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Bürgergutachten
in Battenberg (Eder) und Erlbach im Vogtland
im Rahmen der hessisch-sächsischen
Demographie-Partnerschaft

empirica
Forschung und Beratung
Kurfürstendamm 234
10719 Berlin
Tel. (030) 88 47 95-0
Fax (030) 88 47 95-17
www.empirica-institut.de
berlin@empirica-institut.de
Druck: Hessisches Statistisches
Landesamt, Wiesbaden
Bürgergutachten
in Battenberg (Eder) und Erlbach im Vogtland
im Rahmen der hessisch-sächsischen
Demographie-Partnerschaft
im Auftrag der
Hessischen Staatskanzlei,
des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft
und der Sächsischen Staatskanzlei
Stand: Juni 2008

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
empirica
Inhaltsverzeichnis
Grußwort
1
1.
Hintergrund und Ziel des Bürgergutachtens
3
2.
Verfahren und Ablauf des Bürgergutachtens
4
2.1
Verfahren
4
2.2
Ablauf der Diskussion in den Planungszellen
8
2.3
Teilnehmerstatistik
11
3.
Überblick über die Rahmenbedingungen vor Ort
13
3.1
Eckdaten von Erlbach und Battenberg im Vergleich
13
3.2
Erlbach im Vogtland
16
3.3
Battenberg (Eder)
21
4.
Herausforderungen für die gemeindliche Entwicklung im Vergleich
26
5.
Ergebnisse der Diskussion in den Planungszellen
29
5.1
Erlbach
29
5.1.1 Stärken und Schwächen
29
5.1.2 Zentrale Herausforderungen für die gemeindliche Entwicklung
30
5.1.3 Lösungsansätze und Projektideen
38
5.2
Battenberg
44
5.2.1 Stärken und Schwächen
44
5.2.2 Zentrale Herausforderungen
45
5.2.3 Lösungsansätze und Projektideen
52
6.
Zentrale Ergebnisse aus den Bürgergutachten im Vergleich
59
7.
Resumée und weiteres Vorgehen
61
Anlagen
66
7.1
Einladungsschreiben
66
7.2
Informationsblätter
70
7.3
Teilnehmer der Expertenrunden
72
7.4
Gute Beispiele im Umgang mit dem demographischen Wandels
73
7.5
Presseberichte (Auswahl)
77

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
empirica
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1:
TEILNAHME- UND INTERESSENBEKUNDUNGEN
7
ABBILDUNG 2:
ARBEITSPROGRAMM
9
ABBILDUNG 3:
LAGE VON ERLBACH UND BATTENBERG IN DEUTSCHLAND
14
ABBILDUNG 4:
ENTFERNUNGEN UND WEGEZEITEN IN ERLBACH UND BATTENBERG
15
ABBILDUNG 5:
BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN ERLBACH (1990-2006)
17
ABBILDUNG 6:
ZU- UND FORTZÜGE ERLBACH (1996-2006)
17
ABBILDUNG 7:
NATÜRLICHE UND RÄUMLICHE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG (1996-2006)
18
ABBILDUNG 8:
ENTWICKLUNG DER ALTERSSTRUKTUR IN ERLBACH (1990-2006)
18
ABBILDUNG 9:
BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN BATTENBERG (1996-2006)
21
ABBILDUNG 10:
ZU- UND FORTZÜGE BATTENBERG (1996-2006)
22
ABBILDUNG 11:
NATÜRLICHE UND RÄUMLICHE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG (1996-2006)
22
ABBILDUNG 12:
ENTWICKLUNG DER ALTERSSTRUKTUR (1990-2006)
23
ABBILDUNG 13:
ÜBERBLICK ÜBER DAS WEITERE VORGEHEN IN ERLBACH UND BATTENBERG
65

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
empirica
Tabellenverzeichnis
TABELLE 1:
TEILNEHMERSTATISTIK DER PLANUNGSZELLEN IN ERLBACH UND
BATTENBERG
12
TABELLE 2:
ERLBACH UND BATTENBERG IM ÜBERBLICK
14
TABELLE 3:
ZENTRALE HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE ENTWICKLUNG VON ERLBACH
UND BATTENBERG
28
TABELLE 4:
ERLBACH: POSITIVE UND NEGATIVE MERKMALE AUS SICHT DER EXPERTEN
UND BÜRGERGUTACHER
30
TABELLE 5:
ERLBACH: ZENTRALE HERAUSFORDERUNGEN AUS SICHT DER
BÜRGERGUTACHTER
37
TABELLE 6:
ERLBACH: ZENTRALE HERAUSFORDERUNGEN AUS SICHT DER EXPERTEN
38
TABELLE 7:
ERLBACH: PROJEKTIDEEN DER BÜRGERGUTACHTER
42
TABELLE 8:
BATTENBERG: POSITIVE UND NEGATIVE MERKMALE AUS SICHT DER
EXPERTEN UND BÜRGERGUTACHER
45
TABELLE 9:
BATTENBERG: ZENTRALE HERAUSFORDERUNGEN AUS SICHT DER
BÜRGERGUTACHTER
51
TABELLE 10:
BATTENBERG: ZENTRALE HERAUSFORDERUNGEN AUS SICHT DER EXPERTEN
52
TABELLE 11:
BATTENBERG: PROJEKTIDEEN DER BÜRGERGUTACHTER MIT HOHER
PRIORITÄT
56
TABELLE 12:
WEITERE BATTENBERGER PROJEKTIDEEN
58
TABELLE 13:
ZENTRALE ERGEBNISSE IM VERGLEICH
60

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 1 -
empirica
Grußwort
Der demographische Wandel ist eines der zentralen Themen unserer Zeit. Die Schrumpfung und Alte-
rung unserer Gesellschaft sind schon im vollen Gange und werden - den aktuellen Prognosen zufolge -
mittelfristig weiter anhalten. Dabei gestaltet sich die Entwicklung regional sehr verschieden: Der länd-
liche Raum und die Kleinstädte sind stärker betroffen als größere Städte und Metropolen, Ostdeutsch-
land wandelt sich zuerst und stärker als Westdeutschland. Auch wenn sich die Zahl der Geburten in
Deutschland im Jahr 2007 erstmals seit zehn Jahren erfreulicherweise erhöht hat, muss sich diese
Entwicklung erst langfristig verfestigen, um den demographischen Trend zu ändern.
Um den mit den demographischen Entwicklungen verbundenen zentralen Herausforderungen besser
begegnen zu können, haben sich das Land Hessen und der Freistaat Sachsen zu einer gemeinsamen
Demographiepartnerschaft verständigt. Gegensteuern und Anpassen an strukturelle Veränderungen
erfordern nicht nur einen Mentalitätswechsel und eine veränderte politische Perspektive, sondern auch
vermehrte Kooperationen und ein Voneinander-Lernen. Neben innovativem staatlichem Handeln in
den klassischen Bereichen der Familien-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik rückt verstärkt auch das
aktive Bürgerengagement vor Ort in den Mittelpunkt. Durch den notwendigen Übergang von der voll-
ständigen Verantwortung des Staates zur Gewährleistungsverantwortung werden zugleich der direkte
Bürgerwille und die Selbstgestaltungsmöglichkeiten gestärkt.
Diese aktive Rolle des Bürgers ist nicht selbstverständlich und bedarf der Förderung, Gestaltung und
Begleitung. Daher wurden in beiden Bundesländern Modellkommunen ausgewählt, die durch stagnie-
rende oder rückläufige Bevölkerungsentwicklung und eine unterdurchschnittliche Bevölkerungsdichte
gekennzeichnet sind. In den beiden Gemeinden Erlbach im Vogtlandkreis (Sachsen) und Battenberg
im Kreis Waldeck/Frankenberg (Hessen) wurden bundesweit erstmalig mit Hilfe von Bürgergutach-
ten, die durch nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Einwohner der Ort erstellt wurden, Auswirkungen
des demographischen Wandels vor Ort diskutiert und auf die Bedürfnisse der Bürger zugeschnittene
Lösungen erarbeitet. Der Entstehungsprozess und die vielfältigen Ergebnisse liegen nun vor und wer-
den in diesem Bericht vorgestellt.
Er enthält neben zahlreichen Vorschlägen zur Verbesserung der Lebensqualität in den beiden Gemein-
den auch Ansatzpunkte für lokale Initiativen bzw. Beispiele für andere Kommunen über die Landes-
grenzen hinaus.

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 2 -
empirica
Wir bedanken uns bei den Bürgen von Erlbach und Battenberg für ihre konstruktive Arbeit und wün-
schen ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung der Ideen.
Prof. Dr. Roland Wöller
Sächsischer Staatsminister
für Umwelt und Landwirtschaft
Stefan Grüttner
Staatsminister und Chef
der Hessischen Staatskanzlei

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 3 -
empirica
1.
Hintergrund und Ziel des Bürgergutachtens
Die Folgen des demographischen Wandels drohen die Lebensqualität in vielen Regionen in Ost- und
Westdeutschland zu beeinträchtigen. Der Rückgang der Bevölkerung bei gleichzeitig veränderter Al-
tersschichtung führt zu Kapazitätsproblemen. So können die notwendigen Tragfähigkeitsgrenzen der
Infrastruktureinrichtungen unterschritten werden. Der Zugang zu wichtigen Versorgungseinrichtungen
steht für Teile der Bevölkerung auf dem Spiel. Gleichzeitig wächst aufgrund der Alterung der Bedarf
nach Unterstützungsleistungen und wohnortnaher öffentlicher Infrastruktur. Zwar werden viele Unter-
stützungsleistungen heute durch familiäre und informelle Netzwerke erbracht, doch die Stabilität und
Leistungsfähigkeit der familiären Netzwerke ist durch die Abwanderung der jüngeren Generation oder
hohe berufliche Belastungen bei steigender Erwerbsquote der Frauen gefährdet. Es sind daher neue
Organisations- und Angebotsformen zu finden, um die Daseinsvorsorge für alle Bevölkerungsgruppen
zu erhalten und die Lebensqualität in den Regionen zu sichern.
Angesichts solcher Herausforderungen haben die Ministerpräsidenten der Bundesländer Sachsen und
Hessen eine „Demographie-Partnerschaft“ vereinbart. Sie wird beispielhaft im sächsischen Erlbach im
Vogtland und dem hessischen Battenberg (Eder) erprobt. Ziel ist es, bei der Bewältigung des demo-
graphischen Wandels von den Erfahrungen auf kommunaler Ebene gegenseitig zu lernen. Dabei ist es
von besonderer Relevanz zu wissen, wie die Bürger die demographischen Entwicklungen in ihren
Auswirkungen auf das eigene Leben einschätzen, welche Erfahrungen sie mit deren Folgen bereits
gemacht oder welche konkreten Vorstellungen sie über die zukünftigen Änderungen haben. Besonders
wichtig sind Antworten auf die Frage, welche Möglichkeiten sie sehen, neue Wege einzuschlagen und
welches Engagement bei neuen Lösungen erwartet werden kann. Zu diesem Zweck wurde im Rahmen
der Demographie-Partnerschaft in Erlbach und Battenberg jeweils eine so genannte Planungszelle
durchgeführt. In diesem Verfahren werden Lösungsansätze und innovative Ideen für den Umgang mit
dem demographischen Wandel unter der Beteiligung von Bürgern entwickelt.
Je 200 per Zufallsstichprobe ausgewählte Bürger aus Erlbach und Battenberg wurden dazu aufgerufen,
an einer mehrtägigen Werkstatt teilzunehmen. Ziel war es, gemeinsam die Auswirkungen des demo-
graphischen Wandels zu erörtern und Ideen und Vorschläge zum Erhalt der Lebensqualität in den
Kommunen zu finden. Die Bürger gelten dabei als Experten für die schon beobachtbaren und noch
erwarteten Veränderungen ihres Lebensumfelds. Sie sind aufgefordert auch zu verdeutlichen, welche
Verhaltensänderungen und welches Engagement sie für erforderlich halten oder einbringen wollen.
Ergänzt durch eine Expertenrunde mit Vertretern von Vereinen, aus Politik und Gesellschaft fand das
Bürgergutachten in Erlbach vom 01. bis 03. November 2007 statt. Insgesamt nahmen daran 31 Perso-
nen teil. Drei Wochen später vom 22. bis 24. November 2007 tagten in Battenberg insgesamt 26 Teil-
nehmer in einer Experten- und Bürgerrunde.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 4 -
empirica
Der vorliegende Abschlussbericht stellt die zentralen Elemente des Verfahrens, die Rahmenbedingun-
gen vor Ort und die inhaltlichen Ergebnisse aus den Planungszellen in einem gemeinsamen Bürger-
gutachten vor. Kapitel 2 erläutert das Verfahren und den Ablauf des Bürgergutachtens in Erlbach und
Battenberg. Es folgt in Kapitel 3 eine überblicksartige Darstellung der geographischen, demographi-
schen, ökonomischen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen der beiden ausgewählten Kommu-
nen. Auf der Basis dieser Kontextanalyse wurden die zentralen Herausforderungen für die zukünftige
gemeindliche Entwicklung abgeleitet (Kapitel 4). Die inhaltlichen Ergebnisse aus den jeweiligen Bür-
ger- und Expertenrunden sind ausführlich in Kapitel 5, anschließend in zusammenfassender und ver-
gleichender Form in Kapitel 6 dargestellt. Ein abschließendes Resumée sowie ein Blick auf das weite-
re Vorgehen in den beiden Kommunen folgen in Kapitel 7.
2.
Verfahren und Ablauf des Bürgergutachtens
2.1
Verfahren
Der demographische Wandel als Thema eines Bürgergutachtens
Bürgergutachten richten sich üblicherweise an eine Gruppe von Menschen, die in einem bestimmten
Gebiet wohnen und hinsichtlich der Bewertung von Planungskonzepten oder größerer Investitionsvor-
haben befragt werden. In der Regel handelt es sich um klar abgegrenzte Vorhaben, die vom Einzelnen
in den Auswirkungen auf sein persönliches Leben oder ein Gebiet beurteilt werden können oder denen
sie mit klaren Wünschen begegnen. Meist geht es nicht um ein fachliches wertendes Urteil, sondern
um Interessens- und Präferenzbekundungen. Da die Vorhaben sich direkt an eine bestimmte Bürger-
gruppe wenden, sollen diese sich hinsichtlich ihrer Wünsche artikulieren und den Entscheidungsträ-
gern deutlich machen, warum sie bestimmte Lösungen bevorzugen und andere verwerfen.
Bei dem Bürgergutachten zum demographischen Wandel in Erlbach und Battenberg handelt es sich
um eine komplexe Fragestellung von sehr langfristiger und weitreichender Bedeutung. Der demogra-
phische Wandel ist eine der fundamentalen Veränderungen in Deutschland, die fast alle Lebens- und
Politikbereiche erheblich tangiert. Die Bürger müssen deshalb zunächst die Auswirkungen des demo-
graphischen Wandels in seinen verschiedenen Facetten, insbesondere auf ihr eigenes Leben, einiger-
maßen klar abschätzen. Betroffen sind u.a. die Bereiche öffentliche Infrastruktur, Versorgung mit Ärz-
ten, Einzelhandel, Transportleistungen, Schulen, Verwaltungskapazitäten in den Gemeinden, Attrakti-
vität für Familien, Unterstützung für ein möglichst selbständiges Leben im Alter (bis hin zur Pflege),
Netzwerke und nachbarschaftliche Unterstützungsstrukturen, Bauland- und Wohnungspolitik und Ar-
beitsmarkt. Eine rückläufige Bevölkerungsdichte resultiert z.B. in den Ausdünnungen des öffentlichen
Lebens, in der Nutzung von öffentlichen Räumen, Verkehrsnetzen oder auch Kontakten in der Nach-

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 5 -
empirica
barschaft. Gleichzeitig kann die öffentliche Hand aufgrund fiskalischer Knappheiten die entstehenden
Lücken nicht mehr ohne weiteres schließen.
Es liegt auf der Hand, dass die teilnehmenden Bürger dieses komplexe Zusammenspiel auf der Finan-
zierungs- und Kapazitätsauslastungsseite nicht in ihren Wirkungsverflechtungen überblicken können.
Hier haben schon Experten Schwierigkeiten, die Zusammenhänge zu entwirren und die Relevanz der
einzelnen Einflussfaktoren darzulegen. Man muss sich deshalb die Vorfrage stellen, welche kompeten-
ten Aussagen von den Bürgern zu den aufgeworfenen Themen zu erwarten sind. Dabei ist zu berück-
sichtigen, dass die Beteiligten sich auf ihre eigenen bisherigen Erfahrungen und deren Fortschreibung
beziehen. So wird gewährleistet, dass Themen aus verschiedenen Perspektiven diskutiert werden und
relevante Themen, bei denen eine konkrete persönliche Betroffenheit fehlt, nicht ausgespart werden.
Damit sich unterschiedliche Erfahrungen ergänzen und gegenseitig abstützen ist es besonders wichtig,
dass sich die Bürgergruppe nicht einseitig zusammensetzt, was angesichts der unterschiedlichen Ver-
fügbarkeit von Zeit leicht eintreten kann.
1
Die modifizierte Planungszelle (siehe unten) gewährleistet
eine hinreichende Verknüpfung verschiedener Betrachtungsebenen (Bürger und Experten) und einer
entsprechenden Analyse.
Modifizierte Planungszelle
Das Verfahren orientiert sich an der klassischen Planungszelle
2
, ist aber zugunsten der weitreichenden
Fragestellung im Ablauf offener gestaltet. Folgende Elemente kennzeichnen das in Erlbach und Bat-
tenberg durchgeführte Verfahren:
Zufallsauswahl von etwa 15 bis 20 Teilnehmern über eine Stichprobe von 200 Personen aus den
jeweiligen Einwohnermelderegistern.
Zweitägige strukturierte und zielgerichtete Arbeit in Kleingruppen und im Plenum.
Aufwandsentschädigung für die Bürgergutachter in Höhe von 100 € als Anerkennung.
Ergänzende Expertenrunde mit etwa 10 bis 15 gezielt ausgewählten Teilnehmern aus unterschied-
lichen Bereichen wie z.B. Kinder, Jugend und Familie, Wirtschaft, Senioren, Tourismus etc.
1
So hat das Auswahlverfahren in Battenberg zu einer schwachen Repräsentation von Eltern mit Kindern geführt, was automatisch zu
gewissen Einseitigkeiten in der Themengewichtung und den diskutierten Lösungen führen musste. Bei einer reinen Zufallsstichprobe
sind solche Verzerrungen unvermeidbar. Man kann ihnen in gewissem Umfang begegnen, indem die Themen unterrepräsentierter
Gruppen sehr bewusst angesprochen werden. Die Diskussionen haben gezeigt, dass zwischen den Bürgern eine intensive Kommunika-
tion besteht und auch Personen, die von bestimmten Themen nicht unmittelbar betroffen sind, sich in die Lage anderer hinein versetzen
und deren Erfahrungen nachvollziehen können. Die Bereitschaft hierzu war sehr groß.
2
Das Verfahren der Planungszelle/Bürgergutachten wurde Anfang der 70er Jahre von Prof. Peter C. Dienel entwickelt. Das Verfahren
wurde mittlerweile in zahlreichen Varianten angewandt, wobei je nach Zielsetzung, Finanzierungsrahmen und sonstiger Rahmenbedin-
gungen (z.B. Gemeindegröße) Modifikationen vorgenommen werden. Für die spezifischen Anforderungen eines Beteiligungsverfahrens
zum demographischen Wandel hat empirica für diesen besonderen Typus des Zukunftsdialogs ein Verfahren entwickelt, das sich zwar
an der klassischen Planungszelle orientiert, aber im Dialog und dem Ablauf offener gestaltet ist.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 6 -
empirica
empirica hat am ersten Tag des Workshops auf die allgemeinen langfristig zu erwartenden Trends, wie
sie in der fachlichen und politischen Diskussion erörtert werden, hingewiesen und diese in einer gro-
ben Skizze verdeutlicht. Dabei wurde in der Diskussion schon auf die konkreten Erfahrungen hinge-
wiesen, die diesen Trendentwicklungen entsprechen. Die Bürger haben diese Einführung durch ihre
eigenen Erfahrungen ergänzt und auf Parallelitäten oder auch Widersprüche hingewiesen. Auf diese
Weise wurde eine gemeinsame Diskussionsplattform geschaffen. Die Rolle empiricas konnte sich
nicht auf die reine Moderation beschränken, sondern umfasste auch die allgemeine Information der
Bürgergutachter, die Diskussionsleitung und Strukturierung von Themen und beinhaltete auch analyti-
sche Aufgaben. Die erforderlichen lokalspezifischen Kenntnisse wurden im Vorfeld durch die Aus-
wertung vorliegender Informationen, Daten und Materialien, Recherchen vor Ort und Expertengesprä-
che mit Vertretern aus Politik und Verwaltung und sonstigen Einrichtungen gewonnen.
Auswahl der Bürgergutachter
Auf Basis der Einwohnermelderegister wurde jeweils eine einfache Zufallsstichprobe von 200 Bürge-
rinnen und Bürgern aus der Grundgesamtheit aller in Erlbach und Battenberg gemeldeten Einwohner
im Alter von 18 Jahren und älter ermittelt. Für den Erlbacher Ortsteil Wernitzgrün wurde proportional
zur Grundgesamtheit eine eigene Stichprobe gezogen, um die Bewohner des vergleichsweise einwoh-
nerstarken Ortsteils ausreichend zu berücksichtigen.
Die zufällig erfassten Personen wurden angeschrieben und gebeten, an dem Bürgergutachten teilzu-
nehmen. Dem Einladungsschreiben waren ein Informationsblatt zum Vorhaben inkl. Anmeldeab-
schnitt sowie ein Rückumschlag beigelegt mit dem Hinweis auf die Übernahme des Portos (siehe An-
lagen 7.1 und 7.2).
Die Resonanz der Bürger auf das geplante Beteiligungsverfahren in Erlbach und Battenberg war au-
ßerordentlich positiv. Bis zum Anmeldeschluss am 26. Oktober 2007 waren bei empirica aus Erlbach
83 Antworten (41,5 %) eingegangen (per Post, Email oder telefonisch). Mehr als jeder dritte ange-
schriebene Erlbacher hat damit auf die Einladung reagiert, 21 von ihnen mit einer Zusage. 55 der An-
geschriebenen konnten nicht teilnehmen, sind aber an den Ergebnissen interessiert, abgesagt haben 7
Personen. Zusätzlich wurde ein interessierter Bürger zu der Veranstaltung eingeladen.
Aus Battenberg gingen insgesamt 44 Antworten ein, davon 16 Zusagen zur Teilnahme am Bürgergut-
achten, 27 Interessenbekundungen (können oder möchten am Bürgergutachten nicht teilnehmen, sind
aber interessiert) und eine Absage. Nachträglich gab es aus Battenberg noch zwei weitere Anmeldun-
gen sowie vier weitere Interessenbekundungen, so dass sich damit genau ein Viertel der Ausgewählten
(25 %) auf die Einladung zurückgemeldet hat.
An alle Bürgerinnen und Bürger, die sich als Teilnehmer für das Bürgergutachten gemeldet haben,
wurde eine persönliche Einladung inkl. der Tagesordnung versendet.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 7 -
empirica
Abbildung 1:
Teilnahme- und Interessenbekundungen
Zusage
10,5%
Interesse
27,5%
Absage
3,5%
keine Antwort
58,5%
Zusage
8,0%
Interesse
13,5%
keine Antwort
78,0%
Absage
0,5%
Erlbach
Battenberg
Quelle: Auswertung der Interessen- und Teilnahmebekundungen aus Erlbach und Battenberg, 2007
empirica
Expertenrunde
Am Abend vor den eigentlichen Planungszellen kam jeweils eine Expertenrunde mit Vertretern unter-
schiedlicher gesellschaftlicher Bereiche zusammen, um Ideen für die zukünftige Entwicklung von
Erlbach und Battenberg zu entwickeln. Die Expertenrunden bestanden jeweils aus Personen, die sich
durch ihre berufliche Tätigkeit oder ihr freiwilliges Engagement qualifizieren bzw. in besonderer Wei-
se mit Personen unterschiedlicher Bewohnergruppen in Kontakt stehen und dadurch wissen, was die
Bewohner der Kommunen bewegt. Dazu gehören z.B. Vertreter von Schulen, Kindergärten, Senioren-
heimen, Vereinen und Initiativen, Personen aus dem Bereich Handel, Dienstleistungen und Gastrono-
mie, Unternehmen, Tourismus und Politik.
Als Grundlage für die Auswahl der Experten diente jeweils eine Liste mit den Namen und Kontaktda-
ten von entsprechenden Personen (Vereinsvorsitzende, Ortsvorsteher etc.), die von den Kommunen
zusammengestellt wurden. Die Personen wurden per Schreiben bzw. telefonisch zu der Veranstaltung
eingeladen und in einigen Fällen kurz zu dem Thema „Demographischer Wandel“ und ihren Einschät-
zungen zur Entwicklung ihrer Kommune befragt. In Erlbach nahmen 10 Personen an der Expertenrun-
de teil, in Battenberg waren es 14 (vgl. Anlage 7.3).
Pressearbeit
Parallel zur Versendung der Einladungen hat die lokale Presse über das geplante Vorhaben berichtet
(vgl. Anlage 7.5). Die Presseberichte dienten der Information und sollten das Interesse auch bei nicht
ausgewählten Bürgern wecken. Einige von ihnen informierten sich daraufhin telefonisch über das
Vorhaben und haben ihr Interesse an dem Verlauf des Bürgergutachtens und den Ergebnissen bekun-
det. Auch nach Abschluss der Werkstätten ist die Öffentlichkeit durch Zeitungsberichte in der lokalen
Presse und durch Radiobeiträge im Mittel- und Westdeutschen Rundfunk über das Bürgergutachten
informiert worden.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 8 -
empirica
2.2
Ablauf der Diskussion in den Planungszellen
Das Arbeitsprogramm (vgl. Abbildung 2) wurde auf der Grundlage von Voruntersuchungen und Ex-
pertengesprächen entwickelt. Es galt mit geringen Abweichungen sowohl in Erlbach als auch in Bat-
tenberg.
Der erste Arbeitstag diente der Einführung in das Thema des demographischen Wandels und dessen
Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche in den jeweiligen Kommunen. Die Teilnehmer hatten
ausführlich Gelegenheit, von ihren persönlichen Erfahrungen mit den Folgen der gesellschaftlichen
Veränderungen zu berichten und ihre Einschätzungen zu den Stärken und Schwächen des Lebens in
Erlbach bzw. Battenberg zu äußern. Sie äußerten sich insbesondere auch zur Relevanz der allgemein
unterstellten Trends für ihre eigene Kommune und ihr persönliches Leben in Erlbach und Battenberg.
empirica stellte ergänzend und als Grundlage für die weiteren Diskussionen die langfristig zu erwar-
tenden Trends für Erlbach und Battenberg dar. Darauf aufbauend formulierten die Bürgergutachter
wichtige Herausforderungen für eine positive gemeindliche Entwicklung und den Erhalt der Lebens-
qualität vor Ort. Zum Abschluss des ersten Tages gewichteten und bewerteten die Teilnehmer die
identifizierten Handlungsfelder und Themen nach ihrer Relevanz. Bemerkenswert ist hier, dass die
Bürger solchen Themen eine besondere Bedeutung zuwiesen, die auch von ihnen direkt beeinflusst
werden können. Am zweiten Tag wurde es konkret. Für die als besonders wichtig eingestuften Hand-
lungsfelder und Themen erarbeiteten die Teilnehmer in Arbeitsgruppen Projektideen und Maßnahmen.

