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Abteilung 5 Naturschutz, Klima, Immissions- und Strahlenschutz
Archivstraße 1, 01097 Dresden
Internet:
https://www.smul.sachsen.de/
Bearbeiter:
Dr. Ulrich Bangert
E-Mail:
Hans-Ulrich.Bangert@smul.sachsen.de
Tel.:
0351 564-25602; Fax über: 0351 564-25004 (Abt.)
Redaktionsschluss:
04.09.2019
Zustand, Entwicklung, Hintergründe
der FFH-Arten und Lebensraumtypen im Freistaat Sachsen,
Berichtszeitraum 2013 – 2018
1) Welche Bestandteile der Natur werden in der Landesauswertung zum Zustand der
FFH-Schutzgüter behandelt?
Deutschland muss alle sechs Jahre gegenüber der EU über den Erhaltungszustand der
FFH-Arten und –Lebensraumtypen berichten. Diese sogenannten FFH-Schutzgüter sind in
den Anhängen der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, kurz: FFH-Richtlinie,
aufgelistet. Es handelt sich um wildlebende Arten und naturnahe Lebensräume, die für die
Erhaltung der biologischen Vielfalt in Europa von besonderer Bedeutung sind, weil sie zum
Zeitpunkt des Inkrafttretens der Richtlinie selten oder gefährdet und schutzbedürftig waren.
Die Fläche aller in Sachsen nachgewiesenen FFH-Lebensraumtypen beträgt circa
70.000 ha, was einem Anteil von 3,8% der Landesfläche entspricht. Viele Länder, darunter
Sachsen, ermitteln die Erhaltungszustände im selben Turnus und mit derselben Methodik
auch für die eigene Landesfläche. Ausgenommen sind Arten mit länderübergreifenden
Raumansprüchen. Für sie wird der Erhaltungszustand nicht für einzelne Länder sondern nur
für die biogeographische Region innerhalb des Bundesgebietes ermittelt. Diese
Landesauswertungen gehen nicht in den nationalen Bericht ein sondern dienen der
landesinternen Steuerung.
Die Landesauswertung zum Zustand der FFH-Schutzgüter behandelt einen bestimmten
Ausschnitt der biologischen Vielfalt im Freistaat. Gegenstand sind die in Sachsen
vorkommenden 92 Arten und 47 Lebensraumtypen, die in Europa in den 1990er Jahren, als
die FFH-Richtlinie in Kraft trat, als ernstlich bedroht angesehen wurden.
2) Wie ist der Zustand, über den berichtet wird, ermittelt worden?
In die Einstufungen gehen eine Fülle von Daten ein, die sowohl den Bestand von Arten und
Lebensraumtypen als auch die Qualität der Lebensbedingungen erfassen. Sie sind das
Ergebnis von wiederholten Erfassungen, die in Sachsen wie in den anderen Bundesländern

2
nach einem einheitlichen, zwischen Bund und Ländern abgestimmten Verfahren
durchgeführt werden (sogenanntes FFH-Monitoring). Die einzelnen Werte werden nach einer
von der EU vorgegebenen Verfahrensweise zu einem einzigen Gesamtwert für den
Erhaltungszustand, der mit Ampelfarben verbildlicht wird, verrechnet (günstig = grün,
unzureichend = gelb, schlecht = rot). Grundprinzip des Verfahrens ist, dass jeweils der
schlechteste Einzelwert auf das Gesamtergebnis durchschlägt. Dieses Verfahren bringt mit
sich, dass Farbwechsel des Gesamtwertes zu besseren Werten nur sehr langsam erfolgen.
