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Integrationsmonitoring der Länder
2015
Länderauszug für den Freistaat Sachsen

INTEGRATIONSMONITORING DER LÄNDER 2015
Länderauszug für den Freistaat Sachsen
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz
Geschäftsbereich Gleichstellung und Integration
Zusammenstellung und Ergebnisse: Stefan Fehser
Stand: 18. Januar 2018

INHALT
Vorwort
8
1. Das Integrationsmonitoring der Länder
12
2. Konzeption und Zielsetzung des Integrationsmonitorings der Länder
14
3. Zum Länderauszug für den Freistaat Sachsen aus dem Integrationsmonitoring der Länder
16
4. Die Definition des Migrationshintergrundes
18
5. Wie wird Integration gemessen?
22
6. Beschreibung der Integrationsindikatoren
24
Merkmale der Bevölkerung mit Migrationshintergrund
24
Rechtliche Integration
24
Kindertagesbetreuung und Sprachkenntnisse
24
Bildung 25
Arbeitsmarkt und Lebensunterhalt
25
Gesundheit
26
Wohnen
26
Kriminalität 26
Interkulturelle Öffnung
27
A Merkmale der Bevölkerung mit Migrationshintergrund
28
A 1
Bevölkerung
28
A 2
Zu- und Fortzüge
30
A 3
Volljährige Deutsche mit Migrationshintergrund
32
A 4
Wahlberechtigte Deutsche mit Migrationshintergrund
34
A 5
Lebensformen
36
A 6
Asylerstanträge
38
A 7
Asylerstanträge nach Bleibeperspektive der Asylsuchenden
40
A 8
Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen und Ausländer (umA)
42
B
Rechtliche Integration
45
B 1
Ausländerinnen und Ausländer nach Aufenthaltsstatus
45
B 2a
Einbürgerungsquote I
48
B 2b
Einbürgerungsquote II
50
C
Kindertagesbetreuung und Sprachkenntnisse
52
C 1a
Kinder im Alter von unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen
52
C 1b
Betreuungsquote von Kindern im Alter von unter 3 Jahren
54
C 2a
Kinder im Alter von 3 bis unter 6 Jahren in Kindertageseinrichtungen
56
C 2b
Betreuungsquote von Kindern im Alter von 3 bis unter 6 Jahre
58
C 3
Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache in Kindertageseinrichtungen
60
C 5
Bestandene Sprachprüfungen zum Integrationskurs
62

D Bildung
64
D 1
Schülerinnen und Schüler in der 8. Klasse nach Schulformen
64
D 2
Schulabgängerinnen und Schulabgänger nach erreichten Abschlüssen
66
D 3
Höchster allgemeinbildender Schulabschluss
68
D 4
Studienerfolgsquote
70
D 5
Ausbildungsbeteiligungsquote
72
D 6
Auszubildende nach Ausbildungsbereichen
74
D 7
Höchster beruflicher Abschluss
76
E
Arbeitsmarkt und Lebensunterhalt
78
E 1a
Erwerbstätigenquote
78
E 1b
Erwerbsquote
80
E 2
Stellung im Beruf - Arbeiterinnen und Arbeiter
82
E 2
Stellung im Beruf – Selbstständige
84
E 3
Geringfügige Beschäftigung
86
E 4
Erwerbslosenquote (ILO-Konzept)
88
E 5
Arbeitslosenquote
90
E 6a
Armutsrisikoquote I
92
E 6b
Armutsrisikoquote II
94
E 7
Quelle des überwiegenden Lebensunterhalts
96
E 8a
Erwerbsfähige Bezieherinnen und Bezieher von Leistungen nach dem SGB II – Bevölkerungsanteil
98
E 8b
Erwerbsfähige Bezieherinnen und Bezieher von Leistungen nach dem SGB II
nach Migrationshintergrund
100
F Gesundheit
102
F 1
Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchung U8
102
G Wohnen
104
G 1
Eigentümerquote
104
G 2
Wohnfläche je Familienmitglied
106
H Kriminalität
108
H 1
Tatverdächtige
108
H 2
Verurteilte
110
I
Interkulturelle Öffnung
112
I 1
Erwerbstätige im Öffentlichen Dienst nach Migrationshintergrund
112
I 2
Abgeordnete in Landesparlamenten nach Migrationshintergrund
114
7. Datenquellen
116
8. Literatur
122
Anhang: Grafiken zu Migration und Integration von Destatis
123

5,3 %
ANTEIL VON MENSCHEN MIT
MIGRATIONSHINTERGRUND
ANTEIL DER UNTER 18-JÄHRIGEN
BEI MENSCHEN MIT
MIGRATIONSHINTERGRUND
1/3
DAVON VON
MENSCHEN AUS SYRIEN
EINBÜRGERUNGEN VON
AUSLÄNDERINNEN UND AUSLÄNDERN MIT
EINER AUFENTHALTSDAUER AB 8 JAHREN
26,6%
2,3%

ANTEIL VON MENSCHEN MIT
MIGRATIONSHINTERGRUND MIT
HOCHSCHULREIFE
AUSLÄNDISCHE
AUSZUBILDENDE
LERNTEN IM BEREICH
ANTEIL VON MENSCHEN MIT
MIGRATIONSHINTERGRUND MIT
HOCHSCHULABSCHLUSS
54,2%
ERWERBSTÄTIGENQUOTE VON MENSCHEN
MIT MIGRATIONSHINTERGRUND
(bezogen auf „E 1a Erwerbstätigenquote“ Seite 78-79)
45,6
%
61,7
%
30,4%
21,6
%

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Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
VORWORT
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Leserinnen und Leser,
wann ist Integration erfolgreich? Diese Frage bewegt nicht nur die Wissenschaft oder die
Politik, sie bewegt auch die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes.
So einfach die Frage, so komplex die Antworten, denn sie beruhen auf sehr grundsätzlichen
Annahmen und auf der Perspektive, die man einnimmt. Ist Integration gelungen, sobald
Zuwanderer die deutsche Sprache perfekt beherrschen? Oder sobald ihre Kinder in der
Schule das gleiche Leistungsniveau erreichen? Oder dann, wenn die deutsche Staatsbürger-
schaft angenommen wird? Wenn der eigene Lebensunterhalt verdient und Steuern gezahlt
werden? Oder ist Integration gelungen, wenn eine Gesellschaft die real existierenden Zu-
und Einwanderungsprozesse so gestaltet, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt gewahrt
bleibt und jede und jeder die Möglichkeiten hat und wahrnimmt, sich konstruktiv in unsere
Gesellschaft einzubringen – unabhängig von einem Migrationshintergrund? Und: Ist das
allein abhängig von der Integrationspolitik? Und: Aus welcher zeitlichen Perspektive heraus
sollte man Erfolge auf diesem Feld beurteilen?
Komplexe Fragen brauchen solide Fakten zur Beantwortung. Ein wichtiger Baustein dafür
ist das „Ländermonitoring Integration“, für das wir hiermit erstmals einen Länderauszug für
den Freistaat Sachsen vorlegen. Vorläufer dieses „Ländermonitorings Integration“ war eine
länderübergreifende Auswertung zum Stand der Integration von Menschen mit Migrations-
hintergrund in allen Bundesländern, die erstmals zur 6. Integrationsministerkonferenz
(IntMK) 2011 vorgelegt wurde. Die Integrationsministerkonferenz hat beschlossen, diesen
Bericht alle zwei Jahre zu aktualisieren. Der aktuelle Bericht ist 2017 erschienen und bezieht
sich auf den Zeitraum zwischen 2013 und 2015.
Das Integrationsmonitoring der Länder gibt auf die oben gestellte Frage eine klare Antwort:
Integration ist dann gelungen, wenn Menschen mit Migrationshintergrund an unserer Gesell-
schaft ebenso teilhaben und ihre jeweiligen Chancen ebenso erfolgreich nutzen (können) wie
Menschen, die keinen Migrationshintergrund haben. Einen Migrationshintergrund zu haben
bedeutet dabei, dass Menschen selbst oder dass ihre Eltern nach Deutschland zugewandert
Staatsministerin für
Gleichstellung und Integration
Petra Köpping

8
9
sind. Dabei können ganz unterschiedliche Gründe eine Rolle spielen: Arbeit, Studium, der Nachzug von Familienan-
gehörigen oder Flucht und Vertreibung.
Für die Antworten müssen wir berücksichtigen, dass die Chancen zur Teilhabe für die verschiedenen Zuwanderergruppen
unterschiedlich verteilt sind. Das deutsche Aufenthaltsrecht sieht Einschränkungen in der Teilhabe zum Beispiel für Ge-
flüchtete vor, gleichzeitig haben Kinder – unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus – das gleiche Recht auf Schulbildung.
Einschränkungen gibt es auch für Ausländer, die auf Dauer hier leben dürfen, so zum Beispiel im Bereich des Wahlrechtes.
Um diese Beschränkungen der Teilhabe wird gesellschaftspolitisch immer wieder gerungen und sie sind veränderbar. Ich
erinnere nur an erleichterten Arbeitsmarktzugang für Asylsuchende und Geduldete, der 2015 durch eine Verabredung
zwischen Bund und Ländern ermöglicht wurde. Dieser Zugang zum Arbeitsmarkt war die strukturelle Vor
aussetzung
dafür, dass Geflüchtete arbeiten und für sich selbst sorgen können. Wenn unterstellt und kritisiert wird, dass Ge-
flüchtete es auf den Bezug von Sozialleistungen abgesehen haben, dann ist die Öffnung des Arbeitsmarktes – vor
allem unter den gegebenen wirtschaftlichen Bedingungen – die beste Antwort darauf. Denn eine gleichberechtigte
Teilhabe fordert neben dem Engagement des Staates vor allem und intensiv das Engagement derer, die neu zu uns
kommen. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung vom April 2017 hat gezeigt, dass die Erwartungen der einheimischen
Bevölkerung an Zuwanderinnen und Zuwanderer sehr hoch sind: „Heute wie auch schon vor fünf Jahren erwartet
eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung, dass Einwanderer die deutsche Sprache lernen (99 Prozent heute
gegenüber 96 Prozent 2012), dass sie das Grundgesetz anerkennen (98 Prozent heute gegenüber 91 Prozent 2012),
dass sie sich um ein gutes Zusammenleben mit Deutschen bemühen (97 Prozent heute gegenüber 88 Prozent 2012)
und mehr Kontakte zu Deutschen haben (87 Prozent heute gegenüber 81 Prozent 2012). Stark ansteigend ist die
Erwartung, dass Einwanderer sich der deutschen Kultur anpassen sollen: das meinten vor fünf Jahren 73 Prozent,
jetzt sind 82 Prozent dieser Auffassung. Diese aufsteigenden Trends zeigen, dass die hohen Erwartungen bezüglich
der von Einwanderern zu erbringenden Integrationsleistungen noch einmal gestiegen sind.
1
Natürlich gelingen diese Integrationsleistungen nicht im luftleeren Raum. Sie brauchen Rahmenbedingungen, und auch
hier müssen wir ehrlich sein. Von einer Einwanderungsgesellschaft werden Investitionen abverlangt: Investitionen in
Schutz, in Sprache, in Bildung, in tragfähige Integrationsstrukturen und für die Öffnung der Verwaltung, damit diese
kompetent und professionell auf die Bedarfe einer sich verändernden Bevölkerung reagieren kann.
1
Willkommenskultur im „Stresstest“. Einstellungen in der Bevölkerung 2017 und Entwicklungen und Trends seit 2011/2012. Ergebnisse einer repräsentativen
Bevölkerungsumfrage (Kantar Emnid). Bertelsmann Stiftung, April 2017

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
VORWORT
„Weniger, älter und bunt“ lautete noch vor einigen Jahren die Kurzzusammenfassung der demografischen Ent-
wicklung für Sachsen. Höhere Zahlen in der Fluchtmigration, jüngere Zuwanderer und eine größere Vielfalt der
Herkunftsländer müssen wir zu dieser demografischen Entwicklung jetzt dazurechnen. Und vor allem müssen
wir sie gestalten!
Dafür hat der Freistaat Sachsen beispielsweise ein umfangreiches Programm zum Spracherwerb entwickelt, welches
sicherstellt, dass alle Personen, die einen Zugang zum Arbeitsmarkt haben, aber nicht an Integrationskursen
teilnehmen können, auch Deutsch lernen können. Wir fördern in allen Landkreisen und kreisfreien Städten Service-
stellen für Sprach- und Integrationsmittlerdienste, damit die Verständigung in den Behörden besser funktioniert.
Wir unterstützen die Kommunen ebenfalls bei ihrer Integrationsarbeit durch die Förderung von Integrations-
koordinatorinnen und Integrationskoordinatoren sowie von Integrationsprojekten. Außerdem vermitteln wir bei
der besonderen Zielgruppe der Asylsuchenden von Beginn an unser Verständnis von konstruktivem Zusammen-
leben und haben deshalb in allen sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen mit Unterstützung des Bundesamtes
für Migration und Flüchtlinge und mit Mitteln des Freistaates Sachsen sogenannte Erstorientierungskurse zur
sprachlichen und kulturellen Erstorientierung etabliert.
Für mich beinhaltet eine ehrliche Antwort auf die Eingangsfrage immer den Blick auf beide Seiten. Integra-
tion bedeutet Fördern und Fordern gleichermaßen. Sie braucht sowohl die individuelle als auch die öffentliche
Bereitschaft, diesen Prozess zu gestalten. Beides gehört zusammen und beides sind Seiten ein und derselben
Medaille, die „gesellschaftlicher Zusammenhalt“ heißt.
Auch das Ländermonitoring Integration richtet den Blick auf beide Seiten: Für mehrere Bereiche der sozialen
Inte
gration wird die Gruppe der Personen mit und die der ohne Migrationshintergrund hinsichtlich ihrer Teilhabe
verglichen. So können Teilhabelücken in den einzelnen Feldern identifiziert werden.
Mit dem Länderauszug für Sachsen starten wir basierend auf den Zahlen von 2015 in einen Monitoringprozess,
der auch künftig auf Basis des Ländermonitorings Integration fortgesetzt werden soll, denn für die Abbildung von
Integrationsprozessen ist die Beobachtung der Indikatoren über die Zeit von entscheidender Bedeutung.
Deshalb blicken wir auch mit Spannung der Veröffentlichung des 5. Berichtes zum Integrationsmonitoring der Länder
entgegen, der derzeit durch die Länderarbeitsgruppe „Indikatorenentwicklung und Monitoring“ im Auftrag der
Integrationsministerkonferenz erarbeitet wird. Dieser Bericht wird die relevanten Statistiken aus den Jahren
2016 und 2017 auswerten. Der Bericht wird als Gesamtbericht für alle Bundesländer 2019 erscheinen.

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10
11
In den Jahren 2016 und 2017 hat sich die Zusammensetzung der Gruppe der Menschen mit
Migrationshintergrund durch die große Gruppe der Geflüchteten nochmals stark verändert.
Der nächste Länderauszug für den Freistaat Sachsen im Jahr 2019 wird zeigen, wie erfolgreich
wir auf diese Situation zum Beispiel in unserer Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik reagieren
konnten. Dann können wir im Vergleich der Ergebnisse sehen: Wie hat sich die Integration in
Sachsen entwickelt? Welche Handlungsfelder bedürfen unserer besonderen Aufmerksamkeit?
Wo konnten wir positive Entwicklungen ausbauen?
Betrachten wir den Bildungsbereich: Im Jahr 2015 besaßen im Freistaat Sachsen 45,6 Prozent
der Menschen mit Migrationshintergrund als höchsten allgemeinbildenden Schulabschluss
die Hochschulreife. Welche Faktoren für dieses Ergebnis ursächlich sind und welchen
Einfluss unsere Bildungspolitik oder die spezifischen Migrationsprozesse in den neuen
Bundesländern darauf hatten, ist aus den Zahlen selbst nicht abzuleiten, – das muss
Aufgabe wissenschaftlicher Forschung bleiben.
Aber wir müssen uns die Frage stellen: Was machen wir aus diesen Potentialen? Wie gut
lassen sich solche individuellen Integrationsleistungen im Freistaat Sachsen in den Arbeits-
markt einbringen? Wie gleichberechtigt ist die weitere Teilhabe? Und: Wie offen zeigt sich
unsere Gesellschaft, diese Leistungen anzunehmen?
Auch hier bin ich wieder für den Blick auf beide Seiten der Medaille. Potentiale brach liegen
zu lassen, kann nicht unser Interesse sein. Ich werbe deshalb für einen Integrationskonsens in
unserer Gesellschaft - auch über die parteipolitischen Grenzen hinweg: Integration ist kein
individuelles Geschenk an Zuwanderer – seien es ausländische Fachkräfte oder nachziehende
Ehepartner, seien es Studierende oder Geflüchtete. Integration ist Teil unseres gesellschaft-
lichen Zusammenhaltes. Und als solche sollten wir sie alle gemeinsam gestalten.
Ihre Petra Köpping
Was machen wir aus diesen Potentialen? Wie gut lassen sich
solche individuellen Integrationsleistungen im Freistaat Sachsen
in den Arbeitsmarkt einbringen? Wie gleichberechtigt ist die wei-
tere Teilhabe? Und: Wie offen zeigt sich unsere Gesellschaft, diese
Leistungen anzunehmen?

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Integrationspolitik braucht verlässliche und
differenzierte Daten, die Auskunft darüber
geben, ob und in welcher Weise sich die Inte-
gration der Menschen mit Migrationshinter-
grund vollzieht und in welchen Bereichen es
Defizite und Handlungsbedarf gibt. Bereits in
ihrem gemeinsamen Beitrag zum Nationalen
Integrationsplan (NIP) haben sich die Länder
2008 aus diesem Grund für ein Integrations-
monitoring ausgesprochen. Dort heißt es:
„Integration benötigt Indikatoren, die eine
Beobachtung und Beschrei-
bung von Zuwanderungs- und
Integrationsprozessen sowie die
Beurteilung der Wirksamkeit von
Fördermaßnahmen ermöglichen.“
Anlässlich ihrer 2. Konferenz
am 10. April 2008 in Kiel haben
die für Integration zuständigen
Ministerinnen und Minister / Senatorinnen
und Senatoren der Länder seinerzeit die
Einrichtung einer länderoffenen Arbeitsgruppe
„Indikatorenentwicklung und Monitoring“
unter Leitung Berlins und Nordrhein-Westfa-
lens beschlossen.
Auf ihrer 3. Konferenz am 30. September
2008 in Hannover nahmen die für Integration
zuständigen Ministerinnen und Minister /
Senatorinnen und Senatoren der Länder den
1. Bericht der länderoffenen Arbeitsgruppe
„Indikatorenentwicklung und Monitoring“
zur Definition des Merkmals Migrationshin-
tergrund zustimmend zur Kenntnis. Danach
konzentrierte sich die Arbeitsgruppe auf
die Entwicklung eines Kennzahlen- und
Indikatorensatzes für ein ländereinheitliches
Integrationsmonitoring, das am 26. Juni
2009 auf der 4. Konferenz der für Integrati-
on zuständigen Ministerinnen und Minister /
Senatorinnen und Senatoren der Länder
angenommen wurde.
Die 5. Konferenz der für Integration zu-
ständigen Ministerinnen und Minister / Se-
natorinnen und Senatoren am 18. und 19.
März 2010 in Düsseldorf beauftragte die
federführenden Länder Berlin und Nord-
rhein-Westfalen in enger Absprache mit
den Ländern, bis Ende 2010 eine länder-
übergreifende Auswertung zum Stand der
Integration von Menschen mit Migrati-
onshintergrund zu erarbeiten. Diese wurde
auf der 6. Konferenz der für Integration
zuständigen Ministerinnen und Minister /
Senatorinnen und Senatoren im Jahr 2011
vorgelegt. Die Konferenz beschloss, dass
zukünftig alle zwei Jahre ein aktualisierter
Bericht erarbeitet werden soll.
Mit dem 1. Bericht zum Integrationsmonito-
ring haben die für Integration zuständigen
Ministerinnen und Minister / Senatorinnen
und Senatoren im Jahr 2011 einen ersten
gemeinsamen Datenüberblick zum Stand
der Integration in den Bundesländern
vorgelegt und den Grundstein eines regel-
mäßigen Berichtssystems der Länder zum
Integrationsmonitoring gelegt.
Der vorliegende 4. Bericht zum Integrati-
onsmonitoring für die 12. Konferenz der
für Integration zuständigen Ministerinnen
und Minister / Senatorinnen und Sena-
toren bringt die Daten auf den neuesten
Stand und dokumentiert die Entwicklung
in den Kernbereichen der Integration im
Zeitraum von 2013 bis 2015. Der Bericht
zeigt auf, wo es Integrationsfortschritte
gegeben hat, und weist auf bestehende
Handlungsbedarfe hin. Der 4. Bericht trägt
auch der Tatsache Rechnung, dass die Zahl
der Asylbewerberinnen und Asylbewerber
in Deutschland in den vergangenen Jahren
deutlich gestiegen ist. Deshalb wurde der
Bericht um drei Indikatoren zum Themenfeld
Fluchtmigration ergänzt.
Die insgesamt starke Zuwanderung
der vergangenen Jahre und die hohen
Wanderungsgewinne haben die Zu-
sammensetzung der Bevölkerung mit
Integration benötigt Indikato-
ren, die eine Beobachtung und
Beschreibung von Zuwande-
rungs- und Integrationsprozes-
sen sowie die Beurteilung der
Wirksamkeit von Fördermaß-
nahmen ermöglichen.
1. DAS INTEGRATIONSMONITORING
DER LÄNDER
DAS INTEGRATIONSMONITORING DER LÄNDER

12
13
Migrationshintergrund in Deutschland
nachhaltig verändert. Viele Menschen
stehen deswegen am Beginn ihres Integ-
rationsprozesses in Deutschland. Dies hat
spürbare Auswirkungen auf die Ergebnisse
und Entwicklungen bei einigen Indikatoren
dieses Berichts. Gleichwohl spiegeln sich
noch nicht alle Veränderungen durch die
aktuelle Zuwanderungssituation in den
Daten für 2015 wider.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Das Integrationsmonitoring der Länder
ist ein wichtiger Baustein, um Stand und
Entwicklungsprozesse in den Bereichen
Integration und Migration regelmäßig und
länderscharf abzubilden. Ziel ist es dabei, den
Integrationsprozess anhand von validen und
nachvollziehbaren Indikatoren messbar zu
machen. Das Monitoring hat jedoch nicht
zum Ziel, integrationspolitische Maßnahmen
und deren Wirkung abzubilden. Eine Bewer-
tung der Integrationspolitik wird für viele
Länder regelmäßig in Form des Migrant
Integration Policy Index (MIPEX) veröffent-
licht.
2
Dies geht jedoch über die Zielsetzung
eines Monitorings, wie es hier entwickelt
wurde, hinaus.
Lange Zeit war der Datenzugang schwierig,
da viele Informationen verstreut in Fachsta-
tistiken zu finden waren. Die
Länder können nun ihr Inte-
grationsmonitoring auf einer
einheitlichen Datengrundlage
und auf der Basis einheitlicher
Definitionen durchführen. Das
erleichtert die sachgerechte Diskussion über
den Stand der Integration.
Der Begriff der Integration ist wissenschaft-
lich nicht eindeutig bestimmt. Weitgehend
unstrittig ist der Stellenwert der strukturellen
Integration. Diese betrifft in erster Linie die
Integration in das Bildungssystem und in
den Arbeitsmarkt. Für die strukturelle Inte-
grationsdimension kann von einer günstigen
Datenlage ausgegangen werden.
Wichtig sind zudem die soziale, kulturelle
und identifikatorische Integration.
3
Hinzu
kommen die sozialräumliche Integration,
die interkulturelle Öffnung und die gleich-
berechtigte Partizipation und Teilhabe
von Menschen mit und ohne Migrations-
hintergrund in der Gesellschaft. In diesen
Bereichen ist die Datenlage auf Länderebene
nicht umfassend. Das Problem der Daten-
verfügbarkeit wird größer, je kleinräumiger
die Betrachtungsperspektive ist. Ein Teil
der Indikatoren, die auf der Bundesebene
genutzt werden können, steht bereits auf
der Ebene der Bundesländer nicht mehr zur
Verfügung oder hat für kleinere Länder nur
eingeschränkte Aussagekraft.
Eine Übernahme des Integrationsmonito-
rings, wie es 2009 für den Bund vorgestellt
wurde, war deshalb nicht möglich.
4
Für das
Monitoring der Bundesländer wurde ein
eigenes Konzept entwickelt, dessen Indika-
toren jedoch zu einem großen Teil identisch
und fachlich an das Monitoring des Bundes
anschlussfähig sind. Der Bund veröffent-
lichte im Januar 2012 den 2. Integrations-
indikatorenbericht, der auf einer reduzierten
Zahl von Indikatoren beruht.
5
Keine neuen aufwändigen und
kostenträchtigen Instrumente zur
Datenerhebung
Aufgrund der Kostenintensität und des
hohen Koordinierungsaufwands sollten
für das Integrationsmonitoring der Länder
neue und aufwändige Instrumente der
Datenerhebung vermieden werden. Falls
erforderlich, werden die Länder aber auch
künftig eine Erweiterung des Kennzahlen-
und Indikatorensatzes für eine bessere
Erfassung des Standes der Integration vor-
2
Migration Policy Group, Barcelona Centre for International Affairs (2015): How Countries are promoting integration of immigrants.
3
Heckmann, Friedrich (2015): Integration von Migranten. Einwanderung und neue Nationenbildung. Wiesbaden.
4
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (2009): Integration in Deutschland. Erster Integrationsindikatorenbericht,
erstellt für die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Berlin.
5
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (2011): Zweiter Integrationsindikatorenbericht, erstellt für die Beauftragte der
Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Berlin.
Die Länder können nun ihr Inte-
grationsmonitoring auf einer
einheitlichen Datengrundlage
und auf der Basis einheitlicher
Definitionen durchführen.
2. KONZEPTION UND ZIELSETZUNG DES
INTEGRATIONSMONITORINGS DER LÄNDER
KONZEPTION UND ZIELSETZUNG

