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Postfach 54 01 37, 01311 Dresden
Internet:
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Bürgerbeauftragte:
Frau Karin Bernhardt
E-Mail:
karin.bernhardt@smul.sachsen.de
Tel.:
0351 2612-9002; Fax: 0351 2612-1099
Bearbeitungsstand:
20.11.2008
Kurzfassung MaP 85E „Seidewitztal und
Börnersdorfer Bach“
1. Gebietscharakteristik
Das FFH-Gebiet (SAC) „Seidewitztal und Börnersdorfer Bach“ befindet sich im Landkreis Sächsi-
sche Schweiz-Osterzgebirge, wo es linkselbisch in der Nordabdachung des Osterzgebirges liegt.
Es verläuft entlang von Seidewitz und Börnersdorfer Bach vom Oberlauf ab Höhe Hennersdorf bis
zum Eulengrund in Zehista. Das Gesamtgebiet ist in 5 Teilflächen untergliedert (Eulengrund, Unte-
res Seidewitztal, Börnersdorfer Bach, Oberes Seidewitztal und Liebstadt West), die sich über die
Gemeinden Pirna, Dohna, Müglitztal, Bahretal, Liebstadt und Bad Gottleuba erstrecken und eine
Fläche von 696 ha umfassen.
Kennzeichnend für das SAC ist das strukturreiche Seidewitztal (Kerbsohlental) mit seinen bewalde-
ten Talhängen, Felsbereichen und Blockhalden, verschiedenen Grünlandgesellschaften sowie na-
turnahen Fließgewässerabschnitten. Im Gebiet kommen orchideenreiche Laubwaldbestände, Kalk-
felsspalten-Gesellschaften und Felsrasen in für Sachsen einmaliger Ausbildungsform vor. Ebenso
besonders ist die artenreiche Moos- und Flechtenflora und ein Vorkommen der seltenen Kalktuff-
Quellen.
Im SAC hat die Seidewitz im Bereich des Elbtalschiefergebirges ein Kerbtal von bis zu 80 m Tiefe in
eine Hochfläche geschnitten. Zahlreiche Erosionen führten zur Freilage steiler und schroffer Fels-
bildungen, die mit sanfteren und breiteren Talabschnitten abwechseln. Die Bodenbildungen sind je
nach Ausgangsgestein sehr vielfältig und reichen von Rohböden, unterschiedlichen Braunerden bis
zu Gleyböden der Bachauen. Im Oberlauf der Seidewitz herrschen fruchtbare Böden mit bis zu
50 cm tiefer Verlehmungszone vor.
Klimatisch gehört der größte Teil des FFH-Gebietes der Klimastufe Unterer Berglagen und des
Hügellandes an, welche sich durch ein feuchtes bis mäßig trockenes Klima auszeichnet. Charakte-
ristisch sind Jahresniederschläge bis zu 500 mm.
Der mit ca. 70 % (486 ha) größte Biotopanteil des FFH-Gebietes entfällt auf Wald, welcher sich
hauptsächlich an den Steilhängen der Seidewitz und in den Seitentälern befindet. Etwa 21 % (143
ha) der Fläche des FFH-Gebietes sind Grünland.
Die Waldflächen befinden sich zu 85% in Privathand.
Nach Naturschutzrecht sind im Gebiet folgende Kategorien vorhanden: Naturschutzgebiet (NSG)
"Mittleres Seidewitztal“ (187 ha) und Landschaftsschutzgebiet (LSG) "Unteres Osterzgebirge"
(16.050 ha) sowie 4 Flächennaturdenkmale (FND, insgesamt 7,3 ha). Das FFH-Gebiet ist Teil des
EU-Vogelschutzgebiet (SPA) "Osterzgebirgstäler", welches insgesamt eine Größe von 4.894 ha
umfasst.

2
2.
Erfassung und Bewertung
2.1
LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Im SAC wurden 15 Lebensraumtypen (LRT) mit einer Gesamtfläche von 98,9 ha kartiert (vgl. Ta-
belle 1). Hinzu kommen Entwicklungsflächen für die LRT 6510 (11,1 ha), 6520 (1,5 ha) und 9110
(4,6 ha). Die LRT 6110, 8230 und 9150, die im Standarddatenbogen angegeben waren, konnten
nicht nachgewiesen werden.
Tabelle 1:
Lebensraumtypen im SAC 85E
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflächen
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SAC [%]
3260
Fließgewässer mit Unterwasservegetation
2
1,0
0,2
6210
Kalk-Trockenrasen
3
0,7
0,1
6430
Feuchte Hochstaudenfluren
5
1,4
0,2
6510
Flachland-Mähwiesen
31
26,7
3,8
6520
Berg-Mähwiesen
2
1,2
0,2
7220*
Kalktuff-Quellen
1
<0,1
<0,1
8150
Silikatschutthalden
5
0,4
<0,1
8160
Kalkschutthalden
1
<0,1
<0,1
8210
Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
4
0,2
<0,1
8220
Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
6
0,7
0,1
9110
Hainsimsen-Buchenwälder
13
31,5
4,5
9130
Waldmeister-Buchenwälder
1
0,4
<0,1
9170
Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
20
24,0
3,5
9180*
Schlucht- und Hangmischwälder
11
6,5
0,9
91E0*
Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder
11
4,1
0,6
Summe
116
99,2
14,6
*prioritärer Lebensraumtyp
Dem LRT Fließgewässer mit Unterwasservegetation (3260) wurde die Seidewitz oberhalb des
Rückhaltebeckens Liebstadt und der Börnersdorfer Bach zugeordnet. Beide Fließgewässer sind
naturnah ausgeprägt mit hoher Dynamik der Strukturen von Ufer, Sohle und Substrat. Flutende
Wasserpflanzen treten nur mit geringen Individuendichten auf. Regelmäßig kommen Gewöhnliches
Quellmoos (
Fontinalis antipyretica
) und das
Ufer-Schnabeldeckelmoos
(
Plathypnidium riparioides
)
vor. Am Ufer des Börnersdorfer Baches beginnt sich das Drüsige Springkraut (
Impatiens glandulife-
ra)
auszubreiten.
Der LRT Kalk-Trockenrasen (6210) ist vor allem im Eulengrund bei Zehista ausgebildet. Alle drei
Einzelflächen sind jedoch durch Verbuschung mehr oder weniger degeneriert. Große Bereiche
wurden bereits entbuscht, so dass bei entsprechender Pflege eine Regeneration zu artenreichen
Beständen möglich ist. Als floristische Besonderheiten kommen u.a.
