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Bekanntmachung
des Sächsischen Staatsministeriums des Innern
Hinweise zur Anwendung des Sächsischen Kommunalabgaben-
gesetzes
(AnwHinwSächsKAG 2014)
Das Sächsische Staatsministerium des Innern gibt zur Anwendung des Sächsischen Kom-
munalabgabengesetzes (SächsKAG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 26. August
2004 (SächsGVBl. S. 418, 2005 S. 306), zuletzt geändert durch Artikel 6 des Gesetzes vom
28. November 2013 (SächsGVBl. S. 822, 840), folgende Hinweise:
Vorbemerkung:
Die Anwendungshinweise sollen ein Hilfsmittel für den Rechtsanwender sein. Sie
stehen unter dem Vorbehalt künftiger Änderungen der Rechtslage und der Recht-
sprechung. Eine erschöpfende Darstellung der Rechtslage ist ebensowenig beab-
sichtigt wie eine verbindliche Weisung im Sinne einer Verwaltungsvorschrift. Der vor-
liegende Text ist eine vollständige Neubearbeitung gegenüber der Fassung vom 31.
August 2004 (SächsABl. S. 973). Soweit einzelne Aussagen aus den Anwendungs-
hinweisen vom 31. August 2004 nicht übernommen worden sind, bedeutet dies nicht,
dass sie inzwischen nicht mehr der Rechtsauffassung des Staatsministeriums des
Innern entsprechen.
Hinweis:
Soweit Vorschriften der Abgabenordnung (AO) in der Fassung der Bekanntmachung
vom 1. Oktober 2002 (BGBl. I S. 3866; 2003 I S. 61), zuletzt geändert durch Artikel
16 des Gesetzes vom 25. Juli 2014 (BGBl. I S. 1266, 1291), zitiert werden, wird von
einem ausdrücklichen Hinweis auf die jeweils zugehörige Verweisungsnorm in § 3
SächsKAG abgesehen.
Inhaltsverzeichnis:
Abschnitt 1 (Allgemeine Vorschriften)
I. zu § 1 (Geltungsbereich)
1. Abgabengläubiger
2. Abgabenarten
a) Nebenleistungen
b) Verwaltungsgebühren
3. Einnahmebeschaffungsgrundsätze (Abgabenerhebungspflicht)
a) Allgemeine Grundsätze
b) Straßenbaubeiträge

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II. zu § 2 (Rechtsgrundlage für Kommunalabgaben
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1. Satzungsbefugnis
2. Satzungsermessen
3. Verfassungsrechtliche Grenzen der Ermessensausübung
4. Anzeigepflicht
5. Nichtigkeit/Heilung von Verfahrensmängeln
6. Rückwirkung von Satzungen
a) Allgemeine Grundsätze
b) Beitragsrecht
7. Mindestinhalt der Satzung
a) Entstehung der Abgabenschuld
b) Abgabenschuldner
c) Abgabenmaßstab
III. zu § 3 und § 3a (Verwaltungsverfahren)
1. Anwendungsbereich
a) Abgabenordnung
b) Allgemeines Verwaltungsverfahrensrecht
c) Verwaltungsrechtliche Verträge
2. Einzelfragen
a) Gesamtschuldnerschaft
b) Erbenhaftung
c) Festsetzungsbedürftigkeit
d) Festsetzungsverjährung
e) Festsetzungsverjährung und Neuerlass der Abgabensatzung
f) Bestimmtheit von Beitragsbescheiden
g) Förmliche Zustellung
h) Unbekannte Eigentümer und Eigentümer unbekannten Aufenthalts
i) Widerspruchsverfahren
j) Vollstreckungsverfahren
k) Stundung von Beiträgen für landwirtschaftliche Grundstücke
IV. zu § 4 (Verwaltungshelfer)
V. zu § 5 (Abgabenhinterziehung)
1. Zuständigkeit der Staatsanwaltschaften
2. Realsteuern und Kurtaxe
VI. zu § 6 (Leichtfertige Abgabenverkürzung und Abgabengefährdung)
Abschnitt 2 (Steuern)
VII. zu § 7 (Gemeindesteuern)
1. Örtliche Aufwand- und Verbrauchsteuern
a) Bundesrechtliche Grenzen des Steuerfindungsrechts
b) Landesrechtliche Grenzen des Steuerfindungsrechts
2. Realsteuern
VIII. zu § 8 (Kreissteuern)

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Abschnitt 3 (Benutzungsgebühren)
IX. zu § 9 (Erhebungsermächtigung, Einrichtungsbegriff)
1. Anwendungsbereich
2. Privatrechtliches Entgeltregime
3. Entstehung der Gebührenpflicht/Leistungsbegriff
a) Vorhalteleistung
b) Laufender Leistungsbezug
4. Einheitsgebühren und Sondergebühren
a) Abwassergebühren
b) Abfallgebühren
c) Trägerübergreifende Einheitsgebühren
5. Gebührengläubiger
6. Gebührenschuldner
7. Öffentliche Einrichtungen
a) aufgabenbezogene Einheitseinrichtungen
b) anlagenbezogene Teileinrichtungen
c) nicht anlagenbezogene Teileinrichtungen
d) Trägerbezogenheit des Einrichtungsbegriffs
e) Widmung
X. zu § 10 (Kostendeckungsgrundsatz, Kalkulationszeitraum)
1. Kostendeckung
a) Kostenüberschreitungsverbot
b) Verbot der Quersubventionierung
2. Gebührenbemessung
a) Voraus- und Nachkalkulation
b) Kalkulationszeitraum
c) „Deckungsgleichheit“ von Kalkulations- und Veranlagungszeitraum
d) Kostenüber- und -unterdeckung
aa) Kostenüberdeckungen
bb) Kostenunterdeckungen
cc) Ausgleichsverfahren
XI. zu § 11 (Kosten)
1. Gebührenrechtlicher Kostenbegriff
2. Keine Anwendung haushaltsrechtlicher Vorschriften
3. Kostenermittlung bei Einschaltung Dritter in die Aufgabenwahrnehmung
a) Teilzweckverbände
b) Betreibergesellschaften
4. Nicht betriebsbedingte gebührenfähige Kosten
5. Einzelne Kostenarten
a) Rückstellungen
b) Deponienachsorge
c) Abschreibungen
d) Wagnisse
e) Steuern
f) Vorfinanzierungskosten
6. Straßenentwässerungskosten
XII. zu § 12 (Zinsen)

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1. Zinsbasis
a) Restwert- und Durchschnittswertmethode
b) Bestimmung des Anlagekapitals bei Abschreibung nach der Bruttomethode
2. Kalkulatorischer Zinssatz
3. Abzugszinsen
a) refinanzierte Kapitalzuschüsse
b) reinvestierte refinanzierte Kapitalzuschüsse
4. Tatsächlicher Zinsaufwand statt kalkulatorischer Zinsen
XIII. § 13 (Abschreibungen)
1. Abschreibungsbasis
a) Ertrags- und Kapitalzuschüsse
b) Brutto- und Nettomethode
c) Abschreibung auf der Basis von Wiederbeschaffungszeitwerten
2. Abschreibungsraten
XIV. zu § 14 (Gebührenbemessung)
1. Kosten- und leistungsproportionale Gebührenmaßstäbe
2. Lenkungszwecke
3. Grund-, Fest- und Mindestgebühren
a) Grundgebühren
b) Festgebühren
c) Mindestgebühren
4. Gestaffelte Gebührensätze
XV. zu § 15 (Vorauszahlungen)
XVI. zu § 16 (Eigenverbrauch)
Abschnitt 4 (Beiträge für öffentliche Einrichtungen)
XVII. zu § 17 (Erhebungsermächtigung, Grundsätze)
1. Zur Rechtsnatur des Anschlussbeitrags
2. Anwendungsbereich des Anschlussbeitragsrechts
3. Mischfinanzierung und Doppelbelastungsverbot
4. Beitragsgegenstand
a) Grundstücksbegriff
b) Anschlussmöglichkeit
c) Wirtschaftlicher Vorteil
5. Betriebskapital
a) Höchstzulässiges Betriebskapital
b) Höchstzulässiges angemessenes Betriebskapital
c) Festgesetztes Betriebskapital
d) Erhöhung des festgesetzten Betriebskapitals
6. Erstbeiträge und weitere Beiträge
7. Teilleistungsbereiche im Anschlussbeitragsrecht
8. Übergangsvorschriften für nach früherem Recht gebildete Teileinrichtungen
XVIII. zu § 18 (Beitragsmaßstab, Beitragssatz)
1. Grundstücksbezogener Vorteilsbegriff
2. Zulässige Beitragsmaßstäbe

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3. Globalberechnung
a) Flächenseite
b) Aufwandsseite
4. Kontrollrechnung
XIX. zu § 19 (Abgrenzung von Teilflächen bei der Beitragsbemessung; weitere
Beitragspflichten)
1. Teilflächenabgrenzung als Teil der Beitragsbemessung
a) Fehlende bauliche und gewerbliche Nutzbarkeit
b) Möglichkeit der grundbuchmäßigen Abschreibung der abzugrenzenden Fläche
2. Teilflächenabgrenzung unmittelbar durch Gesetz
3. Wegfall der Abgrenzungsgründe
XX. zu § 20 (Zusätzliche Beiträge von Großverbrauchern)
1. Nachhaltig überdurchschnittliche Inanspruchnahme
2. Satzungsregelung
3. Vertragliche Vereinbarungen
XXI. zu § 21 (Beitragsschuldner)
1. Für die Bestimmung des Beitragsschuldners maßgeblicher Zeitpunkt
2. Erbbaurecht und Gebäudeeigentum/Übergangsregelungen
3. Gesamtschuldnerschaft
XXII. zu § 22 (Entstehung der Beitragsschuld, Verrentung)
1. Entstehung der Beitragsschuld
a) sachliche Beitragspflicht
aa) Erstbeiträge
bb) Weitere Beiträge
cc) Zusätzliche Beiträge
dd) Beiträge gemäß § 19 Abs. 2 SächsKAG
b) Einmaligkeit der Beitragsentstehung
c) Doppelveranlagungsverbot
2. Gemeindeanteil
3. Entstehung der Beitragsschuld in Raten
4. Verrentung
XXIII. zu § 23 (Vorauszahlung)
1. Beitragsvorauszahlung
2. Verrechnung mit dem Beitragsanspruch
3. Rückerstattung von Vorauszahlungen
XXIV. zu § 24 (Öffentliche Last)
1. Haftungsgegenstand
2. Doppelte Akzessorietät
3. Durchsetzung des Anspruchs auf Duldung der Zwangsvollstreckung
XXV. zu § 25 (Ablösung, Erschließung durch Dritte)
1. Ablösung der Beitragspflicht
2. Übertragung der Erschließungspflicht auf Dritte
Abschnitt 5 (Beiträge für Verkehrsanlagen)

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XXVI. zu § 26 (Erhebungsermächtigung für Beiträge zu Verkehrsanlagen, bei-
tragsfähige Maßnahmen)
1. Anwendungsbereich
a) Verkehrsanlagen
aa) Gemeindeverbindungsstraßen
bb) Wirtschaftswege
b) Herstellung
c) Anschaffung
d) Ausbau
aa) Erweiterung
bb) Verbesserung
cc) Erneuerung
e) Vorrang des BauGB
2. Vorteilsbegriff des Straßenbaubeitragsrechts
XXVII. zu § 27 (Beitragsfähiger Aufwand)
1. Bestimmung des beitragsfähigen Aufwands
a) Aufwandsarten
b) Ausschluss der Beitragsfähigkeit durch Satzung
c) Bauprogramm
d) Einheitssätze
2. Erschließungseinheit und Abschnittsbildung
XXVIII. zu § 28 (Grundsätze der Beitragsbemessung, öffentliches Interesse)
1. Anteil des öffentlichen Interesses
a) Äquivalenzgedanke und Straßenbaubeitragsrecht
b) Mindestanteil des öffentlichen Interesses
2. Beitragsverzicht
3. Zuweisungen und Zuschüsse Dritter
XXIX. zu § 29 (Maßstäbe für die Beitragsbemessung)
1. Beitragsmaßstab
2. Grundsatz der regionalen Teilbarkeit
3. Teilflächenabgrenzung
XXX. zu § 30 (Entstehung der Beitragsschuld, Verrentung)
1. Entstehung der sachlichen Beitragspflicht
2. Kostenspaltung
3. Verrechnung, Verrentung, Entstehung in Raten
XXXI. zu § 31 (Beitragsschuldner, Vorauszahlungen, öffentliche Last, Ablö-
sung)
XXXII. zu § 32 (Besondere Wegebeiträge)
Abschnitt 6 (Aufwandsersatz und sonstige Abgaben)
XXXIII. zu § 33 (Ersatz des Aufwandes für Haus- und Grundstücksanschlüsse)
1. Haus- und Grundstücksanschlüsse
2. Anspruchsvoraussetzungen und -inhalt

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3. Satzungsregelung
4. Entstehen des Erstattungsanspruchs
XXXIV. zu § 34 (Kurtaxe)
1. Anwendungsbereich
2. Abgabenschuldner
3. Erhebungsvoraussetzungen
4. Erhebungsmodalitäten
5. Staatsbäder
6. Straf- und Bußgeldvorschriften
XXXV. zu § 35 (Fremdenverkehrsabgabe)
1. Abgabenschuldner
2. Abgabengläubiger
3. Abgabenmaßstab
4. Schätzung der Bemessungsgrundlagen
XXXVI. zu § 36 (Sonstige öffentlich-rechtliche Abgaben und Umlagen)
Abschnitt 7 (Übergangs- und Schlussbestimmungen)
XXXVII. zu §§ 37 bis 39a
Abschnitt 1 (Allgemeine Vorschriften)
I. zu § 1 (Geltungsbereich)
1. Abgabengläubiger
Das SächsKAG gilt unmittelbar für alle Gemeinden und Landkreise des Freistaates
Sachsen. Auch Verwaltungsverbände und Zweckverbände im Sinne des Sächsischen
Gesetzes über kommunale Zusammenarbeit (SächsKomZG) in der Fassung der Be-
kanntmachung vom 3. März 2014 (SächsGVBl. S. 196) können gemäß § 5 Abs. 4, § 25
Abs. 3 und § 60 Abs. 3 SächsKomZG in dem dort bestimmten Umfang Kommunalabga-
ben erheben. Gleiches gilt gemäß § 10 Abs. 1 Satz 3 des Gesetzes über die Errichtung
der Sächsischen Anstalt für kommunale Datenverarbeitung (SAKDG) vom 15. Juli 1994
(SächsGVBl. S. 1432), das zuletzt durch Artikel 2 des Gesetzes vom 9. Juli 2014
(SächsGVBl. S. 398, 403) geändert worden ist, für die Sächsische Anstalt für kommu-
nale Datenverarbeitung.
2. Abgabenarten
§ 1 Abs. 2 SächsKAG führt die Kommunalabgaben, auf die die Vorschriften des
SächsKAG unmittelbar anzuwenden sind, abschließend auf. Für andere kommunale
Abgaben und Umlagen gelten die §§ 3, 3a Abs. 1 und 2 sowie §§ 5 und 6 SächsKAG
entsprechend (siehe § 36 SächsKAG).
a) Nebenleistungen
In § 1 Abs. 2 SächsKAG werden abschließend die kommunalabgabenrechtlichen Ne-

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benleistungen – Verspätungszuschläge, Zinsen und Säumniszuschläge – benannt. Ne-
benleistungen sind Kommunalabgaben im Sinne des SächsKAG, jedoch nicht zwangs-
läufig auch Abgaben im Sinne des § 80 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 der Verwaltungsgerichts-
ordnung (VwGO) in der Fassung der Bekanntmachung vom 19. März 1991 (BGBl. I
S. 686), die zuletzt durch Artikel 13 des Gesetzes vom 8. Juli 2014 (BGBl. I S. 890, 895)
geändert worden ist. So entfalten Widerspruch und Klage gegen einen Bescheid, der
Säumniszuschläge isoliert festsetzt, aufschiebende Wirkung, da Säumniszuschläge
keine Abgaben im Sinne des § 80 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 VwGO sind (siehe SächsOVG,
Beschluss vom 22. Februar 1996 – Az. 2 S 242/95 und unten Ziffer III Nr. 2 Buchst. c).
Grundsätzlich ist die Nebenleistungspflicht von der Existenz der abgabenrechtlichen
Hauptforderung abhängig (Akzessorietät der Nebenleistungen). Die einzige Ausnahme
stellen Säumniszuschläge dar, die auch dann bestehen bleiben, wenn der die Hauptfor-
derung festsetzende Abgabenbescheid aufgehoben wird (§ 240 Abs. 1 Satz 4 1. Halb-
satz AO). Die Pflicht zur Zahlung von Säumniszuschlägen entfällt nur, wenn die auf-
schiebende Wirkung des Widerspruchs/der Anfechtungsklage gegen den die Hauptfor-
derung festsetzenden Bescheid rückwirkend angeordnet wird (SächsOVG, Urteil vom
12. Oktober 2005 – Az. 5 B 471/04).
b) Verwaltungsgebühren
Verwaltungsgebühren sind keine Kommunalabgaben im Sinne des SächsKAG. Insoweit
gilt das Verwaltungskostengesetz des Freistaates Sachsen (SächsVwKG) in der Fas-
sung der Bekanntmachung vom 17. September 2003 (SächsGVBl. S. 698), zuletzt ge-
ändert durch Artikel 31 des Gesetzes vom 27. Januar 2012 (SächsGVBl. S. 130, 144).
Für Amtshandlungen im Rahmen der Wahrnehmung von Pflichtaufgaben zur Erfüllung
nach Weisung sind Verwaltungsgebühren gemäß § 6 SächsVwKG zu erheben. Im Be-
reich weisungsfreier Selbstverwaltungsaufgaben können Verwaltungsgebühren auf der
Basis entsprechender kommunaler Satzungen erhoben werden (§ 25 SächsVwKG).
3. Einnahmebeschaffungsgrundsätze (Abgabenerhebungspflicht)
Das SächsKAG begründet keine Abgabenerhebungspflicht. Sie kann sich aber aus den
so genannten Grundsätzen der Einnahmenbeschaffung (§ 73 Abs. 2 Nr. 1 der Gemein-
deordnung für den Freistaat Sachsen [SächsGemO] in der Fassung der Bekanntma-
chung vom 3. März 2014 [SächsGVBl. S. 146], die zuletzt durch Artikel 6 des Gesetzes
vom 2. April 2014 [SächsGVBl. S. 234, 237] geändert worden ist) ergeben.
a) Allgemeine Grundsätze
§ 73 Abs. 2 Nr. 1 SächsGemO verlangt, dass die Kommunen die Finanzierung kommu-
naler Leistungen über Gebühren, Beiträge und andere Entgelte sicherstellen, soweit
dies „vertretbar und geboten“ ist. Dem liegt der Gedanke zu Grunde, dass unmittelbar
wirtschaftlich Begünstigte die anteiligen Kosten der ihnen zu Gute kommenden öffentli-
chen Dienstleistungen tragen sollen. Ist die staatliche Leistung nur teilweise privatnüt-
zig, ist ihre Entgeltfinanzierung auch nur insoweit geboten (vergleiche SächsOVG, Urteil
vom 31. Januar 2007 – Az. 5 B 522/06). Der kommunale Aufgabenträger hat dann ei-
nen Teil der Kosten, der als Anteil des öffentlichen Interesses bezeichnet werden kann
(siehe etwa § 28 Abs. 2 und § 11 Abs. 3 2. Halbsatz SächsKAG), aus allgemeinen De-
ckungsmitteln zu tragen.
Grundsätzlich steht den Kommunen bei der Entscheidung, ob sie ihre Aufgaben über
Entgelte finanzieren, ein Ermessensspielraum zu. Erfolgt die Nutzung bestimmter Ein-
richtungen ausschließlich im wirtschaftlichen Interesse der Abgabepflichtigen, sind je-
doch zwingend kostendeckende Entgelte – z. B. Gebühren – zu erheben,
soweit nicht in
begründeten Einzelfällen nach Maßgabe der einschlägigen Vorschriften der Abgaben-

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ordnung (siehe § 163 Satz 1 und 3, §§ 222, 227 und 261 AO) aus Billigkeits- oder
Zweckmäßigkeitsgründen von der Abgabenerhebung abgesehen wird. So sind insbe-
sondere bei der Abfallbeseitigung, der Abwasserbeseitigung und der Wasserversorgung
kostendeckende Gebührensätze festzulegen. Die Erhebung von Anschlussbeiträgen
gemäß §§ 17 ff. SächsKAG ist den Einrichtungsträgern dagegen freigestellt, solange
eine vollständige Kostendeckung über Gebühren sichergestellt ist. Bei Fremdenver-
kehrsabgaben (siehe Ziffer XXXV) und Straßenreinigungsgebühren ist ein angemesse-
ner Anteil des öffentlichen Interesses zu berücksichtigen, so dass nicht die gesamten
Kosten auf die Abgabepflichtigen umgelegt werden dürfen. Das Oberverwaltungsgericht
hat in einem Fall (Straßenreinigungsgebühren) die Berücksichtigung eines 25prozenti-
gen Anteils des öffentlichen Interesses als angemessen angesehen (vergleiche
SächsOVG, Urteil vom 27. Juli 2011 – Az. 5 A 540/08).
Das allgemeine Gebot der Rücksichtnahme auf die wirtschaftlichen Kräfte der Abgabe-
pflichtigen (§ 73 Abs. 3 SächsGemO) ist als Programmsatz bei allen kommunalpoliti-
schen Entscheidungen, die sich auf die Abgabenlast der Bevölkerung auswirken kön-
nen, zu beachten.
b) Straßenbaubeiträge
Nach der Rechtsprechung des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts ist § 73 Abs. 2
Nr. 1 SächsGemO auf Straßenbaubeiträge (§§ 26 ff. SächsKAG) nicht anwendbar, so
dass insoweit keine Abgabenerhebungspflicht besteht (SächsOVG, Urteil vom 31. Ja-
nuar 2007 – Az. 5 B 522/06). Der Verzicht auf Straßenbaubeiträge steht jedoch unab-
hängig davon unter Finanzierungsvorbehalt. Lässt sich der gemeindliche Straßenbau
auf Dauer nicht anderweitig finanzieren, darf auf die Erhebung von Straßenbaubeiträ-
gen nicht vollständig verzichtet werden. Denn die Gemeinden sind verpflichtet, ihre
Haushaltswirtschaft so zu planen und zu führen, dass eine stetige Aufgabenerfüllung
gesichert ist (§ 72 Abs. 1 Satz 1 SächsGemO).
Im Erschließungsbeitragsrecht besteht gemäß § 127 Abs. 1 des Baugesetzbuchs
(BauGB) in der Fassung der Bekanntmachung vom 23. September 2004 (BGBl. I
S. 2414), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 15. Juli 2014 (BGBl. I S. 954)
geändert worden ist, eine Erhebungspflicht, wobei jedoch ein Anteil des öffentlichen
Interesses beitragsmindernd zu berücksichtigen ist, der mindestens 10 Prozent betra-
gen muss (§ 129 Abs. 1 Satz 3 BauGB).
II. zu § 2 (Rechtsgrundlage für Kommunalabgaben)
1. Satzungsbefugnis
§ 2 Abs. 1 SächsKAG ermächtigt zum Erlass kommunaler Abgabensatzungen. § 2
Abs. 1 Satz 2 schreibt für alle Abgabensatzungen einen bestimmten Mindestinhalt vor
(siehe unten Nummer 7; Ausnahme: Straßenbaubeitragssatzungen müssen keinen Bei-
tragssatz festlegen; siehe § 28 Abs. 1 Satz 3 SächsKAG). Abgabensatzungen dürfen
jedoch auch andere Regelungen enthalten, wenn sie damit nicht gegen höherrangiges
Recht verstoßen. Dabei sind insbesondere die Vorschriften der Abgabenordnung zu
beachten. So darf eine Gebührensatzung zum Beispiel nicht den Erlass von Gebühr-
engrundlagenbescheiden vorsehen, da dies nicht mit § 157 Abs. 2 AO vereinbar wäre
(SächsOVG, Urteil vom 20. April 2011 – Az. 5 A 730/08). Ebensowenig darf sie die Ge-
samtschuldnerschaft abweichend von § 44 AO regeln (siehe unten Nummer 7
Buchst. b). Unzulässig ist es auch, die Teilflächenabgrenzung abweichend von § 19
Abs. 1 SächsKAG zu regeln (SächsOVG, Urteil vom 17. Juli 2013 – Az. 5 A 150/11).

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Nebenleistungen (siehe oben Ziffer I Nr. 2 Buchst. a) sind nicht durch Satzung zu regeln
(vergleiche § 2 Abs. 1 Satz 3 SächsKAG). Das Gesetz ist insoweit abschließend.
2. Satzungsermessen
Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts folgt aus der verfassungs-
rechtlichen Garantie der kommunalen Selbstverwaltung (Artikel 28 Abs. 2 des Grund-
gesetzes für die Bundesrepublik Deutschland [GG] in der im Bundesgesetzblatt Teil III,
Gliederungsnummer 100-1, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Arti-
kel 1 des Gesetzes vom 11. Juli 2012 [BGBl. I S. 1478] geändert worden ist), dass
kommunale Satzungen generell nur dann rechtswidrig sind, wenn sie gegen höherran-
giges Recht verstoßen, und nicht bereits dann, wenn der Satzungsgeber sein Normset-
zungsermessen nicht oder jedenfalls nicht nachweisbar ausgeübt hat (BVerwG, Urteil
vom 17. April 2002 – Az. 9 CN 1/01; siehe auch SächsOVG, Urteile vom 11. Dezember
2002 – Az. 5 D 13/02 und 5 D 40/00).
§ 2 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG konkretisiert diesen allgemeinen Rechtsgrundsatz für das
Gebühren- und Beitragsrecht. Er gilt aber auch im Recht der örtlichen Verbrauch- und
Aufwandsteuern (§ 7 Abs. 2 und § 8 Abs. 2 SächsKAG).
Obwohl das Gesetz keinen Nachweis dafür verlangt, dass der Satzungsgeber sein
kommunalpolitisches Ermessen betätigt hat, muss das für den Satzungserlass zustän-
dige kommunale Beschlussorgan in die Lage versetzt werden, sein Satzungsermessen
ordnungsgemäß auszuüben. Daher sind der Einberufung des Beschlussorgans „die für
die Beratung erforderlichen Unterlagen beizufügen“ (§ 36 Abs. 3 Satz 1 SächsGemO).
Sollen kalkulationsbedürftige Abgaben (Gebühren, Beiträge, Kurtaxe und Fremdenver-
kehrsabgaben) beschlossen werden, sind ihm also Unterlagen vorzulegen, die den Kal-
kulationsweg nachvollziehbar machen (vergleiche SächsOVG, Urteile vom 29. Januar
2003 – Az. 5 D 11/01 –, vom 28. April 2004 – Az. 5 D 31/02 – und vom 3. Dezember
2008 – Az. 5 D 15/06). Wurde dies versäumt, handelt es sich um einen Verfahrens-
mangel, der aber gemäß § 4 Abs. 4 SächsGemO heilbar ist (siehe unten Nr. 5).
3. Verfassungsrechtliche Grenzen der Ermessensausübung
Verfassungsrechtliche Grenzen sind dem kommunalen Satzungsermessen vor allem
durch den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz und das Willkürverbot gesetzt. Während der
Verhältnismäßigkeitsgrundsatz im Steuerrecht nur eine geringe Rolle spielt – Steuern
dürfen nur nicht derart unverhältnismäßig hoch sein, dass die besteuerte Betätigung
faktisch unterbunden wird („Erdrosselungsverbot“) –, ist er im Gebühren- und Beitrags-
recht von erheblicher Bedeutung. Soweit Gebühren und Beiträge als Leistungsentgelt
konzipiert sind, wird der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz häufig auch als Äquivalenz-
grundsatz bezeichnet. Inwieweit ihm im Kommunalabgabenrecht neben den einfachge-
setzlichen Grundsätzen des Kostenüberschreitungsverbots (siehe unten Ziffer X Nr. 1
Buchstabe a) und der Leistungsproportionalität (siehe unten Ziffer XIV Nr. 1) eine ei-
genständige Bedeutung zukommt, ist jedoch zweifelhaft.
Bei der Anwendung des allgemeinen verfassungsrechtlichen Gleichheitssatzes (Artikel
3 Abs. 1 GG) auf das Abgabenrecht (Grundsatz der Abgabengerechtigkeit) ist Folgen-
des zu beachten: Im Abgabenrecht als „Massengeschäft“ ist der Satzungsgeber häufig
aus Gründen der Verwaltungspraktikabilität gezwungen, bei der Festsetzung von Abga-
ben-sätzen zu typisieren, das heißt atypische Fallgestaltungen zu vernachlässigen
(Grundsatz der Typengerechtigkeit), und zu pauschalieren, das heißt sich für Abga-
benmaßstäbe zu entscheiden, die nicht genau den Regelungszweck abbilden („Wahr-
scheinlichkeitsmaßstäbe“). Das hierbei
bestehende Auswahlermessen der Verwaltung
ist nur eingeschränkt gerichtlich überprüfbar. Die Verwaltung muss sich bei Abwägung

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der verschiedenen gegenläufigen Gesichtspunkte nicht für die – nach Auffassung der
Aufsichtsbehörden oder der Gerichte – jeweils zweckmäßigste und vernünftigste Lö-
sung entscheiden (siehe SächsOVG, Urteil vom 18. Juni 2009 – Az. 5 A 67/08 und un-
ten Nr. 7 Buchst. c). Nach dem Grundsatz der Typengerechtigkeit ist – als grober Anhalt
– davon auszugehen, dass bis zu 10 Prozent atypischer Fallgestaltungen noch hinge-
nommen werden können.
Diese Verfassungsgrundsätze gelten allerdings nur vorbehaltlich strengerer einfachge-
setzlicher Regelungen. Wird ein Verstoß gegen einfaches Gesetzesrecht festgestellt,
kann dieser Rechtsverstoß also nicht durch die Überlegung geheilt werden, dass nicht
gegen den Grundsatz der Typengerechtigkeit verstoßen wurde (siehe BVerwG, Urteil
vom 29. September 2004 – Az. 10 C 3/04 – und Beschluss vom 28. August 2008
– Az. 9 B 40/08 –; siehe auch SächsOVG, Urteile vom 4. Juni 2008 – Az. 5 B 65/06 –
und vom 18. Juni 2009 – Az. 5 A 67/08). Eine den Grundsatz der Typengerechtigkeit
einschränkende Bestimmung enthält § 9 Abs. 3 Satz 2 SächsKAG (siehe unten Ziffer IX
Nr. 4).
4. Anzeigepflicht
Abgabensatzungen sind den Rechtsaufsichtsbehörden anzuzeigen (siehe § 4 Abs. 3
Satz 3 SächsGemO). Der Anzeige einer Abfallgebührensatzung ist außer dem Sat-
zungstext auch die Gebührenkalkulation beizufügen (§ 3a Abs. 2 Satz 3 des Sächsi-
schen Abfallwirtschafts- und Bodenschutzgesetzes [SächsABG] in der Fassung der Be-
kanntmachung vom 31. Mai 1999 [SächsGVBl. S. 261], das zuletzt durch Artikel 7 des
Gesetzes vom 6. Juni 2013 [SächsGVBl. S. 451, 469] geändert worden ist). In allen an-
deren Fällen liegt es im Ermessen der Rechtsaufsichtsbehörden, sich aussagefähige
Unterlagen zur Gebührenkalkulation vorlegen zu lassen (siehe § 113 SächsGemO).
5. Nichtigkeit/Heilung von Verfahrensmängeln
Im Gegensatz zu rechtswidrigen Verwaltungsakten sind rechtswidrige Abgabensatzun-
gen stets nichtig bzw. – analog § 139 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) in der Fas-
sung der Bekanntmachung vom 2. Januar 2002 (BGBl. I S. 42, 2909; 2003 I S. 738),
das durch Artikel I des Gesetzes vom 22. Juli 2014 (BGBl. I S. 1218) geändert worden
ist – teilnichtig (vergleiche BVerwG, Urteil vom 29. September 2004 – Az. 10 C 3/04). Ist
eine Abgabensatzung teilnichtig, können die nichtigen Teile im Wege der Satzungsän-
derung durch rechtmäßige Regelungen ersetzt werden. Ist die Satzung insgesamt nich-
tig, kann sie nicht mehr geändert, sondern nur noch durch eine neue, rechtmäßige Sat-
zung ersetzt werden.
§ 2 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG stellt klar, dass kommunalabgabenrechtliche Satzungen
auch wegen Verstoßes gegen Verfahrensvorschriften nichtig sein können. Haben dem
kommunalen Beschlussorgan zum Beispiel keine aussagefähigen Unterlagen zu der
von ihm beschlossenen Abgabensatzung (zum Beispiel zur Gebühren- oder Beitrags-
kalkulation) vorgelegen, ist die Satzung wegen Verstoßes gegen § 36 Abs. 3 Satz 1
2. Halbsatz SächsGemO nichtig, aber heilbar. Der Verfahrensmangel ist geheilt, wenn
eine Satzung für ein Jahr unbeanstandet geblieben ist (§ 4 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2
Nr. 4 SächsGemO). Die Heilung kann allerdings nur dann eintreten, wenn die Behörde
„bei der Bekanntmachung“ über die Heilungsmöglichkeit belehrt (§ 4 Abs. 4 Satz 4
SächsGemO). Es wird empfohlen, bei gleichzeitiger Bekanntmachung mehrerer Sat-
zungen in einem Veröffentlichungsblatt die Belehrung gemäß § 4 Abs. 4 Satz 4
SächsGemO im Anschluss an jeden Satzungstext gesondert einzufügen, da sie sonst
möglicherweise unwirksam ist.
6. Rückwirkung von Satzungen

12
a) Allgemeine Grundsätze
Eine wirksame Abgabensatzung darf nicht zu Lasten der Abgabepflichtigen rückwirkend
geändert werden. Das verstieße gegen den verfassungsrechtlichen Vertrauensschutz-
grundsatz. Nichtige Satzungen oder Satzungsbestandteile können dagegen rückwir-
kend durch neue, wirksame Regelungen ersetzt werden, da das Vertrauen der Be-
troffenen in die Nichtigkeit einer Satzung nicht schutzwürdig ist. Daher darf Regelungen,
die nichtige Satzungen oder nichtige Satzungsbestandteile ersetzen, Rückwirkung bis
zu dem Zeitpunkt beigemessen werden, zu dem die ursprüngliche, nichtige Satzung in
Kraft treten sollte. Es ist jedoch unzulässig, bei Gelegenheit der Ersetzung nichtiger Tei-
le einer Satzung auch die zweifellos rechtmäßigen Satzungsbestimmungen rückwirkend
zu ändern (siehe nur BVerwG, Urteil vom 7. April 1989 – Az. 8 C 83/87 –; zum Er-
schließungsbeitragsrecht).
b) Beitragsrecht
Der Grundsatz der Einmaligkeit der Beitragsentstehung (siehe unten Ziffer XXII Nr. 1
Buchst. b) steht der echten Rückwirkung einer Beitragssatzung dann zwingend entge-
gen, wenn zuvor bereits eine wirksame Satzung bestanden hat. Denn eine rückwirken-
de Satzung kann bestehende Beitragsansprüche nicht mehr aufheben oder ändern
(vergleiche SächsOVG, Urteil vom 25. April 2007 – Az. 5 B 288/04, zum Straßenbaubei-
tragsrecht – und BVerwG, Urteil vom 7. April 1989 – Az. 8 C 83/87, zum Erschließungs-
beitragsrecht). Anders als zum Beispiel eine Gebührensatzung enthält die Beitragssat-
zung nicht die anspruchsbegründende Norm, sondern Anspruchsnorm ist insoweit § 22
SächsKAG. Bereits bestehende Beitragsansprüche könnten nur durch eine rückwirken-
de Änderung der Anspruchsnorm geändert werden.
Wurde jedoch noch keine Beitragssatzung erlassen oder ist die Satzung nichtig, beste-
hen keine rechtlichen Beschränkungen für den rückwirkenden Erlass einer Beitragssat-
zung. Der Vertrauensschutzgrundsatz kann schon deshalb nicht entgegenstehen, weil
Beitragsansprüche für in der Vergangenheit liegende Sachverhalte auch durch Satzun-
gen ohne Rückwirkung begründet werden können (siehe unten Ziffer XXII Nr. 1
Buchst. a Doppelbuchst. aa). Obwohl also keine Notwendigkeit besteht, Beitragssat-
zungen mit Rückwirkung zu versehen, ist der rückwirkende Satzungserlass zulässig.
Ordnet der Satzungsgeber die Rückwirkung an, entstehen die Beitragsansprüche ent-
sprechend früher, so dass auch die Festsetzungsverjährungsfrist früher zu laufen be-
ginnt. Das kann bedeuten, dass ein Teil der Beitragsansprüche zum Zeitpunkt des Sat-
zungserlasses bereits verjährt ist (vergleiche SächsOVG, Beschluss vom 16. Dezember
2003 – Az. 5 BS 114/03 – und VG Dresden, Urteil vom 29. August 2008 – Az. 2 K
2574/06).
7. Mindestinhalt der Satzung
§ 2 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG schreibt einen bestimmten Mindestinhalt kommunalabga-
benrechtlicher Satzungen vor. Enthält die Satzung diese Mindestregelungen für eine
bestimmte Abgabenart nicht, sind diese Regelungen insgesamt nichtig.
Die wichtigsten Mindestregelungsinhalte sind die Entstehung der Abgabenschuld, der
Abgabenmaßstab und der Abgabenschuldner.
a) Entstehung der Abgabenschuld
Wenn im Abgabenrecht von der Entstehung der Abgabenschuld die Rede ist, wird damit
auf § 38 AO verwiesen. Die Entstehung der Abgabenschuld löst unterschiedliche
Rechtsfolgen aus (unter anderem den Beginn der allgemeinen Festsetzungsfrist; siehe
§ 3a Abs. 2 SächsKAG, aber auch § 21 Abs. 1 Satz 2, § 23 Abs. 2 Satz 1 und § 25

