A Inhalt
LKA Sachsen PKS 2004
1
Vorbemerkungen
A Inhalt
In der Polizeilichen Kriminalsta-
tistik (PKS) werden die von der
Polizei bearbeiteten rechtswidri-
gen (Straf-)Taten einschließlich
der mit Strafe bedrohten Versu-
che registriert. Nicht enthalten
sind Ordnungswidrigkeiten, poli-
tisch motivierte Kriminalität
(Staatsschutzdelikte) und Ver-
kehrsdelikte, jedoch Straftaten
gemäß §§ 315, 315b StGB und
§ 22a StVG. Diese gelten im
Sinne der PKS nicht als Ver-
kehrsdelikte.
Die bekannt gewordenen Fälle
werden nach dem Tatortprinzip
erfasst, d. h. unabhängig von
den bearbeitenden Dienststellen
und vom Wohnort der Tatver-
dächtigen.
Die Erfassung erfolgt grundsätz-
lich erst zum Abschluss der poli-
zeilichen Ermittlungen vor Ab-
gabe der Akten an die Staats-
anwaltschaft bzw. das Gericht.
Straftaten, die außerhalb des
Freistaates verübt wurden, blei-
ben unberücksichtigt.
Um ein möglichst vollständiges
Bild der Kriminalitätslage zu er-
halten, registriert die PKS un-
abhängig von der strafrechtli-
chen Verantwortlichkeit auch
Taten, die von strafunmündigen
Kindern bzw. schuldunfähigen
kranken Personen begangen
wurden.
Die vorliegende Jahresstatistik
basiert auf Auswertungen bun-
deseinheitlicher bzw. landes-
spezifischer PKS-Tabellen. Die
Tabellen 01, 07, 20, 91 sowie A2
(5-Jahre-Vergleich) sind im An-
hang abgedruckt. Alle anderen
bundeseinheitlichen Tabellen
können bei Bedarf beim Lan-
deskriminalamt angefordert wer-
den.
Zur Einordnung in das gesamt-
deutsche Niveau erfolgt bei aus-
gewählten Kennziffern eine Ge-
genüberstellung der sächsi-
schen Daten mit den Durch-
schnitten der alten Bundeslän-
der einschließlich Berlin, der
neuen Bundesländer und des
Bundes. Quelle der Vergleichs-
werte ist die PKS des Bundes,
herausgegeben vom Bundes-
kriminalamt.
B Wertung
Nach den gültigen bundesein-
heitlichen Richtlinien sieht die
PKS ihren Zweck in der
- „Beobachtung der Kriminalität
und einzelner Deliktsarten,
des Umfangs und der Zu-
sammensetzung des Tat-
verdächtigenkreises sowie
der Veränderung von Krimi-
nalitätsquotienten,
- Erlangung von Erkenntnissen
für vorbeugende und verfol-
gende Verbrechensbe-
kämpfung, organisatorische
Planungen und Entschei-
dungen sowie kriminologisch-
soziologische Forschungen
und kriminalpolitische Maß-
nahmen.“
Entgegen der Erwartung man-
cher Leser liefert das vorlie-
gende Jahrbuch kein exaktes
Abbild der tatsächlichen Krimi-
nalitätslage des Jahres 2004.
Dies liegt einmal an dem je nach
Deliktsart und -schwere unter-
schiedlich großen Dunkelfeld,
jenen Straftaten also, die der
Polizei wegen ausbleibender An-
zeige nicht bekannt wurden.
Zum anderen bewirkt die Erfas-
sung nach Abschluss der po-
lizeilichen Ermittlungen einen
Zeitverzug. Die PKS für das
Jahr 2004 enthält deshalb auch
Fälle, deren Tatzeit vor dem Be-
richtsjahr liegt. Demgegenüber
fehlen die Delikte des Jahres
2004, zu denen die polizeilichen
Ermittlungen bis zum Jahresen-
de noch nicht abgeschlossen
waren. Zur Beurteilung des mo-
natlichen Kriminalitätsanfalls
wird auf die gesonderte Tatzeit-
statistik (Kapitel 5) verwiesen.
Die mit PKS-Zeitreihen ausge-
wiesenen Tendenzen entspre-
chen nicht zwangsläufig einer a-
däquaten Entwicklung der tat-
sächlichen Kriminalität. Sie kön-
nen von anderen Einflüssen ge-
prägt sein (Wandlungen im An-
zeigeverhalten, Änderungen im
Strafrecht, Änderungen im poli-
zeilichen Kontrollsystem, modifi-
zierte Erfassungsregeln).
