image
Checklisten
Schutzgut Boden
für Planungs- und Zulassungsverfahren
Fallbeispiel Planfeststellungsverfahren Trinkwasserleitung
Mit freundlicher Genehmigung des Vorhabenträ-
gers, anonymisiert

Fallbeispiel Trinkwasserleitung | 1
Überblick
Planfeststellungsverfahren „Redundante Neuverlegung Trinkwasserleitung“
Gegenstand des
Planfeststellungsverfahrens
ist die
redundante Neuverlegung einer
Trinkwasserleitung
zur Sicherstellung der öffentlichen Trinkwasserversorgung in einem
bedeutenden Versorgungsgebiet in Hessen. Die redundante Leitung soll die verminderte
Transportkapazität sowie das relativ hohe Ausfallrisiko der veralteten Hauptleitung abfan-
gen. Die redundante Neuverlegung soll in vier Abschnitten gebaut werden. Gegenstand
des Planfeststellungsverfahrens ist ein 18,4 km langer Teilabschnitt, der von einem Was-
serwerk bis zu einem Kupplungsbauwerk verläuft.
Im Jahr 2016 wurde eine Machbarkeitsstudie für das geplante Vorhaben durchgeführt. Für
die im Jahr 2017 daraus entwickelte
Vorzugstrasse
wurde bereits eine Bestandsaufnah-
me der Böden hinsichtlich der Bodeneigenschaften und Bodenfunktionen sowie der Emp-
findlichkeiten der Böden durchgeführt und Empfehlungen zum weiteren Vorgehen unter
Berücksichtigung der Belange des vorsorgenden Bodenschutzes formuliert. Die Vor-
zugstrasse wurde anschließend schrittweise optimiert.
Das Land Hessen stellt
Bodenfunktionsbewertungen
im Maßstab 1:5.000 für die land-
wirtschaftliche Nutzfläche zur Verfügung (BFD5L). Zudem bestehen
Leitfäden
zur Be-
rücksichtigung des Schutzguts Boden in der Bauleitplanung, zur Ermittlung des Kompen-
sationsbedarfs für das Schutzgut Boden in Planverfahren sowie bei Gewässerrenaturie-
rungen.

image
Fallbeispiel Trinkwasserleitung | 2
Übersichtskarte
Lage der Trinkwasserleitung

Fallbeispiel Trinkwasserleitung | 3
Arbeit in der Kleingruppe
Arbeitsunterlagen
Sie haben
Auszüge
aus der Erläuterung der Grundlagen zum Vorhaben, dem land-
schaftspflegerischen Begleitplan sowie dem UVP-Bericht vorliegen, die im Rahmen der
Antragstellung für das Planfeststellungsverfahren erstellt wurden.
Bodenrelevante Aus-
sagen
sind bereits im Text farblich
markiert.
Bemerkung:
Es wurde im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens auch ein Fachbeitrag
Boden erarbeitet. Da dieser sehr umfangreich ist und die relevanten Aussagen aus dem
Fachbeitrag Boden ohnehin im landschaftspflegerischen Begleitplan sowie dem UVP-
Bericht zusammengefasst sind, haben wir den Fachbeitrag nicht in die für Sie zusammen-
gestellten Unterlagen aufgenommen.
Arbeitsaufgaben
-
Benennung
Gruppensprecher/in
-
Auswerten der
Planungsunterlage
-
Ausfüllen des
Projektübersichtsblatts
-
Auswahl
der geeigneten Checklisten
-
Ausfüllen der relevanten
Checklisten
-
Zusammentragen der
Ergebnisse
an der
Pinnwand
hinsichtlich:
o
Erfahrung bei der Arbeit mit den Checklisten
o
evtl. auftretende Schwierigkeiten und Hindernisse
-
Vorstellung
der Ergebnisse der Kleingruppe im Plenum
Hinweise zur Bearbeitung
Gruppeninterne Arbeitsteilung, selektives Lesen beachten
Unterlagen
-
Erläuterung der Grundlagen zum Vorhaben (EG)
-
Landschaftspflegerischer Begleitplan (LBP)
-
UVP-Bericht (UB)
-
Bodenfunktionsbewertung (Bodenflächendaten 1:5.000, landwirtschaftliche Nutzfläche
BFD5L,
http://bodenviewer.hessen.de
)
Gutachten/Unterlage
Bodenrelevante Angaben auf
folgenden Seiten
EG
LBP
UB
-
Beschreibung des Vorhabens mit Anga-
ben über Standort, Art und Umfang sowie
Bedarf an Grund und Boden
S. 4, 13
S. 24-26

Fallbeispiel Trinkwasserleitung | 4
Gutachten/Unterlage
Bodenrelevante Angaben auf
folgenden Seiten
EG
LBP
UB
-
Darstellung der in einschlägigen Fachge-
setzen und Fachplänen festgelegten Zie-
le des Umweltschutzes und ihrer Berück-
sichtigung
S. 6-7
-
Beschreibung der Umwelt und ihrer Be-
standteile im Einwirkungsbereich des
Vorhabens
S. 29
-
Beschreibung der zu erwartenden erheb-
lichen nachteiligen Umweltauswirkungen
des Vorhabens
S. 43
-
Beschreibung der Maßnahmen, mit de-
nen erhebliche nachteilige Umweltaus-
wirkungen des Vorhabens vermieden,
vermindert oder, soweit möglich, ausge-
glichen werden
S. 59-65,
S. 94-99
S. 54-55
-
Übersicht über die wichtigsten, vom Trä-
ger des Vorhabens geprüften anderweiti-
gen Lösungsmöglichkeiten
S. 14, 18, 21
S. 100-102
-
Hinweise auf Schwierigkeiten, die bei der
Zusammenstellung der Angaben aufge-
treten sind
S. 60-61
-
Maßnahmen zur Überwachung (Monito-
ring)
S. 98
-
Allgemein verständliche nichttechnische
Zusammenfassung
S. 62-63

Vorhabenträger
Antrag zur Planfeststellung
Redundante Neuverlegung
Trinkwasserleitung
Teil 1.1 Erläuterung der Grundlagen zum Vorhaben
Ersteller:
Stand: Januar 2021

Planfeststellung
Teil 1 - Redundante Neuverlegung
Trinkwasserleitung
Januar 2021
Seite II
Inhaltsverzeichnis
1 Projektziel redundante
Trinkwasserleitung
............................... 1
2 Vorhabenträger ............................................................................ 3
3 Antragsgegenstand ..................................................................... 4
3.1. Planrechtfertigung ................................................................................................ 4
3.2. Abschnittsbildung ................................................................................................ 9
4 Rechtsgrundlagen ..................................................................... 12
5 Raumordnungsrechtliche Relevanz ......................................... 13
6 Alternativenprüfung .................................................................. 14
6.1
Westliche Variante im Abschnitt Süd ............................................................ 15
6.2
Östliche Variante im Abschnitt Süd .............................................................. 16
6.3
Variantenvergleich ......................................................................................... 17
6.4
Zusammenfassende Bewertung der Varianten ............................................ 21

Planfeststellung
Teil 1 - Redundante Neuverlegung
Trinkwasserleitung
Januar 2021
Seite 4
3
Antragsgegenstand
Gegenstand des Planfeststellungsantrages ist die redundante Neuverlegung der
Trink-
wasserleitung
und deren Betrieb im Abschnitt zwischen dem Wasserwerk
Allmendfeld
und dem Kupplungsbauwerk bei
Wolfskehlen
mit einer Nennweite von 1.000 Millimeter
und einer Länge von 16,9 Kilometern sowie der Neubau und der Betrieb einer rund 1,5
Kilometer langen Anschlussleitung an das Wasserwerk
Eschollbrücken
mit einer
Nennweite von 800 Millimeter an den Leitungsverbund. Die Gesamtlänge der Leitung
beträgt somit 18,4 Kilometer. Im Verlauf der Trasse werden 53 Schachtbauwerke
errichtet, die je nach Standort verschiedene Funktionen (Be- und Entlüftung, Entleerung)
im Betrieb der Leitung erfüllen. Als Rohrmaterial wird Stahl mit Zementmörtel-Auskleidung
und PE-Außenbeschichtung eingesetzt. Die redundante
L
eitung
wird als unterirdische
Leitung mit einer Erdüberdeckung von mindestens 1,20 Metern verlegt. Die Verlegung der
Leitung erfolgt überwiegend in offener Bauweise. Es sind insgesamt 24 Kreuzungen von
Straßen, Gleisanlagen, Gewässer und Kanäle geplant, davon 16 in geschlossener Bau-
weise im Rohrvortrieb und 8 Kreuzungen in offener Bauweise. Für die Trinkwasserfern-
leitung ist unter Beachtung der technischen Regelwerke ein permanenter Schutzstreifen
mit 10 Meter Breite und ein 25 Meter breiter, temporärer Arbeitsstreifen vorgesehen.
Vom Wasserwerk
Allmendfeld
startet die Trasse innerhalb vorhandener Wege in östlicher
Richtung und verläuft anschließend in nördlicher Richtung parallel zur Autobahn A 67.
Nörd-lich von
Pfungstadt-Hahn
verschwenkt die Leitung nach Westen und verläuft
anschließend parallel zur Bundesstraße B 426 in nördlicher Richtung. Nach Querung des
Schwarzbaches teilt sich die Leitung nach Osten zum Wasserwerk
Eschollbrücken
und
wird in nordwestlicher Richtung weitergeführt. Nördlich des Scheidgrabens knickt die
Leitung nach Osten ab, quert den Scheidgraben und schließt nach Unterquerung der
Bundesstraße B 44 südlich von
Wolfskehlen
im neu errichteten Kupplungsbauwerk an die
bestehende Leitung an.
Die Trasse der redundanten
Trinkwasserleitung
durchläuft die hessischen Landkreise
Groß-Gerau
und
Darmstadt-Dieburg
. Betroffen von der Planung sind die Städte
Gernsheim und Riedstadt im Landkreis Groß-Gerau sowie die Städte Pfungstadt und
Griesheim im Land-kreis Darmstadt-Dieburg
.
3.1. Planrechtfertigung
Der Ballungsraum Rhein-Main zeichnet sich durch großstädtisch geprägte Bedarfszentren
(Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt) aus, deren Wasserversorgung aus örtlichen und regio-
nalen Ressourcen sichergestellt wird. Dieser in Abstimmung mit den Wasserbehörden über
Jahrzehnte kontinuierlich ausgebaute Leitungsverbund, bestehend aus örtlichen und regi-
onalen Wasserversorgungsstrukturen und Anlagen der Grundwasseranreicherung (Infiltra-
tionsanlagen), ist entsprechend der heutigen Notwendigkeiten ausreichend versorgungs-
sicher auszugestalten. Dies wird mit der redundanten Neuverlegung der
T
rinkwasser-
leitung
erreicht.

Planfeststellung
Teil 1 - Redundante Neuverlegung
Trinkwasserleitung
Januar 2021
Seite 13
5
Raumordnungsrechtliche Relevanz
Die neu zu errichtende redundante
Trinkwasserleitung
ist wie die bestehende Leitung als
raumbedeutsam einzustufen.
Allerdings entstehen durch die Maßnahme keine raumbedeutsamen Auswirkungen. Gründe
dafür sind, dass die Leitung möglichst parallel zu vorhanden Infrastrukturelementen wie
Leitungstrassen oder Verkehrswegen verläuft, abschnittsweise erfolgt und dass durch das
Vorhaben keine dauerhaften Nutzungsänderungen der betroffenen Flächen entstehen, son-
dern lediglich während der Bauphase. Die landwirtschaftliche Nutzung ist nach Beendigung
der Bauphase wieder möglich. Die Funktionen des regionalen Grünzuges werden nicht be-
einträchtigt.
Daher ergibt sich nicht die Notwendigkeit eines Raumordnungs- oder Abweichungsver-
fahrens. Die raumordnungsrelevanten Aspekte werden innerhalb des Planfeststellungs-
verfahrens konzentriert berücksichtigt.

image
Planfeststellung
Teil 1 - Redundante Neuverlegung
Trinkwasserleitung
Januar 2021
Seite 14
6
Alternativenprüfung
Im Rahmen der Alternativenprüfung wurden zwei grundsätzliche Varianten geprüft: eine
westliche und eine östliche Trassenvariante.
Die östliche Variante, die in den anschließenden Planungsschritten weiter detailliert wurde,
ist Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens.
Die westliche Variante verliefe im Wesentlichen entlang der Bestandsleitung. Die östliche
Variante orientiert sich an bestehende Straßen- und Wegestrukturen und stärkt den
Leitungsverbund durch den Anschluss der beiden Wasserwerke
Eschollbrücken
und
Pfungstadt
an die neu verlegte
Trinkwasserleitung
.
Abb. 3: Redundante Neuverlegung, Abschnitt Süd: östliche und westliche Variante

Planfeststellung
Teil 1 - Redundante Neuverlegung
Trinkwasserleitung
Januar 2021
Seite 18
Westliche Variante
(parallel zur Bestandsleitung)
Östliche Variante
(neue Trasse und Erweiterung
Leitungsverbund)
Zauneidechse:
potentielles
Vorkommen im Planungs-
raum.
Zauneidechse:
potentielles
Vorkommen im Planungs-
raum.
Avifauna
+/-
Bauzeitenbeschränkungen
abhängig von den vorkom-
menden Arten durchzuführen
+/-
Bauzeitenbeschränkungen
abhängig von den vorkom-
menden Arten durchzuführen
-
Boden
Länge der Trasse (Indikator
für Flächeninanspruch-
nahme)
+
Vorläufige Trasse:
rd. 13 Kilometer
-
Vorläufige Trasse:
rd. 16,8 Kilometer
Bodeneinheiten bzw.
Beanspruchung schutz-
würdiger Böden
+/-
Überwiegend
Parabraunerden
+/-
Überwiegend
Parabraun-
erden; Verlauf in einem klei-
nen Teilstück durch schutz-
würdige, anmoorige Böden;
Optimierung
in
Entwurfs-
planung erforderlich
-
Wasser
WSG Zone II
+/-
Kleinräumig
im
Umfeld
Wasserwerk Almendfeld
+/-
Kleinräumig im Umfeld der
Wasserwerke
Almendfeld
und Eschollbrücken
WSG Zone III
+/-
Querung
von
Trinkwasserschutzgebieten
WSG Zone III erforderlich;
Bauen gemäß Vorgaben
des Wasserversorgers
+/-
Querung von Trinkwasser-
schutzgebieten WSG Zone III
erforderlich; Bauen gemäß
Vorgaben
des
Wasser-
versorgers
Potentielles Überschwem-
mungsgebiet (HQ100)
--
Ja, vollständig
+/-
Ja, ein Teilstück der geplan-
ten Trasse (rd. ein Drittel)
Nachteilige Folgen für den
Grundwasserhaushalt durch
temporäre Wasserhaltung
--
Aufgrund der Richtung Rhein
abnehmenden Grundwasser-
flurabstände und der Lage im
potentiellen
Überschwem-
mungsgebiet
sind
auf-
wendige
Grundwasserhal-
tungsmaßnahmen
in
z.T.
schwer zu entwässernden
Böden erforderlich
-
Grundwasserhaltung
über-
wiegend wahrscheinlich, je-
doch weniger umfangreich;
niedrige Flurabstände ab-
schnittsweise im Teilstück
nahe der Altneckarschlingen
zu erwarten
Kriterium: Wohnumfeldstörungen
Nähe zu Siedlungen, Wohn-
gebieten
-
Verlauf durch Siedlungsge-
biete in
Riedstadt
+/-
Überwiegend landwirtschaft-
lich genutzte Gebiete; Nähe
zu Aussiedlerhöfen und zum
Stadtteil
Hahn der Stadt
Pfungstadt
Kriterium: Landwirtschaftliche Belange
Beeinträchtigung der Land-
wirtschaft während der Bau-
phase
-
Zumeist
landwirtschaftlich
genutztes Gebiet; Abstim-
-
Überwiegend landwirtschaft-
lich genutztes Gebiet; Ab-
stimmungen
während
der

Planfeststellung
Teil 1 - Redundante Neuverlegung
Trinkwasserleitung
Januar 2021
Seite 21
6.4 Zusammenfassende Bewertung der Varianten
Legende Gesamtbewertung: gut =
mittel =
schlecht=
Kriterium
Westliche Variante
Östliche Variante
Umwelt- und naturschutz-
fachliche Belange
Schlecht
Mittel
Wohnumfeldstörungen
Schlecht
Gut
Landwirtschaftliche
Belange
Mittel
Mittel
Technische Machbarkeit,
Aufwand der Bautechnik
Schlecht
Gut
Wirtschaftlichkeit:
Baukosten, Betriebskosten
Schlecht
Gut
Verstärkung des
Leitungsverbunds
Schlecht
Gut
Gesamtbewertung
Schlecht
Gut
Die im vorliegenden Vergleich durchweg besser bewertete östliche Variante wurde weiter
verfolgt. Ab Herbst 2017 fanden gutachterliche Arbeiten wie die naturschutzfachliche
Kartierung zur Avifauna und den Biotoptypen sowie eine Bestandsaufnahme der Böden
statt. Die Untersuchungsergebnisse flossen im Jahr 2018 in eine weitere Optimierung des
Trassenverlaufs ein, den
Hessenwasser
im Scoping-Termin zum Planfeststellungsverfah-
ren am 28. Januar 2019 beim RP
Darmstadt
vorstellte.
Die Trasse wurde anschließend mit den Hinweisen aus dem Scoping-Termin, in Abstim-
mung mit den betroffenen Kommunen und den Ortslandwirten unter Berücksichtigung des
Natur- und Bodenschutzes weiter detailliert und optimiert. Das Ergebnis dieses iterativen
Planungsprozesses liegt nun zur Genehmigung vor.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
Landschaftspflegerischer Begleitplan/LBP
Erläuterungsbericht
Seite 1
Gliederung
1.
Einleitung
5
1.1
Inhalte des LBP
5
1.2
Methodische Vorgehensweise
5
1.2.1
Verwendeter Leitfaden
6
1.2.2
Formal-rechtliche Anforderungen
6
1.3
Beschreibung des Vorhabens
7
1.3.1
Technische Beschreibung der geplanten Trasse
12
1.3.2
Beschreibung des Trassenverlaufs
13
2.
Planungsraumanalyse
15
2.1
Fachplanerische Vorgaben / übergeordnete Planungen
15
2.1.1
Regionalplanung
15
2.1.2
Flächennutzungsplanung
16
2.2
Naturschutzfachliche Belange
17
2.2.1
Schutzgebiete
17
2.2.2
Naturschutzflächenpool
20
2.3
Abgrenzung der Bezugsräume
21
2.4
Abgrenzung der Teilräume des Plangebietes
23
2.4.1
Vorhabensort
24
2.4.2
Wirkraum
24
2.4.3
Eingriffsraum
25
2.4.4
Kompensationsraum
25
3.
Bestandserfassung
27
3.1
Methodik der Bestandserfassung
27
3.1.1
Erfassungen (Auswertungen vorhandener Informationen)
27
3.1.2
Erhebungen (Geländekartierungen)
27
3.2
Beschreibung der planungsrelevanten Funktionen inkl. Vorbelastungen /
Bestandserfassung
30
3.2.1
Naturräumliche Gliederung
30
3.2.2
Geologie und Boden
31
3.2.3
Gewässer/Grundwasser
36
3.2.4
Luft/Klima
41
3.2.5
Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt
41
3.2.5.1
Heutige potentielle natürliche Vegetation (HpnV)
41
3.2.5.2
Reale Vegetation/Flächennutzung
42
3.2.5.3
Fauna
46
3.2.6
Landschaft/Erholung
49
3.2.7
Kultur-, Bau- und Bodendenkmäler/archäologische Fundstellen
49
4.
Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung von Beeinträchtigungen
52
4.1
Entwicklung von eingriffsmindernden Trassenalternativen (V1)
52

