Handlungsempfehlungen für die Praxis zur Umsetzung des eingeschränkten Regelbetriebs ab 18. Mai 2020
in der Kindertagesbetreuung
1
Stand: 08.05.2020
1
Handlungsempfehlungen für die Praxis zur Umsetzung des eingeschränkten
Regelbetriebs ab 18. Mai 2020 in der Kindertagesbetreuung
1
1. Gesundheit der Kinder, Eltern und Beschäftigten
Voraussetzung für eine gute Umsetzung des Konzeptes zur Wiedereröffnung der
Kindertagesbetreuung ist es, dass ausschließlich gesunde Kinder ohne Anzeichen der
Krankheit COVID-19 betreut werden. Auch das Personal muss gesund sein, ebenso die
Eltern oder anderen Personen, die das Kind zur Kindertagesbetreuung bringen.
Die Eltern dokumentieren täglich, dass bei ihren Kindern keine Krankheitssymptome von
COVID-19 vorliegen. Das schließt sämtliche Mitglieder des Hausstandes ein.
Die Einrichtungsleitung kann ein Kind mit Krankheitssymptomen zurückweisen.
2. Mund-Nasen-Bedeckungen (MNB)
Kinder sollten in der Kindertageseinrichtung und in der Kindertagespflege keine Mund-
Nasen-Bedeckung tragen. Es besteht das Risiko eines unsachgemäßen Gebrauches.
Es ist ratsam, im Kontakt zu anderen Erwachsenen (Kollegen, Eltern, Externe …) eine
Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Ebenso sollten die Eltern in der Bring- und
Abholsituation eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.
Für das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im pädagogischen Alltag sollte im Rahmen
einer Gesamtabwägung insbesondere die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation im
frühkindlichen Bereich betrachtet werden. Es wird empfohlen, eine Mund-Nasen-Bedeckung
situationsbezogen einzusetzen, z. B. bei pflegerischen Tätigkeiten. Hierbei sollte ein
chirurgischer Mund-Nasen-Schutz getragen werden (Medizinprodukt DIN EN 14683:2019-6
mit CE Kennzeichen). Diese Mund-Nasen-Bedeckung ist bei Bedarf vom Einrichtungsträger
gegebenenfalls auch außerhalb der aktuellen Sachkostenpauschale zur Verfügung zu
stellen. Das Tragen von FFP2 oder FFP3-Masken durch pädagogische Fachkräfte ist nicht
notwendig. Personal mit besonderen gesundheitlichen Risiken ist vom Betriebsarzt bezüglich
des individuellen Risikos und den entsprechenden Einsatzmöglichkeiten zu beraten.
Handhabungshinweise sind im Hinweisblatt dargelegt.
3. Hygieneregeln
Jede Kindertageseinrichtung und jede Kindertagespflegestelle hat einen aktualisierten und
auf die COVID-19-Situation angepassten Rahmenhygieneplan zu erstellen und einzuhalten.
Die hierfür benötigten Hygieneartikel (z. B. MNB, Einmalhandschuhe, Papierhandtücher),
Desinfektions- und Reinigungsmittel sind vom Träger ggf. auch zusätzlich zur aktuellen
Sachkostenpauschale zur Verfügung zu stellen.
Falls nicht im Hygieneplan vorgesehen, sollten die Hygienemaßnahmen mindestens wie folgt
erweitert werden:
besonders wichtig: vermehrtes Händewaschen und die Erstellung eines
Hautschutzplanes für Beschäftigte und Kinder; auf jeweils geeignete Hautschutzmittel
ist zu achten
Sanitärräume sind mit ausreichend Seifenspendern und Einmalhandtüchern
auszustatten
1
Die vorliegenden Hinweise wurden in Anlehnung an die durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales
unter Mitarbeit der Kommunalen Unfallversicherung Bayern, des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und
Lebensmittelsicherheit sowie des Staatsinstituts für Frühpädagogik erstellte „Handreichung für die Kindertagesbetreuung in Zeiten
des Coronavirus“, Stand 24. April 2020, formuliert und durch Angaben der Ad-hoc-Arbeitsgruppe des Sächsischen
Staatsministeriums für Kultus ergänzt.