Stängellose Kratzdistel (
Cirsi-
um acaule
),
Herbstzeitlose (
Colchicum autumnale),
Dornige Hauhechel
(Ononis spinosa)
,
Schopfi-
ge Kreuzblume
(
Polygala comosa
),
Echte Schlüsselblume (
Primula veris
), Kleiner Wiesenknopf
(
Sanguisorba minor
) und
Bunte Kronwicke (
Securigera varia
) vor. Starke Defizite bestehen auf-

3
grund der bisherigen Pflege, wodurch die Sicherung des Erhaltungszustandes gefährdet ist. Der
LRT ist durch seine trocken-warmen und konkurrenzschwachen Standortbedingungen von sehr
großer landesweiter Bedeutung.
Alle fünf Flächen des LRT Feuchte Hochstaudenfluren (6430) sind bachbegleitend an der Seidewitz
zu finden. Die Vegetation zeigt eine charakteristische Artenzusammensetzung ohne floristische
Besonderheiten. Der Neophyt
Riesen-Bärenklau
(
Heracleum mantegazzianum
) tritt als Störungs-
zeiger auf.
Den größten Flächenanteil im FFH-Gebiet nimmt der LRT Flachland-Mähwiesen (6510) mit 31 Ein-
zelflächen auf 26,7 ha ein. Die meisten Bestände liegen bei Nentmannsdorf, Seidewitztal und Lieb-
stadt. Die Wiesen sind einerseits durch (schwach) wärmebegünstigte Ausbildungen auf den Süd-
hängen nördlich von Liebstadt und andererseits durch Übergänge zu den Bergwiesen auf den
Nordhängen und in den schattigen Tälern südlich von Liebstadt gekennzeichnet.. Als floristische
Besonderheiten sind Große Sterndolde (
Astrantia major
), Heil-Ziest (
Betonica officinalis
), Herbst-
Zeitlose (
Colchicum autumnale
), Raue Nelke (
Dianthus armeria
), Stattliches Knabenkraut (
Orchis
mascula
), Echte Schlüsselblume (
Primula veris
), Platanenblättriger Hahnenfuß (
Ranunculus plata-
nifolius
), Bunte Kronenwicke (
Segurigera varia
) und Trollblume (
Trollius europaeus
) hervorzuhe-
ben. Mehrfach ist auf den Einzelflächen ein deutlicher Nährstoffgradient vom schmalen, mageren
und artenreichen Rand zum großflächig vorherrschenden, normal (bis mäßig fett) strukturierten und
relativ artenarmen Hauptbestand festzustellen. Acht LRT-Flächen befinden sich in einem ungünsti-
gen Erhaltungszustand, der neben Defiziten in der Struktur und im Arteninventar durch starke Be-
einträchtigungen verursacht wird, die insbesondere auf unzureichende Pflege bzw. Nutzung zu-
rückzuführen sind.
Nur zwei Flächen gehören zum LRT Berg-Mähwiesen (6520) . Beide Bestände kennzeichnet ein
schwacher bis mäßiger Bodenfeuchteeinfluss und ein Reichtum an Kennarten. Floristische Beson-
derheiten sind Große Sterndolde (
Astrantia major
), Trollblume (
Trollius europaeus
) und Heil-Ziest
(
Betonica officinalis
).
Der prioritäre LRT Kalktuffquellen (7220*) ist einzig im alten Kalkbruch Seidewitztal ausgebildet. Im
unteren Bereich einer überhängenden Felswand hat ein mäßiger Quellaustritt von kalkhaltigem
Wasser eine kleinflächige Kalksinterbildung und die Ansiedlung von Kalkmoosen ermöglicht. Von
den lebensraumtypischen Arten ist nur das Kalkmoos (
Cratoneuron filicinum
) vertreten. Eine floris-
tische Besonderheit ist das Krummschnäbelige Deckelsäulchenmoos (
Hymenostylium recuvirost-
re
). Kalktuffquellen sind in Sachsen aus geologischen Gründen von Natur aus sehr selten und stel-
len deshalb eine große Besonderheit dar.
Die fünf Flächen des LRT Silikatschutthalden (8150) erstrecken sich entlang eines westexponierten
Felsabschnittes im Seidewitztal an der Bastei Herbergen. Die Bebuschung sowie der Bewuchs mit
anderen höheren Pflanzen sind meist nur gering entwickelt, der Steinschutt ist noch in Bewegung.
Zwei LRT-Flächen befinden sich aufgrund starker Beschattung in einem ungünstigen Erhaltungszu-
stand. Es mangelt zudem an lebensraumtypischen Blühpflanzen.
Die einzige Fläche des LRT Kalkhaltige Schutthalden (8160*) befindet sich im alten Kalkbruch Sei-
dewitztal an einem westexponierten Hang und besteht aus kleinkörnigem Schutt kalkhaltiger Ton-
schiefer. Trotz kürzlich erfolgter Entbuschung hat der schnell wachsende Stockausschlag die Flä-
che wieder verbuscht. An der Oberhangkante gelagertes Mähgut bewirkt zudem eine Eutrophie-
rung. Nur wenige lebensraumtypische Arten sind vorhanden.
Der LRT Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation (8210) ist auf insgesamt 4 Flächen im Biensdorfer
Tälchen und im Kalkbruch Seidewitztal zu finden. Der geologische Untergrund besteht aus kalkhal-
tigem Tonschiefer. Die Bebuschung und Beschattung ist auf allen Felsen eine mehr oder weniger
deutliche Beeinträchtigung, wodurch zwei Flächen sich ein einem ungünstigen Erhaltungszustand
befinden. Floristische Besonderheiten für diesen LRT sind Nördlicher Streifenfarn (
Asplenium sep-
tentrionale
), Braunstieliger Streifenfarn (
Asplenium trichomanes
), Schwärzender Geißklee (
Cytisus
nigricans
), Großblütiger Fingerhut (
Digitalis grandiflora
) und Leberblümchen (
Hepatica nobilis
).
Alle sechs Flächen des LRT Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation (8220) sind von Wald umge-
ben. Die Silikatfelsen sind entweder steilwandig oder reich gegliedert ausgebildet und mäßig stark
bebuscht. Störungs- und Nährstoffzeiger sind selten. Als floristische Besonderheiten sind Nördli-
cher Streifenfarn (
Asplenium septentrionale
), Braunstieliger Streifenfarn (
Asplenium trichomanes
),
Schwärzender Geißklee (
Cytisus nigricans
), Großblütiger Fingerhut (
Digitalis grandiflora
), Blasser
Schaf-Schwingel (
Festuca pallens
), Gemeiner Wacholder (
Juniperus communis
), Blasses Ha-
bichtskraut (
Hieracium schmidtii
),
Hieracium saxifragum
, Duftende Weißwurz (
Polygonatum odora-
tum
) und Eibe (
Taxus baccata
) hervorzuheben.

