Bedarfsgerecht barrierefreier Wohnraum in Sachsen
barrierefreier Ergebnisbericht
Auftraggeber: Sächsisches Staatsministerium des Inneren
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Vorwort
Mit der vorliegenden Studie stehen in deutschlandweit einmaliger Form Ergebnisse zu den
Wohnbedürfnissen von Menschen mit Behinderungen zur Verfügung. Die Wohnbedarfe
wurden auf Grundlage der Befragung von Betroffenen in drei Regionen Sachsens – dem
Landkreis Bautzen, dem Erzgebirgskreis und der Stadt Leipzig ermittelt. Von 17.100 versen-
deten Fragebögen kamen 2.400 zurück und konnten ausgewertet werden. Es wurden unter-
schiedliche Behinderungsarten berücksichtigt und jeweils spezifische Bedarfe identifiziert. Im
Ergebnis sind detaillierte Kriterienkataloge entstanden, die Bauherren und Architekten bei
der Planung von Neubauten sowie bei Umbau und Modernisierung von Bestandswohnungen
Orientierung geben können.
Untersucht wurde, welche Kriterien bedarfsgerechter Barrierefreiheit in Wohnungen von
Menschen mit Behinderung vorhanden sind und welche von den Bewohnern für eine selbst-
bestimmte und sichere Nutzung als notwendig angesehen werden. Auch die Zufriedenheit
mit der eigenen Wohnsituation und ein möglicher Veränderungsbedarf wurden erfasst. Be-
fragt wurden Menschen mit motorischen wie mit sensorischen Behinderungen. Für beide
Gruppen kamen unterschiedliche Fragebögen zur Anwendung.
Das Ergebnis ist ein Beleg für eine hohe Zufriedenheit der Befragten mit ihrer Lebenssituati-
on, ihrem Wohnumfeld und ihrer Nachbarschaft. Rund 31 Prozent der Befragten sind mit
ihrer Wohnung sehr zufrieden, rund 56 Prozent eher zufrieden. Dieses erfreuliche Ergebnis
muss jedoch auch vor dem Hintergrund einer hohen Kompensationsfähigkeit der Stu-
dienteilnehmer betrachtet werden. Zeigt doch die Studie zugleich, dass die als wichtig einge-
stuften Kriterien für eine den Bedürfnissen angepasste Wohnung nur bei einer Minderheit
der Befragten vollständig erfüllt waren. Es bleibt daher eine große Aufgabe für alle Akteure
des Wohnungsmarktes, mehr bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen zu schaffen, zumal
die Zahl von Menschen mit körperlichen Einschränkungen in den nächsten Jahren weiter
zunehmen wird.
Möge die Studie zum einen dazu beitragen, die Wohnbedarfe von behinderten Menschen
mehr in den Blickpunkt der öffentlichen Diskussion zu rücken und zum anderen beim Neu-
und Umbau von Wohnungen Berücksichtigung finden. Gerade ohnehin anstehende Renovie-
rungen sollten dazu genutzt werden, durch geringe Mehrkosten Barrieren zu reduzieren. Die
Studie zeigt: Die Erfüllung von notwendigen Kriterien ist oft ganz einfach und mit geringem
Aufwand möglich.
Markus Ulbig
Staatsminister des Innern
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Gibt es ausreichend bedarfsgerecht barrierefreie Wohnun-
gen in Sachsen?
Um diese Frage beantworten zu können, wurde im Auftrag des Sächsischen Staatsministeri-
ums des Innern eine umfangreiche Studie durchgeführt. Menschen mit Behinderung wurden
zu ihren persönlichen Erfahrungen mit ihrer eigenen Wohnung befragt. Die Befragten haben
auch Aussagen dazu gemacht, welche Anforderungen sie an ihre Wohnung haben und was
sie bei der Benutzung beeinträchtigt. Mit Hilfe der Ergebnisse sollen Handlungsbedarfe er-
kannt werden und Grundlagen für die Planung konkreter Maßnahmen abgeleitet werden.
Insgesamt konnten 2.400 Antworten von Menschen mit Behinderung in die Auswertung auf-
genommen werden. Aus den Aussagen der Teilnehmer/-innen zu ihren Anforderungen an die
Wohnung wurden MUSS-Kriterien für die Bewertung von Bestandswohnungen definiert.
Sind diese erfüllt, dann kann davon ausgegangen werden, dass die Wohnung bedarfsgerecht
barrierefrei ist. Bei den MUSS-Kriterien wird zwischen motorischer Behinderung und sensori-
scher Behinderung unterschieden. Diese Kriterien stellen ein Mindestanforderungsniveau für
Bestandsbauten dar.
Darüber hinaus wurden erstmals fünf Kriterienkataloge für bedarfsgerecht barrierefreie
Wohnungen erarbeitet. Dabei werden drei unterschiedliche Gruppen motorischer Behinde-
rung und zwei Gruppen sensorischer Behinderung unterschieden. Diese Kriterienkataloge
können als Grundlage für Neubauten für die jeweilige Gruppe herangezogen werden. Für
Menschen mit Behinderung sind die flächenbezogene Anforderungen besonders wichtig, die
ihnen ermöglichen mit ihrem Rollator oder Rollstuhl gut zu Recht zu kommen. Auch die ein-
fache und sichere Überwindung von Höhenunterschieden ist für sie wichtig. Für Menschen
mit sensorischer Behinderung stehen sicherheitsrelevante Anforderungen im Vordergrund.
Besonders wichtig war den Befragten der Gesamtstichprobe auch, ob sie ihren Müllcontainer
gut erreichen und benutzen können.
Erwartungsgemäß waren für die Befragten der Zugangsbereich des Hauses, die Treppen und
Aufzüge und das Bad die Schwerpunktbereiche, in denen fehlende Eigenschaften sie beson-
ders beeinträchtigen. In diesen Bereichen werden Grundlagen benötigt, um bei Bedarf, die
Wohnung an Kompetenzeinschränkungen oder Behinderung anpassen zu können. Wenn die
Wohnung einige wichtige Grundeigenschaften erfüllt, besteht für die meisten Behinderun-
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gen die Möglichkeit, durch Nachrüstung die notwendige bedarfsgerechte Barrierefreiheit
herzustellen.
Notwendige Grundeigenschaften von Wohnungen für Menschen mit motorischer Behinde-
rung sind:
ein leicht und erschütterungsarm befahrbarer Zuweg,
eine leicht zu öffnende und sicher zu durchfahrende Haustür,
ein stufen- und schwellenlos erreichbarer Zugang zur Wohnung,
ausreichend Platz für Bewegung mit dem Hilfsmittel, insbesondere im Bad, und
Möglichkeiten um das Hilfsmittel abzustellen.
Altersbedingt verschlechtern sich Hör- und Sehvermögen bei allen Menschen ab dem 70.
Lebensjahr deutlich.
Deshalb sollten folgende Eigenschaften für alle Wohnungen grundsätzlich erfüllt werden:
Erkennbarkeit von Gefährdungsstellen (z. B. Anfang und Ende von Treppen),
sichere Abstützmöglichkeiten vorhanden (z. B. Haltegriffe im Bad),
ebene und feste Bodenbeläge für eine sichere Fortbewegung, und
bequem und gefahrlos begehbare Treppen.
Dabei sind die meisten dieser Anforderungen durch Nachrüstung erfüllbar.
Die meisten Schwierigkeiten mit ihren bestehenden Wohnungen haben Menschen die einen
Rollstuhl benötigen, geäußert. Dies beruht vermutlich auf dem besonders hohen Bedarf an
Bewegungsfläche. Auch eine zusätzlich anwesende Hilfsperson hat neben dem Betroffenen
und seinem Hilfsmittel, einen weiteren Bedarf an Bewegungsfläche. Das dafür notwendige
Flächenangebot wird zum Beispiel in typischen Mietwohnungen nicht vorgehalten.
Ziel der Studie war es auch, unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung, den
Bestand und den bis 2030 zu erwartenden Bedarf an bedarfsgerechten barrierefreien Wohnun-
gen für den Freistaat Sachsen zu ermitteln.
Aktuell bewohnen in Sachsen 87,8 % der Menschen mit motorischen Behinderungen Woh-
nungen, die die definierten MUSS-Kriterien für bedarfsgerecht barrierefreie Bestandsbauten
nicht oder nur teilweise erfüllen. Es besteht ein absoluter Anpassungsbedarf bei Wohnungen
für motorisch behinderte Menschen, der laut Schätzung von heute etwa 74.000 bis 2030
noch auf 77.000 Wohnungen ansteigt. Menschen mit sensorischen Behinderungen leben
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heute zu 58,3 % in Wohnungen, die die für diese Zielgruppe definierten MUSS-Kriterien nicht
oder nur teilweise erfüllen. Sachsenweit besteht ein Anpassungsbedarf bei Wohnungen für
sensorisch behinderte Menschen, der von heute etwa 26.000 bis 2030 noch auf ca. 27.000
Wohnungen ansteigt.
Trotz der durch die Studie ermittelten Defizite der genutzten Wohnungen, wurde insgesamt
eine hohe Zufriedenheit der Befragten mit Lebenssituation, Wohnung, Wohnumfeld und
Nachbarschaft festgestellt. Die empfundene Beeinträchtigung scheint im Vergleich zu den
objektiven Defiziten vergleichsweise gering zu sein. Die Auswertung der Befragung zeigt ein
hohes Medianalter der befragten Personen (72 Jahre) im Vergleich zum Median in Sachsen
(48,2 Jahre). Möglicherweise sind die hohen Zufriedenheitswerte darauf zurück zu führen.
Andere Studien bestätigen, dass eine höhere Zufriedenheit typisch für ältere Teilnehmer/
-innen ist. Diese sind leichter zufriedenzustellen und anpassungsbereiter als jüngere Men-
schen.
Die Ergebnisse der Studie sind nicht in allen Teilen statistisch belastbar. Es besteht zum
Thema bedarfsgerecht barrierefreier Wohnraum in Sachsen weiterer Untersuchungsbedarf.
Zum Beispiel liegen nicht für alle Einzelkriterien der Wohnung eine ausreichend große Anzahl
von Antworten vor. Auch beruht die Prognose des Bedarfs an bedarfsgerecht barrierefreiem
Wohnraum in Sachsen auf der Schätzung des heute vorhandenen Bestands. Aufgrund der
dafür vorliegenden geringen Datenbasis, war nur eine Bestandsschätzung und keine genaue
Ermittlung möglich.
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INHALT
1.
Anlass.................................................................................................................................. 9
2.
Aufgabenstellung ............................................................................................................. 11
3.
Kriterien für die Barrierefreiheit der Wohnung ............................................................... 13
3.1.
Normung und Bauordnung in Sachsen ...................................................................... 13
3.2.
Hilfsmittelnutzung und Hilfebedarf im Wohnraum .................................................. 15
3.2.1.
motorische Behinderungen ................................................................................ 15
3.2.2.
sensorische Behinderungen ............................................................................... 18
3.3.
Kriterienkatalog für die Befragung ............................................................................ 18
4.
Schriftliche Befragung ...................................................................................................... 20
4.1.
Rahmenbedingungen ................................................................................................ 20
4.2.
Datenerhebung – Schriftliche Befragung .................................................................. 21
4.2.1.
Fragebogendesign .............................................................................................. 21
4.2.2.
Stichprobenumfang ............................................................................................ 25
4.2.3.
Rücklauf .............................................................................................................. 26
4.3.
Datenauswertung ...................................................................................................... 28
4.3.1.
Erfassung und Auswertung der quantitativen Daten ......................................... 28
4.3.2.
Erfassung und Auswertung der qualitativen Daten .......................................... 28
4.3.3.
Konsequenzen aus der Merkzeichenverteilung ................................................. 29
5.
Ergebnisse der Befragung ................................................................................................ 31
5.1.
Soziodemografische Ergebnisse der Gesamtstichprobe ........................................... 31
5.1.1.
Soziologische Charakterisierung der Stichprobe................................................ 31
5.1.2.
Zufriedenheit der Befragten ............................................................................... 37
5.1.3.
Wohnen und Wohnumfeld ................................................................................ 45
Umbaumaßnahmen zur Verminderung von Barrieren .................................................... 49
Schwerpunkte der Umbaumaßnahmen ........................................................................... 50
5.1.4.
Stadt-Land-Unterschiede ................................................................................... 58
5.2.
Stichprobe Fragebogen motorische Behinderung .................................................... 61
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5.2.1.
Aussagen zu Selbstbestimmung und Sicherheitsgefühl ..................................... 62
5.2.2.
Beeinträchtigung wegen nicht vorhandener Wohnungseigenschaft ................ 67
5.2.3.
Fazit für motorische Behinderungen.................................................................. 74
5.3.
Stichprobe Fragebogen sensorische Behinderung .................................................... 77
5.3.1.
Aussagen zu Selbstbestimmung und Sicherheitsgefühl ..................................... 77
5.3.2.
Beeinträchtigung wegen nicht vorhandener Wohnungseigenschaft ................ 80
5.3.3.
Fazit für sensorische Behinderungen ................................................................. 84
6.
Kriterienkataloge für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen .................................... 88
6.1.
Qualitative Bewertung der Kriterien ......................................................................... 88
6.2.
Kriterienkataloge bedarfsgerecht barrierefreies Wohnen ........................................ 90
6.2.1.
Beispiel A — Kriterienkatalog HMG 1, gehend mit Hilfsmittel .......................... 90
6.2.2.
Beispiel B — Kriterienkatalog Hörbehindert/Gehörlos ...................................... 97
7.
Wohnen von Menschen mit geistiger Behinderung ...................................................... 101
7.1.
Methodik ................................................................................................................. 101
7.2.
Ergebnisse ................................................................................................................ 103
7.2.1.
Stichprobenumfang .......................................................................................... 103
7.2.2.
Betreuungs- und Hilfebedarf ............................................................................ 103
7.2.3.
Wohnsituation .................................................................................................. 104
7.2.4.
Anforderungen an die Wohnung ..................................................................... 105
7.2.5.
Zufriedenheit .................................................................................................... 107
7.2.6.
Veränderungsbedarf ........................................................................................ 108
7.2.7.
Offene Probleme aus Sicht der Befragten ....................................................... 108
7.3.
Fazit .......................................................................................................................... 109
8.
Bestandsschätzung von bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen in Sachsen .......... 111
8.1.
Ermittlung der Anzahl der Betroffenen im Untersuchungsgebiet .......................... 112
8.1.1.
Verteilung von Behinderung in Sachsen .......................................................... 112
8.1.2.
Zusammensetzung der Stichprobe motorischer Fragebogen .......................... 114
8.1.3.
Zusammensetzung der Stichprobe sensorischer Fragebogen ......................... 117
8.1.4.
MUSS-Kriterien für die Bestandsschätzung ..................................................... 119
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8.1.5. Einschätzung des Bestandes an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen in
der Stichprobe ................................................................................................................ 122
8.1.6.
Verteilung der Stichproben auf urbane bzw. ländliche Räume ....................... 123
8.2.
Bestandsschätzung für den Freistaat Sachsen ........................................................ 125
8.2.1.
Bestandsschätzung für Personen mit motorischer Behinderung .................... 125
8.2.2.
Bestandsschätzung für Personen mit sensorischer Behinderung .................... 127
9.
Bedarfsprognose für den Freistaat Sachsen .................................................................. 130
9.1.1.
Entwicklungskorridore für Sachsen .................................................................. 130
9.2.
Prognose der Anzahl der Menschen mit Behinderung für 2030 ............................. 134
9.2.1.
Prognose des Bedarfs an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen ............ 138
10.
Zusammenfassung ....................................................................................................... 142
LITERATURVERZEICHNIS .......................................................
Fehler! Textmarke nicht definiert.
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS ..................................................
Fehler! Textmarke nicht definiert.
Abbildungsverzeichnis ............................................................................................................ 153
Tabellenverzeichnis ................................................................................................................ 156
Kriterienkatalog ...................................................................................................................... 159
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung — Hilfsmittelgruppe 1, gehend mit
Hilfsmittel ........................................................................................................................... 159
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung - Hilfsmittelgruppe 2,
mechanischer Rollstuhl ...................................................................................................... 169
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung - Hilfsmittelgruppe 3, Elektro-
Rollstuhl, Hilfsperson ......................................................................................................... 179
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung – Hörbehindert/Gehörlos ........ 189
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung – Sehbehindert/Blind .............. 193
Institut für Holztechnologie Dresden gemeinnützige GmbH (IHD) ............................... 201
ATB Arbeit, Technik und Bildung gemeinnützige GmbH (ATB) ...................................... 201
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1. Anlass
Im Koalitionsvertrag vom 23. Oktober 2014 haben sich die Regierungsparteien die Sächsische
Staatsregierung verpflichtet, einen ressortübergreifenden Aktionsplan zur Umsetzung der
UN Behindertenrechtskonvention (UNO (2006)) zu erarbeiten. Dieses
Übereinkommen über
die Rechte von Menschen mit Behinderungen
(UN- BRK) ist ein Menschenrechtsüberein-
kommen der Vereinten Nationen, das am 13. Dezember 2006 von der Generalversammlung
der Vereinten Nationen beschlossen wurde und am 3. Mai 2008 in Kraft getreten ist. Die
Unterzeichnung in Deutschland fand am 30. März 2007 statt und mit der Verkündung des
Gesetzes zur Ratifikation des
Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinde-
rungen
konnte die Behindertenrechtskonvention am 24. Februar 2009 in Deutschland in
Kraft treten. Die UN-Behindertenrechtskonvention beinhaltet – neben der Bekräftigung all-
gemeiner Menschenrechte auch für behinderte Menschen – eine Vielzahl spezieller, auf die
Lebenssituation behinderter Menschen abgestimmte Regelungen.
In mehreren Arbeitsgruppen wurde deshalb begonnen, einen Aktionsplan zur Umsetzung
der UN-BRK für den Freistaat Sachsen zu erarbeiten. Ein Ergebnis dieser Arbeit war, die Er-
hebung von Grundlageninformationen zu veranlassen.
Über den zur Verfügung stehenden Wohnraum speziell für Menschen mit Behinderungen
liegen in Sachsen keine oder nur unzureichende Informationen vor. Damit fehlen belastbare
Voraussetzungen für die Feststellung eventueller Handlungsbedarfe, Planungen und konkre-
ter Maßnahmen.
In der Arbeitsgruppe
Wohnen, inklusiver Sozialraum
im Rahmen des Projekts
Erstellung des
Aktionsplans zur Umsetzung der UN-BRK
der Sächsischen Staatsregierung wurde eine inten-
sive Diskussion zu den tatsächlichen Anforderungen von Menschen mit Behinderung an ihre
Wohnung geführt.
Insbesondere die Vertreter von Wohnungsbaugenossenschaften und von Städten und Ge-
meinden verwiesen auf die hohen Kosten für umfassend barrierefrei errichtete oder umge-
baute Wohnungen und dadurch entstehende hohe Mietkosten. Deshalb wurde die Frage
erörtert, inwieweit sich Anforderungen an die Wohnung je nach der Behinderungsart unter-
scheiden. Durch eine nur auf die spezifische Behinderung abgestimmte bauliche Gestaltung
würden sich möglicherweise die Baukosten und damit die Miete reduzieren lassen.
Aus diesem Grund wurde eine Studie zum Bestand und Bedarf an bedarfsgerecht barriere-
freien Wohnungen in Sachsen, regional sowie nach der Art der Behinderung differenziert,
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unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung, ausgeschrieben. Der Auftrag wurde
dem Institut für Holztechnologie Dresden gemeinnützige GmbH (IHD) gemeinsam mit sei-
nem Nachauftragnehmer ATB Chemnitz gGmbH erteilt. Am IHD wurden und werden seit
mehreren Jahren erfolgreich unterschiedliche Forschungsprojekte zu Fragen in den Themen-
bereichen ganzheitliche Barrierefreiheit und benutzergerechte Gestaltung von Gebäuden,
Möbeln und Innenausbauten durchgeführt und neue Lösungen entwickelt. Die ATB Arbeit,
Technik und Bildung gGmbH hat Erfahrung in der Durchführung und der wissenschaftlichen
Begleitung von Studien und Projekten zur Datenerhebung und in der Erarbeitung von Analy-
sedesigns.
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2. Aufgabenstellung
Das Ziel der vorliegenden Studie ist es, den Bestand und den bis 2030 zu erwartenden Bedarf
an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen für den Freistaat Sachsen zu ermitteln. Da kei-
ne geeigneten Informationen vorliegen, muss geklärt werden, wieviel Wohnraum für Men-
schen mit Behinderungen in Sachsen benötigt wird und wieviel geeigneter Wohnraum be-
reits vorhanden ist. Dabei sollte die demografische Entwicklung beachtet und Aussagen nach
Art der Behinderung differenziert getroffen werden. Eine regionale Aufgliederung sollte er-
folgen.
Folgende Fragestellungen lagen dem Forschungsdesign zu Grunde:
1. Welche Kriterien bedarfsgerechter Barrierefreiheit sind in den Wohnungen von Men-
schen mit Behinderungen und den für die Wohnnutzung notwendigen Bereichen des
Wohngebäudes, in drei ausgewählten Regionen Sachsens, erfüllt?
2. Welche Kriterien bedarfsgerechter Barrierefreiheit werden von Menschen mit Behin-
derung, in drei ausgewählten Regionen Sachsens, als notwendig für eine selbstbe-
stimmte und sichere Nutzung ihrer Wohnung und ihres Wohnumfeldes angesehen?
3. Wie zufrieden sind die Befragten mit ihrer Wohnsituation und welchen Verände-
rungsbedarf bezüglich ihrer Wohnsituation sehen sie?
4. Wie viele bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen für Menschen mit Behinderung
gibt es in Sachsen?
5. Welcher Bedarf bis zum Jahr 2030 an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen (ein-
schließlich rollstuhlgerechten Wohnungen) kann aus den Befragungsergebnissen ab-
geleitet werden?
6. Wie unterscheiden sich die ermittelten Bedarfe hinsichtlich einer Differenzierung von
urbanen und ländlichen Räumen?
Im ersten Teil befasst sich die Studie mit dem Stand der Technik, darunter mit den aktuellen
relevanten Normen und Bauordnungen zum barrierefreien Wohnen in Sachsen. Darauf auf-
bauend werden allgemeingültige Kriterien für barrierefreie Wohnungen zusammengestellt.
Dabei werden verschiedene Formen der Hilfsmittelnutzung und des Hilfebedarfs im häusli-
chen Umfeld und die daraus folgenden Anforderungen mit betrachtet. Diese literaturbasier-
ten Kriterien bildeten die Grundlage für einen Fragebogen zur Datenerhebung der Studie. Sie
sind in Kapitel 3 ausführlich dargestellt.
- 11 -

Zur Beantwortung der Fragen nach vorhandenem bedarfsgerecht barrierefreiem Wohnraum
und nach den spezifischen Anforderungen der Bewohner musste eine Befragung durchge-
führt werden. Ziel dieser Befragung war es, quantitative Aussagen zum Vorhandensein der
ermittelten Kriterien im Bestand zu erhalten und zu erfahren, inwieweit diese von den Be-
fragten als relevant eingeschätzt werden. Dafür wurde in Leipzig, dem Landkreis Bautzen
und dem Erzgebirgskreis von Mitte August bis Mitte September 2016 eine Befragung durch-
geführt. Befragt wurden Menschen mit unterschiedlichen motorischen und sensorischen
Behinderungen. Das methodische Vorgehen und die Ergebnisse der Befragung sind ausführ-
lich in den Kapiteln 4 und 5 dargestellt.
Basierend auf den Befragungsergebnissen erfolgt in Kapitel 6 eine Wichtung der Kriterien
und die Erstellung von Kriterienkatalogen für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen, ge-
trennt nach verschiedenen Arten der Behinderung.
In Kapitel 7 wird dargestellt, welche Anforderungen an bedarfsgerecht barrierefreie Woh-
nungen für Menschen mit geistiger Behinderung ermittelt wurden. Hierzu wurden qualitati-
ve Interviews mit Betreuern/-innen bzw. Familienangehörigen von Menschen mit geistiger
Behinderung durchgeführt und ausgewertet.
In den Kapiteln 8 und 9 erfolgt auf Basis der erhobenen Daten eine Bestandsschätzung sowie
ein Bedarfsprognose an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen für den Freistaat Sach-
sen. Abschließend werden in Kapitel 10 die wichtigsten Ergebnisse der durchgeführten Stu-
die zusammengefasst.
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3. Kriterien für die Barrierefreiheit der Wohnung
3.1. Normung und Bauordnung in Sachsen
Für eine bedarfsgerecht barrierefreie Gestaltung von Wohnraum liegen keine Kriterien vor.
Die Erarbeitung eines Kriterienkatalogs für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen basiert
deshalb auf dem aktuellen Wissensstand zum barrierefreien Bauen.
Als Planungsgrundlage für barrierefreies Bauen ist in der Liste der Technischen Baubestim-
mungen (VwV-LTB) DIN 18040 – 2 (DIN 18040-2:2011-05) teilweise bauaufsichtlich einge-
führt. Diese gilt für die barrierefreie Planung, Ausführung und Ausstattung von Wohnungen
sowie Gebäuden mit Wohnungen und der Teile der Außenanlagen, die der Erschließung und
wohnbezogenen Nutzung dienen.
Die Barrierefreiheit baulicher Anlagen ist in der Norm als Ziel benannt. Diese sollen für Men-
schen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und
grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sein (nach § 4 BGG Be-
hindertengleichstellungsgesetz – Behindertengleichstellungsgesetz (2002)). Die Norm setzt
damit einen allgemeinen Standard für barrierefreies Bauen, der für die Mehrzahl der Men-
schen mit Behinderung geeignete Lösungen ermöglicht.
Anforderungen an bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen, müssen sich auf den individuel-
len Bedarf eines Menschen mit Behinderung beziehen. Diese können spezifisch und damit
unterschiedlich sein.
Behinderung wird in Deutschland im §2 Sozialgesetzbuch (SGB) IX (2001) definiert. Demnach
sind Menschen behindert,
„...wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische
Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter
typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträch-
tigt ist.“
Der Schweregrad einer Behinderung wird dabei als Grad der Behinderung (GdB) ange-
geben und wird in Zehnerschritten auf einer Skala von 20 bis 100 dargestellt. Ab einem GdB von
50 gelten Betroffene dem Gesetzgeber nach als schwerbehindert.
DIN 18040-2 bezieht sich mit der Formulierung
“...grundsätzlich ohne fremde Hilfe…”
auf die
grundsätzliche Möglichkeit einer selbstbestimmten Benutzung. Einige Behinderungsarten, wie
z. B. eine Lähmung an allen vier Gliedmaßen, führen dazu, dass die Betroffenen regelmäßig
oder sogar dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind. Diese Betroffenheiten und die räumlichen An-
forderungen aus der Anwesenheit der Hilfsperson werden von DIN 18040-2 nicht erfasst.
Für Wohnräume unterscheidet die DIN 18040-2 zwischen
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barrierefrei nutzbaren Wohnungen und
barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren Wohnungen.
Diese Unterscheidung gilt nicht für die Infrastruktur der Gebäude. Dort wird grundsätzlich
auch die
uneingeschränkte Nutzung mit dem Rollstuhl
berücksichtigt. Zusätzliche oder wei-
tergehende Anforderungen an Wohnungen für
eine barrierefreie und uneingeschränkte Roll-
stuhlnutzung
sind innerhalb der Norm gesondert erfasst.
Die uneingeschränkte Nutzbarkeit mit dem Rollstuhl bezieht sich auf die geometrischen Anfor-
derungen, die sich aus den zugrunde gelegten Abmessungen von Standardrollstühlen (maximale
Breite 70 cm, maximale Länge 120 cm) ergeben. Bei der Nutzung eines Hilfsmittels mit größe-
ren Abmessungen als in der Norm erfasst können damit zusätzliche oder andere Anforderungen
bestehen. Deshalb verweist die Norm darauf, dass für Wohnanlagen für spezielle Nutzergruppen
und Wohnungen für spezielle Nutzer/-innen zusätzliche oder andere Anforderungen notwendig
sein können.
In Sachsen regelt die Sächsische Bauordnung (SächsBO ) – Staatsministerium des Innern
Sachsen (2016) inwieweit Wohnungen barrierefrei errichtet werden müssen. Durch § 50
SächsBO „Barrierefreies Bauen“ wird festgelegt, dass in Gebäuden mit mehr als zwei Woh-
nungen die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar sein müssen, wobei diese
Wohnungen auch in mehreren Geschossen liegen können. In diesen Wohnungen müssen die
Wohn- und Schlafräume, eine Toilette, ein Bad sowie die Küche oder die Kochnische barrie-
refrei sein. DIN 18040-2 gilt dabei für Neubauten. Bei der Planung von nicht wesentlichen
Änderungen, Umbauten oder Modernisierungen kann die Norm sinngemäß angewendet
werden.
Abweichungen können nach § 67 SächsBO nur dann zugelassen werden, soweit die Anforde-
rungen aufgrund schwieriger Geländeverhältnisse, wegen des Einbaus eines sonst nicht er-
forderlichen Aufzugs, wegen ungünstiger vorhandener Bebauung oder im Hinblick auf die
Sicherheit der Menschen mit Behinderungen oder alter Menschen nur mit einem unverhält-
nismäßigen Mehraufwand erfüllt werden können.
In den in Sachsen geltenden technischen Bauvorschriften sind die Abschnitte 4.3.6 und 4.4
der DIN 18040-2, sowie alle Anforderungen mit der Kennzeichnung „R“ von der Einführung
ausgenommen. Für das barrierefreie Bauen werden damit zurzeit keine Vorgaben für die un-
eingeschränkte Nutzung von Wohnungen mit dem Standardrollstuhl, für die Nutzung mit in
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den Abmessungen darüber hinausgehende Rollstühle und für das Warnen, Orientieren, In-
formieren und Leiten von sensorisch Behinderten in Wohngebäuden gemacht.
3.2. Hilfsmittelnutzung und Hilfebedarf im Wohnraum
3.2.1. motorische Behinderungen
DIN 18040-2 beschreibt Anforderungen für Benutzer/-innen, die höchstens einen Standard-
rollstuhl benutzen und in der Lage sind selbstbestimmt ihr Leben zu führen. Für die Benut-
zergruppen, die auf eine Hilfsperson angewiesen sind oder ein größeres Hilfsmittel benut-
zen, bestehen möglicherweise andere Anforderungen.
Für die Definition der Kriterien für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen, bei Nutzung
größerer Hilfsmittel als der Standardrollstuhl und bei nötiger Unterstützung durch eine Hilfs-
person, wurde versucht den Bedarf in der Literatur zu ermitteln. Maßgeblich ist dabei unter
anderem der Bedarf an Bewegungsfläche.
Abbildung 1 – Bewegungsfläche nach DIN 18040-2 für Standartrollstuhl (eigene Darstellung)
Die Grundabmessungen von Bewegungsflächen werden in der Literatur unterschiedlich dar-
gestellt. Einige Quellen geben nicht die Bewegungsfläche sondern einen Wenderadius (bzw. -
kreis) beim Wenden um 180° an. Es ist zu beachten, dass bei der Angabe der Bewegungsflä-
che in DIN 18040-2 von einem Wenden in mehreren Zügen ausgegangen wird. Beide Anga-
ben sind also nicht direkt miteinander vergleichbar (vgl. dazu Abbildung 1 und Abbildung 2).
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Abbildung 2 – Wenderadius für Standartrollstuhl in Abhängigkeit von den motorischen Fähigkeiten des Benut-
zers / der Benutzerin (eigene Darstellung)
In Tabelle 1 sind Aussagen aus der Literatur zu Abmessungen von Bewegungsflächen und
Wenderadien vergleichend gegenübergestellt. Es wird deutlich, dass der Bedarf an Bewe-
gungsfläche, aber auch der Bewegungsradius, abhängig vom benutzten Hilfsmittel sind. Die
Anwesenheit einer Hilfsperson erhöht den Bedarf zusätzlich.
In Auswertung der Literatur werden hier bezogen auf den Bedarf an Bewegungsfläche vier
Hilfsmittelgruppen (HMG) bei motorischen Behinderungen definiert. Diese sind nach dem
notwendigen Bedarf an Bewegungsfläche unterteilt.
HMG 0 - ohne Hilfsmittel (Prothesen- oder Orthesenträger ohne Gehhilfen inbegrif-
fen), kein Bedarf abweichend von nicht behinderten Benutzer/-innen ohne Hilfsmittel
HMG 1 - gehend mit Hilfsmittel (wie Gehstützen oder Rollator), entspricht Flächenbe-
darf
DIN 18040-2 barrierefrei nutzbar
HMG 2 - rollend bei Nutzung eines mechanischen Rollstuhls nach Vorgaben der DIN
18040-2 (Anforderungen der DIN mit “R”)
HMG 3 - rollend bei Nutzung eines Rollstuhls mit größeren Abmessungen als in DIN
18040-2 zugrunde gelegt und/oder Hilfsperson mindestens teilweise anwesend (An-
forderungen über die DIN hinausgehende als “R+” definiert).
Für eine Befragung sollten vorrangig die HMG 1 bis 3 zum Tragen kommen, da bei HMG 0
keine besonderen Anforderungen bestehen. Bei der Erarbeitung von Fragebögen muss die
Hilfsmittelverwendung und ein möglicher Bedarf für eine Hilfsperson mit ermittelt werden.
Die Auswertung der Ergebnisse sollte ebenfalls nach diesen Gruppen erfolgen.
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Tabelle 1 – Flächenbedarf verschiedener Nutzer mit und ohne Hilfsmittel/Hilfsperson
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3.2.2. sensorische Behinderungen
Bei einer sensorischen Behinderung werden andere Hilfsmittel genutzt als bei motorischen
Behinderungen. Diese Hilfsmittel (z.B. Hörhilfen oder Sehhilfen) haben keinen Einfluss auf
die notwendigen Bewegungsflächen im Raum. Menschen mit sensorischer Behinderung wä-
ren damit der HMG 0 zuzuordnen.
Vorgaben für eine, an sensorische Behinderungen angepasste bauliche Gestaltung, unter-
scheiden sich nach der Sinnesbehinderung. Betroffene mit einer Hörbehinderung oder Ge-
hörlosigkeit haben andere Anforderungen als Betroffene mit einer Sehbehinderung oder
Blindheit. Einige Anforderungen treffen für beide Zielgruppen zu. Die Mehrzahl der Anforde-
rungen dieser Zielgruppen unterscheidet sich maßgeblich von den Anforderungen der Men-
schen mit motorischer Behinderung.
Die Betroffenheit von Menschen mit sensorischer Behinderung führt zu einer veränderten
Kommunikation. Für Menschen mit Sehbehinderung werden für die schriftliche Kommunika-
tion unter anderem große Schrift und starke Kontraste benötigt. Blinde benötigen Dokumen-
te in Brailleschrift oder maschinenlesbare Dokumente. Für gehörlos Geborene ist eine ange-
passte Sprache notwendig.
3.3. Kriterienkatalog für die Befragung
Für die Erstellung eines Fragebogens zur Erhebung der für die Studie notwendigen Daten
war die Erarbeitung eines Kriterienkatalogs notwendig. Die dafür heranzuziehende Basis war
DIN 18040-2, die in Sachsen teilweise bauaufsichtlich eingeführt ist. Eine vollständige Abbil-
dung aller in DIN 18040 aufgelisteten Kriterien in einem Fragebogen war nicht möglich. Die
Vielzahl der sich ergebenden Fragen hätte die Befragungsteil-nehmer/-innen überfordert
und zu einer geringen Rücklaufquote geführt. Deshalb mussten Fragen zusammengefasst
werden.
Da Normen für und von Fachleuten erarbeitet werden, sind sie in einer Fachsprache formu-
liert. Diese Sprache ist für Laien nicht immer verständlich. Zur Verbesserung des Verständ-
nisses und Erleichterung der Beantwortung durch die Studienteilnehmer/-innen war deshalb
eine Umformulierung der Begrifflichkeiten aus der Norm notwendig.
Darüber hinaus konnten die Studienteilnehmer/-innen nicht nach Maßangaben befragt wer-
den, da die zu erwartenden Ergebnisse nicht vergleichbar wären. Jeweils den notwendigen
Maßbezug mit anzugeben, hätte die Zielgruppe überfordert. Fragen mit Maßbezug wurden
deshalb so umformuliert, dass die Teilnehmer sie verstehen konnten.
- 18 -

