20 Maßnahmen
der Sächsischen Staatsregierung
zur nachhaltigen Sicherstellung
einer bedarfsgerechten medizinischen
Versorgung im Freistaat Sachsen
bis 2030
„20-Punkte-Programm – Medizinische
Versorgung 2030"
Kurzfassung
Sächsisches Staatsministerium
für Soziales und Verbraucherschutz
Krankenversicherung, Vertragsarztrecht
Stand: 25. Juni 2019

2 |
Inhaltsverzeichnis
1
Stipendienprogramme stärken ............................................................................ 3
2
Mehr Studienplätze für Humanmedizin in Sachsen ............................................. 3
3
Mehr Studienplätze für Humanmedizin außerhalb Sachsens .............................. 4
4
Reformvorhaben/Konzepte der medizinischen Fakultäten der TU Dresden
und Universität Leipzig zur Stärkung der Allgemeinmedizin ................................ 4
5
Landarztquote ..................................................................................................... 4
6
Steuerung der Zulassung durch Gestaltung des hochschuleigenen
Auswahlverfahrens beim Studiengang Humanmedizin ........................................ 5
7
Lehrstühle Allgemeinmedizin an den Universitäten in Dresden und Leipzig
stärken ................................................................................................................ 5
8
Medizinische Fakultäten in die Ärztegewinnung einbeziehen/weitere
Akademische Lehrpraxen im ländlichen Raum gewinnen .................................... 6
9
Mindestaufwandsentschädigung für Studierende im Praktischen Jahr in
Akademischen Lehrpraxen und Lehrkrankenhäusern im ländlichen Raum .......... 6
10
Ärztlichen Nachwuchs sichern – Weiterbildung stärken....................................... 6
11
Kampagnen/Netzwerk Ärzte für Sachsen ............................................................ 7
12
GKV-Strukturfonds nach § 105 SGB V verdoppeln ............................................. 7
13
Niederlassung unterstützen ................................................................................. 7
14
Gesundheitszentren im ländlichen Raum entwickeln ........................................... 8
15
Satellitenpraxen einrichten/Arztpraxen mobilisieren ............................................ 8
16
Patientenmobilität im ländlichen Raum unterstützen,
Barrierearmer/barrierefreier Zugang zur ambulanten medizinischen
Versorgung ......................................................................................................... 8
17
Selbsthilfe stärken ............................................................................................... 9
18
Ärzte unterstützen durch Digitalisierung und Telemedizin ................................... 9
19
Ärzte entlasten durch Delegation ärztlicher Leistungen ....................................... 9
20
Ärzte durch bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen ............... 9

| 3
1
Stipendienprogramme stärken
Das Programm „Ausbildungsbeihilfe“, in dem Medizinstudierende eine Ausbildungsbeihilfe er-
halten, wird fortgesetzt mit der Maßgabe, dass auch Chemnitz als späterer Niederlassungsort
zugelassen wird.
Die Programmteilnehmer werden weiterhin über einen entsprechenden Vertrag verpflichtet,
nach dem Studium und der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin für mindestens
sechs Jahre im ländlichen Raum im Freistaat Sachsen hausärztlich tätig zu werden. Die Tä-
tigkeit muss außerhalb der Städte Dresden, Leipzig und Radebeul aufgenommen werden.
Daneben soll grundsätzlich die Möglichkeit eröffnet werden, eine Weiterbildung und spätere
Tätigkeit auch in solchen Fachrichtungen durchzuführen und aufzunehmen, für die in der ver-
tragsärztlichen Versorgung im ländlichen Raum im Freistaat Sachsen ein erheblicher Bedarf
besteht beziehungsweise prognostiziert werden kann.
Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) wird den Ver-
trag mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) um weitere zwei Jahrgänge verlän-
gern.
2
Mehr Studienplätze für Humanmedizin in Sachsen
Das SMS hat aktuell durch das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Deutsch-
land eine wissenschaftliche Prognose mit dem Inhalt „Projektion des Bedarfes für Medizinstu-
dienplätze in Sachsen 2019 bis 2035“ erstellen lassen.
