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Kurzfassung MaP 102 „Raklitza und Teiche bei Rietschen“
1. GEBIETSCHARAKTERISTIK
Das FFH-Gebiet „Raklitza und Teiche bei Rietschen“ befindet sich im Kreis Görlitz in der
Gemeinde Rietschen. Es umfasst den Flusslauf der Raklitza vom Wehr nördlich Daubitz
bis zum Südrand der Teichgruppe Hammerstadt. In das SCI sind die Wiesen an den Hei-
dehäusern entlang der Raklitza, Teile der Teichgruppe Rietschen und der östliche Teil der
Teichgruppe Hammerstadt, der nicht vom Abbau durch den Tagebau Reichwalde betrof-
fen sein wird, einbezogen. Insgesamt beträgt die Fläche des FFH-Gebietes 335,85 ha.
Das SCI befindet sich im Nordostdeutschen Tiefland, in der naturräumlichen Haupteinheit
„Oberlausitzer Heideland“ und ist dem landschaftlichen Großraum „Oberlausitzer Teich-
gebiet“ zuzuordnen. Das SCI liegt im Lausitzer Urstromtal. Hier entstanden Seen, in de-
nen sich Mudden, Schluffe, Eisenkrusten und randlich Torfe bildeten, die heute die obers-
ten quartären Grundwasserstauer darstellen. Morphologisch liegt das SCI in einem Fluss-
tal mit einem Höhenunterschied zwischen 143 m ü. NN im Osten und 137,5 m ü. NN am
Südrand der Teichgruppe Hammerstadt. Es ist der forstlichen Klimastufe Tiefland mit mä-
ßig trockenem Klima zuzuordnen.
Bei den Böden der Waldstandorte handelt es sich überwiegend um Gleyböden. Vorherr-
schende Lokalbodenformen sind der Mullberger Sand-Braungley der Raklitza-Niederung
sowie der Wiepersdorfer Sand-Graugley auf armen mineralischen Nassstandorten. Auf
den nährstoffreichen Nassstandorten der Raklitza-Aue wurden der Bresker Deckauen-
lehm-Graugley sowie der Steinsdorfer Decklehm-Humusgley kartiert.
Die Oberflächengewässer des FFH-Gebietes gehören zum Einzugsgebiet der Spree.
Hauptfließgewässer sind der Weiße Schöps und die Raklitza.
Wald- und Forstflächen nehmen mit knapp 40 % den größten Flächenanteil ein, gefolgt
von Grünland mit 32 %, Stillgewässern und Teichen mit 26 %; Ackerflächen sind mit 2 %
und Sumpfgebiete mit 1 % vertreten. Der Anteil an gemischter Nutzung/Gewerbe nimmt
einen verschwindend geringen Anteil von 0,10 % ein.
Im SCI befindet sich nördlich der Teichgruppe Rietschen, an die Raklitza angrenzend, das
FND „Schwarze Löcher“, zudem ist es Teil des SPA-Gebietes „Teichgebiete Niederspree-
Hammerstadt“.
Die Forstflächen im SCI „Raklitza und Teiche bei Rietschen“ sind überwiegend Privatwald.
Lediglich einzelne Teilflächen sind Körperschaftswald.

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2.
ERFASSUNG UND BEWERTUNG
2.1.
LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Im Ergebnis der Ersterfassung wurden sieben LRT auf einer Gesamtfläche von 102,65 ha
kartiert. Für den LRT 6510 wurde zusätzlich eine Entwicklungsfläche ausgewiesen.
Tabelle 1:
Lebensraumtypen im SCI 102
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflä-
chen
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI [%]
3150 Eutrophe Stillgewässer
21 81,4 24,2
3260
Fließgewässer mit Unterwasserve-
getation
5 2,5 0,8
6510 Flachland-Mähwiesen
7 7,5 2,3
7150 Torfmoor-Schlenken
1 0,1 <0,1
9110 Hainsimsen-Buchenwälder
1 3,4 1,0
9160 Sternmieren-Eichen-
Hainbuchenwälder
2 3,1 0,9
91E0* Erlen-Eschen- und Weichholzau-
enwälder
1 4,6 1,4
gesamt: 38 102,6 30,6
*prioritärer Lebensraumtyp
Die
Eutrophen Stillgewässer
(LRT 3150) kommen als Teiche, Abgrabungsgewässer,
Altarme/ Altwasser und ephemere Gewässer vor.
Die Teiche bilden darunter die häufigste und flächengrößte Ausbildungsform. Die sehr
kleinflächig ausgebildeten Altarme/Altwasser und ephemeren Gewässer erreichen in den
meisten Fällen nicht einmal die Mindestgröße von 500 m². Eine Erfassung erfolgte trotz-
dem aufgrund der Kohärenzfunktion und der besonderen vegetationskundlichen Ausprä-
gung, wobei Vegetationseinheiten vorkommen, die in den bewirtschafteten Fischteichen
fehlen.
Die Teiche
werden bis auf drei fischereilich genutzt. Die häufigsten Vegetationseinheiten
sind Teichlinsen- und Laichkraut-Gesellschaften, aber auch Wasserschweber-Gesell-
schaften.
Als Abgrabungsgewässer
wurde der mit Wasser gefüllte Teil der Sandgrube Neu Daubitz
erfasst. Das Gewässer weist einen jahreszeitlich schwankenden Wasserstand auf. Die

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Wasserpflanzenvegetation ist nur fragmentarisch ausgebildet. Neben Schwimmendem
Laichkraut (
Potamogeton natans
) kommt auch die Weiße Seerose (
Nymphaea alba
) vor.