Die Erhaltungszustände gehen in den Bericht ein, den die Mitgliedstaaten alle sechs Jahre
der EU zu übermitteln haben. Der Bericht für Deutschland wird vom Bund und den Ländern
gemeinsam erarbeitet. In sogenannten Bewertungskonferenzen kommen alle Fachleute des
Bundes und der Länder am Ende der sechsjährigen Berichtsperiode zusammen und prüfen
noch einmal die errechneten Werte auf Plausibilität. In die Zustandsbewertung der
sächsischen Schutzgüter gingen rund 168.000 Einzelbeobachtungen ein, die im Rahmen
des Monitorings gewonnen wurden. Die Interpretation der Werte ist anspruchsvoll. Zum Teil
liegt das daran, dass Wertänderungen nicht nur auf tatsächliche Veränderungen
zurückgehen, sondern auch methodisch bedingt sein können, wenn sich zum Bespiel
zwischen zwei Berichtsperioden der Kenntnisstand verbessert hat. So musste insbesondere
für den ersten Bericht vielfach noch auf Schätzungen zurückgegriffen werden, die durch
genauere Untersuchungen im Rahmen des Monitorings korrigiert werden mussten. Aus
diesem Grund sind zum Beispiel die Befunde zu den Lebensraumtypen zwischen dem ersten
und den späteren Berichten nur eingeschränkt vergleichbar, weil Bund und Länder erst nach
Beginn des ersten Berichtszeitraumes die Methoden zur einheitlichen Erfassung der
Strukturen und Funktionen der Lebensraumtypen abgestimmt haben.
Die Landesauswertung beruht wie der nationale FFH-Bericht auf einer sehr umfangreichen
Erfassung von biologischen Daten, die nach strengen, europaeinheitlichen Regeln bewertet
werden. Veränderungen der Erhaltungszustände können auf tatsächlichen Änderungen
beruhen oder methodisch bedingt sein, zum Beispiel durch Erkenntniszuwachs.
3) Hat sich der Gesamtzustand im Vergleich zu früheren Berichten verändert?
Einen zusammenfassenden Überblick zu den Veränderungen gegenüber dem letzten Bericht
geben die Diagramme zu den prozentualen Anteilen der Ampelfarben für die 47
Lebensraumtypen
(
Grafik
1
)
und für die 92 Arten
(
Grafik
2
).
Die Diagramme zeigen sowohl
die Verteilungen im Landesmaßstab (links) als auch im Bundesmaßstab (rechts). Die
einzelnen Werte für die jeweiligen Arten und Lebensraumtypen können den
Tabellen
1
,
2
und
3
entnommen werden.
Bei den Arten sind die Anteile der Ampelfarben sowohl in der Landesaussage als auch im
Bundesbericht in etwa gleich geblieben. Es gibt einzelne Verbesserungen und einzelne
Verschlechterungen, darunter sowohl tatsächliche als auch methodisch bedingte
Änderungen. Die Mehrheit der Arten und Lebensraumtypen zeigt einen konstanten
Gesamterhaltungszustand (81 der 92 Arten und 36 der 47 LRT). Bei den Lebensraumtypen
ist jedoch der Grünanteil kleiner und der Rot- und Gelbanteil größer geworden. Auch auf der
Bundesebene ist eine geringfügige Verschlechterung festzustellen. Von Verschlechterungen
sind sowohl im Landes- als auch im Bundesmaßstab in erster Linie Lebensraumtypen des
Offenlandes betroffen, die auf eine Offenhaltung durch spezielle extensive Nutzung bzw.
Pflege angewiesen sind (Mähwiesen, Heiden, Magerrasen).
Die Größe der Vorkommen der einzelnen Arten und Lebensraumtypen ist sehr
unterschiedlich. Die flächenhaft abgrenzbaren Lebensraumtypen ermöglichen einen
quantitativen Vergleich. Abbildung 3 stellt die Verteilung der Ampelfarben bezogen auf die
Flächengrößen dar. Es wird ersichtlich, dass die Wald-Lebensraumtypen, die zugleich
überwiegend als günstig eingestuft wurden, den mit Abstand größten Flächenanteil

3
aufweisen. Alle Lebensraumtypen im günstigen Zustand (grün) nehmen knapp 56 % der
Fläche aller Lebensraumtypen ein (gelb: 43 %, rot: 1 %).
Bei den 92 FFH-Arten sind die Anteile der günstigen Erhaltungszustände gegenüber dem
vorangegangenen Bericht überwiegend stabil geblieben und bewegen sich im Bundesmittel.
Bei den 47 Lebensraumtypen liegt der Anteil günstiger Zustände höher als im Bundesmittel.
Sie nehmen eine größere Fläche ein als die Lebensraumtypen mit ungünstigen Zuständen.