Die Prognose kommt zu dem Ergebnis, dass es einer Erhöhung der Zahl von Studienplätzen
in der Humanmedizin für den Freistaat Sachsen im Umfang von mindestens 235 Studienplät-
zen jährlich bedarf, damit eine Aufrechterhaltung der Versorgung auf dem heute bestehenden
Niveau sichergestellt werden kann. Andere Maßnahmen, die dieses Ziel erreichen, sind in der
Berechnung unberücksichtigt. Daher geht das SMS von einem zusätzlichen Bedarf von
100 Studienplätzen aus.
Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) wird beauftragt, die
zunächst bis 2020 zusätzlich über Hochschulpaktmittel finanzierten 20 Studienplätze im Stu-
diengang Humanmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig (MFL) zu ver-
stetigen.
Das SMWK wird beauftragt, aufgrund der vorliegenden Prognose schrittweise weitere 50 Stu-
dienplätze in der Humanmedizin einzurichten. Hinzu kommen die im Rahmen des Modellstu-
diengangs Medizin der Medizinischen Fakultät der TU Dresden am Standort Chemnitz einzu-
richtenden 50 Studienplätze (Maßnahme 4).
Die Maßnahme steht unter Finanzierungsvorbehalt. Ein Maßnahmen- und Finanzierungsplan
ist gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium der Finanzen (SMF) bis zum
30.06.2020 vorzulegen.
Das SMS wird beauftragt, die Prognose fortschreiben zu lassen und gemeinsam mit den Ge-
sundheitsressorts der anderen Länder auf die Entwicklung eines einheitlichen Prognoseinstru-
mentariums hinzuwirken.

4 |
3
Mehr Studienplätze für Humanmedizin außerhalb Sachsens
Das SMS wird künftig für bis zu zehn Studierende durch Stipendien die Studiengebühren für
Studienplätze im Fach Humanmedizin außerhalb Sachsens fördern. Dies kann auch Studien-
plätze umfassen, die nicht durch das zentrale Vergabeverfahren von der Stiftung für Hoch-
schulzulassung vergeben werden und deren Ausbildung außerhalb von Sachsen stattfindet.
Voraussetzung ist, dass sich die Studierenden einzelvertraglich verpflichten, nach erfolgrei-
chem Studium eine Weiterbildung
zum Facharzt für Neurologie oder Psychiatrie und Psychotherapie oder Kinder- und Ju-
gendpsychiatrie und -psychotherapie oder
zum Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen oder Hygiene und Umweltmedizin oder
zum Facharzt für Allgemeinmedizin
abzuschließen.
Die Absolventen müssen darüber hinaus mindestens für fünf Jahre nach Abschluss der Wei-
terbildung im Öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat Sachsen als oben genannter Fach-
arzt oder ebenda hausärztlich beziehungsweise als Facharzt für Neurologie oder Psychiatrie
und Psychotherapie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie tätig sein.
Das SMS wird dafür einen Vertrag mit der KVS schließen, die damit ihr Programm „Studieren
in Europa – Zukunft in Sachsen“ ergänzt.
Der Vertrag wird zunächst für den Jahrgang 2019/2020 mit der Möglichkeit der Verlängerung
geschlossen. Die Mittel sind im Doppelhaushalt enthalten.
4
Reformvorhaben/Konzepte der medizinischen Fakultäten der TU Dresden
und Universität Leipzig zur Stärkung der Allgemeinmedizin
Die Staatsregierung unterstützt die Konzipierung, Entwicklung und Einführung eines Modell-
studiengangs Allgemeinmedizin zum Wintersemester 2020/2021 durch die Medizinische Fa-
kultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden (TU Dresden) am Satelliten-
campus am Klinikum Chemnitz mit 50 zusätzlichen Studienplätzen.
Die Staatsregierung unterstützt die Konzipierung, Entwicklung und Einführung der longitudi-
nalen Integration landärztlicher Ausbildungsinhalte in den bestehenden Regelstudiengang Hu-
manmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und deren Umsetzung ab dem
Wintersemester 2020/2021.
Die Einrichtung und Durchführung dieser Reformvorhaben (Durchführungsphase) steht unter
dem Vorbehalt einer dauerhaften, anteiligen Kofinanzierung durch den Bund sowie der Bereit-
stellung der erforderlichen zusätzlichen Landesmittel.