13
Abs. 1 Satz 1 SächsKAG).
Grundsätzlich entsteht die Abgabenschuld in dem Moment, in dem der Tatbestand der
anspruchsbegründenden Vorschrift erfüllt ist (§ 38 AO). Der Gesetzgeber kann jedoch
Ausnahmen von diesem Grundsatz vorsehen. So entsteht die Beitragsschuld unter Um-
ständen bereits, bevor der gesetzliche Tatbestand vollständig erfüllt ist, nämlich bevor
die Person des Beitragspflichtigen feststeht (siehe unten Ziffer XXII Nr. 1 Buchst. a).
Dem Satzungsgeber steht diese Abweichungskompetenz nicht zu: § 38 AO als höher-
rangiges Recht setzt dem Auswahlermessen des Satzungsgebers Grenzen (siehe oben
Nr. 1). Wenn § 2 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG vorschreibt, dass die Satzung die „Entste-
hung der Abgabenschuld“ regeln muss, ist nur gemeint, dass sie einen vollständigen
und hinreichend bestimmten Anspruchstatbestand enthalten muss. Bei Abgabentatbe-
ständen, die laufend verwirklicht werden (zum Beispiel Spielgerätesteuer, Hundesteuer,
Abwassergebühr) muss der Satzungsgeber auch jeweils Veranlagungszeiträume be-
stimmen (siehe unten Ziffer IX Nr. 3 Buchst. b – zum Gebührenrecht), da nur so ein
Entstehenszeitpunkt bestimmt werden kann.
b) Abgabenschuldner
Auch bei der Bestimmung des Abgabenschuldners steht dem Satzungsgeber grund-
sätzlich ein gewisses Ermessen zu. Im Beitragsrecht ist das Ermessen durch § 21
SächsKAG eingeschränkt. Dagegen besteht im Benutzungsgebührenrecht ein weiter
Ermessensspielraum. Zum Gebührenschuldner kann jeder erklärt werden, dem durch
die Benutzung der Einrichtung ein konkreter wirtschaftlicher Vorteil entsteht. So ist es
bei grundstücksbezogenen Benutzungsgebühren (zum Beispiel Abfall-, Abwasserent-
sorgungs- und Wasserversorgungsgebühren) zulässig, entweder die unmittelbaren Nut-
zer einer öffentlichen Einrichtung oder stattdessen die Grundstückseigentümer bezie-
hungsweise die dinglich zur baulichen Nutzung des Grundstücks Berechtigten als Ge-
bührenschuldner zu bestimmen (siehe SächsOVG, Urteil vom 27. Februar 2012 – Az. 5
A 48/10 –; zum Abfallgebührenrecht).
Die kommunalabgabenrechtliche Gesamtschuldnerschaft ist durch § 44 AO abschlie-
ßend geregelt, so dass jede abweichende satzungsrechtliche Bestimmung gegen hö-
herrangiges Recht verstößt (zur Gesamtschuldnerschaft siehe auch Ziffer III Nr. 2
Buchst. a).
Auch juristische Personen oder Personengesellschaften können Abgabenschuldner
sein. Bestimmt die Satzung zum Beispiel Grundstückseigentümer zu Gebührenschuld-
nern, sind die Gesellschaften für die in ihrem Eigentum stehenden Grundstücke gebüh-
renpflichtig und nicht deren Gesellschafter als Gesamtschuldner (siehe SächsOVG, Be-
schluss vom 3. August 2010 – Az. 5 A 454/08 –; zur Gesellschaft bürgerlichen Rechts).
c) Abgabenmaßstab
Der Abgabenmaßstab beschreibt die Einheit, für die die jeweilige Abgabenpflicht in Hö-
he des Abgabensatzes entsteht.
Die Rechtsprechung unterscheidet zwischen Wirklichkeitsmaßstäben und Wahrschein-
lichkeitsmaßstäben. Wirklichkeitsmaßstäbe setzen den Regelungszweck der Abgaben-
norm genau um (Beispiel: Bei der Wassergebühr der Wasserverbrauch). Da sich geeig-
nete Wirklichkeitsmaßstäbe in der Regel nicht finden lassen, muss meist auf Wahr-
scheinlichkeitsmaßstäbe zurückgegriffen werden (Beispiele: der Wasserverbrauch bei
der Abwassergebühr, der Stückzahlmaßstab und der Spieleinsatzmaßstab bei der
Spielgerätesteuer – siehe BVerwG, Urteil vom 9. Juni 2010 – Az. 9 CN 1/09 – sowie der
Maßstab der Gewinnerzielung im Fremdenverkehrsabgabenrecht – siehe SächsOVG,

14
Urteil vom 29. Januar 2003 – Az. 5 D 11/01).
Bei der Wahl eines geeigneten Wahrscheinlichkeitsmaßstabs steht der Verwaltung
grundsätzlich ein Ermessensspielraum zu; die Kommunen müssen nicht den gerechtes-
ten und zweckmäßigsten Maßstab wählen (BVerwG, Urteil vom 21. Oktober 1994
– Az. 8 C 21/92 – ständige Rechtsprechung). An die Gründe für die Wahl eines be-
stimmten Wahrscheinlichkeitsmaßstabs sind allerdings umso strengere Anforderungen
zu stellen, je weniger er dem gesetzlichen Regelungszweck entspricht (BVerwG, Urteil
vom 9. Juni 2010 – Az. 9 CN 1/09).
III. zu §§ 3 und 3a (Verwaltungsverfahren)
1. Anwendungsbereich
a) Abgabenordnung
Im Kommunalabgabenrecht ist die Abgabenordnung in dem in § 3 SächsKAG geregel-
ten Umfang sinngemäß anzuwenden (siehe dazu auch § 3 Abs. 4 SächsKAG). Gemäß
§ 36 SächsKAG gilt dies auch für andere kommunale Abgaben und Umlagen, soweit
die Gesetzgebungskompetenz für das Verwaltungsverfahren den Ländern zusteht (wie
zum Beispiel für das Erschließungsbeitragsrecht gemäß §§ 127 ff. BauGB). Für die Re-
alsteuern gilt dagegen die Abgabenordnung nach Maßgabe des § 1 Abs. 2 AO unmit-
telbar als Bundesrecht (siehe auch Ziffer VII Nr. 2).
b) Allgemeines Verwaltungsverfahrensrecht
Soweit § 3 SächsKAG Regelungslücken aufweist, ist gemäß § 1 des Gesetzes zur Re-
gelung des Verwaltungsverfahrens- und des Verwaltungszustellungsrechts für den Frei-
staat Sachsen (SächsVwVfZG) vom 19. Mai 2010 (SächsGVBl. S. 142), das zuletzt
durch Artikel 3 des Gesetzes vom 12. Juli 2013 (SächsGVBl. S. 503, 553) geändert
worden ist, das Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) in der Fassung der Bekanntma-
chung vom 23. Januar 2003 (BGBl. I S. 102), zuletzt geändert durch Artikel 3 des Ge-
setzes vom 25. Juli 2013 (BGBl. I S. 2749, 2753), entsprechend anwendbar. Beispiele
für die Anwendung des VwVfG im Kommunalabgabenrecht sind die Vorschriften über
die Zusicherung (§ 38 VwVfG; so SächsOVG, Urteil vom 21. Mai 2003 – Az. 5 B 168/01
–; ausdrücklich offen gelassen jedoch in seinen Beschlüssen vom 26. Mai 2008 – Az. 5
B 319/07 – und vom 22. September 2009 – Az. 5 B 305/09), über die Kostenerstattung
im isolierten Vorverfahren (§ 80 VwVfG; siehe dazu SächsOVG, Urteil vom 13. Juni
2002 – Az. 5 B 615/00) sowie zum verwaltungsrechtlichen Vertrag (§§ 54 ff. VwVfG).
c) Verwaltungsrechtliche Verträge
Ebenso wie das Steuerrecht ist das Gebühren- und Beitragsrecht grundsätzlich verein-
barungsfeindlich. Zwar sind – anders als im Steuerverfahrensrecht des Bundes – die
§§ 54 ff. VwVfG im sächsischen Kommunalabgabenrecht anwendbar, der Abschluss
von Austauschverträgen (§ 56 VwVfG) setzt jedoch darüber hinaus eine ausdrückliche
gesetzliche Ermächtigung voraus (siehe BVerwG, Urteil vom 30. Mai 2012 – Az. 9 C
5/11 – gegen SächsOVG, Urteil vom 25. Februar 2010 – Az. 5 A 268/08).
Ausdrücklich gesetzlich zugelassen sind der kommunalabgabenrechtliche Ablösungs-
vertrag (§ 25 Abs. 1 und § 31 SächsKAG) sowie der städtebauliche Folgekostenvertrag
(§ 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 BauGB). Nach der mit dem Gesetz zur Stärkung der Innen-
entwicklung in den Städten und Gemeinden und weiteren Fortentwicklung des Städte-
baurechts vom 11. Juni 2013 (BGBl. I S. 1548) erfolgten Klarstellung, dass auch bei-
tragsfähige Erschließungsmaßnahmen städtebauliche Maßnahmen im Sinne des §
11
BauGB sein können, ist es konsequent, auch so genannte Mehrkostenvereinbarungen

15
als Folgekostenverträge anzusehen. In einer Mehrkostenvereinbarung verpflichtet sich
der Eigentümer eines Grundstücks zur Übernahme der Kosten, die dem Einrichtungs-
träger für Maßnahmen entstehen, die nicht in die Gebühren- und Beitragskalkulation
eingeflossen sind, also zum Beispiel für die nicht von der Beitragszahlung gedeckten
Kosten einer Grundstückserschließung, wenn kein Anspruch auf die Erschließung (zum
Beispiel den Anschluss an die zentrale Abwasserentsorgung) besteht. Nur im Erschlie-
ßungs- und Straßenbaubeitragsrecht sind außerdem Beitragsverzichtsverträge zulässig
– zum Beispiel um eine Gewerbeansiedlung zu ermöglichen (siehe § 135 Abs. 5 BauGB
in Verbindung mit § 28 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG).
Erschließungsverträge wirken sich nur mittelbar auf das Abgabenrecht aus, indem sie
die beitrags- und gebührenfähigen Kosten des kommunalen Aufgabenträgers reduzie-
ren oder vollständig entfallen lassen. Vertragsgegenstand können auch nach Landes-
recht beitragsfähige Erschließungsmaßnahmen der Wasserver- und die Abwasserent-
sorgung sein (siehe § 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 BauGB). Die Auswirkungen von Erschlie-
ßungsverträgen auf das Anschlussbeitrags- und Benutzungsgebührenrecht regelt § 25
Abs. 2 SächsKAG (siehe unten Ziffer XXV Nr. 2).
2. Einzelfragen
Auf Folgendes ist besonders hinzuweisen:
a) Gesamtschuldnerschaft
Mehrere Abgabenschuldner haften als Gesamtschuldner (§ 44 AO). Dies gilt grundsätz-
lich auch für Wohnungseigentümer nach dem Gesetz über das Wohnungseigentum und
das Dauerwohnrecht (Wohnungseigentumsgesetz – WoEigG) in der im Bundesgesetz-
blatt Teil III, Gliederungsnummer 403-1, veröffentlichten bereinigten Fassung, zuletzt
geändert durch Artikel 4 Abs. 6 des Gesetzes vom 1. Oktober 2013 (BGBl. I S. 3719).
Nur im Beitragsrecht besteht für Wohnungseigentümer Einzelschuldnerschaft (siehe
§ 21 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG; für das Straßenbaubeitragsrecht in Verbindung mit § 31
SächsKAG).
Die gesamtschuldnerische Haftung ist keine Haftung für fremde Schuld im Sinne des
§ 191 AO, sondern Gesamtschuldner sind selbst abgabepflichtig. Haften mehrere Per-
sonen gesamtschuldnerisch für eine Abgabe, kann die Behörde sie in voller Höhe ge-
gen jeden einzelnen Abgabepflichtigen festsetzen, ohne dass auf das gesamtschuldne-
rische Verhältnis hingewiesen werden muss. Es ist jedoch auch zulässig, gegen die
Gesamtschuldner einen „zusammengefassten Bescheid“ (§ 155 Abs. 3 AO) zu erlassen
oder gegen jeden Gesamtschuldner (zunächst) nur einen Teil der Abgabe festzusetzen.
b) Erbenhaftung
Erben haften grundsätzlich als Gesamtrechtsnachfolger uneingeschränkt für Abgaben-
schulden des Erblassers (§ 45 Abs. 1 AO). Erben mehrere Personen gemeinsam, haf-
ten die Erben als Gesamtschuldner (siehe oben Buchstabe a).
Die Haftung der Erben für die Nachlassverbindlichkeiten kann durch Nachlassverwal-
tung bzw. Nachlassinsolvenz auf den Nachlass beschränkt werden (§ 1975 BGB). So-
weit Abgabenansprüche erst nach Eintritt des Erbfalls entstehen, greift diese Haftungs-
beschränkung jedoch nicht. Die Erben haften insoweit nicht nur mit dem Nachlass, son-
dern auch mit ihrem sonstigen Vermögen. Entstehenszeitpunkt in diesem Sinne ist der
Zeitpunkt, zu dem alle Voraussetzungen der anspruchsbegründenden Norm erfüllt sind
(SächsOVG, Urteil vom 23. Mai 2012 – Az. 5 A 499/09: „… Die Abgabenforderung ent-
steht daher in der Person des Erben, wenn erst er (nach dem Erbfall) gemäß § 38 AO
alle Tatbestandsmerkmale verwirklicht, an die das Gesetz die Leistungspflicht knüpft“).

16
Für das Beitragsrecht bedeutet dies, dass auch die persönliche Beitragspflicht gemäß
§ 21 Abs. 1 SächsKAG entstanden sein muss.
c) Festsetzungsbedürftigkeit
Kommunalabgaben sind grundsätzlich durch Bescheid festzusetzen (§ 155 Abs. 1
Satz 1 AO). Ausnahmen bestehen für nach Tagessätzen bemessene Kurtaxen (§ 34
Abs. 2 Satz 5 SächsKAG) und für Nebenleistungen. Nebenleistungen sind keiner Fest-
setzung durch Bescheid gemäß § 155 AO bedürftig, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt (siehe § 3 Abs. 2 SächsKAG). Die Festsetzungsbedürftigkeit von Zinsforde-
rungen der Abgabengläubiger folgt aus § 239 Abs. 1 Satz 1 AO.
Dass Säumniszuschläge auch ohne Festsetzung entstehen, bedeutet nicht, dass sie
nicht festgesetzt werden dürfen. Säumniszuschläge festzusetzen kann notwendig sein,
wenn die Hauptforderung nicht mehr besteht und die Säumniszuschläge daher nicht
gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 2 SächsVwKG mit der Hauptforderung vollstreckt werden kön-
nen. Widerspruch und Anfechtungsklage gegen einen solchen Bescheid entfalten auf-
schiebende Wirkung gemäß § 80 Abs. 1 VwGO, da Säumniszuschläge keine Abgaben
im Sinne des § 80 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 VwGO sind (siehe dazu SächsOVG, Beschluss
vom 22. Februar 1996 – Az. 2 S 242/95).
d) Festsetzungsverjährung
Nach Ablauf einer der gesetzlichen Festsetzungsfristen tritt Festsetzungsverjährung ein,
das heißt dass die Abgabenforderung nicht mehr wirksam festgesetzt werden kann
(§ 3a Abs. 1 SächsKAG). Die allgemeine Festsetzungsfrist beträgt grundsätzlich vier
Jahre (§ 3a Abs. 2 SächsKAG). Für Zinsen beträgt sie ein Jahr (§ 239 Abs. 1 AO). Für
Beiträge sieht § 3a Abs. 3 SächsKAG eine besondere Festsetzungsfrist vor, die bereits
mit Eintritt der so genannten Vorteilslage zu laufen beginnt und nicht erst mit Entstehen
der sachlichen Beitragspflicht, die dafür aber – mit zwanzig Jahren – deutlich länger ist.
Aufgrund der Sondersituation in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung
hat sich der Gesetzgeber für eine einmalige Hemmung des Fristablaufs entschieden.
Danach soll die besondere Festsetzungsfrist frühestens zum 1. Januar 2000 zu laufen
beginnen. Den mit dem Aufbau der Verwaltung befassten Aufgabenträgern ist insoweit
eine auskömmliche Schonfrist eingeräumt worden (siehe auch die Gesetzesbegrün-
dung unter
http://www.kommunale-verwaltung.sachsen.de/20446.htm).
Es wird aus-
drücklich darauf hingewiesen, dass die allgemeine Festsetzungsfrist auch im Beitrags-
recht weiterhin Gültigkeit hat.
Mit der Neuregelung der Festsetzungsverjährung in dem neuen § 3a SächsKAG hat der
Gesetzgeber auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts reagiert, wonach
sichergestellt sein muss, dass einmalige Beiträge innerhalb einer bestimmten Frist nach
Eintritt der Vorteilslage verjähren (BVerfG, Beschluss vom 5. März 2013 – Az. 1 BvR
2457/08).
Wenn Abgaben nicht festsetzungsbedürftig sind, unterliegen sie nicht der Festset-
zungsverjährung, sondern nur der Zahlungsverjährung gemäß §§ 228 ff. AO.
e) Festsetzungsverjährung und Neuerlass der Abgabensatzung
Werden Abgabenbescheide vor Ablauf der Festsetzungsverjährungsfrist wegen Unwirk-
samkeit der Abgabensatzung zurückgenommen oder aufgehoben, endet die allgemeine
Festsetzungsfrist „spätestens drei Jahre nach Zurücknahme oder Aufhebung des Ver-
waltungsakts“ (§ 3a Abs. 2 Satz 3 SächsKAG). Dies gilt unabhängig davon, ob der Be-
scheid durch ein Gericht aufgehoben (§ 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO) oder von der Behör-
de zurückgenommen
(§ 130 AO) wurde. Diese Regelung ist notwendig, weil die neue

17
Satzung in der Regel (zu den Besonderheiten der Beitragssatzungsrechts siehe oben
Ziffer II Nr. 6 b) rückwirkend erlassen werden muss, wenn sie auch Altfälle erfassen
soll. Ohne diese Regelung könnte es in solchen Fällen schwierig oder sogar unmöglich
sein, noch innerhalb der Festsetzungsverjährungsfrist einen neuen Abgabenbescheid
zu erlassen.
f) Bestimmtheit von Beitragsbescheiden
Nach der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts verstoßen Beitragsbescheide,
die den Anschlussbeitrag ausdrücklich nur für einen Teil des beitragsgegenständlichen
Grundstücks festsetzen, gegen den verwaltungsverfahrensrechtlichen Bestimmtheits-
grundsatz (§ 119 Abs. 1 AO und § 157 Abs. 1 Satz 2 AO; siehe SächsOVG, Beschluss
vom 9. Februar 2007 – Az. 5 BS 307/06 – und Urteil vom 12. Juli 2007 – Az. 5 B
566/05). Sie sind jedoch nicht gemäß § 125 Abs. 1 AO nichtig (siehe SächsOVG, Urteil
vom 23. Mai 2012 – Az. 5 A 499/09).
Wird ein solcher Beitragsbescheid mit Widerspruch oder Anfechtungsklage angefoch-
ten, ist bis zum Eintritt der Bestandskraft die Heilung dieses Rechtsmangels durch Er-
lass eines Änderungsbescheids möglich, mit dem der Beitrag für das gesamte Grund-
stück festgesetzt wird. Die Festsetzungsverjährungsfrist ist während des Widerspruchs-
und Klageverfahrens gehemmt (§ 171 Abs. 3a AO in Verbindung mit § 3a Abs. 2 Satz 3
SächsKAG; vergleiche SächsOVG, Beschluss vom 10. Februar 2012 – Az. 5 A 12/09).
g) Förmliche Zustellung
Die förmliche Zustellung kommunalabgabenrechtlicher Bescheide richtet sich gemäß
§ 4 SächsVwVfZG nach dem Verwaltungszustellungsgesetz (VwZG) vom 12. August
2005 (BGBl. I S. 2354), zuletzt geändert durch Artikel 17 des Gesetzes vom 10. Okto-
ber 2013 (BGBl. I S. 3786, 3796). Sie ist allerdings nur in Ausnahmefällen zwingend
vorgeschrieben, zum Beispiel für die Zustellung von Pfändungs- und Arrestverfügungen
im Vollstreckungsverfahren (siehe § 309 Abs. 2 AO in Verbindung mit § 15 Abs. 1 Nr. 2
des Verwaltungsvollstreckungsgesetzes für den Freistaat Sachsen [SächsVwVG] in der
Fassung der Bekanntmachung vom 10. September 2003 [SächsGVBl. S. 614, 913], das
zuletzt durch Gesetz vom 6. Oktober 2013 [SächsGVBl. S. 802] geändert worden ist,
und § 324 Abs. 2 AO in Verbindung mit § 16 SächsVwVG).
h) Unbekannte Eigentümer und Eigentümer unbekannten Aufenthalts
Bestimmt ein Gesetz (siehe § 21 SächsKAG) oder die Abgabensatzung den Grund-
stückseigentümer zum Abgabenschuldner, kann der Abgabenbescheid nicht wirksam
bekanntgegeben werden, solange die Eigentumsverhältnisse am Grundstück nicht ge-
klärt sind. Ist nur der Aufenthaltsort des Eigentümers nicht bekannt, kann der Eintritt der
Festsetzungsverjährung auch durch öffentliche Zustellung (§ 10 VwZG) des Abgaben-
bescheides verhindert werden (siehe § 3a Abs. 1 Satz 3 Nr. 2 SächsKAG). Lässt sich
auch die Person des Grundstückseigentümers nicht ermitteln, besteht für Grundstücke,
die in der DDR unter staatlicher Verwaltung standen, gemäß § 11b Abs. 1 des Geset-
zes zur Regelung offener Vermögensfragen (Vermögensgesetz – VermG) in der Fas-
sung der Bekanntmachung vom 9. Februar 2005 (BGBl. I S. 205), das zuletzt durch Ar-
tikel 6 des Gesetzes vom 1. Oktober 2013 (BGBl. I S. 3719, 3727) geändert worden ist,
die Möglichkeit, bei den Landkreisen und Kreisfreien Städten, in deren Gebiet das
Grundstück belegen ist, die Bestellung eines „gesetzlichen Vertreters des Eigentümers“
zu beantragen. § 11b VermG geht insofern § 81 Abs. 1 Nr. 1 AO vor. Der diesem ge-
setzlichen Vertreter bekanntgegebene Abgabenbescheid wird ausnahmsweise auch
ohne Bezeichnung des Inhaltsadressaten wirksam.
i) Widerspruchsverfahren

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Für kommunalabgabenrechtliche Rechtsstreitigkeiten sind nicht die Finanzgerichte,
sondern die Verwaltungsgerichte zuständig. Vor Erhebung einer Anfechtungs- oder
Verpflichtungsklage ist daher ein Widerspruchsverfahren gemäß §§ 68 ff. VwGO durch-
zuführen und kein Einspruchsverfahren gemäß §§ 347 ff. AO.
Im Hinblick auf mögliche Widerspruchsverfahren ist darauf zu achten, die Aufgabe des
Abgabenbescheids zur Post aktenkundig zu machen. Das Oberverwaltungsgericht lässt
insoweit den Nachweis, dass der Bescheid an einem bestimmten Tag gefertigt wurde,
nicht ausreichen – auch nicht als Beweis des ersten Anscheins (SächsOVG, Urteile
vom 26 März 2003 – Az. 5 B 638/02 – und vom 25. Juli 2012 – Az. 5 A 336/10).
Erlass und Stundung sind gesonderte, in einem eigenen Verwaltungsverfahren zu tref-
fende Entscheidungen, die nicht im Widerspruchsverfahren zum Abgabenbescheid be-
antragt bzw. gewährt werden können (SächsOVG, Urteil vom 17. Juli 2013 – Az. 5 A
150/11).
j) Vollstreckungsverfahren
Für die Vollstreckung von Kommunalabgaben gilt – abgesehen von § 251 Abs. 3 und
§ 261 AO – das SächsVwVG. Daher sind im Kommunalabgabenrecht – anders als im
Steuerrecht – zusätzlich zu Säumniszuschlägen auch Mahngebühren zulässig.
Die in § 13 SächsVwVG vorgeschriebene Mahnung ist eine „Amtshandlung im Vollstre-
ckungsverfahren“ gemäß Nr. 1, Tarifstelle 8.1 der Neunten Verordnung des Sächsi-
schen Staatsministeriums der Finanzen über die Bestimmung der Verwaltungsgebühren
und Auslagen (Neuntes Sächsisches Kostenverzeichnis – 9. SächsKVZ) vom 21. Sep-
tember 2011 (SächsGVBl. S. 410), die durch Verordnung vom 3. März 2014
(SächsGVBl. S. 100) geändert worden ist, die gemäß § 4 Abs.1 Satz 2 SächsVwVG
auch auf kommunale Vollstreckungsmaßnahmen anzuwenden ist. Eine Regelung der
Mahngebühren durch kommunale Satzung gemäß § 25 SächsVwKG ist seit Inkrafttre-
ten des § 4 Abs.1 Satz 2 SächsVwVG nicht mehr zulässig.
k) Stundung von Beiträgen für landwirtschaftliche Grundstücke
Für die Stundung von Beiträgen im Sinne der §§ 17, 19 Abs. 2 und § 26 SächsKAG
(ohne Beiträge für Wirtschaftswege) gelten für Landwirte (auch Nebenerwerbslandwirte,
nicht jedoch Hobbylandwirte) neben den allgemeinen Stundungsregelungen der §§ 222,
234 und 238 AO zusätzliche Erleichterungen. Gemäß § 135 Abs. 4 BauGB in Verbin-
dung mit § 3 Abs. 3 SächsKAG haben sie einen Anspruch auf zinslose Stundung ohne
Leistung besonderer Sicherheiten, wenn
die Grundstücke oder Grundstücksteile, für die der Beitrag entstanden ist, zur Er-
haltung der Wirtschaftlichkeit des Betriebes landwirtschaftlich im Sinne von § 201
BauGB genutzt werden und
die Nutzung vom Eigentümer selbst oder von Familienangehörigen im Sinne von
§ 15 AO im Wege der Nutzungsüberlassung oder Betriebsübergabe ausgeübt
wird. Hier ist vom zivilrechtlichen Eigentum auszugehen. Pächter sind keine Eigen-
tümer im Sinne der Vorschrift (siehe SächsOVG, Beschluss vom 26. November
2013 – Az. 5 A 472/12).
Solange ein landwirtschaftlicher Betrieb existiert, kann unterstellt werden, dass er wirt-
schaftlich geführt wird und damit die Voraussetzung für die Stundung nach § 3 Abs. 3
SächsKAG insoweit erfüllt ist.
Begünstigt sind:

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a) Flächen für den pflanzlichen Anbau (einschließlich der Wiesen- und Weidewirt-
schaft);
b) die mit dem Wirtschaftsteil einer Hofstelle überbauten und zu diesem gehörenden
Flächen, soweit sie nicht tatsächlich an die Einrichtung angeschlossen sind;
c) bei Einrichtungen der Abwasserbeseitigung, über die Fälle des Buchstaben b) hin-
aus, auch der an die Einrichtung angeschlossene Teil des Wirtschaftsteils einer Hof-
stelle, wenn die Einrichtung
nur in unbedeutendem Umfang (gedacht ist an die Fälle, in denen das Nieder-
schlagswasser hauptsächlich zur Verdünnung der Gülle bei Schwemmentmis-
tung verwendet und nur ausnahmsweise über die Abwasserkanäle entsorgt wird)
oder
nur zur Beseitigung des Niederschlagswassers in Anspruch genommen wird.
Nicht begünstigt sind Wohngebäude oder zum Wohnen bestimmte Gebäudeteile.
IV. zu § 4 (Verwaltungshelfer)
Das Sächsische Oberverwaltungsgericht hat bereits im Jahre 2004 entschieden, dass
die kommunalen Aufgabenträgern auf Grund der ihnen verfassungsrechtlich garantier-
ten Organisationshoheit befugt sind, Privatpersonen mit der Wahrnehmung kommunaler
Aufgaben zu beauftragen (funktionale Privatisierung). Die Kommunen müssen jedoch
dafür Sorge tragen, dass sie erforderlichenfalls durch Einflussnahme auf die Betreiber-
gesellschaften die gesetzmäßige Aufgabenerfüllung sicherstellen können (SächsOVG,
Beschluss vom 24. September 2004 – Az. 5 BS 119/04).
Inzwischen hat das Sächsische Oberverwaltungsgericht jedoch klargestellt, dass inso-
weit strengere rechtliche Maßstäbe anzulegen sind, wenn es um den Erlass von Abga-
benbescheiden geht. In der Verwaltungsrechtsprechung ist spätestens seit der Ent-
scheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. August 2011 (Az. 9 C 2/11) unstrit-
tig, dass die Einbeziehung privater Gesellschaften in das kommunalabgabenrechtliche
Verwaltungsverfahren zur Rechtswidrigkeit erlassener Abgabenbescheide führt, wenn
der kommunale Aufgabenträger keinen Einfluss auf die in seiner Zuständigkeit liegen-
den Sachentscheidungen nimmt. Dies ist jedenfalls immer dann anzunehmen, wenn er
über kein Personal verfügt, das diesen Einfluss ausüben könnte (SächsOVG, Beschluss
vom 23. Februar 2012 – Az. 5 A 331/10).
Um die bisherige Verwaltungspraxis aufrecht erhalten zu können, war es also erforder-
lich, den im Rahmen der funktionalen Privatisierung in die Aufgabenerfüllung einbezo-
genen Betreibergesellschaften (Verwaltungshelfern) gesetzlich die Befugnis zur Sach-
entscheidung einzuräumen. Dies ist mit dem neuen § 4 SächsKAG geschehen, der als
Artikel 6 des „Gesetzes zur Erleichterung freiwilliger Gebietsänderungen“ vom 18. Ok-
tober 2012 (SächsGVBl S. 562, 566) in das Kommunalabgabengesetz eingefügt wurde
(zur Gesetzesbegründung siehe
http://www.kommunale-verwaltung.sachsen.de/20446.
htm)
Kommunale Körperschaften können Privatpersonen jetzt nicht nur beauftragen, Abga-
benbescheide zu erstellen, sie können ihnen gleichzeitig die Befugnis übertragen, diese
Abgabenbescheide im Namen der Kommune zu erlassen. Der Verwaltungshelfer kann
auch zum Erlass vollstreckungsrechtlicher Verwaltungsakte ermächtigt werden.

20
Sonstige Hoheitsbefugnisse des Vollstreckungsverfahrens können dem Verwaltungs-
helfer nicht übertragen werden. Er kann zum Beispiel nicht als Vollstreckungsbedienste-
ter im Sinne des § 14 Abs. 1 SächsVwVG in Verbindung mit § 285 Abs. 1 AO eingesetzt
werden. Gleichwohl dürfen Tathandlungen, die keine Hoheitsakte sind (zum Beispiel
schriftliche Mahnung, Adressenrecherchen oder Überwachung von Zahlungseingängen)
– im Rahmen des geltenden Rechts, insbesondere des Datenschutzrechts – auch von
privaten Verwaltungshelfern vorgenommen werden.
Die Ermächtigung muss durch Satzung erfolgen. Der Satzungsgeber muss ausdrücklich
festsetzen, dass der – konkret zu bezeichnende – Verwaltungshelfer befugt sein soll, im
Namen der kommunalen Körperschaft bestimmte Arten von Verwaltungsakten (zum
Beispiel Bescheide über Beiträge gemäß §§ 17 ff. SächsKAG oder Benutzungsgebüh-
renbescheide gemäß §§ 9 ff. SächsKAG) zu erlassen. Der Verwaltungshelfer kann nicht
ermächtigt werden, die Befugnis ganz oder teilweise auf andere Personen zu übertra-
gen. Für den Widerruf der Ermächtigung ist die entsprechende Satzungsnorm aufzuhe-
ben.
V. zu § 5 (Abgabenhinterziehung)
1. Zuständigkeit der Staatsanwaltschaften
Im Gegensatz zu den Finanz- und Zollbehörden haben kommunale Körperschaften kei-
ne Befugnis zur Einleitung strafrechtlicher Ermittlungsverfahren. Zuständig hierfür ist
ausschließlich die Staatsanwaltschaft. Die kommunalen Abgabenbehörden haben da-
her bei einem begründeten Verdacht auf das Vorliegen einer Straftat gemäß § 5
SächsKAG die zuständige Staatsanwaltschaft zu informieren und auf deren Ersuchen
Amtshilfe bei der Ermittlung des Sachverhalts zu leisten. Im Verfahren hat die geschä-
digte Kommune das Recht, gehört zu werden und in der Hauptverhandlung Fragen an
Angeklagte, Zeugen und Sachverständige zu richten (§ 407 AO).
2. Realsteuern und Kurtaxe
Für die Realsteuern gelten gemäß § 1 Abs. 2 Nr. 7 AO die Straf- und Bußgeldvorschrif-
ten der Abgabenordnung unmittelbar, also nicht über die Verweise im SächsKAG. Für
die Kurtaxe gelten die Vorschriften der §§ 5 und 6 SächsKAG nicht, sondern aus-
schließlich die Bestimmungen des SächsVwKG (§ 34 Abs. 5 SächsKAG). Das bedeutet,
dass insoweit keine Straftatbestände bestehen, sondern ausschließlich Ordnungswid-
rigkeitstatbestände (siehe § 26 SächsVwKG).
VI. zu § 6 (Leichtfertige Abgabenverkürzung und Abgabengefährdung)
§ 6 SächsKAG enthält die kommunalabgabenrechtlichen Ordnungswidrigkeitstatbe-
stände. Im Übrigen sind die Vorschriften des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten
(OWiG) und ergänzend die in § 6 SächsKAG genannten Bestimmungen der Abgaben-
ordnung anwendbar.
Ob eine gemäß § 5 SächsKAG mit Strafe bedrohte Handlung leichtfertig begangen
wurde und deshalb als Ordnungswidrigkeit zu ahnden ist, wird häufig erst am Ende der
Ermittlungen beurteilt werden können. Falls Zweifel bestehen, ob § 5 SächsKAG ein-
schlägig ist, ist die Staatsanwaltschaft zu beteiligen.
Im Gegensatz zum Strafverfahren nach § 5 SächsKAG steht die Verfolgung von Ord-
nungswidrigkeiten im pflichtgemäßen Ermessen der Verwaltungsbehörde (siehe
§ 47
Abs. 1 OWiG). Soll von der Verfolgung einer Ordnungswidrigkeit abgesehen werden,
müssen dafür allerdings mit dem jeweiligen Regelungszweck des Gesetzes vereinbare

21
Gründe vorliegen. Diese Gründe sind aktenkundig zu machen.
Abschnitt 2 (Steuern)
VII. zu § 7 (Gemeindesteuern)
1. Örtliche Aufwand- und Verbrauchsteuern
§ 7 Abs. 2 SächsKAG räumt den Gemeinden ein Steuerfindungsrecht für örtliche Ver-
brauch- und Aufwandsteuern im Rahmen der Gesetzgebungskompetenz des Landes
(Artikel 105 Abs. 2a GG) ein.
a) Bundesrechtliche Grenzen des Steuerfindungsrechts
Aus Artikel 105 Abs. 2a GG ergeben sich zwei Schranken des Steuerfindungsrechts:
Örtliche Verbrauch- und Aufwandsteuern dürfen bundesgesetzlich geregelten Steuern
nicht „gleichartig“ sein und sie müssen einen – ausschließlich – örtlichen Bezug haben.
Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts bedeutet örtlicher Bezug,
dass es durch unterschiedlich hohe örtliche Verbrauch- und Aufwandsteuern zu keinen
Wettbewerbsverzerrungen kommen darf.
Wann örtliche Verbrauch- oder Aufwandsteuer Bundessteuern „gleichartig“ sind, ist in
der höchstrichterlichen Rechtsprechung dagegen nach wie vor nicht geklärt. Rechtssi-
cherheit besteht insoweit nur hinsichtlich der traditionellen Kommunalsteuern (wie zum
Beispiel Vergnügungs- und Hundesteuer). Traditionelle örtliche Verbrauch- und Auf-
wandsteuern sind nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts generell
nicht im Sinne des Artikels 105 Abs. 2a GG als gleichartig mit Bundessteuern anzuse-
hen (BVerfG, Beschluss vom 4. Juni 1975 – Az. 2 BvL 16/73). Daher empfiehlt es sich,
vor Einführung einer neuartigen örtlichen Verbrauch- oder Aufwandsteuer zunächst eine
Auskunft der zuständigen Rechtsaufsichtsbehörde einzuholen.
b) Landesrechtliche Grenzen des Steuerfindungsrechts
Der sächsische Gesetzgeber macht – anders als einige andere Länder – keinerlei in-
haltliche Vorgaben für die Erhebung örtlicher Aufwand- und Verbrauchsteuern. Das
SächsKAG enthält auch keinen Genehmigungsvorbehalt für neuartige Aufwand- und
Verbrauchsteuern.
Allerdings findet das gemeindliche Steuerfindungsrecht dort seine Grenze, wo die Ein-
führung neuer örtlicher Verbrauch- und Aufwandsteuern dazu führen würde, dass ande-
re kommunalabgabenrechtliche Vorschriften praktisch leerlaufen. So ist es nach Auffas-
sung des Staatsministeriums des Innern zum Beispiel nicht zulässig, touristisch moti-
vierte Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben mit einer örtlichen Aufwandsteuer
(„Übernachtungsteuer“) zu belegen. Denn mit der Kurtaxe (§ 34 SächsKAG) stellt das
Gesetz bereits eine Abgabenart zur Verfügung, deren Gegenstand – ebenso wie bei der
Übernachtungssteuer – die Übernachtung („Unterkunftnahme“; siehe § 34 Abs. 2 Satz 2
SächsKAG) ist.
2. Realsteuern
Realsteuern (Grund- und Gewerbesteuer) sind keine Kommunalabgaben im Sinne des
SächsKAG. Trotzdem bestimmt § 7 Abs. 3 Satz 1 SächsKAG, dass den Gemeinden die
Verwaltungszuständigkeit („Festsetzung und Erhebung“) für die Realsteuern zusteht.
Bundesrechtlich sind nur die Ertragszuständigkeit und das Hebesatzrecht der Gemein-
den geregelt (siehe Artikel 106 Abs. 6 GG). Daher bedurfte es einer ausdrücklichen
landesgesetzlichen Ermächtigung zur Festsetzung von Grund- und Gewerbesteuern.