Mit den zu Beginn einzelner Ka-
pitel eingefügten stilisierten
Säulendiagrammen soll ein
wertungsfreier Überblick über
die Datenerfassung der letzten
10 Jahre vermittelt werden.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik
ist nicht mit der Strafverfol-
gungsstatistik der Justiz (Verur-
teiltenstatistik) vergleichbar, da
sich der Erfassungszeitpunkt um
die Zeitspanne zwischen po-
lizeilichem Abschluss und
rechtskräftiger Entscheidung
verschiebt, die Erfassungs-
grundsätze unterschiedlich sind
und der einzelne Fall im Justiz-
bereich eine andere straf-
rechtliche Bewertung erfahren
kann. Tatverdächtig im Sinn der
PKS ist nicht gleichbedeutend
mit Täter im strafrechtlichen
Sinn.
Trotz der genannten Probleme
ist die PKS ein unentbehrliches
Hilfsmittel, um Erkenntnisse ü-
ber die Häufigkeit der erfassten
Straftaten sowie über Formen
und Entwicklungstendenzen der
Kriminalität zu erlangen.
Aussagen zu den Polizeidirektio-
nen beziehen sich wegen des
Tatortprinzips der PKS-Erfas-
sung stets auf deren Regional-
bereiche, nicht auf die jeweiligen
Dienststellen.
Zum 1. Januar 2005 wurde die
sächsische Polizei neu struktu-

C Begriffserläuterungen
2
LKA Sachsen PKS 2004
riert. Neben dem Wegfall der
drei Polizeipräsidien wurde die
Anzahl der Polizeidirektionen
von 13 auf sieben reduziert. Zur
Beurteilung der Ausgangslage in
den neu gebildeten Polizeidirek-
tionen erfolgt die dienststellen-
bezogene Darstellung der Kri-
minalitätsentwicklung bereits auf
der Basis der neuen Polizei-
struktur.
Das Auf- bzw. Abrunden von
Zahlenangaben (insbesondere
bei Prozentsätzen) erfolgte im
Allgemeinen ohne Rücksicht auf
die Endsumme. Deshalb können
sich bei der Summierung von
Einzelwerten geringfügige Ab-
weichungen in der Endsumme
ergeben.
Bei der Aufgliederung von
Straftaten- bzw. Personengrup-
pen verweist das Wort
davon
auf eine vollständige Zerlegung.
Das Wort
darunter
deutet auf
eine teilweise Unterteilung hin.
Wurde nach verschiedenen,
nicht summierbaren Merkmalen
unterschieden, ist dies durch die
Formulierung
und zwar
ausge-
drückt.
C Begriffserläute-
rungen
(alphabetische Reihenfolge)
Alkoholeinfluss bei Tataus-
führung
Alkoholeinfluss liegt vor, wenn
dadurch die Urteilskraft des Tat-
verdächtigen während der Tat-
ausführung beeinträchtigt war.
Maßgeblich ist ein offensichtli-
cher oder nach den Ermittlungen
wahrscheinlicher Alkoholein-
fluss.
Altersgruppen
Kinder
-
Alter unter 14 Jahre
Jugendliche - 14 bis unter 18 Jahre
Heranwachsende
- 18 bis unter 21 Jahre
Erwachsene -
Alter ab 21 Jahre
Aufgeklärter Fall
ist eine Straftat, die nach dem
polizeilichen Ermittlungsergebnis
ein mindestens namentlich be-
kannter oder auf frischer Tat er-
griffener Tatverdächtiger began-
gen hat.
Aufklärungsquote (AQ)
bezeichnet das prozentuale
Verhältnis der Anzahl aufgeklär-
ter zur Anzahl bekannt geworde-
ner Fälle im Berichtszeitraum.
Eine Aufklärungsquote von über
100 Prozent kann zustande
kommen, wenn im Berichtszeit-
raum Fälle aufgeklärt werden,
die in den Vorjahren bekannt
geworden sind.
Bekannt gewordener Fall
ist jede im Straftatenkatalog
aufgeführte rechtswidrige
(Straf-)Tat einschließlich der mit
Strafe bedrohten Versuche, de-
nen eine polizeilich bearbeitete
Anzeige zugrunde liegt.