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 9 -
empirica
Abbildung 2:
Arbeitsprogramm
Tagesordnung Bürgergutachten
Bürgergutachten in Battenberg/Eder zum demographischen Wandel
im Rahmen der hessisch-sächsischen Demographiepartnerschaft
Ort, Raum
Rathaus Battenberg, Sitzungssaal
Datum, Beginn
23./24. November 2007
Freitag, 9 bis 18 Uhr
Samstag, 9 bis 17 Uhr
TeilnehmerInnen
Bürgerinnen und Bürger von Battenberg
Moderationsleitung
Katrin Kleinhans,
empirica
Ulrich Pfeiffer,
empirica
09:00
Begrüßung und Einführung (inkl. Ziele/Ablauf)
09:20
Vorstellungsrunde
09:45
Impulsvortrag mit anschließender Diskussion: Den demographischen Wandel gestalten
- Demographische Entwicklung in Battenberg (empirica)
10:30
Kaffeepause
10:45
Erfahrungen externer Experten und Diskussion
11:45
Reflektion der Themen im Plenum
12:00
Gemeinsames Mittagessen
13:00
Erste Arbeitsgruppenphase: Battenberg 2020 - Wie wollen wir leben?
14:30
Präsentation der Arbeitsgruppenergebnisse im Plenum
15:00
Kaffeepause
15:15
Themen sammeln, Themen bündeln
16:15
Zweite Arbeitsgruppenphase: Handlungsfelder für Battenberg
17:15
Präsentation der Arbeitsgruppenergebnisse und Bewertung
17:45
Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick auf den zweiten Tag
18:00
Ende der Veranstaltung
Zeit
Thema und Inhalte
Freitag, 23. November 2007

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 10 -
empirica
Tagesordnung Bürgergutachten
09:00
Begrüßung und Einstimmung auf das Arbeitsprogramm
09:15
Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Werkstätten
(Expertenrunde, Bürgergutachter) und anschließende Reflexion
10:00
Impulsvortrag – Projektinspiration (empirica)
10:30
Kaffeepause
10:15
Dritte Arbeitsgruppenphase: Maßnahmen und Projekte für Battenberg
11:45
Präsentation der Arbeitsgruppenergebnisse im Plenum
12:15
Gemeinsames Mittagessen
13:15
Impulsvortrag: Von der Idee zum umsetzungsfähigen Aktionsplan(empirica)
13:45
Vierte Arbeitsgruppenphase: Erarbeitung eines Aktionsplans
15:15
Präsentation der Arbeitsgruppenergebnisse und Diskussion
15:45
Kaffeepause
16:00
Zusammenfassung und Ausblick
16:30
Schlussrunde: „Manöverkritik“
17:00
Ende der Veranstaltung
Zeit
Thema und Inhalte
Samstag, 24. November 2007
empirica

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 11 -
empirica
2.3
Teilnehmerstatistik
Die Teilnehmerkreise in beiden Planungszellen unterscheiden sich hinsichtlich der Anzahl der Teil-
nehmer und der Altersstruktur deutlich voneinander (vgl. Tabelle 1):
-
Die Zahl der Teilnehmer ist mit 21 in Erlbach höher als in Battenberg (12 Teilnehmer).
-
Sowohl das Durchschnittsalter ist in Erlbach etwas jünger (49,3 Jahre in Erlbach und 51,4 Jahre in
Battenberg) als auch das vertretene Altersspektrum breiter als in Battenberg. Der jüngste Teilneh-
mer in Erlbach ist 20 Jahre alt, der älteste 75 Jahre, in Battenberg liegt die Altersspanne zwischen
36 und 68 Jahren.
-
Die Altersstruktur spiegelt sich auch in den aktuellen beruflichen Tätigkeiten der Teilnehmer. In
Battenberg sind mit Ausnahme von drei Bürgergutachtern alle berufstätig, während sich in Erl-
bach zwei Teilnehmer in der Ausbildung befinden und sieben weitere Rentner sind.
-
In den Haushalten der Erlbacher Bürgergutachter leben durchschnittlich 2,7 Personen, in Batten-
berg sind es 3,1 Personen. Mehr als die Hälfte der Erlbacher Bürgergutachter leben in einem
Zweipersonenhaushalt, fünf Teilnehmer wohnen mit minderjährigen Kindern gemeinsam unter ei-
nem Dach. Bei den Battenbergern gibt es lediglich in zwei Haushalten minderjährige Kinder. Die
Mehrheit von ihnen lebt in einem Zwei- oder Dreipersonenhaushalt (z.B. mit erwachsenen Kin-
dern bzw. Eltern) zusammen.
-
In beiden Teilnehmerkreisen ist das Ein- oder Zweifamilienhaus die dominierende Wohnform.
-
Gleich stark ausgeprägt ist auch das bisherige Engagement der Teilnehmer gemessen an einer
aktiven Vereinsmitgliedschaft, wohingegen eine unterschiedliche Bereitschaft für ein zukünftiges
(stärkeres) Engagement besteht.
Bürgergutachter in Erlbach
Bürgergutachter in Battenberg

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 12 -
empirica
Tabelle 1:
Teilnehmerstatistik der Planungszellen in Erlbach und Battenberg
Teilnehmer
Erlbach
Battenberg
Anzahl:
21, davon 10 Frauen
12, davon 6 Frauen
Altersdurchschnitt:
49,3 Jahre
51,4 Jahre
Altersgruppen:
< 25
2
0
25 bis < 35
2
0
35 bis < 50
7
6
50 bis < 65
5
2
65 und älter
5
3
keine Angabe
0
1
Schulbildung:
Erweiterte Oberschule/Abitur
4
3
Berufsausbildung mit Abitur
0
1
Polytechn. Oberschule/ Mittlere Reife
12
2
Erweiterte Hauptschule
5
5
Derzeit Schulbesuch
0
0
Ohne Abschluss
0
0
keine Angabe
0
1
Berufsausbildung:
Hochschulabschluss
2
2
Fachschulabschluss
3
1
Ausbildung
15
6
keine Angabe
1
3
Aktuelle berufliche Tätigkeit:
- Büroangestellte
- Angestellte im Einkauf/
Marketing
- Fertigung von Kisten/Paletten
für Versand
- Geigenbauer
- Holzblasinstrumentenbauer
- Konstrukteur
- Krankenschwester/
Aromafachkraft
- Zahnarzt
- Gießereiarbeiter
- Hausfrau
- Kfm. Angestellte (u.a. Bank)
- Postbetriebsassistentin
- Rentner
- Selbstständig
(Lebensmitteleinzelhandel)
- Wassermeister
Haushaltssituation:
1-Personen-Haushalt
2
1
Paar ohne Kinder
8
3
Paar mit Kind/ern
5
2
Alleinerziehend
2
1
Generationenhaushalt
3
3
keine Angabe
1
2
Wohnsituation:
Ein-/Zweifamilienhaus
15
8
Mehrfamilienhaus
4
2
keine Angabe
2
2
Aktive Vereinsmitgliedschaft:
Anteil in %: 71
Anteil in %: 73
Zukünftiges freiwilliges Engagement:
ja
7
0
evtl.
6
9
nein
8
2
keine Angabe
0
1
Quelle: Auswertung der Teilnehmerbefragung 2007
empirica

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 13 -
empirica
3.
Überblick über die Rahmenbedingungen vor Ort
3.1
Eckdaten von Erlbach und Battenberg im Vergleich
Sowohl das sächsische Erlbach als auch das hessische Battenberg liegen in eher ländlich geprägten
Regionen in einer Randlage in ihrem Bundesland. Auch die Bewohnerdichte ist mit 87 Einwohnern
pro km² in beiden Kommunen gleich niedrig. Demgegenüber ist jedoch Battenberg mit gut 5.600 Ein-
wohnern ist Battenberg etwa dreimal so groß ist wie Erlbach (ca. 1.890 Einwohner) und erfüllt ge-
meinsam mit der Nachbarstadt Allendorf die Funktionen eines Mittelzentrums (vgl. Abbildung 3 und
Tabelle 2). Für die Erlbacher ist das nächste Mittelzentrum Oelsnitz gut 20 km entfernt; grundversorgt
ist der Ort aber über die direkt benachbarte Stadt Markneukirchen (ca. 7.000 Einwohner). Die Fahrt-
zeit mit dem Pkw in die nächstgelegenen Oberzentren (Marburg in Hessen und Plauen in Sachsen)
beträgt ca. 35 bzw. 50 Minuten und die nächste Autobahn ist jeweils in knapp einer Stunde zu errei-
chen (vgl. Abbildung 4).
Unterschiede gibt es hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung in der Vergangenheit. Während die
Zahl der Einwohner in Erlbach seit 1996 um 12 % zurückgegangen ist, sank diese in Battenberg im
gleichen Zeitraum lediglich um 1,5 %. Zudem ist die Bevölkerung in Erlbach schon jetzt älter als die
in Battenberg. In Erlbach sind die demographischen Veränderungen und deren Folgen tiefgreifender
und durch wichtige Ereignisse erlebbar geworden (Abwanderung, Schulzusammenlegung etc.). Bei
einem Vergleich der demographischen Entwicklungen sind regionale Besonderheiten – insbesondere
hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation – zu berücksichtigen. Battenberg profitiert dabei von einer
sehr robusten Wirtschaftsstruktur, die durch mehrere größere Unternehmen mit einer Vielzahl an Ar-
beitsplätzen im produzierenden Gewerbe geprägt ist. Erlbach hingegen liegt in einer Region, in der im
Zuge der Wiedervereinigung Arbeitsplätze vor allem in der Produktion wegfielen (z.B. Textilindust-
rie) und eine Abwanderung von Erwerbstätigen in die alten Bundesländer einsetzte. Mittlere und klei-
nere Unternehmen vor allem im Bereich des Musikinstrumentenbaus und der Tourismus bilden hier
die noch relativ stabile wirtschaftliche Basis, so dass sich die Region im Vergleich zu anderen ländli-
chen Regionen moderat entwickelt hat.

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 14 -
empirica
Abbildung 3:
Lage von Erlbach und Battenberg in Deutschland
empirica
Tabelle 2:
Erlbach und Battenberg im Überblick
Merkmal
Erlbach
Battenberg
Bundesland:
Sachsen
Hessen
Regierungsbezirk:
Chemnitz
Kassel
Landkreis:
Vogtland
Waldeck-Frankenberg
Gemeindetyp:
Ländlich geprägt
Ländlich geprägt
Gemeindefläche:
21,72 km
2
64,3 km
2
Zentrenfunktion:
keine
Mittelzentrum (gemeinsam mit Allendorf)
Hebesätze:
Gewerbesteuer: 400; Grundsteuer A: 280, B:
400
Gewerbesteuer: 275; Grundsteuer A: 300,
B: 280
Arbeitslosenquote (2007):
Vogtlandkreis 14,4%; Sachsen 14,5%
LK Waldeck-Frankenberg 6,5%; Hessen 7,1%
Arbeitsplatzdichte (SVP):
102
290
Demograpische Merkmale
Anzahl Einwohner (2006):
1.889
5.622
Einwohnerdichte:
87 EW/km
2
87 EW/km
2
Bevölkerungsgewinne/-verluste seit 1996:
-12,4%
-1,5%
Alterszusammensetzung (2006):
< 6 Jahre
2,7%
5,2%
6 bis < 15 Jahre
5,1%
10,5%
15 bis < 65 Jahre
67,0%
62,0%
65 Jahre und älter
25,3%
22,3%
Ausländeranteil (2006):
0,9%
5,5%
Quelle: Statisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Hessisches Statistisches Landesamt
empirica

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 15 -
empirica
Abbildung 4:
Entfernungen und Wegezeiten in Erlbach und Battenberg
Erlbach i. Vogtland
Plauen
(OZ)
Oelsnitz
(MZ)
Oelsnitz
(MZ)
4 km, 7 min
35
km,
45
min
10
km,
15
min
Adorf
(GZ)
Markneu-
kirchen
(GZ)
Markneu-
kirchen
(GZ)
z.B.
• Bahnhof
• Hallenbad
• Krankenhaus
z.B.
• Apotheke
• Einkaufsmöglichkeiten
22
km,
26
min
Mittelzentrum
• Einkaufsmöglichkeiten
• Hallenbad
• Gesamtschule (gymnasialer Zweig)
Battenberg (Eder)
Allendorf (Eder)
Kassel
(OZ)
z.B.
• Bahnhof
• Gymnasium
• Kreiskrankenhaus
Marburg
(OZ)
Gießen
(OZ)
15
km,
20
min
90
km,
1h
30
min
33
km,
35
min
60
km,
1h
5 min
Franken-
berg
(MZ)
empirica

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 16 -
empirica
3.2
Erlbach im Vogtland
Erlbach liegt im sächsischen Landkreis Vogtland (Regierungsbezirk Chemnitz) rd. 30 km südöstlich
von Plauen im Grenzgebiet zu Tschechien. Die Gemeinde ist Teil der Region „Oberes Vogtland“ und
des „Naturparks Erzgebirge“. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Stadt Markneukirchen,
die gemeinsam mit Erlbach und weiteren Orten ein bedeutender Standort des Musikinstrumentenbaus
ist.
Im Folgenden sind die Entwicklungen der letzten Jahre und die aktuelle Situation kurz skizziert:
-
Insgesamt leben in Erlbach und den Ortsteilen Gopplasgrün, Eubabrunn und Wernitzgrün 1.889
Einwohner (2006). Seit 1990 ist die Bevölkerungszahl um rund 15 % zurückgegangen (vgl.
Abbildung 5). Der Schrumpfungsprozess ist seit 2005 gebremst, und die Bevölkerungszahl hat
sich auf einem niedrigen Niveau stabilisiert.
-
Sowohl die Wanderungsbilanz als auch der Saldo aus Sterbefällen und Geburten war – abgesehen
von wenigen Ausnahmen – über Jahre hinweg negativ. Seit 1996 sind pro Jahr zwischen 54 und
96 Personen abgewandert, aber nur zwischen 39 und 87 Personen zugewandert (vgl. Abbildung 6).
Erstmals seit 1990 gab es im Jahr 2006 mit 14 Geburten gegenüber 12 Sterbefällen wieder eine
positive Bilanz (vgl. Abbildung 7).
-
Die Bevölkerung von Erlbach ist in den letzten Jahren deutlich gealtert. Heute leben hier nur noch
rund 8 % unter 15-jährige Kinder und Jugendliche. 1990 lag deren Anteil noch bei knapp 18 %.
Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der über 65-Jährigen von rund 18 auf 25 % (vgl. Abbildung
8).

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 17 -
empirica
Abbildung 5:
Bevölkerungsentwicklung in Erlbach (1990-2006)
75%
80%
85%
90%
95%
100%
105%
1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006
Bevölkerung (Index 1990=100)
Erlbach
Oberes Vogtland
Sachsen
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
empirica
Abbildung 6:
Zu- und Fortzüge Erlbach (1996-2006)
0
20
40
60
80
100
120
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
A nzahl der Zu- und Fortzüge (absolut)
Zuzüge
Fortzüge
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
empirica

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 18 -
empirica
Abbildung 7:
Natürliche und räumliche Bevölkerungsentwicklung (1996-2006)
-3
-17
-17
-11
-14
-11
-13
-23
-4
-14
2
16
-22
-10
-30
-32
-18
-27
4
-10
2
-1
-50
-40
-30
-20
-10
0
10
20
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
Einwohnergewinne- und -verluste (absolut)
Saldo Zu- und Fortzüge
Saldo Geburten und Sterbefälle
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
empirica
Abbildung 8:
Entwicklung der Altersstruktur in Erlbach (1990-2006)
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
Einwohner (absolut)
unter 6
6 -bis u. 15
15 bis unter 65
65 und älter
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
empirica

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 19 -
empirica
Verkehrsanbindung
-
Angesichts der Grenzlage zu Tschechien, war Erlbach über Jahre hinweg nur ein „Endpunkt“.
Dies ändert sich mit der Möglichkeit des freien Grenzübertritts ab Januar 2008.
-
Die regionale Anbindung (Plauen, Hof etc.) erfolgt in erster Linie über die nahe gelegene Bundes-
straße (B283). Die Autobahnen 9 (Berlin-München) und 72 (Chemnitz-Leipzig) sind innerhalb ei-
ner Stunde Fahrtzeit zu erreichen.
-
Der nächste Bahnhof befindet sich im 10 km entfernten Adorf. Dorthin besteht eine Busverbin-
dung über Markneukirchen. Mit saisonalen Schwankungen (z.B. Ferienzeiten) verkehrt dieser wo-
chentags ab ca. 5 bis 18 Uhr stündlich.
-
Die Region ist durch das „Egronet“ an das gemeinsame Nahverkehrssystem der Bundesländer
Bayern, Thüringen und Sachsen sowie des tschechischen Bezirks Karlovy Vary angeschlossen.
Versorgungssituation
-
Einkäufe erledigen die Bewohner Erlbachs überwiegend in den größeren Nachbarorten. Die
nächstgelegenen Verbrauchermärkte befinden sich in Markneukirchen (Edeka, Lidl, Netto etc.). In
Erlbach selbst bietet der Dorfladen Lebensmittel an. Darüber hinaus gibt es zwei Bäcker, Geträn-
kehändler, eine Poststelle, einen Blumenladen, ein Reisebüro, eine Sparkasse und zwei Friseure.
-
Erlbach ist durch einen Allgemeinarzt sowie einen Zahnarzt und eine Physiotherapie-Praxis medi-
zinisch grundversorgt. Eine Apotheke gibt es in Markneukirchen, ein Krankenhaus in Adorf.
Soziale Infrastruktur
-
Es gibt einen Kindergarten und eine gemeinsame Grundschule für Schüler aus Erlbach und Mark-
neukirchen. Nach der Schule können die Kinder in einem Hort weiter betreut werden. Die weiter-
führenden Schulen befinden sich in Markneukirchen, Adorf, Bad Elster und Klingenthal.
-
Das Familienzentrum „Altes Schloss“ im Ortskern bietet einen Mutter-Kind-Treff, Freizeiten,
private Kinderbetreuung und einen Basar an.
-
Insgesamt gibt es 34 Vereine, davon zahlreiche Sport- und Musikvereine, Heimat- und Traditions-
vereine, Freiwillige Feuerwehr, Jugendclub etc.
Naherholungs- und Freizeitangebot
-
Der Erholungsort Erlbach liegt in einer landschaftlich reizvollen Umgebung in den Ausläufern des
Elstergebirges. In jeder Jahreszeit gibt es ein umfangreiches naturnahes Freizeit- und Erholungs-
angebot, z.B. Wandern, Reiten, Radfahren, Tennis, Skilaufen, Rodeln, Naturlehrpfad etc. In Erl-
bach gibt es einen Skihang inkl. Skilift, so dass im Winter auch Alpinski möglich ist.

