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Dritter Bericht
des Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung
für das Jüdische Leben
Januar bis Dezember 2021

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Inhaltsverzeichnis
Vorwort ................................................................................................................................ 4
Besondere Herausforderungen im Berichtsjahr 2021 ..................................................................5
Jüdisches Leben in Sachsen .............................................................................................. 7
Jüdische Gemeinden in Sachsen/Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden ....................7
Jüdischer Religionsunterricht...................................................................................................8
Sicherheit der Jüdischen Gemeinden in Sachsen .......................................................................8
20 Jahre Weihe der Neuen Synagoge Dresden..........................................................................8
Amtseinführung des Militärbundesrabbiners ..............................................................................9
Museum/Zentrum für Jüdische Geschichte und Kultur in Sachsen ................................................9
Kulturforum Görlitzer Synagoge ............................................................................................. 11
Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ (2021-2022) .............................. 13
Sukkot XXL ........................................................................................................................ 15
Unterstützung durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen ................................................. 15
Antisemitismus in Sachsen .............................................................................................. 16
Ist-Situation ........................................................................................................................ 16
Problembeschreibung von RIAS ............................................................................................ 17
Maßnahmen gegen Antisemitismus und zum Schutz Betroffener ................................................ 17
Projekte im Bereich Bildung .................................................................................................. 19
Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ des Freistaates Sachsen .... 22
Informationsveranstaltungen für Journalisten in Sachsen........................................................... 22
Gemeinsame Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus und zum
Schutz jüdischen Lebens .................................................................................................. 23
Anregung zur Umbenennung von Gesetzestexten und juristischer Fachliteratur ............................ 23
Empfehlung zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule ...................................................... 23
Vorschläge zur Tätigkeit von Ermittlungsbehörden und Gerichten ............................................... 24
Anregungen an die Staatsregierung ................................................................................. 25
Sichtbarkeit Jüdischen Lebens im Freistaat ............................................................................. 27
Träger jüdischer Kultur im Freistaat stärker unterstützen ........................................................... 27
Aufnahme des Ariowitsch-Hauses als Gedenkort in die Stiftung Sächsische Gedenkstätten............ 27
Einrichtung eines Registers zur Erfassung ehemals jüdischer Liegenschaften .............................. 28
Erweiterung der „Lernorte des Erinnerns und Gedenkens“ ......................................................... 28
Museum/Zentrum für Jüdische Geschichte und Kultur in Sachsen .............................................. 29

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Anteilige Grundfinanzierung von Medaon ................................................................................ 29
Stärkung und Koordination von Fortbildungsveranstaltungen ..................................................... 30
Förderrichtlinie „Antisemitismus, Antiziganismus, Jüdisches Leben“ ............................................ 31
Informations- und Koordinierungsbüro des Freistaates in Israel einrichten.................................... 31
Unterstützung der Gründung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerks ....................................... 31
Anregung zur Ehrung des ersten Sächsischen Ministerpräsidenten............................................. 32
Ausblick ............................................................................................................................. 33
Online-Quellen................................................................................................................... 34

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Vorwort
Das Jahr 2021 war nicht nur von der besonderen Pandemie-Situation geprägt, die viele
geplante Veranstaltungen von jüdischen Gemeinden und Vereinen aus dem Netzwerk
„Jüdisches Leben in Sachsen“ unmöglich machten, es war auch ein Jahr, in welchem Themen
jüdischen Lebens in Sachsen sowie Antisemitismusprävention und -bekämpfung neuen
Schwung erhielten.
Dies hängt vor allem mit dem deutschlandweiten Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in
Deutschland“ zusammen, welches einen sehr positiven Effekt auf die gesellschaftliche
Wahrnehmung jüdischer Kultur in Sachsen aufwies, daneben auch den Schutz desselben
sowie das Engagement gegen Antisemitismus verstärkt in den Fokus stellte.
Die jüdischen Gemeinden in Sachsen sowie die neben den Gemeinden aktiven jüdischen
Einrichtungen und Gruppen in Görlitz, Dresden und Chemnitz gaben mir im Verlauf des Jahres
die Rückmeldung, dass sie die Unterstützung der Staatsregierung und auch des Sächsischen
Landtages wertschätzen. Sie hoben besonders die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit
mit Ministerien und Fachausschüssen des Landtages hervor, denen das Thema jüdisches
Leben in Sachsen ein wichtiges Anliegen ist.
Auch ich, der Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdisches Leben, möchte
dem Bericht einen Dank an all jene voranstellen, die sich seitens der Staatsregierung und des
Sächsischen Landtages für die Anliegen der jüdischen Gemeinden und der Mitglieder des
Netzwerks „Jüdisches Leben in Sachsen“ eingesetzt haben. Die gute Zusammenarbeit zeigte
sich vor allem vor dem Hintergrund der alles überlagernden Herausforderung durch die
pandemische Situation und die damit verbundenen strukturellen und auch finanziellen Folgen,
die sich auf die Arbeit des Beauftragten nur unwesentlich auswirkten.
Im Jahr 2021 konnten nicht zuletzt durch die vielfältigen Anstrengungen aller Beteiligten –
sowohl seitens der Staatsregierung und des Parlaments als auch seitens der jüdischen
Gemeinden und ihren Partner im Netzwerk – viele Ideen und Vorhaben umgesetzt als auch
neue Akzente gesetzt werden. Die wichtigsten davon werden im folgenden Bericht näher
ausgeführt und erläutert.
Die Zuordnung des ehrenamtlich und weisungsfrei tätigen Beauftragten zum Sächsischen
Staatsministerium für Kultus hat sich bewährt. Diese Konstruktion sollte sowohl aus Sicht des
Beauftragten selbst als auch des ihn beratenden Expertenrats, der jüdischen Gemeinden und
des Netzwerks „Jüdisches Leben in Sachsen“ beibehalten werden. Der Beauftragte erhält
wöchentlich durchschnittlich 10-15 Anfragen von Mitgliedern der jüdischen Gemeinden,
Netzwerkpartnern, Pressevertretern, Bildungseinrichtungen, Behörden und anderen mehr, die
er im Rahmen seiner Tätigkeit gemeinsam mit der Geschäftsstelle beantwortet, die integraler
Bestandteil der Organisationsstruktur des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus ist. Die
Inanspruchnahme des Beauftragten und der Geschäftsstelle im Sinne einer Service- und
Beratungsstelle hat im Berichtsjahr zugenommen.
Als unabdingbar für die Arbeit des Beauftragten ist der ehrenamtlich tätige Expertenrat mit
Vertretern der Wissenschaft, der Jüdischen Gemeinden in Sachsen, des Zentralrates der
Juden, der Kirchen, der Zivilgesellschaft und der Sicherheitsbehörden des Freistaates
einzuschätzen. Auch für diese Arbeit möchte ich ausdrücklich Dank sagen.

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Besondere Herausforderungen im Berichtsjahr 2021
Die pandemische Situation brachte nicht nur im Freistaat neue Formen von antisemitischen
Verschwörungserzählungen hervor, die eigentlich überwunden geglaubt waren. Oft sind diese
Verschwörungsmythen in abgewandelter Form schon seit vielen Jahrzehnten oder gar
Jahrhunderten im Umlauf, sie brachten und bringen jedoch immer neue Variationen und
Abwandlungen hervor – deren gemeinsamer Nenner die Verbreitung antisemitischer
Stereotype und Erzählungen sind. Insofern war das Berichtsjahr gekennzeichnet von einer
Zunahme antisemitischer Verschwörungsmythen, die neben ihrer Virulenz in Krisensituationen
zusätzlich besonderen Aufschwung durch israelisch-palästinensische Auseinandersetzungen
in Nahost erhielten. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung nahm die Aufklärung über den in
Verschwörungsmythen enthaltenen latenten oder offenen Antisemitismus einen wichtigen
Platz in der öffentlichen Debatte ein, in die auch der Beauftragte eingebunden war. Weitere
Ausführungen dazu im Berichtsteil zu Antisemitismus in Sachsen.
Es ist festzustellen, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft nicht unwidersprochen
hingenommen wird. Aus meiner Sicht als Beauftragter hat die Zahl derer, die sich gegen jeden
Antisemitismus zur Wehr setzen und für die die Sicherheit jüdischen Lebens in Sachsen ein
wichtiges Anliegen ist, im Berichtszeitraum deutlich zugenommen.
Da eine ganze Reihe von Veranstaltungen zu den Themen jüdisches Leben, jüdische Kultur
sowie Antisemitismusprävention und -bekämpfung aufgrund der Corona-bedingten
Einschränkungen in Präsenzform nicht zu realisieren waren, wurden diese zum Teil in digitalen
Lern- und Diskussionsformaten angeboten und durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass der
offensichtliche Nachteil einer Digitalplattform für den offenen und direkten Austausch, die
Diskussion und das Entwickeln neuer Ideen und Vorhaben einer höheren Beteiligungsquote an
solchen Veranstaltungen gegenüberstanden. Insofern ist hinsichtlich der umformatierten
Veranstaltungen ein ambivalentes Resümee zu ziehen. Digitale Formate bieten leichtere
Zugangsmöglichkeit und sind auch für eine größere Anzahl von Teilnehmern attraktiv, ihnen
fehlen allerdings das direkte Miteinander im Verstehens- und Lernprozess und damit
verbunden die Verbindlichkeit von Präsenzveranstaltungen.
Da auch der Besuch der Gottesdienste für Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Sachsen
durch die pandemische Situation und die damit verbundenen Einschränkungen mehr als
erschwert war und ist, werden von den Verantwortlichen hybride Formen der
Gottesdienstdurchführung ermöglicht. Diese werden in der Regel über Streaming-Angebote zu
denen übertragen, die auf Grund der Corona-Situation nicht am Gottesdienst teilnehmen
können. Darüber hinaus erreichten sie auch zahlreiche Menschen, die bisher noch keinen
Einblick in die Gestaltung und die liturgische Form eines jüdischen Gottesdienstes hatten, was
als positiv benannt werden kann.
Das für 2021 ausgerufene Festjahr „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ fand auch in
Sachsen eine große Resonanz. Im Freistaat wurden im Ländervergleich überdurchschnittlich

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viele zusätzliche – auf das Festjahr abgestimmte Projekte konzipiert und durchgeführt.
Weiterführende Informationen sind in einem separaten Kapitel dieses Berichts enthalten.
Was für die unmöglich gewordenen Präsenzveranstaltungen eingehend festgestellt wurde, galt
auch für die Arbeit des Expertenrates, der mit seiner Expertise die inhaltliche und
konzeptionelle Tätigkeit des Beauftragten begleitet. Im Berichtszeitraum fanden sowohl
Präsenz- als auch Onlinebesprechungen des Expertenrates statt, wobei die Präsenzsitzungen
mit geladenen Gästen, den Austausch mit neuen oder spezifischen Perspektiven ermöglichen
konnten. Für interne Abstimmungen hat sich das digitale Format mittlerweile bewährt und
erspart den Expertinnen und Experten oft längere Anreisewege. Deswegen soll dieses Format
auch zukünftig beibehalten werden.
Es ist erfreulich, dass es im Berichtszeitraum gelungen ist, die Ausschreibung und Vergabe
der geplanten Melde- und Beratungsstelle Antisemitismus Sachsen zu realisieren. Auch wenn
die Form der Ausschreibung mit einem wesentlich größeren inhaltlich-organisatorischen und
letztlich auch zeitlichem Aufwand verbunden war, hatte sich der Beauftragte im Vorfeld im
Einvernehmen mit dem Expertenrat für diese Vergabeform ausgesprochen, da sie zum einen
der Situation im Freistaat angemessener erschien (keine vorhandenen Träger mit einem auf
die Bedürfnisse dieser Stelle zugeschnittenen Portfolio oder nachweislicher Erfahrung in
diesem spezifischen Arbeitsfeld) und zum anderen eine größtmögliche Transparenz im
Vergabeverfahren gewährleistet. Nach der Zuarbeit eines inhaltlichen und strukturell-
organisatorischen Erwartungsbildes des Beauftragten und des Expertenrats an potentielle
Träger wurde das Verfahren von der Vergabestelle des Sächsischen Staatsministeriums für
Kultus durchgeführt.