22
Das Verwaltungsverfahrensrecht der Realsteuern ist bundesrechtlich geregelt (siehe
§ 1 Abs. 2 AO), während die Vollstreckung nach landesrechtlichen Vorschriften
(SächsVwVG) erfolgt: § 1 Abs. 2 AO verweist nicht auf das Vollstreckungsrecht der AO.
VIII. zu § 8 (Kreissteuern)
Die Jagdsteuer ist die einzige örtliche Aufwandsteuer, die von den Landkreisen erhoben
werden darf. Nicht verpachtete Eigenjagden von Gebietskörperschaften unterliegen
nicht der Jagdsteuer, da kommunale Gebietskörperschaften als Körperschaften des
öffentlichen Rechts keinen gemäß Art. 105 Abs. 2a GG steuerbaren persönlichen Auf-
wand betreiben (BVerwG, Urteil vom 27. Juni 2012 – Az. 9 C 2/12). Inländer im Sinne
des § 8 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG ist – unabhängig von der Staatsangehörigkeit –, wer
in Deutschland seinen ständigen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat.
Abschnitt 3 (Benutzungsgebühren)
IX. zu § 9 (Erhebungsermächtigung, Einrichtungsbegriff)
1. Anwendungsbereich
Zum Teil bestehen außerhalb des SächsKAG spezialgesetzliche benutzungsgebühren-
rechtliche Vorschriften, die das SächsKAG ergänzen. Dazu gehören insbesondere § 3a
SächsABG, § 3 Abs. 3 des Sächsischen Ausführungsgesetzes zum Tierische Neben-
produkte-Beseitigungsgesetz und zu weiteren Vorschriften über die Verarbeitung und
Beseitigung von nicht für den menschlichen Verzehr bestimmten tierischen Nebenpro-
dukten (SächsAGTierNebG) vom 9. Dezember 2004 (SächsGVBl. S. 579), das zuletzt
durch Artikel 42 des Gesetzes vom 27. Januar 2012 (SächsGVBl. S. 130, 146) geändert
worden ist, § 13 Abs. 1 des Gesetzes über den öffentlichen Gesundheitsdienst im Frei-
staat Sachsen (SächsGDG) vom 11. Dezember 1991 (SächsGVBl. S. 413), das zuletzt
durch Artikel 3 des Gesetzes vom 2. April 2014 (SächsGVBl. S. 266, 267) geändert
worden ist, § 32 Abs. 5 Satz 2 des Sächsischen Gesetzes über den Brandschutz, Ret-
tungsdienst und Katastrophenschutz (SächsBRKG) vom 24. Juni 2004 (SächsGVBl.
S. 245, 647), das zuletzt durch Artikel 2 des Gesetzes vom 13. Februar 2014
(SächsGVBl. S 47, 48) geändert worden ist, § 15 des Gesetzes über Kindertagesein-
richtungen (SächsKitaG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 15. Mai 2009
(SächsGVBl. S. 225), das zuletzt durch Artikel 32 des Gesetzes vom 27. Januar 2012
(SächsGVBl. S. 130, 144) geändert worden ist und § 51 Abs. 5 des Sächsischen Stra-
ßengesetzes (SächsStrG) vom 21. Januar 1993 (SächsGVBl. S. 93), das zuletzt durch
Artikel 3 des Gesetzes vom 2. April 2014 (SächsGVBl. S. 234, 235) geändert worden
ist. Vom SächsKAG abweichende spezialgesetzliche Regelungen gehen dem
SächsKAG vor.
2. Privatrechtrechtliches Entgeltregime
Obwohl das sächsische Landesrecht dazu keine ausdrückliche Regelung trifft, lässt die
Rechtsprechung die Vereinbarung privatrechtlicher Entgelte an Stelle der Erhebung von
Benutzungsgebühren und Anschlussbeiträgen zu (SächsOVG, Urteil vom 10. Dezem-
ber 1996 – Az. 2 S 550/94). Dies gilt auch für die Vereinbarung von Baukostenzuschüs-
sen (siehe OLG Dresden, Urteil vom 24. Juni 2003 – Az. 9 U 2015/02). Die Entschei-
dung für ein so genanntes Privatrechtsregime kann jedoch nicht rückwirkend
(SächsOVG, Urteil vom 12. September 2007 – Az. 5 B 191/05) und nur einheitlich für
die jeweilige kommunale Einrichtung getroffen werden.
3. Entstehung der Gebührenschuld/Leistungsbegriff

23
Die Gebührenschuld entsteht, sobald der in der Gebührensatzung bestimmte Gebüh-
rentatbestand verwirklicht ist (siehe oben Ziffer II Nr. 7 Buchst. a), also sobald die ge-
bührenpflichtige Leistung erbracht wurde.
Der gebührenrechtliche Leistungsbegriff ist traditionell ergebnisorientiert: Daher ist es
zum Beispiel zulässig, die zentrale Abwasserentsorgung und die Abwasserentsorgung
über abflusslose Gruben als einheitliche Leistung „Abwasserentsorgung“ zu behandeln
und dementsprechend von den Nutzern, trotz der unterschiedlichen Benutzungsmodali-
täten, eine einheitliche, an der entsorgten Schmutzwassermenge orientierte Gebühr zu
verlangen (nicht zu verwechseln mit der „Einheitsgebühr“ [siehe unten Nr. 4], bei der es
darum geht, für mehrere Leistungen nur eine Gebühr zu erheben). Allerdings besteht
diese Option nur, wenn keine Beiträge erhoben werden, da die Leistungsbereiche für
das Gebühren- und Beitragsrecht nur einheitlich gebildet werden dürfen (siehe unten
Ziffer XVII Nr. 7).
Da das SächsKAG auch eine nicht leistungs-, das heißt ergebnisorientierte Gebühren-
bemessung zulässt (siehe unten Ziffer XIV Nr. 1), ist es wegen der unterschiedlichen
Kostenstrukturen jedoch auch zulässig, für die zentrale Entsorgung und die Entsorgung
über abflusslose Gruben gesonderte Gebühren zu erheben.
a) Vorhalteleistung
Die Vorhalteleistung ist eine besondere Leistungsart, für die der Satzungsgeber Benut-
zungsgebühren verlangen kann, die als Grundgebühren bezeichnet werden (vergleiche
§ 14 Abs. 1 Satz 3 SächsKAG; siehe Ziffer XIV, Nr. 3 Buchst. a). Grundgebühren wer-
den als Gegenleistung für die ständige Leistungsbereitschaft des Einrichtungsträgers
erhoben, also dafür, dass die eigentliche Leistung jederzeit in Anspruch genommen
werden kann.
Ist die gebührenpflichtige Leistung eine Vorhalteleistung, entsteht die Gebührenpflicht,
sobald eine konkrete Benutzungsmöglichkeit besteht. Das Bestehen eines Anschluss-
und Benutzungszwangs, der noch nicht durchgesetzt ist, genügt insoweit nicht.
Die konkrete Benutzungsmöglichkeit besteht bei zentralen Abwasserbeseitigungs- und
Trinkwasserversorgungsanlagen, sobald das Grundstück tatsächlich angeschlossen ist,
das heißt wenn und solange die zur Einrichtung gehörenden Leitungen anliegen. Ist die
Anschlussleitung dadurch unterbrochen, dass der Wasserzähler ausgebaut ist, ist die
entsprechende Wohneinheit nicht mehr angeschlossen, eine Grundgebührenpflicht be-
steht nicht. Wenn die Wohnung nicht genutzt werden soll, kann der Ausbau des Was-
serzählers verlangt werden, da durch den Ausbau die Grundgebührenpflicht entfällt. Der
Bundesgerichtshof hat 2010 (BGH, Urteil vom 21. April 2010 – Az. VIII ZR 97/09) ent-
schieden, dass ein Austausch des Wasserzählers verlangt werden kann, wenn sich dies
auf die Höhe der Grundgebühr auswirkt; diese Rechtsprechung ist auf den Ausbau des
Wasserzählers bei Leerstand übertragbar.
Abfallgrundgebühren können mit Bereitstellung eines Abfallbehälters entstehen.
b) Laufender Leistungsbezug
Wird eine Leistung laufend in Anspruch genommen (Beispiel: der Bezug von Trinkwas-
ser), bedeutet dies, dass die Gebührensatzung einen Veranlagungszeitraum bestimmen
und festsetzen muss, zu welchem Zeitpunkt die Gebührenschuld für die in diesem Ver-
anlagungszeitraum erbrachten Leistungen entsteht (vergleiche auch Ziffer II Nr. 7
Buchst. a). Der Satzungsgeber darf die Bestimmung des Entstehenszeitpunkts nicht
von zukünftigen ungewissen Ereignissen – wie etwa dem Erlass des Abgabenbe-

24
scheids – abhängig machen (SächsOVG, Urteil vom 6. Juli 2012 – Az. 5 A 574/09),
sondern muss diese Frage selbst mit der notwendigen Bestimmtheit für alle Gebühren-
pflichtigen einheitlich regeln (SächsOVG, Beschluss vom 20. Dezember 2006 – Az. 5
BS 231/06).
Im Benutzungsgebührenrecht ist indessen nur das Ende des Veranlagungszeitraums
ein zulässiger Entstehenszeitpunkt, da Gebühren für die Benutzung kommunaler Ein-
richtungen erhoben werden (§ 9 Abs. 1 SächsKAG) und zu Beginn des Veranlagungs-
zeitraums noch keine Benutzung erfolgt ist. § 15 SächsKAG lässt allerdings Abschlags-
zahlungen vor Entstehen der Gebührenpflicht zu.
Nach der Rechtsprechung ist es nicht zulässig, den Ablesezeitraum, also die Zeit zwi-
schen zwei Wasseruhr-Ableseterminen, zum Veranlagungszeitraum für Wasser- und
Abwassergebühren zu erklären. Ablesezeitraum und Veranlagungszeitraum sind also
nicht kongruent. Daher ist es zulässig, den Verbrauch für einen Teil des Veranlagungs-
zeitraums zu schätzen. Ob mit dem Verwaltungsgericht Chemnitz (Urteil vom 14. De-
zember 2005 – Az. 1 K 911/01) davon ausgegangen werden kann, dass sich die Befug-
nis zur Schätzung in solchen Fällen unmittelbar aus dem Gesetz (§ 162 AO) ergibt, ist
fraglich. Es empfiehlt sich daher, die anzuwendende Schätzmethode in der Gebühren-
satzung zu regeln.
4. Einheitsgebühren und Sondergebühren
Grundsätzlich sind für jede Leistung gesonderte Gebührensätze festzusetzen. Aus-
nahmsweise kann jedoch auch eine einheitliche Gebühr für mehrere Leistungen („Ein-
heitsgebühr“) zulässig sein. Dabei ist der Grundsatz der Abgabengerechtigkeit zu be-
achten. Einheitsgebühren sind immer pauschaler und damit ungenauer als Gebühren,
die für einzelne Leistungen erhoben werden („Sondergebühren“).
Selbst wenn eine Einheitsgebühr eine verfassungsrechtlich relevante willkürliche
Gleichbehandlung ungleicher Gebührentatbestände darstellt, ist jedoch zu prüfen, ob
diese Tatsache wegen der geringen Zahl der benachteiligten Abgabepflichtigen ver-
nachlässigt werden kann (siehe oben Ziffer II Nr. 3, Grundsatz der Typengerechtigkeit).
Der Grundsatz der Typengerechtigkeit ist allerdings im Geltungsbereich von § 9 Abs. 3
Satz 2 SächsKAG nicht anwendbar, der die Erhebung von Sondergebühren schon dann
verlangt, wenn bestimmte Leistungen „nicht allen Benutzern in gleichem Umfang zu-
gänglich“ sind. Der Grundsatz der Typengerechtigkeit würde eine großzügigere Zulas-
sung von Einheitsgebühren ermöglichen. Der Gesetzgeber hat sich jedoch zur Vermei-
dung von Abgrenzungsschwierigkeiten für diese Regelung entschieden.
§ 9 Abs. 3 Satz 2 SächsKAG regelt aber nur die Typisierung, nicht auch die Pauschalie-
rung (zu den Begriffen siehe oben Ziffer II Nr. 3), sodass die Grenzen zulässiger Ge-
bührenpauschalierung unabhängig von § 9 Abs. 3 Satz 2 SächsKAG anhand des ver-
fassungsrechtlichen Willkürverbots zu bestimmen sind (siehe unten Buchstabe a).
a) Abwassergebühren
Im Abwassergebührenrecht stellt sich die Frage, ob Einheitsgebühren für die Schmutz-
und Niederschlagswasserentsorgung erhoben werden dürfen. § 9 Abs. 3 Satz 2
SächsKAG macht dies davon abhängig, dass alle Gebührenpflichtigen sowohl an die
Schmutz- als auch an die Niederschlagswasserentsorgung angeschlossen sind (Fall
der sogenannten Vollentsorgung). Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt (Fall der
sogenannten Teilentsorgung), schließt das Gesetz die Erhebung von Einheitsgebühren
aus. Liegt dagegen ein Fall der Vollentsorgung vor, muss zusätzlich geprüft werden, ob
ein Verstoß gegen den Grundsatz der Abgabengerechtigkeit vorliegt. Soll auf Basis des

25
Frischwassermaßstabs eine Einheitsgebühr für die Schmutz- und Niederschlagswas-
serentsorgung erhoben werden, dürfen nach der Rechtsprechung des Oberverwal-
tungsgerichts die Kosten für die Niederschlagswasserentsorgung nicht mehr als etwa
12 Prozent der Gesamtkosten der Abwasserentsorgung ausmachen (SächsOVG, Urteil
vom 7. März 2012 – Az. 5 C 9/10 – und BVerwG, Beschluss vom 2. April 2013 – Az. 9
BN 4/12).
b) Abfallgebühren
Die Erhebung von Einheitsgebühren ist auch im Abfallgebührenrecht möglich, indem für
die verschiedenen abfallrechtlichen Teilleistungen (zum Beispiel Entsorgung Bioabfall,
Sperrmüll und Restmüll) nur eine einheitliche Gebühr verlangt wird. Grundsätzlich ist
auch eine Kombination von Einheitsabfallgrundgebühren und Sondergebühren für lau-
fende Leistungen zulässig. Dies ist jedenfalls dann der Fall, „… wenn es sich bei dem
Teilleistungsbereich um eine typischerweise anfallende Leistung (hier: Biomüllentsor-
gung) handelt, der hierfür anzusetzende Kostenanteil nicht in krassem Missverhältnis zu
den Gesamtkosten steht und dem Gebührenpflichtigen ein Wechsel zwischen den ver-
schiedenen Teilleistungsbereichen jederzeit möglich ist.“ (BVerwG, Urteil vom 20. De-
zember 2000 – Az. 11 C 7/00).
§ 9 Abs. 3 Satz 2 SächsKAG ist im Abfallgebührenrecht nicht einschlägig, weil die ver-
schiedenen Abfallentsorgungsleistungen – anders als bei leitungsbasierten Leistungen
wie der zentralen Abwasserentsorgung – objektiv allen Gebührenpflichtigen gleicher-
maßen „zugänglich“ sind. Auch die von der Rechtsprechung für das Abwassergebüh-
renrecht entwickelte 12 Prozent-Regel (siehe oben Buchstabe a) lässt sich nicht auf das
Abfallrecht übertragen, da die Zulässigkeit von Einheitsgebühren im Abfallgebühren-
recht nicht ausschließlich eine Frage der Verwaltungspraktikabilität ist. Einheitsgebüh-
ren können hier auch durch Lenkungszwecke gerechtfertigt sein.
c) Trägerübergreifende Einheitsgebühren
Gemäß § 9 Abs. 4 SächsKAG können Aufgabenträger, die für verschiedene Teilaufga-
ben desselben Aufgabenbereichs zuständig sind, vereinbaren, dass einer der beteilig-
ten Aufgabenträger die Gebühren für den gesamten Aufgabenbereich erhebt, zum Bei-
spiel dass ein Zweckverband, dem nur die Aufgabe übertragen wurde, eine Kläranlage
zu betreiben, trotzdem Benutzungsgebühren für die gesamte erbrachte Leistung, also
auch für den Transport des Abwassers durch die Kanalisation, erhebt. Die anderen
Aufgabenträger haben der Gebühren erhebenden Körperschaft ihre Kosten in Rech-
nung zu stellen. Obwohl es sich bei den Kostenerstattungen um keine Gebühren han-
delt, sind sie gemäß § 9 Abs. 4 Satz 3 SächsKAG wie eine Gebühr (analog §§ 11-13
SächsKAG) zu kalkulieren.
§ 9 Abs. 4 SächsKAG ist eine bloße Kompetenzvorschrift, die die übrigen gebühren-
rechtlichen Vorschriften und Rechtsgrundsätze nicht aufhebt. Ist nach diesen Grundsät-
zen zum Beispiel die Erhebung einer Einheitsgebühr für die Schmutz- und Nieder-
schlagswasserentsorgung unzulässig, ist insoweit auch kein Raum für die Anwendung
des § 9 Abs. 4 SächsKAG.
Der Anwendungsbereich dieser Regelung ist im Übrigen auf Fälle begrenzt, in denen
keine Beiträge erhoben werden. § 17 Abs. 4 Satz 1 SächsKAG verweist nicht auf § 9
Abs. 4 SächsKAG. Da die Beitragserhebung die Gebührenhöhe beeinflusst (siehe § 12
Abs. 1 SächsKAG), wäre eine Einheitsgebühr mit den unterschiedlichen Beitragsrege-
lungen der verschiedenen Aufgabenträger nicht
vereinbar. Da für die Abfallentsorgung
keine Anschlussbeiträge erhoben werden dürfen, liegt der Anwendungsbereich der
Norm mithin vor allem im Abfallgebührenrecht.

26
5. Gebührengläubiger
§ 9 Abs. 1 SächsKAG räumt Gemeinden und Landkreisen die Befugnis zur Erhebung
von Benutzungsgebühren ein. Andere kommunale Körperschaften sind – nach Maßga-
be der jeweiligen Vorschriften des SächsKomZG – in dem Umfang zur Erhebung von
Benutzungsgebühren befugt, wie dies zur Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben
erforderlich ist (siehe oben Ziffer I Nr. 1). Die Mitgliedsgemeinden eines Zweckverban-
des und die an einer Zweckvereinbarung beteiligten Körperschaften können sich jedoch
die Befugnis zur Abgabenerhebung vorbehalten (§ 60 Abs. 3 SächsKomZG und § 71
Abs. 1 Satz 3 in Verbindung mit § 60 Abs. 3 SächsKomZG). Insoweit bleiben sie Ein-
richtungsträger. Der Vorbehalt muss in der Verbandssatzung beziehungsweise in der
Zweckvereinbarung zweifelsfrei zum Ausdruck kommen.
6. Gebührenschuldner
Die Gebührensatzung muss Vorschriften zur Person des Gebührenpflichtigen enthalten
(siehe § 2 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG). Dem Satzungsgeber steht insoweit ein gewisses
kommunalpolitisches Ermessen zu. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Erhebung
von Benutzungsgebühren gemäß § 9 Abs. 1 SächsKAG ein Benutzungsverhältnis, das
heißt die Inanspruchnahme einer gebührenpflichtigen Leistung, voraussetzt. Die Person
des Nutzers und des Gebührenpflichtigen müssen nicht identisch sein (siehe oben
Ziffer II Nr. 7 Buchst. b).
7. Öffentliche Einrichtungen
Der Begriff der öffentlichen Einrichtung ist ein zentraler Begriff des Kommunalabgaben-
rechts: Benutzungsgebühren (§§ 9 ff. SächsKAG) werden für die Benutzung öffentlicher
Einrichtungen, Anschlussbeiträge (§§ 17 ff. SächsKAG) für den Anschluss an eine öf-
fentliche Einrichtung erhoben.
Dem Einrichtungsbegriff kommt in kommunalrechtlichen Vorschriften (siehe neben
§§ 9 und 17 SächsKAG auch § 10 Abs. 2 und § 14 SächsGemO) immer dieselbe Be-
deutung zu (SächsOVG, Beschluss vom 24. September 2004 – Az. 5 BS 119/04 – und
Urteil vom 30. August 2006 – Az. 5 B 429/05). Dies gilt auch, wenn der Satzungsgeber
von der Regelungsbefugnis gemäß § 9 Abs. 2 Satz 2 oder Satz 3 SächsKAG Gebrauch
macht. Die Schaffung von Teileinrichtungen (siehe dazu unten Buchstaben b und c) ist
dann nicht nur für das Gebühren- und Anschlussbeitragsrecht maßgeblich. Auch die
Anordnung des Anschluss- und Benutzungszwangs gemäß § 14 SächsGemO muss für
jede Einrichtung gesondert erfolgen, so dass es – bei Vorliegen entsprechender Sach-
gründe – auch möglich ist, dass die Anordnung für bestimmte Einrichtungen erfolgt und
für andere unterbleibt.
Öffentliche Straßen sind dagegen keine öffentlichen Einrichtungen (SächsOVG, Urteil
vom 30. August 2006 – Az. 5 B 429/05). Bei den Sondernutzungsgebühren gemäß § 21
SächsStrG handelt es sich daher nicht um Benutzungsgebühren im Sinne der §§ 9 ff.
SächsKAG. Dagegen sind Straßenreinigungsgebühren (§ 51 Abs. 5 Satz 1 SächsStrG)
Benutzungsgebühren im Sinne des §§ 9 ff. SächsKAG. Denn das Oberverwaltungsge-
richt geht in Fällen, in denen Gemeinden von der Befugnis zur Abgabenerhebung ge-
mäß § 51 Abs. 5 Satz 1 SächsStrG Gebrauch machen, von der Nutzung einer öffentli-
chen Einrichtung „Straßenreinigung“ durch die Abgabepflichtigen aus (SächsOVG, Ur-
teil vom 17. Juni 1998 – Az. 2 S 646/96 – und Urteil vom 28. März 2007 – Az. 5 B
45/05). Gebührenpflichtig sind danach die Eigentümer oder Besitzer nicht nur der Anlie-
ger-, sondern auch der Hinterliegergrundstücke, wenn diese durch die Straße im stra-
ßenbaubeitragsrechtlichen Sinne erschlossen sind (siehe
SächsOVG, Urteil vom 27.
Juli 2011 – Az. 5 A 540/08).

27
Das SächsKAG unterscheidet zwischen Einrichtungen, die den gesamten Aufgabenbe-
reich – zum Beispiel die Abwasserentsorgung – und solchen, die nur einen Teil des
Aufgabenbereichs abdecken (vergleiche SächsOVG, Urteile vom 11. Dezember 2002 –
Az. 5 D 40/00 – und vom 2. März 2011 – Az. 5 A 343/08). Letztere werden im Folgen-
den als „Teileinrichtungen“ bezeichnet. Das Oberverwaltungsgericht verwendet diesen
Begriff auch für die „Teile einer Verkehrsanlage“ im Sinne des § 30 Abs. 2 SächsKAG.
Zur besseren Unterscheidbarkeit wird insoweit der Begriff der „Teilanlage“ Verwendung
finden.
a) aufgabenbezogene Einheitseinrichtungen
Die „aufgabenbezogene Einheitseinrichtung“ ist der gesetzliche Normalfall (§ 9 Abs. 2
Satz 1 SächsKAG). Der Aufgabenbegriff ist hier weit – im Sinne von Aufgabenbereich –
zu verstehen, so dass zum Beispiel die Schmutz- und Niederschlagswasserentsorgung
nicht als eigenständige Aufgaben, sondern als Teil der Aufgabe Abwasserentsorgung
anzusehen sind (ständige Rechtsprechung des SächsOVG seit Beschluss vom 25. Feb-
ruar 1998 – Az. 2 S 39/98). § 9 Abs. 2 Satz 1 2. Halbsatz SächsKAG stellt klar, dass
auch dann vom aufgabenbezogenen Einrichtungsbegriff auszugehen ist, wenn die Auf-
gabe im Gebiet des Aufgabenträgers in unterschiedlichem Umfang wahrgenommen
wird. Diese mit der KAG-Novelle 2004 eingefügte Ergänzung war erforderlich, weil das
Sächsische Oberverwaltungsgericht zur früheren Rechtslage etwas anderes vertreten
hatte (siehe nur SächsOVG, Urteil vom 22. Februar 2001 – Az. 5 D 720/98).
Dagegen stellen im Recht der kommunalen Zusammenarbeit Schmutz- und Nieder-
schlagswasserentsorgung jeweils eigenständige Aufgaben dar. Es ist daher zulässig,
einem Zweckverband gemäß § 44 Abs. 1 SächsKomZG nur die Aufgabe der Schmutz-
wasserentsorgung zu übertragen, während die Niederschlagswasserentsorgung weiter-
hin von den Mitgliedsgemeinden wahrgenommen wird (siehe nur SächsOVG, Urteil vom
27. Oktober 2010 – Az. 5 A 420/10), oder den Betrieb der Kläranlage einem Zweckver-
band zu übertragen, während die Kanalisation weiterhin von den Mitgliedsgemeinden
betrieben wird (siehe SächsOVG, Urteil vom 17. Januar 2005 – Az. 5 D 30/01). Da der
Einrichtungsbegriff trägerbezogen ist (siehe unten Buchstabe d), bestehen in diesen
Fällen ausnahmsweise aufgabenbezogene Einrichtungen für die jeweiligen Teilaufga-
ben (im Ergebnis ebenso SächsOVG, Urteil vom 17. Januar 2005 – Az. 5 D 30/01).
b) anlagenbezogene Teileinrichtungen
Der Satzungsgeber kann abweichend vom aufgabenbezogenen Einrichtungsbegriff
„technisch voneinander unabhängige“ Anlagen zu selbständigen Einrichtungen erklären
(§ 9 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG – anlagenbezogene Einrichtungen). Dabei ist es auch
zulässig, mehrere Anlagen zu einer Teileinrichtung zusammenzufassen. Bestimmt der
Einrichtungsträger die Einrichtungszugehörigkeit nur für einen Teil seiner Anlagen, bil-
den die restlichen Anlagen automatisch eine weitere Teileinrichtung (siehe SächsOVG,
Urteil vom 27. Oktober 2010 – Az. 5 A 420/10).
Für jede Teileinrichtung sind Gebühren und Beiträge gesondert zu kalkulieren (siehe
§ 9 Abs. 3 Satz 1 SächsKAG) und der Einrichtungsträger kann für die verschiedenen
Einrichtungen unterschiedliche Entgeltregime (siehe oben Nr. 2) wählen. So ist es zu-
lässig, für die Benutzung einer Teileinrichtung privatrechtliche Entgelte zu verlangen,
während für eine andere Gebühren und Beiträge und für eine dritte nur Gebühren erho-
ben werden. Nach dem Gesetz setzt die Bildung von Teileinrichtungen voraus, dass sie
„technisch voneinander unabhängig“ sind. Denn anders als bei der Teilleistung im Sinne
des § 9 Abs. 3 Satz 2 (siehe oben Nr. 4) handelt es sich bei der Teileinrichtung um ein
Rechtsinstitut des Verwaltungsorganisationsrechts. Technische Unabhängigkeit setzt

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allerdings keine vollständige Autarkie voraus. Die Verbringung von Klärschlämmen aus
der dezentralen Entsorgung in die zentrale Kläranlage des Aufgabenträgers steht der
technischen Unabhängigkeit im Sinne des § 9 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG nicht entgegen
(SächsOVG, Urteil vom 18. Dezember 2013 – Az. 5 D 18/07). Dem Satzungsgeber
steht bei der Bildung von Teileinrichtungen ein weites Organisationsermessen zu. Aus
dem gesetzlichen Regel-Ausnahmeverhältnis von aufgabenbezogener und anlagenbe-
zogener Einrichtungsbildung kann nicht geschlossen werden, dass für die Bildung von
Teileinrichtungen besonders schwerwiegende Gründe vorliegen müssen (SächsOVG,
Urteil vom 27. Oktober 2010 – Az. 5 A 420/10; bestätigt durch SächsOVG, Urteil vom
2. März 2011 – Az. 5 A 343/08 und Beschluss vom 18. Januar 2012 – Az. 5 A 881/10).
c) nicht anlagenbezogene Teileinrichtungen
§ 9 Abs. 2 Satz 3 SächsKAG wurde 2004 in das Gesetz eingefügt, um klarzustellen,
dass es im Falle von Gemeinde- und Zweckverbandszusammenschlüssen für eine
Übergangszeit zulässig ist, bestehende Einrichtungen weiterzuführen, ohne dass die
Voraussetzungen des § 9 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG vorliegen müssen. Die Übergangs-
frist beträgt zehn Jahre. Sie endet endgültig, sobald der Satzungsgeber eine aufgaben-
bezogene Einheitseinrichtung oder anlagenbezogene Teileinrichtungen geschaffen hat.
Eine einmal getroffene Entscheidung, keinen Gebrauch mehr von der Übergangsrege-
lung zu machen, ist also endgültig.
d) Trägerbezogenheit des Einrichtungsbegriffs
Der Begriff der öffentlichen Einrichtung ist „… nicht technisch …, sondern rechtlich“ zu
verstehen (SächsOVG, Beschluss vom 24. Oktober 1996 – Az. 2 S 175/96). Geht eine
Aufgabe (oder Teilaufgabe; siehe oben Buchstabe a) der kommunalen Daseinsvorsorge
auf einen anderen Aufgabenträger über, wird diesem gegebenenfalls das Eigentum an
technischen Anlagen übertragen, nicht aber die Einrichtung als solche. Einrichtungen
sind nicht übertragbar. Vielmehr entstehen bei dem neuen Aufgabenträger eine oder
(gemäß § 9 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG) mehrere neue Einrichtungen. Der neue Aufga-
benträger ist daher frei, Gebühren und Beiträge unabhängig davon zu erheben, wie die
Einrichtungen des bisherigen Aufgabenträgers finanziert worden sind (vergleiche
SächsOVG, Urteil vom 28. September 2010 – Az. 5 A 342/10). Insbesondere ist die Er-
hebung von Anschlussbeiträgen auch dann zulässig, wenn der bisherige Aufgabenträ-
ger bereits Anschlussbeiträge erhoben hat. Die durch einen neuen Aufgabenträger er-
hobenen Beiträge sind keine „weiteren Beiträge“ im Sinne des § 17 Abs. 2 SächsKAG
(zum Begriff des „weiteren Beitrags“ siehe unten Ziffer XVII Nr. 7) und es liegt auch kein
Verstoß gegen den Grundsatz der Einmaligkeit der Beitragsentstehung (siehe unten
Ziffer XXII Nr. 1 Buchst. b) vor. Es ist allerdings dafür Sorge zu tragen, dass an die
früheren Aufgabenträger gezahlte Beiträge angemessen berücksichtigt werden (siehe
BVerwG, Beschluss vom 22. März 2007 – Az. 10 BN 5/06). Letzteres gilt nicht für Bei-
träge und vergleichbare Leistungen, die vor Inkrafttreten des SächsKAG bzw. des Vor-
schaltgesetzes zur Erhebung von Abgaben und Umlagen sowie zur Führung der Haus-
haltwirtschaft in den Kommunen (Vorschaltgesetz Kommunalfinanzen) erbracht worden
sind (siehe SächsOVG, Beschluss vom 24. Oktober 1996 – Az. 2 S 175/96).
e) Widmung
Der kommunale Einrichtungsträger muss nicht Eigentümer der Anlagen sein, die Teil
der Einrichtung sind (SächsOVG, Beschluss vom 24. September 2004 – Az. 5 BS
119/04). Es kann daher auch nicht darauf ankommen, wer im Sinne des § 39 AO wirt-
schaftlicher Eigentümer der Anlagen ist (SächsOVG, Beschluss vom 6. September
2011 – Az. 5 B 205/10). Gebühren- und beitragsrechtlich ist nur zu verlangen, dass die
Anlagen der Einrichtungsnutzung gewidmet sind, was im Falle fremden Eigentums die

29
Zustimmung des Eigentümers voraussetzt (SächsOVG, Beschluss vom 24. September
2004 – Az. 5 BS 119/04). Die Widmung muss nicht durch Satzung oder schriftlichen
Verwaltungsakt erfolgen. Eine stillschweigende Widmung durch Inbetriebnahme genügt.
Ist die Zustimmung des Eigentümers erforderlich, sollte diese jedoch möglichst in
schriftlicher Form eingeholt werden. Die so genannte funktionale Privatisierung (siehe
oben Ziffer IV) kann so ausgestaltet sein, dass der Verwaltungshelfer Eigentümer der
von der Einrichtung genutzten Anlagen ist. Die Zustimmung zur Widmung wird sich
dann regelmäßig aus den entsprechenden Betreiberverträgen ergeben. Sie sollte auch
in diesem Fall möglichst ausdrücklich schriftlich erfolgen.
X. zu § 10 (Kostendeckungsgrundsatz, Kalkulationszeitraum)
1. Kostendeckung
§ 10 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG stellt nur ein Kostenüberschreitungsverbot auf, also das
Verbot, höhere als kostendeckende Gebühren zu erheben. Ein Kostendeckungsgebot
im Sinne einer Pflicht, kommunale Einrichtungen – soweit zulässig und angemessen –
aus Entgelten zu finanzieren, ist jedoch den gemeindewirtschaftlichen Einnahmebe-
schaffungsgrundsätzen zu entnehmen (siehe oben Ziffer I Nr. 3).
a) Kostenüberschreitungsverbot
Gebührensätze sind so zu bemessen, dass das voraussichtliche Gebührenaufkommen
die voraussichtlich entstehenden Kosten der jeweiligen Einrichtung nicht übersteigt
(§ 10 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG; höchstzulässige Gebührensätze). Die Eigenkapitalver-
zinsung ist Teil der gebührenfähigen Kosten (vergleiche § 11 Abs. 2 Nr. 1 SächsKAG).
Wirtschaftliche Unternehmen im Sinne des § 94a Abs. 1 SächsGemO dürfen zusätzlich
angemessene Gewinne erzielen (§ 10 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG), um die nach § 94a
Abs. 4 SächsGemO erwünschten Erträge für den Haushalt der Kommune bzw. zur Bil-
dung von Rücklagen „für die technische und wirtschaftliche Fortentwicklung“ des Unter-
nehmens (§ 12 Abs. 1 der Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums des Innern
über kommunale Eigenbetriebe im Freistaat Sachsen [Sächsische Eigenbetriebsver-
ordnung – SächsEigBVO] vom 16. Dezember 2013 [SächsGVBl. S. 941]) zu erwirt-
schaften. Soweit die Kommunen Pflichtaufgaben wahrnehmen (etwa in den Bereichen
Abwasser- und Abfallentsorgung), liegt kein wirtschaftliches Unternehmen im Sinne des
§ 94a Abs. 1 SächsGemO vor (zur Gewinnerzielung durch kommunale Betreibergesell-
schaften siehe unten Ziffer XI Nr. 3 Buchst. b). Dies gilt auch für die Trinkwasserversor-
gung (SächsOVG, Urteil vom 21. April 2010 – Az. 5 D 15/04).
b) Verbot der Quersubventionierung
Das so genannte Verbot der Quersubventionierung besagt, dass bei der Kalkulation der
Gebührensätze für Teilleistungen grundsätzlich keine anderen Teilleistungsbereichen
zurechenbare Kosten berücksichtigt werden dürfen. Dies folgt nicht aus dem – einrich-
tungsbezogenen – Kostenüberschreitungsverbot, sondern aus dem Grundsatz der Leis-
tungsproportionalität (siehe SächsOVG, Urteil vom 11. Dezember 2002 – Az. 5 D 40/00:
„… Unter dem Gesichtspunkt des Gleichheitssatzes aus Art. 3 Abs. 1 GG und des aus
ihm abgeleiteten Grundsatzes der Leistungsproportionalität … wird ein abfallgebühren-
rechtlicher Satzungsgeber … als verpflichtet angesehen, mit getrennten Gebührensät-
zen und Gebührenmaßstäben die jeweils in einem Teilbereich anfallenden Kosten nur
diesem Bereich zuzuordnen“). Das Verbot der Quersubventionierung ist daher weniger
strikt als das Kostenüberschreitungsverbot. Da es sich hier um einen Gebührenbemes-
sungsgrundsatz handelt, sind Ausnahmen möglich, soweit das Gebührenrecht Aus-
nahmen von einer strikt leistungs- bzw. kostenverursachungsorientierten Gebührenbe-
messung (§ 14 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG) zulässt. Dies ist immer
dann der Fall, wenn

30
bei der Gebührenbemessung auch Lenkungszwecke berücksichtigt werden dürfen, wie
zum Beispiel im Abfallgebührenrecht gemäß § 3a Abs. 3 Satz 1 SächsABG (siehe dazu
SächsOVG, Urteil vom 11. Dezember 2002 – Az. 5 D 40/00), oder allgemein aus Um-
weltschutzgründen (§ 14 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG; siehe Ziffer XIV Nr. 2).
Einheitsgebühren haben ähnliche Kostenverschiebungen zur Folge wie die Quersub-
ventionierung. Für Einheitsgebühren können jedoch auch Gründe der Verwaltungsprak-
tikabilität sprechen. Daher gelten insoweit andere Grundsätze (siehe oben Ziffer IX
Nr. 4).
2. Gebührenbemessung
Die Gebührenbemessung (siehe § 14 SächsKAG) erfolgt jeweils für einen bestimmten
Zeitraum (Bemessungs- bzw. Kalkulationszeitraum). Der Kalkulationszeitraum kann bis
zu fünf Jahren betragen (§ 10 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG).
a) Voraus- und Nachkalkulation
Die Gebührenbemessung erfolgt üblicher Weise durch Vorauskalkulation. Die Recht-
mäßigkeit des vom Satzungsgeber beschlossenen Gebührensatzes hängt jedoch nicht
von der Durchführung einer Vorauskalkulation ab (vergleiche § 2 Abs. 2 Satz 1
SächsKAG), so dass die Rechtmäßigkeit der Gebührenbemessung auch noch nach
Satzungserlass nachgewiesen werden kann. In einem solchen Fall darf die Verwaltung
indessen nicht, wie bei der Vorauskalkulation, von Kostenprognosen ausgehen, soweit
zum Zeitpunkt der Kalkulation bereits Rechnungsergebnisse vorliegen (siehe nur
SächsOVG, Urteil vom 22. Mai 2013 – Az. 5 C 28/08). Dasselbe gilt, wenn eine Gebüh-
rensatzung rückwirkend für einen bereits abgelaufenen Kalkulationszeitraum erlassen
werden soll.
Unabhängig davon sind Nachkalkulationen auf der Basis von Rechnungsergebnissen
(Gebührennachberechnungen) erforderlich, um festzustellen, ob es zu Kostenüber-
oder -unterdeckungen gekommen ist (siehe unten Buchstabe d).
b) Kalkulationszeitraum
§ 10 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG lässt bis zu fünfjährige Kalkulationszeiträume zu. Der
Kalkulationszeitraum wird nicht in der Satzung festgelegt und der Satzungsgeber ist
auch nicht aus anderen Gründen an einen einmal gewählten Kalkulationszeitraum ge-
bunden. Grundsätzlich darf daher bereits vor Ablauf des ursprünglichen Kalkulations-
zeitraums ein anderer Gebührensatz beschlossen werden (bisher vom Oberverwal-
tungsgericht offen gelassen; siehe SächsOVG, Urteil vom 8. April 2009 – Az. 5 D
32/07). Allerdings darf der bisherige Gebührensatz durch den vorfristigen Abbruch des
Kalkulationszeitraums nicht rechtswidrig werden, was immer dann der Fall ist, wenn es
für den verkürzten Kalkulationszeitraum zu einer Kostenüberschreitung käme (Verstoß
gegen § 10 Abs. 1 SächsKAG). Ein vorfristiger Abbruch der Kalkulationsperiode wird
dagegen regelmäßig zulässig sein, wenn sich eine deutliche Kostenunterdeckung ab-
zeichnet.
Der Gebührensatz wird daher auch nicht automatisch rechtswidrig, wenn er über das
Ende des ursprünglichen Kalkulationszeitraums hinaus unverändert weitergilt. Dies gilt
nicht nur dann, wenn die Verwaltung auf der Basis einer neuen Vorauskalkulation zum
Ergebnis kommt, dass eine Änderung des Gebührensatzes nicht erforderlich ist, son-
dern auch dann, wenn gar keine neue Kalkulation erstellt wurde. In diesem Fall muss
die Rechtmäßigkeit des Satzes jedoch erforderlichenfalls durch Nachkalkulation (siehe
oben Buchstabe a) nachgewiesen werden.