Handlungsempfehlungen für die Praxis zur Umsetzung des eingeschränkten Regelbetriebs ab 18. Mai 2020
in der Kindertagesbetreuung
1
Stand: 08.05.2020
2
Kontaktflächen: täglich mit dem im Rahmenhygieneplan vorgesehenen
Reinigungsmittel reinigen
(
https://www.gesunde.sachsen.de/download/Download_Gesundheit/RHPl_Schulen.pdf
)
Handkontaktflächen: wie bspw. Türklinken, Tischoberflächen, Fenstergriffe, in
Kinderkrippen auch Fußböden, je nach Bedarf auch häufiger am Tag reinigen
altersgemäße Vermittlung und regelmäßiges Üben (Einführen von Ritualen) der
Hygieneregeln (richtiges Händewaschen, Husten und Nießen in den Ellbogen) –
hierzu ist eine vorherige Verständigung im Team notwendig, um gleiche Regeln
einzufordern.
Darüber hinaus gilt:
die Anwendung von Desinfektionsmitteln sollte auf die im Rahmenhygieneplan
vorgesehenen Anwendungsbereiche beschränkt werden; insbesondere Kinder sollten
keine Handdesinfektion vornehmen)
routinemäßige Flächendesinfektionsmaßnahmen sind nicht erforderlich, eine
Reinigung mit einem handelsüblichen Reiniger ist ausreichend
sämtliche Personen, welche die Kindertageseinrichtung oder die
Kindertagespflegestelle betreten, sollten sich unverzüglich und gründlich die Hände
waschen (eine zusätzliche Handdesinfektion ist nicht zielführend;
die Betreuungsräume sind häufig, mindestens viermal täglich, für 10 min. zu lüften.
Das Tragen von Schutzkleidung durch das pädagogische Personal ist nicht erforderlich. Bei
pflegerischen Tätigkeiten, wie z. B. dem Windeln-Wechseln, wird das Tragen von
Einmalhandschuhen empfohlen.
4. Dokumentation zur Nachverfolgung möglicher Infektionsketten
Infektionsketten müssen jederzeit nachvollziehbar sein. In den Kindertageseinrichtungen
sind offene und teiloffene Konzepte auszusetzen. Es sind feste Gruppen mit festen
pädagogischen Bezugspersonen (möglichst kein Personalwechsel) zu bilden. Die Gruppen
sind gemäß den räumlichen Gegebenheiten festen Räumen zu zuordnen, die auch im
Einzelfall an die besondere Situation angepasst werden müssen.
Je besser die Kontaktpersonen nachverfolgbar sind, desto schneller kann im Infektionsfall
durch das zuständige Gesundheitsamt eine Kategorisierung und Eingrenzung der relevanten
Kontaktpersonen vorgenommen und damit eine komplette Schließung der Einrichtung
vermieden werden.
Die Zusammensetzung der festen Gruppen und der zugewiesenen Betreuer ist tagaktuell zu
dokumentieren (Namen der Kinder und der Betreuungszeiten, Namen der Betreuer und der
Einsatzzeiten). Außerdem ist die Anwesenheit externer Personen (z. B. Handwerker) auf das
Notwendigste zu reduzieren und täglich zu dokumentieren.
5. Personaleinsatz
Die konkrete Ausgestaltung des Personaleinsatzes und der Einsatz spezifischer
Schutzmaßnahmen obliegt dem Arbeitgeber. Dieser kann sich durch den Betriebsarzt
beraten lassen. Die Gefährdungsbeurteilungen sind auf die aktuelle Situation anzupassen.
Jede/r Beschäftigte sollte gemeinsam mit seinem behandelnden Hausarzt das individuelle
Risiko abschätzen. Über Risikogruppen informiert das Robert-Koch-Institut.
Unterstützend kann zusätzliches Personal hinzugezogen werden. Denkbar wären hier
beispielsweise Fachkräfte aus dem Programm „Kinder stärken“, Sprachfachkräfte
(Bundesprogramm) oder FSJ-ler, die an anderen Einsatzstellen nicht benötigt werden.