4
Die Flächen des LRT Hainsimsen-Buchenwälder (9110) nehmen den größten Flächenanteil aller
Wald-LRT im FFH-Gebiet ein (13 Flächen auf 31,6 ha). Die Vorkommen konzentrieren sich auf den
südlichen Bereich des Unteren Seidewitztales sowie auf das obere Seidewitztal. Sie stocken auf
frischen bis trockenen Steilhangstandorten mittlerer Trophie. Die Wälder stellen sich sowohl struk-
turell als auch hinsichtlich der Artausstattung sehr differenziert dar. Als Hauptbaumart findet sich
die Rotbuche oder die Traubeneiche. Die mit nennenswertem Anteil auftretenden Mischbaumarten
Hainbuche, Gemeine Birke und Gemeine Fichte erhöhen den Artenreichtum der Buchenwälder. Die
Bestände sind überwiegend mehrschichtig aufgebaut. Mit hoher Stetigkeit und Dominanz sind in
der Bodenvegetation nur die Draht-Schmiele (
Deschampsia flexuosa
), die Schmalblättrige
Hainsimse (
Luzula luzuloides
) und das Wald-Reitgras (
Calamagrostis arundinacea
) zu finden. Alle
Flächen des LRT 9110 befinden sich in einem günstigen Erhaltungszustand. 38 % der Flächen
weisen einen ausreichenden oder sogar hohen Vorrat an Totholz auf. Die Anzahl der Biotopbäume
ist jedoch bis auf eine Fläche stets zu gering für einen guten Erhaltungszustand.
Der LRT Waldmeister-Buchenwälder (9130) ist im Gebiet nur mit einer Fläche vertreten. Es handelt
sich um einen Buchen-Reinbestandin gutem Erhaltungszustand, in dem zu 10% Esche beigemischt
ist. Eine weitere Schicht ist nicht ausgebildet, da sich der Bestand noch im Stangenholz befindet.
Starkes Totholz und Biotopbäume sind aus diesem Grund ebenfalls nicht vorhanden. Eine Kraut-
schicht ist kaum entwickelt.
Die meisten der 20 Einzelflächen des LRT Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder (9170) befinden
sich im Unteren Seidewitztal. Die Bestände stocken auf teilweise sehr stark von Blöcken und
Hangschutt überlagerten Standorten mit mittlerer bis kräftiger Trophie. Sie sind bis auf wenige Aus-
nahmen durch eine sehr typische Baumartenzusammensetzung gekennzeichnet. Auf allen Flächen
dominieren die Hauptbaumarten Traubeneiche, Hainbuche und Winterlinde in der Hauptschicht mit
einem Anteil von mindestens 80 % deutlich. Alle LRT-Flächen weisen mindestens eine weitere
Schicht auf. Die Bodenvegetation setzte sich überwiegend aus lebensraumtypischen Arten zusam-
men und weist oft Anklänge an die Hangschuttwäldern des LRT 9180* auf. Fast alle Bestände be-
finden sich in einem guten Erhaltungszustand. Nur eine Fläche weist aufgrund mangelhaft ausge-
bildeter Strukturen und dem flächigen Vorkommen des Schwarzen Holunders (
Sambucus nigra
)
einen ungünstigen Erhaltungszustand auf.
Von den 11 Flächen des prioritären LRT Schlucht- und Hangmischwälder (9180*) gehören neun
den „Schluchtwäldern feucht-kühler Standorte“ (Ausbildung 1), zwei den „Hangschuttwäldern tro-
cken-warmer Standorte“ (Ausbildung 2) an. Die Schlucht- und Hangmischwälder finden ihre Haupt-
verbreitung entlang von Fließgewässern in den Seitentälern und tieferen Hangmulden an den Sei-
dewitzhängen zwischen Oberseidewitz und Seitenhain sowie in einem schluchtartigen Seitentäl-
chen des Börnersdorfer Baches. Die mit Ausnahme einer Fläche mehrschichtig aufgebauten Be-
stände zeigen eine deutliche Dominanz von Gemeiner Esche, Bergahorn und Winterlinde. Hinzu
treten insbesondere Hainbuche, Spitzahorn und vereinzelt Bergulme. In den Schluchtwäldern
feucht-kühler Standorte ist das lebensraumtypische Arteninventar reicher vertreten als in den
Hangschuttwäldern trocken-warmer Standorte. An floristischen Besonderheiten sind in Ausbildung
1 Christophskraut (
Actaea spicata
) und Wald-Sanikel (
Sanicula europaea
), in Ausbildung 2 Weiße
Schwalbenwurz (
Vincetoxicum hirundinaria
) hervorzuheben. Alle Bestände befinden sich in einem
günstigen Erhaltungszustand. Defizite bestehen hinsichtlich der strukturellen Ausstattung: Totholz
und Biotopbäume sind zwar häufig vohanden, jedoch in zu geringen Stärken.
Die 11 Flächen des prioritären LRT Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder (91E0*) siedeln meist
galeriewaldartig beiderseits schnellfließender, sauerstoffreicher Bäche. Der Verbreitungsschwer-
punkt befindet sich im zentralen Teil des SAC, wo besonders viele kleine Seitentälchen der Seide-
witz vorkommen. Die beiden namensgebenden Hauptbaumarten Schwarzerle und Gemeine Esche
treten stets zusammen auf . Überwiegend sind die Bestände mehrschichtig bestehend aus Berg-
ahorn (
Acer pseudoplatanus)
, Schwarzem Holunder (
Sambucus nigra
), Hasel (
Corylus avellana)
und Weißdorn (
Crataegus
spec.) aufgebaut. In der stets gut entwickelten Krautschicht sind viele
lebensraumtypische Arten vertreten.

5
Tabelle 2:
Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SAC 85E
Lebensraumtyp (LRT)
Erhaltungszustand
A
B
C
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
3260
Fließgewässer mit
Unterwasservegetation
-
-
2
1,0
-
-
6210
Kalk-Trockenrasen
-
-
2
<0,1
1
0,6
6430
Feuchte
Hochstaudenfluren
-
-
5
1,4
-
-
6510
Flachland-Mähwiesen
1
1,2
22
22,5
8
3,1
6520
Berg-Mähwiesen
-
-
2
1,2
-
-
7220*
Kalktuff-Quellen
-
-
1
<0,1
-
-
8150
Silikatschutthalden
-
-
3
0,3
2
0,1
8160
Kalkschutthalden
-
-
1
<0,1
-
-
8210
Kalkfelsen mit
Felsspaltenvegetation
-
-
2
<0,1
2
0,2
8220
Silikatfelsen mit
Felsspaltenvegetation
-
-
6
0,7
-
-
9110
Hainsimsen-
Buchenwälder
-
-
13
31,5
-
-
9130
Waldmeister-
Buchenwälder
-
-
1
0,4
-
-
9170
Labkraut-Eichen-
Hainbuchenwälder
-
-
19
22,8
1
1,2
9180*
Schlucht- und
Hangmischwälder
-
-
11
6,5
-
-
91E0*
Erlen-Eschen- und
Weichholzauenwälder
-
-
11
4,1
-
-
*prioritärer Lebensraumtyp

6
2.2
ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Im FFH-Gebiet „Seidewitztal und Börnersdorfer Bach“ konnten für 8 Arten des Anhang II der FFH-
Richtlinie Habitate abgegrenzt werden (vgl. Tabelle 3).