31
Kalkulationszeitraum ist also der Zeitraum, für den eine Gebührenkalkulation durchzu-
führen ist, nicht der Zeitraum, für den tatsächlich eine Kalkulation durchgeführt wurde.
Er beginnt mit dem Inkrafttreten einer neuen Gebührenregelung und endet mit ihrer
nächsten Änderung, spätestens jedoch nach Ablauf der gesetzlichen Höchstgrenze
gemäß § 10 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG (siehe SächsOVG, Urteil vom 8. April 2009
– Az. 5 D 32/07). Mit dem Ende eines Kalkulationszeitraums beginnt automatisch der
nächste.
c) „Deckungsgleichheit“ von Kalkulations- und Veranlagungszeitraum
Wenn das Oberverwaltungsgericht verlangt, dass Veranlagungs- und Kalkulationszeit-
räume „deckungsgleich“ sein müssen (siehe etwa SächsOVG, Urteil vom 8. September
2010 – Az. 5 A 129/08), ist dies nicht wörtlich zu verstehen. Hier ist nur gemeint, dass
Kalkulationszeiträume so zu wählen sind, dass sie einen oder mehrere Veranlagungs-
zeiträume vollständig umfassen. Einem Veranlagungszeitraum mehrere Kalkulations-
zeiträume mit unterschiedlichen Gebührensätzen zuzuordnen, wäre unzulässig. Gelten
innerhalb eines Veranlagungszeitraums zwei oder mehrere unterschiedliche Gebüh-
rensätze, lassen sich die während des Veranlagungszeitraums gemessenen Leistungen
den verschiedenen Gebührensätzen nicht zuordnen.
d) Kostenüber- und -unterdeckung
Nach Ablauf des Kalkulationszeitraumes ist durch Nachkalkulation festzustellen, ob eine
Kostenüber- oder -unterdeckung eingetreten ist. Dies ist der Fall, „… wenn sich nach-
träglich herausstellt, dass entweder die im Bemessungszeitraum kalkulierten Kosten
oder aber die tatsächliche Inanspruchnahme der öffentlichen Einrichtung (Maßstabs-
einheiten) höher oder niedriger ausgefallen ist, als dies geplant war“ (SächsOVG, Urteil
vom 8. April 2009 – Az. 5 D 32/07). Ein einfacher Vergleich der Gebühreneinnahmen
mit den gebührenfähigen Kosten genügt daher nicht, denn dadurch wären zum Beispiel
auch durch Erlass, Stundung oder Niederschlagung entgangene Einnahmen des Ein-
richtungsträgers ausgleichsfähig. Solche Mindereinnahmen sind jedoch aus Steuermit-
teln zu tragen (SächsOVG, Urteil vom 8. April 2009 – Az. 5 D 32/07).
Hat eine Vorauskalkulation stattgefunden, muss die Nachkalkulation grundsätzlich nach
denselben Grundsätzen erfolgen wie die Vorauskalkulation. Das dem Satzungsgeber
bezüglich der Kalkulationsmethoden zustehende Ermessen (siehe unten Ziffer XI
Nr. 1) darf in der Nachkalkulation nicht erneut bzw. anders ausgeübt werden. Rechts-
verstöße sind allerdings abzustellen, so dass die sich daraus ergebenden Über- und
Unterdeckungen ausgleichsfähig sind (vergleiche SächsOVG, Urteil vom 21. April 2010
– Az. 5 D 15/04 – zu fehlerhaft ermittelten Abschreibungskosten).
„Nachkalkulation“ bedeutet hier allerdings nicht, dass unter allen Umständen nur Rech-
nungsergebnisse eingestellt werden dürfen. Da der Kalkulationszeitraum bis zu fünf
Jahren betragen kann, können Kalkulationszeitraum und Ausgleichszeitraum de-
ckungsgleich sein. In diesem Fall kann eine Nachkalkulation auf der Basis von Rech-
nungsergebnissen nicht rechtzeitig vor Beginn des Kalkulationszeitraums erstellt wer-
den, in dem der Ausgleich zu erfolgen hat. Hier sind daher sorgfältige Schätzungen zu-
lässig, wenn anders ein fristgemäßer Ausgleich nicht möglich wäre.
aa) Kostenüberdeckungen
Stellt sich im Ergebnis der Nachkalkulation eine Kostenüberdeckung heraus, ist diese
innerhalb von fünf Jahren auszugleichen (§ 10 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG). Darf die Ein-
richtung angemessene Gewinne erzielen (§ 10 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG),
liegt eine
Kostenüberdeckung erst dann vor, wenn die kalkulierten Erlöse höher sind als die
Summe aus Kosten und zulässigen angemessenen Gewinnen.

32
Auch wenn der Satzungsgeber erkennbar die Absicht hatte, keine kostendeckenden
Gebühren zu erheben, ist nicht der vom Satzungsgeber angestrebte Kostendeckungs-
grad Maßstab für die Kostenüberdeckung, sondern immer die vollständige Kostende-
ckung. Eine Ausgleichspflicht gemäß § 10 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG besteht also nicht
bereits dann, wenn eine gewollte Kostenunterdeckung geringer als geplant ausfällt.
bb) Kostenunterdeckungen
Stellt sich im Ergebnis der Nachkalkulation eine Kostenunterdeckung heraus, darf diese
innerhalb von fünf Jahren ausgeglichen werden (§ 10 Abs. 2 Satz 3 SächsKAG). Auch
wenn das Kommunalabgabenrecht insofern Ermessen einräumt, sind hier die Einnah-
mebeschaffungsgrundsätze (§ 73 Abs. 2 Nr. 1 SächsGemO) als zwingende Regelung
zu berücksichtigen: Für Einrichtungen mit typischerweise voller Kostendeckung, zum
Beispiel Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallbeseitigung, besteht eine Rechts-
pflicht zur Erhebung kostendeckender Gebühren (siehe oben Ziffer I Nr. 3). Das bedeu-
tet, dass auch Kostenunterdeckungen – soweit kommunalabgabenrechtlich zulässig –
zwingend auszugleichen sind.
Kostenunterdeckungen dürfen allerdings nur ausgeglichen werden, wenn sie „… uner-
wartet oder auf Grund der nach § 73 Abs. 2 SächsGemO zu beachtenden Vertretbar-
keitsgrenze“ eintreten (§ 10 Abs. 2 Satz 3 SächsKAG). Unerwartet sind nur ungewollte,
also vom Satzungsgeber nicht absichtlich herbeigeführte Kostenunterdeckungen (in
diesem Sinne bereits SächsOVG, Urteil vom 29. November 2001 – Az. 5 D 25/00 – zur
Rechtslage vor 2004). Eine gewollte Kostenunterdeckung liegt insbesondere dann vor,
wenn der Satzungsgeber einen niedrigeren als den kalkulierten kostendeckenden Ge-
bührensatz beschließt. Ausnahmsweise darf auch eine gewollte Kostenunterdeckung
ausgeglichen werden, wenn sich der Satzungsgeber in der Annahme für nicht kosten-
deckende Gebührensätze entschieden hat, er sei dazu aufgrund des Vertretbarkeits-
grundsatzes des § 73 Abs. 2 SächsGemO verpflichtet.
cc) Ausgleichsverfahren
Das Ausgleichsverfahren ist als Bestandteil der Gebührenkalkulation ein Veranschla-
gungsverfahren, das heißt der Ausgleich ist im Sinne des Gesetzes bewirkt, sobald die
Über- beziehungsweise Unterdeckungsbeträge innerhalb der gesetzlichen Ausgleichs-
frist in eine oder mehrere Gebührenkalkulationen eingestellt sind. Festgestellte Kosten-
überdeckungen sind als Erlöse, Kostenunterdeckungen als Kosten in die Gebührenkal-
kulation einzustellen. Gelingt der Ausgleich im Ergebnis nicht, ist also auch nach dem
Ende des Ausgleichszeitraums erneut eine Kostenüber- oder -unterdeckung festzustel-
len, gilt Folgendes:
-
Wurde die Kostenüberdeckung im Rechnungsergebnis nicht oder nicht vollständig
ausgeglichen, liegt insoweit erneut eine Kostenüberdeckung vor, die gemäß § 10
Abs. 2 Satz 2 SächsKAG als Erlös in künftige Gebührenkalkulationen einzustellen
ist.
-
Kostenunterdeckungen dürfen hingegen nicht mehr veranschlagt werden, wenn der
Ausgleich nicht auch tatsächlich innerhalb der gesetzlichen Fünfjahresfrist gelungen
ist.
Dieser Unterschied zwischen Kostenüberdeckungen und Kostenunterdeckungen folgt
daraus, dass das SächsKAG eine Pflicht zum Ausgleich von Kostenüberdeckungen be-
gründet, während es den Ausgleich von Kostenunterdeckungen
in das Ermessen des
Einrichtungsträgers stellt. Misslingt der Ausgleich der Kostenüberschreitung, wird daher

33
gegen eine gesetzliche Pflicht (§ 10 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG) verstoßen, was nicht
sanktionslos bleiben darf. Dagegen ist es im Sinne des § 73 Abs. 2 Nr. 1 SächsGemO
nicht geboten, Kostenunterdeckungen auch nach Ablauf der Fünfjahresfrist noch aus-
zugleichen.
XI. zu § 11 (Kosten)
Die Ermittlung der den einzelnen Leistungen zurechenbaren gebührenfähigen Kosten
ist Teil der Gebührenbemessung (Gebührenkalkulation). Sie ist auch im Falle des § 10
Abs. 1 Satz 2 SächsKAG nicht entbehrlich. Ob ein im Sinne dieser Vorschrift „ange-
messener Gewinn“ in die Kalkulation eingestellt ist, lässt sich nur feststellen, wenn zu-
nächst die Höhe der gebührenfähigen Kosten ermittelt worden ist.
1. Gebührenrechtlicher Kostenbegriff
Der Kostenbegriff des Benutzungsgebührenrechts hat sich an dem in der Betriebswirt-
schaftslehre geltenden Verständnis zu orientieren (vergleiche § 11 Abs. 1 SächsKAG).
„… Kosten in diesem Sinne ist der durch die Leistungserbringung in einer Periode be-
dingte Wertverzehr an Gütern und Dienstleistungen“ (SächsOVG, Urteil vom 21. April
2010 – Az. 5 D 15/04). Da es keinen allgemeingültigen, in allen Details einheitlichen
betriebswirtschaftlichen Kostenbegriff gibt, ist von einem speziellen, gebührenrechtli-
chen Kostenbegriff auszugehen. Dabei kommt es maßgeblich auf den Regelungszweck
des Benutzungsgebührenrechts an, die Kosten der kommunalen Daseinsvorsorge, so-
weit sie dem wirtschaftlichen Interesse der Nutzer dient, auf diese umzulegen (siehe
oben Ziffer I Nr. 3). Bei der Methodenwahl steht dem Satzungsgeber allerdings ein er-
heblicher Beurteilungsspielraum zu (BVerwG, Urteil vom 17. April 2002 – Az. 9 CN
1/01). Das Gesetz darf also zum Beispiel nicht so ausgelegt werden, dass bei der kalku-
latorischen Abschreibung unter allen Umständen nur ganz bestimmte Abschreibungs-
sätze zulässig sind (siehe BVerwG, Urteil vom 17. April 2002 – Az. 9 CN 1/01). Dabei
darf die Genauigkeit der gewählten Kalkulationsmethode auch davon abhängig ge-
macht werden, welchen Einfluss die jeweiligen Kostenpositionen voraussichtlich auf die
Höhe der Gebühreneinnahmen haben werden. So kann etwa bei einfachen Verhältnis-
sen oder einer geringen Zahl von Leistungen (Kostenträgern) eine entsprechend verein-
fachte Kostenrechnung genügen. Die Einrichtungsträger sind nicht verpflichtet, einen zu
den erzielten Einnahmen außer Verhältnis stehenden Kalkulationsaufwand zu betreiben
(vergleiche SächsOVG, Urteil vom 27. Juli 2011 – Az. 5 A 540/08).
Grenzen des gebührenrechtlich zulässigen Kostenansatzes ergeben sich aus dem ge-
setzlichen Regelungszweck beziehungsweise aus allgemeinen gebührenrechtlichen
Grundsätzen. Das heißt: Soweit das Gesetz nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt
(siehe § 10 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG), besteht ein striktes Gewinnerzielungsverbot.
Gebührenfähig sind grundsätzlich nur die für die Aufgabenerfüllung notwendigen (be-
triebsnotwendigen) Aufwendungen (Erforderlichkeitsgrundsatz). Kostenarten – wie zum
Beispiel Unternehmerlohn oder allgemeines Unternehmerwagnis –, denen keine oder
keine konkreten Ausgaben zugeordnet werden können, sind dagegen grundsätzlich
nicht gebührenfähig (Ausnahme: die Eigenkapitalverzinsung, da vom Gesetz ausdrück-
lich zugelassen – siehe § 11 Abs. 2 Nr. 1 SächsKAG). So genannte Verwaltungsge-
meinkosten sind betriebsbedingt und daher regelmäßig gebührenfähig (siehe dazu
Forst, „Verwaltungsgemeinkosten als gebührenfähige Kosten“, Kommunale Steuerzeit-
schrift 2009, S. 86 ff.).
Ist die Gebührenkalkulation von rechtswidrig überhöhten gebührenfähigen Kosten aus-
gegangen und sind entsprechend überhöhte Gebührensätze beschlossen worden (Kal-
kulationsfehler als solche führen nicht zwangsläufig zur Nichtigkeit der Gebührenfest-

34
setzung; siehe § 2 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG und Ziffer II Nr. 2), ist die Gebührensat-
zung nichtig, wenn der höchstzulässige Gebührensatz um mehr als 3 Prozent über-
schritten wird (siehe SächsOVG, Urteil vom 11. Dezember 2002 – Az. 5 D 13/02 –: „Tol-
leranzgrenze für Kalkulationsfehler“).
2. Keine Anwendung haushaltsrechtlicher Vorschriften
Begriffe und Prinzipien des kommunalen Haushaltsrechts können nicht kritiklos auf das
Kommunalabgabenrecht übertragen werden (vergleiche SächsOVG, Urteil vom 21. Ap-
ril 2010 – Az. 5 D 15/04 – und Beschluss vom 18. Dezember 2013 – Az. 4 A 271/12).
Eine sorgfältige Beachtung dieses Grundsatzes ist vor allem dann wichtig, wenn in bei-
den Rechtsgebieten dieselben Begriffe Verwendung finden.
Beispielsweise ist kommunalhaushaltsrechtlich eine Rücklagenbildung generell zulässig
(siehe nur § 85 SächsGemO und § 12 Abs. 1 Satz 1 SächsEigBVO), während gebüh-
renrechtlich wegen des Kostenüberschreitungsverbots (siehe oben Ziffer X Nr. 1
Buchst. a) nur dann Rücklagen gebildet werden dürfen, wenn das Gesetz dies aus-
drücklich gestattet (siehe SächsOVG, Urteil vom 3. Dezember 2008 – Az. 5 D 15/06).
Auch darf aus der Tatsache, dass Kommunen und Eigenbetriebe Vermögensgegen-
stände nur bilanzieren dürfen, wenn sie zumindest wirtschaftliche Eigentümer sind
(vergleiche § 39 AO), nicht geschlossen werden, dass im Gebührenrecht Abschreibun-
gen und kalkulatorische Zinsen nur für Vermögensgegenstände berechnet werden dür-
fen, die in ihrem wirtschaftlichen Eigentum stehen. Insofern genügt es, dass Vermö-
gensgegenstände zum Einrichtungsgebrauch gewidmet sind (SächsOVG, Beschluss
vom 6. September 2011 – Az. 5 B 205/10).
3. Kostenermittlung bei Einschaltung Dritter in die Aufgabenwahrnehmung
Sind Betreibergesellschaften (siehe dazu oben Ziffer IV) oder Zweckverbände gegen
Zahlung eines Betreiberentgelts bzw. einer Zweckverbandsumlage (§ 60 Abs. 1
SächsKomZG) in die Aufgabenwahrnehmung eingebunden, stellen Betreiberentgelt und
Zweckverbandsumlage, das heißt die entsprechenden Zahlungen an die Betreiberge-
sellschaft beziehungsweise an den Zweckverband, als solche keine gebührenfähigen
Kosten dar. Zwar sind kommunale Einrichtungsträger aufgrund ihrer Organisationsho-
heit grundsätzlich berechtigt, private Verwaltungshelfer in die Wahrnehmung ihrer Da-
seinsvorsorgeaufgaben einzubeziehen (siehe oben Ziffer IV) und im Rahmen der Ge-
setze Aufgaben auf Zweckverbände zu delegieren (siehe § 44 Abs. 1 SächsKomZG),
das bedeutet jedoch nicht, dass das Kommunalabgabenrecht umgangen werden darf,
indem einfach das Betreiberentgelt oder die Zweckverbandsumlage als Kosten angese-
hen und auf die Einrichtungsnutzer umgelegt wird. Die Gebührenkalkulation hat also
grundsätzlich genau so zu erfolgen, als wenn der Aufgabenträger die Einrichtung selbst,
in eigener Regie betriebe. Nur dass im Falle der Einschaltung einer Betreibergesell-
schaft in den Grenzen der gebührenrechtlichen Erforderlichkeit zusätzlich ein angemes-
sener Gewinn der Betreibergesellschaft gebührenfähig ist (siehe unten Buchstabe b).
So sind zum Beispiel Abschreibungen für das Anlagevermögen der Einrichtung (siehe
§ 13 SächsKAG) auch dann gebührenfähige Kosten, wenn sich die Anlagen im Eigen-
tum einer Betreibergesellschaft befinden (siehe Gemeinsame Verwaltungsvorschrift des
Sächsischen Staatsministeriums der Finanzen und des Sächsischen Staatsministeri-
ums des Innern zur kommunal- und haushaltsrechtlichen Beurteilung von Investoren-
vorhaben im kommunalen Bereich [VwVKommInvest] vom 4. Juli 2005 [SächsABl.
S. 725], zuletzt enthalten in der Verwaltungsvorschrift vom 12. Dezember 2013
[SächsABl. SDr. S. S 848], Anlage, Nr. IV und SächsOVG, Beschluss vom 6. Septem-
ber 2011 – Az. 5 B 205/10).

35
Auch Zahlungen von Betreibergesellschaften und Zweckverbänden an die Einrichtungs-
träger (etwa Mieten, Darlehenszinsen oder Konzessionsabgaben) sind nur insoweit ge-
bührenfähige Kosten, wie sie auch geltend gemacht werden dürften, wenn der Aufga-
benträger die Einrichtung in eigener Regie betriebe. Denn sonst könnte das Kommu-
nalabgabenrecht durch die Wahl einer bestimmten Organisationsform umgangen wer-
den. So kann es zulässig sein, kalkulatorische Mieten in die Gebührenkalkulation einzu-
stellen, wenn nicht zur Einrichtung gehörende Räumlichkeiten des Einrichtungsträgers
genutzt werden. Dementsprechend sind auch Mietkosten gebührenfähig, wenn eine
Betreibergesellschaft Räume des Einrichtungsträgers anmietet. Dagegen verbietet sich
der Ansatz „kalkulatorischer Konzessionsabgaben“, weil eine anderweitige Nutzung des
Rechts, Wasser- oder Abwasserleitungen in kommunalen Grundstücken zu verlegen,
angesichts der Monopolstellung des kommunalen Wasserversorgers/Abwasserentsor-
gers nicht möglich ist. Folglich dürften Konzessionsabgaben, die eine Betreibergesell-
schaft an den kommunalen Einrichtungsträger zahlt, im Regelfall nicht gebührenfähig
sein.
a) Teilzweckverbände
Bei Zweckverbänden, die sich aus Umlagen gemäß § 60 Abs. 1 SächsKomZG und
nicht über Nutzerentgelte finanzieren, sind die gebührenfähigen Kosten analog § 17
Abs. 3 Satz 3 SächsKAG nach dem Verhältnis ihrer Umlagepflicht auf die Gebührenkal-
kulationen der Verbandsmitglieder aufzuteilen.
b) Betreibergesellschaften
Im Falle einer funktionalen Privatisierung gehört grundsätzlich auch der von der Betrei-
bergesellschaft erzielte Gewinn zu den gebührenfähigen Kosten, wenn er sich in einem
angemessenen Rahmen hält. § 10 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG ist hier nicht einschlägig,
so dass der Gewinn einer Betreibergesellschaft auch dann gebührenfähig sein kann,
wenn die kommunale Einrichtung kein wirtschaftliches Unternehmen im Sinne des
§ 94a SächsGemO ist: Von privaten Verwaltungshelfern kann generell nicht erwartet
werden, dass sie zu Selbstkostenpreisen tätig werden. Soweit der Einrichtungsträger
selbst an der Betreibergesellschaft beteiligt ist, besteht dagegen kein sachlicher Grund
für die gebührenrechtliche Anerkennung erzielter Gewinne. Denn vom kommunalen
Einrichtungsträger muss man verlangen, dass er seine Aufgaben zu Selbstkosten
wahrnimmt. Der Gewinn einer Eigengesellschaft ist daher nicht gebührenfähig. Dassel-
be gilt für den auf den Einrichtungsträger entfallenden Gewinnanteil einer Beteiligungs-
gesellschaft.
Ist die vereinbarte Vergütung im Wettbewerb (durch Ausschreibung) zu Stande ge-
kommen, ist grundsätzlich davon auszugehen, dass der Gewinnanteil nicht unange-
messen ist. In allen anderen Fällen sind Gewinnanteile angemessen, die sich im Rah-
men der nach der „Verordnung PR 30/53 über die Preise bei öffentlichen Aufträgen“
zulässigen Sätze halten. Der gebührenrechtliche Erforderlichkeitsgrundsatz verlangt
nicht – wie zum Teil in Rechtsprechung und Literatur vertreten –, dass die funktionale
Privatisierung trotz des Gewinnanteils und der Umsatzsteuerpflicht der Betreibergesell-
schaft geringere Kosten verursacht als die Aufgabenwahrnehmung in kommunaler Ei-
genregie. Ein Regiekostenvergleich sollte in der Regel zur Vorbereitung der Privatisie-
rungsentscheidung durchgeführt werden. Zur Bestimmung der gebührenfähigen Kosten
ist er dagegen ungeeignet.
4. Nicht betriebsbedingte gebührenfähige Kosten
Nach dem Gesetz sind teilweise auch Kosten gebührenfähig, die nach betriebswirt-
schaftlichen Grundsätzen nicht als betriebsbedingte Kosten anerkannt werden könnten.

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Dies gilt zum Beispiel für den Ausgleich von Kostenunterdeckungen früherer Kalkulati-
onsperioden (§ 10 Abs. 2 Satz 3 SächsKAG), für den nicht durch Rückstellungen finan-
zierten Aufwand für die Rekultivierung und die Nachsorge von Deponien (§ 11
Abs. 2 Nr. 4 Satz 3 SächsKAG) sowie für nicht betriebsbedingte Aufwendungen für ab-
fallwirtschaftliche Aufgaben (§ 11 Abs. 2 Nr. 3 SächsKAG).
5. Einzelne Kostenarten
a) Rückstellungen
§ 11 Abs. 2 Nr. 4 Satz 1 SächsKAG schreibt vor, Rückstellungen für den Nachsorge-
und Rekultivierungsaufwand von Anlagen der Ver- und Entsorgung zu bilden. Der „Bar-
wert des später anfallenden Nachsorge- und Rekultivierungsaufwands“ ist der Kapital-
betrag, der jedes Jahr erforderlich ist, um – zusammen mit den daraus zu erwartenden
Zins- und Zinseszinseinnahmen – den anteiligen Nachsorge- und Rekultivierungsauf-
wand im Jahr des Anfalls der Ausgaben zu finanzieren. Die jährlich erforderlichen Bar-
werte sind nach finanzmathematischen Grundsätzen zu ermitteln. Die gebührenrechtli-
chen Rückstellungen sind auf der Basis möglichst realistischer Zinsprognosen zu be-
rechnen. Ergeben sich daraus Abweichungen gegenüber dem Haushaltsrecht (siehe
§ 253 Abs. 2 des Handelsgesetzbuchs [HGB] in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Glie-
derungsnummer 4100-1, veröffentlichten bereinigten Fassung, das durch Artikel 13 des
Gesetzes vom 15. Juli 2014 [BGBl. S. 934, 950] geändert worden ist), ist dies hinzu-
nehmen.
Darüber hinaus sind nach allgemeinen betriebswirtschaftlichen Grundsätzen auf Grund
der Generalklausel des § 11 Abs. 1 SächsKAG auch andere Rückstellungen möglich.
Die nach § 249 HGB zulässigen Rückstellungen stellen gebührenfähige Kosten dar.
Das Oberverwaltungsgericht lässt Aufwandsrückstellungen aber generell zu, wenn sie
dazu dienen, erfahrungsgemäß nur in größeren Abständen zahlungswirksam werdende
Kosten sachgerecht zu periodisieren (siehe SächsOVG, Urteil vom 3. Dezember 2008
– Az. 5 D 15/06). Der Ansatz kalkulatorischer an Stelle aufwandsgleicher Kosten darf
jedoch nicht nachhaltig zu verdeckten Gewinnerzielungen führen. Die der Kalkulation zu
Grunde gelegten Annahmen sind daher immer wieder zu überprüfen und gegebenen-
falls zu korrigieren.
b) Deponienachsorge
Die Ausgaben für Nachsorge und Rekultivierung entstehen zum Teil erst nach Beendi-
gung der Leistungsphase einer Anlage, so dass die korrekte Erfassung dieser Kosten
während des laufenden Betriebs schwierig sein kann. Um die Einrichtungsträger nicht
nach dem Vorsichtsprinzip zu einem Maximalansatz des voraussichtlich entstehenden
Nachsorge- und Rekultivierungsaufwands ihrer Anlagen zu zwingen, lässt das Gesetz
unter Abweichung vom Grundsatz der Periodengerechtigkeit hinsichtlich der Kostener-
mittlung zu, dass der durch die gebildeten Rücklagen nicht vorfinanzierte Aufwand auch
noch im Jahr des Anfalls der Ausgaben in den gebührenfähigen Aufwand einbezogen
werden darf (§ 11 Abs. 2 Nr. 4 Satz 3 SächsKAG).
c) Abschreibungen
Gebührenfähig sind ausschließlich ordentliche Abschreibungen (§ 13 SächsKAG). Au-
ßerordentliche Abschreibungen sind nicht periodengerecht und wären daher nicht mit
betriebswirtschaftlichen Grundsätzen vereinbar.
Wird eine der gebührenfinanzierten Aufgabe gewidmete Anlage vor dem Ablauf des
Zeitraums der ordentlichen Abschreibung durch höhere Gewalt zerstört, entstehen in-
soweit von diesem Zeitpunkt an keine gebührenfähigen Kosten mehr. Werden solche

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Anlagen dagegen stillgelegt, ist die ordentliche Abschreibung in der Regel unverändert
fortzusetzen, selbst wenn sie – was in solchen Fällen regelmäßig anzunehmen ist –
nach handelsrechtlichen Grundsätzen sofort in vollem Umfang abzuschreiben sind.
Denn so genannte frustrierte Aufwendungen sind nur dann nicht gebührenfähig, wenn
der Aufgabenträger zu dem Zeitpunkt, zu dem sie entstanden sind, wusste oder hätte
wissen müssen, dass sie nicht erforderlich sind.
d) Wagnisse
Auch der Ansatz kalkulatorischer Wagnisse ist grundsätzlich zulässig, wenn die Höhe
der Wagniskosten auf der Basis belastbarer Daten aus der Vergangenheit sachgerecht
eingeschätzt werden kann. Kalkulatorische Wagnisse und kalkulatorische Rückstellun-
gen können danach unterschieden werden, dass Rückstellungen für gewisse und Wag-
nisse für ungewisse zukünftige Ereignisse in Ansatz gebracht werden. Die Abgrenzung
ist hier fließend. Für die gebührenrechtliche Zulässigkeit kommt es auf diese Abgren-
zungsfragen jedoch nicht an. Denn für Wagnisse gilt ebenso wie für Rückstellungen,
dass sie in die Gebührenkalkulation eingestellt werden können, wenn dies dazu dient,
erfahrungsgemäß nur in größeren Abständen zahlungswirksam werdende Kosten sach-
gerecht zu periodisieren.
Ein pauschales, allgemeines Unternehmerwagnis darf in die Gebührenkalkulation nicht
einfließen (SächsOVG, Urteil vom 16. Dezember 1998 – Az. 2 S 370/96), da es diese
Bedingung nicht erfüllt.
e) Steuern
Gebührenfähig sind die sogenannten kalkulierbaren Steuern, also Gewerbesteuer, Um-
satzsteuer (siehe dazu SächsOVG, Urteil vom 27. Februar 2001 – Az. 3 D 315/99),
Grundsteuer und Kraftfahrzeugsteuer. Das gilt auch für die Steuerlast einer Betreiber-
gesellschaft – und zwar unabhängig davon, ob der Aufgabenträger steuerpflichtig wäre,
wenn er die Arbeiten in eigener Regie durchführen würde. Nicht gebührenfähig sind
Einkommen- und Körperschaftssteuer.
f) Vorfinanzierungskosten
Vorfinanzierungskosten sind Zinsen für das bis zur Inbetriebnahme einer Anlage auf-
gewandte Kapital (Bauzeitzinsen; zum Straßenbaubeitragsrecht siehe auch oben Ziffer
XVII Nr. 1 Buchst. a). Sie sind in der Gebühren- und Beitragskalkulation als Anschaf-
fungs- und Herstellungskosten zu aktivieren (siehe § 11 Abs. 2 Nr. 1 SächsKAG). Im
Gebührenrecht gilt das nicht nur für das aufgenommene Fremdkapital, sondern auch für
das vom Einrichtungsträger aus allgemeinen Haushaltsmitteln zur Verfügung gestellte
Eigenkapital. Vorauszahlungen auf Beiträge und Zuweisungen verringern den der Be-
rechnung der Bauzeitzinsen zu Grunde zu legenden Kapitalbedarf. Mit der Inbetrieb-
nahme einer Anlage ist die Vorfinanzierungsphase abgeschlossen. Von diesem Zeit-
punkt an entstehen keine zu aktivierenden Vorfinanzierungskosten mehr, sondern kal-
kulatorische Zinsen gemäß § 11 Abs. 2 Nr. 1 in Verbindung mit § 12 Abs. 1 SächsKAG
als laufende Kosten.
6. Straßenentwässerungskosten
Straßenentwässerungskosten können nicht über Gebühren und Beiträge finanziert wer-
den (siehe § 11 Abs. 3 Satz 1 1. Halbsatz und § 17 Abs. 3 Satz 2 SächsKAG).
Trotzdem haben sich die Straßenbaulastträger, soweit Landesstraßenrecht gilt, an den
Investitionskosten zu beteiligen (siehe § 23 Abs. 5 Satz 1 SächsStrG: „Kosten der Her-
stellung oder Erneuerung“). Für Bundesstraßen bestehen keine gesetzlichen Regelun-
gen. Die Baulastträger haben insoweit jedoch die „Richtlinien über die rechtliche Be-

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handlung von Ortsdurchfahrten im Zuge von Bundesstraßen – Ortsdurchfahrtenrichtli-
nien (ODR)“ zu beachten, die ebenfalls eine pauschale Einmalzahlung aus Anlass der
Herstellung der Straße vorsehen.
Die investiven Straßenentwässerungskostenanteile sind nach den vom Bundesverwal-
tungsgericht in seiner Rechtsprechung zu § 128 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB entwickel-
ten Grundsätzen zu ermitteln. Als angemessen sind beim Mischsystem (Ableitung von
Schmutz- und Niederschlagswasser über denselben Kanal) im Allgemeinen zu betrach-
ten:
25 vom Hundert für das Kanalnetz und die Regenbecken,
5 bis 10 vom Hundert für das Klärwerk, die Sammler und die Zuleiter (je nach Aus-
baugrad der Niederschlagswasserbehandlung), jedoch
25 vom Hundert für die Zuleiter oder Sammler, soweit diese das gesamte Nieder-
schlagswasser transportieren.
Beim Trennsystem (getrennte Ableitung von Schmutz- und Niederschlagswasser) ist
nur ein Abzug beim Regenwasserkanal erforderlich. Dieser ist in der Regel mit 50 vom
Hundert anzusetzen. Diese Sätze können auch pauschal bei den übrigen Kosten ange-
wandt werden.
Die laufenden Kosten der Straßenentwässerung sind von den abwasserbeseitigungs-
pflichtigen Körperschaften aus allgemeinen Steuermitteln zu tragen, da die Erhebung
von Benutzungsgebühren gesetzlich ausgeschlossen ist (§ 23 Abs. 5 Satz 3
SächsStrG). Ist abwasserbeseitigungspflichtige Körperschaft ein Zweckverband, sind
die nichtinvestiven Straßenentwässerungskosten über Zweckverbandsumlagen (§ 60
Abs. 1 SächsKomZG) zu decken.
Für die investiven Kosten haben die Einrichtungsträger bei den Straßenbaulastträgern
Erstattungsansprüche gemäß § 23 Abs. 5 Satz 1 SächsStrG oder die gemäß ODR ein-
geräumten Rechte geltend zu machen. Ist eine Gemeinde Straßenbaulastträger, sind
diese Kosten nach Erschließungsbeitragsrecht (§§ 127 ff. BauGB) und Straßenbaubei-
tragsrecht (§§ 26 ff. SächsKAG) beitragsfähig. Soweit die Mitgliedsgemeinden eines
Abwasserzweckverbandes gleichzeitig Straßenbaulastträger sind, kann die Finanzie-
rung der investiven Straßenentwässerungskosten auch über die Zweckverbandsumlage
erfolgen. § 23 Abs. 5 SächsStrG ist nicht so zu verstehen, dass er andere Finanzie-
rungsmöglichkeiten als die Geltendmachung von Kostenerstattungsansprüchen aus-
schließt.
XII. zu § 12 (Zinsen)
§ 12 SächsKAG enthält Regelungen zur Berechnung der in § 11 Abs. 2 Nr. 1
SächsKAG ausdrücklich als gebührenfähige Kostenart aufgeführten „angemessenen
Verzinsung des Anlagekapitals“ (kalkulatorische Verzinsung).
1. Zinsbasis
Zinsbasis der kalkulatorischen Verzinsung ist das Anlagekapital („das für das Anlage-
vermögen von kostenrechnenden Einrichtungen gebundene Kapital“; siehe Verordnung
des Sächsischen Staatsministeriums des Innern über die kommunale Haushaltswirt-
schaft [Kommunalhaushaltsverordnung – KomHVO]
vom 26. März 2002 [SächsGVBl.
S. 142, 176], geändert durch Artikel 1 der Verordnung vom 7. Oktober 2005
[SächsGVBl. S. 286], Anlage Nr. 1). Nicht zu verzinsen ist jedoch das aus Anschluss-