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Jüdisches Leben in Sachsen
Jüdische Gemeinden in Sachsen/Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden
Mit der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, der Jüdischen Gemeinde zu Dresden und der
Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig gibt es gegenwärtig drei Gemeinden, die im
Freistaat Sachsen aktiv sind. Die von den Gemeinden erreichte Mitgliederzahl bewegt sich bei
ca. 2400 und ist damit tendenziell leicht rückläufig, was vor allem mit der Altersstruktur ihrer
Mitglieder zusammenhängt. Organisiert sind die Gemeinden im Landesverband Sachsen der
Jüdischen Gemeinden, deren Vorsitzende Dr. Nora Goldenbogen ist.
Die religiöse Leitung der jüdischen Gemeinden obliegt Landesrabbiner Zsolt Balla. Neben
seelsorgerlicher Begleitung der Gemeindemitglieder bietet er auch regelmäßig Gottesdienste
und Tagesandachten an, die zum überwiegenden Teil im Livestream zu verfolgen sind. Dies
stellt die Erreichbarkeit der Gemeindemitglieder unter den besonderen Herausforderungen der
Pandemie sicher und gewährleistet die Kontinuität religiösen Lebens der Gemeinden.
Die jüdischen Gemeinden in Dresden, Leipzig und Chemnitz organisieren nicht nur das
religiöse Leben der Juden in Sachsen, sie bieten darüber hinaus eine Vielzahl kultureller und
sozialer Aktivitäten sowie umfassende Bildungsangebote an. Letztere richten sich vorwiegend
an eine interessierte nichtjüdische Öffentlichkeit und sind dadurch ein wichtiges Bindeglied
zwischen der nichtjüdischen Mehrheits- und der jüdischen Minderheitsgesellschaft in Sachsen.
Die Gemeinden in Chemnitz und Dresden sind momentan auf der Suche nach geeigneten
Gemeinderabbinern – in Chemnitz schon seit längerem, in Dresden seit dem Weggang von
Gemeinderabbiner Akiva Weingarten im August 2021.
Neben den drei jüdischen Gemeinden in Sachsen, die in ihrer Arbeit vom Zentralrat der Juden
in Deutschland anerkannt sind und unterstützt werden, gibt es des Weiteren jüdische
Gruppierungen in Dresden und Görlitz.
In Dresden ist zum einen die Vereinigung „Chabad Lubawitsch Dresden“ um deren Rabbiner
Shneror Havlin zu nennen, die neben vielen Aktivitäten – beispielsweise der Organisation der
öffentlichen Chanukka-Feier in Dresden – auch einen jüdischen Kindergarten in der
Landeshauptstadt unterhält. Im Herbst 2021 gründete sich die „Jüdische Kultusgemeinde
Dresden“ um Akiva Weingarten, die allerdings trotz ihres Namens keinen offiziellen
Gemeindestatus besitzt und den von ihr gegründeten Verein „Besht Yeshiva Dresden e.V.“
betreibt. Diese beiden, neben der Jüdischen Gemeinde zu Dresden aktiven Einrichtungen,
finanzieren sich über Spenden.
Die jüdische Gruppe rund um die am 12. Juli 2021 wiedereröffnete Synagoge Görlitz, die von
ihrem Status her kein religiöses Gebäude, sondern ein Kulturforum der Stadt ist, wird in der
Öffentlichkeit von ihrem Kantor Alex Jacobowitz vertreten. Neben dem großen Saal des
Kulturforums, der bis zu 500 Besuchern Platz bietet, befindet sich die kleinere
Wochentagssynagoge. Hier finden regelmäßig Gottesdienste statt. Der Leiter des „Kulturforum

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Görlitzer Synagoge“, Benedikt Hummel sieht die Wochentagssynagoge als Raum für das
Gebet und die Erinnerungskultur.
1
Jüdischer Religionsunterricht
Seit dem Schuljahr 2019/2020 wurde an sächsischen Schulen das Fach Jüdische Religion
zunächst an drei öffentlichen Grundschulen eingeführt. Zum Schuljahr 2021/2022 erfolgte die
Weiterführung in das Gymnasium bzw. die Oberschule. In den Städten Chemnitz, Dresden
und Leipzig können jüdische sowie interessierte Schülerinnen und Schüler jüdischen
Religionsunterricht an ausgewählten zentralen „Stützpunktschulen“ am Nachmittag besuchen.
Momentan unterrichten die engagierten Lehrerinnen und Lehrer bis einschließlich
Klassenstufe 8. Das Angebot soll in den Folgejahren erweitert werden, sodass zum Schuljahr
2023/2024 die Belegung und die Wahl dieses Faches auch als mündliches Prüfungsfach
möglich sein wird.
Jüdischer Religionsunterricht wird, nach Angaben der Kultusministerkonferenz, bisher
ebenfalls an öffentlichen Schulen in Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und im
Saarland unterrichtet.
2
Sicherheit der Jüdischen Gemeinden in Sachsen
Im Zuge des Anschlages auf die Jüdische Gemeinde in Halle am 9. Oktober 2019 wurden
auch in Sachsen die Sicherheitsvorkehrungen für die Einrichtungen der jüdischen Gemeinden
verstärkt. Auch wenn dies zum Teil mit einem schmerzlichen Verlust für die von den
Gemeinden
bewusst
gewollte
Öffnung
verbunden
ist,
sind
die
verstärkten
Sicherheitsvorkehrungen für jede Art von Veranstaltung sowie der verstärkte Gebäudeschutz
erforderlich. Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden sowie die Vorstände der
jüdischen Gemeinden in Dresden, Leipzig und Chemnitz begrüßen ausdrücklich die
Bemühungen
der
Staatsregierung,
zusätzliche
Sicherheitsmaßnahmen
und
Sicherheitsnachrüstung von Gebäuden und Einrichtungen des jüdischen Lebens in Sachsen
durch den Freistaat zu realisieren.
20 Jahre Weihe der Neuen Synagoge Dresden
Am 9. November 2021 wurde pandemiebedingt nur in einem sehr kleinen Rahmen des 20-
jährigen Jubiläums der Weihe der Neuen Synagoge Dresden gedacht. Begleitet wurde diese
Feier, an einem für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland sehr schmerzhaften Gedenktag,
durch die vom Dresdner Stadtrat im Juli 2021 beschlossenen Beflaggung des Neuen
Rathauses in Dresden mit einer Flagge, die auf das Festjahr „1.700 Jahre jüdisches Leben in
1
https://www.mdr.de/religion/juedisches-leben/synagoge-goerlitz-juedische-gemeinde-100.html
,
letzter
Zugriff: 15.02.2022.
2
https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/AW_Religionsunterricht_II_2019_
20.pdf
,
letzter Zugriff: 15.12.2021.

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Deutschland“ hinwies. Passend zur Feier „20 Jahre Weihe Neuen Synagoge Dresden“
publizierte das ehemalige Vorstandsmitglied des Fördervereins „Bau der Synagoge Dresden“
(seit 2002 Freundeskreis Dresdner Synagoge e.V.), Dr. Claus Dieter Heinze einen
Erinnerungsband zur Geschichte des Baus dieses markanten Gebäudes, das sich unweit der
ehemaligen Dresdner Synagoge befindet. Die von Gottfried Semper erbaute Synagoge wurde
in der Programnacht des 9. November 1938 vernichtet.
Amtseinführung des Militärbundesrabbiners
Am 21. Juni 2021 wurde der Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und
Landesrabbiner Sachsens, Zsolt Balla als erster Militärbundesrabbiner in das Amt eingeführt.
Damit gibt es erstmals, nach rund 100 Jahren seit dem Ausschluss jüdischer Geistlicher aus
den damaligen deutschen Streitkräften
3
und 76 Jahre nach der Schoah, wieder Militärrabbiner
in der Bundeswehr. Bei der Einführung in Leipzig waren neben der damaligen
Bundesministerin der Verteidigung, Annegret Kramp-Karrenbauer, der Präsident des
Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, Vertreter der Sächsischen
Staatsregierung sowie der Evangelische und der Katholische Militärbischof anwesend.
Grundlage für die Einsetzung und Tätigkeit des Militärbundesrabbiners ist ein Vertrag
zwischen dem Bundesministerium für Verteidigung und dem Zentralrat der Juden in
Deutschland über die jüdische Militärseelsorge. Diese ähnelt hinsichtlich ihrer Struktur der
christlichen Militärseelsorge. Das Angebot der jüdischen Militärseelsorge steht nicht
ausschließlich den Soldatinnen und Soldaten jüdischen Glaubens und ihren Familien zur
Verfügung. Auch Angehörige anderer Konfessionen und Konfessionslose können sich an die
Geistlichen wenden. Des Weiteren erteilen die Rabbinerinnen und Rabbiner für alle
Soldatinnen und Soldaten lebenskundlichen Unterricht.
4
Museum/Zentrum für Jüdische Geschichte und Kultur in Sachsen
Bereits im Bericht des Beauftragten aus dem Jahr 2020 wurde auf die Initiative eines
Arbeitskreises hingewiesen, dem neben Vertretern der Jüdischen Gemeinde zu Dresden auch
Historiker und Museumsfachleute angehören, welche die Errichtung eines Museums bzw.
eines Zentrums
5
für jüdische Geschichte und Kultur für den Freistaat Sachsen zum Ziel hat.
Insbesondere sollen die mitteldeutsche Region und die Grenzregionen zu Polen und der
Tschechischen Republik einbezogen werden. Dieses vom Landesverband Sachsen der
Jüdischen Gemeinden befürwortete Vorhaben ist im Berichtsjahr einige Schritte
vorangekommen.
3
https://www.bmv
g.de/de/aktuelles/bundestag-gesetz-juedische-militaerseelsorge-260948
, letzter
Zugriff: 05.01.2022.
4
https://www.bmv
g.de/de/aktuelles/zsolt-balla-erster-militaerbundesrabbiner-5086964
, letzter Zugriff:
05.01.2022.
5
Der Beauftragte für das Jüdische Leben zieht die Bezeichnung „Zentrum“ anstelle von „Museum“ vor,
da ein lebendiger Ort der Begegnung entstehen soll, wo unter anderem museale Gegenstände vom
jüdischen Leben zeugen und klarmachen, was uns in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindet.

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Grundlage dafür ist ein Beschluss des Dresdener Stadtrates vom 23. April 2021, eine solche
Einrichtung in der Landeshauptstadt zu errichten. Vorangegangen war diesem Beschluss eine
überfraktionell eingebrachte Vorlage aus dem Jahr 2020. Dieser Beschluss ist ein
Grundsatzbeschluss, da die konkrete Ausgestaltung des Projektes noch aussteht. Wann mit
der Umsetzung begonnen werden kann, ist noch offen und u.a. standortabhängig.
Entsprechend der inhaltlichen Zuarbeit, die vom Beauftragten zusammengeführt und
koordiniert wurde, soll das Museum bzw. das Zentrum einen überregionalen Charakter haben
und eine europäische Perspektive einnehmen. Es soll ganz konkret die Geschichte jüdischer
Menschen in Mitteldeutschland dokumentieren und darüber hinaus mit der Einbeziehung der
grenznahen Regionen in Polen und Tschechien eine europäische Komponente aufweisen.
Das geplante Museum bzw. Zentrum soll die bisher schwerpunktmäßig in den alten
Bundesländern bestehenden jüdischen Museen auch um eine spezifische ostdeutsche
Perspektive ergänzen.
Zurzeit befindet sich die Stadt Dresden in einem internen Abstimmungsprozess über eine
geeignete Liegenschaft. Die Jüdische Gemeinde zu Dresden wie auch der Landesverband
Sachsen der jüdischen Gemeinden favorisieren übereinstimmend den Alten Leipziger Bahnhof
in der Nähe des Bahnhofs Dresden-Neustadt als Standort. Daneben gibt es auch weitere
Vorschläge, wie beispielsweise die Einrichtung in einem wiederaufgebauten Palais Oppenheim
anzusiedeln. Der Beauftragte begleitet diesen Abstimmungsprozess ebenso wie bereits
durchgeführte Gespräche zwischen der Kulturbürgermeisterin der Stadt Dresden und
Vertretern des Sächsische Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus
(Geschäftsbereich Kultur und Tourismus).
Dabei wurde unter anderem der Vorschlag unterbreitet, auf dem Weg hin zu einer Realisierung
des Vorhabens eine Landesausstellung zum Thema „Jüdisches Leben in Sachsen“
vorzubereiten und durchzuführen. Dieses Vorgehen wird vom Beauftragten sowie auch vom
Expertenrat und dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden ausdrücklich
unterstützt.
In Leipzig wurde am 21. April 2021 eine Vorlage des Kulturausschusses zur Einrichtung eines
Museums für die jüdische Geschichte Sachsens vom Stadtrat beschlossen. Auch hier soll das
geplante Museum überregionalen Charakter aufweisen. Der Oberbürgermeister der
Messestadt wurde durch den Stadtrat beauftragt, sich hierzu gegenüber allen relevanten
Gremien, insbesondere dem Sächsischen Landtag und der Sächsischen Staatsregierung, für
den Standort Leipzig zu verwenden. Ein Gespräch mit dem Beauftragten fand hier allerdings –
im Gegensatz zu bereits realisierten Abstimmungen zwischen Vertretern des Stadtrates und
der Stadtverwaltung Dresdens mit dem Beauftragten – noch nicht statt.
Der Beauftragte empfiehlt zunächst eine Abstimmung zwischen den Stadtverwaltungen
Dresdens und Leipzig, um die Konkurrenz in der Standortfrage nicht zum Nachteil für eine
mögliche Realisierung des Museums bzw. Zentrums geraten zu lassen. Er empfiehlt der
Staatsregierung, diesen Abstimmungsprozess sowohl organisatorisch als auch inhaltlich zu
begleiten, da unabhängig vom gewählten Standort das Zentrum in der Verantwortung des
Freistaats angesiedelt sein sollte.
Da der Alte Leipziger Bahnhof und damit der mittlerweile von der Jüdischen Gemeinde zu
Dresden per Beschluss favorisierte Standort wieder im Besitz der Stadt Dresden befindet, ist
der Beauftragte auf den Stadtrat und die Stadtverwaltung der Landeshauptstadt zugegangen,