Tabelle 2 zeigt beispielhaft, wie Kriterien der DIN 18040-2 zusammengefasst und umformu-
liert wurden.
Tabelle 2 – Gegenüberstellung Normkriterium, Fragestellung im Fragebogen
Bereich
Normkriterium
Frage im Fragebogen
Zugang
zum Ge-
bäude
fest und eben
leicht und erschütterungsarm mit
dem Rollstuhl bzw. Rollator befahr-
bar
Der Gehweg vor dem Haus ist eben
und fest, so dass er leicht und sicher
passierbar ist.
Zugang
zum Ge-
bäude
Bewegungsfläche von 150 cm × 150
cm am Anfang und Ende von Ram-
pen
Vor der Rampe ist ausreichend Platz,
um mit dem Hilfsmittel zu wenden.
Aufzug
Bedienelemente erreichbar
(85 cm - 105 cm)
Man kann alle Tasten auch aus dem
Sitzen gut erreichen.
In einem späteren Arbeitsschritt konnten aus zusammengefassten Fragestellungen, umfor-
mulierten Maßbezügen und neu formulierten Fragen, wieder Kriterien, die denen der DIN
18040-2 vergleichbar sind, abgeleitet werden. Zur besseren Nachvollziehbarkeit für die Teil-
nehmer erfolgte die Gliederung der Befragung nach in jeder Gebäudegröße vorkommenden
Wohnbereichen. Diese sollten in der Reihenfolge, wie ein Gebäude betreten und benutzt
wird, aufgeführt werden. Daraus ergibt sich entsprechend der Wohnbereiche eine Gliederung
in die Abschnitte
nahes Wohnumfeld
Zugangsbereich
Treppen und Aufzüge
allgemeiner Wohnbereich
Küche
Bad.
Zu jedem Wohnbereich sollten mehrere Kriterien abgefragt werden. Dabei sollten alle rele-
vanten Anforderungen aus der Literatur mit in die Befragung aufgenommen werden. Genau-
eres zum Fragebogendesign kann in 4.2.1 nachgelesen werden.
- 19 -

 
4. Schriftliche Befragung
4.1. Rahmenbedingungen
In diesem Kapitel wird das methodische Vorgehen der Studie beschrieben. Es wird dargelegt,
wie die für die Beantwortung der Forschungsfragen notwendigen Informationen durch eine
Befragung von Menschen mit Behinderung erlangt werden konnten.
Für die Durchführung der Befragung wurden die Stadt Leipzig, der Landkreis Bautzen sowie
dem Erzgebirgskreis ausgewählt. Die Auswahl der Adressaten erfolgte durch Zufallsauswahl
aus einem Datensatz des Kommunalen Sozialverbandes Sachsen (KSV). In diesem Datensatz
sind alle Menschen mit Behinderung anhand der in ihrem Behindertenausweis ausgewiese-
nen Merkzeichen erfasst. Andere Adressdatensätze standen nicht zur Verfügung.
Sogenannte gesundheitliche Merkzeichen werden im Behindertenausweis vermerkt. Mit den
Merkzeichen können bestimmte Nachteilsausgleiche und Rechte in Anspruch genommen
werden. Die Merkzeichen bedeuten:
G – Erheblich Gehbehindert; Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr ist erheblich be-
einträchtigt
aG – Außergewöhnlich Gehbehindert; wegen außergewöhnlicher Behinderung beim
Gehen ist die Fortbewegung auf das schwerste eingeschränkt
Bl – Blind; Augenlicht fehlt vollständig oder Sehschärfe auf keinem Auge mehr als 1/50
Gl – Gehörlos; Taubheit beiderseits oder Hörbehinderung mit einer an Taubheit gren-
zenden Schwerhörigkeit
Die Merkzeichen werden bei einer Betroffenheit oberhalb eines Schwellwertes (in der Regel
ab GdB 50) vergeben. Neben den mit einem Merkzeichen im Behindertenausweis vermerk-
ten Behinderungen können weitere Behinderungen bestehen.
Insbesondere bei den Merkzeichen G und aG können die verschiedensten Ursachen für die
Behinderung vorliegen, die zur Vergabe des Merkzeichens führt. Die Bewegungsfähigkeit im
Straßenverkehr kann z.B. durch Einschränkungen des Gehvermögens, der Orientierungsfä-
higkeit und der Belastbarkeit (z.B. durch eingeschränkte Lungenfunktion) beeinträchtigt sein.
Daraus kann nicht geschlossen werden, ob eine motorische, sensorische oder kognitive Be-
hinderung vorliegt. Auch der Bedarf an Mobilitätshilfen kann sich jeweils deutlich unter-
scheiden. Deshalb wurde bei der Auswertung der Befragung kein Bezug zu den Merkzeichen
mehr hergestellt.
- 20 -

 
Insgesamt wurden 17.100 Personen mit Behinderung im Zeitraum vom 15.08.2016 bis
12.09.2016 für die Befragung angeschrieben. Der Rücklauf betrug insgesamt 2.759 Fragebö-
gen, von denen nach kritischer Datenanalyse 2.400 verwertbare Fragebögen in der Daten-
bank erfasst und anschließend ausgewertet wurden. In diesem Kapitel wird das methodische
Vorgehen im Detail dargestellt.
4.2. Datenerhebung – Schriftliche Befragung
4.2.1. Fragebogendesign
Schriftliche Version
Aufgrund der sehr unterschiedlichen Anforderung an die bauliche Umwelt bei Menschen mit
motorischer bzw. sensorischer Behinderung wurden zwei Fragebögen entwickelt (vgl. hierzu
auch Kapitel 4.2.2). Den Fragebogen „motorische Behinderung“ erhielten Personen mit Merk-
zeichen G (motorisch) oder aG. Den Fragebogen „sensorische Behinderung“ erhielten Perso-
nen mit Merkzeichen Gl, Bl, G (sehschwach) und schwerhörige Personen.
Der schriftliche Fragebogen wurde auf Basis des in Kapitel 3 beschriebenen normativen Krite-
rienkatalogs und den zugeordneten Fragestellungen entwickelt, der in ein von Laien bewert-
bares Beurteilungsschema umgewandelt wurde.
Aufbau des Fragebogens
Der grundsätzliche Aufbau des Fragebogens ist in beiden Versionen gleich. Der Fragebogen
beginnt mit
Fragen zum Wohnort und zur Wohnung
, um Aussagen über Eigentums- und
Wohnverhältnisse sowie bereits umgesetzte Maßnahmen zur Reduzierung von Barrieren
sowie deren Finanzierung zu erhalten.
Im zweiten Abschnitt
Fragen zur Wohnsituation
wurden ausgehend vom Wohnumfeld über
die Zugangs- und Eingangsbereiche bis hin zu den einzelnen Räumlichkeiten in der Wohnung
die Beschaffenheit und die Barrierefreiheit entsprechend der Kriterien des Kriterienkatalogs
abgefragt. Dabei war von den Befragten in geschlossenen Fragen stets anzukreuzen, ob das
Kriterium
(eher) zutrifft
oder
(eher) nicht zutrifft
. Zudem hatten sie ergänzend stets die Mög-
lichkeit, die Aussage
das beeinträchtigt mich
zu markieren, um die persönliche Bedeutung
des Fehlens des Kriteriums hervorzuheben (vgl. Abbildung 3).
- 21 -

image
image
Abbildung 3 – Beispiel geschlossene Fragen
Abbildung 4 – Beispiel Schema Globalfragen
Weiterhin wurden zu jedem Bereich in geschlossenen Fragen abgefragt, wie sich die Gestal-
tung auf das Orientierungsgefühl, das Autonomiegefühl und das Sicherheitsgefühl der Be-
fragten auswirkt (vgl. Abbildung 4). Diese sogenannten
Globalfragen
ermöglichen einen Ver-
gleich zwischen den einzelnen Bereichen (Wohnumfeld, Zugang zum Gebäude, Auf-
zug/Treppen etc.) bzgl. der Problemrelevanz und lassen auch einen Abgleich der Bewertung
der Kriterien je Wohnungsbereich mit dem allgemeinen Eindruck des Selbstbestimmungs-
und Sicherheitsgefühls in dem jeweiligen Themenfeld zu.
Am Ende jedes Bereiches bestand zudem die Möglichkeit, in einem offenen Freitextfeld Aus-
sagen zu treffen, was das größte Problem im jeweiligen Bereich darstellt bzw. nicht abge-
fragte Aspekte zu ergänzen (vgl. Abbildung 5).
- 22 -

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image
Abbildung 5 – Beispiel offene Textfelder
Abbildung 6 – Fragenblock zu Zufriedenheit und Perspektive
Im dritten Abschnitt wurden den Befragten
Fragen zu Zufriedenheiten und Perspektiven
ge-
stellt. Diese sollten Aufschluss darüber geben, inwiefern sie zufrieden mit ihrer Wohnsituati-
on sind und ob der Wunsch nach einem Umzug in barrierefreie Wohnräume besteht (vgl.
Abbildung 6). Weiterhin wurde erhoben, inwiefern die teilnehmenden Personen aktiv ver-
suchten, etwas an ihrer Wohnsituation zu ändern, um auch Aufschluss über eine etwaige
Umzugsbereitschaft zu erhalten.
Der Fragebogen endete im vierten Abschnitt mit
Fragen zur Person
.
Die soziodemografischen Fragen und die Fragen zur Beurteilung der Wohnkriterien wurden als
Nominalskalen gestaltet. Die Fragen zu Zufriedenheiten wurden als Ordinalskalen (Rating-
Skalen) gestaltet. Insgesamt umfasste der Fragebogen fünf Doppelseiten.
Beim Layout des Fragebogens für Menschen mit sensorischer Behinderung wurde eine ausrei-
chend große, serifenlose Schrift mit 1,5 Zeilenabstand verwendet, um die Lesbarkeit des Fra-
gebogens für diese Zielgruppe zu ermöglichen (vgl. Deutscher Blinden- und Sehbehinderten-
verband e. V., 2008).
Dem Fragebogen wurde ein Begleitschreiben mit Hinweisen zu Ziel und Nutzen der Befragung
sowie Hinweisen zur Verwendung der erhobenen Daten beigelegt. Ebenfalls wurde die Her-
- 23 -

 
kunft der für die Versendung des Fragebogens benötigten Daten erläutert (vgl. hierzu Hollen-
berg, 2016, S. 7 f.).
Barrierefreie Onlineversion
Um einen barrierefreien Zugang zur Befragung zu ermöglichen, wurde zudem eine Onlinebe-
fragung eingerichtet, die insbesondere Blinden und Menschen mit Sehbehinderung ein selb-
ständiges Ausfüllen des Fragebogens ermöglichen sollte und darüber hinaus von allen Teil-
nehmern/-innen genutzt werden konnte.
Bei der Gruppe Blinde und Menschen mit Sehbehinderung bestehen erhöhte Anforderun-
gen, um eine barrierefreie Bedienbarkeit zu ermöglichen. Da sie i. d. R. mit sogenannten
Screenreadern arbeiten, die den Text zeilenweise von links nach rechts und von oben nach
unten erfassen und vorlesen, musste vom Layout des schriftlichen Fragebogens teilweise
abgewichen werden. Da der Screenreader keine Bilder erfassen kann, wurde in der Online-
version im Unterschied zur papierbasierten Version auf die Verwendung von Bildern verzich-
tet. Bei der Abfrage der Kriterien z. B. zum Wohnumfeld, zur Küche etc. wurde die Aussage
das belastet mich
immer unmittelbar abgefragt und nicht, wie im schriftlichen Fragebogen,
in einer Tabelle. Ausgewählt wurde das Befragungsprotal
SoSci Survey
, da es eine barriere-
freie Befragung ermöglicht. So erhalten Nutzer von Screenreadern hier eine Rückmeldung,
welches Feld sie angeklickt haben und erhalten Anweisungen, wie sie weiter durch den Fra-
gebogen navigieren können.
Um ein schnelles Navigieren durch den Fragebogen zu ermöglichen, wurden zudem Filterfra-
gen gesetzt. So wurde etwa abweichend von der schriftlichen Befragung bereits zu Beginn
nach Art der Behinderung gefragt, um für diese Behinderung irrelevante Fragen auszublen-
den.
Pretest
Mit beiden Versionen des Fragebogens sowie der Onlineversion wurde ein Pretest mit insge-
samt 20 Probanden unterschiedlicher Behinderung durchgeführt.
Die Fragebögen wurden zusammen mit einem Pretestfragebogen an die Probanden per Post
oder E-Mail versendet.
Ziel des Pretest war es, die Fragebögen auf
Verständlichkeit der Fragen,
Übersichtlichkeit,
- 24 -

 
Schwierigkeiten beim Ausfüllen durch die Zielpersonen,
Funktion des Fragebogendesigns,
Reihenfolge der Fragen,
die Dauer des Ausfüllens, sowie
das Antwortverhalten der Probanden
zu testen (vgl. hierzu Hollenberg - 2016, S. 24).
Die Rückläufe wurden hinsichtlich dieser Kriterien geprüft und ausgewertet. Der Fragebo-
genentwurf wurde nach dem Pretest in folgenden Bereichen angepasst:
Differenzierung der Fragen bzgl. der unterschiedlichen Betroffenheiten im
Fragebogen für sensorische Behinderung,
einige Frageformulierungen angepasst,
Logik aufeinander aufbauender Fragen, bessere Kennzeichnung als zur Hauptfrage ge-
hörende eingerückte Frage.
Weiterhin stellte sich im Fragebogen für Menschen mit sensorischer Behinderung heraus,
dass die Fragen oft entweder schwerhörige bzw. gehörlose Personen oder sehbehinderte
bzw. blinde Personen betrafen. Insofern wurden die jeweiligen Fragen im schriftlichen Fra-
gebogen mit Symbolen markiert und mussten dann nur von der einen oder der anderen
Gruppe beantwortet werden. In der Onlineversion wurde dies durch entsprechende Filter-
fragen gelöst.
Im Pretest wurden zudem verschiedene Antwortschemata getestet. Im Ergebnis wurde ent-
schieden, für die abgefragten Kategorien die Antwortmöglichkeiten
trifft (eher) zu
,
trifft (eher)
nicht zu
und
das beeinträchtigt mich
zu verwenden.
4.2.2. Stichprobenumfang
Insgesamt wurde auf Basis des Datensatzes des KSV unter Berücksichtigung geltender Da-
tenschutzbestimmungen der Fragebogen an insgesamt 17.110 Menschen mit Behinderung
und entsprechenden Merkzeichen im Behindertenausweis in drei ausgewählten Regionen
Sachsens (Stadt Leipzig, Landkreis Bautzen und Erzgebirgskreis) versandt
(vgl. Tabelle 3). Um eine korrekte Zustellung der beiden Fragebogenversionen zu
sichern, wurden die Fragebögen wie folgt zugeordnet:
- 25 -

image
 
Tabelle 3 – Übersicht Anzahl der Adressaten je Merkzeichen
Um Repräsentativität zu ermöglichen, erfolgte bei den Personen mit den Merkzeichen Gl
und Bl sowie teilweise G (sehschwach) eine Vollbefragung. Die Teilnehmer/ -innen der Merk-
zeichen G (motorisch, Stichprobe: 13 % der in den Regionen betroffenen Personen) und aG
(Stichprobe: 25 % der in den Regionen betroffenen Personen) wurden per Zufallsstichprobe
befragt. Die Stichprobengröße wurde abhängig von der Anzahl der Betroffenen in der Region
gewählt, um vergleichbar große Rückläufe zu erhalten. Bei den 17.110 angeschriebenen Per-
sonen aus den drei festgelegten Regionen handelt es sich um 10.924 Personen mit motori-
scher Behinderung (Teilbefragung der insgesamt Betroffenen mit motorischer Behinderung).
Weiterhin wurden 6.186 Personen mit sensorischer Behinderung angeschrieben (Vollbefra-
gung aller Betroffenen mit Ausnahme schwerhöriger Personen).
Ergänzend wurde der Onlinefragebogen über verschiedene Kanäle (u. a. Beauftragte für die
Belange von Menschen mit Behinderung der Städte bzw. Kommunen, Vereine, Initiativen,
Selbsthilfegruppen) beworben und der Link versendet.
4.2.3. Rücklauf
Auf die insgesamt 17.110 versandten Fragebögen kamen insgesamt 2.759 Antworten. Davon
waren 2.400 vollständig bzw. überwiegend vollständig ausgefüllte Fragebögen für die Studie
verwertbar. Insgesamt ergibt sich somit eine Rücklaufquote von 18,0 %. Ausführlich können
die Rückläufe der Tabelle 4 entnommen werden.
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Tabelle 4 – Rücklaufquote
Grundgesamtheit [Daten KSV]
79.415
Stichprobe absolut (versendet)
17.110
Verluste
Irrläufer
1.817
davon Verluste
unzustellbar
1.367
davon Verluste
Probanden verhindert
100
davon Verluste
telefonische Absagen
350
Verlust-Quote
10,6 %
Korrektur Stichprobe
15.293
Rücklauf gesamt
2.759
davon Rücklauf
nicht verwertbar
359
Rücklauf
verwertbare Fragebögen
2.400
Rücklaufquote
18,0 %
Die 2.400 verwertbaren Antworten setzen sich aus 1.426 Fragebögen
motorische Behinde-
rung
und 974 Fragebögen
sensorische Behinderung
zusammen (vgl. Abbildung 7). In der Teil-
nehmergruppe gab es leichte Abweichungen in der Zusammensetzung im Unterschied zur
Stichprobenauswahl. Diese setzte sich zusammen aus 63,8 % Personen mit motorischer Be-
hinderung und 36,2 % mit sensorischer Behinderung. Bei den ausgewerteten Fragebogen-
rückläufern beträgt der Anteil der Personen mit motorischer Behinderung 59,4 % und bei
Personen mit sensorischer Behinderung 40,6 %.
Abbildung 7 – Art und Anzahl der Antworten
- 27 -

 
4.3. Datenauswertung
4.3.1. Erfassung und Auswertung der quantitativen Daten
Die Datenerfassung erfolgte kontinuierlich mit einer Statistik- und Analyse-Software anhand
einer eindeutigen schriftlichen Kodierung. Alle Fragebögen wurden vor der Erfassung fortlau-
fend nummeriert. Dies ermöglicht eine ggf. spätere Überprüfung der Fragebögen. Nach der
Datenerfassung wurden die Daten einer univariaten Datenanalyse und einer Prüfung auf
Normalverteilung unterzogen, um einen stimmigen Datensatz zu erhalten.
Zur Vereinfachung der Auswertung wurden bei den Zufriedenheitsfragen und den Globalfra-
gen die Ratingskalen dichotomisiert und bei den soziodemografischen Fragen zu Wohn-
raumgröße und Alter Gruppen gebildet.
Bei den geschlossenen Fragen wurden den Skalenwerten Zahlen zugeordnet, die in die Erfas-
sungsbögen eingetragen wurden (vgl. Hollenberg - 2016, S. 30).
Für die Auswertung des Datensatzes wurden folgende statistische Verfahren eingesetzt:
Häufigkeitsanalysen
CHI-Quadrat-Test (Unterschiedstest)
In der vorliegenden Studie wurden Werte ab einem p-Wert < .05 als statistisch signikant an-
genommen.
4.3.2. Erfassung und Auswertung der qualitativen Daten
Zur Analyse der Antworten der offenen Fragen wurde das Ausgangsmaterial inhaltlich ge-
gliedert und die Komplexität reduziert. Es wurde ein Kategoriensystem entwickelt, bei dem
die Antworten der offenen Fragen geordnet und durch Kategorien beschrieben wurden (vgl.
beispielhaft Tabelle 5).
Dabei wurden im Bereich der bereits vollzogenen Maßnahmen zur Barrierefreiheit Überka-
tegorien gebildet. Anschließend wurden zu den Überkategorien die entsprechenden inhaltli-
chen Aussagen der Teilnehmenden gegliedert, um einen Überblick über die einzelnen Maß-
nahmen in dem jeweiligen Wohnbereichen zu erhalten. Anschließend wurden die Nennun-
gen ausgezählt, um einen zahlenmäßigen Eindruck zu erhalten. Somit entstand ein System
aus Kategorien, das Mehrfachnennungen in den einzelnen Teilbereichen nicht auslässt.
Durch diese Vorgehensweise konnten die teilweise sehr individuellen verbalen Äußerungen
systematisiert und inhaltlich zusammengefasst werden. Die Individualität der Antworten
- 28 -

 
führte allerdings auch dazu, dass einige Aussagen in keine Kategorie gefasst werden konn-
ten.
Die auf dies Weise gebildeten Kategorien wurden anschließend ausgezählt und grafisch auf-
bereitet.
Tabelle 5 –
Kategoriensystem - Beispiel Bad
Raum
Kategorie
Schriftliche Äußerungen
Bad
Dusche
Einbau ebenerdige Dusche, Einbau Dusche, behindertenge-
rechte Dusche, Dusche mit Sitzgelegenheit, Dusche niedriger
gebaut
Dusche statt Wanne
Dusche statt Wanne
Wannenlift
Einbau Wannenlift
WC
WC, WC-Erhöhung, Toilette, Sitzerhöhung, WC höher gebaut
Haltegriff
Haltegriffe, Griffe
Unterfahrbares Waschbe-
cken
unterfahrbares Waschbecken, Waschbecken wurde ersetzt
Rutschfeste Fliesen
Rutschfeste Fliesen, rutschfester Boden
Wanne
niedrigere Wanne, Wanne mit Tür
barrierearm
Barrierearm, teilweise barrierefrei
barrierefrei
barrierefrei, behindertengerecht, rollstuhlgerecht
Umbau
Umbau, Umgestaltung, Bad, Bad barrierefrei
4.3.3. Konsequenzen aus der Merkzeichenverteilung
Bei der Auswertung der eingegangenen Antworten ergaben sich erhebliche Schnittmengen
zwischen den Merkzeichen. Bei etwa 19,0 % der Antworten gab es eine Mehrfachzuordnung
von Merkzeichen und bei ca. 20,0 % keine Angaben zum Merkzeichen.
Für die Studienauswertung ergeben sich aus der verwendeten Merkzeichenzuordnung er-
hebliche Konsequenzen, da diese für die Weiterarbeit nicht geeignet erscheinen. Aus der
Kumulation resultiert, dass 39,0 % der erhaltenen Antworten nicht eindeutig bestimmten
Merkzeichen zuordenbar waren. Damit ist eine Auswertung nicht möglich.
- 29 -

Der KSV kann aber Datensätze mit einer Aufschlüsselung der erfassten schwerbehinderten
Menschen (GdB 50 - 100) nach Art der Hauptbehinderung zur Verfügung stellen. Dort ent-
halten sind definierte Altersklassen und die Auswahl der Haupterkrankungen, z.B. Bewe-
gungsapparat und Sinnesorgane. Diese Datenbasis wurde als Grundlage für die weitere Aus-
wertung, Bestandsschätzung und Prognose verwendet. Bezüglich der Personen mit motori-
scher Behinderung erfolgte eine Differenzierung nach Hilfsmittelverwendung, soweit gesi-
cherte statistische Aussagen aufgrund geringer Fallzahlen bei einer Detailbetrachtung dies
zuließen, z. B. bei der Anzahl der durch fehlenden Bewegungsraum im Bad beeinträchtigten
Personen im Rollstuhl mit Hilfsperson in ländlichen Gebieten. Zur Gewährleistung statistisch
gesicherter Aussagen wurden hierzu drei Gruppen von Hilfsmittel nutzenden Personen mit
motorischer Behinderung gebildet (HGM 1-3):
HMG 1: Nutzer von Gehilfen bzw. Rollatoren;
HMG 2: Nutzer von mechanischen Rollstühlen;
HMG 3: Nutzer von Rollstühlen mit Hilfsperson bzw. Nutzer von elektrischen Roll-
stühlen.
- 30 -

