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Kurzfassung MaP 233 „Bläulingswiesen südöstlich Leipzig“
1. GEBIETSCHARAKTERISTIK
Das FFH-Gebiet „Bläulingswiesen südöstlich Leipzig“ liegt im Naturraum „Leipziger Land“,
am Südost-Rand der Stadt Leipzig und in über 5 km Entfernung zum Stadtzentrum.
Das FFH-Gebiet setzt sich aus fünf Teilflächen zusammen. Teilfläche 1 liegt in der Ge-
markung Mölkau, Teilfläche 2 und 3 in der Gemarkung Holzhausen und Teilfläche 4 und 5
in der Gemarkung Wachau. Die Flächen 1 bis 3 befinden sich im Stadtgebiet Leipzig, die
Flächen 4 und 5 gehören der Großen Kreisstadt Markkleeberg an. Insgesamt ergeben sie
eine Fläche von 12,77 ha.
Das ausgewählte Gebiet ist von mehreren kleinen naturnahen und gut strukturierten Wie-
senarealen, inmitten intensiv genutzter Agrar- und Siedlungslandschaft gelegen, geprägt.
Die besondere FFH-Schutzwürdigkeit des Gebietes leitet sich einerseits aus den kleinflä-
chigen Vernässungs- und Quellbereichen ab, die als seltener Lebensraum bedeutungsvoll
sind, und andererseits aus der Standortspezifik für das Vorkommen des Dunklen Wiesen-
knopf-Ameisenbläulings.
Das Leipziger Land befindet sich in der mitteleuropäischen Naturregion „Sächsisches
Lößgefilde“. Geprägt wird das Gebiet durch die relativ geringe Reliefenergie sowie die
größtenteils geschlossene Sandlößdecke. Die Bodendecke ist charakterisiert durch Pa-
rabraunerden, Fahlerden und Staugleye, deren ungleiche Verteilung Ursache für die teil-
weise starken Unterschiede im Bodenwasserhaushalt ist. Klimatisch ist das Gebiet in das
subkontinentale Binnenlandklima einzuordnen mit einem langjährigen Temperaturmittel
von 8,6 - 9,5 ° C und Jahresniederschlägen von 580 - 620 mm.
Die am häufigsten vertretenen Biotoptypen im FFH-Gebiet sind Wirtschaftsgrünland,
Laubmischwald/Auwald, Stillgewässer und Graben sowie Acker.
Im SCI befinden sich keine bestehenden Schutzgebiete, aber mehrere nach § 26 Sächs-
NatSchG geschützte Biotope. Die Stadt Leipzig plant die Ausweisung von vier Schutzge-
bieten (FND, LSG), die das FFH-Gebiet berühren.
Für nicht alle Flächen im Gebiet konnten die Eigentumsverhältnisse geklärt werden. Bei
den Waldflächen handelt es sich zum überwiegenden Teil um Treuhandrest- und Körper-
schaftswald.

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2
2.
ERFASSUNG UND BEWERTUNG
2.1. LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Im Rahmen der Ersterfassung konnten 3 Lebensraumtypen auf einer Gesamtfläche von
6,38 ha kartiert werden.
Tabelle 1: Lebensraumtypen im SCI 233
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflächen
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
3150 Eutrophe Stillgewässer
1 0,25 2,0
6510 Flachland-Mähwiesen
5 4,88 38,21
91E0* Erlen-Eschen- und Weichholzau-
enwälder
1 1,25 9,78
gesamt: 7 6,38 50,0
* prioritärer Lebensraumtyp
Das einzige im Gebiet vorhandene stehende Gewässer (LRT 3150) ist ein kurzlebiges
Stillgewässer (Wiesentümpel). Einschließlich des zugehörigen Uferbereichs nimmt es
eine Größe von ca. 0,25 ha ein. Das Gewässer ist sehr flach (max. ca. 30 cm) und hat nur
bei Hochwasser eine oberirdische Verbindung zu dem Fließgewässer Östliche Rietzsch-
ke. Es trocknet daher häufig aus. Ein breiter Gürtel aus Großseggenried
(Carex acuta)
,
Röhrichten (mit Breitblättrigem Rohrkolben -
Typha latifolia,
Salz-Teichsimse -
Scho-
noplectus tabernaemontani
, Rohr-Glanzgras -
Phalaris arundinacea,
und Gewöhnlicher
Sumpfbinse -
Eleocharis palustris)
sowie Flutrasen (mit Weißem Straußgras -
Agrostis
stolonifera
, Knick-Fuchsschwanzgras -
Alopecurus geniculatus
und Flutendem Schwaden
-
Glyceria fluitans)
umgibt das Gewässer und nimmt auch ca. 90 % der überstaubaren
Fläche ein. Auf den verbleibenden 10 % der Gewässerfläche findet sich ein lückiger Be-
stand von Wasser-Knöterich (
Persicaria amphibia
). Diese Art erträgt offensichtlich als ein-
zige Schwimmblattpflanze das häufige Austrocknen des Gewässers. Der LRT kommt im
Gebiet nur als Kleinstlebensraum auf der Teilfläche 1 vor. Auf Grund seiner Größe und
Ausprägung als temporäres Gewässer besitzt er keine gebietsübergreifende Bedeutung.
Als Teil einer geplanten FND- bzw. LSG-Ausweisung hat er Bedeutung für das Leipziger
Umland. Bei Austrocknung des Gewässers ist die gesamte Fläche befahrbar.
Potenzielle Gefährdungen des Gewässers sind die Ansiedlung von Gehölzen und ein ü-
bermäßiger Eintrag von Nährstoffen. Zurzeit sind jedoch keine Anzeichen für derartige