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 20 -
empirica
-
Für Kinder gibt es einen neuen Spielplatz im Ortsteil Eubabrunn sowie vielfältige Angebote im
Familienzentrum. Der neu gestaltete Sinnesgarten auf dem Außengelände des Kindergartens steht
auch außerhalb der Öffnungszeiten offen. Im Kunstkeller gibt es ein vielfältiges Kursangebot.
-
Das kulturelle Angebot in Erlbach wird durch das Vogtländische Freilichtmuseum (Eubabrunn)
und das Vogtländische Dorfmuseum sowie das Kultur- und Begegnungszentrum Riedelhof (Eu-
babrunn) mit zahlreichen Veranstaltungen (Landfilm, Lesungen, Konzerte etc.) ergänzt.
Wirtschaft und Tourismus
-
Die Wirtschaftsstruktur der Region ist traditionell durch den Musikinstrumentenbau geprägt. 28
Hersteller gibt es allein in Erlbach. Die Arbeitslosigkeit lag 2007 im Vogtlandkreis mit 14,4 % in
etwa im Landesdurchschnitt (14,5 %). Die Arbeitslosigkeit in Erlbach wird geringer geschätzt.
-
Die Musikinstrumentenherstellung spielt auch für die touristische Attraktivität der Region eine
wichtige Rolle (Ausstellungen, Konzerte, Schauhandwerk etc.). In Erlbach gibt es rd. 450 Gäste-
betten (Hotel, Pension, Ferienhäuser, Zimmer etc.).
-
Erlbach ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.
Marktplatz
Familienzentrum Altes Schloss
Erlbach
Riedelhof in Eubabrunn

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 21 -
empirica
3.3
Battenberg (Eder)
Battenberg (Eder) liegt im hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg im Ederbergland rd. 30 km
nördlich von Marburg und etwa 90 km westlich von Kassel. Seit 2000 bildet die Stadt ein Mittelzent-
rum mit der Nachbargemeinde Allendorf.
Einige Aspekte der Entwicklung und aktuellen Situation Battenbergs sind im Folgenden kurz skizziert:
-
In Battenberg leben 5.622 Einwohner (2006), davon rd. 2.900 in Battenberg selbst und etwa 1.450
Einwohner im Stadtteil Dodenau. Zu Battenberg gehören drei weitere Stadtteile: Berghofen
(rd. 360 Einwohner), Frohnhausen (rd. 450 Einwohner) und Laisa (rd. 600 Einwohner).
-
In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Einwohner um 1,5 % verringert (vgl. Abbildung
9). Bis 2002 war die Bevölkerungsentwicklung – von kleinen Schwankungen abgesehen – positiv.
Seitdem nimmt die Bevölkerungszahl als Folge der Sterbeüberschüsse kontinuierlich ab.
-
Mit wenigen Ausnahmen gab es in den letzten Jahren durchweg Wanderungsverluste. Lediglich in
den Jahren, in denen größere Neubaugebiete fertig gestellt wurden, sind mehr Menschen nach Bat-
tenberg zu- als fortgezogen. Im Jahr 2006 war der Wanderungssaldo mit 258 Zuzügen und 245
Fortzügen erstmals seit 2002 wieder positiv (vgl. Abbildung 10 und Abbildung 11).
-
Im Vergleich zu 1990 hat sich die Alterszusammensetzung nur leicht verändert, doch insbesondere
die Altersklasse der über 65-Jährigen ist heute stärker besetzt. Im Jahr 2006 waren gut 14 % der
Bewohner unter 15 Jahre alt und 22,3 % älter als 65 Jahre (vgl. Abbildung 12).
Abbildung 9:
Bevölkerungsentwicklung in Battenberg (1996-2006)
90
92
94
96
98
100
102
104
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
Bevölkerung (Index 1996=100)
Battenberg
LK Waldeck-Frankenberg
Hessen
Quelle: Statistik Hessen/HEPAS-Datenbank, Statistisches Bundesamt
empirica

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 22 -
empirica
Abbildung 10:
Zu- und Fortzüge Battenberg (1996-2006)
0
50
100
150
200
250
300
350
400
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
Anzahl der Zu- und Fortzüge (absolut)
Zuzüge
Fortzüge
Quelle: Statistik Hessen/HEPAS-Datenbank, Statistisches Bundesamt
empirica
Abbildung 11:
Natürliche und räumliche Bevölkerungsentwicklung (1996-2006)
-2
11
1
-1
10
-2
15
-5
-4
-3
2
4
-5
-3
-4
-3
-1
-6
-2
-4
-7
-5
-15
-10
-5
0
5
10
15
20
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
Einwohnergewinne und -verluste (absolut)
Saldo Geburten und Sterbefälle
Saldo Zu- und Fortzüge
Quelle: Statistik Hessen/HEPAS-Datenbank
empirica

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 23 -
empirica
Abbildung 12:
Entwicklung der Altersstruktur (1990-2006)
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
4.000
4.500
5.000
5.500
6.000
6.500
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
Einwohner (absolut)
unter 6
6 bis unter 15
15 bis unter 65
65 und älter
Quelle: Statistik Hessen/HEPAS-Datenbank
empirica
Verkehrsanbindung
-
Battenberg ist über zwei Bundesstraßen an das überregionale Verkehrsnetz angeschlossen. Die
nächsten Autobahnanschlüsse (A5, A44, oder A45) sind in etwa einer bis anderthalb Fahrstunden
zu erreichen. Seit langem wird eine Verbesserung der Anbindung durch den Lückenschluss der A4
zwischen Olpe und Hattenbach diskutiert.
-
Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in den 10 bzw. 15 km entfernten Orten Münchhausen bzw.
Frankenberg. Diese sind mit dem Bus erreichbar, wobei dessen Taktung sich stark am Schülerver-
kehr orientiert und der Bus daher an den Wochenenden nur selten fährt.
-
Als Ergänzung zu den regulären Angeboten des Öffentlichen Nahverkehrs gibt es seit Dezember
2007 ein Anruf-Sammeltaxi, das nach telefonischer Anmeldung die Linienbusstrecke abfährt.
Darüber hinaus gibt es ein Angebot für Jugendliche (fiftyfifty-Taxi), mit dem z.B. Fahrten in die
Disko und zurück kostengünstig zurückgelegt werden können.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 24 -
empirica
Versorgungssituation
-
In der Kernstadt gibt es vielfältige Dienstleistungs- und Versorgungsangebote für den täglichen
Bedarf (z.B. Supermarkt, Drogerie, Apotheke, Bäcker etc.). Ein Einkaufszentrum in Allendorf er-
gänzt die Angebotsstruktur. Der aperiodische Bedarf (z.B. Textilien, Möbel etc.) wird in Franken-
berg und ferner in Gießen, Kassel oder Marburg gedeckt.
-
Zurzeit gibt es sechs niedergelassene Ärzte sowie zwei Zahnärzte. Sie stellen die medizinische
Grundversorgung sicher. Lücken gibt es nach Aussagen der Bürger bei Fachärzten.
Soziale Infrastruktur
-
Insgesamt gibt es fünf Kindergärten bzw. Kindertagesstätten, jeweils eine Grundschule in Batten-
berg und Dodenau und eine Gesamtschule mit einem gymnasialen Zweig (bis Klasse 10). Andere
weiterführende Schulen befinden sich in Frankenberg (Haupt- und Realschule, Gymnasium) und
Allendorf (Hauptschule).
-
Für Ältere gibt es in Battenberg fünf Altenclubs (in jeden Stadtteil) und ein DRK-
Seniorenzentrum.
-
Die Stadt verfügt über ein umfangreiches Vereinsangebot (ca. 90 Vereine) in unterschiedlichen
Bereichen (z.B. Sport, Schützen, Chöre, Heimat- und Trachtenvereine, Jugendclub etc.). Die
Freiwillige Feuerwehr ist in jedem der Stadtteile aktiv.
-
In jedem der fünf Stadtteile gibt es ein Kultur-/Bürger- bzw. Gemeinschaftshaus, das den Bürge-
rinnen und Bürgern offen steht. Dort finden unterschiedliche Veranstaltungen statt, u.a. ist eine
Stadtbücherei in der Burgberghalle in Battenberg untergebracht.
Naherholungs- und Freizeitangebot
-
Die Stadt liegt in der landschaftlich reizvollen Umgebung des Ederberglandes am Rand des Sauer-
lands. Die Eder und die angrenzenden Wälder bieten vielfältige Naherholungs- und Freizeitmög-
lichkeiten (Radfahren, Wandern, Angeln, Boot fahren etc.).
-
In Battenberg können vielfältige Sportanlagen genutzt werden, z.B. Tennis- und Fußballplatz,
Hallen- und Freibad.
Wirtschaft und Tourismus
-
Die Wirtschaftsstruktur ist durch mehrere größere Unternehmen wie Hasenclever & Sohn GmbH,
Tritron GmbH & Co KG, MMH, Cena-Kunststoff GmbH und Viessmann Werke (Allendorf) ge-
prägt. Sie stellen den Großteil der Arbeitsplätze in der Region.

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 25 -
empirica
-
Rd. 63 % der etwa 1.600 Beschäftigten in Battenberg sind im produzierenden Gewerbe tätig. Die
Arbeitslosenquote lag 2007 im Landkreis Waldeck-Frankenberg mit 6,5 % leicht unter dem Lan-
desdurchschnitt (7,1 %).
-
Battenberg liegt aufgrund seiner naturräumlichen Lage in einer für den Tourismus attraktiven Re-
gion. Der gesamte Landkreis Waldeck-Frankenberg liegt an der hessischen Spitze: Im Jahr 2006
kamen auf 1.000 Einwohner knapp 18.000 Übernachtungen.
3
-
Der Stadtteil Dodenau ist ein anerkannter Luftkurort und verfügt über ein entsprechendes touristi-
sches Angebot und Übernachtungsmöglichkeiten. Dort werden u.a. Nordic-Walking-Touren ange-
boten, es gibt Skilanglaufloipen und einen Drachenflugstartplatz.
Blick zum Rathaus
Oberstadt Battenberg
Hänsel-und-Gretel-Brunnen
Neubaugebiet in Battenberg
3
vgl. Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung 2007 S.13

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 26 -
empirica
4.
Herausforderungen für die gemeindliche Entwicklung im Vergleich
Auf der Grundlage der vorangegangenen Kontextanalyse für Erlbach und Battenberg und unter Be-
rücksichtigung von vorliegenden Bevölkerungs- und Haushaltsprognosen (siehe folgende Abschnitte)
hat empirica die zentralen Herausforderungen für die beiden Kommunen abgeleitet (vgl. Tabelle 3).
Erlbach
In Erlbach lässt sich der demographische Veränderungsprozess (Bevölkerungsschrumpfung und Al-
tersstrukturverschiebung) anhand der quantitativen Daten bereits deutlich ablesen. Für den Landkreis
Vogtland werden weitere Bevölkerungsverluste um knapp 11 % bis 2020 prognostiziert.
4
Nach
2015/2020 wird es einen weiteren Geburtenrückgang geben, da die geburtenschwachen Jahrgänge
nach der Wende dann in das Familiengründungsalter rücken. Auch wenn sich die Situation in Erlbach
seit kurzem auf einem niedrigen Niveau stabilisiert hat, bleiben ein langfristiger Rückgang der Zahl
der Einwohner und eine sich weiter verändernde Altersschichtung fast unvermeidbar.
Bereits heute sind die Folgen der demographischen Veränderung zu beobachten. Ein Beispiel ist die
wachsende Notwendigkeit, mobil zu sein, die aus der steigenden Konzentration von Versorgungs- und
Dienstleistungsfunktionen sowie Arbeitsplätzen und einer insgesamt ausdünnenden Infrastruktur resul-
tiert. Das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs ist jedoch weitgehend auf den Schülerver-
kehr ausgerichtet und somit für den Großteil der übrigen Fahrtzwecke nicht nutzbar. Personen, die
nicht über einen privaten Pkw verfügen, können die gestiegenen Mobilitätsanforderungen bei schlech-
ter ÖPNV-Versorgung schwerer erfüllen und sind schon heute stark auf Hilfen angewiesen (Mitfahr-
gelegenheiten). Aufgrund der damit verbundenen Verschlechterung der Lebensqualität für bestimmte
Bewohnergruppen liegt hier eine der zentralen Herausforderungen für Erlbach.
Battenberg
Eine Bevölkerungsprognose für Battenberg geht davon aus, dass sich die demographische Ausgangssi-
tuation in der Stadt bis 2020 faktisch nicht verändert.
5
Sowohl die Bevölkerungszahl als auch die Al-
tersstruktur der Bevölkerung bleiben nach dieser Prognose stabil. Die klassischen Probleme als Folge
des demographischen Wandels (Bevölkerungsschrumpfung, Altersstrukturverschiebung und Zunahme
der Bevölkerung mit Migrationshintergrund) sind demnach in Battenberg gegenwärtig und nach den
Ergebnissen der Bevölkerungsprognose bis 2020 noch nicht manifest. Für den gesamten Landkreis
Waldeck-Frankenberg ergibt sich aus anderen Bevölkerungsvorausberechnungen ein negativeres Bild.
4
Prognosen für die kleinräumige Ebene der Gemeinde Erlbach gibt es nicht und wären auch nur bedingt aussagefähig.
5
Bevölkerungsvorausschätzung der Hessen Agentur (bis 2020) für Battenberg in HA Hessen Agentur GmbH 2005: Landkreis Waldeck-
Frankenberg 2020. Perspektiven und Handlungsoptionen; Tabellenband, Wiesbaden (unveröffentlicht), S. 25

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 27 -
empirica
Für den Zeitraum 2007 bis 2020 wird ein Bevölkerungsrückgang von 5,2 % prognostiziert, von 2007
bis 2050 ein Rückgang von insgesamt 24 %.
6
Dieser Trendfortschreibung zufolge würden im Land-
kreis Waldeck-Frankenberg im Jahr 2050 rd. 40.000 Menschen weniger leben als heute. Der Bevölke-
rungsrückgang wird vor allem auf die natürliche Bevölkerungsentwicklung (weniger Geburten, mehr
Sterbefälle) zurückgeführt und weniger auf eine Abwanderung. Es wird vielmehr erwartet, dass in den
Landkreis mehr Personen zuwandern als abwandern.
Wir halten diese Prognosen, insbesondere die Annahmen zur Zuwanderung, für zu optimistisch. Schon
in wenigen Jahren wird sich die Konkurrenz um qualifizierten Nachwuchs zwischen den Regionen
dramatisch verschärfen. Schon jetzt zeigt sich, dass die leistungsstarken Stadtregionen sich hier als
besonders attraktiv erweisen. Die Prognosen beinhalten Trendfortschreibungen, die angesichts der
qualitativen Veränderungen eher unrealistisch sind. Dennoch gibt es aktuelle Herausforderungen in
Battenberg, die sich u.a. aus Strukturverschiebungen in anderen Bereichen ergeben, wie z.B. dem
Strukturwandel im Einzelhandel. Eine Sondersituation ergibt sich im Wohnungssektor, wo die Zahl
der Haushalte noch im Prognosezeitraum rückläufig sein kann. Gleichzeitig kommt es zu einer verla-
gerten Nachfrage zu Gunsten attraktiver neuer Eigenheime während die Nachfrage nach älteren weni-
ger attraktiven Wohnbauten zurückgeht. Vor allem in Kernbereichen mit unattraktiven Altbauten dro-
hen die Leerstände weiter zu wachsen und zu einem zentralen Defizit in der Stadtentwicklung zu wer-
den. Unabhängig von der relativ stabilen Gesamtzahl der Einwohner kommt es zu qualitativen Ver-
schiebungen. So wird eine weitere Bildungsexpansion, d.h. dass immer mehr junge Menschen eine
höhere Schulbildung erhalten als ihre Eltern, zu einer Abwanderung von Abiturienten führen. Diese
gut ausgebildeten werden nur in einem begrenzten Umfang zurückwandern, weil die Zahl der Arbeits-
plätze für Akademiker in Battenberg begrenzt bleibt. Gleichzeitig bleibt eine hohe Nachfrage nach
Erwerbstätigen mit mittleren Qualifikationen bestehen. Der verschärfte Wettbewerb um solche Perso-
nen führt zu steigenden Anforderungen an die Lebensqualität in Battenberg.
6
HA Hessen Agentur GmbH 2007: Bevölkerungsvorausschätzung für die hessischen Landkreise und kreisfreien Städte. Eine Projektion
für den Zeitraum 2007 bis 2030 und eine Trendfortschreibung bis 2050.;Wiesbaden, S. 66

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 28 -
empirica
Tabelle 3:
Zentrale Herausforderungen für die Entwicklung von Erlbach und Battenberg
Erlbach
Battenberg
1. Mobilität/Erreichbarkeit
:
Der öffentliche Nahverkehr (nach Markneukirchen, Adorf, Oelsnitz, etc.)
orientiert sich stark am Schülerverkehr und ist über weite Strecken
ungenügend. Alternative Bedienformen gibt es nicht. Einwohner, die
nicht über ein eigenes Auto verfügen, werden in ihrer Mobilität in erster
Linie durch Familienangehörige unterstützt.
1. Stadtumbau/ städtebauliche Situation:
In den Ortskernen von Battenberg und den Stadtteilen gibt es aus
unterschiedlichen Gründen vereinzelt Leerstände von
Wohngebäuden/Gewerberäumen. Gleichzeitig sind die Ortskerne im
Hinblick auf die Attraktivität Battenbergs als Wohn- und Lebensort vor
allem für Familien von besonderer Relevanz.
2. Unterstützung und Pflege älterer Menschen:
Die Bildungs- und Arbeitsplatzwanderung über die Region hinaus wird
auch künftig ein Thema sein. Mangels entsprechender Arbeitsplätze
wird ein großer Teil der zunächst zeitweise Abwandernden nicht nach
Erlbach zurückkehren. Entsprechend steigt die Zahl der Älteren, die bei
Bedarf nicht auf die unmittelbare Unterstützung ihrer
Familienangehörigen zurückgreifen können, sondern allein sind und auf
nachbarschaftliche Hilfen angewiesen sind. Dies wird schon heute als
Beeinträchtigung erlebt.
2. Unterstützung und Pflege älterer Menschen:
Die Bildungsabwanderung in die größeren Städte wird mit der
steigenden Zahl von hohen Schulabschlüssen zunehmen und wird
schon jetzt erlebt. Mangels entsprechender Arbeitsplätze wird ein hoher
Anteil der Hochqualifizierten nicht nach Battenberg zurückkehren.
Entsprechend steigt die Zahl der Älteren, die bei Bedarf nicht auf die
unmittelbare Unterstützung ihrer Kinder zurückgreifen können, sondern
allein sind und auf nachbarschaftliche Hilfen angewiesen sind.
3. Versorgungssituation (Einzelhandel, Gastronomie):
Die Grundversorgung ist in Erlbach nur teilweise gewährleistet (z.B.
Bäcker, Dorfladen), die größeren Einkäufe und der Bedarf an Dienst-
leistungen werden traditionell im Nachbarort Markneukirchen gedeckt.
Für die Attraktivität des Dorfes als Wohnstandort, aber auch als
touristisches Ziel ist der Erhalt der vorhandenen Versor-
gungseinrichtungen von Bedeutung und darüber hinaus die Erweiterung
bzw. Ergänzung vorhandener Angebote im gastronomischen Bereich
notwendig. Es bestehen große Sorgen über langfristige Attraktivität.
3. Mobilität/Erreichbarkeit:
Der öffentliche Nahverkehr (nach Frankenberg, Marburg etc.) orientiert
sich stark an den Schulzeiten und ist über weite Strecken ungenügend.
Teilweise gibt es alternative Bedienformen, wie z.B. ein Anruf-
Sammeltaxi und Angebote für Jugendliche.
4. Gesundheitliche Versorgung:
Insbesondere bei einem steigenden Anteil älterer Menschen, vor allem
Hochaltriger, steigt die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen und
ärztlicher Versorgung vor Ort. Diese ist in Erlbach in absehbarer Zeit
nicht mehr gewährleistet (Ruhestand des Allgemeinmediziners).
4. Versorgungssituation (Einzelhandel, Dienstleistungen):
Eine Grundversorgung ist in Battenberg zurzeit gewährleistet. Für die
Attraktivität der Stadt als Wohnstandort ist der Erhalt der Grundver-
sorgung für die Zukunft von sehr großer Bedeutung. Das Angebot in
einzelnen Ortsteilen verschwindet allmählich und es besteht die Sorge
um eine sinkende Attraktivität und den Verlust von Kontakt- und
Kommunikationsorten in den Dörfern.
5. Familie und Erziehung:
Erlbach hat sich bereits als familienfreundlicher Ort profiliert (z.B. Fa-
milienzentrum, flexible Betreuungszeiten etc.). Für die Attraktivität des
Ortes als Wohnstandort für Familien war auch die Entscheidung für den
Grundschulstandort Erlbach von besonderer Bedeutung. Dennoch bleibt
die Familienfreundlichkeit des Ortes ein wichtiges Thema, um Familien
an den Ort zu binden.
5. Bürgerschaftliches Engagement:
In Battenberg sind viele Bürgerinnen und Bürger in rd. 90 Vereinen
aktiv. Bereits seit einiger Zeit wird hier ein geringeres Interesse zur
Verantwortungsübernahme innerhalb von Vereinen (Übungsleiter etc.)
festgestellt. Es ist bereits heute wichtig, zivilgesellschaftliche Strukturen
zu stärken und aufzubauen, um für künftige Aufgaben gerüstet zu sein
(z.B. Unterstützung Älterer, Unterstützung von Familien).
6. Schule/ Bildung:
Mit hoher Wahrscheinlichkeit nimmt die Bildungsbeteiligung zukünftig
weiter zu, d.h. der Anteil der Schlussabschlüsse "Mittlere Reife" und
"Hochschulreife" nimmt zu Lasten der "Hauptschulabschlüsse" zu.
Bürger befürchten, dass der Hauptschulzweig der Gesamtschule in
Battenberg künftig obsolet wird.
7. Ausbildung und lokale Wirtschaft:
Angesichts bundesweit sinkender Zahlen von Personen im
erwerbsfähigen Alter wird es für die lokale Wirtschaft wichtig, den
Fachkräftemangel durch überregionale Zuwanderung zu kompensieren.
Battenberg muss attraktiver für Arbeitskräfte aus anderen Regionen
werden. Es besteht die Sorge, dass die Attraktivität Battenbergs nicht
ausreicht, um diese "Lücken" künftig zu füllen.
8. Familie und Erziehung:
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt ein Dauerthema. Die
Erwerbsquote der Frauen wird noch weiter steigen. Es gibt bereits
Ansätze, z.B. flexiblere, längere Öffnungszeiten einer Kindertagesstätte,
mit denen Verantwortliche auf die neuen Erfordernisse reagieren.
9. Integration:
Die Integration von Einwohnern mit Migrationshintergrund ist
gegenwärtig eher ein untergeordnetes Thema in Battenberg. Nach den
Ergebnissen der Bevölkerungsprognose ändert sich daran auch künftig
nicht viel. Gleichwohl tauchte dieses Thema in den Vorbesprechungen
immer wieder auf (z.B. Einzug von ausländischen Familien in
leergezogenen Wohnungsbeständen der Mitte, sprachliche Defizite von
Kindern etc.).
Anmerkung: Auflistung der zentralen Herausforderungen in der Reihenfolge ihrer Bedeutung für die gemeindliche Entwick-
lung auf der Basis der vorangegangenen Kontextanalyse.
empirica

