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Kurzfassung MaP 043E „Müglitztal“
1. GEBIETSCHARAKTERISTIK
Das 1.657 ha große FFH-Gebiet „Müglitztal“ liegt im Landkreis Sächsische Schweiz und
im Weißeritzkreis in den Gemeinden Heidenau (Gemarkungen Heidenau, Mügeln), Dohna
(Gemarkungen Dohna, Gamig, Köttewitz, Meusegast, Sürßen), Müglitztal (Gemarkungen
Burkhardwalde, Crotta, Falkenhain, Maxen, Mühlbach, Ploschwitz, Schmorsdorf, Wee-
senstein), Liebstadt (Gemarkungen Großröhrsdorf, Seitenhain), Reinhardtsgrimma (Ge-
markungen Cunnersdorf, Hausdorf), Glashütte (Gemarkungen Börnchen, Dittersdorf,
Glashütte, Johnsbach, Neudörfel, Rückenhain, Schlottwitz), Bärenstein (Gemarkung Bä-
renstein), Geising (Gemarkungen Fürstenau, Fürstenwalde, Lauenstein, Liebenau, Lö-
wenhain) und Altenberg (Gemarkungen Falkenhain, Hirschsprung).
Das Gebiet erstreckt sich entlang der Pultscholle des Erzgebirges in einer Höhenlage
zwischen 108 m (Mündung der Müglitz in die Elbe) und 731 m NN (Quellgebiet auf dem
Erzgebirgskamm bei Gottgetreu nahe Fürstenau). Naturräumlich ist der nördliche Teil des
Gebietes dem „Unteren Osterzgebirge“ und die südlichen Bereiche dem „Oberen Osterz-
gebirge“ zuzuordnen.
Das durch den Gewässerlauf der Müglitz geprägte FFH-Gebiet besteht aus 10 Teilflä-
chen. Charakteristisch für das Müglitztalgebiet ist das tief in die pultartige, zentrale Bruch-
scholle des Erzgebirges eingeschnittene, meist steilwandige Haupttal der Müglitz und
deren Nebentäler. Das SCI umfasst außerdem zahlreiche weitere zulaufende Gewässer,
bewaldete Seitenhänge, einzelne Auenbereiche, Offenlandbereiche sowie den südlichen
Teil des Quellgebietes der Müglitz bei Fürstenwalde.
Das Gebiet wird in weiten Teilen vom Freiberger Grauen Gneis, in den höheren Gebirgs-
lagen von Granit- und Quarzporphyr sowie Phyllit unterlagert. Bei Weesenstein und Doh-
na überlagert quartiärer Gehängelehm und -schutt das Festgestein. Im Mündungsbereich
der Müglitz in die Elbe sind fluviatile Auensedimente zu finden. Über diesem geologischen
Untergrund haben sich am Oberlauf der Müglitz vorwiegend Braunerden oder Podsol-
Braunerden aus Hanglehm gebildet. Zwischen Köttewitz und Dohna kommen vor allem
Schwarzerden, Parabraunerden und Pseudogley aus Löß über glazigenen Ablagerungen,
tertiäre Ton- oder Festgesteine sowie Pseudogley aus Löß über tiefem Moränenlehm und
Schmelzwassersanden vor. Zwischen Dohna und der Mündung der Müglitz sind Auenbö-
den und Gley / Auengley aus fluviatilen Sedimenten vorhanden.
Mit etwa 1.037 ha (ca. 63 %) ist der größte Teil des FFH-Gebietes bewaldet, insbesonde-
re die Steilhänge des Müglitztales und der Seitentäler. Etwa 434 ha (ca. 26 %) werden als
Grünland genutzt, wobei Schwerpunkte um Glashütte, zwischen Lauenstein und Geising

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und im Schwarzbachgrund liegen. Etwa 59 ha (ca. 4 %) werden durch Gewässer einge-
nommen. Magerrasen/Felsfluren, Feldgehölze/Baumgruppen/Gebüsche, Moore/Sümpfe,
Ackerland und Siedlungsbereiche beanspruchen zusammen etwa 128 ha (ca. 8 %).
Teilbereiche des SCI liegen in den drei SPA „Fürstenau“, „Osterzgebirgstäler“ und „Wei-
choldswald“. Des Weiteren befinden sich die 2 Landschaftsschutzgebiete „Unteres Ost-
erzgebirge“ (ca. 16.050 ha) und „Oberes Osterzgebirge“ (ca. 28.634 ha), die beiden Na-
turschutzgebiete „Müglitzhang bei Schlottwitz“ (ca. 78 ha) und „Spargründe bei Dohna“
(ca. 37 ha) sowie 12 FND (insgesamt ca.11 ha) ganz oder teilweise im Bereich des SCI.
Etwa 376 ha sind besonders geschützte Biotope nach § 26 Sächs. Naturschutzgesetz.
Außerdem sind im SCI das Trinkwasserschutzgebiet „Maxen-Bergwerk“ sowie das Über-
schwemmungsgebiet der Müglitz ausgewiesen.
2.
ERFASSUNG UND BEWERTUNG
2.1. LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Im Rahmen der Ersterfassung konnten insgesamt 19 Lebensraumtypen des Anhangs I
der FFH-Richtlinie mit einer Gesamtflächengröße von 322,27ha im FFH-Gebiet „Müglitz-
tal“ nachgewiesen werden (vgl. Tabelle 1). Dabei handelt es sich um Gewässer-, Moor-
und Quell-Lebensraumtypen sowie um Offenland-LRT, Wald-LRT und eine Höhle.
Für die 6 nachgewiesenen Lebensraumtypen 3260, 6510, 6520, 9110, 9130 und 91E0*
wurden zusätzlich 51 Entwicklungsflächen mit einer Gesamtgröße von ca. 53,07 ha er-
fasst.

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Tabelle 1: Lebensraumtypen im SCI 043E
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflä-
chen
Fläche
[ha]
Flächenan-
teil im SCI
3260
Fließgewässer mit Unterwasservegetation
6
1,42
0,09 %
6210
Kalk-Trockenrasen
1
0,04
< 0,01 %
6230*
Artenreiche Borstgrasrasen
7
0,27
0,02 %
6430
Feuchte Hochstaudenfluren
21
2,64
0,16 %
6510 Flachland-Mähwiesen
39 19,42 1,17 %
6520 Berg-Mähwiesen
54 75,73 4,57 %
7140
Übergangs- und Schwingrasenmoore
2
0,06
< 0,01 %
7220*
Kalktuffquellen
3
< 0,01
< 0,01 %
7230
Kalkreiche Niedermoore
2
0,04
< 0,01 %
8150 Silikatschutthalden
44 3,44 0,21 %
8160*
Kalkhaltige Schutthalden
2
0,04
< 0,01 %
8210
Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
6
0,27
0,02 %
8220
Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
92
9,32
0,56 %
8310
Höhlen
1
< 0,01
< 0,01 %
9110 Hainsimsen-Buchenwälder
25 59,99 3,62 %
9130 Waldmeister-Buchenwälder
4 3,56 0,21 %
9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
30 67,63 4,08 %
9180*
Schlucht- und Hangmischwälder
50
61,73
3,73 %
91E0*
Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder
14
16,67
1,01 %
gesamt: 403 322,27 19,45 %
*prioritärer Lebensraumtyp
Als Fließgewässer mit Unterwasservegetation (LRT 3260) wurden im FFH-Gebiet
„Müglitztal“ 6 Flächen mit einer Gesamtgröße von 1,42 ha und einer Fließstrecke von ins-
gesamt 6.989 m eingeordnet. Es handelt sich um die Weiße Müglitz mit dem Schwarz-
bach sowie die Müglitzzuflüsse Löwenhainer Bach, Große Biehla, Zechenaubach, den
Bach an der Schüllermühle und einen Abschnitt der Trebnitz.
Alle erfassten Bereiche befinden sich in einem naturnahen Zustand und weisen zahlreiche
Mäander und Uferabbrüche (besonders Weiße Müglitz) sowie vielfältige Sohlstrukturen

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auf. Mit Ausnahme des Zechenaubaches und des Baches an der Schüllermühle sind die
LRT-Flächen nur sehr spärlich mit flutenden Wasserpflanzen besetzt. Hinsichtlich ihrer
Struktur konnten 5 Gewässer gut und der Zechenaubach mit sehr gut bewertet werden.
Alle 6 Flächen des LRT befinden sich insgesamt in einem günstigen Erhaltungszustand
(B). Erhebliche Beeinträchtigungen des LRT lassen sich aktuell nicht erkennen, da nut-
zungsbedingte Vorbelastungen nicht zu erkennen sind und die Nachhaltigkeit der bisheri-
gen Nutzung zur Sicherung des Gesamterhaltungszustandes gegeben ist.
Bei Crotta konnte eine 400 m² große Fläche als Kalk-Trockenrasen (LRT 6210) erfasst
werden, die sich auf einem südexponierten Hang zwischen Acker- und Waldflächen be-
findet. In dem mit Wärme- und Magerkeitszeigern ausgebildeten Bestand finden sich LR-
typische Saumarten (Kleiner Odermennig -
Agrimonia eupatoria
) und Lückenpioniere
(Quendel-Sandkraut -
Arenaria serpyllifolia
). Der Bestand ist im Zentrum auf einer kleinen
Aufwölbung locker rasig und niedrigwüchsig, wird jedoch randlich zunehmend dichter und
höherwüchsig. Hier liegt offensichtlich eine gewisse Vorbelastung durch Nährstoffeinträge
vor. Es erfolgt eine Rinderbeweidung.
Hinsichtlich der Struktur und des Arteninventars
befindet sich die LRT-Fläche in einem günstigen Erhaltungszustand (B).
Als Artenreiche Borstgrasrasen (prioritärer LRT 6230*) konnten 7 kleinflächige Bestände
mit einer Gesamtgröße von 0,27 ha erfasst werden, die sich am Heidegraben (eine Flä-
che) und im Schwarzbachgrund (6 Flächen) befinden.
Die Flächen scheinen schon länger brach zu liegen, woraus eine große Vorbelastung re-
sultiert. Durch die starke Dominanz von Borstgras und Schlängel-Schmiele werden ande-
re LR-typische, konkurrenzschwache Arten verdrängt. Insgesamt sind die Bestände ziem-
lich artenarm und relativ schlecht mit Kennarten ausgestattet. So müssen die Bestände
bis auf eine Ausnahme dem Harzlabkraut-Borstgras-Magerrasen zugeordnet werden, nur
eine der Flächen im Schwarzbachgrund gehört zum Kreuzblümchen-Borstgras-
Magerrasen. Von den 7 LRT-Flächen befindet sich keine in einem günstigen Erhaltungs-
zustand, so dass alle mit „C“ bewertet werden mussten.
Feuchte Hochstaudenfluren (LRT 6430) wurden auf 21 Flächen mit insgesamt 2,64 ha
nachgewiesen, wobei es sich um verschiedene Gesellschaften, wie Storchschnabel-
Mädesüß-Gesellschaft, Rauhaarkälberkropf-Gesellschaft und Pestwurzflur, handelt. Ein
Bestand befindet sich südlich von Lauenstein, vier weitere zwischen der Weißen Müglitz
und Glashütte sowie jeweils eine bei Maxen bzw. Löwenhain. Die meisten (14) der erfass-
ten Bestände gehören zur Wasserdost-Gesellschaft, die überwiegend auf den Schotter-
ufern der Müglitz zwischen Glashütte und Dohna ausgebildet ist. Die Bestände sind lückig
strukturiert und durch Ruderalarten, Störungszeiger, z. T. auch Waldarten gekennzeich-
net. Beeinträchtigend wirkt sich der Stockausschlag von Gehölzen aus. Von den 21 LRT-
Flächen befinden sich 15 in einem günstigen Erhaltungszustand, allerdings sind bei acht
von ihnen die typischen Strukturen nur ungünstig ausgeprägt. 6 LRT-Flächen befinden
sich in einem ungünstigen Gesamterhaltungszustand, der neben strukturellen Schwächen
oft auch durch Neophyten verursacht wird.

