss:
TT.MM.JJJJ
ISSN:
XXXXXX (Wird von ÖA LfULG vergeben)
Hinweis:
Die Broschüre steht nicht als Printmedium zur Verfügung, kann aber als PDF-Datei
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