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 29 -
empirica
5.
Ergebnisse der Diskussion in den Planungszellen
5.1
Erlbach
5.1.1 Stärken und Schwächen
Bei der Beurteilung der positiven und negativen Merkmale Erlbachs sind sich die Teilnehmer der Ex-
perten- und Bürgerrunde ausgesprochen einig (vgl. Tabelle 4). Als besondere Stärke heben sie den
starken Zusammenhalt der Bewohner und die Bereitschaft zur gegenseitigen Unterstützung im Alltag
hervor. Dabei spielen für sie sowohl die zahlreichen Vereine als verbindendes Element aller Generati-
onen eine zentrale Rolle als auch die Einrichtungen im Bereich Betreuung und Bildung wie die Kin-
dertagesstätte, die Grundschule und das Familienzentrum. Diese Einrichtungen sind wichtige Treff-
punkte und Orte der Kommunikation und dienen zugleich der Identifikation mit der Gemeinde. Die
hohen Anpassungszwänge nach der Wende haben das Gefühl gestärkt aufeinander angewiesen zu sein.
Die Bereitschaft zum Engagement ist allein aufgrund der bisherigen Erfahrungen sehr hoch. Die Bür-
gergutachter verweisen darüber hinaus auf die eigenständige Gemeindeverwaltung und die damit ver-
bundenen Vorteile einer direkten Interessenvertretung.
Auch bei den negativen Merkmalen teilen beide Runden ihre Ansichten über die Lage in Erlbach: Vor
allem die Infrastrukturausstattung (Gesundheitsversorgung, Mobilität, Einzelhandel) gibt den Erlba-
chern Anlass zur Sorge. Aus Sicht der Experten ist auch der Mangel an attraktivem Bauland z.B. für
Familien ein negativer Aspekt, der die Entwicklung der Gemeinde hemmt.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 30 -
empirica
Tabelle 4:
Erlbach: Positive und negative Merkmale aus Sicht der Experten und
Bürgergutacher
Experten
Bürgergutachter
Positive
Merkmale
- Zusammengehörigkeitsgefühl der Erlbacher
- Kinder sind von Beginn an Mitglied der Dorfgemeinschaft
- Gute Nachwuchsarbeit in den Vereinen
- Vereinsleben
- Gegenseitige Unterstützung wird unkompliziert und
informell organisiert
- Hohe Familiendichte
- Kinder stehen im Mittelpunkt, bei der Erziehung und
Betreuung helfen alle
- Alle Infrastruktureinrichtungen wie Kita, Hort, Grundschule
und Familienzentrum vor Ort
- Gute Dorfgemeinschaft
- Naturnähe
- Ausgeprägtes "Wir-Gefühl"
- "Spezieller Schlag", "gallisches Dorf"
- Sehr reges Vereinsleben
- Viel Engagement für den Nachwuchs
- Gemeindeverwaltung vor Ort
- Familienfreundlicher Ort
- Alle wichtigen Kinder- und Familieneinrichtungen vorhanden
- Natur und schöne Umgebung
- Unterstützung bei Betreuung von Kindern durch andere
Familien und die Gemeinde
- Zusammenleben aller Generationen funktioniert gut
- Große Bereitschaft zum Engagement und zur Improvisation
Negative
Merkmale
- Vorhandenes Bauland wenig attraktiv
- Medizinische Grundversorgung in naher Zukunft nicht mehr
gewährleistet
- Gastronomisches und Dienstleistungsangebot (auch für
Besucher) nicht ausreichend
- Mangelnde Perspektiven für Jugendliche (z.B. Ausbildung)
- Angebot an Ausbildungsplätzen passt häufig nicht mit
Vorstellungen und Wünschen der Jugendlichen zusammen
- Mangelhafte Mobilität ohne eigenen PKW
- Abwanderung von Erlbachern (z.B. nach Bayern
wegen Arbeitsplatz
- Infrastruktur (Mobilität, Einzelhandel)
- Gesundheitsversorgung unsicher
- Nachwuchsarbeit in Vereinen durch Abwanderung bzw.
Fernpendler mit wenig Freizeit gefährdet
- Ausdünnung der Bewohnerdichte in Teilgebieten
Quelle: Ergebnis der Planungszelle in Erlbach, November 2007
empirica
5.1.2 Zentrale Herausforderungen für die gemeindliche Entwicklung
Auf die Einschätzung der Stärken und Schwächen von Erlbach folgte ein Kurzvortrag zur demogra-
phischen Entwicklung in Erlbach und die zu erwartenden Auswirkungen des demographischen Wan-
dels auf die verschiedenen Lebensbereiche. Auf der Grundlage dieser Informationen und der eigenen
Erfahrungen erörterten die Teilnehmer der Bürger- und Expertenrunde die bisherigen Veränderungen.
Der demographische Wandel ist nicht mehr nur Zukunftsprojektion, sondern Realität.
Die Bürgergutachter beziehen ihre Äußerungen auf ihre unmittelbare Lebenserfahrung. Sie haben in
den letzten Jahren erlebt, dass sich aufgrund von Abwanderung und Geburtenrückgang drastische
Veränderungen vollzogen haben. Dadurch hat sich ihr Alltagsleben in ganz unterschiedlichen Berei-
chen z.T. erheblich und in ständigen kleinen Schritten bei gelegentlichen schubartigen Einschnitten
verändert. Die Bürger haben daher die Wirkungszusammenhänge der demographischen Entwicklung
bereits zu einem großen Teil verinnerlicht und sind damit selbst bereits zu Experten des Themas ge-
worden. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Sichtweisen der Bürger- und der Expertenrunde
bezüglich der Rangfolge der wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft nur in wenigen Punkten.
Sowohl in Arbeitsgruppen als auch im Plenum diskutierten die Teilnehmer beider Runden die ver-
schiedenen Themen, die im Zusammenhang mit dem demographischen Wandel stehen. Im Ergebnis
formulierten sie zentrale Herausforderungen, die sich aus ihrer Sicht für die kommunale Entwicklung
Erlbachs ergeben, fassten diese in 12 Handlungsfeldern zusammen und bewerteten sie hinsichtlich
ihrer Relevanz (vgl. Tabelle 5 und Tabelle 6). Im Folgenden werden die wichtigsten Handlungsfelder
ausführlicher erläutert.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 31 -
empirica
Freizeit/Dorfgemeinschaft: Stärkung des Gemeinschaftslebens und Ausbau der Freizeitangebote
Die Bürgergutachter sind der Meinung, dass die Stärkung der Dorfgemeinschaft mit großem Abstand
die wichtigste Herausforderung für die Gemeinde ist, um die Folgen des demographischen Wandels zu
bewältigen. Die große Chance und einen Vorteil gegenüber anderen Kommunen sehen die Bürger wie
auch die Experten in den bereits bestehenden, sehr zuverlässigen Netzwerken in Erlbach.
„Allen ist
bewusst, dass es nur miteinander geht.“
7
Dabei sind die Vereine, die öffentlichen und privaten Ein-
richtungen wie die Schule, die Kita und das Familienzentrum, aber auch die Einzelhändler sowie die
Gemeindeverwaltung wichtige Anknüpfungspunkte.
„Im Grunde ziehen hier alle an einem Strang und
man hilft sich gegenseitig aus. Wenn das Familienzentrum eine Veranstaltung ausrichtet und es z.B.
an Möbeln fehlt, reicht ein Anruf in der Gemeindeverwaltung und schon sind Tische und Stühle vor
Ort.“
Diese „kurzen Wege“ und Netzwerke müssen aus Sicht der Teilnehmer noch stärker ausgebaut
werden. Um das Gemeinschaftsgefühl der Erlbacher zu stärken, schlagen die Bürgergutachter vor,
Freizeitmöglichkeiten auszubauen bzw. attraktiver zu gestalten und Orte zu schaffen, die von den
Bürgern als Treffpunkte genutzt werden und mit denen sie sich identifizieren können.
Gesundheit: Sicherung der medizinischen Versorgung vor Ort
Aus aktuellem Anlass ist es den Teilnehmern beider Runden besonders wichtig, dass die medizinische
Versorgung vor Ort auch in Zukunft gewährleistet ist. Der einzige in Erlbach ansässige Arzt gibt seine
Praxis altersbedingt auf, ein Nachfolger ist nicht in Sicht.
„In wenigen Monaten ist der Doktor weg.
Den älteren Leuten ohne Auto bereitet das jetzt schon große Sorgen. Sie sind dann auf andere ange-
wiesen, die sie zum Arzt bringen und wieder abholen.“
In den Diskussionsrunden wurden verschiede-
ne Ansätze erörtert, wie es gelingen könnte einen Mediziner zur Übernahme der Praxis in Erlbach zu
bewegen, z.B. mittels finanzieller Anreize. Die Erfolgsaussichten einer solchen Aktion schätzen die
Teilnehmer als eher gering ein. Es hat daher eine sehr hohe Priorität, eine praktikable und schnelle
Lösung für die Gewährleistung einer wohnortnahen medizinischen Versorgung zu finden oder eine
geeignete Mobilitätsform auch für Menschen ohne eigenen Pkw zu finden.
Vereinsarbeit stärken
Die zahlreichen Vereine in Erlbach sind für die Bürgergutachter und Experten ein wesentlicher Be-
standteil des gemeinschaftlichen Lebens in Erlbach. Sie sind ein wichtiges soziales Netzwerk für viele
Erlbacher und dienen insgesamt der Identifikation mit der Gemeinde. Aufgrund der Abwanderung in
den letzten Jahren haben einige Vereine Nachwuchssorgen. Zusätzlich führen die relativ häufigen
berufsbedingten Pendelbeziehungen zwischen Erlbach und den alten Bundesländern dazu, dass Ver-
einsmitglieder seltener Zeit haben, am Vereinsleben teilzunehmen, geschweige denn Aufgaben zu
7
Zitate der Teilnehmer der Bürger- und der Expertenrunden sind im Folgenden durch Kursivschreibung gekennzeichnet.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 32 -
empirica
übernehmen:
„Viele pendeln für ihren Arbeitsplatz nach Bayern. Ein Wegzug kommt für die meisten
nicht in Frage. Man ist hier stolz auf die Heimat. Doch durch das Pendeln geht viel Freizeit verloren.
Nicht nur die Familien, sondern auch das Vereinsleben leiden darunter.“
Die Bürgergutachter, die zu
71 % aktive Vereinsmitglieder sind, sehen es als wichtige Zukunftsaufgabe an, die Vereine in Erlbach
zu stärken. Sie schlagen eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen allen Vereinen vor, um Kompeten-
zen zu bündeln und gemeinsame Strategien für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit zu erarbeiten und
zusammen eine bessere Öffentlichkeitsarbeit machen zu können. Für die anvisierte gemeinsame Arbeit
fehlt ihrer Meinung nach eine zentrale Anlaufstelle bzw. ein Treffpunkt.
Versorgung: Handel und Dienstleistungen stärken
Neben der medizinischen Versorgung, beklagen die Teilnehmer vor allem im Bereich der Dienstleis-
tungen eine Verschlechterung der Versorgungssituation (Gaststätte, Café, Geldautomat etc.) und eine
Ausdünnung der Kontaktmöglichkeiten. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Situation älterer
Menschen, aber auch bezüglich der Attraktivität Erlbachs für Touristen:
„Es fehlt an Einkehrmöglich-
keiten. Mittags bekommt man hier nicht mal eine Tasse Kaffee. Ich finde, dass das keinen guten Ein-
druck macht und für die älteren Leute wäre es doch schön, wenn man sich mal auf ein Stückchen Ku-
chen im Café treffen könnte.“
Das geringe Einzelhandelsangebot vor Ort empfinden die Erlbacher bisher noch nicht als zentrales
Defizit. Angesichts der Alterung der Erlbacher Bevölkerung und gleichzeitig ausdünnenden familiären
Netzwerken erwarten sie aber einen steigenden Bedarf:
„Es kann schon zum Problem im Alter werden,
Lebensmittel einzukaufen. Wenn man nicht mehr so mobil ist, dann ist doch z.B. ein wöchentlicher
Markt oder ein Bringdienst eine tolle und notwendige Sache.“
Aktuell decken die Erlbacher ihren
Bedarf an Lebensmitteln traditionellerweise im Nachbarort Markneukirchen. Für Kleinigkeiten gibt es
den Dorfladen oder die Bäcker sowie die an manchen Tagen nach Erlbach kommenden mobilen Ver-
kaufsstände. Der Situation im Einzelhandel stehen die Teilnehmer sehr realistisch gegenüber. Die sind
sich bewusst, dass die Vor-Ort-Angebote nur dann gegenüber dem Supermarkt im Nachbarort preis-
lich konkurrenzfähig wären, wenn sie in größerem Umfang höhere Kosten für Produkte in Kauf neh-
men würden. Eine wichtige Herausforderung sehen die Bürgergutachter in der zukünftigen Sicherstel-
lung einer wohnortnahen Versorgung (z.B. durch mobile Angebote, Bringdienste etc.). In diesem Zu-
sammenhang erörterten die Teilnehmer auch die Möglichkeiten informell und selbstorganisierter An-
gebote.
Tourismus, Arbeit und Wirtschaft: Wirtschaftsentwicklung im Zeichen des Tourismus
Im Ausbau der touristischen Infrastruktur sehen die Bürgergutachter wie auch die Experten einen
wichtigen Beitrag zur Sicherung eines der wichtigen wirtschaftlichen Standbeine der Gemeinde.
„Es
ist hier vieles auf den Tourismus ausgerichtet und wir haben ja auch gute Angebote. Gerade sind wir

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 33 -
empirica
„Familienfreundlicher Ort“ geworden. Im Familienzentrum können Urlauber sogar ihre Kinder stun-
denweise betreuen lassen. Das ist schon alles sehr gut. Aber es muss noch mehr getan werden, finde
ich, z.B. ist der grenzüberschreitende Tourismus noch nicht so weit ausgebaut und die Gastfreund-
schaft könnte durch ein kleines Café noch verbessert werden.“
Einschränkend fügte aber ein Teilneh-
mer hinzu,
„dass der Tourismus kein Garant für die wirtschaftliche Entwicklung ist und neue Arbeits-
plätze - wenn überhaupt - nur in einem geringen Umfang schafft“.
Aus diesem Grund sind auch ande-
re Aktivitäten im Bereich der Wirtschaft in ihren Augen nicht zu vernachlässigen. Dazu könnte z.B.
der Ausbau von Marketingaktivitäten für regionale Produkte zählen. Für die Experten ist es im Hin-
blick auf die Zukunft der kleinen und mittelständischen Betriebe, u.a. aus dem Bereich des Musikin-
strumentenbaus, zudem besonders wichtig, bereits frühzeitig zwischen Wirtschaft und Schule zu ko-
operieren, um den Jugendlichen eine berufliche Perspektive zu bieten und sie als Arbeitskräfte für die
Betriebe in der Region zu gewinnen.
Unterstützung und Pflege älterer Menschen
Durch die Abwanderung hat sich die Altersschichtung verschoben. Es gibt eine große Zahl von älte-
ren, teilweise noch erwerbstätigen Menschen, deren Kinder weggezogen sind. Viele können schon
jetzt absehen, dass sie im Alter nicht mit den üblichen Unterstützungen innerhalb der Familie rechnen
können. Zudem besteht die Sorge, Familienangehörige und Nachbarn mit der Bitte um Unterstützung
zu überfordern:
„Ich kann mir vorstellen, dass das sehr schwierig ist, wenn die eigenen Kinder nicht
mehr da sind. Wer soll sich dann kümmern? Die Nachbarn mag man ja nicht dauernd fragen und
nicht jeder kann sich z.B. eine Haushaltshilfe leisten. Selbst meine Mutter fühlt sich schon als Belas-
tung, wenn ich ihr mal was aus Markneukirchen mitbringen soll. Dabei mache ich das doch gerne.“
Ein größerer Teil der Menschen wird künftig auf Hilfe von außen angewiesen sein. Gleichzeitig wer-
den professionelle haushaltsnahe Dienstleistungen immer teurer, da die Finanzierung in der bisherigen
Form durch die Pflegeversicherung nicht mehr erfolgen wird. Der Unterstützungsbedarf der Menschen
muss daher auf andere Weise abgedeckt werden. Darin sehen die Bürgergutachter und Experten ein
wichtiges Zukunftsthema. Sie schlagen vor, die Älteren stärker in das gemeinschaftliche Leben einzu-
beziehen und auf diese Weise die oftmals nicht mehr vorhandenen familiären Netze zumindest teil-
weise zu ersetzen und in Form einer starken Selbstorganisation den Unterstützungsbedarf der Älteren
zu decken. Eine Herausforderung besteht diesbezüglich auch darin, das in Erlbach vorhandene Poten-
tial an freiwilligen Kräften zu wecken und einzubinden:
„Von einigen meiner Freundinnen weiß ich,
dass sie nach dem Ende ihres Berufslebens vorhaben, sich etwas mehr für die Gemeinschaft einzuset-
zen. Mit Mitte 60 gehört man ja noch nicht zum alten Eisen und eine wichtige Beschäftigung, die dazu
noch anderen Menschen hilft, tut doch allen gut.“

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 34 -
empirica
Schaffung von attraktiven Wohnangeboten für Familien und ältere Menschen
Sowohl Bürgergutachter als auch Experten sehen in der Bereitstellung von attraktivem und preisgüns-
tigem Bauland einen wichtigen Baustein für eine zukünftig positive gemeindliche Entwicklung.
„Wir
wissen von Familien, die gerne in Erlbach bauen möchten, aber keine geeigneten Bauplätze finden.
Das ist doch im Hinblick auf die nach wie vor schrumpfende Bevölkerung sehr bedauerlich.“
Vor
allem Familien brauchen günstige Baumöglichkeiten. Während dieser Punkt aber bei den Bürgergut-
achtern nur ein Aspekt der kinder- und familienfreundlichen Gemeinde ist, betonen die Experten die
Notwendigkeit, Bauplätze in attraktiven Lagen auszuweisen, sehr deutlich. Dabei ist aus ihrer Sicht
auch zu überlegen, inwieweit bislang untergenutzte oder leer stehende Gebäude für eine Umnutzung
für Familienwohnen, aber auch für Wohnangebote von Älteren genutzt werden können.
Querschnittsthema Mobilität
Viel diskutiert haben Bürgergutachter und Experten das Thema Mobilität. Da dieser Aspekt auch in
nahezu allen anderen Bereichen von großer Bedeutung ist, wurde im Plenum entschieden, dass es als
Querschnittsthema behandelt wird. Daher ist das Thema „für sich“ abschließend nur mit mittlerer Re-
levanz bewertet worden, obwohl die Mobilität aus Sicht der Teilnehmer ein sehr zentrales Zukunfts-
thema ist. Hintergrund ist, dass der Rückgang der Einwohnerzahl dazu geführt hat, dass das öffentli-
che Nahverkehrsnetz ausgedünnt ist, weil die Nachfrage zurückgeht und es zu Kostensteigerungen für
die Nutzer kommen musste. Nun geht es darum, auch Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen
Leben zu ermöglichen, die nicht über einen Pkw verfügen. Dies betrifft insbesondere ältere Menschen
z.B. hinsichtlich der Versorgung mit Lebensmitteln, der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen
oder auch der Besuche von kulturellen Veranstaltungen in der Region. Den Experten ist ebenso wie
den Bürgergutachtern bewusst, dass es aus der Abwärtsspirale des öffentlichen Nahverkehrsangebotes
angesichts reduzierter finanzieller Spielräume kaum ein Entrinnen gibt und die Entwicklung neuer
Organisationsformen in Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr erforderlich ist.
Weitere Themen
Das Thema Kinder- und Familienfreundlichkeit ist in der Bürgerrunde diskutiert worden, tritt aber in
der Bewertung der wichtigsten Zukunftsthemen hinter anderen zurück. Dies betrifft auch die Themen-
bereiche Kinder und Jugendliche sowie Bildung. Das liegt u.a. daran, dass die aktuelle Situation in
Bezug auf Familie, Kinder und Jugendliche relativ gut eingeschätzt wird:
„Das Klima hier ist schon
sehr kinderfreundlich und alle wichtigen Einrichtungen gibt es in direkter Nähe. Wir haben einen tol-
len Kindergarten, das Familienzentrum, viele Spielmöglichkeiten und ganz wichtig – die Schule vor
Ort.“
Ein zweiter Grund mag der Erfolg gegen die drohende Schulschließung in Erlbach gewesen
sein. Zwar ist die Mittelstufe aus Erlbach wegverlagert worden. Im Gegenzug hat Erlbach aber die
Grundschule erhalten.
„Für die Attraktivität von Erlbach für Familien mit Kindern ist die Schule nicht

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 35 -
empirica
hoch genug einzuschätzen. Wäre die nicht da, könnte ich mir durchaus vorstellen, wegzuziehen.“
In
dieser Äußerung zeigt sich die große symbolische Bedeutung von Schule für die Menschen. Aufgrund
des sehr großen Einflusses der örtlichen Schule auf die Lebensqualität von Kindern und Familien ist es
aus Sicht der Bürgergutachter erforderlich, diese Qualität auch zukünftig zu erhalten. Angesichts der
Erfahrungen mit den Schulzusammenlegungen, aber auch Schulschließungen in der Region, sollte das
Thema aus ihrer Sicht auch weiter „im Auge behalten“ werden, letztlich auch unter Berücksichtigung
alternativer Schulkonzepte, wie z.B. Zwergschulen und Schulen mit Altersstufen übergreifendem Un-
terricht.
In diesem Zusammenhang wurde in der Bürgerrunde auch das Querschnittsthema Grenzüberschreiten-
des angesprochen.
„Unsere Lage an der Grenze sollten wir viel mehr nutzen! Vielleicht können wir
auch irgendwann gemeinsame Schulen betreiben, oder einen zweisprachigen Kindergarten eröffnen.
Wenn die Kinder erstmal die jeweils andere Sprache können, ist das auch für ihre berufliche Perspek-
tive gut.“
Diskussion der Zukunftsthemen im Plenum
Vorstellung der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 36 -
empirica
Bürgerrunde: Bewertung der zentralen Herausforderungen
Bürgerrunde: Erarbeitete Zukunftsthemen