14
15
nehmen. Oberster Grundsatz des Integra-
tionsmonitorings der Länder ist, dass das
Indikatorenset praxis- und anwendungs-
orientiert sein soll. Es soll diejenigen
Kennzahlen und Indikatoren umfassen,
für die es a) eine verlässliche Datenbasis
gibt, die b) für alle Bundesländer vorliegen
und für die c) nach Möglichkeit Daten
differenziert nach Migrationshintergrund
vorliegen. Liegen diese Daten nicht vor,
muss auf Daten für Deutsche /Nichtdeut-
sche zurückgegriffen werden.
Aktuell umfasst der Kennzahlen- und
Indikatorensatz demografische Grunddaten
zur Zuwanderung und zur Zusammen-
setzung der Bevölkerung mit und ohne
Migrationshintergrund sowie Kennzahlen
und Indikatoren zu den Bereichen Recht-
liche Integration, Kindertagesbetreuung
und Sprachkenntnisse, Bildung, Arbeits-
markt und Lebensunterhalt, Gesundheit,
Wohnen, Kriminalität sowie Interkulturelle
Öffnung. Der aktuelle Bericht enthält erst-
mals auch Daten zu den Bereichen Asyl
und Flucht.
Auch für den 4. Bericht zum Integrations-
monitoring der Länder liegen für alle 16
Länder die wichtigsten verfügbaren Daten
zur Gruppe der Menschen mit Migrations-
hintergrund gebündelt vor. Die grafische
Darstellung und textliche
Interpretation der Integrations-
indikatoren in diesem Bericht
sind notwendigerweise als
Ausschnitt zu verstehen. Die
vollständigen Daten können
in dem Internetportal „Integrationsmo-
nitoring der Länder“
(www.integrations-
monitoring-laender.de) abgerufen werden.
Hier stehen auch alle bisherigen Berichte
zum Integrationsmonitoring der Länder
zum Download bereit.
Die vollständigen Daten können
in dem Internetportal „Inte-
grationsmonitoring der Länder“
(www.integrationsmonitoring-
laender.de) abgerufen werden.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Das Integrationsmonitoring der Länder
beinhaltet Daten für alle Bundesländer zum
Stand von Integration als Teilhabelücke
zwischen Menschen mit und ohne Migra-
tionshintergrund. Dabei setzt der Bericht
den Fokus auf das arithmetische Mittel
der gesamten Bundesrepublik. Einzelne
Bundes
länder werden zwar dezidiert benannt,
falls sie in einzelnen Subindikatoren zum
Vorder- oder Hinterfeld gehörten, aller-
dings wird dabei nur auf einen Bruchteil
der vorliegenden Daten eingegangen.
Die Herausgeber des Integrationsmoni-
torings der Länder sind sich
diesem Umstand bewusst. Um
diese Informationslücke zu
schließen, wurde entschieden,
dass die gesamte zugrunde
liegende Daten
basis öffentlich
zugänglich gemacht wird (siehe
www.
integrations monitoring-laender.de).
So
sind alle Bundesländer, aber auch interessierte
Forschende in der Lage, Sonderauszüge für
das jeweilige Bundesland zu tätigen, um
die Ergebnisse für das eigene Bundesland
transparenter darzustellen oder weitere
Analysen zu tätigen.
Dieser Bericht wurde auf Grundlage
des Integrationsmonitorings der Länder
konzipiert und gilt als Auszug mit Sonder-
auswertung für den Freistaat Sachsen auf
Grundlage der veröffentlichten strukturellen
Daten. Diese gliedern sich in neun Indika-
toren, bestehend aus den 43 Subindi-
katoren.
6
Jeder dieser Indikatoren gibt
einen eigenen Blick auf Integration als
Teilhabe lücke zwischen Mehrheitsgesell-
schaft und Menschen mit Migrationsbezügen
wieder.
Anliegen des Berichtes ist ausdrücklich die
Beschreibung der Situation. Zusammen-
hänge zwischen den Indikatoren herzustellen,
bleibt die Aufgabe weiterer wissenschaftli-
cher Forschung.
Auf den folgenden Seiten werden die
Indikatoren einzeln behandelt und mit ihrer
Definition, Relevanz, Aussagekraft, Daten-
quelle und methodischen Besonderheiten
dargestellt. In den Ergebnisdarstellungen
wird ein Schwerpunkt auf Sachsen gelegt.
Der Fokus liegt in der Kenntlichmachung
von eventuellen Unterschieden zwischen
Menschen mit und ohne Migrationshin-
tergrund bzw. zwischen Deutschen und
ausländischen Personen und damit einherge-
hende gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten
je nach Zugangsvoraussetzungen. Soweit
es möglich war, wurden zur Einordnung
der Ergebnisse die Durchschnittswerte der
neuen Bundesländer
7
sowie der Bundesre-
publik ebenfalls angegeben. Es ist jedoch zu
beachten, dass mit dem Ländermonitoring
Integration ausdrücklich kein Länderranking
geleistet werden kann und soll, da die
Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten
für Integration in den Ländern sehr unter-
schiedlich sind.
Sofern entsprechende Daten vorlagen,
wurde separat auf spezielle Belange von
Männern und Frauen in Bezug auf den
jeweiligen Indikator eingegangen. Für
einige Sub
indikatoren war es möglich, die
Berechnung im Hinblick auf verschiedene
Altersgruppen zu differenzieren.
Bei einem Vergleichen zwischen den Indi-
katoren ist grundsätzlich zu prüfen, ob die
6
Die Daten wurden speziell für Sachsen ausgewiesen, soweit es methodisch zulässig war. Einzelne Indikatoren konnten nicht bearbeitet werden, weil entwe-
der die Fallzahlen für den Freistaat zu gering waren, der Indikator zwar in anderen Bundesländern, aber nicht in Sachsen erhoben wurde oder weil bestimmte
Indikatoren generell auf absehbare Zeit nicht verfügbar sind.
7
Die Werte der neuen Bundesländer setzen sich aus den aggregierten Daten von Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vor-
pommern zusammen. Ostberlin wurde in den Berechnungen nicht gesondert einbezogen beziehungsweise als Teil von Berlin den alten Bundesländern zugeordnet.
Die gesamte zugrunde liegen-
de Datenbasis ist öffentlich
zugänglich unter:
w
w
w.inte gr
ationsmonitoring-
laender.de.
3. ZUM LÄNDERAUSZUG FÜR DEN FREISTAAT SACHSEN
AUS DEM INTEGRATIONSMONITORING DER LÄNDER
ZUM LÄNDERAUSZUG FÜR DEN FREISTAAT SACHSEN

16
17
Gruppen bzgl. des Merkmals Migrations-
hintergrund unterschieden werden oder
anhand der Staatsangehörigkeit. Deshalb
lassen sich die Ergebnisse in einzelnen
Indikatoren nur bedingt zueinander in
Beziehung setzen.
Es wurde entschieden, das Jahr 2015
als Ausgangsjahr für den Länderauszug
Sachsen zu betrachten. Für den Zeitraum
2013 – 2015 sind aufgrund der Datenlage
Zeitreihenanalysen und Vergleiche nur
eingeschränkt möglich und deshalb auch
nur bedingt aussagekräftig. Die Analysen
verwenden die jeweils aktuellsten Zahlen,
die durch das Integrationsmonitoring der
Länder zur Verfügung gestellt werden, und
damit in der Regel auf die des Jahres 2015.
Für das sächsische Integrationsmonitoring
markiert dies den Startpunkt für eine künftige
vergleichende Darstellung der Teilhabelücke
von Menschen mit und ohne Migrationshin-
tergrund im Freistaat Sachsen.
Um für die zeitliche Lücke zwischen 2015
und der Herausgabe dieses Länderauszugs
trotzdem Informationen zur Verfügung
stellen zu können, wurde der Bericht um die
seit Ende 2017 vorliegenden Übersichten
des gemeinsamen Datenangebotes des
Statistischen Bundesamtes, der Bundes-
agentur für Arbeit und des Bundesamtes
für Migration und Flüchtlinge. „Migration.
Integration.Regionen“ ergänzt.
Dieses gemeinsame Angebot ist öffentlich
zugänglich unter https://service.destatis.de/DE/
karten/migration_integration_regionen.html
und bezieht sich zum Zeitpunkt des Erschei-
nens dieser Publikation in der Regel auf das
Jahr 2016.
Zu beachten ist allerdings, dass sich die
zugrundeliegende Definition des Migra-
tionshintergrundes des Mikrozensus des
Statistischen Bundesamtes von der Defini-
tion des Ländermonitorings unterscheidet,
welches sich – wie ausgeführt - auf die
Definition des Statistischen Bundesamtes
für den Zensus bezieht. Insofern lassen sich
Zahlen in Bezug setzen, aber nicht direkt
vergleichen.
8
8
Für den Mikrozensus verwendet das Statistische Bundesamt seit 2016 die folgende Definition: „Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie
selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Im Einzelnen umfasst diese Definition zugewanderte und nicht
zugewanderte Ausländerinnen und Ausländer, zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte, (Spät-) Aussiedlerinnen und (Spät-) Aussiedler sowie
die als Deutsche geborenen Nachkommen dieser Gruppen. Die Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges und ihre Nachkommen gehören nicht zur Bevölkerung
mit Migrationshintergrund, da sie selbst und ihre Eltern mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren sind.“ Nach der neuen Definition hängt die Zuordnung
des Merkmals „Migrationshintergrund“ nicht mehr vom Zeitpunkt der Zuwanderung nach Deutschland ab. Außerdem berücksichtigt die Neufassung, dass die
Gruppe von Personen, die mit deutscher Staatsangehörigkeit im Ausland geboren sind und deren beide Eltern keinen Migrationshintergrund haben, nicht mehr
– so wie in der Definition des Zensus – zu den Personen mit Migrationshintergrund gezählt werden.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Eine wichtige Voraussetzung für die
Umsetzung eines Integrationsmonito-
rings ist eine umfassende Definition des
Migrationshintergrundes. Die bis 2005
in der amtlichen Statistik gebräuchliche
Abgrenzung über die Staatsangehörigkeit
bildet das Wanderungsgeschehen und
den Stand der Integration nur unzurei-
chend ab. Da ein Teil der Zugewanderten
die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt
(Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler
etc.) und sich ein nicht unbeachtlicher
Teil der Zugewanderten mittlerweile hat
einbürgern lassen, ergibt sich bei einer
Fokussierung allein auf die ausländische
Bevölkerung eine verzerrte Integrationsbilanz.
Diese fällt günstiger aus, wenn auch die
Zugewanderten mit deutscher Staats-
angehörigkeit und die Eingebürgerten
einbezogen werden.
9
Sozialwis-
senschaftliche Untersuchungen
und Ergebnisse der Integrati-
onsberichterstattung aus den
Ländern zeigen, dass sich die
beiden genannten Gruppen
sozialstrukturell positiv von der Gruppe der
Ausländerinnen und Ausländer unterschei-
den.
10
Im Einbürgerungsverfahren wird ein
Mindestmaß an Integration vorausgesetzt,
indem Sprachkenntnisse und die Sicherung
des Lebensunterhalts ohne sozialstaatliche
Transferzahlungen erwartet werden.
In der amtlichen Statistik wurde ein umfas-
sendes Konzept zur Erfassung des Migra-
tionshintergrundes mit dem Mikrozensus
2005 eingeführt. Der Mikrozensus gab keine
starre Definition vor, vielmehr wurden ein-
zelne Merkmale erhoben, die verschiedene
Möglichkeiten der Kombination eröffneten
(derivative Definition). In den ersten beiden
Berichten wurde bezogen auf die Daten
aus dem Mikrozensus die Definition des
Migrationshintergrundes des Statistischen
Bundesamtes zugrunde gelegt.
Die vom Statistischen Bundesamt im Mikro-
zensus verwendete Definition hat in der
Vergangenheit immer wieder fachliche und
wissenschaftliche Kritik auf sich gezo-
gen, zum Beispiel wegen der fehlenden
Möglichkeit der Übernahme der Definition
für andere Befragungen und Statistiken und
wegen der schlechten Verbalisierbarkeit
in der Öffentlichkeit. Nach der jüngsten
Änderung der vom Statistischen Bundesamt
im Mikrozensus verwendeten Definition hat
eine Person einen Migrationshintergrund,
„wenn sie selbst oder mindestens ein Eltern-
teil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht
durch Geburt besitzt.“
11
Die für Integration zuständigen Ministe-
rinnen und Minister / Senatorinnen und
Senatoren der Länder waren sich in der
9. Sitzung der Integrationsministerkonfe-
renz darüber einig, dass eine einheitliche
Definition und Erhebung des Migrations-
hintergrundes in der amtlichen Statistik
realistisch nur dann erreicht werden kann,
wenn die gegenwärtig für den Mikrozensus
verwendete Abgrenzungssystematik auf
eine in Personenstichproben verwendbare
Form vereinfacht wird. Sie sprachen sich
deshalb dafür aus, zukünftig als einheitliche
Definition des Migrationshintergrundes und
damit auch im Mikrozensus die Definition
des Zensus 2011 zu verwenden.
9
Exemplarisch hierzu: OECD (2010): International Migration Outlook. SOPEMI 2010. Paris.
10
Weinmann, Martin; Becher, Inna; Babka von Gostomski, Christian (2012): Einbürgerungsverhalten von Ausländerinnen und Ausländern in Deutschland sowie
Erkenntnisse zu Optionspflichtigen - Ergebnisse der BAMF-Einbürgerungsstudie 2011. Forschungsbericht 15. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Nürn-
berg; Seifert, Wolfgang (2007): Integration und Arbeit. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament 22-23, Seite 12-18. Bonn.
11
Statistisches Bundesamt (2016): Fachserie 1 Reihe 2.2 Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikro-
zensus 2015. Wiesbaden.
4. DIE DEFINITION DES
MIGRATIONSHINTERGRUNDES
Die Länder können nun ihr Inte-
grationsmonitoring auf einer
einheitlichen Datengrundlage
und auf der Basis einheitlicher
Definitionen durchführen.
DEFINITION DES MIGRATIONSHINTERGRUNDES

18
19
Einen Migrationshintergrund haben nach
der Definition des Zensus 2011 jene Personen,
die
1.
Ausländerinnen und Ausländer sind;
oder
2.
im Ausland geboren und nach dem
31.12.1955 nach Deutschland zugewan-
dert sind; oder
3.
einen im Ausland geborenen und nach
dem 31.12.1955 nach Deutschland
zugewanderten Elternteil haben.
Durch die Umstellung auf die im Zensus
2011 verwendete amtliche Definition
des Migrationshintergrundes ergeben
sich Abweichungen gegenüber anderen
Berichtsquellen, die im Abschnitt Daten-
quellen erläutert werden. Umfassend kann
der Migrationshintergrund im Mikrozensus
allerdings nur alle vier Jahre abgebildet
werden, da die Informationen zum Migra-
tionshintergrund der Eltern außerhalb
des eigenen Haushalts bisher nur alle
vier Jahre erhoben wurden. Liegen diese
Informationen nicht vor, wird der Teil der
zweiten Generation mit Eltern außerhalb
des eigenen Haushalts nicht erfasst. Für
Zeitvergleiche stellt sich die Problematik,
dass für einzelne Jahre der Migrations-
hintergrund unterschiedlich tief erfasst
wird und somit nicht die erforderliche
einheitliche Grundgesamtheit vorhanden
ist. Entsprechend könnte bei Ergebnisver-
änderungen nicht entschieden werden, ob
dies reale Veränderungen beim jeweiligen
Indikator sind, oder ob diese lediglich aus
der veränderten Grundgesamtheit resul-
tieren. Um dieses Problem zu umgehen,
wird in diesem Bericht auf die alle vier
Jahre verfügbaren Zusatzinformationen
verzichtet und lediglich ein Migrations-
hintergrund „im engeren Sinn“, das heißt
ohne die Eltern
informationen außerhalb
des Haushalts der/des Befragten definiert.
Hierfür stehen alle Angaben jährlich zur
Verfügung. Allerdings wirkt sich diese
Einschränkung auch auf die Resultate aus,
denn es wird ein Teil der – in der Regel
besser integrierten – zweiten Generation
nicht erfasst. Welche Auswirkungen dies
konkret hat, wird im Abschnitt Datenquellen
skizziert. Ab 2017 werden im Mikrozensus
die Informationen zu den Eltern außerhalb
des Haushalts jährlich erhoben.
In diesem Bericht wird die Zeitperiode von
2013 bis 2015 betrachtet. Ab 2011 wurde
eine Revision der Mikrozensus
ergebnisse
auf der Basis des Zensus 2011 beziehungs-
weise der fortgeschriebenen Ergebnisse
des Zensus 2011 durchgeführt. Ergebnisse
früherer Berichtsjahre basieren noch auf
den fortgeschriebenen Ergebnissen der
Volkszählung von 1987, wodurch die Ver-
gleichbarkeit mit den Ergebnissen früherer
Zeitperioden eingeschränkt ist.
Die umfassende Definition des Migrations-
hintergrundes steht allerdings
nur für die Indikatoren aus dem
Mikrozensus zur Verfügung. In
anderen Fachstatistiken werden
abweichende Definitionen
des Migrationshintergrundes
verwendet. In der bundesweiten
Kinder- und Jugendhilfestatistik
wird die Zuwanderungsgeschichte
Die umfassende Definition des
Migrationshintergrundes steht
allerdings nur für die Indikato-
ren aus dem Mikrozensus zur
Verfügung. In anderen Fachsta-
tistiken werden abweichende
Definitionen des Migrationshin-
tergrundes verwendet.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
mit der Frage erfasst, ob mindestens ein
Elternteil des Kindes im Ausland geboren
wurde. Hierbei ist die aktuelle Staatsan-
gehörigkeit der Eltern nicht maßgeblich.
Ergänzend wird zu jedem Kind erhoben, ob
es zu Hause überwiegend Deutsch spricht
(Familiensprache).
Um den gestiegenen Anforderungen
an eine moderne länderübergreifende
Bildungs
statistik zu genügen, hat die
K
u
l
t
u
s
m
i
n
i
s
t
er
k
o
n
f
er
en
z
(K
MK
)
beschlos-
sen, einen gemeinsamen Kerndatensatz
(KDS) zu entwickeln. Eine entscheidende
Neuerung gegenüber dem bisherigen
Verfahren der Datengewinnung besteht
dabei darin, dass nicht mehr aggregierte,
sondern anonymisierte Individualdaten
erfasst und verarbeitet werden. Mit Hilfe
des neuen Kerndatensatzes sollen auch
Informationen zum Migrationshintergrund
der Schülerinnen und Schüler erfasst werden.
Erfragt wird demnach 1) die Staatsange-
hörigkeit des Schülers /der Schülerin, 2) das
Geburtsland des Schülers /der Schülerin,
3) sein/ihr Zuzugsjahr nach Deutschland
und 4) die Verkehrssprache in der Familie.
12
Informationen über die Eltern und ihre
etwaige Zuwanderungsgeschichte werden
nicht erfragt. Schulstatistische Daten gemäß
des gemeinsamen Kerndatensatzes (KDS)
liegen allerdings noch nicht für alle Länder
vor. Daher ist das vorliegende Integrations-
monitoring für schulbezogene Informationen
auf Daten angewiesen, die nach Staatsange-
hörigkeit differenzieren.
12
Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (2011): FAQ‘s Frequently Asked Questions zum
Kerndatensatz und zur Datengewinnungsstrategie. Berlin; Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2008): Schulische Bildung von Migranten in Deutschland.
Nürnberg.
DEFINITION DES MIGRATIONSHINTERGRUNDES

20
21
MIT HILFE DES NEUEN KERNDATENSATZES
SOLLEN AUCH INFORMATIONEN ZUM MIGRATIONSHINTERGRUND
DER SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER ERFASST WERDEN.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Das Monitoring orientiert sich in seinem
Integrationsverständnis an den klassischen
Dimensionen der Integration und bildet somit
vor allem Prozesse der Sozialinte
gration ab.
Eine Beschränkung hierauf greift jedoch zu
kurz, da Integration auch von der Offenheit
der Gesellschaft und den Zugangs
chancen
zu den Institutionen abhängt.
13
Das
Monito ring bezieht daher diese Bereiche
explizit mit ein.
Die Indikatoren wurden so ausgewählt, dass
sie eine möglichst hohe Aussagekraft für
die jeweilige Dimension haben. Ziel ist es,
mit wenigen Indikatoren ein
möglichst umfassendes Gesamt-
bild zu gewinnen. Grundlage
hierfür sind die bestehenden
Datenquellen, vor allem die
amtliche Statistik. Dies bedingt,
dass die Dimension der struktu-
rellen Integration umfassend
dargestellt werden kann, die weiteren
Dimensionen jedoch nur punktuell. Hierzu
bedarf es repräsentativer Befragungen, wie
sie beispielsweise vom Sachverständigenrat
deutscher Stiftungen für Integration und
Migration (SVR) in Form des Integrations-
barometers
14
durchgeführt und regelmäßig
veröffentlicht werden.
Die Indikatoren sind – mit Ausnahme der
allgemeinen Kennzahlen, die zur Beschreibung
der Bevölkerung mit Migrationshintergrund
dienen – so angelegt, dass jeweils die
Bevölkerung mit und ohne Migrationshin-
tergrund (beziehungsweise Ausländerinnen
und Ausländer und Deutsche) abgebildet
wird. So lassen sich Unterschiede zwischen
den Bevölkerungsgruppen erkennen und
deren Entwicklung über die Zeit beobachten,
Integration also messen. Der Anteil an Perso-
nen mit Migrationshintergrund mit höheren
Bildungsabschlüssen ist zum Beispiel geringer
als der vergleichbare Anteil bei den Personen
ohne Migrationshintergrund. Steigt dieser
Anteil im Laufe der Zeit bei der Bevölkerung
mit Migrationshintergrund an, und ist der
Anstieg zudem höher als bei der Bevölkerung
ohne Migrationshintergrund, kann dies auf
einen Integrationsfortschritt hindeuten.
Auch in dem vorliegenden 4. Bericht zum
Integrationsmonitoring der Länder werden
sämtliche Daten – soweit möglich – für
Männer und Frauen getrennt aufgeführt.
Seit dem 3. Bericht werden für alle Indika-
toren auch Daten für die ostdeutschen
Bundesländer separat ausgewiesen.
Auch der Heterogenität der Bevölkerung
mit Migrationshintergrund wird dadurch
Rechnung getragen, dass neben den Daten
zu den Personen mit Migrationshintergrund
insgesamt – soweit möglich – auch jene für
Ausländerinnen und Ausländer und Deutsche
mit Migrationshintergrund sowie für selbst
zugewanderte und für in Deutschland
geborene Menschen mit Migrationshinter-
grund ausgewiesen werden. Eine weitrei-
chende Differenzierung ist dem Internetportal
„Integrationsmonitoring der Länder“ zu
entnehmen. Damit werden die besonderen
Integrationsfortschritte der Deutschen mit
Migrationshintergrund, darunter eingebür-
gerte Personen, sowie der in Deutschland
geborenen Kinder von Zugewanderten
herausgestellt.
Bei der Interpretation der Daten ist zu
beachten, dass Unterschiede in den Ergeb-
13
Treibel, Annette (2016): Integriert Euch! Plädoyer für ein selbstbewusstes Einwanderungsland. Bonn.
14
Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (2016): Viele Götter, ein Staat: Religiöse Vielfalt und Teilhabe im Einwanderungs-
land. Jahresgutachten 2016 mit Integrationsbarometer. Berlin.
5. WIE WIRD INTEGRATION
GEMESSEN?
Die Indikatoren wurden so
ausgewählt, dass sie eine mög-
lichst hohe Aussagekraft für die
jeweilige Dimension haben. Ziel
ist es, mit wenigen Indikatoren
ein möglichst umfassendes
Gesamtbild zu gewinnen.
WIE WIRD INTEGRATION GEMESSEN?

22
23
nissen zwischen der Bevölkerung mit und
ohne Migrationshintergrund nicht auf den
Migrationshintergrund als alleinige Ursache
zurückgeführt werden können. Insoweit ist
das Instrument der Indikatorenberechnung
nicht mit einer kausalen Analyse gleichzu-
setzen. Auch andere Faktoren spielen eine
mitunter gewichtige Rolle. So können der
Kontext, in dem Integration stattfindet,
sozialstrukturelle Faktoren, welche die
soziale Lage der Menschen prägen, sowie
das Milieu, in dem die Menschen ihren
sozialen und kulturellen Alltag leben,
ursächlich für bestimmte Unterschiede
und Integrationsverläufe sein. Auch der
Bildungs
stand einer Person oder ihrer Eltern
spielt eine große Rolle bei der Integration in
der Schule und den Arbeitsmarkt. Genauso
wichtig sind jedoch auch Sprachkenntnisse
und soziale Netzwerke, die bei der Arbeits-
suche helfen und die Migranten nur einge-
schränkt haben. Zudem können beobachtete
Integrationsdefizite ihre Ursache auch in
Benachteiligungen und Barrieren haben, die
Menschen aufgrund ihres Migrationshinter-
grunds, beispielsweise auf dem Wohnungs-
und Arbeitsmarkt, erfahren.
15
Zentral für die Abbildung von Integrations-
prozessen ist die Beobachtung der Indika-
toren über die Zeit. Eine Momentaufnahme
ist nur eingeschränkt aussagekräftig,
da Veränderungen in der Bevölkerungs-
zusammensetzung oder konjunkturelle
Effekte beispielsweise Auswirkungen auf
die Arbeitsmarktintegration haben. So hat
sich die Zusammensetzung der Bevölkerung
mit Migrationshintergrund seit dem letzten
Berichtsjahr 2013 durch Zuwanderung von
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus
Süd- und Osteuropa sowie Schutzsuchenden
nachhaltig verändert. An dieser Stelle kann
das Monitoring der Länder jedoch keine
Bezüge zu Veränderungen im Kontext, wie
zum Beispiel der Bevölkerungszusammen-
setzung, herstellen. Wie bereits in Kapitel 2
beschrieben, ist das Monitoring der Länder
daher auch nicht darauf angelegt, Ver-
gleiche zwischen den Bundesländern oder
Rankings anzustellen, da die unterschied-
liche demografische und sozialstrukturelle
Zusammensetzung der Bevölkerung mit
Migrationshintergrund in den jeweiligen
Bundesländern nicht berücksichtigt wird.
Die Beschränkung auf Kernindikatoren
ist der Bildung eines Integrationsindexes
vorzuziehen. Für die Bildung eines Integ-
rationsindexes müsste eine Vielzahl von
Annahmen über die Wertigkeit einzelner
Integrationsbereiche und der einzelnen
Indikatoren getroffen werden, wie sie zum
Beispiel das Berlin-Institut
16
vornimmt.
Bei einer Indexbildung wird zudem häu-
fig vernachlässigt, dass die Themenfelder
der Integration auch in einem
Zusammenhang stehen, dass
sich beispielsweise die Bildungs-
struktur auf die Arbeitsmarkt-
chancen auswirkt. So können
ähnliche Aspekte mehrfach in
einen Index eingehen und den dort doku-
mentierten Stand der Integration verzerren.
Eine Analyse kausaler Zusammenhänge
zwischen den einzelnen Integrationsbe-
reichen kann das Monitoring der Länder
aber nicht leisten. Dies bleibt Aufgabe der
Wissenschaft.
15
Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2012): Benachteiligungserfahrungen von Personen mit und ohne Migrationshintergrund im Ost-West-Vergleich.
Berlin; Vgl. Fick, Patrick; Wöhler, Thomas; Diehl, Claudia; Hinz, Thomas (2014): Integration gelungen? Die fünf größten Zuwanderergruppen in Baden-Würt-
temberg im Generationenvergleich. Stuttgart.
16
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2014): Neue Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland. Berlin.
Bei einer Indexbildung wird
häufig vernachlässigt, dass die
Themenfelder der Integration
auch in einem Zusammenhang
stehen.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Merkmale der Bevölkerung mit
Migrationshintergrund
17
Der Kennzahlen- und Indikatorensatz ist
wie folgt aufgebaut: Indikator A1 beschreibt
die Altersstruktur der Bevölkerung mit und
ohne Migrationshintergrund. Indikator A2
betrachtet die Wanderungsbewegungen
von Ausländerinnen und Ausländern, also
die jährlichen Zu- und Fortzüge über die
Außengrenzen der Bundesrepublik. Die
Kennzahl A3 gibt den Anteil der Deutschen
mit Migrationshintergrund ab 18 Jahren an
allen volljährigen Personen mit Migrations-
hintergrund wieder, und die Kennzahl A4 den
Anteil der wahlberechtigten Deutschen mit
Migrationshintergrund an allen volljährigen
Deutschen. Kennzahl A5 schließlich differen-
ziert nach der Lebensform, das heißt wie viele
Menschen beispielsweise in einer Paargemein-
schaft mit Kindern unter 18 Jahren leben.
Um der aktuellen Fluchtzuwanderung
Rechnung zu tragen, wurden drei neue
Indikatoren in das Integrationsmonitoring
aufgenommen: Kennzahl A6 stellt dar, wie
viele Erstanträge auf Asyl 2013 und 2015
gestellt wurden. Kennzahl A7 differenziert
die Herkunftsstaaten der Antragstellerin-
nen und Antragssteller hinsichtlich ihrer
möglichen Bleibeperspektive. Indikator
A8 beschäftigt sich mit einer besonders
schutzbedürftigen Personengruppe, nämlich
unbegleiteten minderjährigen Ausländerinnen
und Ausländern.
Alle Bundesländer verzeichneten zwischen
2013 und 2015 einen starken
Anstieg der Asylantragszahlen.
Ebenso gab es deutlich mehr
Inobhutnahmen minderjähriger
unbegleiteter Ausländerinnen
und Ausländer als in den Vorjahren. Die
Herkunftsstaaten der Asylbewerberinnen
und Asylbewerber variieren, wobei 2015
in allen Bundesländern mindestens zwei
Drittel der Asylerstanträge auf die zehn
Top-Herkunftsstaaten entfallen. Syrien ist
mit Abstand der häufigste Herkunftsstaat.
Im Schnitt sind die Antragstellerinnen
und Antragssteller deutlich jünger als die
Gesamtbevölkerung, und der Anteil der
Männer überwiegt.
Rechtliche Integration
Dieser Abschnitt stellt eingangs den Aufent-
haltsstatus der ausländischen Bevölkerung
dar (B1). Die Einbürgerungsquote I (B2a) zeigt
an, wie viele Einbürgerungen es gab, bezogen
auf die Gesamtzahl aller Ausländerinnen
und Ausländer mit einer Aufenthaltszeit von
mindestens acht Jahren. Zusätzlich beschreibt
die Einbürgerungsquote II (B2b) das Verhältnis
von Einbürgerungen bezogen auf die Anzahl
aller Ausländerinnen und Ausländer.
Beide Einbürgerungsquoten sind in den
meisten Bundesländern zwischen 2013 und
2015 tendenziell rückläufig, wobei dies teil-
weise auf die gestiegene Ausländerzahl durch
Neuzuwanderungen zurückzuführen ist.
Kindertagesbetreuung und Sprach-
kenntnisse
Von großer Bedeutung ist in diesem
Abschnitt der vorschulische Bereich. Die
Kennzahlen C1a und C1b zeigen, wie hoch
der Anteil der Kinder mit Migrationshinter-
grund in Kindertageseinrichtungen ist. Sie
differenzieren nach Säuglingen und Klein-
kindern bis unter 3 Jahren (C1a) und Kindern
von 3 bis unter 6 Jahren (C2a). Die entspre-
chenden Betreuungsquoten in den beiden
17
Die vollständigen Kennzahlen sind über das Datenportal zum Integrationsmonitoring der Länder im Internet unter
http://www.integrationsmonitoring-laen-
der.de abrufbar. Wie eingangs beschrieben, werden für den Freistaat Sachsen im Rahmen dieses Auszugs aus methodischen Gründen keine Zeitreihen
ausgewiesen.
6. BESCHREIBUNG DER
INTEGRATIONSINDIKATOREN
Alle Bundesländer verzeichne-
ten zwischen 2013 und 2015
einen starken Anstieg der
Asylantragszahlen.
BESCHREIBUNG DER INTEGRATIONSINDIKATOREN