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
Landschaftspflegerischer Begleitplan/LBP
Erläuterungsbericht
Seite 2
4.2
Reduzierung Bauflächen bei ökologisch sensiblen Bereichen (V2)
55
4.3
Gewässerkreuzung in geschlossener Bauweise/Pressung (V3)
55
4.4
Eingriffsvermeidung bei offenen Gewässerquerungen (V4)
58
4.5
Schutz des Bodens/Grundwassers (V5)
59
4.6
Wiederverwendung von Bodenmaterial, Entsorgung der Überschussmassen (V6)
60
4.7
Vorgaben für Baustelleneinrichtung/Bauausführung (V7)
64
4.8
Bauzeitenregelungen (V8)
65
4.9
Schutz angrenzender Gehölze und geschützter Biotope (V9)
67
4.10
Bauzeitenregelung Grundwasserhaltung (V10)
67
4.11
Archäologische Voruntersuchung (V11)
67
4.12
Schutzmaßnahme Wiesenknopf-Wiese (V12)
67
4.13
Maßnahmen für Fledermäuse (V13): Baumhöhlenkartierung und Besatzkontrolle, ggf.
Ausbringen von Fledermauskästen
68
4.14
Maßnahmen für die Haselmaus (V14): Kontrolle spezieller Gehölzbestände vor Beginn
der Rodungsarbeiten
69
4.15
Maßnahmen für Vögel (V15): Anbringen von Nistkästen
69
4.16
Maßnahmen für Vögel (V16): Horst-/Brutplatzkontrolle
70
4.17
Maßnahmen für Amphibien (V17): Errichtung bauzeitlicher Amphibienschutzzäune
71
4.18
Maßnahmen für Amphibien (V18): Vermeidung der Besiedlung des Baufeldes durch die
Kreuzkröte
71
4.19
Maßnahmen für Reptilien (V19): Bauzeitliche Schutzeinrichtungen für die Zauneidechse
72
5.
Konfliktanalyse/Eingriffsermittlung/projektbezogene Wirkfaktoren
74
5.1
Baubedingte Wirkfaktoren
74
5.1.1
Baubedingte Beeinträchtigungen Boden
78
5.1.2
Baubedingte Beeinträchtigungen Gewässer/Grundwasser
80
5.1.3
Baubedingte Beeinträchtigungen Luft/Klima
82
5.1.4
Baubedingte Beeinträchtigungen Tiere und Pflanzen
82
5.1.5
Baubedingte Beeinträchtigungen Landschaft/Erholung/Bodendenkmäler
83
5.2
Anlagenbedingte Wirkfaktoren
83
5.2.1
Anlagenbedingte Beeinträchtigungen Boden
85
5.2.2
Anlagenbedingte Beeinträchtigungen Gewässer/Grundwasser
85
5.2.3
Anlagenbedingte Beeinträchtigungen Luft/Klima
85
5.2.4
Anlagenbedingte Beeinträchtigungen Tiere und Pflanzen
86
5.2.5
Anlagenbedingte Beeinträchtigungen Landschaft/Erholung/Bodendenkmäler
86
5.3
Betriebsbedingte Wirkfaktoren
86
5.3.1
Betriebsbedingte Beeinträchtigungen Boden
86
5.3.2
Betriebsbedingte Beeinträchtigungen Gewässer/Grundwasser
86
5.3.3
Betriebsbedingte Beeinträchtigungen Luft/Klima
88
5.3.4
Betriebsbedingte Beeinträchtigungen Tiere und Pflanzen
88
5.3.5
Betriebsbedingte Beeinträchtigungen Landschaft/Erholung/Bodendenkmäler
88
5.4
Auswirkungen auf Schutzgebiete
89
5.5
Auswirkungen auf pauschal geschützte Biotope nach § 30 BNatSchG bzw. § 31 HENatG
90
6.
Eingriffsbilanzierung
91

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
Landschaftspflegerischer Begleitplan/LBP
Erläuterungsbericht
Seite 3
6.1
Biotopwertverlust / Bilanzierung gem. Biotopwertverfahren der KV
91
6.2
Bodenwertverlust
93
7.
Maßnahmenplanung/Kompensationskonzept
94
7.1
Wiederherstellung der ursprünglichen Biotope (M1)
94
7.2
Naturnahe Wiederherstellung/Aufwertung der offen gequerten Gewässer (M2)
94
7.3
Bodenmaßnahme: Überdeckung Schachtbauwerke (M3)
95
7.4
HLG-Ökopunkte aus Renaturierung Nidda (M4)
95
7.5
Ökologische Baubegleitung/ÖBB (M5)
98
7.6
Bodenkundliche Baubegleitung/BBB (M6)
98
7.7
CEF-Maßnahme Rebhuhn
99
8.
Gesamtbeurteilung der Eingriffsbewältigung/Zusammenfassung
100
9.
Literatur- und Quellenverzeichnis
103
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1
Versorgungsgebiet der
Leitung
(Quelle:
Hessenwasser GmbH & Co. KG
)
8
Abbildung 2
Riedleitung Bestand sowie Gesamtvorhaben „redundante Riedleitung“ (Quelle:
Hessenwasser GmbH & Co. KG
)
10
Abbildung 3
Übersicht Trassenverlauf R2S
11
Abbildung 4
Schutzgebiete im Plangebiet
17
Abbildung 5
Aufteilung der Trasse in Bezugsräume
22
Abbildung 6
Aufteilung der Trasse in Teilräume
23
Abbildung 7
Ausschnitt aus Geologischer Übersichtskarte (Umweltatlas Hessen, Hessisches
Landesamt für Umwelt und Geologie)
31
Abbildung 8
Trinkwasserschutzgebiete im Plangebiet
37
Abbildung 9
Überschwemmungsgebiet im Plangebiet
38
Abbildung 10
Gewässerkreuzungen
39
Abbildung 11
Flächennutzung gemäß Umweltatlas Hessen
42
Abbildung 12
Archäologische Denkmäler und Fundstellen im Trassenbereich
51
Abbildung 13
Großräumige Trassenalternativen zu Planungsbeginn 2016 (Quelle:
52
54
57
58
76
76
96
Hessenwasser
)
Abbildung 14
Geprüfte Trassenalternativen
Abbildung 15
Schematische Darstellung einer geschlossenen Gewässerkreuzung
Abbildung 16
Schematische Darstellung einer offenen Gewässerkreuzung
Abbildung 17
Schematische Darstellung des Baufeldes bei verbautem Rohrgraben
Abbildung 18
Schematische Darstellung des Baufeldes bei geböschtem Rohrraben
Abbildung 19 Lage des HLG-Ökokontos „Renaturierung Nidda“
Abbildung 20
Renaturierungsbereich der Nidda südlich von Karben
97

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
Landschaftspflegerischer Begleitplan/LBP
Erläuterungsbericht
Seite 4
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1
Pauschal geschützte Biotope im Erfassungsraum
20
Tabelle 2
Beschreibung der Bezugsräume
23
Tabelle 3
Biotoptypen nach Biotoptypenkartierung
43
Tabelle 4
Bodendenkmäler im Trassenbereich
50
Tabelle 5
Archäologische Fundstellen im Trassenbereich
50
Tabelle 6
Gewässerkreuzungen
80
Tabelle 7
Baubedingter Biotopwertverlust
91
Tabelle 8
Anlagenbedingter Biotopwertverlust
92
Tabelle 9
Baubedingter Eingriff in den Boden
93
Tabelle 10
Anlagenbedingter Eingriff in den Boden
93
Quellenangaben
Geobasisdaten
Für die Abbildungen werden teilweise Grundlagen des Landesamtes für Vermessung und Geobasisin-
formation Rheinland-Pfalz (LVermGeo) verwendet (© GeoBasis-DE/LVermGeoRP2002-10-15/Open
Data: GeoBasis-DE/LVermGeoRP2019, dl-de/by-2-0,
www.lvermgeo.rlp.de
[Daten bearbeitet])
Anhänge
Anhang 1
Lagepläne
Anhang 1.1
Übersichtslageplan
Anhang 1.2
Bestandspläne
Anhang 1.3
Konflikt- und Maßnahmenpläne
Anhang 1.4
Ökokonto Renaturierung Nidda
Anhang 1.5
Legendenplan
Anhang 2
Bilanzierung Biotopwertpunkte gemäß KV 2018

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
Landschaftspflegerischer Begleitplan/LBP
Erläuterungsbericht
Seite 5
1.
Einleitung
1.1
Inhalte des LBP
Um die Belange des Umweltschutzes ausreichend zu berücksichtigen und zur Abarbeitung der Ein-
griffsregel nach § 15 Abs. 1 BNatSchG wird der vorliegende Landschaftspflegerische Begleitplan er-
stellt.
Dabei wird im ersten Schritt der Bestand erfasst und analysiert. Darauf aufbauend werden die zu erwar-
tenden Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft ermittelt und Maßnahmen zur Vermeidung, Ver-
minderung und zur Kompensation der Eingriffe definiert.
Entsprechend müssen folgende Vorgaben der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung eingehalten
werden:
-
Beeinträchtigung des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes sind durch den Eingriff möglichst
gering zu halten bzw. zu vermeiden (Vermeidungsgebot).
-
Sind Eingriffe in Natur und Landschaft unvermeidbar, werden Maßnahmen erforderlich, die geeignet
sind, die Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes auszugleichen (Ausgleichsmaßnahmen) oder zu
ersetzen (Ersatzmaßnahmen).
-
Ausgeglichen ist eine Beeinträchtigung, wenn und sobald die beeinträchtigten Funktionen des Na-
turhaushaltes wiederhergestellt sind und das Landschaftsbild landschaftsgerecht wiederhergestellt
oder neu gestaltet ist. Ersetzt ist eine Beeinträchtigung, wenn die beeinträchtigenden Funktionen
des Naturhaushaltes im betroffenen Naturraum in gleichwertiger Weise hergestellt sind oder das
Landschaftsbild landschaftsgerecht neugestaltet ist.
1.2
Methodische Vorgehensweise
In der Planungsraumanalyse (Kapitel 2.1) werden die Projektmerkmale und Projektwirkungen ermittelt
und die planungsrelevanten Unterlagen (fachplanerische Vorgaben, übergeordnete Planungen) gesich-
tet und zusammengestellt. Weiterhin fanden mehrere Ortsbegehungen statt.
Die Bestandserfassung (Kapitel 3) erfolgte durch eine Biotoptypenkartierung inkl. der Bewertung der
potentiellen Habitateignung, faunistische Kartierungen (Vögel, Feldhamster), einer Bodenkartierung
und -funktionsbewertung sowie im Zuge der Ortsbegehungen.
Darauf aufbauend bzw. auch schon parallel zur Trassenoptimierung erfolgte die Konfliktanalyse (Kapitel
5) in Verbindung mit der Entwicklung von Vermeidungsmaßnahmen (Kapitel 4). So wurden bereits wäh-
rend der Ortsbegehungen naturschutzfachliche Konflikte erkannt und durch kleinräumige Trassenände-
rungen vermieden.
Nicht vermeidbare Eingriffe müssen durch entsprechende Maßnahmen kompensiert werden. Im Maß-
nahmenkonzept (Kapitel 7) werden die konkreten Maßnahmen benannt und die Maßnahmenräume dar-
gestellt.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
Landschaftspflegerischer Begleitplan/LBP
Erläuterungsbericht
Seite 6
1.2.1
Verwendeter Leitfaden
Inhalt und Aufbau des LBP orientiert sich am „Leitfaden für die Erstellung landschaftspflegerischer Be-
gleitpläne zu Straßenbauvorhaben in Hessen“ von Hessen Mobil Straßen- und Verkehrsmanagement
vom Mai 2017.
1.2.2
Formal-rechtliche Anforderungen
Vorgaben des BNatSchG
Der vorliegende Landschaftspflegerische Begleitplan erfüllt die Anforderungen für die Genehmigungs-
fähigkeit bezüglich der naturschutzfachlichen Eingriffsregelung nach § 15 Bundesnaturschutzgesetz
(BNatSchG).
Gemäß § 1 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sind Natur und Landschaft aufgrund ihres
eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für
die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich nach Maßgabe der nachfolgen-
den Absätze so zu schützen, dass
1.
die biologische Vielfalt,
2.
die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes einschließlich der Regenerationsfähig-
keit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter sowie
3.
die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft
auf Dauer gesichert sind; der Schutz umfasst auch die Pflege, die Entwicklung und, soweit erforderlich,
die Wiederherstellung von Natur und Landschaft (allgemeiner Grundsatz).
Gemäß § 1 Abs. 3 BNatSchG sind zur dauerhaften Sicherung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit
des Naturhaushaltes insbesondere
1.
die räumlich abgrenzbaren Teile seines Wirkungsgefüges im Hinblick auf die prägenden biologi-
schen Funktionen, Stoff- und Energieflüsse sowie landschaftlichen Strukturen zu schützen; Natur-
güter, die sich nicht erneuern, sind sparsam und schonend zu nutzen; sich erneuernde Naturgüter
dürfen nur so genutzt werden, dass sie auf Dauer zur Verfügung stehen,
2.
Böden so zu erhalten, dass sie ihre Funktion im Naturhaushalt erfüllen können; nicht mehr genutzte
versiegelte Flächen sind zu renaturieren, oder, soweit eine Entsiegelung nicht möglich oder nicht
zumutbar ist, der natürlichen Entwicklung zu überlassen,
3.
Meeres- und Binnengewässer vor Beeinträchtigungen zu bewahren und ihre natürliche Selbstrei-
nigungsfähigkeit und Dynamik zu erhalten; dies gilt insbesondere für natürliche und naturnahe Ge-
wässer einschließlich ihrer Ufer, Auen und sonstigen Rückhalteflächen; Hochwasserschutz hat
auch durch natürliche oder naturnahe Maßnahmen zu erfolgen; für den vorsorgenden Grundwas-
serschutz sowie für einen ausgeglichenen Niederschlagsabflusshaushalt ist auch durch Maßnah-
men des Naturschutzes und der Landschaftspflege Sorge zu tragen,
4.
Luft und Klima auch durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu schützen;
dies gilt insbesondere für Flächen mit günstiger lufthygienischer oder klimatischer Wirkung wie
Frisch- und Kaltluftentstehungsgebiete oder Luftaustauschbahnen; dem Aufbau einer nachhaltigen