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 37 -
empirica
Tabelle 5:
Erlbach: Zentrale Herausforderungen aus Sicht der Bürgergutachter
Bewertung
Freizeit/ Dorfgemeinschaft
45
- Bürgerhaus/Vereinshaus als Treffpunkt einrichten (z.B. im Tauscher)
- Gastronomische Einrichtungen schaffen (evt. auch Tanzsaal)
- Grillplatz schaffen
- Naturgarten einrichten (kindergerecht)
- Familienzentrum ausbauen und stärken
- Floßteich als Ausflugsziel herrichten
- Bowling-/Kegelbahn
- Fitnesspfad
Gesundheit
27
- Medizinische Versorgung gewährleisten, auch wenn Arzt in Ruhestand geht
Vereinsarbeit stärken
25
- Miteinander der Vereine stärken (z.B. Vereinsbeirat gründen)
- in Nachwuchsarbeit investieren (z.B an Schulen werben, Vereinsmarketing)
- Öffentlichkeitsarbeit stärken (z.B. Tanzveranstaltungen)
- Treffpunkt für alle Vereine und alle Generationen schaffen
- gemeinsame Projekte zwischen den Vereinen
Versorgung
23
- Versorgungssituation verbessern, insbesondere für ältere Menschen
- Dienstleistungen vor Ort halten bzw. gewinnen (z.B: Geldautomat, Einkehrmöglichkeiten)
Tourismus
20
- Angebote/Infrastruktur für Urlauber verbessern (Wanderwege, Gastronomie)''
- Kurheim Schwarzbachtal
- Ausbau Freilichtmuseum und stärkere Brauchtums- und Mundartpflege
- Ausbau grenzüberschreitender Beziehungen
- Auf Familien- und Individualtourismus setzen
- Wenn Luftkurort: Beziehung zu Bad Brambach (Wellness, Anwendungen etc.) ausbauen
Arbeit und Wirtschaft
18
- Arbeitsplätze sichern
- Marketingaktivitäten ausbauen, z.B. Angebot an regionalen Produkten, Internetauftritt
- Zusammenarbeit mit Partnerstädten
Unterstützung und Pflege älterer Menschen
16
- Ältere stärker in die Gemeinschaft einbinden (gesellige Angebote)
- Gegenseitige Rücksichtnahme, Aufgaben für alle
- Altersruhesitz für Auswärtige
- Informelle Dienstleistungen ausbauen und fördern (z.B. Patengroßeltern)
- Auf lebenslanges Lernen setzen (z.B. Senioren ans Netz)
Grenzüberschreitendes (Querschnittsthema)
13
- Grenzüberschreitende Kinder- und Jugendprojekte
- Erzähl- bzw. Leseclub
- Zweisprachiger Kindergarten
Mobilität/Erreichbarkeit (Querschnittsthema)
12
- Mobilität (älterer) Erlbacher gewährleisten (auch im Winter)
- Alternative Möglichkeiten (z.B. Shuttle, Fahrdienste; Patenschaften) prüfen
Kinder- und familienfreundlicher Ort
9
- Kommunikationsorte für Familien ausbauen (z.B. Familienzentrum)
- Unterstützung von Familien durch längere Öffnungszeiten der Kita stärken
- Unterstützung von Familien durch Patenschaften, ältere Bewohner (Betreuung)
- Kinder- und familienfreundliches Klima: Gaststätte, Straßenbeleuchtung
- Attraktives Bauland für junge Familien bereitstellen
Kinder und Jugendliche
6
- Anlaufstelle Jugendliche (unter Aufsicht)
- kostengünstigen Verpflegung in der Schule
- Gleiche Chancen für alle (kostengünstger Skiausleih, Skischule, Instrumente, Bus etc.)
Bildung
0
- Pflege und Beibehaltung der "deutschen" Sprache
- Ausbau grenzüberschreitender Beziehungen
- Bildungseinrichtungen dauerhaft beibehalten/stärken (Dorflehrer)
Anmerkung: Bewertung der Relevanz des Themas für die Zukunft von Erlbach am Ende des ersten Tages der Planungszelle
nach Anhörung, Erörterung und Diskussion der jeweiligen Themen in Arbeitsgruppen und im Plenum. Die Teilnehmer konn-
ten jeweils zehn Bewertungspunkte vergeben, auch Mehrfachnennungen waren möglich.
Quelle: Ergebnis der Planungszelle in Erlbach, November 2007
empirica

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 38 -
empirica
Tabelle 6:
Erlbach: Zentrale Herausforderungen aus Sicht der Experten
Experten
- Angebot an attraktivem Bauland für Familien schaffen
- Medizinische Versorgung für die Zukunft sichern
- Touristische Infrastruktur ausbauen („Tourismustrends“; Gastronomie)
- Neue Wohnformen auch für Ältere vor Ort
- Kooperation von Schule und Wirtschaft (Orientierungshilfen für Jugendliche)
- Mobilität erhalten
- Auf Dorfgemeinschaft setzen: Es geht nur miteinander
- Abwasserproblematik Lindenhöhe lösen
- Verstärkte Einbindung der Älteren in die Dorfgemeinschaft
Quelle: Ergebnis der Expertenrunde in Erlbach, November 2007
empirica
5.1.3 Lösungsansätze und Projektideen
Auf der Grundlage der vorangegangenen Diskussionen entwickelten die Bürgergutachter in Gruppen-
arbeit Lösungsansätze und Projektideen für die wichtigsten Erlbacher Zukunftsthemen und Herausfor-
derungen (vgl. Abschnitt 5.1.2). Tabelle 7 gibt einen Überblick über die insgesamt 18 Projektvor-
schläge. Zudem werden jeweils Zielgruppen, Verantwortlichkeiten und Anknüpfungspunkte benannt.
Die erarbeiteten Projekte betreffen mit Ausnahme des Themas Bildung sämtliche zuvor benannten
Handlungsfelder, wobei die meisten Ideen im Handlungsfeld Freizeit/Dorfgemeinschaft entwickelt
wurden (vgl. Tabelle 5).
Die Erlbacher Bürger sind sich darüber bewusst, dass sich die Lebensqualität in ihrer Gemeinde für
alle Bewohnergruppen im Zuge des demographischen Wandels ohne ein Gegensteuern verschlechtern
wird. Gleichzeitig wissen sie, dass die Kapazitäten von Politik und Verwaltung nicht ausreichen kön-
nen, um alle zukünftigen Probleme zu lösen. Daher sind sie entschlossen, selbst aktiv zu werden und
dafür das in Erlbach vorhandene Potential zur Bewältigung der Probleme auszuschöpfen. Zu dieser
Einstellung trägt nicht nur die kollektive „Krisenerfahrung“ aus der Zeit nach der Wende, sondern u.a.
auch der erfolgreiche Einsatz für den Erhalt der Grundschule in Erlbach bei. In diesem Zusammen-
hang wiesen die Teilnehmer zudem auf die große Bedeutung ihrer eigenständigen Gemeindeverwal-
tung hin. Diese Instanz gibt den Bürgern die Sicherheit, dass nicht über sie hinweg entschieden wird,
sondern mit ihnen und unter einer sorgfältigen Abwägung der Interessen.
Förderung der Selbstorganisation und Mobilisierung sozialer Netzwerke
Die meisten Projektideen der Bürgergutachter zielen vor diesem Hintergrund auf eine weitreichende
Selbstorganisation ab, die aus ihrer Sicht einen wesentlichen Beitrag zu einer langfristigen Sicherung
der Daseinsvorsorge leisten kann. Ziel ist es, Synergieeffekte bei den professionellen und informellen
Dienstleistungen und der Mobilisierung von sozialen Netzwerken zu erreichen. D.h., dass z.B. ältere
Bewohner durch andere Erlbacher im Alltag unterstützt werden (z.B. Einkaufen, Fahrdienste zum Arzt
im Nachbarort). Die weiter steigende Lebenserwartung, das vergleichsweise niedrige Austrittsalter aus

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 39 -
empirica
dem Erwerbsleben und der gute Gesundheitszustand der „jungen Alten“ bietet für solche und ähnliche
Leistungen über einen recht langen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren ein erhebliches Potential an freiwil-
ligen Kräften. Dabei sind die die „jüngeren Alten“ nicht nur Leistungserbringer. Durch die Selbstor-
ganisation wird zugleich ein Netzwerk aufgebaut, das nicht nur für die Gesellschaft insgesamt von
großer Bedeutung ist, sondern auch für sie selbst z.B. bei Hilfsbedürftigkeit, zu einem Rückhalt wer-
den kann. Diese Überlegungen führten zu der Projektidee, eine Tauschbörse auf der Basis eines Punk-
tesystems zu entwickeln (Projekt 1). Gegenwärtig erworbene Punkte, z.B. durch Leistungen wie wö-
chentliche Fahrdienste für ältere Menschen, Übernahme von Patenschaften (Projekt 9) oder Bring-
dienste können in Zukunft wieder eingelöst werden, z.B. für Kinderbetreuung oder Gartenarbeit.
Schaffung von Kristallisationspunkten
Aus Sicht der Teilnehmer ist das Gemeinschaftsleben in Erlbach ein guter Nährboden für die Auswei-
tung solcher Unterstützungsstrukturen. Um allen Bewohnern die Möglichkeit zu geben, davon zu pro-
fitieren, müssen aber Gelegenheiten geschaffen bzw. Treffpunkte ausgebaut werden, wo generatio-
nenübergreifende Kontakte geknüpft werden können. Dafür eignen sich aus Sicht der Bürgergutachter
zum einen die vorhandenen Anlaufpunkte im Ort, wie etwa der Dorfladen oder das Familienzentrum
(Projekt 11). Es gibt aber auch aus verschiedenen Arbeitsgruppen Vorschläge zur Schaffung neuer
Treffpunkte: ein zentral gelegenes Café (Projekt 5) und/oder einen Treff für Ältere (Projekt 6). Ein
solcher Ort sollte nach Auffassung der Teilnehmer nicht nur Kommunikationsort und Treffpunkt sein,
sondern gleichzeitig als zentrale Dienstleistungsdrehscheibe fungieren. D.h., dass an diese Orte weite-
re Angebote wie z.B. Computerkurse für Senioren und Sportangebote (Projekt 7 und 8) geknüpft und
haushaltsnahe Dienstleistungen vermittelt werden. Durch eine solche zentrale niedrigschwellige An-
laufstelle, die Angebote bündelt und Leistungen vermittelt, soll gewährleistet werden, dass die Be-
wohner im Alltag selbstverständlich auf solche Unterstützungsleistungen zurückgreifen und sich ein
solches System etabliert. In der Expertenrunde wird die Idee eines Bürgertreffs ebenfalls gefordert und
durch den Aspekt ergänzt, dass der Treff in Kombination mit einer Einkehrmöglichkeit (z.B. Biergar-
ten, Kuchentheke etc.) zur Steigerung der touristischen Attraktivität beiträgt.
Stärkung des Vereinslebens
Ein wesentlicher Bestandteil des gemeinschaftlichen Lebens in Erlbach sind auch die zahlreichen Ver-
eine. Um diese Basis zu stärken, schlugen die Teilnehmer die Gründung eines Vereinsrats aller Verei-
ne vor, der sich um grundsätzliche Schwierigkeiten, die sich aus den Veränderungen durch den demo-
graphischen Wandel ergeben, kümmert (z.B. Nachwuchsförderung). Dafür fehle aus Sicht der Bürger-
gutachter ein Haus für alle Vereine beispielsweise für Vereinssitzungen, Versammlungen, Feiern etc.
(Projekt 4). Dieses Haus könnte mit dem oben genannten generationenübergreifenden Treffort und den
angeschlossenen Angeboten kombiniert werden.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
Etablierung mobiler medizinischer Versorgungsdienste
Große Sorge bereitet Bürgergutachtern und Experten, dass die medizinische Grundversorgung vor Ort
aufgrund der altersbedingten Praxisschließung des ansässigen Allgemeinmediziners in naher Zukunft
nicht mehr gewährleistet sein wird. Als Alternative wird angeregt, eine mobile Gesundheitsversor-
gung, z.B. durch eine Gemeindeschwester und eine mobile Apotheke, einzurichten (Projekt 2 und 3).
Einrichtung einer Mitfahrzentrale zur Sicherung der Mobilität
Viele der bereits oben genannten Projekte haben das Ziel, die Mobilität der Bewohner von Erlbach –
vor allem der älteren – auch in Zukunft sicherzustellen. Das Querschnittsthema betrifft nahezu alle
Lebensbereiche und erfordert die Entwicklung guter Ergänzungen zum öffentlichen Personennahver-
kehr. Daher haben die Bürgergutachter die Gründung eines Mobilitätsvereins vorgeschlagen, dessen
Mitglieder neue Mobilitätsformen, wie z.B. eine Mitfahrzentrale oder ein Shuttle-Bus-System entwi-
ckeln sollen (Projekt 16). Im Hinblick auf eine Mitfahrzentrale sollten ihrer Ansicht nach auch neue
Medien und Kommunikationsformen (z.B. der Einsatz von SMS und Internet) berücksichtigt werden.
Steigerung der touristischen Attraktivität
Zur Steigerung der Attraktivität des Tourismusstandortes Erlbach waren sich die Bürgergutachter ei-
nig, dass die Vorzüge der Gemeinde bzw. der Region noch öffentlichkeitswirksamer präsentiert wer-
den. Sie regten einen Tag der offenen Tür aller Museen und Vereine (Projekt 17) sowie die Einrich-
tung einer Veranstaltungsreihe zur Besichtigung von Handwerksstätten z.B. unter dem Titel „Gläserne
Werkstatt“ als touristische Attraktion (Projekt 18) an. Eine weitere Projektidee betrifft den Verkauf
regionaler Produkte (z.B. ein Regal in dem vorgeschlagenen zentral gelegenen Treff) (Projekt 15).
Weiteres Vorgehen und Verantwortlichkeiten
Für die Weiterentwicklung der oben genannten Projektideen haben die Bürgergutachter selbst ein gro-
ßes Interesse bekundet und sich für einige Vorschläge direkt verantwortlich gezeigt. Das betrifft insbe-
sondere die Konzeption des „Hauses der Vereine“ bzw. eines generationenübergreifenden Treffpunk-
tes, aber z.B. auch das Computerkursangebot für Senioren in Verbindung mit einem Internetcafé.
Die Idee eines zentralen Treffpunktes bzw. eines Hauses der Vereine war in der Diskussion eng ver-
knüpft mit der Frage nach geeigneten Räumlichkeiten. Anforderungen an einen Raum bzw. ein Ge-
bäude sind aus Sicht der Bürgergutachter eine zentrale Lage, eine gute Erreichbarkeit und Barriere-
freiheit. Zu den Vorschlägen zählen z.B. das ehemaliges Gasthaus Tauscher und das (zweite) Schulge-
bäude in der Bahnhofstraße. Darüber hinaus warfen die Bürgergutachter aber auch Fragen der Kon-
zeption und Organisation, der Finanzierung und der Zuständigkeiten auf, für deren Klärung sich direkt
im Anschluss an die Planungszelle eine Arbeitsgruppe gebildet hat. Erste Schritte sollen die Vorstel-
lung der Idee auf dem jährlichen Vereinstreffen und eine anschließende Analyse der konkreten Be-

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
dürfnisse bezüglich der angestrebten Angebote sein. Sowohl die Bürger, die Vereine als auch die Ge-
meindeverwaltung sollten hier aus Sicht der Bürgergutachter an einem Strang ziehen.
Für Projekte, deren Realisierung die Kompetenzen bzw. Einflussmöglichkeiten der Bürger aus ihrer
Sicht überschreitet, sehen die Bürgergutachter in erster Linie die Gemeindeverwaltung in der Pflicht.
Dies betrifft z.B. die Suche nach Alternativen zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung (Ge-
meindeschwester, mobile Apotheke etc.) oder die Einrichtung eines Geldautomaten vor Ort.
Im Hinblick auf die Situation der Jugendlichen ist in Erlbach wenig bekannt, da diese Bewohnergrup-
pe in der Planungszelle deutlich unterrepräsentiert war, wie auch Eltern mit Kindern in diesem Alter.
Es gab lediglich vage Vorstellungen über den Alltag und die Sorgen der Jugendlichen, so dass diesbe-
züglich eine Analyse der Ist-Situation im Rahmen einer Befragung o.Ä. vorgeschlagen wurde. Auch
diese Befragung sollte aus Sicht der Bürgergutachter von der Gemeindeverwaltung in Zusammenar-
beit mit Vereinen und interessierten Bürgern durchgeführt werden.
Entwicklung von Projektideen in Gruppenarbeit
Vorstellung der Lösungsansätze im Plenum
Diskussion der Projektideen unter Beteiligung von Experten

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
Tabelle 7:
Erlbach: Projektideen der Bürgergutachter

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
5.2
Battenberg
5.2.1 Stärken und Schwächen
Die Einschätzungen der Bürgergutachter und Experten zu Battenberg sind insgesamt sehr positiv. Sie
besitzen keine Krisenerfahrungen wie die Erlbacher, die nach der Wende einen massiven Wegfall an
Arbeitsplätzen und demzufolge eine starke Abwanderung und hohe Arbeitslosigkeit erlebt haben. Die
Erfahrungen der Battenberger sind vielmehr geprägt von Wachstum und Wohlstand. So sind auch aus
Sicht der Experten die differenzierte, stabile Wirtschaftsstruktur und ein robuster Arbeitsmarkt heraus-
ragende Merkmale der Stadt. Zudem sehen die Experten in der guten Bildungssituation und einer
fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Schule eine besondere Leistung für die Zukunft
der Stadt. Die Bürgergutachter hingegen nehmen die Wirtschaftskraft eher als Gegebenheit hin. Für
ihr Lebensgefühl ist die Nähe zur Natur und die dadurch erlebte Lebensqualität erwähnenswerter, ge-
folgt von den vorhandenen Freizeit- und Versorgungsangeboten und die gute Nachbarschaft in Batten-
berg und einigen Ortsteilen (z.B. Dodenau) (vgl. Tabelle 8). Die vielfältigen und zahlreichen Vereine
spielen dabei für sie eine besonders wichtige und positive Rolle.
Besonders negativ beurteilen beide Teilnehmerrunden vor allem die regionale Verkehrsanbindung im
öffentlichen Nahverkehr. Aus Sicht der Bürgergutachter zählen darüber hinaus u.a. ein ausgeprägtes
„Ortsteildenken“ und ein Mangel an kulturellen Angeboten zu den Schwächen Battenbergs. Demge-
genüber weisen die Experten mit Nachdruck auf den zunehmenden Leerstand von Wohngebäuden in
der Oberstadt und den Kaufkraftabfluss aus der Stadt hin und damit auf ein strukturelles Problem der
Stadtentwicklung. Auch die Bürger erkennen das Problem der drohenden Verödung der Kernstadt,
sehen es jedoch nicht als eine der zentralen Schwächen. Die Experten machen zudem auf die steigende
Zahl der leer stehenden Wirtschafts- und Wohngebäude in den umliegenden Dörfern aufmerksam,
infolgedessen die Ausdünnung der wohnortnahen Versorgung voran schreitet und insgesamt das Er-
scheinungsbild und die Lebensqualität in den Dörfern negativ beeinflusst.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 45 -
empirica
Tabelle 8:
Battenberg: Positive und negative Merkmale aus Sicht der Experten und
Bürgergutacher
Experten
Bürgergutachter
Positive
Merkmale
- Bodenständigkeit der Battenberger Bürgerinnen
und Bürger
- Langjährige Betriebszugehörigkeiten der Arbeitnehmer
zu lokalen Wirtschaftsunternehmen
- Differenzierte Wirtschaftsstruktur
- Vorhandene Ausbildungsplätze
- Gutes Bildungsangebot
- Individuelle Förderung der Schülerinnen und
Schüler in der Schule (Gesamtschule)
- Arbeitskreis Schule und Wirtschaft
- Funktionierende Integration (z.B. Italiener)
- Gute Nachbarschaft, gute Dorfgemeinschaft
- Gute Infrastruktur (z.B. Hallen- und Freibad, sonstiges
Sportstättenangebot, Bildung etc.)
- Medizinische Grundversorgung vorhanden
- Angebote für Senioren (auch spezielle Wohnangebote)
- Funktionierender attraktiver Ortsteil Dodenau (Gaststätten,
Betreuungsangebot für Kinder unter 3 bzw. über 6 Jahre)
- Tolle, wunderbare Landschaft und Nähe zur Natur,
sehr gute Wanderwege (8)
- Freizeitmöglichkeiten, Vereinsleben, (Sport-)Angebote
der unterschiedlichen Vereine für alle Altersgruppen
(8 Nennungen)
- Bürgernähe (fast alle kennen sich), intakte
Dorfgemeinschaft (5)
- Gute Infrastruktur, z.B. Hallen- und Freibad,
Einkaufen (4)
- Ruhige Lage, wenig Autolärm (2)
- Soziales Umfeld: Nachbarn, Freunde, Bekannte,
Vereinskollegen (1)
- Noch vorhandene verschiedene Kleinbetriebe (1)
- Naturverbunden, trotzdem modern (1)
- Günstiges Bauland (1)
- Arbeit (1)
- Hänsel und Gretel Brunnen (1)
- Burgbergstollen (1)
Negative
Merkmale
- (Sich abzeichnender) Leerstand, z.B. Wohngebäude in
der Oberstadt Battenberg
- Wenig Fachärzte
- Kaufkraftabfluss
- Schlechte Verkehrsanbindung (insb. nach Münchhausen,
Orientierung des Nahverkehrs an den Schülerströmen etc.)
- Nachlassendes Engagement und zunehmend weniger
aktive Helfer in Vereinen (z.B. Übungsleiter)
- Mangelndes Freizeitangebot für junge Erwachsene
- Wenige Einkehrmöglichkeiten (z.B. Gaststätten in
Battenberg mit Ausnahme von Dodenau)
- Ausdünnung der Versorgungssituation und Leerstand in
in den Dörfern
- Schlechte (unflexible, mangelhafte) Verkehrsanbindung
(7 Nennungen)
- Zustand der Straßen und Gehwege (3)
- Ausgeprägtes Ortsteildenken (3)
- Mangelnde kulturelle Angebote (2)
- Mangelnde Jobangebote, schwierige Erwerbslage (2)
- Keine Veränderungsbereitschaft (2)
- Infrastruktur (1)
- Zu wenig Angebote für Jugendliche (1)
- Oberstufe fehlt (1)
- Abwanderung junger Menschen (1)
- Alle Steuern und Wassergeld, Hundesteuer etc. sollen
erhöht werden (1)
- Leerstand (1)
Quelle: Ergebnis der Planungszelle in Battenberg, November 2007
empirica
5.2.2 Zentrale Herausforderungen
Auf die erste Beschreibung und Einschätzung der Situation vor Ort folgten in der Planungszelle ein
inhaltlicher Input von empirica zur demographischen Entwicklung in Battenberg sowie drei Referate
von Experten aus den Bereichen Senioren, Kinder und Familie sowie Wirtschaft. Diese und weitere
Themen diskutierten die Teilnehmer der Bürgerrunde und der Expertenrunde ausführlich unter dem
Aspekt der demographischen Entwicklung und dessen möglichen Folgen und benannten anschließend
die aus ihrer Sicht wichtigsten Herausforderungen und Zukunftsthemen für die Stadt.
Die mit dem demographischen Wandel einhergehenden Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben
sind in Battenberg weitaus weniger präsent und erlebbar als in Erlbach. Es besteht noch kein unmittel-
barer Zwang sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Dennoch nehmen die Battenberger be-
stimmte strukturelle Verschiebungen wahr, wie z.B. die Abwanderung junger hochqualifizierter Men-
schen und damit einhergehende Probleme für die Elterngeneration bei Hilfsbedürftigkeit. Sie sind sich
darüber bewusst, dass es künftig zu einer Verschärfung der Folgen des demographischen Wandels
kommen wird. Konkrete Vorstellungen über die anstehenden Veränderungen bestehen jedoch nur
ansatzweise:
„Ich weiß nicht genau, was da auf uns zu kommt, aber irgendwie werden wir das schon
hinbekommen.“
Stärker ausgeprägt sind die Kenntnisse über die Folgen des demographischen Wan-