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beiträgen (§§ 17 - 25 SächsKAG), Zuweisungen und Zuschüssen finanzierte Anlageka-
pital.
a) Restwert- und Durchschnittswertmethode
§ 12 Abs. 1 SächsKAG lässt für die Berechnung der kalkulatorischen Zinsen ausdrück-
lich sowohl die Restwertmethode als auch die Durchschnittswertmethode zu. Die
Durchschnittswertmethode führt gegenüber der Restwertmethode zu einer gleichmäßi-
geren Verteilung der Zinskosten auf die Nutzungsdauer eines Wirtschaftsgutes. Die ein-
fache Durchschnittswertmethode (Halbierung des Kapitals oder des Zinssatzes) hat
allerdings den Nachteil, dass der Barwert der kalkulatorischen Zinsen des gesamten
Lebenszyklus des Anlagegutes niedriger liegt als bei der Restwertmethode. Die Zinsen
sind daher bei der Durchschnittswertmethode „mit gleichbleibenden Annuitätsraten“ zu
berechnen (§ 12 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG), das heißt nach finanzmathematischen Me-
thoden. Die kalkulatorischen Zinsen für nicht abschreibungsbedürftige Vermögensge-
genstände – insbesondere der Grundflächen bebauter und unbebauter Grundstücke –
sind immer vom unveränderten Verkehrswert zu berechnen. Rest- und Durchschnitts-
wertmethode sind daher insoweit nicht anwendbar.
b) Bestimmung des Anlagekapitals bei Abschreibung nach der Bruttomethode
§ 12 Abs. 2 SächsKAG regelt die Bestimmung des jeweils zu verzinsenden Restbetrags
des Anlagekapitals in Fällen, in denen der Einrichtungsträger sich bei der Berechnung
der kalkulatorischen Abschreibungen für die Bruttomethode (§ 13 Abs. 3 SächsKAG;
siehe auch unten Ziffer XIII Nr. 1 Buchst. b) entschieden hat. Es handelt sich um eine
bloße Klarstellung, nachdem § 12 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG die Berechnung des Rest-
werts bereits abschließend regelt.
2. Kalkulatorischer Zinssatz
Als angemessen im Sinne von § 11 Abs. 2 Nr. 1 und § 12 Abs. 3 SächsKAG sind zu
betrachten
der zum Zeitpunkt der Aufstellung der Gebührenkalkulation für langfristige Kommu-
nalkredite übliche Zinssatz,
der sich aus den tatsächlichen Zinsverpflichtungen des Einrichtungsträgers für den
Kalkulationszeitraum voraussichtlich ergebende durchschnittliche Zinssatz oder
ein fester Zinssatz von 5 bis 6 vom Hundert (unabhängig von der jeweiligen Zins-
entwicklung).
3. Abzugszinsen
§ 12 Abs. 3 SächsKAG sieht vor, dass immer dann, wenn aus Gebühreneinnahmen
zeitweise überschüssige, von der Einrichtung nicht genutzte Liquidität entsteht, ein kal-
kulatorischer Zinserlös (Abzugszins) in die Gebührenkalkulation einzustellen ist. Solche
zeitweisen Überschüsse können aus Kostenüberdeckungen (§ 10 Abs. 2 Satz 2
SächsKAG), refinanzierten Kapitalzuschüssen (vergleiche dazu § 13 Abs. 1 Satz 2 und
Abs. 2 SächsKAG) oder Wiederbeschaffungszeitwert-Sonderposten (§ 13 Abs. 4
SächsKAG) entstehen.
a) refinanzierte Kapitalzuschüsse
Bei der Berechnung der Abzugszinsen auf refinanzierte Kapitalzuschüsse (§ 12 Abs. 3
Satz 1 2. Alt. SächsKAG) ist zu beachten, dass nicht von dem theoretisch möglichen
Refinanzierungsumfang ausgegangen werden darf, sondern jeweils nur die tatsächlich
erfolgte Refinanzierung zu Grunde zu legen ist. Kapitalzuschüsse sollen der Einrichtung

40
dauerhaft zur Finanzierung der Investitionen zur Verfügung stehen. Eine nachhaltige
gebührensenkende Wirkung der Kapitalzuschüsse wird jedoch nur dann erreicht, wenn
sie laufend über kostendeckende Benutzungsgebühren refinanziert werden. In der Ge-
bührenkalkulation sind die refinanzierten Kapitalzuschüsse also nur in der jeweils ange-
sparten Höhe mit einem angemessenen Abzugszinssatz zu Gunsten der Gebührenzah-
ler (also als kalkulatorischer Erlös) zu verzinsen.
b) reinvestierte refinanzierte Kapitalzuschüsse
Werden Ersatzinvestitionen getätigt, verringert sich der gedachte Betrag der refinanzier-
ten Kapitalzuschüsse in dem Maße, in dem die Investitionskosten nicht durch Beiträge,
Zuweisungen und Zuschüsse Dritter finanziert werden, da die refinanzierten Kapitalzu-
schüsse dann insoweit im Anlagevermögen gebunden sind (reinvestierte refinanzierte
Kapitalzuschüsse). Sie sind daher bei der Berechnung der kalkulatorischen Zinsen
(§ 12 Abs. 1 SächsKAG) und des kalkulatorischen Abzugszinses (§ 12 Abs. 3 Satz 1
2. Alt. SächsKAG) wie Kapitalzuschüsse zu behandeln. Das heißt unter anderem, dass
auch reinvestierte refinanzierte Kapitalzuschüsse nur insoweit dauerhaft eine gebüh-
rensenkende Wirkung haben, wie sie tatsächlich über Gebühreneinnahmen refinanziert
werden.
4. Tatsächlicher Zinsaufwand statt kalkulatorischer Zinsen
Eigenbetriebe und nach Eigenbetriebsrecht arbeitende Zweckverbände (§ 58 Abs. 2
SächsKomZG) können an Stelle kalkulatorischer Zinsen den tatsächlichen Zinsaufwand
in ihre Gebührenkalkulation einstellen (§ 12 Abs. 4 SächsKAG). Dabei sind von den
Fremdkapitalzinsen des Sondervermögens die von ihm erzielten Habenzinsen abzuzie-
hen und eine angemessene Eigenkapitalverzinsung ist hinzuzurechnen. Das aus Kapi-
talzuschüssen entstandene Eigenkapital ist jedoch auch gemäß § 12 Abs. 4 SächsKAG
nicht kalkulatorisch zu verzinsen, sondern nur das von der Kommune aus Steuermitteln
zur Verfügung gestellte Eigenkapital (das „von der Gemeinde oder dem Landkreis auf-
gewandte Eigenkapital“). § 12 Abs. 1 bis 3 SächsKAG sind nicht ergänzend anzuwen-
den (SächsOVG, Urteil vom 22. Mai 2013 – Az. 5 C 28/08).
XIII. zu § 13 (Abschreibungen)
§ 13 SächsKAG regelt die Berechnung der in § 11 Abs. 2 Nr. 1 SächsKAG als gebüh-
renfähige Kostenart benannten „angemessenen Abschreibungen“.
1. Abschreibungsbasis
a) Ertrags- und Kapitalzuschüsse
Das SächsKAG unterscheidet zwischen Ertragszuschüssen und Kapitalzuschüssen.
Ertragszuschüsse sind alle Investitionszuschüsse, die keine Kapitalzuschüsse sind
(§ 13 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG). Kapitalzuschüsse sind vor allem die Anschlussbeiträge
(§ 13 Abs. 2 SächsKAG). Maßgebend für die Höhe der abzusetzenden Anschlussbei-
träge sind die tatsächlichen Beitragseinnahmen und nicht das in der Beitragssatzung
ausgewiesene Betriebskapital (siehe unten Ziffer XVII Nr. 5 Buchst. c). Fördermittel sind
nur dann Kapitalzuschüsse, wenn in der Förderrichtlinie unmissverständlich zum Aus-
druck kommt, dass sie der Stärkung des Eigenkapitals des Einrichtungsträgers dienen
sollen – zum Beispiel dadurch, dass ausdrücklich der Begriff Kapitalzuschüsse verwen-
det wird. Auf Grund eines Erschließungsvertrags ersparte Aufwendungen sind unter
Umständen wie Kapitalzuschüsse zu behandeln (vergleiche § 25 Abs. 2 Satz 2
SächsKAG).
Ertragszuschüsse schmälern die Abschreibungsbasis und führen damit zu niedrigeren

41
Abschreibungskosten. Kapitalzuschüsse sollen die Gebührenzahler dagegen nachhaltig
entlasten, indem sie dauerhaft für niedrigere kalkulatorische Zinsen sorgen (siehe oben
Ziffer XII Nr. 3 Buchst. a).
Kapitalzuschüsse wirken sich auch kommunalhaushaltsrechtlich nicht ertragswirksam
aus. Sie werden unmittelbar dem Eigenkapital zugeführt (siehe § 36 Abs. 7
SächsKomHVO-Doppik und § 27 Abs. 1 SächsEigBVO). Ertragssteuerrechtlich sind
Kapitalzuschüsse – soweit Steuerpflicht besteht – dagegen ertragswirksam.
b) Brutto- und Nettomethode
Das Gesetz räumt für die Behandlung der Ertragszuschüsse in der Gebührenkalkulation
ein Wahlrecht zwischen der Brutto- und der Nettomethode ein (siehe § 13 Abs. 3 Satz 1
SächsKAG). Während bei der Nettomethode (§ 13 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG: Abzug der
Ertragszuschüsse von den Anschaffungs- und Herstellungskosten) die Ertragszuschüs-
se den Anlagegütern jeweils konkret zugeordnet werden, muss die Auflösung der nach
der Bruttomethode (§ 13 Abs. 3 Satz 1 SächsKAG: Bildung gebührenrechtlicher Son-
derposten in Höhe der Ertragszuschüsse, die parallel zur Abschreibung ertragswirksam
aufgelöst werden) zu bildenden passivierten Ertragszuschüsse „… mit einem durch-
schnittlichen Abschreibungssatz ertragswirksam aufgelöst werden“ (§ 13 Abs. 3 Satz 1
SächsKAG).
c) Abschreibung auf der Basis von Wiederbeschaffungszeitwerten
§ 13 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG räumt bei der Bestimmung der Abschreibungsbasis ein
Wahlrecht zwischen Anschaffungs- und Herstellungskosten einerseits und Wiederbe-
schaffungszeitwerten andererseits ein. Da in beiden Fällen mit denselben Abschrei-
bungszeiträumen zu kalkulieren ist, werden bei der Zugrundelegung von Wiederbe-
schaffungszeitwerten höhere Einnahmen erzielt. Um eine verfassungsrechtlich proble-
matische Überfinanzierung aus Gebühren und Beiträgen zu verhindern, schreibt das
Gesetz vor, dass die Mehreinnahmen wie Ertragszuschüsse zu künftigen Investitionen
der Einrichtung zu behandeln sind (§ 13 Abs. 4 SächsKAG) und sich damit künftig ge-
bührensenkend auswirken. Solange sie noch nicht investiert sind, sind für sie gemäß
§ 12 Abs. 3 SächsKAG Abzugszinsen zu berechnen (siehe oben Ziffer XII Nr. 3).
Kommunalhaushaltsrechtlich sind die durch die Kalkulation mit Wiederbeschaffungs-
zeitwerten erzielten Mehreinnahmen in einen „Sonderposten für den Gebührenaus-
gleich“ einzustellen und zum Zeitpunkt ihres Einsatzes zur Finanzierung einer Ersatzin-
vestition in den „Sonderposten für erhaltene investive Umlagen“ umzubuchen. So lange
ein Aufgabenträger noch kamerales Haushaltsrecht anwendet, sind die Mehreinnahmen
noch der „Rücklage für Investitionen der Einrichtung“ zuzuführen, die bei Verwendung
für Ersatzinvestitionen aufzulösen ist. Der in den Sonderposten einzustellende bzw. der
Sonderrücklage zuzuführende Betrag ist durch Vergleich der tatsächlichen Einnahmen
mit den fiktiven Einnahmen unter Zugrundelegung eines auf der Basis von Anschaf-
fungs- und Herstellungskosten ermittelten Gebührensatzes zu bestimmen.
2. Abschreibungsraten
Es ist grundsätzlich linear abzuschreiben. Nur wenn die tatsächliche Wertminderung
eines Wirtschaftsgutes degressiv oder progressiv verläuft, können die Abschreibungen
entsprechend angesetzt werden. Anhaltswerte für die betriebsgewöhnliche Nutzungs-
dauer von Wirtschaftsgütern geben die Abschreibungstabellen des Bundesministers der
Finanzen sowie die Richtwerte, die von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Ver-
waltungsvereinfachung (KGSt) in Köln veröffentlicht werden. Es ist jedoch stets die
nach den örtlichen Gegebenheiten voraussichtlich zu erwartende Nutzungsdauer zu-
grunde zu legen. Bei einer Änderung der Nutzungsdauer ist der Restbuchwert neu auf

42
die Restnutzungszeit zu verteilen. Abschreibungswagnisse dürfen in die Gebührenkal-
kulation nicht eingestellt werden.
XIV. zu § 14 (Gebührenbemessung)
Mit der Gebührenbemessung (Gebührenkalkulation) werden die kostendeckenden Ge-
bührensätze ermittelt. Zu diesem Zweck werden die für den Kalkulationszeitraum (§ 10
Abs. 2 Satz 1 SächsKAG) prognostizierten Kosten (§ 11 SächsKAG) durch die Zahl der
für diesen Zeitraum prognostizierten Leistungseinheiten (Maßstabseinheiten) geteilt. Ob
der so ermittelte höchstzulässige Gebührensatz tatsächlich erhoben wird, ist eine kom-
munalpolitische Entscheidung des Satzungsgebers innerhalb des ihm gesetzlich einge-
räumten Ermessens (siehe dazu Ziffer I Nr. 3).
1. Kosten- und leistungsproportionale Gebührenmaßstäbe
Gebührenmaßstäbe können sich gemäß § 14 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG an den Kosten,
die durch die Benutzung der Einrichtung typischerweise verursacht werden (Kostenpro-
portionalität) oder am Ausmaß der Benutzung der Einrichtung (Leistungsproportionali-
tät) orientieren. Die beiden Methoden stehen nach sächsischem Kommunalabgaben-
recht gleichberechtigt nebeneinander. Kostenproportionale, also verursachungsgerech-
te Gebührenmaßstäbe dürfen nicht als bloße Wahrscheinlichkeitsmaßstäbe angesehen
werden, die die Leistungsproportionalität näherungsweise abbilden sollen. Kostenpro-
portionale Wirklichkeitsmaßstäbe sind allerdings kaum vorstellbar. Daher sind die Ge-
bührenmaßstäbe der Grundgebühren (siehe dazu unten Nummer 3 Buchst. a), die kos-
tenproportionale Benutzungsgebühren sind, Wahrscheinlichkeitsmaßstäbe (SächsOVG,
Urteil vom 7. März 2012 – Az. 5 C 9/10). Bei der Prüfung der Sachgerechtigkeit von
Grundgebührenmaßstäben kann daher an sich nicht auf den Grundsatz der Leistungs-
proportionalität zurückgegriffen werden, da Zweck der Grundgebühr gerade keine leis-
tungs-, sondern eine kostenproportionale Umlage der fixen Vorhaltekosten ist. Trotz-
dem darf die Höhe der Grundgebühr nicht völlig außer Verhältnis zum Umfang der Vor-
halteleistung stehen (SächsOVG, Urteile vom 7. März 2012 – Az. 5 C 9/10 – und vom
18. Dezember 2013 – Az. 5 D 18/07).
Da sich geeignete kostenproportionale Maßstäbe nur schwer finden lassen, sind Benut-
zungsgebührenmaßstäbe in der Praxis regelmäßig leistungsproportional ausgerichtet.
Dem Gedanken der Kostenproportionalität kann allerdings bei der Definition der gebüh-
renpflichtigen Leistung (siehe oben Ziffer IX Nr. 3) eine gewisse Bedeutung zukommen.
2. Lenkungszwecke
Die Bestimmungen in § 14 Abs. 2 Satz 1 und 2 SächsKAG eröffnen die Möglichkeit,
durch Gebührenabschläge Anreize für ein umwelt- oder rohstoffschonendes Verhalten
bei der Benutzung öffentlicher Einrichtungen zu setzen und ein umweltschädliches oder
rohstoffvergeudendes Verhalten durch Gebührenzuschläge wirtschaftlich unattraktiv zu
machen. Im Abfallrecht besteht darüber hinaus eine gesetzliche Pflicht, durch Gebüh-
rengestaltung „effektive Anreize zur Vermeidung, Verwertung und umweltverträgliche
Beseitigung von Abfällen“ zu setzen (§ 3a Abs. 3 SächsABG). Mit Grundgebühren dür-
fen keine Lenkungszwecke verfolgt werden (SächsOVG, Urteil vom 18. Dezember 2013
– Az. 5 D 18/07).
3. Grund-, Fest- und Mindestgebühren
a) Grundgebühren
Grundgebühren werden als Gegenleistung für die Leistungsbereitschaft der Einrichtung
erhoben (siehe unten Ziffer IX Nr. 3 Buchst. a). Sie dienen der gleichmäßigeren Refi-

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nanzierung der fixen Vorhaltekosten (siehe § 14 Abs. 1 Satz 3 SächsKAG). Die Erhe-
bung von Grundgebühren ist vor allem dann in Erwägung zu ziehen, wenn der Anteil
der Fixkosten an den Gesamtkosten hoch ist und die Abnahmemengen pro Benutzer
sehr unterschiedlich sind. Da Grundgebühren nur Fixkosten erfassen, sind neben
Grundgebühren immer auch Gebühren zur Deckung der laufenden Kosten zu erheben
(Arbeitsgebühren).
Fixe Vorhaltekosten sind die Kosten, die unabhängig davon entstehen, in welchem
Ausmaß die Einrichtung vom einzelnen Benutzer tatsächlich in Anspruch genommen
wird. Zu den fixen Vorhaltekosten gehören vor allem Investitionskosten, aber auch die
Personalkosten für das Minimum an Stammpersonal und die verbrauchsunabhängigen
Grundpreise für die Leistungsbereitschaft beim Bezug von elektrischer Energie. Varia-
bel sind dagegen Kosten, die nicht anfallen würden, wenn die Einrichtung lediglich in
Betriebsbereitschaft gehalten würde.
Grundsätzlich zulässige Gebührenmaßstäbe sind die Nenngröße des Wasserzählers,
die Zahl oder Größe der Räume des angeschlossenen Wohnraums und die Zahl der
Wohnungen und Gewerbebetriebe (SächsOVG, Urteil vom 7. März 2012 – Az. 5 C 9/10
– zum Wassergebührenrecht).
Grundgebührensätze müssen gemäß § 14 Abs. 1 Satz 3 SächsKAG „angemessen“
sein. Das heißt, dass die Höhe der Grundgebühren nicht außer Verhältnis zur erbrach-
ten Vorhalteleistung stehen darf. Dies ist dadurch zu gewährleisten, dass im Regelfall
nicht die gesamten Fixkosten über Grundgebühren finanziert werden. Nach Auffassung
des Oberverwaltungsgerichts ist die Finanzierung von 80 Prozent der Fixkosten über
eine Grundgebühr noch als rechtmäßig anzusehen (SächsOVG, Urteil vom 29. Novem-
ber 2001 – Az. 5 D 25/00 – zum Abwassergebührenrecht). Ein Rechtsgrundsatz, nach
dem die Grundgebühren nur einen bestimmten Prozentsatz der Gesamtkosten decken
dürfen, besteht dagegen nicht (SächsOVG, Urteil vom 18. Dezember 2013 – Az. 5 D
18/07).
b) Festgebühren
Festgebühren, die im Abfallgebührenrecht zulässig sind (siehe SächsOVG, Urteil vom
18. Juni 2009 – Az. 5 A 67/08 – mit weiteren Nachweisen), sind keine Grundgebühren,
da in ihre Kalkulation auch variable Kosten einfließen können. Aufgrund ihres pauscha-
len Gebührenmaßstabs (Personenmaßstab) sind sie jedoch in ihrer Wirkung von
Grundgebühren nicht zu unterscheiden.
c) Mindestgebühren
Mindestgebühren sind keine Grundgebühren, sondern Verbrauchsgebühren, bei denen
durch die Fiktion einer bestimmten Mindestinanspruchnahme ein degressiver Anstieg
der Gebührenbelastung erreicht wird. Abfallgebühren, die auf der Basis von fingierten
Mindestentleerungen erhoben werden, sind Mindestgebühren.
Mindestgebühren sind nach allgemeinen Grundsätzen zulässig, auch wenn das
SächsKAG sie nicht ausdrücklich erwähnt. Grundsätzlich ist eine fingierte Mindestinan-
spruchnahme in Höhe der durchschnittlichen Inanspruchnahme sachgerecht (vergleiche
SächsOVG, Urteil vom 29. November 2001 – Az. 5 D 25/00). Trotz der gesetzlichen
Pflicht, „effektive Anreize zur Vermeidung, Verwertung und umweltverträglichen Beseiti-
gung von Abfällen“ zu setzen (§ 3a Abs. 3 Satz 1 SächsABG), sind Mindestgebühren
schon deshalb auch im Abfallgebührenrecht zulässig, weil diese Vorschrift gleichzeitig
fordert, dass Anreize für eine „umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen“ gesetzt
werden. Dabei ist es wegen § 3 Abs. 3 Satz 1 SächsABG naheliegend, dass sich die

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abfallentsorgungspflichtige Körperschaft bei der Mindestinanspruchnahme an der „mitt-
leren Abfallmenge eines bereits konsequent müllvermeidenden und -verwertenden Ver-
brauchers“ orientiert (siehe SächsOVG, Urteil vom 18. Juni 2009 – Az. 5 A 67/08) statt
am arithmetischen Mittel.
4. Gestaffelte Gebührensätze
Von gestaffelten Gebührensätzen oder Staffelgebühren wird gesprochen, wenn mehre-
re (in der Regel zwei) Gebührenmaßstäbe kombiniert werden. Wäre ein Gebührenmaß-
stab allein zu ungenau und würde daher gegen den Grundsatz der Leistungsproportio-
nalität oder der Abgabengerechtigkeit verstoßen, ist es notwendig, entweder – wenn
möglich – mehrere Teilleistungsbereiche zu schaffen oder einen gestaffelten Gebüh-
rensatz zu beschließen. Wird zum Beispiel im Wassergebührenrecht eine einheitliche
Grundgebühr für Wohnungen und Gewerbeeinheiten gewählt, ist es erforderlich, beim
Gebührensatz zwischen den verschiedenen Verbrauchergruppen zu differenzieren, da
Wohnungen und Gewerbebetriebe typischerweise einen ganz unterschiedlichen Was-
serverbrauch haben und daher unterschiedliche typische Vorhaltekosten entstehen
(vergleiche SächsOVG, Urteil vom 7. März 2012 – Az. 5 C 9/10).
XV zu § 15 (Vorauszahlungen)
Der gebührenrechtliche Vorauszahlungsanspruch ist – ebenso wie der Beitragsvoraus-
zahlungsanspruch (siehe unten Ziffer XXIII) – ein selbständiger Anspruch mit einem
eigenen rechtlichen Schicksal. Ein gegen einen Vorauszahlungsbescheid erhobener
Rechtsbehelf wirkt nicht gegen den Gebührenbescheid. Vorauszahlungsbescheide kön-
nen den Gebührenbescheid auch nicht ersetzen. Der kommunale Einrichtungsträger ist
in jedem Fall verpflichtet, nach Ablauf des Bemessungszeitraums einen Gebührenbe-
scheid zu erlassen und eventuelle Überzahlungen zurückzuerstatten.
XVI. zu § 16 (Eigenverbrauch)
Der Träger einer Einrichtung kann diese nicht zu Lasten der übrigen Benutzer kostenlos
in Anspruch nehmen. Ein Gebührenanspruch kann zwar wegen der Identität von Gläu-
biger und Schuldner nicht entstehen, die Träger haben jedoch in der Gebührenkalkula-
tion den Eigenverbrauch wie Fremdverbrauch zu behandeln. Erhebt ein Zweckverband
Gebühren, sind auch die Mitgliedsgemeinden oder -landkreise gebührenpflichtig. Wird
die Aufgabe durch einen Eigenbetrieb erfüllt, hat eine entsprechende interne Verrech-
nung beziehungsweise Vergütung an das Sondervermögen zu erfolgen.
Abschnitt 4 (Beiträge für öffentliche Einrichtungen)
XVII. zu § 17 (Erhebungsermächtigung, Grundsätze)
1. Zur Rechtsnatur des Anschlussbeitrags
Wenn § 17 Abs. 1 SächsKAG die „angemessene Ausstattung öffentlicher Einrichtungen
mit Betriebskapital“ als Zweck der Beitragserhebung nennt, ist damit nur der Verwen-
dungszweck angesprochen. Zweck der Beitragserhebung ist auch nach sächsischem
Anschlussbeitragsrecht die Finanzierung des Investitionsbedarfs leitungsgebundener
kommunaler Einrichtungen (siehe SächsOVG, Beschluss vom 24. September 2004
– Az. 5 BS 119/04 und Urteil vom 6. August 2012 – Az. 5 D 31/07).
Weder aus dem Begriff des Betriebskapitals noch aus der Verwendung des Begriffs
„Kapitalzuschüsse“ in § 13 Abs. 2 SächsKAG darf geschlossen werden, dass die Bei-

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tragspflichtigen mit der Beitragszahlung eine Art Kapitaleinlage leisten. Anschlussbei-
träge sind Entgeltabgaben im Sinne des § 73 Abs. 2 Nr. 1 SächsGemO. Sie stellen eine
Gegenleistung für die vom kommunalen Einrichtungsträger erbrachte Leistung der Her-
beiführung der Anschließbarkeit eines Grundstücks an die öffentliche Wasserversor-
gung bzw. an die zentrale öffentliche Abwasserentsorgung dar.
2. Anwendungsbereich des Anschlussbeitragsrechts
Das Gesetz schließt für bestimmte kommunale Einrichtungen die Beitragsfinanzierung
ausdrücklich aus. So stellt § 17 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG klar, dass für die dezentrale
Abwasserentsorgung keine Beiträge erhoben werden dürfen.
Auch Einrichtungen der Abfallbeseitigung dürfen nur über Benutzungsgebühren finan-
ziert werden (siehe § 3a SächsABG).
3. Mischfinanzierung und Doppelbelastungsverbot
Soweit Anschlussbeiträge zulässig sind, liegt es im Ermessen der jeweiligen kommuna-
len Aufgabenträger der Abwasserentsorgung und der Wasserversorgung, Anschluss-
beiträge zu erheben oder ihre Einrichtungen ausschließlich über Benutzungsgebühren
zu finanzieren. Der Aufgabenträger ist jederzeit befugt, die Finanzierungsform mit Wir-
kung für die Zukunft zu ändern. Eine reine Gebührenfinanzierung kann auf Mischfinan-
zierung (Gebühren und Beiträge) und umgekehrt eine Mischfinanzierung auf reine Ge-
bührenfinanzierung umgestellt werden. Dabei darf jedoch nicht gegen das kommunal-
abgabenrechtliche Doppelbelastungsverbot verstoßen werden, das es verbietet, Abga-
bepflichtige mehrfach zur Finanzierung derselben Leistung heranzuziehen.
Mit Urteil vom 28. September 2010 (Az. 5 A 342/10) hat das Oberverwaltungsgericht
klargestellt, dass eine Umstellung von reiner Gebührenfinanzierung auf Mischfinanzie-
rung in keinem Fall gegen das Doppelbelastungsverbot verstößt – auch dann nicht,
wenn in einigen Teilen des Gemeindegebiets schon früher Beiträge erhoben wurden
und in anderen nicht. Wird dagegen – umgekehrt – von der Mischfinanzierung auf eine
reine Gebührenfinanzierung umgestellt, kann es zu einer Doppelbelastung kommen,
nämlich dann, wenn zum Zeitpunkt der Umstellung noch nicht alle Beitragsansprüche
entstanden waren beziehungsweise – in Fällen der Eingliederung oder des Zusammen-
schlusses von Gemeinden oder Zweckverbänden (siehe § 9 Abs. 2 Satz 3 SächsKAG)
– wenn in einigen der bisher selbständigen Gemeinden bzw. Zweckverbänden keine
oder niedrigere Beiträge erhoben wurden (siehe SächsOVG, Urteil vom 6. August 2012
– Az. 5 D 31/07: „… Im Fall der Nichterhebung von Beiträgen verstößt die undifferen-
zierte Erhebung von Gebühren von denjenigen Benutzern der Abwasseranlage, die zu
deren Aufwand bereits durch Beiträge beigetragen haben, im Verhältnis zu den übrigen
Benutzern gegen den Gleichheitssatz.“). Zur Lösung solcher Fälle bietet sich eine Bei-
tragsrückerstattung an. Das Oberverwaltungsgericht hält jedoch auch einen Ausgleich
über differenzierte Gebührensätze und – wenn nur wenige Gebührenpflichtige betroffen
sind – „Billigkeitsregelungen im Rahmen des Heranziehungsverfahrens“, also den Teil-
erlass von Gebühren, für zulässig (SächsOVG, Urteil vom 6. August 2012 – Az. 5 D
31/07). Solche Ausgleichsmaßnahmen sind allerdings nur zulässig, wenn die finanzielle
Leistungsfähigkeit der Kommune (bei Zweckverbänden: der Mitgliedskommunen) dies
zulässt. Anderenfalls kann nicht auf reine Gebührenfinanzierung umgestellt werden.
Dieselben Grundsätze gelten, wenn nicht völlig auf die Beitragserhebung verzichtet
wird, sondern die Beitragssätze nur abgesenkt werden.
In Fällen der Eingliederung oder des Zusammenschlusses von Gemeinden oder Zweck-
verbänden kann das Doppelbelastungsverbot auch dadurch eingehalten werden, dass

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nicht auf reine Gebührenfinanzierung umgestellt wird. Liegt kein Fall des § 9 Abs. 2
Satz 2 SächsKAG vor und ist die Übergangsfrist des § 9 Abs. 2 Satz 3 in Verbindung
mit § 17 Abs. 4 Satz 1 SächsKAG abgelaufen, sind dann einheitliche Beitragssätze zu
beschließen (siehe auch Ziffer IX Nr. 7 Buchst. c). Orientiert sich der Satzungsgeber
dabei an den höchsten bisher bestehenden Beitragssätzen oder legt er höhere Sätze
fest, stellt sich die Frage der Beitragsrückerstattung nicht.
4. Beitragsgegenstand
Beitragsgegenstand ist der den Beitragsanspruch auslösende Lebenssachverhalt. An-
schlussbeiträge können für Grundstücke erhoben werden, „denen durch die Möglichkeit
des Anschlusses an die Einrichtung nicht nur vorübergehende Vorteile zuwachsen“
(§ 17 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG). Für die Anschlussbeiträge gemäß § 17 Abs. 1
SächsKAG (Erstbeiträge) ist Beitragsgegenstand also die Erschließung eines Grund-
stücks durch Schaffung der Möglichkeit des Anschlusses an eine bestimmte leitungs-
gebundene Anlage, durch die dem jeweiligen Eigentümer oder sonst zur baulichen Nut-
zung dinglich Berechtigten (zu Letzterem siehe § 21 SächsKAG) ein wirtschaftlicher
Vorteil entsteht.
a) Grundstücksbegriff
Dabei ist vom privatrechtlichen Grundstücksbegriff („Buchgrundstück“) auszugehen
(SächsOVG, Beschluss vom 9. Februar 2007 – Az. 5 BS 307/06). Der Beitragsanspruch
entsteht also grundsätzlich jeweils für ein Buchgrundstück – weder für mehrere Grund-
stücke noch für Grundstücksteile. Nur wenn Grundstücke auf Grund ihres Flächenzu-
schnitts nur gemeinsam sinnvoll nutzbar sind und dieselbe Person Beitragsschuldner
ist, stellen sie – abweichend vom privatrechtlichen Grundstücksbegriff – ausnahmswei-
se zusammen ein Grundstück im beitragsrechtlichen Sinne dar (siehe SächsOVG, Be-
schluss vom 15. April 2008 – Az. 5 BS 239/07).
b) Anschlussmöglichkeit
Das Tatbestandsmerkmal „Möglichkeit des Anschlusses“ wird durch § 22 Abs. 1 Satz 1
bis 3 SächsKAG konkretisiert (siehe unten Ziffer XXII Nr. 1 Buchst. a Doppelbuchst.
aa). Danach wird die Anschlussmöglichkeit unwiderleglich vermutet, wenn ein Grund-
stück bereits angeschlossen ist oder der Grundstückseigentümer bzw. der im Sinne des
§ 21 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG dinglich Berechtigte den Anschluss beantragt hat.
Anschließbarkeit besteht von dem Zeitpunkt an, in dem die Ver- bzw. Entsorgungslei-
tungen im öffentlichen Straßenraum, an den das Grundstück unmittelbar angrenzt, ver-
legt und funktionstüchtig sind. Die vom Einrichtungsträger zu errichtenden Grundstücks-
bzw. Hausanschlussleitungen (siehe unten Ziffer XXXIII Nr. 1) müssen noch nicht ver-
legt sein (siehe VG Dresden, Urteil vom 29. März 2006 – Az. 12 K 1050/05).
So genannte Hinterliegergrundstücke, also Grundstücke, die nicht unmittelbar an die
Straße angrenzen, in der die Leitung verlegt ist, sind so lange nicht an die Einrichtung
anschließbar, wie die Anbindung über ein anderes Grundstück nicht rechtlich und tat-
sächlich sichergestellt ist (vergleiche SächsOVG, Beschluss vom 7. September 2010
– Az. 5 B 66/10).
Normalerweise besteht die Anschlussmöglichkeit jeweils für das gesamte Grundstück,
sobald es nur an eine Straße angrenzt, in der Leitungen betriebsbereit verlegt sind. Et-
was anderes gilt jedoch, wenn es aus mehreren Flurstücken besteht, die nicht unmittel-
bar aneinander angrenzen. Dann ist die Frage der Anschließbarkeit für jedes Teilstück
gesondert zu beantworten. Die Frage der Anschließbarkeit ist durch den Grundstücks-
begriff nicht in dem Sinne präjudiziert, dass das Grundstück immer als vollständig an-

47
schließbar fingiert wird, sobald ein Teil des Grundstücks anschließbar ist.
c) Wirtschaftlicher Vorteil
Das Oberverwaltungsgericht geht im Anschlussbeitragsrecht von einem „grundstücks-
bezogenen“ Vorteilsbegriff aus (siehe unten Ziffer XVIII Nr. 1).
Die bestehende Anschlussmöglichkeit vermittelt dem Grundstück regelmäßig einen
wirtschaftlichen Vorteil. Trotz Anschlussmöglichkeit entsteht die Beitragspflicht jedoch
nicht, wenn das Grundstück aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht bebaubar
oder gewerblich nutzbar ist. Aus rechtlichen Gründen nicht bebaubar und auch nicht
gewerblich nutzbar sind grundsätzlich Außenbereichsgrundstücke im Sinne von § 35
BauGB. Sie sind daher nur beitragspflichtig, wenn sie tatsächlich angeschlossen sind
(SächsOVG, Beschluss vom 2. März 2010 – Az. 5 D 149/09). Der baulichen und ge-
werblichen Nutzbarkeit können aber auch im bauplanungsrechtlichen Innenbereich
(§ 34 BauGB) und im Geltungsbereich eines Bebauungsplans Rechtsgründe entgegen-
stehen. So ist z. B. ein Innenbereichsgrundstück, das insgesamt als Streuobstwiese
unter Naturschutz steht, nicht gemäß § 17 SächsKAG beitragspflichtig (SächsOVG, Ur-
teil vom 4. August 2010 – Az. 5 A 106/08 – und Beschluss vom 19. August 2010
– Az. 5 A 550/08; siehe jetzt auch § 21 Abs. 1 Nr. 4 des Sächsischen Naturschutzge-
setzes [Sächsisches Naturschutzgesetz – SächsNatSchG] vom 6. Juni 2013
[SächsGVBl. S. 451], das durch Artikel 2 des Gesetzes vom 2. April 2014 [SächsGVBl.
S. 234, 235] geändert worden ist).
Im Abwasserbeitragsrecht entfällt die Vorteilhaftigkeit der Anschlussmöglichkeit nicht
bereits deshalb, weil auf dem Grundstück eine funktionierende private Kläranlage exis-
tiert. Sie ist aber zu verneinen, wenn das geltende Abwasserbeseitigungskonzept au-
ßerdem keinen Anschluss des Grundstücks an die zentrale Abwasserentsorgung vor-
sieht (SächsOVG, Beschluss vom 13. Mai 2009 – Az. 5 D 160/08). Ein die Beitrags-
pflicht begründender Vorteil fehlt auch, so lange die abwasserbeseitigungspflichtige
Körperschaft auf Grund einer dem Grundstückseigentümer erteilten wasserrechtlichen
Erlaubnis den Anschluss an die öffentliche Abwasserentsorgung nicht verlangen darf
(siehe SächsOVG, Urteil vom 2. März 2011 – Az. 5 A 343/08; siehe jetzt auch § 50
Abs. 7 des Sächsischen Wassergesetzes [SächsWG] vom 12. Juli 2013 [SächsGVBl.
S. 503], das durch Artikel 1 des Gesetzes vom 2. April 2014 [SächsGVBl. S. 234] geän-
dert worden ist).
Schließlich kann es für den Grundstückseigentümer unzumutbar sein, von der An-
schlussmöglichkeit Gebrauch zu machen, weil ihm dadurch unverhältnismäßig hohe
Kosten entstehen würden. Auch in einem solchen Fall vermittelt die Anschlussmöglich-
keit dem Grundstück keinen wirtschaftlichen Vorteil. Dabei sind allerdings strenge Maß-
stäbe anzulegen.
5. Betriebskapital
Mit „Betriebskapital“ meint das Gesetz den Teil des Eigenkapitals der Einrichtung, der
durch die Erhebung von Anschlussbeiträgen entstanden ist beziehungsweise noch ent-
stehen kann.
a) Höchstzulässiges Betriebskapital
Das höchstzulässige Betriebskapital setzt der Beitragserhebung eine absolute Ober-
grenze. Die Summe der möglichen Einnahmen aus Erstbeiträgen und weiteren Beiträ-
gen darf das höchstzulässige Betriebskapital nicht
übersteigen. Es berechnet sich als
Summe der Wiederbeschaffungszeitwerte aller betriebsnotwendigen Anlagen zum Zeit-
punkt der Globalberechnung abzüglich der für die Anlagen erhaltenen und noch zu er-

