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Wiederaufbau Dresdner Schloss
Kleiner Ballsaal

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2 I Historischer Plan von 1866 (Sign. M76.109)
4 I Ausführungszeichnung 2009 (Architekturbüro Anwand, Dresden)
3 I Entzerrtes Meßbild 2008 (focus
GmbH, Leipzig)
5 I Fotografie des fertigen Zustandes 2018

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6 I Vorlage für Modellentwicklung und Weißstuckarbeiten, Maßangaben in Sächsischer Elle und Meter
Bestand
Der Kleine Ballsaal wurde in den Jahren 1865
bis 1868 im zweiten Obergeschoss des Geor-
genbaues eingerichtet, „um als Localität für
die am Königlichen Hofe mit beschränkter Zahl
der Einladung zu gebenden Gesellschaften, na-
mentlich Kammerbälle, benutzt zu werden“. Der
Architekt war Hofbaumeister Bernhard Krüger
(1821-1881), ein Schüler Gottfried Sempers.
Mit der Zerstörung des Dresdner Schlosses
1945 wurde auch der Kleine Ballsaal stark ge-
schädigt – ein Saal, der ein wertvolles Zeugnis
in der Semper-Architektur in Dresden darstellt.
7 I Sächsische Elle und Meter
8 I
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Bildhauermodell (Ausschnitt) –
Julius Hempel, Dresden
9 I Bildhauermodell Rosette im
Geländerpostament – Stefan Thürmer
10 I Probeachse April 2015
Der historische Saal
Im Grundriss rechteckig (11,9 x 9,5 Meter), be-
sitzt der Raum eine doppelgeschossige Höhe
von 10,9 Metern. Diese vertikale Ausrichtung
erfährt durch die Steigerung der Architekturteile
– einfach gehaltene Wandflächen aus Marmor,
Stuckmarmor und Stuccolustro, schön profi-
lierte und mit Malerei versehene große Hohl-
kehle der Galerie, mit aufwändigen Dekoratio-
nen belegte und reich vergoldete Decke – eine
aufstrebende Bewegung, die mit der Auflösung
durch das Oberlicht noch gesteigert wird. Die
Bauformen folgen dem Vorbild der Hochrenais-
sance und geben dem Raum einen, seiner beson-
deren Funktion als Ballsaal entsprechenden, an-
gemessenen Rahmen. Die Schönheit des Saales
wird vervollständigt mit den vier furnierglänzen-
den Türen, der repräsentativen Nische der Süd-
wand, dem Kamin, dem aufwändigen Tafelpar-
kett, dem vollständig vergoldeten Geländer der
Galerie und nicht zuletzt mit den prachtvollen
Kristallleuchtern.
*
11 I Kleiner Ballsaal 1896 (historische Aufnahme Römmler & Jonas)
12 I Blick aus dem Stallhof auf die Ruine des Georgenbaus nach 1945 (SLUB 61 429)
13 I stark geschädigter kleiner Kaminleuchter
Bauaufgabe
Die historische Bedeutung und Besonderheit
des Kleinen Ballsaals im Georgenbau und die
gute Dokumentation des Raumes durch his-
torische Bauunterlagen rechtfertigen des-
sen Rekonstruktion im Zuge des Wiederauf-
baues. Entsprechend der Konzeption des ge-
samten Ausstellungskomplexes ist vorgese-
hen, den Kleinen Ballsaal in der historischen
Raumfassung von 1868 wiederherzustellen
und als Sonderausstellungsbereich zwischen
Rotseidenem Zimmer und Münzkabinett zu
nutzen. Er gehört zu den wenigen Räumen
im Dresdner Schloss, die in ihrer ursprüngli-
chen Fassung wiederaufgebaut werden.
15 I Kleiner Ballsaal 2018 (Aufnahme vom gleichen Standort)
14 I kleiner Kaminleuchter nach der Restaurierung
Voraussetzungen
Die Ruine des Georgenbaues wurde in den
Nachkriegsjahren beräumt. In der Zeit von
1962 bis 1967 erfolgte der Wiederaufbau.
Fehlende Wände und Decken wurden einge-
baut, der Bau mit einem neuen Dach verse-
hen. Die Fassaden erhielten ihr historisches
Aussehen, der Ausbau erfolgte mit einfachen
Mitteln. Von 1965 bis zum Wiederaufbau des
Schlosses ab 1985 erfolgte eine erste Zwi-
schennutzung.
Aufgrund des hohen Zerstörungsgrades ist
die Wiederherstellung des Kleinen Ballsaales
als eine Rekonstruktion zu verstehen, die auf
den noch vorhandenen Resten des Saales
und auf den Quellen zur historischen Raum-
fassung basiert.