Debitkarten
sind alle Zahlungskarten, deren
Einsatz eine sofortige Belastung
des Kontos (Abbuchung vom
Konto nach Karteneinsatz) be-
wirkt. Sie können mit PIN oder
im Lastschriftverfahren einge-
setzt werden.
Echte Tatverdächtigenzäh-
lung
liegt vor, wenn jeder Tatver-
dächtige zu jeder von ihm be-
gangenen Deliktsart - unab-
hängig von der Anzahl - nur
einmal gezählt wird. Ein Tat-
verdächtiger, der in mehreren
Untergruppen vertreten ist, wird
in der nächsthöheren Strafta-
tengruppe gleichfalls nur einmal
berücksichtigt. Die Zeile „Straf-
taten insgesamt“ enthält somit
die Gesamtzahl der ermittelten
Personen.
Geld- und Kassenboten
Als Geld- und Werttransport
durch Geld- und Kassenboten
sind alle Beförderungen anzu-
sehen, bei denen ausschließ-
lich/überwiegend im Rahmen
des beruflichen/geschäftlichen
Interesses Geld- oder Wertge-
genstände transportiert werden.
Dies gilt sowohl für Beschäftigte
als auch für Geschäftsinhaber/-
führer, entsprechende gewerbli-
che Geld-/Werttransporte oder
auch Geldbriefträger.
Häufigkeitszahl (HZ)
ist die
Zahl der jeweils innerhalb eines
Jahres bekannt gewordenen
Fälle bezogen auf 100 000 Ein-
wohner der jeweiligen Region.
Stichtag für 2004 ist der
31.12.2003. Die Häufigkeitszahl
drückt die durch Kriminalität
verursachte Gefährdung aus. Ih-
re Aussagekraft wird dadurch
beeinträchtigt, dass alle Perso-
nen, die nicht mit Hauptwohnsitz
in Sachsen gemeldet sind, aber
sich hier aufhalten (Touristen,
Durchreisende etc.), in der Ein-
wohnerzahl nicht enthalten sind.
Rechtswidrige (Straf-)Taten die-
ser Personen werden jedoch in
der PKS gezählt.
Kiosk
ist ein räumlich fest umschlos-
senes Thekengeschäft, das da-
zu bestimmt ist, von Kunden
nicht betreten zu werden.
Konsument harter Drogen
Als Konsument harter Drogen
gilt ein Konsument der in den
Anlagen I bis III des BtM-Geset-
zes aufgeführten Stoffe und Zu-
bereitungen einschließlich der
den betäubungsmittelrechtlichen
Vorschriften unterliegenden Fer-
tigarzneimittel, mit Ausnahme
des ausschließlichen Konsu-
menten von Cannabisprodukten
(Haschisch, Marihuana, Ha-
schischöl), Psilocybin (-Pilzen)
und von „ausgenommenen Zu-
bereitungen“. Dabei ist es
gleichgültig, auf welche Weise
diese Stoffe und Zubereitungen
dem Körper zugeführt werden.
Anzahl der
aufgeklärten Fälle
Anzahl der bekannt
gewordenen Fälle
AQ =
. 100 [%]
Anzahl der Fälle
Anzahl der Einwohner
HZ =
. 100 000

C Begriffserläuterungen
LKA Sachsen PKS 2004
3
Soweit als Konsumenten harter
Drogen bekannte Personen in
Ermangelung von Betäubungs-
mitteln sogenannte Ausweich-
mittel konsumieren („ausge-
nommene Zubereitungen“ oder
sonstige Medikamente oder
Substanzen, die nicht unter das
BtM-Gesetz fallen), ist dies e-
benfalls als Konsum harter Dro-
gen anzusehen.
Kreditkarten
sind alle Zahlungskarten, deren
Einsatz eine zeitlich verzögerte
Belastung des Kontos bzw. Ab-
buchung vom Konto bewirkt.
Ladendiebstahl
Als Ladendiebstahl werden alle
Diebstahlsfälle von ausgelegten
Waren durch Kunden während
der Geschäftszeit erfasst.
Nichtdeutsche Tatverdächtige
sind Personen ausländischer
Staatsangehörigkeit oder Staa-
tenlose.
Opfer
sind natürliche Personen, gegen
die sich die mit Strafe bedrohte
Handlung unmittelbar richtete.