 
5. Ergebnisse der Befragung
5.1. Soziodemografische Ergebnisse der Gesamtstichprobe
In diesem Kapitel werden Ergebnisse der Auswertung der soziodemografischen Daten darge-
stellt, um einen Überblick über die soziale Struktur der Teilnehmergruppe der Befragung zu
geben. Dazu werden Aussagen zur Altersverteilung und Arbeitssituation, zu den Einkom-
mensverhältnissen, der Lebenssituation sowie zum Grad der individuellen Behinderung und
der angegebenen Hilfsmittelverwendung der Befragten gemacht. In einem weiteren Ab-
schnitt werden die Aussagen der Befragten zu ihrer individuellen Zufriedenheit mit der eige-
nen Lebenssituation und den Wohnverhältnissen ausgewertet. Daran schließt sich die Aus-
wertung der Daten bezüglich der Wohnsituation und dem Wohnumfeld an. Diese werden
ergänzt durch die Auswertung der Aussagen zu bereits getätigten, Umbaumaßnahmen zur
Verminderung von Barrieren, zum Umzugswunsch der Befragten, sowie zur Kenntnis und
Nutzung von Wohnberatungsangeboten. Das Kapitel schließt mit einer Betrachtung von
Stadt-Land-Unterschieden.
5.1.1. Soziologische Charakterisierung der Stichprobe
Die Fragebögen wurden von 1265 Teilnehmerinnen und 1092 Teilnehmern ausgefüllt. Damit
waren mit 53,0 % mehr als die Hälfte der Teilnehmer weiblich und 45,0 % männlich. 2,0 %
der Personen machten keine Angaben zu ihrem Geschlecht. Der hohe Anteil an weiblichen
Teilnehmerinnen lässt sich mit dem hohen Altersdurchschnitt der Stichprobe von 72 Jahren
erklären. Aufgrund der höheren Lebenserwartung von Frauen in Deutschland mit derzeit
83,4 Jahren (vgl. Statista - 2016) sind auch in dieser Stichprobe weibliche Teilnehmerinnen
stärker vertreten.
Das Alter der Teilnehmenden lag zwischen 6 und 102 Jahren (vgl. Abbildung 8), wobei in ei-
nigen Fällen die Beantwortung der Fragen durch einen gesetzlichen Vertreter bzw. eine ge-
setzliche Vertreterin vorgenommen wurde.
Das Durchschnittsalter liegt in dieser Stichprobe bei 72 Jahren. Es ist im Vergleich zum Medi-
analter der Gesamtbevölkerung in Sachsen, das bei 48,2 Jahre (Bertelsmann-Stiftung - 2015)
liegt, deutlich erhöht. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass die meisten Behinderungen
erst im Laufe des Lebens erworben werden. Ab der Altersklasse 45 - 60 Jahre steigt die An-
zahl der Personen mit Behinderungen deutlich an (vgl. Abbildung 9). Somit ist auch der An-
- 31 -

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teil älterer Menschen innerhalb der Gruppe der Teilnehmenden mit Behinderungen deutlich
erhöht.
Abbildung 8 – Altersverteilung der Befragten
Im hohen Medianalter der Stichprobe widerspiegelt sich auch die leicht überdurchschnittli-
che Beteiligung von Frauen an der Befragung (hier mit 53,0 %) mit einer in Deutschland hö-
heren Lebenserwartung als Männer (vgl. Statista - 2016).
Abbildung 9 – Altersverteilung schwerbehinderter Menschen im Freistaat Sachsen am 31.12.2013 (Quelle:
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2013))
Im Stadt-Land-Vergleich zeigte sich, dass sich die Befragten signifikant bzgl. des Alters unter-
schieden: Von den Teilnehmern/-innen waren Menschen mit Behinderung aus ländlichen
Regionen vergleichsweise jünger als Menschen mit Behinderung, die in der Stadt lebten. Von
- 32 -

image
den Befragten aus ländlichen Regionen waren 44,4 % 65 Jahre oder jünger. Im Unterschied
dazu waren 36,2 % der Befragten aus urbanen Regionen dieser Altersgruppe zuzuordnen.
Dies lässt möglicherweise darauf schließen, dass für ältere Menschen mit Behinderung bes-
sere wohnliche und soziale Voraussetzungen in urbanen Regionen vorliegen.
Der hohe Anteil an älteren Personen mit Behinderung in der Befragung spiegelt sich auch im
hohen Anteil an nicht Erwerbstätigen in der Stichprobe wider. Die Mehrheit der Befragten
war zum Zeitpunkt der Befragung Rentner (75,1 %). Der Anteil der Berufstätigen betrug 9,2
%, der Anteil der Erwerbsunfähigkeitsrentner lag bei 6,2 % (vgl. Abbildung 10).
Abbildung 10 – Arbeitssituation der Befragten
Bei der Betrachtung der Einkommensverhältnisse zeigt sich, dass 54,9 % der Befragten ein
monatliches Nettoeinkommen von 900 - 2.000 € pro Person hatten. Weiterhin verfügten
32,6 % der Teilnehmer/-innen zum Zeitpunkt der Befragung über ein monatliches Nettoein-
kommen zwischen 500 - 900 € (vgl. Tabelle 6). Die Vergleichswerte für Sachsen sind in der
Tabelle mit aufgeführt. Es wird ersichtlich, dass die Stichprobe vor allem kleine und mittlere
Einkommensbezieher repräsentiert, während die Bezieher höherer Nettoeinkommen (>
2.000 €) unterrepräsentiert sind. Das überrascht in Bezug auf die Altersverteilung der Stich-
probe nicht. Die Einteilung der Grenzen des monatlichen Nettoeinkommens orientierte sich
in der Befragung an den Einteilungen des Mikrozensus (vgl. Statistische Landesamt des Frei-
staates Sachsen - 2016d).
- 33 -

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Tabelle 6 – Monatliches Nettoeinkommen der Befragten (Stichprobe und Statistik Sachsen 2015)
Merkmal
Stichprobe in %
n=1874; reduziert um Personen, die keine
Angaben über ihr Einkommen gemacht haben
Sachsen 2015 in %
Quelle: Statistisches Landesamt
des Freistaates Sachsen (2016b)
mehr als 2.000 €
6,2
13,8
900 – 2000 €
54,9
55,2
500 – 900 €
32,6
21,9
bis 500 €
6,3
9,0
Fast die Hälfte der Befragten (47,8 %) lebte zum Zeitpunkt der Befragung mit ihrem Partner
zusammen und 12,1 % in einer Familie (mit Eltern/Kindern/Angehörigen). Der Anteil der Al-
leinlebenden betrug 35,4 % (vgl. Abbildung 11). Im Vergleich dazu lebte 2011 in 19,9 % der
sächsischen Haushalte nur eine Person (vgl. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
- 2014). Der erhöhte Wert der alleinlebenden Menschen mit Behinderung in der vorliegen-
den Studie lässt sich vermutlich auf das hohe Medianalter zurückführen. Dabei zeigten sich
signifikante Unterschiede zwischen Personen aus ländlichen und Personen aus urbanen Ge-
bieten in Bezug auf die Lebenssituation in Familie lebend (mit Angehörigen lebend). Men-
schen mit Behinderung aus ländlichen Gebieten lebten häufiger in einer Familie (19,2 % auf
dem Land gegenüber 10,1 % in der Stadt).
Abbildung 11 – Lebenssituation der Befragten
- 34 -

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Grad der Behinderung
Um den Grad der Beeinträchtigung durch eine Behinderung darzustellen, wird in Deutsch-
land die Maßeinheit Grad der Behinderung (GdB) verwendet. Der GdB wird in 10er Schritten
von 10 bis 100 dargestellt. Ab einem GdB 50 gilt hierbei eine Schwerbehinderung. In diesem
Fall kann ein Behindertenausweis beantragt werden, bei dem das entsprechende Merkzei-
chen angegeben wird.
Abbildung 12 – Verteilung Grad der Behinderung in der Stichprobe
43,1 % der Befragten waren im Besitz eines Schwerbehindertenausweises mit einem GdB
von 100. 35,6 % gaben einen GdB zwischen 60 und 80 und 13,6 % der Befragten einen GdB
von 50 und weniger an (vgl. Abbildung 12).
Abbildung 13 – Angaben der Befragten zur Art der Behinderung
- 35 -

image
Weiterhin machten die Teilnehmer/-innen Angaben zu der Art ihrer Behinderung. Entspre-
chend gaben 62,9 % eine körperliche Behinderung, 34,1 % Gehörlosigkeit bzw. Schwerhörigkeit
und 24,5 % Blindheit bzw. starke Sehbehinderung an (vgl. Abbildung 13).
Mit Blick auf die Merkzeichen gaben 58,4 % das Merkzeichen G, 17,3 % das Merkzeichen aG,
13,2 % das Merkzeichen Gl sowie 14,1 % das Merkzeichen Bl an. Mehrfachnennungen waren
dabei möglich (vgl. Abbildung 14).
Abbildung 14 – Merkzeichenverteilung der Stichprobe
Hilfsmittelverwendung
Spezielle Hilfsmittel sind für viele Menschen mit Behinderung Voraussetzung für eine Teilha-
be am gesellschaftlichen und beruflichen Leben. Hilfsmittel werden u. a. eingesetzt, um die
Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu sichern, die bestehende Behinderung auszugleichen
oder einer drohenden Behinderung vorzubeugen (vgl. Deutschen Vereinigung für Rehabilita-
tion - 2010). Für die Betrachtung der Anforderungen an die Wohnung und das Wohnumfeld
sind besonders Mobilitätshilfen von Bedeutung. Durch die Verwendung dieser Hilfsmittel
entstehen spezifische Anforderungen an die bauliche Gestaltung. In Abbildung 15 ist darge-
stellt, welche Hilfsmittel die Befragten nach eigenen Angaben nutzen. Auffällig ist, dass auch
19,2 % der Befragten mit einer sensorischen Hauptbehinderung angaben, eine Gehstütze zu
verwenden. Aufgrund des hohen Altersdurchschnitts können neben der sensorischen Behin-
derung weitere typische altersbedingte motorische Beeinträchtigungen vorhanden sein oder
eine Mehrfachbehinderung vorliegen.
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Abbildung 15 – Angaben zur Hilfsmittelverwendung in der Gesamtstichprobe
5.1.2. Zufriedenheit der Befragten
Im Rahmen der Studie wurde erhoben, wie zufrieden die Teilnehmenden mit ihrer Lebenssi-
tuation, ihrer Wohnung, ihrem Wohnumfeld sowie mit dem Umgang und der Unterstützung
durch die Mitbewohner oder Nachbarn sind. Diese Aussagen ermöglichen ein Gesamtbild
über die allgemeine Zufriedenheit der Befragten in diesen vier Bereichen. Eine Person, die
insgesamt zufriedener ist, bewertet vermutlich auch kleinere Probleme und Hindernisse im
Wohnraum weniger negativ. Sie arrangiert sich vermutlich eher mit diesen Umständen und
akzeptiert diese leichter. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Probleme und Hindernisse
für sie nicht bestehen. Sie werden möglicherweise lediglich anders wahrgenommen.
Bei der Untersuchung der Zufriedenheit der Befragten lässt sich eine Trend erkennen: Eine
größere bewohnte Wohnfläche (Medianwert > 63 qm) korreliert im Vergleich zu einer kleine-
ren bewohnten Wohnfläche im häuslichen Wohnen tendenziell mit einer höheren Zufrieden-
heit mit der Wohnungsgröße selbst, mit der eigenen Lebenssituation sowie mit den Nachbarn.
Das gilt unabhängig davon, ob es sich bei den Befragten um allein lebende Personen, Personen
mit Partner oder in Familie lebende Personen handelt. Auch sind keine größeren Unterschiede
zwischen Stadt und Land zu erkennen.
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Bei der Bewertung der Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld spielt der ansonsten beobachtete
Einfluss der Wohnungsgröße auf die Zufriedenheit offenbar eine geringere Rolle.
Zufriedenheit mit der Lebenssituation
Die aktuelle Lebenssituation der Menschen (Partnerschaft, Familie, Trauer, Gesundheit, Al-
ter, etc.) markiert wichtige Rahmenbedingungen der Einbindung in ein soziales Umfeld.
Verwerfungen in Teilen des gesamten Settings führen zu einer Verringerung der Zufrieden-
heit und sind damit Indikator für Gestaltungserfordernisse bzw. auch Hilfebedarf.
In der Auswertung über die gesamte Stichprobe waren die Befragten mit ihrer Lebenssituati-
on überwiegend zufrieden bis sehr zufrieden. Im Grad der Zufriedenheit ergeben sich bezo-
gen auf die Hilfsmittelverwendung bzw. die Art der sensorischen Einschränkung allerdings
Unterschiede.
Hinsichtlich der Lebenssituation zeigte sich, dass 44,3 % der Personen im Rollstuhl mit Hilfs-
person eher unzufrieden bzw. sehr unzufrieden waren. Gleiches trifft für 37,9 % der Rollstuhl-
fahrer und 29,8 % E-Rollstuhlfahrer zu. Über alle Befragten zeigten sich lediglich 20,4 % der
Befragten eher unzufrieden bzw. sehr unzufrieden mit ihrer Lebenssituation (vgl. Abbildung
16).
Abbildung 16 – Zufriedenheit – Lebenssituation nach verwendeten Hilfsmitteln
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Bezüglich der Zufriedenheit mit der Lebenssituation zeigte sich, dass Befragte mit einer Woh-
nungsgröße von weniger als 63 m² tendenziell eine geringere Lebenszufriedenheit (76,5%
Zufriedenheit) als Befrage mit einer größeren Wohnung (81,2 % Zufriedenheit) hatten.
Weiterhin zeigte sich, dass die Zufriedenheit mit der Lebenssituation signifikant im Zusam-
menhang mit der Arbeitssituation stand. Befragte, die arbeitssuchend waren, gaben zu 62,7 %
an, dass sie eher bzw. sehr zufrieden sind, EU-Rentner stimmten dem zu 63,6 % zu und Be-
fragte, die sich in einer unklaren Erwerbssituation (kein Erwerbseinkommen) befanden,
stimmten zu 48,0 % zu. Die höchste Lebenszufriedenheit wiesen mit 84,7 % Befragte auf, die
sich in Beschäftigungsverhältnissen befanden. Einschränkend sei darauf verwiesen, dass ein
großer Teil der Befragten nicht bzw. nicht mehr im Erwerbsleben stand.
Ein weiterer Zusammenhang konnte zwischen dem Nettoeinkommen und der Lebenszufrie-
denheit aufgezeigt werden. Menschen mit Behinderung mit einem Nettoeinkommen > 2000
EUR hatten eine höhere Lebenszufriedenheit (87,5 % Zufriedenheit) als Befragte mit geringe-
ren Nettoeinkommen (77,9 % Zufriedenheit). Ein möglicher Grund hierfür könnten größere
Gestaltungsspielräume im Wohn- und Lebensumfeld aufgrund des höheren Einkommens
sein.
Die Zufriedenheit mit der Lebenssituation stand auch signifikant im Zusammenhang mit dem
Umfang der Behinderung. Menschen mit mehreren Behinderungen bzw. mit mehreren Merk-
zeichen hatten eine geringere Lebenszufriedenheit als Menschen mit einer Behinderung bzw.
einem Merkzeichen. Menschen mit einer Behinderung waren zu 80,3 % zufrieden, Menschen
mit mehreren Behinderungen waren zu 73,5 % zufrieden.
Bei der Einordnung dieser Ergebnisse ist zu beachten, dass die 65- bis 85- Jährige in der Mehr-
zahl mit ihrem Leben ausgesprochen zufrieden sind. Am Wichtigsten ist es für sie, in ihrer
vertrauten Umgebung zu verbleiben (vgl. Generali - 2017).
Zufriedenheit mit der Wohnung
Ähnlich der mehrheitlich positiv eingeschätzten Lebenssituation der Befragten ergibt sich ein
vergleichbar positives Bild bezüglich der Zufriedenheit mit der Wohnung, was bei differen-
zierter Betrachtung der schriftlichen Aussagen von Rollstuhlfahrern ebenfalls einer Detaillie-
rung bedarf.
Hier äußerten 20,3 % der Personen mit E-Rollstuhl, dass sie unzufrieden seien, weiterhin
waren 17,3 % der Probanden mit Rollstuhl und Hilfspersonen sowie 16,5 % der Befragten mit
Rollstuhl unzufrieden mit der Wohnung (vgl. Abbildung 17). Im Durchschnitt gaben 10,3 %
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der Befragten an, unzufrieden mit ihrer Wohnung zu sein. Das deutet darauf hin, dass Roll-
stuhlfahrer tendenziell unzufriedener mit ihrer Wohnung sind.
Abbildung 17 – Aussagen zur Zufriedenheit bezogen auf die Wohnung nach verwendeten Hilfsmitteln
Hinsichtlich der Zufriedenheit mit der Wohnung gaben 86,8 % der Menschen mit Behinde-
rung mit einer Wohnungsgröße von weniger als 63 m² an, zufrieden zu sein. Im Vergleich
hierzu waren 91,0 % der befragten Personen mit einer größeren Wohnung eher zufrieden
bzw. sehr zufrieden. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass verfügbare Bewegungsräume
in der Wohnung keine zwingende Rolle für die Zufriedenheit spielen.
Es zeigte sich weiterhin, dass die Zufriedenheit mit der Wohnung signifikant im Zusammen-
hang mit dem Eigentumsverhältnis der Wohnung stand. Personen, die in einer Eigentums-
wohnung lebten, hatten eine höhere Zufriedenheit mit der Wohnung (94,3 % Zufriedenheit)
als Personen in anderen Eigentumsverhältnissen (Mietwohnung 86,6 % Zufriedenheit; Ge-
nossenschaftswohnung 87,0 %). Entscheidend sind möglicherweise die verfügbaren Gestal-
tungsoptionen, die individuell eingesetzt werden können.
Darüber hinaus stand die Zufriedenheit mit der Wohnung signifikant im Zusammenhang mit
dem Gebäudetyp. Die Befragten, die in einem Ein-/Zweifamilienhaus lebten, zeigten sich
tendenziell etwas zufriedener mit ihrer Wohnung (92,9 % Zufriedenheit) als befragte Bewoh-
ner von Mehrfamilienhäusern (87,5 % Zufriedenheit).
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Diese Ergebnisse überraschen nicht, denn es ist bei Eigentum ein deutlich größerer Gestal-
tungsspielraum vorhanden, die Wohnung und die nahe Umgebung entsprechend der per-
sönlichen Bedürfnisse anzupassen. Das zeigt sich bei der Angabe zur Umsetzung von Maß-
nahmen zur Barrierefreiheit. Diese stand signifikant im Zusammenhang mit der Zufrieden-
heit mit der Wohnung. Die Befragten, die in einer Wohnung lebten, in der Maßnahmen zur
Barrierefreiheit umgesetzt wurden, hatten tendenziell eine etwas höhere Zufriedenheit mit
der Wohnung (92,5 % Zufriedenheit) als Befragte, die in einer nicht ertüchtigten Wohnung
lebten (87,4 % Zufriedenheit).
Es zeigte sich überdies, dass die Zufriedenheit mit der Wohnung signifikant im Zusammen-
hang mit dem Alter stand. Teilnehmer/-innen, die jünger als 65 Jahre alt waren, hatten mit
85,9 % eine geringere Zufriedenheit mit der Wohnung als Ältere mit einer Zufriedenheit von
91,3 %.
Ältere Menschen sind nach den Ergebnissen anderer Untersuchungen mit ihrer Wohnsitua-
tion überwiegend zufrieden. Dies gilt auch wenn sie mit der Barrierefreiheit ihrer Wohnung
unzufrieden sind (vgl. Köhler, Götze - 2015). Darüber hinaus wurde in einer weiteren Studie
festgestellt, dass sich ältere Menschen in den vorhandenen Wohnbedingungen einrichten,
auch wenn sie nicht optimal an ihre Bedürfnisse angepasst sind (vgl. Mahne, Wolff, Simon-
son - 2017). Deshalb muss davon ausgegangen werden, dass Aussagen zur Zufriedenheit mit
der Wohnsituation nicht ausschließlich geeignet sind, Rückschlüsse auf die objektive Eignung
der Wohnung in Bezug auf Barrierefreiheit, zu ziehen. Dies bestätigen auch Aussagen wo-
nach über 65-Jährige in der Regel sehr zufrieden mit ihrer Wohnsituation sind und meist kein
Wunsch zur Veränderung besteht. Nur wenige haben konkrete Planungen für den Fall, dass
sie pflegebedürftig werden (vgl. Büscher, Emmert, Hurrelmann - 2009).
Wohnumfeld
Das Wohnumfeld der Befragten erhält mehrheitlich eine positive Einschätzung der Zufrie-
denheit. Im Vergleich zur Zufriedenheit mit der Wohnung fällt diese jedoch geringer aus. Mit
dem Wohnumfeld waren 15,5 % der Personen mit Rollstuhl und Hilfsperson unzufrieden,
weiterhin waren 15,2 % der Rollstuhlfahrer bzw. Rollstuhlfahrerinnen sowie 13,1 % der blin-
den bzw. sehbehinderten Befragten mit dem Wohnumfeld unzufrieden (vgl. Abbildung 18).
Auch hier zeigt sich eine höhere Unzufriedenheit bei Nutzung von Rollstühlen sowie der Ab-
hängigkeit von einer Hilfsperson.
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Abbildung 18 – Aussagen zur Zufriedenheit bezogen auf das Wohnumfeld nach verwendeten Hilfsmitteln
Hinsichtlich der Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld gaben 76,5 % der Befragten mit einer
Wohnungsgröße von weniger als 63 m² an, mit diesem zufrieden zu sein. Der Anteil der Be-
fragten mit einer Wohnungsgröße von mehr als 63 m² lag bezüglich der Zufriedenheit mit
dem Wohnumfeld bei 81,2 %. Verfügbare Bewegungsräume in der Wohnung und im Woh-
numfeld könnten demnach eine wichtige Rolle für die Zufriedenheit spielen.
Die Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld korreliert signifikant im Zusammenhang mit dem
Alter. Teilnehmer/-innen, die jünger als 65 Jahre waren, hatten tendenziell eine geringere
Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld (84,8 % Zufriedenheit) als ältere Menschen (90,7 % Zu-
friedenheit). Jüngere Menschen mit Behinderung haben offenbar höhere Ansprüche bezüg-
lich der Möglichkeit der Teilhabe am öffentlichen Leben und fühlen sich durch bestehende
Barrieren mehr eingeschränkt, während ältere Menschen sich möglicherweise mit ihrer ge-
wohnten Umgebung eher arrangiert haben.
Darüber hinaus korreliert die Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld signifikant mit dem Net-
toeinkommen. Befragte mit einem Nettoeinkommen > 2000 EUR hatten eine etwas höhere
Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld (91,2 % Zufriedenheit) als Teilnehmer/-innen mit einem
geringeren Nettoeinkommen (84,2 % Zufriedenheit bei einem Nettoeinkommen zwischen
500 - 900 Euro). Das verfügbare Einkommen scheint demnach ein relevanter Faktor für Ge-
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staltungsspielräume zu sein, die den Personen Möglichkeiten zur Kompensation von indivi-
duellen (körperlichen) Einschränkungen ermöglichen.
Nachbarschaft
Auch die Nachbarschaft wird von den Befragten überwiegend positiv beurteilt (vgl. Abbil-
dung 19), allerdings fällt dies im Vergleich zur Zufriedenheit mit der Wohnung ebenfalls ge-
ringer aus. Nicht zufrieden mit der Nachbarschaft waren 19,4 % der befragten schwerhöri-
gen bzw. hörbehinderten Personen. Weiterhin gaben 14,8 % der Personen mit Rollstuhl und
Hilfsperson sowie 14,5 % der Personen mit Rollator an, unzufrieden zu sein. Im Stadt-Land-
Vergleich unterscheidet sich die Zufriedenheit mit dem Nachbarn signifikant. Demnach wa-
ren die befragten Menschen mit Behinderung im ländlichen Raum mit den Nachbarn ten-
dentiell zufriedener (89,4 % Zufriedenheit ggü. 83,5 % Zufriedenheit im urbanen Raum). Ins-
gesamt äußerten sich 13,8 % aller Befragten unzufrieden über ihre Nachbarschaft.
Abbildung 19 – Aussagen zur Zufriedenheit bezogen auf die Nachbarschaft nach verwendeten Hilfsmitteln
Die ergänzenden statistischen Analysen zeigen, dass die Zufriedenheit mit den Nachbarn
tendenziell höher ist,
bei Nutzung einer größeren Wohnung,
in Eigentumswohnungen bzw. in Ein- oder Zweifamilienhäusern,
nach Umsetzung von Maßnahmen zur Barrierefreiheit,
bei Menschen die älter als 65 Jahre waren sowie
bei einem Nettoeinkommen > 2000 EUR.
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Zufriedenheit nach Art der Behinderung
Um Erkenntnisse zu erhalten, ob es Unterschiede bei den Aussagen zur Zufriedenheit hin-
sichtlich der Art der Behinderung gibt, wurden die vier Bereiche Lebenssituation, Wohnung,
Wohnumfeld und Nachbarschaft differenziert ausgewertet. Es zeigte sich, dass über alle Be-
hindertengruppen hinweg eine insgesamt sehr hohe Zufriedenheit herrschte. Dargestellt
wird nachfolgendend die Unzufriedenheit je Behindertengruppe in den einzelnen Bereichen,
um mögliche Problemfelder differenzierter sichtbar zu machen.
Am unzufriedensten waren die Befragten über alle Behindertengruppen hinweg mit ihrer
Lebenssituation.
Der Unzufriedenheit mit der Lebenssituation folgte der Höhe nach die Unzufriedenheit mit
der Nachbarschaft. Demnach waren 19,4 % der Personen mit Gehörlosigkeit bzw. Schwerhö-
rigkeit mit der Nachbarschaft unzufrieden. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass aufgrund
der Art der Behinderung eine Kommunikation und Verständigung erschwert ist und sich
dadurch der Aufbau sozialer Kontakte schwieriger gestaltet. Durch die teilweise einge-
schränkten sprachlichen Möglichkeiten bzw. die geringe Verbreitung der Gebärdensprache
unter „Hörenden“ ist die Kommunikation mit den Nachbarn nur erschwert möglich. Gehörlo-
sigkeit und Schwerhörigkeit sind keine von außen sichtbaren Behinderungen und werden
daher von Außenstehenden nicht als diese wahrgenommen. Daher wird oftmals verändertes
Verhalten von Betroffenen durch Andere falsch interpretiert.
Eine Unzufriedenheit mit der Nachbarschaft gaben weiterhin 14,9 % der Personen mit geisti-
ger Behinderung sowie 14,2 % der Personen mit körperlicher Behinderung an.
Mit der Wohnung waren 14,4 % der Personen mit „weiteren Erkrankungen“ (u. a. Krebs,
Diabetes, Rheuma) unzufrieden. Weiterhin waren 12,7 % der Personen mit körperlicher Be-
hinderung sowie 11,2 % der Blinden bzw. Sehbehinderten mit ihrer Wohnung unzufrieden.
Hinsichtlich des Wohnumfelds gaben 13,1 % der befragten Blinden bzw. Sehbehinderten an,
unzufrieden zu sein. Dies gaben zudem 12,3 % Personen mit körperlicher Behinderung sowie
12,2 % der Personen mit Gehörlosigkeit bzw. Schwerhörigkeit an (vgl. Abbildung 20).
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Abbildung 20 – Aussagen zur Unzufriedenheit nach Art der Behinderung
Generell waren (mit Ausnahme der Personen mit Gehörlosigkeit bzw. Schwerhörigkeit) keine
nennenswerten Ausschläge in der Zufriedenheit einzelner Behindertengruppen zu erkennen.
Der von Personen mit Gehörlosigkeit bzw. Schwerhörigkeit auf die Nachbarschaft gelegte
Fokus, ist vermutlich auf besondere Herausforderungen in den Bereichen Kommunikation
und Lärmbelästigung zurückzuführen.
5.1.3. Wohnen und Wohnumfeld
Einen Einfluss auf die Wohnsituation der Menschen mit Behinderung haben, neben der Le-
benssituation, der Wohnort, der Wohnungstyp sowie die Wohnungsart. Etwa die Hälfte der
Befragten (48,8 %) lebte zum Zeitpunkt der Befragung in der Stadt Leipzig, etwa ein Viertel
(25,3 %) im Landkreis Bautzen und 23,7 % im Erzgebirgskreis. 2,2 % der Befragten machten
keine Angaben zu ihrem derzeitigen Wohnsitz. Die Rückläufe entsprechend der Regionen
können nachfolgender Tabelle entnommen werden (vgl. Tabelle 7). Es zeigt sich, dass die
Beteiligung von Menschen mit Behinderung aus der Stadt Leipzig prozentual am höchsten
war.
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Tabelle 7 – Zusammensetzung der Teilnehmergruppen, entsprechend Befragungsregionen
angeschriebene
Personen
antwortende
Personen
Rücklaufquote in
Prozent
Leipzig
6489
1170
682 (motorisch)
18,0 %
488 (sensorisch)
Erzgebirgskreis
5214
570
339 (motorisch)
10,9 %
231 (sensorisch)
Landkreis Bautzen
5408
605
368 (motorisch)
11,2 %
237 (sensorisch)
Die meisten der Teilnehmenden (46,1 %) lebten in einer Mietwohnung. 21,5 % der Teilneh-
menden hatten zum Zeitpunkt der Befragung ein eigenes Haus bzw. eine eigene Wohnung,
18,2 % wohnten in einer Genossenschaftswohnung (vgl. Abbildung 21).
Abbildung 21 – Angaben der Befragten zur Wohnungsart
Zwischen Genossenschaftswohnung, Eigentumswohnung und Mietwohnung wurde in dieser
Studie differenziert, da Genossenschaftswohnungen Besonderheiten aufweisen: Genossen-
schaftsmitglieder besitzen i. d. R. prozentuale Geschäftsanteile, die sie bei Eintritt erwerben.
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Anstatt eines Mietvertrages unterschreiben sie einen Nutzungsvertrag, sodass Genossen-
schaftswohnungen weder als Eigentums- noch als Mietwohnung betrachtet werden können.
Im Freistaat Sachsen lag die Wohneigentumsquote 2011 bei 33,2 % (vgl. Statistisches Lan-
desamt des Freistaates Sachsen - 2011). Für die Stadt Leipzig lag sie 2011 bei 12,9 %, im
Landkreis Bautzen bei 46,0 % und im Erzgebirgskreis bei 42,6 %. Damit ist Wohneigentum in
der Stichprobe unterrepräsentiert. Dies erscheint bezogen auf die hohe Zahl an Teilneh-
mern/-innen die allein leben verständlich.
Mit 69,4 % lebt die Mehrheit der Teilnehmern/-innen zum Zeitpunkt der Befragung in einem
Mehrfamilienhaus (vgl. Abbildung 22). Dieser hohe Anteil ist möglicherweise auf den Wohnort
der Teilnehmenden zurückzuführen, denn fast die Hälfte der Teilnehmenden lebt im urbanen
Raum, wo deutlich mehr Menschen in Mehrfamilienhäusern wohnen.
Abbildung 22 – Angaben der Befragten zur Gebäudeart
Weiterhin zeigte sich, dass sich der Gebäudetyp in ländlichen und urbanen Regionen signifi-
kant unterschieden: Menschen mit Behinderung aus ländlichen Gebieten lebten häufiger in
Eigentumswohnungen (47,0 %) bzw. im Haus von Angehörigen (19,8 %) und weniger in Miet-
und Genossenschaftswohnungen (24,0 %) als Menschen mit Behinderung aus urbanen Ge-
bieten. In urbanen Gebieten lebten 53,1 % der Personen in einer Mietwohnung und nur 13,8
% in einer Eigentumswohnung bzw. 5,2 % im Haus von Angehörigen.
29,5 % der Befragten wohnten im Erdgeschoss, 27,8 % in der ersten Etage und
33,4 % in der zweiten Etage oder höher. Zudem gaben 9,7 % der Befragten an, dass sie auf
mehreren Etagen wohnen (vgl. Abbildung 23). Auch hier zeigte sich, dass sich Stadt und Land
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signifikant bzgl. der Wohnetage unterscheiden. Menschen mit Behinderung, die in ländlichen
Gebieten leben, wohnen mit 38,6 % häufiger im Erdgeschoss als die Befragten in urbanen
Regionen (26,9 %).
Abbildung 23 – Angaben zu der von den Befragten bewohnten Etage
Im ländlichen Raum wohnten mit 19,1 % mehr Befragte über mehrere Etagen als Befragte in
urbanen Regionen (5,4 %) und weniger in der zweiten oder einer höheren Etage, als Men-
schen mit Behinderung in der Stadt (11,9 % gegenüber 40,4 % der Personen in urbanen Re-
gionen).
Das ist damit erklärbar, dass Menschen mit Behinderung aus ländlichen Gebieten häufiger in
Einfamilienhäusern und Bauernhöfen (61,1 %) (i. d. R. mit 1-2 Etagen) und seltener in Mehr-
familienhäusern (34,2 %) (i. d. R. mehr als 2 Etagen) wohnten.
Die hohe Anzahl im Erdgeschoss wohnender Menschen mit Behinderung könnte ein Hinweis
auf die Notwendigkeit eines barrierefreien Zugangs zur Wohnung sein, da oftmals Aufzüge in
Mehrfamilienhäusern fehlen.
Die durchschnittliche Wohnfläche der Befragten betrug zum Zeitpunkt der Befragung 69 m².
Im Vergleich dazu liegt dieser Wert für ganz Sachsen bei 73 m². Menschen mit Behinderung
in der Stadt und auf dem Land unterscheiden sich signifikant im Hinblick auf die Größe ihrer
Wohnung. Befragte im ländlichen Raum haben zu 60,0 % eine Wohnfläche von mehr als 63
m² zur Verfügung. Im Vergleich sind es in urbanen Regionen lediglich 48,1 %. Die durch-
schnittliche Wohnfläche der Befragten in der ländlichen Region liegt bei 77 m² im Vergleich
zu durchschnittlich 67 m² von Befragten aus dem urbanen Raum. Dies lässt sich möglicher-
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weise darauf zurückführen, dass die Mietpreise im ländlichen Raum deutlich günstiger als im
urbanen Raum sind bzw. auch Wohneigentum eine größere Rolle spielt. Ein weiterer Aspekt
könnte die häufiger angegebene Einbindung in familiäre Strukturen sein.
In Abbildung 24 wird die Wohnfläche ihrer Wohnung nach Aussage der Befragten darge-
stellt. Es erfolgt eine Unterscheidung nach der Hauptbehinderung der Befragten.
Abbildung 24 – Angaben zur Größe der Wohnfläche der Wohnung
Umbaumaßnahmen zur Verminderung von Barrieren
Die Teilnehmer/-innen wurden befragt, ob in ihrer Wohnung / ihrem Haus bereits Maßnah-
men zur Reduzierung von Barrieren bzw. zur Herstellung von Barrierefreiheit oder Barrie-
rereduzierung umgesetzt wurden. Daraus sollten Erkenntnisse gewonnen werden, in wel-
chem Umfang Möglichkeiten zur Verbesserung der Wohnung bereits genutzt wurden bzw.
welche die häufigsten bzw. wichtigsten Maßnahmen für einzelne Gruppen waren. Befragt
nach Umbaumaßnahmen zur Herstellung von Barrierereduzierung/Barrierefreiheit, gaben
insgesamt 33,3 % der Befragten an, bereits Umbaumaßnahmen durchgeführt zu haben. Von
den Personen mit motorischer Behinderung waren das 38,3 % und 26,1 % von den Personen
mit sensorischer Behinderung.
Um Aufschluss über konkret durchgeführte Umbaumaßnahmen zur Herstellung von Barrie-
refreiheit/Barrierereduzierung zu erhalten, wurden die Teilnehmer/-innen gefragt, welche
Umbaumaßnahmen konkret durchgeführt wurden, wer diese veranlasst und wer diese fi-
nanziert hat. Dazu wurden die Antworten der offenen Fragen ausgewertet und anschließend
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in Gruppen von Maßnahmen zusammengefasst. Da es hier keine vorgegebenen standardi-
sierten Antwortkategorien gab und die Teilnehmenden zur freien Texteingabe aufgefordert
waren, sind manche der aus den Angaben aggregierten Kategorien recht allgemeiner Natur.
Die Aussagen zu Umbaumaßnahmen wurden hinsichtlich der Hilfsmittelverwendung bzw. der
Betroffenheiten kategorisiert und dargestellt, um zu untersuchen inwiefern es hier Unterschie-
de zur Gesamtauswertung gibt. In der zusätzlichen Darstellung bzgl. der Hilfsmittelverwendung
bzw. den Betroffenheiten werden kleine Fallzahlen mit geringen Nennungen jedoch im Unter-
schied zu den Gesamtgrafiken nicht dargestellt. Im Folgenden werden nun die verschiedenen
Maßnahmen der einzelnen Wohnbereiche sowie eine Aufschlüsselung entsprechend der Hilfs-
mittelverwendung bzw. der Betroffenheiten beschrieben. Zusätzlich wurden die Aussagen zu
Umbaumaßnahmen im Stadt-Land Vergleich untersucht, um Unterschiede in Bezug auf die ver-
schiedenen Wohnregionen zu ermitteln.
Schwerpunkte der Umbaumaßnahmen
Die Ergebnisse der Befragung verdeutlichen, dass am häufigsten in den Bereichen allgemeiner
Wohnraum, Bad und Zugangsbereich Maßnahmen zur Barrierefreiheit in Wohnung und im
Wohnumfeld umgesetzt wurden (vgl. Abbildung 25).
Abbildung 25 – Absolute Häufigkeitsverteilung : durchgeführte Umbaumaßnahmen zur Barrierefreiheit in den
Bereichen (Mehrfachnennungen möglich)
Es zeigt sich, dass Befragte aus den Hilfsmittelgruppen (HMG) 1 bis 3 sowohl im allgemeinen
Wohnbereich als auch im Bad den größten Gestaltungsbedarf hatten. Im Bereich Küche und
nahes Wohnumfeld wurden über alle HMG hinweg kaum Umbaumaßnahmen veranlasst.
Während das nahe Wohnumfeld erwartungsgemäß vom Bewohner kaum gestaltbar ist, ver-
wundert der geringe Gestaltungsbedarf in der Küche auf den ersten Blick. Wahrscheinlich ist
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jedoch, dass hier mögliche Kompensationsstrategien (u. a. der Partner übernimmt die Küchen-
arbeit oder das Essen wird geliefert) in Kombination mit einem potentiell hohen Aufwand für
Gestaltungsmaßnahmen in häufig ohnehin sehr kleinen Küchen wirken.
Im Stadt-Land-Vergleich zeigten sich diesbezüglich kaum Unterschiede. Schwerpunkte bei
Umbaumaßnahmen lagen sowohl im ländlichen als auch im urbanen Raum auf Maßnahmen
im allgemeinen Wohnraum sowie im Bad.
Umbaumaßnahmen im Zugangsbereich
Schwerpunkte der Umbaumaßnahmen im Zugangsbereich lagen bei Fahrstühlen, Rampen
und Treppenliften. Abbildung 26 verweist auf insgesamt 269 Personen, die Angaben zu
Maßnahmen in diesem Bereich angaben. Konkret gehörten zu diesen Maßnahmen Fahrstüh-
le (n=122) Treppenlifte (n=31) und Rampen (n=6). Unter Fahrstuhl wurden die Begriffe Lift,
Aufzug, Fahrstuhl und Hebebühne subsummiert. Die Kategorie Elektrik umfasst unter ande-
rem Beleuchtung und elektronische Türöffner.
Bei der Betrachtung der HMG zeigte sich, dass der Anbau eines Fahrstuhls bzw. der Einbau
von Treppenliften Schwerpunkte der Maßnahmen in den HMG 1 bis 3 waren. Im Vergleich
zwischen urbanen und ländlichen Raum zeigte sich, dass auch hier der Anbau eines Fahr-
stuhls bzw. der Einbau eines Treppenlifts den Schwerpunkt der Umbaumaßnahmen darstell-
te.
Abbildung 26 – Absolute Häufigkeitsverteilung der Maßnahmen zur Barrierefreiheit im Zugangsbereich (Mehr-
fachnennungen möglich)
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Umbaumaßnahmen im allgemeinen Wohnraum
Im allgemeinen Wohnraum wurden besonders häufig Schwellen entfernt oder allgemein
Maßnahmen zur Schaffung von Barrierefreiheit durchgeführt. In der Kategorie allgemein
Maßnahmen zur Schaffung von Barrierefreiheit enthalten sind Anpassungsmaßnahmen zu
einer barrierefreieren Wohnung. Dazu gehören auch der Umzug in eine niedrigere Etage
oder das Anbringen von zusätzlichen Haltegriffen. Ein weiterer Schwerpunkt war die Anpas-
sung von Türen, wobei die Türklinken herabgesetzt oder breitere Türen eingebaut wurden
(vgl. Abbildung 27).
Abbildung 27 - Absolute Häufigkeitsverteilung der Maßnahmen zur Barrierefreiheit im allgemeinen Wohnbe-
reich (Mehrfachnennungen möglich)
Im Rahmen von Instandsetzungs- und wohnraumverbessernden Maßnahmen werden bereits
in vielen Wohnungen von Genossenschaften, kommunalen und privaten Anbietern Schwel-
len entfernt, um Wohnwert und Attraktivität der Immobilien zu erhalten bzw. zu verbessern.
Das gilt insbesondere für Standorte, an denen ein Mietermarkt, d.h. ein Wohnraumüber-
schuss existiert. Deshalb ist der Bedarf an schwellenfreiem Wohnraum möglicherweise deut-
lich höher als die Anzahl der durchgeführten Anpassungsarbeiten vermuten lässt.
Demgegenüber sind Maßnahmen, wie die Anpassung von Türen, das Anbringen (zusätzli-
cher) Haltegriffe oder der Umbau in barrierefreie Wohnungen eher direkt der Zielgruppe
Menschen mit Behinderung zuzuordnen.
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Eine Auswertung bezogen auf die Hilfsmittelgruppen zeigte, dass die Veranlassung der Ent-
fernung von Schwellen in allen drei HMG die häufigste Maßnahme war. Die Schaffung von
Barrierefreiheit (ohne nähere Angaben) wurde zudem vorrangig von den HMG 2 und 3 um-
gesetzt. Der Einbau einer Lichtanlage der Klingel wurde von Menschen mit sensorischer Be-
hinderung als Umbaumaßnahme getätigt.
Im Stadt-Land Vergleich ergaben sich keine wesentlichen Unterschiede.
Umbaumaßnahmen in der Küche
In der Küche wurden insgesamt nur von sechs Personen allgemeine Angaben zur Schaffung
von Barrierefreiheit angegeben. Den Umbau der Küche veranlassten drei Personen. Eine un-
terfahrbare Arbeitsfläche gaben zwei Personen an und eine Sitzerhöhung wurde von einer
Person als Maßnahme angegeben. Eine Differenzierung entsprechend der Hilfsmittel bzw. der
Betroffenheiten sowie ein Stadt-Land Vergleich ist an dieser Stelle aufgrund der geringen Fall-
zahlen nicht möglich.
Umbaumaßnahmen im Bad
Im Bad wurden am häufigsten Maßnahmen im Bereich Dusche und Umbau des gesamten
Bades umgesetzt (vgl. Abbildung 28). Es wurden in die Wohnungen ebenerdige Duschen oder
Duschen mit einer Sitzgelegenheit eingebaut. Im Bereich Umbau des gesamten Bades wurden
die Angaben, die Umbauten in ein rollstuhlgerechtes/barrierefreies Bad betrafen, zusam-
mengefasst.
Abbildung 28 – Absolute Häufigkeitsverteilung der Maßnahmen zur Barrierefreiheit im Bad (Mehrfachnennun-
gen möglich)
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Bei der Auswertung bezogen auf die Hilfsmittelgruppen zeigte sich, dass die häufigste Maß-
nahme in allen drei HMG der Einbau einer Dusche war, um das Bad besser nutzen zu können.
Ein genereller Umbau des Bads war Schwerpunkt der Umbauten bei Personen aus den HMG 2
und 3.
Im Stadt- Land Vergleich zeigte sich, dass auf dem Land insgesamt etwas mehr Umbaumaß-
nahmen im Bad durchgeführt wurden als in der Stadt.
Veranlasser der Umbaumaßnahmen
Die meisten Umbaumaßnahmen wurden durch die Betroffenen in Eigeninitiative veranlasst
(vgl. Abbildung 29). Bezieht man die Kategorie Familie in die Betrachtung mit ein, dann zeigt
sich, dass die Umbauten dreimal so häufig privat veranlasst wurden, als sie vom Vermieter
oder der Genossenschaft in die Wege geleitet wurden. Weiterhin veranlassten häufig die
Genossenschaften und Vermieter, sicher auch in Umsetzung aktueller Standards zur Schwel-
lenfreiheit in der Wohnung bzw. als allgemeine Maßnahmen von Werterhaltung und Wohn-
komfort, die Maßnahmen zur Barrierefreiheit.
Abbildung 29 – Absolute Häufigkeitsverteilung der Veranlasser der Umzugsmaßnahmen
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Es zeigten sich Unterschiede bei den Veranlassern der Umbaumaßnahmen im Vergleich
Stadt-Land. Teilnehmer/-innen in ländlichen Regionen führten die Umbaumaßnahmen ten-
denziell eher in Eigeninitiative durch als Teilnehmende in urbanen Gebieten.
Kostenübernahme für die Umbaumaßnahmen
Die Kosten zum Umbau einer barrierefreien Wohnung wurden meist privat getragen. Zusätz-
lich konnte ein Teil der Kosten von Kranken- und Pflegekassen oder Genossenschaften über-
nommen werden (vgl. Abbildung 30).
Abbildung 30 – Absolute Häufigkeitsverteilung zur Kostenübernahme der Maßnahmen zur Barrierefreiheit
Dabei ist zu beachten, dass die Kranken- und Pflegekassen nur einen geringen Betrag über-
nehmen. Umfassende Umbauten sind mit diesem Volumen nicht möglich. Mit Blick auf die
Hilfsmittelgruppen zeigt sich, dass eine private Finanzierung insbesondere durch HMG 3 er-
folgte. In den HMG 1 und 2 lag der Anteil derer, die die Umbaumaßnahmen privat finanzierte
deutlich darunter.
Dies ist insbesondere in Bezug auf die geringen verfügbaren monatlichen Einkommen der
Befragten bemerkenswert. Daraus lässt sich auf die Dringlichkeit der Umbauten schließen.
Wer die notwendigen Mittel nicht aufbringen kann, kann aber notwendige Anpassungsarbei-
ten nicht finanzieren.
Im Stadt-Land Vergleich zeigte sich, dass Teilnehmer/-innen aus ländlichen Gebieten die Um-
baumaßnahmen eher privat finanzierten, als Befragte im urbanen Raum.
Umzugswunsch bei den Befragten
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Die Teilnehmer/-innen der Studie wurden befragt, ob sie bereits versucht haben, in eine an-
dere Wohnung bzw. ein anderes Wohngebiet umzuziehen. Diese Frage sollte Auskunft dar-
über geben, ob sich ihre Wohnsituation dadurch verbessert hat und welche Erfahrungen die
Personen mit Blick auf verfügbare barrierefreie/barrierereduzierte Wohnungen gemacht ha-
ben. Insgesamt gaben 10,0 % (entspricht 240 von 2.400 Befragten) an, dass sie versuchten, in
ein anderes Wohnumfeld / eine andere Wohnung zu ziehen. Von denjenigen Personen, die
angaben, dass sie es bereits versuchten, gaben 27,5 % an, bereits etwas gefunden zu haben
und demnächst umzuziehen bzw. bereits umgezogen zu sein. Mit 37,0 % gaben eine große
Zahl an, etwas gefunden zu haben, dies aber nicht bezahlen zu können. Darüber hinaus haben
35,4 % der Befragten angegeben, keine geeignete Wohnung gefunden zu haben.
Die Analyse der Antworten auf die offenen Fragen ergab ergänzend Gründe, warum Personen
bereits versucht haben umzuziehen bzw. bereits umgezogen sind (vgl. Abbildung 31). Dem-
nach erfolgte der Umzug vorrangig aus alters- bzw. gesundheitsbedingten Gründen, insbe-
sondere weil in eine alters- bzw. behindertengerechte Einrichtung/Wohnung umgezogen
wurde. Ein Umzug erfolgte auch aufgrund des fehlenden Aufzugs bzw. der fehlenden Barrie-
refreiheit der bis dahin genutzten Wohnung. Einige Befragte mussten aufgrund der Woh-
nungsgröße umziehen. Dabei wurden keine Angaben zu der Frage gemacht, ob die Wohnung
zu groß oder zu klein geworden ist.
Abbildung 31 – Von den Befragten angegebene Umzugsgründe
- 56 -