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 46 -
empirica
dels bei den Experten, die im Rahmen ihrer Tätigkeiten auf die Berücksichtigung zukünftiger Trends
angewiesen sind wie z.B. international agierende Unternehmer oder auch Entscheidungsträger in der
Politik und in Vereinen. Viele der Experten haben sich im Rahmen ihres Engagements bereits intensiv
mit dem Thema des demographischen Wandels auseinandergesetzt. Das betrifft u.a. den zukünftigen
Wettbewerb um junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte oder die Zukunft des Vereinslebens bei heute
bereits spürbar nachlassendem Engagement. In der Bürgergruppe wurden demgegenüber Themen, die
das persönliche Leben betreffen, stärker betont und in der Problem- und auch Lösungsdiskussion de-
tailliert erörtert.
8
Die unterschiedliche Intensität der Auseinandersetzung spiegelt sich daher auch im
Ergebnis der Relevanzbewertung der zentralen Zukunftsthemen wider (vgl. Tabelle 9 und Tabelle 10).
Die Bürgergutachter haben zentrale Herausforderungen formuliert und diese in neun Handlungsfeldern
zusammengefasst, die im Folgenden näher erläutert werden.
Mobilität ist wichtigstes Zukunftsthema
Die Verbesserung der Mobilität ist sowohl aus Sicht der Bürgergutachter als auch aus Sicht der Exper-
ten angesichts der als äußerst negativ empfundenen Verkehrssituation die wichtigste Herausforderung
(vgl. Tabelle 9). Bereits heute entspricht die Situation im Bereich Verkehr und Mobilität in der Region
Battenberg weitgehend dem für den ländlichen Raum in Deutschland üblichen Szenario. Aufgrund der
vergleichsweise geringen Siedlungsdichte und der begrenzten Bündelung einzelner Mobilitätswünsche
führt die geringe Nachfrage nach öffentlichen Verkehrsleistungen und daraus resultierenden geringen
Erträgen zu einer weiteren Reduzierung des Nahverkehrsangebotes. Daraus folgt wiederum ein weite-
rer Rückgang der Fahrgastzahlen. Insbesondere für Personenkreise, die auf den öffentlichen Nahver-
kehr angewiesen sind, ist die Ausdünnung der Angebote problematisch, wie eine Teilnehmerin der
Bürgerrunde bestätigt:
„Mein Sohn hat vor allem in den Ferienzeiten Schwierigkeiten in seinen Aus-
bildungsbetrieb zu kommen, weil die Busse dann nur selten oder zu unpassenden Zeiten fahren. Das
Bussystem ist vollkommen auf den Schülerverkehr ausgerichtet und wenn Ferien sind, dann fahren die
nicht. Zum Glück finden sich dann Fahrgemeinschaften zusammen, das funktioniert in der Regel ganz
gut.“
Den Bürgergutachtern ist bekannt, dass inzwischen flexible Angebote wie z.B. ein Anrufsam-
meltaxi den herkömmlichen Nahverkehr in der Region ergänzen, doch ausreichend seien diese Ange-
bote nicht. Aktuell setzen die Battenberger eher auf eine private Organisation von Fahrten.
8
Mehrere ältere Teilnehmer verwiesen darauf, dass ihre Kinder nach dem Studium nicht mehr nach Battenberg zurückgekehrt sind und
sie jetzt allein „ohne Familie“ in Battenberg leben. Diese Erfahrung hat nachhaltige Auswirkungen auf die Bereitschaft schon jetzt über
längerfristige Lösungen nachzudenken, weil der traditionelle Rückhalt in der Familie bei kritischen Situationen nicht mehr gewährleis-
tet ist.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 47 -
empirica
Unterstützung und Pflege älterer Menschen
Ein wichtiges Schwerpunktthema sehen vor allem die Bürgergutachter in der Unterstützung und Pfle-
ge älterer Menschen. Eingeleitet wurde die Diskussion durch einen Vortrag der Referentin Frau Bank,
Pflegedienstleiterin des DRK Seniorenzentrums Battenberg. Sie berichtete eindringlich von der zu-
nehmenden Vereinsamung älterer Menschen u.a. aufgrund der Ausdünnung familiärer Netzwerke.
Diesbezüglich wies sie auf einen zukünftig wachsenden Bedarf an Freiwilligen, z.B. für Vorlesestun-
den, kleine Ausflüge etc. hin. Die Erfahrungen einiger Bürgergutachter und Experten bestätigen diese
Problematik:
„In unserer Nachbarschaft wohnt eine ältere Frau, deren Kinder weit entfernt leben.
Und seit ihr Mann nicht mehr lebt, ist sie auf die Unterstützung von uns und den anderen Nachbarn
angewiesen.“ „In unserem Freundeskreis haben wir schon vielfach diskutiert, was passiert, wenn wir
mal alt sind. Die heutige Pflege unserer Bekanntschaften ist daher bei uns hoch angesiedelt, denn man
weiß ja nicht, was kommt.“
Die Erfahrungen der Bürgergutachter und Experten bestätigen, dass es in
Battenberg zu einer ständigen Abwanderung von jüngeren Menschen mit hohen Qualifikationen als
Folge der Bildungswanderung kommt. Abiturienten ziehen zum Studieren weg und kehren in der Re-
gel nicht in ihren Heimatort zurück. Angesichts der persönlichen Erfahrungen sehen die Bürgergutach-
ter einen großen Handlungsbedarf in diesem Themenfeld und die Notwendigkeit, neue Ansätze und
Organisationsformen in der Pflege und Unterstützung Älterer zu finden.
Schaffung einer familienfreundlichen Stadt
Ebenso relevant schätzen die Bürgergutachter das Thema Kinder- und Familienfreundlichkeit für Bat-
tenberg ein. In einem Fachvortrag erläuterte die Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte Dodenau
Frau Huhn die teils schwierige Situation von Familien, die u.a. von Zeitarmut, finanziellen Engpässen
und Sorgen um die Perspektiven der Kinder geprägt ist. Für die Bürgergutachter ist die Unterstützung
von Familien und insbesondere der Alleinerziehenden daher eine zentrale Herausforderung. Durch
eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familien und Beruf, z.B. durch flexible Öffnungszeiten der
Kindergärten, aber auch finanzielle Vergünstigungen wie etwa eine kostenlose Verpflegung oder die
gemeinschaftliche Organisation von Fahrdiensten zur Schule, könnten Familien deutlich entlastet wer-
den. Für letzteres seien Kontakte zwischen den Eltern besonders wichtig und
„die entstehen dann,
wenn die Kinder mehr Zeit miteinander auch außerhalb der Schule verbringen. Es fehlen Spielgemein-
schaften und die bringen doch die Familien insgesamt wieder näher zusammen und dann können z.B.
auch leichter Fahrgemeinschaften gebildet werden“,
bemerkt eine Bürgergutachterin.
Eine weitere wichtige Herausforderung sehen die Bürgergutachter in der Schaffung von Zukunftsper-
spektiven für die Jugendlichen in Battenberg. Die Frage nach einem konkreten Handlungsbedarf blieb
in der Diskussion jedoch aus Mangel an eigenen Erfahrungen und Einblicken in die Lebenswelt der
heutigen Jugendlichen weitgehend unbeantwortet, abgesehen vom Mobilitätsproblem, z.B. für Fahrten
am Wochenende in die benachbarte Stadt Frankenberg.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
Versorgungssituation: Verbesserung der Lebensqualität
Von großer Bedeutung für Battenberg ist aus Sicht der Bürgergutachter die Entwicklung der Versor-
gungssituation in der Kernstadt. Es müsse die
„Attraktivität gesteigert werden, auch für die Touristen.
Das beginnt aus meiner Sicht bei einer besseren Parkplatzsituation, aufeinander abgestimmten La-
denöffnungszeiten und einer schöneren Gestaltung des Marktplatzes. Der eignet sich doch für ein Café
oder Biergarten“
bemerkt ein Bürgergutachter. Ein Teilnehmer der Expertenrunde wies auf das insge-
samt relativ hohe Einkommen der Battenberger hin,
„doch wo bleibt das Geld? Wir müssen etwas tun,
damit die Leute ihr Geld auch hier ausgeben.“
Einig waren sich die Bürgergutachter bei dem Thema Gesundheitsversorgung und halten es zur Siche-
rung der Lebensqualität vor Ort für wichtig, möglichst Fachärzte zu gewinnen. Als Problem wird teil-
weise auch der in gewissem Umfang stattfindende Rückzug von öffentlichen und privaten Dienstleis-
tungsangeboten aus den umliegenden Dörfern wahrgenommen – weniger, weil die Zahl der Einwoh-
ner zurückgeht, sondern weil sich die Betriebsstrukturen, etwa im Einzelhandel, verändert haben. Der
Prozess der stärkeren räumlichen Konzentration hat dazu geführt, dass in einzelnen Ortsteilen Einzel-
handelsgeschäfte schließen mussten und daher die örtliche Versorgung schlechter geworden ist und
zudem Orte der Kommunikation wegfallen.
Wohnen und Bauen: Aktiv werden gegen die Verödung der Oberstadt
Die Experten diskutierten die zukünftigen Schwerpunktthemen auch vor dem Hintergrund eines ab-
sehbaren Mangels an Arbeitskräften und Kunden. Dementsprechend wurde die Frage aufgeworfen, ob
und wie künftig eine Zuwanderung nach Battenberg generiert und gesteuert bzw. eine Abwanderung
von Battenbergern verhindert werden kann. In diesem Zusammenhang sehen die Experten die Schaf-
fung von differenzierten Wohnangeboten für Familien, aber auch für Ältere, sowohl im Alt- als auch
im Neubau und die Stärkung der Oberstadt als Wohnstandort als eine große Herausforderung an. Wäh-
rend im Stadtkern ältere Häuser z.T. untergenutzt sind, aber auch vereinzelt leer stehen, wird am
Stadtrand weitergebaut. Dies ist auf eine Nachfrage nach Wohnungen zurückzuführen, die im Bestand
nicht verfügbar sind. Die zukünftig und teilweise bereits heute leer stehenden Wohnungen sind in ihrer
Qualität nicht mit Neubauten am Stadtrand konkurrenzfähig. Hinzu kommt, dass die Preise am Immo-
bilienmarkt bei rückläufiger Nachfrage nicht entsprechend zurückgehen, weil die Alteigentümer noch
immer auf höhere Preise hoffen, wie es ihren historischen Erfahrungen mit dem örtlichen Immobi-
lienmarkt entspricht. Auch in der Bürgerrunde kam das Thema Wohnen und Bauen auf die Agenda,
weil sich unter den Teilnehmern besonders Engagierte befanden und entsprechende Diskussionsbei-
träge lieferten:
„Es ist einfach nicht attraktiv in der Oberstadt ein altes Haus zu kaufen, das man ers-
tmal mit Geduld und hohem finanziellen Aufwand umbauen muss, damit für die ganze Familie Platz
ist. Und dann gibt es womöglich noch hohe Denkmalschutzauflagen.“
Das Thema fand in der ab-
schließenden Bewertung jedoch nur einen Befürworter. Die Mitstreiter waren an anderen Bereichen

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
stärker interessiert, und es mangelte an einer persönlichen Betroffenheit. Außerdem fehlte nach eige-
nen Aussagen die Kompetenz, um konkrete Vorschläge zu machen.
Themen Integration und Arbeitsmarkt treten bei Bürgergutachtern in den Hintergrund
In der Diskussion gab es Themen, die einen vergleichsweise großen Raum einnahmen, in der ab-
schließenden Bewertung aber von anderen Themen verdrängt wurden. Dazu gehörte in der Bürgerrun-
de vor allem die Debatte um die Integration von Bewohnern mit Migrationshintergrund. Defizite sehen
die Teilnehmer in der Einbindung insbesondere russlanddeutscher Kinder und Jugendlicher:
„Die
Jugendlichen brauchen eine Perspektive. Sie müssen mehr an den Vereinsaktivitäten beteiligt werden
und ihre Schulergebnisse müssen besser werden, denn sonst haben sie gegenüber den anderen Ju-
gendlichen keine Chance, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.“
Aufgrund ihrer positiven Erfahrung
mit der Integration der ersten und zweiten Gastarbeitergeneration sind sie aber davon überzeugt, dass
sich die Integrationsprobleme langfristig lösen werden.
Das Thema Wirtschaft und Arbeit wurde von dem Referenten Herrn Franke, dem Wirtschaftsförderer
des Landkreises Waldeck-Frankenberg eingeleitet. Die Bürgergutachter diskutierten das Thema in
Bezug auf die Notwendigkeit einer höheren Zahl an Arbeitsplätzen für Frauen und die Zukunft der
Ausbildungsplatzsituation zwar, in der Relevanzbewertung blieb das Thema jedoch nahezu unberück-
sichtigt. Angesichts eines drohenden Mangels an Fachkräften, die für eine weiterhin positive Entwick-
lung der lokalen Wirtschaft gebraucht werden, sehen die Experten im Gegensatz zu den Bürgergutach-
tern in diesem Bereich einen wichtigen Handlungsschwerpunkt.
Diskussion in der Bürgerrunde
Bürgerrunde: Bewertung der wichtigsten Zukunftsthemen

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
Bürgerrunde: Erarbeitete Handlungsfelder
Expertenrunde: Herausforderungen und Lösungsansätze

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
Tabelle 9:
Battenberg: Zentrale Herausforderungen aus Sicht der Bürgergutachter
Bewertung
Mobilität /Erreichbarkeit
15
- Organisation privater Fahrgemeinschaften fördern (Mitfahrzentrale)
- Alternative Bedienformen im öffentlichen Nahverkehr stärken (z.B. Diskofahrten)
Unterstützung und Pflege älterer Menschen
12
- Ältere Menschen stärker in das Alltagsleben in Battenberg einbinden
- Ältere Menschen in ihrem Alltag unterstützen
- Kommunikation zwischen den Generationen fördern
- Schaffung attraktiver und kreativer Angebote für Freizeitgestaltung
Kinder- und familienfreundliche Stadt
12
- Wiedereinstieg von Frauen in den Beruf fördern
- Ausweitung des Betreuungsangebotes für Kinder (auch in den Ortsteilen)
- Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle; Kinderbetreuung und Wirtschaft
- Alleinerziehende unterstützen
- Kosten für Betreuung und Verpflegung von Kindern senken (Kita, Schulessen etc.)
- Schulweg in weiterführende Schulen optimaler gestalten
- Miteinander von Kindern und Jugendlichen stärken
- Perspektiven für Kinder und Jugendliche schaffen
- Nähe, Miteinander und gegenseitige Unterstützung von Familien fördern
- Verkehrsberuhigung in Battenberg
- Kinderfreundliches "Klima" fördern
Versorgungssituation
10
- Attraktivität für Handel, z.B. Parkplatzsituation verbessern
- Fachärzte gewinnen
- Ladenöffnungszeiten anpassen
- Öffentliches WC
- Einkehrmöglichkeiten (Café, Gaststätte), vor allem für Touristen
- Nachfolge bei Einzelhandelsgeschäften und Dienstleistungen sichern
- Marktplatz in der Oberstadt attraktiver gestalten (z.B. Außenbestuhlung, Cafébetrieb)
Wohnen und Bauen
7
- Wohnungsleerstand beseitigen bzw. drohenden Leerstand abwenden
- Altstadt als Wohnstandort stärken
- Kostensenkung für das Wohnen in der Altstadt (Hemmnis z.B. Denkmalschutzauflagen)
Kinder und Jugendliche
6
- Vereinbarkeit von Schule und Freizeit verbessern
- Abendangebote für Jugendliche schaffen
- Interesse wecken für Vereine u. Verantwortungsübernahme (z.B. Ausbildung Übungsleiter)
- Trefforte schaffen (z.B. Alternative zu Schwimmbad-Parkplatz)
Arbeit und Wirtschaft
4
- Frauenarbeitsplätze schaffen
- Ausbildung - und dann?
Engagement und Verantwortungsübernahme fördern
4
- Förderung von freiwilligem Engagement von Jung und Alt
- Eigeninitiative fördern
- Nachwuchsförderung in Vereinen
Integration
2
- Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund schaffen, die Interesse wecken
- Einbindung in Vereine, Dorfgemeinschaft etc. stärken
- Berücksichtigung der Unterschiede in der Integration von Jungen und Mädchen
- Bildungsleistungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund verbessern
- Ausbildung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gewährleisten
- Vorurteile abbauen, Verständigung, Öffnung der Alteingesessenen
Anmerkung: Bewertung der Relevanz des Themas für die Zukunft von Battenberg am Ende des ersten Tages der Planungs-
zelle nach Anhörung von Experten und anschließender Erörterung und Diskussion der jeweiligen Themen. Die Teilnehmer
konnten jeweils sechs Bewertungspunkte vergeben, auch Mehrfachnennungen waren möglich.
Quelle: Ergebnisse der Planungszelle Battenberg, November 2007
empirica

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 52 -
empirica
Tabelle 10:
Battenberg: Zentrale Herausforderungen aus Sicht der Experten
Experten
- Mobilität, Verkehrsanbindung verbessern
- Wohnen für alle Ansprüche, alternative Wohnformen ermöglichen (für Ältere, Familien,
in Neubau, Altbau etc.)
- Fokus auf Schule und Bildung
- Funktion des Mittelzentrums stärken (medizinische Versorgung, Dienstleistungen)
- Identifikation der Jugendlichen mit Battenberg (inkl. Ortsteile) stärken, Perspektiven
für junge Leute schaffen
- Drohenden Leerstand abwenden
- Zuwanderung steuern bzw. Zuwanderer gewinnen (woher?)
- Ausbildungsmobilität gewährleisten
- Integration insbesondere von jugendlichen Russlanddeutschen
- Identifikation mit der Region stärken (z.B. Stärken vermarkten)
- Gemeinsames Handeln der Zentren Battenberg und Allendorf stärken
(+++)
(+++)
(++)
(++)
(+)
Anmerkung: (+++ = sehr hohe Relevanz, ++ = hohe Relevanz, + = mittlere Relevanz)
Quelle: Expertenrunde Battenberg, November 2007
empirica
5.2.3 Lösungsansätze und Projektideen
Im Hinblick auf die zuvor formulierten zentralen Herausforderungen für die künftige Entwicklung
Battenbergs erarbeiteten die Bürgergutachter in Gruppenarbeit Lösungsansätze und Projektideen. Die
insgesamt 18 Projekte wurden im Plenum vorgestellt und anschließend bewertet. Für sieben Projekte
legten die Bürgergutachter Prioritäten fest und benannten Zielgruppen, Verantwortlichkeiten und An-
knüpfungspunkte vor Ort (vgl. Tabelle 11 und Tabelle 12). Die erarbeiteten Projekte, die aus Sicht der
Bürgergutachter mit hoher bis sehr hoher Priorität angegangen werden sollten, betreffen vor allem die
Handlungsfelder Unterstützung und Pflege älterer Menschen, kinder- und familienfreundliche Stadt
und Förderung von Engagement und Verantwortungsübernahme sowie Mobilität/Erreichbarkeit (vgl.
Tabelle 9).
Stärkere Information und Aufklärung
In den Diskussionen wurde deutlich, dass vor der Weiterentwicklung konkreter Maßnahmen zunächst
die Information und Aufklärung der Battenberger über demographische Trends und deren mögliche
Folgen stehen muss. Erst wenn die Bürger realisieren, dass auch sie persönlich betroffen sein werden,
könnten sich freiwilliges Engagement und Eigeninitiative entwickeln. Es geht darum, eine neue Kultur
der gegenseitigen Unterstützung, Selbstorganisation und Hilfe über die familiären Netzwerke hinaus
zu entwickeln und zu etablieren. Aus Sicht der Bürgergutachter sollen daher zunächst themenspezifi-
sche Aktionstage bzw. eine Bürgermesse (Projekt 1) durchgeführt werden, um ein Bewusstsein für
künftige Probleme zu schaffen. Gleichzeitig bietet sich mit einer solchen Veranstaltung die Möglich-
keit, bereits vorhandene Aktivitäten und gute Ansätze einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.
Vorstellbar ist z.B. die Selbstdarstellung von Battenberger Vereinen, Einrichtungen und Initiativen aus
den Bereichen Bildung, Freizeit und Sport, Senioren, Feuerwehr etc., die Durchführung eines Ideen-

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 53 -
empirica
wettbewerbs für innovative Projekte, eine Projektwoche in der Schule zum Thema demographischer
Wandel etc. Die Aktionstage sollen den Startschuss für eine gemeinsame Initiative aller Battenberger
zur Vorbereitung auf die sich künftig verändernden Lebensbereiche markieren und die Vernetzung
vorhandener Angebote fördern.
Mobilisierung von sozialen Netzwerken und freiwilligem Engagement
An die Aktionstage anknüpfend können Projektideen wie z.B.
„Ältere helfen Alten“
(Projekt 3), eine
(freiwillige) Beratung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen durch Ältere (Projekt 15)
oder die Sicherung der Grundversorgung und eine gleichzeitige Schaffung von Treffpunkten in den
Ortsteilen (Projekt 16) weiterentwickelt werden. Im Fokus steht aus Sicht der Bürgergutachter dabei
die Stärkung sozialer Netzwerke, wobei vor allem die vorhandenen Infrastruktureinrichtungen wie die
Schulen und das Seniorenzentrum, aber auch die Vereine und der Seniorenclub als wichtige Anknüp-
fungspunkte gesehen werden. Beispielhaft berichtete die Leiterin des Kindergartens in Dodenau von
gemeinsamen Nachmittagen mit Kindern und Senioren:
„Beide Seiten haben große Freude aneinan-
der, sie basteln gemeinsam oder die Älteren lesen etwas vor und die Kontakte, die dabei auch zu den
Eltern entstehen, sind in vielerlei Hinsicht Gold wert.“
Für die Etablierung der Projektideen und eines neuen Verständnisses von gegenseitiger generationen-
übergreifender Unterstützung schlagen die Bürgergutachter eine „Battenberg Card“ vor. Mithilfe eines
solchen Systems können Engagementpunkte gesammelt werden, z.B. in Form einer Patenschaft, Vor-
lesestunden im Seniorenheim oder Fahrdiensten zum Arzt für Ältere, die ab einer bestimmten Anzahl
z.B. mit einem kostenlosen Hallenbadbesuch abgegolten werden (Projekt 7). Das Bürgeramt, so der
Vorschlag der Bürgergutachter, könnte zumindest in der Einführungsphase Ort der Organisation sein.
Projektideen im Bereich Mobilität
Eine weitere Idee, deren Weiterentwicklung an die Aktionstage anknüpft, betrifft die Verbesserung der
Mobilität in Battenberg und der Region. Zur langfristigen Gewährleistung der Grundversorgung und
gleichzeitig einer besseren Berücksichtigung der Mobilitätswünsche bietet sich der Auf- und Ausbau
flexibler Bedienformen an. Angedacht ist zum einen die Entwicklung einer Mitfahrzentrale (Pro-
jekt 6). Ein Mobilitätsverein soll sich um die Angebote in Ergänzung zum linien- und fahrplanbasier-
ten Nahverkehr kümmern (Projekt 17). Anknüpfungspunkte bieten u.a. die bereits bestehenden Alter-
nativen im Landkreis.
Schaffung einer kinder- und altenfreundlichen Stadt
Weitere Projektideen, die mit hoher Priorität angegangen werden sollen, sind aus Sicht der Bürgergut-
achter eine Verkehrsberuhigung im Sinne einer kinder- und altengerechten Stadt. Zur Verbesserung
der Verkehrssicherheit schlagen sie vor, selbst Verkehrsschilder zu gestalten, die an Straßen mit ho-