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3
Beeinträchtigungen festzustellen. Das Gewässer ist auf der topographischen Karte nicht
verzeichnet und daher vermutlich erst durch den Verfall von Entwässerungsanlagen ent-
standen. Die dauerhafte Trockenlegung stellt damit eine weitere potenzielle Gefährdung
dar.
Der Lebensraumtyp 6510 (Flachland-Mähwiesen) kommt bis auf die Teilfläche 5 im ge-
samten SCI vor. Die betreffenden Grünländer werden als Mähwiesen genutzt. Auf Teilflä-
che 3 erfolgt zusätzlich eine extensive Beweidung. Die als LRT 6510 erfassten Flächen
weisen frische bis wechselfeuchte Standortverhältnisse auf. Das Arteninventar ist größ-
tenteils lebensraumtypisch. Die Beeinträchtigungen sind mäßigen Charakters. Der Le-
bensraumtyp stellt eine kulturhistorische und auf Sonderflächen auch noch aktuelle Nut-
zungsform mit i. d. R. 1-, 2-, maximal 3-schüriger Mahd dar. Er ist gekennzeichnet durch
eine hohe Artenvielfalt. Durch den stattgefundenen Nutzungswandel, durch weitere Nut-
zungsintensivierung und Ertragssteigerung (z. B. auch mittels Ansaat und Nachsaat er-
tragsstarker Saatmischungen) auf Großflächen bzw. durch Aufgabe letzter, kleinräumiger
Nutzungsformen ist dieser Lebensraumtyp stark gefährdet. Er besitzt damit eine sehr ho-
he Bedeutung auch in Kombination mit der Bläulings-Habitatfunktion beim Vorkommen
des Großen Wiesenknopfes (
Sanguisorba officinalis
).
Die Hauptgefährdungsfaktoren für den LRT sind Nutzungsaufgabe, Intensivierung der
Mahd, starker Nährstoffeintrag u. a. Die enge Verzahnung des LRT mit den Habitatvor-
aussetzungen für die Bläulings-Arten ist erkennbar. Bedingung für das Auftreten von Bläu-
lingen ist das Vorkommen der notwendigen Wirtspflanzen und Wirtsameisen. Die Haupt-
gefährdungsfaktoren für den LRT entsprechen im Wesentlichen denen für die Bläulinge.
Hinsichtlich der Mahdzeitpunkte können zwischen LRT (Artenvielfalt) und Arten (Lebens-
zyklus) Zielkonflikte entstehen.
Im Gebiet befindet sich nur eine Waldfläche des Lebensraumtyps 91E0* (Erlen-Eschen-
und Weichholzauenwälder) in der Ausprägung eines Traubenkirschen-Erlen-Eschen Wal-
des, die im Süden in einen Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald übergeht. Das Wald-
stück hat eine Größe von ca. 1,2 ha. Es handelt sich um einen strukturreichen Waldbe-
stand in einer flachen Senke, der von Eschen dominiert wird. Der Bestand ist vielschichtig
(plenterwaldartig), wobei die aufkommende Verjüngung von Berg-Ahorn (
Acer pseudopla-
tanus
) dominiert wird. Im Westen, Norden und Osten grenzt eine Wiese mit einem ver-
rohrten Bachlauf an. Im Süden wird die Fläche durch eine Straße begrenzt.
Auf Grund seiner Größe ist der LRT nicht von herausragender Bedeutung. Als Trittstein
im Gesamtgebiet und als Teil der Entwicklungsabsichten, insbesondere im Rahmen der
geplanten Schutzgebietsausweisungen, ist der LRT von zumindest gebietsübergreifender
Bedeutung für den Raum südlich von Leipzig. Durch die raumgreifenden Aus- und Neu-
bauvorhaben des Straßennetzes und der damit einhergehenden Verdichtung der land-
wirtschaftlichen Nutzflächen ist der LRT einschließlich anderer LRTs stark gefährdet.
Für alle drei kartierten Lebensraumtypen konnte ein günstiger Erhaltungszustand festge-
stellt werden.