Im Vergleich zwischen Stadt und Land zeigte sich, dass es bzgl. des Versuchs die Wohnung zu
wechseln signifikante Unterschiede gibt. Demnach haben Menschen mit Behinderung, die im
ländlichen Raum wohnen, einen Wohnungswechsel seltener versucht (6,1 % ggü. 11,4 % in
urbanen Gebieten). Diese Aussagen korrespondieren mit der bereits angemerkten engeren
Anbindung an Wohneigentum bzw. an die Familie. Aussagen aus einer Befragung von Pflege-
kräften auf dem Lande bestätigen, dass als Alternativen zum Wohnen mit der eigenen Familie
bzw. zum eigenen Haus oft nur die Heimunterbringung bzw. der Einzug in betreutes Wohnen,
sofern überhaupt verfügbar, möglich sind (vgl. VSWG - 2015). Die geringe Zahl an Befragten
die überhaupt einen Wunsch nach Umzug artikulierten, ist typisch für die Altersgruppe. Un-
tersuchungen zeigten einen Zusammenhang zwischen Veränderungsbereitschaft und Alter.
Die Mehrzahl der Menschen mag im Alter eigentlich nicht mehr umziehen, sich nicht mehr
verändern.
Die Analyse der Freitextfelder zeigte zudem auf, aus welchen Gründen die Befragten noch
nicht umgezogen sind bzw. nicht versucht haben umzuziehen. In den freien Nennungen ga-
ben 152 Personen an, mit ihrer Wohnung zufrieden zu sein und demnach keinen Umzugs-
wunsch zu haben. Weiterhin gaben 93 Personen an, im Eigentum zu wohnen und somit kei-
nen Umzugswunsch zu hegen. 87 Personen gaben an, dass ein Umzug aus finanziellen Grün-
den und 54 als alters- bzw. krankheitsbedingten Gründen nicht möglich sei. Weiterhin emp-
fanden 69 Personen das Umfeld bzw. die Infrastruktur der Wohnung als gut, sodass sie nicht
umziehen möchten. Jeweils 53 Personen gaben an, dass sie vor Ort Unterstützung durch
Partner und/oder Familie/Freunde erfahren und somit ein Umzug nicht notwendig erscheint.
Das wahrgenommene Fehlen von verfügbarem barrierefreien Wohnraum bzw. alters- und
behindertengerechten Einrichtungen war für 28 Personen ein Grund, nicht umzuziehen. Von
26 Personen wurde ein Umzug ausgeschlossen, da sie bereits seit vielen Jahren in dieser
Wohnung leben und sich nicht von dieser trennen möchten.
Wohnberatung
Weiterhin wurde gefragt, ob die Befragten die Möglichkeiten der Wohnberatung für Men-
schen mit Behinderung kennen. Hierzu gaben 72,4 % an, diese nicht zu kennen bzw. mach-
ten keine Angaben. 21,8 % der befragten Personen gaben an, die Möglichkeiten zu kennen,
diese aber noch nicht in Anspruch genommen zu haben. Insgesamt haben 3,3 % der Befrag-
ten bereits eine Wohnberatung in Anspruch genommen. Hochsignifikante Unterschiede gab
es hier zwischen Stadt und Land. Wohnberatung war auf dem Dorf lebenden Menschen mit
- 57 -

 
Behinderung weniger bekannt. 80,7 % der Probanden aus ländlichen Regionen kannten diese
nicht ggü. 72,2 % der Personen aus urbanen Regionen.
5.1.4. Stadt-Land-Unterschiede
Im Rahmen der Studie wurden Unterschiede mit Blick auf urbane und ländliche Regionen
ausgewertet. Als urbane Region wurden Gemeinde mit Stadtrecht bzw. städtisch geprägte
Ortsteile definiert, die anhand der angegebenen Postleitzahlen bestimmt wurde. Insgesamt
konnten so 1815 Personen (75,6 %) dieser Kategorie zugeordnet werden. Als ländliche Regi-
on wurden dörflich geprägte Ortsteile bzw. Gemeinden ohne Stadtrecht verstanden. Dem-
nach konnten 555 Personen (23,1 %) der Stichprobe dieser Kategorie zugeordnet werden.
Die Ergebnisse wurden bereits in Kapitel 5.1 ergänzend dargestellt und werden an dieser
Stelle noch einmal zusammenfassend aufgeführt. Durch den Stadt-Land Vergleich wurden
die in Tabelle 8 zusammengestellten signifikanten Unterschiede ermittelt:
Tabelle 8: Zusammenfassende Übersicht der Ergebnisse im Stadt-Land-Vergleich
Gebäudetyp
Befragte, die auf dem Land lebten, wohnten eher in Eigentumswohnungen (47,0 % ggü.
13,8 % der Personen in urbanen Regionen) bzw. im Haus von Angehörigen (19,8 % ggü. 5,2
% in urbanen Regionen) und weniger in Miet- und Genossenschaftswohnungen (24,0 %
ggü. 53,1 % in urbanen Regionen).
Menschen mit Behinderung in ländlichen Regionen wohnten eher in Einfamilienhäusern
(53,0 % ggü. 14,7 % in urbanen Regionen) und Bauernhöfen (8,1 % ggü. 0,4 % in urbanen
Regionen) und weniger in Mehrfamilienhäusern (34,2 % ggü. 80,6 % in urbanen Regionen).
Etagenwohnung
Befragte aus ländlichen Regionen wohnten eher im Erdgeschoss (38,6 % ggü. 26,9 % in ur-
banen Regionen) bzw. über mehrere Etagen (19,1 % ggü. 5,4 %) und weniger in der zweiten
oder einer höheren Etage (11,9 % ggü. 40,4 % in urbanen Regionen).
Größe der Wohnung
Personen, die in ländlichen Regionen lebten, hatten eine größere Wohnung (≥ 63 m²) (60,0
% ggü. 48,1 % in urbanen Regionen).
- 58 -

Arbeit
Befragte aus ländlichen Regionen waren häufiger berufstätig (11,3 %) als Personen aus
urbanen Regionen (8,6 %)
Alter
Aus den ländlichen Regionen haben jüngere Personen teilgenommen (44,4 % waren jün-
ger als 65 Jahre ggü. 36,2 % der Personen in urbanen Regionen).
Geschlecht
Mehr Befragte aus ländlichen Regionen gaben männlich als Geschlecht an (50,9 % ggü.
44,9 % in urbanen Regionen).
Nutzung des Hilfsmittels Rollstuhl mit Hilfsperson
Teilnehmer/-innen aus ländlichen Regionen waren häufiger auf Rollstuhl mit Hilfsperson
angewiesen (12,8 % ggü. 9,3 % der Personen aus urbanen Regionen).
Wohnung und Wohnumfeld
Befragte aus ländlichen Regionen haben die Frage nach dem schwellenlosen Hauseingang
weniger positiv beantwortet (27,7 % positive Antworten ggü. 36,5 % in urbanen Regionen).
Die Frage nach der Gehwegqualität wurde durch die Befragten aus ländlichen Regionen
kritischer beantwortet (20,6 % negativ Antworten ggü. 16,0 % in urbanen Regionen).
Personen aus ländlichen Regionen hatten eher keinen Aufzug (91,0 % ggü. 66.6 % in urba-
nen Regionen).
Mit den selbstständigen Bewegungsmöglichkeiten in Aufzügen und Treppen waren Perso-
nen aus den ländlichen Regionen unzufriedener (18,4 % ggü. 13,9 % in urbanen Regionen).
Menschen mit Behinderung aus ländlichen Regionen beantworteten die Frage nach dem
Platzangebot in der Wohnung weniger kritisch (22,4 % negative Antworten ggü. 28,7 % in
urbanen Regionen).
Die Frage nach dem Platzangebot in der Küche wurde von Befragten aus ländlichen Regio-
nen positiver beantwortet (71,9 % ggü. 54,9 %).
Teilnehmer/-innen aus ländlichen Regionen beantworteten die Frage nach dem Platzange-
- 59 -

bot im Bad positiver (47,8 %) als Personen aus urbanen Regionen (36,8 %).
Bei Befragten aus ländlichen Regionen war eher eine Dusche vorhanden (81,3 % ggü. 69,5
% in urbanen Regionen); gleichzeitig hatten sie auch eher eine Badewanne (19,8 % ggü. 7,6
% in urbanen Regionen).
Lebenssituation
Befragte aus ländlichen Regionen lebten häufiger in Familie (19,2 % ggü. 10,1 % in urbanen
Regionen).
Zufriedenheit
Personen, die in ländlichen Gebieten wohnten, waren eher unzufrieden mit ihrer Lebenssi-
tuation (24,5 % ggü. 20,3 % in urbanen Regionen).
Mit den Nachbarn waren Teilnehmer/innen aus ländlichen Regionen weniger unzufrieden
(10,6 %) als Befragte aus urbanen Regionen (16,5 %).
Wohnungsberatung
Personen, die in ländlichen Gebieten wohnten, war die Wohnberatung weniger bekannt
(80,7 % ggü. 72,2 % in urbanen Regionen).
Wohnung und Wohnumfeld
Befragte aus ländlichen Regionen haben die Frage nach dem schwellenlosen Hauseingang
weniger positiv beantwortet (27,7 % positive Antworten ggü. 36,5 % in urbanen Regionen).
Die Frage nach der Gehwegqualität wurde durch die Befragten aus ländlichen Regionen
kritischer beantwortet (20,6 % negativ Antworten ggü. 16,0 % in urbanen Regionen).
Personen aus ländlichen Regionen hatten eher keinen Aufzug (91,0 % ggü. 66.6 % in urba-
nen Regionen).
Mit den selbstständigen Bewegungsmöglichkeiten in Aufzügen und Treppen waren Perso-
nen aus den ländlichen Regionen unzufriedener (18,4 % ggü. 13,9 % in urbanen Regionen).
Menschen mit Behinderung aus ländlichen Regionen beantworteten die Frage nach dem
Platzangebot in der Wohnung weniger kritisch (22,4 % negative Antworten ggü. 28,7 % in
urbanen Regionen).
- 60 -