48
wartenden Investitionszuschüsse (Kapital- und Ertragszuschüsse; § 17 Abs. 3 Satz 2
SächsKAG). Bei Einrichtungen der Abwasserbeseitigung sind die auf die Straßenent-
wässerung entfallenden Anteile vom Wiederbeschaffungszeitwert abzusetzen (§ 17
Abs. 3 Satz 2 im Verbindung mit § 11 Abs. 3 SächsKAG).
Der Wiederbeschaffungszeitwert ist an Stelle der nominalen Anschaffungs- und Herstel-
lungskosten als Berechnungsgrundlage für das beitragsfähige Betriebskapital gewählt
worden, um die sonst bei Globalberechnungen auftretenden prognostischen Unsicher-
heiten zu vermeiden. Die Bewertung künftiger Investitionen wird dadurch erleichtert,
dass auf den Herstellungsneuwert zum Zeitpunkt der Globalberechnung abgestellt wird
(siehe SächsOVG, Urteil vom 28. Oktober 2010 – Az. 5 D 5/06). In der Vergangenheit
eingenommene Zuschüsse sind ebenso anhand von Baukostenindizes auf den Zeit-
punkt der Globalberechnung umzurechnen wie die Investitionsaufwendungen, für die
sie gewährt wurden (§ 17 Abs. 3 Satz 4 in Verbindung mit § 13 Abs. 3 Satz 2
SächsKAG).
Gemäß § 17 Abs. 3 Satz 3 SächsKAG erfolgt in Fällen, in denen einem Zweckverband
die Befugnis zur Erhebung von Gebühren und Beiträgen nicht übertragen wurde
(vergleiche § 60 Abs. 3 Satz 1 2. Halbsatz SächsKomZG), die Berücksichtigung des
Wiederbeschaffungszeitwertes der Zweckverbandsanlagen in den Globalberechnungen
der Mitgliedskommunen im Verhältnis des Umlageschlüssels gemäß § 60 Abs. 1 Satz 2
SächsKomZG.
b) Höchstzulässiges angemessenes Betriebskapital
Das gemäß § 17 Abs. 3 Satz 2 bis 7 SächsKAG errechnete höchstzulässige Betriebs-
kapital darf der Beitragskalkulation nicht zu Grunde gelegt werden, wenn es nicht an-
gemessen ist, das heißt wenn es aus der zum Zeitpunkt des Erlasses der Beitragssat-
zung bestehenden Perspektive eine übermäßige finanzielle Ausstattung der kommuna-
len Einrichtung mit Betriebskapital bedeuten würde. Um dies zu prüfen, ist eine so ge-
nannte Kontrollrechnung durchzuführen (siehe unten Ziffer XVIII Nr. 4).
c) Festgesetztes Betriebskapital
Das Gesetz verlangt, dass das der Beitragskalkulation jeweils zu Grunde liegende Be-
triebskapital in der Beitragssatzung festgesetzt wird (§ 17 Abs. 3 Satz 1 SächsKAG).
Das in der Satzung festgesetzte Betriebskapital ist der Geldbetrag, den der Einrich-
tungsträger auf Grund der in der Satzung begründeten verschiedenen Beitragsansprü-
che (Erstbeitrag, weitere Beiträge, zusätzliche Beiträge; siehe unten Nummer 6 und
Ziffer XX) höchstens einnehmen kann – einschließlich eventuell bereits in der Vergan-
genheit erhobener Beiträge. Der Betrag des festzusetzenden Betriebskapitals ergibt
sich daher rechnerisch durch Vervielfältigung der Beitragssätze des Erstbeitrags sowie
aller bereits beschlossenen weiteren Beiträge – mit der Summe der sich beim Endaus-
bau der Einrichtung gemäß Globalberechnung ergebenden Bemessungseinheiten zu-
züglich der zu erwartenden Einnahmen aus eventuellen zusätzlichen Beiträgen gemäß
§ 20 SächsKAG.
Die Festsetzung des Betriebskapitals in der Satzung erfolgt nur informationshalber.
Weist die Satzung einen unzutreffenden Betrag aus, hat dies für sich genommen nicht
die Nichtigkeit bzw. Teilnichtigkeit der Satzung zur Folge. Nichtigkeit tritt gemäß § 2
Abs. 2 Satz 1 SächsKAG nur ein, wenn ein überhöhter Beitragssatz beschlossen wor-
den ist (vergleiche SächsOVG, Beschluss vom 25. Oktober 2010 – Az. 5 A 376/08).
d) Erhöhung des festgesetzten Betriebskapitals
Sollen zusätzliche Beitragseinnahmen erzielt werden, ist das festgesetzte Betriebskapi-

49
tal zu erhöhen (§ 17 Abs. 3 Satz 6 SächsKAG; SächsOVG, Beschluss vom 17. Juni
2003 – Az. 5 BS 323/02). Die Erhöhung ist zulässig, wenn
- der Einrichtungsträger den gemäß § 18 Abs. 2 Satz 1 und 2 höchstzulässigen (ange-
messenen) Beitragssatz bisher nicht vollständig ausgeschöpft hat (§ 17 Abs. 3 Satz 6
in Verbindung mit Abs. 2 Satz 1 1. Alt. SächsKAG);
- die Fortschreibung der Kontrollrechnung (siehe unten Ziffer XVIII Nr. 4) einen höheren
höchstzulässigen angemessenen Beitragssatz ergibt (siehe § 17 Abs. 3 Satz 6 in
Verbindung mit Abs. 2 Satz 1 1. Alt. SächsKAG);
- weiterer Kapitalbedarf zum Ausbau oder zur Erneuerung der Einrichtung besteht
(§ 17 Abs. 3 Satz 6 in Verbindung mit Abs. 2 Satz 1 2. Alt. SächsKAG);
- sich der gemäß § 17 Abs. 3 Satz 2 SächsKAG ermittelte Investitionsbedarf – ohne
dass es sich um einen „Ausbau“ im Sinne des § 17 Abs. 2 Satz 1 handelt – durch hö-
here Kosten oder geringere Zuschüsse als erwartet nachträglich um mehr als 10 Pro-
zent erhöht (§17 Abs. 3 Satz 6 in Verbindung mit Abs. 2 Satz 2 SächsKAG);
- weitere Grundstücke durch die Einrichtung erschlossen werden sollen und sich
dadurch die Summe der Bemessungseinheiten um mehr als 5 Prozent erhöht „und die
Anlagen deshalb gegenüber der bisherigen Planung vergrößert oder ausgedehnt wer-
den müssen“ (§ 17 Abs. 3 Satz 6 in Verbindung mit § 18 Abs. 2 Satz 3 SächsKAG).
Die Erhöhung des Betriebskapitals ist nicht zulässig, um Ersatzinvestitionen zu finan-
zieren. Ein “weiterer Kapitalbedarf“ im Sinne des § 17 Abs. 2 Satz 1 2. Alt. SächsKAG
entsteht nicht durch die Notwendigkeit von Ersatzinvestitionen, sondern nur dann,
wenn die Einrichtung entweder quantitativ („Ausbau“) oder qualitativ („Erneuerung“)
erweitert werden soll.
6. Erstbeiträge und weitere Beiträge
Das Anschlussbeitragsrecht unterscheidet zwischen Erstbeiträgen und „weiteren Bei-
trägen“ (§ 17 Abs. 2 SächsKAG). Weitere Beiträge sind von Beitragspflichtigen zu erhe-
ben, für deren Grundstücke bereits Beiträge erhoben wurden, die aber auf Grund der
Erhöhung des festgesetzten Betriebskapitals einen höheren Anteil an der Erbringung
des Betriebskapitals zu leisten haben als mit den bereits bei ihnen erhobenen Beiträgen
abgegolten ist. Weitere Beiträge treten als neue, eigenständige Beitragsansprüche ne-
ben die bereits bestehenden Beitragsansprüche (siehe SächsOVG, Beschluss vom 17.
Juni 2003 – Az. 5 BS 323/02). Weitere Beiträge können mehrmals entstehen. Die sach-
liche Beitragspflicht entsteht für jeden weiteren Beitrag jeweils zu einem vom Satzungs-
geber zu bestimmenden Zeitpunkt (§ 22 Abs. 1 Satz 4 SächsKAG).
7. Teilleistungsbereiche im Anschlussbeitragsrecht
Gemäß § 17 Abs. 4 Satz 1 sind die Grundsätze des Benutzungsgebührenrechts zur
Bildung von Einrichtungen und Teilleistungsbereichen (§ 9 Abs. 2 und 3 SächsKAG) im
Anschlussbeitragsrecht entsprechend anzuwenden. 17 Abs. 4 Satz 2 SächsKAG stellt
klar, dass es zulässig ist, für bestimmte Teilleistungsbereiche (etwa für die Schmutz-
wasserentsorgung) Beiträge zu erheben und für andere, die nicht von allen angeschlos-
senen Grundstücken in Anspruch genommen werden können (etwa für die Nieder-
schlagswasserentsorgung), nicht.
Soweit ein Wahlrecht beziehungsweise Ermessen bei der Bestimmung von Einrichtun-
gen und Teilleistungsbereichen besteht (§ 9 Abs. 2 und 3 in Verbindung mit § 17 Abs. 4
Satz 1 SächsKAG), ist es für das Benutzungsgebühren- und Anschlussbeitragsrecht

50
gleichmäßig auszuüben. Einrichtungen und Teilleistungsbereiche können nur einheitlich
für beide Rechtsgebiete gebildet werden, da sich die Höhe der Beitragseinnahmen auf
die Gebührenhöhe auswirkt (§ 12 Abs. 1 und Abs. 3 Satz 1 2. Alt. SächsKAG).
8. Übergangsvorschriften für nach früherem Recht gebildete Teileinrichtungen
§ 17 Abs. 5 SächsKAG ist eine Übergangsvorschrift, die eine vereinfachte Anpassung
an die durch die KAG-Novelle 2004 geänderte Rechtslage ermöglicht. Die Rechtspre-
chung des Oberverwaltungsgerichts hatte bis zur Novellierung des SächsKAG die Bil-
dung von Teilleistungsbereichen für die Schmutz- und Niederschlagswasserentsorgung
nicht zugelassen. Soweit daher nach der damaligen Rechtslage Einheitsbeiträge für
Schmutz- und Niederschlagswasserentsorgung erhoben worden waren, durften sie ge-
mäß § 17 Abs. 5 SächsKAG nachträglich in Teilbeiträge für die Schmutzwasserentsor-
gung umgedeutet werden, wenn die Globalberechnung für den Teilbeitrag Beitragssät-
ze in dieser Höhe zuließ.
XVIII. zu § 18 (Beitragsmaßstab, Beitragssatz)
1. Grundstücksbezogener Vorteilsbegriff
Das Kriterium für den Beitragsmaßstab ist der wirtschaftliche Vorteil, den die Einrich-
tung einem Grundstück vermittelt. Dabei geht das Sächsische Oberverwaltungsgericht
in ständiger Rechtsprechung davon aus, dass sich das Maß des beitragsrechtlich rele-
vanten Vorteils danach bemisst, welche baulichen und gewerblichen Nutzungsmöglich-
keiten sich durch die Erschließung des Grundstücks ergeben („grundstücksbezogener“
Vorteilsbegriff; SächsOVG, Urteile vom 21. Oktober 1999 – Az. 2 S 551/99 – und vom
12. Juli 2007 – Az. 5 B 565/05 und 5 B 576/05) und nicht nach der möglichen Inan-
spruchnahme der Einrichtung („anlagenbezogener Vorteilsbegriff“; siehe dazu Ziffer
XXVI Nr. 2).
Der grundstücksbezogene Vorteilsbegriff verlangt keine gänzlich anderen Beitragsmaß-
stäbe als der anlagenbezogene. Es gibt jedoch Unterschiede. So kann bei der Kalkula-
tion von Niederschlagswasserentsorgungsbeiträgen der Nutzungsflächenmaßstab (sie-
he dazu unten Nummer 2) zu Grunde gelegt werden, während der anlagenbezogene
Vorteilsbegriff den Beitragsmaßstab „versiegelte Grundstücksfläche“ nahelegen würde
(SächsOVG, Urteile vom 12. Juli 2007 – Az. 5 B 576/05 und 5 B 565/05 – sowie Be-
schluss vom 17. November 2011 – Az. 5 A 301/09).
2. Zulässige Beitragsmaßstäbe
Ein zulässiger Wahrscheinlichkeitsmaßstab für die durch die Erschließung entstandene
erhöhte Nutzungsmöglichkeit ist der so genannte Nutzungsflächenmaßstab (Vollge-
schossmaßstab; siehe SächsOVG, Beschluss vom 25. Februar 1998 – Az. 2 S 39/98 –;
ständige Rechtsprechung). Dieser Maßstab wird wegen seiner vergleichsweise einfa-
chen Handhabbarkeit besonders häufig verwendet. „Nutzungsflächenmaßstab“ bedeu-
tet, dass die beitragsfähige (siehe dazu § 19 Abs. 1 SächsKAG) Grundstücksfläche mit
einem in der Satzung zu bestimmenden Faktor (Nutzungsfaktor) vervielfältigt wird, der
eine Beitragsstaffelung nach der Zahl der zulässigen Vollgeschosse bewirkt. Dem Sat-
zungsgeber steht dabei ein gewisser Ermessensspielraum zu. Nach der Rechtspre-
chung des Oberverwaltungsgerichts ist eine Staffelung, die für eingeschossige Bebau-
ung den Nutzungsfaktor 1 vorsieht und den Nutzungsfaktor für jedes weitere Vollge-
schoss um 0,25 erhöht, grundsätzlich sachgerecht (SächsOVG, Urteile vom 21. Okto-
ber 1999 – Az. 2 S 551/99 – sowie vom 12. Juli 2007 – Az. 5 B 576/05 und 5 B 565/05).
Es ist aber auch erlaubt, die baurechtlich zulässige Geschossfläche als Beitragsmaß-

51
stab zu wählen (Geschossflächenmaßstab; siehe SächsOVG, Urteile vom 28. April
2004 – Az. 5 D 31/02 und vom 28. Oktober 2010 – Az. 5 D 5/06 –; ständige Rechtspre-
chung). Der Geschossflächenmaßstab ist jedoch in der Handhabung – insbesondere in
Gebieten ohne Bebauungsplan – aufwändig und streitanfällig.
Die Grundstücksfläche und die Frontmeterlänge (Länge der an die Erschließungsstraße
angrenzenden Grundstücksgrenze) sind keine geeigneten Maßstäbe, da sie die zuläs-
sigen baulichen Nutzungsmöglichkeiten der Grundstücke nicht hinreichend genau ab-
bilden.
Mit dem grundstücksbezogenen Vorteilsbegriff unvereinbar sind Beitragsmaßstäbe, die
Elemente einer degressiven Beitragsstaffelung enthalten (vergleiche SächsOVG, Urteil
vom 12. November 2003 – Az. 5 D 46/00) oder bei der Niederschlagswasserentsorgung
die versiegelte Grundfläche zu Grunde legen (siehe oben Nummer 1). Unzulässig sind
auch Beitragsmaßstäbe, die an die augenblickliche tatsächliche Nutzung der Grundstü-
cke anknüpfen statt an die Nutzungsmöglichkeit (siehe SächsOVG, Beschluss vom 25.
Oktober 2010 – Az. 5 A 376/08), zum Beispiel an die tatsächliche Geschoss- oder
Wohnfläche, den Einheits- oder Gebäudeversicherungswert oder die Anzahl der Woh-
nungen.
3. Globalberechnung
Die Beitragskalkulation wird im Anschlussbeitragsrecht als Globalberechnung bezeich-
net (siehe § 18 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG). Damit ist gemeint, dass in die Kalkulation alle
Grundstücke, die einen Vorteil aus der Anschlussmöglichkeit an die Einrichtung haben
oder in der Zukunft haben werden, und alle Investitionen, die für die Einrichtung schon
getätigt wurden oder in Zukunft noch getätigt werden sollen, einzubeziehen sind. Dies
soll sicherstellen, dass alle im Laufe der Zeit beitragspflichtig werdenden Grundstücks-
eigentümer gleichmäßig zu der Beschaffung des Betriebskapitals beitragen. In der Glo-
balberechnung wird also die Summe aller Bemessungseinheiten (Flächenseite) der
Summe aller Investitionsaufwendungen, verringert um die staatlichen Zuweisungen,
(Aufwandsseite) gegenübergestellt. Der höchstzulässige Beitragssatz wird durch Tei-
lung der prognostizierten Gesamtkosten (des höchstzulässigen Betriebskapitals; siehe
oben Ziffer XVII Nr. 5 Buchst. a) durch die Zahl der Bemessungseinheiten der Flächen-
seite ermittelt.
§ 18 Abs. 2 Satz 3 SächsKAG regelt abschließend, in welchen Fällen die Globalbe-
rechnung fortzuschreiben ist. Eine Fortschreibung aus anderen Gründen ist unzulässig.
Die Fortschreibung der Globalberechnung darf nicht mit der Fortschreibung der Kon-
trollrechnung durch Neufestsetzung des Prognosezeitraums (siehe unten Nummer 4)
verwechselt werden.
a) Flächenseite
Im Abwasserbeitragsrecht sind die Grundstücke auf der „Flächenseite“ in die Globalbe-
rechnung einzustellen, die das Abwasserbeseitigungskonzept (§ 51 SächsWG) des
Aufgabenträgers als zentral zu entsorgende Grundstücke ausweist (siehe SächsOVG,
Urteile vom 12. Juli 2007 – Az. 5 B 576/05 und Az. 5 B 565/05). Dies gilt entsprechend
für die Kontrollrechnung (siehe unten Nummer 4). Wann der Anschluss tatsächlich er-
folgen soll, ist für die Globalberechnung ohne Belang, spielt allerdings für die Kontroll-
rechnung eine entscheidende Rolle.
b) Aufwandsseite
Die „Aufwandsseite“ der Globalberechnung bildet das höchstzulässige Betriebskapital,
das nach den in § 17 Abs. 3 SächsKAG niedergelegten Grundsätzen zu bestimmen ist

52
(siehe oben Ziffer XVII Nr. 5 Buchst. a).
4. Kontrollrechnung
Da sich die aus den Anschlussbeiträgen zu finanzierenden Investitionen über einen
längeren Zeitraum erstrecken können, ordnet § 18 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG neben der
Globalberechnung eine Kontrollrechnung für einen „Prognosezeitraum“ an. Die Kontroll-
rechnung dient dem Zweck, eine zeitweise Überfinanzierung der Einrichtung zu vermei-
den. Der Prognosezeitraum umfasst immer die gesamte Vergangenheit sowie einen
angemessenen, überschaubaren Teil des weiteren Ausbaus der Einrichtung. Ist der
Endausbau der Einrichtung erfolgt, bedarf es keiner Kontrollrechnungen mehr.
Bei der Kontrollrechnung wird zunächst der voraussichtliche Investitionsbedarf im Prog-
nosezeitraum (höchstzulässiges angemessenes Betriebskapital; siehe oben Ziffer XVII
Nr. 5 Buchst. b) ermittelt und dann durch die Zahl der Bemessungseinheiten für die bis
zum Ende des Prognosezeitraums voraussichtlich beitragspflichtig werdenden Grund-
stücke geteilt. Ist der sich aus dieser Rechnung ergebende Beitragssatz niedriger als
der durch die Globalberechnung ermittelte, ist er der höchstzulässige angemessene
Beitragssatz. Der Kontrollrechnung sind nicht – wie der Globalberechnung – Wiederbe-
schaffungszeitwerte, sondern Nominalwerte (Anschaffungs- und Herstellungskosten) zu
Grunde zu legen.
„Altanlagen“, die bereits vor dem 3. Oktober 1990 errichtet wurden, sind nur insoweit zu
berücksichtigen, wie für sie im Prognosezeitraum Investitionsbedarf besteht
(SächsOVG, Urteil vom 21. Oktober 1999 – Az. 2 S 551/99, Urteil vom 4. Juni 2008
– Az. 5 B 65/06 – und Beschluss vom 21. Juni 2010 – Az. 5 A 385/08 –; ständige
Rechtsprechung).
Dem Einrichtungsträger steht bei der Kontrollrechnung wie bei der Gebührenkalkulation
ein gewisser Ermessensspielraum (Prognosespielraum) zu. Dementsprechend ist nur
zu verlangen, dass die Behörde bei der Kontrollrechnung von plausiblen Annahmen
ausgeht. Das Oberverwaltungsgericht verlangt jedoch für den Fall, dass die Kontroll-
rechnung ausnahmsweise erst nach Ablauf des Prognosezeitraums erstellt wird, dass
ihr der tatsächlich entstandene Aufwand sowie die tatsächlich an die Einrichtung ange-
schlossenen Flächen zu Grunde gelegt werden (vergleiche SächsOVG, Urteil vom 4.
Juni 2008 – Az. 5 B 65/06). Auch insoweit gelten also dieselben Grundsätze wie im Ge-
bührenrecht (siehe oben Ziffer X Nr. 2 Buchst. a).
XIX. zu § 19 (Abgrenzung von Teilflächen bei der Beitragsbemessung; weitere
Beitragspflichten)
1. Teilflächenabgrenzung als Teil der Beitragsbemessung
§ 19 Abs. 1 SächsKAG regelt einen Teilaspekt der Beitragsbemessung. Hat der Sat-
zungsgeber einen Beitragsmaßstab gewählt, in den u.a. die Grundstücksgröße einfließt,
wie zum Beispiel den Nutzungsflächenmaßstab (siehe Ziffer XVIII Nr. 2), dürfen nur
Teilflächen berücksichtigt werden, die baulich oder gewerblich nutzbar sind bezie-
hungsweise tatsächlich bebaut sind oder gewerblich genutzt werden, wenn die abzu-
grenzende Teilfläche nach baurechtlichen Vorschriften grundbuchmäßig abgeschrie-
ben, also geteilt werden könnte. Die abgegrenzten Flächen sind im Beitragsbescheid
durch eine Lageplanskizze eindeutig zu bezeichnen. Bei erheblichen Einschränkungen,
die nicht unter § 19 Abs. 1 SächsKAG fallen (zum Beispiel eine ausgedehnte Streu-
obstwiese im Sinne des § 21 Abs. 1 Nr. 4 SächsNatSchG), kann eine zinslose Stun-
dung eines entsprechenden Teiles des Beitrages in Betracht kommen, solange die Be-

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einträchtigung besteht.
Beitragsgegenständliches und gemäß § 24 SächsKAG für den Beitrag haftendes
Grundstück ist auch in Fällen der Teilflächenabgrenzung immer das gesamte Buch-
grundstück (SächsOVG, Urteil vom 12. Juli 2007 – Az. 5 B 566/05).
a) Fehlende bauliche und gewerbliche Nutzbarkeit
Außenbereichsflächen (§ 35 BauGB) sind immer abzugrenzen, während Innenbereichs-
flächen (§ 34 BauGB) grundsätzlich als baulich bzw. gewerblich nutzbar anzusehen und
daher mit ihrer gesamten Grundfläche der Beitragsbemessung zu Grunde zu legen
sind. Ist ein Bebauungsplan vorhanden, ist für die Beitragsbemessung von der Bau-
grundstücksfläche im Sinne des § 19 Abs. 3 der der Verordnung über die bauliche Nut-
zung der Grundstücke (Baunutzungsverordnung – BauNVO) in der Fassung der Be-
kanntmachung vom 23. Januar 1990 (BGBl. I S. 132), die zuletzt durch Artikel 2 des
Gesetzes vom 11. Juni 2013 (BGBl. I S. 1548, 1551) geändert worden ist, auszugehen.
Bloße Baubeschränkungen – unabhängig davon, ob sie rechtlicher oder tatsächlicher
Art sind – bewirken nach der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts nur dann
eine Teilflächenabgrenzung, „wenn das ohne Beschränkung höchstzulässige Maß der
baulichen Nutzung durch die Baubeschränkung vermindert wird“ (SächsOVG, Urteil
vom 13. April 1999 – Az. 2 S 627/95). So lange Grundstücksflächen, die nicht überbaut
werden dürfen, bebauungsakzessorisch nutzbar sind, zum Beispiel als Hausgarten, Ab-
standsfläche oder Grundstückszufahrt, sind sie daher grundsätzlich nicht abzugrenzen
(SächsOVG, Urteil vom 20. August 1998 – Az. 2 S 105/98 –, Beschluss vom 13. Juli
2012 – Az. 5 B 218/12; ständige Rechtsprechung). Eine Teilflächenabgrenzung aus
anderen Gründen lässt das Gesetz nicht zu. Dies gilt insbesondere für „übergroße“,
zum Zeitpunkt der Entstehung der Beitragsschuld aus wirtschaftlichen Gründen nicht in
vollem Umfang baulich oder gewerblich nutzbare Grundstücke (SächsOVG, Urteil vom
17. Juli 2013 – Az. 5 A 150/11).
Ist ein Grundstück jedoch auf Grund von Umständen, die eine Teilflächenabgrenzung
nicht rechtfertigen („… etwa weil die Fläche zu diesem Zeitpunkt mangels Baulandbe-
darfs in der Region nicht wirtschaftlich sinnvoll bebaut werden könnte“), auf absehbare
Zeit tatsächlich nicht baulich oder gewerblich nutzbar, kommt eine zinslose Stundung
und in Ausnahmefällen sogar ein Erlass von Teilen der Beitragsschuld gemäß §§ 222
und 227 AO in Betracht (SächsOVG, Urteil vom 17. Juli 2013 – Az. 5 A 150/11). Dabei
ist unbedingt zu beachten, dass solche Entscheidungen aus Gründen der Abgabenge-
rechtigkeit nur nach sorgfältiger Prüfung der tatsächlichen Gegebenheiten und – in der
jeweils betroffenen Region – gleichmäßig, das heißt nach gleichen Maßstäben, zu tref-
fen sind.
b) Möglichkeit der grundbuchmäßigen Abschreibung der abzugrenzenden Fläche
Die Teilflächenabgrenzung setzt zusätzlich voraus, dass die der Beitragsbemessung zu
Grunde liegende Teilfläche durch Grundstücksteilung zu einem eigenständigen Grund-
stück im grundbuchrechtlichen Sinn werden könnte, ohne dass im Sinne des § 7 der
Sächsischen Bauordnung (SächsBO) vom 28. Mai 2004 (SächsGVBl. S. 200), die zu-
letzt durch Artikel 4 des Gesetzes vom 2. April 2014 (SächsGVBl. S. 238, 258, S. 322)
geändert worden ist, beziehungsweise des § 19 Abs. 2 BauGB baurechtswidrige Ver-
hältnisse entstehen.
2. Teilflächenabgrenzung unmittelbar durch Gesetz
Die Beitragssatzung muss keine Bestimmungen zur Teilflächenabgrenzung enthalten,
da diese im Gesetz abschließend geregelt ist. Trotzdem in der Satzung enthaltene

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Bestimmungen dürfen § 19 Abs. 1 SächsKAG nicht widersprechen (SächsOVG, Urteil
vom 17. Juli 2013 – Az. 5 A 150/11). Insbesondere darf die Satzung nicht den Eindruck
entstehen lassen, eine Teilflächenabgrenzung sei nur für Außenbereichsflächen vorzu-
nehmen. Eine rechtswidrige Regelung der Teilflächenabgrenzung macht die Satzung
insgesamt nichtig (SächsOVG, Urteil
vom 13. April 1999 – Az. 2 S 627/95).
3. Wegfall der Abgrenzungsgründe
Entfallen die Gründe für die Teilflächenabgrenzung, nachdem die Beitragspflicht gemäß
§ 17 Abs. 1 SächsKAG bereits entstanden ist, kann dies nichts mehr an der Höhe des
ursprünglichen Beitragsanspruchs ändern (Grundsatz der Einmaligkeit der Beitragsent-
stehung; siehe unten Ziffer XXII Nr. 1 Buchst. b). „Mit dem Eintritt der Änderungen in
den Grundstücksverhältnissen“ entsteht jedoch gemäß § 19 Abs. 2 in Verbindung mit
§ 22 Abs. 1 Satz 5 SächsKAG ein zusätzlicher Beitragsanspruch, dessen Höhe sich
nach der Größe der nicht länger abzugrenzenden Grundstücksteilfläche bestimmt. Da-
bei ist die zum Entstehenszeitpunkt bestehende Rechtslage zu Grunde zu legen, also
insbesondere der zu diesem Zeitpunkt geltende Beitragssatz.
XX. zu § 20 (Zusätzliche Beiträge von Großverbrauchern)
Für die Träger öffentlicher Einrichtungen birgt die Schaffung von Kapazitäten für Groß-
verbraucher gewisse Risiken, da Betriebe stillgelegt oder verlagert werden können oder
der Kapazitätsbedarf durch innerbetriebliche Maßnahmen verringert werden kann. Las-
sen sich die dadurch frei werdenden Kapazitäten nicht anderweitig nutzen, entstehen
für die Refinanzierung über Benutzungsgebühren problematische Überkapazitäten.
Daher ermächtigt § 20 SächsKAG zur Erhebung zusätzlicher Beiträge von Großver-
brauchern. Zusätzliche Beiträge sind Anschlussbeiträge. Sie sind also nur zulässig,
wenn die allgemeinen Voraussetzungen der Erhebung von Anschlussbeiträgen vorlie-
gen (§ 17 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG). Eine Pflicht zur Erhebung zusätzlicher Beiträge
besteht grundsätzlich nicht. Denkbar ist jedoch, dass das Ermessen des Satzungsge-
bers im Einzelfall unter dem Gesichtspunkt der Abgabengerechtigkeit so weit einge-
schränkt ist, dass zusätzliche Beiträge erhoben werden müssen (offen gelassen von
SächsOVG, Urteil vom 22. Februar 2001 – Az. 5 D 720/98). Dass § 20 Satz 2
SächsKAG nur die Abwasserentsorgung und nicht auch die Wasserversorgung er-
wähnt, bedeutet nicht, dass § 20 Satz 1 SächsKAG nicht zur Erhebung zusätzlicher
Wasserbeiträge ermächtigt. Der Regelungszweck der Vorschrift ist auch erfüllt, wenn
ein Wasserversorger Großverbraucher beliefert, so dass zumindest von einer analogen
Anwendbarkeit der Vorschrift im Wasserbeitragsrecht auszugehen ist.
1. Nachhaltig überdurchschnittliche Inanspruchnahme
Der die Beitragserhebung gemäß § 20 Satz 1 SächsKAG rechtfertigende wirtschaftliche
Vorteil besteht darin, dass Großverbraucher die Einrichtung in überdurchschnittlicher
Weise („nachhaltig nicht nur unerheblich über das normale Maß hinaus“) in Anspruch
nehmen können. Gemäß § 20 Satz 2 SächsKAG ist Vergleichsmaßstab der Abwasser-
anfall (bzw. im Wasserbeitragsrecht der Wasserverbrauch) mit dem üblicherweise zu
rechnen ist, wenn Grundstücke gleicher – beitragsrelevanter (siehe § 19 Abs. 1
SächsKAG) – Größe mit Wohnungen bebaut sind. Da die für die Erhebung eines zu-
sätzlichen Beitrags in Betracht kommenden Gewerbegrundstücke häufig sehr groß sind,
werden die Voraussetzungen für die Erhebung zusätzlicher Beiträge regelmäßig nicht
vorliegen, selbst wenn die Betriebe – gemessen am absoluten Verbrauch – Großver-
braucher sind (vergleiche SächsOVG, Urteil vom 22. Februar 2001 – Az. 5 D 720/98).
Nachhaltig ist eine Inanspruchnahme, wenn sie

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regelmäßig vorkommt und nicht den Charakter des Einmaligen und Außerordentli-
chen hat, sowie
rechtmäßig ist und sich nicht bereits abzeichnet, dass sie alsbald unrechtmäßig
wird.
Saisonale Schwankungen stehen der Nachhaltigkeit nicht entgegen.
2. Satzungsregelung
Der zusätzliche Beitrag ist – ebenso wie der weitere Beitrag (siehe oben Ziffer XVII
Nr. 6) – ein eigenständiger Abgabenanspruch und kann als solcher nur auf Grund einer
Satzung des Einrichtungsträgers erhoben werden (§ 2 Abs. 1 Satz 1 in Verbindung mit
§ 20 Satz 3 SächsKAG). Es müssen dieselben Mindestregelungen (§ 2 Abs. 1
SächsKAG) getroffen werden wie für andere Anschlussbeiträge. Es sind Beitragstatbe-
stand, Beitragsmaßstab, Beitragssatz, Entstehung (siehe auch § 22 Abs. 1 Satz 4
SächsKAG) und Fälligkeit der Beitragsschuld durch Satzung zu bestimmen. Allerdings
ist für alle zur Finanzierung der jeweiligen leitungsgebundenen Anlagen erhobenen Bei-
träge (Erstbeiträge, weitere Beiträge und zusätzliche Beiträge) nur ein gemeinsames
Betriebskapital festzusetzen (siehe § 17 Abs. 3 Satz 2 SächsKAG).
3. Vertragliche Vereinbarungen
§ 20 Satz 4 SächsKAG lässt ausdrücklich zu, „Einzelheiten“ der Erhebung von Zusatz-
beiträgen vertraglich zu regeln. Solche Vereinbarungen dürfen jedoch nicht im Wider-
spruch zu den Satzungsbestimmungen stehen. Ausgeschlossen sind daher insbeson-
dere vertragliche Vereinbarungen im Bereich des Mindestsatzungsinhalts im Sinne des
§ 2 Abs. 1 SächsKAG.
XXI. zu § 21 (Beitragsschuldner)
§ 21 SächsKAG regelt die persönliche Beitragspflicht. Gemäß § 21 Abs. 1 Satz 1
SächsKAG ist Beitragsschuldner, wer zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Beitragsbe-
scheids Grundstückseigentümer ist. Ausnahmen von diesem Grundsatz sieht das Ge-
setz hinsichtlich des maßgeblichen Zeitpunkts (siehe unten Nummer 1) und des sa-
chenrechtlichen Status des Beitragspflichtigen (siehe unten Nummer 2) vor.
1. Für die Bestimmung des Beitragsschuldners maßgeblicher Zeitpunkt
Der gesetzliche Regelfall sieht vor, dass Beitragsschuldner ist, wer zum Zeitpunkt der
Bekanntgabe des Beitragsbescheids Eigentümer, Erbbauberechtigter oder „sonst ding-
lich zur baulichen Nutzung berechtigt“ ist (§ 21 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 1
SächsKAG.
Davon abweichend kann der Satzungsgeber die Grundstückseigentümer/Inhaber von
Erbbaurechten oder Gebäudeeigentum zum Zeitpunkt der Entstehung der Beitrags-
schuld (siehe § 22 SächsKAG) zu Beitragsschuldnern erklären. Die Ermittlung des Bei-
tragspflichtigen kann dann aufwändiger sein als im gesetzlichen Regelfall. Gelingt es
nicht, den Beitragspflichtigen rechtzeitig zu ermitteln, besteht das Risiko, dass Festset-
zungsverjährung eintritt.
2. Erbbaurecht und Gebäudeeigentum/Übergangsregelungen
Beitragspflichtig ist der jeweilige Grundstückseigentümer. Besteht für das Entstehen der
persönlichen Beitragspflicht maßgebenden Zeitpunkt am Grundstück ein Erbbaurecht
oder ein sonstiges sachenrechtliches (dingliches) Nutzungsrecht, das eine bauliche
Nutzung des Grundstücks gestattet, wird an Stelle des Grundstückseigentümers der

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Erbbauberechtigte beziehungsweise der dinglich Nutzungsberechtigte Beitragsschuld-
ner (§ 21 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG). „Sonst dinglich zur baulichen Nutzung Berechtigte“
im Sinne dieser Vorschrift sind ausschließlich Personen, die Gebäudeeigentum nach
der Übergangsvorschrift des Artikels 233 § 4 EGBGB innehaben. Besteht Gebäudeei-
gentum nach anderen Vorschriften des Artikels 233 EGBGB, mit dem kein dingliches
Nutzungsrecht am Grundstück verbunden ist, bleibt der Grundstückseigentümer Bei-
tragsschuldner.
Für Grundstücke, die im Grundbuch noch als „Eigentum des Volkes“ eingetragen sind,
bestimmt § 37 Abs. 7 SächsKAG, dass Beitragsschuldner der Verfügungsberechtigte im
Sinne von § 8 Abs. 1 des Gesetzes über die Feststellung der Zuordnung von ehemals
volkseigenem Vermögen (Vermögenszuordnungsgesetz – VZOG) in der Fassung der
Bekanntmachung vom 29. März 1994 (BGBl. I S. 709), das zuletzt durch Artikel 3 des
Gesetzes vom 3. Juli 2009 (BGBl. I S. 1688, 1692) geändert worden ist, ist. § 37 Abs. 7
SächsKAG verweist auf § 6 Abs. 1 VZOG, weil die Verfügungsbefugnis in der ursprüng-
lichen Gesetzesfassung in § 6 VZOG geregelt war (siehe Bekanntmachung vom 3. Au-
gust 1992 – BGBl. I S. 1464). Inzwischen ist die Verfügungsbefugnis aber in § 8 VZOG
geregelt.
Wird der Beitragsbescheid der falschen Person bekanntgegeben, ist er rechtswidrig.
Solange der rechtswidrige Beitragsbescheid besteht, das heißt weder nichtig ist noch
aufgehoben wurde, ist jedoch eine Beitragserhebung beim tatsächlichen Beitrags-
schuldner wegen der Bestandskraft des Beitragsbescheids unzulässig (siehe
SächsOVG, Urteil vom 25. Juli 2012 – Az. 5 A 336/10).
3. Gesamtschuldnerschaft
Sind für ein Grundstück mehrere Beitragsschuldner beitragspflichtig, so sind sie nach
allgemeinen Grundsätzen (§ 44 AO) Gesamtschuldner. Es entsteht nur eine Beitrags-
schuld, für die jeder Miteigentümer in vollem Umfang haftet (siehe oben Ziffer III Nr. 2
Buchst. a). Dies gilt nicht, wenn an einem Grundstück Wohnungs- und Teileigentum
gemäß WEG besteht: Dann sind die Wohnungseigentümer nur jeweils im Verhältnis
ihres Miteigentumsanteils am Grundstück Beitragsschuldner (§ 21 Abs. 2 Satz 2
SächsKAG). Jeder Wohnungseigentümer haftet nur für seine Beitragsschuld.
XXII. zu § 22 (Entstehung der Beitragsschuld, Verrentung)
1. Entstehung der Beitragsschuld
a) sachliche Beitragspflicht
§ 22 SächsKAG regelt die sachliche Beitragspflicht, das heißt das Entstehen der Bei-
tragsschuld gemäß § 38 AO. Das heißt: Macht das Gesetz bestimmte Rechtsfolgen von
der Entstehung des Beitrags abhängig, ist die Entstehung gemäß § 22 SächsKAG ge-
meint (siehe auch Ziffer II Nr. 7 Buchst. a).
aa) Erstbeiträge
Hat der Satzungsgeber den Anschluss- und Benutzungszwang (§ 14 Abs. 1
SächsGemO) angeordnet, entstehen Erstbeiträge, wenn das beitragsgegenständliche
Grundstück so an die Einrichtung angeschlossen werden kann, dass die beitragsrechtli-
che Leistung beziehungsweise Teilleistung (Vorteilsvermittlung gemäß § 17 Abs. 1
Satz 1 SächsKAG) erbracht wurde und eine wirksame Beitragssatzung besteht (§ 22
Abs. 1 Satz 1 und 6 SächsKAG). Dies gilt unabhängig davon, ob im Einzelfall Anspruch
auf Befreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang gemäß § 14 Abs. 2 SächsGemO
besteht (vergleiche SächsOVG, Beschluss vom 13. Mai 2009 – Az. 5 D 160/08).