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
Landschaftspflegerischer Begleitplan/LBP
Erläuterungsbericht
Seite 7
Energieversorgung, insbesondere durch zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien kommt eine
besondere Bedeutung zu,
5.
wildlebende Tiere und Pflanzen, ihre Lebensgemeinschaften sowie ihre Biotope und Lebensstätten
auch im Hinblick auf ihre jeweiligen Funktionen im Naturhaushalt zu erhalten,
6.
der Entwicklung sich selbst regulierender Ökosysteme auf hierfür geeigneten Flächen Raum und
Zeit zu geben.
Des Weiteren sind nach § 1 Abs. 4 BNatSchG zur dauerhaften Sicherung der Vielfalt, Eigenart und
Schönheit sowie des Erholungswertes von Natur und Landschaft insbesondere
-
Naturlandschaften und historisch gewachsene Kulturlandschaften, auch mit ihren Kultur-, Bau- und
Bodendenkmälern, vor Verunstaltung, Zersiedelung und sonstigen Beeinträchtigungen zu bewah-
ren,
-
zum Zweck der Erholung in der freien Landschaft nach ihrer Beschaffenheit und Lage geeignete
Flächen vor allem im besiedelten und siedlungsnahen Bereich zu schützen und zugänglich zu ma-
chen.
Erhebliche Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft sind vorrangig zu vermeiden. Nicht
vermeidbare erhebliche Beeinträchtigungen sind durch Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen zu
kompensieren. Der Kompensationsbedarf ergibt sich aus der Verordnung über die Durchführung von
Kompensationsmaßnahmen
Ökokonten,
deren
Handelbarkeit
und
die
Festsetzung
von
Ersatzzahlungen (Kompensationsverordnung KV) vom 26. Oktober 2018.
1.3
Beschreibung des Vorhabens
Hessenwasser
ist verantwortlich für die regionale Wasserversorgung im
Rhein-Main-
Gebiet. Das regi-
onale Leitungsverbundnetz besteht aus 377 km groß dimensionierten Trinkwassertransportleitungen
und verbindet die Wassergewinnungsanlagen mit den Bedarfsräumen in den großen Städten, Gemein-
den und Kommunen.
Das von
Hessenwasser
betriebene regionale Trinkwasserleitungsnetz ist Bestandteil eines komplexen
Netzwerkes der überörtlichen Wasserversorgung im Regierungsbezirk
Darmstadt
. Einer der
wichtigsten Abschnitte des
Hessenwasser-
Leitungsverbundes ist die
Trinkwasserleitung
mit rund 34
km Länge und Durchmesser bis zu 1,30 m. Sie verbindet
Frankfurt, Wiesbaden, den Vordertaunus und
den Rhein-gau mit den großen Grundwassergewinnungsanlagen im Hessischen Ried
. Die Riedleitung
ist die "Hauptschlagader" für die Versorgung des Ballungsraumes mit Trinkwasser. Nahezu 60 % des
Trinkwasserbedarfes für
Frankfurt und Wiesbaden
und das jeweilige Umland werden über diese
Leitung transportiert.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
Landschaftspflegerischer Begleitplan/LBP
Erläuterungsbericht
Seite 24
2.4.1
Vorhabensort
Beim Vorhabensort handelt es sich um die direkt vom Vorhaben beanspruchte Fläche. Damit beinhal-
tet der Vorhabensort die Anlage- und Betriebsflächen, d.h. die Leitung selbst, die Schachtbauwerke
und die unmittelbar um die Bauwerke herum asphaltierten Flächen sowie die dauerhaften Betriebs-
wege.
Der Schutzstreifen und die oberirdischen Betriebsflächen – und damit der Vorhabensort – nehmen fol-
gende Fläche in Anspruch:
-
Schutzstreifen Trasse (keine Überformung):
17,65 ha
-
Betriebswege (Teilversiegelung):
1,22 ha
-
Betriebsflächen unmittelbar um Schachtbauwerke (Vollversiegelung):
0,24 ha
insgesamt:
19,11 ha
2.4.2
Wirkraum
Als Wirkraum wird der gesamte Raum bezeichnet, in welchem die vorhabensbedingten Beeinträchti-
gungen (durch Anlage, Bau und Betrieb des jeweiligen Vorhabens) wirksam werden können. Dieser
Raum kann je nach betrachteter Funktion bzw. Schutzgut unterschiedlich groß ausfallen. Entsprechend
der Größe des jeweiligen Wirkraums wurden die Kartierräume für die untersuchten Schutzgüter gewählt.
Der Wirkraum beinhaltet sowohl den Vorhabensort als auch den Eingriffsraum.
Biotoptypen/potentielle Habitateignung
Die Biotoptypenerfassung erfolgte in einem Abstand von 50 m zu dem geplanten Verlauf der Leitungs-
trasse sowie im Umfeld der Baueinrichtungsflächen und Baustraßen. In diesem Bereich wurden auch
die gesetzlich geschützten Biotope erfasst sowie die potentielle Eignung der Flächen als Habitat für
Amphibien, Reptilien, die Haselmaus sowie für Insekten/Libellen.
Die Biotoptypen wurden erstmals 2019 erfasst. Aufgrund von Trassenverschiebungen wurden einige
Bereiche 2020 nachkartiert.
Inklusive der Nachkartierungen wurden die Biotoptypen sowie die potentielle Habitateignung auf ins-
gesamt 435,7 ha erfasst.
Boden
Für die Beschreibung der Böden im Bereich der geplanten Trasse wurden die Bodenflächendaten
1:25.000 (BFD25) herangezogen und mit den Plandaten der Trasse verschnitten.
Die Bodentypen wurden auf insgesamt 66,3 ha erfasst. Die Funktion des Bodens als Lebensraum für
Pflanzen mit dem Kriterium „Standorttypisierung für die Biotopentwicklung“ wurde im Bereich der ge-
planten Eingriffsfläche auf insg. 52,0 ha erfasst.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
Landschaftspflegerischer Begleitplan/LBP
Erläuterungsbericht
Seite 25
Avifauna
Bei den Erfassungen in den Jahren 2017 bis 2019 wurde der Kartierraum festgelegt als der Bereich der
geplanten Trasse zuzüglich eines Streifens von beidseitig 100 m. Die Nachkartierungen im Jahr 2020
konzentrierten sich auf die bisher noch nicht erfassten Bereiche. Hier wurde 100 m bzw. im Umfeld des
Vogelschutzgebietes 200 m zur Trasse kartiert.
Insgesamt wurden Avifaunakartierungen auf 887 ha durchgeführt.
Feldhamster
Der offiziell durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie/HLNUG abge-
grenzte Populationsraum des Feldhamsters ist durch den Trassenverlauf nur bei
Eschollbrücken
und
Hahn
betroffen. Insgesamt liegen etwa 6 km der geplanten Trasse im Populationsraum des Feldhams-
ters.
Untersucht wurden Stoppelfelder und einige Sonderstandorte. Insgesamt wurden so 36 ha an Fläche
untersucht.
Der Wirkraum der R2S-Trasse, der sich in den Kartierräumen widerspiegelt, hat insgesamt eine Flä-
chengröße von ca. 890 ha.
2.4.3
Eingriffsraum
Der Raum, in dem mit erheblichen Beeinträchtigungen zu rechnen ist, ist der Eingriffsraum. Er beinhaltet
den Vorhabensort, ist aber kleiner als der Wirkraum. In Bezug auf die redundante Riedleitung stellen
die Bauflächen den Eingriffsraum dar.
Folgende Flächen werden als Eingriffsraum in Anspruch genommen:
-
Bauflächen für die Trasse selbst:
23,73 ha
-
Baugruben für die Schächte:
5,58 ha
-
Baustraßen:
9,33 ha
-
Bodenlager:
8,98 ha
insgesamt:
47,62 ha
Bei dem Eingriffsraum handelt es sich um eine baubedingte vorübergehende Überformung.
2.4.4
Kompensationsraum
Der Kompensationsraum ist der Raum für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Er überschneidet sich
teilweise mit den anderen Räumen, geht aber auch über den Wirkraum hinaus.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
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Erläuterungsbericht
Seite 26
Die Maßnahmen
-
Wiederherstellung der ursprünglichen Biotope (M1)
-
Naturnahe Wiederherstellung/Aufwertung der offen gequerten Gewässer (M2)
-
Bodenmaßnahme: Überdeckung Schachtbauwerke (M3)
-
Ökologische Baubegleitung/ÖBB (M5)
-
Bodenkundliche Baubegleitung/BBB (M6)
beziehen sich direkt auf die während der Bauphase in Anspruch genommenen Flächen (Eingriffs-
raum).
Lediglich bei der Maßnahme M4 handelt es sich um die Abbuchung von Ökopunkten aus dem Ökokonto
„Niddarenaturierung Niddaknie Karben“ der Hessischen Ökoagentur HLG. Die Renaturierungsmaß-
nahme fand ca. 40 km vom Wirkraum entfernt südlich von Karben statt (siehe Lageplan im Anhang 1.4).
Dem §2 Absatz 4 der Kompensationsverordnung Hessen (2018), der vorgibt, dass der Abstand vom
Eingriffsort 50 Kilometer nicht überschreiten soll, wird damit Rechnung getragen.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
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Erläuterungsbericht
Seite 27
3.
Bestandserfassung
3.1
Methodik der Bestandserfassung
Zur Bestandserfassung und Erfassung der planungsrelevanten Faktoren wurde der potentielle Wirk-
raum untersucht. Dieser unterscheidet sich je nach betrachteter Funktion bzw. Schutzgut (siehe Kapitel
2.3.2)
3.1.1
Erfassungen (Auswertungen vorhandener Informationen)
Zur Grundlagenermittlung wurden folgende Informationsquellen ausgewertet:
Umweltatlas Hessen:
Klima, Naturräume, geologische Strukturräume, Standortkarte der Vegetation
Bodenviewer Hessen (HLNUG)
WMS-Geodienst Boden Hessen
WMS-Geodienst Geologie
NATUREG-Viewer Hessen (HLNUG)
WRRL-Viewer Hessen (HLNUG)
Planungsportal Hessen
Flächennutzungspläne der Gemeinden
Griesheim, Pfungstadt und Riedstadt
Regionalplan Südhessen/Regionaler Flächennutzungsplan 2010
Hessische Biotopkartierung
WMS-Geodienst Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH)
3.1.2
Erhebungen (Geländekartierungen)
(siehe Teil 4.4 der Antragsunterlagen)
Die Geländekartierungen erfolgten in dem jeweiligen Wirkraum (siehe Kapitel 2.4.2). Folgende Gelän-
deerhebungen wurden durchgeführt:
Biotoptypenkartierung inkl. potentielle Habitateignung
Ergebnisbericht Biotoptypenkartierung zum geplanten „redundanten Ausbau der
Trinkwasserleitung"
(Stadt
Gernsheim
, Stadt
Riedstadt
& Kreis
Groß-Gerau
) inkl. Kartensatz; Oktober 2019
erstellt von:
ecoda GmbH & Co KG
(siehe Teil 4.4.3)
Ergebnisbericht Biotoptypenkartierung zum geplanten „redundanten Ausbau der
Trinkwasserleitung
"
(Stadt
Gernsheim
, Stadt
Riedstadt
& Kreis
Groß-Gerau
) inkl. Kartensatz; Juli 2020
erstellt von:
ecoda GmbH & Co KG
(siehe Teil 4.4.4)
Die Biotoptypenerfassung erfolgte in einem Abstand von 50 m zu dem geplanten Verlauf der Leitungs-
trasse im Umfeld der geplanten Baueinrichtungsflächen und Baustraßen. Die Erfassung der Biotoptypen
erfolgte im Rahmen von Geländebegehungen am 01. und 03. August 2018, am 24. und 27. Juli 2019

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
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Erläuterungsbericht
Seite 28
sowie am 14. Mai und 05. Juni 2020. Die Abgrenzung einzelner Biotoptypen fand auf der Basis der
amtlichen Luftbilder (hessenviewer) sowie mittels GPS-Einmessung vor Ort statt (insbesondere im Be-
reich der vom Vorhaben beanspruchten Flächen).
Darüber hinaus erfolgte eine Erfassung der gesetzlich geschützten Biotope sowie potentieller Lebens-
räume planungsrelevanten Arten bzw. Artengruppen wie Haselmaus, Amphibien, Reptilien und Insek-
ten.
Bodenkartierung, Bodenfunktionsbewertung
Fachbeitrag Bodenschutz Planfeststellungsverfahren Redundante Neuverlegung
Trinwasser-
leitung
; Januar 2021
erstellt von:
Schnittstelle Boden,
Ingenieurbüro
für Boden- und Grundwasserschutz
(siehe Teil 5.1)
Im Bereich der Trasse wurde am 01.10.2019, 08.10.2019, 23.10.2019, 24.10.2019 und 28.10.2019
von
Schnittstelle Boden
eine Bodenkartierung im Rahmen der Baugrunduntersuchung
des
Baugrundinsti-tuts Franke-Meißner und Partner GmbH
durchgeführt. Im Vorfeld wurden gezielt
geplante Bohrpunkte der Baugrunduntersuchung ausgewählt, die in Bereichen mit besonders
empfindlichen oder schützenswerten Böden lokalisiert sind, um die Einstufung durch eine
Beschreibung und Bewertung des Bodens zu überprüfen. Die Bodenansprache erfolgte nach den
Vorgaben der „Bodenkundlichen Kartieranleitung“, 5. Auflage 2005. Erfasst wurden der
Mindestdatensatz für Untersuchungen nach § 2 BBodSchG.
Die Bodenfunktionsbewertung erfolgte auf Grundlage der Bodenfunktionsbewertungen des Hessischen
Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG).
Avifauna-Kartierungen
Ergebnisbericht Avifauna zur geplanten Errichtung einer Trinkwasserleitung vom Wasserwerk
All-
mendfeld
bis
Wolfskehlen
(Stadt
Gernsheim
und Stadt
Riedstadt
, Kreis
Groß-Gerau
); September
2019
erstellt von:
ecoda GmbH & Co
KG
(siehe Teil 4.4.6)
Ergebnisbericht Avifauna zur geplanten Errichtung einer Trinkwasserleitung vom Wasserwerk
All
-
mendfeld
bis
Wolfskehlen
(Stadt
Gernsheim
und Stadt
Riedstadt
, Kreis
Groß-Gerau
); Juli 2020
erstellt von:
ecoda GmbH & Co KG
(siehe Teil 4.4.7)
Ergebnisbericht zur Rastvogelerfassung im Jahr 2019 zur geplanten Errichtung einer Trinkwasser-
leitung vom Wasserwerk
Allmendfeld
bis
Wolfskehlen
(Stadt
Gernsheim
und Stadt
Riedstadt
, Kreis
Groß-Gerau
); Dezember 2019
erstellt von:
ecoda GmbH & Co KG
(siehe Teil 4.4.5)

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
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Erläuterungsbericht
Seite 29
Im Herbst 2017 und im Frühjahr 2018 wurde eine Bestandsaufnahme zu vorkommenden Rastvogelar-
ten durchgeführt. Zudem hat im Frühjahr/Sommer 2018 sowie im Sommer 2019 eine Brutvogelerfas-
sung stattgefunden. Dabei wurden auch externe Informationen zur Avifauna des Raums berücksichtigt
und im Zuge der Erfassungen überprüft. Aufgrund von Trassenänderungen wurde im Jahr 2020 die
Erfassung von Brutvögeln in diesem, bisher nur auf einem Teilstück noch nicht erfassten Bereich, um
den umgeplanten Trassenverlauf ergänzt.
Feldhamsterkartierung
Ergebnisbericht zu Feldhamstervorkommen für die Errichtung einer Trinkwasserleitung vom Was-
serwerk
Allmendfeld
bis
Wolfskehlen
; August 2017
erstellt von: I
nstitut für Faunistik
(siehe Teil 4.4.1)
Nachkartierung zu Feldhamstervorkommen für die Errichtung einer Trinkwasserleitung vom Was-
serwerk
Allmendfeld
bis
Wolfskehlen
; August 2019
erstellt von:
Institut für Faunistik
(siehe Teil 4.4.2)
In Abstimmung mit der Oberen Naturschutzbehörde wurde das Untersuchungsgebiet in sechs Teilab-
schnitte mit unterschiedlichen Korridorbreiten unterteilt. Dabei kam man überein, dass der Untersu-
chungskorridor in Abschnitten, die parallel zu größeren Straßen (Landes-, Bundestraßen oder Autobah-
nen) verlaufen formal auf 20 m reduziert werden kann.
Untersucht wurden am 19.07.2017 alle Stoppelfelder, sowie auch einige Sonderstandorte, wie z. B.
Obstwiesen, so sie Bestandteil des Untersuchungskorridors waren. Mais-, Rüben- und Rapsäcker konn-
ten hingegen nicht begangen werden. Erwähnte Fruchtarten haben jedoch eine geringe Bedeutung für
ein Vorkommen des Feldhamsters und können vernachlässigt werden, wenn ein Nachweis auf Getrei-
deflächen ausbleibt. Um die Qualität der Untersuchung vor dem Hintergrund des hohen Anteils ungüns-
tiger Feldfruchtarten zu erhöhen, wurden zum Teil nicht nur die Untersuchungskorridore belaufen, son-
dern ganze Felder erfasst. Insgesamt wurden so 23,6 ha an Fläche untersucht.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
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Erläuterungsbericht
Seite 59
Bei der Grabenverfüllung in Talauen sind Querabdichtungen zur Verhinderung der Drainagewirkung in
Graben-Längsrichtung einzubauen, ggf. ist der Einbau von Spundwänden erforderlich. Deckschichten
über dem Graben sind mit gutem Anschluss an seitlich vorhandene Deckschichten aufzubringen, um
Wassereinbrüche entlang von Spalten in das Grundwasser zu vermeiden.
Das Sohlsubstrat wird nach Beendigung der Baumaßnahme wieder aufgebracht. Eine Befestigung des
Ufers mit Wasserbausteinen ist nicht vorgesehen. Alle Gewässerteile werden ordnungsgemäß wieder-
hergestellt.
Die maximale Bauwasserhaltung wird bei offenen Querungen von Gewässern III. Ordnung auf wenige
Stunden reduziert und stellt damit eine sehr schonende Art der offenen Querung dar. Wesentliche nach-
teilige Auswirkungen auf den Gewässerrandstreifen sowie die Gewässeraue sind somit bei ordnungs-
gemäßer Durchführung der Bohrungen auszuschließen.
Zu vermeiden sind zwingend Materiallager und Mutterbodenmieten in überschwemmungsgefährdeten
Bereichen sowie Geländeerhöhungen im Bereich der Talauen.
Zur Vermeidung von Stoffeinträgen in das Gewässer während der Bauzeit sind geeignete Maßnahmen
- z. B. Sedimentfallen aus Strohballen während der Bauphase - vorzusehen. Des Weiteren dürfen keine
Schlammrückstände eingeleitet werden. Abzuleitendes Wasser darf keine Bestandteile/Inhaltstoffe ent-
halten, die Tiere und Pflanzen im und am Gewässer beeinträchtigten könnten. Im Wasserschutzgebiet
dürfen keine (grund-)wassergefährdenden Stoffe in den Untergrund gelangen. Baumaschinen sind ge-
gen Tropfverluste zu sichern. Eine Drainagewirkung ist durch geeignete Maßnahmen zu verhindern.
Die Umsetzung sollte möglichst außerhalb der Hauptlaichzeit der Süßwasserfische von Januar/Feb-
ruar bis April/Mai stattfinden.
4.5
Schutz des Bodens/Grundwassers (V5)
(siehe Maßnahme MM1 aus FB Bodenschutz, Teil 5.1)
Während der Bauphase können bodenbezogene Minderungsmaßnahmen getroffen werden, um den
Eingriff in das Schutzgut Boden und somit eine Beeinträchtigung der Bodenfunktionen zu minimieren.
Flächeninanspruchnahme:
-
Es dürfen nur Flächen innerhalb des geplanten Eingriffsbereichs der Trasse in Anspruch genommen
werden.
-
Ein (großflächiges) Befahren angrenzender Flächen muss verhindert werden.
Maschineneinsatz und Maschineneinsatzgrenzen:
(siehe Maßnahme MM1 aus FB Bodenschutz, Teil 5.1)
-
Es sind Maschinen mit bodenschonenden Laufwerken (Kettenfahrzeuge mit möglichst geringem
Gesamtgewicht und möglichst geringer Flächenpressung) zu verwenden.
-
Die technischen Merkblätter der zum Einsatz kommenden Maschinen mit Angaben zu Einsatzge-
wichten, Aufstandsfläche (Laufwerksbreite und –länge) sowie der Flächenpressung/Bodendruck (in
kg/cm²) werden der bodenkundlichen Baubegleitung rechtzeitig vor Beginn der Arbeiten zur