 
Die Frage nach dem Platzangebot in der Küche wurde von Befragten aus ländlichen Regio-
nen positiver beantwortet (71,9 % ggü. 54,9 %).
Teilnehmer/-innen aus ländlichen Regionen beantworteten die Frage nach dem Platzange-
bot im Bad positiver (47,8 %) als Personen aus urbanen Regionen (36,8 %).
Bei Befragten aus ländlichen Regionen war eher eine Dusche vorhanden (81,3 % ggü. 69,5
% in urbanen Regionen); gleichzeitig hatten sie auch eher eine Badewanne (19,8 % ggü. 7,6
% in urbanen Regionen).
Lebenssituation
Befragte aus ländlichen Regionen lebten häufiger in Familie (19,2 % ggü. 10,1 % in urbanen
Regionen).
Zufriedenheit
Personen, die in ländlichen Gebieten wohnten, waren eher unzufrieden mit ihrer Lebenssi-
tuation (24,5 % ggü. 20,3 % in urbanen Regionen).
Mit den Nachbarn waren Teilnehmer/innen aus ländlichen Regionen weniger unzufrieden
(10,6 %) als Befragte aus urbanen Regionen (16,5 %).
Wohnungsberatung
Personen, die in ländlichen Gebieten wohnten, war die Wohnberatung weniger bekannt
(80,7 % ggü. 72,2 % in urbanen Regionen).
5.2. Stichprobe Fragebogen motorische Behinderung
Neben den soziografischen Fragestellungen enthält der
Fragebogen motorische Behinderung
Fragen zu Sicherheitsgefühl und Selbstbestimmung in den verschiedenen Bereichen. Darüber
hinaus wird die Einhaltung von Einzelkriterien abgefragt und ob eine Nichteinhaltung eine
Beeinträchtigung für den Benutzer / die Benutzerin darstellt. Im Folgenden werden die Er-
gebnisse zu diesen Fragestellungen dargestellt. Dabei kann über die Fragen zur Selbstbe-
stimmung und zum Sicherheitsgefühl ermittelt werden, welche Bereiche der Wohnung die
größten Probleme verursachen. Anhand der Antworten zu diesen Globalfragen ist ein Ver-
gleich der Wohnbereiche möglich. Die Antworten zu den Einzelkriterien ermöglichen eine
- 61 -

 
Aussage, wie häufige ein Kriterium im Bestand bereits erfüllt ist und wie stark seine Nichter-
füllung die Bewohner mit Behinderung einschränkt.
5.2.1. Aussagen zu Selbstbestimmung und Sicherheitsgefühl
Gestaltungskriterien sagen nur etwas über den einzelnen Parameter, also zum Beispiel über
die Türbreite, aus. Um Problemschwerpunkte im Wohnhaus oder der Wohnung besser er-
kennen zu können, wurden zu den Wohnbereichen
nahes Wohnumfeld,
Zugangsbereich,
Treppen und Aufzüge,
allgemeiner Wohnbereich,
Küche und
Bad
Fragen gestellt, wie sicher, wie selbstbestimmt und wie gut orientiert sich die Teilnehmer/-
innen in diesem Bereich jeweils fühlen.
Diese globalen Fragen dienten dazu, das von den Befragten wahrgenommene Gefühl zu
Selbstbestimmtheit und Sicherheit als Gesamtzusammenhang zu erfassen und so zu ermit-
teln, in welchen Bereichen die größten Probleme wahrgenommen werden.
Anhand der Globalfragen sind die einzelnen Wohnbereiche darüber hinaus, in Bezug auf die
wahrgenommene Sicherheit und Selbstbestimmtheit bei der Nutzung, miteinander ver-
gleichbar. Die Einzelkriterien ermöglichen keine Vergleichbarkeit, da nicht alle in jedem
Wohnbereich auftreten und die Befragten sie nicht gleich häufig bewertet haben.
Die zur Ermittlung eines grundlegenden Sicherheitsgefühls und der wahrgenommen Selbst-
bestimmung gestellten Fragen wurden für jeden Wohnbereich gesondert gestellt. In der
Auswertung dieser Fragen für den Datensatz aus dem
Fragebogen motorische Behinderung
zeigte sich über alle HMG eine hohe Zufriedenheit der Befragten.
Die größten Probleme wurden bei den Fragen zum Komplex „
Wie wirkt sich die Gestaltung
auf ihre Selbstbestimmung und Ihr Sicherheitsgefühl aus?“
für die Aussage „
… kann ich mich
selbständig und problemlos bewegen und betätigen.“
gesehen. Insbesondere für die Berei-
che
Treppen und Aufzüge
,
Bad, Zugangsbereich
und
nahes Wohnumfeld
werden, wie in Ab-
bildung 32 dargestellt, häufiger die Aussagen
stimme eher nicht zu
und
stimme gar nicht zu
getroffen.
- 62 -

image
Abbildung 32 – selbst empfundene Selbstbestimmung,
Fragebogen motorische Behinderung gesamt
Die Aussagen zu
“… kann ich mich gut orientieren, wo ich bin und was zu beachten ist.”
und
“…
fühle ich mich sicher und habe keine Angst, mich zu verletzen oder etwas falsch zu machen.”
wurden deutlich positiver bewertet. Auffällig ist die hohe Anzahl an nicht gegebenen Antwor-
ten für den Bereich Treppen und Aufzüge. Dieser beruht vermutlich auf der hohen Anzahl an
Befragten, die im Erdgeschoss wohnen und deshalb weder Treppen noch Aufzüge benutzen.
Weil dadurch die Vergleichbarkeit der Aussagen nicht mehr gegeben ist, wird im Folgenden die
Anzahl an nicht gegebenen Antworten nicht mehr grafisch dargestellt, sondern nur noch auf
die absolute Anzahl an Antworten verwiesen.
Bei den Aussagen zum Wohnumfeld ist unklar, ob die Befragten mit ihren Aussagen stärker
auf den öffentlichen Raum abzielen. Aufgabe dieser Untersuchung war, den zum Wohnge-
bäude gehörigen Bereich der Außenanlagen zu betrachten. Die Aussagen der Teilnehmer/-
innen scheinen sich aber nicht nur auf den Bereich von der Grundstücksgrenze bis zum Ge-
bäude zu beziehen. Eine klare Abgrenzung, welche Aussagen zum direkten Wohnumfeld zu
zu ordnen sind und welche dem öffentlichen Raum ist nicht möglich.
Die Gesamtübersicht über alle motorisch Behinderten erlaubt keine Aussage dazu, inwieweit
Unterschiede bei den HMG 1 bis 3, in Bezug auf Selbstbestimmtheit und Sicherheitsgefühl
bei der Benutzung, bestehen. Deshalb ist es notwendig die Aussagen bezogen auf die Hilfs-
mittelnutzung zu überprüfen, um zu ermitteln, ob bei einer HMG besonders starke Ein-
- 63 -

image
 
schränkungen bei der selbstständigen Benutzung eines Bereiches wahrgenommen werden.
Bei der Angabe zum genutzten Hilfsmittel waren Mehrfachnennungen möglich. Die Addition
der Anzahl der Befragten in den einzelnen Hilfsmittelgruppen übersteigt deshalb die Ge-
samtzahl der Teilnehmer/-innen.
Personen, die eine Gehhilfe nutzen (HMG 1)
Personen mit einer motorischen Einschränkung, die eine Gehhilfe, z.B. eine Unterarmstütze
oder einen Rollator nutzen, fühlten sich in ihrer Selbstständigkeit zu einem überwiegenden
Teil nicht oder kaum beeinträchtigt. Sie stimmten der Aussage
“Ich kann mich in dem jeweili-
gen Bereich meines Wohnhauses selbstständig und problemlos bewegen und betätigen”
voll
oder eher zu. In den Bereichen
Küche
und
allgemeiner Wohnbereich
fühlen sich 12,3 % und
14,9 % der Befragten beim Bewegen und Betätigen in diesen Bereichen beeinträchtigt (siehe
dazu Abbildung 33).
Abbildung 33 – selbst empfundene Selbstbestimmung; HMG 1; (Mehrfachnennung möglich)
Deutlich mehr Probleme haben Personen die eine Gehstütze verwendeten im
Bad
mit 24,4 %
und im Bereich der
Treppen und Aufzüge
in ihrem Wohnhaus. Insgesamt gaben 20,7 % an, in
diesem Bereich Probleme zu haben, wovon 6,4 % der Befragten der Aussage überhaupt nicht
zustimmten.
- 64 -

image
 
Rollstuhl mechanisch (HMG 2)
Personen, die einen mechanischen Rollstuhl benutzen, fühlten sich in ihrer Selbstständigkeit
zu einem überwiegenden Teil nicht oder kaum beeinträchtigt. Sie stimmten der Aussage
“Ich
kann mich in dem jeweiligen Bereich meines Wohnhauses selbstständig und problemlos be-
wegen und betätigen”
voll oder eher zu. In den Bereichen
Küche
und
allgemeiner Wohnbe-
reich
fühlen sich 27,6 % und 26,0 % der Befragten beim Bewegen und Betätigen in diesen
Bereichen beeinträchtigt (vgl. Abbildung 34).
Abbildung 34 – selbst empfundene Selbstbestimmung; HMG 2; (Mehrfachnennung möglich)
Noch mehr Probleme hatten sie im Wohnumfeld, wozu 38,9 % aussagen, sie könnten sich
eher nicht oder gar nicht selbstständig und problemlos bewegen und betätigen. Ähnliche
Aussagen werden zum
Zugangsbereich
, Bad und im Bereich der
Treppen und Aufzüge
ge-
macht. Die Gruppe derer, die der Aussage gar nicht zustimmen, war für
Treppen und Aufzüge
mit 14,3 % am größten.
Rollstuhl elektrisch und Rollstuhl mit Hilfsperson (HMG 3)
Von den Personen, die auf einen elektrischen Rollstuhl oder auf einen Rollstuhl mit Hilfsper-
son angewiesen waren, fühlten sich etwa die Hälfte der Befragten in ihrer Selbstständigkeit
nicht oder kaum beeinträchtigt. Sie stimmten der Aussage
“Ich kann mich in dem jeweiligen
Bereich meines Wohnhauses selbstständig und problemlos bewegen und betätigen”
voll oder
eher zu (vgl. Abbildung 35).
- 65 -

image
 
Abbildung 35 – selbst empfundene Selbstbestimmung; HMG 3; (Mehrfachnennung möglich)
Insbesondere in den Bereichen
Bad
und im Bereich
Treppen und Aufzüge
fühlen sich die Be-
fragten beim Bewegen und Betätigen beeinträchtigt.
Für
Treppen und Aufzüge
stimmten 15,6 % der Befragten der Frage
“Ich kann mich in dem
jeweiligen Bereich meines Wohnhauses selbstständig und problemlos bewegen und betäti-
gen”
gar nicht zu. Auch für das Bad und den
Zugangsbereich
ist der prozentuale Anteil derer
die dieser Frage gar nicht zustimmen groß.
Schwerpunkte bei Selbstbestimmung und Sicherheit
Die Teilnehmer/-innen die einen Rollstuhl benutzen oder zusätzlich auf eine Hilfsperson ange-
wiesen waren, sagten deutlich häufiger, dass sie sich eher nicht, oder gar nicht selbstständig
und problemlos bewegen und betätigen können. Dabei ist die Ausprägung abhängig von der
Hilfebedürftigkeit und der Hilfsmittelnutzung.
Die größten Einschränkungen werden von Rollstuhlbenutzer/-innen gesehen, unabhängig da-
von, welche Rollstuhlart sie benutzen. Problemschwerpunkt ist neben
Treppen und Aufzüge
und dem
Zugangsbereich
das
Bad
. Die größten Probleme werden von Teilnehmern/-innen der
HMG 3 gesehen.
Für die Entscheidung, welche Kriterien für den Katalog für bedarfsgerecht barrierefreien Wohn-
raum tatsächlich und mit welcher Gewichtung relevant sind, werden nun die Antworten zu den
Einzelfragen des Fragebogens in den Wohnbereichen detaillierter ausgewertet.
- 66 -

image
 
5.2.2. Beeinträchtigung wegen nicht vorhandener Wohnungseigenschaft
Im Fragebogen wurde für jeden Wohnbereich (nahes Wohnumfeld, Zugangsbereich, Trep-
pen und Aufzüge, allgemeiner Wohnbereich, Küche und Bad) in einem eigenen Abschnitt
danach gefragt, ob die beschriebene Wohnungseigenschaft erfüllt ist, oder nicht. Die Befrag-
ten konnten entscheiden ob auf die gestellte Frage, bezogen auf ihre eigene Wohnung, die
Antwort
trifft (eher) zu
oder
trifft (eher) nicht zu
ist. Darüber hinaus konnte vermerkt wer-
den, wenn die Nichterfüllung des Kriteriums zu einer Beeinträchtigung des Befragten führt.
Beispielhaft zeigt Abbildung 36 die drei möglichen Antwortvarianten.
Abbildung 36 - Antwortvarianten
Die Antworthäufigkeit zu
trifft (eher) zu
und
trifft (eher) nicht zu
sagt etwas über den Erfül-
lungsgrad der abgefragten Wohnungseigenschaft in den Wohnungen der Befragten aus. Die
Aussage
das beeinträchtigt mich
bezieht sich auf die Antworten
trifft (eher) nicht zu
(vgl.
Abbildung 37). Diese gibt Aufschluss darüber, ob die abgefragte Wohnungseigenschaft für
die individuelle Benutzbarkeit durch den Befragten relevant ist oder nicht.
- 67 -

image
image
Abbildung 37 – Darstellung Anteil
das beeinträchtigt mich
von gesamter Anwortanzahl
Dabei unterscheiden sich die Anforderungen je nach Hilfsmittelgruppe oder sensorischer
Betroffenheit. Die Häufigkeit mit der zu einem Kriterium die Aussage
das beeinträchtigt mich
getroffen wurde, ist maßgeblich für die Wichtung dieses Kriteriums in Bezug auf eine be-
darfsgerecht barrierefreie Wohnung. Der Vergleich der Nennungshäufigkeit von
das beein-
trächtigt mich
zu den Kriterien, ermöglicht deshalb die Sortierung nach Wichtigkeit der Krite-
rien für eine bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung.
In einem ersten Schritt wurden die Aussagen der Befragten zu den Wohnungseigenschaften
quantitativ ausgewertet. Die Aussagen der Stichprobe
Fragebogen motorische Behinderung
wurden nach dem Prozentanteil der Antworten
das beeinträchtigt mich
bezogen auf die
Antwort
das trifft (eher) nicht zu
ermittelt. Die ermittelten Werte wurden in absteigender
Reihe sortiert.
Nicht berücksichtigt wurden hierbei Aussagen, die sich auf eine vorangegangene Frage be-
ziehen. Dabei handelte es sich um Einzelfragen zu Gestaltungsvarianten eines Objektes, wie
der Dusche oder des Aufzugs (beispielhaft dargestellt in Abbildung 38). Diese wurden sepa-
rat ausgewertet.
- 68 -

image
Abbildung 38 – Auf vorangegangene Frage bezogene Fragen zur Dusche
In einem zweiten Schritt wurden die nach Prozentanteil sortierten Kriterien in einer Gleich-
verteilung (gleiche Anzahl an Kriterien je Gruppe) in die Kategorien A, B und C eingeteilt (vgl.
Tabelle 8, Spalte
gesamt
). Dabei ist davon auszugehen, dass die Einhaltung aller Kriterien in
Kategorie A aufgrund der höchsten Beeinträchtigung der Befragten durch die Nichteinhal-
tung des Kriteriums, für eine bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung sehr wichtig ist. Die Ein-
haltung der Kriterien der Kategorie B ist durchschnittlich wichtig und die der Kategorie C we-
niger wichtig.
Für die Aussagen zu den Kriterien die sich auf die vorhergehende Frage bezogen, erfolgte
ebenfalls eine quantitative Auswertung unter Einbeziehung aller Unterfragen zur Hauptfra-
ge. Bei diesen Fragen wurden nur von wenigen Teilnehmern/-innen Antworten zu den Un-
terfragen gegeben.
Die Auswertung der Aussagen zur Beeinträchtigung durch nicht vorhandene Eigenschaften
eines baulichen Kriteriums zeigt eine Häufung von Antworten mit Bezug zu Bewegungsflä-
chen in der ermittelten Kategorie A. Die Betrachtung über alle Hilfsmittelgruppen (HMG)
führt zu einer Gleichbewertung unabhängig davon, wie der Bewegungsflächenbedarf durch
die Hilfsmittelnutzung ist. Benutzer/-innen mit HMG 1 haben einen geringeren Bedarf an
Bewegungsfläche als Benutzer/-innen in HMG 2 und 3. Deshalb erfolgte eine Auswertung
nach HMG, um die tatsächliche Beeinträchtigung der Betroffenen zu überprüfen und Prob-
leme zu identifizieren.
- 69 -

Auswertung nach Hilfsmittelnutzung
In einem dritten Schritt wurden deshalb auch für die HMG die Daten zur Erfüllung der Einzel-
kriterien und einer möglichen Beeinträchtigung durch Nichterfüllung quantitativ ausgewer-
tet. Dazu wurden, die Antworten zusammengefasst in:
HMG 0
Keine Nutzung einer Mobilitätshilfe
HMG 1
Nutzung von Gehstützen und/ oder Rollator, aber kein Rollstuhl
HMG 2
Nutzung eines mechanischen Rollstuhls, aber ohne Hilfsperson
HMG 3
Nutzung eines elektrischen Rollstuhl und/ oder auf eine Hilfsperson angewiesen
Die Aussagen der Teilstichproben der Antworten
das beeinträchtigt mich
bezogen auf die
Antwort
das trifft (eher) nicht zu
wurden nach Prozentanteil in absteigender Reihe sortiert.
Nicht berücksichtigt wurden wieder Aussagen, die sich auf eine vorangegangene Frage be-
ziehen, diese wurden gesondert ausgewertet (vgl. dazu Tabelle 9, Spalte
HMG 1, HMG 2 und
HMG 3
).
Für alle drei HMG wurden die Kategorien A bis C mit Hilfe mit der gleichen Verfahrensweise
wie bei der Gesamtstichprobe zum
Fragebogen motorische Behinderung
gebildet. In der Ta-
belle 9 ist dargestellt, wie die Fragestellungen insgesamt und für jede Hilfsmittelgruppe zu
den Kategorien zugeordnet wurden. Die farbliche Darstellung verweist auf die Zuordnung zu
Kategorie A, B oder C. Der obere Zahlenwert gibt jeweils die Prozentangabe der Antworten
das beeinträchtigt mich
bezogen auf die Antwort
das trifft (eher) nicht zu
an. Die darunter
befindlichen Klammerwerte, verweisen auf die Anzahl der Teilnehmer die diese Antwort
gegeben haben.
Die Zahl derer, die bei einer Frage angegeben haben, dass durch die Nichterfüllung der An-
forderung eine Beeinträchtigung eintritt, differiert bei den Fragestellungen stark. Ein hoher
Prozentsatz der Beeinträchtigung bei geringer absoluter Antwortanzahl, verweist auf einen
bereits guten Erfüllungsgrad dieses Kriteriums im Bestand.
- 70 -

image
Tabelle 9 – Zuordnung zu Kategorie A, B und C, motorische Behinderungen
- 71 -

image
In jeder HMG haben unterschiedlich viele Teilnehmer/-innen geantwortet. Bei HMG 1 waren
es etwa 3-mal so viele Teilnehmer/-innen wie in den anderen HMG. Darüber hinaus haben
manche Teilnehmer/-innen einige Fragen nicht beantwortet. Deshalb können die Absolut-
- 72 -

werte der Antwortanzahl nicht direkt miteinander verglichen werden. Kriterien als gar nicht
relevant auszuschließen, weil eine zu geringe Anzahl an Antworten vorliegt, erscheint nicht
richtig. Es kann sich dabei um Anforderungen handeln, deren Nichteinhaltung zu einem Nut-
zungsausschluss für Menschen mit Behinderung führt. Dies widerspräche den Anforderun-
gen der UN-BRK. Zur Frage inwieweit Kriterien bei der baulichen Ausgestaltung von bedarfs-
gerecht barrierefreien Wohnungen unabdingbar zu erfüllen sind, folgt im nachfolgenden
Kapitel eine qualitative Bewertung.
Besonders gering sind die Antwortzahlen für Fragen die sich auf eine vorhergehende Haupt-
frage beziehen. Dies beruht darauf, dass nicht alle Befragten die Hauptfrage mit
trifft (eher)
zu
beantwortet haben. Damit ist die Zahl derer, die die Unterfragen überhaupt beantwortet
konnten, noch einmal geringer. Im Fragebogen beinhalteten diese Fragen Kriterien, die für
die Spezifizierung von Ausstattungselementen von Interesse sind. Derartige Fragen wurden
z.B. zur Ausführung von Aufzügen, Rampen oder Duschen gestellt.
Für einige Anforderungen an die Ausgestaltung der Dusche haben ausreichend Teilnehmer/-
innen Aussagen getroffen. Insbesondere Schwellenlosigkeit und sichere Benutzbarkeit sind
für die Befragten wichtig (vgl. dazu Tabelle 10).
Tabelle 10 – Bewertung der Kriterien bezogen auf die Dusche
Frage laut Fragebogen
HMG 1
HMG 2
HMG 3
Die Dusche ist schwellen- und stufenlos erreichbar.
21,8 %
(75)
30,0 %
(24)
35,0 %
(28)
Die Duscharmatur kann ich mit einer Hand gut benutzen.
19,0 %
(19)
21,4 %
(9)
24,5 %
(13)
Der Bodenbelag in der Dusche ist gefahrlos begeh- und befahrbar durch
einen rutschhemmenden Untergrund.
15,5 %
(45)
18,8 %
(16)
25,6 %
(21)
Die Duscharmatur mit Handbrause ist für mich ohne Hindernisse
erreichbar und benutzbar.
13,9 %
(17)
20,4 %
(11)
22,1 %
(15)
In der Dusche gibt es eine Sitzgelegenheit bzw. es kann noch eine
nachgerüstet werden.
23,9 %
(28)
14,8 %
(8)
29,8 %
(14)
In der Dusche befinden sich Haltegriffe, die ich gut benutzen kann.
13,4 %
(34)
16,9 %
(14)
20,7 %
(18)
Bei der Auswertung von Tabelle 9 ist auffällig, dass ein fehlender Aufzug im Gebäude auf-
grund der Anzahl derer, die dies als Beeinträchtigung empfinden, nicht in die höchste Kate-
- 73 -

 
gorie eingestuft werden muss. Wenn ein Mensch mit Behinderung auf einen Rollstuhl ange-
wiesen ist, kann er seine Wohnung nur dann verlassen, wenn er im Erdgeschoss wohnt, oder
ein Aufzug vorhanden ist. In allen HMG wohnten bis zu 2/3 der Teilnehmer/-innen nicht aus-
schließlich im Erdgeschoss (siehe dazu Tabelle 11). Bezieht man in die Bewertung der Ant-
worthäufigkeit die Tatsache, dass alle die im Erdgeschoss wohnen, diese Frage nicht als rele-
vant, weil für sie nicht zutreffend, angesehen haben mit ein, dann ergibt sich für die Frage
nach der Notwendigkeit eines Aufzuges im Haus, die höchste Priorität.
Tabelle 11 – Etage in der die Wohnung liegt, die der Teilnehmer bewohnt, n= 1426
Wohnetage
Erdgeschoss
1. Etage
2. Etage + x
auf mehreren
Etagen
HMG 1
33,5 %
29,3 %
28,9 %
8,3 %
HMG 2
42,6 %
23,1 %
27,2 %
7,1 %
HMG 3
44,4 %
24,3 %
26,5 %
8,0 %
Anders ist das bei den Fragen, wie der Aufzug ausgestattet sein muss. Dort zeigt die niedrige
Antwortanzahl (n= 0 - 7), wie gering die Teilnehmer die Wichtigkeit der folgenden Fragen
einschätzen:
Vor dem Aufzug ist ausreichend Platz, um zu wenden.
Im Fahrkorb ist ein Handlauf, an dem ich mich gut festhalten kann.
Für mich sind die Tasten des Aufzugs gut erreichbar.
Der Fahrkorb verfügt über einen Spiegel.
Vor dem Aufzug können auch zwei Rollstuhlfahrer aneinander vorbei fahren.
Welche Ausstattung ein Aufzug notwendigerweise haben muss, um als bedarfsgerecht barri-
erefrei angesehen werden zu können, kann auf Grundlage dieser Befragung nicht beantwor-
tet werden. Hierzu sollten weitere Untersuchungen erfolgen.
5.2.3. Fazit für motorische Behinderungen
Als Schwerpunktbereiche für die bedarfsgerecht barrierefreie Gestaltung von Wohnungen
und Wohnumfeld werden von den Befragten die Bereich
Treppen und Aufzüge
, der
Zu-
gangsbereich
und das
Bad
empfunden. Die höchste Beeinträchtigung bezogen auf die als
problematisch wahrgenommenen Kriterien besteht im
Zugangsbereich
des Hauses, gefolgt
- 74 -

vom
Bad
. Eine Übersicht zu den Kriterien, die in allen HMG in Kategorie A eingeordnet wur-
den, enthält Tabelle 12.
Tabelle 12 – Kriterien die allen HMG in Kategorie A (sehr wichtig) eingeordnet werden
Bereich
Kriterium
nahes Wohnum-
feld
Der Gehweg vor dem Haus ist eben und fest, so dass er leicht und sicher pas-
sierbar ist.
nahes Wohnum-
feld
Ich kann leicht und erschütterungsarm mit dem Rollstuhl/Rollator auf dem
Gehweg fahren.
Zugangsbereich
Der Müllcontainer ist für mich ohne Hindernisse erreichbar und zu benutzen.
Zugangsbereich
Der Hauseingang ist stufenlos und schwellenlos erreichbar.
Zugangsbereich
Der Briefkasten ist für mich ohne Hindernisse erreichbar und zu benutzen.
Zugangsbereich
Die Haustür lässt sich leicht öffnen und ich kann sicher durchfahren, bevor sie
sich wieder schließt.
Zugangsbereich
Klingel und Gegensprechanlage sind für mich gut erreichbar.
allgemeiner
Wohnbereich
Insgesamt bietet die Wohnung ausreichend Platz, damit ich mich
(mit meinem Hilfsmittel) frei bewegen kann.
allgemeiner
Wohnbereich
Der Flur ist breit genug, um ohne Rangieren durch alle Türen zu gelangen
Bad
Die Armatur ist mit einer Hand zu bedienen.
Bad
Ich kann mich problemlos auf das WC setzen und wieder aufstehen.
Bad
Das Bad bietet ausreichend Platz, damit ich mich mit meinem Hilfsmittel be-
quem bewegen kann. Ich muss dafür nicht viel rangieren.
- 75 -

Bei der Betrachtung von Kategorie A und B zeigt sich eine deutlich stärkere Problematik im
Bad und in der Küche (vgl. dazu Tabelle 13). Die dort enthaltenen Fragestellungen sind ins-
besondere bei Nutzung eines Rollstuhles von Bedeutung. Eine bei Nutzung von Gehhilfen
noch mögliche Anpassung an die vorgefundene Situation, kann bei Rollstuhlnutzung nicht
mehr erfolgen.
Tabelle 13 – Kriterien die in allen HMG in Kategorie A (sehr wichtig) oder B (durchschnittlich wichtig) eingeord-
net wurden
Bereich
Kriterium
Bad
In meinem Bad ist eine Dusche vorhanden.
Bad
Das Waschbecken ist für mich gut mit meinem Hilfsmittel erreichbar.
Bad
Der Bodenbelag ist auch bei Nässe gefahrlos begehbar.
Bad
Die Fläche vor und neben dem WC ist ausreichend, um mich mit meinem Hilfs-
mittel frei zu bewegen und es gegebenenfalls abzustellen.
Küche
Es ist ausreichend Platz für alle Dinge, die ich unterbringen möchte.
Küche
Die Küche bietet ausreichend Platz, um sich mit dem Hilfsmittel frei zu bewegen.
Küche
Stauräume und Griffe der Geräte sind problemlos erreichbar.
Küche
Meine Küche ist gut angeordnet, so dass ich kurze Wege habe und wenig rangie-
ren muss.
allgemeiner
Wohnbereich
Es gibt eine Terrasse/Balkon, die/der schwellen- und stufenlos erreichbar ist.
Zugangsbereich
Im Eingangsbereich besteht die Möglichkeit, das Hilfsmittel abzustellen.
nahes Wohn-
umfeld
Es gibt einen Parkplatz für meine Wohnung, der sich in der Nähe des Hausein-
gangs befindet und ohne Hindernisse erreichbar ist.
- 76 -