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 54 -
empirica
hem Verkehrsaufkommen und in für Fußgänger uneinsehbaren Bereichen aufgestellt werden, um Au-
tofahrer zu einem rücksichtsvollen Fahrstil zu bewegen (Projekt 2). Die Projektidee sieht vor, dass die
Schilder von Kindergartenkindern gemeinsam mit Älteren z.B. aus dem Seniorenheim gestaltet wer-
den und knüpft damit an die oben geschilderten Überlegungen hinsichtlich des Ausbaus sozialer
Netzwerke an. Im Zusammenhang mit der Schaffung einer kinder- und altengerechten Stadt wird auch
die Einrichtung einer öffentlichen Toilette an einem zentral gelegenen Ort als Wunsch geäußert und
auf der Prioritätenliste hoch eingestuft (Projekt 5).
Lösungsansätze für die Stärkung des Wohnens in der Innenstadt
Das Thema Wohnen stand vor allem in der Expertenrunde im Fokus. Sie fordern hier „unkonventio-
nelle Lösungen“, z.B. ein Angebot an Bauplätzen im Ortskern und die Unterstützung bei der Altbau-
sanierung in der Oberstadt sowie die Schaffung von nachfragegerechten Wohnangeboten im Bestand.
Die ersten Schritte, um die Oberstadt als Wohnstandort attraktiv zu gestalten, sehen die Experten in
einer Analyse des Ist-Zustandes, entsprechenden Bedarfsanalysen (z.B. Zielgruppenbefragungen), der
Recherche und Präsentation von guten Beispielen, einem Erfahrungsaustausch mit anderen Kommu-
nen bzw. Projektträgern und der Schaffung eines „Leuchtturmprojektes“. Aus der Bürgerrunde kam
dazu mit der Durchführung einer Leerstands- und Gefährdungskartierung und der Anfertigung von
Profilen von leer stehenden bzw. gefährdeten Wohngebäuden ein konkreter Projektvorschlag (Pro-
jekt 4).
Weiteres Vorgehen und Verantwortlichkeiten
Die Verantwortlichkeit für die zukünftige Umsetzung der verschiedenen erarbeiteten Projekte sollte
aus Sicht der Bürgergutachter sowohl bei den Bürgern selbst, bestehenden Vereinen und sozialen Ein-
richtungen wie Schulen, Kindergärten, Seniorenclub liegen als auch bei der Kommune. Eine besonde-
re Rolle (z.B. Koordination, Organisation) könnte nach ihren Aussagen das Battenberger Bürgerbüro
einnehmen, das bereits heute eine Anlaufstelle in der Stadt ist.
Sowohl in der Expertenrunde als auch in der Bürgerrunde ist ein großes Interesse bekundet worden,
am Beispiel erfolgreicher Projekte und Maßnahmen in anderen Kommunen zu lernen. In der Bürger-
runde hat empirica einige Best Practice-Beispiele aus anderen Städten dargestellt (vgl. Anlage 7.4).
Die Teilnehmer äußerten daraufhin den Wunsch, mehr über solche Projekte zu erfahren, um Anregun-
gen für den Umgang mit den Auswirkungen des demographischen Wandels in Battenberg zu bekom-
men. Dies könnte beispielsweise im Rahmen von einfachen Recherchen, aber auch Exkursionen und
Erfahrungswerkstätten, erfolgen. Die Bürgergutachter schlugen vor, beispielhafte Projekte anschlie-
ßend öffentlichkeitswirksam, z.B. auf der Bürgermesse, zu präsentieren, um andere Bürger von Bat-
tenberg über die zukünftigen Veränderungen aufzuklären und sie für ein entsprechendes Engagement
zu gewinnen.

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 55 -
empirica
Darüber hinaus wurde insbesondere in der Bürgerrunde deutlich, dass für bestimmte Themenbereiche
zunächst Voruntersuchungen stattfinden müssen, um die konkreten Bedarfslagen zu erfahren und ent-
sprechende Maßnahmen umzusetzen. Dies betrifft z.B. die Situation der Jugendlichen vor Ort oder die
Chancen gastronomischer Angebote in Battenberg.
Projektidee: Aktionstage Battenberg: „Bürgermesse“
Projektidee „Kinder- und Senioren-Schilder“
Diskussion der Projektideen in der Bürgerrunde

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 56 -
empirica
Tabelle 11:
Battenberg: Projektideen der Bürgergutachter mit hoher Priorität

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
Tabelle 12:
Weitere Battenberger Projektideen

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 59 -
empirica
6.
Zentrale Ergebnisse aus den Bürgergutachten im Vergleich
Die folgende Tabelle gibt die zentralen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Ergebnisse aus Bat-
tenberg und Erlbach im Vergleich wider. Es wird deutlich, dass beide Kommunen an jeweils unter-
schiedlichen Punkten in ihrem Entwicklungsprozess stehen. Dies gilt für das Ausmaß der Handlungs-
bedarfe und die Bereitschaft für weiteres Engagement ebenso wie für die sich daraus ergebenden Be-
trachtungsebenen vor Ort. In Erlbach sind aufgrund des seit längerem stattfindenden Schrumpfungs-
und Alterungsprozesses die Folgen für die Bürger heute bereits deutlich spürbar. Entsprechend ausge-
prägt ist ihr Problembewusstsein und entsprechend weitreichend sind die sich daraus ergebende Be-
troffenheit und die Handlungsbereitschaft. In Battenberg ist dieser Prozess aufgrund der abweichenden
Rahmenbedingungen (noch kein ausgeprägter Schrumpfungsprozess) derzeit in den Anfängen. Die
Wahrnehmung der Menschen vor Ort und die aktuellen Lösungsansätze beziehen sich daher noch auf
einen kürzeren Betrachtungszeitraum und weniger komplexe Zusammenhänge.
Gleichwohl zeigten sich in der Diskussion und der anschließenden Auswahl der wichtigsten Themen
für die jeweilige zukünftige Entwicklung auch Gemeinsamkeiten. In beiden Bürgerrunden hoben die
Teilnehmer die hohe Lebensqualität durch die Naturnähe, das rege Vereinsleben als verbindendes
Element und eine intakte Gemeinschaft vor Ort als besondere Stärken hervor. Enge persönliche Bin-
dungen im direkten Umfeld und eine persönlich geprägte Nachbarschaft sind für sie ein wichtiger
Rückhalt. Die größte Schwäche und demzufolge auch die größte Herausforderung sehen die Bürger-
gutachter beider Kommunen im Bereich der Mobilität und Erreichbarkeit. In diesem Zusammenhang
spielt auch die Sorge vor einer weiteren Ausdünnung der wohnortnahen Versorgung (in Battenberg
vor allem in den Ortsteilen) und den damit einhergehenden wachsenden Mobilitätsanforderungen und
Schwierigkeiten für ältere Menschen im Alltag eine Rolle. Die in Erlbach und Battenberg erarbeiteten
Ideen und Lösungsansätze zielen daher in erster Linie auf
-
eine Verbesserung bzw. Sicherstellung der Mobilität,
-
die Unterstützung und Pflege älterer Menschen,
-
die Verbesserung bzw. Aufrechterhaltung der Versorgungssituation und
-
die Mobilisierung von sozialen Netzwerken und freiwilligem Engagement.
In beiden Bürgerrunden zeigte sich darüber hinaus ein großes Vertrauen in die eigenen Stärken und
die Gemeinschaft sowie die Bereitschaft zur aktiven Gestaltung der Lebensumwelt.

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
Tabelle 13:
Zentrale Ergebnisse im Vergleich

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 61 -
empirica
7.
Resumée und weiteres Vorgehen
Realismus in Erlbach und gewisse abwartende Haltung in Battenberg
Das komplexe Thema des demographischen Wandels erfordert ein Wissen und ein Urteil über Verän-
derungen, die miteinander verzahnt sind, deren Ursachen und Wirkungsketten jedoch nicht einfach
aufzulösen sind. In den Gruppen wurden keine theoretischen Debatten geführt, sondern die Teilneh-
mer diskutierten und entwickelten Vorschläge aus ihrer eigenen Erfahrung und ihrem allgemeinen
Wissen über die demographischen Veränderungen heraus. Daher ist es besonders wichtig, dass sich
die Bürgergruppe nicht einseitig zusammensetzt und relevante Themen, bei denen die persönliche
Betroffenheit fehlt, nicht ausgespart werden.
Zwischen Erlbach und Battenberg bestehen deutliche Unterschiede: Battenberg ist durch eine robuste
Industriestruktur gekennzeichnet. Die Arbeitslosigkeit ist gering. Es gibt eine beständige Nachfrage
nach Fachkräften im Fertigungsbereich. Da die Bevölkerungszahl in den letzten Jahren stabil geblie-
ben ist, fehlt die Erfahrung wie in Erlbach über eine rückläufige Zahl der Einwohner und Haushalte
und eine sich schon deutlich verändernde Altersschichtung. Damit ist die persönliche Betroffenheit
durch den langfristigen demographischen Wandel in Battenberg bisher gering.
In Erlbach hingegen sind die Veränderungen jetzt schon drastisch und führen zu einer intensiveren
Auseinandersetzung der Bürger mit dem Thema des demographischen Wandels als in Battenberg. Hier
spielt sicherlich auch die im Vergleich zu Battenberg geringere Einwohnerzahl eine Rolle, so dass die
Erfahrungen eher mit anderen Bewohnern der Gemeinde, die mehr oder weniger bekannt sind, geteilt
werden. Die Veränderungen in Battenberg sind spürbar, aber für die Bürger noch nicht beunruhigend.
Dementsprechend sind die Sorgen in der Bürgergruppe deutlich geringer. So war es sehr typisch, dass
der Vertreter eines großen Industriebetriebes in Battenberg durch ihre genaue Kenntnis der Wettbe-
werbsveränderungen auf globalen Märkten stärker beunruhigt war als die Bürger insgesamt. Unter-
schiede der Beurteilungen ergaben sich etwa auch hinsichtlich der Sorgen über die Veränderungen des
Immobilienmarktes. Während hier Spezialisten eine langfristige schleichende Krise befürchteten,
nahmen die Bürger die Veränderungen wahr, erhoben das Thema jedoch nicht zu einer ihrer zentralen
Sorgen. Die Lösung dieses Problems überschreitet aus ihrer Sicht vielmehr die Kompetenzen der Bür-
ger, so dass sie dies als Aufgabe der Kommune ansehen.
Trotz der Unterschiede in der Intensität der Erfahrungen haben die Teilnehmer beider Bürgerrunden
ähnliche Handlungserfordernisse formuliert. Das gilt vor allem für den Bereich der Mobilität, aber
auch für die Unterstützung und Pflege älterer Menschen und die Verbesserung der Versorgungssituati-
on (Gesundheit, Handel und Dienstleistungen etc.). In der Diskussion um künftige Handlungsansätze
wurden jedoch in Erlbach deutlich weiter gehende und radikalere Lösungen diskutiert. Die Gruppe

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 62 -
empirica
war spontan bereit, sich weiterhin für das Thema zu engagieren und sah sich möglicherweise auch als
Kerngruppe für eine „Bürgerbewegung“, die Veränderungen künftig zu begleiten oder selbst aktiv
daran mitzuwirken. Demgegenüber überwiegt in Battenberg die Vorstellung, dass die üblichen gegen-
seitigen Unterstützungen und die bestehenden Netzwerke bis auf weiteres ausreichen, um die Verän-
derungen zu bewältigen. Dennoch sind sie davon überzeugt, dass sie bei einer Verschärfung der Prob-
leme auch entsprechende Lösungen finden werden. Bereits heute bestehen ausgeprägte nachbarschaft-
liche Unterstützungen (z.B. Mitfahrgelegenheiten).
Weiteres Vorgehen in Erlbach und Battenberg
Die Ergebnisse in dem vorliegenden Bericht stellen sehr umfassend die Herangehensweise und Ergeb-
nisse des Bürgergutachtens dar. Ergänzend liefert empirica im Folgenden zentrale Empfehlungen, wie
die Ergebnisse in den beiden Kommunen umgesetzt werden können. Diese Empfehlungen gehen über
das eigentliche Bürgergutachten hinaus. Die Umsetzung der Ergebnisse müssen in einem neuen Pro-
zess in den beiden Kommunen individuell gestaltet werden. Gleichzeitig schließt dies eine Fortfüh-
rung der Demographie-Partnerschaft (z.B. Erfahrungsaustausch) auf kommunaler Ebene nicht aus. Die
zahlreichen in den Bürger- und Expertenrunden aufgeworfenen Themen und entwickelten Projekt-
ideen, aber auch die bereits bestehenden guten Ansätze in beiden Kommunen, bieten hierfür wertvolle
Anknüpfungspunkte.
Die Beteiligten der Bürgerrunden haben die Teilnahme an der Veranstaltung in ihren abschließenden
Wertungen als äußerst positiv und informativ erlebt. Sie haben einen Lernprozess durchgemacht und
erfahren, dass andere Menschen in der Kommune ähnliche Vorstellungen, Probleme und Lösungskon-
zepte haben wie sie. Sie haben erhebliche Lerneffekte erzielt, weil in der Diskussion und durch die
Präsentation langfristige Trends transparenter gemacht wurden.
Die Workshops in Erlbach und Battenberg haben eine hohe Erwartungshaltung und Motivation bei
den Beteiligten geschaffen. In beiden Gemeinden ist es daher unbedingt erforderlich ohne Verzöge-
rung weitere Schritte einzuleiten, um den eingeleiteten Prozess fortzuführen. In einer Abschlussrunde
am 06. März 2008 mit den Bürgermeistern der beiden Kommunen, Vertretern des Staatsministeriums
für Umwelt und Landwirtschaft, den Staatskanzleien der Länder Sachsen und Hessen und Vertretern
von empirica wurde ein Fahrplan für das weitere Vorgehen vereinbart. Dieser sieht folgende Schritte
vor, die durch Vorschläge von empirica ergänzt werden (vgl. Abbildung 13):
-
Im zweiten Quartal 2008 findet in Battenberg und in Erlbach jeweils eine Präsentation der Ergeb-
nisse unter der Beteiligung der jeweiligen Bürgermeister und Staatskanzleien statt. In Battenberg
findet diese Vorstellung der Ergebnisse im Rahmen einer öffentlichen Sitzung der Stadtverordne-
tenversammlung statt.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 63 -
empirica
-
Nach diesem Termin beraten in Battenberg Stadtverordnete und Bürgergutachter die Ergebnisse
und legen einen Umsetzungsfahrplan fest. In einer Stadtverordnetenversammlung werden die Er-
gebnisse beschlossen.
-
In Erlbach werden die Bürgergutachter und der Gemeinderat die im Bürgergutachten vorgeschla-
genen Projekte diskutieren und entsprechende Maßnahmen festlegen.
-
empirica schlägt vor, für die folgende Arbeit in beiden Kommunen jeweils eine Steuerungsrunde
zu bilden. Diese Steuerungsrunden sind Gremien (z.B. fünf bis acht Personen), die sich aus Ver-
tretern der Verwaltung, der Politik und der Bürgerrunden zusammensetzen (bzw. evtl. weitere In-
teressierte). Aufgabe der Steuerungsrunde ist es, die anschließende Projektumsetzung inhaltlich
und organisatorisch übergreifend zu steuern und Aktivitäten zu bündeln. Sie dient außerdem nach
außen (z.B. im Kontakt mit anderen Kommunen bei der Suche nach guten Beispielen) als zentraler
Ansprechpartner.
-
In beiden Kommunen bildet eine Bürgermesse den Auftakt für die Umsetzung der erarbeiteten und
festgelegten Projekte. Sie hat eine Informationsfunktion, eine Mobilisierungsfunktion und eine
Vernetzungsfunktion. Die Bürgermesse bietet eine Plattform für bereits vorhandene Aktivitäten
(z.B. Vereine, sonstige Einrichtungen) und gute Ansätze, die so einer breiten Öffentlichkeit vorge-
stellt werden können. Denkbar ist im Rahmen der Bürgermesse z.B. auch ein Ideenwettbewerb für
innovative Projekte.
Angesichts der eher gegenwartsgeprägten Sichtweise wird es in Battenberg zunächst darum gehen,
die Bewohner Battenbergs für das Thema des demographischen Wandels zu sensibilisieren und
auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten. Erst wenn dies gelingt, kann sich ein Be-
wohnerengagement entfalten, das als wichtige Voraussetzung für die Bewältigung zukünftiger
Aufgaben gilt. Wichtige Anknüpfungspunkte sehen die Bürgergutachter hierfür in den vorhande-
nen Vereinen, sozialen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Seniorenheimen und sonstige
Initiativen. Die Vernetzung der vielfältigen Angebote und die Möglichkeit des gegenseitigen Ken-
nenlernens der Bewohner sind wichtige Voraussetzungen zum Aufbau zukunftsträchtiger Struktu-
ren, z.B. wenn es darum geht, ältere Menschen oder Familien im Alltag (Einkaufshilfen, Fahr-
dienste, Betreuung) zu unterstützen. Die von den Bürgergutachtern vorgeschlagene Bürgermesse
kann in diesem Sinne einen „Startschuss“ markieren.
Auch in Erlbach sollte trotz der breiteren Erfahrungen und der stärkeren persönlichen Betroffen-
heit mit den Folgen des demographischen Wandels der Aufklärungs- und Informationsprozess
über anstehende Veränderungen fortgeführt werden. Darüber hinaus ist es von Bedeutung, die
vorhandene Bereitschaft der Bürger, sich zu engagieren, ernst zu nehmen, zu bündeln und die er-
arbeiteten Ideen und Projekte ohne Verzögerung weiterzuentwickeln.
Der unterschiedliche Erfahrungsstand der Bürger von Erlbach und Battenberg bietet Anknüp-

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 64 -
empirica
fungspunkte für mögliche zukünftige Gemeinschaftsprojekte der Gemeinden und eine Fortführung
der hessisch-sächsischen Demographie-Partnerschaft auf lokaler Ebene.
-
Für die Umsetzung der Projekte konstituiert die Steuerungsrunde pro Projekt (z.B. Haus der Ver-
eine, Mitfahrzentrale, Ältere helfen Alten) jeweils eine Arbeitsgruppe, die die Umsetzung haupt-
verantwortlich übernimmt. Dies kann z.B. eine bereits bestehende Interessengruppe sein oder eine
neu zu bildende Gruppe Freiwilliger (Bürger und/oder Experten).
-
Die Arbeitsgruppen werden für die Projektumsetzung alle relevanten Arbeitsschritte durchführen.
Dazu gehören v.a. folgende Inhalte:
-
Bedarfsanalyse (Konkretisierung der Projektinhalte): Hier wird z.B. im Falle des Projektes
„Haus der Vereine bzw. generationenübergreifender Treffpunkt“ in Erlbach ermittelt, welche
Gruppen bzw. Personen überhaupt angesprochen werden sollen und in welchen Bereichen De-
fizite liegen.
-
Konkretisierung der normativen Zielsetzung und des Maßnahmeplans (Wie soll ein solches
Angebot konkret aussehen? Welche Ziele sollen erreicht werden?)
-
Durchführungsplan: Finanzierungs- und Organisationskonzept (Wie kann eine zielgerichtete
Organisationsstruktur aussehen und wie kann diese finanziert werden?)
-
Die Teilnehmer beider Bürgerrunden bekundeten ein großes Interesse, beispielhafte Projekte aus
anderen Kommunen kennenzulernen, um von den Erfahrungen zu lernen und Anregungen für die
konkrete Umsetzung von Projekten in ihren Gemeinden zu gewinnen. Für die gezielte Recherche
bieten sich zahlreiche Projektdatenbanken an, wie z.B. die Projektbibliothek des Modellvorhabens
„Zukunftschancen nutzen. Modellregion Oberlausitz-Niederschlesien“ des Sächsischen Staatmi-
nisteriums des Innern oder die Leuchtturmprojekte des Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäu-
ser des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Auch in Erl-
bach und Battenberg gibt es bereits gute Ansätze, bei denen es sich lohnt, genauer hinzuschauen.
Ein Beispiel in Erlbach ist das Familienzentrum. Der gleichnamige Verein organisiert Veranstal-
tungen wie Kindergeburtstage, Basare, Englisch- und Tanzkurse etc. und ist eine zentrale Anlauf-
stelle für Kinder und Erwachsene jeden Alters. In Battenberg organisiert z.B. die Kindertagesstätte
Dodenau Nachmittage, an denen sich ältere Menschen gemeinsam mit den Kindern beschäftigen,
um so ein generationenübergreifendes Miteinander zu fördern. In Form von Exkursionen („Safa-
ris“) zu guten Beispielprojekten und ggf. gegenseitigen Besuchen in Erlbach bzw. Battenberg
können Erfahrungen ausgetauscht und Ideen gemeinsam weiterentwickelt werden.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 65 -
empirica
Der gesamte Prozess muss so gestaltet sein, dass er Anknüpfungspunkte identifiziert, Potenziale mobi-
lisiert und diese unbürokratisch und nicht hierarchisch aufgreift und weiterentwickelt. Er ist als Dialog
zu verstehen, der zwar auch klare Verbindlichkeiten braucht, aber insgesamt offen für Änderungsbe-
darfe sein muss, die sich im weiteren Verlauf ergeben.
Abbildung 13:
Überblick über das weitere Vorgehen in Erlbach und Battenberg
Erlbach
Battenberg
Präsentation der Ergebnisse
(u.a. Bürgermeister, Staatskanzlei
im Rahmen einer öffentlichen Sitzung
der Stadtverordnetenversammlung)
Präsentation der Ergebnisse
(u.a. Bürgermeister, Staatskanzlei)
Beratung der Ergebnisse und
Erarbeitung eines Umsetzungsfahrplans
(Bürgergutachter, Stadtverordnete)
Beschlussfassung
Stadtverordnetenversammlung
Beratung der Ergebnisse und
Festlegung von Maßnahmen
(Bürgergutachter, Gemeinderat)
Zeitplan
2008
2. Quartal
3. Quartal
Arbeitsgruppe 1 „Haus der Vereine “
Arbeitsgruppe 2 „ Mitfahrzentrale“
Arbeitsgruppe 3 „…“
Arbeitsgruppe 4 „…“
Arbeitsgruppe 1 „Ältere helfen Alten“
Arbeitsgruppe 2 „Mitfahrzentrale“
Arbeitsgruppe 3 „…“
Arbeitsgruppe 4 „…“
Steuerungsrunde
Steuerungsrunde
Bürgermesse
Bürgermesse
empirica

