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Kurzfassung MaP 271 „Kalkbruch Hammerunterwiesenthal“
1. GEBIETSCHARAKTERISTIK
Das 24,4 ha große FFH-Gebiet „Kalkbruch Hammerunterwiesenthal“ liegt im Landkreis
Annaberg in den Gemarkungen der Gemeinden Hammerunterwiesenthal und Oberwie-
senthal. Naturräumlich ist das SCI dem Oberen Westerzgebirge zu zuordnen.
Das FFH-Gebiet liegt westlich der B 95 zwischen Bärenstein und dem Kurort Oberwiesen-
thal und umfasst vier Tagebaurestlöcher: zwei Dolomitmarmor-Kalksteinbrüche, einen
Phonolithbruch und einen Calcitbruch mit einem Restgewässer. Die Brüche sind von stei-
len Felswänden, Kalkschutthalden und -terrassen sowie einer kalkbeeinflussten Bergwie-
se umgeben.
Das SCI befindet sich an der Oberkante eines südöstlich geneigten Hanges des Pöhl-
bachtales auf einer Höhe von 880 - 890 m ü. NN. Das Relief wird insbesondere durch die
Steinbrüche geprägt, die zum Teil eine Tiefe von bis zu 55 m aufweisen. Das Gebiet liegt
am Rande eines Maares und ist unterlagert von Tuffen und Tuffiten mit eingelagerten
Phonolithen, kristallinem Dolomitmarmor und Amphibolit. An das Eruptionszentrum des
Maares schließen sich Gneise, Glimmerschiefer und Karbonate an. Das SCI wird durch
ein kleinräumiges Mosaik unterschiedlicher Böden geprägt: Auf Silikatgestein (Phonolith)
stehen meist Braunerden, auf Kalk- und Dolomitgestein meist Rendzinen und basenreiche
Braunerden an. Während auf den Plateaus die Bodenbildung bereits fortgeschritten ist,
befindet sie sich seit der Auflassung der Steinbrüche auf den Bruchsohlen und im Bö-
schungsbereich häufig erst im Anfangsstadium.
Im FFH-Gebiet dominieren flächenmäßig anthropogene Abbauflächen mit einer Gesamt-
fläche von ca. 11,7 ha. Einen großen Anteil nehmen Wirtschaftsgrünland mit ca. 5,3 ha
sowie Ruderalflächen und Staudenfluren mit 3 ha ein. Die Gebiete der Wiederaufforstung
nach der Auflassung der Brüche haben eine Flächengröße von etwa 0,8 ha, die der Still-
gewässer ca. 0,3 ha. Weitere Flächenanteile des Gebietes entfallen auf Magerrasen,
Feldgehölze und Baumgruppen sowie Gewerbegebiete/technische Infrastruktur, die zu-
sammen einem Anteil von 0,98 % der Gebietsfläche entsprechen.
Das SCI liegt vollständig in der Schutzzone II des ca. 149.500 ha großen Naturparks Erz-
gebirge-Vogtland. Im Nordosten des Gebietes befindet sich das Flächennaturdenkmal
„Kalkbruch Hammerunterwiesenthal“ (4,5 ha), das im Osten die Grenzen des SCI über-
schreitet. Als besonders geschützte Biotope gemäß § 26 SächsNatSchG sind im FFH-
Gebiet der Kalkbruch Hammerunterwiesenthal sowie der Phonolithbruch Hammerunter-
wiesenthal ausgewiesen. Der nordwestliche Teil des SCI liegt in einem Trinkwasser-
schutzgebiet der Schutzzone III. Die Ausweisung weiterer Schutzgebiete im Gebiet bzw.
in seiner unmittelbaren Umgebung ist in Planung.

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2.