Sehr gut ausgebildet ist die Verlandungsvegetation. Neben einem Röhrichtbestand aus
Schmalblättrigem (dominant) und Breitblättrigem Rohrkolben (
Typha angustifolia
bzw.
T. latifolia
), kommen verschiedene Binsen-Arten, dominiert von der Rasenbinse (
Juncus
bulbosus
), vor. Zu Trittschäden und Schädigung der Vegetation kommt es durch die Nut-
zung als Badegewässer.
Als Altarm/Altwasser
wurden zwei Gewässer im Bereich des ehemaligen Verlaufes der
Raklitza zugeordnet. Der Altarm wird von den Wasserschwebern Kleine Wasserlinse
(
Lemna minor
), Untergetauchte Wasserlinse (
L. trisulca
) und Teichlinse (
Spirodela po-
lyrhiza
) dominiert. Die Verlandungsvegetation ist durch die Lage im Wald nur mäßig aus-
gebildet. Kennzeichnende Arten sind Flutender Schwaden (
Glyceria fluitans
), Wasser-
Schwaden (
G. maxima
), Straußblütiger Gilbweiderich (
Lysimachia thyrsiflora
) und Wald-
simse (
Scirpus sylvaticus
). Vereinzelt kommt es zum Eintrag von Totholz. Eher als Alt-
wasser ist das kleinflächige Standgewässer im Bereich des früheren Verlaufes der Raklit-
za anzusprechen. Die Wasservegetation wird auch hier von Wasserschwebern dominiert.
Beeinträchtigungen sind aktuell nicht zu verzeichnen.
Ein ephemeres Gewässer
befindet sich im Bereich des ehemaligen Verlaufes der Raklit-
za. In großen Bereichen trocknet es im Jahresverlauf aus. Das Gewässer ist in einen Er-
len-Bruchwald eingebettet und weist eine artenreiche und vielfältige Wasser- und Verlan-
dungsvegetation auf. Die Wasservegetation wird von den Wasserschwebern Kleine und
Untergetauchte Wasserlinse, Vielwurzelige Teichlinse und Südlicher Wasserschlauch
(
Utricularia australis
) dominiert. Daneben kommen auch gute Vorkommen von Wasserfe-
der (
Hottonia palustris
) und Berchtolds Zwerg-Laichkraut (
Potamogeton berchtoldii
) vor.
Beeinträchtigungen sind aktuell nicht zu verzeichnen.
Eutrophe Stillgewässer haben in Form von Teichen ihren Verbreitungsschwerpunkt im
Naturraum Oberlausitzer Heideland. Für Sachsen sind die Teiche der Oberlausitz das
Schwerpunktvorkommen des LRT 3150, welche somit überregionale Bedeutung besitzen.
Von großer Bedeutung ist auch die Kohärenzfunktion zum östlich gelegenen SCI "Nie-
derspreer Teichgebiet und Kleine Heide Hähnichen" und dem westlich gelegenen SCI
"Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft". Die Abgrabungsgewässer, Altarme/Altwasser
und ephemeren Gewässer besitzen nur lokale Bedeutung. Sie sind in anderen SCI besser
und großflächiger ausgeprägt.
Der LRT 3260 (
Fließgewässer mit Unterwasservegetation
) wurde als Flachlandbach/-
fluss an drei Abschnitten der Raklitza kartiert. Die Länge dieser Abschnitte beträgt 6,2 km.
Weiterhin wurden zwei naturnahe Teichgräben erfasst. Die Länge dieser Gewässerab-
schnitte beträgt 1,3 km.
Die drei Abschnitte des Flachlandbachs/-flusses weisen einen mäßig geschwungenen bis
begradigten Verlauf auf. Die Sohle ist ca. 1,5 m unter Geländeniveau eingesenkt. Die bio-
logische Gewässergüte wird bei allen Abschnitten mit „mäßig belastet“ eingestuft. Vegeta-
tionskundlich entsprechen die Abschnitte dem Sparganio emersi-Potametum pectinati
(Ges. des Einfachen Igelkolbens und des Kamm-Laichkrautes). Kleinflächig kommt im

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Abschnitt die Gesellschaft des Gemeinen Wasserhahnenfußes (Ranunculetum aquatilis)
vor.
Die erfassten Teichgräben weisen hinsichtlich der flutenden Unterwasservegetation das
Sparganio emersi-Potametum pectinati auf.
Die Abschnitte der Raklitza und die Teichgräben besitzen nur eine lokale Bedeutung. Die-
ser LRT ist in anderen SCI besser ausgeprägt. Die Fließgewässer sind stark anthropogen
beeinflusst. Von mittlerer Bedeutung ist die Kohärenzfunktion in Verbindung mit den nord-
östlich gelegenen SCI " Weißer Schöps bei Hähnichen " und dem östlich gelegenen SCI
"Niederspreer Teichgebiet und Kleine Heide Hähnichen".
Die
Flachland-Mähwiesen
(LRT 6510) sind größtenteils relativ niederwüchsig und arten-
reich. Das Relief aller Flächen ist eben. Die Nutzung der Wiesen erfolgt meist durch
Mahd. Eine Wiese wird aktuell nicht mehr regelmäßig genutzt und weist ein Pflegedefizit
auf.
Bei einer der Wiesen handelt es sich um eine Streuobstwiese. Der Bestand wird von nie-
derwüchsigen Gräsern dominiert, insbesondere von Rotschwingel und Rotem Straußgras.