5
Landarztquote
Die Staatsregierung bereitet die rechtlichen Grundlagen zur Nutzung einer Vorabquote im
Staatsvertrag über die Hochschulzulassung für Landärzte vor, wenn absehbar ist, dass alle
anderen Maßnahmen der Kassenärztlichen Vereinigung, der Ärztekammer, der Kommunen
und Programme der Staatsregierung die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in den

| 5
unterversorgten und von Unterversorgung bedrohten ländlichen Regionen oder Planungsbe-
reichen nicht nachhaltig gewährleisten können. Das ist jetzt anhand der Feststellungen des
Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen nach § 100 Fünftes Buch Sozialgesetz-
buch (SGB V) in Verbindung mit den Berechnungen der Prognose des Zentralinstitut für die
Kassenärztliche Versorgung in Deutschland (siehe Maßnahme 2) aus Sicht des SMS abseh-
bar. Dafür ist der räumliche und tatsächliche Bedarf zu ermitteln.
Das SMS wird mit Blick auf Artikel 12 Grundgesetz ein Gesetz und eine Rechtsverordnung zur
Umsetzung und Ausgestaltung des Auswahlverfahrens erstellen. Das Auswahlverfahren soll
grundsätzlich nach denselben Kriterien wie beim Zulassungsverfahren zum Medizinstudium
über die Stiftung für Hochschulzulassung erfolgen. Die so ausgewählten künftigen Landärztin-
nen und Landärzte sind vom SMS vertraglich unter Androhung einer angemessenen Vertrags-
strafe auf die künftige Tätigkeit als „Landarzt“ zu verpflichten und werden zur Vergabe der
Studienplätze der Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) benannt.
Das SMWK wird die SfH bitten, die erforderlichen Schritte zur Änderung der Vergabeverord-
nung der Stiftung einzuleiten, damit die Quote zum von der Staatsregierung angestrebten Se-
mester umgesetzt werden kann. Die erforderlichen Folgeänderungen in der Sächsischen Stu-
dienplatzvergabeverordnung und gegebenenfalls im Sächsischen Hochschulzulassungsge-
setz wird das SMWK rechtzeitig veranlassen. Das SMS wird mit dem Landarztgesetz und der
oben genannten Verordnung die erforderlichen finanziellen, organisatorischen sowie perso-
nellen Regelungen vorlegen.
6
Steuerung der Zulassung durch Gestaltung des hochschuleigenen Aus-
wahlverfahrens beim Studiengang Humanmedizin
Das SMS und das SMWK sind sich einig, dass in Einklang mit den Vorgaben des Bundesver-
fassungsgerichts alle Gestaltungsmöglichkeiten des Staatsvertrages ausgeschöpft werden um
Mediziner auszubilden, die geeignet und bereit sind, die
typischerweise anschließenden Be-
rufsausübungstätigkeiten – Tätigkeit als Ärztin beziehungsweise als Arzt im stationären oder
ambulanten Bereich mit entsprechender Patientenversorgung – z
u übernehmen.
Im hochschuleigenen Auswahlverfahren müssen neben einem schulnotenabhängigen Krite-
rium mindestens zwei schulnotenunabhängige Kriterien, wovon ein Kriterium ein Medizinertest
ist, für die Vergabe der Medizinstudienplätze Berücksichtigung finden. Ergänzend soll nach
Absprache mit den Universitäten für die Vergabe von mindestens 20 Prozent der im hoch-
schuleigenen Auswahlverfahren zur Verfügung stehenden Studienplätze das Ergebnis eines
strukturierten Auswahlgesprächs analog dem bislang in Dresden praktizierten Modell mitent-
scheiden.
7
Lehrstühle Allgemeinmedizin an den Universitäten in Dresden und Leipzig
stärken
Das SMWK wird Maßnahmen zur Stärkung der Lehrstühle für Allgemeinmedizin an den Medi-
zinischen Fakultäten unter Berücksichtigung des „Masterplan Medizinstudium 2020“ finanziell
unterstützen.
Der Ausbau des Leipziger Kompetenzpfades Allgemeinmedizin (LeiKA) an der MFL und der
Aufbau eines vergleichbaren Projekts an der Medizinischen Fakultät der Technischen Univer-
sität Dresden (MFD) werden finanziell unterstützt. An beiden Medizinischen Fakultäten werden
Mentoring-Programme und Netzwerke auf- beziehungsweise ausgebaut als

6 |
a. Peer-Teaching, das heißt Studierende des höheren Semesters, die im Anschluss an
das Studium eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin anstreben, men-
torieren unter Supervision jüngere Semester und/oder
b. externes Mentoring: niedergelassene Allgemeinmediziner als Mentoren von Studie-
renden.