ERFASSUNG UND BEWERTUNG
2.1. LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Im Zuge der Ersterfassung zum Gebiet wurden fünf Lebensraumtypen (LRT) mit einer
Gesamtfläche von 5,59 ha kartiert (vgl. Tabelle 1). Daneben wurden für vier der nachge-
wiesenen Lebensraumtypen sowie zusätzlich für den LRT 8220 (Silikatfelsen mit Fels-
spaltenvegetation) insgesamt 3,6 ha Entwicklungsflächen erfasst.
Tabelle 1: Lebensraumtypen im SCI 271
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflächen
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
6110*
Basophile Pionierrasen
13
1,73
8,08 %
6520 Berg-Mähwiesen
1 2,88 13,46 %
8150 Silikatschutthalden
3 0,05 0,23 %
8160*
Kalkhaltige Schutthalden
3
0,07
0,33 %
8210
Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
13
0,86
4,02 %
gesamt: 33 5,59 26,12 %
*prioritärer Lebensraumtyp
Fast alle FFH-Lebensraumtypen des Gebietes (mit Ausnahme der Bergwiese) konnten
sich erst infolge des Abbaus von Kalk- bzw. Phonolithgestein entwickeln. Es ist davon
auszugehen, dass sich die entsprechenden FFH-Lebensraumtypen im Bruch I im Laufe
von ca. 80 Jahren und im Schreiterbruch innerhalb von ca. 40 Jahren entwickeln konnten,
während die Lebensraumtypen im Phonolithbruch eine Entwicklungszeit von ca. 15 Jah-
ren aufweisen.
Trotz der eher ungünstigen mikro- und lokalklimatischen Bedingungen im Gebiet (höhere
Niederschläge, geringere Sonnenscheindauer und damit geringere Temperaturen sowie
eine geringere Windexposition und damit eine verminderte Evaporation durch den kessel-
förmigen Tagebau) konnte sich im Gebiet auf den besonnten, flachgründigen, basenrei-
chen Rohböden auf Felsbändern und -kuppen der prioritäre Lebensraumtyp der Basophi-
len Pionierrasen (6110*) herausbilden. Entsprechend der Dauer der Sukzession ist das
Entwicklungsstadium des LRT auf den Flächen in Struktur und Artenausstattung sehr un-
terschiedlich und reicht von jungen Entwicklungsstadien (auf den ehemaligen Bermen im
Phonolithbruch) über Flächen mit Humusanreicherung und ersten Entwicklungen zu

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Kalkmagerrasen (im Bruch I und im Schreiterbruch) bis zu einer weit fortgeschrittenen
Entwicklung zum Kalkmagerrasen (Schreiterbruch). Im Bruch III ist ein relativ großflächi-
ger Bestand des Lebensraumtyps entstanden, der aufgrund des sehr differenzierten Was-
serhaushalts kleinsträumig sehr heterogen ausgebildet ist.
Abhängig vom Reifestadium weisen die Lebensraumtypen unterschiedliche Vegetations-
strukturen und Artenausstattungen auf. Sieben der 13 LRT-Flächen wurden aufgrund ihrer
Strukturarmut und des geringen Anteils lebensraumtypischer Arten mit einem ungünstigen
Erhaltungszustand bewertet. Die verbleibenden LRT-Flächen sind zum Teil ebenfalls arm
an Strukturen oder Arten, befinden sich insgesamt aber in einem günstigen Erhaltungszu-
stand (B).
Die Basophilen Pionierrasen werden vor allem bei geringer wind- bzw. sonnenexponierten
Flächen durch aufkommende Gebüsch-Sukzession beeinträchtigt. In einer Fläche stellt
der Eintrag von Nähr- und Schadstoffen von der benachbarten Straße (u.a. Staub, Rei-
fenabrieb, Auftausalze) eine Beeinträchtigung durch Nährstoffanreichung und anschlie-
ßende Besiedlung mit konkurrenzstarken Pflanzenarten dar.