Vegetationskundlich kann der Bestand der Festuca rubra-Agrostis capillaris - Arrhenathe-
retalia - Gesellschaft (Rotschwingel-Rotstraußgraswiese) zugeordnet werden. Insgesamt
ist der Bestand sehr artenreich an typischen Gräsern und Kräutern. Nennenswert sind
insbesondere die guten Vorkommen des Flaumigen Wiesenhafers (
Helictotrichon pubes-
cens
), der Wiesen-Margerite (
Leucanthemum vulgare
) und Großer Bibernelle (
Pimpinella
major
).
Als sehr artenreich präsentiert sich ein Wiesenbereich in der Raklitzaaue. Der Bestand ist
aufgrund der kleinräumig wechselnden Bodenfeuchte sehr vielgestaltig ausgeprägt und
eng verzahnt mit Silikatmagerrasen und sonstigem Nassgrünland. Am trockensten sind
die Standorte in Straßennähe mit Heidenelke (
Dianthus deltoides
) und Kleinem Habichts-
kraut (
Hieracium pilosella
). In Richtung Raklitza sind vereinzelt feuchte Senken mit Ra-
sen-Schmiele (
Deschampsia cespitosa
) zu finden. Dominiert wird der Bestand von Unter-
bzw. Mittelgräsern wie Rotes Straußgras (
Agrostis capillaris
)
,
Rotschwingel (
Festuca
rubra
) und Honiggras (
Holcus
spec.). Vegetationskundlich gehört der Bestand ebenfalls
zu den Rotschwingel-Rotstraußgraswiesen.
Flachland-Mähwiesen haben keinen Verbreitungsschwerpunkt im Naturraum Oberlausit-
zer Heideland. Die im SCI vorkommenden Bestände weisen eine recht reiche Ausbildung
auf und besitzen deshalb eine lokale Bedeutung mit mittlerer Kohärenzfunktion.
Die Ausbildung des LRT 7150 zeigt ein Initialstadium einer
Torf-Moorschlenke
. Auf dem
offenen Sandboden siedelt als Pioniergesellschaft ein gutes Vorkommen von Mittlerem
Sonnentau (
Drosera intermedia
), Rundblättrigem Sonnentau (
D. rotundifolia
) und Sumpf-
Bärlapp (
Lycopodiella inundata
). Weitere für das Initialstadium kennzeichnende Arten sind
Kleiner Wegerich (
Plantago media
), Alpen-Binse (
Juncus alpinus
) und Nickender Herbst-
Löwenzahn (
Leontodon saxatilis
)
.
Torfmoose und Schnabelriede als torfbildende Arten
fehlen bislang noch. Dafür ist ein sehr gutes Vorkommen von Moor-Zipfelmoos (
Fos-
sombronia foveolata
) auf der Fläche zu verzeichnen. Als typischer Torfbildner von Pio-

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nierstandorten kommt vereinzelt Schilf vor. Niederwüchsige Gehölze sind mit Wald-Kiefer
und Hänge-Birke nur randlich vertreten. Kleinflächig kommt es durch einen Trampelpfad
zur Schädigung der Vegetation.
Trotz des geringen Flächenanteils kann dem Vorkommen überregionale Bedeutung bei-
gemessen werden. Vorkommen dieses LRT in der Ausprägung mit Sumpf-Bärlapp sind
vorwiegend im Naturraum Oberlausitzer Heideland zu finden und somit für Sachsen von
großer Bedeutung.
Dem LRT
Hainsimsen-Buchenwälder
(LRT 9110) konnte ein auf grundfrischem Standort
stockender, künstlich begründeter Buchen-Bestand mit höherem Kiefern-Anteil zugeord-
net werden. Der Waldbestand ist aus Voranbau von Buche unter Kiefer hervorgegangen.
Der Kiefern-Oberstand ist bereits größtenteils geräumt und die Buche (überwiegend
schwaches Baumholz) in den Kronenraum der Kiefer eingewachsen. Der Bestand ist mit
Ausnahme des frisch durchforsteten NO-Teils sehr dicht (Pflegedefizit).
In die LRT-Fläche eingeschlossen ist eine kleine Eichenparzelle und in einer stärker ver-
nässten Geländemulde findet sich ein höherer Anteil Birke.
In der nur an lichten Stellen entwickelten artenarmen Bodenflora gedeiht mit Heidelbeere
(
Vaccinium myrtillus
), Drahtschmiele (
Deschampsia flexuosa
) und Pillen-Segge (
Carex pi-
lulifera
) das typische Artenspektrum bodensaurer Wälder.
Der Buchenbestand im Bereich des SCI ist wegen seiner Kleinflächigkeit und künstlichen
Begründung (keine Biotoptradition), aber vor allem auf Grund seiner isolierten Lage au-
ßerhalb des natürlichen Buchenareals, nur von untergeordneter Bedeutung.
Als
Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder
(LRT 9160) wurden zwei Waldbestände
entlang der Raklitza kartiert. Dabei handelt es sich um einen sehr strukturreichen Winter-
linden-Eichen-Hainbuchenwald in enger Verzahnung mit einem Traubenkirschen-Erlen-
Eschenwald zwischen Raklitza und den Oberteichen.
In der artenreichen Baumschicht dominieren alte Stiel-Eichen sowie Schwarz-Erlen. Letz-
tere stocken in stärker vernässten Partien entlang mehrerer alter Flutmulden und Neben-
gerinne. Weiterhin findet sich eine Beimischung von Winter-Linde, Gemeiner Esche,
Hainbuche und Hänge-Birke. In der Naturverjüngung prägen Esche, Winter-Linde und
Hainbuche das Bestandesbild.