Bei der Opfer-Tatverdächtigen-
Beziehung (vom Opfer aus ge-
sehen) hat stets die engste Be-
ziehung Vorrang:
Verwandtschaft vor Bekannt-
schaft vor Landsmann vor flüch-
tiger Vorbeziehung. Dies gilt
auch dann, wenn bei einer
Mehrzahl von Tatverdächtigen
unterschiedliche Beziehungs-
grade zum Opfer bestehen. Das
Merkmal Verwandtschaft um-
fasst alle Angehörigen gemäß
§ 11 Abs. 1 Nr. 1 StGB. Das
Merkmal Landsmann ist nur bei
Nichtdeutschen und nur dann zu
berücksichtigen, wenn Opfer
und Tatverdächtiger dieselbe
Staatsangehörigkeit besitzen,
jedoch weder miteinander ver-
wandt noch bekannt sind.
Schaden
ist grundsätzlich der Geldwert
(Verkehrswert) des rechtswidrig
erlangten Gutes. Bei den Ver-
mögensdelikten ist unter Scha-
den die Wertminderung des Ver-
mögens zu verstehen. Schaden
wird nur bei vollendeten Straf-
taten erfasst. Falls kein Schaden
bestimmbar ist, gilt ein symboli-
scher Schaden von 1 Euro.
Schusswaffe
Als Schusswaffe im Sinne von
„geschossen“ und „mitgeführt“
gelten nur Schusswaffen gemäß
§ 1 WaffG. Nicht zu erfassen ist
das Mitführen von Schusswaffen
bei solchen Personen, die dazu
bei rechtmäßiger Dienstaus-
übung ermächtigt sind und ge-
gen die Anzeige als Folge der
Dienstausübung erstattet wurde.
Mit einer Schusswaffe „gedroht“
ist dann zu erfassen, wenn sich
wenigstens ein Opfer subjektiv
bedroht fühlt. Ein Mitführen von
Schusswaffen ist zu registrieren,
wenn der Tatverdächtige die
Schusswaffe bei der Tatausfüh-
rung bei sich hatte. Der Vorsatz,
die Schusswaffe zu verwenden,
ist nicht erforderlich.
Politisch motivierte Kriminali-
tät (PMK)
Staatsschutzdelikte werden in
der PKS nicht erfasst. Es han-
delt sich dabei um die Tatbe-
stände gem. §§ 80-83, 84-86a,
87-91, 94-100a, 102-104a, 105-
108e, 109-109h, 129a, 234a o-
der 241a StGB. Delikte der all-
gemeinen Kriminalität, die dem
Definitionssystem politisch moti-
vierte Kriminalität zuzuordnen
sind, sind jedoch auch in der all-
gemeinen Polizeilichen Krimi-
nalstatistik zu erfassen.
Straftatenschlüssel
Die Erfassung der bekannt ge-
wordenen Fälle erfolgt anhand
einer Schlüsselsystematik. Die
Straftatenobergruppen sind:
0000 Straftaten gegen das Le-
ben
1000 Straftaten gegen die se-
xuelle Selbstbestimmung
2000 Rohheitsdelikte und Straf-
taten gegen die persönli-
che Freiheit
3*** Diebstahl ohne erschwe-
rende Umstände
4*** Diebstahl unter erschwe-
renden Umständen
5000Vermögens- und Fäl-
schungsdelikte
6000 Sonstige Straftatbestände
des StGB
7000 Straftaten gegen straf-
rechtliche Nebengesetze
Die Summe der Fälle der Straf-
tatenobergruppen ergibt die Ge-
samtzahl der erfassten Fälle.
Neben den Obergruppen finden
folgende Summenschlüssel Ver-
wendung:
- - - -
Straftaten insgesamt
* * * *
Diebstahl insgesamt
8 ... besondere Deliktskate-
gorien
Die von Straftaten gegen das
AuslG/AsylVfG bereinigte Ge-
samtkriminalität wird unter dem
Schlüssel 8900 ausgewiesen.
Der vollständige PKS-Strafta-
tenschlüssel ist als Anhang bei-
gefügt.
Tageswohnungseinbruch
Von einem Tageswohnungsein-
bruch ist auszugehen, wenn die
Tatzeit zwischen 06.00 Uhr und
21.00 Uhr liegt.
Taschendiebstahl
beinhaltet den unmittelbaren,
heimlichen Diebstahl von Ge-
genständen, die der Geschä-
digte in seiner am Körper getra-
genen Kleidung oder in unmit-
telbarem körperlichen Gewahr-
sam mit sich führt, aber nicht
den Diebstahl von/aus abge-
stellten Taschen oder aus ab-
gelegter Kleidung.