Im SCI wurde eine Berg-Mähwiese (6520) vorgefunden. Aufgrund des basenreichen Un-
tergrundes wird das Vorkommen zahlreicher Pflanzenarten in dieser Höhenlage ermög-
licht, so z.B. des Flaumigen Wiesenhafers (
Helictotrichon pubescens
), des Glatthafers
(
Arrhenatherum elatius
) und des Mittleren Wegerichs (
Plantago media
).
Die Fläche ist aufgrund der Nutzung bis 1990 (Entwässerung, Umbruch, Düngung, Be-
weidung) relativ homogen. Durch die gegenwärtige Pflege als einschürige Mähwiese ist
auf Teilflächen eine Entwicklung zu einer artenreichen Magerwiese zu erkennen. Diese
Aushagerung ist im flachgründigen Kuppenbereich weitaus stärker als in den übrigen Tei-
len der Lebensraumtyp-Fläche. Trotz der früheren Nutzung ist ein großer Teil der charak-
teristischen Arten auf der Fläche vorhanden, es bestehen allerdings Mängel in der Struk-
tur (Vorherrschaft wuchsstarker Obergräser) und Teilbereiche sind als Spätfolge der frü-
heren intensiven Nutzung noch zu stark nährstoffversorgt. Insgesamt befindet sich die
Fläche in einem günstigen Erhaltungszustand (B).
Im SCI wurden Silikatschutthalden (8150) aufgenommen, die durch Erosion von Felspar-
tien entstanden sind. Die Silikat-Schutthalden sind örtlich mit Feinerde durchsetzt, die bei
Felsabbrüchen mitgerissen wurde. Sie sind eng verzahnt mit den jeweils benachbarten
Kalkhaltigen Schutthalden (8160*).
Im NO-Teil des Bruch III ist bei Felsabstürzen eine ehemalige Kalkschutthalde mit silikati-
schem Schutt, einschließlich eines großen Feinerdeanteils überdeckt worden. Dadurch
entstanden zwei LRT-Flächen, die in einem Fall bisher nur Ansiedlungen von Moosgesell-
schaften, im anderen Fall nicht näher bestimmbare submontane Silikatschuttgesellschaf-
ten aufweisen. Als lebensraumtypische Art kommt in beiden Flächen nur das Hügel-
Weidenröschen (
Epilobium collinum
) vor.
Eine weitere Silikat-Schutthalde mit submontanen Silikatschuttgesellschaften befindet sich
im Bruch III unterhalb eines kompakten Silikatfelsens an der Grenze zwischen Phonolith
und Marmor. Diese Halde besteht aus Grobschutt mit einem sehr geringen Feinerdeanteil

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und ist sehr spärlich bewachsen. Neben dem Hügel-Weidenröschen (
Epilobium collinum
)
kommt hier auch der naturraumbedeutsame Wundklee (
Anthyllus vulneraria
) vor. Erste
Moosarten als Besiedler deuten auf eine günstige Struktur für die Ansiedlung von lebens-
raumtypischen Arten hin.
Lebensraumtypische Strukturen und Arteninventar sind auf den Silikatschutthalden im SCI
kaum ausgeprägt. Durch Nachbrechen von Steinen und Erde kann sich keine stabile Ve-
getationsstruktur einstellen. Beeinträchtigungen bestehen durch konkurrierende Besied-
lungen der Standorte mit Sträuchern und durch Störanzeiger. Zwei Flächen dieses Le-
bensraumtyps sind aktuell in einem schlechten, eine in einem guten Erhaltungszustand.
Als Kalkschutthalden (8160*) wurden nur Flächen erfasst, die durch die natürlichen Pro-
zesse Felsverwitterung und -abbruch entstanden sind. Die Kalk-Schutthalde im Schreit-
erbruch weist nur eine dünne Schicht aus Fein- und Grobschutt auf, so dass sich hier
zahlreiche Lebensraum untypische Kraut- und Straucharten ansiedeln konnten. Bedingt
durch die hohen Deckungsgrade kommt es zur Verkrautung bzw. Beschattung von Teil-
flächen dieser LRT-Fläche, die nur von einer lebensraumtypischen Art (Stinkender
Storchschnabel -
Geranium robertianum
) toleriert werden. Am Hangfuß wird durch Fels-
blöcke die Ansiedlung von Kryptogamen ermöglicht.