In der gut entwickelten Bodenflora gedeihen die Echte Sternmiere (
Stellaria holostea
) und
zahlreiche Feuchte- und Wechselfeuchtezeiger, darunter Frauenfarn (
Athyrium filix-
femina
), Rasen-Schmiele (
Deschampsia cespitosa
) und Riesen-Schwingel (
Festuca gigan-
tea
). Pflanzensoziologisch ist der Bestand dem Stellario holosteae-Carpinetum betuli
(Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder auf wechselfeuchten oder feuchten Standorten)
zuzuordnen.
Ein zweiter Eichen-Hainbuchenwald befindet sich im Westteil des SCI. Dabei handelt es
sich um einen urwüchsigen, totholzreichen Altbestand, bestehend aus Starkeichen und
zahlreich beigemischter Hainbuche. Weitere häufigere Mischbaumarten sind Winter-Linde
und Schwarz-Erle. In der Naturverjüngung dominieren Hainbuche und Winter-Linde. Am
Bestandesbild der weitausladenden großkronigen Starkeichen ist noch deutlich der alte

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Hudewaldcharakter zu erkennen. Viele Alteichen sind partiell bereits abgestorben, anbrü-
chig oder hohl.
In der relativ artenarmen Bodenflora dominieren Zittergras-Segge (
Carex brizoides
) und
Hain-Rispengras (
Poa nemoralis
). Der Bestand ist der
Carex brizoides
-Subassoziation
nährstoffärmerer wechselfeuchter Standorte zuzuordnen. Beide Waldbestände sind be-
reits lange Zeit unbewirtschaftet.
Natürlicher Verbreitungsschwerpunkt der Eichen-Hainbuchenwälder sind die sächsischen
Lößgefilde, wo sie allerdings bereits früh durch die Siedlungstätigkeit des Menschen auf
wenige Reliktstandorte zurückgedrängt wurden. In der Oberlausitzer Heide- und Teich-
landschaft beschränken sich ihre Vorkommen von Natur aus auf wenige, besser nähr-
stoffversorgte Standorte. Die Bestände im SCI sind damit, nicht zuletzt auch auf Grund ih-
rer naturnahen Ausprägung, von regionaler Bedeutung.
Der LRT 91E0* (
Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder
) ist auf mineralischen Nass-
standorten als ungleichaltriger Erlen-Eschenwald, den mäanderreichen Verlauf der Raklit-
za begleitend, zu finden. Im Bestand finden sich zahlreiche Altwasser, Flutmulden und
feuchte Senken.
Das Südufer der Raklitza säumt ein strukturreicher Traubenkirschen-Erlen-Eschen-Alt-
bestand mit Naturverjüngung. In der Baumschicht bestimmt die Schwarz-Erle das Be-
standesbild. Entlang des nördlichen Raklitza-Ufers stehen mehrere starke Alteichen.
Nennenswerte Mischungsanteile besitzen zudem Gemeine Esche, Hänge-Birke und die
gesellschaftsfremde Grau-Erle. Weitere Schichten sind nur im Altbestand südlich der
Raklitza ausgeprägt. Hier gedeihen in Naturverjüngung Esche und Winter-Linde, Gewöhn-
liche Traubenkirsche und Schwarz-Erle.
Zu den lebensraumtypischen Arten der Bodenflora gehören u. a. Gemeine Brennnessel
(
Urtica dioica
)
,
Giersch (
Aegopodium podagraria
), Echte Nelkenwurz (
Geum urbanum
), o-
der Riesen-Schwingel (
Festuca gigantea
). Pflanzensoziologisch ist der Bestand dem Pru-
no padi-Fraxinetum (Artenarmer Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald) zuzuordnen.
Auf Grund seiner Ausdehnung erlangt der Bestand regionale Bedeutung.
Sämtliche Flächen der untersuchten Lebensraumtypen befinden sich in einem günstigen
Erhaltungszustand (B).

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Tabelle 2:
Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SCI 102
Erhaltungszustand
A B C
Lebensraumtyp (LRT)
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
3150 Eutrophe Stillgewässer
21 81,41
3260
Fließgewässser mit Unter-
wasservegetation
5 2,51
6510 Flachland-Mähwiesen 7 7,55
7150 Torfmoor-Schlenken 1 0,09
9110 Hainsimsen-Buchenwälder 1 3,37
9160 Sternmieren-Eichen-
Hainbuchenwälder
2 3,08
91E0* Erlen-Eschen- und Weich-
holzauenwälder
1 4,64
*prioritärer Lebensraumtyp
2.2.
ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Im SCI wurden im Rahmen der Ersterfassung 7 Arten nach Anhang II der FFH-Richlinie
erfasst. Entwicklungsflächen wurden für Große Moosjungfer und Eremit ausgewiesen.
Tabelle 3:
Habitatflächen der Anhang II-Arten im SCI 102
Anhang II-Art
Name
Wissenschaftli-
cher Name
Anzahl der Ha-
bitate im Ge-
biet
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
Fischotter
Lutra lutra
1 192,60 57,35
Wolf
Canis lupus
1 335,90 100,00
Rotbauchunke
Bombina bombina
3 255,70 76,14
Steinbeißer
Cobitis taenia
1 0,10 0,03
Große Moosjung-
fer
Leucorrhinia pec-
toralis
1 1,00 0,30

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Anhang II-Art
Name
Wissenschaftli-
cher Name
Anzahl der Ha-
bitate im Ge-
biet
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
Grüne Keiljungfer
Ophiogomphus
caecilia
1 0,18 0,05
Großer Feuerfal-
ter
Lycaena dispar
4 7,97 2,37
Für den
Fischotter
konnten entlang des kompletten Laufes der Raklitza durch das SCI
sowie in beiden Teichgruppen Nachweise erbracht werden. Ein aktuell genutzter Bau des
Fischotters konnte an der Raklitza in Höhe der Ochsenteiche nachgewiesen werden. Es
ist davon auszugehen, dass der Fischotter dauerhaft im Gebiet ansässig ist und das Ge-
biet mit Sicherheit zu den Reproduktionsräumen der Art gehört.