24
25
Altersklassen sind anhand der Indikatoren
C1b und C2b dargestellt. Des Weiteren bildet
C3 den Anteil der Kinder in Kindertages-
stätten ab, in deren Familien nicht vorrangig
Deutsch gesprochen wird. Indikator C4 zum
Sprachförderbedarf bei Vorschulkindern ist
mangels ausreichender Datenlage auf abseh-
bare Zeit nicht verfügbar. Die Kennzahl C5
thematisiert bestandene Sprachprüfungen
im Rahmen des Integrationskurses.
Alle Bundesländer, für die Daten vorliegen,
verzeichnen steigende Betreuungsquoten in
beiden Altersklassen – im Vergleich zu 2013
besuchten 2015 anteilig mehr Kinder mit
Migrationshintergrund eine Kindertagesein-
richtung oder Kindertagespflege. Auch das
Abschneiden beim Deutsch-Test für Zuwan-
derinnen und Zuwanderer hat sich positiv
entwickelt: In fast allen Bundesländern
stieg der Anteil der bestandenen Sprach-
prüfungen mit dem Zertifikat Deutsch B1.
Bildung
Bildung kommt eine zentrale Bedeutung
für den Integrationsprozess zu. Bildung
bestimmt nicht nur die Chancen auf dem
Arbeitsmarkt, sie hat darüber hinaus
entscheidenden Einfluss auf die gesell-
schaftlichen Partizipationsmöglichkeiten.
Bildung muss hier einerseits unter einem
strukturellen Aspekt gesehen werden, also
der Bildungs- und Qualifikationsstruktur
der Bevölkerung mit Migrationshinter-
grund insgesamt (Indikatoren D3 und D7).
Diese Struktur beeinflusst ihre Arbeits-
marktchancen entscheidend. Andererseits
sind Integrationserfolge im deutschen
Schulsystem nur bei denjenigen nachweisbar,
die hier eine Schule besucht haben. Diese
werden anhand der besuchten Schulform
in der 8. Klasse (D1) und der an allgemein-
bildenden Schulen erworbenen Abschlüsse
(D2) untersucht.
Einblick in die Partizipation an der beruflichen
Ausbildung bietet die Ausbildungsbeteili-
gungsquote (D5). Die Kennzahl D6 zeigt
Unterschiede bei der Verteilung über die
einzelnen Ausbildungsbereiche. Als Indi-
kator für die Integration an Hochschulen
dient die Studienerfolgsquote (D4). Bisher
liegen nur für die Indikatoren D3 (Höchster
allgemeinbildender Schulabschluss) und
D7 (Höchster beruflicher Abschluss) Daten
zum Migrationshintergrund vor, alle an-
deren Indikatoren werden nach Deutschen
und Ausländerinnen und Ausländern (bzw.
Bildungsinländerinnen und Bildungsinlän-
dern) ausgewertet.
Der Anteil der ausländischen Schulabgän-
gerinnen und Schulabgänger ohne Schul-
abschluss hat sich zwischen
2013 und 2015 in einigen Bun-
desländern positiv, in anderen
negativ entwickelt. Hingegen
stieg in fast allen Bundeslän-
dern sowohl der Anteil der
Personen mit Migrationshin-
tergrund mit Hochschulreife als auch der
Anteil jener, die einen Hochschulabschluss
haben. Damit setzt sich der positive Trend
aus den Vorjahren fort. Die Unterschiede
im Bildungsniveau zwischen der Bevölke-
rung mit und ohne Migrationshintergrund
bestehen jedoch weiterhin.
Arbeitsmarkt und Lebensunterhalt
Das selbstständige Bestreiten des Lebens-
unterhalts setzt in der Regel den Zugang
zum Arbeitsmarkt voraus. Die durch eigene
Erwerbstätigkeit erworbenen Ressourcen
In fast allen Bundesländern
stieg sowohl der Anteil der
Personen mit Migrationshinter-
grund mit Hochschulreife als
auch der Anteil jener, die einen
Hochschulabschluss haben.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
beeinflussen wiederum wesentlich die
Partizipation in anderen Bereichen. Die
Integration in den Arbeitsmarkt ist somit
eine wesentliche Voraussetzung für das Fort-
schreiten der gesellschaftlichen Integration.
Als Indikatoren des Arbeitsmarktzugangs
dienen hier die Erwerbstätigenquote (E1a),
die Erwerbsquote (E1b) sowie die Erwerbs-
losen- und die Arbeitslosenquote (E4 und
E5). Prekäre Beschäftigung beleuchtet die
Kennzahl E3 anhand des Anteils geringfügiger
Beschäftigungsverhältnisse. E2 bildet die
Stellung im Beruf ab. Die Zugewanderten
sollen nach Möglichkeit in der Lage sein,
ihren Lebensunterhalt selbstständig zu
bestreiten und ein Einkommen zu erzielen,
das eine Partizipation am gesellschaftlichen
und kulturellen Leben erlaubt. Das Integra-
tionsmonitoring stellt dar, aus welchen
Quellen der Lebensunterhalt bestritten wird
(E7), wie viele Personen ein Einkommen
beziehen, das unterhalb der Armutsrisiko-
schwelle liegt (E6a, E6b), und wie hoch der
Anteil der Bezieherinnen und Bezieher von
Leistungen nach dem SGB II ist (E8a, E8b).
Die Erwerbstätigenquote von Menschen
mit Migrationshintergrund ist in den Jahren
2013 bis 2015 in einigen Bundesländern
deutlich angestiegen, in anderen jedoch
leicht gesunken oder unverändert geblieben.
Auch die Arbeitslosenquote und
die Armutsrisikoquote folgen
keinem eindeutigen Trend.
Positiv ist die Entwicklung beim
Bezug von Grundsicherung für
Arbeitssuchende: in fast allen
Bundesländern ist der Anteil an
ausländischen Bezieherinnen und Beziehern
von Leistungen nach dem SGB II zwischen
2013 und 2015 deutlich gesunken.
Gesundheit
Zum Thema Gesundheit hat das Integra-
tionsmonitoring als einzigen Indikator die
Inanspruchnahme der Früherkennungsun-
tersuchung U8 aufgenommen (F1). Leider
ist die Datenlage für die gesundheitliche
Situation noch unbefriedigend. Für die
Länder liegen bisher nur sehr eingeschränkt
vergleichbare Daten zur Inanspruchnahme
der Früherkennungsuntersuchung U8 vor.
Zwar erheben mittlerweile elf Bundesländer
den Migrationshintergrund bei der Einschu-
lungsuntersuchung, allerdings nicht nach
einer einheitlichen Definition.
Wohnen
Die wichtigsten Indikatoren für die
Wohnsituation sind die Ausstattung mit
angemessenem Wohnraum (G2) und die
Eigentümerquote (G1). Dies gilt beispiels-
weise im Hinblick auf die schulische und
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowie die
langfristige Aufenthaltsorientierung. Dabei
muss man berücksichtigen, dass die Bevöl-
kerung mit Migrationshintergrund häufiger
in urbanen Zentren lebt. Die ungleichen
Wohnbedingungen und Preisniveaus im
städtischen und ländlichen Raum sowie in
den einzelnen Bundesländern bedingen also
teilweise Unterschiede der Wohnindikatoren
zwischen der Bevölkerung mit und ohne
Migrationshintergrund.
Die Daten zur Wohnsituation werden im
Mikrozensus alle vier Jahre, zuletzt 2014,
erhoben. Die verfügbaren Wohnflächen in
Familienhaushalten sowie die Eigentümer-
quoten sind bei Personen mit Migrations-
hintergrund zwischen 2010 und 2014 mehr-
heitlich gestiegen. Jedoch bestehen nach
wie vor große Unterschiede zur Bevölkerung
ohne Migrationshintergrund.
Kriminalität
Eine überdurchschnittlich hohe Kriminalität
bei einer Bevölkerungsgruppe weist auf eine
mangelnde gesellschaftliche Integration hin.
Im Fokus stehen insbesondere Jugendliche
und junge Erwachsene. Für diese Gruppe
In fast allen Bundesländern ist
der Anteil an ausländischen
Bezieherinnen und Beziehern
von Leistungen nach dem SGB
II zwischen 2013 und 2015
deutlich gesunken.
BESCHREIBUNG DER INTEGRATIONSINDIKATOREN

26
27
wird die Zahl der Tatverdächtigen (H1) und
der Verurteilten (H2) betrachtet.
Der Anteil der tatverdächtigen Ausländerinnen
und Ausländer an allen Tatverdächtigen hat
zwischen 2013 und 2015 in allen Ländern
zugenommen. Auch der Anteil der Auslän-
derinnen und Ausländer an den Verurteilten
stieg an.
Interkulturelle Öffnung
Seit 2011 präsentiert der Bericht zum
Integr
ationsmonitoring der Länder auch
Daten zum Thema Interkulturelle Öffnung.
Als Indikatoren werden die Erwerbstätigen
im Öffentlichen Dienst (I1) sowie die Ab-
geordneten in den Landesparlamenten (I2)
nach Migrationshintergrund ausgewertet.
Knapp ein Zehntel aller Erwerbstätigen im
Öffentlichen Dienst in Deutschland hat
einen Migrationshintergrund. Wie schon
in den Vorjahren stieg der Anteil zwischen
2013 und 2015 in einigen Bundesländern
an, in anderen ging er zurück. 2015 hatte
im Schnitt nur einer von 22 Abgeordneten
in den Landesparlamenten einen Migra-
tionshintergrund. Gegenüber 2013 ist der
Anteil in fast allen Bundesländern stabil
geblieben oder angestiegen.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
A MERKMALE DER BEVÖLKERUNG
MIT MIGRATIONSHINTERGRUND
A 1 Bevölkerung
Definition
Bevölkerung ohne und mit Migrationshin-
tergrund (differenziert nach Deutschen mit
Migrationshintergrund, EU-Ausländerinnen
und -Ausländern, Nicht-EU-Ausländerinnen
und-Ausländern, in Deutschland geboren,
im Ausland geboren) in den Altersgruppen 0
bis unter 3, 3 bis unter 6, 6 bis unter 18, 18
bis unter 25, 25 bis unter 65 Jahre und 65
Jahre und älter.
Empirische Relevanz
Die Daten zur Altersstruktur zeigen, dass
die Bevölkerung mit Migrationshinter-
grund durchschnittlich jünger ist als die
ohne Migrationshintergrund. Diese jüngere
Altersstruktur muss berücksichtigt werden,
wenn bestimmte Indikatoren wie die Positi-
onierung am Arbeitsmarkt oder die Einkom-
mensposition betrachtet werden.
Bewertung der Kennzahl
Wichtige Kennzahl zur Beschreibung der
demografischen Zusammensetzung der
Bevölkerung.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung auf
Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
Deutschland und seine Bevölkerung sind durch Zuwanderung
geprägt. Im Jahr 2015 hatten 16,3 Millionen Menschen in
Deutschland – ein Fünftel der Bevölkerung – einen Migrations-
hintergrund. Von diesen hatten 8,5 Millionen die deutsche
Staatsangehörigkeit beziehungsweise wurden 5,0 Millionen in
Deutschland geboren.
In Sachsen lebten 2015 ungefähr 215.000 Menschen mit einem
Migrationshintergrund. Dieser Kreis unterteilte sich in 92.000
Deutsche und 123.000 Personen ohne deutsche Staatsange-
hörigkeit. Damit lag der Anteil von Personen, die einen Migra-
tionshintergrund haben, bei 5,3 %. Dieser Wert entsprach
auch dem Durchschnitt der neuen Bundesländer (5,1 %). In der
Bundesrepublik lag dieser Wert bei 20,0 % und somit etwa
viermal so hoch.
Das Geschlechterverhältnis von Frauen und Männern mit
Migrationshintergrund ist ausgeglichen. Der Anteil von Männern
mit Migrationshintergrund an der männlichen Gesamtbevöl-
kerung war jeweils etwas höher als der entsprechende Anteil
der Frauen. Die Differenz der Anteile belief sich für Sachsen
auf 0,7 Prozentpunkte, für die neuen Bundesländer auf 0,8
Prozentpunkte und für den Bundesdurchschnitt auf 1,3 Pro-
zentpunkte.
Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund weist eine deutlich
jüngere Altersstruktur auf. Innerhalb dieser Gruppe lag in Sachsen
im Jahr 2015 der Anteil der unter 18-Jährigen bei 26,6 %. In
der Bevölkerungsgruppe ohne Migrationshintergrund waren
im Freistaat nur 14,0 % minderjährig (Differenz 12,6 Prozent-
punkte). Im Durchschnitt aller neuen Bundesländer war dieser
Unterschied geringfügig höher (Differenz 13,5 Prozentpunkte).
Die gesamte Bundesrepublik betrachtet, unterschied sich die
Altersstruktur zwischen Menschen mit und ohne Migrations-
hintergrund mit 11,5 Prozentpunkten.
MERKMALE DER BEVÖLKERUNG MIT MIGRATIONSHINTERGRUND

28
29
Abbildung 1:
Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund an der Bevölkerung im
Jahr 2015 nach Geschlecht (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
5,7
5,0
5,5
4,7
20,7
19,4
Männer
Frauen
Abbildung 2:
Anteil der Bevölkerung im Alter unter 18 Jahren an der jeweiligen
Bevölkerung im Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
14,0
26,6
13,7
27,2
13,6
25,1
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
A 2 Zu- und Fortzüge
Definition
Zahl der jährlichen Zuzüge aus dem Ausland
in die Bundesländer sowie Fortzüge aus
den Bundesländern in das Ausland nach
Staatsangehörigkeit (deutsch, ausländisch)
und Geschlecht.
Empirische Relevanz
Die Zu- und Fortzüge bilden die grenzüber-
schreitenden Wanderungsströme zwischen
den Bundesländern und dem Ausland nach
demografischen Merkmalen ab. Die Kenn-
zahl gibt Hinweise auf den demografischen
Wandel durch Wanderung.
Bewertung der Kennzahl
Die Zuzüge aus dem Ausland und die Fortzüge
in das Ausland sind aussagekräftige Kenn-
zahlen zum Wanderungsgeschehen. Einge-
schränkt wird die Aussagekraft aber durch
die fehlende Differenzierung der Deutschen
nach dem Migrationshintergrund.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Wanderungsstatistik (siehe Kapitel
Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Zu berücksichtigen ist, dass sich auch hinter
einem geringen Bevölkerungssaldo insge-
samt eine hohe Bevölkerungsfluktuation
verbergen kann.
Ergebnisse
Im Jahr 2015 sind in Sachsen deutlich mehr Ausländerinnen und
Ausländer eingewandert als abgewandert. Zu verzeichnen waren
61.126 Zuzüge und 18.801 Fortzüge und somit ein positives
Wanderungssaldo von 42.325 Personen. Dieses positive Wander-
ungssaldo durch ausländische Personen war ebenfalls in den
neuen Bundesländern (+ 149.143 Personen) sowie der gesamten
Bundesrepublik zu verzeichnen (+ 1.156.963 Personen).
Nach Geschlecht differenziert bestand sowohl ein Zuwachs von
Frauen als auch Männern, wobei der Zuwachs von Frauen geringer
ist als der von Männern. Dieser Trend zeigte sich sowohl in
Sachsen, in den neuen Bundesländern als auch in der gesamten
Bundesrepublik.
MERKMALE DER BEVÖLKERUNG MIT MIGRATIONSHINTERGRUND

30
31
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
männlich
weiblich
29.007
13.318
102.463
46.680
740.943
416.020
Abbildung 3:
Wanderungssaldo von Ausländerinnen und Ausländern im Jahr
2015 nach Geschlecht

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil der Deutschen mit Migrationshinter-
grund an den Personen mit Migrationshin-
tergrund im Alter von 18 und mehr Jahren.
Empirische Relevanz
Diese Kennzahl reflektiert einerseits Einbür-
gerungen der ausländischen Bevölkerung
und andererseits die Zuwanderung von
Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern.
Je höher der Anteil der Deutschen mit
Migrationshintergrund ist, desto größer ist
auch der Anteil derer mit vollen politischen
Partizipationsmöglichkeiten.
Bewertung der Kennzahl
Wichtiger Indikator für die politischen Parti-
zipationsmöglichkeiten.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung auf
Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
In Sachsen hatte 2015 circa jede dritte Person, die einen Migra-
tionshintergrund besaß, auch die deutsche Staatsangehörigkeit.
Dieser Anteil von 32,6 % war etwas geringer als im Vergleich zu
den neuen Bundesländern (36,0 %). Die gesamte Bundesrepublik
betrachtet, besaßen 44,3 % der Menschen mit Migrationshinter-
grund die deutsche Staatsangehörigkeit.
Frauen scheinen von der Option der Einbürgerung öfter Gebrauch
zu machen. Unter Frauen mit Migrationshintergrund war die
Quote derjenigen mit deutscher Staatsangehörigkeit höher als
unter Männern. In Sachsen lag der Anteil der Frauen (5,4 Pro-
zentpunkte) über dem entsprechenden Anteil der Männer. Die
neuen Bundesländer betrachtet war diese Differenz geringfügig
größer (6,6 Prozentpunkte). Im Bundesdurchschnitt gab es anteilig
kaum Unterschiede (2,7 Prozentpunkte Differenz).
A 3 Volljährige Deutsche mit Migrationshintergrund
MERKMALE DER BEVÖLKERUNG MIT MIGRATIONSHINTERGRUND

32
33
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
männlich
weiblich
30,1
35,5
32,9
39,5
43,0
45,7
Abbildung 4:
Anteil der Deutschen mit Migrationshintergrund an den Personen
mit Migrationshintergrund im Jahr 2015 nach Geschlecht (in %)

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil der für den Bundestag und die
Landtage wahlberechtigten Deutschen mit
Migrationshintergrund an allen Deutschen
im Alter von 18 Jahren und älter.
Empirische Relevanz
Die Kennzahl zeigt, wie groß der Anteil der
Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund
an der wahlberechtigten Bevölkerung ist.
Bewertung der Kennzahl
Wichtige Kennzahl für die politischen Partizi-
pationsmöglichkeiten.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung auf
Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
Im Jahr 2015 war der Anteil der wahlberechtigten Deutschen
mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung sehr
gering. Dieser Personenkreis hatte über Wahlen nur wenig
politischen Einfluss. Insbesondere in Sachsen hatten nur
1,5 % der wahlberechtigten Deutschen einen Migrationshin-
tergrund. Die Quote war in den neuen Bundesländern allgemein
gering (1,6 %). Das gesamte Bundesgebiet betrachtet, war der
Anteil der wahlberechtigten mit Migrationshintergrund dagegen
deutlich höher (8,8 %).
A 4 Wahlberechtigte Deutsche mit Migrationshintergrund
MERKMALE DER BEVÖLKERUNG MIT MIGRATIONSHINTERGRUND

34
35
Abbildung 5:
Anteil der für den Bundestag und die Landtage wahlberechtigten Deutschen mit Migrati-
onshintergrund an allen Deutschen im Alter von 18 Jahren und älter im Jahr 2015 nach Geschlecht (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
männlich
weiblich
1,6
1,5
1,6
1,6
8,9
8,7

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Menschen mit Migrationshintergrund nach
Lebensformen in Privathaushalten (Allein-
stehend, gleichgeschlechtliche Lebensge-
meinschaften, Ehepaare und Lebensge-
meinschaften ohne Kind, Ehepaare und
Lebensgemeinschaften mit Kindern unter
18 Jahren, Alleinerziehende). Die Prozentu-
ierung bezieht sich jeweils auf erwachsene
Personen.
Empirische Relevanz
Die Kennzahl zeigt die Verteilung der
erwachsenen Bevölkerung mit Migrations-
hintergrund über die verschiedenen Lebens-
formen mit Kindern und ohne Kinder.
Bewertung der Kennzahl
Die Daten zeigen die Vielfalt der Lebensfor-
men in der Bevölkerung und verweisen dabei
auf Unterschiede zwischen der Bevölkerung
mit und ohne Migrationshintergrund.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung
auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Gleichgeschlechtliche Lebensgemein-
schaften sind untererfasst. Aufgrund der
geringen Fallzahlen wird diese Gruppe in
der Regel nicht ausgewiesen.
Ergebnisse
Im Jahr 2015 lebte in Sachsen knapp ein Drittel (32,3 %)
der erwachsenen Bevölkerung mit Migrationshintergrund in
Paargemeinschaften mit minderjährigen Kindern und somit ein
deutlich höherer Anteil als unter Menschen ohne Migrations-
hintergrund (17,0 %). Dies ist wahrscheinlich auf die jüngere
Altersstruktur der Personen mit Migrationshintergrund zurück-
zuführen (siehe Indikator A1). Im Umkehrschluss waren Paare
ohne Kind viel häufiger ohne einen Migrationshintergrund
(44,3 %), während diese partnerschaftliche Lebensform nur für
27,5 % der Menschen mit Migrationshintergrund zutraf. Der
Anteil alleinstehender Personen war in Sachsen nahezu identisch
zwischen Menschen mit Migrationshintergrund (30,4 %) und
Menschen ohne diesen (29,5 %).
Betrachtet man Menschen mit Migrationshintergrund, so
waren Männer häufiger alleinstehend als Frauen. Insbesondere
in Sachsen war der Männeranteil dieses Personenkreises fast
doppelt so hoch (20,5 Prozentpunkte Differenz). Ein ähnliches
Geschlechterverhältnis fand sich in den neuen Bundesländern
(19 Prozentpunkte Differenz). Im Bundesdurchschnitt glichen
sich die Quoten der Alleinstehenden unter Männern und Frauen
aneinander an (7,5 Prozentpunkte Differenz). Hier ist zu beachten,
dass die Grundgesamtheit in den alten Bundesländern eine
deutlich andere Zusammensetzung in Hinblick auf Menschen
mit Migrationshintergrund aufweist (siehe Indikator A1).
A 5 Lebensformen
MERKMALE DER BEVÖLKERUNG MIT MIGRATIONSHINTERGRUND

36
37
Abbildung 6:
Anteile der Lebensformen in Sachsen im Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Alleinstehend
Personen in
Paargemeinschaften
ohne Kind
30,4
29,5
27,5
44,3
32,3
17,0
Eltern in Paargem.
mit Kind(ern) unter
18 Jahren
Alleinerz. Elternteil
mit Kind(ern) unter
18 Jahren
Eltern mit jüngstem
Kind ab 18 Jahren
3,8
2,8
5,7
6,2
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
männlich
weiblich
39,9
19,4
40,2
21,2
28,7
21,2
Abbildung 7:
Anteil der Alleinstehenden an allen Lebensformen von Menschen mit Migrations-
hintergrund im Jahr 2015 nach Geschlecht (in %)

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Zahl der jährlichen Erstanträge auf Asyl
beim BAMF in den Bundesländern nach
Altersgruppen, Geschlecht und Herkunft.
Empirische Relevanz
Erstanträge auf Asyl ziehen Asylverfahren
nach sich.
Bewertung der Kennzahl
Nach der Registrierung, der Verteilung der
Asylbegehrenden innerhalb Deutschlands
nach dem Königsteiner Schlüssel und der
Unterbringung in den Erstaufnahmeeinrich-
tungen der Bundesländer wird in der dort
zuständigen Außenstelle des Bundesamtes
für Migration und Flüchtlinge der Asylerst-
antrag gestellt. Nicht alle Außenstellen des
Bundesamts bearbeiten alle Herkunftsstaa-
ten. Aufgrund des hohen Zuzugs und der
begrenzten Kapazitäten des BAMF für die
Antragsannahme entsprechen die Zahlen nur
einem Teil der insgesamt aufgenommenen
Asylsuchenden. Dies gilt insbesondere für
das Jahr 2015.
Datenquelle
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge,
Asylgeschäftsstatistik (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Es handelt sich um Erstanträge (keine
Folgeanträge). Asylfolgeanträge sind nicht
aufgeführt, da diese quantitativ nicht bedeut-
sam sind. Aufgenommene Asylsuchende des
Jahres 2015, deren Anträge aufgrund des
hohen Zuzugs und der begrenzten Kapazitä-
ten des BAMF erst verzögert angenommen
werden konnten, sind untererfasst und zum
restlichen Teil erst in den Zahlen für 2016
ausgewiesen.
Ergebnisse
Im Jahr 2015 wurden in Sachsen 27.180 Erstanträge auf Asyl
gestellt.
Von den Erstanträgen entfielen in Sachsen 77,2 % auf die vom
BAMF identifizierten Hauptherkunftsländer Syrien, Afghanistan,
Albanien, Albanien, Kosovo, Irak, Pakistan, Serbien, Eritrea,
Mazedonien sowie auf Antragsstellerinnen und Antragsteller
ungeklärter Herkunft. Genauer aufgeschlüsselt stammten die
größten Herkunftsgruppen im Freistaat aus Syrien (32,5 %) und
Afghanistan (11,6 %). Weitere Asylsuchende kamen zudem aus
den Herkunftsländern Albanien (8,0 %), Kosovo (7,0 %), Irak
(6,5 %) und Pakistan (5,1 %).
Die deutliche Mehrheit der Asylsuchenden war männlich
(73,6 %). Diese Quote unterschied sich nur geringfügig von
den neuen Bundesländern (71,8 %) und dem Bundesdurch-
schnitt (69,2 %).
A 6 Asylerstanträge
MERKMALE DER BEVÖLKERUNG MIT MIGRATIONSHINTERGRUND

38
39
Syrien,
Arabische Republik
Abbildung 8:
Erstanträge auf Asyl in Sachsen im Jahr 2015 nach Herkunftsland (in %)
32,5
11,6
8,0
7,0
6,5
5,1
2,5
2,4
1,1
0,5
Afghanistan
Albanien
Kosovo
Irak
Pakistan
Serbien
Eritrea
Mazedonien
Ungeklärt
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
männlich
weiblich
73,6
26,4
71,8
28,2
69,2
30,8
Abbildung 9:
Anteil der Asylerstanträge im Jahr 2015 nach Geschlecht (in %)

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Zahl der jährlichen Asylerstanträge beim
BAMF von Asylsuchenden aus sicheren
Herkunftsstaaten, aus Herkunftsstaaten mit
einer Gesamtschutzquote von mindestens
50 Prozent sowie aus den übrigen Staaten
bezogen auf die Gesamtzahl der jährlichen
Asylerstanträge, nach Geschlecht.
Empirische Relevanz
Die Bleibeperspektive von Asylsuchenden
in Deutschland unterscheidet sich je nach
Herkunftsstaat. Der Asylantrag eines Asylsu-
chenden aus einem sicheren Herkunftsstaat
(Staat im Sinne des Artikels 16a Abs. 3 Satz 1
des Grundgesetzes) ist nach § 29a AsylG als
„offensichtlich unbegründet“ abzulehnen,
sofern er/sie nicht hinreichend belegen kann,
dass ihm/ihr abweichend von der allge-
meinen Lage im Herkunftsstaat politische
Verfolgung droht. Sichere Herkunftsstaaten
sind die Mitgliedstaaten der Europäischen
Union und die in Anlage II AsylG aufgeführten
Staaten. Die Gesamtschutzquote bezogen
auf Herkunftsstaaten umfasst die Anzahl
der Asylanerkennungen, der Gewährungen
von Flüchtlingsschutz und der Feststellungen
eines Abschiebeverbotes bezogen auf die
Gesamtzahl der diesbezüglichen Entschei-
dungen des Bundesamts für Migration und
Flüchtlinge im betreffenden Zeitraum.
Bewertung der Kennzahl
Die Bleibeperspektive ist ein maßgeblicher
Faktor für die Ausgangslage und die Chancen
des Integrationsprozesses. Sie ist mitbestim-
mend für die Komplexität und Dauer des
Asylverfahrens und für den Zugang zu Inte-
grationsmaßnahmen wie Integrationskurse
des Bundes für Asylbewerber/innen.
Datenquelle
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge,
Asylgeschäftsstatistik (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Liste der sicheren Herkunftsstaaten
gemäß Anlage II AsylG hat sich im Laufe des
Berichtszeitraums geändert. Aggregiert
wurden die Asylanträge derjenigen Staaten,
die zum Zeitpunkt des Antrags als sichere
Herkunftsstaaten eingestuft waren. Nicht
in der Gesamtschutzquote berücksichtigt
sind jene Asylanträge, die durch das BAMF
abgelehnt, aber später vor einem Verwal-
tungsgericht eingeklagt wurden.
A 7 Asylerstanträge nach Bleibeperspektive der Asylsuchenden
MERKMALE DER BEVÖLKERUNG MIT MIGRATIONSHINTERGRUND