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
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Erläuterungsbericht
Seite 60
Verfügung gestellt.
-
Die spezifische Maschineneinsatzgrenze (maximaler Bodenwassergehalt, bis zu der eine Maschine
eingesetzt werden kann) wird durch die bodenkundliche Baubegleitung ermittelt.
-
Bei zu großen Bodenfeuchten (Messung mit Tensiometern oder Bodenfeuchtebewertung durch Be-
stimmung der Konsistenzgrenzen) sollten die Arbeiten nach Vorgabe der bodenkundlichen Baube-
gleitung vorübergehend eingestellt werden, um Bodenschäden zu vermeiden.
-
Eine Anfuhr von Bodenmaterial auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen darf nur mit Schleppern
und Kipper mit Terrabereifung erfolgen.
-
Die eingesetzten Maschinen sind vor jedem Arbeitsgang auf Unversehrtheit und Dichtheit sämtli-
cher Anlagenteile und Leitungssysteme mit wassergefährdenden Stoffen vom Betriebspersonal zu
überprüfen. Bei Beanstandungen sind die entsprechenden Maschinen unverzüglich von der Fläche
zu entfernen.
-
Es sind entsprechende Mengen wirksamen Bindemittels als auch entsprechende Geräte zur Auf-
nahme des Bindemittels bereitzuhalten. Das Baustellenpersonal ist über den Lagerort des Binde-
mittels zu informieren.
-
Ein Betanken der Maschinen mittels mobiler Tankstelle auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen ist
nicht vorgesehen.
-
Das Betanken der Maschinen mittels mobiler Tankstelle hat von befestigten Flächen aus zu erfol-
gen. Dabei ist eine Auffangwanne von der Zapfsäule bis zum Tankeinfüllstutzen (unterhalb der
kraftstoffführenden Leitung) zu verwenden.
Maßnahmen zum Schutz des Bodens und des Grundwassers:
-
Die eingesetzten Maschinen sind vor jedem Arbeitsgang auf Unversehrtheit und Dichtheit sämtli-
cher Anlagenteile und Leitungssysteme mit wassergefährdenden Stoffen vom Betriebspersonal zu
überprüfen. Bei Beanstandungen sind die entsprechenden Maschinen unverzüglich von der Fläche
zu entfernen.
-
Es sind entsprechende Mengen wirksamen Bindemittels als auch entsprechende Geräte zur Auf-
nahme des Bindemittels bereitzuhalten. Das Baustellenpersonal ist über den Lagerort des Binde-
mittels zu informieren.
-
Ein Betanken der Maschinen mittels mobiler Tankstelle auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen ist
nicht vorgesehen.
-
Das Betanken der Maschinen mittels mobiler Tankstelle hat von befestigten Flächen aus zu erfol-
gen. Dabei ist eine Auffangwanne von der Zapfsäule bis zum Tankeinfüllstutzen (unterhalb der
kraftstoffführenden Leitung) zu verwenden.
Der Schutz des Bodens ist durch eine bodenkundliche Baubegleitung/BBB sicherzustellen (siehe FB
Bodenschutz Maßnahme MM1 und Maßnahme M6, vgl. Kapitel 7.6).
4.6
Wiederverwendung von Bodenmaterial, Entsorgung der Überschussmassen (V6)
Umgang mit Bodenmaterial und Bodenzwischenlagerung:
(siehe Maßnahme MM1 aus FB Bodenschutz, Teil 5.1)
-
Arbeiten auf und mit Böden können nur bei ausreichend trockenen Bodenbedingungen durchgeführt
werden. Die Maschineneinsatzgrenzen sind zu berücksichtigen. Eine Befahrbarkeit und Bearbeit-
barkeit von Böden unter Berücksichtigung der Maschineneinsatzgrenze ist maximal bis zum

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Erläuterungsbericht
Seite 61
Konsistenzbereich steif (plastisch) gegeben. Die Bearbeitbarkeit ist bodenschonend, wenn der Bo-
den im Löffel noch rieselfähig ist.
-
Bodenmaterialien unterschiedlicher Qualität und Eigenschaften (humoser Oberboden und humus-
armer bzw. humusfreier Unterboden, verschiedene Substrate) sind deutlich getrennt voneinander
zu lagern.
-
Baumaterial, Bauabfall und Bodenmaterial sind getrennt voneinander zu lagern.
-
Oberbodenmieten dürfen maximal 2 m hoch sein.
-
Unterbodenmieten dürfen maximal 3 m hoch sein.
-
Bodenmieten und Mietenlagerflächen dürfen grundsätzlich, auch während des Aufsetzens, nicht
befahren werden.
-
Mietenlagerplätze sollten eben bis leicht geneigt und nicht in einer Mulde lokalisiert sein.
-
Bodenmieten sind mit einer geneigten Oberfläche und steilen Flanken anzulegen und rau zu profi-
lieren.
-
Bei einer kurzfristigen Zwischenlagerung sind Bodenmieten durch Abdecken mit einer Folie vor ei-
ner Vernässung zu schützen.
- Bei einer Lagerung > 2 bis ≤ 6 Monaten muss eine Begrünung mit einer Zwischenfrucht, z. B.
Phacelia oder einem Zwischenfruchtgemenge erfolgen.
-
Bei einer längeren Lagerung (> 6 Monate) muss eine Begrünung der Mieten z. B. mit Luzerne oder
Waldstaudenroggen erfolgen.
-
Begrünte Bodenmieten müssen regelmäßig gemulcht und offene Stellen nachgesät werden, um
eine Verunkrautung zu verhindern.
-
Bodenmieten sind mit Pflöcken entsprechend ihrer Herkunft zu kennzeichnen oder optional je nach
geplantem Bauablauf auch direkt nach dem Ausbau und entsprechender Aufbereitung sofort wie-
-
der anzudecken.
-
Es ist eine möglichst kurzzeitige Zwischenlagerung von humosem Oberboden anzustreben, um ei-
nen Nährstoffaustrag zu verhindern.
Rückbau und Rekultivierung:
(siehe Maßnahme MM1 aus FB Bodenschutz)
-
Rückschreitender Rückbau von befestigten Flächen (Geotextil und Schotter) ohne den anstehen-
den Unterboden zu befahren.
-
Entfernen von Baustoffen/Bauabfällen auf/im Boden.
-
Feststellen der Tiefe von entstandenen Bodenverdichtungen im Unterboden (Beurteilung des Bo-
dengefüges nach DIN 19682-10).
-
Im Falle einer festgestellten Verdichtung: Lockerung des Unterbodens bei trockenem (Konsistenz-
bereich fest) bis in Ausnahmefällen maximal schwach feuchten (Konsistenzbereich halbfest) bis in
eine Tiefe kurz unter einer festgestellten Verdichtung.
-
Auswahl eines geeigneten Verfahrens zur (Tiefen-)Lockerung vor Andecken des Oberbodens:
geeignet sind gängige landwirtschaftliche Bodenbearbeitungsgeräte, Abbruchlockerer, Hublocke-
rer; bedingt geeignet ist Fräse (führt zu einer starken Durchmischung der bearbeiteten Bodenmäch-
tigkeit und zu einer Zerstörung des Bodengefüges von natürlich gewachsenen Bodenhorizonten)
und Aufreißzinken einer Raupe (die Zwischenräume zwischen den einzelnen Zinken sind meist zu
groß, der Boden wird nur „aufgerissen“, nicht gelockert)
-
Auftrag des Oberbodens vor Kopf mit einem Raupenbagger bei geeigneten Bodenbedingungen
unter Berücksichtigung der Vorgaben zum Maschineneinsatz und der Maschineneinsatzgrenze mit
einer Überhöhung von 30 % gegenüber seiner ursprünglichen Mächtigkeit, da mit Setzungen zu
rechnen ist. Keine Verdichtung vornehmen!

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Erläuterungsbericht
Seite 62
Der seitlich gelagerte Unterboden (in der Regel schluffig) ist für die Wiederverfüllung des Grabens (so-
weit unbelastet und keine Überschussmasse, s.u.) zu verwenden. Wenn die Trasse in Wegebereichen
liegt, ist der Boden aufzubereiten, um Setzungen zu vermeiden (z.B. Weißfeinkalk im Bereich von We-
gen). Dies gilt nicht für sonstige Freiflächen, wie z.B. Acker oder sonstige naturnahe Flächen. Hier findet
keine Bodenaufbereitung statt.
Überschussmassen
Die Planung sieht die überwiegende Wiederverwendung des Rohrgraben- und Baugrubenaushubs vor.
Lediglich verdrängter sowie zum Wiedereinbau ungeeigneter Boden (geotechnisch bzw. umwelttech-
nisch) muss von der Baustelle verbracht oder kann – soweit zulässig – örtlich durch großflächige Ge-
ländemodellierung verwertet werden.
Das Vorgutachten zum Baugrund (vgl. Teil 2.3 der Antragsunterlagen) umfasst eine orientierende Un-
tersuchung und Bewertung des Bodens aus umwelttechnischer Sicht. Dabei erfolgte eine Einstufung
der jeweils analysierten Bodenproben gemäß LAGA.
Danach ergeben sich bei den Auffüllungen Zuordnungen zu den Klassen Z 0 bis > Z 2. Die Analyseer-
gebnisse für die quartären Schluff- bzw. Sandböden führen ganz überwiegend zur Einordnung gem.
Z 0; im Einzelfall auch zu höheren Einstufungen bei den LAGA-Klassen. Die Ergebnisse liefern einen
ersten Überblick über die umwelttechnische Situation der Böden im Planungsgebiet. Für die endgültige
Aushubdeklaration und Aufzeigung von Entsorgungspfaden müssen im Rahmen der weiteren Pla-
nungsphasen verdichtete Analysen erfolgen.
Gemäß der „Bilanz Aushub- und Verfüllmassen sowie Entsorgung“ (aufgestellt von Dahlem, siehe Tech-
nischer Erläuterungsbericht, Teil 2.1) handelt es sich bei den Entsorgungsmassen zu 6 930 m
3
um
LAGA Z 0-Material.
24 730 m
3
weisen die LAGA-Klasse Z 1.1/1.2 auf. Böden der LAGA-Klassen Z 1.1 und Z 1.2 sollen nicht
in Trinkwasserschutzgebieten wiederverwendet werden. Weiterhin soll der Abstand zwischen Einbauort
und Grundwasserstand mindestens 2 m betragen. Damit kann ein Wiedereinbau dieser Böden ausge-
schlossen werden.
Der LAGA-Klasse Z 2 sind 7 780 m
3
und der LAGA-Klasse > Z 2 sind 3 380 m
3
der Aushubmasse
zuzuordnen. Im Sinn eines vorsorgenden Grundwasserschutzes und auf Basis der LAGA-Vorgaben
müssen Böden der Klassen Z 2 und > Z 2 bei den hier bestehenden Randbedingungen entsorgt werden.
Ein Wiedereinbau ist auszuschließen.
Demnach ist Erdaushub in einer Größenordnung von 42 820 m3 zu entsorgen.
Eine geeignete Verwertung unbelasteten Bodenmaterials, insbesondere Oberbodens, stellt die Herstel-
lung einer durchwurzelbaren Bodenschicht nach den Vorgaben von § 12 BBodSchV dar, etwa für die
Aufbringung auf Ackerflächen, im Landschaftsbau oder die Rekultivierung von Tagebauen oder Depo-
nien. Dabei dürfen die Oberböden nicht auf Flächen mit Bodenzahlen < 20 und > 60, in Überschwem-
mungsgebieten, auf naturschutzfachlich wertvollen Beständen, nicht auf Wald und Moor sowie nicht zur

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Trinkwasserleitung
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Erläuterungsbericht
Seite 63
Auffüllung von Senken und Mulden verwendet werden. Es gilt zu beachten, dass bei dem Ein- oder
Aufbringen von Bodenmaterial auf Landwirtschaftlichen Nutzflächen 70 % der Vorsorgewerte nach der
BBodSchV einzuhalten sind.
Ist keine Verwertung von Bodenmaterial im Rahmen des § 12 der BBodSchV möglich, erfolgt eine Ver-
wertung entsprechend der LAGA M 20. Für Z1 (Feststoff) und Z1.1 (Eluat) ist ein offener Einbau (was-
serdurchlässige Bauweise) in technischen Bauwerken gestattet. Für Z1.2 (Eluat) ist ein offener Einbau
(wasserdurchlässige Bauweise) in technischen Bauwerken in hydrogeologisch günstigen Gebieten ge-
stattet. Bei Z2-Material (Eluat und Feststoff) ist ein Einbau in technischen Bauwerken mit definierten
technischen Sicherungsmaßnahmen (nicht oder nur gering wasserdurchlässige Bauweise) zulässig. Bei
einer LAGA-Klasse >Z2 muss eine Entsorgung entsprechend der Deponieverordnung/DepV von 2009
veranlasst werden.

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Trinkwasserleitung
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Seite 64
4.7
Vorgaben für Baustelleneinrichtung/Bauausführung (V7)
Baustelleneinrichtungsflächen/BE-Flächen:
(siehe Maßnahme MM1 aus FB Bodenschutz, Teil 5.1 – bezüglich der drei vorgesehenen BE-Flächen
bei Hahn km 6+250, bei WW
Eschollbrücken
Anschluss-Trasse km 1+000 und km 12+750)
-
Baustelleneinrichtungsflächen sind ausreichend zu dimensionieren (Lagerkapazität, Maschinenbe-
wegung auf der Fläche).
-
Rückschreitender Abtrag des standorteigenen Oberbodens mit einem Raupenbagger, unter Be-
rücksichtigung der von der aktuellen Bodenfeuchte abhängigen Maschineneinsatzgrenze (kein Ein-
satz schiebender Fahrzeuge wie Planierraupen, kein Einsatz von Radfahrzeugen).
-
Zwischenlagerung des Oberbodenmaterials auf Miete am Flächenrand, unter Berücksichtigung der
Hinweise zum Umgang mit Bodenmaterial und zur Zwischenlagerung.
-
Überlappender Auftrag eines reißfesten Vlies/Geotextil (mit 50 cm Überstand an den Rändern) auf
der gesamten Fläche und Auftrag einer min. 40 cm mächtigen Schotterschicht vor Kopf (ohne den
ungeschützten Unterboden zu befahren).
-
Der Rückbau von Baustelleneinrichtungsflächen erfolgt rückschreitend von der befestigten Fläche
aus.
-
Auf Standorten mit besonderen Standortqualitäten (z. B. feuchte/nasse Standorte) sowie auf Stand-
orten mit hoher Bodenqualität sind keine Baustelleneinrichtungen und -lagerstätten anzulegen.
Baufeldfreimachung/Oberbodenabtrag:
(siehe Maßnahme MM1 aus FB Bodenschutz, Teil 5.1)
-
Rückschreitender Abtrag des standorteigenen Oberbodens mit einem Kettenbagger unter Berück-
sichtigung der von der aktuellen Bodenfeuchte abhängigen Maschineneinsatzgrenze.
-
Zwischenlagerung des Oberbodenmaterials auf Miete (am Flächenrand) unter Berücksichtigung der
Hinweise zum Umgang mit Bodenmaterial und zur Zwischenlagerung.
Verwendung versickerungsfähiger Beläge in der Bauphase
(siehe Maßnahme MM2 aus FB Bodenschutz, Teil 5.1)
Durch die Etablierung eines Schotterrasens als versickerungsfähiger Belag kann eine bodenfunktionale
Aufwertung durch Herstellung eines geringmächtigen und eingeschränkten durchwurzelbaren Boden-
raumes erreicht werden.
Auf den Einsatz von Radfahrzeugen auf unbefestigten Bodenflächen sollte verzichtet werden. Ausnah-
men gelten für landtechnische Radfahrzeuge zur Flächenvorbereitung vor Bau und zur gegebenenfalls
erforderlichen Tieflockerung im Rahmen der Rekultivierung. Radfahrzeuge oder größere Bodenpres-
sungen sollten nur auf befestigten Baustraßen bzw. Bauflächen durchgeführt werden. Generell gilt, dass
durch den Einsatz umweltschonender Arbeitstechniken eine größtmögliche Schonung der betroffenen
Biotope erfolgen soll.
Es ist die Handlungsanleitungen zum baubegleitenden Bodenschutz der DIN 19639 von September
2019 zu berücksichtigen.

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Erläuterungsbericht
Seite 65
Während der gesamten Bauzeit ist Staubentwicklung soweit wie möglich zu vermeiden (Wässern von
Wegen in Trockenphasen). Die Baumaschinen sind regelmäßig auf Tropfverluste von Ölen und Treib-
stoff zu kontrollieren.
Die Baugruben werden immer wieder einige Tage offenstehen. Sie sind aus Sicherheitsgründen täglich
nach Arbeitsende so abzusichern und kenntlich zu machen, dass z. B. für Spaziergänger oder spielende
Kinder durch die Gräben keine Gefahr ausgeht. Zum Schutz von besonders und streng geschützten
Arten (verschiedene Artengruppen von wandernden Amphibien) sind dabei vollständig geschlossene
Schutzeinrichtungen von ca. 1,00 m Höhe zu verwenden.
Das Freimachen des Baufeldes in der offenen Feldflur erfolgt - in Abstimmung mit der ökologischen
Baubegleitung - zum Schutz von Feld- und Wiesenbrütern in der Zeit von Mitte August bis Anfang April.
Die DIN 18920 zum "Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen bei Baumaßnah-
men" ist einzuhalten.
4.8
Bauzeitenregelungen (V8)
(siehe auch Artenschutzmaßnahme VM2, VM3 und VM6 in der Artenschutzrechtlichen Prü-
fung, Teil 4.2)
Die Rodungen von Gehölzen in der Feldflur sind außerhalb der Haupt-Reproduktionsphase planungs-
relevanter Arten (März bis Juli/August) im Allgemeinen zwischen Oktober und Ende Februar umzuset-
zen, um die Arten- und Lebensgemeinschaften zu schützen.
Dies gilt insbesondere für die folgenden Bereiche (siehe V8 in den Konflikt- und Maßnahmenplänen):
-
Station 0+000 – 0+500: insbesondere nördlich der Trasse und südlich bis zum Wald
-
Station 2+600 – 3+200: westlich der Trasse
-
Station 6+100 – 8+100: von Hahn bis zur K150
-
Station 8+400 – 9+000: westlich der Trasse
-
Station 12+000 – 15+500: zwischen Scheidgraben und östlich angrenzend
Für den Fall, dass diese generellen bauzeitlichen Beschränkungen aus baubetrieblichen Gründen nicht
eingehalten werden können, ist wie folgt vorzugehen:
Im Rahmen der ökologischen Baubegleitung sind in den jeweiligen Bauabschnitten mit geplanter Bau-
feldräumung der gesamte Bereich des Baufeldes und die angrenzenden Bereiche flächendeckend un-
mittelbar vor Beginn der geplanten Baumaßnahme darauf hin zu prüfen, inwiefern Bruten der genannten
Arten vorliegen (siehe VM 6 aus ASP, Teil 4.2).
Ist dies der Fall, so kann mit der Baufeldräumung und den anschließenden Bauarbeiten erst nach Be-
endigung der jeweiligen Brutzeit begonnen werden. Dabei gelten für die Feldlerche eine Entfernung von
mind. 150 m, beim Rebhuhn von mind. 100 und beim Schwarzkehlchen von mind. 40 m vom nachge-
wiesenen Brutplatz (Meideverhalten/Fluchtdistanz der jeweiligen Art). Werden keine Bruten der genann-
ten Arten im überprüften Bereich vorgefunden, kann mit den Baumaßnahmen auch innerhalb der Brut-
zeiten der genannten Arten begonnen und dann zeitlich uneingeschränkt fortgeführt werden.