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damit diese bei der weiteren Entwicklung des Standortes die Einrichtung eines Museums bzw.
Zentrums auf dem Areal des Alten Leipziger Bahnhofes sorgfältig prüfen. Dabei ist der
Beauftragte bereit, die weitere Diskussion in der Rolle eines Moderators zu begleiten.
Die Beigeordnete für Kultur und Tourismus der Landeshauptstadt Dresden, Annekatrin
Klepsch, hat den inzwischen mit ersten Beiträgen angelaufenen Blog zur Frage eines
Jüdischen Museums
6
zum Anlass genommen, für das erste Quartal 2022 eine kleine, digitale
Veranstaltungsreihe zu dem Thema ins Leben zu rufen. Drei Veranstaltungen sollen das
Thema aufgreifen und vertiefen und somit eine inhaltliche Debatte generieren und konkrete
Standortideen abwägen:
Braucht Sachsen ein jüdisches Museum? (24. Januar 2022)
Jüdisches Leben in Sachsen präsentieren: Zur Diskussion um ein jüdisches Museum
für Sachsen (01. März 2022)
Forum für Bürgerinnen und Bürger: Ein Jüdisches Museum für Sachsen in Dresden?
Offene Diskussionsrunde (10. März 2022)
Welche Orte stehen für welche Inhalte: Dresdner Standortdiskussionen für ein
jüdisches Museum (22. März 2022)
Kulturforum Görlitzer Synagoge
Das Kulturforum Görlitzer Synagoge wird seit der Eröffnung auch für religiöse Zwecke genutzt.
Dennoch ist das Kulturforum von seiner Zweckbestimmung her ein öffentlicher Raum und
keine religiöse Stätte. Für bisherige Gottesdienste wurde die sogenannte Wochentags-
Synagoge – nicht der synagogale Hauptraum – genutzt. Dem Beauftragten ist es ein wichtiges
Anliegen, dass es dennoch der jüdischen Gruppe in Görlitz ermöglicht wird, an hohen
jüdischen Feiertagen, den ehemaligen Synagogenraum – heute das Kulturforum – als
Gebetshaus zu nutzen. Da diese Feiertage auf Jahre im Voraus feststehen, könnte eine
Vereinbarung darüber getroffen werden, die ein Nutzungsrecht zu religiösen Zwecken an
diesen klar definierten Terminen vorsieht. An allen anderen Tagen kann die Stadt Görlitz frei
über die Belegung des Kulturforums verfügen.
Wichtig ist dabei aus der Sicht des Beauftragten, dass die Vereinbarungen ausschließlich
zwischen der Stadt Görlitz und dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden sowie
in Absprache mit dem Landesrabbiner getroffen werden. Zudem ist es ratsam, regelmäßige
Konsultationen zwischen dem Landesverband und der Stadt Görlitz zu vereinbaren, damit die
Kommunikation auch anlassunabhängig gewährleistet sein wird. Zu diesen Konsultationen
sollte im Hinblick auf die Gewährleistung der Sicherheit auch die PD Görlitz hinzugezogen
werden.
Mit einer wie oben beschriebenen Regelung könnte auch der synagogale Hauptraum – mithin
„die Görlitzer Synagoge“ – wieder als solche genutzt werden, ohne die Zweckbestimmung als
öffentlicher Kulturraum der Stadt Görlitz aufheben zu müssen.
Am 16. Dezember 2021 sind vier vermutlich 300 Jahre alte Fragmente der bis 1938 in der
Synagoge verwahrten Thorarolle der Stadt Görlitz übergeben worden. Der Görlitzer
6
https://www.blog-stadtmuseum-dresden.de/
, letzter Zugriff: 01.03.2022.

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Oberbürgermeister Octavian Ursu äußerte, dass diese nach der Inventarisierung und
Aufarbeitung auch ausgestellt werden sollen.
7
7
https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/goerlitz-teile-v
erschollener-torarolle-zurueck/
,
letzter Zugriff: 03.02.2022.

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Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ (2021-2022)
Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland konnte 2021 ein besonderes Jubiläum begehen:
Auf eine Anfrage aus Köln erließ der römische Kaiser Konstantin am 11. Dezember 321 ein
Edikt, wonach Juden städtische Ämter in den Kurien, den römischen Stadträten, bekleiden
durften und sollten. Dieses 1700 Jahre alte Dekret gilt als ältester Beleg für die Existenz
jüdischen Lebens auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik bzw. Mitteleuropas.
8
Das Festjahr wurde durch einen Vorschlag der Gemeinsamen Bund-Länder-Kommission zur
Bekämpfung von Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens (im Folgenden:
Gemeinsame Bund-Länder-Kommission) angeregt und vom Bundesministerium des Innern
und für Heimat sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, auf einen
Beschluss des Bundestages hin, finanziell unterstützt.
Das Jubiläumsjahr mit einer Vielzahl von Symposien, Veranstaltungen, Ausstellungen,
Konzerten und weiteren Aktionen war eine herausragende Gelegenheit, sich die lange und
reichhaltige Tradition jüdischer Kultur in Deutschland zu vergegenwärtigen. Dass dies
gelungen ist, wurde übereinstimmend von der Gemeinsamen Bund-Länder-Kommission auf
ihrer Sitzung im November 2021 festgestellt.
Um das Festjahr auch in Sachsen fest zu verankern und nachhaltig zu gestalten, schlossen
auf Initiative des Beauftragten, das Sächsische Staatsministerium für Kultus, vertreten durch
Staatsminister Christian Piwarz und der 321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in
Deutschland e. V. eine Kooperationsvereinbarung ab. Diese setzte sich zum Ziel, die
jüdischen Gemeinden sowie die Hochschulen, Schulen, Bildungsträger, Verbände, Vereine,
Stiftungen, Kirchen, Gewerkschaften, Unternehmen und Kulturschaffenden im Freistaat
Sachen zu gewinnen, sich aktiv im Festjahr 2021 mit themenbezogenen Veranstaltungen bzw.
Projekten einzubringen, die über den gesamten Freistaat Sachsen verteilt stattfinden sollten.
Angestrebt wurde, möglichst vielen Menschen im Freistaat jüdisches Leben nahezubringen.
Dabei sollten die Veranstaltungen und Projekte das jüdische Leben landesweit, so weit wie
möglich auch bundesweit sichtbar machen und möglichst auch über das Festjahr hinaus
nachhaltig wirken.
Diese Ziele wurden – soweit es zum jetzigen Zeitpunkt schon abschließend beurteilt werden
kann – mehr als umfänglich erreicht. Dies gelang zum einen Dank des Ideenreichtums der
sächsischen Akteure, die sich dem Thema widmen, und zum anderen durch die vom
Beauftragten bereits im Jahr 2019 angeregte und konsequent umgesetzte Vernetzung dieser
Akteure. Diese setzen bis zum heutigen Tag mehr als 100 zusätzliche Veranstaltung in
verschiedensten Formaten im Freistaat um. An dieser Stelle soll allen Veranstaltern ein
besonderer Dank ausgesprochen werden, die trotz aller – vorwiegend pandemiebedingter –
Schwierigkeiten mit ihren Aktivitäten der öffentlichen Wahrnehmung jüdischen Lebens in
Sachsen einen besonderen Schwung verliehen haben, der auch nach dem Festjahr Bestand
haben wird.
8
https://2021jlid.de/edikt/
, letzter Zugriff: 03.02.2022.

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Anlässlich des Festjahres wurde in Kooperation zwischen dem Beauftragten der Sächsischen
Staatsregierung für das Jüdische Leben und dem Netzwerk Jüdisches Leben e.V. im März
2021 eine Broschüre herausgegeben, die Akteure und Projekte in Sachsen vorstellt.
9
In dieser Publikation präsentieren sich die jüdischen Gemeinden in Sachsen sowie mehr als
30 sachsenweit agierende Vereine und Initiativen mit ihren speziell zum Festjahr konzipierten
Veranstaltungen. Ergänzt wurde diese Aufstellung durch eine kurze Geschichte der Juden in
Sachsen, eine kalendarische Auflistung aller Aktivitäten und ein Glossar zu jüdischen Fest-
und Feiertagen im Jahresverlauf. Die vorangestellten Grußworte des Ministerpräsidenten, des
Kultusministers und der Vorsitzenden des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen
Gemeinden legten beredtes Zeugnis ab vom guten Miteinander derer, denen jüdisches Leben
in Sachsen am Herzen liegt. Die auch als Kompendium zu den Aktivitäten rund um jüdisches
Leben in Sachsen gedachte und entsprechend gestaltete Publikation war aufgrund des großen
Interesses und der gezielten Versendung an zivilgesellschaftliche Akteure in Sachsen schnell
vergriffen, die digitale Version ist – da das Festjahr bis Mitte 2022 verlängert wurde – weiterhin
auf der Seite des Beauftragten zu finden.
10
Die Öffentlichkeitsarbeit zum Festjahr wurde vom Beauftragten außerdem durch eine
Medienkooperation mit dem Sachsen Fernsehen unterstützt. Im Rahmen der Zusammenarbeit
wurden mehrere Beiträge geschaffen, die jüdisches Leben in Sachsen porträtieren.
11
Die
Beiträge und das Festjahr wurden über geeignete Kanäle beworben.
Im Rahmen des Festjahres fanden nicht nur Veranstaltungen statt, sondern es wurde auch
zum jüdischen Leben publiziert. Auf Initiative des Vereins SCHALOM e.V. in Chemnitz, in
Zusammenarbeit mit dem Mitteldeutschen Verlag und mit Unterstützung des 321–2021: 1700
Jahre jüdisches Leben in Deutschland e. V. konnte ein Kulturreiseführer realisiert werden. Mit
„Jüdisches Sachsen: 99 besondere Geschichten“ wird Einheimischen und Besuchern die
jüdische Vergangenheit einzelner Orte in unterhaltsamen Geschichten vor Augen geführt.
Damit werden die vorgestellten Objekte aufgewertet und vor allem Informationen zur
Verfügung gestellt, die sowohl bei touristischen Ausflügen als auch in Form eines Lesebuchs
oder Nachschlagewerks genutzt werden können. Der Ansatz, eine Publikation zu
veröffentlichen, die als Reiseführer gestaltet ist und damit ein besonders breites
Leserspektrum zu erreichen vermag, hat zwei Ergebnisse gezeigt: zum einen gibt es ein sehr
hohes Interesse, sich mit diesem Thema vor allem aus dieser spezifischen Sichtweise heraus
zu beschäftigten, zum anderen ist die Hervorhebung der regionalen – über ganz Sachsen
verteilten – Perspektive oftmals eine Anregung für Menschen vor Ort, sich näher mit dem
Thema zu beschäftigen. Dies zeigen Zuschriften, die den Beauftragten im Zusammenhang mit
dieser Publikation erreichen und ihn über neue regionale Initiativen und Vorhaben unterrichten.
Es ist schwierig, an dieser Stelle alle Projekte und Veranstaltungen aufzuzählen, jedoch soll
exemplarisch etwas zu einem besonders gelungenen Projekt in Chemnitz berichtet werden.
9
https://www.medienserv
ice.sachsen.de/medien/news/247988
, letzter Zugriff: 15.02.2022.
10
https://www.smk.sachsen.de/download/21_03_09_Broschur_Jued_leben.pdf
,
letzter
Zugriff:
25.02.2022.
11
https://www.sachsen-fernsehen.de/?s=j%C3%BCdisch
, letzter Zugriff: 15.01.2022.