Die kalkhaltige Schutthalde im Bruch I weist neben dem Stinkenden Storchschnabel die
Moose
Entodon concinnus
und
Tortella inclinata
als lebensraumtypischen Arten auf. Das
Haldenmaterial ist fein- bis grobschottrig und feinerdearm. Der blocksteinreiche Haldenfuß
wird durch aufkommendes Gehölz (Salweide -
Salix caprea
) beschattet.
Die kalkhaltige Schutthalde im Bruch III ist noch sehr jung und das grobe, feinerdearme
Haldenmaterial noch in Bewegung. Am Hangfuß hat sich eine Blockhalde ausgebildet, die
aber durch Bestände der Salweide (
Salix caprea
) beschattet wird. Diese größeren Kalk-
felsblöcke bieten allerdings die Möglichkeit für die Ansiedlung von lebensraumtypischen
Kryptogamen, die eine Beschattung ertragen (z. B. das bereits vorhandene
Homalotheci-
um lutescens
).
Neben den aufgeführten Beschattungen und Verkrautungen tritt in allen LRT-Flächen die
Lupine (
Lupinus polyphyllus
) als Neophyt auf und beeinträchtigt punktuell das Vorkom-
men von lebensraumtypischen Arten.
Von den drei LRT-Flächen konnte nur eine mit einem guten Erhaltungszustand (B) bewer-
tet werden. Zwei Flächen befinden sich aufgrund ihrer Strukturarmut und der Beeinträch-
tigungsintensität in einem ungünstigen Erhaltungszustand.
Im SCI kommen ausschließlich durch den Bergbau entstandene Kalkfelsen mit Felsspal-
tenvegetation (8210) vor. Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungszeiten sowie der
unterschiedlichen anstehenden Gesteine sind die Kalkfelsen im Untersuchungsgebiet
relativ heterogen. Als kennzeichnende Arten treten vor allem in den älteren Beständen
Sporenpflanzen auf (z.B. der Mauer-Streifenfarn -
Asplenium ruta-muraria
, Zerbrechlicher
Blasenfarn -
Cystopteris fragilis
), die auch größere Verbreitungslücken überwinden kön-
nen. Daneben kommen häufig Lebensraum typische Moosarten vor. In den jüngeren Be-
ständen fehlen Gefäßpflanzen und Sukkulenten-Arten, so dass nur Moosgesellschaften

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auftreten. Als strukturelle Besonderheit befindet sich in einer LRT-Fläche ein kleiner
Quellaustritt mit spezifischen ökologischen Bedingungen (überrieselter Kalkfels). Hier
kommt als wahrscheinlich einziges Vorkommen in Sachsen die Flechtenart
Caloplaca
sinapisperma
vor.
Eine weitere vegetationskundliche Besonderheit stellen dichte Teppiche der Weißen Fett-
henne (
Sedum album
) in einer südwestexponierten LRT-Fläche dar.
Beeinträchtigungen des Lebensraumtyps bestehen teilweise durch die fortgeschrittene
Gehölzsukzession, durch Beschattung, Neophyten (Lupine -
Lupinus polyphyllus
) oder
Bergsicherungsmaßnahmen.
Von den insgesamt 33 LRT-Flächen befinden sich 19 in einem günstigen Erhaltungszu-
stand (B) (vgl. Tabelle 2). Der ungünstige Erhaltungszustand (C) für 14 Flächen ergibt
sich im Wesentlichen aus dem verarmten Arteninventar sowie einer geringen Strukturviel-
falt.