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Flachland-Mähwiesen (LRT 6510) wurden 39-mal mit insgesamt rund 19 ha erfasst, wobei
es sich um 4 Gesellschaften auf frischen, mäßig bodensauren Standorten handelt. Im
wärmebegünstigten Raum um Glashütte befinden sich 9 Bestände der kennartenarmen
Rotschwingel-Rotstraußgras-Frischwiese, 5 Hahnenfuß-Frischwiesen und 16 Glatthafer-
Frischwiesen mit höheren Artenzahlen und meist etwas lockerer Struktur. Auf weiteren 9
Flächen wurde die submontane Goldhafer-Frischwiese mit hohen Artenzahlen erfasst. Ein
Teil der Flächen liegt brach oder wird nur ungenügend bzw. LR-untypisch (Beweidung)
gepflegt. Von den 39 Flächen befinden sich 32 in einem günstigen Erhaltungszustand, die
strukturelle Ausstattung ist bei 2 dieser Flächen jedoch unzureichend, bei 4 dieser Flä-
chen bestehen hohe Beeinträchtigungsintensitäten. Insgesamt 7 Flächen befinden sich
aufgrund von Defiziten in Struktur oder Arteninventar sowie zusätzlich durch stark beein-
trächtigende Nutzungsauflassungen im Erhaltungszustand „C“.
Berg-Mähwiesen (LRT 6520) wurden auf 54 Flächen mit einer Gesamtgröße von ca. 76
ha erfasst und sind im SCI vor allem um Lauenstein und flussaufwärts bis zur Landes-
grenze verbreitet. Bei Bärenhecke wurden 2 Flächen als Rotschwingel-Rotstraußgras-
Frischwiese dem LRT zugeordnet. Die Mehrzahl der Bestände (39) kann den Goldhafer-
Wiesen mit einer hohen Artenzahl zugeordnet werden. Die Rotschwingel-Bärwurz-
Magerwiese kommt in 13 Beständen mit insgesamt niedrigeren Artenzahlen vor. Rund 1/3
aller Flächen ist brachgefallen oder es findet aktuell eine LR-untypische Beweidung statt,
die zum Verlust des günstigen Erhaltungszustandes bzw. der LRT-Zuordnung führen
kann (mäßige Vorbelastung). Von den 54 Flächen befinden sich 37 im günstigen Erhal-
tungszustand. Allerdings mussten auch bei diesen die Hauptkriterien Struktur und Beein-
trächtigungen fünfmal, das Arteninventar dreimal mit „C“ bewertet werden. Die übrigen 17
Bestände dieses LRT befinden sich im ungünstigen Gesamterhaltungszustand „C“.
Übergangs- und Schwingrasenmoore (LRT 7140) kommen im SCI zweimal mit insgesamt
0,06 ha vor. Sie befinden sich im Gebiet des Schwarzgrundbaches am Haberbach bzw.
am Mittelwiesenbach und gehören zum acidophytischen (säuretoleranten) Braunseggen-
sumpf, Subassoziation von Moosbeere und Rundblättrigem Sonnentau. Die Flächen wer-
den von niedrigwüchsigen und locker strukturierten typischen Beständen charakterisiert,
die von Hochmoor-, Feucht- und Frischwiesenarten begleitet werden. Diese tragen vom
Rand her zum Gesellschaftsabbau bei und weisen auf Nährstoffanreicherung und fehlen-
de Mahd hin, woraus eine schwache Vorbelastung resultiert. Die Moosschicht ist mit 60 -
70 % stark entwickelt. Beide Flächen befinden sich mit allen Kriterien in einem günstigen
Erhaltungszustand.
Kalktuffquellen (prioritärer LRT 7220*) wurden dreimal mit einer Gesamtfläche von 60 m²
erfasst. Zwei Flächen befinden sich im Bereich unterhalb Neuburkhardswalde, eine ober-
halb von Weesenstein. An fast senkrechten Felswänden mit Quellaustritten mit kalkhalti-
gem Wasser ist die Ansiedlung typischer überrieselter Kalkmoose und Kalksinterbildung
möglich. Zwei der Flächen wurden jedoch mit einem Steinschlagschutzdrahtgeflecht
überzogen, wodurch sich schnell Laub und Pflanzenreste angesammelt haben, die zu

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Eutrophierung und zur weiteren Besiedlung mit untypischen Arten führen. Die natürliche
Selbstreinigungsdynamik der Steilwände wird verhindert und die konkurrenzschwachen
Kalkmoose werden mittelfristig verdrängt, sodass der Verlust des LRT-Status absehbar
ist. Die drei Flächen befinden sich alle im günstigen Erhaltungszustand „B“, allerdings
mussten die Beeinträchtigungen zweimal mit „C“ bewertet werden, da Nährstoffeinträge
sowie Nährstoff- und Störzeiger durch die Steinschlagschutzgitter für große Teildefizite
sorgen.
Mit insgesamt 0,04 ha wurden Kalkreiche Niedermoore (LRT 7230) nur sehr kleinflächig
auf zwei Flächen an der Kläranlage Lauenstein und am Schwarzen Kreuz erfasst. Die
besiedelten Standorte sind torfig und bodennass bzw. quellig. Auf der Fläche an der Klär-
anlage kommt das typische Breitblättrige Wollgras vor, das von basenholden Moosen
begleitet wird. Außerhalb des quelligen Zentrums herrschen auf der Fläche Störzeiger vor,
die eine Eutrophierung und unzureichende Mahd anzeigen (mäßige Vorbelastung). Am
Schwarzen Kreuz wird mit leicht basenholden Arten in fragmentarischer Ausbildung der
Basiphytische Sumpfherzblatt-Braunseggen-Sumpf erreicht. Vom Rand her tragen
Feucht- und Frischwiesenarten zum Gesellschaftsabbau bei und weisen auf Nährstoffan-
reicherung und fehlende Mahd hin. Beide LRT-Flächen befinden sich mit allen Hauptkrite-
rien im günstigen Erhaltungszustand „B“.
Silikatschutthalden (LRT 8150) wurden auf 44 Flächen mit einer Gesamtgröße von 3,44
ha nachgewiesen. Sie erstrecken sich im Komplex mit Silikatfelsen von Lauenstein bis
Weesenstein an beiden Müglitztalhängen an steilen Hangbereichen. Die überwiegend
kleinen Halden bestehen meist aus Blöcken von 10 - 50 cm Durchmesser und sind nur
gering bis mäßig bebuscht. Sie werden durch randlichen Baumbewuchs beschattet, wo-
durch in diesen Bereichen regelmäßig Störungszeiger auftreten. Überwiegend besonnte
Halden sind selten, z.B. die Fläche bei Schlottwitz, auf der eine fragmentarisch ausgebil-
dete Ackerhohlzahn-Gesellschaft vorhanden ist. Die Vegetation aus höheren Pflanzen ist
meist nur gering bis sehr gering entwickelt, starker Bewuchs bleibt auf wenige stark be-
schattete Einzelflächen begrenzt. Aus den LR-typischen Flechten, die fast immer und in
größeren Mengen vorhanden sind, kann geschlossen werden, dass der Steinschutt nur
noch spärlich in Bewegung ist. Von den 44 LRT-Flächen befinden sich 39 in einem güns-
tigen Erhaltungszustand, von denen jedoch 7 Flächen ein unzureichendes Arteninventar
aufweisen. Hohe Beeinträchtigungen bestehen bei 14 dieser Flächen. 5 Flächen befinden
sich insgesamt in einem ungünstigen Erhaltungszustand, da sie neben Defiziten in Struk-
tur und Arteninventar durch Bebuschung und Beschattung beeinträchtigt werden.
Die Kalkhaltigen Schutthalden (prioritärer LRT 8160*) wurden auf 2 Flächen mit einer Ge-
samtgröße von 350 m² am Gesundbrunnen (Abzweig Maxen) an einem Hang erfasst und
bestehen aus kleinförmigem Schutt kalkhaltiger Tonschiefer. Sie werden von den angren-
zenden Bäumen teilweise überschirmt, so dass die im Zentrum nur sehr locker bewach-
senen Halden randlich stärker vergrasen bzw. versaumen und bebuschen. Auf einer Flä-
che konnte die Schmalblatthohlzahn-Gesellschaft, auf der anderen die ranglose Felsen-