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Seite 15 von 36
Eines von drei vom Verein 321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e. V.
angeregtes, Leuchtturmprojekten war Sukkot XXL, welches zum größten Laubhüttenfest der
Welt aufrief.
Sukkot XXL
Anlässlich der Jubiläen „30. Tage der jüdischen Kultur Chemnitz“, „135 Jahre Jüdische
Gemeinde in Chemnitz“ sowie „75 Jahre Wiedergründung“ im September 2021 organisierte
der Tage der Jüdischen Kultur in Chemnitz e.V. und die Jüdische Gemeinde Chemnitz in
Kooperation mit dem Beauftragten und mit Unterstützung des 321–2021: 1700 Jahre jüdisches
Leben in Deutschland e. V. eine Sukka (Laubhütte) im Stadthallenpark in der Chemnitzer
Innenstadt. Hier wurde vom 19. – 26. September ein umfangreiches Programm für alle
Altersgruppen mit Vorträgen, Musik, Diskussionen und z.B. Märchenlesungen für Kinder
angeboten. An diesen nahmen neben dem Beauftragten auch Staatsminister Oliver Schenk,
der Polizeipräsident der Stadt Chemnitz, Carsten Kaempf, und die Vorsitzende der Jüdischen
Gemeinde Chemnitz, Dr. Ruth Röcher, teil. Diese besondere und hervorragend organisierte
öffentlichkeitswirksame Aktion, die nach Auskunft des Tage der Jüdischen Kultur in Chemnitz
e.V. auch zukünftig eine Fortsetzung erfahren soll, wurde vom 321–2021: 1700 Jahre
jüdisches Leben in Deutschland e. V. in der Kategorie „Inhaltliches und vielfältiges Sukkot-
Programm“ ausgezeichnet.
12
Unterstützung durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Für das Berichtsjahr ist zu konstatieren, dass viele im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre
jüdisches Leben in Deutschland“ zusätzlich konzipierte und geplante Veranstaltungen ohne ein
starkes Engagement der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und seiner Organe hätten
nicht realisiert werden können. Dafür wird im Namen der Projektverantwortlichen an dieser
Stelle herzlich gedankt. Die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit des Beauftragten mit
der Kulturstiftung Freistaates Sachsen resultiert nicht zuletzt aus einer sehr frühzeitigen
Teilnahme des Stiftungsdirektors, Dr. Manuel Frey, an einer Sitzung des Expertenrates des
Beauftragten.
Dabei spielte die Entscheidung der Organe der Kulturstiftung, im Rahmen des Festjahres ein
besonderes Augenmerk auf dafür konzipierte Projekte – und hier vor allem in ländlichen
Regionen – zu legen, eine wichtige Rolle. Der Beauftragte sieht die Kulturstiftung des
Freistaates Sachsen auch weiterhin als starken Partner zur Umsetzung von Projekten, die sich
jüdischer Kultur thematisch und künstlerisch nähern und dies in einem kulturübergreifenden
Rahmen umsetzen wollen.
Es ist wünschenswert, dass das Thema auch nach Auslaufen des Festjahres weiterhin
besondere Unterstützung erfährt. Das Interesse vieler Menschen an jüdischem Leben,
jüdischer Kultur und jüdischen Themen konnte auf diese Art geweckt werden – die Resonanz
war bisher ausnahmslos sehr positiv.
12
https://2021jlid.de/gewinner-des-sukkot-wettbewerbs-stehen-fest/
,
letzter Zugriff: 03.02.2022.

image
Seite 16 von 36
Antisemitismus in Sachsen
Um Antisemitismus wirksam erkennen, bekämpfen und vorbeugen zu können, gilt es aus Sicht
des Beauftragten als unabdingbar, eine enge thematische und strukturelle Anbindung an die
jüdischen Gemeinden, ihre Vertretungsorgane und Repräsentanzen sowie die mit dem Thema
befassten Stellen, der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) und dem
Bundesverband der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Bundesverband RIAS
e.V.), zu suchen und einen nicht ausschließlich anlassbedingten Dialog zu führen.
Es ist festzustellen, dass antisemitische Bedrohungen – auch niederschwelliger Natur – sich je
nach Personenkreis unterschiedlich darstellen. Aus diesem Grund sollte die Sicht der
(potentiell) am ersten und am stärksten Betroffenen nicht nur informationshalber mit
einbezogen werden, sondern ein fester Bestandteil der pädagogischen Arbeitsstruktur
von Programmen und Projekten gegen Antisemitismus sein. Diese Sichtweise ist durchgängig
mit einzubeziehen. Sie schafft zum einen ein fundiertes gegenseitiges Vertrauen.
Auch wenn die Zielscheibe von Antisemitismus in erster Linie jüdische Bürger und jüdische
Einrichtungen sind, braucht es ein Einstehen gegen jeden Antisemitismus seitens der
gesamten Zivilgesellschaft. Antisemitismus ist in Sachsen nicht tolerabel, dass muss die klare
Botschaft sein. Hilfestellungen dafür wird in verstärktem Maße die auf Anregung des
Beauftragten und es Expertenrates eingerichtete niedrigschwellige Melde- und Beratungsstelle
Antisemitismus Sachsen geben. Diese wird ihre Arbeit auch in enger Vernetzung mit den
bereits in Sachsen tätigen Initiativen und Netzwerken koordinieren.
Ist-Situation
Auch im Jahr 2021 wurde in Sachsen eine Vielzahl antisemitischer Fälle erfasst. Die Straftaten
kommen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten vor, zumeist in Dresden, Leipzig und
Chemnitz. Zu einem großen Teil handelt es sich um Schmierereien und Rufe von Parolen im
öffentlichen Raum sowie um judenfeindliche Einträge und Kommentare im Internet. Außerdem
wurden bei Demonstrationen vermehrt antisemitische Haltungen bekundet.
Das Jahr 2021 war ein Jahr, welches von der Corona-Pandemie geprägt war. Einher mit
steigenden Infektionszahlen und entsprechenden Maßnahmen der Politik zum Infektionsschutz
gingen Proteste gegen die Corona-Maßnahmen. Diese erhielten in Sachsen einen
unvermindert starken Zulauf. Dabei war auch immer wieder das Sichtbarmachen tendenziell
antisemitischer Inhalte zu beobachten. Insbesondere nahmen im Zusammenhang mit der
Diskussion um eine Impfpflicht und die Anwendung von 2G- und 3G-Regeln Analogien zur
Shoah und zu im Nationalsozialismus verwendeten Zeichen zu. Von manchen Gegnern der
Corona-Schutzmaßnahmen wurden beispielsweise Symbole getragen, die dem „Judenstern“
(Magen David) ähneln sollten und im Inneren die Aufschrift „ungeimpft“ enthielten.
Das LKA (Landeskriminalamt Sachsen) hat für Sachsen im Gesamtjahr 2021 167 Straftaten
erfasst, die dem Themenfeld antisemitisch zugeordnet sind. Dabei sind 85 dieser Straftaten
aufgeklärt worden, dies entspricht einem Anteil von 50,9 %. Zum überwiegenden Teil werden

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die Straftaten dem Phänomenbereich PMK rechts zugeordnet (132 Taten). 2019 wurden 144
Straftaten, 2020 eine Anzahl von 157 Straftaten gezählt.
13
Vom Bundesverband RIAS e.V. wurden im Jahr 2021 insgesamt 125 Vorfälle, davon fünf
Angriffe, erfasst.
14
Die Zahlen des LKA und des Bundesverbandes RIAS e.V. sind an sich nicht vergleichbar.
Zusätzlich zu den Straftaten erfasst der Bundesverband RIAS e.V. auch niederschwellige
Taten, die nicht strafrechtlich relevant sind.
Problembeschreibung von RIAS
Um die konsequente Bekämpfung jeglicher Form von Antisemitismus faktenbasiert umsetzen
zu können, wurde in 2020 zwischen dem Beauftragten für das Jüdische Leben und dem
Bundesverband RIAS e.V. die Erstellung der Studie „Problembeschreibung Antisemitismus in
Sachsen“
15
vereinbart. Die Ergebnisse der Studie wurden am 23. Februar 2021 im Rahmen
einer Pressekonferenz diskutiert.
16
Mittels der Problembeschreibung wurden einmal mehr die
besonderen Herausforderungen, vor denen staatliche Stellen und Behörden beim Erkennen
und Zuordnen von Antisemitismus stehen, aufgezeigt. Dabei bezieht sie konsequenter Weise
auch die Sicht der von Antisemitismus betroffenen Personen und Personengruppen mit ein.
Die Studie vermittelt einen authentischen Blick auf die Ursachen und Formen antisemitischer
Vorfälle, die ihnen zu Grunde liegenden Strategien und die Herausforderungen in der Beratung
und Begleitung von Betroffenen. Die Erhebung zeigt insbesondere auf, dass Antisemitismus
aus Sicht der Betroffenen jüdischen Bürger in Sachsen präsent und ein alltagsprägendes
Phänomen ist.
17
Sie weist damit den Bedarf und ebenso die Anforderungen für das im
Koalitionsvertrag 2019 bis 2024 benannte Vorhaben der „Einrichtung einer niedrigschwelligen
Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus und psychosozialer Beratungsstellen für
Betroffene“
18
auf und bildet eine Grundlage dafür.
Maßnahmen gegen Antisemitismus und zum Schutz Betroffener
Gemeinsamer
Leitfaden
der
Generalstaatsanwaltschaft
Dresden
und
des
Landeskriminalamtes Sachsen
Der am 5. Mai 2021 vorgestellte gemeinsame Leitfaden der Generalstaatsanwaltschaft
Dresden und des Landeskriminalamtes Sachsen - Antisemitische Straftaten erkennen und
konsequent verfolgen dient zum einen der Optimierung der Erfassung und Verfolgung
antisemitischer Straftaten und zum anderen der allgemeinen Sensibilisierung der
Strafverfolgungsorgane und der Justiz.
13
Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Freistaates Sachsen 2021.
14
Auskunft des Bundesverbandes RIAS e.V.
15
Die Studie ist abrufbar unter:
https://report-antisemitism.de/bundesv
erband-rias/
, letzter Zugriff:
03.02.2022.
16
https://www.medienserv
ice.sachsen.de/medien/news/247567
,
letzter Zugriff: 03.03.2022.
17
Problembeschreibung Antisemitismus in Sachsen, Berlin 2021, S. 52.
18
https://www.staatsregierung.sachsen.de/regierungsprogramm-4730.html
, letzter Zugriff: 15.02.2022.