 
Treppen und
Aufzüge
Im Haus ist ein Aufzug vorhanden.
Es zeigt sich, dass Fragestellungen die in einer HMG als besonders wichtig eingeschätzt wur-
den, in einer anderen HMG als weniger wichtig (in Kategorie C) bewertet worden sind. Dar-
über hinaus geht in diese, rein qualitative Auswertung nicht ein, inwieweit die bewerteten
Kriterien durch Nachrüstung erfüllt werden könnten, oder ob sie zum Beispiel sicherheitsre-
levant sind.
Deshalb erfolgte eine weitere qualitative Bewertung der Ergebnisse und eine Zuordnung zu
Kriterien die unabdingbar sind, Kriterien deren Einhaltung notwendig ist und Kriterien deren
Einhaltung wünschenswert erscheint.
Da die Wichtung der Kriterien bei den HMG teilweise sehr unterschiedlich ausfällt, werden
für jede HMG jeweils eigene Kriterienkataloge für bedarfsgerecht barrierefreies Wohnen
erarbeitet.
5.3. Stichprobe Fragebogen sensorische Behinderung
5.3.1. Aussagen zu Selbstbestimmung und Sicherheitsgefühl
In der Auswertung dieser Fragen für den Datensatz der sensorisch Behinderten zeigte sich,
dass die größten Probleme bei den Fragen zum Komplex “
Wie wirkt sich die Gestaltung auf
ihre Selbstbestimmung und Ihr Sicherheitsgefühl aus?
” für die Aussage
“… fühle ich mich si-
cher und habe keine Angst, mich zu verletzen oder etwas falsch zu machen.”
getroffen wur-
den. Insbesondere für die Bereiche
Treppen und Aufzüge, Zugangsbereich
und
Wohnumfeld
wurden, wie in Abbildung 39 dargestellt, häufiger die Aussagen
stimme eher nicht zu
und
stimme gar nicht zu
getroffen.
- 77 -

image
Abbildung 39 – subjektive Angst sich zu verletzen,
Fragebogen sensorische Behinderung gesamt
Die Aussagen zu
“… kann ich mich gut orientieren, wo ich bin und was zu beachten ist.”
und
“… kann ich mich selbständig und problemlos bewegen und betätigen.”
wurden deutlich po-
sitiver bewertet.
Auch für die Antworten der Menschen mit sensorischer Behinderung muss bei den Aussagen
zum Wohnumfeld davon ausgegangen werden, dass die Teilnehmer/-innen mit ihren Aussa-
gen stärker auf den öffentlichen Raum abzielen, als auf den Bereich von der Grundstücks-
grenze bis zum Gebäude, da für sie der Unterschied nicht erkennbar ist. Eine Abgrenzung,
welche Aussagen zur Außenanlages des Gebäudes und welche zum öffentlichen Raum ge-
hört, ist nicht möglich.
Die Gesamtübersicht über alle sensorisch Behinderten erlaubt keine Aussage dazu, inwieweit
Unterschiede bei den Menschen mit Hörbehinderung zu den Menschen mit Sehbehinderung
bestehen. Deshalb war es notwendig, die Aussagen in Bezug auf Betroffenheit der Teilneh-
mer/-innen zu überprüfen, um zu ermitteln, ob bei einer Betroffenheit besonders starke
Einschränkungen bei der selbstständigen Benutzung eines Bereiches wahrgenommen wur-
den.
Sehbehindert/Blind
Personen die eine Sehbehinderung haben oder blind sind, fühlen sich in ihrer Sicherheit zu
einem überwiegenden Teil nicht oder kaum beeinträchtigt. Sie stimmten der Aussage
“Ich
- 78 -

image
fühle mich im jeweiligen Wohnbereich sicher und habe keine Angst, mich zu verletzen oder
etwas falsch zu machen”
voll oder eher zu (siehe dazu Abbildung 40).
Abbildung 40 – subjektive Angst sich zu verletzen,
sehbehindert/blind; (Mehrfachnennungen möglich)
Die größten Schwierigkeiten wurden im
nahen Wohnumfeld
wahrgenommen. Dort stimmen
insgesamt 27,8 % der Aussage
“Ich fühle mich im Wohnumfeld sicher und habe keine Angst,
mich zu verletzen oder etwas falsch zu machen”
eher nicht oder gar nicht zu. Weitere
Schwerpunkte waren der
Zugangsbereich
zum Haus und
Treppen und Aufzüge
. Insgesamt
gaben 19,2 % bzw. 17,7 % an, in diesen Bereichen Angst zu haben sich zu verletzen oder et-
was falsch zu machen.
Hörbehindert/Gehörlos
Personen mit Hörbehinderung oder Gehörlosigkeit gaben seltener als Menschen mit Sehbe-
hinderung oder Blindheit an, sie fühlten sich im jeweiligen Wohnbereich nicht sicher und
hätten Angst, sich zu verletzen oder etwas falsch zu machen. Schwerpunkt bei dieser Perso-
nengruppe war auch das
nahe Wohnumfeld
. Hier sagen 13,3 % die Aussage
“Ich fühle mich
im Wohnumfeld sicher und habe keine Angst, mich zu verletzen oder etwas falsch zu ma-
chen”
trifft eher nicht oder gar nicht zu. Für Bad sowie Aufzug und Treppen werden von 11,9
% und 11,3 % negative Aussagen zu der Frage gemacht.
Für die Aussage
“… kann ich mich selbständig und problemlos bewegen und betätigen.”
er-
geben sich insbesondere für das
nahe Wohnumfeld
deutlich negativere Aussagen als zur
- 79 -

image
 
eben betrachteten Fragestellung (vgl. dazu Abbildung 41). Hier sagen 26,8 % trifft eher nicht
oder gar nicht zu. Auch der
Zugangsbereich
wird für diese Fragestellung negativer bewertet.
16,6 % sagen dass sie sich im
Zugangsbereich
eher nicht oder gar nicht selbständig und prob-
lemlos bewegen und betätigen können.
Abbildung 41 – subjektive Angst sich zu verletzen,
hörbehindert/gehörlos; (Mehrfachnennungen möglich)
5.3.2. Beeinträchtigung wegen nicht vorhandener Wohnungseigenschaft
Auch für den Datensatz zum
Fragebogen sensorische Behinderung
wurden die Daten wie
beim
Fragebogen motorische Behinderung
ausgewertet (vgl. 5.2.2.). Die Aussagen der Ge-
samtstichprobe nach Prozentanteil der Antworten
das beeinträchtigt mich
bezogen auf die
Antwort
das trifft(eher) nicht zu
wurden in absteigender Reihe sortiert. Nicht berücksichtigt
wurden hierbei Aussagen, die sich auf eine vorangegangene Frage beziehen, diese wurden
gesondert ausgewertet. Die Kategorisierung nach Wichtigkeit der Kriterien ist Grundlage für
die Erarbeitung des Kriterienkatalogs für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen.
Die Häufigkeit einer Aussage ergab, ob sie als sehr wichtig, als durchschnittlich wichtig oder
als weniger wichtig angesehen wird. Deshalb erfolgte auch hier eine Einteilung in drei Kate-
gorien (A, B und C), wie in Tabelle 13 dargestellt. Dabei ist davon auszugehen, dass die Ein-
haltung aller Kriterien in Kategorie A für eine bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung sehr
wichtig ist. Die Einhaltung der Kriterien der Kategorie B ist durchschnittlich wichtig und die
der Kategorie C weniger wichtig.
- 80 -

Die Auswertung der Aussagen zur Beeinträchtigung durch nicht vorhandene Eigenschaften
eines baulichen Kriteriums zeigt Unterschiede nach der Betroffenheit (Hörbehinderung oder
Sehbehinderung). Deshalb muss eine Auswertung nach Beeinträchtigung erfolgen um die
tatsächlichen Probleme zu identifizieren. In Tabelle 13 ist dargestellt, wie die Fragestellun-
gen insgesamt und für beide Betroffenheiten zu den Kategorien A bis C zugeordnet wurden.
Die Zahlenwerte geben zum besseren Vergleich die Prozentangabe der Antworten
das beein-
trächtigt mich
bezogen auf die Antwort
das trifft (eher) nicht zu
an. Die Klammerwerte ver-
weisen auf die Anzahl der Teilnehmer/-innen die diese Antwort gegeben haben.
Insgesamt muss festgestellt werden, dass nur bei wenigen Fragen eine größere Anzahl von
Teilnehmern/-innen ausgesagt hat, dass sie die Nichterfüllung des Kriteriums beeinträchtigt.
Insbesondere wurden sicherheitsrelevante und einige die Benutzung verhindernde Kriterien
als wichtig empfunden.
Für die Aussagen zu den Kriterien, die sich auf die vorhergehende Frage beziehen, erfolgte
ebenfalls eine quantitative Auswertung unter Einbeziehung aller Unterfragen zur Hauptfra-
ge. Da bereits die Hauptfrage nur von wenigen Teilnehmern beantwortet wurde, ist die Zahl
derer, die sich durch eine nicht erfüllte Eigenschaft beeinträchtigt fühlen, naturgemäß ge-
ring. Tabelle 14 zeigt, wie die auf den Aufzug bezogenen Kriterien bewertet wurden. Als be-
sonders relevant wurden alle mit der Bedienung verbundenen Probleme eingeschätzt. Auf-
fällig ist, dass auch gehörlose Teilnehmer/-innen nicht erfüllte Kriterien, die eigentlich für
seheingeschränkte Benutzer/-innen wichtig sind, als Beeinträchtigung empfanden. Dies ist
vermutlich auf altersbedingte Einschränkungen der Sinne zurückzuführen (vgl. dazu. Marsis-
ke, Michael et al. (2010)).
Tabelle 14 – Bewertung der Kriterien bezogen auf den Aufzug
Frage laut Fragebogen
sehbehin-
dert GdB
>80
gehörlos
GdB >80
Ich kann alle Tasten im und am Fahrstuhl gut erkennen und bedienen.
30,0 %
(9)
38,9 %
(7)
Ich kann die Beschriftung gut erkennen bzw. ertasten.
31,0 %
(13)
24,6 %
(7)
Es gibt im Aufzug eine Anzeige für "Bitte sprechen" bzw. "Hilfe kommt".
22,2 %
(6)
27,8 %
(10)
Im Fahrstuhl ist die Beleuchtung ausreichend hell und blendfrei.
20,0 %
(3)
20,0 %
(2)
- 81 -

Frage laut Fragebogen
sehbehin-
dert GdB
>80
gehörlos
GdB >80
Im Aufzug wird die Etage laut und deutlich angesagt.
16,3 %
(14)
15,0 %
(12)
An den Tasten gibt es zusätzlich eine Beschriftung in Brailleschrift.
12,3 %
(8)
8,3 %
(4)
- 82 -

image
Tabelle 15 – Zuordnung zu Kategorie A, B und C, sensorische Behinderungen
- 83 -

image
 
5.3.3. Fazit für sensorische Behinderungen
Schwerpunktbereiche für die bedarfsgerecht barrierefreie Gestaltung von Wohnungen und
Wohnumfeld sind nach Aussage der Befragten die Bereiche
Treppen und Aufzüge
, der
Zu-
gangsbereich
und das
Bad
. Die höchste Beeinträchtigung bezogen auf die als problematisch
wahrgenommenen Kriterien bestand bei
Treppen und Aufzügen
gefolgt vom
Zugangsbereich
- 84 -

des Hauses. Eine Übersicht zu den Kriterien die in allen HMG in Kategorie A eingeordnet
wurden, enthält Tabelle 15.
Tabelle 16 – Kriterien, die bei beiden Betroffenheiten in Kategorie A (sehr wichtig) eingeordnet wurden
Bereich
Kriterium
Treppen und
Aufzüge
Ich kann den Anfang und das Ende der Treppe deutlich erkennen.
Treppen und
Aufzüge
Die Stufen der Treppen im Haus sind bequem und gefahrlos begehbar.
Treppen und
Aufzüge
Die Stufen im Haus sind beim Hoch- und Runtergehen für mich gut erkennbar.
Treppen und
Aufzüge
Die Handläufe sind durchgehend und ermöglichen einen sicheren Halt beim
Benutzen der Treppe.
Zugangsbereich
Man erkennt an der Tür, wenn sie zum Öffnen freigegeben ist.
Zugangsbereich
Die Hausnummer und andere Schilder sind gut zu erkennen.
Zugangsbereich
Die Tür ist gut zu erkennen.
Bad
In meinem Bad gibt es keine schwer erkennbaren Schwellen, Vorsprünge und
Kanten an denen ich mich verletzen könnte.
Bei der Betrachtung der Kategorien A und B (vgl. Tabelle 16) zeigt sich eine deutlich stärkere
Problematik im
Zugangsbereich
des Hauses, aber auch im
allgemeinen Wohnbereich
und im
Bad
. Die dort enthaltenen Fragestellungen haben wiederum mit Sicherheit und Benutzbar-
keit zu tun.
- 85 -

Tabelle 17 – Kriterien, die bei beiden Betroffenheiten in Kategorie A (sehr wichtig) oder B (durchschnittlich
wichtig) eingeordnet wurden
Bereich
Kriterium
Zugangsbereich
Die Klingelschilder sind kontrastreich gestaltet und ohne Blendung durch Licht
gut zu erkennen.
Zugangsbereich
Der Hauseingang ist hell genug beleuchtet, auch bei Regen.
Zugangsbereich
Die Gegensprechanlage ist auch für Schwerhörige und Gehörlose geeignet.
Zugangsbereich
Die Beleuchtung ist ausreichend hell und blendet nicht.
Zugangsbereich
Der Anfang und das Ende der Rampe sind gut und sicher zu erkennen.
allgemeiner Wohn-
bereich
Stufen und Schwellen sind in meiner Wohnung nicht vorhanden bzw. sind
leicht zu erkennen.
allgemeiner Wohn-
bereich
Geräusche von außen stören in meiner Wohnung nicht.
allgemeiner Wohn-
bereich
Die Beleuchtung in der Wohnung ist für mich ausreichend und blendet nicht.
Bad
Die Beleuchtung am Spiegel ist ausreichend hell und blendet nicht.
Bad
An der Badewanne sind Haltegriffe, die beim Ein- und Aussteigen helfen.
Bad
In der Dusche befinden sich Haltegriffe, die ich gut benutzen kann.
Treppen und
Aufzüge
Die Handläufe im Haus sind gut erkennbar.
Treppen und
Aufzüge
Im Treppenhaus ist die jeweilige Etage für mich gut erkennbar.
nahes
Wohnumfeld
Der Gehweg vor dem Haus ist eben und fest, so dass er leicht und sicher pas-
sierbar ist.
nahes
Wohnumfeld
Man kann den Hauseingang gut finden, weil es am Weg Begrenzungen gibt, an
denen man entlangtasten kann.
Küche
Meine Küche ist so gestaltet, dass ich mich dort gut zurechtfinde.
Aus der Behinderung der Befragten heraus ist dieses Ergebnis nicht vollständig zu erklären.
Menschen mit Sehbehinderung haben Kriterien für hörbehinderte Menschen als wichtig ein-
gestuft und umgekehrt. Das ist nur mit dem hohen Altersdurchschnitt der Stichprobe zu be-
- 86 -

gründen. Nach Marsiske (Marsiske, Michael et al. (2010)) verringern sich auch bei gesundem
Altern die sensorischen Kompetenzen im Alter deutlich. Diese altersbedingten Einschrän-
kungen führen zu vergleichbaren Beeinträchtigungen, wie leichten Behinderungen. Da die
Wichtung der Kriterien bei den beiden Betroffenheiten teilweise sehr unterschiedlich ausfällt,
wurden jeweils eigene Kriterienkataloge für bedarfsgerecht barrierefreies Wohnen erarbei-
tet.
- 87 -

 
6. Kriterienkataloge für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen
6.1. Qualitative Bewertung der Kriterien
Auf Basis der statistischen Auswertung, wie viele Befragte sich beeinträchtig fühlen, wenn
ein Kriterium nicht zutrifft, erfolgte eine qualitative Bewertung zur Einordnung aller Anforde-
rungen in einen Kriterienkatalog für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen. Es erfolgte
eine Unterscheidung ob die Kriterien:
sicherheitsrelevant sind,
einen Nutzungsausschluss für eine Benutzergruppe bedeuten würden oder
eine Nachrüstbarkeit gegeben ist.
Es kann davon ausgegangen werden, dass die Kriterien, die aufgrund der Häufigkeit ihrer
Nennung in Kategorie A eingeordnet wurden, am wichtigsten sind, also unabdingbar sind,
um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit zu erreichen. Die Kriterien in Kategorie B haben
eine mittlere Wichtigkeit, sie sind notwendig für eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit. Die
Kriterien in der Kategorie C sind weniger wichtig, ihre Einhaltung ist dennoch wünschens-
wert. Nach der qualitativen Bewertung erfolgte aus den Kategorien A, B und C wie in Tabelle
19 dargestellt eine Ableitung von unabdingbar zu erfüllenden Kriterien, notwendigen Krite-
rien und Kriterien der Erfüllung wünschenswert ist.
Tabelle 18 – Definition unabdingbare, notwendige und wünschenswerte Kriterien
Kategorie
Definition
U – Kriterien deren Einhal-
tung unabdingbar ist
Kriterien, die als sicherheitsrelevant eingestuft wurden oder bei
Nichteinhaltung zu einem Nutzungsausschluss für die Benutzergrup-
pe führen würden und in Kategorie A und B stehen, aber nicht nach-
rüstbar sind
N – Kriterien deren Einhal-
tung notwendig ist
Kriterien aus Kategorie A und B, die durch Nachrüstung erfüllt wer-
den können, die Nachrüstung muss vorbereitet sein (z.B. Unterkon-
struktion vorgerichtet) oder die nicht als sicherheitsrelevant einge-
stuft wurden oder die nicht zu einem Nutzungsausschluss für die
Benutzergruppe führen würden
W – Kriterien deren Einhal-
tung wünschenswert ist
Kriterien der Kategorie C, wobei für als nachrüstbar eingestufte Kri-
terien gilt, dass eine spätere Nachrüstung nur vorbereitet sein muss
- 88 -

Im Kriterienkatalog für die Hilfsmittelgruppen und die sensorischen Behinderungen wurden
die im Fragebogen in vereinfachter Form formulierten Kriterien wieder den entsprechenden
Normkriterien zugeordnet (vgl. dazu Punkt 3.3). Dazu musste da, wo ein Bezug auf eine Be-
wegungsfläche besteht, die Bewegungsfläche für das jeweils verwendete Hilfsmittel und für
den Platzbedarf der Hilfspersonen definiert werden.
Es konnte davon ausgegangen werden, dass eine Bewegungsfläche nach DIN 18040-2 auf
jeden Fall als ausreichend empfunden wird. Die dort angegebenen Werte beruhen auf lang-
jähriger Erfahrung beim Bauen für Menschen mit Behinderung. Nach der Nutzung der Hilfs-
mittel konnte für die HMG 1 eine Zuordnung zum Standard
barrierefrei nutzbar
(vgl. dazu
3.1) und für die HMG 2 eine Zuordnung zum Standard
barrierefrei und uneingeschränkt mit
dem Rollstuhl nutzbar
nach DIN 18040-2 erfolgen. Für HMG 3 konnte keine Zuordnung zu
Bewegungsflächen der DIN 18040-2 erfolgen. Diese Bewegungsfläche musste neu ermittelt
werden.
Der Durchmesser des Wendekreises bei Nutzung eines mechanischen Standardrollstuhls (vgl.
dazu 3.2) beträgt je nach Fähigkeiten des Benutzers / der Benutzerin und der Konstruktion
zwischen 1,50 m und 1,70 m. Der Durchmesser des Wendekreises von Elektro-Rollstühlen
und Pflegerollstühlen mit Hilfsperson beträgt je nach Konstruktion 1,85 m bis 2,10 m. Bei der
in DIN 18040-2 für eine Rollstuhlnutzung vorgesehen Bewegungsfläche von 1,50 m x 1,50 m
wird davon ausgegangen, dass ein Wenden in mehreren Zügen erfolgt. Deshalb ist diese Flä-
che kleiner als der Wendekreis der Rollstühle. Für die Ermittlung der Bewegungsfläche eines
Elektro-Rollstuhls oder eines Rollstuhls mit Pflegeperson wird deshalb diese Bewegungsflä-
che mit dem Faktor multipliziert, um den der Durchmesser des Wendekreises eines Stan-
dard-Rollstuhl von dem Durchmesser des Wendekreises von Elektrorollstühlen oder Roll-
stühlen mit Hilfsperson abweicht. Daraus ergibt sich für diese Benutzung (HMG 3) notwendi-
ge Bewegungsfläche von 1,85 m x 1,85 m.
Für die Fälle, in denen der/die Betroffene auf Hilfe angewiesen ist, ist eine Bewegungsfläche
für die Hilfsperson vorzusehen. Als notwendige Bewegungsfläche für die Hilfsperson gibt
Pressalit (Pressalit Care GmbH (Hg.) (2015)) 0,70 m lichten Freiraum neben dem Waschtisch
und 0,75 m neben WC und Duschsitz, über die ganze Tiefe des Sanitärobjektes, an. Andere
Quellen fordern noch größere Freiräume für eine Hilfsperson (vgl. dazu BAuA (Ausschuss für
Arbeitsstätten (2013)) und Arjo Huntleigh (Arjohuntleigh (Hg.) (2015))). Der notwendige Frei-
raum für die Hilfsperson wurde hier mit 0,75 m mal 0,75 m angenommen.
- 89 -

 
Zusammenfassend sind die sich ergebenden Bewegungsflächen in Tabelle 20 dargestellt.
Tabelle 19 – notwendige Bewegungsflächen für die verschiedenen Hilfsmittelgruppen
Kriterium
HMG 1
barriere-
frei
HMG 2
barriere-
frei R
HMG 3
barriere-
frei R+
Jeweils vor den Sanitärobjekten wie WC-Becken, Waschtisch,
Badewanne und im Duschplatz ist eine Bewegungsfläche anzu-
ordnen.
Ausreichend ist eine Mindestfläche von...
1,20 m x
1,20 m
1,50 m x
1,50 m
1,85 m x
1,85 m
Jeweils neben den Sanitärobjekten wie WC-Becken, Waschtisch
und im Duschplatz ist eine Bewegungsfläche für die Hilfsperson
anzuordnen. Ausreichend ist eine Mindestfläche von...
Innerhalb dieser Fläche muss sich die Hilfsperson frei bewegen
können.
keine
Anforde-
rung
keine
Anforde-
rung
0,75 m x
0,75 m
6.2. Kriterienkataloge bedarfsgerecht barrierefreies Wohnen
Für alle HMG und die beiden sensorischen Behinderungen, wurden nach den vorgenannten
Kriterien der qualitativen Bewertung eigene
Kriterienkataloge bedarfsgerecht barrierefreies
Wohnen
aufgestellt (siehe Anlage). Die Reihenfolge der Kriterien im Kriterienkatalog ent-
spricht der Wichtung (Reihenfolge bei Sortierung absteigend nach Prozentanteil der Aussage
das beeinträchtigt mich)
durch die Befragung und der qualitativen Bewertung.
In den Kriterienkatalogen sind die in den Fragebögen gestellten Fragestellungen den Normkri-
terien aus DIN 18040-2 oder anderen Anforderungen aus der Literatur gegenüber gestellt. Die
Kriterien, die auch durch Nachrüstung erfüllbar sind, sind gesondert markiert. Hierfür müssen
nur die technischen Grundvoraussetzungen für die Nachrüstung erfüllt sein (z.B. geeignete
Unterkonstruktion um Stützgriffe bei Bedarf nachrüsten zu können).
Unabdingbare Kriterien sind zu erfüllen, um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit zu errei-
chen. Die notwendigen Kriterien sollten für eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit werden.
Die Kriterien in der Kategorie wünschenswert können erfüllt werden.
6.2.1. Beispiel A — Kriterienkatalog HMG 1, gehend mit Hilfsmittel
Beispielhaft dargestellt wird im Folgenden der Kriterienkatalog für Hilfsmittelgruppe 1.
Auf den folgenden Seiten sind für die jeweiligen Wohnbereiche die Kriterien des Kriterienka-
talogs für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen für HMG 1 unterteilt nach unabdingba-
ren, notwendigen und wünschenswerten Kriterien dargestellt. Für eine leichtere Verständ-
- 90 -

 
lichkeit sind hier nur die den Fragen im Fragebogen entsprechenden Normkriterien aus DIN
18040-2 oder aus anderen Anforderungen der Literatur dargestellt. Die mit hellerem Farbton
und kursiv herausgehobenen Anforderungen sind durch Nachrüstung erfüllbar.
Anforderungen an das nahe Wohnumfeld, gehend mit Hilfsmittel
unabdingbare Kriterien
Gehweg
fest und eben
leicht und erschütterungsarm mit dem Rollstuhl bzw. Rollator befahrbar
Neigung quer max. 2,5 %, Abführung von Oberflächenwasser längs max. 3 %
Teile mit maximal 6 % mit Zwischenpodesten nach maximal 10 m Länge
Parkplatz
in der Nähe der barrierefreien Zugänge
als barrierefreier Parkplatz gekennzeichnet, Beschilderung, Bodenmarkie-
rung
notwendige Kriterien
Müllcontainer
(nachrüstbar)
stufen- und schwellenlos erreichbar, >1,20 m x 1,20 m Bewegungsfläche
davor
Platzangebot
mindestens 1,20 m x 1,20 m
wünschenswerte Kriterien
Hindernisse/
Gefahrenstellen
Wahrnehmung nicht vermeidbarer Hindernisse,
kontrastreich gestaltet
Gehweg zum
Eingang
mindestens 1,50 m breit
nach 15 m Wegelänge folgt eine Begegnungsfläche von
1,80 m × 1,80 m
- 91 -

 
Anforderungen an den Zugangsbereich, gehend mit Hilfsmittel
unabdingbare Kriterien
Hauseingang
stufen- und schwellenlos erreichbar
ohne Schwellen oder untere Türanschläge
Haustür
lichte Durchgangsbreite von 90 cm
leicht zu öffnen und schließen und sicher zu passieren
≤ 30 N, Moment ≤5 Nm (leicht zu öffnen und zu schließen)
Eingangsbereich
Abstellplatz für Hilfsmittel
ausreichend Bewegungsfläche >1,20 m x 1,20 m
notwendige Kriterien
Eingangstür
(nachrüstbar)
Drückerhöhe 85 cm – 105 cm
Laibungstiefe <26 cm
Klingel und Gegen-
sprechanlage
(nachrüstbar)
Lautsprecher und Mikrofon max. 85 cm – 105 cm hoch,
mit ausreichender Bewegungsfläche davor >1,20 m x 1,20 m
Briefkasten
(nachrüstbar)
in einer Höhe von 85 cm bis 105 cm
mit ausreichender Bewegungsfläche davor >1,20 m x 1,20 m
Türöffner
(nachrüstbar)
Drückerhöhe 85 cm – 105 cm
Laibungstiefe <26 cm
wünschenswerte Kriterien
Rampe
stufenloser Zugang zum Haus über Rampe
Neigung max. 6 %
Anforderungen an Treppen und Aufzüge, gehend mit Hilfsmittel
- 92 -

 
unabdingbare Kriterien
Handläufe
beidseitig und ohne Unterbrechung
mindestens 30 cm über Anfang und Ende waagerecht weiterführend und
abgerundet abschließend
griffsicher und gut umgreifbar
vorzugsweise rund oder oval
Durchmesser 3 cm bis 4,50 cm
85 cm bzw. 90 cm über Stufenvorderkante OFF bis Oberkante des Hand-
laufes
Stufen
geradläufig und rechtwinklig zu den Treppenstufenkanten
mit Setzstufen
mit Trittstufen, die nicht vorkragen
an freien seitlichen Stufenenden Aufkantung
Aufzug
Aufzug oder ähnliches im Haus vorhanden
Anforderungen an den allgemeinen Wohnbereich, gehend mit Hilfsmittel
unabdingbare Kriterien
Balkon/Terrasse
schwellen- und stufenlos erreichbar
notwendige Kriterien
Flur
im Flur ist eine Durchgangsbreite von ≥1,20 m vorzusehen, mindestens an
allen Türdurchgängen, ausreichend breit
Platzan-
forderungen
allgemein
>1,20 m × 1,20 in Wohn- und Schlafräumen, Küche und Freisitz, Flur
mindestens 90 cm x 1,20 cm tief vor Möbeln
Platzan-
forderungen
>1,20 m x 1,20 m an einer Seite
- 93 -

 
am Bett
Stauraum
(nachrüstbar)
ausreichend Stauraum in erreichbarer Höhe, 40 cm < 140 cm hoch
wünschenswerte Kriterien
Fenstergriff
≤ 30 N, Moment ≤5 Nm (leicht zu öffnen und zu schließen)
Griffhöhe 85 cm - 105 cm
Fensterhöhe
Brüstungshöhe ≤ 60 cm (aus sitzender Position Durchblick in die Umge-
bung möglich)
Abstellraum
Stufen- schwellenlos mit ausreichend Bewegungsfläche
mit ausreichend Bewegungsfläche, >1,20 m x 1,20 m
Abstellplatz/
-raum
Abstellplatz für Hilfsmittel
Balkon
Balkonbrüstung ab Höhe ≤ 60 cm durchsichtig (aus sitzender Position
Durchblick in die Umgebung möglich))
Besondere Platz-
anforderungen
am Bett
≥ 120 cm entlang der einen und
≥ 90 cm entlang der anderen Seite
Anforderungen an Treppen und Aufzüge, gehend mit Hilfsmittel
notwendige Kriterien
Platzanforde-
rungen
mindestens 1,20 m x 1,20 m
90 cm vor dem Esstisch
Erreichbarkeit
der Stauräume
rollbare Containerschränke für Stauraumnutzung und Unterfahrbarkeit
Stauräume in erreichbarer Höhe (40 cm < 140 cm hoch)
Unterschränke mit Vollauszügen
- 94 -

 
(nachrüstbar)
Höhe von Griffe von Geräten erreichbar (40 cm ≤ 140 cm)
Küchengestal-
tung
(nachrüstbar)
Herd und Spüle möglichst übereck angeordnet
dazwischenliegende Arbeitsfläche
abgerundete Kanten und Ecken verhindern Verletzungsgefahr
keine Verletzungsgefahr bei Schranktüren, z.B. Falttüren, horizontalen Roll-
läden
Küche allgemein
Bewegungsflächen >1,20 m x 1,20 m
wünschenswerte Kriterien
Küche
Handlauf für die Arbeitsfläche, den Herd und die Spüle
Wasserhahn
(nachrüstbar)
Unterputz- oder Flachaufputzsiphon
flache Einbauspüle
Einhebelarmatur
Küchengestal-
tung
(nachrüstbar)
Unterfahrbarkeit von Herd, Arbeitsfläche und Spüle
Anforderungen an das Bad, gehend mit Hilfsmittel
unabdingbare Kriterien
Dusche
nutzbare Dusche vorhanden
Toiletten-
spülung
leicht erreichbar
mit Hand oder Arm zu bedienen
Bodenbelag
rutschhemmender Bodenbelag
WC
Abstützung möglich
- 95 -

Waschbecken-
armatur
Abstand der Armatur vom vorderen Rand max. 40 cm
notwendige Kriterien
WC
Abstützmöglichkeiten vorhanden
Höhe (inkl. Sitz) von 46 cm bis 48 cm
Platzanforde-
rungen
>1,20 m x 1,20 m vor den Sanitärobjekten
Waschbecken-
armatur
(nachrüstbar)
Einhebelarmaturen für einhändige Bedienung
Waschbecken
>1,20 m x 1,20 m davor, nicht zwingend mittig angeordnet
seitlicher Abstand zur Wand ≥ 20 cm oder zu anderen Ausstattungsele-
menten
Platzanforde-
rungen am WC
davor > 1,20 m x 1,20 m
einseitig mit mindestens 70 cm × 90 cm Bewegungsfläche
andere Seite mindestens 70 cm × 30 cm Bewegungsfläche
wünschenswerte Kriterien
Spiegel
(nachrüstbar)
mindestens 100 cm hoher Spiegel ab Oberkante des Waschbeckens be-
ginnend
Badtür
von außen entriegelbar
Drehflügeltüren nach außen schlagend, Schiebetür möglich
Stützklappgriffe
(nachrüstbar)
je Seite ein klappbarer Stützgriff am vorderen Griffende 1 kN belastbar
lichter Abstand zwischen den Griffen 65 cm bis 70 cm
15 cm über Vorderkante des WC-Beckens hinausragend
Oberkante bei 28 cm über der Sitzhöhe
kraftarme Bedienung
- 96 -