Die Planungen
In der Wandnische der Südwand hat sich der
Rest des Lambris (Verkleidung des unteren
Bereichs der Wandfläche) erhalten. Dieser
besteht aus Marmor unterschiedlicher Art
und zeigt seine gesamte Profilierung. Darü-
ber sind noch Bereiche des originalen Stuck-
marmors vorhanden, wenngleich in geschä-
digtem Zustand. Diese originalen Flächen
wurden teilrestauriert und in die rekonst-
ruierte Raumfassung des Saales eingebun-
den. Als Originale zeigen sie die Authentizi-
tät der Rekonstruktion. Gleiches gilt für die
drei großen restaurierten Leuchter, die wie-
der auf dem Kamin stehen.
Die original erhaltenen Bauteile in der Wand-
nische lassen auch die Maßbeziehungen er-
kennen, nach denen das Maßsystem des
Saales konzipiert war. Die gesamte Maßre-
konstruktion basiert wieder auf dem his-
torischen Längenmaß der Sächsischen Elle
(=56,64 Zentimeter). Damit wurden sämt-
liche Maße, unterstützt durch die Angaben
auf den historischen Plänen, nachvollzieh-
bar und realisierbar und- authentisch. Die
historischen Fotografien und die Baurech-
nungen von 1868 erwiesen sich als hervor-
ragende Grundlage für die Detailrekonst-
ruktion. Ebenso unverzichtbar war die strin-
gente Bezeichnung des einzelnen Bauteiles
einschließlich der Profilierung und der bild-
künstlerischen und bauplastischen Durch-
bildung sowie die detailgenaue Festlegung
zu Material, Oberflächenbehandlung und
Farbigkeit. Die Ausführungsqualität folgt
dabei den traditionellen Techniken und his-
torischen Technologien entsprechend den
denkmalpflegerischen Anforderungen.
Für den Planungsprozess zur Wiederherstel-
lung der aufwändigen Raumfassung kam der
künstlerischen Modellentwicklung wesent-
liche Bedeutung zu. Die plastischen Details
lassen sich aufgrund ihrer künstlerischen
Ausbildung zeichnerisch (zweidimensional)
nicht vollständig und umfassend darstellen.
Es ist erforderlich, die Details anhand von
Detailmodellen (dreidimensional) zu entwi-
ckeln. Diese Modelle wurden von Bildhauern
auf der Grundlage der Detailpläne des Ar-
chitekten geschaffen - ebenso wie die Moti-
ve der Malerei von zwei Malerinnen.
Bauausführung
Am Beginn stand die Anpassung der vor-
handenen Rohbaukonstruktion zur Gewähr-
leistung des Maßsystems und der Einbau der
Unterkonstruktionen sowie der technischen
Anlagen. Dem folgten das Versetzen der
Bauteile aus Marmor sowie die Weißstuck-
arbeiten als begrenzende Teile für die Wand-
flächen und deren Herstellung aus Stuck-
marmor und Stuccolustro. Nach Abschluss
der Trocknungsprozesse erfolgte der Einbau
der reich profilierten Decke, einer aufwän-
digen Holzkonstruktion sowie das Einset-
zen der in der Werkstatt vorbereiteten plas-
tischen Stuckteile sowie der Schmuck- und
Zierleisten. Damit waren sämtliche Raum-
oberflächen vorbereitet für die nun fol-
genden Beschichtungen, Marmorierungen,
Vergoldungen und Polituren. Die auf groß-
formatigen Kartons gefertigten Entwür-
fe der Malerei wurden mittels Pausen über-
tragen und frei gemalt, in der Werkstatt ge-
fertigte Geländer, Gitter und das Oberlicht
eingebaut. Nach Ausbau des großen Raum-
gerüstes folgten dann der Einbau der fur-
nierten Türen, des aufwändigen Tafelpar-
ketts und der Fensterdraperie aus Seiden-
damast. Die Montage der kristallbestück-
ten Kronleuchter und Wandleuchter sowie
der restaurierten Kaminleuchter vollendete
die denkmalgerechte Wiederherstellung der
historischen Raumfassung.
Ergebnis
Der Saal ist ein Zeugnis des Historismus und
dient als wiedergewonnene Zeitschicht dem
baugeschichtlichen Verständnis der Schloss-
anlage. Mit der authentischen, detailge-
nauen Rekonstruktion des Kleinen Ballsaa-
les konnte die repräsentative Raumfolge im
zweiten Obergeschoss des Dresdner Schlos-
ses in angemessener Art und Weise kom-
plettiert werden.
17 I Lage im zweiten Obergeschoss
Raumkenndaten
Grundfläche
115 m²
Bruttorauminhalt
1.235 m³
Gesamtbaukosten
6.100.000 EUR
Diese Baumaßnahme wird finanziert mit Steuermitteln
auf Grundlage des von den Abgeordneten des Säch-
sischen Landtags beschlossenen Haushalts und mit
Finanzierungsbeteiligung des Bundes.