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Seite 18 von 36
Es ist hervorzuheben, dass dieser im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der
Generalstaatsanwaltschaft Dresden, dem Präsidenten des Zentralrates der Juden in
Deutschland, der Vorsitzenden des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden und
dem Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben vorgestellte
Leitfaden in seiner Form ein Novum in Deutschland darstellte. Umso erfreulicher ist es, dass in
Abstimmung mit der Gemeinsamen Bund-Länder-Kommission dieser Leitfaden inzwischen als
Anregung in vielen Bundesländern dient.
Als Ansprechpartner zur Bekämpfung des Antisemitismus wurde 2021 der Leitende
Oberstaatsanwalt Gido Hahn bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden ernannt. An seinen
Nachfolger, den Leitenden Oberstaatsanwalt Wolfgang Schwürzer, können sich, soweit
staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren betroffen sind, alle Bürger und Institutionen
wenden, die Opfer von antisemitischen Straftaten wurden bzw. die solche Opfer betreuen. Er
steht in einem regelmäßigen Austausch mit dem Beauftragten.
19
Impulsveranstaltungen zum Thema Antisemitismus
Regelmäßig nahm der Beauftragte im Berichtszeitraum auf Einladung verschiedenster Träger
und Einrichtungen an Seminaren, Vorträgen und Workshops zum Thema „Antisemitismus
erkennen, Antisemitismus entschlossen bekämpfen“ als Referent teil. Die Veranstaltungen, die
sich über das gesamte Gebiet des Freistaates erstreckten, fanden in der Regel als
Kooperationsveranstaltungen des Beauftragten statt und erreichten durch die Einbeziehung
der Infrastruktur der Träger sowohl eine breite Zuhörerschaft als auch wichtige Multiplikatoren
für den Kampf gegen Antisemitismus. Der Beauftragte achtete bei der Konzipierung der
Veranstaltungen darauf, dass diese nach Möglichkeit einen Impulscharakter aufweisen, das
heißt, dass diese Ausgangspunkte beispielsweise zur Gründung lokaler Bündnisse gegen
Antisemitismus sein konnten.
Melde- und Beratungsstelle Antisemitismus Sachsen
Infolge der Studie „Problembeschreibung Antisemitismus in Sachsen“ wurde im Jahr 2021 die
Einrichtung einer Melde- und Beratungsstelle Antisemitismus Sachsen vorbereitet. Um einen
geeigneten Träger dafür zu finden, entschieden sich der Beauftragte und das Sächsische
Staatsministerium für Kultus für ein öffentliches Vergabeverfahren durch das Ministerium. Im
September 2021 hat der Verein OFEK e.V. – Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und
Diskriminierung unter der Leitung von Marina Chernivsky den Auftrag erhalten. Die Melde- und
Beratungsstelle wird in der Landeshauptstadt Dresden ihren Hauptsitz haben. Nach der
Aufbauphase soll die Erreichbarkeit der beiden Projekte in ganz Sachsen ermöglicht werden.
Der Aufbau wird einige Monate in Anspruch nehmen und findet in enger Abstimmung mit dem
19
https://www.justiz.sachsen.de/gensta/aufgaben-zustaendigkeit-3984.html?_cp=%7B%22accordion-
content-
4148%22%3A%7B%2211%22%3Atrue%7D%2C%22prev
iousOpen%22%3A%7B%22group%22%3A%
22accordion-content-4148%22%2C%22idx%22%3A11%7D%7D
, letzter Zugriff: 03.03.2022.

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Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und dem Beauftragten für das Jüdische
Leben statt. Eine öffentliche Auftaktveranstaltung ist anvisiert.
Die Arbeit der Meldestelle wird in enger Abstimmung mit dem Bundesverband der Recherche-
und Informationsstellen Antisemitismus e.V. (Bundesverband RIAS) erfolgen. Neben der
Bearbeitung und Dokumentation von Meldungen und der spezialisierten Beratung von
Betroffenen sollen durch den Träger verstärkt Maßnahmen zur Prävention von Antisemitismus
angeboten werden.
Projekte im Bereich Bildung
Der Beauftragte für das Jüdische Leben unterstützt und nimmt teil an wiederkehrenden und
neuen Projekten zum jüdischen Leben und gegen Antisemitismus, die für bzw. mit
sächsischen Schülerinnen und Schülern bzw. Lehrerinnen und Lehrern angeboten und
durchgeführt werden. Hierfür stimmt sich der Beauftragte mit dem Sächsischen
Staatsministerium für Kultus ab. Im Folgenden werden dazu einzelne Projekte kurz vorgestellt.
Leo Trepp Schülerpreis
Am 14. September 2021 wurde der von der Leo Trepp Stiftung initiierte „Leo Trepp
Schülerpreis“ in Mainz öffentlichkeitswirksam vorgestellt. Durch eine Teilnahme am
Schülerwettbewerb sollen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 aktiv
Wissen über jüdische Religion, Geschichte und Kultur erarbeiten.
20
In Abstimmung und Zusammenarbeit des Beauftragten mit Frau Gunda Trepp und dem
Sächsischen Staatsministerium für Kultus wurde zur Teilnahme am Leo Trepp-Schülerpreis
auch an sächsischen Schulen aufgerufen.
Leo Trepp (1913-2010) wirkte unter der Beobachtung der Nationalsozialisten von 1936 bis
1938 als letzter Landesrabbiner in Oldenburg und wurde im Jahr 1938 in das KZ
Sachsenhausen deportiert, konnte jedoch nach England und später in die USA emigrieren. Er
war Rabbiner und Religionsphilosoph und setzte sich auch nach 1945 in Deutschland für ein
lebendiges und aufgeschlossenes Judentum und den Dialog mit Nichtjuden ein. Seine Frau,
Gunda Trepp (Vorstand der Stiftung), möchte Leo Trepps Ziel, Wissen über die Juden, deren
Ethik und Leben zu verbreiten und zu vertiefen und damit Antisemitismus vorzubeugen,
fortsetzen.
Mit dem Projekt und der damit verbundenen Preisausschreibung werden Schüler motiviert,
sich intensiver mit dem Leben der Juden, der jüdischen Religion, Geschichte und Kultur
auseinanderzusetzen. Auf Grund des häufigen Fokus bei der Vermittlung zum Judentum auf
die Geschichte (v. a des 19./20. Jahrhunderts) und insbesondere auf den Holocaust ist ein
Perspektivwechsel bei Projekten zum Judentum besonders wichtig: Zum einen soll der Blick
noch mehr auf einzelne Menschen und deren Schicksale gelenkt werden, wodurch es, auch
20
https://leotrepp.org/de/leo-trepp-preis
,
letzter Zugriff: 25.02.2022.

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für Schüler, greifbarer und verständlicher wird, was damals passiert ist. Zu oft entsteht sonst
ein Bild der Juden ausschließlich als Opfer und nicht als Menschen „wie du und ich“. Zum
anderen soll neben der Geschichte vor allem das jüdische Leben und seine Kultur von heute
eine Rolle spielen. Dafür ist die Begegnung ein sehr gutes Medium um Unwissenheit und
damit verbundene (antisemitische) Ressentiments abzubauen und diesen vorzubeugen. Leo
Trepp verfolgte genau diesen Ansatz, welcher durch die Leo Trepp Stiftung weitergeführt wird.
Aus Sicht des Beauftragten hat der Preis großes Potential, um bei jungen Menschen das
Interesse an einer Auseinandersetzung mit der jüdischen Kultur zu wecken und so durch
Wissen und Aufklärung antisemitischem Gedankengut vorzubeugen.
Der Leo Trepp Schülerpreis wurde im Jahr 2021 neben Sachsen zunächst auch in Berlin,
Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Thüringen
ausgerufen. Die Preisverleihung soll am 16. Juni 2022 im Sächsischen Landtag stattfinden.
Anne Frank Tag in Leipzig
Der Anne Frank Tag ist ein Projekt des Anne Frank Zentrums Berlin. Jedes Jahr findet der
Aktionstag um den 12. Juni, Anne Franks Geburtstag, in Kooperation mit Schulen in ganz
Deutschland statt. Mit dem Tag soll an Anne Frank und den Holocaust erinnert werden.
Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und die breite Öffentlichkeit werden somit für
Antisemitismus und Rassismus sensibilisiert, das Engagement für eine demokratische
Gesellschaft wird gestärkt.
Im Mai und Juni 2021 war im Ariowitsch-Haus Leipzig die Wanderausstellung „Lesen und
Schreiben mit Anne Frank“ des Anne Frank Hauses Amsterdam zu sehen. Mit dieser
Ausstellung ist es möglich, bereits frühes historisches Lernen (Klassenstufen 3 bis 6)
durchzuführen. Gemeinsam mit Kultusminister Christian Piwarz besuchte der Beauftragte
einen Workshop einer 4. Klasse zu der Ausstellung. Im Anschluss wurde die Brodyer
Synagoge mit Landesrabbiner Zsolt Balla besichtigt.
Projekttage an sächsischen Oberschulen
Der Beauftragte besuchte im Berichtszeitraum mehrere Projekttage zum Thema
Antisemitismus an Oberschulen in Sachsen. Das Erreichen von Schülerinnen und Schülern an
Oberschulen bildet nach wie vor einen Schwerpunkt. Dankbar nahmen Pädagogen das
Angebot des Beauftragten an, gemeinsam Projekttage zu diesem Thema zu gestalten und
durchzuführen. Es zeigte sich, dass es möglich ist, Antisemitismus, als gesellschaftliches
Problem und als Herausforderung an unser demokratisches Miteinander, bei Schülern aller
Schularten zu thematisieren.

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Projekttag in Theresienstadt
Am 14. September 2021 organisierte die Landesservicestelle Lernorte des Erinnerns und
Gedenkens mit dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus eine Fahrt einer 9. Klasse einer
Oberschule aus Dresden zur Gedenkstätte Theresienstadt. Die Schülerinnen und Schüler
wurden vom Beauftragten und Pressevertretern nach Terezin begleitet. Der Direktor der
Gedenkstätte Theresienstadt, Jan Roubínek, hatte dazu eingeladen. Vor Ort gab es die
Möglichkeit, mit dem Zeitzeugen Hanuš Hron ins Gespräch zu kommen.
Die Fahrt hatte unter anderem das Ziel, durch einen presseöffentlichen Besuch eine Fahrt zur
Gedenkstätte Theresienstadt einem breiteren Interessentenkreis an Sachsens Schulen
bekannt zu machen und auf die unkomplizierte Möglichkeit einer solchen an einem
besonderen Lernort hinzuweisen.
„Politische Bildung lebt von außerschulischen Lernerfahrungen. Schülerinnen und Schüler
brauchen einprägsame Erlebnisse wie Zeitzeugengesprächen oder Gedenkstättenfahrten,
damit für sie die Geschichte greifbarer wird. Die Eindrücke vor Ort schaffen Erinnerungen und
machen den Jugendlichen deutlich: Demokratie ist nicht selbstverständlich. Jeder muss sich
für Toleranz und gegen Extremismus stark machen, damit sich die Gräueltaten der
Vergangenheit nicht wiederholen“, formulierte in diesem Zusammenhang Kultusminister
Christian Piwarz.
21
Dem Beauftragten war es möglich, während des Besuches authentische Zeugnisse über
Theresienstadt zu vermitteln, da viele seiner Familienangehörigen in das Lager deportiert
wurden. Es bleibt zu hoffen, dass sich viele Schülerinnen und Schüler aus Sachsen auch von
den Erfahrungen der mitgereisten Schüler aus Dresden zu einem Besuch der Gedenkstätte
sensibilisieren lassen.
Israelische Jugendliche in Dresden
Im Juli waren im Rahmen eines Jugendaustausches des Ev.-Luth. Kirchenbezirks Annaberg
israelische Jugendliche zu Gast in Sachsen. Im Rahmen des Aufenthalts in Sachsen wurde
vom Beauftragten ein Besuch im Sächsischen Landtag, ein Gespräch mit Herrn Martin
Modschiedler MdL und ein Besuch der Neuen Synagoge in Dresden organisiert und am 26.
Juli 2021 durchgeführt.
Das Projekt zeigt einmal mehr, wie die persönliche Erfahrung und Begegnung das Verständnis
für eine demokratische, respektvolle und tolerante Gesellschaft in beiden Ländern unterstützt.
Winterakademie des Landesamtes für Schule und Bildung (LaSuB)
Als Fortbildungsangebot leistet die Winterakademie des LaSuB einen wertvollen Beitrag zur
Stärkung der politischen Bildung und unterstützt Lehrkräfte und Multiplikatoren, um
Demokratie frühzeitig für die Schülerinnen und Schüler erlebbar zu machen. In diesem
Rahmen sollen Lehrer auch stark gegen Antisemitismus gemacht werden. Im Jahr 2021 wirkte
21
https://www.medienserv
ice.sachsen.de/medien/news/404265
,
letzter Zugriff: 15.02.2022.