40
41
aus sicheren Herkunftsstaaten
aus Herkunftsstaaten mit Gesamtschutzquote >= 50 %
aus anderen Herkunftsstaaten
Ergebnisse
Wie im Abschnitt zu Indikator A6 dargestellt, wurden im Jahr 2015 in
Sachsen 27.180 Erstanträge auf Asyl gestellt (441.899 bundesweit). Diese
wurden hier nach Bleibeperspektive der Asylsuchenden unterschieden.
In Sachsen stammte eine Vielzahl der Asylsuchenden (43,6 % - 11.857
Personen) aus Herkunftsstaaten mit einer Gesamtschutzquote von
über 50 %. Nur ein sehr geringer Anteil der Asylsuchenden (3,9 % -
1.056 Personen) stammte aus Ländern, die zum Zeitpunkt der Antrag-
stellung als sichere Herkunftsstaaten deklariert waren. Die übrigen
Erstantragstellenden in Sachsen (52,5 % - 14.267 Personen) kamen
aus anderen Herkunftsstaaten, über deren Anerkennungschancen
keine pauschalen Aussagen zu treffen sind.
In den neuen Bundesländern sowie im Bundesdurchschnitt bildeten
Asylsuchende aus sicheren Herkunftsländern nur eine kleine Gruppe
(6,0 % und 8,8 %). Der Anteil von Personen aus Ländern mit einer
Schutzquote von über 50 % war außerhalb Sachsens noch einmal
deutlich höher und lag somit in den neuen Bundesländern bei 54,7 %
und im gesamten Bundesgebiet bei 50 %.
Abbildung 10:
Asylanträge 2015 nach Bleibeperspektive der Asylsuchenden (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
3,9
43,6
52,2
6,0
54,7
39,3
8,8
50,0
41,2
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Zahl der Inobhutnahmen unbegleiteter
minder
jähriger Ausländerinnen und Ausländer
in den Bundesländern nach Geschlecht und
Altersgruppen.
Empirische Relevanz
Unbegleitet einreisende oder nach der
Einreise ohne Begleitung zurückgelassene
Minderjährige, die keine Sorge- oder Erzie-
hungsberechtigten in Deutschland haben,
sind eine relativ kleine, aber besonders
schutzbedürftige Personengruppe, deren
Zahl kontinuierlich ansteigt. Für unbegleitete
minderjährige Ausländerinnen und Ausländer
veranlasst das Jugendamt unverzüglich die
Bestellung eines Vormunds oder Pflegers, der
die Einleitung eines Asylverfahrens prüft und
gegebenenfalls betreut. Bei unbegleiteten
minderjährigen Ausländerinnen und Ausländer
soll im Spannungsfeld von Aufenthalts- und
Jugendhilferecht immer das Kindeswohl im
Vordergrund stehen, auch wenn keine kon-
krete Gefahrensituation vorliegt. Das Kindes-
wohl hat in diesem Fall Vorrang vor asyl-
und aufenthaltsrechtlichen Fragen. Priorität
hat dabei die Familienzusammenführung.
Bewertung der Kennzahl
Minderjährigkeit erfordert in Zweifels-
fällen die Festlegung des Alters durch
Inaugenscheinnahme. Nur für einen Teil
der unbegleiteten Minderjährigen wird ein
Asylantrag gestellt, etwa weil sie nach der
Inobhutnahme weiterreisen, wegen der
nachträglichen Feststellung der Volljäh-
rigkeit aus der Inobhutnahme entlassen
werden oder sie bzw. ihre gesetzlichen
Vertreter/innen das Aufenthaltsrecht auf
anderem Wege zu erlangen suchen. Mehr-
fachzählungen sind möglich.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Kinder- und Jugendhilfestatistik (siehe
Kapitel Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Nach einer Gesetzesänderung im SGB VIII
wird ab dem Berichtsjahr 2014 nicht mehr
nach der Art der vorläufigen Schutzmaß-
nahme (Inobhutnahme bzw. Herausnahme)
unterschieden. Bis Oktober 2015 war
das Jugendamt vor Ort zuständig, sobald
festgestellt wurde, dass ein Kind bzw.
Jugendlicher unbegleitet nach Deutschland
gekommen ist und sich weder Personen-
sorge- noch Erziehungsberechtigte im
Inland aufhalten (Inobhutnahmen nach §42
SGB VIII). Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes
zur Verbesserung der Unterbringung, Versor-
gung und Betreuung ausländischer Kinder
und Jugendlicher am 28. Oktober 2015
erfolgt die deutschlandweite Verteilung der
unbegleiteten Minderjährigen nach dem
Königsteiner Schlüssel. Bis zur endgültigen
Zuweisung nehmen die Jugendämter vor
Ort die Minderjährigen in Obhut (vorläu-
fige Inobhutnahmen nach §42a SGB VIII).
Nach der gleichmäßigen Verteilung auf die
Bundesländer ist das jeweils übernehmende
Jugendamt für die Inobhutnahme und die
weitere Unterbringung der Kinder und Ju-
gendlichen zuständig. Die Zahlen beinhalten
die Inobhutnahmen nach §42 SGB VIII. Eine
Ausweitung auf vorläufige Inobhutnahmen
nach §42a SGB VIII erfolgt ab 2017.
MERKMALE DER BEVÖLKERUNG MIT MIGRATIONSHINTERGRUND
A 8 Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen
und Ausländer (umA)

42
43
Abbildung 11:
Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen und
Ausländer durch Jugendämter im Jahr 2015 nach Geschlecht
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
männlich
weiblich
1.309
51
3.489
215
38.690
3.619
Ergebnisse
Im Jahr 2015 wurden in Sachsen 1.360 unbegleitete minderjähri-
ge Ausländerinnen und Ausländer (umA) von den zuständigen
Jugendämtern in Obhut genommen. In den neuen Bundesländern
wurden insgesamt 3.704 Kinder und Jugendliche betreut. Deutsch-
landweit belief sich die Zahl dieser Personengruppe auf 42.309.
Der überwiegende Teil der Inobhutnahmen Minderjähriger betraf
Jungen und nur eine geringe Anzahl Mädchen. In Sachsen lag
das Verhältnis bei 51 Mädchen zu 1.909 Jungen. Im Bundes-
durchschnitt war der Anteil der Mädchen ebenfalls sehr gering,
allerdings im Verhältnis deutlich größer als in Sachsen (3.619
Mädchen – 38.690 Jungen).

IM JAHR 2015 LEBTEN IN SACHSEN
164.230 AUSLÄNDERINNEN UND AUSLÄNDER.
DIE GESAMTBEVÖLKERUNG VON SACHSEN
LAG IM GLEICHEN JAHR BEI
4.084.851 PERSONEN.

44
45
B RECHTLICHE
INTEGRATION
Definition
Zahl der Ausländerinnen und Ausländer
nach Aufenthaltsstatus. Unterschieden
werden Personen mit langfristigem Auf-
enthaltsrecht, Personen ohne langfristiges
Aufenthaltsrecht sowie Personen mit
Duldung (vorübergehende Aussetzung der
Abschiebung) beziehungsweise Aufenthalts-
gestattung (Asylsuchende).
Empirische Relevanz
Der Aufenthaltsstatus beschreibt den
Zustand der Sicherheit/Unsicherheit des
Aufenthalts in Deutschland. Die Abstufung
reicht von dauerhaft sicher (EU-Aufent-
haltsrecht, Niederlassungserlaubnis) über
vorübergehend sicher (Aufenthaltserlaubnis)
bis zum unsicheren Status der Duldung bzw.
der Gestattung. Einen dauerhaft sicheren
Aufenthalt haben nach fünf Jahren Aufent-
halt in der Regel alle EU-Bürgerinnen und
-Bürger, Staatsangehörige der EWR-Staaten
(Norwegen, Island und Liechtenstein) sowie
der Schweiz und der Türkei aufgrund der
EWR/EFTA-Abkommen bzw. des Assozia-
tionsvertrags mit der Türkei. Bei anderen
Drittstaatenangehörigen haben einen
langfristigen Aufenthaltsstatus: Personen
mit Niederlassungserlaubnis, Daueraufent-
haltserlaubnis EU, Aufenthaltskarte nach §5
FreizügG/EU, Aufenthaltsberechtigung (alt),
unbefristeter Aufenthaltserlaubnis (alt). Ein
langfristig gesichertes Aufenthaltsrecht
ist in der Regel Voraussetzung für einen
erfolgreichen Integrationsprozess.
Bewertung des Indikators
Der Indikator differenziert die Gruppe der
Ausländerinnen und Ausländer nach Aufent-
haltsstatus. Je höher die Zahl der Personen
mit Niederlassungserlaubnis, desto höher ist
auch mittel- bis langfristig das Potenzial für
Einbürgerungen. Die Niederlassungserlaubnis
berechtigt in allen Fällen zur Ausübung
einer Erwerbstätigkeit, bei der Aufent-
haltserlaubnis ist dies nicht immer der Fall,
in gesetzlich geregelten Fällen ist sie von
der Zustimmung der Arbeitsverwaltung
abhängig. Die Aufenthaltsgestattung und
die Duldung erlauben die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit nur in bestimmten Fällen.
Datenquelle
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge,
Ausländerzentralregister (AZR) (siehe Kapi-
tel Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Angaben des AZR basieren in der Haupt-
sache auf den gemeldeten Daten der Auslän-
derbehörden. Das AZR erfasst grundsätzlich
Daten über Ausländerinnen und Ausländer,
die sich voraussichtlich länger als drei
Monate in Deutschland aufhalten. Personen
mit langfristigem Aufenthaltsrecht aus den
EU-Staaten, den EWR-Staaten, der Schweiz
und der Türkei mit einer Aufenthaltsdauer
ab fünf Jahren werden grundsätzlich als
Personen mit langfristigem Aufenthalts-
recht berücksichtigt, es sei denn, es ist als
aktuelles Aufenthaltsrecht eine Duldung,
Aufenthaltsgestattung oder gar kein Auf-
enthaltsrecht auf Grund einer bestehenden
Ausreiseverpflichtung vermerkt.
B 1 Ausländerinnen und Ausländer nach Aufenthaltsstatus

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Ergebnisse
Im Jahr 2015 lebten in Sachsen 164.230 Ausländerinnen und
Ausländer. Die Gesamtbevölkerung von Sachsen lag im gleichen
Jahr bei 4.084.851 Personen.
18
Fast die Hälfte der Ausländerin-
nen und Ausländer im Freistaat (46,5 %) hatte ein langfristiges
Aufenthaltsrecht. Überwiegend bestand diese Gruppe aus
EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern. Die übrigen 53,5 % der
Ausländerinnen und Ausländer waren Menschen ohne langfris-
tiges Aufenthaltsrecht.
Diese Quote war durchaus typisch für die neuen Bundeslän-
der. Hier hatten 476.631 Ausländerinnen und Ausländer zu
47,6 % ein langfristiges Aufenthaltsrecht und zu 52,4 % dieses
nicht. Die Anteile im Bundesdurchschnitt waren dazu sehr
verschieden. Durch einen höheren Anteil von EU-Bürgerinnen
und EU-Bürgern waren unter den 9.107.893 der ausländischen
Bevölkerung deutschlandweit 73,1 % mit langfristigem Aufent-
haltsrecht.
Bei der ausländischen Bevölkerung ohne langfristiges Aufent-
haltsrecht in Sachsen im Jahr 2015 handelte es sich um 55.729
Männer und 32.034 Frauen. In beiden Gruppen hatten die
meisten von ihnen eine befristete Aufenthaltserlaubnis (50,4 %
der Frauen und 33,8 % der Männer).
Personen aus Drittstaaten ohne langfristiges Aufenthaltsrecht
sind überwiegend erst seit kurzer Zeit in der Bundesrepublik.
In Sachsen traf dies auf 83,0 % dieses Personenkreises zu.
Kumuliert 17,0 % der Drittstaatsangehörigen ohne langfristi-
ges Aufenthaltsrecht hatten in Sachsen eine Aufenthaltsdauer
von mindestens fünf Jahren. Diese Quoten entsprachen auch
dem Wert für die neuen Bundesländer. Auf Bundesebene fiel
der Anteil derjenigen mit kürzerer Aufenthaltsdauer etwas
geringer aus (72,7 %).
18
https://www.statistik.sachsen.de/html/426.htm
RECHTLICHE INTEGRATION
B 1 Ausländerinnen und Ausländer nach Aufenthaltsstatus

46
47
Abbildung 12:
Ausländische Bevölkerung im Jahr 2015 nach Aufenthaltsrecht (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
46,5
53,5
47,6
52,4
73,1
26,9
mit langfristigem Aufenthaltsrecht
ohne langfristiges Aufenthaltsrecht
Abbildung 13:
Übrige Drittstaatsangehörige ohne langfristiges Aufenthaltsrecht im Jahr 2015
nach Aufenthaltsdauer (in %)
unter 5 Jahre
5 bis unter 10 Jahre
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
83,0
8,8
8,2
82,7
8,4
8,9
72,7
11,8
15,5
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
10 Jahre und länger

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Quotient aus der Anzahl der Einbürgerun-
gen und der Zahl der Ausländerinnen und
Ausländer mit einer Aufenthaltsdauer ab
8 Jahren insgesamt und differenziert nach
Geschlecht.
Empirische Relevanz
Einbürgerung ist Ausdruck gelingender Inte-
gration. Nur wer eingebürgert ist, verfügt
über alle staatsbürgerlichen Rechte und
Partizipationsmöglichkeiten.
Bewertung des Indikators
Indikator, der darauf hinweist, wie hoch
die Bereitschaft zur rechtlichen Integra-
tion ist. Eine steigende Einbürgerungsquote
deutet auf eine verstärkte Bereitschaft hin,
staatsbürgerliche Rechte wahrzunehmen und
Partizipationsmöglichkeiten zu nutzen.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Einbürgerungsstatistik und Bundesamt für
Migration und Flüchtlinge, Ausländerzent-
ralregister (AZR) (siehe Kapitel Datenquellen
Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Bei der Interpretation der Einbürgerungs-
quote I ist zu beachten, dass in ihre Berech-
nung die ausländischen Staatsangehörigen
mit einer Aufenthaltsdauer ab 8 Jahren
einbezogen werden, unabhängig davon, ob
sie alle weiteren rechtlichen Voraussetzungen
für eine Einbürgerung erfüllen und damit
Anspruch auf eine Einbürgerung haben.
Die Anzahl der Einbürgerungen ist auf die
Zahl der Ausländerinnen und Ausländer des
Vorjahres bezogen.
Ergebnisse
In Sachsen lag 2015 die Einbürgerungsquote unter Personen,
die mindestens eine Aufenthaltsdauer von 8 Jahren haben, bei
2,3 % und somit geringfügig unter dem Durchschnitt der neuen
Länder (2,5 %), aber über dem Bundesdurchschnitt (2,1 %).
Die Einbürgerungsquote war bei den Frauen höher als bei
den Männern. Dieser Unterschied zeigte sich insbesondere in
Sachsen (0,5 Prozentpunkte Differenz) und den neuen Bundes-
ländern (0,6 Prozentpunkte Differenz). Im Bundesdurchschnitt
näherten sich die Einbürgerungsquoten von Frauen und Männern,
die das Kriterium der Aufenthaltsdauer von mindestens 8 Jahren
erfüllen, aneinander an (0,3 Prozentpunkte Differenz).
B 2a Einbürgerungsquote I
RECHTLICHE INTEGRATION

48
49
Abbildung 14:
Einbürgerungen unter Ausländerinnen und Ausländern mit einer
Aufenthaltsdauer ab 8 Jahren im Jahr 2015 nach Geschlecht (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
2,1
2,6
2,2
2,8
1,9
2,2
Männer
Frauen

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Quotient aus der Anzahl der Einbürgerun-
gen und der Zahl der Ausländerinnen und
Ausländer insgesamt und differenziert nach
Geschlecht.
Empirische Relevanz
Einbürgerung ist Ausdruck gelingender Integ-
ration. Nur wer eingebürgert ist, verfügt über
alle staatsbürgerlichen Rechte und Partizipa-
tionsmöglichkeiten.
Bewertung des Indikators
Indikator, der darauf hinweist, wie hoch
die Bereitschaft zur rechtlichen Integra-
tion ist. Eine steigende Einbürgerungsquote
deutet auf eine verstärkte Bereitschaft hin,
staatsbürgerliche Rechte wahrzunehmen und
Partizipationsmöglichkeiten zu nutzen.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Einbürgerungsstatistik und Bundesamt für
Migration und Flüchtlinge, Ausländerzent-
ralregister (AZR) (siehe Kapitel Datenquellen
Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Um die Ergebnisse des Monitorings mit vorlie-
genden Statistiken zur Einbürgerungsentwick-
lung vergleichen zu können, wird ergänzend
zu Indikator B2a auch die Einbürgerungsquote
ohne Berücksichtigung einer 8-jährigen
Aufenthaltszeit angegeben. Die Anzahl der
Einbürgerungen ist auf die Zahl der Auslände-
rinnen und Ausländer des Vorjahres bezogen.
Die Einbürgerungsquote in den Bundesländern
bezogen auf alle Ausländerinnen und Ausländer
ist per definitionem kleiner als die Einbürge-
rungsquote I. Sie weist darüber hinaus aber
auch auf Besonderheiten in der Zusammenset-
zung der ausländischen Bevölkerung bezüglich
der Aufenthaltsdauer hin.
Ergebnisse
Die Einbürgerungsquote unter allen Ausländerinnen und Aus-
ländern lag in Sachsen 2015 bei 1,0 % und war somit identisch
mit der der neuen Bundesländer. In Deutschland lag der Anteil
der Einbürgerung geringfügig höher (1,3 %).
Die Einbürgerungsquote von ausländischen Frauen war höher
als die Einbürgerungsquoten von ausländischen Männern. Der
Anteilsunterschied zwischen Männern und Frauen lag in Sachsen,
den neuen Bundesländern sowie im Bundesdurchschnitt bei
0,3 Prozentpunkten Differenz.
B 2b Einbürgerungsquote II
RECHTLICHE INTEGRATION

50
51
Abbildung 15:
Einbürgerungen unter allen Ausländerinnen und Ausländern
im Jahr 2015 nach Geschlecht (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
0,9
1,2
0,9
1,2
1,2
1,5
männlich
weiblich

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
C KINDERTAGESBETREUUNG UND
SPRACHKENNTNISSE
Definition
Anteil der Kinder unter 3 Jahren in Kinder-
tageseinrichtungen nach Migrationshinter-
grund (ausländische Herkunft mindestens
eines Elternteils) und Geschlecht an allen
Kindern dieser Altersgruppe in Kindertages-
einrichtungen.
Empirische Relevanz
Die frühkindliche Förderung hat für den
gesamten Bildungserfolg eine zentrale
Bedeutung. Insbesondere wird der Ent-
wicklung der sprachlichen Fähigkeiten eine
Schlüsselrolle bei der Integration zuerkannt,
da von den Sprachkenntnissen der Zugang
zu Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt
abhängt. Der Ausbau der frühkindlichen
Betreuung in Kindertageseinrichtungen ist
daher ein wichtiges familien- und integrati-
onspolitisches Ziel der Länder.
Bewertung des Indikators
Der Indikator beschreibt die Zusammenset-
zung der Kinder in frühkindlicher Betreuung
in Kindertageseinrichtungen nach dem
Migrationshintergrund.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Kinder- und Jugendhilfestatistik (siehe
Kapitel Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die im Rahmen der Kinder- und Jugend-
hilfestatistik durchgeführte Erhebung zu
„Kindern und tätigen Personen in Tages-
einrichtungen“ ist eine jährliche Totaler-
hebung aktuell zum Stichtag 1. März, die
seit dem Jahr 2006 mit einem erweiterten
Merkmalsumfang durchgeführt wird. Erfragt
wird in diesem Zuge für jedes Kind, ob
mindestens ein Elternteil eine ausländische
Herkunft besitzt. Somit erfasst die Kinder-
und Jugendhilfestatistik den Migrations-
hintergrund weniger umfassend als der
Mikrozensus. Zusätzlich zur ausländischen
Herkunft der Eltern beziehungsweise eines
Elternteils wird in der Erhebung „Kinder
und tätige Personen in Tageseinrichtungen“
nach der vorrangig in der Familie gespro-
chenen Sprache (Deutsch – nicht-Deutsch)
gefragt. Für den Indikator C1a wird das
Merkmal der ausländischen Herkunft
mindestens eines Elternteils verwendet.
Die Gruppe der Kinder mit mindestens
einem Elternteil ausländischer Herkunft
ist zahlenmäßig größer als die Gruppe
der Kinder, die zu Hause vorrangig nicht
Deutsch spricht. Kinder in Kindertages-
pflege werden im vorliegenden Indikator
nicht berücksichtigt.
C 1a Kinder im Alter von unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen
KINDERTAGESBETREUUNG UND SPRACHKENNTNISSE

52
53
Abbildung 16:
Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund im Alter von unter 3 Jahren in Kinder-
tageseinrichtungen im Jahr 2015 nach Geschlecht (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
4,7
5,2
4,6
4,7
20,5
20,1
männlich
weiblich
Ergebnisse
In sächsischen Kindertagesstätten lag 2015 der Anteil der Kinder
mit Migrationshintergrund in der Altersgruppe unter 3 Jahre bei
4,9 %. Dieser Wert entsprach damit dem Durchschnitt der neuen
Bundesländer (4,7 %). Der Bundesdurchschnitt war mit 20,3 % um
ein Vielfaches höher. Dies korrespondierte mit dem deutlich höheren
Anteil von Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbe-
völkerung Deutschlands (siehe Indikator A1 Seite 28-29).
Wie auch bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund waren
die Geschlechterunterschiede sehr gering. Mädchen mit Migrations-
hintergrund unter 3 Jahren hatten in sächsischen Kindertagesein-
richtungen einen leicht höheren Anteil als Jungen (0,5 Prozentpunkte
Differenz). In den neuen Bundesländern waren die Anteile nahezu
identisch (0,1 Prozentpunkte Differenz).

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Betreuungsquote von Kindern unter 3 Jahren
mit und ohne Migrationshintergrund in
Kindertagesbetreuung.
Empirische Relevanz
Die frühkindliche Förderung hat für den
gesamten Bildungserfolg eine zentrale Be-
deutung. Insbesondere wird der Entwicklung
der sprachlichen Fähigkeiten eine Schlüssel-
rolle bei der Integration zuerkannt, da von
den Sprachkenntnissen der Zugang zu Bil-
dung, Ausbildung und Arbeitsmarkt abhängt.
Der Ausbau der frühkindlichen Tagesbetreu-
ung ist daher ein wichtiges familien- und
integrationspolitisches Ziel der Länder.
Bewertung des Indikators
Der Indikator vergleicht die Betreuungsquo-
ten von Kindern mit und ohne Migrations-
hintergrund. Unter dem Gesichtspunkt der
Integration ist eine hohe Betreuungsquote
von Kindern mit Migrationshintergrund
wünschenswert.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Län-
der, Kinder- und Jugendhilfestatistik, Be-
völkerungsfortschreibung und Mikrozensus
(AZR) (siehe Kapitel Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die im Rahmen der Kinder- und Jugend-
hilfestatistik durchgeführte Erhebung zu
„Kindern und tätigen Personen in Tages-
einrichtungen“ ist eine jährliche Totaler-
hebung aktuell zum Stichtag 1. März, die
seit dem Jahr 2006 mit einem erweiterten
Merkmalsumfang durchgeführt wird. Er-
fragt wird in diesem Zuge für jedes Kind,
ob mindestens ein Elternteil eine auslän-
dische Herkunft besitzt. Für den Indikator
C1b wird das Merkmal der ausländischen
Herkunft mindestens eines Elternteils ver-
wendet. Aus dem Mikrozensus wird dieses
Merkmal ebenfalls ausgewertet und sein
Anteil auf die Bevölkerung der gleichen
Altersklasse in der Bevölkerungsfort-
schreibung übertragen. Aus der Anzahl der
Kinder mit Migrationshintergrund in der
Kindertagesbetreuung und der berechne-
ten Anzahl der Kinder mit Migrationshin-
tergrund aus der Bevölkerungsfortschrei-
bung kann eine Betreuungsquote ermittelt
werden. Ab dem Jahr 2017 wird der Mikro-
zensus Fragen zur Inanspruchnahme und
Art der Kindertagesbetreuung enthalten.
Aufgrund zu schwacher Besetzungszahlen
in mindestens einer der beiden Altersgrup-
pen 0 bis unter 3 und 3 bis unter 6 Jahren
in Berlin, in Hamburg, im Saarland, in
Bremen sowie den ostdeutschen Bundes-
ländern werden migrationsspezifische Be-
treuungsquoten dort nicht nachgewiesen.
Grund hierfür ist, dass die Stichprobenba-
sis beim Mikrozensus Zufallsfehler bedingt
und damit einen einfachen relativen
Standardfehler, der umso größer wird, je
schwächer ein Merkmal besetzt ist. Über
den Nachweis für einzelne Länder mit
ausreichenden Fallzahlen hinaus erfolgt
daher die Darstellung der Ergebnisse für
die ostdeutschen Bundesländer insgesamt
(ohne Berlin), für die westdeutschen Bun-
desländer insgesamt (ohne Berlin) sowie
auf der Ebene des Bundes (mit Berlin).
C 1b Betreuungsquote von Kindern im Alter von unter 3 Jahren
Ergebnisse
Aufgrund der zu geringen Fallzahlen lassen sich für diesen
Indikator keine validen Angaben für Sachsen und die neuen
Bundesländer machen.
KINDERTAGESBETREUUNG UND SPRACHKENNTNISSE

54
55
UNTER DEM GESICHTSPUNKT DER INTEGRATION
IST EINE HOHE BETREUUNGSQUOTE
VON KINDERN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND
WÜNSCHENSWERT.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil der Kinder (3 bis unter 6 Jahre) in
Kindertageseinrichtungen nach Migrations-
hintergrund (ausländische Herkunft min-
destens eines Elternteils) und Geschlecht
an allen Kindern dieser Altersgruppe in
Kindertageseinrichtungen.
Empirische Relevanz
Die frühkindliche Förderung hat für den
gesamten Bildungserfolg eine zentrale
Bedeutung. Insbesondere wird der Ent-
wicklung der sprachlichen Fähigkeiten eine
Schlüsselrolle bei der Integration zuerkannt,
da von den Sprachkenntnissen der Zugang
zu Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt
abhängt. Der Ausbau der frühkindlichen
Betreuung in Kindertageseinrichtungen ist
daher ein wichtiges familien- und integrati-
onspolitisches Ziel der Länder.
Bewertung des Indikators
Der Indikator beschreibt die Zusammenset-
zung der Kinder in frühkindlicher Betreuung
in Kindertageseinrichtungen nach dem
Migrationshintergrund.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Kinder- und Jugendhilfestatistik (siehe
Kapitel Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die im Rahmen der Kinder- und Jugend-
hilfestatistik durchgeführte Erhebung zu
„Kindern und tätigen Personen in Tages-
einrichtungen“ ist eine jährliche Totaler-
hebung aktuell zum Stichtag 1. März, die
seit dem Jahr 2006 mit einem erweiterten
Merkmals
umfang durchgeführt wird.
Erfragt wird in diesem Zuge für jedes Kind,
ob mindestens ein Elternteil eine auslän-
dische Herkunft besitzt. Somit erfasst die
Kinder- und Jugendhilfestatistik den Migra-
tionshintergrund weniger umfassend als der
Mikrozensus. Zusätzlich zur ausländischen
Herkunft der Eltern beziehungsweise eines
Elternteils wird in der Erhebung „Kinder
und tätige Personen in Tageseinrichtungen“
nach der vorrangig in der Familie gespro-
chenen Sprache (Deutsch – nicht-Deutsch)
gefragt. Für den Indikator C2a wird das
Merkmal der ausländischen Herkunft
mindestens eines Elternteils verwendet. Die
Gruppe der Kinder mit mindestens einem
Elternteil ausländischer Herkunft ist zahlen-
mäßig größer als die Gruppe der Kinder, die
zu Hause vorrangig nicht Deutsch spricht.
Kinder in Kindertagespflege werden im vor-
liegenden Indikator nicht berücksichtigt.
C 2a Kinder im Alter von 3 bis unter 6 Jahren in Kindertageseinrichtungen
KINDERTAGESBETREUUNG UND SPRACHKENNTNISSE