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Fetthennen-Gesellschaft festgestellt werden. Die beiden Flächen befinden sich mit allen
Kriterien in einem günstigen Erhaltungszustand. Verschiedene Beeinträchtigungsmerkma-
le deuten eine geringe Gefährdung an.
Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation (LRT 8210) wurden mit 6 Beständen auf zusammen
0,27 ha erfasst. Sie erstrecken sich zwischen Maxen und Burkhardtswalde und bestehen
aus kalkhaltigem Tonschiefer bzw. basischem Tuff. Die Belichtung reicht von voll beschat-
tet bis voll besonnt, die Bebuschung wirkt auf allen Felsen mehr oder weniger beeinträch-
tigend. Auf fast allen Felsen kommen Nährstoff- und Störungszeiger vor, die eine mäßige
Vorbelastung darstellen. Auf besonnten Felsen siedelt die Streifenfarn-Mauerrauten-
Gesellschaft, auf beschatteten Flächen die Blasenfarn-Gesellschaft. Auf einer LRT-Fläche
ist auf basischem Tuff ein bemerkenswertes Geißklee-Zwergmispel-Felsgebüsch ausge-
bildet. Alle 6 Flächen befinden sich in einem günstigen Erhaltungszustand, allerdings
wurde das Arteninventar einmal, die Beeinträchtigungen zweimal als ungünstig bewertet.
Auf 92 Flächen konnten mit insgesamt 9,32 ha Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
(LRT 8220) nachgewiesen werden, die sich von Lauenstein bis Dohna an beiden Müglitz-
talhängen an steilen Hangbereichen erstrecken. Da sie immer von Wald umgeben sind,
werden die überwiegend kleinen Felsen durch Randüberschirmung meist stark beschat-
tet. Kleine als auch große Felsen sind meist stark bebuscht, vielfach treten randlich in den
beschatteten Bereichen der Flächen Störungs- und Nährstoffzeiger sowie Neophyten auf
(mäßige Vorbelastung). Typische Kryptogamen wie Nabelflechte, Schlüsselflechten u. a.
sind Kennarten der Nabelflechten-Gesellschaft und ermöglichen, neben anderen Arten,
die Zuordnung zum LRT. Die LR-typische Felsspaltenvegetation wird von Kleinfarnen
aufgebaut, wobei die Gesellschaft des Nördlichen Streifenfarns meist nur fragmentarisch
ausgebildet ist. Meist am Rande der Felsen im Halbschatten siedelt die Tüpfelfarn-
Gesellschaft, die nur aus der namengebenden Art besteht. Von diesen drei Pflanzenge-
sellschaften kommen häufig 2, manchmal sogar alle 3 auf einem Felsen gemeinsam vor.
Die 92 LRT-Flächen befinden sich alle in einem günstigen Erhaltungszustand, 2 Flächen
sind allerdings strukturell unzureichend ausgeprägt, bei einer wurde das Arteninventar nur
mit ungenügend bewertet. Bei 37 Flächen treten hohe Beeinträchtigungsintensitäten
durch Verbuschung und Beschattung auf. Wegen undeutlicher Ausprägung wurde als
Nebencode sehr selten der LRT 8150 (Silikatschutthalden) und 8230 (Silikatfelskuppen
mit Pioniervegetation) angegeben.
Am Waldrand im Norden des Gesundbrunnens wurde eine Höhle (LRT 8310) erfasst, die
eine Größe von etwa 30 m² hat. Sie liegt im Wald, hat einen befahrbaren Eingang und ist
mindestens 10 m lang. Sie ist abschüssig und hat ein kühl-feuchtes Innenklima. Da für die
Höhle keine Beeinträchtigungen festzustellen sind, ergibt sich ein hervorragender Erhal-
tungszustand (A). Die Nachhaltigkeit der bisherigen Nutzung zur Sicherung des Gesamt-
erhaltungszustandes ist gegeben.

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Im Müglitztal wurden 25 Bestände meist sehr kleinflächig ausgeprägter Hainsimsen-
Buchenwälder (LRT 9110) mit einer Gesamtfläche von 59,99 ha erfasst. Diese stocken in
schwach geneigten bis steilen Hangpartien, wobei sich die Vorkommen deutlich auf den
Bereich des Oberen Müglitztales konzentrieren. Strukturell sowie hinsichtlich der Arten-
ausstattung unterscheiden sie sich zum Teil sehr stark voneinander.
Bis auf 2 Ausnahmen befinden sich alle Flächen des LRT in einem günstigen Erhaltungs-
zustand. Hervorzuheben ist die gute bis sehr gute Ausprägung der Gehölzartenverteilung,
wobei in 13 Beständen der Anteil der Hauptbaumart Rot-Buche allerdings deutlich unter
70 % fällt und mit teilweise 50 - 55 % sogar grenzwertig ist. Auf weit über der Hälfte der
Flächen tritt zur Buche die Trauben-Eiche als weitere Hauptbaumart mit bis zu 35 % De-
ckung hinzu. Die LR-typischen Arten Berg- und Spitz-Ahorn, Winter-Linde, Hainbuche,
etc. kommen in der Hauptschicht nur auf wenigen Flächen mit jeweils geringer Anzahl vor.
Sehr bemerkenswert ist der mit über 50 % hohe Anteil an Flächen mit einem ausreichen-
den Vorrat an Totholz und Biotopbäumen, die sich erwartungsgemäß auf die Bestände
mit starkem und sehr starkem Baumholz konzentrieren. Dahingehend zeigen nur 8 Be-
stände starke Defizite (sowohl Totholz als auch Biotopbäume deutlich zu wenig). In den
meisten Beständen ist die Bodenvegetation naturgemäß nur sehr spärlich ausgeprägt. Auf
2 Flächen ist aber aufgrund des lichteren Kronendaches eine dichtere Vegetationsdecke
mit Draht-Schmiele, Hainsimse und Wald-Reitgras entwickelt. Die Moosschicht ist gut
ausgebildet. Zwei LRT-Flächen mussten aufgrund struktureller Defizite, ungünstiger
Baumartenverteilung oder erheblicher Beeinträchtigungen durch Wildverbiss der Verjün-
gung mit einem ungünstigen Erhaltungszustand „C“ bewertet werden. Allein durch die
Anreicherung von Totholz und/oder Biotopbäumen ließen sich diese zwei Bestände je-
doch langfristig zu einem günstigen Erhaltungszustand entwickeln.
Waldmeister-Buchenwälder (LRT 9130) kommen im SCI auf nur 4 Flächen mit einer Ge-
samtgröße von 3,56 ha vor und befinden sich südlich der Schlossanlage Weesenstein, an
der Winterleite zwischen Maxen und Burkhardswalde sowie südlich bzw. südöstlich von
Oberschlottwitz am Georgenweg. 3 der sehr kleinräumig ausgeprägten Flächen befinden
sich in einem günstigen Erhaltungszustand (B). Geringe Defizite ergeben sich auf einer
Fläche aus dem grenzwertigen Buchenanteil, auf einer Weiteren aus dem Mangel an Bio-
topbäumen. Hervorzuheben ist die hervorragende bzw. gute Ausprägung aller LR-
typischen Strukturen eines Bestandes am Georgenweg sowie des Bestandes bei Wee-
senstein. Aufgrund des grenzwertigen Anteils der Hauptbaumart Rot-Buche und des feh-
lenden Totholzes wurde der Gesamterhaltungszustand einer Fläche am Georgenweg mit
„C“ bewertet. Mit dem perspektivischen Übergang in die Wuchsklasse starkes Baumholz
ist eine Aufwertung des Bestandes absehbar. Erwähnenswerte floristische Besonderhei-
ten sind auf den LRT-Flächen u. a. das in Sachsen gefährdete Leberblümchen (
Hepatica
nobilis
), die Eibe (
Taxus baccata
) und das Einblütige Perlgras (
Melica uniflora
). Beein-
trächtigungen bestehen durch Wildverbiss an der Verjüngung, Vitalitätseinbußen und
Lärmimmissionen von in der Nähe verlaufenden Straßen und Eisenbahnlinien.

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Die Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder (LRT 9170) nehmen mit einer Gesamtfläche von
67,63 ha einen großen Flächenanteil im SCI ein. Die meisten der 30 LRT-Flächen befin-
den sich im Unteren Müglitztal mit Schwerpunkt zwischen Dohna und Mühlbach, im Obe-
ren Müglitztal wurden nur vier Bestände erfasst. Von den 30 im SCI erfassten Flächen
weisen 28 einen guten Gesamterhaltungszustand auf. Während sich das Arteninventar in
allen Beständen in einem günstigen Zustand befindet und auf fast der Hälfte der Flächen
sogar hervorragend ausgebildet ist, zeigen sich deutliche Defizite bezüglich der strukturel-
len Ausprägung. Etwa die Hälfte der Bestände ist mittelalt, so dass der Anteil der Reife-
phase nicht den geforderten Mindestwert erreicht. Altersbedingt sind diese Bestände wei-
terhin durch fehlendes oder nicht ausreichend vorhandenes Totholz und/oder Biotopbäu-
me in den bewertungsrelevanten Stärken gekennzeichnet. In fast allen Beständen ist je-
doch die Mehrschichtigkeit ausreichend, teilweise sogar flächig ausgeprägt. Trotzdem
sind die LR-typischen Strukturen bei 5 Einzelflächen nur durchschnittlich bis schlecht
ausgeprägt. Mit dem ungünstigen Erhaltungszustand „C“ wurden 2 Flächen bewertet, wo-
bei hierfür die mangelhaft ausgebildeten Strukturen und der verjüngungsgefährdende
Verbiss an der Naturverjüngung durch Wild ausschlaggebend waren.
Die insgesamt 50 erfassten Einzelflächen der Schlucht- und Hangmischwälder (prioritärer
LRT 9180*) nehmen 61,73 ha des SCI ein und wurden in den Ausbildungsformen
„Schluchtwälder feucht-kühler Standorte“ (41 Flächen) und „Hangschuttwälder trocken-
warmer Standorte“ (9 Flächen) vorgefunden. Die Schlucht- und Hangmischwälder finden
ihre Hauptverbreitung im zentralen SCI-Bereich an den Hängen zwischen Schlottwitz und
Glashütte und fehlen im Norden nur in den Spargründen sowie im gesamten südlichen
Müglitztal ab Höhe Bärenhecke. Ein Bestand bei Schlottwitz wurde mit einem hervorra-
genden Erhaltungszustand bewertet. Ausschlaggebend hierfür sind der vergleichsweise
hohe Totholzanteil, die hervorragenden Verteilung der Schichten und der Reichtum an
Felsen, Blöcken und Hangschutt in dieser Fläche. Von sehr großer Vielfalt zeigen sich
auch die Gehölzarten in der Haupt- und den weiteren Schichten. Eine weitere hervorra-
gend ausgestattete Fläche musste wegen Unterschreitung der Mindestfläche zu „B“ ab-
gewertet werden. Alle anderen Schlucht- und Hangmischwälder des Müglitztales sind
noch gut erhalten (B). Während das Arteninventar fast überall gut bis hervorragend aus-
geprägt ist, zeigen sich einige Defizite in der strukturellen Ausstattung der Flächen. Insbe-
sondere die sich noch in der Wachstumsphase befindenden Bestände sind meist arm an
wertgebendem Totholz und Biotopbäumen. In den älteren Beständen sind zwar häufig
Totholz und Biotopbäume zu finden, aber nicht immer in den bewertungsrelevanten Stär-
ken. Felsen, Blöcke und Hangschutt sind mit Ausnahme von 3 Flächen überall ausrei-
chend vorhanden. Hervorzuheben ist die in fast 50 % der Schlucht- und Hangmischwälder
überdurchschnittlich ausgeprägte Mehrschichtigkeit.
Aufgrund des hohen Gefährdungspotenzials der Auenwälder können die 14 Vorkommen
von Erlen-Eschen- und Weichholzauenwäldern (prioritärer LRT 91E0*) im Gebiet als sehr
bedeutend gewertet werden. Sie nehmen ca. 17 ha des SCI ein. Bis auf einen Bestand
(C-Bewertung) weisen alle LRT-Flächen einen guten Erhaltungszustand auf. Das Artenin-