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der Beauftragte bei der Veranstaltung unter dem Thema „Gemeinsam Demokratie Leben -
Schulische Wertebildung für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ mit.
Im Jahr 2022 soll diese Fortbildung im Ariowitsch-Haus in Leipzig zum Thema „Bildung
braucht Haltung: Jüdisches Leben erleben – Antisemitismus an sächsischen Schulen keine
Chance geben“ stattfinden.
Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ des Freistaates
Sachsen
Der in Abstimmung zwischen den Verantwortlichen des Sächsischen Staatsministeriums für
Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und dem Beauftragten konzipierte und mit
großer Unterstützung des Sächsischen Landtages als Haushaltsgesetzgeber aufgelegte
zusätzliche Förderaufruf „Antisemitismus, Antiziganismus, Jüdisches Leben“ innerhalb des
Landesprogrammes „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz “ (WOS) leistete
einen wertvollen Beitrag zur Umsetzung einer ganzen Reihe hervorragender Projekte im
Freistaat Sachsen. Aus Sicht des Beauftragten und des Expertenrates sollte diese
Fördermöglichkeit unbedingt beibehalten und verstetigt werden. Der Beauftragte ist in die
Antragsprüfung der eingereichten Projekte involviert.
Darüber hinaus empfiehlt der Beauftragte eine noch engere Vernetzung der Akteure – und in
diesem Fall oftmals auch Antragsteller – untereinander und wird sich dessen annehmen.
Entsprechend soll im Rahmen der von ihm koordinierten Netzwerkaktivitäten auf eine stärkere
Abstimmung der Antragsteller im Vorfeld
- z.B. durch ein der Prüfung und
Bewilligung vorgelagertes Beratungspanel für alle Antragsteller – hingearbeitet werden. Dies
soll die bereits sehr gut organisierte Beratungstätigkeit des WOS ergänzen und im Vorfeld
möglicher Antragstellungen stattfinden. Erste Gespräche mit den Verantwortlichen des WOS
wurden bereits im Jahr 2021 geführt. Dieser vorgeschlagene Abstimmungsprozess wurde von
beiden Seiten als hilfreich eingeschätzt.
Informationsveranstaltungen für Journalisten in Sachsen
Die journalistische Qualität der Medien, insbesondere in einer Zeit von Filterblasen und Fake
News, zu steigern und journalistischem Nachwuchs dafür geeignete Instrumente in die Hand
zu geben, ist dem Beauftragten ein wichtiges Anliegen.
Die von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und dem Bayrischem
Rundfunk (BR) angebotenen Workshops für Volontäre zum Thema jüdisches Leben und
Antisemitismus könnten Vorbild für Sachsen sein. Es ist geplant, regelmäßige
Informationsveranstaltungen zu „Jüdisches Leben in Sachsen“ und „Antisemitische
Vorkommnisse – aktuelle Trends und Entwicklungen“ für Journalisten anzubieten.
Der Beauftragte hat dazu bereits an verschiedenen Stellen angeregt und wird dazu im Jahr
2022 Gespräche mit den Verantwortlichen führen.

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Gemeinsame Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus
und zum Schutz jüdischen Lebens
Der Beauftragte nahm regelmäßig an den Sitzungen der Gemeinsamen Bund-Länder-
Kommission teil. Seit 2019 gibt es regelmäßige Treffen des Beauftragten des Bundes und der
Länder.
Anregung zur Umbenennung von Gesetzestexten und juristischer Fachliteratur
Ein Schwerpunkt der Diskussionen und Beschlüsse waren im Jahr 2021 unter anderem die
Anregung zur Umbenennung von Gesetzestexten und juristischer Fachliteratur. Anhaltspunkt
für diese Initiative bot der Band „Beck'sche Kurz-Kommentare Palandt“ des C.H.Beck-
Verlages. Hintergrund ist, dass sein Namensgeber Otto Palandt 1933 in die NSDAP eintrat,
1934 Präsident des Reichsjustizprüfungsamts wurde – einer der einflussreichsten Juristen des
Dritten Reiches – und in dieser Funktion dazu beitrug, die Juristenausbildung
nationalsozialistisch auszurichten. Generationen von Juristinnen und Juristen verbinden seit
Jahrzehnten den Namen "Palandt" mit ihrer Ausbildung und beruflichen Tätigkeit, viele ohne
auch nur annähernd Kenntnis davon zu haben. Vom Beauftragten der Bundesregierung für
jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein, und der
damaligen Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, Christine Lambrecht, wurde
ein Symposium zum Themenkomplex „Otto Palandt und die Rolle des
Reichsjustizprüfungsamtes im Nationalsozialismus“
22
durchgeführt. Infolge des intensiven
Austauschs mit dem C.H.Beck Verlag wurden u.a. die Standardwerke „Palandt“ in
„Grüneberg“, „Schönfelder“ in „Habersack“ und „Maunz/Dürig“ in „Dürig/Herzog/Scholz“ bereits
umbenannt.
Weitere Schwerpunkte der Gemeinsamen Bund-Länder-Kommission waren die Erarbeitung
von gemeinsamen Empfehlungen.
Empfehlung zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule
In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Institutionen ist 2021 die „Gemeinsame Empfehlung des
Zentralrats
der
Juden
in
Deutschland,
der
Bund-Länder-Kommission
der
Antisemitismusbeauftragten und der Kultusministerkonferenz zum Umgang mit Antisemitismus
in der Schule“
23
entstanden.
Die „gemeinsame Empfehlung gibt eine Orientierung zum Umgang mit den verschiedenen
Formen des Antisemitismus, beschreibt ihn in seiner Wirkung und zeigt Maßnahmen der
Prävention und Intervention auf. Sie richtet sich an Lehrkräfte und pädagogisches Personal
aller Schularten, Schulstufen und Fächer, an Schulleitungen, Einrichtungen der Aus-, Fort- und
22
https://youtu.be/fPnUYCTbeKo
,
https://www.bmj.de/SharedDocs/Artikel/DE/2021/0906_Palandt_Symposium.html
, letzter Zugriff:
14.01.2022.
23
https://www.kmk.org/fileadmin/pdf/PresseUndAktuelles/2021/2021_06_10-Gem-Empfehlung-
Antisemitismus.pdf
,
letzter Zugriff: 14.01.2022.

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Seite 24 von 36
Weiterbildung von Lehrkräften sowie an die zuständigen staatlichen Institutionen.“
24
Lehrkräfte
müssen gegen Antisemitismus gestärkt werden und brauchen viel Expertise, um im Umfeld
Schule gegen Judenhass vorgehen zu können. Wichtig ist, dass das bereits in der
Lehrerausbildung angelegt werden muss.
Vorschläge zur Tätigkeit von Ermittlungsbehörden und Gerichten
Ebenso wurden Vorschläge zur Tätigkeit von Ermittlungsbehörden und Gerichten erarbeitet.
Dies ist aus Sicht der Gemeinsamen Bund-Länder-Kommission besonders wichtig, da
statistisch gesehen nur 20 Prozent der von antisemitischen Vorfällen betroffenen Personen
Anzeige bei der Polizei erstatten. Um das Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden zu
stärken sind unter anderem abgestimmte Verfahrensabläufe zwischen den Polizeibehörden,
den Landeskriminalämtern und der Justiz notwendig. Der in Sachsen dazu erarbeitete
Leitfaden „Antisemitismus erkennen und konsequent verfolgen“ setzte hier einen wichtigen
Impuls, der auch von der Gemeinsamen Bund-Länder-Kommission gewürdigt worden ist und
im Jahr 2021 in vielen anderen Bundesländern ebenfalls eingeführt wurde. Die Gemeinsamen
Bund-Länder-Kommission
fordert in diesem Zusammenhang, dass künftig keine
Ermittlungsverfahren wegen Antisemitismus aus Opportunitätsgründen eingestellt werden.
Die Umsetzung der kürzlich vorgestellten Strategie der EU zur Bekämpfung von
Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens (2021-2030)
25
ist ein weiteres in der
Gemeinsamen Bund-Länder-Kommission diskutiertes und verabschiedetes Vorhaben.
Das Gremium stellt sich ausdrücklich gegen antisemitisch motivierte Verurteilungen Israels in
den Vereinten Nationen, wie sie immer wieder zu beobachten sind.
24
Ebd., S. 3.
25
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_21_4990
,
letzter Zugriff: 14.03.2022.

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Seite 25 von 36
Anregungen an die Staatsregierung
Die im Bericht des Beauftragten aus dem Jahr 2020 aufgeführten Anregungen an die
Staatsregierung wurden im Rahmen einer Kabinettsbefassung diskutiert. Der Beauftragte
möchte an dieser Stelle der Staatsregierung des Freistaates ausdrücklich dafür danken, dass
die von ihm genannten Punkte durchweg ernsthaft in Erwägung gezogen wurden.
Viele der im Bericht aus dem Jahr 2020 aufgeführten Anregungen waren mit dafür
erforderlichen zusätzlichen Finanzmitteln verbunden, die erst perspektivisch überhaupt im
Haushalt der jeweiligen Staatsministerien darstellbar sind. Umso erfreulicher ist es, dass die
zur Gewährleistung der Sicherheit jüdischer Einrichtungen als Voraussetzung jüdischen
Lebens im Freistaat erforderlichen Mittel vom Haushaltsgesetzgeber im Haushaltsverfahren
eingeplant und beschlossen wurden. Auch zusätzliche Mittel zur Antisemitismusprävention und
-bekämpfung wurden durch den Gesetzgeber in den aktuellen Doppelhaushalt eingestellt.
Dafür möchte sich der Beauftragte, im Namen der jüdischen Gemeinden in Sachsen, des
Netzwerks „Jüdisches Leben in Sachsen“ und im Namen der Zuwendungsempfänger
bedanken. Diesem Dank schließt sich der Expertenrat des Beauftragten an.
Im Bericht zum Jahr 2020 wurde unter anderem angeregt, noch mehr besonders geschulte
Vertrauenspersonen
bei
den
Polizeibehörden,
der
Staatsanwaltschaft und dem
Landesverfassungsschutz zu benennen, an die sich die Leiter jüdischer Einrichtungen bei
Fragen, Problemen oder in Gefahrensituationen wenden können. Die Ernennung eines
Ansprechpartner
Antisemitismus
bei
der
Generalstaatsanwaltschaft Dresden und
vertrauensschaffende Gespräche der Generalstaatsanwaltschaft mit dem Landesverband
Sachsen der Jüdischen Gemeinden und den jüdischen Gemeinden und ihren Mitgliedern
selbst bereitet eine gute Basis. Ebenso wurde der Kontakt des Landesamts für
Verfassungsschutz und Landeskriminalamt Sachsen zum Landesverband und zu den
Gemeinden weiter verstärkt. Einen wichtigen Beitrag leistet ebenfalls der bereits erwähnte
Leitfaden der Generalstaatsanwaltschaft und des Landeskriminalamts Sachsen.
Im Bereich der politischen Bildung sind im Rahmen der Themen „Antisemitismus“ und
„Jüdisches Leben“ zum einen, in der Zuständigkeit des Staatsministeriums der Justiz und für
Demokratie, Europa und Gleichstellung, das Else-Frenkel-Brunswik-Institut und die
Sächsische Landeszentrale für politische Bildung aktiv.
Zum anderen werden Kenntnisse zu diesen Themen, in der Zuständigkeit des Sächsischen
Staatsministeriums für Kultus, in unterschiedlichster Art und Weise an sächsischen Schulen
vermittelt. Das Wissen um die gemeinsamen Wurzeln und die düsteren Epochen wiederholter
Pogrome und die Shoa an den sächsischen Schulen wird fächerübergreifend vermittelt.
Gleichzeitig ist die Kenntnis über das heutige – sächsische – Judentum wichtiger Lerninhalt.
Des Weiteren wird eine Vielzahl von Informations- und Fortbildungsmöglichkeiten für
Lehrerinnen und Lehrer angeboten.