Die Maßnahmen stehen unter Finanzierungsvorbehalt. Ein Maßnahmen- und Finanzierungs-
plan ist gemeinsam mit dem SMF bis zum 30.06.2019 zu erarbeiten.
8
Medizinische Fakultäten in die Ärztegewinnung einbeziehen/weitere Akade-
mische Lehrpraxen im ländlichen Raum gewinnen
Das SMWK wird die Medizinischen Fakultäten dabei unterstützen, deren gesellschaftliche Ver-
antwortung im System der Gesundheitsversorgung zu stärken. Maßnahmen zur Motivation
von Studierenden für eine ärztliche Tätigkeit in Bereichen, in denen fachlich und räumlich be-
sonderer Bedarf besteht, sind fortzusetzen und weiterzuentwickeln, indem insbesondere Aka-
demische Lehrärzte/-praxen noch stärker in der Lehre und den Motivationsprozess eingebun-
den werden.
Beiden Medizinischen Fakultäten wird ab dem Wintersemester 2019/2020 der Aufwand für die
Akquise, Anleitung, strukturierte Vernetzung und Vergütung geeigneter Akademischer Lehr-
ärzte/-praxen, insbesondere für Akademische Lehrärzte im ländlichen Raum, erstattet. Dies
umfasst bereits bestehende Vereinbarungen der TU Dresden und der Universität Leipzig ge-
mäß § 100 Absatz 1 Satz 1 und Absatz 2 Satz 1 Sächsisches Hochschulfreiheitsgesetz
(SächsHSFG) sowie die im Rahmen der Umsetzung des „Masterplans Medizinstudium 2020“
zukünftig verstärkte Einbindung von Akademischen Lehrärzten/-praxen für Allgemeinmedizin
bzw. Internisten mit hausärztlichem Versorgungsauftrag im Praktischen Jahr (PJ).
Die Maßnahme steht unter dem Finanzierungsvorbehalt. Ein Maßnahmen- und Finanzierungs-
plan ist gemeinsam mit dem SMF bis zum 30.06.2019 zu erarbeiten.
9
Mindestaufwandsentschädigung für Studierende im Praktischen Jahr in
Akademischen Lehrpraxen und Lehrkrankenhäusern im ländlichen Raum
Die Staatsregierung strebt eine Mindestaufwandsentschädigung für die Studierenden, die ihr
PJ im ländlichen Raum des Freistaates absolvieren, im Rahmen der anstehenden Änderung
der Approbationsordnung für Ärzte an.
Das SMS wird die KVS bitten, eine Aufstockung der bereits durch die KVS gewährten Förde-
rung zu prüfen.
Im Weiteren wird das SMS die Einrichtung eines Förderprogramms vorantreiben, das den
Lehrkrankenhäusern, die den Studierenden im PJ bereits eine Mindestaufwandsentschädi-
gung zahlen, eine aufstockende Förderung gewährt. Dabei soll für Förderung für ländliche
Regionen deutlich höher ausfallen, als in den Städten Dresden, Leipzig und Radebeul.
Das SMS wird dafür eine Förderkonzeption vorlegen.
10
Ärztlichen Nachwuchs sichern – Weiterbildung stärken
Zur Sicherung des ärztlichen Nachwuchses ist die fachärztliche Weiterbildung zu stärken.

| 7
Dies wird erfolgen, indem die Förderung von zusätzlichen Weiterbildungsstellen an sächsi-
schen Krankenhäusern, die Förderung der Geschäftsstelle Weiterbildungsverbünde bei der
Sächsischen Landesärztekammer (SLÄK) sowie der regionalen Weiterbildungsverbünde fort-
gesetzt wird und mehr Weiterbildungsbefugte aktiv werden.
Das SMS fördert zusätzliche Weiterbildungsstellen an Krankenhäusern im Freistaat Sachsen
(zirka fünf Stellen pro Jahr) in ausgewählten Fachgebieten, für die ein dringender Bedarf be-
steht (Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie; Augenheilkunde, Kinder- und Ju-
gendmedizin, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Neurologie sowie Psychiatrie und Psycho-
therapie). Förderziel ist die Aufnahme einer späteren vertragsärztlichen Tätigkeit der geförder-
ten Ärzte in Weiterbildung bevorzugt im ländlichen Raum Sachsens.