Akute Gefährdungen für den Fischotter sind im SCI nicht zu erkennen. Mittel- bis langfris-
tig ist zu befürchten, dass die Inanspruchnahme des westlichen Teils der Teichgruppe
Hammerstadt (unmittelbar an das SCI angrenzend) durch den Tagebau Reichwalde die
Habitatqualität des SCI für den Fischotter deutlich schmälern wird.
Das Vorkommen des Fischotters reiht sich in das große Vorkommensgebiet der Oberlau-
sitz ein. Über die Raklitza gibt es einen Habitatverbund zum Niederspreer Teichgebiet,
nach Südosten ist das Vorkommen über den Weißen Schöps an weitere Vorkommen an-
gebunden. Das Fischottervorkommen liegt am Kerngebiet des sächsischen Artvorkom-
mens, ist demnach als Teil dieser Population anzusehen und mit den Reproduktions-
nachweisen als wichtiger Bestandteil des Gesamtbestandes mit überregionaler Bedeu-
tung zu werten.
Das FFH-Gebiet zählt zum Kerngebiet des
Wolf
srudels in der Muskauer Heide. Fährten
und Losungen von Wölfen können hier regelmäßig gefunden werden. Im November 2005
rissen die Wölfe eine Rothirschkuh am Altarm der Raklitza. Darüber hinaus wurden meh-
rere Risse und Sichtungen aus dem Bereich unmittelbar südlich des FFH-Gebietes doku-
mentiert. Es ist davon auszugehen ist, dass das Muskauer Heide-Rudel auf seinen nächt-
lichen Streifzügen regelmäßig diese Flächen frequentiert. Die Schalenwilddichten sind mit
mehr als 10 Individuen je 100 ha eine optimale Nahrungsgrundlage für den Wolf.
Die ersten Reproduktionsnachweise nach der Wiederbesiedlung Deutschlands durch den
Wolf gab es im Jahr 2000 auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes Oberlausitz, der
unmittelbar an das FFH-Gebiet Raklitza und Teiche bei Rietschen angrenzt.
Die Hauptgefährdung des Wolfs ist die anthropogen bedingte Mortalität. So sind zwischen
1990 und 2006 im Osten Deutschlands mindestens 6 wildlebende Wölfe geschossen, ob-
wohl der Wolf nicht zu den jagdbaren Arten gehört, und weitere 3 überfahren worden.
Zumindest potenziell als Gefährdung für den Wolf ist die Bundesstraße 115 einzuschät-

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zen. Als mittelfristige Beeinträchtigung des Wolfes ist auch die Wiederaufnahme des Be-
triebes im Tagebau Reichwalde, der bis an das SCI heranführen wird, zu werten.
Das SCI ist ein kleiner Teil des Territoriums des so genannten Muskauer Rudels, das als
Ausgangspunkt für die Wiederbesiedlung gilt und derzeit auch das zahlenstärkste Rudel
beherbergt. Insofern hat das Wolfsvorkommen bei Rietschen eine bundesweite Bedeu-
tung.
Die
Rotbauchunke
konnte 2006 in nahezu allen Teichen im SCI nachgewiesen werden.
Die kopfstärksten Vorkommen befanden sich im Alten Sprungteich und in den beiden
Ochsenteichen mit jeweils rund 50 Rufern. Der Alte Sprungteich gehört zu den landeswei-
ten Monitoringflächen für die Rotbauchunke.
Ausgewiesen wurden 3 Habitatkomplexflächen: die Hammerstädter Teichgruppe, die
Rietschener Teichgruppe und die Kiesgrube bei Daubitz. In beiden Teichgruppen geht der
eigentliche Habitatkomplex über die SCI-Grenze hinaus und umfasst jeweils auch die be-
nachbarten Teiche außerhalb des FFH-Gebietes.
Anzumerken bleibt, dass trotz der aktuell kopfstark erscheinenden Vorkommen ein dra-
matischer Rückgang der Rotbauchunke festzustellen ist. Unklar bleiben bislang die Ursa-
chen für diesen drastischen Rückgang.
Das stabile Vorkommen im SCI „Raklitza und Teiche bei Rietschen“ kann in den Teichge-
bieten Hammerstadt und Rietschen als verbunden im Sinne einer Metapopulation gelten.
Die nächsten Rotbauchunkennachweise stammen aus den Teichen bei Rietschen außer-
halb des SCI und aus dem Niederspreer Teichgebiet. Die Vorkommen in der Oberlausitz
werden wegen ihrer relativen Stabilität mit überregionaler Bedeutung für die Bestandser-
haltung der Rotbauchunke eingeschätzt
Im September 2006 gelang der Fang von 3 adulten Individuen des
Steinbeißers
in der
Raklitza nördlich der Oberteiche Rietschen. Hier fließt die Raklitza in einem geschwunge-
nen Bett an der Wiesen-Wald-Kante. Der Untergrund ist sandig bis kiesig. Die Ufer sind
mit Holzfaschinen verbaut. Die Steinbeißer nutzten den Raum zwischen den Faschinen
und dem überhängenden Ufer als Versteck.
Die derzeit geringe Wasserführung und die damit einhergehende Anreicherung von Ei-
senocker beeinträchtigt das Steinbeißer-Habitat und verhindert möglicherweise die Nut-
zung weiterer Abschnitte der Raklitza durch diese Art.