Bei der Personaleinsatzplanung sind Randzeiten, Urlaubs- und Krankzeiten ebenso zu
berücksichtigen, wie die Gewährleistung der Aufsichtspflicht. Jede Schlüsselunterschreitung
ist dem Landesjugendamt in der bewährten Form anzuzeigen. Die Betriebserlaubnisbehörde

Handlungsempfehlungen für die Praxis zur Umsetzung des eingeschränkten Regelbetriebs ab 18. Mai 2020
in der Kindertagesbetreuung
1
Stand: 08.05.2020
3
wird bei kurzfristigen Unterschreitungen der Festlegungen zu personellen Mindeststandards
nicht aktiv werden. Alle Beteiligten wissen um mögliche Konsequenzen und vertrauen auf
das Verantwortungsbewusstsein der Träger und der kommunalen Ebene.
6. Verhalten beim Auftreten von Krankheitszeichen
siehe Handlungsleitfaden: Umgang mit Corona-Fällen an Schulen und Kitas
7. Empfehlungen für die Gestaltung des Tagesablaufes
Die pädagogische Konzeption ist auf die besondere Situation anzupassen. Sie ist so zu
gestalten, dass das Konzept auch für einen längeren Zeitraum tragfähig bleibt, denn die
Dauer des eingeschränkten Regelbetriebes ist derzeit nicht absehbar.
Die Bring- und Abholsituation sollte so gestaltet werden, dass Kontakte möglichst reduziert
werden (zwischen Beschäftigten und Eltern, Eltern untereinander). Hierbei können
gestaffelte Zeiten helfen. In der Regel sollten die Eltern das Gebäude nicht betreten. Es
werden auf dem Gelände Bring- und Abholzonen eingerichtet, in denen die Eltern ihre Kinder
abgeben können. Dabei müssen von den Eltern Mund-Nasen-Bedeckungen getragen
werden. Für die Übergabe sind altersentsprechend geeignete Rituale zu entwickeln. Den
Eltern ist die Vorgehensweise in geeigneter Form zu vermitteln und sie sind auf die
verbindliche Einhaltung der Regeln hinzuweisen.
Um den Personaleinsatz besser planen zu können, sollten die Eltern wöchentlich nach den
benötigten Betreuungszeiten befragt werden. Eine Kürzung der täglichen Betreuungszeit,
unabhängig vom Betreuungsvertrag, kann in Abstimmung mit den Eltern angestrebt werden,
um kurzfristige Engpässe zu überwinden. Einschränkungen der Angebote insbesondere in
den Randzeiten sind möglich.
Infektionsketten müssen jederzeit nachvollziehbar sein. Offene und teiloffene Konzepte sind
auszusetzen. Es sind feste Gruppen mit festen pädagogischen Bezugspersonen (möglichst
kein Personalwechsel) zu bilden. Eine Gruppe definiert sich im Sinne des Infektionsschutzes.
Es kann zum Beispiel sinnvoll sein, Kinder entsprechend den Betreuungszeiten oder im
Hinblick auf vorhandene Räumlichkeiten zusammen zu fassen. Dabei kann es zur Auflösung
bisheriger Gruppenstrukturen kommen. Sofern möglich, ist es ratsam, Geschwisterkinder in
einer Gruppe zu betreuen, damit bereits im privaten Raum bestehende Kontaktketten
erhalten bleiben. Die Gruppenzusammensetzung muss jederzeit nachvollziehbar
dokumentiert werden. Nur so kann einer Schließung ganzer Einrichtungen im Infektionsfall
vorgebeugt werden.
Die Gruppen sind festen Räumen zu zuordnen, die auch im Einzelfall an die besondere
Situation angepasst werden müssen. Hierfür können neben den üblichen Gruppenräumen
auch Mehrzweckräume, wie der Turnraum genutzt werden. Der Außenbereich ist verstärkt
zu nutzen. Jedoch ist hier ebenso eine Vermischung der Kindergruppen strikt zu vermeiden.