Tabelle 2: Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SCI 271
Erhaltungszustand
A B C
Lebensraumtyp (LRT)
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
6110* Basophile Pionierrasen - - 6 1,28 7 0,45
6520 Berg-Mähwiesen - - 1 2,88 - -
8150 Silikatschutthalden - - 1 0,03 2 0,01
8160* Kalkhaltige Schutthalden - - 1 0,02 2 0,05
8210
Kalkfelsen mit Felsspaltenve-
getation
- - 10 0,59 3 0,27
*prioritärer Lebensraumtyp
Lebensraumkomplexe offener kalkhaltiger Standorte (LRT 6110* Basophile Pionierrasen,
LRT 8160* Kalkhaltige Schutthalden, LRT 8210 Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation)
sind im Naturraum natürlicherweise nicht vorhanden, sondern im Zuge des Abbaus von
unterirdischen Kalkvorkommen entstanden. Die Besiedelung der jetzt offenen kalkhaltigen
(Sonder-)Standorte erfolgt daher zeitlich und räumlich in erster Linie durch im Naturraum
natürlicherweise vorkommende Arten, die unter diesen ökologischen Bedingungen existie-
ren können bzw. hier nur noch als Relikte überdauern können. Die Besiedlung durch cha-
rakteristische Arten der betrachteten Lebensraumtypen aus benachbarten Naturräumen

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(wie z.B. Sächsisches Hügelland, Erzgebirgsbecken) ist am ehesten durch Sporenpflan-
zen möglich.
Die Kohärenz dieser und anderer Lebensraumtypen wird u. a. dokumentiert durch die
Fähigkeit der lebensraumtypischen Arten, die Abstände zwischen Teilflächen zu überwin-
den. Bei Sporenpflanzen ist dies auch über größere Entfernungen gewährleistet, weshalb
diese Arten zu den wesentlichen Wert bestimmenden Sippen im SCI zählen. Die weiteren
lebensraumtypischen Arten sind in der Regel in ihrer natürlichen Ausbreitung einge-
schränkt und auf geeignete Trittstein-Lebensräume angewiesen. Damit spielen weitere
Kalkbrüche (wie z.B. Scheibenberg, Crottendorf, Langenberg) und deren Erhalt als „Tritt-
steine“ für Arten der Basophilen Pionierrasen, der Kalkfelsen und Kalkschutthalden in die-
sem Naturraum eine wichtige Rolle.
Die Fels- und Schuttstandorte auf basenarmen, silikatischen Substraten kommen im Na-
turraum natürlicherweise in größeren Flächen auf Bergkuppen und an Talhängen der
Flusstäler vor. Die im Untersuchungsgebiet vorhandenen Flächen sind für die Kohärenz
dieser Lebensraumtypen im Naturraum daher von untergeordneter Bedeutung.
Die Berg-Mähwiese im SCI ist durch ihr Einzel-Vorkommen auf basenreichen Böden von
herausragender Bedeutung. Sie wird von zahlreichen Pflanzenarten besiedelt, die hier
ihren höchstgelegenen Fundort in Sachsen besitzen.
Daneben weist die Fläche eine Bedeutung als Bindeglied zwischen den Vorkommen in
den benachbarten, tiefer gelegenen Rodungsinseln im Raum um Crottendorf (z.B. Wald-
hauswiesen) und Scheibenberg (z.B. Enziantrift, Scheibenberger Heide) sowie Bärenstein
und Annaberg (Pöhlbergalm) und den höher gelegenen Gebieten im Fichtelberggebiet
(FFH-Gebiet Fichtelbergwiesen) auf.
2.2. ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Im SCI "Kalkbruch Hammerunterwiesenthal“ wurde eine Art nach Anhang II der FFH-
Richtlinie nachgewiesen (vgl. Tabelle 3).