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
Anlagen
7.1
Einladungsschreiben
02. Oktober 2007
Chancen für Erlbach im demographischen Wandel – Sie können mitgestalten!
Sehr geehrte Frau/ Sehr geehrter Herr ,
Ist Erlbach fit für die Zukunft? Wie werden wir morgen in unserer Gemeinde leben? Welche Themen bieten
Chancen für eine zukunftssichere Entwicklung? Auf diese Fragen überzeugende Antworten zu finden ist vor dem
Hintergrund der demographischen Entwicklung – einem zu erwartenden Bevölkerungsrückgang und einer stetig
wachsenden Zahl älterer Bewohner – nicht einfach. Auf der Suche nach neuen und unkonventionellen Ideen sind
die Erfahrungen und Vorschläge unserer Bürgerinnen und Bürger daher besonders wichtig, denn niemand kennt
die Lebenssituation und den Alltag in Erlbach so gut wie sie.
Wie Sie vielleicht schon aus der Presse erfahren haben, hat die sächsische Staatsregierung Erlbach als sächsi-
sche Modellkommune im Rahmen der hessisch-sächsischen Demographie-Partnerschaft ausgewählt. Die Stadt
Battenberg in Hessen ist die Partnerstadt dieses gemeinschaftlichen Projektes mit der hessischen Landesregie-
rung. Im Rahmen dieses Projektes soll ein Bürgergutachten erstellt werden. Sie sind per Zufallsverfahren ausge-
wählt, daran teilzunehmen (bei zufällig ausgewählten Ehepaaren bitte nur ein Partner). Wir laden Sie hiermit
herzlich ein, mit weiteren Bürgerinnen und Bürgern sowie Experten Ideen für die zukünftige Entwicklung von
Erlbach zu erarbeiten und konkrete Projektvorschläge zu entwickeln. Auch wenn nicht alles in unserer Hand liegt,
gibt es Dinge, die wir als Gemeinde angehen können.
Das Bürgergutachten findet am
02./03. November 2007 im Kulturzentrum Riedelhof in Eubabrunn/ Erlbach
statt. Für die Teilnehmer ist eine Aufwandsentschädigung vorgesehen. In Absprache mit dem Arbeitgeber ist ggf.
eine Freistellung zu erreichen. In dem beigefügten Informationsblatt haben wir die Einzelheiten des Verfahrens
dargestellt. Für Fragen stehen Ihnen Frau Kleinhans (Tel. 030/884795-24) und Frau Schwedt (Tel. 030/884795-
16) gerne zur Verfügung. Haben Sie Interesse als Bürgergutachter die zukünftige Entwicklung von Erlbach mit zu
gestalten? Dann teilen Sie uns dies bitte bis zum 17. Oktober 2007 auf dem abtrennbaren Antwortbogen per
beiliegendem Rückumschlag (Porto zahlt Empfänger) oder per Email (kleinhans@empirica-institut.de) mit.
Mit freundlichen Grüßen
Bürgermeister Klaus Herold
Frau/Herrn
Strasse
Erlbach

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
empirica
Kurfürstendamm 234
10719 Berlin
empirica
Forschung und Beratung
Kurfürstendamm 234
10719 Berlin
Frau/Herrn
Strasse
Erlbach
Tel. (030) 88 47 95-0
Fax (030) 88 47 95-17
www.empirica-institut.de
berlin@empirica-institut.de
26. Oktober 2007
Bürgergutachten in Erlbach
Sehr geehrte Frau/ Sehr geehrter Herr ,
wir freuen uns sehr, dass Sie Lust und Zeit haben, als Bürgergutachter die zukünftige Entwicklung von
Erlbach/Vogtland mit zu gestalten. Hiermit laden wir Sie herzlich zu der Veranstaltung am Freitag und
Samstag, den 02. und 03. November 2007 ein. Wir treffen uns am Freitag um 9 Uhr im Riedelhof in
Eubabrunn.
Der beiliegenden Tagesordnung können Sie das Programm für beide Tage entnehmen. Ein Schwer-
punkt des ersten Tages wird es sein, Stärken und Schwächen festzustellen und erste Projektideen zu
entwickeln. Am zweiten Tag wird es konkret, indem wir für die zuvor festgelegten Handlungsfelder
umsetzungsfähige Maßnahmen ableiten.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen, für das leibliche Wohl ist gesorgt. Wenn Sie noch Fragen haben,
stehe ich Ihnen unter der Telefonnummer 030/884795-24 gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
empirica
Katrin Kleinhans

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02. Oktober 2007
Chancen für Battenberg im demographischen Wandel – Sie können mitgestalten!
Sehr geehrte Frau/ Sehr geehrter Herr,
Ist Battenberg fit für die Zukunft? Wie werden wir morgen in unserer Stadt leben? Welche Themen bieten Chan-
cen für eine zukunftssichere Entwicklung? Auf diese Fragen überzeugende Antworten zu finden ist vor dem Hin-
tergrund der demographischen Entwicklung – einem zu erwartenden Bevölkerungsrückgang und einer stetig
wachsenden Zahl älterer Bewohner – nicht einfach. Auf der Suche nach neuen und unkonventionellen Ideen sind
die Erfahrungen und Vorschläge unserer Bürgerinnen und Bürger daher besonders wichtig, denn niemand kennt
die Lebenssituation und den Alltag in Battenberg so gut wie sie.
Wie Sie vielleicht schon aus der Presse erfahren haben, hat die hessische Landesregierung Battenberg als hes-
sische Modellkommune im Rahmen der hessisch-sächsischen Demographie-Partnerschaft ausgewählt. Die Ge-
meinde Erlbach/Vogtland in Sachsen ist die Partnergemeinde dieses gemeinschaftlichen Projektes mit der säch-
sischen Staatsregierung. Im Rahmen dieses Projektes soll ein Bürgergutachten erstellt werden. Sie sind per Zu-
fallsverfahren ausgewählt, daran teilzunehmen. Ich lade Sie hiermit herzlich ein, mit weiteren Bürgerinnen und
Bürgern sowie Experten Ideen für die zukünftige Entwicklung von Battenberg zu erarbeiten und konkrete Projekt-
vorschläge zu entwickeln. Auch wenn nicht alles in unserer Hand liegt, gibt es Dinge, die wir als Stadt angehen
können.
Das Bürgergutachten findet am 23./24. November 2007 im Battenberger Rathaus statt. Für die Teilnehmer ist
eine Aufwandsentschädigung vorgesehen. In Absprache mit dem Arbeitgeber ist ggf. eine Freistellung zu errei-
chen. In dem beigefügten Informationsblatt haben wir die Einzelheiten des Verfahrens für Sie dargestellt. Für
Fragen stehen Ihnen Frau Kleinhans (Tel. 030/884795-24) und Frau Schwedt (Tel. 030/884795-16) gerne zur
Verfügung. Haben Sie Interesse, als Bürgergutachter die zukünftige Entwicklung von Battenberg mit zu gestal-
ten? Dann teilen Sie uns dies bitte bis Freitag, 26. Oktober 2007 auf dem abtrennbaren Antwortbogen per beilie-
gendem Rückumschlag (Porto zahlt Empfänger) oder per Email (kleinhans@empirica-institut.de) mit.
Mit freundlichen Grüßen
Bürgermeister Heinfried Horsel

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
empirica
Kurfürstendamm 234
10719 Berlin
empirica
Forschung und Beratung
Kurfürstendamm 234
10719 Berlin
Frau/Herrn
Strasse
Battenberg
Tel. (030) 88 47 95-0
Fax (030) 88 47 95-17
www.empirica-institut.de
berlin@empirica-institut.de
14. November 2007
Bürgergutachten in Battenberg
Sehr geehrte Frau/ Sehr geehrter Herr,
wir freuen uns sehr, dass Sie Lust und Zeit haben, als Bürgergutachter die zukünftige Entwicklung von
Battenberg mit zu gestalten. Hiermit laden wir Sie herzlich zu der Veranstaltung am Freitag und Sams-
tag, den 23. und 24. November 2007 ein. Wir treffen uns am Freitag um 9 Uhr im Sitzungssaal des
Rathauses Battenberg.
Der beiliegenden Tagesordnung können Sie das Programm für beide Tage entnehmen. Ein Schwer-
punkt des ersten Tages wird es sein, Stärken und Schwächen festzustellen und Handlungsfelder für
Battenberg abzuleiten. Am zweiten Tag wird es konkret, indem wir für die zuvor festgelegten Schwer-
punkte erste Projektideen und umsetzungsfähige Maßnahmen entwickeln.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen, für das leibliche Wohl ist gesorgt. Wenn Sie noch Fragen haben,
insbesondere zur möglichen Freistellung von Ihrem Arbeitgeber, stehe ich Ihnen unter der Telefon-
nummer 030 / 88 47 95-24 gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
empirica
Katrin Kleinhans

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 70 -
empirica
7.2
Informationsblätter
Ohne die Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger kann das Bürgergutachten nicht realisiert werden.
Daher ist Ihre Teilnahme besonders wichtig! Bitte teilen Sie uns Ihre Interessenbekundung für eine
Teilnahme am Erlbacher Bürgergutachten am 02./03. November 2007 auf diesem Abschnitt
(oder per Email an
kleinhans@empirica-institut.de
) mit und senden ihn in dem beigefügten
Briefumschlag bis zum 17. Oktober 2007 an empirica. Vielen Dank!
Ja, ich möchte an dem Bürgergutachten teilzunehmen.
□ Nein, ich kann/möchte nicht an dem Bürgergutachten teilnehmen, bin aber an den
Ergebnissen interessiert.
Name:
………………………………………………………………………………………………………
Anschrift:
………………………………………………………………………………………………………
Telefon:
………………………………………………………………………………………………………
E-Mail:
………………………………………………………………………………………………………
Bürgergutachten in Erlbach
Chancen für Erlbach im demographischen Wandel – Sie können mitgestalten!
Wann & Wo?
Beginn (voraussichtlich): Freitag, 02. November 2007 um 9 Uhr
Ende (voraussichtlich): Samstag, 03. November 2007 um 13 Uhr
Kultur- und Begegnungszentrum Riedelhof in Erlbach-Eubabrunn
Was ist das Ziel des Bürgergutachtens?
Die Lebensqualität in Erlbach soll erhalten bleiben. Wie dies zukünftig auch bei einer
zurückgehenden Bevölkerungszahl erfolgen kann, soll gemeinsam mit Erlbacher Bürgerinnen
und Bürgern erörtert werden. Ziel ist es, Ideen zu sammeln und konkrete Vorschläge
für die Zukunft von Erlbach zu entwickeln, z.B. in den Bereichen Familienfreundlichkeit,
Versorgungssituation usw. Die Ergebnisse werden anschließend in einer Broschüre veröffentlicht.
Was ist sonst noch wichtig?
- Für die Teilnahme ist eine
Aufwandsentschädigung vorgesehen.
- In Absprache mit dem Arbeitgeber ist ggf.
eine Freistellung zu erreichen.
- Für die Zeit der „Planungszelle“ sind wir
gerne bei der Organisation einer
Kinderbetreuung behilflich.
Wie werden die
Teilnehmer ausgewählt?
Jede Bürgerin bzw. jeder Bürger über
18 Jahren kann Gutachter werden,
insgesamt 15 können teilnehmen.
Die Auswahl wurde per Zu-
fallsverfahren aus dem Einwohner-
melderegister getroffen. Melden sich
mehr als 15 Personen, entscheidet das
Los.
Haben Sie weitere
Fragen?
Gerne können Sie
Frau Katrin Kleinhans
(Tel. 030/884795-24) oder
Frau Anna Schwedt
(Tel. 030/884795-16) bei
Fragen zum Verfahren
telefonisch kontaktieren.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 71 -
empirica
Sollten wir Ihr Interesse geweckt haben, dann würden wir uns über Ihre Teilnahmebekundung für
das Bürgergutachten am 23./24. November 2007 in Battenberg freuen! Bitte füllen Sie den
Abschnitt aus und senden ihn in dem beigefügten Briefumschlag bis zum 26. Oktober 2007 an
empirica. Vielen Dank!
Ja, ich möchte an dem Bürgergutachten teilnehmen.
□ Nein, ich kann/möchte nicht an dem Bürgergutachten teilnehmen, bin aber an
Ergebnissen interessiert.
Name:
………………………………………………………………………………………………………
Anschrift:
………………………………………………………………………………………………………
Telefon:
………………………………………………………………………………………………………
E-Mail:
………………………………………………………………………………………………………
Bürgergutachten in Battenberg
Chancen für Battenberg im demographischen Wandel – Sie können mitgestalten!
Wann & Wo?
Beginn (voraussichtlich): Freitag, 23. November 2007 um 9 Uhr
Ende (voraussichtlich): Samstag, 24. November 2007 um 13 Uhr
Rathaus Battenberg (Sitzungssaal)
Was ist das Ziel des Bürgergutachtens?
Battenberg 2020: Wir werden älter, weniger, bunter. Wie bei der zukünftigen Bevölkerungs-
entwicklung Lebensqualität erhalten und dem allgemeinen demographischen Trend entgegen
gewirkt werden kann soll gemeinsam mit Battenberger Bürgerinnen und Bürgern erörtert werden.
Ziel ist es, Ideen zu sammeln, Vorschläge für die Zukunft von Battenberg zu entwickeln und
konkrete Projekte anzuschieben z.B. in den Bereichen Familienfreundlichkeit oder Versorgungs-
situation usw. Die Ergebnisse werden anschließend in einer Broschüre veröffentlicht.
Was ist sonst noch wichtig?
- Für die Teilnahme ist eine
Aufwandsentschädigung als
Anerkennung vorgesehen.
- In Absprache mit dem Arbeitgeber ist ggf.
eine Freistellung zu erreichen.
- Für die Zeit der „Planungszelle“ sind wir
gerne bei der Organisation einer
Kinderbetreuung behilflich.
Wie werden die
Teilnehmer ausgewählt?
Jede Bürgerin bzw. jeder Bürger über
18 Jahren kann Gutachter werden,
aber nur 15 können teilnehmen. Die
Auswahl wurde per Zufallsverfahren
aus dem Einwohnermelderegister
getroffen. Melden sich mehr als 15
Personen, entscheidet das Los.
Haben Sie weitere
Fragen?
Gerne können Sie
Frau Katrin Kleinhans
(Tel. 030/884795-24) oder
Frau Anna Schwedt
(Tel. 030/884795-16) bei
Fragen zum Verfahren
telefonisch kontaktieren.

Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 72 -
empirica
7.3
Teilnehmer der Expertenrunden
Teilnehmer Expertenrunde: Erlbach (10)
Anrede Name
Institution/Funktion
Frau
Braun
Kindergarten Kegelbergvilla
Herr
Eßbach
Gemeinde Erlbach
Frau
Forkel
Vogtländisches Freilichtmuseum Eubabrunn
Frau
Geilert
Dorfladen
Frau
Götz
Gemeinde Erlbach
Herr
Heber
F.Heber GmbH, Fliesenleger
Herr
Ilgmann
Gemeinderat Erlbach
Herr
Sandner
Musikinstrumente
Frau
Schmutzler
Familienzentrum "Altes Schloss"
Frau
Skerswetat
Vogtländisches Freilichtmuseum Eubabrunn
Teilnehmer Expertenrunde: Battenberg (14)
Anrede
Nachname
Institution/Funktion
Frau
Bank
DRK-Seniorenzentrum Battenberg
Herr
Beier
Bürger
Herr
Belz
Ortsvorsteher Laisa
Herr
Biebighäuser
Autohaus Biebighäuser
Herr
Franke
Wirtschaftsförderung LK Waldeck-Frankenberg
Herr
Frenzl
Schulleiter Gesamtschule Battenberg
Frau
Fries
Ederbergland Touristik e.V.
Herr
Grabowski
TSV Battenberg
Frau
Heppe
Bürgerin
Frau
Huhn
Ev. Kindertagesstätte Dodenau
Herr
Jacobi
Ortsvorsteher Battenberg (Eder)
Herr
Jörn
Eisenwerke Hasenclever (Geschäftsführer)
Herr
Stein
Ortsvorsteher Dodenau
Herr
Strieder
Ortsvorsteher Frohnhausen

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
7.4
Gute Beispiele im Umgang mit dem demographischen Wandels
Die folgenden Best-Practice-Ansätze hat empirica im Rahmen der Bürgergutachten im Plenum vorge-
stellt, um Impulse für die Entwicklung von Projekten und Ideen in Erlbach und Battenberg zu geben.
Die vorgestellten Projektideen hat empirica im Vorfeld recherchiert (z.B. Anruf-Sammel-Taxi
Waldeck Frankenberg, Mehrgenerationenhaus Haunetal-Wehrda) bzw. sind empirica durch eigene
Projektbegleitung bereits seit längerer Zeit bekannt (z.B. Mittagstisch in Donauwörth, Nachbarschafts-
schule in Lindau).
empirica
Ort:
Landkreis Waldeck-Frankenberg, Hessen
Ziel:
Ergänzung des öffentlichen
Nahverkehrsnetzes zu Schwachverkehrszeiten
Inhalt:
Das Anruf-Sammel-Taxi (AST) in Waldeck-
Frankenberg ergänzt das Bahn- und Busnetz.
Seit 1997 betreibt die Energie Waldeck-
Frankenberg GmbH (EWF) ein Anruf-Sammel-
Taxi.
Es werden Schwachverkehrszeiten
überbrückt, d.h. ab einer Angebotslücke von
mehr als 30 Minuten, und fährt wie ein
Linienbus von Haltestelle zu Haltestelle. Die
Anmeldung muss bis 30 Minuten vor der
gewünschten Fahrt erfolgen. Acht
Taxiunternehmen stehen zur Verfügung.
Eine normale Fahrt kostet 1,70 € (Bus)
zuzüglich AST-Zuschlag von 1 €.
Das Obere Edertal wird ab Winter 2007 für
zunächst zwei Jahre (Probephase)
aufgenommen.
Anruf-Sammel-Taxi (AST) Waldeck-Frankenberg

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
empirica
Ort:
Haunetal-Wehrda, Hessen
Ziel:
generationenübergreifende Freizeit- und
Kulturangebote
Inhalt:
Konzerte, Lesungen und Vorträge etc.,
aber es gibt viel mehr: Es werden in einem
Dorfladen Erzeugnisse aus der Region
verkauft. Die Räumlichkeiten (alte Scheune)
wurden um ein Café mit wichtiger Netzwerk-
Funktion zwischen Jung und Alt erweitert. Dort
kommen Menschen aus der Region
Haunetal zu Veranstaltungen zusammen, bei
denen das Gespräch im Mittelpunkt steht. In
der 'Spinnstube' etwa treffen sich ältere
Menschen, um aus ihrer Vergangenheit zu
erzählen und aus ihren Erfahrungen
gemeinsam mit Jüngeren neue Ideen zu
entwickeln.
Schüler bieten den Service "Verflixt
Sauber" an: Ihr Angebot umfasst
Hilfsarbeiten rund um Haus und Heim.
Buchführung und Organisation erledigen sie in
Eigenregie.
Mehrgenerationenhaus Haunetal-Wehrda
empirica
Fiftyfifty-Taxi Waldeck Frankenberg
Ort:
Landkreis Waldeck-Frankenberg, Hessen
Ziel:
Vermeidung von Disko-Unfällen, Erhöhung der
Mobilität von Jugendlichen
Inhalt:
Das Fiftyfifty-Taxi ist ein Angebot des
Energiekonzerns EWF und des Landkreises
für Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren.
Seit 2006 können Jugendliche zwischen 22:30
und 5 Uhr das Taxi nutzen und zahlen für
Fahrten innerhalb des Landkreises nur den
halben Preis. 16 Taxiunternehmen sind daran
beteiligt. Bei ihnen kann die Fahrt angemeldet
werden. Die Jugendlichen benötigen einen
Ausweis, der im Internet heruntergeladen
werden kann. Der Fahrpreis richtet sich nach
gefahrenen Kilometern. Die Abrechung des
halben Fahrpreises erfolgt nach Unterschrift
des Jugendlichen durch den Taxifahrer über
den Landkreis.

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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Ort:
Lindau (Bodensee), Bayern
Ziel:
generationenübergreifende gegenseitige
Unterstützung, Stärkung der Gemeinschaft im
Stadtteil
Inhalt:
In Lindauer Stadtteil Zech findet zweimal in der
Woche für alle Generationen in der
Grundschule ein Mittagstisch statt. Dort treffen
sich alle Generationen. Kinder aus der
Grundschule, manchmal kommen auch die
Mütter dazu sowie Senioren und Mitarbeiter
aus den umliegenden Unternehmen. Träger ist
ein gemeinnütziger Verein (Treffpunkt Zech
e.V.). Er betreibt in erster Linie den Treffpunkt
Zech, der sich auch in der Schule befindet.
Der Verein besteht aus engagierten Bürgern
des Stadtteils.
Das Einkaufen und Kochen organisieren
Frauen aus der Nachbarschaft, viele von Ihnen
mit Migrationshintergrund. Die Arbeit fördert ihr
Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein.
Nachbarschaftsschule für Jung und Alt

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
empirica
Ort:
Donauwörth, Bayern
Ziel:
Freizeitangebot Jugendliche, Stärkung der
Eigenverantwortlichkeit
Inhalt:
In Donauwörth Parkstadt gibt es einen
Mittagstisch, der in einen regulären
Gastronomiebetrieb angebunden ist. Eine
Kooperation besteht auch mit der
benachbarten Grundschule.
Frauen aus dem Gebiet unterstützen den
Gastwirt beim Einkauf und dem Kochen des
Mittagessens. Im Anschluss gibt es
Hausaufgabenhilfe für Kinder. Über die
Mitarbeit in dem Gastronomiebetrieb laufen
auch Qualifizierungsmöglichkeiten für
Jugendliche und Frauen.
Eigenständiger Jugendtreff und
Gründung eines Vereins
empirica
Der Nachbarschaftsladen für die
dörfliche Grundversorgung
Ort:
Berglangenbach, Rheinland-Pfalz
Ziel:
wohnortnahe Versorgung
Inhalt:
Der Nachbarschaftsladen sichert die
wohnungsnahe, fußläufige Grundversorgung im
Dorf. Neben Lebensmittel werden dort auch
Dienstleistungen wie Post- und, Bankservice,
Toto-Lotto, Fotoservice, Café, Reinigungs-
und Reparaturservices angeboten.
Träger:
Der Nachbarschaftsladen basiert auf einer
gemeinschaftlichen Trägerschaft, die keinen
Gewinn, sondern in erster Linie die
Kostendeckung anstrebt. Durch die Zusammen-
fassung von Einzelangeboten lassen sich
Kosten sparen: Das gleiche Personal nimmt
mehrere Aufgaben wahr. Je mehr Gründe der
Kunde hat, den Laden aufzusuchen, desto mehr
wird der Laden zu einem Treffpunkt im Ort und
bringt Leben ins Dorf.
Umbau einer
ehemaligen
Markthalle zum
Nachbarschaftsladen

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
- 77 -
empirica
7.5
Presseberichte (Auswahl)
Quelle: Markneukirchner Zeitung, 05. Oktober 2007

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
Quelle: Nordhessen – nh24.de, 23. November 2007

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
Quelle:
www.hna.de,
25. November 2007

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Bürgergutachten Erlbach/Battenberg
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empirica
Quelle: Waldeckische Landeszeitung 26. November 2007