Tabelle 3:
Habitatflächen der Anhang II - Arten im SAC 85E
Anhang II – Art
Anzahl der
Habitate im
Gebiet
Fläche
[ha]
Flächen-
anteil im
SAC [%]
Name
Wissenschaftlicher Name
Fischotter
Lutra lutra
5
5,0
0,7
Großes Mausohr
Myotis myotis
2
599,3
86,1
Bechsteinfledermaus
Myotis bechsteinii
1
<0,1
<0,1
Mopsfledermaus
Barbastella barbastellus
1
599,3
86,1
Kleine Hufeisennase
Rhinolophus hipposideros
6
499,2
71,7
Kammmolch
Triturus cristatus
3
20,0
2,9
Groppe
Cottus gobio
5
5,1
0,7
Spanische Flagge
Euplagia quadripunctaria
6
2,0
0,3
Das SAC stellt für den Fischotter (
Lutra lutra
) einen Wanderkorridor dar. Hinweise auf Reproduktion
im Gebiet wurden in den letzten 5 Jahren nicht erbracht. Die Tiere wandern sporadisch aus den
Vorkommensgebieten in der Lausitz und der Sächsischen Schweiz über das Elbtal in das Seide-
witztal ein und streben gewässeraufwärts. Die Habitatflächen befinden sich in einem günstiger Er-
haltungszustand, jedoch wird die Bedeutung der Seidewitz für den Fischotter durch die geringe
Wasserkörpergröße, die geringe Wasserführung als auch die fehlende Kommunikation mit anderen
Gewässern eingeschränkt.
Präsenznachweise des Großen Mausohrs (
Myotis myotis
) konnten in Form von 16 Detektorbele-
gen, durch den Fang von 11 Tieren sowie den Nachweis eines Tieres im Winterquartier erbracht
werden. Durch den Fang eines juvenilen Weibchens und von 2 Weibchen mit vergrößerten Milch-
zitzen liegt auch ein Reproduktionsnachweis für das SAC vor. Für die Art wurde eine Komplexflä-
che bestehend aus 5 Teilflächen als Jagdhabitat ausgewiesen. Aufgrund der sehr guten Ausstat-
tung mit quartierhöffigen Altholzbeständen und unterwuchsarmen Beständen befindet sie sich in
einem hervorragenden Erhaltungszustand. Der Zustand des Winterquartiers im Stollen am Auto-
haus ist hingegen wegen seiner geringen räumlichen Ausdehnung und der damit verbundenen
ungünstigen mikroklimatischen Bedingungen als schlecht einzustufen.
Das Vorkommen der Bechsteinfledermaus (
Myotis bechsteinii
) ist durch 4 Detektorbelegen und
dem Fang von einem adulten Männchen belegt. Im Dürrleitengrund konnte ein Spaltenquartier, in
einem Betonstrommast in Nentmannsdorf ein weiteres Quartier gefunden werden. Das aus einer
Teilfläche bestehende Jagdhabitat befindet sich aufgrund der sehr guten Ausstattung mit Laub- und
Laubmischwaldbeständen sowie einem hohen Anteil quartierhöffiger Bestände in einem hervorra-
genden Erhaltungszustand.
Die Präsenz der Mopsfledermaus (
Barbastella barbastellus
) ist durch 29 Detektornachweise sowie
7 Netzfänge an 5 verschiedenen Standorten belegt. Anhand von 4 Weibchen mit Reproduktions-
merkmalen sowie 2 Jungtieren konnte ein sicherer Reproduktionsbeleg erbracht werden. Die hohe
Nachweisdichte ließ auf die Existenz von Wochenstubenquartieren schließen, welche durch die
telemetrische Verfolgung von 2 gefangenen laktierenden Weibchen bestätigt werden konnte. Ins-
gesamt konnten 4 Gebäudequartiere und 4 Baumquartiere genau lokalisiert werden. Weiterhin
wurden aufgrund von Kreuzpeilungen mindestens 2 weitere Baumquartiere bekannt, deren genaue
Standorte aber nicht bestimmt werden konnten.
Der Erhaltungszustand der aus 5 Teilflächen bestehenden Jagdhabitatkomplexfläche ist aufgrund
der sehr guten Ausstattung mit Laub- und Laubmischwaldbeständen sowie einem hohen Anteil
quartierhöffiger Altholzbestände als hervorragend einzustufen.
Das Kalkwerk Nentmannsdorf wird regelmäßig und sehr intensiv von der Kleinen Hufeisennase
(
Rhinolophus hipposideros
) als Winterquarter genutzt. Aufgrund der hohen Rufaktivität und der

7
nahezu durchgängigen Aufzeichnung von Hufeisennasenrufen während der Laufzeit der Horchbo-
xen, kann auf einen Individuenbestand > 70 Tiere geschlossen werden, so dass das Kalkwerk
Nentmannsdorf zu den zwei größten bekannten Winterquartieren der Art in Sachsen gehört. Je-
doch bestehen erhebliche Beeinträchtigungen des Quartiers insbesondere durch eine ungenügen-
de Sicherung des Eingangs und Befahrungen des Quartiers während des Winterhalbjahres. Der
Stollen am Autohaus Nentmannsdorf ist hingegen wegen seiner geringen räumlichen Ausdehnung
und der damit verbundenen ungünstigen mikroklimatischen Bedingungen nur schlecht als Winter-
quartier geeignet. Als Jagdhabitate konnten für die Kleine Hufeisennase im Gebiet 4 Flächen abge-
grenzt werden, die sich aufgrund des hohen Anteils an gehölzbestockter und laubholzdominierter
Fläche in einem sehr guten Erhaltungszustand befinden.
Der Kammmolch wurde innerhalb des FFH-Gebietes in 3 Gewässern nachgewiesen, welche als
Habitatflächen abgegrenzt wurden. Die Teiche im Kanitzgrund sowie der Schilfteich Biensdorf sind
individuenreiche Laichplätze mit vermutlich in Verbindung stehenden Teilpopulationen. Der Erhal-
tungszustand ist als günstig einzustufen. Der Teich im Feldgehölz Laurich hingegen, in dem nur der
Einzelfund eines Kammmolchs gelang, ist aufgrund des hohen Fischbesatzes nur noch bedingt als
Habitat für den Kammmolch geeignet und befindet sich in einem ungünstigen Erhaltungszustand.