Tabelle 3: Habitatflächen der Anhang II-Arten im SCI 271
Anhang II-Art
Name
Wissenschaftli-
cher Name
Anzahl der
Habitate im
Gebiet
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
Großes Mausohr
Myotis myotis
1 0,05 0,23 %

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Vorkommen des Großen Mausohres in den Stollen im SCI sind seit 1999 durch die UNB
Annaberg bzw. nach Aussage des Bergbaubetreibers bereits seit 1997 belegt. Im Zuge
der Ersterfassung konnten im Kalkstollensystem auf Sohle 3 und nahe dem Lichtloch
Schreiterbruch jeweils drei Große Mausohren im Winterquartier vorgefunden werden.
Weitere Tiere sind aufgrund der Größe und Unübersichtlichkeit des Stollensystems mög-
lich.
In dem umfangreichen Kalkstollensystem sind ausreichend geeignete Hangplätze und
Spaltenverstecke mit hoher Luftfeuchtigkeit und Frostsicherheit vorhanden. Die Lichtlö-
cher führen in den Tagebau im SCI (Lichtloch Schreiterbruch) und sind ausreichend ge-
gen unbefugtes Betreten gesichert sowie für Fledermäuse gut passierbar. Im Winterhalb-
jahr erfolgen nur wenige sporadische Begehungen durch den Bergwerksbetreiber, relative
Störungsarmut ist also gegeben. Das Kalkstollensystem im SCI beherbergt eine geschätz-
te überwinternde Population von bis zu 10 Tieren. Dies entspricht einem guten Zustand
der Population (B).
Tabelle 4: Erhaltungszustand der Habitatflächen im SCI 271
Erhaltungszustand
Anhang II-Art
A B C
Name
Wissenschaftli-
cher Name
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
Großes Mausohr
Myotis myotis
- - 1 0,05 - -
3. MAßNAHMEN
3.1. MAßNAHMEN AUF GEBIETSEBENE
Um eine weitgehend unbeeinflusste eigendynamische Entwicklung aller Lebensräume im
SCI zu ermöglichen, sind die folgenden Maßnahmen auf Gebietsebene notwendig:
-
Vermeidung des Schadstoffeintrags in das FFH-Gebiet durch Schneeberäumung auf
der unmittelbar angrenzenden Straße durch Einsatz eines Schneepfluges oder Verbla-
sen des beräumten Schnees auf die andere Straßenseite
-
Sicherung des Abrutschens von Teilen der Ortsverbindungsstraße Hammerunterwie-
senthal - Neudorf in den Bruch I durch Neutrassierung der Straße (bereits geplant)

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8
Zur Stabilisierung des ökologischen Werts des SCI sind auf Gebietsebene die folgenden
Entwicklungsmaßnahmen möglich:
-
Zurückdrängung von Neophyten (Drüsiges Springkraut -
Impatiens glandulifera
, Lupine
-
Lupinus polyphyllus
)
3.2. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Für die Basophilen Pionierrasen (LRT 6110*) ist zur Erhaltung eines günstigen Erhal-
tungszustands im Wesentlichen eine Pflege durch Entbuschung und das Entfernen von
Neophyten und Konkurrenzpflanzen erforderlich. Die Maßnahme ist in Abstimmung mit
der zuständigen Naturschutzbehörde und je nach Fortschritt der Gehölzsukzession in
mehrjährigem Turnus zu wiederholen. Auf einigen dieser Flächen sind durch Plaggen der
Vegetationsschicht Rohbodenstandorte zu schaffen. Für eine LRT-Fläche ist regelmäßig,
jedoch nicht vor Mitte Oktober, eine Mahd vorzusehen. Eine Freizeitnutzung der angren-
zenden Felsen (z.B. Klettersport) muss unterbleiben.