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ventar entspricht bis auf wenige Ausnahmen dem Soll-Zustand, hinsichtlich der LR-
typischen Strukturen zeigen sich jedoch deutliche Defizite. Altersbedingt sind die Anteile
von Reifephase, starkem Totholz und Biotopbäumen noch defizitär ausgeprägt. Dagegen
konnten die sonstigen Strukturelemente auf allen Flächen mit gut bis hervorragend bewer-
tet werden. Die einzige sich im ungünstigen Erhaltungszustand befindende Fläche ent-
spricht hinsichtlich des Arteninventars den Anforderungen an den günstigen Erhaltungs-
zustand, weist wie fast alle Bestände altersbedingt jedoch noch Defizite in der strukturel-
len Ausprägung auf. Weiterhin führen die schlechte Bewertung der sonstigen Struktur-
merkmale und der sehr starke Wildverbiss zum ungünstigen Erhaltungszustand der Flä-
che. Mit dem Übergang in die Reifephase und dem Anreichern von Totholz und Biotop-
bäumen ist langfristig mit einer günstigeren Bewertung des Quellwaldes zu rechnen.
Von den insgesamt 403 im FFH-Gebiet „Müglitztal“ erfassten LRT-Flächen befinden sich
355 (88,1 %) in einem günstigen Erhaltungszustand, 4 Flächen davon wurden sogar als
hervorragend (A) bewertet. Die übrigen 48 Flächen wurden ungünstig eingestuft (C), wo-
bei davon 17 Flächen auf den LRT 6520 Berg-Mähwiesen entfallen (vgl. Tabelle 2).
Tabelle 2: Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SCI 043E
Erhaltungszustand
A B C
Lebensraumtyp (LRT)
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
3260
Fließgewässer mit Unterwas-
servegetation
- - 6 1,42 - -
6210 Kalk-Trockenrasen - - 1 0,04 - -
6230* Artenreiche Borstgrasrasen - - - - 7 0,27
6430 Feuchte Hochstaudenfluren 1 0,07 14 2,08 6 0,49
6510 Flachland-Mähwiesen
- - 32 17,32 7 2,11
6520 Berg-Mähwiesen 1 0,05 36 62,04 17 13,64
7140
Übergangs- und Schwingra-
senmoore
- - 2 0,06 - -
7220* Kalktuffquellen - - 3 < 0,01 - -
7230 Kalkreiche Niedermoore - - 2 0,04 - -
8150 Silikatschutthalden
- - 39 3,03 5 0,41

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11
Erhaltungszustand
A B C
Lebensraumtyp (LRT)
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
8160* Kalkhaltige Schutthalden - - 2 0,04 - -
8210
Kalkfelsen mit Felsspaltenve-
getation
- - 6 0,27 - -
8220
Silikatfelsen mit Felsspalten-
vegetation
- - 92 9,32 - -
8310 Höhlen 1 <0,01 - - - -
9110 Hainsimsen-Buchenwälder - - 23 57,23 2 2,76
9130 Waldmeister-Buchenwälder - - 3 2,99 1 0,57
9170 Labkraut-Eichen-
Hainbuchenwälder
- - 28 63,61 2 4,02
9180*
Schlucht- und Hangmisch-
wälder
1 2,15 49 59,58 - -
91E0* Erlen-Eschen- und Weich-
holzauenwälder
- - 13 16,17 1 0,50
*prioritärer Lebensraumtyp
Da das SCI aus zehn langgestreckten Teilflächen besteht, ist die Kohärenz zwischen ih-
nen formal gesehen leicht eingeschränkt. Andererseits zeichnet sich das SCI durch je-
weils hohe Flächenanteile von Wald-, Fels- und Offenland-LRT aus, die in ihrer Vielfalt
und Vielzahl der Einzelflächen (verknüpft über Kohärenzbeziehungen) den Wert des je-
weiligen LRT im Gebiet bestimmen. Nur so ist es möglich, dass gefährdete Arten, die oft
noch mehrere, aber z. T. sehr kleine Vorkommen im Gebiet haben, eine langfristige Über-
lebenschance bekommen. Eine ausreichende Anzahl von LRT-Flächen im günstigen Er-
haltungszustand erlaubt über die Jahre immer wieder die punktuelle Neuansiedlung ge-
fährdeter Arten in verschiedenen Gebietsteilen.
Für die meisten LRT wird eine gute Kohärenz aufgrund der kleinen bis mäßigen Abstände
der Einzelflächen zueinander oder ihrer großen Anzahl ermöglicht. Ein gutes Beispiel da-
für sind die LRT-Bereiche der Fließgewässer mit Unterwasservegetation, die sich mit klei-
neren Lücken über mehrere Kilometer Gewässerlauf erstrecken und jeweils durch Nicht-
LRT-Fließgewässerabschnitte miteinander verbunden sind.
Die LRT 6210 (Kalk-Trockenrasen) und 8310 (Höhlen), die mit jeweils nur einer Fläche im
FFH-Gebiet vorhanden sind, besitzen keinerlei Kohärenzfunktionen. Auch die Kohärenz
der Kalkreichen Niedermoore ist wegen der großen Entfernung der einzelnen Flächen

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12
voneinander innerhalb des FFH-Gebietes nur eingeschränkt möglich. Für die z. T. sehr
isoliert und verstreut liegenden Wald-LRT 9110, 9130 und 9170 ist ein funktionaler Zu-
sammenhang zu anderen Flächen des jeweiligen LRT gegeben: Auch wenn in den mehr
oder weniger großen Zwischenräumen keine LRT-Flächen erfasst wurden, bedeutet das
nicht, dass es in diesen Bereichen keine Bestände mit gleicher oder ähnlicher Struktur
und Artausstattung gibt. Häufig finden sich immer wieder kleinere Inseln, deren Baumar-
tenzusammensetzung den Anforderungen des KBS nicht ganz entspricht oder die wegen
ihrer geringen Größe nicht als LRT-Fläche erfasst werden konnten. Über solche Inseln ist
meist ein gewisser Austausch der floristischen und faunistischen Elemente möglich.
FFH-gebietsübergreifende Kohärenzfunktionen des SCI „Müglitztal“ bestehen u. a. zu den
SCI 034E „Elbtal zwischen Schöna und Mühlberg“, 037E „Täler von Vereinigter und Wil-
der Weißeritz“, 041E „Trebnitztal“, 044E „Fürstenauer Heide und Grenzwiesen Fürstenau“
oder auch 085E „Seidewitztal und Börnersdorfer Bach“, da dort LRT mit ähnlichen Struk-
turen und Artenzusammensetzungen vorhanden sind.
2.2. ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Dem Gebiet kommt als Lebensraum und Fortpflanzungshabitat von mehreren Arten des
Anhangs II der FFH-Richtlinie eine wichtige Funktion zu. Insgesamt wurden im SCI 6 Ar-
ten des Anhangs II nachgewiesen (vgl. Tabelle 3).
Für die Anhang II-Arten Biber, Mopsfledermaus und Luchs bestand der Verdacht des Vor-
kommens, sie konnten aktuell jedoch nicht bestätigt werden. Erhebungen zum Atlanti-
schen Lachs (
Salmo salar
) wurden im Rahmen der FFH-Ersterfassung nicht durchgeführt,
dennoch liegen Nachweise für das Gebiet vor (Besatzmaßnahmen des Wiederansied-
lungsprogramms „Elblachs 2000“), so dass die Art als Begleitfischart erfasst wurde.
Habitatentwicklungsflächen wurden nicht ausgewiesen.