Außerhalb des FFH-Gebietes lassen sich 4 weitere direkt angrenzende Gewässer als Habitate
abgrenzen.
Bei Probebefischungen der Seidewitz und des Börnersdorfer Bachs konnten insgesamt 232
Exemplare der Groppe gefangen werden. Sowohl der Erhaltungszustand der 5 Hin der Seidewitz
als auch dem Börnersdorfer Bach Gesamtvorrat an Habitaten für die Groppe im SAC sind als her-
vorragende einzustufen. Vor dem Hochwasser 2002 befanden sich zahlreiche Wehre/Staue in den
Bächen, die jetzt zurückgebaut bzw. durchgängig gestaltet wurden.
Die Spanische Flagge (
Euplagia quadripunctaria
) wurde im Seidewitztal im mittleren Abschnitt von
einem Bereich südlich der neuen Autobahnbrücke bis zu einem Talbereich südlich der Schne-
ckenmühle bei Seitenhain festgestellt. Aufgrund der Verbreitung der nachgewiesenen Falter sowie
der Verbreitung der Faltersaugpflanze (
Eupatorium cannabinum
) wurden innerhalb des FFH-
Gebietes 6 Habitatflächen für die Art ausgewiesen. Sie befinden sich jedoch in einem ungünstigen
Erhaltungszustand, der inbesondere auf geringe Falterzahlen, zu geringes Angebot an Wasserdost
sowie Beeinträchtigungen von Wasserdost-Beständen durch Mahd zurückzuführen ist. Ein weiteres
Habitat außerhalb des SAC befindet sich in günstigem Erhaltungszustand.
Tabelle 4:
Erhaltungszustand der Habitatflächen im SAC 85E
Anhang II – Art
Erhaltungszustand
A
B
C
Name
Wissenschaftlicher
Name
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Fischotter
Lutra lutra
-
-
5
5,1
-
-
Großes Mausohr
Myotis myotis
1
599,3
-
-
1
> 0,1
Bechsteinfleder-
maus
Myotis bechsteinii
1
118,1
-
-
-
-
Mopsfledermaus
Barbastella barbas-
tellus
1
599,3
-
-
-
-
Kleine Hufeisen-
nase
Rhinolophus hippo-
sideros
4
499,2
1
> 0,1
1
> 0,1
Kammmolch
Triturus cristatus
1
5,0
2
15,0
-
-
Groppe
Cottus gobio
5
5,1
-
-
-
-
Spanische Flagge
Euplagia quadri-
punctaria
-
-
-
-
6
1,9

8
Da das SAC aus fünf Teilflächen besteht, die nicht unmittelbar aneinander grenzen, ist die Kohä-
renz formal gesehen zwischen diesen leicht eingeschränkt. In den sehr langgestreckten Teilflächen
ist die Kohärenz vergleichsweise schlechter als in einem kompakten Gebiet. Andererseits zeichnet
sich das SAC durch jeweils hohe Flächenanteile von Wald- und Offenland-LRT aus, die in ihrer
Vielfalt und Vielzahl der Einzelflächen – verknüpft über Kohärenzbeziehungen – den Wert des je-
weiligen Lebensraumtyps im Gebiet bestimmen. Nur unter solchen Bedingungen ist es möglich,
dass gefährdete Arten, die oft zwar noch mehrere, aber teilweise nur sehr kleine Einzelvorkommen
im Gebiet haben, langfristig eine Überlebenschance bekommen. Eine ausreichende Anzahl von
LRT-Flächen im günstigen Erhaltungszustand erlaubt über die Jahre immer wieder die punktuelle
Neuansiedlung gefährdeter Pflanzen- und Tierarten.
3.
Maßnahmen
3.1
MAßNAHMEN AUF GEBIETSEBENE
Folgende Maßnahmen auf Gebietsebene sind erforderlich:
-
ökologisch begründeten Mindestwasserabfluss nach der LAWA-Methodik 2001 in allen
Fließgewässern gewährleisten
-
das weitere Verbuschen bzw. randliche Zuwachsen offener, schmaler Talauen und offener,
steilhängiger Wiesen durch bedarfsweise Entbuschung verhindern
-
auch Offenlandbiotope, die nicht als LRT erfasst wurden (z.B. Nasswiesen), aus Gründen
der Kohärenz kontinuierlich und ausreichend pflegen
-
Strukturreichtum der Wälder durch naturnahe Bewirtschaftung der Laubwälder erhöhen
-
unterirdische Objekte im Komplex mit der vorhandenen Einflugsituation sowie Quartierbe-
reiche an und in Gebäuden für Fledermäuse erhalten
-
naturnahe Gewässerläufe zur Sicherung des Nahrungsangebots für Fledermäuse erhalten
3.2
MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Um den günstigen Zustand des LRT Fließgewässer mit Unterwasservegetation (3260) zu erhalten,
sind folgende Behandlungsgrundsätze zu beachten:
-
Sicherung der Struktur- und biologischen Gewässergüte
-
Sicherung und Erweiterung der Habitatfunktionen für lebensraumtypische wandernde Tier-
arten (Gewährleistung der Barrierefreiheit, Schaffung von Sohlvertiefungen und Unterstän-
den an geeigneten Stellen)
-
Erhaltung des bestehenden Beschattungsgrades der Wiesenbäche (Seidewitz, Börnersdor-
fer Bach)
-
Einhaltung der Bestimmungen zu Gewässerrandstreifen gemäß § 50 SächsWG
Als flächenkonkrete Maßnahme ist die Bekämpfung von Neophyten vorgesehen.
Zum Erhalt bzw. zur Wiederherstellung des günstigen Zustandes des LRT Kalk-Trockenrasen
(6210) sind folgende Behandlungsgrundsätze zu beachten:
-
extensive Nutzungsweise aufrecht erhalten
-
kein Mulchen, keine Düngung
Flächenkonkret sind Heumahd, selektive Mahd von Störzeigern sowie die Auslichtung der Verbu-
schung vorgesehen.
Zur Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der Feuchten Hochstaudenfluren (LRT 6430)
sind folgende Behandlungsgrundsätze zu beachten:
-
staudenreiche, gehölzarme Vegetationsstruktur mit der LR-typischen Artzusammensetzung
sichern

9
-
bei Bedarf Entbuschung sowie Beseitigung von Neophyten
Als flächenkonkrete Maßnahme ist die Bekämpfung von Neophyten vorgesehen.