Tatort
ist die politische Gemeinde, in-
nerhalb deren Gemarkung sich
der Fall ereignete (Ort der
Handlung).
Tatverdächtigenbelastungs-
zahl (TVBZ)
ist die Zahl der ermittelten Tat-
verdächtigen im Alter ab 8 Jah-
ren, bezogen auf 100 000 Ein-

D Regeln der Fallerfassung (Auszug)
4
LKA Sachsen PKS 2004
wohner im Alter ab 8 Jahren der
jeweiligen Region. Stichtag für
2004 ist der 31.12.2003. Neben
den unter dem Stichwort Häu-
figkeitszahl erwähnten Beein-
trächtigungen des Aussagewer-
tes ist hier zusätzlich zu beach-
ten, dass lediglich die der Polizei
bekannt gewordenen Tatver-
dächtigen Berücksichtigung fin-
den können (Dunkelfeldpro-
blem).
Tatverdächtiger (TV)
ist jeder, der nach dem polizei-
lichen Ermittlungsergebnis auf-
grund zureichender tatsächlicher
Anhaltspunkte verdächtig ist, ei-
ne rechtswidrige (Straf-)Tat be-
gangen zu haben. Dazu zählen
auch Mittäter, Anstifter und Ge-
hilfen. Die Erfassung erfolgt un-
abhängig vom Alter des Tatver-
dächtigen, so dass auch Kinder
ausgewiesen werden.
Tatzeit
ist der Zeitpunkt, zu dem die
Straftat begangen wurde. Bei
Straftaten, die sich über Zeit-
räume erstrecken oder innerhalb
von Zeiträumen begangen wur-
den, gilt das Ende des Zeit-
raums als Tatzeit. Wenn nicht
mindestens der Monat be-
stimmbar ist, gilt die Tatzeit als
unbekannt.
Verkehrsdelikte
sind
- alle Verstöße gegen Bestim-
mungen, die zur Aufrechter-
haltung der Verkehrssicherheit
im Straßen-, Bahn-, Schiffs-
und Luftverkehr erlassen wor-
den sind,
- alle durch Verkehrsunfälle be-
dingten Fahrlässigkeitsdelikte,
- die Verkehrsunfallflucht,
-alle Verstöße gegen das
Pflichtversicherungsgesetz
und das Kfz-Steuergesetz.
Nicht zu den Verkehrsdelikten
zählen (und daher in der PKS zu
erfassen sind)
- der gefährliche Eingriff in den
Bahn-, Luft- und Schiffsver-
kehr gemäß § 315 StGB,
- der gefährliche Eingriff in den
Straßenverkehr gemäß § 315b
StGB,
- das missbräuchliche Herstel-
len, Vertreiben oder Ausgeben
von Kennzeichen gemäß § 22a
StVG.
D Regeln der Faller-
fassung
(Auszug)
a) Grundsatz
Jede im Rahmen eines Ermitt-
lungsvorganges bekannt gewor-
dene rechtswidrige Handlung
(Straftat) ist ohne Rücksicht auf
die Zahl der Geschädigten als 1
Fall zu erfassen. Jede aufge-
klärte rechtswidrige Handlung ist
als aufgeklärter Fall zu erfassen,
unabhängig von der Zahl der
Tatverdächtigen.
b)Tateinheit und natürliche
Handlungseinheit
Als 1 Fall sind auch in Tateinheit
und natürlicher Handlungsein-
heit begangene Straftaten zu er-
fassen. Es ist die Straftat zu er-
fassen, für die die nach Art und
Maß schwerste Strafe angedroht
wird. Bei gleicher Strafandro-
hung ist das speziellere Delikt zu
erfassen.
Tateinheit
Tateinheit ist gegeben, wenn ei-
ne Handlung mehrere Strafge-
setze oder dasselbe Strafgesetz
mehrmals verletzt.
Beispiele:
Durch einen Stich wird ein Mensch
verletzt und sein Anzug beschädigt
= 1 Fall gefährliche Körperverlet-
zung. Die Sachbeschädigung wird
nicht erfasst.