Der Anteil günstiger Zustände ist gegenüber dem letzten Bericht um 4 % zurückgegangen.
Betroffen sind vor allem Lebensraumtypen mit traditionellen Nutzungsformen.
4) Wie
ordnet
sich
der
Bericht
in
andere
Befunde,
zum
Beispiel
zum
Insektenrückgang, ein?
Die im Oktober 2017 veröffentlichte Studie des Entomologischen Vereins Krefeld e. V. hat in
Schutzgebieten in verschiedenen Bundesländern (Nordrhein-Westfalen, Brandenburg,
Rheinland-Pfalz) bei Fluginsekten einen Biomasserückgang von 75 % seit 1989 festgestellt.
Die Biomasse von Fluginsekten ist nicht Gegenstand des FFH-Monitorings. Jedoch gibt es
Analogien: So kommen die FFH-Arten und -Lebensräume ebenfalls vornehmlich in
Schutzgebieten vor, und mehr als die Hälfte der FFH-Arten gehören entweder selbst zur
Gruppe der Fluginsekten, oder Fluginsekten und deren Entwicklungsstadien stellen, wie bei
den Fledermäusen, die wesentliche Nahrungsgrundlage dar. Die FFH-Berichte überblicken
den Zeitraum seit dem Jahr 2000. Seither weisen viele Insektenarten sowie Arten, die von
Insekten unmittelbar abhängig sind, ungünstige Erhaltungszustände beziehungsweise
abnehmende Bestandstrends auf. Es gibt jedoch auch Beispiele mit günstigen Zuständen
und zunehmenden Trends. Hinweise auf extreme Veränderungen wie in der Insektenstudie
lassen sich nicht ableiten. In den Berichtszeiträumen zwischen 2000 bis 2018 traten beim
Anteil der FFH-Arten mit ungünstigen Erhaltungszuständen in Deutschland Schwankungen
von maximal 4 % auf.
Die drastischen Rückgänge bei der Biomasse von Fluginsekten, die in der Insektenstudie
festgestellt worden sind, spiegeln sich in den FFH-Berichten nicht wieder.
5) Auf
welche
Ursachen
sind
die
Veränderungen
der
Erhaltungszustände
zurückzuführen?
Die Verbesserungen der Gesamtbewertung bei den FFH-Arten resultieren einerseits aus
verbesserten Habitatqualitäten (Bachneunauge) und andererseits aus dem Kenntniszuwachs
durch ein verbessertes Monitoring (Bitterling, Schmalbinder Breitflügeltauchkäfer, Prächtiger
Dünnfarn). Die Verschlechterungen beim Moorfrosch beruhen auf einer abnehmenden
Habitatqualität, vor allem, weil Landlebensräume und Laichgewässer zunehmend
austrocknen. Beim Heldbock sind Vorkommen erloschen, insbesondere, weil Habitatbäume
(sehr alte einzelne stehende Bäume) verloren gegangen sind. Die Ursachen für die
Populationsrückgänge beim Großen Feuerfalter und beim Iltis sind noch ungeklärt. Bei den
Lebensraumtypen gibt es methodisch bedingte Verbesserungen (Feuchte Heiden,
Kalkreiche Sümpfe). Die Verschlechterungen bei den Lebensraumtypen des Offenlandes
(Binnendünen mit Sandheiden, Basophile Pionierrasen, Flachland-Mähwiesen) beruhen in
erster Linie auf Flächenverlusten, die vielfach Folgen einer fehlenden oder ungeeigneten
Nutzung und Pflege sind. Bei den oligo- bis mesotrophen kalkhaltigen Stillgewässern, den
Übergangs- und Schwingrasenmooren und den lebenden Hochmooren waren weniger
Flächenverluste
sondern
vor
allem
Beeinträchtigungen
oder
Verluste
bei
den
charakteristischen Arten zu verzeichnen.

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Regelmäßig beteiligte, übergeordnete Faktoren bei den negativen Entwicklungen sind der
Rückgang traditioneller Nutzungsformen wie extensive Beweidung und Mahd mit dem
Ergebnis
einer
Nutzungsintensivierung
oder
Verbrachung.