56
57
Abbildung 17:
Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund im Alter von 3 bis unter 6 Jahren in
Kindertageseinrichtungen im Jahr 2015 nach Geschlecht (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
7,3
7,5
6,8
6,8
29,1
28,8
männlich
weiblich
Ergebnisse
Im Jahr 2015 hatten 7,4 % der Kinder im Alter von 3 bis unter
6 Jahren in den Kindertagesstätten im Freistaat Sachsen einen
Migrationshintergrund. Diese Quote lag leicht über dem Durch-
schnitt der neuen Bundesländer (6,8 %). Der Anteil dieser Kinder
in den Kindertagesstätten der gesamten Bundesrepublik war mit
28,9 % deutlich höher.
Es zeigten sich keine Unterschiede im jeweiligen Anteil unter Jungen und
Mädchen mit Migrationshintergrund dieser Altersgruppe. In Sachsen un-
terschied sich die Quote um 0,2 Prozentpunkte. Auch auf Bundes-
ebene war eine Differenz von 0,3 Prozentpunkten auszumachen.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Betreuungsquote von Kindern von 3 bis
unter 6 Jahren mit und ohne Migrations-
hintergrund in Kindertagesbetreuung.
Empirische Relevanz
Die frühkindliche Förderung hat für den
gesamten Bildungserfolg eine zentrale
Bedeutung. Insbesondere wird der Ent-
wicklung der sprachlichen Fähigkeiten eine
Schlüsselrolle bei der Integration zuerkannt,
da von den Sprachkenntnissen der Zugang
zu Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt ab-
hängt. Der Ausbau der frühkindlichen Tages-
betreuung ist daher ein wichtiges familien-
und integrationspolitisches Ziel der Länder.
Bewertung des Indikators
Der Indikator vergleicht die Betreuungsquoten
von Kindern mit und ohne Migrationshinter-
grund. Unter dem Gesichtspunkt der
Integration ist eine hohe Betreuungsquote
von Kindern mit Migrationshintergrund
wünschenswert.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Kinder- und Jugendhilfestatistik, Bevölke-
rungsfortschreibung und Mikrozensus (siehe
Kapitel Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die im Rahmen der Kinder- und Jugend-
hilfestatistik durchgeführte Erhebung zu
„Kindern und tätigen Personen in Tages-
einrichtungen“ ist eine jährliche Totaler-
hebung aktuell zum Stichtag 1. März, die
seit dem Jahr 2006 mit einem erweiterten
Merkmalsumfang durchgeführt wird. Er-
fragt wird in diesem Zuge für jedes Kind,
ob mindestens ein Elternteil eine auslän-
dische Herkunft besitzt. Für den Indikator
C2b wird das Merkmal der ausländischen
Herkunft mindestens eines Elternteils
verwendet. Aus dem Mikrozensus wird
dieses Merkmal ebenfalls ausgewertet
und sein Anteil auf die Bevölkerung der
gleichen Altersklasse in der Bevölke-
rungsfortschreibung übertragen. Aus der
Anzahl der Kinder mit Migrationshinter-
grund in der Kindertagesbetreuung und
der berechneten Anzahl der Kinder mit
Migrationshintergrund aus der Bevölke-
rungsfortschreibung kann eine Betreu-
ungsquote ermittelt werden. Ab dem Jahr
2017 wird auch der Mikrozensus Fragen
zur Inanspruchnahme und Art der Kinder-
tagesbetreuung enthalten. Aufgrund zu
schwacher Besetzungszahlen in mindes-
tens einer der beiden Altersgruppen 0 bis
unter 3 Jahren und 3 bis unter 6 Jahren
in Berlin, Bremen, Hamburg, im Saarland
sowie in den ostdeutschen Bundesländern
werden migrationsspezifische Betreuungs-
quoten dort nicht nachgewiesen. Grund
hierfür ist, dass die Stichprobenbasis beim
Mikrozensus Zufallsfehler bedingt und
damit einen einfachen relativen Standard-
fehler, der umso größer wird, je schwächer
ein Merkmal besetzt ist. Über den Nachweis
für einzelne Länder mit ausreichenden
Fallzahlen hinaus erfolgt daher die Darstel-
lung der Ergebnisse für die ostdeutschen
Bundesländer insgesamt (ohne Berlin), für
die westdeutschen Bundesländer insge-
samt (ohne Berlin) sowie auf der Ebene
des Bundes (mit Berlin).
C 2b Betreuungsquote von Kindern im Alter von 3 bis unter 6 Jahre
Ergebnisse
Aufgrund der zu geringen Fallzahlen lassen sich für diesen
Indikator keine validen Angaben für Sachsen machen.
KINDERTAGESBETREUUNG UND SPRACHKENNTNISSE

58
59
DER ENTWICKLUNG DER SPRACHLICHEN FÄHIGKEITEN
WIRD EINE SCHLÜSSELROLLE BEI DER INTEGRATION ZUERKANNT,
DA VON DEN SPRACHKENNTNISSEN DER ZUGANG ZU BILDUNG,
AUSBILDUNG UND ARBEITSMARKT ABHÄNGT.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil der Kinder (3 bis unter 6 Jahre) in
Kindertageseinrichtungen, in deren Familie
vorrangig nicht Deutsch gesprochen wird,
an allen Kindern dieser Altersgruppe in
Kindertageseinrichtungen.
Empirische Relevanz
Der Indikator zeigt an, ob in den Familien der
Kinder vorwiegend Deutsch oder eine andere
Sprache gesprochen wird. Der frühe Erwerb
deutscher Sprachkenntnisse erleichtert den
Integrationsprozess.
Bewertung des Indikators
Der Indikator beschreibt die Zusammen-
setzung der Gesamtgruppe der Kinder in
vorschulischer Betreuung nach der in der Fa-
milie vorrangig gesprochenen Sprache. Hohe
Anteile von Kindern, in deren Herkunftsfamilie
vorrangig nicht Deutsch gesprochen wird,
geben einen Hinweis auf einen erhöhten
Förderungsbedarf. Die Inanspruchnahme
im Zeitvergleich und das ausgewogene
Verhältnis von Mädchen und Jungen sind
weitere relevante Größen.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Kinder- und Jugendhilfestatistik (siehe
Kapitel Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die im Rahmen der Kinder- und Jugend-
hilfestatistik durchgeführte Erhebung zu
„Kindern und tätigen Personen in Tagesein-
richtungen“ ist eine jährliche Totalerhebung
aktuell zum Stichtag 1. März, die seit dem
Jahr 2006 mit einem erweiterten Merkmal-
sumfang durchgeführt wird. Erfragt wird in
diesem Zuge für jedes Kind, ob mindestens
ein Elternteil eine ausländische Herkunft be-
sitzt. Somit erfasst die Kinder- und Jugend-
hilfestatistik den Migrationshintergrund
weniger umfassend als der Mikrozensus.
Zusätzlich zur ausländischen Herkunft der
Eltern bzw. eines Elternteils wird in der
Erhebung „Kinder und tätige Personen
in Tageseinrichtungen“ nach der vorran-
gig in der Familie gesprochenen Sprache
(Deutsch – nicht-Deutsch) gefragt. In der
Haushaltsstichprobe des Mikrozensus ist
kein Merkmal zur Herkunfts- oder Familien-
sprache vorhanden. Für den Indikator C3
wird das Merkmal vorrangig in der Familie
gesprochene Sprache verwendet. Die
Gruppe der Kinder, die zu Hause vorrangig
nicht Deutsch spricht, ist kleiner als die der
Kinder mit mindestens einem Elternteil aus-
ländischer Herkunft. Kinder in Kindertages-
pflege werden im vorliegenden Indikator
nicht berücksichtigt.
C 3 Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache in Kindertageseinrichtungen
KINDERTAGESBETREUUNG UND SPRACHKENNTNISSE

60
61
Abbildung 18:
Anteil der 3- bis unter 6-Jährigen in Kindertageseinrichtungen, in deren Familie vor-
rangig nicht Deutsch gesprochen wird, an allen in Tageseinrichtungen betreuten Kindern derselben
Altersgruppe 2015 nach Geschlecht (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
4,4
4,5
3,8
3,7
19,5
19,1
männlich
weiblich
Ergebnisse
Der Anteil von Kindern in Kindertageseinrichtungen, in deren
Familien vorrangig nicht Deutsch gesprochen wird, ist in Sachsen
sehr gering. Er lag 2015 bei den 3- bis unter 6-Jährigen im Freistaat
bei 4,5 %. Die Quote in den neuen Bundesländern war mit 3,8 %
geringfügig niedriger. Im Bundesdurchschnitt sprachen 19,3 % der
in Kindertageseinrichtungen betreuten Kinder im vorschulischen
Alter zu Hause vorrangig nicht Deutsch.
Hinsichtlich der Geschlechterunterschiede gab es in Sachsen und
den neuen Bundesländern keine Anteilsdifferenz für Kinder mit
nichtdeutscher Familiensprache (Differenz jeweils 0,1 Prozentpunkte).
Auf Bundesebene bestand ein leichter Überhang an Jungen, in deren
Familien vorrangig nicht deutsch gesprochen wird (Differenz 0,4
Prozentpunkte).

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Bestandene Sprachprüfungen zum Integra-
tionskurs.
Empirische Relevanz
Sprachkenntnisse sind eine wichtige Vorausset-
zung für die erfolgreiche berufliche Integration
und gesellschaftliche Teilhabe. Die Förderung
der deutschen Sprachkenntnisse für Neuzuge-
wanderte sowie für nicht mehr schulpflichtige
Jugendliche und Erwachsene mit Migrations-
hintergrund ist die Aufgabe der 2005 einge-
richteten Integrationskurse des Bundes.
Bewertung des Indikators
Der Indikator weist über den Abschluss der
Sprachprüfungen „Deutsch-Test für Zuwanderer
(A2-B1)“ den Erfolgsgrad der Integrations-
kurse nach. Steigt der Anteil derjenigen, die die
Sprachprüfung erfolgreich mit dem höchsten
Abschluss B1 abschließen, weist dies auf verbes-
serte Sprachkenntnisse und damit günstigere Er-
wartungen mit Blick auf den Integrationsverlauf
hin. Die Daten können derzeit noch nicht nach
Geschlecht differenziert werden. Empfohlen
wird die zusätzliche Erfassung des Geschlechts.
Datenquelle
Statistik des Bundesamtes für Migration und
Flüchtlinge (siehe Kapitel Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Kompetenzstufen A2 bis B1 orientieren
sich am Gemeinsamen Europäischen Refe-
renzrahmen für Sprachen (GER). Die Daten
enthalten jeweils auch Kurswiederholer, deren
Erfolgsquoten erfahrungsgemäß deutlich
unter denen der erstmaligen Teilnehmer liegen.
Daraus ergeben sich im Gesamtergebnis der
hier dargestellten erfolgreichen Sprachprüfung
B1 niedrigere Anteile als bei entsprechenden
Auswertungen des Bundesamtes für Migration
und Flüchtlinge ohne Kurswiederholer.
Ergebnisse
Im ersten Halbjahr 2016 hatten in Sachsen 63,0 % der
Teilnehmenden eines Integrationskurses die Sprachprüfung B1
erfolgreich abgelegt. Der Abschluss A2 wurde von 33,6 % der
Geprüften erreicht. Damit hatten über 90 % der Teilnehmerinnen
und Teilnehmer an den Integrationskursen ausreichende Deutsch-
kenntnisse nachgewiesen, um den Alltag in Deutschland zu
meistern.
Der Anteil der höherwertigen Sprachprüfungen B1 lag in
Sachsen sowohl über dem Durchschnitt der neuen Bundesländer
(5 Prozentpunkte Differenz) als auch über dem der Bundes-
republik (3,7 Prozentpunkte Differenz). Die Integrationskurse
im Freistaat Sachsen führten somit zu überdurchschnittlich
positiven Ergebnissen.
C 5 Bestandene Sprachprüfungen zum Integrationskurs
19
19
Daten zum Indikator C4 „Sprachförderbedarf bei Vorschulkindern“ stehen für das
Ländermonitoring Integration auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung, da es sie nicht
für alle Bundesländer gibt, bzw. sie nicht je Land zentral vorliegen. In den Ländern, die
Sprachstandsfeststellungen durchführen, werden sie zudem unterschiedlich erhoben.
Auch fehlt das Merkmal Migrationshintergrund in einigen Ländern.
KINDERTAGESBETREUUNG UND SPRACHKENNTNISSE

62
63
Abbildung 19:
Anteil der bestandenen Sprachprüfungen Deutsch-Test für Zuwanderer
mit Zertifikat Deutsch (B1) und Zertifikat Start Deutsch 2 (A2) im ersten Halbjahr 2016
B1
A2
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
63,0
30,8
6,2
58,0
33,6
8,4
59,3
32,9
7,8
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
unter A2

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
D BILDUNG
Definition
Anteil ausländischer und deutscher Schü-
lerinnen und Schüler in der 8. Klasse nach
Schulformen an allen Schülerinnen und
Schülern der 8. Klassenstufe.
Empirische Relevanz
Der Indikator gibt einen Zwischenstand im
Bildungsverlauf zu einem Zeitpunkt vor dem
Schulabschluss und bei voller Differenzierung
der Bildungswege wieder.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Indikator für die strukturelle
Integration und die Chancengleichheit im Bil-
dungssystem. Die Über- bzw. Unterrepräsen-
tation von ausländischen Schülerinnen und
Schülern in den verschiedenen Schulformen
zeigt an, ob ausländische Schülerinnen und
Schüler vergleichbare Bildungschancen haben
wie deutsche Schülerinnen und Schüler.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Schulstatistik (siehe Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Eine methodische Schwierigkeit besteht in
der Untergliederung der einzelnen, länder-
spezifischen Schulsysteme in Schultypen. Die
Waldorfschulen sind dem Typus „Gesamtschule“
zugeordnet. Die Schulstatistik soll gemäß einer
Entscheidung der Kultusministerkonferenz
(KMK) eine länderübergreifend einheitliche
Definition des Migrationshintergrundes ver-
wenden, die die drei Merkmale Staatsangehö-
rigkeit, überwiegend in der Familie gesprochene
Verkehrssprache und Geburtsland einbezieht.
Migrationsmerkmale der Eltern sollen nicht in
die Ableitung des Merkmals eingehen. Da der
Kerndatensatz bis zum Jahr 2015 noch nicht in
allen Ländern umgesetzt war, wird auf eine Aus-
weisung nach Migrationshintergrund verzichtet.
Ergebnisse
20
In Sachsen hatten im Jahr 2015 von 29.506 Schülerinnen
und Schülern, welche die 8. Klasse besuchten, 5,7 % einen
Migrationshintergrund. In keiner der sächsischen Schulfor-
men waren sie über- oder unterrepräsentiert. Jugendliche mit
Migrationshintergrund in der 8. Klasse besuchten zu 40,7 %
das Gymnasium und zu 58,9 % die Oberschule. Jugendliche
ohne Migrationshintergrund waren zu 41,0 % auf Gymnasien
und zu 58,6 % auf Oberschulen zu finden. In die Ergebnisse
sind keine Förderschulen eingegangen. Durch die unterschiedli-
chen Bildungssysteme der Länder sind vergleichende Aussagen
schwierig. Auf nationaler Ebene ist der Anteil der Jugendlichen
auf dem Gymnasium aussagekräftig. Unter ausländischen
Jugendlichen besuchten in Deutschland 18,7 % diese Schul-
form. Unter deutschen Schülerinnen und Schülern war die
Quote etwa doppelt so hoch (39,8 %).
Der Anteil von Schülerinnen ist auf Gymnasien höher als der
von Schülern; in der Regel unabhängig vom Bundesland und
der Frage nach dem Migrationshintergrund.
20
In Sachsen werden seit dem Schuljahr 2009/2010 in diesem Indikator Schülerinnen
und Schüler mit Migrationshintergrund erfasst. Alle Ergebnisse ohne Förderschulen
und Gesamtschulen einschließlich freie Waldorfschulen.
D 1 Schülerinnen und Schüler in der 8. Klasse nach Schulformen
BILDUNG

64
65
Abbildung 20:
Ausländische Schülerinnen und Schüler in der 8. Klasse im Schuljahr
2015/2016 nach Schultyp (in %)
Gesamtschule
Hauptschule
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
0,4
58,9
40,7
6,0
62,3
31,7
16,8
37,9
8,7
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
Verbundene H/R
Realschule
Gymnasium
17,9
18,7
Abbildung 21:
Deutsche Schülerinnen und Schüler in der 8. Klasse im Schuljahr
2015/2016 nach Schultyp (in %)
Gesamtschule
Hauptschule
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
0,5
58,6
41,0
7,0
50,0
42,9
16,6
10,0
12,6
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
Verbundene H/R
Realschule
Gymnasium
21,0
39,8

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil ausländischer/deutscher Schulab-
gängerinnen und -abgänger nach Schulab-
schluss an allen Schulabgängerinnen und
-abgängern eines Jahrgangs an allgemein-
bildenden Schulen.
Empirische Relevanz
Der Indikator misst die erreichten Schulab-
schlüsse bei den Schülerinnen und Schülern
eines Jahrgangs. Die Über- bzw. Unterreprä-
sentation von ausländischen Schülerinnen
und Schülern ist ein wichtiger Integrations-
indikator.
Bewertung des Indikators
Zentraler Indikator für die strukturelle
Integration und Chancengleichheit im Bil-
dungssystem. Der erreichte Schulabschluss
ist die Grundlage, auf der die weitere
Teilhabe im Ausbildungssystem und auf dem
Arbeitsmarkt aufbauen kann. Wird kein
Schulabschluss erworben, sind die Integra-
tionschancen gering. Je höher der erreichte
Schulabschluss ist, desto besser sind auch
die weiteren strukturellen Integrationschan-
cen. Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass
dieser Indikator auf die Schulabschlüsse an
den allgemeinbildenden Schulen beschränkt
ist. Darüber hinaus werden in den einzelnen
Ländern in unterschiedlichem Umfang
Bildungsabschlüsse nicht nur an allge-
meinbildenden Schulen, sondern auch an
beruflichen Schulen erlangt.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Schulstatistik (siehe Kapitel Datenquellen
Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Siehe die Anmerkungen zu D1. Die Dauer
des Bildungsganges und demografische
Veränderungen müssen in die Betrachtung
eingehen. Die relative Anteilsbildung eines
Jahrgangs an allgemeinbildenden Schulen
kann durch unterschiedliche Altersgruppen
innerhalb einer Schulstufe und durch die
Zuzüge Unschärfen beinhalten. Eine metho-
dische Schwierigkeit besteht in der Unter-
gliederung der einzelnen, länderspezifischen
Schulsysteme in Schultypen.
D 2 Schulabgängerinnen und Schulabgänger nach erreichten Abschlüssen
BILDUNG

66
67
Abbildung 22:
Anteil Schulabgängerinnen und Schulabgänger der allgemeinbildenden Schulen
ohne Hauptschulabschluss 2015 an allen Schulabsolventinnen und Schulabsolventen und Schulab-
gängerinnen und Schulabgängern nach Staatsangehörigkeit (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
8,1
15,5
8,3
14,5
5,1
12,2
Deutsche
Ausländerinnen und Ausländer
Ergebnisse
21
In Sachsen hatten im Jahr 2015 unter allen Schulabgängerinnen
und -abgängern mit Migrationshintergrund (in der Statistik unter
Ausländer gefasst) 15,5 % keinen Hauptschulabschluss erreicht. Unter
Personen ohne Migrationshintergrund lag dieser Anteil bei 8,1 %.
In den neuen Bundesländern fanden sich vergleichbare Quoten. Der
Anteil unter ausländischen Schulabgängerinnen und -abgängern ohne
Hauptschulabschluss lag bei 15,5 %, der Anteil unter Deutschen bei
8,3 %. Im Bundesdurchschnitt verminderte sich die Differenz auf
7,1 Prozentpunkte.
In der Regel waren es eher männliche Jugendliche, die ohne Haupt-
schulabschluss von der Schule abgehen, sowohl bei Deutschen als
auch bei Ausländern.
21
In Sachsen werden seit dem Schuljahr 2009/2010 in diesem Indikator Abgängerinnen und Abgänger mit Migrationshintergrund nachgewiesen.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Höchster erreichter allgemeinbildender
Abschluss (ohne Abschluss, Hauptschulab-
schluss, Realschulabschluss, Fachhochschul-
reife, Hochschulreife) von Personen mit/ohne
Migrationshintergrund im Alter von 18 bis
unter 25 Jahren bzw. 18 bis unter 65 Jahren.
Empirische Relevanz
Hier wird die Bildungsstruktur der Bevölkerung
mit und ohne Migrationshintergrund wiederge-
geben, unabhängig davon, ob ein Abschluss in
Deutschland oder im Ausland erworben wurde.
Bildung ist ein zentraler Indikator für die beruf-
lichen Ausbildungschancen, den Zugang zum
Arbeitsmarkt und auch die gesellschaftliche
Teilhabe. Die Bildungsstruktur der Bevölkerung
insgesamt ändert sich nur sehr langsam, da
die Zahl der Bildungsabschlüsse und die Zahl
der Zuwanderinnen und Zuwanderer pro Jahr,
gemessen an der Bevölkerung mit Migrations-
hintergrund, insgesamt gering ist. Die Betrach-
tung der jüngeren Altersgruppe gibt Hinweise
darauf, wie sich die Bildungsstruktur künftig
entwickeln wird. Die Angleichung der Bildungs-
struktur der Bevölkerung mit Migrationshinter-
grund an diejenige ohne Migrationshintergrund
kann als Voraussetzung für die Angleichung
der Beschäftigungsstruktur beider Gruppen
angesehen werden.
Bewertung des Indikators
Zentraler Indikator für die strukturelle Integra-
tion und Chancengleichheit im Bildungssystem.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Mikrozensus (siehe Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung auf
Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
Im Jahr 2015 besaßen im Freistaat Sachsen 45,6 % der
Menschen mit Migrationshintergrund die Hochschulreife als
höchsten allgemeinbildenden Schulabschluss. Von den Personen
ohne Migrationshintergrund hatten 24,7 % diesen höchsten
Bildungsgrad. In den neuen Bundesländern insgesamt lagen die
Anteile in beiden Gruppen geringfügig niedriger. Menschen mit
Migrationshintergrund besaßen zu 40,0 % die Hochschul-
reife und damit anteilig doppelt so häufig wie Menschen ohne
Migrationshintergrund (21,9 %). Im bundesweiten Durchschnitt
hat ein Migrationshintergrund kaum Einfluss auf das Bildungs-
niveau. 28,1 % der Menschen mit Migrationshintergrund und
27,5 % der Menschen ohne Migrationshintergrund besaßen die
Hochschulreife.
Zwischen Frauen und Männern fanden sich kaum Unterschiede
in Bezug auf die Hochschulreife als höchsten allgemeinbildenden
Schulabschluss. Dies gilt sowohl für Sachsen, die neuen Bun-
desländer als auch Deutschland insgesamt.
D 3 Höchster allgemeinbildender Schulabschluss
BILDUNG

68
69
Abbildung 23:
Anteil der Bevölkerung im Alter von 18 bis unter 65 Jahren mit Hochschulreife im
Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
24,7
45,6
21,9
40,0
27,5
28,1
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Studienerfolgsquote von Bildungsinländer-
innen und Bildungsinländern und Deutschen
nach Studiumsbeginn und nach Geschlecht.
Empirische Relevanz
Gleiche Bildungschancen bei tertiären
Abschlüssen sind ein wichtiges Integrati-
onsziel. Sie drücken sich in gleichen Erfolgs-
quoten beim Studium aus.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Indikator für die strukturelle
Integration und Chancengleichheit im
Bildungssystem.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Hochschulstatistik (siehe Kapitel
Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Bildungsinländerinnen und Bildungsinländer
sind die Studierenden mit ausländischer
Staatsangehörigkeit, die ihre Hochschul-
zugangsberechtigung in Deutschland
erworben haben. Erfolgsquoten können nur
für mindestens 10 Jahre alte Studienan-
fängerkohorten sinnvoll berechnet werden,
weil sich sonst noch zu viele Personen der
Kohorte im Studium befinden. Die Erfolgs-
quoten einer Kohorte können sich zu spä-
teren Berichtszeitpunkten noch ändern. Die
Statistik erfasst keinen Migrationshinter-
grund, sondern nur die Staatsangehörigkeit.
Bildungsinländerinnen und Bildungsinländer
sind ausländische Studierende an deutschen
Hochschulen, die ihre Hochschulzugangs-
berechtigung in Deutschland, aber nicht
an einem Studienkolleg und nicht an einer
deutschen Hochschule im Ausland erwor-
ben haben. Ausländische Studierende, die
ihre Hochschulzugangsberechtigung im
Ausland erworben haben (Bildungsauslän-
derinnen und Bildungsausländer) sind nicht
berücksichtigt. Für Brandenburg, Bremen,
Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland,
Sachsen-Anhalt und Thüringen ist für die
Bildungsinländerinnen und Bildungsinländer
kein belastbarer Erfolgsquotenausweis
möglich, da zu geringe Fallzahlen vorliegen.
Für Sachsen und Schleswig-Holstein ist ein
Vergleich der Studienerfolgsquoten 2014
und 2012 für die Bildungsinländerinnen und
Bildungsinländer nicht möglich, da für 2012
zu geringe Fallzahlen vorliegen.
D 4 Studienerfolgsquote
BILDUNG

70
71
Ergebnisse
In Sachsen lag 2015 die Erfolgsquote, das Studium zu beenden,
unter Deutschen bei 78,6 %. Personen mit ausländischer Staats-
angehörigkeit, die ihre Hochschulberechtigung in Deutschland
erlangten, hatten eine Studienerfolgsquote von 65,2 % (13,2 Pro-
zentpunkte Differenz). Im Bundesdurchschnitt war diese Diffe-
renz geringfügig größer (17,4 Prozentpunkte).
Frauen haben sowohl in Sachsen als auch im Bundesdurchschnitt
häufiger das Studium erfolgreich abgeschlossen als Männer. Dies
galt sowohl für Deutsche als auch Bildungsinländerinnen und
Bildungsinländer.
Abbildung 24:
Studienerfolgsquote von Bildungsinländerinnen und Bildungsinländern und
Deutschen 2014 bei Studienbeginn im Jahr 2006 (in %)
Sachsen
Deutschland
78,6
65,2
79,6
62,2
Deutsche
Bildungsinländer