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13
Tabelle 3: Habitatflächen der Anhang II-Arten im SCI 043E
Anhang II-Art
Name
Wissenschaftli-
cher Name
Anzahl der
Habitate im
Gebiet
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
Fischotter
Lutra lutra
9 32,56 1,96 %
Großes Mausohr
Myotis myotis
6 1383,51 83,49 %
Kleine Hufeisenna-
se
Rhinolophus hippo-
sideros
11 375,54 22,66 %
Kammmolch
Triturus cristatus
2
2 außerhalb
des SCI
6,71
5,59
0,40 %
-
Westgroppe
Cottus gobio
6 19,87 1,20 %
Spanische Flagge*
Euplagia quadri-
punctaria
15
55,19
3,33 %
*prioritäre Art
Der Fischotter (
Lutra lutra
) konnte im Rahmen der Ersterfassung nicht nachgewiesen
werden. Allerdings wurde die Art im Rahmen einer Fischotterkartierung 2004/05 an 3 Pro-
bestellen durch Spuren bzw. Losung nachgewiesen. Aufgrund dessen wurden im SCI 9
Fischotter-Habitate ausgewiesen, die mit einer Gesamtgröße von 32,56 ha sowohl die
Müglitz als auch die Nebengewässer einschließen. Die Bedeutung der Habitatflächen für
den Fischotter besteht vor allem in der Funktion der Müglitz als Migrationskorridor.
Anhand der Analyse der Landnutzung im 100 m-Umfeld der Müglitz lässt sich nur eine
begrenzte Eignung für den Fischotter herausstellen, da mehr als 1/3 der angrenzenden
Nutzungstypen (Bebauung etc.) als Lebensraum ausscheiden. Gefährdungspotenziale an
der Müglitz bestehen durch mehrere Wehranlagen sowie durch die auf langen Strecken
parallel laufenden bzw. permanent querenden Straßen. Beeinträchtigend wirkt auch die
Nähe zu Siedlungen, Gartenland sowie gewässerbegleitende Fuß- bzw. Wanderwege.
Aufgrund dieser Habitatzustände und Beeinträchtigungen ergibt sich für 6 Habitatflächen
des Fischotters ein ungünstiger Erhaltungszustand (C). Die 3 übrigen Flächen konnten
wegen durchgehend guter Habitatstrukturen (B) und geringer bzw. mäßiger Beeinträchti-
gungen als gut (B) eingestuft werden.
Das SCI hat aufgrund seiner reichen Ausstattung an Laub- und Laubmischwäldern, der
räumlichen Nähe zur Wochenstube Glashütte (außerhalb des SCI) und dem Vorhanden-
sein optimaler Winterquartiere für die Anhang II-Art Großes Mausohr (
Myotis myotis
) eine
hohe Bedeutung als Jagdhabitat und Winterquartier. So konnten im Gebiet 6 Habitatflä-
chen mit einer Gesamtgröße von 1.383,51 ha ausgewiesen werden.
Die 3 als Jagdhabitate abgegrenzten Flächen Dohna-Schlottwitz, Schlottwitz-Glashütte-

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14
Lauenstein und Glashütte weisen größere zusammenhängende Waldflächen mit gering
ausgeprägter Strauch- und Krautschicht und freiem Zugang zum Boden auf. Die übrigen 3
Habitate des Großen Mausohrs wurden als Winterquartiere erfasst und befinden sich im
ehemaligen Kalkwerk Mühlbach, Blasiusstollen (Glashütte) und am Mühlgraben-Stollen
Mühlbach. Insgesamt 5 der erfassten Habitate weisen einen hervorragenden Gesamter-
haltungszustand (A) auf, da die Habitatstrukturen sehr gut ausgebildet sind und das Be-
einträchtigungsniveau nur gering bis mäßig ist. Das Quartier Mühlgraben-Stollen Mühl-
bach musste mit „B“ eingestuft werden, da hier durchschnittlich nur eine geringe Anzahl
an Individuen überwintert.
Bei der Habitaterfassung der Kleinen Hufeisennase (
Rhinolophus hipposideros
) wurden
im Radius von 4 km um das Wochenstubenquartier Maxen (außerhalb des SCI) alle im
SCI durch die Art erreichbaren Waldbestände und sonstige Gehölzstrukturen der halbof-
fenen Kulturlandschaft (z. B. Streuobstwiesen, Feldgehölze, Alleen, Gehölzsäume an
Gewässern) als Jagdhabitat mit 9 Teilflächen erfasst und abgegrenzt. Zudem konnten im
SCI 2 Winterquartiere (ehemaliges Kalkwerk Mühlbach und Mühlgraben-Stollen Mühl-
bach) ermittelt werden, die zusammen mit den Jagdhabitaten eine Fläche von 375,54 ha
umfassen.
Im Umfeld der Wochenstube Maxen stocken vorrangig Laubwälder mit oft mehrschichti-
gem Aufbau und einer nur gering ausgeprägten Bodenschicht. Die Bedeutung der Habi-
tatflächen ist als hoch einzuschätzen. Sie liegen überwiegend in der Entfernungszone
0 - 3 km zur Wochenstube, die Erreichbarkeit der Flächen ist sehr gut, eine Zerschnei-
dung durch größere strukturlose Offenlandbereiche oder Verkehrstrassen liegt nicht vor.
Daher konnte der Erhaltungszustand aller Jagdhabitate als hervorragend (A) bewertet
werden.
Auch die Habitatfläche im ehemaligen Kalkwerk Mühlbach weist einen hervorragenden
Gesamterhaltungszustand (A) auf, da die Eignung als Winterquartier sehr gut ist und
kaum Beeinträchtigungen vorhanden sind. Außerdem stellt das ehemalige Kalkwerk
Mühlbach das derzeit größte bekannte Winterquartier der Kleinen Hufeisennase in Sach-
sen dar. Mit insgesamt etwa 800 überwinternden Fledermäusen ist es zudem das zweit-
größte sächsische Fledermauswinterquartier. Das Winterquartier im Mühlgraben-Stollen
Mühlbach wurde mit „B“ bewertet, da die Population eine geringe Größe (C-Bewertung)
aufweist und das Quartier nur sporadisch nutzt. Die Kriterien Habitat und Beeinträchtigun-
gen wurden ebenfalls jeweils mit „B“ eingestuft.
Für den Kammmolch (
Triturus cristatus
) wurden 4 Habitatflächen mit einer Gesamtgröße
von 12,3 ha erfasst. Diese verteilen sich auf 2 jeweils zusammenhängende Habitate, wo-
bei sich bei beiden Flächen Teilbereiche außerhalb des SCI befinden, die jeweils separat
abgegrenzt wurden. Die Habitatfläche innerhalb des SCI beträgt insgesamt 6,71 ha.
Ein Lebensraum setzt sich aus den zwei aktuell ungenutzten Kleinteichen (ca. 50 -
100 m²) südwestlich vom Sportplatz Burkhardswalde innerhalb des SCI und dem poten-
ziellen Landlebensraum mit Streuobstwiese, Grünlandbereichen und Eichen-Hainbuchen-
Wäldern im SCI sowie angrenzenden Grünlandbereichen außerhalb des SCI zusammen.

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15
Ein weiteres Habitat bilden die zwei Kleinteiche südlich der Straße Müglitztal – Burk-
hardswalde außerhalb des SCI, die ebenfalls aktuell nicht genutzt werden. Auch hier ge-
hört der potenzielle Landlebensraum mit Schluchtwaldbereichen des SCI sowie Streu-
obstwiesen- und Grünlandbereichen außerhalb des SCI zum Habitat.
Bei gemeinsamer Betrachtung der jeweils funktional zusammen gehörigen Habitatflächen
inner- und außerhalb des SCI ergibt sich Folgendes: Der Erhaltungszustand der Habitat-
flächen südlich der Straße Müglitztal - Burkhardswalde wird insgesamt mittel bis schlecht
(C) bewertet, da infolge des starken Fischbesatzes im einzig geeigneten Laichgewässer
aktuell keine Reproduktionsmöglichkeit besteht. Der Erhaltungszustand der Habitatflä-
chen südwestlich des Sportplatzes Burkhardswalde wird mit „gut“ (B) bewertet. Es handelt
sich um eine individuenreiche Population mit erfolgreicher Reproduktion. Durch weitere
Eutrophierung und Verschlammung infolge Nährstoffeinwaschung aus dem angrenzenden
Acker ist allerdings in einem Zeitraum von weniger als 5 Jahren eine Verschlechterung
des Erhaltungszustandes auf „C“ zu erwarten. Für beide innerhalb des SCI gelegenen
Kammmolch-Habitatflächen ergibt sich jeweils noch ein günstiger Gesamterhaltungszu-
stand (B).
Es wurde ein Habitat der Westgroppe (
Cottus gobio
) ausgewiesen, das sich von Weesen-
stein bis Müglitz erstreckt und dabei die Müglitz und Teile des Schwarzbaches und der
Weißen Müglitz einschließt. Aufgrund der Gliederung des SCI in Teilflächen ergeben sich
6 Einzelhabitate. Die Defizite der Müglitz liegen vor allem in der Struktur der Gewässer-
sohle und des ufernahen Randstreifens, da das Gewässer nach dem Hochwasser 2002
auf nahezu der gesamten Fließstrecke in diesen Bereichen beräumt wurde. Zudem ist
durch zahlreiche Querbauwerke keine Durchgängigkeit gegeben. Aus diesem Grund er-
gibt sich für 4 der 5 Müglitz-Habitatflächen ein guter (B), in einem Abschnitt nur noch ein
ungünstiger (C) Gesamterhaltungszustand. Positiv wirkt sich z. T. die sehr gute Bewer-
tung der Population aus. Der Schwarzbach besitzt eine weitgehend dem Leitbild entspre-
chende Struktur und eine unverbaute Verbindung zur Müglitz. Allerdings fehlt hier die
Groppe derzeit, was bei gleichzeitigem Auftreten in der Weißen Müglitz unmittelbar ober-
halb der Mündung des Schwarzbaches kaum erklärlich ist. Ursache könnte die Feinsedi-
mentablagerung auf den Steinblöcken sein, die die Vermehrung der Groppe erschwert.
Für diese Habitatfläche ergibt sich gutachterlich ein ungünstiger (C) Gesamterhaltungszu-
stand, der im Wesentlichen aus der schlechten Bewertung der Population resultiert.
Für die prioritäre Spanische Flagge* (
Euplagia quadripunctaria
) wurden im SCI zwischen
Köttewitz und Bärenhecke auf einer Gesamtfläche von 55,19 ha Habitatflächen ausge-
wiesen. Insgesamt 15 Flächen wurden auf der Grundlage der aktuellen Falter- und Stau-
denflurenverbreitung sowie geeigneter Laubwälder und Felsbiotope als Falter- und Rau-
penhabitate erfasst.
Das Hauptkriterium Population befindet sich auf 13 von 15 Habitatflächen im ungünstigen
Erhaltungszustand „C“, nur zwei Flächen konnten mit „B“ bewertet werden. Die Habitate
befinden sich mit einer Ausnahme strukturell in einem günstigen Erhaltungszustand. Die
Größe aktuell besiedelter bzw. potenziell besiedelbarer Falter- und Raupenhabitate sowie