Das SMS unterstützt die Geschäftsstelle Weiterbildungsverbünde, welche bei der SLÄK an-
gesiedelt ist, und regionale Weiterbildungsverbünde durch die Gewährung einer Förderung
durch Personal- und Sachausgabenpauschalen.
Die Förderungen erfolgen auf der Grundlage der Förderrichtlinie „Heilberufe“, welche seit
01.06.2018 in Kraft ist. Die Mittel sind im Doppelhaushalt enthalten.
Die SLÄK sowie die KVS werden durch SMS gebeten zu prüfen, wie weitere Weiterbildungs-
befugte vor allem in den Regionen mit prognostiziertem Versorgungsbedarf gewonnen werden
können.
11
Kampagnen/Netzwerk Ärzte für Sachsen
Das SMS wird die SLÄK auffordern, gemeinsam mit den weiteren Netzwerkpartnern, das Netz-
werk „Ärzte für Sachsen“ auszubauen und so staatliche und kommunale Strategien zur De-
ckung des Ärztebedarfs mit der Arbeit der Selbstverwaltung wirksam zu verknüpfen.
Das Netzwerk Ärzte für Sachsen wird gestärkt. Die Mittel sind im Doppelhaushalt enthalten.
Das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) wirkt im Rahmen
der „Strategie der Staatsregierung für den ländlichen Raum“ mit.
12
GKV-Strukturfonds nach § 105 SGB V verdoppeln
Die Eigenverantwortung der Selbstverwaltung ist zu stärken. Das SMS hat durch Bundesrats-
initiativen auf eine spürbare Verbesserung der Regelung nach § 105 Absatz 1a SGB V hinge-
wirkt. Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) konnte die Obergrenze des
Strukturfonds nach § 105 Absatz 1a SGB V von 0,1 Prozent auf 0,2 Prozent der morbiditäts-
bedingten Gesamtvergütung erhöht und inhaltliche Verbesserungen erreicht werden.
13
Niederlassung unterstützen
Die Staatsregierung beauftragt alle zuständigen Ressorts (Sächsische Staatskanzlei – SK,
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr – SMWA, Sächsisches
Staatsministerium des Innern – SMI, SMUL), die bestehenden Programme zur Unterstützung
der Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten im ländlichen Raum fortzusetzen und gegebe-
nenfalls ausbauen. Diese Förderprogramme flankieren die Verantwortung der Selbstverwal-
tung.

8 |
Insbesondere sollen die Kommunen für die Ansiedlung und den Erhalt der medizinischen Ver-
sorgung unterstützt werden.
14
Gesundheitszentren im ländlichen Raum entwickeln
Das SMS soll gemeinsam mit der Selbstverwaltung erörtern, ob und auf welche Weise weitere
Krankenhäuser in den ländlichen Regionen Sachsens gemeinsam mit den lokalen und regio-
nalen Trägern zu Lokalen Gesundheitszentren entwickelt werden können. Die Ergebnisse der
Erprobung in der Modellregion Marienberg sowie in Niesky sind zu berücksichtigen. Ziel ist es,
die medizinische Grundversorgung im regionalen Kontext, orientiert am realen Versorgungs-
bedarf, sektorenübergreifend und kooperativ zu sichern. Dies gilt insbesondere in Regionen,
in denen der ambulante Versorgungsbedarf (perspektivisch) durch die vorhandenen Vertrags-
ärzte nicht gedeckt wird.
Das SMS wird beauftragt darauf hinzuwirken, dass für alle Partner der Selbstverwaltung die
notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.
15
Satellitenpraxen einrichten/Arztpraxen mobilisieren
In der Modellregion Weißwasser ist zu erproben, ob die medizinische Versorgung durch die
Einrichtung einer Satellitenpraxis dauerhaft nachhaltig verbessert werden kann.
Das SMS wird beauftragt, gemeinsam mit der KVS in den Dialog zu treten und diese bitten zu
prüfen, ob und wie in der Modellregion eine mobile Arztpraxis erprobt werden kann.
Im Ergebnis der Erprobung wird die Selbstverwaltung gebeten, die Zulassung von Satelliten-
praxen/mobilen Arztpraxen in den ländlichen Gebieten Sachsens zu prüfen.