Zum Erhalt bzw. zur Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes der LRT Flachland-
Mähwiesen (6510) und Berg-Mähwiesen (6520) gelten folgende Behandlungsgrundsätze:
-
regelmäßige Mahd mit Heuwerbung bzw. mit Beräumung möglichst mit Balkenmäher, nicht
Mulchen
-
jährliche Bekämpfung von Störungszeigern (Land-Reitgras, Acker-Kratzdistel u.a.) durch
selektive Mahd
-
alternativ zum zweiten Schnitt extensive Herbstweide möglich (Besatzdichte ca. 4 GVE pro
ha und Weidegang)
-
keine Düngung der mageren Wiesenausbildungen und von Wiesen in Biotoppflege, Fort-
führung der bisherigen Handhabung
-
entzugsorientierte Düngung auf LRT-Flächen mittlerer oder fetter Ausprägung
-
bei Bedarf Entbuschung
-
keine Neuansaat
-
Vermeidung des zeitweiligen Brachefallens
Flächenkonkrete Vorgaben beinhalten Mahd, teilweise fakultativ mit Nachbeweidung, selektive
Mahd von Störungszeigern sowie Auslichten von Verbuschung. Bei den Berg-Mähwiesen wird er-
gänzend auf einer Fläche die Aufastung von Bäumen geplant.
Zum Erhalt der Kalktuffquellen (LRT 7220*) in einem günstigen Erhaltungszustand gelten folgende
Behandlungsgrundsätze:
-
bei Bedarf Entbuschung und Beseitigung von Störzeigern
-
zur Vermeidung von Austrocknung gewährleisten, dass der Quellbereich mindestens im
Halbschatten liegt
Als flächenkonkrete Maßnahmen sind bei Bedarf Entbuschung sowie Beseitigung von Störzeigern
vorgesehen.
Zum Erhalt bzw. zur Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes des LRT Silikatschutt-
halden (8160) gelten folgende Behandlungsgrundsätze:
-
keine Aufforstung
-
Entbuschung und Beseitigung von Störzeigern bei Bedarf
Flächenkonkrete Maßnahmen für den LRT werden nicht formuliert.
Zum Erhalt des LRT Kalkhaltige Schutthalden (8160) in einem günstigen Erhaltungszustand gelten
folgende Behandlungsgrundsätze:
-
keine Aufforstung
-
Entbuschung und Beseitigung von Störzeigern bei Bedarf
-
Vermeidung von Mähgutablagerung
Als flächenkonkrete Maßnahme ist das Auslichten von Verbuschung vorgesehen, wobei die
Schnittstellen mit Roundup bestrichen werden sollen.
Zum Erhalt bzw. zur Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes der LRT Kalkfelsen mit
Felsspaltenvegetation (8210) und Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation (8220) gilt folgender Be-
handlungsgrundsatz:
-
bei Bedarf Verbuschung auslichten
Als flächenkonkrete Maßnahme ist das Auslichten der Verbuschung auf mehreren LRT-Flächen
vorgesehen.

10
Zum Erhalt bzw. der Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der LRT Hainsimsen-
Buchenwälder (9110) Waldmeister-Buchenwälder (9130), Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
(9170), Schlucht und Hangmischwälder (9180*) sowie Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder
(91E0*) sind vor allem folgende allgemeine Behandlungsgrundsätze zu beachten:
-
Erntenutzungen über mehrere Jahrzehnte ausdehnen, Förderung eines mosaikartigen Ne-
beneinander verschiedener Waldentwicklungsphasen, Anteil in der Reifephase belassen
-
mehrschichtigen Bestandsaufbau zulassen bzw. fördern
-
bemessene Anzahl von Biotopbäumen und von starkem Totholz (stehend und liegend) be-
lassen, ggf. anreichern
-
natürliche Alterungs- und Zerfallsprozesse zulassen
-
Pflege- und Verjüngungsziel am natürlichen Verjüngungspotenzial ausrichten
-
Anteil gesellschaftsfremder Baumarten reduzieren bzw. dauerhaft beschränken
-
Technikeinsatz begrenzen
-
großflächige Auflichtungen, die die Ausbildung verjüngungshemmender Vegetationsdecken
fördern, vermeiden
-
Wildbestände auf einem verträglichen Maß halten, keine Viehweiden in LRT-Flächen
-
Neubau von Wegen auf LRT-Flächen vermeiden
Speziell für die LRT 9110 und 9130 gelten weiterhin als Behandlungsgrundsätze:
-
kleinflächige Verjüngungsverfahren anwenden, Naturverjüngung Buche in der Regel durch
Femelhiebe
-
Dominanz der Hauptbaumart sichern, aber keine Buchenreinbestände anstreben
-
lebensraumtypische Nebenbaumarten (insbesondere Edellaubbaumarten) erhalten bzw.
fördern, Beimischung der lebensraumtypischen Pionierbaumarten tolerieren
Speziell für den LRT 9170 gelten weiterhin als Behandlungsgrundsätze:
-
kleinflächige Verjüngungsverfahren anwenden, mit Naturverjüngung Eiche arbeiten, Mast-
jahre nutzen
-
Eichen der Hauptschicht fördern, gezielte Kronenraumerweiterung
-
Standorte mit wärmebedürftigen und lichtliebenden floristischen Besonderheiten in der Bo-
denvegetation bei Bedarf in geeigneter Weise auflichten
Speziell für den LRT 9180* gelten weiterhin als Behandlungsgrundsätze:
-
dauerwaldartige Bewirtschaftung
-
Sukzession zulassen (bzgl. Naturverjüngung von Haupt- und Nebenbaumarten, inkl. Pio-
nierbaumarten)
-
künstliche Einbringung der Hauptbaumarten nur nach natürlicher Entwaldung bzw. nur bei
großflächiger Auflichtung
Speziell für den LRT 91E0* gelten weiterhin als Behandlungsgrundsätze:
-
kleinflächige Verjüngungsverfahren anwenden, mit Naturverjüngung arbeiten
-
lebensraumtypische Nebenbaumarten (insbesondere Edellaubbaumarten) erhalten bzw.
fördern
-
Beimischung der lebensraumtypischen Pionierbaumarten tolerieren
-
Befahrung/Holzentnahme möglichst nur bei Dauerfrost oder in Trockenperioden, boden-
schonende Rücketechnik anwenden, keine tiefe Bodenbearbeitung
-
keine Durchführung von Entwässerungsmaßnahmen

11
Als flächenspezifische Maßnahmen für die LRT 9110, 9170, 9180* und 91E0* sollen Biotopbäume
sowie Totholz belassen werden. Zudem soll auf Flächen des LRT 9170 der Anteil der lebensraum-
typischen Hauptbaumarten aktiv erhalten und die Verbissbelastung reduziert werden. Eine weitere
flächenspezifische Maßnahme für den LRT 9180* ist die Entfernung von Müll sowie anderen orga-
nischen Ablagerungen. Als weitere flächenspezifische Maßnahmen für den LRT 91E0* soll die Ver-
bissbelastung reduziert und in einer Fläche eingespülter Schotter entfernt werden.