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil ausländischer und deutscher Auszubil-
dender im Alter von 18 bis unter 21 Jahren in
der dualen Berufsausbildung an allen Personen
der entsprechenden Bevölkerungsgruppe
nach Geschlecht.
Empirische Relevanz
Der Berufseinstieg läuft in der Regel – bei
einem nicht akademischen Bildungsgang
– über eine berufliche Ausbildung. Die
Ausübung einer qualifizierten Tätigkeit ist
heute ohne eine solche Ausbildung kaum
möglich. Gleiche Teilhabechancen an der
Ausbildung im Dualen System stehen für
eine erfolgreiche Integration. Mit der
Altersgruppe der 18- bis unter 21-Jährigen
wird eine besonders relevante Altersgruppe in
den Indikator einbezogen.
Bewertung des Indikators
Der Indikator misst die Partizipation im Dualen
System und damit eine wichtige Voraussetzung
für die Integration in den Arbeitsmarkt. Er
spiegelt jedoch nur einen Ausschnitt aus dem
Gesamtspektrum der nachschulischen Ausbil-
dungsmöglichkeiten wieder.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Län-
der, Berufsbildungsstatistik (siehe Kapitel
D
a
t
en
qu
e
l
l
en
S
e
i
t
e
116
)
.
Methodische Besonderheiten
Die Berufsbildungsstatistik ist eine Voller-
hebung. Die Berechnung der Quoten unter
Heranziehung der Bevölkerungsstatistik kann
nur für Deutsche und ausländische Personen
erfolgen. Die hier verwendete Berechnung
der Quote ist mit dem Berechnungsverfahren
des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB)
für dessen nur auf Bundesebene veröffent-
lichte Quote nicht vergleichbar.
Ergebnisse
22
In Sachsen lag 2015 der Anteil der deutschen Bevölkerung
im Alter zwischen 18 und unter 21 Jahren, die eine duale
Berufsausbildung absolvierten, bei 27,5 %. Unter der auslän-
dischen Bevölkerung in dieser Altersgruppe lag diese Quote
mit 2,6 % deutlich niedriger. Auf Bundesebene war die Aus-
bildungsbeteiligungsquote unter Deutschen nahezu identisch
(0,8 Prozentpunkte Differenz). Ausländerinnen und Ausländer
nahmen im gesamtdeutschen Durchschnitt deutlich öfter
eine duale Berufsausbildung auf als in Sachsen (6,3 Prozent-
punkte Differenz).
Männliche deutsche Jugendliche nahmen öfter eine Berufs-
ausbildung auf als weibliche deutsche Jugendliche (Exem-
plarisch Sachsen: 35,6 % /19,1 %). Dies galt sowohl für den
Freistaat Sachsen als auch für Deutschland. Zwischen Aus-
länderinnen und Ausländern fanden sich keine Unterschiede
bezüglich der Ausbildungsbeteiligungsquote (Sachsen: 0,6 Pro-
zentpunkte Differenz).
22
Aus den vorliegenden Zahlen des „Integrationsmonitoring der Länder“ lassen sich für
diesen Subindikator keine Aussagen über den Durchschnitt der neuen Bundesländer
treffen.
D 5 Ausbildungsbeteiligungsquote
BILDUNG

72
73
Abbildung 25:
Ausbildungsbeteiligungsquote von Jugendlichen (18 bis unter 21 Jahre) im
Jahr 2015 nach Staatsangehörigkeit (in %)
Sachsen
Deutschland
27,5
2,6
26,7
8,9
Deutsche
Ausländerinnen und Ausländer

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Verteilung der deutschen und ausländischen
Auszubildenden (Duales System) auf Ausbil-
dungsbereiche.
Empirische Relevanz
Der Indikator gibt die Verteilung der Aus-
zubildenden über die Ausbildungsbereiche
Industrie und Handel, Handwerk, Landwirt-
schaft, Öffentlicher Dienst, Freie Berufe,
Hauswirtschaft und Seeschifffahrt wieder.
Bewertung des Indikators
Abweichungen in der Verteilung zwischen
Deutschen und Ausländerinnen und
Ausländern geben Hinweise auf den unter-
schiedlichen Zugang zum Ausbildungsmarkt.
Da hiervon die Teilhabechancen für den
Arbeitsmarkt wesentlich abhängen, ist die
Entwicklung der Indikatorwerte wichtig für
die Einschätzung des strukturellen Integrati-
onsprozesses.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Län-
der, Berufsbildungsstatistik (siehe Kapitel
Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Dass lediglich die Staatsangehörigkeit be-
rücksichtigt wird, schränkt die Aussagekraft
des Indikators ein.
Ergebnisse
23
In Sachsen befanden sich im Jahr 2015 insgesamt 47.403
Personen in einer dualen Berufsausbildung. 948 von ihnen
waren Ausländerinnen und Ausländer (2 %). Deutsche sowie
Ausländerinnen und Ausländer wählten im weitesten Sinn ähn-
liche Ausbildungsberufe. In Sachsen absolvierten 60,7 % der
deutschen Auszubildenden eine Lehre im Bereich Industrie und
Handel. Unter ausländischen Auszubildenden lernten 61,8 %
in diesem Sektor. Eine handwerkliche Ausbildung absolvierten
26,7 % der deutschen und 30,4 % der ausländischen Auszubil-
denden in Sachsen.
Die Verteilung in Sachsen entsprach der Verteilung in den
neuen Bundesländern. Unter ausländischen Auszubildenden war
der Anteil derer, die einen Beruf im Sektor Industrie und Handel
erlernten, etwas größer als bei der deutschen Vergleichsgruppe
(6,7 Prozentpunkte Differenz). Im bundesdeutschen Vergleich
war auffällig, dass der Anteil unter ausländischen Auszubilden-
den, die einen freien Beruf (z. B. Erzieher) erlernen, doppelt so
hoch war als unter deutschen Auszubildenden (14,4 % / 7,7 %).
Im Vergleich der Geschlechter fällt auf, dass sogenannte freie
Berufe fast ausschließlich von Frauen erlernt wurden. Dies galt
für deutsche und ausländische Auszubildende gleichermaßen.
23
Es wird an dieser Stelle nur auf größere Ausbildungsbereiche mit über 5 % Anteil
eingegangen.
D 6 Auszubildende nach Ausbildungsbereichen
BILDUNG

74
75
Abbildung 26:
Anteil der ausländischen Auszubildenden 2015 nach den wichtigsten
Ausbildungsbereichen (in %)
Abbildung 27:
Anteil der deutschen Auszubildenden 2015 nach den wichtigsten
Ausbildungsbereichen (in %)
Industrie und Handel
Handwerk
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
60,7
26,7
4,9
60,7
25,8
4,8
51,7
26,2
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
Freie Berufe
7,7
Industrie und Handel
Handwerk
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
61,8
30,4
6,9
67,1
26,6
4,3
51,7
32,1
0 %
20 %
40 %
60 %
80 %
100 %
Freie Berufe
14,4

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Höchster beruflicher Abschluss (ohne Ab-
schluss, mit abgeschlossener Berufsausbil-
dung, mit tertiärem Bildungsabschluss) von
Personen mit/ohne Migrationshintergrund im
Alter von 25 bis unter 35 Jahren bzw. 25 bis
unter 65 Jahren.
Empirische Relevanz
Berufliche Qualifikationen sind, wie die allge-
meinbildenden Schulabschlüsse, ein zentrales
Merkmal der strukturellen Integration und
beeinflussen die Position am Arbeitsmarkt
sowie die gesellschaftliche Teilhabe. Auch
für die berufliche Qualifikationsstruktur der
Bevölkerung gilt, dass sie sich insgesamt nur
langsam ändert. In den höheren Altersgrup-
pen befinden sich viele Zuwanderinnen und
Zuwanderer, die ihre beruflichen Qualifikati-
onen im Herkunftsland erworben haben oder
gerade aufgrund dieser Qualifikation zugewan-
dert sind (Hochqualifizierte). Die Betrachtung
insbesondere der jüngeren Altersgruppe gibt
deshalb Hinweise darauf, wie sich die Qualifi-
kationsstruktur zukünftig entwickeln wird. Die
Angleichung der Qualifikationsstruktur der Be-
völkerung mit Migrationshintergrund an die der
Bevölkerung ohne Migrationshintergrund kann
als Voraussetzung für die Angleichung auch
der Beschäftigungsstruktur beider Gruppen
angesehen werden.
Bewertung des Indikators
Zentraler Indikator für die strukturelle Integration.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Mikrozensus (siehe Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung auf
Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
Im Jahr 2015 besaßen im Freistaat Sachsen 26,1 % der Men-
schen mit Migrationshintergrund einen Hochschulabschluss.
Unter Menschen ohne Migrationshintergrund lag dieser
Anteil bei 10,8 %.
In den neuen Bundesländern lag der Anteil derjenigen Menschen
mit Migrationshintergrund, die einen Hochschulabschluss
hatten, bei 20,5 %. Die Quote für Menschen ohne Migrations-
hintergrund lag bei 9,1 %.
Im Bundesdurchschnitt war die Qualifikationsstruktur dieser
Bevölkerungsgruppen sehr ähnlich. Einen Hochschulabschluss
hatten 13,2 % der Menschen mit Migrationshintergrund und
12,5 % der Menschen ohne diesen Hintergrund.
Unter Menschen mit Migrationshintergrund hatten weibliche
Personen deutlich öfter einen Hochschulabschluss vorzuweisen als
Männer. Dies zeigte sich insbesondere für die neuen Bundes-
länder. Bei Personen ohne Migrationshintergrund gab es keine
nennenswerten Tendenzen in Bezug auf das Geschlecht, unab-
hängig ob auf Sachsen oder Deutschland bezogen.
D 7 Höchster beruflicher Abschluss
BILDUNG

76
77
Abbildung 28:
Anteil der Bevölkerung mit Hochschulabschluss in der Altersgruppe 25
bis unter 65 Jahre im Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
10,8
26,1
9,1
20,5
12,5
13,2
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
E ARBEITSMARKT UND
LEBENSUNTERHALT
Definition
Zahl der Erwerbstätigen im Alter von 15
bis unter 65 Jahren je 100 Personen der
entsprechenden Bevölkerungsgruppe nach
Migrationshintergrund und Geschlecht.
Empirische Relevanz
Die Erwerbstätigenquote ist einer der
wichtigsten Arbeitsmarktindikatoren. Eine
stabile Verankerung auf dem Arbeitsmarkt
trägt erheblich zur Integration bei. Eine
Angleichung der Erwerbstätigenquoten von
Personen mit und ohne Migrationshinter-
grund würde – zumindest zahlenmäßig und
unabhängig von einer branchenspezifischen
Betrachtung – eine Angleichung der Teilhabe
am Arbeitsmarkt anzeigen.
Bewertung des Indikators
Die Erwerbstätigenquote ist ein aussage-
kräftiger Indikator zur Arbeitsmarktinte-
gration. Bei der Interpretation muss die
Konjunkturabhängigkeit des Indikators
beachtet werden. Der Indikator lässt keine
Aussage über die Verteilung in den Bran-
chen und Wirtschaftszweigen und über
Hintergründe und Ursachen der Verteilung zu.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung auf
Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
Die Erwerbstätigenquote der Personen mit Migrationshinter-
grund liegt in allen Bundesländern deutlich niedriger als bei
Personen ohne Migrationshintergrund.
In Sachsen gingen im Jahr 2015 ungefähr 81.000 Personen mit
Migrationshintergrund einer Erwerbsarbeit nach. Damit lag die
Erwerbstätigenquote bei 54,2 %. Die Quote von Personen ohne
Migrationshintergrund lag bei 76,2 %. In den neuen Bundes-
ländern und Deutschland war die Erwerbstätigenquote bei
Menschen ohne Migrationshintergrund nahezu identisch (neue
Länder 75,1 %/ Deutschland 76,3 %). Die Erwerbstätigenquote
von Personen mit Migrationshintergrund lag in Deutschland
insgesamt deutlich höher (64,6 %), ist aber auch in den neuen
Ländern etwas höher als in Sachsen (56,0 %).
In diesem Indikator werden Personen ab einem Alter von 15
Jahren erfasst. Für eine Interpretation der Werte müsste für
genauere Untersuchungen der Ursachen die jüngere Alters-
struktur der Menschen mit Migrationshintergrund in Sachsen
beachtet werden (Indikator A1) sowie die in 2015 sichtbare
Tendenz zu höheren Bildungsabschlüssen (Indikator D3 und D7).
Der Anteil der Erwerbstätigen ist bei Männern höher als bei
Frauen. Dies zeigte sich sowohl für Menschen mit und ohne
Migrationshintergrund als auch für den Vergleich zwischen
Sachsen, den neuen Bundesländern und Deutschland insgesamt.
E 1a Erwerbstätigenquote
ARBEITSMARKT UND LEBENSUNTERHALT

78
79
Abbildung 29:
Erwerbstätigenquote im Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
76,2
54,2
75,1
56,0
76,3
64,6
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Zahl der Erwerbstätigen und Erwerbslosen
im Alter von 15 bis unter 65 Jahren je 100
Personen der entsprechenden Bevölke-
rungsgruppe nach Migrationshintergrund
und Geschlecht.
Empirische Relevanz
Die Erwerbsquote beschreibt den Anteil der
Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, die
dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
Sie zeigt das Arbeitskräftepotential an.
Eine Angleichung der Erwerbsquoten von
Personen mit und ohne Migrationshinter-
grund würde – zumindest zahlenmäßig und
unabhängig von einer branchenspezifischen
Betrachtung – eine Angleichung des
Arbeitskräftepotentials anzeigen.
Bewertung des Indikators
Die Erwerbsquote ist ein aussagekräftiger
Indikator zur Arbeitsmarktintegration. Bei
der Interpretation muss die Konjunkturab-
hängigkeit des Indikators beachtet werden.
Der Indikator lässt keine Aussage über die
Verteilung in den Branchen und Wirt-
schaftszweigen und über Hintergründe und
Ursachen der Verteilung zu.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung auf
Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
In Sachsen lag im Jahr 2015 die Erwerbsquote bei Menschen
ohne Migrationshintergrund im erwerbsfähigen Alter bei
81,0 %. Diese Kennzahl lag für Menschen mit Migrationshinter-
grund bei 64,7 %.
Das Verhältnis in Sachsen (16,3 Prozentpunkte Differenz) ist
fast identisch mit dem in den neuen Bundesländern (15,9 Pro-
zentpunkte Differenz). Im Bundesdurchschnitt gleicht sich die
Erwerbsquote der Menschen mit Migrationshintergrund stärker
an die der Menschen ohne Migrationshintergrund an (9,3 Pro-
zentpunkte Differenz).
Das Arbeitskräftepotential ist bei Frauen niedriger, unabhängig
vom Migrationshintergrund oder dem regionalen bzw. bundes-
weiten Vergleich.
In diesem Indikator werden Personen ab einem Alter von
15 Jahren erfasst. Für eine Interpretation der Werte müssten
die Ursachen aus folgenden Blickwinkeln genauer untersucht
werden: die jüngere Altersstruktur der Menschen mit Migrati-
onshintergrund in Sachsen (Indikator A1), die in 2015 sichtbare
Tendenz zu höheren Bildungsabschlüssen (Indikator D3 und
D7) bei Personen mit Migrationshintergrund sowie weitere
allgemeine soziodemografische Merkmale.
E 1b Erwerbsquote
ARBEITSMARKT UND LEBENSUNTERHALT

80
81
Abbildung 30:
Erwerbsquote im Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
81,0
64,7
80,2
64,3
79,4
70,1
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Stellung im Beruf (Selbstständige,
Angestellte, Beamtinnen und Beamte,
Arbeiterinnen und Arbeiter) von Personen
mit / ohne Migrationshintergrund im Alter
von 15 bis unter 65 Jahren.
Empirische Relevanz
Die Stellung im Beruf nach Migrations-
hintergrund liefert Informationen über die
Positionierung der betrachteten Gruppen im
Erwerbssystem. Der Anteil der Beamtinnen
und Beamten kann zusätzlich als Indikator
der interkulturellen Öffnung der Verwal-
tung gewertet werden. Darüber hinaus
werden Selbstständige, Angestellte und
Arbeiterinnen/Arbeiter unterschieden. Eine
Angleichung von Personen mit und ohne
Migrationshintergrund bei der Stellung im
Beruf lässt Rückschlüsse auf die Öffnung
zentraler beruflicher Positionen und den er-
reichten Grad der beruflichen Qualifizierung
für Personen mit Migrationshintergrund zu.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Indikator der strukturellen Integ-
ration, zentraler Arbeitsmarktindikator.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung auf
Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
Die größte Berufsgruppe in Sachsen waren 2015 die Angestellten.
51,3 % der erwerbstätigen Menschen mit Migrationshintergrund
zählten zu dieser Gruppe. Bei den erwerbstätigen Personen ohne
Migrationshintergrund waren es 57,5 %.
Eine ebenfalls wichtige Gruppe sind die Arbeiterinnen und Arbeiter.
Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gehörten in
ihren jeweiligen Anteilen etwa gleich oft zu dieser Berufsgruppe
(29,8 % derjenigen ohne Migrationshintergrund / 31,3 %
derjenigen mit Migrationshintergrund). Als Beamte arbeiten nur
1,0 % der Personen mit Migrationshintergrund. Unter Menschen
ohne Migrationshintergrund war der Anteil dreimal so hoch
(3,0 %).
Sachsen unterschied sich dabei kaum vom Durchschnitt der neuen
Bundesländer. Hier lag bei den erwerbstätigen Menschen mit
Migrationshintergrund der Anteil der Arbeiterinnen und Arbeiter
bei 31,9 %, auf Bundesebene bei 37,5 % sowie bei den erwerbs-
tätigen Personen ohne Migrationshintergrund nur bei 19,7 %.
Männer sind häufiger als Arbeiter beschäftigt, Frauen sind
dagegen als Angestellte überproportional vertreten. Diese
Tendenzen zeigen sich unabhängig vom Migrationshintergrund
oder der regionalen bzw. nationalen Vergleichsebene.
E 2 Stellung im Beruf - Arbeiterinnen und Arbeiter
ARBEITSMARKT UND LEBENSUNTERHALT

82
83
Abbildung 31:
Anteile der Stellung im Beruf in Sachsen im Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
57,5
Arbeiterinnen
und Arbeiter
Angestellte
Beamtinnen
und Beamte
29,8
31,3
51,3
3,0
1,0
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund
Selbstständige
9,8
16,4
Abbildung 32:
Anteil der Arbeiterinnen und Arbeiter im Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
29,8
31,3
29,5
31,9
19,7
37,5
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Stellung im Beruf (Selbstständige,
Angestellte, Beamtinnen und Beamte,
Arbeiterinnen und Arbeiter) von Personen
mit / ohne Migrationshintergrund im Alter
von 15 bis unter 65 Jahren
Empirische Relevanz
Die Stellung im Beruf nach Migrations-
hintergrund liefert Informationen über die
Positionierung der betrachteten Gruppen im
Erwerbssystem. Der Anteil der Beamtinnen
und Beamten kann zusätzlich als Indikator
der interkulturellen Öffnung der Verwaltung
gewertet werden. Darüber hinaus werden
Selbstständige, Angestellte und Arbeite-
rinnen und Arbeiter unterschieden. Eine
Angleichung von Personen mit und ohne
Migrationshintergrund bei der Stellung im
Beruf lässt Rückschlüsse auf die Öffnung
zentraler beruflicher Positionen und den er-
reichten Grad der beruflichen Qualifizierung
für Personen mit Migrationshintergrund zu.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Indikator der strukturellen Integ-
ration, zentraler Arbeitsmarktindikator.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung auf
Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
Eine selbstständige Erwerbstätigkeit weist auf das Ausmaß
eigeninitiativer wirtschaftlicher Betätigung und Unterneh-
mergeist hin. Sie kann aber insbesondere bei vorausgegan-
gener Arbeitslosigkeit auch zu prekären Beschäftigungs- und
Einkommensverhältnissen führen.
In Sachsen lag im Jahr 2015 der Anteil der Selbständigen bei
Menschen mit Migrationshintergrund bei 16,4 %. Menschen
ohne Migrationshintergrund gingen deutlich seltener einer
selbständigen Arbeit nach (9,8 %). Dieses Verhältnis fand
sich auch im Durchschnitt der neuen Bundesländer wieder.
Auf Bundesebene gab es keine Anteilsunterschiede bezüglich
selbstständiger Tätigkeit zwischen Menschen mit und ohne
Migrationshintergrund.
E 2 Stellung im Beruf – Selbstständige
ARBEITSMARKT UND LEBENSUNTERHALT

84
85
Abbildung 33:
Anteil der Selbstständigen im Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
9,8
16,4
9,3
15,9
10,3
10,0
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil abhängig Erwerbstätiger mit ge-
ringfügiger Beschäftigung als einziger oder
hauptsächlicher Tätigkeit von Personen
mit/ohne Migrationshintergrund an allen
abhängig Erwerbstätigen der jeweiligen
Bevölkerungsgruppe.
Empirische Relevanz
Der Anteil der geringfügigen Beschäfti-
gungsverhältnisse kann Hinweise auf prekäre
Beschäftigung liefern. Geringfügige Be-
schäftigungsverhältnisse können Ausdruck
einer nicht hinreichenden wirtschaftlichen
Basis sein und haben damit erheblichen
Einfluss auf die wirtschaftliche Situation
einer Person oder der Haushaltsgemeinschaft,
in der sie lebt.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Arbeitsmarktindikator, Hinweis
auf prekäre Beschäftigung.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung auf
Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
Menschen mit Migrationshintergrund sind häufiger geringfügig
beschäftigt. In Sachsen lag der Anteil von Menschen mit
Migrationshintergrund, die eine solche Arbeit verrichteten,
bei 12,5 %. Diese Quote war doppelt so hoch wie bei Menschen
ohne Migrationshintergrund (6,3 %).
Die Anteile der geringfügig Beschäftigten waren im Durch-
schnitt der neuen Länder fast identisch (12,3 % derjenigen mit
Migrationshintergrund, 5,9 % derjenigen ohne Migrationshin-
tergrund). Im Bundesdurchschnitt glichen sich die Gruppen
geringfügig aneinander an (13,0 % derjenigen mit Migrations-
hintergrund, 8,0 % derjenigen ohne Migrationshintergrund).
Frauen waren deutlich häufiger in einem geringfügigen Be-
schäftigungsverhältnis als Männer. Unter Frauen mit Migrati-
onshintergrund verstärkte sich diese Tendenz.
E 3 Geringfügige Beschäftigung
ARBEITSMARKT UND LEBENSUNTERHALT

86
87
Abbildung 34:
Anteil abhängig Erwerbstätiger mit geringfügiger Beschäftigung im Jahr 2015 nach
Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
6,3
12,5
5,9
12,3
8,0
13,0
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Zahl der Erwerbslosen je 100 Erwerbsper-
sonen (Erwerbslose und Erwerbstätige) von
Personen mit/ohne Migrationshintergrund im
Alter von 15 bis unter 65 Jahren, 15 bis unter
25 Jahren und 55 bis unter 65 Jahren.
Empirische Relevanz
Der Ausschluss aus dem Erwerbsleben ist eine der
zentralen Ursachen für Armut. Ein dauerhafter
Ausschluss hat negative Konsequenzen für fast
alle Lebensbereiche. Eine Annäherung der Er-
werbslosenquoten der Bevölkerung mit und ohne
Migrationshintergrund würde anzeigen, dass
sich der tatsächliche Zugang zum Arbeitsmarkt,
eventuell auch die dahinter liegenden Merkmale
wie Bildung und Qualifikation, aber auch die
Arbeitsmarktrisiken beider Gruppen angleichen.
Bewertung des Indikators
Zentraler Arbeitsmarktindikator, der in
hohem Maße von der wirtschaftlichen Ent-
wicklung und der Wirtschaftsstruktur in den
einzelnen Ländern abhängig ist.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Mikrozensus (siehe Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Nach dem hier zugrunde gelegten La-
bour-Force-Konzept der Internationalen Arbeits-
organisation (ILO-Konzept) gelten Personen als
erwerbslos, wenn sie weniger als eine Stunde in
der Woche beschäftigt sind, nicht selbstständig
sind, in den vergangenen vier Wochen aktiv eine
Erwerbstätigkeit gesucht haben und verfügbar
sind, das heißt innerhalb von zwei Wochen
eine Erwerbstätigkeit aufnehmen können. Eine
Registrierung bei der Agentur für Arbeit ist nicht
erforderlich. Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr
2011 sind an der Bevölkerungsfortschreibung
auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
Personen mit Migrationshintergrund sind öfter erwerbslos als
Menschen ohne Migrationshintergrund.
Menschen mit Migrationshintergrund (16,3 %) waren im
Freistaat Sachsen 2015 anteilig deutlich öfter erwerbslos als
Menschen ohne Migrationshintergrund (5,9 %). Die Differenz
zwischen beiden Gruppen betrug 10,4 Prozentpunkte.
Dagegen war der Anteil der Erwerbslosen unter Menschen
mit Migrationshintergrund in den neuen Bundesländern ins-
gesamt nur doppelt so hoch wie unter Personen ohne Migra-
tionshintergrund (13,0 % / 6,3 %). Im Bundesdurchschnitt war
die Erwerbslosenquote bei Menschen mit Migrationshintergrund
nochmals deutlich niedriger (7,8 %).
Jüngere Personen zwischen 15 und 25 Jahren haben ein höheres
Risiko erwerbslos zu sein. Dies zeigte sich unabhängig vom
Migrationshintergrund. Auch beim Vergleich zwischen Sachsen,
den neuen Ländern und Deutschland gesamt zeigten sich
keine signifikanten Unterschiede.
E 4 Erwerbslosenquote (ILO-Konzept)
ARBEITSMARKT UND LEBENSUNTERHALT

88
89
Abbildung 35:
Erwerbslosenquote im Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
5,9
16,3
6,3
13
4,0
7,8
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Zahl der registrierten Arbeitslosen je 100 ab-
hängigen zivilen Erwerbspersonen ( = Arbeits-
lose, sozialversicherungspflichtig Beschäftigte,
geringfügig Beschäftigte und Beamtinnen und
Beamte ohne Soldatinnen und Soldaten ) nach
Rechtskreisen ( SGB II, SGB III ), Staatsangehö-
rigkeit (deutsch, ausländisch) und Geschlecht.
Empirische Relevanz
Ergänzung zu E4 mit definitorischen Abwei-
chungen. Reflektiert im Gegensatz zu E4
die aktuelle Sozialgesetzgebung. Neben der
Erwerbslosenquote wird auch die Arbeits-
losenquote aufgeführt, weil sie der in der
öffentlichen Diskussion häufiger verwen-
dete Indikator ist. Die Arbeitslosenquote
erlaubt allerdings nur eine Differenzierung
nach Deutschen und Ausländerinnen und
Ausländern.
Bewertung des Indikators
Zentraler Arbeitsmarktindikator, der in
hohem Maße von wirtschaftlicher Ent-
wicklung und Wirtschaftsstruktur in den
einzelnen Ländern abhängig ist.
Datenquelle
Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosensta-
tistik (siehe Kapitel Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Zu den bei der Bundesagentur für Arbeit
registrierten Arbeitslosen in den Rechts-
kreisen des SGB II und SGB III zählen alle
Personen, die
vorübergehend nicht in einem Beschäf-
tigungsverhältnis stehen oder nur eine
weniger als 15 Stunden in der Woche
umfassende Beschäftigung ausüben,
eine mindestens 15 Stunden in der
Woche umfassende versicherungs-
pflichtige Beschäftigung mit einer Dauer
von mehr als 7 Kalendertagen suchen,
eine Arbeitnehmertätigkeit ausüben
können und dürfen, nicht arbeitsunfähig
erkrankt sind und das 65. Lebensjahr
noch nicht vollendet haben,
für die Vermittlungsbemühungen der
Agentur für Arbeit verfügbar sind, das
heißt sofort arbeitsfähig und -bereit
sind und
sich persönlich bei der Agentur für
Arbeit gemeldet und ihren Wohnsitz in
Deutschland haben.
Die Angaben beziehen sich auf Jahres-
durchschnitte. Die Bundesagentur für Arbeit
hat damit begonnen, neben der Staatsange-
hörigkeit auch den Migrationshintergrund
in der Arbeitslosenstatistik zu erfassen.
Entsprechende Auswertungen standen für
diesen Bericht noch nicht zur Verfügung.
E 5 Arbeitslosenquote
ARBEITSMARKT UND LEBENSUNTERHALT