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16
das Faltersaugpflanzenangebot wurden als gut oder sogar sehr gut eingestuft, die Nähe
zu Gehölzstrukturen ist gegeben. Nur eine Habitatfläche am Müglitzoberlauf wies nicht die
erforderlichen Strukturen auf, der angrenzende Wald ist hier zudem Fichtenwald. Generell
wirken sich die Pflege straßennaher Staudenfluren zu ungünstigen Zeitpunkten und die
notwendige Pflege der Uferstaudenfluren der Müglitz mittelfristig negativ auf verschiedene
Habitate aus. Andererseits kann ein Fehlen der Pflege der Staudenfluren zu Gehölzauf-
wuchs führen, die dann die Wasserdost-Bestände verschatten. Trotz dieser Beeinträchti-
gungen wird auf 13 von 15 Flächen ein guter (B) Erhaltungszustand der Habitate erreicht.
Zwei Habitat-Flächen wurden als durchschnittlich bis schlecht eingestuft (C).
Tabelle 4: Erhaltungszustand der Habitatflächen im SCI 043E
Erhaltungszustand
Anhang II-Art
A B C
Name
Wissenschaftli-
cher Name
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
Fischotter
Lutra lutra
- - 3 4,62 6 27,95
Großes Mausohr
Myotis myotis
5 1383,46
1
0,05
-
-
Kleine Hufeisen-
nase
Rhinolophus hip-
posideros
10 375,49 1 0,05 - -
Kammmolch
Triturus cristatus
-
-
2
1
außerh.
SCI
6,71
2,46
-
1
außerh.
SCI
-
3,12
Westgroppe
Cottus gobio
- - 4 18,64 2 1,23
Spanische Flag-
ge*
Euplagia quadri-
punctaria
- - 13 53,71 2 1,48
*prioritäre Art
Zur Kohärenz bezüglich der Arten lassen sich folgende Aussagen treffen:
Als Fischotter-Lebensraum ist das SCI kaum geeignet, da die Verbindungen der Gewäs-
ser durch zahlreiche Querbauwerke gestört sind, die Müglitz selbst größtenteils hochwas-
serbedingt ausgebaut und fast durchgängig von Straßen begleitet wird. Direkte Verbin-
dungsmöglichkeiten zu anderen Gewässersystemen bestehen lediglich zur Elbe, die an-
grenzenden Gewässersysteme sind nur über längere Landstrecken erreichbar. Somit sind
die Anforderungen an die Kohärenz im Gebiet nur unzureichend erfüllt. Die Müglitz ist
jedoch ein Wanderkorridor für den Fischotter, über den er von den Elbegebieten und der
Sächsischen Schweiz nach Süden wandert. Als Ausbreitungskorridor ist die Bedeutung

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17
der Müglitz wegen der geringen Gewässerkörpergröße und Wasserführung im Oberlauf
sowie der fehlenden Kommunikation mit Nachbargewässern stark eingeschränkt.
Für das Große Mausohr und die Kleine Hufeisennase sind die Kohärenzbedingungen im
Müglitztal durch die guten Verbindungen zwischen Winterquartieren, Wochenstuben und
Jagdhabitat sehr günstig.
Die beiden Kammmolchhabitate liegen unmittelbar beieinander. Außerhalb des FFH-
Gebietes befinden sich in der Nähe weitere Kammmolchgewässer (Bereich um Burk-
hardswalde). Da es im Gebiet jedoch keine weiteren Stillgewässer gibt, ist das SCI für
den Kammmolch weniger geeignet. Zur Kohärenz im Gebiet lässt sich keine Aussage
treffen.
Die Kohärenz für die Westgroppe ist nicht gewährleistet, da durch die vorhandenen Quer-
bauwerke eine flussaufwärts gerichtete Migration innerhalb der Müglitz unmöglich ist.
Die prioritäre Spanische Flagge* kommt mehr oder weniger durchgehend im gesamten
Müglitztal zwischen Köttewitz und Bärenhecke vor. Die Siedlungsbereiche von Schlottwitz
und Glashütte einschließlich der angrenzenden bewaldeten Hänge sind jedoch relativ arm
an geeigneten Habitaten für Falter bzw. Raupen, so dass die Vorkommen im Müglitztal
als 3 getrennte, aber nicht voneinander isolierte Metapopulationen aufzufassen sind. In
seiner Gesamtheit muss das Vorkommen der Spanischen Flagge im FFH-Gebiet als her-
vorragend eingestuft werden und bestätigt seine Bedeutung als einer der beiden sächsi-
schen Verbreitungsschwerpunkte.
Das Vorkommen der wichtigen Lebensraumtypen des Offenlandes (LRT 6430, 6510,
6520) in ausreichender Dichte und Qualität ist eine wichtige Bedingung für die Offenland-
Kohärenz weiterer gefährdeter Insektenarten wie den Rundaugen-Mohrenfalter (
Erebia
medusa
) und den Lilagold-Falter (
Lycaena hippothoe
) im Bergwiesengebiet von Geising
und dem Schwarzbachgrund.
3. MAßNAHMEN
3.1. MAßNAHMEN AUF GEBIETSEBENE
Zum Erhalt des Gebietes mit seinem Mosaik aus Wald-, Gewässer- und Offenland-
Lebensräumen werden die folgenden Maßnahmen auf Gebietsebene formuliert:
-
Gewährleistung des ökologisch begründeten Mindestwasserabflusses nach der LAWA-
Methodik 2001 in allen Fließgewässern
-
Zur Erhaltung der Offenland-Kohärenz muss das weitere Verbuschen bzw. randliche
Zuwachsen offener, schmaler Talauen und offener, steilhängiger Wiesen durch be-
darfsweise Entbuschung verhindert werden.

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18
-
Zur Erhaltung der Offenland-Kohärenz müssen auch Offenlandbiotope, die nicht als
LRT erfasst wurden, kontinuierlich und ausreichend gepflegt werden (z. B. Nasswie-
senpflege).
3.2. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Zum Erhalt der Fließgewässer mit Unterwasservegetation (LRT 3260) sind neben den
allgemeinen Behandlungsgrundsätzen der Gewässerunterhaltung (v. a. Sicherung der
Struktur- und Gewässergüte, Sicherung der Habitatfunktionen, Einhaltung der Bestim-
mungen zu Gewässerrandstreifen) keine spezifischen Einzelmaßnahmen erforderlich.
Um eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der LRT-Fläche der Kalk-Trocken-
rasen (LRT 6210) zu vermeiden, ist diese im Juni und im Herbst mit Rindern, Schafen
oder Ziegen mit einer Besatzdichte von 2 Großvieheinheiten pro ha und Termin zu bewei-
den. Pferche sind nicht auf der Fläche einzurichten. Die dichteren, hochwüchsigen Rand-
bereiche sind selektiv nachzumähen und das Mahdgut zu beräumen. Auf Mulchen und
Düngung ist dabei grundsätzlich zu verzichten. Bei Bedarf ist die Fläche zu entbuschen.
Die allgemeinen Behandlungsgrundsätze sehen für die Artenreichen Borstgrasrasen (prio-
ritärer LRT 6230*) eine einschürige Mahd mit Abräumen bzw. Heuwerbung vor. Eine
Nachbeweidung ca. 6 bis 8 Wochen nach der Mahd ist grundsätzlich möglich. Eine dau-
erhafte, ausschließliche Rinderweide ist im Gebiet zur Sicherung des günstigen Erhal-
tungszustandes ungeeignet, ebenso sind Stickstoff-Düngung und Mulchen generell aus-
geschlossen. Abweichend von den vorgenannten Regelungen ist auf der wegen der gro-
ßen Steine nicht mahdfähigen Einzelfläche am Heidegraben generell jährlich wenigstens
einmal zwischen Anfang Juli und Ende August eine Beweidung mit Schafe oder Ziegen
mit einer Besatzdichte von ca. 2 GVE je ha und Weidegang durchzuführen. Zur Sicherung
konkurrenzschwacher floristischer Besonderheiten sind bei einigen Flächen kleine Roh-
bodenflächen (Pionierstandorte) mechanisch zu erzeugen (tief gestelltes Schneidwerk-
zeug, Motorsense, Plaggen). Kleinflächig kann dazu auch abweichend vom normalen
Nutzungstermin eine selektive Mahd notwendig werden. Störungszeiger sind bei Bedarf
durch selektive Mahd jährlich zu bekämpfen, ebenso ist bei Bedarf Entbuschung vorgese-
hen.
Die Feuchten Hochstaudenfluren (LRT 6430) an der Müglitz, die zugleich Habitat der prio-
ritären Spanischen Flagge* sind, sind zum Erhalt des günstigen Erhaltungszustandes bei
Bedarf regelmäßig zu entbuschen. Auf 10 Flächen sind bei Bedarf Neophyten zu bekämp-
fen.
Zum Erhalt der Flachland-Mähwiesen (LRT 6510) sind als Behandlungsgrundsätze in
festgelegten Zeiträumen abhängig vom jeweiligen Vegetationstyp eine jährlich ein- bis
zweischürige Mahd mit Heuwerbung bzw. Abräumen des Mahdgutes durchzuführen. Al-
ternativ zum zweiten Schnitt ist eine extensive Herbstweide mit Rindern, Schafen