Der Steinbeißer ist in Sachsen nur sehr eingeschränkt verbreitet mit einer Hauptverbrei-
tung in der Oberlausitz. Die Vorkommen sind wahrscheinlich weitestgehend genetisch iso-
liert und daher hochgradig gefährdet. Das Vorkommen in der Raklitza ist deshalb von lan-
desweiter Bedeutung.
Die
Große Moosjungfer
besiedelt aktuell den unbewirtschafteten Notteich in der Teich-
gruppe Hammerstadt. Hier konnten acht Männchen und ein Weibchen nachgewiesen
werden. Die Beobachtung eines Paarungsrades deutet auf eine wahrscheinliche Repro-
duktion der Art. Beim Notteich handelt es sich um einen in Dauerbespannung befindlichen

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Teich mit geringem
Wildfischbesatz. Die offene Wasserfläche des Teiches ist infolge der
sehr starken Verschilfung auf kleine Flächen reduziert.
Die nächsten bekannten Vorkommen befinden sich am Südrand der Muskauer Heide in
Heidemooren des Daubitzer Dünenzuges, in Zwischenmoorbereichen des Teichgebietes
Niederspree sowie am Alten Pechteich bei Neuliebel. Viele dieser Vorkommen sind sehr
individuenarm.
Das Vorkommen der Großen Moosjungfer im Notteich ist durch die starke Ausbreitung der
Röhrichte und dem damit einhergehenden Verlust offener Wasserflächen mit Unterwas-
servegetation bedroht. Eine weitere Gefährdung besteht durch den vorhandenen Wild-
fischbestand (Räuber).
Das bodenständige Vorkommen der Großen Moosjungfer im SCI 102 erlangt auch aus
Kohärenzgründen überregionale Bedeutung.
Die
Grüne Keiljungfer
konnte auf einem einseitig gehölzbestandenen Abschnitt der
Raklitza nördlich des Oberen Oberteiches in mehreren Exemplaren (3 Männchen, 1 Weib-
chen) registriert werden. Die Bodenständigkeit der Grünen Keiljungfer im SCI bleibt aber
ungeklärt. Die allgemein nur träge fließende Raklitza erfüllt nur eingeschränkt die Habitat-
ansprüche der Art. Individuenreiches Reproduktionsgewässer der Grünen Keiljungfer ist
die ca. 11 km östlich verlaufende Neiße. Die Art zählt zu den hochmobilen Libellenarten,
die häufig weitab ihrer Entwicklungsgewässer angetroffen werden.
Das Vorkommen der Art an der Raklitza wird insbesondere durch Eisenocker-Ablagerun-
gen und möglicherweise auch durch die jährliche Schlammfracht während der Teichabfi-
schungen beeinträchtigt, da deren Larven sandigen Bodengrund benötigen.
Die Grüne Keiljungfer besitzt im sächsischen Raum innerhalb Deutschlands einen
Verbreitungsschwerpunkt mit zunehmender Besiedlungstendenz. Der Fund der Grünen
Keiljungfer im SCI 102 erlangt regionale Bedeutung.
Der
Große Feuerfalter
wurde 2001 erstmals im SCI nachgewiesen. Die Art besitzt derzeit
drei sehr gut besetzte Habitatflächen: im Umfeld des Ochsenteichs einschließlich des an-
grenzenden Fließabschnitts der Raklitza, im Bereich des Jäsers sowie entlang von Wie-
sengräben im Feuchtgrünland südlich des Eichichtteiches. Der Große Feuerfalter ist ge-
genwärtig im gesamten SCI präsent.
Für die Vorkommen der Art sind derzeit keine Beeinträchtigungen erkennbar. Er besiedelt
im SCI ausschließlich ungenutzte bzw. nur extensiv genutzte Bereiche. Eine potenzielle
Gefährdung stellen großräumige Grabenräumungen mit Vernichtung der Wirtspflanzen-
bestände des Falters dar.
Gegenwärtig besitzt die Art in der nordöstlichen Oberlausitz (Oberlausitzer Heide- und
Teichgebiet sowie Neißeregion) die einzigen sächsischen Vorkommen. Das individuenrei-
che Vorkommen des Großen Feuerfalters im SCI besitzt damit landesweite Bedeutung.

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Tabelle 4:
Erhaltungszustand der Habitatflächen der Anhang II-Arten im SCI 102
Erhaltungszustand
Anhang II-Art
A B C
Name
Wissenschaftli-
cher Name
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
Fischotter
Lutra lutra
1 192,6
Wolf
Canis lupus
1 335,9
Rotbauchunke
Bombina bombina
1 115,4 2 140,3
Steinbeißer
Cobitis taenia
1 0,1
Große Moosjung-
fer
Leucorrhinia pec-
toralis
1 1,0
Grüne Keiljungfer
Ophiogomphus
caecilia
1 0,18
Großer Feuerfal-
ter
Lycaena dispar
3 7,7 1 0,2
Das SCI „Raklitza und Teiche bei Rietschen“ liegt im Fließschema von Raklitza und Wei-
ßem Schöps am Ende einer Kette von FFH-Gebieten mit hohem Anteil an Feuchtgebieten
und Teichen. Südlich und östlich sind damit über die beiden Flussläufe Verbindungen zu
den Gebieten „Weißer Schöps bei Hähnichen“, „Niederspreer Teichgebiet und Kleine Hei-
de Hähnichen“, „Doras Ruh“ und „Teiche und Feuchtgebiete nordöstlich Kodersdorf“ ge-
geben. Vor allem für den Wolf ist die Verbindung zum unmittelbar nördlich angrenzenden
FFH-Gebiet „Truppenübungsplatz Oberlausitz“ von Bedeutung.