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Dazu wird mit fachkundigen Initiativen und Akteuren eng zusammengearbeitet. Die vielfältigen
Kooperationspartner bereichern bereits seit vielen Jahren die Bildungsarbeit im Freistaat
Sachsen. Beispielhaft sind hier die Kooperationen mit dem Anne Frank Zentrum Berlin (Anne
Frank Tag), der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie Dresden (Schülergesprächskonzerte),
dem Ariowitsch-Haus Leipzig (Bildungsangebote für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und
Schulleitungen), dem Maximilian-Kolbe-Werk (Landesservicestelle Lernorte des Erinnerns und
Gedenkens) und dem Leo Baeck Institut New York/Berlin zu nennen. Um Projekte der
erwähnten Zusammenarbeit des Beauftragten mit dem Sächsischen Staatsministerium für
Kultus, zu unterstützen, wurden dazu Haushaltsmittel im Bereich des Sächsischen
Staatsministeriums für Kultus zur Verfügung gestellt.
In der Zuständigkeit des Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen
Zusammenhalt hat sich eine Unterarbeitsgruppe des Expertengremiums des Demokratie-
Zentrums Sachsen mit den Themenkomplexen Antisemitismus und Verschwörungsideologien,
mit dem Ziel Empfehlungen bzw. ein Handlungskonzept zu entwickeln, um Ideologien der
Ungleichheit und Menschenfeindlichkeit entgegenzuwirken, auseinandergesetzt. Außerdem
wurden, wie bereits erwähnt, im Doppelhaushalt 2021/22 Mittel für Projekte gegen
Antisemitismus, für jüdisches Leben sowie für die weitere Entwicklung der Erinnerungskultur
bereitgestellt. Wesentliches Ziel ist auch die Förderung der Zusammenarbeit mit
nichtstaatlichen Akteuren und die Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft.
Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus engagiert sich in
der Diskussion um ein Jüdisches Museum und setzt sich für ein Themenjahr in 2026 zur
jüdischen Kultur in Sachsen ein. Im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in
Deutschland“ wurden auch viele kulturelle Beiträge von staatlich geförderten Museen und
Kultureinrichtungen, teils in Kooperation mit lokalen Vereinen, angeboten. In der Semperoper
Dresden, dem Staatsschauspiel Dresden, dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz
sowie dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden wurden Inszenierungen und Ausstellungen
präsentiert.
Auch viele der Anregungen und Empfehlungen, die dieser Jahresbericht enthält, erfordern ein
zusätzliches finanzielles Engagement der Staatsregierung, das nur unter dem Vorbehalt einer
entsprechenden Beschlussempfehlung des Sächsischen Landtages realisiert werden kann.
Der Beauftragte bittet daher die Mitglieder des Sächsischen Landtages um wohlwollende
Unterstützung der in diesem Bericht enthaltenen Anregungen. Nur im Verbund der
Haushaltsplanung der Staatsregierung und der Unterstützung dieser Vorhaben durch den
Haushaltgesetzgeber werden die von zusätzlichen finanziellen Mitteln abhängigen
Anregungen des Beauftragten erst in die Praxis überführt werden können.
Dass dort, wo die Einplanung zusätzlicher Finanzmittel bisher nicht möglich war oder auch
zurzeit nicht möglich sein wird, seitens der Staatsregierung und des Parlaments immer nach
Wegen gesucht worden ist und gesucht wird, zumindest langfristige Perspektiven hin zur
Umsetzung aufzuzeigen, wird vom Beauftragten und dem ihn beratenden Expertengremium
ausdrücklich begrüßt.

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Sichtbarkeit Jüdischen Lebens im Freistaat
Jüdisches Leben in Sachsen findet nicht immer im Blickfeld der Öffentlichkeit statt.
Ausnahmen
wie
öffentliche
Veranstaltungen
beispielsweise
im
Kultur-
und
Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus in Leipzig oder die höchst öffentlichkeitswirksame Aktion
„Sukkot XXL“ im Stadtzentrum von Chemnitz sind nicht alltäglich. Umso wichtiger sind bei der
Vermittlung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur im Freistaat die regelmäßig durchgeführten
Tage jüdische Kultur in den Städten Leipzig, Chemnitz und Dresden – die mit ihrem jeweils
eigenständigen Profil Wesentliches zur Vermittlung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in
Sachsen beitragen.
Die im Rahmen dieser Veranstaltungen geschaffenen Möglichkeiten der Begegnung mit
jüdischem Leben und jüdischer Kultur sollte aus Sicht des Beauftragten stärker und vor allem
verlässlicher als bisher unterstützt werden. Die sehr unterschiedlich konstruierten
Finanzierungskonzepte der Tage jüdischer Kultur sind in der Regel auf den unmittelbaren
Projektzeitraum begrenzt und dadurch nicht in der Lage, beispielsweise hochqualifiziertes
Personal angemessen zu vergüten und eingearbeitetes Personal längerfristig zu binden. Aus
diesem Grund schlägt der Beauftragte der Staatsregierung vor, zu prüfen, inwieweit eine
langfristig angelegte und institutionell verankerte Grundförderung für die Tage jüdischer Kultur
realisierbar ist.
Träger jüdischer Kultur im Freistaat stärker unterstützen
Wesentliche Träger jüdischer Kultur im Freistaat sind der von Oberkantor Werner Sander 1962
gegründete Leipziger Synagogalchor, der seit 2004 bestehende Chor „Shir Semer“ der
Jüdischen Gemeinde Chemnitz, der seit den 1970er Jahren aktive Synagogenchor Dresden
und die 2007 gegründete Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden. Damit diese
Ensembles ihr seit vielen Jahren erfolgreiches Wirken auch zukünftig unabhängig von der
jeweils vorhandenen Förderkulisse in gleichbleibend hoher Qualität fortsetzen können, regt der
Beauftragte an, deren wertvolle Arbeit aus Mitteln des Freistaates Sachsen mit einem
institutionell verankerten finanziellen Sockelbetrag zu unterstützen.
Aufnahme des Ariowitsch-Hauses als Gedenkort in die Stiftung Sächsische
Gedenkstätten
Das dem Stiftungsrat und dem wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Sächsische
Gedenkstätten vorgelegte Konzept des Ariowitsch-Hauses in Leipzig zur Grundlage einer
Entscheidung über die Aufnahme dieses Gedenkortes in den Kreis der von der Stiftung
institutionell geförderten Gedenkstätten wird vom Beauftragten vor allem hinsichtlich zweier
zentraler Punkte unterstützt. Ausgehend von den Formulierungen zur stärkeren Förderung
jüdischer Einrichtungen im Koalitionsvertrag dieser Legislaturperiode ergibt sich geradezu
folgerichtig, dass zumindest eine jüdische Einrichtung auch im Kreis der Sächsischen
Gedenkstätten verankert sein sollte, da sich ansonsten dieser Teil der Geschichte nicht
angemessen in der sächsischen Gedenkstättenlandschaft widerfindet.

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Zum Zweiten böte das Ariowitsch-Haus den Vorzug, eine „mit Leben erfüllte“ Gedenkstätte zu
sein, die mit all ihrer Geschichte nicht nur Geschichte vermittelt, sondern inmitten dieser
erfreulicherweise wieder ein Kommunikationsort der jüdischen Minderheit in Sachsen mit der
nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft geworden ist. Durch diesen lebendigen Gedenkort würde
das Portfolio der Stiftung Sächsische Gedenkstätten nicht unerheblich erweitert.
Um das Ariowitsch-Haus als Gedenkstätte inhaltlich-konzeptionell noch besser aufzustellen, ist
eine allein auf Projektzuwendungen gegründete Finanzierung aus der Sicht des Beauftragten
unzureichend. Der Beauftragte bemüht sich aus den genannten Gründen gegenüber dem
Stiftungsrat, dass das Ariowitsch-Haus bis 2024 in den Kreis der Sächsischen Gedenkstätten
aufgenommen wird und bittet die Sächsische Staatsregierung um Unterstützung dieses
Anliegens.
Einrichtung eines Registers zur Erfassung ehemals jüdischer Liegenschaften
Es gibt in Sachsen nach Einschätzung von Fachleuten unzählige Gebäude, deren jüdische
Vergangenheit bis heute im Dunkeln liegt. Dies systematisch aufzuarbeiten und in das
Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückzuholen sollte ausgehend vom Themenjahr „1700 Jahre
jüdisches Leben in Deutschland“, das wir noch bis Mitte 2022 begehen, einen ersten Impuls
erfahren. Der Beauftragte schlägt der Sächsischen Staatsregierung vor, den Reichtum
jüdischer Kultur und Architektur in Sachsen durch die Einrichtung einer zentralen Fach- und
Dokumentationsstelle dem Vergessen zu entreißen. Diese Fach- und Dokumentationsstelle,
an die alle Landeseinrichtungen ihre vor 1945 erbauten Liegenschaften melden, soll die
Gebäude mit jüdischen Vorbesitzern erfassen und deren Geschichte dokumentieren. Ein
Expertengremium aus Historikern und ausgewiesenen Experten für jüdische Geschichte sollte
diese dann bewerten und einordnen sowie Vorschläge für eine Wieder-Sichtbarmachung
dieser architektonischen Landmarken jüdischen Lebens in Sachsen erarbeiten.
Erweiterung der „Lernorte des Erinnerns und Gedenkens“
Die Landesservicestelle Lernorte des Erinnerns und Gedenkens in finanzieller Trägerschaft
des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus und in ausführender Trägerschaft der
Brücke/Most-Stiftung bietet mit ihrer Unterstützung und Begleitung sowie der anteiligen
Förderung in Höhe von bis zu 500,00 € für Programm- und Fahrtkosten ein wichtiges Angebot
bei Lernortfahrten für sächsische Schulen. Dadurch wird eine Verbindung schulischer und
außerschulischer Lerninhalte ermöglicht.
Dies wird vom Beauftragten und dem Expertenrat als wichtige Unterstützung der Kinder- und
Jugendbildung begrüßt. Einer der Schwerpunkte der zur Auswahl stehenden Lernorte ist das
Thema „Holocaust“. Aus Sicht des Beauftragten und des Expertenrates ist eine Erweiterung
der bisher ausgewiesenen Lernorte, auf solche mit einem direkten Bezug zu jüdischem Leben
und jüdischer Kultur in Sachsen, wünschenswert. Hiermit würde der Wert jüdischer Beiträge
für unseren Freistaat auch in einem nichtunmittelbaren Bezug zur Schoah für Sachsens
Schülerinnen und Schüler zugänglich gemacht werden. Die im Deutschen Hygiene-Museum
Dresden für den Zeitraum vom 5. März – 1. Mai 2022 geplante Ausstellung "Einige waren
Nachbarn", die im Verzeichnis der Lernorte aufgeführt ist, könnte dafür ein gutes Beispiel sein.

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Der Beauftragte schlägt der Landesregierung in Abstimmung mit dem Expertenrat vor, das
Programm wie beschrieben auszuweiten, um Schulen auch in finanzieller Hinsicht die
Möglichkeit zu geben, das Thema „Jüdisches Leben“ niedrigschwelliger als bisher aufgreifen
zu können.
Museum/Zentrum für Jüdische Geschichte und Kultur in Sachsen
Wie bereits im Bericht des Beauftragten aus dem Jahr 2020 und im ersten Teil des
vorliegenden Berichtes erwähnt, hat die Initiative eines Arbeitskreises zur Gründung eines
Museums/Zentrums für Jüdische Geschichte und Kultur in Sachsen bereits erste Früchte
getragen.
Das geplante Museum/Zentrum für Jüdische Geschichte und Kultur in Sachsen, die
mitteldeutsche Region und die Grenzregionen zu Polen und der Tschechischen Republik wird
vom Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden befürwortet. Dieses Gremium hat
bereits im Vorfeld einen konkreten Standort in der Landeshauptstadt Dresden präferiert.
Abstimmungsgespräche zum weiteren Verfahren gab es bereits mit Vertretern des Dresdner
Stadtrates, der Stadtverwaltung Dresden und Vertretern des Staatsministeriums für
Wissenschaft, Kultur und Tourismus und wurden vom Beauftragten begleitet. Allen Beteiligten
ist dabei klar, dass ein solches Museum/Zentrum zumindest anteilig in die Trägerschaft des
Freistaates gehört. Dies sollte seitens der Sächsischen Staatsregierung mit weiteren Partnern
– vor allem denen der Stadtverwaltung Dresden – im weiteren Abstimmungsprozess
verantwortlich geklärt werden. Es geht um Geschichte und Kultur des gesamten Freistaates
und der angrenzenden Regionen – die damals wie heute starken Bindungen und Beziehungen
zu den jüdischen Gemeinden in Sachsen aufweisen. Auch um das Thema angemessen weiter
zu verfolgen, braucht es ein starkes Signal der Staatsregierung.
Der Beauftragte dankt den Vertretern des Ministeriums für Wissenschaft, Kultur und
Tourismus, die sich ein gemeinsames Vorgehen mit der Stadt Dresden und weiteren Partnern
vorstellen können. Als Zwischenschritt auf dem Weg zu einer Realisierung wurde
vorgeschlagen im Jahr 2026 eine der künftigen Landesausstellungen des Freistaates dem
Thema Jüdische Geschichte und Kultur zu widmen. Gleichzeitig bittet der Beauftragte, in
Übereinstimmung mit dem Expertenrat, dass das Sächsische Staatsministerium für
Wissenschaft, Kultur und Tourismus prüft, in wie weit eine Federführung übernommen werden
kann, um den Prozess der Realisierung des Museums/Zentrums für Jüdische Geschichte und
Kultur in Sachsen zu koordinieren und zu beschleunigen.
Anteilige Grundfinanzierung von Medaon
„Medaon“ ist die Komposition aus den hebräischen Wörtern „Meda“ für Information, „Mada“ für
Wissenschaft, „Dea“ für Ansicht sowie „Iton“ (Zeitung).
26
Medaon ist das einzige frei
zugängliche, interdisziplinäre Podium für fundierte Perspektiven auf jüdische Lebenswelten in
Geschichte und Gegenwart.
26
https://www.medaon.de/de/medaon/
, letzter Zugriff: 15.02.2022.