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4
Tabelle 2: Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SCI 233
Erhaltungszustand
A B C
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
3150 Eutrophe Stillgewässer - - 1 0,25 - -
6510 Flachland-Mähwiesen 1 0,29 4 4,58 - -
91E0* Erlen-Eschen- und
Weichholzauenwälder
- - 1 1.25 - -
* prioritärer Lebensraumtyp
2.2
ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Im FFH-Gebiet wurde die Anhang II-Art Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling nachge-
wiesen. Auf einer Flächengröße von ca. 6,5 ha sind aktuell Vorkommen von
Maculinea
nausithous
bekannt. Die ebenfalls gemeldete FFH-Art Heller Wiesenknopf-
Ameisenbläuling (
Maculinea teleius
) konnte im Untersuchungsgebiet nicht mehr nachge-
wiesen werden.
Es wurden zwei Habitat-Entwicklungsflächen in einer Größenordnung von 1,89 ha und
1,02 ha festgelegt. Beide Habitat-Entwicklungsflächen sind beiden Arten der Bläulinge
zuzuordnen. Der prozentuale Anteil der Habitat-Entwicklungsflächen an der Gesamtfläche
des FFH-Gebietes beträgt ca. 23 %.
Tabelle 3: Habitatflächen der Anhang II-Arten im SCI 233
Anhang II - Art
Name
Wissenschaftli-
cher Name
Anzahl der
Habitate im
Gebiet
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
Dunkler Wiesen-
knopf-
Ameisenbläuling
Maculinea [Glau-
copsyche] nau-
sithous
4 6,5 50 %

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5
Im Raum Leipzig hatte der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling sein einstiges Haupt-
verbreitungsgebiet an den Bach- und Flussläufen des Leipziger Auensystems, besonders
entlang der Weißen Elster. Die ca. 20 aktuell nachgewiesenen Vorkommen gelten als
relativ stabil. Sie bilden einen Besiedlungsring um die Stadt Leipzig. Die untersuchten
Vorkommen im Südosten von Leipzig sind ein wesentlicher Bestandteil dieses Besied-
lungsrings. Der Leipziger Raum ist einer der Verbreitungsschwerpunkte des Dunklen
Wiesenknopf-Ameisenbläulings in Sachsen. Den untersuchten Teilpopulationen ist eine
hohe Bedeutung aus landesweiter und regionaler Sicht beizumessen.
Die Art nutzt den Großen Wiesenknopf (
Sanguisorba officinalis
) als Saug- und Wirtspflan-
ze. Deren Vorhandensein ist somit eine primäre Bedingung für die Eignung eines Habita-
tes.
Folgende Gefährdungen sind für
Maculinea nausithous
auch innerhalb des FFH-Gebietes
mit seinen insgesamt fünf Teilflächen gegeben:
o
Intensivierung landwirtschaftlicher Nutzflächen (TFN 1, 2, 4)
o
Entwässerung der Rietzschkeaue (TFN 1)
o
Grünlandumbruch
o
Übermäßige Düngerausbringung
o
Aufforstung
o
Verbuschung und Verbrachung (TFN 3)
o
Falsche Biotoppflege
o
Falscher Mahdzeitpunkt
o
Verlust der Wirtsameise
o
Überweidung/ Koppelung (TFN 3)
o
Schwerer Maschineneinsatz (TFN 2)
o
Zerstörung der Ameisennester
o
Verlust des Eiablageplatzes
Tabelle 4:
Erhaltungszustand der Habitatflächen im SCI 233
Erhaltungszustand
Anhang II - Art
A B C
Name
Wissenschaftli-
cher Name
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
Dunkler Wiesen-
knopf-
Ameisenbläuling
Maculinea [Glau-
copsyche] nau-
sithous
- - 4 6,44 - -