Durch ein Sprengstoffverbrechen
werden 5 Personen vorsätzlich ge-
tötet = 1 Fall Mord mit fünf Opfern.
Natürliche Handlungseinheit
liegt vor, wenn mehrere Hand-
lungen in einem engen sachli-
chen Zusammenhang stehen.
Beispiele:
Lokaleinbruch - geschädigt werden
der Wirt (Diebstahl der Wechsel-
geldkasse), die (verpachtende)
Brauerei (Beschädigung der Ein-
gangstür und von Einrichtungsge-
genständen, Aufbruch eines Ge-
tränkeautomaten in der Kegelbahn)
und der Automatenaufsteller (Auf-
bruch von zwei Spielautomaten);
die Sachbeschädigung wird statis-
tisch nicht berücksichtigt = 1 Fall
besonders schwerer Diebstahl
in/aus Lokal.
Wohnungseinbruch - auch bei meh-
reren Geschädigten (Familienmit-
glieder, Untermieter) = 1 Fall, außer
es handelt sich um erkennbar ei-
genständige Wohneinheiten. Ana-
log werden beim besonders schwe-
ren Diebstahl auf einer Baustelle -
z. B. beim Aufbruch von fünf Con-
tainern, die erkennbar unterschied-
lichen Firmen gehören = 5 Fälle
erfasst. Bei Aufbruch eines Contai-
ners und Diebstahls von Werkzeu-
gen von fünf Firmen wird = 1 Fall
erfasst.
Grenzen der natürlichen
Handlungseinheit
Die Grenzen der Handlungsein-
heit sind beim Vorliegen von
Straftatbeständen erreicht, die
nicht mehr artverwandt bzw. für
gewöhnlich nicht in Handlungs-
einheit begangen werden (siehe
Abschnitt Tatmehrheit).
Beispiele:
Lokaleinbruch und anschließende
Brandstiftung zur Vernichtung der
Spuren = 1 Fall Diebstahl unter er-
schwerenden Umständen (Sachbe-
schädigung wird nicht berücksich-
tigt) und 1 Fall Brandstiftung.
Nach Sachbeschädigung an Kfz
wird der Tatverdächtige vom Ge-
schädigten verfolgt, der Täter be-
droht und verletzt den Geschädig-
ten = 1 Fall Sachbeschädigung an
Kfz, 1 Fall Körperverletzung (Be-
drohung wird nicht berücksichtigt).
c) Gleichartige Folgehandlun-
gen
Werden bei der Bearbeitung ei-
Anzahl der TV im
Alter ab 8 Jahren
. 100 000
Anzahl der Einwohner
im Alter ab 8 Jahren
TVBZ =

D Regeln der Fallerfassung (Auszug)
LKA Sachsen PKS 2004
5
nes Ermittlungsvorganges wei-
tere rechtswidrige Handlungen
desselben Tatverdächtigen be-
kannt, die derselben Schlüssel-
zahl zuzuordnen sind, sind un-
abhängig von seiner ein- oder
mehrmaligen Entschlussfassung
unter den folgenden Vorausset-
zungen nur als 1 Fall zu erfas-
sen. Diese Voraussetzungen
gelten auch für unaufgeklärte
Straftaten, soweit aus krimina-
listischer Sicht die gleichartigen
Folgehandlungen einem oder
gemeinschaftlich handelnden
noch nicht ermittelten Täter/Tä-
tern zuzuordnen sind.
Beispiel:
Innerhalb eines Ermittlungsvor-
ganges wird festgestellt, dass ein
Tatverdächtiger über einen Zeit-
raum von 10 Monaten fortlaufend
Ladendiebstähle zum Nach-
teil derselben Kaufhausfiliale be-
gangen hat = 1 Fall.
- Die wiederholte Begehung
derselben rechtswidrigen
Handlung, wobei die Rechts-
ordnung/Allgemeinheit ge-
schädigt ist (keine natürliche
oder juristische Person als
„Geschädigte“).
Beispiele:
Ein Antiquitätenhändler kauft ü-
ber einen längeren Zeitraum ge-
stohlene Kunstgegenstände an
= 1 Fall.
Eine Person hat wiederholt por-
nographische Schriften vertrieben
= 1 Fall.
Ein Betrieb verschmutzt über ei-
nen längeren Zeitraum ein Ge-
wässer § 324 StGB = 1 Fall.