 
Waschbecken
90 cm benötigte unterfahrbare Breite, axial angeordnet
Nutzung im Sitzen ermöglichen (sowohl im Rollator als auch auf einem
Hocker)
Vorderkantenhöhe des Waschtisches von max. 80 cm
Unterfahrbarkeit von mindestens 55 cm Tiefe
Unterputz- oder Flachaufputzsiphon
Badewanne
nutzbare Badewanne vorhanden
6.2.2. Beispiel B — Kriterienkatalog Hörbehindert/Gehörlos
Anforderungen an das nahe Wohnumfeld
unabdingbare Kriterien
Gehweg
fest und eben
leicht und erschütterungsarm mit dem Rollstuhl bzw. Rollator befahrbar
Anforderungen an den Zugangsbereich
unabdingbare Kriterien
Eingangstür
optische oder fühlbare Anzeige der Türfreigabe
Gegensprechan-
lage
mit visueller Anzeige der Hörbereitschaft der Gegenseite
nach dem 2-Sinne-Prinzip
Rampe
Anfang und Ende optisch kontrastierend gestaltet (bei Bedarf auch seit-
lich)
Anforderungen an Treppen und Aufzüge
unabdingbare Kriterien
- 97 -

 
Treppen
Treppenbreite taktil erfassbare Felder an An- und -austritt ≥60 cm - 90 cm
tief
Handlauf
geradläufig und rechtwinklig zu den Treppenstufenkanten
mit Setzstufen
mit Trittstufen, die nicht vorkragen
an freien seitlichen Stufenenden Aufkantung
Treppen
Stufenmarkierungen (4 cm - 5 cm auf der Trittstufenvorderkante)
Stufenmarkierungen (1 cm - 2 cm an der Oberkante der Setzstufen)
Handlauf
beidseitig und ohne Unterbrechung
mindestens 30 cm über Anfang und Ende waagerecht weiterführend
abgerundet abschließend
notwendige Kriterien
Handläufe
(nachrüstbar)
visuell kontrastierend zum Hintergrund
wünschenswerte Kriterien
Aufzug
Aufzug oder Ähnliches im Haus vorhanden
Anforderungen an den Zugangsbereich
unabdingbare Kriterien
Geräusche
keine störenden Geräusche von außen
Türsignal
optisches oder Vibrationssignal beim Klingeln
- 98 -

 
Gegensprechan-
lage
Ausstattung im 2-Sinne-Prinzip
notwendige Kriterien
Stufen und
Schwellen
(nachrüstbar)
erkennbar und sicher
Beleuchtung
(nachrüstbar)
gleichmäßige, indirekte Beleuchtung bei glatten, glänzenden Oberflächen
Anforderungen an das nahe Wohnumfeld
unabdingbare Kriterien
Gehweg
fest und eben
leicht und erschütterungsarm mit dem Rollstuhl bzw. Rollator befahrbar
wünschenswerte Kriterien
Küchen-
gestaltung
Handlauf für die Arbeitsfläche, den Herd und die Spüle
Anforderungen an den Zugangsbereich
unabdingbare Kriterien
Sicherheit
erkennbare Schwellen, Vorsprünge und Kanten
Boden
rutschhemmender Bodenbelag
- 99 -

Badewanne
Haltegriff für sicheren Ein- und Ausstieg sowie hochziehen aus dem Liegen
Dusche
beidseitig nachrüstbare, hochklappbare Stützgriffe, OK +28 cm über Sitz
Haltegriffe zur Wandmontage
notwendige Kriterien
Beleuchtung am
Spiegel
(nachrüstbar)
blendfreie, flächige Beleuchtung am Spiegel
Beleuchtung
(nachrüstbar)
gleichmäßige, indirekte Beleuchtung bei glatten, glänzenden Oberflächen
Farbgestaltung
Ausstattungselemente sollten sich kontrastierend von ihrer Umgebung ab-
heben
- 100 -

 
7. Wohnen von Menschen mit geistiger Behinderung
7.1. Methodik
Die Anforderungen von Menschen mit geistiger Behinderung an ihre Wohnung wurden mit
Hilfe einer qualitativen Einzelfallstudie ermittelt. Dazu wurden leitfadengestützte Experten-
interviews anhand von Fragebögen mit Betreuern/-innen von Menschen mit geistiger Behin-
derung geführt. Die Gliederung der Befragung basierte für eine bessere Vergleichbarkeit der
Ergebnisse auf der Gliederung der schriftlichen Befragung von Menschen mit Behinderung
zum Wohnbestand und -bedarf.
Mit dieser Herangehensweise sollten subjektive Einschätzungen unter Berücksichtigung der
situationsspezifischen Kontextbedingungen der individuellen Wohnsituation erfasst werden.
Da aufgrund der Betroffenheit auch Betreuer/-innen von Menschen mit geistiger Behinde-
rung befragt werden sollten, musste bei der Bewertung der individuellen Perspektiven und
Veränderungswünsche die Sicht von Betreuern/-innen als regelmäßige Begleitung, aber nicht
selbst Betroffene, beachtet werden.
Ziel der Befragung war eine Erfassung von Unterschieden zwischen den verschiedenen
Wohnformen und soweit möglich die Ermittlung von spezifischen Anforderungen dieser Be-
troffenengruppe an das Wohnen. Folgenden Forschungsfragen sollte dabei nachgegangen
werden:
In welchen Wohnformen wohnen Menschen mit geistiger Behinderung heute?
Welche Kriterien bedarfsgerechter Barrierefreiheit werden von den Betreuern oder
den Menschen mit geistiger Behinderung selbst als notwendig für eine selbstbestimm-
te und sichere Nutzung ihrer Wohnung angesehen?
Wie zufrieden sind die Befragten mit ihrer Wohnsituation / der Wohnsituation der von
ihnen Betreuten?
Welchen Veränderungsbedarf bezüglich der Wohnsituation sehen sie?
Zur Auswahl der zu befragenden Experten/-innen wurde ein Interview mit der Bereichslei-
tung Wohnen der Lebenshilfe Dresden e.V. durchgeführt. Die Lebenshilfe Dresden vertritt
die Interessen von Menschen mit geistiger Behinderung und ihrer Familien. Sie ist Elternver-
einigung, Fachverband und Einrichtungsträger (Lebenshilfe Dresden e.V. (2014)).
Sie beobachtet in ihrer Praxis, dass das Wohnen in privater Häuslichkeit für Menschen mit
geistiger Behinderung oft abhängig von der Betroffenheit (Schweregrad der Behinderung
- 101 -

und dem Hilfe- bzw. Betreuungsbedarf) ist. Nicht stationäres Wohnen von Menschen mit
geistiger Behinderung kann in Auswertung dieses Interviews in drei Gruppen aufgeteilt wer-
den (siehe dazu Tabelle 20).
Tabelle 20 – Zuordnung der Betroffenen zu drei Gruppen
Gruppe A
Gruppe B
Gruppe C
Betroffenheit
leicht, keine weitere
Behinderung
mittelschwer, leichte
weitere Behinderung
schwer, weitere Be-
hinderung(en)
Hilfebedarf bei alltäg-
lichen Verrichtungen
kein
gering
hoch
Betreuungsbedarf
gering
mittel
hoch
Betreuungsumfang
gering (ca. 3 h/Woche)
mittel (tagsüber variie-
rend, nachts Bereit-
schaftsdienst)
durchgehend
Wenn Menschen noch stärker von Behinderung betroffen sind, leben sie heute in stationä-
ren Einrichtungen. Der Wunsch, geistig behinderte Angehörige in einer nicht stationären
Wohnform unterzubringen, nimmt nach der Erfahrung der Lebenshilfe Dresden,zu. Die von
ihr geführte Warteliste für Wohnprojekte für Menschen mit geistiger Behinderung ist lang.
Der Bedarf kann zurzeit nicht gedeckt werden.
Bei einer Unterscheidung nach Wohnsituation ergibt sich, dass Menschen mit geistiger Be-
hinderung entweder in stationären Einrichtungen (die hier nicht mit betrachtet werden), in
der Wohnung der Eltern oder in eigener Wohnung bzw. im Zimmer in einer (betreuten)
Wohngemeinschaft (WG) leben. Im Rahmen eines betreuten Wohnens sind auch Mietwoh-
nungen für alleinlebende Menschen mit geistiger Behinderung möglich. In den Wohnge-
meinschaften oder Wohngruppen leben oft Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen
zusammen.
Die Befragung sollte deshalb mindestens Betreuer/-innen der Betroffenen aller drei Gruppen
betreuen einbeziehen. Es sollte auch versucht werden, Betroffene der Gruppe A selbst zu
befragen. Dies konnte dann aufgrund der individuellen Situation der von den Befragten be-
treuten Menschen mit geistiger Behinderung nicht durchgeführt werden.
- 102 -

 
7.2. Ergebnisse
7.2.1. Stichprobenumfang
Es wurden insgesamt zehn Interviews durchgeführt. Alle Interviews erfolgten mit Betreuern/
-innen von Menschen mit geistiger Behinderung, darunter zweimal mit einem Elternteil. Die
Betreuer/-innen schätzten ein, dass die von ihnen betreuten Menschen mit geistiger Behin-
derung nicht ausreichend in der Lage waren, die Fragen selbst zu beantworten. Dafür wur-
den als Gründe genannt:
fehlendes Abstraktionsvermögen,
fehlende Ausdauer,
nicht ausgeprägte Kritikfähigkeit.
Tabelle 21 zeigt die Zahl der von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger Behinde-
rung nach Betroffenengruppe.
Tabelle 21 – Anzahl der von den Befragten betreuten nach Betroffenengruppe
Betroffenheit
Anzahl
Gruppe A
11
Gruppe B
9
Gruppe C
1
Die von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger Behinderung hatten unterschiedli-
che weitere Behinderungen. Insbesondere motorische Behinderungen traten zusätzlich auf.
Dabei war nur ein Bewohner auf einen Rollstuhl angewiesen. Mehrere hatten aber grobmo-
torische Einschränkungen, die zu vergleichbaren Anforderungen an Bewegungsraum und
Schwellenfreiheit führten wie sie bei Menschen mit motorischen Behinderungen bestehen,
die einen Rollstuhl benutzen.
7.2.2. Betreuungs- und Hilfebedarf
Für die bauliche Gestaltung der Wohnung und des direkten Wohnumfeldes sind neben der
Hilfsmittelverwendung der Betreuungs- und Hilfebedarf der Bewohner/ -innen von Bedeu-
tung. Je nachdem, ob Tätigkeiten allein, oder nur mit einer Hilfsperson durchgeführt werden
können, verändert sich die Anforderung an die gebaute Umwelt.
- 103 -

 
Bei den von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger Behinderung waren Betreu-
ungs- und Hilfebedarf sehr unterschiedlich. Diese sind abhängig von der Ausprägung der
geistigen Behinderung und von vorhandenen weiteren Behinderungen.
Tabelle 23 gibt eine Übersicht, welche Betreuungs- und Hilfebedarfe vorlagen. Dabei war
nicht in jeder Wohnsituation der gleiche Bedarf vorhanden.
Tabelle 22 – Betreuungs- und Hilfebedarf der von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger Behinde-
rung
Art
Bedarf der von den Befragten betreuten Menschen
mit geistiger Behinderung
Betreuungsbedarf
Alltagsbegleitung (z.B. Begleitung zum Fahrdienst, Arzt etc.)
Unterstützung bei der Tagesstrukturierung
Mobilitäts- und Fertigkeitentraining
Nachtbereitschaft
Hilfebedarf bei alltäg-
lichen Verrichtungen
Hilfe bei der Körperpflege (z.B. Duschen, Kämmen, Zähne putzen)
hauswirtschaftliche Hilfen (Saubermachen, Kochen)
Mobilitätshilfen, z.B. Umsetzen in den Rollstuhl
7.2.3. Wohnsituation
Hauptsächlich wurden Betreuer/-innen von Wohngemeinschaften befragt. Deshalb ist dies
auch die häufigste Wohnform (siehe dazu Abbildung 28: Absolute Häufigkeitsverteilung der
Maßnahmen zur Barrierefreiheit im Zugang zur Wohnung und im Wohnumfeld (Mehrfach-
nennungen möglich)). Die befragten Eltern von Bewohnern einer Wohngemeinschaft kann-
ten aus eigener Erfahrung auch das Wohnen in der eigenen Wohnung mit dem geistig be-
hinderten Kind und konnten darüber Auskunft geben.
- 104 -

 
Tabelle 23 – Wohnsituation der von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger Behinderung
Wohnsituation
Anzahl der Bewohner mit geisti-
ger Behinderung
Wohnen in der Wohnung / dem Haus der
Eltern
1
Wohnen in einem Zimmer einer WG
12
Wohnen in eigener Wohnung im betreuten
Wohnen
8
In allen Wohnungen, bis auf eine, wurden bereits Maßnahmen zur Barrierefreiheit umge-
setzt. Dabei war der Grad der Anpassung der Wohnung an Standards der Barrierefreiheit
nach Aussage der Befragten vorrangig abhängig von den weiteren Behinderungen der Be-
wohner/-innen.
7.2.4. Anforderungen an die Wohnung
Zum Anpassungsbedarf der Wohnungen wurden verschiedene Aussagen gemacht. Da einige
Wohnungen grundhaft barrierefrei, nach den Vorstellungen der Betreuer der Bewohner,
hergerichtet waren bevor sie bezogen wurden, war dort kein aktueller Anpassungsbedarf
vorhanden. Die Betreuer/-innen der Menschen mit geistiger Behinderung die in diesen
Wohnungen leben, konnten aber Aussagen zum notwendigen Ausstattungsbedarf für die
Wohnungen machen. Diese Aussagen wurden mit in Tabelle 25 aufgenommen. Dort sind die
Aussagen zu den Anforderungen an die Wohnung und das Wohnumfeld je Betroffenengrup-
pe erfasst. Dabei wurden nur die Anforderungen aufgenommen, die ursächlich auf die geis-
tige Behinderung zurückzuführen sind und nicht auf eine weitere Behinderung.
Tabelle 24 – Tabelle mit artikulierten Anforderungen an die Wohnung bezogen auf Betroffenengruppe
Gruppe A
Gruppe B
Gruppe C
Wohnumfeld
leichte
Orientierung
keine Anforderun-
gen, da nicht allein
unterwegs
Keine Anforderungen aus
geistiger Behinderung, da nicht allein un-
terwegs, je nach
weiterer Betroffenheit Anforderungen
vorhanden
Zugang zum
Gebäude
verständliche
Symbole,
keine Anforderun-
gen, da nicht allein
Keine Anforderungen aus
geistiger Behinderung, da nicht allein un-
- 105 -

leichte Spra-
che
unterwegs
terwegs, je nach
weiterer Betroffenheit Anforderungen
vorhanden
Treppen und
Aufzüge
leichte Be-
dienbarkeit
(z.B.
eigener
Schlüssel)
keine Anforderun-
gen, da nicht allein
unterwegs
Keine Anforderungen aus
geistiger Behinderung, da nicht allein un-
terwegs, je nach
weiterer Betroffenheit Anforderungen
vorhanden
allgemeine
Wohnräume
keine
Anforderun-
gen
keine Anforderun-
gen, aus geistiger
Behinderung, je
nach weiterer Be-
troffenheit Anfor-
derungen möglich
Keine Anforderungen aus
geistiger Behinderung, je nach weiterer
Betroffenheit Anforderungen vorhanden
Küche
keine
Anforderun-
gen
keine Anforderun-
gen, aus geistiger
Behinderung, je
nach weiterer Be-
troffenheit Anfor-
derungen möglich
Keine Anforderungen aus
geistiger Behinderung, je nach weiterer
Betroffenheit Anforderungen vorhanden
Bad
keine
Anforderun-
gen
keine Anforderun-
gen, aus geistiger
Behinderung, je
nach weiterer Be-
troffenheit Anfor-
derungen möglich
Keine Anforderungen aus
geistiger Behinderung, je nach weiterer
Betroffenheit Anforderungen vorhanden
Besonderes
Allgemein hel-
fen beständige
Situationen bei
der selbststän-
digen Lebens-
führung
Büro für Betreuer
Büro für Betreuer, Raum für Nachtdienst
Die Probleme in der Wohnung oder im Wohnumfeld sind abhängig davon, ob die Menschen
mit geistiger Behinderung in Begleitung unterwegs sind oder nicht. Die Anforderungen un-
terscheiden sich je nach Ausprägung der geistigen Behinderung. Menschen mit geistiger Be-
hinderung, die in der Lage sind, ihr Leben vorrangig allein zu führen (Gruppe A), haben die
höchsten Anforderungen, da sie vorrangig allein unterwegs sind (siehe dazu Tabelle 24).
- 106 -

 
7.2.5. Zufriedenheit
Die Mehrzahl der von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger Behinderung wohnt
in eigens für sie angepassten Wohnräumen. Deshalb ist mit einer hohen Zufriedenheit mit
der baulichen Wohnsituation zu rechnen. Das spiegelt sich auch in einer geringen Anzahl an
genannten Problemen wieder. Besonders die Lebenssituation, die Wohnung und das Woh-
numfeld sind zufriedenstellend. Lediglich bei der Frage der Zufriedenheit mit der Unterstüt-
zung der Nachbarschaft sind eine geringe Anzahl der Befragten aufgrund fehlender Akzep-
tanz der Nachbarn unzufrieden.
Eine hohe Zufriedenheit der Menschen mit geistiger Behinderung lässt sich auch daraus ab-
leiten, dass der Wunsch nach einem Umzug nicht besteht. Die Mutter eines Kindes mit geis-
tiger Behinderung beschreibt dies sinngemäß (und in Bezug auf ihr Kind): „Aufgrund eines
fehlenden Vorstellungsvermögens ist der Wunsch nach Veränderung nicht gegeben.“. Bei
der Mutter ist der Wunsch nach einer Veränderung der Wohnsituation vorhanden. Bis auf
einen Befragten war in keiner Wohnsituation der Wunsch vorhanden, diese zu ändern. Der
größere Teil der Befragten kann sich für die von ihm Betreuten ein relativ selbstbestimmtes
Leben in Zukunft vorstellen.
Eine andere Sichtweise besteht bei Eltern, die mit ihrem geistig behinderten Kind in der ei-
genen Wohnung leben. Von den Befragten wurde aus der eigenen Erfahrung, vor dem Um-
zug des Kindes in die WG, von der nicht zufriedenstellenden Situation berichtet. Probleme
waren:
die Überforderung der Eltern,
die Sorge, dass das älter werdende Kind sich nicht mehr an eine veränderte Wohnsitu-
ation anpassen kann,
eine ungeeignete, weil zu kleine Wohnung,
eine Wohnung in der nicht die bedarfsgerechte Barrierefreiheit für ein mehrfach be-
hindertes Kind vorhanden war.
Bezüglich der Zufriedenheit der großen Gruppe der Eltern, die für ihr geistig behindertes
Kind noch keine geeignete Wohngemeinschaft oder ähnliches gefunden hat, besteht noch
Untersuchungsbedarf.
- 107 -

 
7.2.6. Veränderungsbedarf
Die befragten Eltern, die für ihr Kind eine eigene Wohnung suchen oder gesucht haben, woll-
ten eine Lösung finden, die ihrem Kind ein dauerhaftes Wohnen ermöglicht. Es kam dabei
keine stationäre Unterbringung infrage. Eine Mutter hatte noch keine akzeptable Lösung
gefunden. Ursache dafür scheint auch zu sein, dass die Familie nicht in der Stadt wohnt. An-
gebote im ländlichen Raum sollen nach Aussage der Befragten nur selten vorhanden sein.
Nach Aussage der Eltern wäre ein Übergang aus der Wohnung der Eltern in eine eigene
Wohnung oder ein Zimmer in einer WG Anfang 20 bis spätestens 25 Jahre ideal. In höherem
Alter wird für die Menschen mit geistiger Behinderung die Anpassung an die neuen Lebens-
bedingungen schwerer. Darüber hinaus besteht die Gefahr des Versterbens der Eltern,
wodurch die Lebensstruktur der Betroffenen zerstört wird. Diese Aussagen decken sich mit
den Erfahrungen der Lebenshilfe Dresden.
7.2.7. Offene Probleme aus Sicht der Befragten
In den 1990er Jahren wurden viele Heime für Menschen mit geistiger Behinderung, die eine
Werkstatt besuchen, gebaut. Die dort vorhandene Kapazität ist nach Aussage der Befragten
nicht ausreichend, da die Bewohner der ersten Stunde heute Rentner sind und für Jüngere
kein Platz zur Verfügung gestellt werden kann. Für Menschen mit geistiger Behinderung im
Rentenalter gibt es keine Wohnangebote. Besonders gravierend ist nach Aussage der Befrag-
ten der Mangel an Alternativen im ländlichen Raum. Dort werden demnach nahezu aus-
schließlich Wohnangebote über die Wohlfahrtsverbände in Heimen der ersten Nachwende-
generation, das heißt, fast ausschließlich in Zweibettzimmern, zur Verfügung gestellt. Dies
entspricht nicht den Wünschen der befragten Eltern. Nach deren Aussage werden in derarti-
gen Wohnverhältnissen erworbene Fähigkeiten verlernt, weil kostenbewusst verwaltet und
(Zitat:) „überbetreut“ wird. Individuelle und vor allen Dingen kleine Wohngruppen, z. B.
Mehrgenerationswohnen als gelebte Inklusion, sind nach Aussage der Befragten im ländli-
chen Raum nicht vorhanden. Besonders erschwerend werden die Vorgaben des KSV Sachsen
bei der Umsetzung alternativer Wohnprojekte sowohl funktional als auch pekuniär wahrge-
nommen. Es sei nahezu aussichtlos, ein privates Wohnkonzept umzusetzen, weil eine Kofi-
nanzierung, selbst nur über die Betriebskosten, mit Beteiligung des KSV an eine vorgegebene
Anwesenheit des Bewohners gebunden sei, die nicht mit Normalität und freier Entscheidung
zu vereinbaren wäre. Individuelles Wohnen in einer eigenen kleinen Wohnung, mit eigener
Nasszelle und eigener Kochnische werde nach Aussage der Befragten beim KSV als Luxus
- 108 -

 
bewertet. Deshalb seien Gemeinschaftsbäder und Wohnen in einer Wohngemeinschaft die
Normalität. Es besteht nach Aussage der Befragten ein Bedarf an betreuten Wohnungen für
Menschen mit geistiger Behinderung.
Als allgemein ungelöste Probleme, vor denen Eltern mit geistig behinderten Kindern im Zu-
sammenhang mit Wohnraum für ihre Kinder stehen, wurden von den Befragten darüber
hinaus beschrieben:
Eine geeignete Wohnung / geeigneten Wohnraum zu finden, insbesondere auf dem
Land, ist kaum möglich.
Eine geeignete Wohnung zu finden, wenn ein besonderes Hilfsmittel benötigt wird
(z. B. bei Mehrfachbehinderung, vorrangig bei E-Rollstuhlnutzung), ist noch schwieri-
ger.
Umzüge sind schwierig, weil Angebote fehlen.
Offen ist, was passiert, wenn die Menschen mit Behinderung älter werden und nicht
mehr in der Werkstatt arbeiten, dafür gibt es noch keine Wohnformen.
Menschen mit geistiger Behinderung altern oft schneller, unklar ist, wie ihre Anforde-
rungen in höherem Alter sind.
7.3. Fazit
Menschen mit geistiger Behinderung haben besondere Anforderungen an ihr Wohnumfeld
und ihre Wohnung, die vom Betroffenheitsgrad, möglichen weiteren Behinderungen und
dem Betreuungsbedarf abhängen. Diese unterscheiden sich insbesondere darin, ob der Be-
troffene allein unterwegs sein kann oder immer auf Begleitung angewiesen ist.
Im Ergebnis der Befragung sind Aussagen zu den Anforderungen der Menschen mit geistiger
Behinderung an ihre Wohnung und ihr Wohnumfeld möglich, aber nicht zum Erfüllungsgrad
dieser Anforderungen im Bestand. Offen ist, wie groß der tatsächliche Bedarf an bedarfsge-
recht barrierefreien Wohnungen für Menschen mit geistiger Behinderung ist. Vermutlich ist
dieser Bedarf hoch. Es scheinen nicht genügend Angebote von geeignetem Wohnraum am
Markt vorhanden zu sein. Dazu deckten sich die Aussagen der befragten Eltern und der Le-
benshilfe Dresden.
Die Befragten betreuten Menschen in mehrheitlich als gut empfundenen Lösungen. Dies lag
an der Auswahl der Gesprächspartner. Entweder waren es Eltern, die sehr engagiert für ihre
Angehörigen gute Lösungen gesucht und teilweise auch gefunden hatten, oder Betreuer von
- 109 -

Menschen mit geistiger Behinderung, für die ihre Angehörigen gute Lösungen gefunden hat-
ten.
Bis eine geeignete Wohnung gefunden wird, ist es nach Aussage der Befragten meist ein
langer Weg. Dabei sind vielfältige Schwierigkeiten zu überwinden. Es konnte aufgrund des
Studiendesigns nicht geklärt werden, wo in Sachsen wie viel Wohnraum in welchen Wohn-
formen für Menschen mit geistiger Behinderung vorhanden ist. Nach Aussage der Befragten
ist nicht ausreichend geeigneter Wohnraum vorhanden. Dort besteht weiterer Untersu-
chungsbedarf, wobei die Frage, welche Art von Wohnraum (Wohngemeinschaft, Wohngrup-
pe oder Wohnheim) benötigt wird, mit betrachtet werden muss.
Auch zur Finanzierbarkeit privat organisierter Wohnformen besteht nach den Ergebnissen
der Befragung weiterer Untersuchungsbedarf. Es sollte untersucht werden, welche geeigne-
ten Finanzierungsmodelle für Wohngruppen und Wohngemeinschaften existieren. In diesem
Zusammenhang sollten auch zu den notwendigen Abläufen zur Umsetzung eines neuen
Wohnprojektes für Menschen mit geistiger Behinderung Untersuchungen durchgeführt wer-
den. Zu diesen Fragen ergaben sich im Rahmen der ersten Bürgerbeteiligung über das Betei-
ligungsportal des Freistaates mehrere Nachfragen.
- 110 -

 
8. Bestandsschätzung von bedarfsgerecht barrierefreien Wohnun-
gen in Sachsen
Die bisher ermittelten Ergebnisse zeigen spezifische Anforderungen der Betroffenen in den
verschiedenen Hilfsmittelgruppen (HMG) und nach Art der sensorischen Behinderung. Des-
halb unterscheidet sich die bedarfsgerechte Barrierefreiheit in ihren Parametern je nach
betrachteter Art der Einschränkung. Die Bestandsermittlung erfolgt deshalb getrennt nach
einzelnen aus der Gesamtstichprobe differenzierbaren Bedarfsgruppen.
Daten für eine Hochrechnung der Erhebungsergebnisse auf Sachsen liegen beim KSV vor. Die
dort geführte Statistik zur Merkzeichenverteilung konnte, wie vorn erläutert, nicht genutzt
werden (vgl. dazu Abschnitt 4.3.3). Eine weitere Statistik erfasst die Hauptbehinderung der
Betroffenen. Mit Hilfe dieser Datenbasis lassen sich die Menschen mit Behinderung aber nur
nach fünf Hauptbehinderungen
Bewegungsapparat
, Sinnesorgane,
innere Organe
,
Ge-
hirn
/
Psyche
sowie
sonstige Behinderungen
differenziert nach Altersgruppen unterscheiden.
Die Aufschlüsselung des Datensatzes bezieht sich dabei auf schwerbehinderte Menschen mit
GdB 50-100. Die Bestandsschätzung erfolgte gemäß der Aufgabe nur für die zwei Arten der
Haupterkrankung von Bewegungsapparat und Sinnesorganen. Diese Werte wurden in Folge
auch zur Prognose verwendet.
Für die Bestandsschätzung an bedarfsgerecht barrierefreiem Wohnraum in Sachsen wurde
wie folgt vorgegangen:
Ermittlung der Verteilung der Hilfsmittelnutzung sowie der sensorischen Betroffenheit
in der Stichprobe, als Grundlage für eine Ermittlung der Anzahl der Betroffenen in der
Region.
Übertragung der Ergebnisse auf den KSV- Datensatz Hauptbehinderung Bewegungsap-
parat und Sinnesorgane und Hochrechnung der Ergebnisse auf die Regionen und Sach-
sen, einschließlich einer Überprüfung der Ergebnisse anhand verfügbarer Studien und
Veröffentlichungen.
Auswahl der Kriterien für bedarfsgerecht barrierefreien Wohnraum aus den Befra-
gungsergebnissen.
Ermittlung der Anzahl der Wohnungen aus der Stichprobe die diese Kriterien erfüllen.
Hochrechnung ermittelter Verhältnisse auf die Regionen und ganz Sachsen.
- 111 -