16
Patientenmobilität im ländlichen Raum unterstützen, Barrierearmer/barrie-
refreier Zugang zur ambulanten medizinischen Versorgung
Patientenmobilität
Die Staatsregierung bittet die Landkreise im Freistaat Sachsen zu prüfen, ob in den ländlichen
Regionen Modelle zur Patientenmobilität zur Verbesserung der Erreichbarkeit der medizini-
schen Versorgung eingerichtet werden (Bedarfs- und Machbarkeitsstudien).
Auf die Erfahrungen aus den beiden Modellregionen in Marienberg und Weißwasser soll zu-
rückgegriffen werden.
Barrierearmer/barrierefreier Zugang
Die Staatsregierung bekennt sich zur barrierearmen/barrierefreien Gestaltung des Zugangs
zur medizinischen Versorgung.
Das SMS wird beauftragt, diesbezügliche Förderprogramme fortzusetzen.
Durch zusätzliche Investitionsmittel sollen Anreize für den Abbau von Barrieren in ambulanten
Arzt-/Zahnarztpraxen geschaffen werden.

| 9
17
Selbsthilfe stärken
Das SMS wird beauftragt, Maßnahmen zur Stärkung von Selbsthilfeinitiativen zu unterstützen.
Dazu soll eine landesweite Kontakt- und Informationsstelle installiert werden, damit die regio-
nalen Kontakt- und Informationsstellen (KISS) ihren Austausch effektiver gestalten können.
Die landesweite Kontakt- und Informationsstelle soll eine landesweite Öffentlichkeitsarbeit leis-
ten und sich den Selbsthilfegruppen für seltene Krankheiten widmen können.
Das SMS wird beauftragt, über einen entsprechenden Fördergegenstand in der Richtlinie zur
Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts die Kofinanzierung der landesweiten Kon-
taktstelle sicherzustellen.
Das SMS wird beauftragt, mit der Selbstverwaltung zu erörtern, inwieweit von dort die Stär-
kung der Selbsthilfe weiterbefördert werden kann. Darüber hinaus sollen Synergieeffekte iden-
tifiziert und gemeinsame Maßnahmen geprüft werden.
18
Ärzte unterstützen durch Digitalisierung und Telemedizin
Das SMS wird die Förderung für die Telemedizin/Digitalisierung im Gesundheitswesen fortset-
zen.
Damit soll sichergestellt werden, dass die Selbstverwaltung, unter anderem in den Modellre-
gionen Marienberg und Weißwasser, neue Versorgungs- und Behandlungskonzepte für die
medizinische Versorgung durch digitale Technologien erproben kann.
Das SMS wird beauftragt, im Ergebnis des Gutachtens zur Vertragsärztlichen Versorgung (ge-
mäß § 119b SGB V) in Pflegeheimen im Freistaat Sachsen zu prüfen, ob und welcher Maß-
nahmen es für die Nachhaltigkeit der medizinischen Versorgung von Heimbewohnern bedarf.
In diesem Zusammenhang sollen im Rahmen der Modellregionen auch Videokonsultationen
in Pflegeheimen erprobt werden.
19
Ärzte entlasten durch Delegation ärztlicher Leistungen
Die Entlastung von Ärzten im Wege der Delegation ist zu forcieren. Dafür geeignet sind vor
allem der Einsatz nichtärztlicher Praxisassistenten (NÄPA) beziehungsweise VERAH (vom
Hausärzteverband 2008 ins Leben gerufene Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis)
und der Einsatz des Physician Assistant (Arztassistent).
Vor allem in den Modellregionen Marienberg und Weißwasser sollen neue Versorgungs- und
Behandlungskonzepte für die medizinische Versorgung durch Delegationen im Freistaat Sach-
sen erprobt werden.
Der Studiengang „Physician Assistant“ an der Studienakademie Plauen ist dauerhaft einge-
richtet, da der Beruf des „Physician Assistant“ geeignet ist, Ärzte im Wege der Delegation zu
entlasten.
20
Ärzte durch bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen
Die Staatsregierung sieht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als eine gesamtgesellschaft-
liche Aufgabe an.

10 |
Im Zusammenhang mit der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung insbesondere in ländli-
chen Gebieten sind alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Ärztinnen und Ärzte in ihren Pflichten
und ihrer Sorgearbeit für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu unterstützen.
Alle Akteure sollen daher fortlaufend eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie unter-
stützen. Dabei sind familienfreundliche Regelungen auf Landes- und Bundesebene für die
ärztliche Tätigkeit zu schaffen.