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Seite 91
6.
Eingriffsbilanzierung
6.1
Biotopwertverlust / Bilanzierung gem. Biotopwertverfahren der KV 2018
Die Tabellen mit der detaillierten Bilanzierung der Wertpunkte für die einzelnen betroffenen Biotopty-
penflächen sind im Anhang 2 angefügt. Der Biotopwertverlust wurde bereits in der Eingriffsermittlung
erläutert (siehe Kapitel 5.1 und 5.2). Hier erfolgt demnach nur eine zusammenfassende Darstellung.
Für die Bauphase sind vorübergehende Bauflächen mit einer Gesamtgröße von 47,6 ha erforderlich
(Wirkraum).
Die temporären Bauflächen führen zu folgendem Biotopwertverlust:
Tabelle 7
Baubedingter Biotopwertverlust
Bauflächen Trasse
Biotopwertpunkte
Wertpunkte Zustand vorher
4.022.750
Wertpunkte Zustand nachher
4.001.541
Biotopwertverlust / Kompen-
sationsbedarf
21.209
Baugruben
Biotopwertpunkte
Wertpunkte Zustand vorher
997.160
Wertpunkte Zustand nachher
992.172
Biotopwertverlust / Kompen-
sationsbedarf
4.988
Baustraßen
Biotopwertpunkte
Wertpunkte Zustand vorher
1.322.952
Wertpunkte Zustand nachher
1.287.154
Biotopwertverlust / Kompen-
sationsbedarf
35.798
Bodenlager
Biotopwertpunkte
Wertpunkte Zustand vorher
1.439.727
Wertpunkte Zustand nachher
1.439.727
Biotopwertverlust / Kompen-
sationsbedarf
0
Insgesamt kommt es demnach baubedingt zu einem
Kompensationsbedarf von 61.995
Wertpunkten
.

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Seite 92
Aus dem Schutzstreifen für Trasse und Schächte sowie den dauerhaften Zuwegungen ergibt sich eine
anlagenbedingte dauerhafte Freihaltung auf insgesamt 19,1 ha.
Dadurch kommt es zu folgendem Biotopwertverlust:
Tabelle 8
Anlagenbedingter Biotopwertverlust
Vollversiegelung
Biotopwertpunkte
Wertpunkte Zustand vorher
41.847
Wertpunkte Zustand nachher
7.101
Biotopwertverlust / Kompensa-
tionsbedarf
34.746
Teilversiegelung
Biotopwertpunkte
Wertpunkte Zustand vorher
235.351
Wertpunkte Zustand nachher
73.119
Biotopwertverlust / Kompensa-
tionsbedarf
162.232
Flächenüberformung
Biotopwertpunkte
Wertpunkte Zustand vorher
3.120.944
Wertpunkte Zustand nachher
3.072.973
Biotopwertverlust / Kompensa-
tionsbedarf
47.971
Insgesamt kommt es demnach anlagenbedingt zu einem
Kompensationsbedarf von 244.949
Wertpunkten
.
Insgesamt entsteht gem. Eingriffsregelung (
baubedingt und anlagenbedingt
) ein Kompensationsbe-
darf von
306.944 Biotopwertpunkten.

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Erläuterungsbericht
Seite 93
6.2
Verlust Bodenfunktionen
Gemäß FB Bodenschutz (Teil 5.1) ergibt sich für die geplante Trasse eine temporäre Inanspruchnahme
(Bodenlager, BE-Baugruben Schächte, Bauflächen Trasse, Baustraßen neu, Betriebsfläche Urzustand)
von 512.224 m² / 51,22 ha (Größenabweichung zum naturschutzfachlichen Eingriff
siehe Kapitel
5.1.1), auf der eine bauzeitliche Beeinträchtigung durch Verdichtung, Stoffeintrag und Erosion erfolgt.
Daraus ergibt sich ein Kompensationsbedarf von 82,94 Bodenwerteinheiten/BWE.
Nach Berücksichtigung der vorgesehenen Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen verbleibt ein
Ausgleichsbedarf für den
baubedingten temporären Eingriff in das Schutzgut Boden von 33,17
BWE
. Dieser muss durch geeignete bodenfunktionsbezogene Ausgleichsmaßnahmen kompensiert
werden.
Gemäß dem Fachbeitrag Bodenschutz ergibt sich für den anlagenbedingten dauerhaften Eingriff in den
Boden ein Kompensationsbedarf von 37,11 Bodenwerteinheiten/BWE.
Nach Berücksichtigung der vorgesehenen Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen verbleibt ein
Ausgleichsbedarf für den
anlagenbedingten Eingriff in das Schutzgut Boden von 18,29 BWE
. Die-
ser muss durch geeignete bodenfunktionsbezogene Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden.
Tabelle 9
Baubedingter Eingriff in den Boden
Baubedingter Eingriff
Bodenwerteinheiten
Kompensationsbedarf
82,94
Berücksichtigung Vermeidungs- und Minderungs-
nahmen
-49,77
verbleibender Kompensationsbedarf
33,17
Tabelle 10
Anlagenbedingter Eingriff in den Boden
Anlagenbedingter Eingriff
Bodenwerteinheiten
Kompensationsbedarf
37,11
Berücksichtigung Vermeidungs- und Minderungs-
nahmen
-18,82
verbleibender Kompensationsbedarf
18,29
Der
gesamte Ausgleichsbedarf
des Schutzgutes Boden beträgt somit
51,46
Bodenwerteinheiten/BWE
.

Redundante Neuverlegung der
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Erläuterungsbericht
Seite 94
7.
Maßnahmenplanung/Kompensationskonzept
(Kompensationsraum)
Die Baumaßnahme sowie die dauerhaften Anlagen führen zu einem Biotopwertverlust gemäß Kompen-
sationsverordnung 2018 in Höhe von 306.944 Punkten:
Biotopwertverlust durch anlagenbedingte dauerhafte Freihaltung (Betriebsflächen): 244.949 Punkte
Biotopwertverlust durch baubedingte vorübergehende Überformung (Bauflächen):
61.995 Punkte
306.944 Punkte
Folgende Maßnahmen sind erforderlich, um die Eingriffe in Boden, Natur und Landschaft auszugleichen
bzw. zu kompensieren.
7.1
Wiederherstellung der ursprünglichen Biotope (M1)
Nach Beendigung der Bauphase werden die ursprünglichen gleichartigen Biotope vollständig wieder-
hergestellt. Dazu zählen neben den Offenlandbereichen, die innerhalb des Schutzstreifens wiederher-
gestellt werden, auch lineare Gehölzstrukturen, die unmittelbar nach der Bauphase außerhalb des
Schutzstreifens wiederhergestellt werden. Es bleibt im Baufeld außerhalb des Schutzstreifens keine
Beeinträchtigung zurück.
Das landwirtschaftliche und das forstwirtschaftliche Wegenetz sind nach dem Bau ebenfalls wieder in-
stand zu setzen. Ebenso sind die Rad- und Wanderwege wiederherzustellen. Dazu ist die Durchführung
eines Beweissicherungsverfahrens der betroffenen landwirtschaftlichen Flächen vorzusehen, um im
Vorfeld der Baumaßnahmen eine Bewertungsgrundlage für möglicherweise durch die Maßnahmen ver-
ursachte Wege-, Flur- und Aufwuchsschäden zu schaffen und eventuell erforderlich werdende Scha-
densregulierungen vornehmen zu können.
Die innerhalb des Schutzstreifens zu entfernenden Gehölze werden im direkten Umfeld wiederherge-
stellt. Der Ausgleich erfolgt damit im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang.
Die innerhalb des Baufeldes und außerhalb des Schutzstreifens vorübergehend entfernten Biotope wer-
den an Ort und Stelle gleichartig wiederhergestellt. Sofern eine gleichartige Wiederherstellung nicht
möglich ist, wird der Wert der neu angelegten Biotope bei der Bilanzierung der Wertpunkte berücksich-
tigt und als Kompensationsbedarf ausgewiesen.
7.2
Naturnahe Wiederherstellung/Aufwertung der offen gequerten Gewässer (M2)
Die offen gequerten Gewässer sind nach dem Bau der Wasserleitung wiederherzustellen. Dabei sind
sowohl die Bachsohle als auch das Ufer und der Gewässerrandstreifen naturnah herzustellen.
Durch die offene Querung wird der Gewässerabschnitt inkl. des Randstreifens temporär überformt. Bei
der Wiederherstellung der Biotope (siehe Maßnahme M1) kann dabei ggf. auf diesen sowieso in An-
spruch genommenen Flächen die Gewässerstrukturgüte durch gezielte Maßnahmen verbessert wer-
den. So kann z.B. durch Einbringen von Totholz oder kleinen Steinschüttungen die Gewässerstruktur
erhöht werden und damit die Gewässerstrukturgüte verbessert werden.

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Seite 95
Durch die Pflanzung von standortgerechten Gebüschen kann ein naturnaher Gewässerrandstreifen ge-
schaffen werden, der ebenfalls zur Verbesserung der Gewässerstrukturgüte beiträgt.
7.3
Bodenmaßnahme: Überdeckung Schachtbauwerke (M3)
(siehe Maßnahme AM1 aus FB Bodenschutz)
Verbleibende Verluste oder Beeinträchtigungen der Bodenfunktionen infolge des Eingriffs sollen durch
geeignete bodenfunktionsbezogene Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen werden. Dabei wird auf
Böden, auf denen die Kompensationsmaßnahmen durchgeführt werden, der Erfüllungsgrad der Boden-
funktionen erhöht.
Die Schachtbauwerke sollen, bis auf einen Flächenanteil zwischen 2 m² und 36 m², der vollversiegelt
wird und aus dem Boden herausragt (definiert für jedes Schachtbauwerk), mit maximal 30 cm standort-
eigenem Bodenmaterial überdeckt werden.
Durch die Überdeckung der Schachtbauwerke im Boden wird ein durchwurzelbarer Bodenraum herge-
stellt.
Daraus ergibt sich folgender Wertstufengewinn:
Biotopentwicklungspotenzial: 0
Ertragspotenzial: 2
Feldkapazität: 1
Nitratrückhaltevermögen: 1
Durch die Bodenmaßnahme M3 reduziert sich der Kompensationsbedarf hinsichtlich des Schutzguts
Boden von 51,46 BWE auf
51,06 BWE
.
7.4
Kompensation durch Anrechnung von Ökokontomaßnahme (M4)
Kompensation Biotopwertverlust
Zur Kompensation der Biotopwertverlustes in Höhe von 306.944 Wertpunkten wird anteilig auf ein Öko-
konto der Hessischen Landgesellschaft mbH/HLG zurückgegriffen. Es handelt sich dabei um das Öko-
konto „Niddarenaturierung Niddaknie Karben“.
Auf der Grundlage des Hessischen Ausführungsgesetzes zum Bundesnaturschutzgesetz (HAGB-
NatSchG) vom 20. Dezember 2010 (GVBl. I S. 629, 2011 I S. 43), zuletzt geändert durch Artikel 2 des
Gesetzes vom 28. Mai 2018 (GVBl. S. 184) in Verbindung mit der Hessischen Kompensationsverord-
nung in der Fassung vom 26.10.2018 sowie des Anerkennungsbescheides des HMULV vom
23.12.2005 vermittelt die Hessische Landgesellschaft mbH als Ökoagentur gegen Entgelt Ökopunkte.
Als Ökoagentur des Landes Hessen führt die HLG Ökokonten in verschiedenen Naturräumen. Damit
können bereits realisierte Naturschutzmaßnahmen nach einem festgelegten Biotoptypenschlüssel be-
wertet werden: Die Differenz zwischen dem Zustand vor und nach der Maßnahme wird auf ein

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Seite 96
sogenanntes „Ökokonto“ eingezahlt. Die Währung dieses Verfahrens nennt man „Biotopwertpunkt“ oder
auch „Ökopunkt“.
Zur Kompensation des Biotopwertverlustes von 306.944 Wert-/Ökopunkten greift
der Vorhaben-
träger
nun auf die entsprechenden Ökopunkte des Ökokontos „Niddarenaturierung Niddaknie Karben“
zurück.
Die Renaturierungsmaßnahme an der Nidda liegt nördlich von Frankfurt und befindet sich in einer Ent-
fernung von ca. 40 km, so dass dem § 2 Absatz 4 der Kompensationsverordnung Hessen (2018) Rech-
nung getragen wird, der vorgibt, dass der Abstand vom Eingriffsort 50 Kilometer nicht überschreiten
soll.
Abbildung 19
Lage des HLG-Ökokontos „Renaturierung Nidda“

image
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Seite 97
Bei dem Ökokonto handelt es ich um eine Fließgewässerrenaturierung mit Herstellung eines neuen
naturnahen Gewässerlaufes, unter Beibehaltung des kanalisierten Laufes als Altarm. Die Renaturierung
umfasst auch die Einbeziehung einer an den Überschwemmungsbereich der Nidda angeschlossenen
Aue über den gesetzlich festgelegten Gewässerrandstreifen hinaus.
Die Maßnahme umfasst etwa 6,5 Millionen Biotopwertpunkte und ist im Jahr 2015 fertiggestellt worden.
Abbildung 20
Renaturierungsbereich der Nidda südlich von Karben
Zur Kompensation des Biotopwertverlustes durch die Neuverlegung der Riedleitung-Südteil werden
vom Ökokonto „Niddarenaturierung Niddaknie Karben“ 306.944 Ökopunkte abgezogen. Damit ist der
naturschutzfachliche Eingriff vollständig kompensiert.

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Seite 98
Kompensation Bodenwerteinheiten
Neben der naturschutzfachlichen Kompensation (Eingriffsregelung) soll auch das Kompensationsdefizit
des Schutzguts Boden schutzgutübergreifend durch die Ökopunkte aus der Gewässerrenaturierung
Nidda erfolgen. Dazu wurde der Kompensationsbedarf nach einem noch nicht endgültig abgestimmten
Berechnungsvorschlag des HMUKLV in Ökopunkte umgerechnet. Die Umrechnung des Kompensati-
onsdefizits für das Schutzgut Boden von Bodenwerteinheiten (BWE) in Ökopunkte (WP) ist im Fachbei-
trag Bodenschutz (Teil 5.1) erläutert.
Danach entspricht das Kompensationsdefizit von 51,06 Bodenwerteinheiten/BWE einem Defizit in Öko-
punkten von 102.102 WP (Wertpunkte).
Zur Kompensation des Wertverlustes des Schutzguts Boden werden vom Ökokonto „Niddarenaturie-
rung Niddaknie Karben“ weitere 102.102 Ökopunkte abgezogen. Damit ist auch der Eingriff in den Bo-
den vollständig kompensiert.
Insgesamt werden damit vom Ökokonto „Niddarenaturierung Niddaknie Karben“ der HLG
409.046 Öko-
punkte abgezogen
.
7.5
Ökologische Baubegleitung/ÖBB (M5)
Zur Gewährleistung einer ökologisch sachgerechten Bauabwicklung, insbesondere zur Berücksichti-
gung des vorsorgenden Biotop- und Artenschutzes und der Einhaltung der festgesetzten Vermeidungs-
und Kompensationsmaßnahmen, ist in allen Phasen (inkl. z.B. Voruntersuchungen, Baufeldfreimachun-
gen) eine ökologische Baubegleitung einzusetzen.
Sie hat die genehmigungskonforme Umsetzung der landschaftspflegerischen und artenschutzfachli-
chen Maßnahmen (siehe Artenschutzrechtliche Prüfung) zu überwachen und im Zuge einer Nachbilan-
zierung zu dokumentieren.
Insbesondere die Gewässerquerungen sind von der ökologischen Baubegleitung zu begleiten.
7.6
Bodenkundliche Baubegleitung/BBB (M6)
(siehe Maßnahme MM1 aus FB Bodenschutz)
Durch die Beteiligung einer BBB soll ein schonender Umgang mit dem Schutzgut Boden sichergestellt
werden. Die BBB soll sowohl während der Planungs-, Ausschreibungs- und Ausführungsphase sowie
zur Folgenutzung beteiligt werden.
Wesentliche Aufgabe ist die Überwachung, Steuerung und Dokumentation der baustellenbegleitenden
Beprobung sowie Analysierung des Verwertungs- bzw. Entsorgungsweges für den Bodenaushub
(LAGA).
Des Weiteren überwacht sie den Schutz des Bodens vor Verdichtungen und Vernässungen, den Schutz
des Bodens vor Verlust der Bodenfunktionen, den Schutz des Bodens vor Verunreinigungen sowie das
bodenschonende Arbeiten.