Für den LRT 9130 wurden keine flächenspezifischen Maßnahmen formuliert.
3.3
MAßNAHMEN IN BEZUG AUF ARTEN NACH ANHANG II
Zum Erhalt der Habitate des Fischotters muss langfristig im Rahmen der Verkehrsplanung der Ot-
terschutz Berücksichtigung finden. Zudem sind gefahrlose Durchwanderungsmöglichkeiten in und
außerhalb von Siedlungsräumen zu gewährleisten.
Als Behandlungsgrundsätze für die Habitatflächen des Großen Mausohrs gelten:
-
Erhalt und Förderung von unterwuchsarmen Beständen mit gering ausgeprägter Strauch-
und Krautschicht auf mindestens 10 % der Waldfläche als Nahrungshabitate
-
Erhalt von baumhöhlenträchtigen Altbeständen > 100 Jahre auf > 15 % des Waldbestandes
der Habitatkomplexfläche
-
Erhalt von Quartierbäumen in Altbeständen
-
weitgehender Verzicht auf Insektizide, nachträgliche Begiftung älterer Polter vermeiden
-
Sicherung und Optimierung der bekannten Quartiere im SAC und seinem Randbereich
Als Behandlungsgrundsätze für die Habitatflächen der Bechsteinfledermaus gelten:
-
Erhalt des derzeitig hohen Laubwald- und Quartierpotentialanteils
-
Erhalt von Quartierbäumen in Altbeständen zur Sicherung von Paarungs-, Wochenstuben-
und Winterquartieren (nachweisliche Quartierbäume dauerhaft markieren, um eine Fällung
zu verhindern)
-
weitgehender Verzicht auf Insektizide, nachträgliche Begiftung älterer Polter vermeiden
Als Behandlungsgrundsätze für die Habitatflächen der Mopsfledermaus gelten:
-
bestehenden hohen Laub- und Mischwaldanteil erhalten
-
auf 30 % der Waldfläche quartierhöffige Altholzbestände >80 Jahre mit mindestens 5 po-
tentiellen Quartierbäumen/ ha erhalten und gezielt entwickeln
-
Erhalt von Quartierbäumen in Altbeständen zur Sicherung von Paarungs-, Wochenstuben-
und Winterquartieren (nachweisliche Quartierbäume dauerhaft sichern)
-
weitgehender Verzicht auf Insektizide, nachträgliche Begiftung älterer Polter vermeiden
-
Kronenschluss der straßenbegleitenden Bäume erhalten, Verkehrssicherungsmaßnahmen
auf wirklich notwendige Fällungen beschränken
Für die Habitatflächen des Großen Mausohrs, der Bechsteinfledermaus und der Mopsfledermaus
werden keine flächenkonkreten Maßnahmen formuliert.
Als Behandlungsgrundsätze für die Habitatflächen der Kleinen Hufeisennase gelten:
-
Erhalt und Förderung von Laubholzbeständen auf 50 % der Waldfläche
-
weitgehender Verzicht auf Insektizide, nachträgliche Begiftung älterer Polter vermeiden
-
Erhalt von linearen Gehölzstrukturen (Alleen usw.) als Leitstrukturen
-
Sicherung und Optimierung der bekannten Quartiere im SAC und seinem Randbereich
-
Erhalt von Gehölzen im Umkreis von mindestens 100 m um das Kalkwerk Nentmannsdorf

12
-
Fällungen von straßenbegleitenden Bäumen an den das Gebiet querenden Straßen soweit
möglich unbedingt vermeiden, bzw. rechtzeitig im Straßenrandbereich neue Laubbäume
fördern; Straßenausbau oder Verbreiterung vermeiden
-
Verbruchgefährdung im Kalkwerk Nentmannsdorf untersuchen
-
weitere Untersuchungen der Population, Kartierung und Sicherung von potentiellen Gebäu-
dequartieren im Umfeld des Seidewitztals
Flächenkonkrete Maßnahmen für die Habitatflächen der Kleinen Hufeisennase sind:
-
Zugangsstollen des Kalkwerks Nentmannsdorf: Erweiterung des bisherigen Mundlochbe-
reiches und Einhausung durch ein dauerhaftes Bauwerk aus Betonelementen
-
Wochenstubenquartier im ehemaligen Bergwerksgebäude Borna-Gersdorf: Neupflanzung
der gebäudenahen Gehölzstrukturen zur Wiederherstellung des gedeckten Ausflugs, Ein-
richtung eines Hangplatzes im Bereich des derzeitigen Heubodens, Einrichtung einer dau-
erhaften Ausflugsöffnung mit den Mindestmaßen 40x20 cm
Für die Habitate des Kammmolchs sind folgende Behandlungsgrundsätze zu beachten:
-
keine Aufnahme einer fischereiwirtschaftlichen Nutzung in bestehenden Habitaten
-
keinerlei wesentliche Änderung - Senkung oder Anhebung - des Wasserstandes
-
Vertiefung vorhandener Kleingewässer mit dem Ziel, sie durch eine ausreichende Wasser-
tiefe dauerhaft als Habitate für den Kammmolch zu erhalten
-
Entfernung der unmittelbar am Gewässerrand befindlichen Gehölzsäume (SO-S-SW), um
die Besonnung der Gewässer zu verbessern
-
Einschränkung des Nährstoffeintrages von umliegenden Ackerflächen in die Laichgewässer
im SAC durch geeignete Maßnahmen im Rahmen der guten fachlichen Praxis sowie weite-
re geeignete Maßnahmen, um die Verschlammung und das Zuwachsen der Laichgewässer
zu verhindern.
Zur Sicherung der Habitate der Groppe sind folgende Behandlungsgrundsätze zu beachten:
-
Sicherung der biologischen Gewässergüte (nicht schlechter als II)
-
Erhaltung und Schutz vorhandener naturnaher Gewässer- und Uferstrukturen an der Sei-
dewitz und ihren Nebenbächen im Rahmen der Gewässerunterhaltung
-
Zulassen einer naturnahen Entwicklung des Flussbettes der Seidewitz in aktuell ausgebau-
ten Abschnitten, wo dem keine Erfordernisse des Hochwasserschutzes und der Sicherung
von Verkehrswegen oder Siedlungen zwingend entgegenstehen
-
Verbesserung der Eigendynamik der Seidewitz (Entwicklung charakteristischer Gewäs-
serstrukturen z.B. Abfolge von Schnellen und tiefen Stillen, Gleit- und Prallhänge fördern)
-
Beseitigung bestehender, nicht mehr erforderlicher und nicht durchgängiger Querbauwerke
in der Seidewitz und in den wesentlichen Nebengewässern im Rahmen des Durchgängig-
keitsprogramms
-
Einbau funktionstüchtiger Fischwanderhilfen bei noch zwingend benötigten Querbauwerken
unter Beachtung aller Auf- und Abwanderung vorkommenden Fischarten (Lachs) (z.B. Um-
gehungsgerinne mit Fischleitsystemen im Ein- und Auslaufbereich).