Weitere
Gründe
sind
Dürreschäden und abgesunkene Grundwasserspiegel infolge des Klimawandels und eine
mangelnde Akzeptanz von „Wildnis“ im weiteren Sinne (selbstbegrünte Flächen,
abgestorbene Bäume etc.).
6) Welcher Zustand der FFH-Arten und Lebensräume wird angestrebt und wann wird
der angestrebte Zustand erreicht sein?
Die FFH-Richtlinie strebt für alle FFH-Arten und –Lebensraumtypen günstige
Erhaltungszustände an. Die Möglichkeiten, das zu erreichen, sind bei den einzelnen
Schutzgütern sehr unterschiedlich. Es hat sich gezeigt, dass der günstige Erhaltungszustand
am ehesten für Schutzgüter erreicht werden kann, bei denen Gefährdungsfaktoren klar
einzugrenzen und durch vollziehbare Verbote abzustellen sind. Das ist zum Beispiel bei
Tierarten wie Biber und Fischotter gelungen, die durch Nachstellen an den Rand der
Ausrottung gedrängt waren. Bei einigen Schutzgütern wird es zumindest kurz- und
mittelfristig nicht möglich sein, den Erhaltungszustand signifikant zu verbessern. Vielmehr
wird es erheblicher Anstrengungen bedürfen, weitere Verschlechterungen oder Totalverluste
zu verhindern. Das betrifft zum Beispiel Arten wie die Kreuzkröte, deren ehemaliges
Verbreitungsgebiet maßgeblich von nichtkultivierten Braunkohleabbaugebieten bestimmt
war, oder die Moor-Lebensraumtypen, die heute stark durch den Klimawandel bedroht sind.
Demgegenüber ist es bei der Mehrzahl der Schutzgüter durchaus realistisch,
Verbesserungen der Erhaltungszustände zu erreichen. Das erfordert vielfach jedoch „einen
langen Atem“ über mehrere Berichtsperioden hinweg. Bis die einzelnen Maßnahmen auf der
Ebene von Populationen und Lebensgemeinschaften zur Wirkung gelangen, vergehen oft
viele Jahre oder Jahrzehnte. Der Zustand zahlreicher Arten und Lebensraumtypen, die an
eine Nutzung und Pflege von Offenland angewiesen sind, wird in erheblichem Maße von
wirtschaftlichen Faktoren bestimmt. Dazu zählt insbesondere die Gemeinsame Agrarpolitik
der Europäischen Union (GAP) und ein hinreichender Finanzrahmen. Für die Erhaltung und
Zustandsverbesserung
von
Lebensraumtypen
wie
den
Flachlandmähwiesen,
wird
entscheidend sein, ob es gelingt, die GAP so auszugestalten, dass die Nutzung und Pflege
dieser Lebensräume für Landbewirtschafter attraktiver wird.
Das Ziel der FFH-Richtlinie, alle Schutzgüter in einen günstigen Erhaltungszustand zu
überführen, ist sehr ambitioniert. Bei einigen Schutzgütern muss schon die Stabilisierung als
Erfolg der Schutzbemühungen gewertet werden. Wesentlichen Anteil an den künftigen
Entwicklungen wird die Ausrichtung der GAP haben.
7) Was ist für die Arten und Lebensräume bisher unternommen worden?
Kurz vor Beginn des Berichtszeitraumes sind die Gebiete, die am besten für die Erhaltung
der FFH-Arten und Lebensraumtypen geeignet sind (entsprechend 9,2 % der Landesfläche),
als besondere Schutzgebiete ausgewiesen worden. Im gleichen Zeitraum ist auch die
Managementplanung in Zuständigkeit des Freistaates für diese Gebiete abgeschlossen
worden. Auf Grundlage dieser vorbereitenden Maßnahmen sind im Berichtszeitraum
zahlreiche
Erhaltungs-
und
Entwicklungsmaßnahmen
zugunsten
der
FFH-Arten
und -Lebensraumtypen ergriffen worden.