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6
Die Teilflächen des Gebietes fungieren als „Trittstein“, sie sind Bestandteil des nachge-
wiesenen Besiedlungsrings um die Stadt Leipzig, dem eine hohe Bedeutung im Kontext
NATURA 2000 beigemessen werden muss. Die untersuchten Flächen befinden sich in
Distanzen von ca. 4-5 km zu anderen FFH-Gebieten bzw. sonstigen verbindenden Bläu-
lingshabitaten. Der Bläuling ist in der Lage, Strecken solcher Länge zu überwinden.
Für eine artspezifische Kohärenzfunktion ist ein System aus Gräben von großer Bedeu-
tung, da lineare Strukturen bevorzugt werden (ersichtlich an Pleiße-Luppedamm,
Rietzschke, Weiße Elster, Parthe). Im Umfeld des Gebiets existiert z. B. ein Graben -
Feuchtbiotop - System (Weinteichsenke), welches als Vernetzungselement sehr wichtig
ist, da die Verbindung zur Pleiße möglich wäre.
Zudem weisen weitere punktuelle Nachweise von
Maculinea nausithous
auf die Bedeu-
tung eines potenziellen Verbundnetzes hin. Dennoch kann nicht von einer ausreichend
stabilen Kohärenzfunktion zwischen den untersuchten Teilflächen und den weiterhin zu
betrachtenden FFH-Gebieten gesprochen werden. Bei einem Totalausfall an einem weit-
gehend isolierten Ort kann eine Wiederbesiedlung nicht mit Sicherheit erwartet werden.
3. MAßNAHMEN
3.1
MAßNAHMEN AUF GEBIETSEBENE
Hinsichtlich des Erhalts des LRT 3150 sind Störungen durch Betreten und Übernutzen zu
vermeiden. Die geplante Einbeziehung in ein Schutzgebiet ist geeignet, um den Charakter
der Fläche zu erhalten und die Kohärenz zu stärken. Generell sind folgende Maßnahmen
vorzusehen:
o
Zurücknahme/Verhinderung von Eutrophierung
o
Durchsetzen von Betretungsbeschränkungen
o
Erhaltung des Vernässungszustandes
o
Zurückdrängen aufkommender Gehölze
Der LRT 6510 ist durch folgende Maßnahmen zu erhalten:
o
Einschränkung des allgemeinen Betretungsrechtes für die Flächen
o
keine Freizeit- und Naherholungsnutzung auf den Flächen
o
keine Inanspruchnahme als Bauentwicklungsflächen
o
Unterbindung der Verbuschung/Aufforstung

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7
o
keine Beweidung als Hauptnutzung
Für den kleinflächigen LRT 91E0* sind folgende Maßnahmen notwendig:
o
Verbesserung der Überflutungsdynamik im Rahmen von konformen Hochwasser-
schutzmaßnahmen (Retentionsfläche)
1
o
Renaturierung des angrenzenden verrohrten Gewässerabschnittes
o
Erhalt des hohen Grundwasserstandes im Gebiet
o
Nutzungsaufgabe bzw. Reduzierung der Bewirtschaftung auf ein Minimum
3.2
MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Hinsichtlich. des LRT 3150 zielen die Maßnahmen auf das Lebensraumpotenzial für Ar-
ten, die auf naturnahe Kleingewässer angewiesen sind. Dazu zählen die Erhaltung eines
naturnah strukturierten Uferbereichs, die Vermeidung von Nährstoffeinträgen, der Verzicht
auf Trockenlegung der Gewässer, das Auskoppeln des Uferbereichs bzw. Markierung der
LRT-Grenzen durch gut sichtbare Pfähle und eine Mahd in mehrjährigem Abstand zur
Verhinderung der Verbuschung
.
Die Planung und Durchführung von Bewirtschaftungsmaßnahmen bei Flachland-Mähwie-
sen (LRT 6510) sollte nach umfassender Erhebung und Kenntnisnahme der jeweiligen
Pflanzenbestände und entsprechend der spezifischen Artenzusammensetzung erfolgen.
Die LRT-Ausprägung verlangt aber generell, dass auf folgende Maßnahmen verzichtet
wird:
o
Neuansaat oder Nachsaat sowie
o
Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (Einzelpflanzenbekämpfung mit geeigneten
Mitteln u. U. möglich, z. B. Großblättriger Ampfer).
Der Lebensraumtyp Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder (91E0*) kommt im Gebiet
nur einmal vor. Durch die Renaturierung des benachbarten verrohrten Bachlaufs ein-
schließlich Überlauf in den Auwald (Regenwasserentlastung) sollen bestehende Beein-
trächtigungen grundsätzlich beseitigt werden. Entwässerungsmaßnahmen sind nicht
durchzuführen. Eine Verringerung gesellschaftsfremder Baumarten und das unverzügli-
che Beseitigen störender Ablagerungen sind anzustreben.
1
Anlagen zur Regenrückhaltung wurden 2007 realisiert, Funktionserfüllung bleibt abzuwarten

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8
3.3
MAßNAHMEN IN BEZUG AUF ANHANG II-ARTEN
Das allgemeine Leitbild für die Art
Maculinea nausithous
ist die Erhaltung und Entwicklung
des für die jeweiligen Habitate typischen Offen- und Feuchtgrünlandes, wie z.B. wechsel-
feuchte Pfeifengraswiesen, Stromtalwiesen, Nass- und Feuchtwiesen sowie teilverbrachte
Wiesenknopf- Feuchtgrünländer oder Grabensysteme mit entsprechender Artenausprä-
gung . Diese feuchten bis wechselfeuchten Standorte sind bei einem Vorkommen der
Wirtspflanze
S. officinalis
sowie der Wirtsameisen
M. rubra
, auch als potenzielle Habitate,
zu erhalten. Zur Hauptflugzeit der Falter müssen ausreichend blühende Wirtspflanzen zur
Verfügung stehen.
Durch die Beibehaltung oder entsprechende Anpassung der Nutzung (Mahdtermine,
Schnitthöhe, Düngung, Einschränkung der Verdichtung etc.) sollen alle nutzungsbeding-
ten Faktoren, die dem entgegenstehen, ausgeschaltet werden.
In Hinblick auf die Entwicklung eines Biotopverbundnetzes, in welches das untersuchte
Gebiet und die angrenzenden FFH-Gebiete eingebunden werden könnten, sollte z. B. der
Mittelgraben bzw. dessen ehemalige Zuläufe renaturiert werden.
Sehr wichtig sind begleitende Untersuchungen zu neu geschaffenen Habitatverbundsys-
temen sowie Erfassungsprogramme.
Bezüglich des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings
(Maculinea teleius)
ist von einem
Verlust im FFH-Gebiet auszugehen. Mit dem Rückgang der Populationen über Jahre und
dem vermeintlichen Verlust wird deutlich, wie sehr Handlungsbedarf hinsichtlich Standort-
und Populationssicherung im Hinblick auf beide Arten notwendig ist.
Eine Unterstützung und Förderung der geplanten Schutzgebietsausweisungen in Verbin-
dung mit Habitat-Entwicklungsflächen ist zwingend erforderlich.

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9
Tabelle 5:
Erhaltungsmaßnahmen im SCI 233
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Vermeidung von Nährstoffeinträgen
Verzicht auf Trockenlegung des
Gewässers
Mahd in mehrjährigem Abstand
Erhaltung eines naturnah struktu-
rierten Uferbereichs
0,25
Erhaltung und Sicherung des günstigen Erhaltungszu-
standes, Erhaltung der lebensraumtypischen Artenvielfalt
Eutrophe Stillgewässer (3150)
Zweischürige Mahd mit Terminvor-
gabe und Beräumung des Mähgu-
tes
Erhaltung und Sicherung des günstigen Erhaltungszu-
standes, Erhaltung der lebensraumtypischen Artenvielfalt,
Erhalt der Habitatqualitäten für die Anhang II-Art
Vermeidung von fortgeschrittener
Verbrachung und Verbuschung
4,88
Erhaltung und Sicherung des günstigen Erhaltungszu-
standes, Erhaltung der lebensraumtypischen Artenvielfalt,
Erhalt der Habitatqualitäten für die Anhang II-Art
Flachland-Mähwiesen (6510), Dunkler
Wiesenknopf-Ameisenbläuling

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10
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Vermeidung intensiver Beweidung
im Zeitraum Mitte April bis Mitte
Oktober
4,88
Erhalt der Habitatqualitäten für die Anhang II-Art, Erhal-
tung der Ameisennester
Flachland-Mähwiesen (6510), Dunkler
Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Belassen von Biotopbäumen
Belassen von starkem stehenden
oder liegenden Totholz
Einstellen der Entwässerung und
Einbeziehen in Regenwasserrück-
haltung durch zeitweise Überflutung
Aktive Erhaltung des Anteils lebens-
raumtypischer Hauptbaumarten
(Esche)
1,25
Erhaltung und Sicherung des günstigen Erhaltungszu-
standes, Sicherung der Artenvielfalt
Erlen-Eschen- und Weichholzauen-
wälder (91E0*)
*prioritärer Lebensraumtyp

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11
4. FAZIT
Durch Abstimmungen mit den Nutzern und deren mögliche Einbindung in bestehende
Förderprogramme wäre eine Grundsicherung des Gebietes perspektivisch erreicht. Agrar-
und Naturschutzförderprogramme sind jedoch hinsichtlich Laufzeit und Finanzausstattung
mittel- bis langfristig zur Sicherung des Gebietes nur bedingt geeignet. Weitere mittelbare
Gefahren im Rahmen der Gebietssicherung sind mögliche Nutzer- bzw. Eigentümerwech-
sel und im beschriebenen Gebiet am Südostrand der Stadt Leipzig die umfangreiche
Neuordnung der Verkehrsinfrastruktur.
Die folgenden Unterschutzstellungen von Flächen sind geplant:
o
FND 46 „Feuchtwiese an der Östlichen Rietzschke - Mölkau“
o
FND 48 „Bläulingswiesen am Vorholz“
o
LSG „Östliche Rietzschke - Zweinaundorf“ in Leipzig
o
Landschaftsschutzgebiet „Kolmberg“
Zur Koordination der Umsetzung der Maßnahmen zur Bewirtschaftung der Bläulingswie-
sen ist es sinnvoll, dass die Gebietsbetreuung in einer Hand beim Umweltfachbereich
Leipzig liegt. Eine weitere Beratung durch das Umweltforschungszentrum Halle-Leipzig
GmbH hinsichtlich Forschungsergebnissen zu den Bläulingsarten in Verbindung mit dem
Forschungsprojekt MacMan scheint insbesondere in Bezug auf das festgestellte Ver-
schwinden der Bläulingsart
Maculinea teleius
notwendig zu sein.
Auf die Öffentlichkeitsarbeit sollte ein besonderer Wert gelegt werden, um die Akzeptanz
des FFH-Gebietes zu fördern. Vertragliche Vereinbarungen mit den Nutzern der Bläu-
lingswiesen könnten Modellcharakter für FFH-verträgliche Landnutzungen haben und
sollten publiziert werden. Darüber hinaus sind die FFH-Gebietsteile insbesondere für die
Naherholung im Wohnumfeld attraktiv. Die entsprechende Einbeziehung muss sich in
einem naturverträglichen Rahmen bewegen, z. B. Natur- und Landschaftserleben von
bestehenden Wegen aus oder gezielte Führungen ins Gelände.
2007 wurden abstimmungsgemäß Anlagen zur Hochwasserrückhaltung im Bereich der
Weinteichsenke gebaut. Durch weitere Kontakte zwischen der Gebietsbetreuung und dem
Vorhabensträger müssen verbliebende Schwierigkeiten oder Funktionsstörungen mini-
miert bzw. ausgeräumt werden (Anlagenüberwachung).

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5. QUELLE
Der Managementplan für das FFH-Gebiet Nr. 233 wurde im Jahr 2004 im Original vom
Büro Kühfuss, LandschaftsArchitektur und Umweltplanung, aus Dresden erstellt. Bei Inte-
resse kann das Werk beim Regierungspräsidium Leipzig, Umweltfachbereich oder beim
Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie, Abteilung Natur, Landschaft, Boden
eingesehen werden.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arten