Folgende Behandlungsgrundsätze gelten für die Spanische Flagge:
-
Erhaltung einer naturnahen Laubwaldbestockung an den Talhängen des Seidewitztales
(Steilhangbereiche und um Felskuppen aufgelockerte Bereiche sowie Bereiche mit arten-
reiche Strauch- und Krautschicht)
-
Erhaltung artenreicher Waldmäntel bzw. Waldrandbereiche mit Hasel, Heckenkirsche,
Brom- und Himbeere sowie vorgelagerter Staudensäume mit Wasserdost, Hain-Greiskraut,
Weidenröschen-Arten, Brennnessel und verschiedenen Kräutern. Mahd dieser Staudenflu-
ren – falls erforderlich – nicht vor Ende August.
-
Straßenrand-Mahd im Bereich straßennaher Staudenfluren keinesfalls in doppelter Breite,
um zumindest einen Teil der vorhandenen Wasserdost-Bestände zu schonen.

13
Tabelle 5:
Erhaltungsmaßnahmen im SAC 85E
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Behandlungsgrundsätze für LRT und Habitate beachten
k.A.
Sicherung bzw. Wiederherstellung des
günstigen Erhaltungszustandes (gEZ)
Alle LRT und Habitate
Bekämpfung von Neophyten
0,4
Sicherung des gEZ
3260, 6430
Zweischürige Mahd, Selektive Mahd von Störungszeigern, Verbu-
schung auslichten
0,7
Sicherung und Wiederherstellung des
gEZ
6210
Naturschutzgerechte Grünlandnutzung
(Mahd ggf. mit Nachbeweidung, Einschränkung bzw. Ausschluss
der Düngung), selektive Mahd von Störzeigern, Entbuschung bei
Bedarf, Aufasten von Bäumen
26,7
Sicherung und Wiederherstellung des
gEZ
6510, 6520
Entbuschung des direkten Quellbereiches bei Bedarf, selektive
Mahd der Störungszeiger bei Bedarf
< 0,1
Sicherung des gEZ
7220*
Entbuschung
0,4
Sicherung des gEZ
8160*
Bei Bedarf Entbuschung bzw. Verbuschung auslichten
2,1
Sicherung bzw. Wiederherstellung des
gEZ
6430, 8210, 8220
Naturnahe Waldbewirtschaftung
(Biotopbäume anreichern, Totholz belassen)
35,0
Erhalt bzw. Wiederherstellung eines
gEZ durch Verbesserung der Struktu-
ren; Erhalt bzw. Verbesserung der Habi-
tatqualität
9110, 9130, 9170, 9180*,
91E0*
Anteil LRT-typischer Hauptbaumarten (Eiche) erhalten, Verbissbe-
lastung reduzieren
7,7
Sicherung des gEZ
9170
Müll und anorganische Ablagerungen beseitigen
0,6
Sicherung des gEZ
9180
Verbissbelastung reduzieren, Entfernen des eingespülten Schotters
0,5
Sicherung des gEZ
91E0*
Winterquartier Kalkwerk Nentmannsdorf: Erweiterung und Einhau-
sung des Mundlochbereiches; Wochenstubenquartier Borna-
Gersdorf: Neupflanzung von Bäumen, Errichtung eines Hangplatzes
sowie einer Ausflugöffnung
1,1
Sicherung und Wiederherstellung des
gEZ
Kleine Hufeisennase
*prioritärer Lebensraumtyp

4.
Fazit
Bei einer Neufestsetzung der Schutzgebiete müssen die jeweiligen Schutzzwecke an die Erhaltungs-
ziele des vorliegenden Managementplanes angepasst werden. Für besonders wertvolle und besonders
gefährdete Lebensräume im SAC sollte eine Unterschutzstellung als FND geprüft werden.
Die langfristige Erhaltung eines großen Flächenanteils der Wald-LRT 9110 (75% der Fläche), 9130
(100 % der Fläche) und 9180* (51 % der Fläche) im Gebiet ist derzeit nicht gesichert. Die Waldeigen-
tümer sehen ohne entsprechende Entschädigung keine Möglichkeit, Einschränkungen der Waldbe-
wirtschaftung auf Grund der FFH-Managementplanung hinzunehmen. Die betroffenen Flächen liegen
nicht in aktuell bestehenden Schutzgebieten der Kategorien NSG oder FND. Sollte zukünftig keine
Einigung mit den betroffenen Waldeigentümern zur Erhaltung der Lebensräume erreicht werden, sind
weitergehende Maßnahmen wie z.B. Unterschutzstellung, Flächentausch o.ä. zu ergreifen.
Zur ordnungsgemäßen Bewirtschaftung der Waldbestände muss in Teilbereichen die Walderschlie-
ßung erweitert bzw. die vorhandenen Gassen und Wege instand gesetzt werden.
Nach Prüfung der Waldvermehrungsplanung sind zwei Flächen des LRT 6210 von dieser überlagert.
Um diese LRT-Flächen zu erhalten müssen sie von dieser Planung ausgeschlossen werden. Ein wei-
tere Widerspruch ergibt sich mit der forstwirtschaftlichen Planung für den LRT 91E0* innerhalb einer
Fläche. Wenn man dabei das Augenmerk auf die Esche als Hauptbaumart legt, wäre der Widerspruch
ausgeräumt.
Geplante Maßnahmen auf vier Flächen des LRT 6510 sind derzeit ganz oder teilweise nicht umsetz-
bar. Die erforderliche Mahd der Flächen und teilweise Entbuschung ist derzeit aufgrund fehlender Nut-
zungsmöglichkeiten bzw. eingeschränkter Zugänglichkeit seitens der Nutzer nicht durchführbar.
Die innerhalb der Regionalen Arbeitsgruppe abgestimmte Maßnahmenplanung für Wald- und Gewäs-
serflächen steht nach derzeitigem Kenntnisstand nicht im Widerspruch zu den gebietsbezogenen SPA-
Zielen.
5.
Quelle
Der Managementplan für das Gebiet Nr. 85E wurde im Original von dem Büro für Landschaftsplanung
Dr. Böhnert & Dr. Reichhoff, Freital erstellt und kann bei Interesse beim Sächsischen Landesamt für
Umwelt, Landwirtschaft und Geologie oder den Unteren Naturschutzbehörden des Landkreises Säch-
sische Schweiz-Osterzgebirge eingesehen werden.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arten