Auch längere Pausen (es kön-
nen auch mehrere Jahre sein)
führen nicht zur Unterbrechung
dieser Regel.
d) Tatmehrheit
Sind mehrere rechtswidrige Ta-
ten desselben Tatverdächtigen
durch selbstständige Handlun-
gen zum Nachteil verschiedener
Geschädigter (unmittelbar Be-
troffene) begangen worden, o-
der wurden unterschiedliche
Gesetzesnormen verletzt (unab-
hängig von der Zahl der Ge-
schädigten), ist je 1 Fall zu zäh-
len.
Beispiel:
Aus 10 Kraftfahrzeugen unter-
schiedlicher Halter werden Ge-
genstände entwendet = 10 Fälle.
Ein „Reifenstecher“ beschädigt
Reifen an 12 Fahrzeugen (7 Fahr-
zeuge einer Autovermietung und
weitere 5 unterschiedlicher Halter)
= 6 Fälle.
e) Rauschgiftdelikte
Bei der Erfassung von Rausch-
giftdelikten sind nachfolgende
Besonderheiten zu beachten.
Vorrang der jeweils qualifizierte-
ren Handlung
Sind innerhalb eines Ermitt-
lungsvorganges wegen Rausch-
giftdelikten bei Schlüsselgrup-
pen „illegale Einfuhr (733*)“,
„Handel/Schmuggel (732*)“ und
„allgemeine Verstöße (731*)“
gleiche Drogenarten betroffen,
so werden untergeordnete De-
likte in höherwertige einbezogen
und daher nicht erfasst (die Auf-
listung der Schlüsselgruppen
entspricht der Rangfolge).
Beispiel:
betroffen 7332, 7322, 7312 (Dro-
genart = Kokain)
= erfasst wird 1 Fall "7332"
Vorrang der Drogenarten
Sind bei einem Rauschgiftdelikt
mehrere Drogenarten betroffen,
so gilt folgende Reihenfolge:
1 Heroin
2 Kokain
3 Amphetamin/Methamphe-
tamin und deren Derivate
in Pulver- oder flüssiger
Form
4 Amphetamin/Methamphe-
tamin und deren Derivate
in Tabletten- bzw. Kapsel-
form (einschl. Ecstasy)
5 LSD
6 Cannabis
7 Sonstige
Nur in Ausnahmefällen - krasses
Missverhältnis (z. B. 8 g Kokain
zu 2,3 kg Haschisch) - kann eine
andere (weniger gefährliche)
Drogenart erfasst werden.
Unterschiedliche Handlungen
und unterschiedliche Drogenar-
ten
Bei unterschiedlichen Handlun-
gen und unterschiedlichen Dro-
genarten in einem Ermittlungs-
vorgang hat grundsätzlich die
Handlung Vorrang vor der Dro-
genart.
Beispiel:
Illegaler Handel/Schmuggel von
Kokain (7322) und Besitz von LSD
(7313) = 1 Fall illegaler Han-
del/Schmuggel von Kokain (7322).
aber auch
Illegaler Handel/Schmuggel von
Kokain (7322) und illegale Einfuhr
von Cannabis in nicht geringer
Menge (7338) = 1 Fall illegale
Einfuhr von Cannabis in nicht ge-
ringer Menge (7338).
Sonstige Verstöße gegen das
BtMG
Die Bereitstellung von Geldmit-
teln oder anderen Vermögens-
gegenständen nach § 29 Abs. 1
Nr. 13 BtMG und die Werbung
für Betäubungsmittel nach § 29
Abs. 1 Nr. 8 BtMG sind als se-
parate Fälle zu erfassen.
Das Bereitstellen von Geldmit-
teln pp. ist unabhängig von der
Art des Rauschgifts. Diese
Handlung ist so nur auszuwei-
sen, wenn der Täter - ohne
selbst aktiv in Erscheinung zu
treten - dem unmittelbar Han-
delnden den wirtschaftlichen
Umsatz von Betäubungsmitteln
ermöglicht.
Treffen Qualifizierungsmerkmale
anderer Schlüssel nach 734* zu,
entfällt bei gleicher Drogenart
die Erfassung nach 731*, 732*
bzw. 733*.
f) Nachträgliche Aufklärung
Werden Straftaten, die bereits
als bekannt gewordene Fälle
gemeldet sind, nachträglich auf-
geklärt, sind sie nur noch als
aufgeklärte Fälle zu erfassen.