Zum Erhalt der Berg-Mähwiese (6520) ist eine regelmäßige Mahd (1 - 2 Schnitte im Jahr)
fortzusetzen und weiterhin auf Stickstoff-Düngung zu verzichten. Eine Grunddüngung
oder Kalkung kann entsprechend des Befundes von Bodenuntersuchungen und ggf. be-
gleitet von floristischer Erfolgskontrolle erforderlich werden. Abweichend von der gegen-
wärtigen Pflege, einer einschürigen Mahd im Sommer, soll der erste Schnitt nicht vor En-
de Juli erfolgen, um die Samen der Wert gebenden Pflanzen des Frühjahrs-/Frühsommer-
aspektes zur Reife gelangen zu lassen. Die Einmaligkeit des Standortes (basenreicher
Bergwiesenbestand in ca. 900 m ü. NN) erfordert die vordringliche Förderung einer kon-
sequenten Pflege der entsprechenden Flächen.
Auf allen Flächen der Silikatschutthalden (LRT 8150) sind Beeinträchtigungen durch unty-
pische Dominanzen von Nährstoffzeigern und sonstigen Störzeigern (z.B.
Tanacetum
vulgare, Heracleum sphondylium
) zu entfernen. Auf zwei Flächen ist diese Maßnahme
kurzfristig vorzusehen, auf einer weiteren mittel- bis langfristig. Diese Maßnahmen müs-
sen ggf. auf allen Silikatschutthalden in mehrjährigen Abständen wiederholt werden. Zu-
sätzlich ist auf allen Flächen eine Entbuschung notwendig.
Maßnahmenschwerpunkte bei den Kalkhaltigen Schutthalden (LRT 8160*) stellen die Of-
fenhaltung der Flächen und die Verhinderung negativer Randeffekte dar. Zu diesem
Zweck ist der Gehölzaufwuchs kurzfristig zu beseitigen und zweimal jährlich Nährstoff-
und Störzeiger sowie Neophyten zu entfernen.
Zum Erhalt eines günstigen Erhaltungszustands der Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
(LRT 8210) ist auf zwei Flächen kurz- bis mittelfristig der Gehölzaufwuchs zu entfernen,
um die Beschattung der Felsfluren zu beseitigen.

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Generell ist auf allen Flächen die Ausbreitung der Gehölze sowie von Neophyten oder
Störzeigern zu beobachten und ggf. Beseitigungsmaßnahmen durchzuführen.
Bei den LRT 8150, 8160* und 8210 muss ebenfalls eine Freizeitnutzung der angrenzen-
den Felsen (z. B. Klettersport) unterbleiben.
3.3. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF ARTEN NACH ANHANG II
Für das Große Mausohr sind keine aktiven Maßnahmen zur Bewahrung eines günstigen
Erhaltungszustandes der unterirdischen Stollen als Winterquartier erforderlich. Bei Berg-
sicherungsmaßnahmen ist jedoch darauf zu achten, dass der Zugang zu den Stollen für
die Fledermäuse erhalten bleibt und die klimatischen Verhältnisse der Winterquartier-
Bereiche nicht nachteilig verändert werden.

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Tabelle 5: Erhaltungsmaßnahmen im SCI 271
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Beseitigung von Gehölzaufwuchs
2,63
Erhaltung bzw. Wiederherstellung des günstigen
Erhaltungszustandes der LRT
Basophiler Pionierrasen (6110*), Silikat-
schutthalden (LRT 8150), Kalkhaltige
Schutthalden (LRT 8160*), Kalkfelsen mit
Felsspaltenvegetation (LRT 8210)
Entfernen von Problemarten (Nähr-
stoff- und Störzeiger, Neophyten)
1,2
Erhaltung bzw. Wiederherstellung des günstigen
Erhaltungszustandes der LRT
Basophiler Pionierrasen (6110*), Silikat-
schutthalden (LRT 8150), Kalkhaltige
Schutthalden (LRT 8160*), Kalkfelsen mit
Felsspaltenvegetation (LRT 8210)
Extensive Grünlandbewirtschaftung
(Mahd mit Terminvorgabe und
Mahdgutberäumung)
2,9
Erhaltung des günstigen Erhaltungszustandes der
LRT
Basophile Pionierrasen (LRT 6110*),
Berg-Mähwiesen (LRT 6520)
*prioritärer Lebensraumtyp

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4. FAZIT
Die Ersterfassung der Lebensraumtypen und Habitate wurde dem Bergbauunternehmen
als Eigentümer und Nutzer des Gebietes vorgestellt und die Maßnahmenplanung mit den
Betriebsplanungen und den Nutzungsinteressen abgestimmt.