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Ist kein Anschluss- und Benutzungszwang angeordnet, entsteht die Beitragspflicht nicht
bereits mit der Anschließbarkeit, sondern erst mit dem Antrag des Eigentümers bezie-
hungsweise dinglich Nutzungsberechtigten im Sinne des § 21 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG
auf Anschluss an die Einrichtung (§ 22 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG). Ist ein Grundstück
tatsächlich an die Einrichtung angeschlossen, kommt es nicht darauf an, ob Anschließ-
barkeit im Rechtssinne besteht oder ein Anschlussantrag gestellt wurde (§ 22 Abs. 1
Satz 3 SächsKAG).
Der Erlass einer wirksamen Beitragssatzung ist im Hinblick auf das Entstehen von Erst-
beiträgen (§ 22 Abs. 1 Satz 1 bis 3 und Satz 6 SächsKAG) nur eines von mehreren ge-
setzlichen Tatbestandsmerkmalen. Daher kann durch Erlass einer Beitragssatzung eine
Beitragspflicht noch entstehen, wenn die Vorteilslage gemäß § 17 Abs. 1 Satz 1
SächsKAG längst eingetreten ist (siehe jedoch § 3a Abs. 3 SächsKAG). Der Beitrags-
satzung muss keine Rückwirkung beigelegt werden. Dies gilt auch, wenn eine unwirk-
same durch eine wirksame Satzung ersetzt wird (siehe oben Ziffer II Nr. 6 Buchst. b).
Ein ursprünglich rechtswidriger Beitragsbescheid kann durch den späteren Erlass einer
wirksamen Beitragssatzung rechtmäßig („geheilt“) werden. Die Heilungswirkung tritt
jedoch nur dann ein, wenn die Satzung noch bis zur abschließenden mündlichen Ver-
handlung der letzten Tatsacheninstanz (Berufungsinstanz) in Kraft getreten ist. Auch
insoweit kommt es nicht darauf an, ob der Satzung Rückwirkung beigelegt wird
(SächsOVG, Beschluss vom 17. November 2011 – Az. 5 A 301/09 sowie Urteile vom
12. Juli 2007 – Az. 5 B 565/05 und 5 B 576/05).
bb) Weitere Beiträge
Weitere Beiträge entstehen „zu dem in der Satzung zu bestimmenden Zeitpunkt“
(§ 22 Abs. 1 Satz 4 SächsKAG). Da die Erhebung weiterer Beiträge gemäß § 17 Abs. 2
SächsKAG voraussetzt, dass Erstbeiträge bereits entstanden sind, müssen die gesetz-
lichen Voraussetzungen für die Erhebung von Erstbeiträgen bereits vorgelegen haben.
Zusätzlich muss einer der Tatbestände des § 17 Abs. 2 SächsKAG erfüllt sein. Durch
Änderung der Beitragssatzung sind ein höheres Betriebskapital (§ 17 Abs. 3 Satz 1
SächsKAG), der Beitragssatz für den weiteren Beitrag sowie der Zeitpunkt des Entste-
hens des weiteren Beitrags festzusetzen. Als frühester Entstehenszeitpunkt, den die
Satzung bestimmen kann, kommt der Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderungssat-
zung in Betracht.
cc) Zusätzliche Beiträge
Zusätzliche Beiträge (§ 20 SächsKAG) setzen nicht zwingend voraus, dass bereits
Erstbeiträge erhoben worden sind, wohl aber, dass die Erhebung von Erstbeiträgen zu-
lässig wäre. Voraussetzung für das Entstehen der Beitragspflicht ist also auch hier,
dass die fraglichen Grundstücke im Sinne des § 17 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG an-
schließbar sind oder ein Anschlussantrag gestellt wurde. Die Satzung darf keinen frühe-
ren Entstehenszeitpunkt bestimmen.
dd) Beiträge gemäß § 19 Abs. 2 SächsKAG
Beiträge gemäß § 19 Abs. 2 SächsKAG sind Erstbeiträge. Sie entstehen automatisch
zu dem Zeitpunkt, zu dem die Gründe für die Teilflächenabgrenzung nachträglich entfal-
len (§ 22 Abs. 1 Satz 5 SächsKAG). Da damit der Lauf der allgemeinen Festsetzungs-
frist ausgelöst ist (siehe § 3a Abs. 2 SächsKAG), empfiehlt es sich, Beitragsverfahren,
in denen eine Teilflächenabgrenzung erfolgt ist, in regelmäßigen Abständen daraufhin
zu kontrollieren, ob die Voraussetzungen für die Teilflächenabgrenzung noch bestehen.
b) Einmaligkeit der Beitragsentstehung

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Ist die Beitragspflicht einmal entstanden, ändert sich ihr Inhalt nicht mehr. Neue tatsäch-
liche oder rechtliche Umstände, die nach dem Zeitpunkt des Entstehens der Beitrags-
pflicht eintreten, können sich nicht mehr auf den Inhalt des Beitragsanspruchs auswir-
ken (Grundsatz der Einmaligkeit der Beitragsentstehung). Ändert sich zum Beispiel die
Grundstücksfläche, nachdem die Beitragspflicht bereits entstanden ist, bleibt die ur-
sprüngliche Grundstücksfläche für die Höhe der Beitragspflicht maßgebend. Dasselbe
gilt für Änderungen der Beitragssatzung. Die Änderung der Beitragssatzung hat – selbst
wenn sie rückwirkend erfolgt – nach dem Grundsatz der Einmaligkeit der Beitragsent-
stehung keinen Einfluss mehr auf bereits entstandene Beitragspflichten (siehe oben
Ziffer II Nr. 6 Buchst. b).
Der Grundsatz der Einmaligkeit der Beitragsentstehung steht der Erhebung von Beiträ-
gen durch einen anderen Aufgabenträger nicht entgegen (siehe oben Ziffer IX Nr. 7
Buchst. d).
c) Einmaligkeit der Beitragsfestsetzung
Das Oberverwaltungsgericht nimmt an, dass nach sächsischem Landesrecht neben
dem Grundsatz der Einmaligkeit der Beitragsentstehung auch ein Grundsatz der Einma-
ligkeit der Beitragsfestsetzung bestehen soll (SächsOVG, Urteil vom 31. März 2014 –
Az. 5 A 124/13). Nach dieser Rechtsprechung darf also nur ein Beitragsbescheid pro
Beitragsanspruch ergehen. Wird der Beitrag zu niedrig festgesetzt, besteht eine Korrek-
turmöglichkeit nur, wenn zunächst der Erstbescheid aufgehoben wird.
2. Gemeindeanteil
Der Einrichtungsträger kann nicht selbst Beitragsschuldner sein (zum Gebührenrecht
siehe oben Ziffer XVI). Gemäß § 22 Abs. 2 SächsKAG sind die Beiträge daher zu „ver-
rechnen“, wenn der Einrichtungsträger zum Zeitpunkt des Entstehens der sachlichen
Beitragspflicht Eigentümer oder dinglich Berechtigter im Sinne des § 21 Abs. 2 Satz 1
SächsKAG ist. § 21 Abs. 1 SächsKAG ist nicht anwendbar. Beiträge werden also auch
dann nicht erhoben, wenn nach dem Verrechnungszeitpunkt jemand anderes Eigentü-
mer oder dinglich Berechtigter wird. Im Übrigen sind Körperschaften des öffentlichen
Rechts uneingeschränkt beitragspflichtig. Ist zum Beispiel ein Zweckverband Einrich-
tungsträger, sind die Mitgliedsgemeinden für die ihnen gemäß § 21 SächsKAG beitrags-
rechtlich zuzurechnenden Grundstücken beitragspflichtig.
Für den Erstbeitrag, weitere und zusätzliche Beiträge ist jeweils gesondert zu prüfen, ob
die Voraussetzungen des § 22 Abs. 2 SächsKAG vorliegen.
3. Entstehung der Beitragsschuld in Raten
§ 22 Absatz 3 SächsKAG eröffnet die Möglichkeit, durch entsprechende Satzungsrege-
lung die Beitragsschuld in mehreren Raten entstehen zu lassen. Es handelt sich dabei
um keine bloße Fälligkeitsregelung. Die einzelne Rate begründet jeweils ein besonde-
res Beitragsschuldverhältnis. Beitragsschuldner für die einzelne Rate ist der jeweils
gemäß § 21 SächsKAG zu bestimmende aktuelle Eigentümer beziehungsweise dinglich
Berechtigte. Voraussetzung für die Erhebung des Beitrags in Raten ist stets, dass die
Einrichtung hergestellt und in Betrieb ist. Die Ratenzahlung ist also keine Vorauszah-
lung im Sinne des § 23 SächsKAG. Die Regelung ist in das Gesetz aufgenommen wor-
den, um bei der Beitragsbelastung auf die wirtschaftlichen Kräfte der Abgabepflichtigen
Rücksicht nehmen zu können (§ 73 Abs. 3 SächsGemO).
4. Verrentung
Die Verrentung der Beitragsschuld (§ 22 Abs. 4 SächsKAG) erweitert den Beleihungs-
spielraum eines Grundstücks, der durch die öffentliche Last (§ 24 SächsKAG) gemin-

59
dert ist. Durch die Anwendung der Vorschrift des § 10 Abs. 1 Nr. 3 des Gesetzes über
die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung (ZVG) in der im Bundesgesetzblatt
Teil III, Gliederungsnummer 319-14, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt
durch Artikel 6 des Gesetzes vom 7. Dezember 2011 (BGBl. I S. 2582, 2589) geändert
worden ist, gelten im Fall der Verrentung nämlich nicht mehr die volle Beitragsschuld
als vorgehende Last, sondern nur die jeweils fälligen Rententeilbeträge und eventuelle
Rückstände aus den letzten zwei Jahren. Die einzelnen Jahresleistungen der Rente
brauchen nicht gleich hoch zu sein.
Die wirtschaftliche Leistungskraft im Sinne des § 22 Abs. 4 SächsKAG ist grundsätzlich
nach den für die Stundung geltenden Regeln zu beurteilen. Die einzelne Kommune
kann dazu Richtlinien erlassen. Diese können zum Beispiel auf die bei der Wohngeld-
bezugsberechtigung geltenden Obergrenzen des monatlichen Familieneinkommens
abstellen. In Fällen, in denen die Erweiterung der Beleihungsgrenze für ein Grundstück
von Bedeutung ist, kann großzügig verfahren werden. Die Ansprüche sollen verzinst
werden (§ 22 Abs. 4 Satz 4 SächsKAG). Das heißt, dass in besonders gelagerten Här-
tefällen in entsprechender Anwendung von § 234 Abs. 2 AO auf Zinsen ganz oder teil-
weise verzichtet werden kann. Auch dazu können die Einrichtungsträger Richtlinien er-
lassen. In den Verrentungsbescheid können Widerrufsvorbehalte aufgenommen wer-
den, zum Beispiel für die Fälle der Veräußerung des Grundstückes oder des Eintritts
der Erbfolge.
XXIII. zu § 23 (Vorauszahlungen)
1. Beitragsvorauszahlung
Beitragsvorauszahlungen können von dem Zeitpunkt an erhoben werden, in dem mit
der Herstellung der Einrichtung begonnen worden ist und solange, bis die endgültige
Beitragspflicht entstanden ist.
Die angemessene Höhe von Vorauszahlungen richtet sich nach dem Kapitalbedarf der
Einrichtung und dem Anteil der Beitragsfinanzierung an den Investitionen. Eine hohe
Vorauszahlungsquote kann bedingen, dass mehrere Vorauszahlungsraten erhoben
werden. Darüber sind gegebenenfalls in der Satzung Bestimmungen zu treffen. Der
Satzungsgeber muss verbindlich regeln, ob, in welchen Fällen und in welchem Umfang
von der Möglichkeit, Vorauszahlungen zu erheben, Gebrauch zu machen ist.
2. Verrechnung mit dem Beitragsanspruch
Ist die sachliche Beitragspflicht entstanden, sind die Vorauszahlungen mit dem Bei-
tragsanspruch zu verrechnen (§ 23 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG). Für die Verrechnung
kommt es nicht auf den im Vorausleistungsbescheid festgesetzten Betrag an. Die Ver-
rechnung erfolgt nur in der Höhe, in der Vorauszahlungen tatsächlich geleistet wurden.
Der Vorausleistungsbescheid verliert seine rechtliche Wirkung nur dann, wenn ein Bei-
tragsbescheid erlassen ist, der die gesamte noch offene – also nicht durch tatsächlich
erbrachte Vorausleistungen erfüllte Beitragsschuld festsetzt. Ob dem Beitragsbescheid
eine solch umfassende Festsetzungswirkung zukommt, ist durch Auslegung zu ermit-
teln. Auf die Bestandskraft des Bescheides kommt es dabei nicht an (SächsOVG, Be-
schluss vom 20. August 2009 – Az. 5 B 265/09).
3. Rückerstattung von Vorauszahlungen
Gemäß § 23 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG sind Vorauszahlungen zurückzuerstatten, wenn
die sachliche Beitragspflicht nicht spätestens sechs Jahre nach Erhebung der Voraus-
zahlung entstanden ist. Der Rückerstattungsanspruch verjährt nach fünf Jahren (§ 228

60
AO).
Stellt sich heraus, dass die endgültige Beitragsschuld geringer ist als die bereits er-
brachte Vorauszahlung, ist die Differenz zurückzuerstatten (§ 37 Abs. 2 AO). Eine Ver-
zinsung des Rückerstattungsbetrags erfolgt nicht.
XXIV. zu § 24 (Öffentliche Last)
Gemäß § 24 SächsKAG wird das beitragsgegenständliche Grundstück als Grundpfand
im Sinne eines dinglichen Verwertungsrechts in Haftung genommen. Der kommunale
Beitragsgläubiger kann daher auch dann zur Befriedigung der Beitragsforderung in das
belastete Grundstück vollstrecken, wenn der Beitragsschuldner nicht mehr Grund-
stückseigentümer ist. Im Innenverhältnis zwischen Beitragsschuldner und Grundstücks-
eigentümer können zivilrechtliche Ausgleichsansprüche bestehen. Die öffentliche Last
besteht nur wegen des Beitragsanspruchs selbst, nicht auch wegen eventueller Neben-
leistungen.
1. Haftungsgegenstand
Haftungsgegenstand ist das Buchgrundstück, bestehend aus allen auf einem Grund-
buchblatt verzeichneten Flurstücken. Das gilt auch im Falle einer Teilflächenabgren-
zung gemäß § 19 SächsKAG (SächsOVG, Urteil vom 12. Juli 2007 – Az. 5 B 566/05)
und wenn die Anschlussmöglichkeit nur für einen Teil eines Grundstücks besteht
(siehe oben Ziffer XVII Nr. 4 Buchst. b).
2. Doppelte Akzessorietät
Die öffentliche Last ist in zweifacher Weise abhängig vom Bestehen der Beitragspflicht:
Sie entsteht mit der sachlichen Beitragspflicht. Eine Inanspruchnahme des Grundstücks
ist jedoch nur zulässig, so lange der Beitragsanspruch gegen den persönlich Beitrags-
pflichtigen durch Beitragsbescheid festgesetzt, fällig und vollstreckbar ist (siehe
BVerwG, Urteil vom 13. Februar 1987 – Az. 8 C 25/85 –, SächsOVG, Beschlüsse vom
21. Januar 2008 – Az. 5 BS 331/07 – und vom 16. November 2010 – Az. 5 B 207/10).
Die Vollstreckung in das Grundstück aus einer öffentlichen Last ist also nicht möglich,
wenn zwar ein bestandskräftiger Beitragsbescheid vorliegt, dieser jedoch zu Unrecht
erlassen wurde, also keine sachliche Beitragspflicht besteht. Dasselbe gilt im umge-
kehrten Fall, dass zwar die sachliche Beitragspflicht besteht, es jedoch versäumt wurde,
innerhalb der Festsetzungsfrist einen Beitragsbescheid zu erlassen.
Der Anspruch auf Duldung der Zwangsvollstreckung gemäß § 77 Abs. 2 AO unterliegt
keiner Verjährung.
3. Durchsetzung des Anspruchs auf Duldung der Zwangsvollstreckung
§ 191 AO stellt die Geltendmachung des Duldungsanspruchs in das Ermessen der Be-
hörde. Dabei ist zu beachten, dass vorrangig der Beitragsschuldner in Anspruch zu
nehmen ist. Der Duldungsanspruch darf daher nur geltend gemacht werden, wenn die
Forderung bei dem oder den Beitragspflichtigen erkennbar uneinbringlich ist, das heißt
wenn Vollstreckungsmaßnahmen „… ohne Erfolg geblieben oder anzunehmen ist, dass
sie aussichtslos sein“ werden (SächsOVG, Beschluss vom 16. November 2010 – Az. 5
B 207/10).
Die öffentliche Last verschafft dem Anspruch in der Zwangsversteigerung gemäß § 10
Abs. 1 Nr. 3 ZVG ein Vorrecht auf Befriedigung in der dritten Rangklasse, soweit der
Beitrag in den letzten vier Jahren fällig geworden ist. Für weiter zurückliegende Fällig-
keitstermine gilt gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 7 ZVG die siebente Rangklasse. Wird die

61
Zwangsversteigerung nicht vom Beitragsgläubiger selbst betrieben, muss er die öffentli-
che Last anmelden (§ 37 Nr. 4 ZVG). Geschieht dies nicht, erlischt sie grundsätzlich mit
Zuschlagserteilung und der neue Eigentümer erwirbt insoweit unbelastetes Eigentum
(§§ 91, 52 Abs. 1 ZVG). Im Insolvenzverfahren berechtigt die öffentliche Last zur abge-
sonderten Befriedigung ebenfalls nach der Rangordnung in der Zwangsversteigerung
(§ 49 der Insolvenzordnung [InsO] vom 5. Oktober 1994 [BGBl. I S. 2866], die zuletzt
durch Artikel 6 des Gesetzes vom 31. August 2013 [BGBl. I S. 3533, 3537] geändert
worden ist, in Verbindung mit § 10 Abs. 1 Nr. 3 ZVG).
Die Beitragspflicht erlischt im Zwangsversteigerungsverfahren nicht. Nach dem
Zwangsversteigerungsverfahren kann daher gegen den neuen Eigentümer ein Bei-
tragsbescheid ergehen, wenn Beitragsschuldner gemäß dem gesetzlichen Regelfall
(§ 21 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG) der Grundstückseigentümer zum Zeitpunkt der Be-
kanntgabe des Beitragsbescheids ist und noch kein Beitragsbescheid gegen den frühe-
ren Grundstückseigentümer ergangen war (SächsOVG, Beschluss vom 6. Oktober
2010 – Az. 5 B 479/09).
XXV. zu § 25 (Ablösung, Erschließung durch Dritte)
1. Ablösung der Beitragspflicht
Der Einrichtungsträger kann die Ablösung eines noch nicht entstandenen Erstbeitrags
zulassen (§ 25 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG). Weitere Beiträge im Sinne des § 17 Abs. 2
SächsKAG sind der Ablösung nicht zugänglich. Die Entscheidung über die Zulässigkeit
von Ablösungsverträgen hat der Satzungsgeber zu treffen. Dabei genügt es nicht, dass
er die Ablösung grundsätzlich zulässt und die weitere Ausgestaltung der Verwaltung
überlässt (siehe § 25 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG und SächsOVG, Urteil vom 25. Februar
2010 – Az. 5 A 268/08).
Die Höhe der von der Satzung vorgeschriebenen Ablösebeträge wird sich an den je-
weils aktuellen Beitragssätzen zu orientieren haben. Die Satzung muss auch regeln, ob
und gegebenenfalls unter welchen Voraussetzungen und mit welchem Zinssatz eine
Abzinsung bei der Ermittlung des Ablösebetrags vorzunehmen ist.
Die Ablösung ist im Einzelfall jeweils durch verwaltungsrechtlichen Vertrag (§§ 54 ff.
VwVfG) zu vereinbaren. Die Wirksamkeit der Ablösung sollte im Sinne einer aufschie-
benden Bedingung ausdrücklich von der Erfüllung des Vertrages abhängig gemacht
werden.
Ein Anspruch auf Ablösung besteht nicht. Wenn die Satzung jedoch Ablösebestimmun-
gen enthält, ist die Entscheidung über die Ablehnung eines Ablöseantrags auf fehler-
freie Ausübung des Ermessens gerichtlich nachprüfbar.
2. Übertragung der Erschließungspflicht auf Dritte
Der Erschließungsvertrag ist seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung der Innen-
entwicklung in den Städten und Gemeinden und weiteren Fortentwicklung des Städte-
baurechts vom 11. Juni 2013 (BGBl. I S. 1548) nicht mehr in § 124 Abs. 1, sondern in
§ 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BauGB geregelt. Damit ist auch eine inhaltliche Änderung ver-
bunden: Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zur Rechtslage vor
Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung der Innenentwicklung in den Städten und Ge-
meinden und weiteren Fortentwicklung des Städtebaurechts durften Kommunen keine
Erschließungsverträge mit Gesellschaften schließen, auf die sie gesellschaftsrechtlich
einen beherrschenden Einfluss hatten. (BVerwG, Urteil vom 1. Dezember 2010 – Az. 9
C 8/09). § 11 Abs. 1 Satz 3 BauGB neue Fassung lässt solche Verträge jetzt ausdrück-

62
lich zu.
Für das Verständnis des § 25 Abs. 2 SächsKAG ändert sich dagegen durch die Ände-
rung des BauGB nichts. § 25 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG bestimmt, dass beitragsfähige
Aufwendungen, die auf Grund von Erschließungsverträgen oder vergleichbaren öffent-
lichrechtlichen Verträgen (zum Beispiel Durchführungsvertrag zu einem Vorhaben- und
Erschließungsplan gemäß § 12 BauGB) von dem jeweiligen Vertragspartner der Ge-
meinde übernommen werden, mit den späteren Beitragsansprüchen zu verrechnen
sind.
Die Verrechnung setzt voraus, dass dem einzelnen beitragspflichtigen Grundstück ein
bestimmter beitragsfähiger Aufwand zugerechnet werden kann. Die Gemeinde hat
grundsätzlich alle für die Beitragskalkulation maßgeblichen Umstände von Amts wegen
zu ermitteln (§ 88 AO). Für die Mitwirkungspflichten der an diesem Verfahren Beteiligten
gilt § 90 AO. Aus Gründen der Verwaltungspraktikabilität wird angeregt, bereits im Er-
schließungsvertrag eine Regelung vorzusehen, die den Erschließungsträger verpflich-
tet, der Gemeinde die beitragsfähigen Aufwendungen nachzuweisen.
Der Beitragspflichtige kann seinen Verrechnungsanspruch auch noch im Widerspruchs-
oder Klageverfahren uneingeschränkt geltend machen. Nach Eintritt der Bestandskraft
des Beitragsbescheides ist eine Änderung und damit eine Berücksichtigung des Ver-
rechnungsanspruchs jedoch nur noch nach den restriktiven Vorschriften der §§ 172 ff.
AO zulässig.
Werden keine Anschlussbeiträge erhoben oder übersteigt der Verrechnungsbetrag den
Beitragsanspruch, ist die Differenz in der Kalkulation der Benutzungsgebühren als Kapi-
talzuschuss zu behandeln (§ 25 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG). Sie wirkt sich also nicht auf
die Abschreibungskosten aus, aber auf die Höhe der kalkulatorischen Zinsen (siehe
unten Ziffer XIII Nr. 1 Buchst. a).
Ein Billigkeitserlass gemäß § 163 oder § 227 AO wegen der vom Erschließungsträger
erbrachten Leistungen ist ausgeschlossen. § 25 Abs. 2 SächsKAG geht den Vorschrif-
ten der AO als insoweit speziellere Regelung vor.
Abschnitt 5 (Beiträge für Verkehrsanlagen)
XXVI. zu § 26 (Erhebungsermächtigung für Beiträge zu Verkehrsanlagen, bei-
tragsfähige Maßnahmen)
Straßenbaubeiträge können für Grundstücke erhoben werden, denen durch eine Ver-
kehrsanlage wirtschaftliche Vorteile vermittelt werden (§ 26 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG).
Der Vorteil muss dem Grundstück also durch die Existenz der Verkehrsanlage vermittelt
werden, nicht durch die Baumaßnahmen, deren Refinanzierung der Beitrag jeweils
dient. Handelt es sich um eine beitragsfähige Maßnahme, bedarf es keines zusätzlichen
Nachweises, dass diese Maßnahme für die Beitragspflichtigen wirtschaftlich vorteilhaft
ist.
1. Anwendungsbereich
Straßenbaubeiträge können zur Finanzierung von Anschaffung, Herstellung und Aus-
bau von Verkehrsanlagen erhoben werden, die in der Baulast einer Gemeinde stehen
(§ 26 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG).
a) Verkehrsanlagen

63
Nach der Legaldefinition in § 26 Abs. 1 Satz 1 sind Verkehrsanlagen „Straßen, Wege
und Plätze“, das heißt öffentliche Straßen im Sinne des SächsStrG (siehe § 2 Abs. 1
SächsStrG). Verkehrsanlagen sind – ebenso wie im Erschließungsbeitragsrecht – die
Anlagen in ihrer gesamten Ausdehnung. Ist keine Abschnittsbildung (§ 27 Abs. 3
SächsKAG; siehe dazu Ziffer XXVII Nr. 2) erfolgt, ist der Aufwand für die gesamte Ver-
kehrsanlage auf alle Anlieger der Verkehrsanlage gleichmäßig umzulegen.
aa) Gemeindeverbindungsstraßen
Gemäß § 26 Abs. 1 Satz 4 SächsKAG können Gemeindeverbindungsstraßen durch
Satzung von der Beitragspflicht ausgenommen werden. Das Ermessen kann nur für alle
Gemeindeverbindungsstraßen einer Gemeinde einheitlich ausgeübt werden.
bb) Wirtschaftswege
§ 26 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG stellt klar, dass auch Wirtschaftswege in der Baulast der
Gemeinde Verkehrsanlagen im Sinne des § 26 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG sind. Das be-
deutet zweierlei:
- Klarstellung, dass auch für gemeindliche Wirtschaftswege Straßenbaubeiträge erho-
ben werden dürfen;
- Straßenbaubeiträge dürfen auch für die erstmalige Herstellung von Wirtschaftswegen
erhoben werden, da das Erschließungsbeitragsrecht eine Beitragserhebung für Wirt-
schaftswege nicht vorsieht.
b) Herstellung
Mit „Herstellung“ meint das Gesetz die erstmalige Herstellung einer Verkehrsanlage.
Grundsätzlich geht hier das Erschließungsbeitragsrecht des Bundes (§§ 127 ff. BauGB)
dem Landesrecht vor. Etwas anderes gilt nur für Wirtschaftswege (siehe oben Buchst. a
Doppelbuchst. bb).
c) Anschaffung
Unter „Anschaffung einer Verkehrsanlage“ ist die Übernahme einer vorhandenen, bis-
her nicht dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Verkehrsanlage von einem (meist priva-
ten) Dritten zu verstehen. Nicht unter den Begriff Anschaffung fällt der Wechsel der
Straßenbaulast.
d) Ausbau
Der Straßenausbau ist wegen des Vorrangs des bundesrechtlichen Erschließungsbei-
tragsrechts der Hauptanwendungsfall des landesrechtlichen Straßenbaubeitragsrechts.
Das Gesetz definiert Ausbau als „Erweiterung, Verbesserung und Erneuerung“ der Ver-
kehrsanlage (§ 26 Abs. 2 SächsKAG).
aa) Erweiterung
Unter „Erweiterung einer Verkehrsanlage“ wird die räumliche Ausdehnung einer Ver-
kehrsanlage oder Teilanlage auf bisher nicht zur Verkehrsanlage oder Teilanlage im
Sinne des § 30 Abs. 2 SächsKAG gehörende Flächen verstanden.
bb) Verbesserung
Eine Ausbaumaßnahme, durch die der Zustand der Verkehrsanlage gegenüber ihrem
ursprünglichen Zustand zum Zeitpunkt der erstmaligen Herstellung in irgendeiner Hin-
sicht (zum Beispiel räumliche Ausdehnung, funktionelle Aufteilung der Gesamtfläche,
Art der Befestigung) derart verändert wird, dass die Verkehrssicherheit oder Leistungs-
fähigkeit der Verkehrsanlage oder einer Teilanlage erhöht wird, stellt eine Verbesserung
dar. Die Verbesserung muss sich stets auf die Benutzungsmöglichkeit der Verkehrsan-

64
lage beziehen. Eine Verbesserung des Wohnumfeldes ist nicht ausschlaggebend. Bei
der Beurteilung, ob eine Verbesserung gegeben ist, sind die einzelnen Teilanlagen für
sich zu betrachten. Werden zum Beispiel in eine Fahrbahn Schikanen eingebaut, be-
deutet dies für eine Fahrbahn keine Verbesserung im beitragsrechtlichen Sinn. Wird
jedoch der Gehweg zu Lasten der Fahrbahn verbreitert, ist die Verbreiterung des Geh-
wegs eine Verbesserung. Eine Kompensation von (verkehrstechnisch verstandener)
Verbesserung oder Verschlechterung findet grundsätzlich nur innerhalb derselben Teil-
anlage, nicht aber zwischen verschiedenen Teilanlagen statt.
Die Beitragsfähigkeit von Verbesserungsmaßnahmen ist unabhängig davon zu bewer-
ten, ob die Beitragserhebung auch zum Zweck der Erneuerung der Verkehrsanlage zu-
lässig wäre. Die Entscheidung für Verbesserungsmaßnahmen darf allerdings nicht
rechtsmissbräuchlich sein (Verbot der „Flucht in die Verbesserung“). Insofern sind je-
doch strenge Maßstäbe anzulegen (vergleiche SächsOVG, Urteil vom 5. April 2006
– Az. 5 B 76/04).
cc) Erneuerung
Unter „Erneuerung“ ist die Ersetzung einer abgenutzten Verkehrsanlage durch eine An-
lage von gleicher räumlicher Ausdehnung, gleicher funktioneller Aufteilung der Fläche
und gleichwertiger Befestigungsart zu verstehen, also eine Maßnahme, durch die eine
nicht mehr (voll) funktionsfähige und deshalb erneuerungsbedürftige Verkehrsanlage in
einen im Wesentlichen der ursprünglichen Anlage vergleichbaren Zustand versetzt wird.
Wesentliche Voraussetzung für die Beitragsfähigkeit einer Erneuerungsmaßnahme, die
sich im Übrigen nicht auf die gesamte Verkehrsanlage erstrecken muss, ist, dass sie
nach einer durch die bestimmungsgemäße Benutzung der Anlage verursachten Abnut-
zung erfolgt ist. Für die Beantwortung der Frage, ob eine Verkehrsanlage in diesem
Sinne abgenutzt und deshalb erneuerungsbedürftig ist, steht der Gemeinde ein an der
üblichen Nutzungsdauer derartiger Anlagen zu orientierender Beurteilungsspielraum zu.
Die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) in Köln hat
in ihrem Bericht 1/1999 „Abschreibungssätze in der Kommunalverwaltung“ veröffent-
licht. Darin sind auch Verkehrsanlagen genannt. Wird eine Erneuerung durch Naturer-
eignisse, Baumängel oder unterlassene Instandsetzungsmaßnahmen vor Ablauf der
gewöhnlichen Nutzungsdauer erforderlich, kann der Aufwand nicht über Beiträge auf
die Anlieger umgelegt werden.
e) Vorrang des BauGB
§ 26 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG stellt ausdrücklich klar, dass Straßenbaubeiträge nur er-
hoben werden können, „soweit das Baugesetzbuch nicht anzuwenden ist“. Das BauGB
schließt in zwei Fällen die Erhebung von Straßenbaubeiträgen aus, nämlich
- wenn für die erstmalige Herstellung von Verkehrsanlagen Erschließungsbeiträge zu
erheben sind (§ 127 Abs. 2 BauGB) und
- wenn Straßenbaumaßnahmen in förmlich festgelegten Sanierungsgebieten durchge-
führt werden (§ 154 Abs. 1 Satz 2 BauGB).
2. Vorteilsbegriff des Straßenbaubeitragsrechts
Anders als im Anschlussbeitragsrecht, wo der dem erschlossenen Grundstück vermittel-
te Vorteil in der durch die Grundstückserschließung erreichten Nutzwertsteigerung der
Grundstücke besteht (siehe oben Ziffer XVIII Nr. 1), wird dem Grundstück im Straßen-
baubeitragsrecht der wirtschaftliche Vorteil
durch die Möglichkeit der Inanspruchnahme
der ausgebauten Verkehrsanlage vermittelt („anlagenbezogener Vorteilsbegriff“;
SächsOVG, Beschluss vom 27. Mai 2003 – Az. 5 BS 48/01 – und Urteil vom 17. Juni

65
2008 – Az. 5 B 514/07). Da der straßenbaubeitragsrechtliche Vorteil also nicht mit der
erhöhten Nutzbarkeit baurechtlich erschlossener Grundstücke begründet wird, können
hier – anders als im Anschlussbeitragsrecht – auch für Außenbereichsgrundstücke Bei-
träge erhoben werden.
Straßenbaumaßnahmen vermitteln Grundstücken, die dem Gemeingebrauch gewidmet
sind (zum Beispiel öffentliche Parkplätze und Grünanlagen), keinen wirtschaftlichen
Vorteil im Sinne des § 26 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG (SächsOVG, Urteil vom 17. Juni
2008 – Az. 5 B 514/07). Grundstücke im Verwaltungsgebrauch (zum Beispiel Verwal-
tungsgebäude) oder im Anstaltsgebrauch (zum Beispiel Schulgebäude) sind dagegen
beitragspflichtig, es sei denn, die Gemeinde ist selbst Eigentümerin oder dinglich Be-
rechtigte. Dann gilt § 30 Abs. 3 in Verbindung mit § 22 Abs. 2 SächsKAG.
XXVII. zu § 27 (Beitragsfähiger Aufwand)
1. Bestimmung des beitragsfähigen Aufwands
§ 27 Abs. 1 SächsKAG definiert für das Straßenbaubeitragsrecht als beitragsfähig den
Aufwand für Anschaffung, Herstellung und Ausbau von Fahrbahnen, Gehwegen, Rad-
wegen und einer Reihe weiterer – nicht abschließend aufgezählter – gemeindlicher An-
lagen.
a) Aufwandsarten
§ 27 Abs. 1 SächsKAG regelt nicht abschließend, welcher Aufwand beitragsfähig ist.
Ausdrücklich als beitragsfähig benannt werden jedoch unter anderem vom Personal des
Beitragsberechtigten erbrachte Werk- und Dienstleistungen. Darunter fällt zum Beispiel
auch die Bauleitung bei Investitionsmaßnahmen. Der Bedienstete muss nicht beson-
ders und nur vorübergehend für diese Aufgabe eingestellt worden sein. Nicht beitrags-
fähig sind dagegen die Personal- und Sachkosten (allgemeiner Verwaltungsaufwand),
die zum Beispiel für die Willensbildung der zuständigen Organe, Ausschreibung,
Vergabe und Abrechnung der Baumaßnahmen entstehen. Soweit § 27 Abs. 1
SächsKAG offen lässt, was zum beitragsfähigen Aufwand zu zählen ist, sind die zum
Erschließungsbeitragsrecht (§ 128 BauGB) entwickelten anerkannten Rechtsgrundsät-
ze entsprechend anzuwenden. Der Beitragsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten
steht nicht entgegen, dass die einzelnen von der Gemeinde aufgenommenen Investiti-
onskredite auf Grund des kommunalhaushaltsrechtlichen Gesamtdeckungsprinzips kei-
nen bestimmten Investitionen zugeordnet werden können. Das Oberverwaltungsgericht
lässt insofern zu, dass – wie im Erschließungsbeitragsrecht – der durchschnittliche
Fremdfinanzierungsanteil und der durchschnittliche Fremdkapitalzins zu Grunde gelegt
werden (SächsOVG, Beschluss vom 25. Juni 2012 – Az. 5 A 218/10).
b) Ausschluss der Beitragsfähigkeit durch Satzung
Da nach der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts in Sachsen keine Pflicht zur
Erhebung von Straßenbaubeiträgen besteht (SächsOVG, Urteile vom 31. Januar 2007
– Az. 5 B 522/06 – und vom 25. April 2007 – Az. 5 B 288/04), ist es auch zulässig, dass
der Satzungsgeber bestimmte Aufwandsarten ausdrücklich von der Beitragsfähigkeit
ausnimmt. So ist es zum Beispiel zulässig, in der Straßenbaubeitragssatzung für ein-
zelne Typen von Verkehrsanlagen Regelbreiten für Fahrbahnen, Gehwege und derglei-
chen mit der Folge festzulegen, dass der Aufwand für Überbreiten nicht in die Beitrags-
bemessung einzubeziehen ist. Der Satzungsgeber kann auch – analog § 128 Abs. 3
Nr. 1 BauGB – festlegen, dass der Aufwand für Brücken, Tunnel und Unterführungen
mit den dazugehörenden Rampen nicht beitragsfähig ist. Schließlich ist es auch zuläs-
sig, gemäß § 128 Abs. 3 Nr. 2 BauGB in Verbindung mit § 27 Abs. 1 Satz 2

66
SächsKAG durch Satzung den Investitionsaufwand für Ortsdurchfahrten für teilweise
beitragsfähig zu erklären.
c) Bauprogramm
Nicht beitragsfähig ist außerdem der Aufwand für Baumaßnahmen, die nicht vom Bau-
programm der Gemeinde umfasst sind. Für jede Straßenbaumaßnahme muss ein Bau-
programm beschlossen werden, das noch bis zur Fertigstellung der Verkehrsanlage
geändert und ergänzt werden kann. Das Straßenbaubeitragsrecht verlangt – im Gegen-
satz zum Erschließungsbeitragsrecht – keine Satzungsregelung (SächsOVG, Urteil vom
2. Februar 2005 – Az. 5 B 510/03).
d) Einheitssätze
An Stelle der Abrechnung nach dem tatsächlich entstandenen Aufwand kann die Stra-
ßenbaubeitragssatzung auch Einheitssätze vorsehen (§ 27 Abs. 2 SächsKAG). Dies
setzt jedoch voraus, dass für die Bestimmung sachgerechter Einheitssätze auf eine
ausreichende und repräsentative Zahl bereits abgerechneter Straßenbaumaßnahmen
zurückgegriffen werden kann. Dieses Verfahren kommt deshalb – mit Ausnahme des
Straßenentwässerungskostenanteils – nur für größere Städte in Betracht.
2. Erschließungseinheit und Abschnittsbildung
§ 27 Abs. 3 SächsKAG lässt die Bildung von Erschließungseinheiten und die Ab-
schnittsbildung zu. Ob von der Möglichkeit der einheitlichen Abrechnung mehrerer Ver-
kehrsanlagen (Erschließungseinheit) oder der Aufteilung einer Verkehrsanlage zur ab-
schnittsweisen Abrechnung (Abschnittsbildung) Gebrauch gemacht werden soll, ist
entweder in der Satzung zu regeln oder im Einzelfall durch Beschluss des Gemeindera-
tes zu entscheiden. Der Beschluss des Gemeinderates ist dann wie eine Satzung öf-
fentlich bekannt zu machen. Ist die Möglichkeit der Abschnittsbildung generell in der
Satzung eröffnet, so ist die jeweilige Entscheidung im Einzelfall kein Akt der Ortsge-
setzgebung, sondern ein Ermessensakt des nach der Hauptsatzung zuständigen Or-
gans (in der Regel des Gemeinderates; siehe SächsOVG, Urteil vom 2. Februar 2005
– Az. 5 B 510/03). In diesen Fällen muss der entsprechende Gemeinderatsbeschluss
nicht öffentlich bekanntgemacht werden.
XXVIII. zu § 28 (Grundsätze der Beitragsbemessung, öffentliches Interesse)
Im Straßenbaubeitragsrecht erfolgt die Beitragskalkulation durch Umlegung des bei-
tragsfähigen Aufwands (§ 27 SächsKAG) auf die Beitragspflichtigen (siehe § 21 in Ver-
bindung mit § 31 SächsKAG) nach einem vorteilsgerechten Beitragsmaßstab (§ 29
SächsKAG). Dabei ist ein „dem Vorteil der Allgemeinheit entsprechender Anteil“ von der
Beitragsschuld abzuziehen (§ 28 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG).
1. Anteil des öffentlichen Interesses
a) Äquivalenzgedanke und Straßenbaubeitragsrecht
Gemeindlicher Straßenbau dient nicht ausschließlich dem Interesse der Anlieger, son-
dern es entsteht auch ein wirtschaftlicher Vorteil für die Allgemeinheit, der nicht auf die
Beitragspflichtigen umzulegen ist („öffentliches Interesse“). Daher hat der kommunale
Straßenbaulastträger einen entsprechenden Anteil der Straßenbaukosten selbst zu tra-
gen. Dieser so genannte Anteil des öffentlichen Interesses ist in der Straßenbaubei-
tragssatzung für alle beitragspflichtigen Straßenbaumaßnahmen – nach Straßentypen
differenziert – als Prozentsatz zu bestimmen. Dies ist notwendig, weil die Straßenbau-
beitragssatzung keine für alle Maßnahmen verbindlichen einheitlichen Beitragssätze
festlegt (siehe § 28 Abs. 1 Satz 3 SächsKAG).