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In diesem seit mehr als zehn Jahren von dem Dresdener Verein HATiKVA – Bildungs- und
Begegnungsstätte für Jüdische Geschichte und Kultur Sachsen e.V. herausgegebenen online
Magazin werden regelmäßig spannende Zugänge zu historischen und aktuellen
Konstellationen jüdischer Präsenzen eröffnet. So wird beispielsweise auf individuelle
Biografien, Gemeinschaft, überdauernde (im)materielle Prägungen und ihre Positionierungen
im jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld eingegangen. Dabei bilden das jüdische Leben in
Sachsen und die Reflektion von Vermittlungsangeboten zum Judentum zwei Schwerpunkte.
27
Das Magazin ist ein Solitär im Bereich der Vermittlung jüdischer Geschichte, Kultur und
Bildung. Mit den halbjährlichen Ausgaben wird der Austausch innerhalb und zwischen
akademischer Forschung und außerakademisch geführten Ansätzen gefördert.
28
Die Recherchen und die Veröffentlichungen spielen eine eminent wichtige Rolle, da es das
einzige Medium ist, in dem kontinuierlich und in hoher Qualität über jüdisches Leben in
Sachsen berichtet wird. Das nicht-kommerzielle Magazin erreicht einen Leserkreis weit über
Sachsen hinaus und wird seit seiner Gründung komplett ehrenamtlich erstellt. In den
vergangenen Jahren ist das sachsen- und deutschlandweit von Juden wie Nichtjuden sehr
geschätzte Projekt durch die notwendige Professionalisierung des online verfügbaren
Angebots allerdings an die Grenzen seiner Kapazität und Belastbarkeit gekommen.
Der Beauftragte bittet die Staatsregierung zu prüfen, ob eine durch den Freistaat getragene
Basisfinanzierung für „Medaon – das Online-Magazin für jüdisches Leben in Forschung und
Bildung“ möglich ist, die ein kontinuierliches halbjährliches Erscheinen auch in Zukunft sichert
und damit die Sichtbarkeit jüdischen Lebens in Sachsen innerhalb wie außerhalb des
Freistaates gewährleisten hilft.
Stärkung und Koordination von Fortbildungsveranstaltungen
Fortbildungsveranstaltungen zu den Themen „Jüdisches Leben“ sowie insbesondere
„Antisemitismusprävention und -bekämpfung“ können durch konzeptionelle Stärkung und
Koordination noch effizienter angelegt werden. Um Antisemitismus wirksam erkennen,
bekämpfen und vorbeugen zu können, gilt es aus Sicht des Beauftragten als unabdingbar,
eine enge thematische und strukturelle Anbindung an die jüdischen Gemeinden, ihre
Vertretungsorgane und Repräsentanzen sowie die mit dem Thema befassten Stellen, der
Zentralen Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), zu suchen und einen nicht
immer nur anlassbedingten Dialog zu führen. Es ist festzustellen, dass antisemitische
Bedrohungen – auch niederschwelliger Natur – sich je nach Personenkreis unterschiedlich
darstellen. Aus diesem Grund sollte die Sicht der (potentiell) zuerst und am nachhaltigsten
Betroffenen nicht nur informationshalber mit einbezogen werden, sondern ein fester
Bestandteil der pädagogischen Arbeitsstruktur von Programmen und Projekten gegen
Antisemitismus sein. Diese Sichtweise durchgängig mit einzubeziehen schafft zum einen ein
fundiertes gegenseitiges Vertrauen und ist zum anderen auch ein wichtiges Korrektiv für
geplante Maßnahmen. Man redet besser vorher miteinander als später übereinander und ggf.
aneinander vorbei.
27
https://www.medaon.de/de/medaon/profil/
,
letzter Zugriff: 15.02.2022.
28
https://www.medaon.de/de/medaon/
, letzter Zugriff: 15.02.2022.

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Dazu sollten die bereits bestehenden Fortbildungsveranstaltungen zu den Themen Jüdisches
Leben sowie Antisemitismusprävention- und -bekämpfung für unterschiedliche Berufsgruppen
im Staatsdienst – insbesondere die mit staatlichen Vollzugaufgaben betrauten
Personengruppen – nach Einschätzung des Beauftragten noch konsequenter von den
zuständigen Staatsministerien koordiniert und quantitativ ausgebaut werden.
Förderrichtlinie „Antisemitismus, Antiziganismus, Jüdisches Leben“
Die vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt,
innerhalb des Landesprogrammes „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ des
Freistaates Sachsen, am 8. Mai 2021 veröffentlichte Richtlinie mit dem spezifischen
Förderaufruf zur Unterstützung von Projekten gegen Antisemitismus, Antiziganismus und zur
Unterstützung Jüdischen Lebens sollte beibehalten und verstetigt werden. Bei den
Antragstellern empfiehlt sich aus der Sicht des Beauftragten nicht nur eine engere Vernetzung
untereinander, sondern auch ein noch offensiveres Beratungsangebot seitens der
Fördermittelgeber – möglichst als Voraussetzung einer Förderzusage.
Der Beauftragte beobachtet seit längerem, dass Projekte mit Potential nebeneinander geführt
werden, was deren Effektivität mindert. Daneben kommen neue, unerfahrene Träger mit dem
Antragsprozess nicht immer gut zurecht. Der Beauftragte empfiehlt daher eine stärkere
Abstimmung der Antragsteller im Vorfeld – z.B. durch ein der Prüfung und Bewilligung
vorgelagertes Beratungspanel für alle Antragsteller.
Informations- und Koordinierungsbüro des Freistaates in Israel einrichten
Der
Beauftragte
begrüßt
ausdrücklich
die
von
der
Staatsregierung
initiierten
Austauschprogramme
junger
Wissenschaftler
und
Multiplikatoren,
die
bisherigen
Partnerschaften sächsischer Kommunen mit Städten in Israel und die beständig
durchgeführten Konsultationen sächsischer Ministerien, Behörden und Einrichtungen mit
israelischen Repräsentanten.
Darüber hinaus regt der Beauftragte an, zu prüfen, ob sich ein Informations- und
Koordinierungsbüro des Freistaates in Israel nach dem Vorbild der Vertretungen des
Freistaates in Tschechien, Brüssel und Polen realisieren lässt, um den sächsisch-israelischen
Wissens-, Kultur- und Wirtschaftsaustausch noch stärker als bisher unterstützen zu können.
Unterstützung der Gründung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerks
Seit 2018 wird über die Gründung eines Deutsch-Israelische Jugendwerkes diskutiert. Damit
sollen vor allem die seit mehr als 60 Jahren bestehenden deutsch-israelischen
Jugendbeziehungen weiter ausgebaut und gestärkt werden. Im Koalitionsvertrag der seit dem
8. Dezember 2021 amtierenden Bundesregierung heißt es: „Den Aufbau eines deutsch-
israelischen Jugendwerks wollen wir in die Wege leiten.“ Der Beauftragte bittet die Sächsische
Staatsregierung, dieses Vorhaben im Bundesrat konstruktiv zu begleiten und zu unterstützen.

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Anregung zur Ehrung des ersten Sächsischen Ministerpräsidenten
Georg Gradnauer (1866-1946), Sohn eines Kaufmanns jüdischer Herkunft, wählten die
sächsischen Abgeordneten am 14. März 1919 zum ersten Ministerpräsidenten des
neugegründeten Freistaates.
In der Personalie Georg Gradnauer zeigt sich wie unter einem Brennglas die Schwierigkeit
einer klaren Zuordnung zwischen jüdischer Herkunft und selbstgewählter Distanz zur
jüdischen Gemeinschaft. Gradnauer, der evangelisch getauft wurde und offen bekundete, dass
er sich von der jüdischen Religion losgesagt hatte, wurde trotz dieser Abkehr und seiner
Konversion (Taufe) von den Nationalsozialisten als Jude verfolgt. Er ist damit kein Einzelfall,
sondern steht symptomatisch für eine Zeit, in der, unter dem Vorzeichen der nachweislichen
Abstammung von jüdischen Vorfahren, ein klar gegenteilig religiöses Bekenntnis der
ethnischen Perspektive untergeordnet wurde. Auch der 1946 von Gradnauer vollzogene
Eintritt in die SED ist durchaus nicht unproblematisch.
Auf der anderen Seite bildet die in sich zum Teil widersprüchliche Biografie des ersten
sächsischen Ministerpräsidenten auch ein markantes Abbild vieler ähnlicher Lebenswege am
Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bis heute werden in der jüdischen
Gemeinschaft auch die jüdischen „Dissidenten“ oftmals als leuchtende Beispiele der jüdischen
Geschichte und Gegenwart dargestellt.
Der Beauftragte sieht es vor dem geschilderten Hintergrund als förderlich an, wenn der
Freistaat das Andenken an den ersten sächsischen Ministerpräsidenten mit besonderer
Beachtung seiner jüdischen Herkunft stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert. Denn bei
Georg Gradnauer werden die Ereignisse und Umgangsweisen der damaligen Zeit wie unter
einem Brennglas sichtbar.
Es bleibt zu klären, ob und von wem ein solcher Preis verliehen werden könnte. Dies soll im
Weiteren im Dialog mit den jüdischen Gemeinden, der Zivilgesellschaft und der Politik
abgestimmt werden.
Zum Vorschlag für einen Georg-Gradnauer-Preis gibt es unterschiedliche Meinungen und
keine einhellige Zustimmung im Expertenrat. Der Expertenrat könnte sich aber vorstellen, dass
mit einem Georg-Gradnauer-Preis wissenschaftliche Arbeiten zu Identitätsfindungen gefördert
werden.

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Ausblick
Die beschriebenen Ziele können nur gemeinsam erreicht werden, indem der Staat und die
Zivilgesellschaft weiterhin stets vorausschauend und verantwortlich handeln. Um die vielen
zum überwiegenden Teil ehrenamtlichen Akteure und Initiativen weiter zu stärken, sollen im
Jahr 2022 auch wieder Möglichkeiten zum Austausch in Präsenz, wie zum Beispiel
Netzwerktreffen, stattfinden.
Die Arbeitsaufnahme der Melde- und Beratungsstelle Antisemitismus Sachsen wird von der
jüdischen Gemeinschaft und von fachlich involvierten Stellen mit viel Aufmerksamkeit erwartet.
Im Frühjahr 2022 soll es dazu eine öffentlichkeitswirksame Auftaktveranstaltung in Präsenz
geben.
Im Jahr 2022 soll außerdem eine Studie „Antisemitismus im Kontext Schule in Sachsen“ durch
das Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment des ZWST e.V. durchgeführt
werden. Sie befasst sich mit der Frage, wie Antisemitismus an Sächsischen Schulen aktuell in
Erscheinung tritt und durch Betroffene, Lehrer sowie Schulleitungen in Sachsen
wahrgenommen, eingeordnet und bearbeitet wird.

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Online-Quellen
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Herausgeber:
Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben
Carolaplatz 1
Postfach 100910
01079 Dresden
https://www.smk.sachsen.de/beauftragter-der-saechsischen-staatsregierung-fuer-das-
juedische-leben-4124.html
Gestaltung:
Geschäftsstelle des Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben
Foto:
Titel, Elisabeth Kirchhof
Dresden, März 2022