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19
und/oder Ziegen mit einer Besatzdichte von ca. 4 GVE pro ha und Weidegang möglich.
Die bisherige Düngemenge ist nicht zu überschreiten. Bei Bedarf ist zu entbuschen. Neu-
ansaaten und Brachfallen von LRT-Flächen müssen vermieden werden.
Als Ergänzung zu den Behandlungsgrundsätzen sind auf 2 Flächen zur Sicherung von
lebensraumtypischen, konkurrenzschwachen floristischen Besonderheiten kleine Rohbo-
denflächen (Pionierstandorte) durch tief gestelltes Schneidwerkzeug, Motorsense, oder
den Tritt der Weidetiere zu schaffen. Abweichend vom normalen Nutzungstermin kann
hierfür zudem eine kleinflächige selektive Mahd notwendig werden. Auf 6 LRT-Flächen im
ungünstigen Erhaltungszustand ist eine zweischürige Mahd als Wiederherstellungsmaß-
nahme erforderlich. Auf den mager ausgebildeten LRT-Flächen (9 Flächen) sollte voll-
ständig auf Düngezugaben verzichtet werden.
Die Behandlungsgrundsätze für die Berg-Mähwiesen (LRT 6520) entsprechen im Wesent-
lichen denen der Flachland-Mähwiesen (LRT 6510). Spätmahd kann auf konkret auszu-
weisenden Teilflächen zum Schutz von bodenbrütenden Vogelarten (z.B. Wachtelkönig,
Braunkehlchen) erforderlich werden, allerdings kann mit alleiniger Spätmahd der günstige
Erhaltungszustand in der Regel auf Dauer nicht gesichert werden. Auf den 17 Flächen mit
ungünstigem Erhaltungszustand ist eine zweischürige Mahd als Wiederherstellungsmaß-
nahme erforderlich. Zur Sicherung lebensraumtypischer, floristischer Besonderheiten sind
auf 8 Flächen selektive Mahd durchzuführen oder Pionierstandorte zu schaffen. Mager
ausgebildete Flächen (eine Fläche) sowie Bärwurz-Magerwiesen (14 Flächen) sollen
grundsätzlich nicht gedüngt und nicht gekalkt werden.
Die allgemeinen Behandlungsgrundsätze sehen für die Übergangs- und Schwingrasen-
moore (LRT 7140) den Erhalt eines ungestörten Bodenwasserhaushaltes, Verzicht auf
Entwässerungen auch im Umfeld der LRT, die Verhinderung von Nährstoffeinträgen, eine
selektive Mahd ca. aller 2 Jahre in der zweiten Sommerhälfte sowie die wiederkehrende
Schaffung von kleinflächigen Rohbodenstandorten zur Förderung konkurrenzschwacher
Pflanzenarten vor. Neben diesen Behandlungsgrundsätzen ist in den Randbereichen bei-
der Flächen eine jährliche Beräumung von Störzeigern und wuchskräftigen Konkurrenz-
pflanzen durch jährliche selektive Mahd notwendig.
Bei den beiden Kalktuffquellen (prioritärer LRT 7220*), die hinter einem 2004 angebrach-
ten Steinschlagschutzgitter für die Bahnstrecke bzw. Straße liegen, sind oberhalb der
Quelle auf etwa 20 m die vorhandenen Bäume zu entfernen, um das Ansammeln von
Falllaub in der Quelle, das zu Eutrophierungen führt, zu verhindern. Dabei ist jedoch
gleichzeitig darauf zu achten, dass die Lage der Quellbereiche im Halbschatten gewähr-
leistet bleibt, um ein Austrocknen zu vermeiden. Zusätzlich zur regulären Unterhaltung
des Steinschlagschutzgitters, die das Entfernen der innerhalb des Gitters aufkommenden
Gehölze umfasst, ist jährlich eine Entkrautung durchzuführen. Sofern dies möglich ist,
sind nach Ablauf der Gewährleistungsfrist im Jahr 2009 kleinere Öffnungen in das
Schutzgitter zu schneiden, um das Ansammeln von organischem Material in den sehr

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20
kleinflächigen LRT-Bereichen zu verhindern. Um mögliche Veränderungen der LRT-
Flächen hinter den Schutzgittern zu beobachten, wird ein Feinmonitoring vorgeschlagen.
Die Behandlungsgrundsätze für die Kalkreichen Niedermoore (LRT 7230) entsprechen im
Wesentlichen denen der Übergangs- und Schwingrasenmoore (LRT 7140). Auch die ein-
zelflächenspezifischen Maßnahmen sind vergleichbar: In den Randbereichen beider Flä-
chen müssen Störungszeiger und wuchskräftige Konkurrenzpflanzen durch selektive
Mahd jährlich beräumt werden. Auf einer Fläche können bei Bedarf von geschultem
Fachpersonal kleine Rohbodenstandorte erzeugt werden, um die Keimungsmöglichkeiten
für konkurrenzschwache Arten zu verbessern. Diese Flächen sind bezüglich des Auf-
kommens von Eutrophierungszeigern zu kontrollieren.
Zur Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der Silikatschutthalden (LRT 8150) ist
neben den Behandlungsgrundsätzen, welche eine Aufforstung grundsätzlich untersagen
und die Beseitigung von Stör- und Nährstoffzeigern bei Bedarf vorsehen, wenn notwendig
der Bebuschungsgrad auf maximal 40 % zu beschränken. Gegenwärtig ist dies als Wie-
derherstellungsmaßnahme bei einer Fläche angezeigt. Ebenfalls ist die Beschattung
durch Randüberschirmung bei Bedarf auf 40 % zu reduzieren. Bei 3 LRT-Flächen ist die-
se Maßnahme kurzfristig als Wiederherstellungsmaßnahme durchzuführen.
Neben der Berücksichtigung allgemeiner Behandlungsgrundsätze, welche die Sicherung
eines ausreichenden Besonnungsgrades und einer weitgehenden Stör- und Nährstoffzei-
gerfreiheit der LRT-Flächen zum Ziel haben, sind für die Kalkhaltigen Schutthalden (priori-
tärer LRT 8160*) , die Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation (LRT 8210) und die Silikatfel-
sen mit Felsspaltenvegetation (LRT 8220) zur Zeit keine einzelflächenspezifischen Erhal-
tungsmaßnahmen sinnvoll oder erforderlich. Auch für die Höhle (LRT 8310) sind keine
über die allgemeine Vermeidung von Beeinträchtigungen aller Art hinausgehenden Rege-
lungen vorgesehen.
In den LRT-Flächen der Hainsimsen-Buchenwälder (LRT 9110) sind zum Erhalt eines
günstigen Erhaltungszustands neben der Beachtung der allgemeinen Behandlungsgrund-
sätze auf einem Großteil der Flächen mindestens ein Stück starkes stehendes oder lie-
gendes Totholz pro ha und/oder 3 Biotopbäume pro ha zu belassen oder anzureichern.
Auf einer Fläche in ungünstigem Erhaltungszustand ist die Verbissbelastung zu reduzie-
ren.
Zum Erhalt eines günstigen Erhaltungszustands der Waldmeister-Buchenwälder (LRT
9130) sind neben der Beachtung der allgemeinen Behandlungsgrundsätze auf allen Flä-
chen mindestens ein Stück starkes stehendes oder liegendes Totholz pro ha und/oder 3
Biotopbäume pro ha zu belassen. Daneben ist auf der Fläche in ungünstigem Erhaltungs-
zustand der Anteil lebensraumtypischer Hauptbaumarten - in diesem Fall der Buche - zu
erhöhen.

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Auf mehr als einem Drittel der LRT-Flächen der Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder (LRT
9170) sind über die allgemeinen Behandlungsgrundsätze hinaus keine einzelflächenspe-
zifischen Erhaltungsmaßnahmen erforderlich. Auf den übrigen Flächen sind überwiegend
mindestens ein Stück starkes stehendes oder liegendes Totholz pro ha und/oder 3 Bio-
topbäume pro ha zu belassen oder anzureichern. Daneben ist auf 4 Flächen der Anteil
der lebensraumtypischen Eiche als Hauptbaumart aktiv zu erhalten. Auf einer Fläche ist
zur Verringerung von Schäden an der Vegetationsstruktur die Eutrophierung vom angren-
zenden Feld durch die Anlage einer Schlehenhecke auf einer Länge von 130 m (wald-
seits) zu reduzieren. Auf einer weiteren Fläche ist die Verbissbelastung zu reduzieren.
Der günstige Erhaltungszustand der Schlucht- und Hangmischwälder (prioritärer LRT
9180*) kann auf dem überwiegenden Teil der Flächen, neben der Beachtung der allge-
meinen Behandlungsgrundsätze, durch Belassen von mindestens einem Stück starken
stehenden oder liegenden Totholzes pro ha und/oder 3 Biotopbäumen pro ha gesichert
werden. Auf einer Fläche ist die Verbissbelastung zu reduzieren, für 9 Flächen sind keine
einzelflächenspezifischen Erhaltungsmaßnahmen erforderlich.
Zur Sicherung des günstigen Erhaltungszustands der Erlen-Eschen- und Weichholzau-
enwälder (prioritärer LRT 91E0*) sind neben der Beachtung der allgemeinen Behand-
lungsgrundsätze auf 9 LRT-Flächen ein Stück starkes stehendes oder liegendes Totholz
pro ha und/oder 3 Biotopbäume pro ha zu belassen. Auf 2 Flächen ist der Anteil der ge-
sellschaftsfremden Fichte bereits vor der Hiebsreife zu reduzieren. Auf diesen Flächen ist
auch die Verjüngung gesellschaftsfremder Arten zu reduzieren bzw. die Naturverjüngung
lr-typischer Baumarten zu fördern.
3.3. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF ARTEN NACH ANHANG II
Für den Fischotter wird der Erhalt der Habitatstrukturen in den erfassten Lebensräumen
als essentielle Erhaltungsmaßnahme benannt. Daneben werden Behandlungsgrundsätze
aufgeführt, die die gefahrlose Durchwanderbarkeit des Gebietes zum Ziel haben.
Zum Erhalt des günstigen Erhaltungszustandes der Kleinen Hufeisennase und des Gro-
ßen Mausohrs ist der Eingangsbereich des gemeinsam genutzten Quartiers im ehemali-
gen Kalkwerk Mühlbach zu sichern. Außerdem sind die erforderlichen Habitatstrukturen in
den ausgewiesenen Lebensräumen zu erhalten. Für beide Arten sowie für die bislang
nicht festgestellte Mopsfledermaus werden zudem Behandlungsgrundsätze aufgestellt,
die im Wesentlichen den Erhalt der Waldbestände und deren quartiertauglicher Strukturen
umfassen.
Zur Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes des Kammmolchs sind in allen 4 Flä-
chen die Habitatstrukturen aktiv zu erhalten. In einem Gewässer ist der gebietsfremde
Goldfischbesatz zu entfernen. 2 Gewässer sind schonend teilzuentschlammen. Zur Ver-