Wesentlicher Akteur ist der Staatsbetrieb Sachsenforst (SBS), denn einerseits haben die
Wald-Lebensraumtypen den höchsten Flächenanteil an den FFH-Lebensraumtypen im
Freistaat (Abbildung 3) und andererseits befinden sich fast die Hälfte dieser Wald-
Lebensraumtypen im Staatswald. Außerdem beherbergen die drei großen Schutzgebiete,

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Nationalpark
Sächsische
Schweiz,
Biosphärenreservat
Oberlausitzer
Heide-
und
Teichlandschaft sowie die Naturschutzgebiete Königsbrücker Heide, Gohrischheide und
Elbniederterrasse Zeithain, die vom SBS als Amt für Großschutzgebiete verwaltet werden,
zahlreiche FFH-Schutzgüter. Gemessen am Umfang der Erhaltungsmaßnahmen für alle
(Wald- und Nichtwald-) Lebensraumtypen im landeseigenen Staatswald waren Mitte 2018,
also zum Ende der FFH-Berichtsperiode, 65 % der Erhaltungsmaßnahmen abgeschlossen
bzw. werden fortwährend umgesetzt, da sie den Charakter einer Daueraufgabe haben. Bei
den übrigen 35 % handelt es sich um Erhaltungsmaßnahmen, die teils noch offen sind
(21 %), teils aufgrund ihrer Lage in Prozessschutzgebieten (5 %) oder aus sonstigen
naturschutzfachlichen Gründen entfallen (4 %) oder für deren Umsetzung der Staatsbetrieb
Sachsenforst trotz Lage der geplanten Maßnahmen im Staatswald nicht zuständig ist (5 %,
zum Beispiel Anlage von Fischtreppen in Gewässer-Lebensraumtypen).
Einen maßgeblichen Anteil an der Umsetzung von Erhaltungs- und Entwicklungs-
maßnahmen außerhalb der staatseigenen Flächen hatten die Förderinstrumente, mit denen
die
Maßnahmenumsetzung
durch
Dritte,
zum
Beispiel
durch
Landwirte
oder
Landschaftspflegeverbände,
finanziell
gefördert
wird.
Mit
dem
Inkrafttreten
der
Förderrichtlinien in der ersten Hälfte des Berichtszeitraumes sind dafür maßgebliche
Voraussetzungen geschaffen worden. Auf Grundlage der Richtlinie Agarumwelt- und
Klimamaßnahmen (RL AUK/2015, Vorhaben auf Grünland) werden geeignete Formen der
extensiven Grünlandbewirtschaftung gefördert, auf die viele Lebensraumtypen und Arten des
Offenlandes angewiesen sind, zum Beispiel Wiesen-Lebensraumtypen oder bestimmte
Schmetterlingsarten. Auf Grundlage der Förderrichtlinie Teichwirtschaft und Naturschutz RL
TWN/2015 werden Maßnahmen zu Gunsten von Arten und Lebensraumtypen gefördert, die
an die Teichwirtschaft gebundenen sind, zum Beispiel der Fischotter oder der
Lebensraumtyp Eutrophes Stillgewässer. Für einmalige Maßnahmen, wie das Entbuschen
zugewachsener Heideflächen (sogenannte investive Maßnahmen) steht die Förderrichtlinie
Natürliches Erbe, RL NE/2014 (Teile A.1-5, B.2), zur Verfügung. Für die Anlage und
Sanierung von Feld- und Ufergehölzen, von der viele FFH-Arten, zum Beispiel Fledermäuse
oder Amphibien profitieren, steht seit dem Jahr 2017 ein vereinfachtes Antragsverfahren zur
Verfügung (RL NE/2014 Teil F). Darüber hinaus werden im Rahmen der RL NE Maßnahmen
der Planung und Öffentlichkeitsarbeit mit Bezug auf die FFH-Schutzgüter gefördert (RL
NE/2014, Teile B.1, C.2). Auch die Qualifizierung und Beratung von Landwirten (RL
NE/2014, Teil C.1) trägt dazu bei, geförderte Maßnahmen auf die FFH-Schutzgüter zu
lenken. Es ist zu berücksichtigen, dass die genannten Richtlinien nicht ausschließlich auf
FFH-Belange sondern auf den Naturschutz in Gänze sowie andere Umweltbelange
ausgerichtet sind.