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Seite 99
7.7
CEF-Maßnahme Rebhuhn
(siehe Artenschutzmaßnahme M1
CEF
in der Artenschutzrechtlichen Prüfung, Teil 4.2)
Die folgenden Maßnahmen (nach LAUX ET AL. 2017) dienen der Verbesserung der vorhandenen Le-
bensstätten und dem Erhalt der ökologischen Funktion. Darüber hinaus dienen sie dazu, Beeinträchti-
gungen der lokalen Rebhuhn-Population zu verhindern. Die Maßnahmen sind im Sinne einer CEF-
Maßnahme ein Jahr vor Beginn der Baumaßnahme anzulegen.
Beide Nachweise der Art gelangen 2018 nördlich der Ortschaft Hahn. Daher wird vorgeschlagen, die
Maßnahmen auch im Umfeld der nachgewiesenen Vorkommen (Station 12+700 und 13+200) der ge-
planten Wasserleitung vorzusehen, da Maßnahmen am besten in bereits besiedelten Räumen umge-
setzt werden. Insgesamt ist wichtig zu beachten, dass die Maßnahmen in einer Entfernung von mehr
als 120 m zu Wäldern bzw. sonstigen Vertikalkulissen, zu Siedlungen, Höfen, stark frequentierten We-
gen und zu Straßen (hier mehr als 300 m). Aufgrund der geringen Mobilität ist zudem ein möglichst
unzerschnittener Raum zu bevorzugen.
Es wird die Etablierung von sowohl einjährigen (Aufzuchthabitat) als auch mehrjährigen (Nisthabitat)
Blühstreifen vorgeschlagen. Ergänzt werden können diese Streifen durch die Anlage einzelner niedriger
Gebüsche und kurzer niedriger Heckenabschnitte sowie dem Umbruch von Getreidestoppeläckern erst
nach dem Winter (in Teilbereichen). Zu berücksichtigen ist, dass
-
die angelegten Streifen müssen eine Mindestbreite von 10 m, besser 20 m aufweisen (Prädatoren-
schutz),
-
die Streifen sollten eine möglichst heterogene Vegetationsstruktur aufweisen,
-
die Blühstreifen sollten im Bereich von bestehenden, für das Rebhuhn geeigneten Landschaftsele-
menten etabliert werden,
-
keine Pestizide eingesetzt werden dürfen.
Diese angelegten Blühstreifen bedürfen einer regelmäßigen Pflege bzw. einer Neuanlage. Die Maßnah-
men können auf unterschiedlichen Flächen rotieren. Von großer Bedeutung ist zudem der Mahdverzicht
während der Brutzeit des Rebhuhns (April bis August) (LANUV 2019 n).
Es wird vorgeschlagen zwischen Trassenkilometer 12+700 und 13+200 (siehe Konflikt- und Maßnah-
menpläne), den gesetzlich vorgesehenen Schutzstreifen der Wasserleitung (10 m Breite) nach den o.g.
Vorgaben herzurichten. Es ist sicherzustellen, dass in diesem Abschnitt keine Infrastruktureinrichtungen
(Schächte, Zuwegungen, techn. Einrichtungen etc.) für die Wasserleitung liegen. Dieser Baubereich
östlich von Goddelau, wird früher fertiggestellt als der Bereich
bei Eschollbrücken/Hahn
, in welchem
die Rebhuhnnachweise 2018 erbracht wurden. Diese Nachweise wurden zwischen Trassenkilometer 6
+200 und 7+500 kartiert.
Durch die Gliederung in unterschiedliche Baubereiche und der damit einhergehenden zeitlichen Tren-
nung der Bauphasen, kann zwischen Station 12+700 und 13+200 bereits eine vorgezogene CEF-
Maßnahme für den weiter südlich liegenden Abschnitt durchgeführt werden.

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Seite 100
8.
Gesamtbeurteilung der Eingriffsbewältigung/Zusammenfassung
Der Vorhabenträger
plant eine redundante Neuverlegung der Riedleitung zur Sicherstellung der
Trinkwasserversorgung in der Metropolregion
Frankfurt/RheinMain
. Der südliche Abschnitt vom
Wasserwerk
Allmendfeld
bis
Riedstadt-Wolfskehlen
mit Anschluss des Wasserwerks
Eschollbrü-cken
an das Verbundsystem ist Gegenstand des Genehmigungsverfahrens und hat eine Länge von 18,4
km.
Die geplante redundante Riedleitung verläuft durch die hessischen Landkreise G
roß-Gerau und Darm-
stadt-Dieburg
. Das Wasserwerk
Eschollbrücken
, an das die Trasse anschließt, liegt in der
kreisfreien
Stadt Darmstadt
. Von der Planung sind die Gemeinden
Gernsheim, Pfungstadt, Griesheim und Ried-
stadt
betroffen.
Nach Abschluss der Bauarbeiten hat das Projekt keine oberirdische Flächenbeanspruchung, alle Bau-
teile liegen unterirdisch.
Nach § 15 BNatSchG ist in dem vorliegenden Landschaftspflegerischen Begleitplan der Bestand des
betroffenen Plangebietes, der durch die Leitungstrasse entstandene Eingriff und die entsprechend er-
forderliche Vermeidung und Kompensation in Text und Plan dargestellt.
Ausschlaggebend hinsichtlich des Eingriffes ist die baubedingte vorübergehende Überformung, die sich
aus dem für die Bauphase erforderlichen vorübergehenden Baufeld (Breite 25 m) zuzüglich Baustraßen
und Bodenlager ergibt. Die baubedingte vorübergehende Überformung beansprucht eine Fläche von
47,6 ha, davon sind 36,41 ha (76 %) Ackerflächen. Die Flächen werden nach Beendigung der Bauphase
außerhalb des dauerhaft freizuhaltenden Schutzstreifens vollständig wiederhergestellt. Da bei einzel-
nen Biotopen eine sofortige gleichartige Wiederherstellung nicht möglich ist, entsteht hierfür bei dem
Vergleich der Wertpunkte vor und nach dem Vorhaben ein Kompensationsbedarf von 61.995 Punkten.
Über die eigentliche Versorgungsleitung hinaus ist ein Schutzstreifen mit Nutzungsbeschränkungen ein-
zurichten. Er bedingt eine anlagenbedingte dauerhafte Freihaltung. Insgesamt ergibt sich damit eine
dauerhafte Eingriffsfläche von 19,1 ha, wovon 13,27 ha (69 %) als Acker genutzt werden. Auf 17,65 ha
dieser Flächen können die ursprünglichen Biotope wiederhergestellt werden, 1,22 ha werden teilversie-
gelt (Schotterrasen) und 0,24 ha werden dauerhaft mit Asphalt versiegelt. Insgesamt entsteht durch die
anlagenbedingte dauerhafte Freihaltung ein Kompensationsbedarf von 244.949 Punkten.
Zur Vermeidung und Minderung dieser Eingriffe wurden folgende Maßnahmen festgelegt:
-
Entwicklung von eingriffsmindernden Trassenalternativen
-
Reduzierung Bauflächen bei ökologisch sensiblen Bereichen
-
Gewässerkreuzung in geschlossener Bauweise/Pressung
-
Eingriffsvermeidung bei offenen Gewässerquerungen
-
Schutz des Bodens/Bodenwassers
-
Wiederverwendung von Bodenmaterial, Entsorgung der Überschussmassen
-
Vorgaben für Baustelleneinrichtung/Bauausführung
-
Bauzeitenregelungen
-
Schutz angrenzender Gehölze und geschützter Biotope
-
Bauzeitenregelung Grundwasserhaltung

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
Landschaftspflegerischer Begleitplan/LBP
Erläuterungsbericht
Seite 101
-
Archäologische Voruntersuchung
-
Schutzmaßnahme Wiesenknopf-Wiese
-
Maßnahmen für Fledermäuse: Baumhöhlenkartierung und Besatzkontrolle, Ausbringen von Fleder-
mauskästen
-
Maßnahmen für die Haselmaus: Kontrolle spezieller Gehölzbestände vor Beginn der Rodungsar-
beiten
-
Maßnahmen für Vögel: Anbringen von Nistkästen
-
Maßnahmen für Vögel: Horst-/Brutplatzkontrolle
-
Maßnahmen für Amphibien: Errichtung bauzeitlicher Amphibienschutzzäune
-
Maßnahmen für Amphibien: Vermeidung der Besiedlung des Baufeldes durch die Kreuzkröte
-
Maßnahmen für Reptilien: Bauzeitliche Schutzeinrichtungen für die Zauneidechse
Als Kompensationsmaßnahmen wurden festgelegt:
-
Wiederherstellung der ursprünglichen Biotope
-
Naturnahe Wiederherstellung/Aufwertung der offen gequerten Gewässer
-
Bodenmaßnahme: Überdeckung Schachtbauwerke
-
Abbuchung Ökopunkte aus HLG-Ökokonto Renaturierung Nidda
(„Niddarenaturierung Niddaknie Karben“)
-
Ökologische Baubegleitung (ÖBB)
-
Bodenkundliche Baubegleitung (BBB)
Als CEF-Maßnahmen wurden die Entwicklung eines Blühstreifens für die Habitat-Herstellung des im
Wirkraum nachgewiesenen Rebhuhns festgelegt.
Insgesamt entsteht durch den Eingriff ein Verlust von 306.944 Biotopwertpunkte (Eingriffsregelung).
Durch die Abbuchung von 306.944 Ökopunkten vom Ökokonto „Niddarenaturierung Niddaknie Karben“
der HLG wird der naturschutzfachliche Eingriff vollständig kompensiert.
Hinsichtlich des Schutzguts Boden entsteht insgesamt ein Kompensationsbedarf von 51,46 BWE. Die-
ser reduziert sich durch die Überdeckung der Schachtbauwerke (Maßnahme M3) auf 51,06 BWE. Durch
Umrechnung ergibt sich daraus ein Ökopunkte-Defizit von 102.102 Wertpunkten, das ebenfalls durch
Abbuchung vom Ökokonto „Niddarenaturierung Niddaknie Karben“ ausgeglichen wird.
Mit der Abbuchung von insgesamt 409.046 Ökopunkten vom Ökokonto „Niddarenaturierung Niddaknie
Karben“ werden die durch das Vorhaben entstehenden Eingriffe vollständig kompensiert.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
Landschaftspflegerischer Begleitplan/LBP
Erläuterungsbericht
Seite 102
Bezüglich des Artenschutzes können unter Beachtung der vorgesehenen Vermeidungsmaßnahmen bei
den vereinfacht geprüften Vogelarten mit landesweit günstigem Erhaltungszustand Verstöße gegen die
Verbote des § 44 BNatSchG ausgeschlossen werden. Bei den prüfungsrelevanten Arten wurde eine
detaillierte Art für Art- Betrachtung durchgeführt. Für diese Arten können unter Berücksichtigung der
genannten Vermeidungs- und Verminderungsmaßnahmen sowie der aufgeführten CEF-Maßnahme
Verstöße gegen die Verbote des § 44 BNatSchG ausgeschlossen werden. Ein Ausnahmeverfahren ist
nicht erforderlich.
Bezüglich der Belange der Wasserrahmenrichtlinie gilt, dass sich der "gute" mengenmäßige Zustand
und der "schlechte" chemische Grundwasserkörperzustand des betroffenen Grundwasserkörpers durch
die geplante Baumaßnahme nicht verschlechtern werden. Das Bauvorhaben steht auch nicht im Wider-
spruch zum Verbesserungsgebot. Damit ist das Vorhaben mit den Belangen der Wasserrahmenrichtli-
nie vereinbar.
Gesamtbeurteilung:
Durch die festgelegten Vermeidungsmaßnahmen wird der Eingriff erheblich minimiert. Der baubedingte
Eingriff im Baufeld wird vor Ort ausgeglichen. Der verbleibende Kompensationsbedarf durch Wertpunkt-
verlust wird durch die Abbuchung von Ökopunkten vom Ökokonto „Niddarenaturierung Niddaknie Kar-
ben“ der Ökoagentur HLG kompensiert.
Aus umweltplanerischer Sicht ist das Vorhaben bei Berücksichtigung und Umsetzung aller genannten
Maßnahmen ohne verbleibende Umweltbeeinträchtigungen möglich. Die redundante Neuverlegung der
Riedleitung-Südteil (R2S) ist damit
mit allen fachlichen Anforderungen der Umweltplanung verein-
bar
.

Redundante Neuverlegung der Riedleitung-Südteil (R2S)
UVP-Bericht
3
Gliederung
1.
Beschreibung des Vorhabens
6
1.1
Beschreibung des Standortes
6
1.2
Beschreibung des gesamten Vorhabens
7
1.3
Rechtliche Grundlagen
8
1.4
Beschreibung der wichtigsten Merkmale der Betriebsphase des Vorhabens
9
2.
Alternativenprüfung
11
2.1
Großräumige Trassenvarianten
11
2.2
Trassenalternativen und Optimierungen
13
3.
Aktueller Zustand der Umwelt und ihrer Bestandteile im Einwirkungsbereich des
Vorhabens
22
3.1
Schutzgebiete
22
3.2
Schutzgut Mensch, menschliche Gesundheit
24
3.3
Schutzgut Tiere, Pflanzen, Biologische Vielfalt
25
3.4
Schutzgut Fläche
28
3.5
Schutzgut Boden
29
3.6
Schutzgut Wasser
32
3.7
Schutzgut Klima
36
3.8
Schutzgut kulturelles Erbe
36
3.9
Übersicht über die voraussichtliche Entwicklung der Umwelt bei Nichtdurchführung des
Vorhabens
37
4.
Beschreibung der möglichen Umweltauswirkungen des Vorhabens
39
4.1
Art der Umweltauswirkungen
39
4.1.1
Baubedingte Umweltauswirkungen
39
4.1.2
Anlagenbedingte Umweltauswirkungen
39
4.1.3
Betriebsbedingte Umweltauswirkungen
40
4.2
Art der Betroffenheit der Schutzgüter
41
4.2.1
Auswirkungen auf Schutzgut Mensch, menschliche Gesundheit
41
4.2.2
Auswirkungen auf Schutzgut Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt
42
4.2.3
Auswirkungen auf Schutzgut Fläche
42
4.2.4
Auswirkungen auf Schutzgut Boden
43
4.2.5
Auswirkungen auf Schutzgut Wasser
44
4.2.6
Auswirkungen auf Schutzgut Klima
45
4.2.7
Auswirkungen auf Schutzgut kulturelles Erbe
46
4.3
Mögliche Ursachen der Umweltauswirkungen
46
4.3.1
Durchführung baulicher Maßnahmen sowie die physische Anwesenheit der errichteten
Anlagen oder Bauwerke
46
4.3.2
Verwendete Techniken und eingesetzte Stoffe
47
4.3.3
Nutzung natürlicher Ressourcen
48
4.3.4
Emissionen und Belästigungen sowie Verwertung oder Beseitigung von Abfällen
48

Redundante Neuverlegung der Riedleitung-Südteil (R2S)
UVP-Bericht
4
4.3.5
Risiken, für die menschliche Gesundheit, für Natur und Landschaft sowie für das
kulturelle Erbe, z. B. durch schwere Unfälle oder Katastrophen
48
4.3.6
Zusammenwirken mit den Auswirkungen anderer bestehender oder zugelassener
Vorhaben oder Tätigkeiten
49
4.3.7
Auswirkungen des Vorhabens auf das Klima/Klimawandel
52
4.3.8
Anfälligkeit des Vorhabens gegenüber den Folgen des Klimawandels
52
4.3.9
Anfälligkeit des Vorhabens für die Risiken von schweren Unfällen oder Katastrophen
52
5.
Grenzüberschreitende Auswirkungen des Vorhabens
53
6.
Maßnahmen zur Vermeidung bzw. zum Ausschluss oder Verminderung erheblicher
nachteiliger Umweltauswirkungen
54
7.
Maßnahmen zur Kompensation der verbleibenden nachteiligen
Umweltauswirkungen
55
8.
Vorsorge- und Notfallmaßnahmen
56
9.
Auswirkungen auf Natura 2000- und sonstige Schutzgebiete
57
10.
Auswirkungen auf besonders geschützte Arten
59
11.
Verwendete Methoden und Hinweise auf Schwierigkeiten
60
12.
Allgemein verständliche, nichttechnische Zusammenfassung
62
13.
Quellen
64

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
29
3.5
Schutzgut Boden
1
Für die Beschreibung der Böden im Bereich der geplanten Trasse wurden die Bodenflächendaten
1 : 25 000 (BFD25) herangezogen und mit den Plandaten der Trasse verschnitten. Gemäß dem Fach-
beitrag Bodenschutz kommen 17 Bodentypen und 38 Einheiten der BFD25 im Trassenbereich vor.
Die dominierenden Bodentypen sind Kolluvisole und Pelosole, die jeweils knapp 29 % der Fläche ein-
nehmen. Auf weiteren 17 % der Fläche werden Braunerde-Pararendzinen ausgewiesen. Alle weiteren
Bodentypen nehmen jeweils unter 5 % der Fläche ein. Hierzu zählen grundwasserbeeinflusste Böden,
wie Podsol-Gleye, Auengleye und Gleye über Niedermoor. Des Weiteren werden Tschernitzen und Ve-
gen als Auenböden ausgewiesen. Auch Böden mit einem hohen Anteil an organischer Substanz, wie
Mulmniedermoore und Niedermoore, kommen vor. Weitere Böden sind durch Stauwasser beeinflusste
Pseudogleye. Zu den übrigen Bodentypen im Bereich der Trasse zählen Parabraunerden, Pararendzi-
nen, Braunerden und Humuspelosole, die zu den terrestrischen Böden gehören.
Bodenfunktionsbewertung
Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) stellt mit den Bodenflä-
chendaten 1 : 5 000 landwirtschaftliche Nutzflächen (BFD5L) eine Bodenfunktionsbewertung zur Verfü-
gung, die folgende Bodenfunktionen bewertet:
-
Bodenfunktion "Lebensraum für Pflanzen" - Kriterium "Standorttypisierung für die Biotopentwicklung"
-
Bodenfunktion "Lebensraum für Pflanzen" - Kriterium "Ertragspotenzial"
-
Bodenfunktion "Funktion des Bodens im Wasserhaushalt" - Kriterium "Wasserspeicherfähigkeit"
-
Bodenfunktion "Funktion des Bodens als Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium" - Kriterium "Nit-
ratrückhaltevermögen"
Die Bewertung erfolgt jeweils in fünf Stufen von sehr gering (1) bis sehr hoch (5).
Die Bodenfunktionsbewertung der BFD5L wurde mit den im Gelände erhobenen Daten verglichen. Die
durchgeführte Bodenkartierung bestätigte die bodenfunktionale Bewertung der BFD5L. Es wurden auf
den kartierten Flächen keine Abweichungen zur Einstufung der BFD5L festgestellt.
Standorttypisierung für die Biotopentwicklung
Das erste Kriterium zur Bewertung der "Funktion des Bodens als Lebensraum für Pflanzen" ist die
"Standorttypisierung für die Biotopentwicklung". Das Biotopentwicklungspotenzial ist abhängig von den
Standorteigenschaften, wie Nährstoff- und Wasserversorgung sowie klimatischen und geomorphologi-
schen Bedingungen. Die Bewertung erfolgt in fünf Stufen von sehr gering (1) bis sehr hoch (5).
Der Erfüllungsgrad der "Funktion des Bodens als Lebensraum für Pflanzen", bewertet durch das Krite-
rium "Standorttypisierung für die Biotopentwicklung", wird auf dem Großteil der Eingriffsfläche von
99,97 % als mittel eingestuft. Ein sehr geringer Flächenanteil von 0,03 % ist dagegen hoch bewertet.
1
übernommen aus: Teil 5.1 Antragsunterlagen: Fachbeitrag Bodenschutz, erstellt von:
Schnittstelle
Boden
Ingenieurbüro
für Boden- und Grundwasserschutz
; Januar 2021