90
91
Abbildung 36:
Arbeitslosenquote im Jahr 2015 nach Staatsangehörigkeit (in %)
Sachsen
Deutschland
8,8
27,5
6,2
16,6
Deutsche
Ausländerinnen und Ausländer
Ergebnisse
24
Unter ausländischen Personen besteht in der Regel eine höhere
Arbeitslosigkeit. Im Jahr 2015 waren in Sachsen 27,5 % der Aus-
länderinnen und Ausländer als arbeitslos registriert, während dies
nur auf 8,8 % der Deutschen im Freistaat zutraf (18,7 Prozent-
punkte Differenz). Die Arbeitslosenquote unter Deutschen lag auf
Bundesebene bei 6,2 %, während die ausländische Bevölkerung zu
16,6 % arbeitslos war (10,4 Prozentpunkte Differenz).
Die Arbeitslosenquote ist unter männlichen Deutschen leicht
höher als unter weiblichen Deutschen. Bei der ausländischen
Bevölkerung kehrt sich dieses Verhältnis um. Ausländerinnen
haben z. B. in Sachsen eine Arbeitslosenquote von 30,4 %, während
die Arbeitslosenquote unter Ausländern bei 25,4 % liegt.
24
Die vorhandene Datengrundlage des Integrationsmonitorings der Länder lässt für diesen Subindikator keine Aussagen über den Durchschnitt der neuen
Bundesländer zu.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil der Personen mit/ohne Migrations-
hintergrund an der jeweiligen Bevölkerung,
deren Einkommen unterhalb der Armutsri-
sikoschwelle liegt. Die Armutsrisikoschwelle
liegt bei 60 % des Medians des nach der
neuen OECD-Skala berechneten Nettoäqui-
valenzeinkommens (bedarfsgewichtetes
Haushaltsnettoeinkommen pro Kopf). Die
Medianberechnung erfolgt hier auf der
Basis des Bundesdurchschnittes des Netto-
äquivalenzeinkommens.
Empirische Relevanz
Materielle Armut wirkt sich auf alle
Lebensbereiche und die entsprechenden
Teilhabechancen aus. Umgekehrt wird die
Wahrscheinlichkeit, ein Einkommen zu
beziehen, das unterhalb der Armutsquote
liegt, von einer Vielzahl anderer Faktoren
beeinflusst, wie Bildung, Qualifikation
und Erwerbsbeteiligung. Eine Absenkung
der Armutsrisikoquoten von Personen mit
Migrationshintergrund auf das Niveau der
Personen ohne Migrationshintergrund wür-
de eine Angleichung der Teilhabechancen in
verschiedenen Bereichen anzeigen.
Bewertung des Indikators
Bereichsübergreifender Indikator
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Aufgrund der unterschiedlichen Lebenshal-
tungskosten überschätzen die Armutsrisi-
koquoten I auf Basis des Bundesmedians
das Armutsrisiko in Bundesländern mit
niedrigeren Lebenshaltungskosten und
unterschätzen es in Ländern mit höheren
Lebenshaltungskosten. Dadurch sind die
Armutsrisikoquoten auf Basis des Bundes-
medians länderspezifisch nicht direkt
vergleichbar. Die Ergebnisse ab dem
Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölkerungs-
fortschreibung auf Basis des Zensus 2011
hochgerechnet.
E 6a Armutsrisikoquote I
ARBEITSMARKT UND LEBENSUNTERHALT

92
93
Abbildung 37:
Armutsrisikoquote I – Bundesmedian im Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
Deutschland
17,0
28,2
12,6
48,0
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund
Ergebnisse
25
Menschen mit Migrationshintergrund haben ein höheres Armutsrisiko.
2015 galten in Sachsen 28,2 % der Bevölkerung mit Migrationshin-
tergrund nach OECD-Standard als arm. Bei Personen ohne Migrati-
onshintergrund traf dies für 17,0 % zu.
Im bundesdeutschen Vergleich sind diese Unterschiede stärker. Fast
die Hälfte der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (48,0 %) lebte
nach dieser Berechnung unterhalb der Armutsrisikoschwelle. Bei
Personen ohne Migrationshintergrund galt dies für 12,6 %.
Es gilt zu beachten, dass in diesem Indikator innerdeutsche Unter-
schiede, zum Beispiel im Lohnniveau und in den Lebenshaltungskosten,
nur ungenügend berücksichtigt werden.
Während es in Sachsen bei Menschen ohne Migrationshintergrund
vor allem jüngere Personen unter 18 Jahre sind, die unterhalb
der Armutsrisikoschwelle leben, sind es bei der Bevölkerung mit
Migrationshintergrund vor allem ältere Personen über 65 Jahre, die
als materiell arm gelten. Im Bundesdurchschnitt hat das Alter weniger
Einfluss, insbesondere bei Personen ohne Migrationshintergrund lassen
sich nur geringe Unterschiede zwischen den Altersklassen finden.
25
Die vorhandene Datengrundlage des Integrationsmonitorings der Länder lässt für diesen Subindikator keine Aussagen über den Durchschnitt der neuen
Bundesländer zu.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil der Personen mit/ohne Migrations-
hintergrund an der jeweiligen Bevölkerung,
deren Einkommen unterhalb der Armutsri-
sikoschwelle liegt. Die Armutsrisikoschwelle
liegt bei 60 % des Medians des nach der
neuen OECD-Skala berechneten Nettoäqui-
valenzeinkommens (bedarfsgewichtetes
Haushaltsnettoeinkommen pro Kopf). Die
Medianberechnung erfolgt hier auf der
Basis des Nettoäquivalenzeinkommens des
jeweiligen Bundeslandes.
Empirische Relevanz
Materielle Armut wirkt sich auf alle
Lebensbereiche und die entsprechenden
Teilhabechancen aus. Umgekehrt wird die
Wahrscheinlichkeit, ein Einkommen zu
beziehen, das unterhalb der Armutsquote
liegt, von einer Vielzahl anderer Faktoren
beeinflusst, wie Bildung, Qualifikation
und Erwerbsbeteiligung. Eine Absenkung
der Armutsrisikoquoten von Personen mit
Migrationshintergrund auf das Niveau der
Personen ohne Migrationshintergrund würde
eine Angleichung der Teilhabechancen in
verschiedenen Bereichen anzeigen.
Bewertung des Indikators
Bereichsübergreifender Indikator.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Mikrozensus (siehe Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung auf
Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
26
Auf der Berechnungsgrundlage der sächsischen Haus-
haltseinkommen lebte 2015 über ein Drittel der Menschen
mit Migrationshintergrund im Freistaat Sachsen unter der
Armutsrisikoschwelle (37,5 %). 11,6 % der Menschen ohne
Migrationshintergrund galten als materiell arm. Innerhalb der
Gruppe mit Migrationshintergrund hatten besonders Auslände-
rinnen und Ausländer eine deutlich höhere Armutsrisikoquote
(42,5 %) als Deutsche mit Migrationshintergrund (30,9 %).
Zwischen Männern und Frauen fanden sich keine Unterschiede in
Bezug auf diese Armutsquote, auch unabhängig vom Migrati-
onshintergrund. Diese Angabe ist nur bedingt aussagekräftig,
da das jeweilige gesamte Haushaltseinkommen in die Berechnung
eingeht und keine Differenzierung nach Geschlecht innerhalb
der Haushalte vorgenommen werden kann.
Das Alter hat dagegen großen Einfluss. Bei der Bevölkerung
ohne Migrationshintergrund sind Personen, die älter als 65
Jahre sind, nur zu 5,7 % von Armut betroffen. Dagegen trifft
dies für 13,6 % derjenigen zwischen 18 und unter 65 Jahren
zu. Bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ändert sich
dieses Verhältnis. Hier sind fast die Hälfte aller Personen über
65 Jahre von Armut betroffen (43,5 %). Personen zwischen 18
und unter 65 Jahren haben eine Armutsquote von 36 %.
26
Aus den vorliegenden Zahlen des „Integrationsmonitoring der Länder“ lassen sich für
diesen Subindikator keine Aussagen über den Durchschnitt der neuen Bundesländer
treffen. Aufgrund der Art der Berechnung sind auch keine Aussagen für die gesamte
Bundesrepublik möglich.
E 6b Armutsrisikoquote II
ARBEITSMARKT UND LEBENSUNTERHALT

94
95
Abbildung 38:
Armutsrisikoquote II – Landesmedian im Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
11,6
37,5
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil der Personen mit und ohne Migrati-
onshintergrund im Alter von 15 und mehr
Jahren nach der Quelle des überwiegenden
Lebensunterhalts (Erwerbstätigkeit, Ange-
hörige, Rente/Pension, eigenes Vermögen,
Transferzahlungen) und nach Geschlecht.
Empirische Relevanz
Der Indikator zeigt an, aus welchen Quellen
der Lebensunterhalt überwiegend bestritten
wird. Von besonderer Bedeutung sind hier
Erwerbstätigkeit und öffentliche Transfer-
zahlungen. Ein Rückgang des Anteils der
Personen mit Migrationshintergrund, die
von öffentlichen Transferzahlungen ab-
hängig sind, und ein Ansteigen des Anteils
derer, die ihren Lebensunterhalt überwiegend
selbst zu finanzieren in der Lage sind,
zeigen einen Fortschritt beim strukturellen
Integrationsprozess an.
Bewertung des Indikators
Bereichsübergreifender Indikator, der von der
Konjunktur beeinflusst wird.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011
sind an der Bevölkerungsfortschreibung auf
Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
In Sachsen hat im Jahr 2015 die Hälfte aller Personen ohne
Migrationshintergrund (50,4 %) ihren Lebensunterhalt über-
wiegend durch Erwerbstätigkeit bestritten. Diese Quote ist bei
Personen mit Migrationshintergrund etwas niedriger (43,8 %).
Weitere Quellen des überwiegenden Lebensunterhaltes waren
für Menschen mit Migrationshintergrund die Finanzierung
durch Angehörige (18,7 %), Rente/Pension (8,5 %), eigenes
Vermögen (0,7 %) und öffentliche Transferleistungen (28,3 %).
In den neuen Bundesländern hatten Personen mit Migrati-
onshintergrund ebenfalls seltener die eigene Erwerbstätigkeit
als Quelle des überwiegenden Lebensunterhaltes (45,3 %),
im Vergleich zur Bevölkerung ohne Migrationshintergrund
(50,4 %). Im Bundesdurchschnitt finden sich dagegen keine
unterschiedlichen Anteile zwischen Menschen mit Migrati-
onshintergrund (51,1 %) und Menschen ohne diesen (51,3 %)
bezüglich der Erwerbstätigkeit.
Frauen haben als Quelle des überwiegenden Lebensunterhaltes
seltener eine eigene Erwerbsarbeit und dafür öfter eine Versor-
gung durch Angehörige. Dies trifft für Menschen mit und ohne
Migrationshintergrund zu.
E 7 Quelle des überwiegenden Lebensunterhalts
ARBEITSMARKT UND LEBENSUNTERHALT

96
97
Abbildung 39:
Anteile der Quelle des überwiegenden Lebensunterhalts in Sachsen im Jahr 2015
nach Migrationshintergrund (in %)
Abbildung 40:
Anteil von Personen mit Erwerbstätigkeit als Quelle des überwiegenden
Lebensunterhalts im Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
50,4
43,8
50,4
45,3
51,1
51,3
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund
öffentl. Transfer-
leistungen
eingenes Vermögen
Rente / Pension
8,7
28,3
0,3
0,7
34,6
8,5
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund
Angehörige
6,0
18,7
Erwerbstätigkeit
50,4
43,8

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil deutscher/ausländischer erwerbs-
fähiger Bezieherinnen und Bezieher von
Leistungen nach SGB II (Grundsicherung für
Arbeitssuchende) im Alter von 15 bis unter
25 Jahren, 25 und mehr Jahren und insge-
samt je 100 Personen der entsprechenden
Bevölkerungsgruppe im Alter von 15 bis
unter 65 Jahren.
Empirische Relevanz
Leistungen nach SGB II sind die wichtigste
Form der Sozialtransfers. Diese Leistung
wird vor allem von Langzeitarbeitslosen
bezogen. Eine hohe SGB-II-Quote kann
auf eine ungenügende Integration in den
Arbeitsmarkt hinweisen. Ein Rückgang der
SGB-II-Quote bei der ausländischen Bevöl-
kerung kann entsprechend einen strukturellen
Integrationsfortschritt anzeigen.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Indikator der strukturellen
Integration.
Datenquelle
Bundesagentur für Arbeit, Statistik der
Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II)
und Statistische Ämter des Bundes und
der Länder, Fortschreibung des Bevölke-
rungsstandes (siehe Kapitel Datenquellen
Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Das Jahr 2005 war das erste Jahr nach
der Einführung der Arbeitsmarktreformen
(Hartz-IV-Reform).
Ergebnisse
27
9,7 % der Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit, die
2015 im Freistaat Sachsen lebten, haben Grundsicherung nach
SGB II bezogen.
Unter Ausländerinnen und Ausländern wurde diese Sozialleis-
tung von 17,1 % in Anspruch genommen.
Im Bundesdurchschnitt waren beide Quoten geringer. Perso-
nen mit deutscher Staatsangehörigkeit nahmen zu 6,6 %
SGB II-Leistungen in Anspruch. Ausländerinnen und Ausländer
waren zu 16,1 % auf diese Leistungen angewiesen.
Frauen nahmen öfter Leistungen nach SGB II in Anspruch als
Männer. Dies traf für Deutsche und Ausländerinnen zu.
27
Aus den vorliegenden Zahlen des „Integrationsmonitoring der Länder“ lassen sich für
diesen Subindikator keine Aussagen über den Durchschnitt der neuen Bundesländer
treffen.
E 8a Erwerbsfähige Bezieherinnen und Bezieher von Leistungen
nach dem SGB II – Bevölkerungsanteil
ARBEITSMARKT UND LEBENSUNTERHALT

98
99
Abbildung 41:
Anteil von erwerbsfähigen Bezieherinnen und Beziehern von Leistungen nach SGB II im Jahr
2015 nach Staatsangehörigkeit (in %)
Sachsen
Deutschland
9,7
17,1
6,6
16,1
Deutsche
Ausländerinnen und Ausländer

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil von Personen mit und ohne Migrati-
onshintergrund an allen erwerbsfähigen
Bezieherinnen und Beziehern von Leistungen
nach SGB II (Grundsicherung für Arbeitssu-
chende) im Alter von 15 bis unter 25 Jahren,
25 und mehr Jahren und Insgesamt.
Empirische Relevanz
Leistungen nach SGB II sind die wichtigste
Form der Sozialtransfers. Diese Leistung
wird vor allem von Langzeitarbeitslosen
bezogen. Ein relativ hoher Anteil von
Leistungsempfängerinnen und -empfängern
mit Migrationshintergrund kann auf eine
ungenügende Integration von Personen mit
Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt
hinweisen. Ein Rückgang des Anteils der
Leistungsempfängerinnen und -empfänger
mit Migrationshintergrund kann entspre-
chend einen strukturellen Integrationsfort-
schritt anzeigen.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Indikator der strukturellen In-
tegration. Der Indikator hat aufgrund der
Datenlage eingeschränkte Aussagekraft.
Datenquelle
Bundesagentur für Arbeit, Statistik der
Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II)
(siehe Kapitel Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Angaben zum Migrationshintergrund
sind freiwillig und werden nur einmal
erhoben. Dadurch ergeben sich unterschied-
liche Antwortquoten je nach Bundesland.
Zusätzlich ergaben sich unterschiedliche
Ausschöpfungsquoten bei Ausländerinnen/
Ausländern und Deutschen, so dass die
Vergleichbarkeit zwischen den Ländern
eingeschränkt sein kann.
Ergebnisse
In Sachsen haben 2015 255.428 Personen Sozialleistungen
nach SGB II bezogen. Davon haben sich 64,5 % freiwillig dazu
geäußert, ob sie einen Migrationshintergrund haben oder nicht.
Von diesen auskunftsbereiten 164.744 Personen haben 19,6 %
einen Migrationshintergrund angegeben und werden innerhalb
dieses Indikators als Bezieher mit Migrationshintergrund von
Sozialleistungen nach SGB II gewertet.
In den neuen Bundesländern lag beim Bezug von SGB II-Leis-
tungen der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund
bei 15,6 % bzw. von Menschen ohne Migrationshintergrund
bei 84,4 %. In Deutschland hatten 47,6 % der auskunftsbereiten
Personen, die Sozialleistungen nach SGB II bezogen, einen
Migrationshintergrund, während 52,4 % keinen Migrationshin-
tergrund hatten.
E 8b Erwerbsfähige Bezieherinnen und Bezieher von Leistungen
nach dem SGB II nach Migrationshintergrund
ARBEITSMARKT UND LEBENSUNTERHALT

100
101
Abbildung 42:
Erwerbsfähige Bezieherinnen und Bezieher von Leistungen nach SGB II im
Jahr 2015 nach Migrationshintergrund (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
80,4
19,6
84,4
15,6
52,4
47,6
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Inanspruchnahme der Früherkennungsun-
tersuchung U8 bezogen auf die Kinder mit
vorgelegtem Vorsorgeheft zum Zeitpunkt
der Einschulungsuntersuchung differenziert
nach dem Migrationshintergrund.
Empirische Relevanz
Präventiv werden bei Kindern bis zum
6. Lebensjahr die Früherkennungsunter-
suchungen U3 bis U9 angeboten. Die Inan-
spruchnahme ist ein Indikator zur Nutzung
des Gesundheitssystems. Der Indikator zeigt
Unterschiede im Gesundheitsverhalten in
Bezug auf Prophylaxe zwischen der Bevöl-
kerung mit und ohne Migrationshintergrund
auf. Daraus resultiert eine unterschiedliche
Gesundheitsgefährdung bei einzuschulenden
Kindern. Generell ist ein hoher Grad der
Inanspruchnahme der Früherkennungsun-
tersuchung U8 anzustreben.
Bewertung des Indikators
Indikator zu Gesundheitsverhalten und
Gesundheitsgefährdung. Wegen der immer
noch sehr uneinheitlichen Datenerhebung
ist die Vergleichbarkeit der Ergebnisse
zwischen den Ländern stark eingeschränkt.
Datenquelle
Für Gesundheitswesen zuständige Minis-
terien, Ämter bzw. Behörden der Länder,
Schuleingangsuntersuchung (siehe Kapitel
Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Seit dem Jahr 2013 liegt eine abgestimmte
einheitliche Definition für die Erhebung
des Migrationshintergrunds in der Schul-
eingangsuntersuchung vor, deren Einsatz
von der Gesundheitsministerkonferenz
empfohlen wird. Ein Migrationshinter-
grund liegt demnach vor, wenn ein Kind
und mindestens ein Elternteil nicht in
Deutschland geboren ist oder beide Eltern
nicht in Deutschland geboren sind oder
beide Eltern eine nichtdeutsche Staats-
angehörigkeit haben. Die Erhebung der
Merkmale für die einheitliche Definition des
Migrationshintergrundes bei den Einschul-
ungsuntersuchungen kann jedoch bisher
aus unterschiedlichen Gründen nicht in
allen Ländern (flächendeckend) umgesetzt
werden. Bis 2015 folgten nur Hamburg,
Sachsen-Anhalt (für 13 von 14 Landkreisen),
Rheinland-Pfalz (für etwa zwei Drittel der
betroffenen Kinder) und Niedersachsen (für
etwa 30 Prozent der betroffenen Kinder)
dieser Referenzdefinition. Für Berlin gilt
dies eingeschränkt, da nur in Deutschland
geborene Kinder berücksichtigt werden,
weshalb die Zahlen nicht vollständig mit
denen der vier erstgenannten Länder
vergleichbar sind. Andere Länder verwen-
deten unterschiedlich stark abweichende
Definitionen des Migrationshintergrundes
(Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg,
Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein,
Thüringen). Mangels Differenzierung nach
Migrationshintergrund können zur Inan-
spruchnahme der Früherkennungsuntersu-
chung U8 in Bremen, Hessen, Mecklen
burg-
Vorpommern, Sachsen und im Saarland
keine migrationssensiblen Aussagen
getroffen werden.
F GESUNDHEIT
F 1 Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchung U8
GESUNDHEIT
Ergebnisse
Für das Jahr 2015 liegen nur Werte für die Bundesländer
Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Nieder-
sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen
vor. Für Sachsen existieren keine Daten zur Inanspruchnahme
der Früherkennungsuntersuchung U8. Somit sind sowohl für
Sachsen, die neuen Länder als auch für die Bundesrepublik keine
validen Aussagen für diesen Indikator möglich.

102
103
GENERELL IST EIN HOHER GRAD
DER INANSPRUCHNAHME
DER FRÜHERKENNUNGSUNTERSUCHUNG U8
ANZUSTREBEN.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
G WOHNEN
Definition
Personen mit Wohneigentum bezogen auf die
Bezugsperson im Haushalt am Hauptwohnsitz.
Empirische Relevanz
Die Eigentümerquote gibt einerseits
Aufschluss über die wirtschaftliche Leis-
tungsfähigkeit der Bevölkerung mit Migra-
tionshintergrund, andererseits ist sie ein
Indikator für eine dauerhafte Aufenthalts-
orientierung. Gleichzeitig kann der Erwerb
von Eigentum allerdings auch mit der
mangelnden Möglichkeit zu tun haben, auf
dem freien Wohnungsmarkt eine Wohnung
zu finden und eine „Flucht ins Eigentum“
darstellen. Zu berücksichtigen ist, dass die
Menschen mit Migrationshintergrund
häufiger in Städten und Großstädten leben,
in denen die Eigentumsquote generell geringer
als in ländlichen Regionen ist.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Wohnindikator.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Der Indikator wird nur alle vier Jahre erfasst,
letztmalig 2014. Die Hochrechnung 2010
erfolgte auf Basis der fortgeschriebenen
Ergebnisse der Volkszählung 1987, die
Hochrechnung 2014 auf Basis der fortge-
schriebenen Ergebnisse des Zensus 2011. Die
Vergleichbarkeit ist daher eingeschränkt.
Ergebnisse
28
Menschen mit Migrationshintergrund besitzen seltener
Wohneigentum als Menschen ohne Migrationshintergrund.
In Sachsen lag die Eigentümerquote der Bevölkerung mit
Migrationshintergrund im Jahr 2014 bei 9,7 %. Die Eigentümer-
quote der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund lag bei
mehr als dem Dreifachen (34,5 %).
Auf Bundesebene lag diese Quote bei Menschen mit
Migrations
hintergrund bei 26,2 % und bei Menschen ohne
Migrationshintergrund bei 47,2 %.
28
Auswertungen für die neuen Bundesländer und nach Geschlecht können wegen zu
geringer Fallzahl nicht ausgegeben werden.
G 1 Eigentümerquote
WOHNEN

104
105
Abbildung 43:
Eigentümerquote nach Migrationshintergrund für das Jahr 2014 (in %)
Sachsen
Deutschland
34,5
9,7
47,2
26,2
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Durchschnittliche Wohnfläche in m² je Fami-
lienmitglied mit/ohne Migrationshintergrund
in Familien mit Kindern unter 18 Jahren.
Empirische Relevanz
Es ist zu berücksichtigen, dass Menschen
mit Migrationshintergrund häufiger in
Städten und Großstädten leben. Dort ist
die Eigentumsquote generell niedriger als
in ländlichen Regionen und der Wohnraum
ist im Allgemeinen teurer. Außerdem leben
Menschen mit Migrationshintergrund
häufiger in Mieterhaushalten. Die durch-
schnittlichen Wohnflächen in (Groß-)
Städten und von Mieterhaushalten sind im
Allgemeinen kleiner.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Wohnindikator.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Der Indikator wird nur alle vier Jahre erfasst,
letztmalig 2014. Die Hochrechnung 2010
erfolgte auf Basis der fortgeschriebenen
Ergebnisse der Volkszählung 1987, die
Hochrechnung 2014 auf Basis der fortge-
schriebenen Ergebnisse des Zensus 2011. Die
Vergleichbarkeit ist daher eingeschränkt.
Ergebnisse
Familien von Menschen mit Migrationshintergrund leben oft
auf deutlich engerem Raum zusammen. In Sachsen standen
2014 jedem Mitglied aus einer solchen Familie durchschnittlich
24,7 m² zur Verfügung. In Familien ohne Migrationshintergrund
konnte jede Person im Durchschnitt 29,6 m² nutzen. Während
sich zwischen Sachsen und den neuen Bundesländern kaum
Unterschiede finden ließen, hatten im Bundesdurchschnitt
Familien ohne Migrationshintergrund deutlich mehr Fläche pro
Person zur Verfügung (34,1 m²). Familien mit Migrationshin-
tergrund hatten im bundesweiten Durchschnitt ähnlich viel
Wohnfläche zur Verfügung wie in Sachsen oder den neuen
Bundesländern (25,9 m² / Person).
G 2 Wohnfläche je Familienmitglied
WOHNEN

106
107
Abbildung 44:
Durchschnittliche Wohnfläche je Familienmitglied in Familien mit Kindern
unter 18 Jahren für das Jahr 2014 nach Migrationshintergrund (in m²)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
29,6
24,7
30,1
24,7
34,1
25,9
ohne Migrationshintergrund
mit Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
H KRIMINALITÄT
Definition
Anteil strafmündiger tatverdächtiger
Deutscher und Nichtdeutscher an allen
Tatverdächtigen, insgesamt und nach
Altersgruppen und Geschlecht.
Empirische Relevanz
Der Indikator zeigt die Verteilung von Deut-
schen und Nichtdeutschen (Personen auslän-
discher Staatsangehörigkeit und Staatenlose)
bei den Tatverdächtigen nach Altersgruppen
und Geschlecht an. Eine überdurchschnittlich
hohe Kriminalität bei einer Bevölkerungs-
gruppe weist auf eine mangelnde gesell-
schaftliche Integration hin.
Bewertung des Indikators
Diese Informationen sind für ein Gesamt-
bild der Integration relevant. In der Statistik
werden die „Tatverdächtigen“ geführt,
deren Zahl auch vom Anzeigeverhalten
beziehungsweise vom Kontrollverhalten
der Polizei abhängig ist. Ein Anstieg der
Tatverdächtigen bedeutet daher nicht
automatisch einen Anstieg im delinquenten
Verhalten, sondern weist unter Umständen
nur auf ein kleiner gewordenes Dunkelfeld
hin. Bei der Ergebnisinterpretation müssen
diese Einflussfaktoren berücksichtigt
werden. Um die Vergleichbarkeit zwischen
den Gruppen der Statistik zu erhöhen,
wurden ausländerspezifische Straftaten
und Straftaten Nichtdeutscher, die sich
nur vorübergehend in Deutschland aufhal-
ten, nicht berücksichtigt. Erschwert wird
die Interpretation durch das Fehlen von
Hinweisen auf die soziale Schichtzugehö-
rigkeit der Tatverdächtigen.
Datenquelle
Bundeskriminalamt, Polizeiliche Krimi-
nalstatistik (siehe Kapitel Datenquellen
Seite 116).
Methodische Besonderheiten
In der Statistik werden ausländerspezifische
Straftaten und Straftaten Nichtdeutscher,
die sich nur vorübergehend in Deutschland
aufhalten, nicht berücksichtigt. Die Statistik
erfasst keinen Migrationshintergrund,
sondern nur die Staatsangehörigkeit.
H 1 Tatverdächtige
KRIMINALITÄT

108
109
Ergebnisse
In Sachsen lag im Jahr 2015 der Anteil der Nichtdeutschen unter allen
Tatverdächtigen bei 15,2 % und befand sich somit leicht über dem
Durchschnitt der neuen Bundesländer (12,2 %). Wird die gesamte
Bundesrepublik betrachtet, war der Anteil deutlich höher (26,1 %).
Nichtdeutsche Frauen gerieten seltener in Tatverdacht als nicht-
deutsche Männer. In Sachsen lag die Quote der Nichtdeutschen bei
weiblichen Tatverdächtigen bei 9,3 %. Der Anteil der Nichtdeutschen
unter den männlichen Tatverdächtigen war in Sachsen mit 17,3 %
dagegen fast doppelt so hoch.
Diese Quoten waren in den neuen Bundesländern für beide
Geschlechter geringfügig niedriger (Anteil unter Männern 13,6 %,
unter Frauen 8,3 %), im Bundesdurchschnitt dagegen deutlich höher
(Anteil unter Männern 27,5 %, unter Frauen 22,2 %).
Abbildung 45:
Anteil der tatverdächtigen Nichtdeutschen an allen Tatverdächtigen im Jahr
2015 nach Geschlecht (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
17,3
9,3
13,6
8,3
27,5
22,2
männlich
weiblich

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil verurteilter Deutscher und Auslände-
rinnen und Ausländer an allen Verurteilten,
insgesamt und nach Altersgruppen sowie
Geschlecht.
Empirische Relevanz
Der Indikator zeigt die Verteilung von
Deutschen und Ausländerinnen und
Ausländern bei den Verurteilten nach
Altersgruppen und Geschlecht an, wobei
deliktspezifische Angaben fehlen.
Bewertung des Indikators
Diese Informationen sind für ein Gesamt-
bild der Integration relevant.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
Strafverfolgungsstatistik (siehe Kapitel
Datenquellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Statistik erfasst keinen Migrationshinter-
grund, sondern nur die Staatsangehörigkeit.
Die Daten wurden bei den Statistischen
Ämtern der Länder abgefragt.
Ergebnisse
Der Anteil der Ausländerinnen und Ausländern an allen
Verurteilten lag in Sachsen im Jahr 2015 bei 16,8 %. Die Quote
im Freistaat war damit höher als im Durchschnitt der neuen
Bundesländer (11,5 %). Der bundesweite Anteil der Auslän-
derinnen und Ausländer an allen Verurteilungen belief sich im
Durchschnitt auf 28,3 %.
Der Anteil der Ausländer an allen männlichen Verurteilten ist
in der Regel höher als der Anteil von Ausländerinnen an allen
weiblichen Verurteilten. In Sachsen war die Differenz etwas
größer (8,2 Prozentpunkte) als in den neuen Bundesländern
(3,9 Prozentpunkte) oder Deutschland (5,0 Prozentpunkte).
H 2 Verurteilte
KRIMINALITÄT