Ergänzend stellt die Landesregierung für Einzelmaßnahmen, die unabdingbares und
sofortiges Handeln erforderlich machen und die nicht über die Förderinstrumente umgesetzt
werden können, Landesmittel bereit.
Seit dem Jahr 2016, nach Abschluss einer Kooperationsvereinbarung des SMUL mit dem
Landesverband des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege (DVL), werden praktische
Maßnahmen
durch
ein
Netz
von
Regionalkoordinatoren
des
DVL
initiiert.
Umsetzungsinstrumente sind in erster Linie die Maßnahmen der Förderrichtlinien NE und
AUK. Von den Regionalkoordinatoren sind im Jahr 2018, dem letzten Berichtsjahr, rund 190
Vorhaben für FFH-Arten und Lebensraumtypen bearbeitet worden.
Im Berichtszeitraum wurden das Naturschutzgroßprojekt „Bergwiesen im Osterzgebirge“
durchgeführt, mit dem wesentliche Anteile dieses Lebensraumtyps nachhaltig in geeignete
Bewirtschaftungsformen überführt werden konnten.
Für zahlreiche FFH-Arten wurden seit 2015 komplexe überregionale Hilfsprogramme
und -projekte in mindestens anteiliger Finanzierung aus Mitteln des Freistaates gestartet, um
praktische Maßnahmen durch Zusammenarbeit einer Vielzahl von Akteuren zu organisieren.

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Das betrifft die Flussperlmuschel (Projekt ArCoNaVera seit 2015), den Abbiss-
Scheckenfalter (Projekt Aurinia seit 2015), das Akteursnetz Kleingewässer/Kreuzkröte (Start
2017), sowie die Artenschutzkonzepte, Aktionspläne und Artenhilfsprogramme für die
Schmetterlingsarten Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling, und Eschen-Scheckenfalter, für
die Libellenarten Helm- und Vogelazurjungfer, Große, Östliche und Zierliche Moosjungfer
sowie für die Pflanzenarten Braungrüner Streifenfarn, Froschkraut, Liegendes Büchsenkraut.
Das heißt, zu den meisten Arten mit ungünstigen Erhaltungszuständen der Artengruppen
Pflanzen, Libellen und Schmetterlinge sind im Zeitraum 2015 bis 2018 Konzepte und
Programme gestartet worden. Weitere Vorhaben, die bereits vor dem Berichtszeitraum
gestartet worden sind, wie das Projekt Kooperativer Feldhamsterschutz, sind weitergeführt
worden.
Für FFH-Arten, die in Ausbreitung begriffen sind und wirtschaftliche Schäden verursachen
können, wie Wolf, Biber und Fischotter, erfolgen zahlreiche Managementmaßnahmen, die
darauf abzielen, die Akzeptanz für den Schutz der Arten in der Bevölkerung zu
gewährleisten. Für Schäden wird finanzieller Ausgleich gewährt, Maßnahmen der
Schadensprävention werden besonders gefördert (RL NE/2014, Teil E), und im
Berichtszeitraum wurden eine Kontaktstelle Bibermanagement und ein Wolfs-Kontaktbüro
betrieben.
Durch Erlass des SMUL vom September 2014 sind sogenannte Fokus-Schutzgüter, das sind
die 18 FFH-Lebensraumtypen und 24 Arten, für die Maßnahmen zur Erhaltung bzw.
Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes besonders dringlich sowie
erfolgversprechend sind, ausgewählt worden und den Naturschutzbehörden, Staatsbetrieben
und Förderbehörden übermittelt worden. Mit verschiedenen Steuerungsinstrumenten
(Vorhabenauswahlkriterien RL NE, DVL-Maßnahmeninitiierung, Hilfsprogramme/-projekte)
wird den Fokus-Schutzgütern Priorität bei der Maßnahmenumsetzung eingeräumt.
Weitere, hier nicht näher ausgeführte Maßnahmen sind durch eine Vielzahl von Akteuren im
Rahmen der Flächennutzung, durch ehrenamtliche Akteure, durch kommunale Behörden
oder die Landestiftung Natur und Umwelt umgesetzt worden.