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
30
Ertragspotenzial des Bodens
Die "Funktion des Bodens als Lebensraum für Pflanzen" wird außerdem über das Kriterium "Ertragspo-
tenzial des Bodens" bewertet. Das Ertragspotenzial des Bodens ist abhängig von den natürlichen Er-
tragsbedingungen, wie der Bodenbeschaffenheit und den klimatischen Verhältnissen. Diese bestimmen
durch den Grad der möglichen Nährstoff- und Wasserversorgung für die Vegetation das Potenzial eines
Standorts hinsichtlich der Produktion von Biomasse. Der wichtigste Parameter zur Bewertung des Er-
tragspotenzials ist die nutzbare Feldkapazität des durchwurzelbaren Bodenraumes. Die Bewertung er-
folgt in fünf Stufen von sehr gering (1) bis sehr hoch (5).
Für die Flächen im Eingriffsbereich ist der Erfüllungsgrad der "Funktion des Bodens als Lebensraum für
Pflanzen" mit dem Kriterium "Ertragspotenzial" auf 51 % als hoch (Stufe 4) und auf 44 % als mittel (Stufe
3) eingestuft. Kleine Flächenanteile von je unter 2 % sind mit gering (Stufe 2) und sehr hoch (Stufe 5)
bewertet oder es liegt keine Bewertung vor.
Feldkapazität des Bodens
Die "Funktion des Bodens im Wasserhaushalt" wird über das Kriterium "Feldkapazität des Bodens" be-
wertet. Die Feldkapazität des Bodens ist ein Kennwert für seine Wasserspeicherkapazität. Sie entspricht
dem Wassergehalt eines natürlich gelagerten Bodens, der sich bei Wassersättigung gegen die Schwer-
kraft einstellt. Die Bewertung erfolgt in fünf Stufen von sehr gering (1) bis sehr hoch (5).
Die "Funktion des Bodens im Wasserhaushalt" mit dem Kriterium "Feldkapazität des Bodens" wird auf
77 % der Eingriffsfläche als mittel (Stufe 3) hinsichtlich des Erfüllungsgrades eingestuft. 17 % der Fläche
weisen eine geringe Bewertung (Stufe 2) auf. Die übrigen Flächen erfüllen die Bodenfunktion auf 3,6 %
in einem hohen Maße (Stufe 4) und auf 0,7 % in einem sehr geringen Maße (Stufe 1). Für 1,3 % der
Flächen liegt keine Bewertung vor, da die Feldkapazität für diese Böden aufgrund des Fehlens von
Eingangsparametern nicht berechnet werden kann.
Nitratrückhaltevermögen des Bodens
Die Funktion des Bodens als "Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium" für stoffliche Einwirkungen auf-
grund der Filter-, Puffer- und Stoffumwandlungseigenschaften, insbesondere auch zum Schutz des
Grundwassers wird über das Kriterium "Nitratrückhaltevermögen" abgebildet. Das Vermögen des Bo-
dens zur Nitratrückhaltung spielt eine Rolle hinsichtlich der Einstufung der Grundwassergefährdung.
Das "Nitratrückhaltevermögen" ist insbesondere von der Sickerwasserrate und dem jährlichen Wasser-
bilanzüberschuss abhängig. Zudem sind die Gründigkeit eines Bodens sowie dessen Substrat maßgeb-
lich. Die Bewertung erfolgt in fünf Stufen von sehr gering (1) bis sehr hoch (5).
Die Funktion des Bodens als "Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium" mit dem Kriterium "Nitratrück-
haltevermögen" wird auf über der Hälfte der Fläche (59 %) zu einem mittleren Maße (Stufe 3) erfüllt.
Auf 35 % der Eingriffsfläche erfolgt eine Einstufung als gering (Stufe 2) und auf jeweils zu etwa 3 % als
sehr gering (Stufe 1) und hoch (Stufe 4).

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
31
Böden mit Archivfunktion
Böden können Archive der Natur- und Kulturgeschichte darstellen, z. B. durch Belege vergangener Be-
wirtschaftungsformen durch den Menschen oder durch charakteristische Horizonte und Bodenschich-
ten, welche die Umwelt- und Standortbedingungen der Bodenentwicklung dokumentieren. Werden Bö-
den, die als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte fungieren, durch Baumaßnahmen temporär oder
dauerhaft durch Baumaßnahmen beansprucht, können sie diese Funktion verlieren. Der Verlust kann
nicht kompensiert werden, weswegen diesen Böden ein besonderer Schutz zukommen muss.
Im Fachbeitrag Bodenschutz wurde das Vorkommen von Archivböden der Natur- und Kulturgeschichte
nach dem LABO-Leitfaden "Archivböden - Empfehlungen zur Bewertung und zum Schutz von Böden
mit besonderer Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte"
2
abgeprüft. Zudem wurde eine neu
entwickelte Methode des HLNUG zur Kennzeichnung von Böden als Archiv der Naturgeschichte auf
Basis der BFD50
3
für den Planbereich der Trinkwasserleitung auf die Daten der BFD25 angepasst.
Im Eingriffsbereich wurden auf 8,5 % der Fläche Böden identifiziert, die als Archiv der Naturgeschichte
eingestuft werden. Hierbei handelt es sich um Tschernitzen (2,9 %), welche reliktische Böden darstellen,
die Zeugen zurückliegender Klimaepochen sein können. Außerdem nehmen Auengleye als Böden der
Altwasserläufe 2,5 % der Eingriffsfläche ein. Auf 2,1 % werden Niedermoore ausgewiesen, die aufgrund
von konservierten Pollen und Pflanzenresten Aufschlüsse über die Vegetations- und Landnutzungsge-
schichte liefern können. Auf 1 % weist die BFD25 Humuspelosole aus, die zu den naturnahen Böden
zählen.
Empfindlichkeiten des Bodens
Gemäß dem Fachbeitrag Bodenschutz besteht im gesamten Bereich der geplanten Trinkwasserleitung
nach dem Erosionsatlas des HLNUG eine äußerst geringe bis sehr geringe Erosionsgefährdung auf den
Ackerflächen. Die Erosionsbewertung nach Cross Compliance des HLNUG weist keine erosionsgefähr-
deten Ackerflächen (CC1 oder CC2) aus
4
.
Auf Basis der vorherrschenden Bodenarten wird des Weiteren im Fachbeitrag Bodenschutz die poten-
zielle Verdichtungsempfindlichkeit der Böden im Trassenbereich eingeschätzt. Über die Hälfte der vor-
kommenden Böden besitzt nach dieser Einschätzung eine hohe bzw. sehr hohe Verdichtungsempfind-
lichkeit.
Gleye, Auengleye, Auenböden und Niedermoore mit deutlichem Grundwassereinfluss nehmen ca.
11,6 % des Trassenbereiches ein. Weitere 6,9 % der Böden sind Pseudogleye (stauwasserbeeinflusste
Böden). Durch die Besonderheiten im Wasserhaushalt sind diese Böden sehr verdichtungsempfindlich.
2
LAZAR S., SCHIPPERS B. UND KAUFMANN-BOLL C. (2011): Archivböden - Empfehlungen zur Bewertung und zum
Schutz von Böden mit besonderen Funktionen als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte. Bund/Länder-
Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO).
3
HLNUG (2020): Böden als Archiv der Naturgeschichte. Methode auf Basis der BFD50. Unveröffentlichter
Entwurf, Stand: 06.03.2020
4
HLNUG (2020): BodenViewer Hessen. Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie.
http://bodenviewer.hessen.de
[aufgerufen am 22.06.2020]

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
32
Neben dem Grundwassereinfluss weisen Niedermoore einen hohen Anteil an organischer Substanz
auf. Sie sind aufgrund ihres Wasser- sowie Humushaushaltes äußerst verdichtungsempfindlich. Nieder-
moore in unterschiedlichen Ausprägungen bzw. Überprägungen kommen auf ca. 2,1 % der Fläche im
Trassenbereich vor.
Vorbelastungen
In der Karte der Altablagerungen des Umweltatlas Hessen (HLNUG) sind entlang der Trasse keine
Altablagerungen und Altlasten eingetragen. Im Umfeld der Trasse befinden sich zwei sanierte Altlasten
in Hahn sowie in Goddelau. Auch sonstige schädliche Bodenveränderungen sind im Plangebiet keine
vorhanden.
Für den Planungsbereich der Trasse bestehen Vorbelastungen in Form von Verdichtungen und Versie-
gelungen im Bereich von bestehenden Wegen/Straßen.
Die Flächen im Untersuchungsgebiet werden überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Es ist davon aus-
zugehen, dass nutzungsbedingt keine stofflichen Belastungen vorliegen, insofern eine ordnungsge-
mäße landwirtschaftliche Nutzung erfolgt ist.
3.6
Schutzgut Wasser
Die Trasse verläuft zu einem großen Teil innerhalb Trinkwasserschutzgebiete.
Es handelt sich dabei um:
-
festgesetztes Wasserschutzgebiet "WW
Allmendfeld
,
Hessenwasser
" (Schutzzone II und III A)
-
im Neufestsetzungsverfahren befindliches Wasserschutzgebiet "WW
Pfungstadt
, "
(Schutzzone II und III)
-
festgesetztes Wasserschutzgebiet "WW
Eschollbrücken
,
Hessenwasser
" (Schutzzone II und III)
-
im Festsetzungsverfahren befindliches Wasserschutzgebiet "Brunnen I und II
Philippshospital
"
(Schutzzone IIIB)