Ein intensiver Austausch von gewässergebundenen Arten besteht hauptsächlich zum
Teichgebiet Niederspree. Beispielsweise für Fischotter, Steinbeißer, Große Moosjungfer
oder Großen Feuerfalter ist der räumliche Zusammenhang der beiden SCI von hoher
Wichtigkeit, da über beide Gebiete ausreichend große Lebensräume für die Arten gesi-
chert sind. Nach Westen schließen große Tagebauflächen an, die in absehbarer Zeit kei-
ne geeigneten Habitate für diese Arten bieten werden. Die Hammerstädter und Rietsche-
ner Teiche sind ein bedeutsames Rückzugsgebiet am Rand der Tagebauflächen und
auch als Puffer für die Teiche bei Niederspree zu werten. Das SCI „Raklitza und Teiche
bei Rietschen“ hat deshalb eine sehr hohe Bedeutung für das Schutzgebietsnetz Natura
2000 im nordöstlichen Sachsen.

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3. MAßNAHMEN
3.1. MAßNAHMEN
AUF GEBIETSEBENE
Im Augenblick erfolgen keine Unterhaltungsmaßnahmen in der Raklitza. Sollte in den
nächsten Jahren eine Fließgewässerunterhaltung vorgenommen werden, ist eine scho-
nende Durchführung von Bedeutung, um die Eigenschaften als Lebensraum und Migrati-
onskorridor nicht zu beeinträchtigen. Eine Unterhaltung westlich von Waldschloss- und
Birkwiesenteich im Wald erscheint nicht als notwendig, da hier die Raklitza gut beschattet
ist, kaum verkrautet und nahezu frei mäandrieren kann. Mit der Räumung sollte daher erst
ab Höhe Waldschlossteich flussaufwärts begonnen werden. Der Fluss ist dabei nur ab-
schnittsweise und einseitig zu bearbeiten. Bevorzugter Zeitraum für die Unterhaltung ist
Spätsommer/Herbst. Diese Maßnahmen sollten in einem noch zu erarbeitenden Gewäs-
serunterhaltungsplan festgeschrieben werden
Die Wasserführung in der Raklitza wird hauptsächlich durch die Bewirtschaftung der Tei-
che beeinflusst. Um beim Bespannen bzw. Ablassen der Teiche starke Wasserstands-
schwankungen im Fließgewässer zu vermeiden, sollte eine Abstimmung der Teichpächter
untereinander angestrebt werden.
3.2.
MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Für den Erhalt der im Gebiet vorkommenden eutrophen Stillgewässer sind grundsätzlich
keine speziellen Maßnahmen notwendig. Gleiches gilt für die Fließgewässer mit Unter-
wasservegetation und die Torfmoor-Schlenke.
Zur Erhaltung der Flachland-Mähwiesen ist grundsätzlich die Aufrechterhaltung der bishe-
rigen Nutzung erforderlich. Die Wiesen sollten als Mähwiesen bewirtschaftet werden. Die
erste Mahd ist zwischen Ährenschieben und Blüte der bestandsbildenden Gräser Glattha-
fer, Rotschwingel, Rotes Straußgras, Wiesen-Fuchsschwanz und Honiggras durchzufüh-
ren, eine zweite Nutzung sollte frühestens 40 Tage nach der ersten erfolgen. Das Mähgut
ist von der Fläche zu entfernen, am günstigsten ist die Nutzung als Heu. Ausschließliche
Mulchmahden dürfen nicht vorgenommen werden. Grundsätzlich sollen nicht mehr als
zwei jährliche Nutzungen vorgenommen werden. Naturschutzfachlich günstig ist dabei ei-
ne räumliche und zeitliche Staffelung der Mahd.
Über die allgemeinen Behandlungsgrundsätze hinaus sind für die Hainsimsen-
Buchenwälder keine einzelflächenspezifischen Erhaltungsmaßnahmen erforderlich.
Im Zentrum einzelflächenspezifischer Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen im
Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald sowie auch im Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald
steht der Erhalt naturnaher Waldstrukturen, insbesondere von Biotopbäumen und Totholz,
als essentielle Grundlage für ein artenreiches, lebensraumtypisches Waldökosystem.

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3.3.
MAßNAHMEN IN BEZUG AUF ARTEN NACH ANHANG II
Für Fischotter, Grüne Keiljungfer und Großen Feuerfalter sind keine speziellen Erhal-
tungsmaßnahmen geplant. Auch für den Wolf sind spezielle Erhaltungsmaßnahmen auf
das SCI bezogen derzeit nicht notwendig. Von hoher Bedeutung für das Vorkommen sind
aber nach wie vor die weitere Aufklärung und Werbung für den Wolf, um die Akzeptanz
dieser Tierart zu fördern.
Für die Rotbauchunke ist im SCI insbesondere die Aufzucht von Brut und kleinen Karpfen
(K1-Teiche) von Bedeutung. Dies sollte unbedingt beibehalten werden.
Speziell in der Steinbeißer-Habitatfläche sollten Unterhaltungsmaßnahmen an der Raklit-
za nicht vor Ende September vorgenommen werden. Nach der Entnahme der Pflanzen
aus dem Gewässer sollten die Gewässerränder nach zufällig an Land verbrachten Stein-
beißern abgesucht werden, um sie wieder in den Fluss zu setzen.
Wichtigste Erhaltungsmaßnahme für das Vorkommen der Großen Moosjungfer im Not-
teich ist eine Regulierung des Wildfischbesatzes, um den Prädationsdruck zu reduzieren.