Im Berichtszeitraum sind zahlreiche Maßnahmen ergriffen worden. Durch sie konnten
Zustände stabilisiert und weitere Verschlechterungen verhindert werden. Zugleich sind damit
wesentliche
Grundlagen
geschaffen
worden,
um
in
künftigen
Berichtsperioden
Verschlechterungen vermeiden und Verbesserungen erzielen zu können.
8) Was soll künftig unternommen werden?
Die im Abschnitt 3 dargestellten Befunde zeigen, dass die bisherigen Maßnahmen nicht nur
unvermindert fortgesetzt sondern noch intensiviert werden müssen. Das ist schon allein
deshalb erforderlich, um sich abzeichnende Verschlechterungen bei anderen Schutzgütern,
zum Beispiel den Bergwiesen, die durch die ergriffenen Maßnahmen bisher erfolgreich
aufgehalten werden konnten, zu verhindern. Insbesondere die Fördermaßnahmen zugunsten
der FFH-Schutzgüter im Rahmen der RL AUK, NE, TWN sowie die Maßnahmen, die auf
verstärkte Lenkung der Instrumente in die Schutzgüter abzielen, sollen unvermindert
fortgeführt und insbesondere zugunsten der Lebensraumtypen, die an traditionelle
Nutzungsformen gebunden sind, weiter ausgebaut werden. Weitere dieser Lebensraumtypen
werden in die Liste der „Fokus-Schutzgüter“ aufgenommen. Der Freistaat Sachsen wird sich
dafür einsetzen, dass die Instrumente der 1. und 2. Säule der GAP sowie der
Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz so ausgestaltet werden, dass die
traditionelle Bewirtschaftung der FFH-Lebensraumtypen in noch größerem Umfang als
bisher erfolgen kann. Die Maßnahmeninitiierung durch den DVL wird verstärkt. Seit dem
1. Januar 2019, das heißt mit Beginn der neuen Berichtsperiode, ist die finanzielle

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Unterstützung des DVL-Landesverbandes durch den Sächsischen Landtag deutlich
aufgestockt worden. Die Antragstellung für investive Maßnahmen im Rahmen der RL NE
zugunsten von FFH-Arten wird erleichtert. Zu diesem Zweck ist seit dem 24. Mai 2019 der
Fördergegenstand F der RL NE, der ein vereinfachtes Antragsverfahren vorsieht, auf
Artenschutzmaßnahmen ausgedehnt worden. Weitere, auf spezielle Schutzgüter bezogene
Hilfskonzepte und -programme sollen gestartet werden. Waren diese bisher nur auf Arten
ausgerichtet, sollen sie künftig auch auf gefährdete Lebensraumtypen, insbesondere im
Offenland, ausgedehnt werden. Die Bewirtschaftung staatseigener Flächen wird noch stärker
auf die FFH-Schutzgüter ausgerichtet. Das alles dient einer noch stärkeren Fokussierung der
Naturschutzinstrumente auf die FFH-Schutzgüter und damit auf die seltenen, gefährdeten
Arten und Lebensräume, die hauptsächlich in Schutzgebieten vorkommen. Gleichzeitig
werden jedoch auch die Maßnahmen, die auf die „Normallandschaft“ außerhalb der
Schutzgebiete beziehungsweise auf die weit verbreiteten, nicht in den Anhängen der FFH-
Richtlinie aufgeführten Arten und Lebensräume abzielen, verstärkt. Dafür wird Mitte 2019 ein
Handlungskonzept Insektenschutz erstellt und in das Biodiversitätsprogramm des
Freistaates integriert. Wesentliches Ziel ist es, den Anteil insektenfreundlich genutzter und
gestalteter Flächen in der Agrarlandschaft sowie im besiedelten Bereich zu erhöhen. Davon
profitieren wiederum indirekt auch viele FFH-Schutzgüter wie Fledermäuse oder Amphibien,
die auf Insekten als Nahrung sowie auf ein Netz naturnaher Lebensräume in der
„Normallandschaft“ angewiesen sind.
Der
Maßnahmenumfang
zur
Erhaltung
und
Entwicklung
der
FFH-Arten
und
Lebensraumtypen wird weiter erhöht.