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
39
4.
Beschreibung der möglichen Umweltauswirkungen des Vorhabens
4.1
Art der Umweltauswirkungen
Im Folgenden werden sowohl die direkten als auch die etwaigen indirekten, sekundären, kumulativen,
grenzüberschreitenden, kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen, ständigen und vorübergehenden,
positiven und negativen Auswirkungen des Vorhabens betrachtet.
4.1.1
Baubedingte Umweltauswirkungen
Für die Bauphase sind vorübergehende Bauflächen (= baubedingte vorübergehende Überformung) mit
einer Gesamtgröße von 47,6 ha erforderlich. Sie setzten sich zusammen aus:
-
Trassenbaufeld (i. d. R. 25 m breiter Korridor parallel zur Wasserleitung, stellenweise reduziert auf
bis zu ca. 10 m): 23,73 ha
-
Baustelleneinrichtungsflächen für die Herstellung der Baugruben und Bauwerke (Schachtbauwerke/
Vortriebsgruben): 5,58 ha
-
Baustraßen (größtenteils bestehende Straßen und Wege, die im jetzigen Zustand für eine Befahrung
mit Baumaschinen und Lkw geeignet sind und in geringem Maße auch unbefestigte Flächen, für die
ein kompletter Neuaufbau einer Baustraße mit einer Mindestbreite von 4 m erforderlich wird): 9,33 ha
-
Bodenlager: 8,98 ha (zentrale Zwischenlagerflächen für überschüssigen Boden)
Die Flächen werden nach Beendigung der Bauphase außerhalb des dauerhaft freizuhaltenden Schutz-
streifens vollständig wiederhergestellt. Bei einzelnen Biotopen ist eine sofortige gleichartige Wiederher-
stellung nicht möglich (z. B. Wiederherstellung von Wiesenrainen und Neupflanzung von Gehölzen).
Dadurch entsteht bei Wiederherstellung der Flächennutzungen ein Biotopwertverlust von 61 995 Wert-
punkten, der durch entsprechende Ausgleichsmaßnahmen zu kompensieren ist. Der Kompensations-
bedarf ist im Landschaftspflegerischen Begleitplan (Teil 4.1, Kapitel 4.2) detailliert hergeleitet und auf-
geschlüsselt.
4.1.2
Anlagenbedingte Umweltauswirkungen
Durch die Verlegung der Wasserleitung wird natürlicher Boden, Wasser, Natur und Landschaft in An-
spruch genommen. Über den eigentlichen Graben für die Wasserleitung hinaus ist gemäß DVGW- und
VDE-Empfehlungen ein Schutzstreifen zur dauerhaften Freihaltung einzurichten.
Innerhalb des Schutzstreifens dürfen keine betriebsfremden Bauwerke errichtet werden, keine Gehölze,
die den Betrieb und die Instandhaltung der Leitung beeinträchtigen könnten, wachsen und keine Schütt-
güter, Baustoffe und wassergefährdende Stoffe gelagert werden.
Die Breite der Schutzstreifen beträgt in der Regel (jeweils ausgehend von der Mittelachse der Leitung)
10 m. Für die unterirdischen Schächte ist des Weiteren ein oberirdischer Schutzstreifen mit einer Größe
von meist 155 m² vorzusehen.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
40
Aus dem Schutzstreifen für Trasse und Schächte sowie den dauerhaften Zuwegungen ergibt sich eine
anlagenbedingte dauerhafte Freihaltung auf insgesamt 19,1 ha.
Sie setzt sich zusammen aus:
-
Flächen, auf denen die ursprünglichen Biotope wiederhergestellt werden (Schutzstreifen, bauliche
Anlagen): 17,65 ha
-
Flächen, die dauerhaft mit wassergebundener Decke teilversiegelt bleiben (Betriebswege): 1,22 ha
-
Flächen, die dauerhaft mit Asphalt versiegelt bleiben (Betriebsflächen um Schachtbauwerk): 0,24 ha
Insgesamt entsteht durch die anlagenbedingte dauerhafte Freihaltung ein Kompensationsbedarf von
244 949 Biotopwertpunkten. Die Herleitung ist im Landschaftspflegerischen Begleitplan (Teil 4.1, Kapi-
tel 4.3) nachzulesen.
4.1.3
Betriebsbedingte Umweltauswirkungen
Der Betrieb der verlegten Leitung hat nur wenige Auswirkungen auf Natur und Landschaft. Da es sich
um eine unterirdisch verlegte Erdleitung handelt, werden Tiere und Pflanzen sowie das Landschaftsbild
durch die Leitungen nicht berührt. Auch mittelbar bzw. indirekt (z. B. durch Kontrollen, Reparaturen oder
Zulieferungen) sind solche Auswirkungen nicht erkennbar.
An Tiefpunkten der Wasserleitung werden im Zuge der Erstherstellung und selten im Zuge des dauer-
haften Betriebes (z. B. bei einer voraussichtlich sehr seltenen Havarie oder Reparatur) kontrollierte Ent-
leerungen erfolgen. Diese Entleerungen werden diffus in der Fläche verbracht (u. a. auch bei Gewäs-
sern in der näheren Umgebung). Die hydraulischen und bezüglich der Gewässergüte gegebenenfalls
sensiblen Gewässer III. Ordnung werden dadurch vollständig geschont (siehe auch Kap. 4.2.5).
Bei Tiefpunkten in unmittelbarer Nähe von Modau und Sandbach (= Gewässer II. Ordnung) wird vor-
aussichtlich eine direkte Einleitung (mit Froschklappe) des Wassers mit Trinkwasserqualität in die Ge-
wässer erfolgen (Entleerungsbauwerke "D_TLRie2_YE0010b" und "D_TLRie2_YE0019b").
Aus Vorsorgegründen müssen diese Entleerungen außerhalb der Hauptlaichzeit der Süßwasserfische
von Januar/Februar bis April/Mai und grundsätzlich nicht an hydraulisch bereits vorbelasteten Abschnit-
ten (wie Prallhängen mit kritischer Seitenerosion oder Tiefererosion wegen hoher Fließgeschwindigkeit)
stattfinden. Wegen den sehr seltenen Entleerungen sowie unter der Voraussetzung der o. g. Auflagen
ist weder bezüglich der Wassergüte noch bezüglich der Gewässermorphologie ein wesentlicher Eingriff
in die Gewässer erkennbar.
Ist bei der Entleerung eine Spülung erforderlich, muss diese mit chemisch unbedenklichem Spülwasser
erfolgen (z. B. Wasserstoffperoxid neutralisiert sehr schnell an der Luft) - siehe FB WRRL (Teil 5.2)
und LBP (Teil 4.1). Eine Unbedenklichkeitsprüfung hat vor Ort durch
Hessenwasser
zu erfolgen.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
41
4.2
Art der Betroffenheit der Schutzgüter
4.2.1
Auswirkungen auf Schutzgut Mensch, menschliche Gesundheit
Die Bauarbeiten im Zuge der Herstellung der Wassertrasse sind mit Lärm- und Staubemissionen ver-
bunden. Insbesondere der Lkw-Verkehr für Zu- und Abtransport wird zu Beeinträchtigungen, insbeson-
dere der Erholungssuchenden führen. Im Bereich der offenen Verlegestrecken werden übliche Lärmpe-
gel im Sinne eines Tiefbauvorhabens erreicht, die zeitlich und lokal sehr begrenzt sind, da in Abschnitten
von wenigen 100 m gearbeitet wird.
Im Bereich der Vortriebsstrecken entstehen infolge der Maschinen für den Rohrvortrieb zusätzliche
Lärmemissionen, die jedoch punktuell begrenzt sind.
Es handelt sich insgesamt immer um zeitlich und räumlich begrenzte Auswirkungen, von denen voraus-
sichtlich keine Gesundheitsgefährdungen ausgehen, da technische und rechtliche Anforderungen für
die eingesetzten Baumaschinen für einen bestimmungsgemäßen Betrieb einzuhalten sind. Nach Been-
digung der Bauphase bleiben keine Beeinträchtigungen zurück.
Im Rahmen der Baumaßnahmen werden die Vorgaben der AVV Baulärm eingehalten.
Bei der baulichen Umsetzung der Trassenplanung ist der Arbeitsschutz auf Baustellen zu gewährleis-
ten.
Auf Baustellen sind die Beschäftigten besonderen Gefährdungen ausgesetzt, weswegen es viele spe-
zifische und einzuhaltende Regeln gibt. Gefahren auf Baustellen haben vielfältige Ursachen. Witte-
rungseinflüsse, Arbeiten mit Verschüttungs- und/oder Absturzgefahr, Termindruck und mangelnde Ab-
sprachen erhöhen das Verletzungsrisiko für Bauausführende und sonstige Beteiligte. Insbesondere sind
folgende Vorschriften und Regeln bezüglich des Arbeitsschutzes auf Baustellen einzuhalten:
- Baustellenverordnung (BaustellV)
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
- Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
- PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV)
- Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
Allen voran sind die bauausführenden Unternehmen für den Arbeitsschutz auf Baustellen zuständig.
Dabei müssen folgende Regeln beachtet werden:
- für alle relevanten Tätigkeiten sind Gefährdungsabschätzungen vorzunehmen und die daraus resul-
tierenden Maßnahmen umzusetzen
- die Arbeitsabläufe sind der Arbeitssicherheit entsprechend zu planen und auszuführen
- die erforderliche Schutzausrüstung und -ausstattung ist vorzuhalten und einzusetzen
- die genutzten Arbeitsmittel müssen den Regeln der Arbeitssicherheit entsprechen
- die Arbeitsstätte muss sicher sein.
Anlagen- und betriebsbedingt ist mit keinen Auswirkungen auf das Schutzgut Mensch und die mensch-
liche Gesundheit zu rechnen.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
42
4.2.2
Auswirkungen auf Schutzgut Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt
Im Zuge der Bauphase kommt es zu temporärem Biotopverlust durch das Baufeld (23,73 ha), durch
Baugruben für Schächte (5,58 ha), durch Baustraßen (9,33 ha) und Bodenlager (8,98 ha).
Damit werden diese Lebensräume für Tiere und Pflanzen zeitweise zerstört. Die Arten werden verdrängt
und sind gezwungen auf andere Lebensräume im Umfeld auszuweichen.
Alle diese vorübergehenden Biotopverluste werden unmittelbar nach Verlegung der Leitung an Ort und
Stelle - oder bei Gehölzen in gegebenenfalls unmittelbarer Umgebung - gleichartig wiederhergestellt.
Nach Beendigung der Bauphase bleibt in diesen Bereichen kein Eingriff zurück.
Lärm- und Staubemissionen sowie das erhöhte Verkehrsaufkommen führen während dem Bau zu einer
Störung der Tierwelt. Je nach Zeitpunkt der Durchführung der Arbeiten ist mit einer Störung der Repro-
duktion zu rechnen (siehe spezifische Vermeidungsmaßnahmen in LBP/Teil 4.1.1, Kap. 4 sowie ASP,
Teil 4.2).
Im dauerhaften Schutzstreifen können Offenlandbiotope wiederhergestellt werden. Lediglich eine Be-
pflanzung mit Gehölzen ist nicht mehr möglich, wodurch dauerhaft Lebensraum in Form von Reproduk-
tionsstätten (oder sonstigen Teil-Lebensräumen, wie Ruheplätzen, Ansitzwarten, Nahrungsräumen etc.)
verloren geht. Ackerbauliche Nutzung ist in der Regel weiter möglich.
Ergebnis der Artenschutzrechtlichen Prüfung (siehe Teil 4.2)
Für einzelne Arten/Artengruppen sind zur Abwendung artenschutzrechtlicher Verbotstatbestände spe-
zielle Vermeidungsmaßnahmen erforderlich. Diese bestehen zum einen in zeitlichen Beschränkungen
von Rodungen, der naturschutzfachlichen Begleitung von Maßnahmen zur Baufeldräumung sowie der
bauzeitlichen Errichtung von Schutzmaßnahmen.
Zum anderen ist eine Maßnahme bezüglich von Habitatverlusten des im Wirkraum nachgewiesenen
Rebhuhns erforderlich, die im zeitlichen Vorlauf zum Beginn der Bauarbeiten als CEF-Maßnahme öst-
lich von Goddelau vorgesehen ist.
Die Bewertung der potenziellen Beeinträchtigungen kommt unter Berücksichtigung der vorgesehenen
Maßnahmen zu dem Ergebnis, dass durch das Vorhaben keine Verbotstatbestände im Sinne von § 44
BNatSchG ausgelöst werden. Ausnahmen nach § 45 (7) BNatSchG sind daher nicht erforderlich.
4.2.3
Auswirkungen auf Schutzgut Fläche
Durch die baubedingte vorübergehende Überformung durch Baufeld, Baugruben, Baustraßen und Bo-
denlager werden insgesamt 47,6 ha Fläche in Anspruch genommen. Die betroffenen Biotoptypen wer-
den nach Beendigung der Baumaßnahme aber wiederhergestellt.
Durch den Schutzstreifen wird dauerhaft eine Fläche von 19,1 ha in Anspruch genommen. Allerdings
kann auch hier der überwiegende Teil der Biotope (17,65 ha) wiederhergestellt werden. Lediglich
1,22 ha der Flächen werden dauerhaft mit Schotterrasen teilversiegelt und nur 0,24 ha dauerhaft mit
Asphalt versiegelt.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
43
4.2.4
Auswirkungen auf Schutzgut Boden
Die Bau- und Betriebsflächen können die Böden und ihre Bodenfunktionen potenziell erheblich beein-
trächtigen oder zerstören.
Insbesondere folgende Wirkfaktoren sind relevant:
- Versiegelung,
- Abgrabung/Bodenabtrag,
- Ein- und Ablagerung von Material unterhalb oder ohne eine durchwurzelbare Bodenschicht,
- Verdichtung,
- Erosion,
- Stoffeintrag bzw. -austrag mit bodenchemischer Wirkung,
- Bodenwasserhaushaltsveränderungen
Für die geplante Trasse ergibt sich hinsichtlich des Schutzgutes Boden eine temporäre Inanspruch-
nahme (Bodenlager, BE-Baugruben Schächte, Bauflächen Trasse, Baustraßen neu, Betriebsfläche Ur-
zustand) von 512 224 m² (51,22 ha), auf der eine bauzeitliche Beeinträchtigung durch Verdichtung,
Stoffeintrag und Erosion erfolgt.
(Bei der Bilanzierung des rein naturschutzfachlichen Eingriffes beträgt die temporäre Eingriffsfläche
65,25 ha - bestehend aus 47,6 ha baubedingtem Eingriff und 17,65 ha Wiederherstellung des Ur-Zu-
standes im Schutzstreifen. Der Eingriff in das Schutzgut Boden weicht davon ab, da hier nur Flächen
mit Bodenfunktionsbewertung betrachtet werden. Bei den restlichen Flächen - ca. 13 ha - handelt es
sich um bestehende Wege.)
Im Fachbeitrag Bodenschutz wird auf Grundlage der Bodenfunktionen der bodenfunktionale Kompen-
sationsbedarf ermittelt (siehe Teil 5.1). Der Kompensationsbedarf in Bodenwerteinheiten (BWE) ergibt
sich aus der Differenz der Wertstufen (WS) der Bodenfunktionsbewertung vor und nach dem Eingriff,
multipliziert mit der Eingriffsfläche in ha
6
. Die Herleitung des Kompensationsbedarfes für das Schutzgut
Boden ist dem Fachbeitrag Bodenschutz zu entnehmen.
Nach Berücksichtigung der vorgesehenen Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen verbleibt ein
Ausgleichsbedarf für den baubedingten temporären Eingriff in das Schutzgut Boden von 33,17 BWE.
Dieser muss durch geeignete bodenfunktionsbezogene Ausgleichsmaßnahmen kompensiert werden.
6
MILLER R., FRIEDRICH K., SAUER S. UND VORDERBRÜGGE T. (2019): Kompensation des Schutzgutes Boden in der
Bauleitplanung nach BauGB. Arbeitshilfe zur Ermittlung des Kompensationsbedarfes für das Schutzgut Boden
in Hessen und Rheinland-Pfalz. Umwelt und Geologie. Böden und Bodenschutz in Hessen, Heft 14, 2. Auf-
lage. Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Wiesbaden.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
54
6.
Maßnahmen zur Vermeidung bzw. zum Ausschluss oder Verminderung erheblicher
nachteiliger Umweltauswirkungen
Zur Vermeidung und Minderung der Eingriffe durch die baubedingte vorübergehende Überformung
(Bauflächen, Baustraßen, Bodenlager) sowie die anlagenbedingte dauerhafte Freihaltung (Betriebsflä-
chen) wurden folgende Maßnahmen im Landschaftspflegerischen Begleitplan festgelegt:
-
Entwicklung von eingriffsmindernden Trassenalternativen
-
Reduzierung Bauflächen bei ökologisch sensiblen Bereichen
-
Gewässerkreuzung in geschlossener Bauweise/Pressung
-
Eingriffsvermeidung bei offenen Gewässerquerungen
-
Schutz des Bodens/Grundwassers
-
Wiederverwendung von Bodenmaterial, Entsorgung der Überschussmassen
-
Vorgaben für Baustelleneinrichtung/Bauausführung
-
Bauzeitenregelungen
-
Schutz angrenzender Gehölze und geschützter Biotope
-
Bauzeitenregelung Grundwasserhaltung
-
Archäologische Voruntersuchung
-
Schutzmaßnahme Wiesenknopf-Wiese
-
Maßnahmen für Fledermäuse: Baumhöhlenkartierung und Besatzkontrolle, Ausbringen von Fleder-
mauskästen
-
Maßnahmen für die Haselmaus: Kontrolle spezieller Gehölzbestände vor Beginn der Rodungsar-
beiten
-
Maßnahmen für Vögel: Anbringen von Nistkästen
-
Maßnahmen für Vögel: Horst-/Brutplatzkontrolle
-
Maßnahmen für Amphibien und Reptilien: Errichtung bauzeitlicher Amphibienschutzzäune
-
Maßnahmen für Amphibien und Reptilien: Vermeidung der Besiedlung des Baufeldes durch die
Kreuzkröte
-
Maßnahmen für Amphibien und Reptilien: Bauzeitliche Schutzeinrichtungen für die Zauneidechse
-
Ökologische Baubegleitung (ÖBB)
-
Bodenkundliche Baubegleitung (BBB)

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
55
7.
Maßnahmen zur Kompensation der verbleibenden nachteiligen Umweltauswirkungen
Als Kompensationsmaßnahmen wurden festgelegt:
-
Wiederherstellung der ursprünglichen Biotope
-
Naturnahe Wiederherstellung/Aufwertung der offen gequerten Gewässer
-
Bodenmaßnahme: Überdeckung Schachtbauwerke
-
HLG-Ökopunkte "Niddarenaturierung Niddaknie Karben"
Als CEF-Maßnahme wurden die Herstellung eines Blühstreifens für das Rebhuhn festgelegt.
Durch die festgelegten Vermeidungsmaßnahmen wird der Eingriff erheblich minimiert. Der baubedingte
Eingriff im Baufeld wird vor Ort ausgeglichen. Der verbleibende Kompensationsbedarf durch Wertpunkt-
verlust wird durch Ökopunkte des HLG-Ökokontos "Niddarenaturierung Niddaknie Karben" vollständig
kompensiert.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
61
Die Beschreibung der möglichen erheblichen Umweltauswirkungen erfolgte verbal argumentativ. Art
und Größe der Eingriffe wurden durch Verschneidung der Biotoptypenkartierung mit den Bau- und Be-
triebsflächen in ArcGIS ermittelt. Auf dieser Grundlage wurden den einzelnen Nutzungstypen die jewei-
ligen Wertpunkte gemäß der Kompensationsverordnung Hessen 2018 vergeben und daraus der Kom-
pensationsbedarf berechnet.
Schwierigkeiten bei der Erstellung des UVP-Berichtes traten nicht auf.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
62
12.
Allgemein verständliche, nichttechnische Zusammenfassung
Der Vorhabenträger
plant eine redundante Neuverlegung der Riedleitung zur Sicherstellung der
Trinkwasserversorgung in der Metropolregion Frankfurt/RheinMain. Der südliche Abschnitt vom
Wasserwerk
Allmendfeld
bis
Riedstadt-Wolfskehlen
mit Anschluss des Wasserwerks
Eschollbrücken
an das Verbundsystem ist Gegenstand des Genehmigungsverfahrens und hat eine Länge von 18,4
km. Nach Abschluss der Bauarbeiten hat das Projekt keine wesentliche oberirdische Flächenbe-
anspruchung.
Sehr frühzeitig wurden verschiedene vernünftige Alternativen für die Umsetzung der Planungsziele ge-
prüft. Insgesamt haben die großräumigen Alternativenprüfungen, Alternativenprüfungen innerhalb eines
bis zu 1,8 km breiten Korridors sowie die gewählten Ausbauvarianten dazu geführt, eine optimierte
Trasse zu finden, die zu möglichst geringen Beeinträchtigungen nach UVPG führt.
Die Bauarbeiten sind innerhalb der gesetzlichen Regelungen mit Lärm- und Staubemissionen verbun-
den, die temporär zu Beeinträchtigungen der Bevölkerung und damit dem Schutzgut Mensch und
menschliche Gesundheit führen können.
Durch die vorübergehende Überformung, aber insbesondere durch die dauerhafte Inanspruchnahme
von Flächen, werden diese Lebensräume für Tiere und Pflanzen (zeitweise) zerstört. Ein Großteil der
Biotope kann nach Beendigung der Bauphase wiederhergestellt werden. Gemäß dem Landschaftspfle-
gerischen Begleitplan (Teil 4.1 der Antragsunterlagen) ist das Vorhaben bei Berücksichtigung und Um-
setzung aller genannten Maßnahmen mit den Belangen der Eingriffsregelung vereinbar. Die Arten-
schutzrechtliche Prüfung (Teil 4.2) kommt unter Berücksichtigung der vorgesehenen Maßnahmen zu
dem Ergebnis, dass durch das Vorhaben keine Verbotstatbestände im Sinne von § 44 BNatSchG aus-
gelöst werden. Die Natura 2000-Vorprüfung (Teil 4.3) kommt zu dem Ergebnis, dass die Erhaltungsziele
des Vogelschutzgebietes "Hessische Altneckarschlingen" durch das Vorhaben nicht erheblich beein-
trächtigt werden.
Für die Bauphase sind vorübergehende Bauflächen (baubedingte vorübergehende Überformung) mit
einer Gesamtgröße von 47,6 ha erforderlich. Aus dem Schutzstreifen für Trasse und Schächte sowie
den dauerhaften Zuwegungen (Betriebswegen) ergibt sich eine anlagenbedingte dauerhafte Freihaltung
auf insgesamt 19,1 ha Fläche. Davon werden insgesamt 1,46 ha dauerhaft versiegt bzw. teilversiegelt
(siehe LBP, Teil 4.1).
Für die geplante Trasse ergibt sich gemäß dem Fachbeitrag Bodenschutz (Teil 5.1) hinsichtlich des
Schutzgutes Boden eine temporäre Inanspruchnahme von 51,22 ha
11
, auf der eine bauzeitliche Beein-
trächtigung durch Verdichtung, Stoffeintrag und Erosion erfolgt. Nach Berücksichtigung der vorgesehe-
nen Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen verbleibt ein Ausgleichsbedarf für den baubedingten
temporären Eingriff in das Schutzgut Boden von 33,17 BWE. Die Vorgaben aus dem Fachbeitrag Bo-
denschutz (Teil 5.1) wurden in der Gesamtheit beachtet und die ausgelöste bodenfunktionale Beein-
trächtigung wird durch die festgesetzten Maßnahmen nach Kompensationsverordnung Hessen ausge-
glichen.
11
Abweichung zu naturschutzfachlichem Eingriff (65,25 ha gesamter temporärer Eingriffsraum = 47,6 ha bau-
bedingter vorübergehender Eingriff plus 17,65 ha Wiederherstellung des Ur-Zustandes im dauerhaften
Schutzstreifen), da beim Boden nur Flächen mit Bodenfunktionsbewertung betrachtet werden.

Redundante Neuverlegung der
Trinkwasserleitung
UVP-Bericht
63
Auf der gesamten Trasse werden 12 Oberflächengewässer gequert. Sechs der 12 Gewässerkreuzun-
gen werden in geschlossener Bauweise durch Pressung durchgeführt, sodass keine Beeinträchtigun-
gen entstehen. Bei den offen gequerten Gewässern sind Grundwasserabsenkungen geplant, die keine
dauerhaften Auswirkungen auf den Wasserhaushalt haben. Gemäß dem FB Wasserrahmenrichtlinie
(Teil 5.2) gilt für den betroffenen Grundwasserkörper, dass der "gute" mengenmäßige Zustand und der
"schlechte" chemische Grundwasserkörperzustand durch die geplante Baumaßnahme nicht ver-
schlechtert werden. Das Bauvorhaben steht auch nicht im Widerspruch zum Verbesserungsgebot.
Die Baumaßnahme führt zu Staubemissionen. Darüber hinaus entstehen durch die unterirdisch verlegte
Leitung keine Beeinträchtigungen des Klimas.
Fast alle bekannten Bodendenkmäler liegen außerhalb der Bau- und Betriebsflächen. Die Bodendenk-
mäler "
Allmendfeld
40" und "
Allmendfeld
34" liegen innerhalb des Arbeitsstreifens. Sie sind während
bzw. im Vorlauf der Bauphase zu berücksichtigen (siehe Archäologische Voruntersuchung).
Auch die weiteren Anforderungen nach § 16 bzw. Anlage 4 UVPG (sonstige Emissionen, Zusammen-
wirken mit anderen Vorhaben, Anfälligkeiten des Vorhebens etc.) sind beachtet und stehen dem Vor-
haben nicht entgegen.
Zur Vermeidung und Verminderung von Beeinträchtigungen finden zahlreiche Maßnahmen statt, wie
die Reduzierung von Bauflächen bei sensiblen Bereichen, Gewässerkreuzungen in geschlossener Bau-
weise, Artenschutzmaßnahmen und Bauzeitenbeschränkungen.
Dennoch entsteht insgesamt ein Eingriff bezüglich des Biotopwertes (Verlust 306.944 Biotopwert-
punkte) und des Bodenwertes (51,46 Bodenwerteinheiten/BWE). Dieser wird durch Maßnahmen im
Plangebiet (Wiederherstellung der Biotope, Aufwertung Gewässer) sowie durch Ökopunkte des Öko-
kontos "Niddarenaturierung Niddaknie Karben" der Hessischen Landgesellschaft mbH/HLG kompen-
siert. Der Eingriff wird damit vollständig kompensiert.
Zusammenfassend sind - bei Berücksichtigung der genannten Vermeidungs- und Kompensationsmaß-
nahmen - durch die neue redundante Riedleitung Süd
keine erheblichen nachteiligen Umweltaus-
wirkungen
zu erwarten.