110
111
Abbildung 46:
Anteil verurteilter Ausländerinnen und Ausländer an allen Verurteilten
im Jahr 2015 nach Geschlecht (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
18,5
10,3
12,2
8,3
29,3
24,3
männlich
weiblich

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil der Erwerbstätigen mit Migrations-
hintergrund im Öffentlichen Dienst an allen
Erwerbstätigen im Öffentlichen Dienst.
Empirische Relevanz
Dem Öffentlichen Dienst kommt bei der
Integration von Personen mit Migrations-
hintergrund in das Erwerbsleben eine
Vorreiterrolle zu. Der Anteil von Menschen
mit Migrationshintergrund in der Bevölkerung
im erwerbsfähigen Alter sollte sich auch
bei den Erwerbstätigen im Öffentlichen
Dienst widerspiegeln.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Indikator für die interkulturelle
Öffnung.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der
Länder, Mikrozensus (siehe Kapitel Daten-
quellen Seite 116).
Methodische Besonderheiten
Die Daten des Mikrozensus beruhen auf der
Selbstauskunft der Befragten. Der Anteil
der im Öffentlichen Dienst Tätigen liegt im
Mikrozensus höher als in anderen Statistiken.
Vermutlich wird von den Befragten auch
dann häufig der Öffentliche Dienst ange-
geben, wenn sie in ehemals öffentlichen
Unternehmen beschäftigt sind. Der Anteil
wird damit überschätzt.
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind
an der Bevölkerungsfortschreibung auf Basis
des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
Im Jahr 2015 hatten in Sachsen entsprechend der Selbstauskunft
der Befragten nur sehr wenige Angestellte im Öffentlichen
Dienst einen Migrationshintergrund. Im Freistaat Sachsen, aber
auch in den neuen Bundesländern lag deren Anteil bei 2,3 %.
Den gesamten Öffentlichen Dienst der Bundesrepublik betrachtet,
war dieser Wert deutlich höher (9,8 %).
Nur die weiblichen Erwerbstätigen betrachtet, waren die Werte
in Sachsen nochmals deutlich niedriger. Nur 1,5 % der Frauen
hatten in diesem Sektor einen Migrationshintergrund, bei den
Männern waren es 3,4 %. In den neuen Bundesländer unter-
schieden sich die Anteile weniger (0,9 Prozentpunkte Differenz).
Im gesamten deutschen Öffentlichen Dienst hatten 10,5 % der
Frauen und 8,9 % der Männer einen Migrationshintergrund.
I INTERKULTURELLE
ÖFFNUNG
I 1 Erwerbstätige im Öffentlichen Dienst nach Migrationshintergrund
INTERKULTURELLE ÖFFNUNG

112
113
Abbildung 47:
Anteil Erwerbstätige mit Migrationshintergrund im Öffentlichen Dienst an
allen Erwerbstätigen im Öffentlichen Dienst im Jahr 2015 nach Geschlecht (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
3,4
1,5
2,9
2
8,9
10,5
männlich
weiblich

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Definition
Anteil der Abgeordneten mit Migrations-
hintergrund an allen Abgeordneten in den
Landesparlamenten.
Empirische Relevanz
Der Indikator zeigt einerseits an, inwieweit es
politisch Aktiven mit Migrationshintergrund
möglich ist, innerhalb der Landesparlamente
politisch zu partizipieren und die deutsche
Bevölkerung unmittelbar zu repräsentieren.
Andererseits ist er ein Indikator der (summa-
rischen) Öffnung der in den Landesparlamen-
ten vertretenen Parteien für Kandidatinnen
und Kandidaten mit Migrationshintergrund.
Bewertung des Indikators
Der Indikator gibt Auskunft über den
Grad der Durchlässigkeit des politischen
Systems für Menschen mit Migrationshin-
tergrund. Er ist eine Maßzahl deskriptiver
Repräsentation für die Kerninstitutionen
der repräsentativen Demokratie. Andere
Institutionen werden nicht abgebildet und
auch über die substanzielle Repräsentation
gruppenspezifischer Interessen kann mit
dem Indikator keine unmittelbare Aussage
getroffen werden.
Datenquelle
Datensammlung im Rahmen des von der
VolkswagenStiftung finanzierten und mitt-
lerweile abgeschlossenen Forschungsprojekts
„Migranten als politische Akteure“ (2006-
2015) am Mannheimer Zentrum für Euro-
päische Sozialforschung. Eine Fortsetzung
der Datenerhebung ist nicht sichergestellt.
Methodische Besonderheiten
Ein Migrationshintergrund eines Ab-
geordneten liegt dann vor, wenn der
Abgeordnete selbst oder ein Elternteil
außerhalb Deutschlands (Gebietsstand
zum Zeitpunkt der Geburt: BRD, DDR,
Deutsches Reich) geboren wurde und
qua Geburt ausschließlich eine andere als
die deutsche Staatsbürgerschaft erwarb.
Zur Identifikation der ersten Generation
wurde auf der Grundlage der Parlaments-
handbücher und von Angaben im Internet
(privat, Parlament, Partei, Fraktion) der
Geburtsort festgestellt und unmittelbar
nachgefragt, ob ein Migrationshintergrund
vorliegt. Darüber hinaus wurde auch bei
Abgeordneten, deren Namen, Biografien oder
Aussehen Anlass zur Vermutung gaben,
dass ein Migrationshintergrund (1. oder
2. Generation) vorliegen könnte, direkt
nach dem Migrationshintergrund gefragt.
Schließlich wurden 2007 und 2014 sämtliche
Landtagsfraktionen angeschrieben, die
Namen ihrer Abgeordneten mit Migrati-
onshintergrund zu benennen. Dieser Bitte
kamen nahezu alle Fraktionen nach. Die
Daten spiegeln den Stand zum Ende des
jeweiligen Berichtsjahres wider.
I 2 Abgeordnete in Landesparlamenten nach Migrationshintergrund
INTERKULTURELLE ÖFFNUNG

114
115
Abbildung 48:
Anteil der Abgeordneten mit Migrationshintergrund an allen Abgeordneten
in den Landesparlamenten im Jahr 2015 (in %)
Sachsen
Neue Bundesländer
Deutschland
0,8
0,6
4,5
Ergebnisse
In Sachsen hatte 2015 genau eine Person im Sächsischen Landtag
einen Migrationshintergrund. Dies entsprach einer Quote von
0,8 %. In allen fünf Landesparlamenten der neuen Bundesländer
lag diese Quote bei 0,6 % (insgesamt drei Personen). In allen 16
Landtagen hatten unter den 1.857 Abgeordneten 83 einen Migra-
tionshintergrund. Dies entsprach einem Anteil von 4,5 %.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Der Mikrozensus
Der Mikrozensus ist eine jährlich durchge-
führte repräsentative Befragung bei 1 % aller
Haushalte mit einem umfangreichen Frage-
programm. Die Stichprobenerhebung über
Arbeitskräfte in der Europäischen Union ist
in Deutschland in den Mikrozensus integriert
und ermöglicht internationale Vergleiche
hinsichtlich der Struktur und Entwicklung von
Erwerbstätigkeit und Erwerbslosigkeit. Auf-
grund der hohen Fallzahlen und der umfang-
reichen soziodemografischen, bildungs- und
erwerbsstatistischen Angaben ermöglicht der
Mikrozensus repräsentative und differenzierte
Analysen zur Qualifikationsstruktur, Erwerbs-
beteiligung und Erwerbssituation von Perso-
nen mit und ohne Migrationshintergrund. Für
die meisten Fragen des Mikrozensus besteht
Auskunftspflicht.
Wie bei jeder Statistik, die auf Stichproben
basiert, muss auch beim Mikrozensus mit
Zufallsfehlern gerechnet werden. Diese sind
umso größer, je schwächer eine Merkmals-
kombination besetzt ist. In den Tabellen
werden hochgerechnete Werte unter 5.000
(weniger als 50 Fälle in der Stichprobe)
nicht nachgewiesen, da hier der einfache
relative Standardfehler über 15 % liegt.
Werte zwischen 5.000 und 10.000 sind
mit einem Standardfehler von über 10 % in
ihrer Aussagekraft eingeschränkt. Erst ab
Besetzungszahlen von 50.000 oder mehr
wird ein einfacher relativer Standardfehler
von 5 % oder weniger erreicht.
Seit dem Jahr 2005 werden im Rahmen
des Mikrozensus Merkmale zum Migrati-
onshintergrund der Bevölkerung erhoben.
Da eine direkte Erhebung des Merkmals
Migrationshintergrund“ nicht umsetzbar
ist, werden verschiedene Einzelmerkmale zu
Zuzug, Einbürgerung und Staatsangehörigkeit
erfasst. Einen Migrationshintergrund haben
in diesem Bericht Ausländerinnen und Aus-
länder, im Ausland Geborene und nach 1955
auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik
Deutschland Zugewanderte, sowie alle
Personen mit zumindest einem zugewan-
derten Elternteil.
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind
an der Bevölkerungsfortschreibung nach dem
Zensus 2011 hochgerechnet. Dadurch und
durch die Änderung der Definition des Migrati-
onshintergrunds sind die Ergebnisse ab dem 3.
Bericht zum Integrationsmonitoring der Länder
nicht mit dem 1. und 2. Bericht vergleichbar.
Im vorliegenden vierten Bericht zum Integra-
tionsmonitoring kommt erneut das Konzept
des Zensus zum Migrationshintergrund zur
Anwendung (siehe Einleitung). Fast alle der
16,3 Millionen Personen, die nach der Defini-
tion des Zensus einen Migrationshintergrund
haben, haben diesen auch nach der Mikro-
zensus-Definition des Statistischen Bundes-
amtes. Eine Ausnahme bildet eine kleine
Gruppe von Personen, die mit deutscher
Staatsangehörigkeit im Ausland geboren sind
und ab 2015 vom Statistischen Bundesamt
nicht mehr zu den Personen mit Migrati-
onshintergrund gezählt werden. Darüber
hinaus haben in der Mikrozensus-Definition
des Statistischen Bundesamtes 828.000
Personen einen Migrationshintergrund,
denen im Zensus kein Migrationshintergrund
zugewiesen wird. Davon sind:
176.000 vor 1956 Zugewanderte.
312.000 in Deutschland geborene Ein-
gebürgerte, deren Elternteile nicht bzw.
nicht nach 1955 zugewandert sind.
340.000 in Deutschland Geborene,
deren Elternteile Aussiedlerinnen und
Aussiedler, Ausländerinnen und Auslän-
der oder Eingebürgerte sind und diese
nicht bzw. nicht nach 1955 zugewan-
dert sind.
Ein Vergleich der Größenordnungen ist in
der folgenden Grafik abgebildet.
7. DATENQUELLEN
DATENQUELLEN

image
image
116
117
Da die umfassende Darstellung des Migrations-
hintergrundes im Mikrozensus bisher nur alle
vier Jahre erhoben wurde (zuletzt 2005, 2009
und 2013), wird aus Gründen der Aktualität
der Migrationshintergrund im engeren Sinne
genutzt. Dabei wird der Migrationshintergrund
der Personen der zweiten Generation mit deut-
scher Staatsangehörigkeit, die außerhalb des
Haushaltes der Eltern leben, nicht erfasst. Im
Jahr 2013 ist die Zahl der Personen mit Migra-
tionshintergrund bundesweit um 934.000
Personen geringer, wenn der Migrationshinter-
grund im engeren Sinne erfasst wird. Auf die
Ergebnisdarstellung hat dies nur Auswirkungen
im Nachkommabereich. Bei einzelnen Gruppen
fallen die Unterschiede jedoch deutlicher aus,
dies gilt insbesondere für jüngere Personen-
gruppen, die häufiger der zweiten Generation
angehören. Da dieser Personenkreis in der
Regel besser integriert ist, hat dies auch inhalt-
liche Auswirkungen. Dies soll am Beispiel der
Personen ohne beruflichen Bildungsabschluss
im Alter von 25 bis unter 35 Jahren verdeut-
licht werden. Bundesweit liegt der Anteil derer
Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland 2015
nach Definition des Statistischen Bundesamts (StBA) und des Zensus
Anteil der Bevölkerung im Alter von 25 bis unter 35 Jahren mit Migrationshintergrund
und ohne beruflichen Bildungsabschluss 2013 nach Migrationshintergrund im engeren bzw. weiteren Sinne

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
ohne beruflichen Bildungsabschluss bei
der Betrachtung des Migrationshintergrun-
des im weiteren Sinne um -2,0 Prozentpunkte
niedriger als auf der Basis des engeren Sinnes.
Insgesamt bedeutet dies, dass sich das Bild der
Integration der Bevölkerung mit Migrations-
hintergrund geringfügig positiver darstellen
würde, wenn der Migrationshintergrund im
weiteren Sinne als Basis gewählt würde.
Die Ergebnisse des Mikrozensus spiegeln das
aktuelle Flüchtlingsgeschehen nur teilweise
wider. Dies ist insbesondere auf die Schutz-
suchenden zurückzuführen, die vor allem in
der zweiten Jahreshälfte 2015 nach Deutsch-
land kamen und in Erstaufnahmeeinrich-
tungen lebten, in denen keine Mikrozensus-
Befragungen durchgeführt wurden. Bei den
Zugewanderten lassen sich im Mikrozensus
darüber hinaus die Schutzsuchenden nicht
eindeutig von anderen Ausländerinnen und
Ausländern unterscheiden.
Die Wanderungsstatistik
Die Wanderungsstatistik der amtlichen Sta-
tistik beruht auf den An- und Abmeldungen,
die bei einem Wohnungswechsel von den
Meldebehörden registriert werden. Die Daten
werden monatlich erhoben und enthalten
unter anderem Angaben zum Alter, Ge-
schlecht, Familienstand, Staatsangehörigkeit,
Herkunft- und Zielgebiet. Ab August 2008
werden zusätzlich Angaben zum Geburtsland
und – bei einer Rückkehr aus dem Ausland –
das Datum des Fortzugs ins Ausland erfasst.
Die Fortschreibung des Bevölke-
rungsstandes
Die Fortschreibung des Bevölkerungsstandes
ermittelt die amtliche Einwohnerzahl auf
Gemeindeebene. Nachgewiesen ist als Bestand
die Summe aller Personen, die nach den
melderechtlichen Vorschriften in Deutsch-
land mit einer alleinigen oder Hauptwohnung
angemeldet sein sollten. Die Zuordnung zu
einer Gemeinde im Inland erfolgt nach dem
Standort der alleinigen oder Hauptwoh-
nung. Es wird die in Deutschland lebende
deutsche und nicht-deutsche (ausländische)
Bevölkerung erfasst. Als Ausländerinnen und
Ausländer gelten alle Personen, die nicht
Deutsche im Sinne des Art. 116 Abs. 1 GG
sind. Die Ergebnisse der jeweils letzten Zäh-
lung der Bevölkerung werden in der Gliede-
rung nach Geschlecht, Alter, Familienstand
und deutsch / nicht deutsch auf Gemeinde-
ebene mit den Ergebnissen der Statistiken
der natürlichen Bevölkerungsbewegung über
die Geburten, Sterbefälle, Eheschließungen
und Ehelösungen sowie der Wanderungs-
statistik über die Zu- und Fortzüge über
Gemeindegrenzen fortgeschrieben. Die Daten
zu den genannten Statistiken werden von
den Statistischen Ämtern der Länder bei
den Standesämtern (Geburten, Sterbefälle,
Eheschließungen), den Familiengerichten
(Scheidungen) und den Meldebehörden
(Wanderungen) erhoben. Ferner werden die
Ergebnisse der Staatsangehörigkeitswechsel
beziehungsweise Einbürgerungen, sonstige
Bestandskorrekturen sowie Gebietsstandsän-
derungen für die Bevölkerungsfortschreibung
berücksichtigt. Bei den Bevölkerungsdaten
handelt es sich um Fortschreibungszahlen,
die auf Ergebnissen des Zensus 2011 basieren.
In den aktuellen Rahmenbedingungen stellt
die Bevölkerungsfortschreibung zwischen
zwei Volkszählungen die einzige kohärente
Methode dar, um laufend die Zahl und die
Struktur der Gesamtbevölkerung und ihrer
Untergliederung nach der deutschen und der
ausländischen Bevölkerung zu ermitteln. Die
Qualität der zugrunde liegenden Statistiken
wird allgemein als gut eingeschätzt. Jedoch
erfordert die Bevölkerungsfortschreibung
eine regelmäßige Neujustierung durch eine
Bestandsaufnahme in Form einer neuen
Volkszählung. Mit wachsendem zeitlichem
Abstand zum letzten Zensus kommt es zu
Ungenauigkeiten (Über- oder Untererfassun-
gen in einzelnen Bevölkerungsgruppen) in den
Ergebnissen der Bevölkerungsfortschreibung.
DATENQUELLEN

118
119
Die Asylgeschäftsstatistik des
Bundes
amtes für Migration und
Flüchtlinge
Die Asylgeschäftsstatistik des Bundesamts
für Migration und Flüchtlinge wird monatlich
aktualisiert und enthält Informationen zu
den gestellten Asylanträgen, den Entschei-
dungen sowie aktuellen Entwicklungen im
Asylbereich.
Aufgrund des hohen Zuzugs und der
begrenzten Kapazitäten des BAMF für die
Antragsannahme entsprechen die Zahlen
insbesondere für das Jahr 2015 nur einem
Teil der insgesamt aufgenommenen Asyl-
suchenden.
Das Ausländerzentralregister
Im allgemeinen Datenbestand des Auslän-
derzentralregisters werden grundsätzlich
die Daten der Ausländer erfasst, die sich
länger als drei Monate in Deutschland auf-
halten. Es dient den Verwaltungsbehörden zur
Erfüllung von Aufgaben im ausländer- und
asylrechtlichen Bereich, hat Unterstüt-
zungsfunktion als Instrument der inneren
Sicherheit und wird für ausländerpoli-
tische Planungen sowie die Ermittlung
steuerungsrelevanter Größen verwendet.
Die Einbürgerungsstatistik
Die Einbürgerungsstatistik basiert auf
Meldungen der Einbürgerungsbehörden.
Auswertungen erfolgen jährlich durch die
Statistischen Ämter des Bundes und der
Länder.
Die Kinder- und Jugendhilfestatistik
Die im Rahmen der Kinder- und Jugend-
hilfestatistik durchgeführte Erhebung
zu „Kindern und tätigen Personen in
Tageseinrichtungen“ ist eine jährliche
Totalerhebung zum Stichtag 1. März, die
seit dem Jahr 2006 mit einem erweiterten
Merkmalsumfang durchgeführt wird. Bis
zum Jahr 2008 war der Stichtag der 15.
März. Bei der Erhebung wird der Migra-
tionshintergrund sowohl nach der vorrangig
in der Familie gesprochenen Sprache
(Deutsch - nicht-Deutsch) als auch nach
der ausländischen Herkunft mindestens
eines Elternteils erfragt.
Die Statistik der Sprachprüfungen
des Bundesamts für Migration und
Flüchtlinge
Am 1. Juli 2009 löste die neue Sprachprüfung
„Deutsch-Test für Zuwanderer (A2-B1)“
die bisherigen Sprachprüfungen „Zertifikat
Deutsch“ (B1) und „Start Deutsch 2“ (A2)
als abschließende Sprachprüfung in Integ-
rationskursen ab. Die Kompetenzstufen A2
bis B1 orientieren sind am Gemeinsamen
Europäischen Referenzrahmen für Sprachen
(GER). Integrationskurse sind nicht für alle
neu Zugewanderten verbindlich, dadurch
kann der Vergleich zwischen den Bundes-
ländern beeinflusst werden, da die Zahl
der Teilnehmer an Integrationskursen nicht
in Relation zu den Zugewanderten gesetzt
werden kann.
Die Schulstatistik
Die Schulstatistik ist eine Länderstatistik, die,
soweit es die unterschiedlichen Schulsys-
teme zulassen, zwischen den Bundeslän-
dern koordiniert wird. Die unterschiedlichen
Schulsysteme in den Ländern werden
auf eine bundeseinheitliche Systematik
der Schultypen abgebildet und werden
so vergleichbar. Die Schulstatistik soll
gemäß einer Entscheidung der Kultus-
ministerkonferenz (KMK) künftig eine
länderübergreifend einheitliche Definition
des Migrationshintergrundes verwenden,
die die drei Merkmale Staatsangehörigkeit,
überwiegend in der Familie gesprochene
Verkehrssprache und Geburtsland ein-
bezieht. Migrationsmerkmale der Eltern
sollen nicht in die Ableitung des Merkmals
eingehen. 2015 war der Kerndatensatz
noch nicht in allen Ländern umgesetzt.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
Die Hochschulstatistik
Die Statistik der Studenten und die Statistik
der Prüfungen werden unter der Hoch-
schulstatistik zusammengefasst. Sie dienen
der allgemeinen Bildungs- und Hochschul-
planung in Bund und Ländern und an den
Hochschulen selbst. Beide Statistiken sind
Sekundär- und gleichzeitig Totalerhebungen
aus den Verwaltungsunterlagen der Hoch-
schulen. Die Statistiken erfassen keinen
Migrationshintergrund, sondern nur die
Staatsangehörigkeit und ob die Hochschul-
reife im Inland erworben wurde.
Die Berufsbildungsstatistik
Die Berufsbildungsstatistik ist eine Vollerhe-
bung mit Auskunftspflicht zum Stichtag 31.
Dezember. Erfasst werden Jugendliche mit
Ausbildungsvertrag, die sich zum Stichtag
der Erhebung in einer Ausbildung im Dualen
System (Betrieb, Berufsschule) befinden.
Die für das Berichtsjahr nachgewiesenen
Ausbildungsverträge enthalten nicht die
in der Probezeit vorzeitig gelösten Aus-
bildungsverhältnisse. Ab dem Berichtsjahr
2008 kann durch das Merkmal „Zugehörig-
keit zum Öffentlichen Dienst“ die Zahl der
neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge
im Bereich „Öffentlicher Dienst“ vollständig
nachgewiesen werden. Die Statistik erfasst
keinen Migrationshintergrund, sondern nur
die Staatsangehörigkeit.
Die Arbeitslosenstatistik
Die Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur
für Arbeit (BA) erfasst alle Personen bis zur
Vollendung des 65. Lebensjahres, die nicht oder
weniger als 15 Stunden pro Woche arbeiten, als
arbeitslos registriert sind, eine Beschäftigung
von mindestens 15 Wochenstunden suchen
und der Arbeitsvermittlung zur Verfügung
stehen. Schülerinnen und Schüler, Studierende
und Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Maß-
nahmen der beruflichen Weiterbildung sowie
Empfängerinnen und Empfänger von Altersren-
te werden nicht zu den Arbeitslosen gezählt.
Die Statistik der Bezieher von Leis-
tungen nach dem Sozialgesetzbuch
(SGB) II
Die Leistungsstatistik nach dem SGB II
(Grundsicherungsstatistik) wird von der
Bundesagentur für Arbeit (BA) erstellt. Sie
berichtet über die Anzahl der hilfebedürf-
tigen Personen und ihre Leistungen nach
dem SGB II. Die Personen in Bedarfsge-
meinschaften („Hartz-IV-Empfänger“) sind
nach erwerbsfähigen Hilfebedürftigen und
nach nicht erwerbsfähigen Hilfebedürfti-
gen zu unterscheiden. Die erwerbsfähigen
Hilfebedürftigen erhalten Arbeitslosengeld
II und die nicht erwerbsfähigen Hilfe-
bedürftigen Sozialgeld. Eine Bedarfsge-
meinschaft ist ein rechtliches Konstrukt,
welches alle zusammenlebenden Personen
einschließt, die dem Grunde nach leis-
tungsberechtigt sind. Die Definition und
die Erhebung des Migrationshintergrunds
sind in § 6 der Migrationshintergrund-Er-
hebungsverordnung (MighEV) geregelt.
Danach liegt ein Migrationshintergrund
vor, wenn
1.
die befragte Person nicht die deutsche
Staatsangehörigkeit besitzt oder
2.
der Geburtsort der befragten Person
außerhalb der heutigen Grenzen der
Bundesrepublik Deutschland liegt
und eine Zuwanderung in das heutige
Gebiet der Bundesrepublik Deutschland
nach 1949 erfolgte oder
3.
der Geburtsort mindestens eines
Elternteiles der befragten Person
außerhalb der heutigen Grenzen der
Bundesrepublik Deutschland liegt sowie
eine Zuwanderung dieses Elternteiles in
das heutige Gebiet der Bundesrepublik
Deutschland nach 1949 erfolgte.
Weiterführende Informationen zur De-
finition und Abgrenzung des Merkmals
Migrationshintergrund finden sich im
Methodenbericht der Statistik der BA.
DATENQUELLEN

120
121
Die Schuleingangsuntersuchung
Die Schuleingangsuntersuchung ist eine
auf Landesebene gesetzlich vorgeschrie-
bene ärztliche Untersuchung aller Kinder,
die eingeschult werden. Sie ist die einzige
vollständige Untersuchung einer jeweils
geschlossenen Jahrgangskohorte der Be-
völkerung. Die Daten werden von den Ge-
sundheitsbehörden der Länder gesammelt
und ausgewertet. Dabei werden unter an-
derem der Impfstatus, die Inanspruchnah-
me der Früherkennungsuntersuchung U 8
bzw. U 9 und der Migrationshintergrund
erfasst. Seit dem Jahr 2013 liegt eine
abgestimmte einheitliche Definition für die
Erhebung des Migrationshintergrunds in
der Schuleingangsuntersuchung vor, deren
Einsatz von der GMK empfohlen wird. Die
Erhebung der Merkmale für die einheitli-
che Definition des Migrationshintergrun-
des bei den Einschulungsuntersuchungen
kann jedoch bisher aus unterschiedlichen
Gründen nicht in allen Ländern (flächen-
deckend) umgesetzt werden.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik
(PKS)
Die PKS zählt strafbare Handlungen nach bun-
deseinheitlichen Vorschriften auf Länderebene.
Die Übermittlung an das Bundeskriminalamt
geschieht durch die Landeskriminalämter. Die
Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst seit 1953
polizeibekannte und durch sie endbearbeitete
Straftaten einschließlich Straftatversuche und
vom Zoll bearbeitete Rauschgiftdelikte. Die
Statistik enthält neben der Beschreibung der
Straftat auch Merkmale der Tatverdächtigen.
Die Strafverfolgungsstatistik
Die Strafverfolgungsstatistik liefert Angaben
über die Anwendung der Strafvorschriften
durch deutsche Gerichte und über die Straf-
fälligkeit verschiedener Personengruppen. Es
werden alle nach strafrechtlichen Vorschrif-
ten nach Bundes- oder Landesgesetzen Ver-
urteilte erfasst. Gleichzeitig wird der Grund
der Verurteilung ausgewiesen. Die Statistik
ist eine Sekundärerhebung (Vollerhebung) auf
der Basis der Verwaltungsdaten der Strafvoll-
streckungsbehörden.

Integrationsmonitoring der Länder 2015 –
Länderauszug Sachsen
8. LITERATUR
Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2012):
Benachteiligungserfahrungen von Personen mit und ohne Migrati-
onshintergrund im Ost-West Vergleich. Berlin.
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (2009):
Integration in Deutschland.
Erster Integrationsindikatorenbericht erstellt für die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge
und Integration. Berlin.
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (2011):
Zweiter Integrationsindika-
torenbericht erstellt für die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Berlin.
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2014):
Neue Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland. Berlin.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2008):
Schulische Bildung von Migranten in Deutschland. Nürnberg.
Esser, Hartmut (2016): Sprache und Integration. Konzeptionelle Grundlagen und empirische Zusammenhänge. Öster-
reichische Akademie der Wissenschaften. Wien.
Fick, Patrick / Wöhler, Thomas / Diehl, Claudia / Hinz, Thomas (2014):
Integration gelungen? Die fünf größten
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Heckmann, Friedrich (2015):
Integration von Migranten. Einwanderung und neue Nationenbildung. Wiesbaden.
Migration Policy Group, Barcelona Centre for International Affairs (2015):
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www.mipex.eu
(Stand 14.08.2017)
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International Migration Outlook. SOPEMI 2010. Paris.
Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (2016):
Viele Götter, ein Staat: Religiö-
se Vielfalt und Teilhabe im Einwanderungsland. Jahresgutachten 2016 mit Integrationsbarometer. Berlin.
Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (2017):
Die Messungen von Integration
in Deutschland und Europa. Möglichkeiten und Grenzen bestehender Integrationsmonitorings. Berlin.
Seifert, Wolfgang (2007):
Integration und Arbeit. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung
Das Parlament 22-23, Seite 12-18. Bonn.
Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutsch