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Kurzfassung MaP 120 „Czorneboh und Hochstein“
1. GEBIETSCHARAKTERISTIK
Das SCI „Czorneboh und Hochstein“ liegt knapp zehn Kilometer südöstlich der Stadt Ka-
menz und umfasst eine Fläche von 665,4 ha. Der überwiegende Teil befindet sich im
Landkreis Bautzen und ein kleiner Teil im Landkreis Löbau-Zittau.
Naturräumlich ist das SCI zur Haupteinheit „Lausitzer Bergland“ zu rechnen. Dieses Berg-
land befindet sich am Westrand jenes Granit-Granodioritmassivs, das sich von der Elbe
bis in die Sudeten erstreckt, weshalb es auch als westlichster Teil der sudetischen Mittel-
gebirgsschwelle bezeichnet wird. Im Vergleich zu den anderen sächsischen Mittelgebir-
gen weist das Oberlausitzer Bergland mit durchschnittlich 400 bis 500 m ü. NN recht ge-
ringe Höhen auf. Das Untersuchungsgebiet selbst bildet den Nordabfall des Berglandes
und ist als prominenter Bergzug von Norden aus weit sichtbar. Das Lausitzer Bergland
gliedert sich in drei in Ost–West-Richtung verlaufende, überwiegend bewaldete Höhenzü-
ge, die durch breite Talwannen voneinander getrennt sind. Der nördliche Höhenzug wird
im Wesentlichen durch das Czornebohmassiv aufgebaut. Es überragt sein nördliches Vor-
land (Vorbergzone von Rachlau und Wuischke) sowie die Cunewälder Talwanne im Sü-
den um bis zu 250 m. Die Gipfelbereiche haben eine recht hohe Reliefenergie, so dass
sich Blockhalden und -meere ausbildet haben. Die Kammlagen des Massivs oberhalb 450
m ü. NN, zu denen die Berghöhen „Czorneboh“, „Steinberg“, „Hochstein“ und „Kuppritzer
Berg“ gehören, waren während der quartären Inlandvergletscherungen eisfrei und zeigen
dafür charakteristische morphologische Formen („Gipfelklippen“). Geologisch gehört das
Bergmassiv zur Lausitzer Granit-Granodioritplatte, die als größtes geschlossenes Gra-
nitoidareal Mitteleuropas zwischen Elbe und Neiße eine Fläche von ca. 80 x 40 km ein-
nimmt. Die Granodioritrücken werden von geringmächtigen Initialböden (Ranker) und auf
Verwitterungsdecken von Pseudogleyen bedeckt. Nördlich schließen sich über Lössbede-
ckungen fruchtbare Parabraunerden und Fahlerden an.
Der überwiegende Teil des SCI wird von Wald bzw. Forst eingenommen (92,2 %). Bei
den Waldflächen verteilen sich die Besitzberhältnisse wie folgt: Privatwald 31,7 %, Kör-
perschaftswald 68,2 % und Landeswald 0,1 %. Neben dem Wald ist nur noch Grünland
mit größerer Flächenausdehnung (7,0 %) vorhanden. Ausschließlich kleinflächig sind
Stillgewässer, Siedlung und Felsfluren vertreten.
Für das SCI „Czorneboh und Hochstein“ sind sieben Flächennaturdenkmale (FND) bzw.
Naturdenkmale (ND) eingetragen. Darüber hinaus ist es Teil des Landschaftsschutzgebie-
tes (LSG) „Oberlausitzer Bergland“ und befindet sich an dessen Nordrand.

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2.
ERFASSUNG UND BEWERTUNG
2.1. LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Als Ergebnis der Ersterfassung im Jahr 2004 wurden acht Lebensraumtypen (LRT) mit
einer Gesamtfläche von 77,3 ha (ca. 11,8 % der Gebietsfläche) kartiert (vgl. Tabelle 1).
Tabelle 1: Lebensraumtypen im SCI 120
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflä-
chen
Fläche
[ha]
Flächenan-
teil im SCI
6510 Flachland-Mähwiesen
2 0,9 0,1 %
8150 Silikatschutthalden
4 0,7 0,1 %
8220
Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
4
1,3
0,2 %
8230
Silikatfelskuppen mit Pioniervegetation
2
< 0,1
< 0,1 %
9110 Hainsimsen-Buchenwälder
19 42,9 6,5 %
9130 Waldmeister-Buchenwälder
4 28,7 4,3 %
9180*
Schlucht- und Hangmischwälder
2
1,7
0,3 %
91E0*
Erlen-Eschen- und Weichholzauen-
wälder
1 1,0 0,2 %
gesamt: 38 77,3 11,8 %
* prioritärer Lebensraumtyp
Der Lebensraumtyp Flachland-Mähwiesen (6510) ist im Gebiet nur kleinflächig auf fri-
schen, lehmigen, mesotrophen Standorten zu finden. Punktuell sind etwas feuchtere
Standorte eingeschlossen. Die kartierten Flächen werden extensiv genutzt bzw. im West-
teil des Gebietes möglicherweise nur sporadisch gemäht und nicht gedüngt. Die Wiesen
sind relativ artenreich und weisen teilweise starke Blühaspekte von Margerite (
Leu-
canthemum vulgare
) auf.
An den felsreichen Hängen befinden sich zahlreiche Silikatschutthalden (LRT 8150). Die
meisten von ihnen sind bereits stark bewaldet, nur wenige sind noch offen und weisen
eine spezialisiertere Vegetation auf. Stellenweise ist der Schutt noch in Bewegung und
völlig vegetationsfrei. Offene Silikatschutthalden treten im Gebiet mit einer Gesamtfläche
von 0,7 ha sowohl an Nord- als auch an Südhängen in Erscheinung. Die Felsblöcke sind
bis zu 1 m hoch, vereinzelt auch größer. Geröllschutt ist nur wenig vorhanden. Innerhalb
der Krautschicht kann nur Klebriges Greiskraut (
Senecio viscosus
) als typische Art der
Silikatschutthalden genannt werden. Sonst treten hier verstärkt verschiedene Farnarten in
Erscheinung. Die Krautschicht ist lückig entwickelt, und in vielen Bereichen wandern
Pflanzenarten ein, die auf eine zunehmende Eutrophierung der Standorte hinweisen. In-

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nerhalb der Krautschicht treten lichtliebende und trockenheitstolerante Moose in Erschei-
nung. An Flechten kommen mehrere Arten vor.
Der Lebensraumtyp Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation (8220) ist auf dem Kamm des
im Nordwesten des Gebiets liegenden Czorneboh-Höhenzugs verbreitet. Es handelt sich
dabei um mehrere Felsgruppen aus Granit bzw. Granodioritgestein, die mehrere Meter
aufragen und deren Wände meist nur spärlich mit Vegetation bewachsen sind (sog. „Gip-
felklippen“). Neben verschiedenen Gehölzen, die sich in den reichlich vorhandenen Fels-
spalten etablieren konnten, kommen auch Farnarten vor. Typische höhere Pflanzenarten
fehlen in der Krautschicht vollständig. Als für saure Felsstandorte typische Arten sind je-
doch verschiedene gesteinsbesiedelnde Moose sowie mehrere Blattflechtenarten zu fin-
den.
Nur sehr kleinflächig treten auf den Kuppen einiger Felsen Flechtengesellschaften auf, die
dem Lebensraumtyp Silikatfelskuppen mit Pioniervegetation (8230) zugeordnet werden
können. Derartige Kuppenstandorte sind eher trocken und besonnt, so dass sich Pionier-
vegetation halten kann. Diese wird hier überwiegend durch Flechtenrasen gebildet. Moo-
se treten nur spärlich auf.
Bestände des Lebensraumtyps Hainsimsen-Buchenwälder (9110) befinden sich im nord-
westlichen Gebietsteil vor allem im Bereich mehr oder weniger steiler, südexponierter
Hanglagen des Czorneboh-Höhenzugs. Je nach Hangneigung weisen die Flächen eine
geringe bis starke Blockbestreuung auf. Die Waldbestände sind hier von Natur aus arten-
arm und können pflanzensoziologisch dem Luzulo-Fagetum (Hainsimsen-Rotbuchenwald)
zugeordnet werden. Insgesamt wurden Bestände des LRT auf 42,9 ha Fläche kartiert. In
der Mehrzahl handelt es sich dabei um sehr kleinflächige Vorkommen. Nur zwei Flächen
erreichen eine Ausdehnung von über 5 ha.
Der Lebensraumtyp Waldmeister-Buchenwälder (9130) ist im nördlichen und östlichen
Teil des SCI im Bereich kühl-feuchter Nordhanglagen von Czorneboh und Hochstein auf
frischen und überdurchschnittlich nährstoffversorgten Standorten anzutreffen. In der
Baumschicht der Waldbestände ist der Berg-Ahorn regelmäßige Mischbaumart, seltener
auch die Gemeine Esche. Die Krautschicht ist artenreich und enthält eine Vielzahl an-
spruchsvoller Arten. Die Bestände können aus vegetationskundlicher Sicht dem Galio
odorati-Fagetum (Waldmeister-Rotbuchenwald) zugeordnet werden. Allerdings handelt es
sich dabei überwiegend um fragmentarische Ausbildungen dieser Gesellschaft, die An-
klänge zu bodensauren Buchenwäldern erkennen lassen.
Der prioritäre Lebensraumtyp Schlucht- und Hangmischwälder (9180*) findet sich relativ
kleinflächig im Bereich zweier südexponierter Blockhalden in Steilhanglagen ebenfalls am
Hochstein sowie westlich des Czorneboh. In der lichten Baumschicht der recht naturna-
hen Bestände dominieren Berg- und Spitz-Ahorn sowie Sommer- und Winter-Linde, letz-
tere häufig in mehrstämmigen Exemplaren. Die Rot-Buche tritt auf Grund der extrem star-
ken Blockbestreuung zurück und findet sich hauptsächlich randlich auf feinerdereicheren
Standorten. Eine Strauchschicht sowie Naturverjüngung der Gehölze fehlt in den Bestän-

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den weitgehend. Pflanzensoziologisch lassen sich diese Bestände dem Ahorn-Sommer-
linden-Blockhalden- bzw. Hangschuttwald zuordnen.
Der prioritäre Lebensraumtyp Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder (91E0*) konnte im
Bereich einer größeren Quellmulde mit mehreren Sickerquellen und Sickerwasserzügen
am Südwestrand des SCI als gut ausgeprägter Erlen-Quellwald kartiert werden. In der
Baumschicht des strukturreichen Bestandes dominiert die Schwarz-Erle, zumeist in mehr-
stämmigen Exemplaren. Darüber hinaus enthält die Baumschicht in nennenswerten Antei-
len auch die Moor-Birke und die allerdings gesellschaftsfremde Grau-Erle. In der artenrei-
chen Strauchschicht des Bestandes dominieren Gewöhnliche Traubenkirsche und Grau-
Weide. Die Krautschicht ist sehr gut entwickelt und beherbergt viele charakteristische Si-
ckerwasserzeiger.
Von den 38 Einzelflächen wurden bereits 37 mit einem günstigen Erhaltungszustand (B)
bewertet (vgl. Tabelle 2). Lediglich eine Fläche des LRT Silikatschutthalden (8150) muss-
te aufgrund von Beeinträchtigungen und des geringen Arteninventars als ungünstig (C)
bewertet werden.
Tabelle 2: Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SCI 120
Erhaltungszustand
A B C
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
6510 Flachland-Mähwiesen - - 2 0,9 - -
8150 Silikatschutthalden - - 3 0,6 1 < 0,1
8220
Silikatfelsen mit Felsspal-
tenvegetation
- - 4 1,3 - -
8230
Silikatfelskuppen mit Pio-
niervegetation
- - 2 < 0,1 - -
9110
Hainsimsen-Buchen-
wälder
- - 19 42,9 - -
9130
Waldmeister-Buchen-
wälder
- - 4 28,7 - -
9180*
Schlucht- und Hang-
mischwälder
- - 2 1,7 - -
91E0*
Erlen-Eschen- und Weich-
holzauenwälder
- - 1 1,0 - -
* prioritärer Lebensraumtyp

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Das SCI „Czorneboh und Hochstein“ stellt insgesamt ein letztes in der Region verbliebe-
nes, weitgehend unzerschnittenes großes Waldgebiet von großer Bedeutung dar. Weiter-
hin ist von einer Kohärenzfunktion des Gebiets mit anderen benachbarten SCI auszuge-
hen. Hierzu zählen die SCI „Buchenwaldgebiet Wilthen“ mit ausgedehnten Buchen- und
Buchen-Tannenwäldern, „Hohwald und Valtenberg“ mit naturnahen Laubmisch- und
Hangschuttwäldern sowie „Basalt- und Phonolitkuppen der östlichen Oberlausitz“ mit be-
sonders wertvollen mesophilen Buchenmischwäldern sowie Schlucht- und Hangschutt-
wäldern.
2.2. ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Im SCI wurden der Fischotter und zwei Fledermausarten nach Anhang II der FFH-
Richtlinie nachgewiesen (vgl. Tabelle 3).
Tabelle 3: Habitatflächen der Anhang II - Arten im SCI 120
Anhang II – Art
Name
Wissenschaftli-
cher Name
Anzahl der
Habitate im
Gebiet
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
Fischotter
Lutra lutra
1 4,9 0,7 %
Mopsfledermaus
Barbastella bar-
bastellus
1 646,9 97,3 %
Großes Mausohr
Myotis myotis
1 618,4 93,0 %
Dem Fischottervorkommen kommt eine hohe Bedeutung als relativ störungsarmes Teil-
habitat im Cunewalder Tal zu. Das SCI befindet sich zwar außerhalb des eigentlichen
Kerngebiets des Fischottervorkommens in der Oberlausitz, ist jedoch ein typischer, cha-
rakteristischer Ausschnitt des Oberlausitzer Berglandes, wo es eine ganze Reihe von
Nachweisen des Fischotters gibt. Gerade das am Südrand des SCI gelegene Cunewalder
Tal weist eine Vielzahl an kleineren Fischteichen auf (so wie auch im SCI selbst), so dass
der Fischotter hier eine recht gute Nahrungsgrundlage findet.
Die Mopsfledermaus ist eine Art, die verstärkt im Vorgebirgsland und in der Mittelgebirgs-
region (300-500 m ü. NN) Quartiere bezieht. Insofern ist das SCI ein charakteristisches
Vorkommensgebiet für diese vom Aussterben bedrohte Art. Insbesondere in der Lausitz
ist die Zahl der Artnachweise seit 1985 rückläufig. Es muss deshalb von einer sehr hohen
überregionalen Bedeutung der Vorkommen am Bergmassiv Czorneboh ausgegangen
werden.
Aus der Oberlausitz sind sieben Wochenstuben des Großen Mausohres bekannt. Die
wenige Kilometer vom SCI entfernte Wochenstube in der Ortschaft Sornßig gehört mit
300 bis 400 Tieren zu den größten in der Oberlausitz. Aufgrund der starken Gefährdung

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der Art ist von einer hohen Bedeutung des SCI als unzerschnittener strukturreicher und
störungsarmer Raum auszugehen. Das Vorkommen des Großen Mausohrs ist somit e-
benfalls von überregionaler Bedeutung.
Alle Habitatflächen befinden sich in einem sehr guten (A) oder guten (B) Erhaltungszu-
stand (vgl. Tabelle 4). Ausschlaggebend waren dafür die gut bis sehr gut bewerteten Ha-
bitatparameter sowie die allgemein geringe Beeinträchtigung der Habitatflächen.
Tabelle 4: Erhaltungszustand der Habitatflächen im SCI 120
Erhaltungszustand
Anhang II – Art
A B C
Name
Wissenschaftli-
cher Name
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
Fischotter
Lutra lutra
1 4,9 - - - -
Mopsfledermaus
Barbastella bar-
bastellus
- - 1 646,9 - -
Großes Mausohr
Myotis myotis
- - 1 618,4 - -
Bedeutende Kohärenzfunktionen bestehen bezüglich der Fledermausarten Großes Maus-
ohr und Mopsfledermaus vor allem mit den Teilflächen des SCI „Separate Fledermaus-
quartiere und -habitate in der Lausitz“, die teilweise in unmittelbarer Nähe des SCI „Czor-
neboh und Hochstein“ liegen. Insbesondere vom Großen Mausohr ist eine Nutzung von
Jagdgebieten in mehr als 10 km Entfernung bekannt. Jedoch nutzen die Tiere gleich nach
dem Ausflug nahe gelegene Jagdgebiete, in denen sie zunächst Nahrung erbeuten, um
danach in die weiter entfernten Habitate zu fliegen. Diese Funktion kommt dem Wald um
Czorneboh und Hochstein für das große Quartier in Sornßig zu. Auch für die Mopsfleder-
maus bildet das SCI einen sehr wichtigen Bestandteil im Habitatmosaik. Drei Kolonien
dieser Art in unmittelbarer Umgebung des SCI verdeutlichen die Bedeutung des unzer-
schnittenen Waldgebiets.
Auch für den Fischotter stellt das SCI „Czorneboh und Hochstein“ einen sehr wichtigen
Bestandteil im Habitatmosaik dar. Der Fischotter nutzt vermutlich das gesamte Gewäs-
sernetz der Umgebung. Das SCI stellt im Schutzgebietssystem NATURA 2000 ein Binde-
glied dar, das die Vernetzung der zu vermutenden Fischotterlebensräume in den benach-
barten SCI „Täler um Weißenberg“ sowie „Spreegebiet oberhalb Bautzen“ gewährleistet.

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3. MAßNAHMEN
3.1. MAßNAHMEN AUF GEBIETSEBENE
Von großer Bedeutung für das SCI ist die Vermeidung von Zerschneidungen des letzten
in der Region verbliebenen, weitgehend unzerschnittenen großen Waldgebietes. Grund-
sätzlich sollte deshalb kein Neubau von Abfuhrwegen erfolgen sowie eine Erweiterung
bestehender Abfuhrwege bei Instandsetzungsmaßnahmen auf das Nötigste beschränkt
werden.
Weiterhin steht im Wald die Erhaltung und zielgerichtete Entwicklung einer naturnahen
Baumartenzusammensetzung, Alters- und Raumstruktur der verschiedenartigen, mitein-
ander verzahnten Waldgesellschaften mit eingestreuten offenen Felsbereichen im Vor-
dergrund. Dies ist auch förderlich für den Erhalt der Jagdhabitate der Fledermäuse.
Eine mögliche Entwicklungsmaßnahme für das gesamte SCI wäre ein allmählicher Wald-
umbau des vorhandenen fichtendominierten Altersklassenwaldes in Richtung naturnähere
Baumartenzusammensetzung und Bestandesstruktur, wobei auf ausgewählten Entwick-
lungsflächen die Wiederherstellung von FFH-Lebensraumtypen angestrebt werden kann.
Dies würde sich zugleich positiv auf die im Gebiet jagenden Anhang II-Arten Mopsfleder-
maus und Großes Mausohr sowie zahlreiche weitere Besiedler naturnaher Wälder (z.B.
xylobionte Käfer) auswirken.
3.2. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Für die Flachland-Mähwiesen (LRT 6510) ist eine regelmäßige ein- bis zweischürige
Mahd vorgesehen. Grundsätzlich sollten die Wiesen am Czorneboh als Mähwiesen be-
wirtschaftet werden, mit einer ersten Mahd zwischen Ährenschieben und Beginn der Blüte
bestandsbildender Gräser. Die zweite Mahd sollte frühestens 40 Tage nach der ersten
erfolgen. Das Mähgut ist von der Fläche zu entfernen, am günstigsten ist hierbei eine
Heunutzung. Ausschließliches Mulchen darf nicht vorgenommen werden. Da es sich nicht
um Wirtschaftswiesen handelt, ist eine zusätzliche Gabe von Mineralien und Stickstoff
voraussichtlich nicht notwendig. Die Wiese am Forsthaus Wuischke im Norden des SCI
wird bereits einmal im Jahr gemäht und weist aktuell einen günstigen Erhaltungszustand
auf, so dass die bisherige Nutzung beibehalten werden sollte. Die Waldwiese im Westteil
des Gebietes benötigt eine regelmäßige Mahd, um den jetzigen Artenbestand zu erhalten
und weiter zu entwickeln.
Für die Silikatschutthalden (LRT 8150) wäre es förderlich, im Zuge der forstlichen Bewirt-
schaftung schrittweise beeinträchtigende Gehölze zu entnehmen. Insbesondere standort-
und gesellschaftsfremde Gehölze sind dabei zu berücksichtigen. Auf Aufforstungen soll
verzichtet werden.
Die Fels-LRT (8220 und 8230) sind nur untergeordnet durch Beschattung betroffen, da
die Vegetation hier vor allem auf den sowieso stärker beschatteten Standorten vorkommt
und die besonnten Felswände kaum durch größere Bäume beschattet werden. Dennoch

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sollte langfristig auf das Freistellen der Felswände geachtet werden. Dazu sind einzelne
Bäume im Reifestadium zu entnehmen, um eine punktuelle bessere Besonnung der Fel-
sen zu erreichen. Das ist insbesondere bei der Felsgruppe am Döhlener Berg im Nord-
westen des SCI anzustreben.
Die Bestände der Buchenwälder (LRT 9110 und 9130) lassen eine sehr gute Naturverjün-
gung erkennen. Die Rot-Buche verfügt über eine hohe Kronenflexibilität, so dass damit
der Buchen-Anteil gegenüber Nebenbaumarten im Allgemeinen auch zukünftig gesichert
ist. Im Zentrum einzelflächenspezifischer Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen ste-
hen der Erhalt bzw. die Entwicklung naturnaher Waldstrukturen insbesondere von Biotop-
bäumen und Totholz, als essentielle Grundlagen für ein artenreiches, lebensraumtypi-
sches Waldökosystem. Auf den Flächen soll der Erntezeitraum verlängert werden und der
Technikeinsatz reduziert.
Wie bei den letztgenannten LRT steht die Erhaltung angemessener Anteile von Totholz
und Biotopbäumen hinsichtlich der Maßnahmen für den prioritären Lebensraumtyp
Schlucht- und Hangmischwälder (9180*) ebenfalls im Vordergrund. Als mögliche Entwick-
lungsmaßnahme wird für die schwer zu bewirtschaftenden Blockschuttwälder in Steil-
hanglagen ein Nutzungsverzicht vorgeschlagen. Im Zuge der natürlichen Sukzession
kann so die Bestandsstruktur weiter verbessert werden. Eine dauerhafte Bestockung der
Flächen ist zu sichern. Dabei sind Pionierbaumarten zu fördern.
Neben der Erhaltung eines angemessenen Anteils an Totholz und Biotopbäumen liegt der
Schwerpunkt der Erhaltungsmaßnahmen im Erlen-Quellwald (LRT 91E0*) auf der Redu-
zierung des Anteils der gesellschaftsfremden Grau-Erle. Sie besitzt mit aktuell 20 % De-
ckung bereits einen so hohen Anteil, dass das Artenspektrum der Hauptschicht nur noch
mit „schlecht“ bewertet werden konnte. Insbesondere auf Grund der Verjüngungsfreudig-
keit der Art, die – im Gegensatz zur heimischen Schwarz-Erle – über die Fähigkeit zur
Ausbreitung durch Wurzelbrut verfügt, stellt das Grau-Erlen-Vorkommen für die Bewah-
rung eines günstigen Erhaltungszustandes des LRT eine Gefahr dar.
Für alle Wald-LRT gilt, dass der Wildverbiss reduziert werden soll und nur ein boden-
schonendes Maß an Befahren zugelassen werden kann. Der Ausbau des Wegenetzes ist
zu unterlassen.
3.3. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF ARTEN NACH ANHANG II
Bei Beibehaltung der aktuellen Nutzung sind keine Maßnahmen für den Fischotter erfor-
derlich. Von Bedeutung für die Akzeptanz des Fischotters bei den Teichpächtern ist die
Zahlung von Entschädigungen für die Verluste an Fischen.
Für die Mopsfledermaus sind die Wochenstuben außerhalb des SCI weiterhin zu sichern.
Konkrete Maßnahmen sind hierfür nicht notwendig. Insgesamt von Bedeutung ist der Er-
halt naturnaher Waldbestände im SCI, vor allem der Laubholzbestände, wobei im Ver-
gleich zum aktuellen Zustand die Totholzanteile erhöht werden sollten.

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Von großer Bedeutung für das Große Mausohr ist die Sicherung der Wochenstube in der
Ortschaft Sornßig außerhalb des SCI. Zur Schaffung geeigneter Jagdhabitate ist ein Um-
bau der Fichtenforste in naturnahe Wälder vorgesehen.

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Tabelle 5: Erhaltungsmaßnahmen im SCI 120
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Extensive Grünlandbewirtschaftung
0,9
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes
Flachland-Mähwiesen (6510)
Auslichten der Verbuschung
0,7
Sicherung des Bestandes der lebensraumtypischen Flora
Silikatschutthalden (8150)
Freistellen von Felsen
0,6
Sicherung des Bestandes der typischen Flora
Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
(8220), Silikatfelskuppen mit Pionier-
vegetation (8230)
Naturnahe Waldbewirtschaftung
(Totholz fördern, lebensraum-
typischen Baumarten und Biotop-
bäumen bewahren, gesellschafts-
fremde Baumarten entfernen)
50,5
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes, Erhalt und
Sicherung der Habitate
Hainsimsen-Buchenwälder (9110),
Waldmeister-Buchenwälder (9130),
Schlucht- und Hangmischwälder
(9180*), Erlen-Eschen- und Weich-
holzauenwälder (91E0*), Mopsfleder-
maus, Großes Mausohr
* prioritärer Lebensraumtyp

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4. FAZIT
Grundsätzlich finden die geplanten Maßnahmen von den Bewirtschaftern der Waldflä-
chen Zustimmung. Die Nutzer verweisen jedoch auf die Notwendigkeit einer finanziel-
len Förderung für die Umsetzung der Maßnahmen Freistellen von Felsen, Entnahme
von gebietsfremden Baumarten auf Blockhalden sowie Regulierung der Grauerle hin.
Ein Konfliktpotenzial stellt die generelle Ablehnung von Entwicklungsmaßnahmen sei-
tens eines Forstbetriebes dar. Zudem konnten einige Erhaltungsmaßnahmen auf Pri-
vatwaldflächen nicht abgestimmt werden, da die Nutzer zum Abstimmungstermin nicht
erschienen sind.
Die geplante Erhaltungsmaßnahme für die Waldwiese am westlichen Rand des FFH-
Gebietes kann der kommunale Eigentümer mit geförderten Arbeitskräften der Bundes-
agentur für Arbeit umsetzen.
5. QUELLE
Der Managementplan für das Gebiet Nr. 120 wurde im Original von Büchner & Scholz
(Büro für ökologische Studien, Naturschutzstrategien und Landschaftsplanung), Sing-
witz, erstellt und kann bei Interesse beim Regierungspräsidium Dresden, Umweltfach-
bereich, Außenstelle Bautzen, oder dem Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geo-
logie eingesehen werden.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arten