Planungs-und Bauzeiten
Planungsauftrag
EW-Bau
05.2009
Erstellung EW-Bau
05.2009 – 03.2010
einschl. Modellentwicklung
05.2009 – 12.2010
Rohbauvorbereitung,
Unterkonstruktionen
09.2009 – 12.2013
Bauauftrag
08.2014
Marmor, Stuckmarmor, Weißstuck
01.2014 – 04.2016
Einbau Decke mit Stuckteilen
05.2016 – 11.2016
Anstriche, Vergoldungen, Malerei
12.2016 – 06.2018
Abbau Gerüst Decke
10.2017
Einbau Galeriegeländer, Leuchter
11.2017 – 06.2018
Abbau Gerüst Galerie
07.2018
Einbau Türen und Parkett
08.2018 – 11.2018
Kristallbehang Leuchter, Fenster-
draperie
12.2018
Fertigstellung
01.2019
16 I Goldmalerei in der Kehle der Galerie

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Bauherr
Freistaat Sachsen
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
Staatsminister der Finanzen, Dr. Matthias Haß
Abteilungsleiter Vermögen, Landesbau und
Fachaufsicht Bundesbau, Bernd Engelsberger
Staatsbetrieb
Sächsisches Immobilien- und Baumanagement
Technischer Geschäftsführer, Prof. Dieter Janosch
Kaufmännischer Geschäftsführer, Oliver Gaber
Niederlassung Dresden I
Niederlassungsleiter, bis 02.2017 Ludwig Coulin
Niederlassungsleiter, ab 03.2017 Dr. Ulf Nickol
Projektleitung Hochbau 5
Holger Krause, Kerstin Groth
Sachgebiet Betriebstechnik 2
Dr. Volker Fischer, Carsten Bär, Falk Röhrdanz,
Torsten Preische
Projektbeteiligte
Architektur
Jens-Uwe Anwand, Freier Architekt, Büro für
Architekturplanung und Denkmalpflege, Dresden
Restauratorische Archivrecherche, Bauforschung
und leitender Restaurator
Freier Restaurator Hans-Christoph Walther, Dresden
Photogrammetrie und Bildauswertung
focus GmbH, Leipzig
Planung Leuchter
Historische Leuchten Jacob, Leipzig
Modellentwicklung - figürliche und
ornamentale Malerei
Freie Restauratorinnen Gerda Wiedemann und
Lydia Wiedemann, Dresden
Modellentwicklung – Bildhauerarbeiten
Julius Hempel, Dresden * Angelika Ullmann, Dresden *
Rosi Schwabe, Kreischa * Stefan Dürre & Frank Schauseil,
Dresden * Michael Gschwendtner & Adrian Kozik,
Dresden * Thomas Hummel & Jan Hoos, Weiler-
Simmerberg * Thomas Hentschel, Wachau *
Thomas Jäger, Dresden
Arbeitsproben und Musterflächen
Holzrestaurierung Reinhard Sperling, Dresden *
Steffen Blazejovsky, Bischofswerda * Manfred Siller,
André Zehrfeld, André Glauche, Stuttgart/Dresden/
Niederfrohna * Denkmalpflegebetrieb Steffen
Schmalhofer KG, Dresden
Tragwerksplanung
KUS Kröning und Schröter, Ingenieurpartnerschaft
MBB, Dresden
Prüfstatiker
Ingenieurbüro für Bautechnik Kraus+Liedert, Dresden
Brandschutzgutachter
Hartmann Ingenieurbüro für Brandschutz, Dresden
Brandschutzprüfer
Prof. Dr.-Ing. Jens Kluger, Dohna
Haustechnik
INNIUS-GTD, Dresden – Heizung, Lüftung
INNIUS-DÖ, Dresden – Elektrotechnik
TEAMPLAN Dresden – Sicherheitstechnik
Vermessung
Architektur- und Ingenieurvermessung, Dresden
Herausgeber
Staatsbetrieb
Sächsisches Immobilien- und Baumanagement
Wilhelm-Buck-Straße 4
01097 Dresden
www.sib.sachsen.de
im Auftrag des Freistaates Sachsen,
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
Redaktion
SIB Niederlassung Dresden I
Gestaltung und Satz
Agentur Grafikladen, Dresden
Abbildungsnachweis
Rainer Böhme, Dresden (Deckseite, Abb. 5, 14, 15)
Architekturbüro Anwand, Dresden (Abb. 4, 6, 7, 8, 9, 10, 16)
Hans-Christoph Walther, Dresden (Abb. 13)
Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Abb. 2)
focus GmbH, Leipzig (Abb. 3)
SIB NL Dresden 1 (Abb. 11, 17)
Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek, Abt.
Fotothek (Abb. 12)
Arte4D, Dresden (Abb. 18)
Druck
WDS Pertermann GmbH, Dresden
Redaktionsschluss
Januar 2019
Auflage
5.000 Stück
Verteilerhinweis
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Staatsregierung im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen
Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit
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Parteien noch von deren Kandidaten oder Helfern
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18 I Kleiner Ballsaal (Visualisierung mit Kerzenlicht, Standort wie Abb. 11 und 15)