Gemeinschaftsräume, Wasch- und Garderobenräume, der Essbereich sowie das
Außengelände sind festen Gruppen zeitversetzt zu zuweisen. Der Toilettengang sollte so
kurz wie nötig sein, damit bleibt gewährleistet, dass selbst wenn sich Kinder begegnen,
dieser Kontakt von äußerst kurzer Dauer ist und im Sinne des Infektionsgeschehens als
vernachlässigbar gelten kann. Die Essensaufnahme sollte nach Möglichkeit in den
Gruppenräumen oder zeitversetzt stattfinden, so dass auch für diese Zeit gilt, dass sich die
Kindergruppen nicht durchmischen.
Sollten Sprachfördermaßnahmen und therapeutische Förderangebote durch Beschäftigte
stattfinden, so sollen diese möglichst nicht zwischen den Gruppen wechseln. Für
heilpädagogische Kindertageseinrichtungen und heilpädagogische Gruppen wird das
Sächsische Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
Ergänzungen formulieren.

Handlungsempfehlungen für die Praxis zur Umsetzung des eingeschränkten Regelbetriebs ab 18. Mai 2020
in der Kindertagesbetreuung
1
Stand: 08.05.2020
4
Ein wechselseitiger Gebrauch von Alltagsmaterial (z. B. Spielzeug) zwischen den Gruppen
ist zu vermeiden. Vor der Aufnahme neuer Kinder oder der Bildung neuer Gruppen ist eine
Reinigung zu empfehlen.
Beim Ruhen und Schlafen ist das Bettzeug personengebunden und das vollständige
Bettzeug für jedes Kind getrennt aufzubewahren. Nuckel sind für jedes Kind getrennt
aufzubewahren (z. B. in mit dem Erkennungsbild der Kinder gekennzeichneten Kästchen
oder Dosen).
Elterngespräche sollten vorrangig telefonisch oder per Videokonferenz stattfinden. Wenn im
pädagogischen Alltag Kurzgespräche stattfinden, sollte von beiden Erwachsenen eine Mund-
Nasen-Bedeckung getragen und der Abstand von mind. 1,5 m eingehalten werden.
Ausflüge in der näheren Umgebung (Spielplatz., Park, Wald …) sind möglich. Jedoch ist
hierbei auf das Abstandsgebot zu Kita-fremden Personen zu achten und der ÖPNV zu
vermeiden.
Das Betreten der Kindertageseinrichtung/Kindertagespflegestelle durch Externe (z. B.
Fachdienste, Lieferanten) sollte vom Träger auf seine Notwendigkeit hin überprüft und auf
ein Mindestmaß reduziert werden. Die Anwesenheit Externer ist zu dokumentieren.
Sämtliche Externe müssen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.
Weitere Schutzmaßnahmen können individuell und nach Bedarf vereinbart und eingesetzt
werden. Dies gilt insbesondere für Kinder mit heimpädagogischen Förderbedarfen.
8. Eingewöhnung
Die Erst-Eingewöhnung und die Wieder-Eingewöhnung von Kindern, die über einen längeren
Zeitraum nicht in der Kindertagesbetreuung waren, sollte behutsam vollzogen werden.
Die Eingewöhnung ist schrittweise zu vollziehen. Sie sollte zunächst separat mit einer festen
Fachkraft, einem Elternteil und dem Kind in separaten Räumen erfolgen. Wenn der nächste
Schritt erreicht ist, gehen im Anschluss nur das Kind und die Fachkraft länger in die Gruppe.
Ein Kontakt zwischen dem Elternteil und anderen Kindern ist in jedem Fall zu vermeiden.
In der Kindertagespflege sollten das einzugewöhnende Kind und ein Elternteil allein
anwesend sein.
Förderlich kann sich ein älteres Geschwisterkind auswirken, welches ebenfalls betreut wird.
Zum einen kennt das jüngere Kind die Einrichtung, das Personal und andere Kinder bereits
vom Bringen/Abholen des Geschwisterkindes und kann auf diese Erfahrung aufbauen. Zum
anderen kann das ältere Geschwisterkind eine vertraute und begleitende Rolle beim
Übergang auf die Betreuungssituation ohne Elternteil übernehmen.
weiterführende Links:
https://www.der-
paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/doc/200421_orientierungshilfe-kitas-
corona.pdf
https://www.bvktp.de/media/20200420praxistipps__1.pdf