Eine aus Sicht der Großen Moosjungfer günstigere völlige Fischfreiheit des Gewässers ist
nicht anzustreben, da der dauerbespannte Notteich im Winter eines der wenigen Nah-
rungsgewässer des Fischotters in der Teichgruppe darstellt.

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Tabelle 5:
Erhaltungsmaßnahmen im SCI 102
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Ein- bis zweischürige Mahd mit Be-
räumung
7,2
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes, Erhalt der
lebensraumtypischen Wiesenflora
Flachland-Mähwiesen (6510)
Zweischürige Mahd mit Heuwerbung
0,4
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes, Erhalt der
lebensraumtypischen Wiesenflora
Flachland-Mähwiesen (6510)
Starkes stehendes oder liegendes
Totholz belassen (mind. 1 Stck/ha)
7,7 Erhalt naturnaher Waldstrukturen als essentieller Grund-
lage für ein artenreiches, lebensraumtypisches Waldöko-
system
Sternmieren-Eichen-Hainbuchen-
wälder (9160), Erlen-Eschen- und
Weichholzauenwälder (91E0*)
Biotopbäume belassen (mind.3
Stck/ha)
7,7 Erhalt naturnaher Waldstrukturen als essentieller Grund-
lage für ein artenreiches, lebensraumtypisches Waldöko-
system
Sternmieren-Eichen-Hainbuchen-
wälder (9160), Erlen-Eschen- und
Weichholzauenwälder (91E0*)
Beibehaltung der fischereilichen
Nutzung
254,3
Sicherung des Erhalts der Teiche und damit der Habitate
Rotbauchunke
Extensive Grabenunterhaltung
0,1
Sicherung des Habitates, Individuenrettung
Steinbeißer
Erhalt offener Wasserflächen mit
Tauch- und Schwimmblattvegetation
1,0
Sicherung des Larvalhabitates
Große Moosjungfer
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4. FAZIT
Die Abstimmungen mit
den Eigentümern/Nutzern verliefen weitgehend erfolgreich, so
dass die Mehrzahl der geplanten Maßnahmen umgesetzt werden kann. Zur Gebietssiche-
rung wird der Erwerb des Jäsers und wenn möglich der Erlen-Eschenwälder und des ur-
wüchsigen Eichen-Hainbuchenwaldes am Ochsenteich durch Naturschutzverbände oder
den Freistaat Sachsen empfohlen.
Die Unterhaltung der Raklitza ist Aufgabe der Gemeinde Rietschen, sodass die Erhal-
tungsmaßnahme auf Gebietsebene in diesem Rahmen umgesetzt werden kann. Da eine
regelmäßige Krautung des Fließgewässers zur Gewährleistung einer schadlosen Was-
serabführung erforderlich ist, sollte ein Gewässerunterhaltungsplan erstellt werden, in
dem die vorgeschlagenen Erhaltungsmaßnahmen Berücksichtigung finden. Eine beglei-
tende Bepflanzung des Flusses im Grünland war bereits im Rahmen des Naturschutz-
großprojektes „Teichgebiete Niederspree-Hammerstadt“ vorgesehen, konnte aber wegen
unvollständiger Eigentümer- und Nutzerzustimmung nicht umgesetzt werden. Grundsätz-
lich ist die Umsetzbarkeit nur über eine finanzielle Förderung möglich.
Spezielle Vorhaben sind für die Pflege des Notteiches und des Schulzeweihers notwen-
dig. Zu prüfen wäre, ob diese Projekte aus Verpflichtungen zu Ausgleich und Ersatz für
Eingriffe in den Naturhaushalt zu finanzieren wären. Gemeinsam mit dem vorgeschlage-
nen Flächenerwerb und der Schaffung von Kleinstgewässern sind diese Vorhaben als
Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt wesentliche Grundlage für die Wiederbesiedlung
der (zukünftigen) Bergbaufolgelandschaft. Die Schaffung von Kleingewässern ist mit dem
Bewirtschafter der Teichgruppe Hammerstadt abgestimmt und durch ihn umsetzbar.
Das größte Konfliktpotenzial birgt die Wiederaufnahme des Abbaubetriebes im Tagebau
Reichwalde, der bis an das SCI heranführen wird. Beeinträchtigungen sind insbesondere
für die Anhang II-Arten Fischotter, Wolf und Rotbauchunke zu erwarten.
Bezüglich des Erhalts der Grünland-LRT besteht ein verbleibendes Konfliktpotential in der
Verpflichtung der Landwirte mit der Maßnahme G3 der Förderrichtlinie AuW (Agrarum-
weltmaßnahmen und Waldmehrung). Die vorgegebenen starren Schnitttermine für Grün-
land sind in der Regel für die Wiesen der Region viel zu spät.
Unklar ist, wie sich die Fischereiwirtschaft in den nächsten Jahren entwickeln wird. Mit ei-
ner eventuellen Aufgabe der Karpfenzucht wäre langfristig der Erhalt der meisten LRT
3150-Flächen im Gebiet gefährdet und es würde ein wichtiger Baustein für den Erhalt der
Rotbauchunke fehlen.

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5. QUELLE
Der im Februar 2008 fertig gestellte Managementplan für das Gebiet Nr. 102 wurde er-
stellt von Büchner & Scholz - Büro für ökologische Studien, Naturschutzstrategien und
Landschaftsplanung in Singwitz. Er kann bei Interesse bei der federführenden Behörde,
der Landesdirektion Dresden oder beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirt-
schaft und Geologie eingesehen werden.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arten