Für den ab 2006 geplanten Hauptbetriebsplan wurde die Vereinbarkeit mit den FFH-
Erhaltungszielen im Rahmen einer Stellungnahme des Umweltfachbereiches Chemnitz im
Sinne einer Erheblichkeitsabschätzung der zu erwartenden Beeinträchtigungen festge-
stellt.
Die vorgeschlagenen Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen sind in der Optimalvari-
ante umsetzbar. Forderungen bestehen seitens des Bergwerkbetreibers hinsichtlich der
Detailabstimmung der Maßnahmen mit den laufenden Verwahrungsarbeiten insbesondere
in Gebieten eingeschränkter Betretbarkeit aufgrund von Bergschäden. Die Pflegearbeiten
sind durch fachkundige Personen und in Organisation und unter Aufsicht der unteren Na-
turschutzbehörde durchzuführen.
Für die Pflegemaßnahmen zur Gehölz- und Aufwuchsentfernung sowie Mahd können
fachkundige und geschulte Verbände, Vereine oder Unternehmen einbezogen werden.
Die Mahd der Bergmähwiesen-LRT- und -Entwicklungsfläche erfolgt aktuell als Dienstleis-
tung durch ein Unternehmen im Auftrag des Bergbauunternehmens. Diese Vorgehens-
weise ist zielführend und sollte beibehalten werden.
Die erforderlichen Pflegearbeiten an einer Pionierrasenfläche können erst nach den unter-
tägigen Verwahrarbeiten erfolgen, wenn eine ausreichende Sicherung der einsturzgefähr-
deten Stellen gegeben ist. Bei allen Maßnahmen, die ein Begehen felssturzgefährdeter
Flächen erfordern, sind weitergehende Sicherheitsaspekte zu beachten.
Durch das FND „Kalkbruch Hammerunterwiesenthal“ ist eine Teilfläche des FFH-Gebietes
geschützt, innerhalb derer durch Rechtsverordnung relevante Beeinträchtigungen des
Erhaltungszustandes der hier vorkommenden FFH-Lebensraumtypen (Basophile Pionier-
rasen, Berg-Mähwiese, Silikatschutthalden, Kalkhaltige Schutthalden und Kalkfelsen mit
Felsspaltenvegetation) verboten werden.
Darüber hinaus werden weitere Maßnahmen zur Gebietssicherung erforderlich. Für den
Bereich des Phonolithbruches hat der Bergwerksbetreiber aus Gründen der Verkehrssi-
cherung und der Sicherung bergschadensgefährdeter Flächen die Sicherung und Abzäu-
nung des Bruches in Verbindung mit verstärkten Kontrollen vorgesehen. Es ist davon
auszugehen, dass diese Maßnahmen vorläufig ausreichen werden, eine deutliche Ver-
minderung der störenden illegalen Aktivitäten im Gebiet zu erreichen. Nach Abschluss der
Verwahrungsarbeiten ist eine zusätzliche Sicherung durch Rechtsverordnung zu prüfen.

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5. QUELLE
Der Managementplan für das Gebiet Nr. 271 wurde im Original im Jahr 2005 von der Ar-
beitsgemeinschaft der Unternehmen ERGO Umweltinstitut GmbH in Dresden und Sächsi-
sche Landsiedlung GmbH in Meißen erstellt und kann bei Interesse beim Regierungsprä-
sidium Chemnitz, Umweltfachbereich oder beim Sächsischen Landesamt für Umwelt und
Geologie, Abteilung Natur, Landschaft, Boden eingesehen werden.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arten