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b) Mindestanteil des öffentlichen Interesses
§ 28 Abs. 2 SächsKAG regelt für bestimmte Typen von Verkehrsanlagen Mindestanteile
des öffentlichen Interesses. Da nach der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts
keine Pflicht zur Erhebung von Straßenbaubeiträgen besteht, ist es den Gemeinden
grundsätzlich erlaubt, von einem höheren Anteil des öffentlichen Interesses auszuge-
hen (SächsOVG, Urteil vom 25. April 2007 – Az. 5 B 288/04), wegen des Vorteilsprin-
zips ist dabei jedoch eine Staffelung der Beitragssätze nach Straßentypen vorzusehen.
Der Satzungsgeber kann außerdem über § 28 Abs. 2 SächsKAG hinaus eine Differen-
zierung des Anteils des öffentlichen Interesses nach weiteren Straßentypen oder Teil-
anlagen vorsehen, so lange der gesetzlich vorgeschriebene Mindestanteil des öffentli-
chen Interesses nicht unterschritten wird, er ist dazu aber nicht – etwa durch das Vor-
teilsprinzip – verpflichtet (SächsOVG, Urteil vom 25. April 2007 – Az. 5 B 288/04 – zu
Teilanlagen im Sinne des § 30 Abs. 2 SächsKAG).
2. Beitragsverzicht
§ 135 Abs. 5 BauGB ist im Straßenbaubeitragsrecht entsprechend anzuwenden
(§ 28 Abs. 2 Satz 2 SächsKAG). Der Erlass und Teilerlass von Beitragsansprüchen ist
zulässig, wenn dies im öffentlichen Interesse oder zur Vermeidung „unbilliger Härten“
erforderlich ist. Der Verzicht kann vor Entstehung der Beitragspflicht erfolgen (Beitrags-
vorausverzicht) oder danach. Im öffentlichen Interesse kann zum Beispiel auf Beiträge
verzichtet werden, um eine Gewerbeansiedlung zu unterstützen.
3. Zuweisungen und Zuschüsse Dritter
Gemäß § 28 Abs. 3 SächsKAG sind gewährte Fördermittel grundsätzlich zunächst auf
den Anteil des öffentlichen Interesses anzurechnen, wirken sich also nur insoweit bei-
tragssenkend aus, wie sie den Anteil des öffentlichen Interesses übersteigen. Der För-
dermittelgeber kann aber in seiner Förderrichtlinie etwas anderes bestimmen.
XXIX. zu § 29 (Maßstäbe für die Beitragsbemessung)
1. Beitragsmaßstab
Beitragsmaßstäbe haben sich im Straßenbaubeitrag an dem den Grundstücken vermit-
telten abstrakten Nutzungsvorteil zu orientieren („anlagenbezogener Vorteilsbegriff“;
siehe SächsOVG, Urteil vom 3. September 2008 – Az. 5 B 289/04). § 29 Abs. 1 Satz 1
SächsKAG zählt einige zulässige Wahrscheinlichkeitsmaßstäbe auf. § 29 Abs. 2
SächsKAG stellt klar, dass der unterschiedliche Grad der baulichen und gewerblichen
Nutzbarkeit bei der Wahl des Beitragsmaßstabs zu berücksichtigen ist. Grundsätzlich
entspricht der Nutzungsflächen- oder Vollgeschossmaßstab (siehe oben Ziffer XVIII
Nr. 2) diesen gesetzlichen Vorgaben und ist daher auch im Straßenbaubeitragsrecht
anwendbar. Eine willkürliche Staffelung der Beitragssätze ist jedoch – ebenso wie im
Anschlussbeitragsrecht – nicht zulässig. So ist es zum Beispiel unzulässig, bei der Staf-
felung der Beitragssätze nach Vollgeschossen mehrere Geschosse zusammenzufassen
(SächsOVG, Urteil vom 3. September 2008 – Az. 5 B 289/04).
Für Wirtschaftswege eignen sich die sonst gebräuchlichen straßenbaubeitragsrechtli-
chen Beitragsmaßstäbe nicht, da grundsätzlich eine bauliche oder sonstige Nutzungs-
möglichkeit der bevorteilten Grundstücke nicht bestehen kann. Das Gesetz nennt des-
halb die Grundstücksfläche und die Grundstücksbreite (Frontmetermaßstab) je für sich
oder in Verbindung miteinander als mögliche Maßstäbe. Soweit durch einen Wirt-
schaftsweg auch baulich oder gewerblich genutzte Grundstücke (Aussiedlerhöfe, Aus-
flugsgaststätten, Steinbrüche, Industrieanlagen und anderes) erschlossen werden, kön-
nen die erhöhten Vorteile für diese Grundstücke durch eine (in der Satzung zu regeln-

68
de) Vervielfachung der im Gesetz genannten Parameter berücksichtigt werden, wenn
nicht § 16 SächsStrG anzuwenden ist.
2. Grundsatz der regionalen Teilbarkeit
„… Während im Erschließungsbeitragsrecht die bundesrechtlichen Rechtsgrundsätze
der Abgabengleichheit und der Vorhersehbarkeit von Abgabenpflichten eine Vollstän-
digkeit der satzungsgemäßen Verteilungsregelung in dem Sinne erfordern, dass sie
eine annähernd vorteilsgerechte Verteilung des umlagefähigen Erschließungsaufwands
in allen Gebieten ermöglicht, die in der betreffenden Gemeinde im Zeitpunkt des Erlas-
ses der Satzung vorhanden sind, oder deren Entstehen aufgrund konkreter Anhalts-
punkte zu erwarten ist (Grundsatz der konkreten Vollständigkeit), kommt es im Ausbau-
beitragsrecht für die Beantwortung der Frage, ob eine Verteilungsregelung geeignet ist,
in einem bestimmten Fall eine Beitragspflicht entstehen zu lassen, nicht auf die Verhält-
nisse in der gesamten Gemeinde, sondern auf die Verhältnisse in dem jeweils in Rede
stehenden Abrechnungsgebiet an“ (SächsOVG, Urteil vom 3. September 2008 – Az. 5 B
289/04).
Eine Straßenbaubeitragssatzung ist also nur dann nichtig oder teilnichtig, wenn die Bei-
tragsbemessungsregelungen für alle denkbaren Fallgestaltungen gegen höherrangiges
Recht verstoßen. Unabhängig von der Wirksamkeit der Satzung ist die Beitragserhe-
bung für eine bestimmte Verkehrsanlage rechtswidrig, wenn die Satzung keine für die-
sen Fall ausreichenden, mit höherrangigem Recht vereinbaren Regelungen zur Bei-
tragsbemessung („Verteilungsregelungen“) enthält.
3. Teilflächenabgrenzung
§ 29 Abs. 3 SächsKAG ordnet – außer für Wirtschaftswege – die entsprechende An-
wendbarkeit des § 19 Abs. 1 SächsKAG im Straßenbaubeitragsrecht an. Entsprechen-
de Anwendung bedeutet hier vor allem, dass § 19 Abs. 1 SächsKAG vor dem Hinter-
grund des anlagenbezogenen Vorteilsbegriffs im Straßenbaubeitragsrecht anders zu
verstehen ist als im Anschlussbeitragsrecht:
Da im Straßenbaubeitragsrecht auch für Außenbereichsflächen die nicht baulich oder
gewerblich genutzt werden, Beiträge zu entrichten sind (siehe Ziffer XXVI Nr. 2), kön-
nen abzugrenzende Außenbereichsflächen nicht beitragsfrei gestellt werden. Für sie
gelten vielmehr die für Außenbereichsgrundstücke festgesetzten Beitragsmaßstäbe
(SächsOVG, Urteil vom 9. Mai 2012 – Az. 5 A 208/09 – und Beschluss vom 25. Juni
2012 – Az. 5 A 218/10).
XXX. zu § 30 (Entstehung der Beitragsschuld, Verrentung)
1. Entstehung der sachlichen Beitragspflicht
Im Straßenbaubeitragsrecht entsteht die sachliche Beitragspflicht, sobald die Verkehrs-
anlage fertig gestellt und eine wirksame Straßenbaubeitragssatzung erlassen ist (§ 30
Abs. 1 SächsKAG). Soweit keine Einheitssätze (siehe oben Ziffer XXVII Nr. 1 Buchst. d)
gelten, ist die Verkehrsanlage erst dann im Sinne des § 30 Abs. 1 SächsKAG fertigge-
stellt, wenn der Gemeinde die letzte Unternehmerrechnung vorliegt (siehe SächsOVG,
Urteil vom 2. Februar 2005 – Az. 5 B 510/03). Die Fertigstellung setzt außerdem die
Abnahme voraus. Die Abnahme orientiert sich am Bauprogramm und am darin festge-
legten Ausbaustandard.
Im Übrigen gilt grundsätzlich dasselbe wie im Anschlussbeitragsrecht für Erstbeiträge
(siehe oben Ziffer XXII Nr. 1 Buchst. a Doppelbuchst. aa und Buchst. b): Der Beitrags-
anspruch entsteht auch dann, wenn eine wirksame Beitragssatzung erst nach Fertig-

69
stellung der Verkehrsanlage erlassen wird (SächsOVG, Urteil vom 2. Februar 2005
– Az. 5 B 510/03) und eine einmal wirksam entstandene Beitragsschuld bleibt unverän-
derlich bestehen.
2. Kostenspaltung
§ 30 Abs. 2 SächsKAG lässt die so genannte Kostenspaltung zu, das heißt dass Beiträ-
ge jeweils getrennt für Teile der Verkehrsanlagen (zum Beispiel Fahrbahn, Fußweg,
Straßenbeleuchtung) erhoben werden können. Ob von dieser Möglichkeit Gebrauch
gemacht werden soll, ist entweder in der Satzung zu regeln oder im Einzelfall durch Be-
schluss des Gemeinderates zu entscheiden. Insofern gelten dieselben Grundsätze wie
bei der Bildung von Erschließungseinheiten und der Abschnittsbildung (siehe oben Zif-
fer XXVII Nr. 2).
3. Verrechnung, Verrentung, Entstehung in Raten
§ 30 Abs. 3 SächsKAG ordnet die entsprechende Anwendbarkeit der anschlussbei-
tragsrechtlichen Vorschriften zur Verrechnung von Beiträgen für Grundstücke, die im
Eigentum des Beitragsberechtigten stehen (§ 22 Abs. 2 SächsKAG), zur ratenweisen
Entstehung von Beitragspflichten (§ 22 Abs. 3 SächsKAG) und zur Verrentung der Bei-
tragspflicht (§ 22 Abs. 4 SächsKAG) an (siehe Ziffer XXII Nrn. 2 bis 4).
XXXI. zu § 31 (Beitragsschuldner, Vorauszahlungen, öffentliche Last, Ablösung)
§ 31 SächsKAG ordnet die entsprechende Anwendbarkeit anschlussbeitragsrechtlicher
Vorschriften zur Beitragsschuldnerschaft (§ 21 SächsKAG), zur Beitragsvorauszahlung
(§ 23 SächsKAG mit Ausnahme von Absatz 2 Satz 3), zur Öffentlichen Last (§ 24
SächsKAG) sowie zur Ablösung der Beitragspflicht (§ 25 Abs. 1 SächsKAG) an
(siehe oben Ziffern XXI und XXIII bis XXV).
XXXII. zu § 32 (Besondere Wegebeiträge)
Die Vorschrift des § 32 SächsKAG hat nur einen sehr eingeschränkten Anwendungsbe-
reich, da gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 4a SächsStrG auch Feld- und Waldwege, die zu bauli-
chen Anlagen im Außenbereich führen, zu den öffentlichen Straßen gehören, wenn sie
nicht nur den Verkehrsbedürfnissen einzelner Grundstückseigentümer dienen. § 32
Abs. 1 SächsKAG ist also nur auf solche Straßen und Wege anwendbar, die die Vo-
raussetzungen des SächsStrG für eine Widmung zur öffentlichen Straße nicht erfüllen.
Die Gemeinde hat ein Wahlrecht, ob sie den Grundstückseigentümer oder den Unter-
nehmer, falls dieser nicht zugleich auch Grundstückseigentümer ist, zu dem besonde-
ren Beitrag heranziehen will. Nach § 2 Abs. 1 SächsKAG muss der Beitragsschuldner in
der Satzung bestimmt werden. Die Gemeinde hat daher in der Satzung zu regeln, ob
sie generell den Grundstückseigentümer beziehungsweise den Erbbauberechtigten
oder sonst dinglich zur baulichen Nutzung Berechtigten zum Beitragsschuldner machen
will oder ob sie für den Fall, dass ein Unternehmer nicht zugleich Eigentümer, Erbbau-
berechtigter oder sonst dinglich zur baulichen Nutzung Berechtigter ist, diesen zum Bei-
trag heranziehen will.
Abschnitt 6 (Aufwandsersatz und sonstige Abgaben)
XXXIII. zu § 33 (Ersatz des Aufwandes für Haus- und Grundstücksanschlüsse)
An Stelle der Refinanzierung über Gebühren und Beiträge eröffnet § 33 SächsKAG in
Anlehnung an § 10 Abs. 4 der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Ver-

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sorgung mit Wasser (AVBWasserV) vom 20. Juni 1980 (BGBl. I S. 750, 1067), die zu-
letzt durch Artikel 3 des Gesetzes vom 21. Januar 2013 (BGBl. I S. 91, 93) geändert
worden ist, die Möglichkeit, den Aufwand für die Haus- oder Grundstücksanschlüsse als
gesonderten Aufwandsersatz zu erheben. § 33 SächsKAG geht dabei über § 10 Abs. 4
AVBWasserV hinaus, indem er den gesonderten Ersatz des Aufwandes auch für In-
standhaltung, Erneuerung und Beseitigung dieser Anschlüsse zulässt.
1. Haus- und Grundstücksanschlüsse
§ 33 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG unterscheidet zwischen Hausanschlüssen und Grund-
stücksanschlüssen. Hier sind ausschließlich die vom kommunalen Einrichtungsträger
errichteten Leitungen gemeint. Auf die privaten Leitungen, die an das öffentliche Lei-
tungsnetz anschließen, ist § 33 SächsKAG nicht anzuwenden. Diese sind in privater
Verantwortung zu errichten und zu finanzieren. Als Hausanschluss wird üblicherweise
eine öffentliche Anschlussleitung bezeichnet, die bis zum anzuschließenden Gebäude
reicht. Er umfasst also auch die Leitungsstrecke innerhalb des Grundstückes. Hausan-
schlüsse sind insbesondere bei den Versorgungseinrichtungen gebräuchlich. Mit
Grundstücksanschluss ist dagegen eine öffentliche Anschlussleitung gemeint, die an
der Grundstücksgrenze endet. Der Grundstücksanschluss endet in der Regel in einem
Kontrollschacht an der Grundstücksgrenze und ist typisch für die Abwasserbeseitigung.
2. Anspruchsvoraussetzungen und -inhalt
Aufwandsersatz kann nur verlangt werden, wenn der Anschlussnehmer die Maßnahme
zu vertreten hat oder ihm Vorteile daraus erwachsen. Wird zum Beispiel die Verlegung
einer Leitung wegen einer geänderten Straßenführung erforderlich und war die Nut-
zungsdauer der bestehenden Anschlussleitung noch nicht abgelaufen, kann vom An-
schlussnehmer nur der Teil des Aufwandes gefordert werden, der der durch die Maß-
nahme verlängerten Nutzungsdauer entspricht.
3. Satzungsregelung
Der Aufwandsersatz ist zwar keine Abgabe im üblichen Sinne, wird in § 1 Abs. 2
SächsKAG jedoch als Kommunalabgabe definiert. Daher gilt der Satzungsvorbehalt des
§ 2 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG auch für Aufwendungsersatzansprüche gemäß § 33
SächsKAG. Grundsätzlich muss die Satzung daher auch für Aufwendungsersatzan-
sprüche die Mindestregelungen gemäß § 2 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG enthalten. Einen
Abgabensatz muss sie allerdings nur bestimmen, wenn die Erstattung nach Ein-
heitssätzen erfolgen soll (gemäß § 33 Abs. 1 Satz 3 SächsKAG). Die Satzung hat u.a.
den Erstattungsschuldner zu bestimmen. Als Erstattungspflichtige kommen nur die
Grundstückseigentümer oder ersatzweise die dinglich zur baulichen Nutzung Berechtig-
ten in Betracht, da nur sie durch den Grundstücksanschluss wirtschaftlich begünstigt
sind.
Außerdem kann die Gemeinde auch bestimmte Modalitäten der Ermittlung des erstat-
tungsfähigen Aufwands regeln. So kann die Aufwandserstattung auf Mehrfachanschlüs-
se beschränkt werden (§ 33 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG) oder der erstattungsfähige Auf-
wand kann nach Einheitssätzen ermittelt werden (§ 33 Abs. 1 Satz 3 und 4 SächsKAG).
Schließlich darf für die Zuordnung des Aufwands auf die einzelnen Erstattungsschuld-
ner fingiert werden, dass die in der Straße verlegten Wasser- oder Abwasserleitungen
in der Straßenmitte verlaufen (§ 33 Abs. 1 Satz 5 SächsKAG).
4. Entstehen des Erstattungsanspruchs
Der Ersatzanspruch entsteht gemäß § 33 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG mit der betriebsbe-
reiten Herstellung der öffentlichen Anschlussleitung. Die Gemeinde kann die Herstel-
lung der Anschlussleitung von einer angemessenen Vorauszahlung abhängig machen,

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wenn die Satzung dies ausdrücklich vorsieht (§ 33 Abs. 2 Satz 3 SächsKAG). Wird der
Aufwand pauschal nach Einheitssätzen ermittelt, sind für gemeindeeigene Grundstücke
entsprechend § 22 Abs. 2 SächsKAG Verrechnungen vorzunehmen (§ 33 Abs. 2 Satz 2
SächsKAG). Der Erstattungsanspruch wird durch Leistungsbescheid geltend gemacht.
Rechtsmittel gegen den Leistungsbescheid haben keine aufschiebende Wirkung
(VG Dresden, Beschluss vom 22. Januar 1996 – Az. 7 K 2891/95 – und VG Chemnitz,
Beschluss vom 21. Oktober 1998 – Az. 1 K 851/98).
XXXIV. zu § 34 (Kurtaxe)
Gemäß § 34 Abs. 1 SächsKAG kann eine Gemeinde zur Finanzierung ihrer touristi-
schen Infrastruktur und entsprechender Veranstaltungen Kurtaxe erheben.
Die Kurtax-Einnahmen sind haushaltsrechtlich für diese Zwecke gebunden (vergleiche
§ 19 SächsKomHVO-Doppik), stellen also keine allgemeinen Deckungsmittel dar
(siehe § 34 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG).
1. Anwendungsbereich
Die förmliche Anerkennung als Kur- oder Erholungsort ist keine Bedingung für die Er-
hebung einer Kurtaxe. „Sonstige Fremdenverkehrsgemeinde“ kann grundsätzlich jede
Gemeinde sein. Voraussetzung für die Erhebung von Kurtaxe ist allerdings, dass ein
Leistungsangebot gemäß § 34 Abs. 2 Satz 1 SächsKAG besteht und entsprechende
kurtaxfähige Kosten im Sinne des § 34 Abs. 1 SächsKAG entstehen.
2. Abgabenschuldner
§ 34 Abs. 2 Sätze 2 und 3 SächsKAG bestimmen den kurtaxpflichtigen Personenkreis.
Dieser umfasst alle Personen, die in der Gemeinde vorübergehend Unterkunft nehmen,
ohne Einwohner zu sein und ohne dort einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu haben.
Daneben sind auch Einwohner kurtaxpflichtig, die den Schwerpunkt ihrer Lebensbezie-
hungen nicht in der Gemeinde haben. Die Regelung erfasst insbesondere Zweitwoh-
nungsinhaber. Der Gemeinde wird insoweit ein Ermessen eingeräumt, als sie durch
Satzung bestimmen kann, dass auch solche Personen der Kurtaxpflicht unterliegen, die
in Einrichtungen zu Heil- oder Kurzwecken betreut werden, ohne selbst in der Gemein-
de Unterkunft zu nehmen.
Die Gemeinde kann auch Befreiungs- und Ermäßigungstatbestände in die Satzung auf-
nehmen (§ 34 Abs. 2 Satz 4 SächsKAG). Als Befreiungstatbestände kommen zum Bei-
spiel in Betracht beruflicher Aufenthalt, Familienbesuche, Kleinkinder und Bettlägerige.
Ermäßigungen können zum Beispiel Teilnehmern an Schullandheimaufenthalten, Ju-
gendherbergsbesuchern, Tagungsteilnehmern, Behinderten, Begleitpersonen von Be-
hinderten, Familien und sozial Schwachen eingeräumt werden.
3. Erhebungsvoraussetzungen
Die Kurtaxe darf erhoben werden, um gemeindliche Fremdenverkehrseinrichtungen und
-anlagen sowie dem Fremdenverkehr dienende Veranstaltungen zu finanzieren. Da dies
auch über die Fremdenverkehrsabgabe (§ 35 SächsKAG) möglich ist, ist bei der Kalku-
lation darauf zu achten, dass die Einnahmen aus den beiden Abgaben zu keiner Überfi-
nanzierung der Einrichtungen führt. Ebenso wie bei der Fremdenverkehrsabgabe (siehe
unten Ziffer XXXV) ist bei der Kalkulation der Kurtaxe von der Kostenmasse ein ange-
messener kommunaler Eigenanteil abzuziehen.
Zu den „zu Heil-, Kur- oder sonstigen Fremdenverkehrszwecken bereitgestellten Ein-
richtungen und Anlagen“ gemäß § 34 Absatz 1 Satz 1 SächsKAG gehören neben Kur-

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häusern, Kurparks, Lese- und Schreibsälen, Badeeinrichtungen und Trinkhallen bei-
spielsweise auch Wanderwege, Kurwege, Skiloipen, Liegewiesen, Kurkonzerte, Hei-
matabende und Wanderveranstaltungen.
Eine funktionale Privatisierung ist unter denselben Bedingungen möglich wie im Benut-
zungsgebühren- und Anschlussbeitragsrecht (siehe oben Ziffer IV und Ziffer XI Nr. 3):
Die Gemeinde muss nicht Eigentümerin der Einrichtungen oder Anlagen sein, so lange
diese nur dem öffentlichen Gebrauch gewidmet sind. Voraussetzung ist außerdem,
dass sie sich auf eine von ihr beauftragte Betreibergesellschaft einen so weit gehenden
Einfluss sichert, dass noch von einer öffentlichen Einrichtung gesprochen werden kann.
Erhebungsberechtigt ist nicht das Unternehmen, sondern immer nur die Gemeinde. Das
Aufkommen aus der Kurtaxe kann dem Unternehmen ganz oder teilweise (von der Ge-
meinde) überlassen werden.
4. Erhebungsmodalitäten
Die Erhebung der Kurtaxe kann auf bestimmte Teile des Gemeindegebietes (Ortsteile)
oder auf bestimmte Zeiten (Saison) beschränkt werden. Die Kurtaxe kann in einzelnen
Teilen des Gemeindegebietes oder zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlicher
Höhe festgesetzt werden. Eine Beschränkung auf den Kernort kann zum Beispiel in
Frage kommen, wenn touristisch nutzbare Einrichtungen und Anlagen nur dort vorhan-
den sind. Bei einem geringeren Angebot oder in Ansehung der Entfernung zum Kernort
kann stattdessen jedoch auch eine Staffelung der Kurtaxsätze in Betracht kommen.
Die Kurtaxe gibt es üblicherweise als Zwangskurtaxe und als Entgeltkurtaxe. Die
Zwangskurtaxe wird in der Regel nach Tagessätzen erhoben (vergleiche § 34 Abs. 2
Satz 5 SächsKAG). Für Zweitwohnungsinhaber ist die Jahrespauschalkurtaxe ge-
bräuchlich. Diese kann auch so ausgestaltet werden, dass die Pauschale die Kurtaxe
für alle Benutzer einer bestimmten Wohnung abgilt. Die Erhebung einer Zweitwoh-
nungssteuer schließt die Erhebung der pauschalierten Kurtaxe für Zweitwohnungen
nicht aus. Das SächsKAG sieht eine Entgeltkurtaxe, also die Erhebung einer Kurtaxe
von Tagesgästen, nicht vor (Ausnahme: § 34 Abs. 2 Satz 3 SächsKAG). Das Gesetz
stellt ausdrücklich klar, dass trotz Erhebung von Kurtaxe Benutzungsgebühren erhoben
werden dürfen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen (siehe § 34 Abs. 2
Satz 6 SächsKAG).
5. Staatsbäder
§ 34 Abs. 1 SächsKAG gilt grundsätzlich auch für Gemeinden mit Staatsbädern, so
dass die betroffenen Gemeinden eine eigene Kurtaxe auch dann erheben können,
wenn die Sächsische Staatsbäder GmbH für die Finanzierung ihrer Einrichtungen und
Veranstaltungen eine Kurtaxe gemäß § 28 Abs. 2 SächsVwKG erhebt. § 34 Abs. 4
SächsKAG eröffnet außerdem die Möglichkeit, dass die Gemeinde stattdessen an der
staatlichen Kurtaxe partizipiert, sofern die Voraussetzungen des § 34 SächsKAG gege-
ben sind und eine entsprechende Einigung mit der Sächsische Staatsbäder GmbH er-
zielt wird.
6. Straf- und Bußgeldvorschriften
§ 34 Abs. 5 SächsKAG erklärt zum Zweck der Verfahrensvereinheitlichung an Stelle der
§§ 5 und 6 SächsKAG die für die staatliche Kurtaxe geltenden Bestimmungen des
SächsVwKG bezüglich der Verfolgung von Zuwiderhandlungen gegen abgabenrechtli-
che Pflichten (siehe zum Beispiel § 26 in Verbindung mit § 28 Abs. 7 SächsVwKG) für
anwendbar.

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XXXV. zu § 35 (Fremdenverkehrsabgabe)
Neben der Kurtaxe können Gemeinden auch eine Fremdenverkehrsabgabe erheben
(§ 35 SächsKAG). Sie dient ganz allgemein der Finanzierung der „Fremdenverkehrsför-
derung“ und ist von den Gewerbetreibenden zu erheben, die wirtschaftlich vom Frem-
denverkehr profitieren.
Der Anwendungsbereich ist etwas weiter gefasst als bei der Kurtaxe. Er umfasst aber
im Wesentlichen denselben Aufwand. Hinzu kommen insbesondere die Kosten der
Fremdenverkehrswerbung. Nach der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts ist
von den fremdenverkehrsabgabefähigen Kosten jeweils ein „kommunaler Eigenanteil“
abzuziehen, da Fremdenverkehrseinrichtungen regelmäßig auch der Allgemeinheit zu
Gute kommen. Dieser Eigenanteil kann für die verschiedenen Einrichtungen und Anla-
gen unterschiedlich ausfallen (SächsOVG, Urteil vom 29. Januar 2003 – Az. 5 D 11/01).
Auch die Einnahmen aus der Fremdenverkehrsabgabe sind haushaltsrechtlich zweck-
gebunden (siehe § 35 Abs. 1 Satz 3 SächsKAG).
1. Abgabenschuldner
Eine Fremdenverkehrsabgabe kann von natürlichen oder juristischen Personen und
Personenvereinigungen erhoben werden (§ 35 Abs. 1 Satz 1 SächsKAG), die durch den
Fremdenverkehr – unmittelbar oder mittelbar – erwerbswirtschaftliche Vorteile haben.
Auch Körperschaften des öffentlichen Rechts fallen unter diese Regelung, soweit sie in
Konkurrenz zu privatwirtschaftlich nach Gewinn strebenden Betrieben treten. Auswärti-
ge Personen oder Unternehmen werden zur Fremdenverkehrsabgabe herangezogen,
sofern sie in der Fremdenverkehrsgemeinde eine Betriebsstätte gemäß § 12 AO unter-
halten (§ 35 Abs. 1 Satz 2 SächsKAG).
Unmittelbare Vorteile hat derjenige, der direkt mit Fremden Geschäfte macht, zum Bei-
spiel der Beherbergungsbetrieb, der Gastwirt, der Zahnarzt, der Taxiunternehmer. Mit-
telbare Vorteile aus dem Fremdenverkehr zieht zum Beispiel der Getränkelieferant, der
ein Hotel beliefert, oder der Bauunternehmer, der am Bau eines Hotels mitwirkt, der
Steuerberater, der Geschäftsleute berät, die vom Fremdenverkehr profitieren, aber
auch Ärzte und Zahnärzte (SächsOVG, Urteil vom 29. Januar 2003 – Az. 5 D 11/01).
2. Abgabengläubiger
Hebeberechtigt sind – wie bei der Kurtaxe – die anerkannten Kur- oder Erholungsorte,
aber auch sonstige, nicht anerkannte Fremdenverkehrsgemeinden. Insoweit gilt dassel-
be wie im Recht der Kurtaxe (siehe oben Ziffer XXXIV Nr. 1).
3. Abgabenmaßstab
Der Maßstab, nach dem der gemeindliche Aufwand für die Fremdenverkehrsförderung
auf die Abgabepflichtigen umgelegt wird, muss die unterschiedlichen „besonderen wirt-
schaftlichen Vorteile“ der Abgabepflichtigen widerspiegeln (§ 35 Abs. 2 Satz 1
SächsKAG). Unter „besonderen“ wirtschaftlichen Vorteilen sind die erhöhten Verdienst-
oder Gewinnmöglichkeiten zu verstehen, die bestimmte Berufsgruppen typischerweise
aus dem Fremdenverkehr haben oder haben können. Der Abgabenmaßstab muss also
nach Berufsgruppen differenzieren. Dabei ist es grundsätzlich zulässig, verschiedene
Gewerbe zu „Vorteilsgruppen“ mit einheitlichem Abgabenmaßstab zusammenzufassen.
Allgemein wird angenommen, dass den Gemeinden insofern ein weiter Ermessens-
spielraum zusteht. Die Vorteilsgruppenbildung muss die jeweiligen örtlichen Verhältnis-
se berücksichtigen. Allgemeine Aussagen dazu, wie pauschal die Vorteilsgruppenbil-
dung erfolgen darf, sind daher nicht möglich.

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Als Abgabenmaßstab kommen der Gewerbesteuermessbetrag, die durch den Frem-
denverkehr bedingten Mehreinnahmen (unter Rückgriff auf die in den Richtsatzsamm-
lungen der Oberfinanzdirektionen ausgewiesenen branchendurchschnittlichen Anteile),
die anteiligen Reineinnahmen und der steuerliche Gewinn in Betracht. Die Gemeinde
hat den Abgabenmaßstab in der Satzung festzulegen. Ist generell davon auszugehen,
dass in bestimmten Teilen des Gemeindegebiets kein oder wenig Fremdenverkehr
stattfindet, muss die Satzung eine entsprechende Differenzierung des Abgabenmaß-
stabs vorsehen (SächsOVG, Urteil vom 29. Januar 2003 – Az. 5 D 11/01).
4. Schätzung der Bemessungsgrundlagen
Ist die Gemeinde für die Festsetzung der Fremdenverkehrsabgabe auf Informationen
des Abgabepflichtigen angewiesen – also wenn die Höhe der Abgabe beispielsweise
von dem Umsatz oder Gewinn abhängt, den er erzielt hat –, kann die Satzung eine ent-
sprechende Auskunftspflicht begründen. Wird die Erklärung nicht fristgerecht abgege-
ben oder ist sie nicht aussagekräftig, kann die Bemessungsgrundlage auch geschätzt
werden (§ 162 AO).
XXXVI. zu § 36 (Sonstige öffentlich-rechtliche Abgaben und Umlagen)
§ 36 SächsKAG ordnet für kommunale Abgaben, die keine Kommunalabgaben gemäß
§ 1 SächsKAG sind sowie für kommunale Umlagen die entsprechende Anwendung der
§§ 3 und 3a Abs. 1 und 2 sowie §§ 5 und 6 SächsKAG an. Die wesentliche Bedeutung
der Vorschrift besteht darin, dass sie den Anwendungsbereich des kommunalabgaben-
rechtlichen Verwaltungsverfahrensrechts (§§ 3 und 3a SächsKAG) auf sonstige kom-
munale Abgaben und Umlagen ausweitet, soweit keine anderweitigen spezialgesetzli-
chen Regelungen getroffen wurden.
§ 36 SächsKAG ist anzuwenden auf Umlagen nach dem SächsKomZG, auf die
Kreisumlage gemäß § 26 des Gesetzes über den Finanzausgleich mit den Gemeinden
und Landkreisen im Freistaat Sachsen (Sächsisches Finanzausgleichsgesetz
– SächsFAG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Januar 2013 (SächsGVBl.
S. 95), die Umlage des Kommunalen Versorgungsverbandes und Kammerbeiträge.
Auch für Sondernutzungsgebühren nach § 21 SächsStrG oder die Sonderabgabe zur
Stellplatzablösung gemäß § 49 Abs. 2 SächsBO gelten mangels besonderer gesetzli-
cher Regelungen aufgrund von § 36 SächsKAG die Vorschriften der Abgabenordnung
nach Maßgabe der §§ 3 und 3a SächsKAG sinngemäß. Dasselbe gilt für das Erschlie-
ßungsbeitragsrecht (§§ 127 ff. BauGB) da das Baugesetzbuch insofern keine Verfah-
rensvorschriften enthält.
Auf kommunale Verwaltungsgebühren sind die §§ 3 und 3a SächsKAG dagegen nicht
anzuwenden, da das SächsVwKG eigene Regelungen enthält, die § 36 SächsKAG vor-
gehen.
Die Anwendbarkeit des kommunalabgabenrechtlichen Verwaltungsverfahrensrechts auf
kommunale Umlagen bedeutet unter anderem, dass eine gesetzliche Pflicht besteht,
nach dem Gesetz entstandene Ansprüche auf Zahlung von Zweckverbands- und
Kreisumlagen geltend zu machen (§ 36 in Verbindung mit § 3 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. a
SächsKAG in Verbindung mit § 85 AO).
Abschnitt 7 (Übergangs- und Schlussbestimmungen)
XXXVII. zu §§ 37 bis 39a

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Zu den §§ 37, 39 und 40 wird auf die Hinweise des Sächsischen Staatsministeriums
des
Innern
zur
Anwendung
des
Sächsischen
Kommunalabgabengesetzes
(AnwHiSächsKAG) vom 5. Mai 1994 (SächsABl. S. 842) verwiesen.
§ 38 SächsKAG ermöglicht zum Beispiel, durch Satzung gemäß § 2 SächsKAG Zutritts-
rechte zu Grundstücken für Beauftragte des Einrichtungsträgers zu regeln. Für Woh-
nungen gilt das nicht, da Wohnungen gegen den Willen des Wohnungsinhabers nur
aufgrund richterlicher Anordnung betreten werden dürfen.
Gemäß § 39a SächsKAG waren vor der KAG-Novelle 2004 ergangene kommunalabga-
benrechtliche Satzungen erforderlichenfalls bis zum 1. Januar 2006 an die neue
Rechtslage anzupassen. Soweit dies nicht geschehen ist, sind nicht angepasste Sat-
zungen seit dem 1. Januar 2006 zumindest teilnichtig.
Dresden, den 12. August 2014
Sächsisches Staatsministerium des Innern
Christian
Referatsleiter