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besserung der Besonnung dieser beiden Gewässer sind in Teilbereichen die Gehölzsäu-
me „auf den Stock zu setzen“.
Für die Westgroppe sind die erforderlichen Strukturen in allen Habitatflächen zu erhalten.
Die Behandlungsgrundsätze für die Art und für den bisher nicht festgestellten Lachs bein-
halten zudem u. a. die Beibehaltung der Gewässergüte, abschnittsweise naturnahe Ent-
wicklung und die Verbesserung der Durchgängigkeit der Gewässer.
Zur Sicherung des günstigen Erhaltungszustands der prioritären Spanischen Flagge* sind
die Habitatstrukturen der Flächen zu erhalten. Auf 12 Flächen sind in einem Turnus von 6
Jahren die Gehölze zu entfernen. Auf 2 Flächen ist die Mahd des ruderalen Staudensau-
mes (Beifuß, Goldrute) im Juli erforderlich. Die allgemeinen Behandlungsgrundsätze für
die Art orientieren auf den Erhalt eines den Ansprüchen der Art entsprechenden struktur-
reichen Habitats, insbesondere einer naturnahen Laubwaldbestockung an den Hängen,
artenreicher Waldränder mit vorgelagerten blütenreichen Staudensäumen. Mahd von
Staudenfluren im Rahmen von Gewässer- und Straßenunterhaltungsmaßnahmen soll in
diesem Zusammenhang erst nach dem Ende der Hauptflugzeit der Spanischen Flagge*
erfolgen.
Neben den genannten Maßnahmen wird die Erhaltung der Störungsarmut des Gebietes
als Behandlungsgrundsatz genannt, um die Funktion des Gebietes als Teillebensraum für
den Luchs (sporadisch frequentiertes Nahrungshabitat, Migrationskorridor) zu sichern.

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Tabelle 5: Erhaltungsmaßnahmen im SCI 043E
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Naturschutzgerechte Beweidung
(z. B. Vorgabe der Besatzdichte, der
Weidegänge, der Weidetiere)
<1
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes des
LRT, Erhalt und Förderung der LR-typischen Vegeta-
tion
Kalk-Trockenrasen (6210), Artenreiche
Borstgrasrasen (6230*)
Selektive Mahd (Störungszeiger,
Neophyten), Entbuschung bei Be-
darf bzw. in regelmäßigem Turnus,
Freistellen von Felsen
ca. 79
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der
LRT, Erhalt und Förderung der LR-typischen Vegeta-
tion; Erhalt der Habitatqualitäten für den Kammmolch
und die Spanische Flagge*
Kalk-Trockenrasen (6210), Feuchte Hoch-
staudenfluren (6430), Flachland-
Mähwiesen (6510), Berg-Mähwiesen
(6520), Übergangs- und Schwingrasen-
moore (7140), Kalktuffquellen (7220*),
Kalkreiche Niedermoore (7230), Silikat-
schutthalden (8150), Kammmolch, Spani-
sche Flagge*
Schaffung von Rohbodenstandorten
<1
Erhalt und Förderung konkurrenzschwacher, LR-
typischer Vegetation
Artenreiche Borstgrasrasen (6230*),
Flachland-Mähwiesen (6510), Kalkreiche
Niedermoore (7230),

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Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Extensive Grünlandbewirtschaftung
(Ein- bis Zweischürige Mahd mit
Terminvorgabe, Vorgaben zur Dün-
gung)
ca. 95
Sicherung bzw. Wiederherstellung des günstigen
Erhaltungszustandes des LRT, Erhaltung und Förde-
rung des lebensraumtypischen Arteninventars
Artenreiche Borstgrasrasen (6230*),
Flachland-Mähwiesen (6510), Berg-
Mähwiesen (6520)
Naturnahe Waldbewirtschaftung
(insb. Belassen von Totholz und
Biotopbäumen)
ca. 103
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der
LRT, Erhaltung der strukturellen Vielfalt
Hainsimsen-Buchenwälder (9110), Wald-
meister-Buchenwälder (9130), Labkraut-
Eichen-Hainbuchenwälder (9170),
Schlucht- und Hangmischwälder (9180),
Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder
(91E0*)
Reduzierung der Verbissbelastung
ca. 7
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der
LRT
Hainsimsen-Buchenwälder (9110), Lab-
kraut-Eichen-Hainbuchenwälder (9170),
Schlucht- und Hangmischwälder (9180)
Erhalt bzw. Förderung der Haupt-
baumarten
ca. 9
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der
LRT, Erhaltung und Förderung der lr-typischen Ve-
getation
Waldmeister-Buchenwälder (9130), Lab-
kraut-Eichen-Hainbuchenwälder (9170),
Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder
(91E0*)
Anlage einer Schlehenhecke (Ver-
ringerung der Eutrophierung der
Fläche)
130 m
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der
LRT, Vermeidung von Schäden der Vegetation
Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
(9170)

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Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Erhalt der Habitatstrukturen für die
Fledermausarten
ca. 1.383
2 Quartiere
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der
Arten durch Erhalt der Habitatqualitäten
Kleine Hufeisennase, Großes Mausohr
Sicherung des Zugangsbereiches
eines Quartiers
1 Quartier
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der
Art durch Erhalt der Zugangsmöglichkeiten zu den
Fortpflanzungs- und Ruhestätten
Kleine Hufeisennase, Großes Mausohr
Entfernung des allochthonen Gold-
fischbesatzes
< 1 (außerhalb
SCI)
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der
Art durch Erhalt der Habitatqualitäten
Kammmolch
Naturschutzgerechte Entschlam-
mung von Stillgewässern
< 1
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der
Art durch Erhalt der Habitatqualitäten
Kammmolch
Erhalt der Habitatstrukturen für Of-
fenlandarten
ca. 55
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der
Arten durch Erhalt der Habitatqualitäten
Spanische Flagge*
Erhalt der Habitatstrukturen für ge-
wässergebundene Arten
ca. 39
ca. 6 außerhalb
SCI
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der
Arten durch Erhalt der Habitatqualitäten
Fischotter, Kammmolch, Westgroppe
*prioritärer Lebensraumtyp bzw. prioritäre Art

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4. FAZIT
Die geplanten Maßnahmen wurden mit den Nutzungsberechtigten und vorliegenden
Fachplanungen abgestimmt.
Mit den Zielen der 3 SPA wurden keine Konflikte festgestellt.
Nach Abgleich der LRT und Habitate mit der Waldmehrungsplanung ergeben sich mehre-
re sich überlagernde Flächen, die somit als potenzielle Waldmehrungsflächen auszu-
schließen sind. Es bestehen 2 Forsteinrichtungen, wobei sich jedoch nur in einem Fall
eine Überschneidung ergab, wo eine Altdurchforstung geplant ist und so 2 Biotopbäume
gefährdet sind. Diese sollten zur Sicherung vor der Durchforstung markiert werden. Für
die Müglitz liegt ein Gewässerunterhaltungsplan vor, der nicht im Widerspruch zu den
notwendigen Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen steht. Die Maßnahmen sollten
grundsätzlich auf die Laichzeiten der Fischarten abgestimmt durchgeführt werden.
Die die Fließgewässer betreffenden Maßnahmen wurden mit der Flussmeisterei Dresden
abgestimmt, deren Hinweise in der Maßnahmenplanung berücksichtigt wurden. Für die
Nutzer der Offenlandflächen ergaben sich keine Konflikte, fast alle stimmten den konzi-
pierten Maßnahmen zu. Allerdings äußerten sich einige nicht zu den Maßnahmen, sodass
deren Umsetzbarkeit offen bleibt. Den Maßnahmen auf Waldflächen wurde weitgehend
zugestimmt. Nur von einem Nutzer ging eine negative Rückantwort ein, ein Weiterer gab
nur teilweise seine Zustimmung zu den geplanten Maßnahmen.
Für die Kleingewässer mit Kammmolchhabitaten konnten keine Nutzer bzw. Eigentümer
ermittelt werden, sodass die die Teiche betreffenden Maßnahmen nicht abgestimmt wer-
den konnten. Deren Umsetzung könnte Probleme bereiten, da die Entnahme von Fischen
aus dem Gewässer ohne Zustimmung des betreffenden Fischereirechtinhabers nicht
rechtmäßig ist.
Es verbleibt ein Konfliktpotenzial für den Kalktrockenrasen, wo aufgrund der Hangneigung
die geforderte Nachmahd nicht möglich ist. Die geplanten Maßnahmen bezüglich Totholz
und Biotopbäumen auf einer Fläche der Schlucht- und Hangmischwälder wurden vom
Waldbesitzer abgelehnt und die Verkehrswegesicherung durch Steinschlagschutzgitter
steht im Konflikt mit der Erhaltung einer Kalktuffquelle.
Zur Sicherung des Gebietes sollen bei einer Neufestsetzung der Schutzgebiete die jewei-
ligen Schutzzwecke an die Erhaltungsziele des Managementplanes angepasst werden.
Die Kerngebietsflächen des Naturschutzgroßprojektes "Bergwiesen im Osterzgebirge"
sollten auf die erfassten LRT und Arthabitate erweitert werden. Außerdem sollte für be-
sonders wertvolle und gefährdete Lebensräume im SCI eine Unterschutzstellung als FND
geprüft werden, so z. B. für die „Steinbruchwiese Lauenstein“. Als für das SCI wesentliche
gebiets- und kohärenzsichernde Maßnahme ist die Wiederherstellung der ökologischen
Durchgängigkeit des Müglitzunterlaufs von der Mündung bis Mühlbach anzusehen. Zur
Sicherung der Fließgewässer-LRT und -Habitate sind die bekannten Quellen der Schwer-
metallbelastung (Spülhalde Biela) abzustellen. Perspektivisch wird eine Anpassung der
Gebietsabgrenzung an die Flurstücksgrenzen erforderlich.

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5. QUELLE
Der Managementplan für das Gebiet Nr. 043E „Müglitztal“ wurde im Original federführend
von Landschafts-PLANUNG Dr. Böhnert & Dr. Reichhoff GmbH in Freital erstellt (2006)
und kann beim Regierungspräsidium Dresden, Umweltfachbereich Radebeul, oder dem
Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie, Abteilung Natur, Landschaft, Boden,
eingesehen werden.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen
Karte 2: Übersichtskarte Arthabitate