 
Diese Vorgehensweise bedingt, dass keine Aussagen zum Bestand an bedarfsgerecht barrie-
refreiem Wohnraum für die einzelnen HMG und die jeweilige sensorische Betroffenheit er-
mittelt werden können. Dies ist mit den zur Verfügung stehenden Daten nicht möglich. Für
diese Fragestellung besteht ein weiterer Untersuchungsbedarf.
8.1. Ermittlung der Anzahl der Betroffenen im Untersuchungsgebiet
8.1.1. Verteilung von Behinderung in Sachsen
Als Vergleichsbasis für die Grundgesamtheit an Menschen mit Behinderung in Sachsen bzw.
regional in den drei kreisfreien Städten und zehn Landkreisen wurde die vom KSV zur Verfü-
gung gestellte Datenbasis nach Art der Hauptbehinderung genutzt. (vgl. Tabelle 25).
Tabelle 25 – Art der Hauptbehinderung nach Behinderungsgruppen
Art der Hauptbehinderung
nach Behinderungsgruppen
Anzahl der Betroffe-
nen in Sachsen
Anteil der Betroffenengruppe an der
Gesamtzahl der Betroffenen
Bewegungsapparat
84.234
21,5 %
Sinnesorgane
44.055
11,2 %
Innere Organe
109.750
28,0 %
Gehirn, Psyche
97.324
24,8 %
Sonstige Behinderung
56.651
14,5 %
Schwerbehinderte gesamt
392.014
-
Diese Daten konnten auf die Regionen aufgegliedert werden. Tabelle 26 beinhaltet regional
bezogen (nach Landkreisen und kreisfreien Städten) die Anzahl von Menschen mit Behinde-
rungen fokussiert auf Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie der Sinnesorgane. Der
Anteil von Menschen mit Behinderungen an der Gesamtbevölkerung Sachsens liegt im
Durchschnitt bei 9,7 %. Zwischen den Regionen beträgt der Anteil zwischen 8,7 % (Stadt
Dresden) und 11,5 % im Landkreis Görlitz. Der Anteil von Menschen mit sensorischer Behin-
derung (Erkrankung der Sinnesorgane) liegt mit durchschnittlich 1,1 % der Gesamtbevölke-
rung Sachsens deutlich unter dem Anteil der Menschen mit motorischen Behinderungen
(Erkrankung des Bewegungsapparates) mit durchschnittlich 2,1 % bezogen auf die Gesamt-
bevölkerung Sachsens. In den Befragungsregionen Stadt Leipzig, Erzgebirgskreis und Land-
kreis Bautzen unterscheiden sich die Anteile der Betroffenen teilweise erheblich. Während
- 112 -

image
der Anteil der Menschen mit motorischer Behinderung im Erzgebirgskreis 2,4 % und im
Landkreis Bautzen 2,3 % beträgt, liegt dieser in Leipzig bei nur 1,7 %. Bei Menschen mit sen-
sorischer Behinderung fallen die Unterschiede im Vergleich der Regionen deutlich geringer
aus. Ursachen dafür sind nicht bekannt.
Tabelle 26 – Menschen mit Behinderung (Schwerbehinderte) nach Städten und Landkreisen im Freistaat Sach-
sen
Als Vergleich kann die Gesundheitsberichterstattung des Bundes heran gezogen werden (vgl
Statistisches Bundesamt 2016b). Dort wird die Anzahl der Menschen mit Behinderung (GdB >
- 113 -

 
50) für Sachsen mit 391.137 angegeben. Das sind die aktuellsten öffentlich zugänglichen Zah-
len.
8.1.2. Zusammensetzung der Stichprobe motorischer Fragebogen
Für die Ermittlung der Anzahl der Betroffenen wurden aus der Stichprobe (n=1.426) diejeni-
gen Gruppen (HMG 1-3) herausgelöst, für die ein besonderer Gestaltungsbedarf innerhalb
ihres Wohnbereiches im Rahmen der Befragung ermittelt wurde.
Bei der Stichprobe der Menschen mit motorischen Behinderungen handelt es sich dabei um
die Hilfsmittelgruppen
Rollstuhl mit Hilfsperson sowie E-Rollstuhl-Nutzer, entspricht HMG 3,
mechanischer Rollstuhl, entspricht HMG 2 sowie
gehend mit Gehhilfen (Gehstütze und Rollator), entspricht HMG 1.
Die ermittelten Zusammenhänge und Verhältnisse der Menschen in diesen HMG werden im
weiteren Verlauf der Betrachtungen auf den KSV-Datensatz:
Erkrankungen des Bewegungs-
apparates
übertragen. Dazu werden die Daten aus der ermittelten Stichprobe der Menschen
mit motorischer Behinderung, ins Verhältnis zu den Menschen mit
Erkrankungen des Bewe-
gungsapparates
im KSV-Datensatz gesetzt. Hierauf beruht die Schätzung der bestehenden
Wohnverhältnisse für Personen mit motorischer Behinderung für die einzelnen Regionen in
Sachsen. Eine exakte Ermittlung ist aufgrund der geringen Datenbasis nicht möglich. Sobald
die Stichprobengröße n=640 unterschreitet (vgl. dazu Friedrichs, Jürgen 1990) sind die mög-
lichen Aussagen statistisch nicht mehr begründbar.
Die Auswahl der Personen mit besonderen Betroffenheiten aus dem Gesamtdatensatz der
Menschen mit motorischer Behinderung (n=1426) erfolgte folgendermaßen:
HMG 3, Gruppe Rollstuhl mit Hilfsperson sowie E-Rollstuhl-Nutzer (n=298)
In dieser Gruppe wird der höchste Grad der motorischen Beeinträchtigung angenommen, so
dass das Hilfsmittel
E-Rollstuhl
bzw. der Fakt
Rollstuhlnutzung mit Hilfsperson
das entschei-
dende Kriterium für bauliche Anforderungen an die Häuslichkeit darstellt. Bei Überschnei-
dungen bzw. bei Doppelnutzungen z.B. mit mechanischem Rollstuhl oder Gehstützen wur-
den diese um die Doppelnennungen bereinigt. Es wurde keine Korrektur bezüglich sich über-
schneidender Doppelnutzungen mit weiteren in der Studie betrachteten Hilfsmitteln (z.B.
mit Nutzern von Prothesen) vorgenommen.
- 114 -

 
Die Filterung der Gruppe erfolgt auf der Basis der Addition der Nutzer von
Rollstuhl mit
Hilfsperson
(n=200) und der Nutzer
E-Rollstühle
(n=124), korrigiert um die doppelt eingeflos-
senen Nutzerzahl beider Hilfsmittel (n=26). Damit besteht diese Stichprobe aus 298 Perso-
nen. Das entspricht einem Anteil von 20,9 % an der motorischen Stichprobe.
HMG 2, Gruppe mit mechanischem Rollstuhl (n=119)
Die Gruppe der Nutzer von mechanischen Rollstühlen (n=314) wurde um die Gruppen korri-
giert, die gleichzeitig die Nutzung Rollstuhl mit Hilfsperson oder E-Rollstuhl (n=195) angege-
ben haben. Damit besteht diese Stichprobe aus 119 Personen. Das entspricht einem Anteil
von 8,3 % der motorischen Stichprobe (ohne E-Rollstuhl und ohne Rollstuhl mit Hilfsperson).
HMG 1, Gruppe gehend mit Gehhilfen (n=571)
Die Filterung der Gruppe erfolgt auf der Basis der Addition der Nutzer von
Gehstützen
(n=460) und
Rollatoren
(n=329), korrigiert um die doppelt eingeflossene Nutzerzahl beider
Hilfsmittel (n=218). Zudem erfolgte gleichzeitig ein Ausschluss der bereits betrachteten
Gruppen Nutzer von
mechanischem Rollstuhl
,
Rollstuhl mit Hilfsperson
sowie
E-Rollstuhl-
Nutzer
. Damit besteht diese Stichprobe aus 571 Personen. Das entspricht einem Anteil von
40,0 % der motorischen Stichprobe (ohne Rollstuhlnutzung).
438 der befragten Personen, das entspricht ca. 30,7 % der an der Befragten mit motorischer
Behinderung nutzten andere (Prothesen, Orthesen u.a.) bzw. keine Hilfsmittel. Sie sind in der
Hilfsmittelgruppe 0 erfasst.
Auf Basis des KSV-Datensatzes:
Art der Hauptbehinderung nach Behinderungsgruppen
, hier
Erkrankungen des Bewegungsapparates
erfolgte eine Ermittlung der betroffenen Personen
mit motorischen Behinderungen für die einzelnen Regionen in Sachsen und für den Freistaat
Sachsen. Dazu wurden die Verhältnisse aus der motorischen Stichprobe mit Hilfe der verfüg-
baren Daten zu
Erkrankungen des Bewegungsapparates
des KSV-Datensatzes hochgerech-
net. Dabei verhält sich die Anzahl der betrachteten Gruppe der Hilfsmittelnutzung in der
Stichprobe zur motorischen Stichprobe gesamt wie die Anzahl der betrachteten Gruppe der
Hilfsmittelnutzung in Sachsen zum Anteil der
Erkrankungen des Bewegungsapparates
in
Sachsen. Eine annähernde Gleichverteilung des Alters der Personen aus der Stichprobe und
den KSV-Daten liegt vor.
Den Autoren der Studie ist bewusst, dass sich die beiden miteinander ins Verhältnis gesetz-
ten Gruppen lediglich ähneln, keinesfalls aber in ihrer Zusammensetzung identisch sind. Da-
- 115 -

her wird auch von einer Schätzung der Betroffenen behinderten Menschen in Sachsen auf
Basis der motorischen Stichprobe ausgegangen. Im Ergebnis dieser Schätzung liegt in Sach-
sen:
die Anzahl der Nutzer von
Gehhilfen
(HGM 1) bei etwa 34.000 Betroffenen.
die Anzahl der Nutzer von
mechanischen Rollstühlen
(HGM 2) bei etwa 7.000 Betroffe-
nen, und
die Anzahl der
Rollstuhlnutzer mit Hilfsperson
sowie
E-Rollstuhl-Nutzer
(HMG 3) bei
etwa 18.000 Betroffenen,
Um die ermittelten Zahlenwerte abzusichern bzw. auf ihre Plausibilität zu prüfen, wurde ein
Vergleich bzw. eine Diskussion mit vorliegenden Studien- bzw. Erhebungsergebnissen vorge-
nommen.
Die Stiftung MyHandicap sagt aus: „In der Bundesrepublik Deutschlandnutzen nutzen mehr
als eineinhalb Millionen Menschen einen Rollstuhl dauerhaft oder zeitweise. Diese Betroffe-
nengruppe besteht aus etwa gleichen Teilen aus Senioren und Menschen mit körperlichen
Behinderungen.“ (vgl. Stiftung MyHandicap gemeinnützige GmbH 2016)
Das würde bedeuten, es nutzen etwa 750.000 Menschen mit körperlichen Behinderungen
einen Rollstuhl, was einem Anteil von etwa 9,8 % der Menschen mit Behinderung in
Deutschland (7.615.560 Personen, Statistisches Bundesamt - 2016b) entspricht. Würde man
dieses Verhältnis auf Sachsen mit 391.137 Menschen mit Behinderung (GdB > 50), Statisti-
sches Bundesamt - 2016b, übertragen, ergäbe dies eine Anzahl von ca. 38.500 Menschen mit
Behinderung, die einen Rollstuhl benutzen. Diese Quelle enthält allerdings keine Angaben
zur Validität der angegebenen Zahlen, so dass diese nicht verifizierbar sind.
Eine weitere Quelle (vgl. HS Onlinemarketing GmbH - 2016) nennt Anhaltspunkte, auf denen
eine solche Schätzung beruhen könnte. Danach werden ausgewählte Arten von Behinderun-
gen, wie „Verlust oder Teilverlust von Gliedmaßen“, „Funktionseinschränkung von Gliedma-
ßen“, „Funktionseinschränkung der Wirbelsäule und des Rumpfes“, „Deformierung des
Brustkorbes“ sowie „Querschnittslähmungen“, für die Schätzungen der Anzahl von Rollstuhl-
fahrern herangezogen. Betrachtet man deren Anteile für Deutschland mit 1.879.561 Be-
troffenen bzw. für Sachsen mit 76.712 Betroffenen (vgl. Statistisches Bundesamt - 2016b,
ausgewiesen für 2013), resultiert ein Wert für Sachsen von ca. 61.200 Rollstuhlfahrern
(30.600 davon mit GdB > 50). Dabei ist zu beachten, dass nicht die Gesamtheit der derartig
- 116 -

 
Betroffenen auf einen Rollstuhl angewiesen sein wird. Insbesondere der Verlust, Teilverlust
oder auch Funktionseinschränkungen von Gliedmaßen führen nicht zwangsläufig zur Nut-
zung eines Rollstuhls.
Die Schätzung aus der Stichprobe heraus liegt bei ca. 25.000 Rollstuhlnutzern und damit bei
einem Anteil von etwa 6,3 % an den Menschen mit Behinderung in Sachsen (bezogen auf
391.137 Personen).
Dieser im Verhältnis geringere Anteil gegenüber deutschlandweit 9,8 % verwundert insofern,
da in Sachsen sowohl der Anteil der über 65-jährigen Menschen höher als im gesamtdeut-
schen Schnitt liegt als auch der Anteil der Menschen mit Behinderung (GdB > 50). Gründe für
die recht große Abweichung der beiden ermittelten Anteile werden zum einen in den relativ
geringen Betroffenen-Zahlen für die differenziert betrachteten Hilfsmittelgruppen innerhalb
der motorischen Stichprobe vermutet, die bei einer Hochrechnung entsprechende Ausschlä-
ge verursachen könnten.
Zum anderen bergen aber auch Schätzungen in Anlehnung an einzelne Arten von Behinde-
rungen Fehlerquellen, da nicht vollständig zu klären ist, welche Einzelfälle tatsächlich zur
Nutzung eines Rollstuhles führen. Eine differenzierte und verlässliche Bestimmung erfordert
weitere vertiefte Untersuchungen. Die Autoren schlagen die Betrachtung eines Korridors
vor, dessen untere Grenze durch die eigenen ermittelten Zahlen (6,3 %) beschrieben wird.
Die obere Grenze bildet der Schätzwert von myhandicap.de (9,8 %). Somit resultiert ein Kor-
ridor zwischen 25.000 und etwa 30.600 Menschen mit Behinderung in Sachsen, die auf einen
Rollstuhl angewiesen sind (HMG 2 und HMG 3). Die weiteren Betrachtungen für Sachsen
beziehen sich jedoch auf die in der Studie erhobenen Daten, da die Angaben von myhan-
dycap nicht verifizierbar sind und keine anderen Studienergebnisse verfügbar sind.
8.1.3. Zusammensetzung der Stichprobe sensorischer Fragebogen
Analog zum Vorgehen zur Stichprobe der Menschen mit motorischen Behinderungen wurde
bei der Gruppe der Menschen mit sensorischer Behinderung (n=974) verfahren.
Bei der Stichprobe der Menschen mit sensorischer Behinderung handelt es sich um die
Gruppen
der Menschen mit Sehbehinderung sowie
der Menschen mit Hörbehinderung.
- 117 -

Ermittelte Zusammenhänge und Verhältnisse der Menschen mit sensorischer Behinderung
werden im weiteren Verlauf der Betrachtungen auf den KSV-Datensatz: „Erkrankungen der
Sinnesorgane“ übertragen. Dazu werden die Daten aus der ermittelten Stichprobe der Men-
schen mit sensorischen Behinderungen, ins Verhältnis zu den Menschen mit „Erkrankungen
der Sinnesorgane“ im KSV-Datensatz gesetzt. Hierauf beruht die Schätzung der bestehenden
Wohnverhältnisse für Personen mit sensorischen Behinderungen für die einzelnen Regionen
in Sachsen.
Die Zuordnung der Personen aus dem Gesamtdatensatz der Menschen mit sensorischer Be-
hinderung (n=974) hat dabei den Charakter einer Plausibilitätsprüfung.
29,3 % der sensorischen Stichprobe sind Personen mit Sehbeeinträchtigungen.
21,8 % der sensorischen Stichprobe sind Personen mit Hörbeeinträchtigungen.
23,4 % der sensorischen Stichprobe sind Personen mit Seh- und Hörbeeinträchtigun-
gen.
24,1 % der befragten Personen lassen sich keiner Gruppe zuordnen.
Der Anteil der Gruppen „Sehbeeinträchtigung“ in der Stichprobe überschreitet um ca. 6 %
den im KSV-Datensatz ausgewiesenen Anteil. Hier beträgt der Anteil der Menschen mit
„Sehbeeinträchtigung“ lediglich 23,4 % an der Gruppe der „Erkrankungen der Sinnesorgane“
(für die Befragungsregion sogar lediglich 11,1 %). Problematisch ist die Gruppe von „Seh-
und Hörgeschädigten“ mit 23,4 % Anteil. Es erscheint als sehr wahrscheinlich, dass das
Hilfsmittel „Sehhilfe“ als „normale“ Brille interpretiert wurde, so dass viele Hörgeschädigte
auch diese Kategorie mit angegeben haben. Als Konsequenz für die weitere Berechnung wird
der Anteil der Menschen mit Sehbeeinträchtigung gemäß KSV-Datensatz (23,4 %) angesetzt.
Dieser Wert kann als gesichert betrachtet werden.
Der Anteil der Menschen mit „Hörbeeinträchtigungen“ im KSV-Datensatz beträgt 46,9% und
entspricht in etwa dem in der Stichprobe ermitteltem Anteil von 45,2 %.
Auf Basis des KSV-Datensatzes: „Art der Hauptbehinderung nach Behinderungsgruppen“,
hier: „Erkrankungen der Sinnesorgane“, erfolgte eine Ermittlung der betroffenen Personen
mit sensorischen Behinderungen für die einzelnen Regionen in Sachsen sowie für den Frei-
staat Sachsen. Dabei verhält sich die Anzahl der betrachteten Gruppe der Hilfsmittelnutzung
in der Stichprobe zur sensorischen Stichprobe gesamt wie die Anzahl der betrachteten
Gruppe der Hilfsmittelnutzung in Sachsen zum Anteil der „Erkrankungen der Sinnesorgane“
- 118 -

 
in Sachsen. Den Autoren der Studie ist auch hier bewusst, dass die beiden miteinander ins
Verhältnis gesetzten Gruppen sich lediglich ähneln, keinesfalls aber in ihrer Zusammenset-
zung identisch sind. Daher kann auch hier lediglich von Schätzungen bei der Zusammenset-
zung der Betroffenengruppen in der sensorischen Stichprobe ausgegangen werden. Im Er-
gebnis dieser Schätzung, liegt in Sachsen:
die Anzahl der Personen mit Sehbehinderung bei ca. 10.300, und
die Anzahl der Personen mit Hörbehinderung bei ca. 19.900.
Um die ermittelten Werte abzusichern, wurden sie mit der KSV-Statistik zu den Merkzeichen
im Behindertenausweis verglichen. Laut KSV-Statistik trugen in Sachsen im Jahr 2015 insge-
samt 6.058 Personen das Merkzeichen Bl und bei 4.235 Personen war hochgradige Seh-
schwäche als erste Behinderung eingetragen. Aus dem Vergleich resultiert eine hohe Über-
einstimmung der geschätzten Anzahl der Personen mit Sehbeeinträchtigung mit der Summe
der beiden aufgeführten Betroffenengruppen (n= 10.293).
4.504 Personen waren dort mit dem Merkzeichen Gl im Ausweis ausgestattet. Hinzu kom-
men 16.175 Personen mit Schwerhörigkeit (ohne Merkzeichen) als erster eingetragener Be-
hinderung. Es zeigt sich eine hohe Übereinstimmung zwischen der geschätzten Anzahl der
Personen mit Hörbeeinträchtigung und der Summe der beiden aufgeführten Betroffenen-
gruppen (n= 20.679).
8.1.4. MUSS-Kriterien für die Bestandsschätzung
Die Einschätzung des Bestands bedarfsgerecht barrierefreier Wohnungen erfolgte differen-
ziert für die motorische bzw. sensorische Stichprobe. Die dafür notwendigen MUSS-Kriterien
wurden aus den Ergebnissen der Befragung folgendermaßen bestimmt:
Quantitative Auswertung
: Ergebnisse der Aussage
das beeinträchtigt mich
bezogen
auf die Antwort
trifft (eher) nicht zu
, nach Zahlenwert in Prozent sortiert und in drei
gleich große Gruppen verteilt;
Qualitative Auswertung
: Gruppe mit den höchsten Zahlenwerten bereinigt von allen
Anforderungen die durch einfache Nachrüstung (ohne großen baulichen Aufwand) rea-
lisiert werden können;
Auswahl der MUSS-Kriterien
, die zu den in den Globalfragen (Aussagen zu Selbstbe-
stimmung und Sicherheitsgefühl) als besonders schwierig dargestellten Bereichen ge-
hören. Diese Bereiche sind in beiden Stichproben (Fragebogen motorische Behinde-
- 119 -

 
rung und Fragebogen sensorische Behinderung)
Bad
,
Treppen und Aufzüge
sowie
Zu-
gang/Eingangsbereich
. Das Wohnumfeld wurde nicht mit betrachtet, weil davon aus-
gegangen werden muss, dass die Teilnehmer mit ihren Aussagen stärker auf den öf-
fentlichen Raum abzielen, als auf den Bereich von der Grundstücksgrenze bis zum Ge-
bäude.
Die so ermittelten Kriterien stellen ein Mindestniveau an bedarfsgerechter Barrierefreiheit in
Bestandsgebäuden dar. Dabei kommen nicht alle Kriterien die aufgrund der Bewertung der
Befragten als unabdingbar oder notwendig eingestuft wurden zur Anwendung. Es handelt
sich vielmehr um die Kriterien die über alle HMG bzw. beide sensorische Behinderungen in
der höchsten Kategorie eingeordnet waren. Für Neubauten sind alle Kriterien die in den Ka-
tegorien
unabdingbar
und
notwendig
enthalten sind Grundlage für eine bedarfsgerechte
barrierefreie Gestaltung einer Wohnung.
Motorische Stichprobe (Art der Hauptbehinderung: Bewegungsapparat)
Der Kriterienkatalog (Kategorie A, in den Schwerpunktbereichen) enthält für die motorische
Stichprobe nach der oben beschriebenen Selektion die in Tabelle 27 zusammengestellten 10
MUSS-Kriterien für bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen in Bestandsgebäuden für die
Wohnbereiche
Zugangsbereich
,
Treppen und Aufzüge
und
Bad
.
Tabelle 27 – Kategorie A in den Schwerpunktbereichen, motorische Gesamtstichprobe, bereinigt von nachrüst-
baren Anforderungen
Nr.
Bereich
Aussage
1
Zugangsbereich
Der Müllcontainer ist für mich ohne Hindernisse erreichbar und zu benut-
zen.
2
Zugangsbereich
Der Hauseingang ist stufenlos und schwellenlos erreichbar.
3
Bad
Ich kann mich problemlos auf das WC setzen und wieder aufstehen.
4
Zugangsbereich
Der Briefkasten ist für mich ohne Hindernisse erreichbar und zu benut-
zen.
5
Zugangsbereich
Die Haustür lässt sich leicht öffnen und ich kann sicher durchfahren, be-
vor sie sich wieder schließt.
- 120 -

 
Nr.
Bereich
Aussage
6
Treppen und
Aufzüge
Die Handläufe sind durchgehend und ermöglichen einen sicheren Halt
beim Benutzen der Treppe.
7
Bad
Das Bad bietet ausreichend Platz, damit ich mich mit meinem Hilfsmittel
bequem bewegen kann. Ich muss dafür nicht viel rangieren.
8
Treppen und
Aufzüge
Die Stufen der Treppen sind bequem und gefahrlos begehbar ohne Stol-
per- oder Rutschgefahr.
9
Bad
In meinem Bad ist eine Dusche vorhanden.
10
Bad
Das Waschbecken ist für mich gut mit meinem Hilfsmittel erreichbar.
Sensorische Stichprobe (Art der Hauptbehinderung: Sinnesorgane)
Der Kriterienkatalog (Kategorie A in den Schwerpunktbereichen) enthält für die sensorische
Stichprobe nach der oben beschriebenen Selektion die in Tabelle 28 zusammengestellten 7
MUSS-Kriterien für bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen in Bestandsgebäuden für die
Wohnbereiche
Zugangsbereich
,
Treppen und Aufzüge
und
Bad
.
Tabelle 28 – Kategorie A in den Schwerpunktbereichen, sensorische Gesamtstichprobe, bereinigt von nachrüst-
baren Anforderungen
Nr.
Bereich
Aussage
1
Zugangsbe-
reich
Die Tür ist gut zu erkennen.
2
Treppen und
Aufzüge
Ich kann den Anfang und das Ende der Treppe deutlich erkennen.
3
Treppen und
Aufzüge
Die Stufen der Treppen im Haus sind bequem und gefahrlos begehbar.
4
Zugangsbe-
reich
Man erkennt an der Tür, wenn sie zum Öffnen freigegeben ist.
- 121 -

 
Nr.
Bereich
Aussage
5
Treppen und
Aufzüge
Die Stufen im Haus sind beim Hoch- und Runtergehen für mich gut er-
kennbar.
6
Zugangsbe-
reich
Der Hauseingang ist gut zu erkennen und leicht zu finden.
7
Bad
In meinem Bad gibt es keine schwer erkennbaren Schwellen, Vorsprünge
und Kanten an denen ich mich verletzen könnte.
8.1.5. Einschätzung des Bestandes an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen in
der Stichprobe
Zur Einschätzung des Bestandes an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen in Sachsen
wurden die ausgewählten zehn definierten Kriterien der A-Kategorie (MUSS-Kriterien) für
Menschen mit motorischen Behinderungen
als Filterwerte über den motorischen Datensatz
(n=1426) gelegt.
174 der Befragten (ca. 12,2 %) stimmten den formulierten „MUSS-Kriterien“ über alle zehn
Kriterien zu bzw. verhielten sich z.T. neutral, d.h. einzelne MUSS-Kriterien wurden durch die
Probanden nicht bewertet, da sie für diese Personen offenbar unproblematisch waren. Le-
diglich 57 Personen haben innerhalb einer Grundgesamtheit von 1.426 der Befragten voll-
ständige Angaben zu allen zehn MUSS-Kriterien gemacht und deren Einhaltung bestätigt.
Statistisch gesicherte Aussagen zum Bestand an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen
in Sachsen anhand der zehn priorisierten MUSS-Kriterien sind damit nicht möglich. Hier
könnte eine separate Befragung zu den jetzt bekannten Kriterien mit hoher Priorisierung
vertiefend verwertbare Erkenntnisse ermöglichen. Eine Grundaussage der Befragung ist je-
doch, dass mit den 10 definierten MUSS-Kriterien für Menschen mit motorischer Behinde-
rung ein aktuell kaum erreichter Standard für Wohnungen im Bestand beschrieben wurde.
Einige Tendenzen sollen an dieser Stelle dargestellt werden.
Ein Gestaltungsschwerpunkt im Rahmen der zehn definierten MUSS-Kriterien bezieht sich
auf den
Eingangsbereich
(4 Kategorie-A-Kriterien), wo lediglich 23 % der Befragten die
MUSS-Kriterien als komplett zutreffend beurteilten. Ein zweiter Gestaltungsschwerpunkt mit
ebenfalls vier MUSS-Kriterien bildet erwartungsgemäß das
Bad
mit Erfüllungsquote von 34
- 122 -

 
%. Demgegenüber besitzt das
Treppenhaus
mit 2 Kategorie-A-Kriterien bereits eine Zustim-
mungsquote von 73 %.
Zur Einschätzung des Bestandes an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen für
Menschen
mit sensorischen Behinderungen
in Sachsen, wurden die ausgewählten sieben definierten
MUSS-Kriterien der A-Kategorie als Filterwerte über den sensorischen Datensatz (n= 974)
gelegt.
406 Personen (=41,7 % der sensorischen Stichprobe) stimmten den formulierten MUSS-
Kriterien über alle Kriterien zu bzw. verhielten sich teilweise neutral. Davon benutzten:
208 Personen Hörhilfen (= 21,3 % der sensorischen Stichprobe),
206 Personen Sehhilfen bzw. Blindenhilfsmittel (=21,1 % der sensorischen Stichprobe).
Die dargestellten Auswertungsergebnisse der Filterung lassen folgende Grundaussage zur
bedarfsgerecht barrierefreien Beschaffenheit der Wohnungen von Menschen mit sensori-
scher Behinderung zu:
42 % der Befragten mit sensorischer Behinderung wohnen bedarfsgerecht barrierefrei,
in 58 % der Wohnungen von befragten Personen mit sensorischer Behinderung sind
Anpassungsmaßnahmen notwendig, um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit herzu-
stellen.
Ein Bereich mit erhöhtem Gestaltungsbedarf innerhalb der sieben definierten MUSS-
Kriterien bezieht sich wiederum auf den Eingangsbereich (3 Kategorie-A-Kriterien), wo 63 %
der Befragten die MUSS-Kriterien als für ihren Wohnbereich zutreffend beurteilten, gefolgt
von den MUSS-Kriterien zur Beschaffenheit des Treppenhauses (3 Kategorie-A-Kriterien) mit
69 % und der Badgestaltung mit 81 % Erfüllungsquote (1 Kategorie-A-Kriterium).
Die bedarfsgerecht barrierefreie Ausstattung der Wohnung ist für Menschen mit sensori-
scher Behinderung damit wesentlich häufiger gegeben, als bei Menschen mit motorischer
Behinderung.
8.1.6. Verteilung der Stichproben auf urbane bzw. ländliche Räume
Die Tabelle 29 beinhaltet eine Gegenüberstellung der Ergebnisse der Befragung von
Men-
schen mit motorischer Behinderung
im urbanen bzw. ländlichen Raum bezogen auf die Be-
antwortung der Fragen zu den zehn definierten MUSS-Kriterien (Kategorie A-
Schwerpunktbereiche). Die statistische Aussagekraft reduziert sich aufgrund sehr kleiner
- 123 -

Stichprobengrößen in den einzelnen Gruppen stark. Die im Detail geringen Fallzahlen vermit-
teln somit eine Tendenz, können aber nicht als Berechnungsgrundlage genutzt werden.
Tabelle 29 – Gegenüberstellung urbaner/ländlicher Raum aus motorischer Stichprobe
Stichprobe
motorisch
Anteil
urban
Anteil
ländlich
Stichprobe „motorisch“ gesamt
1.426
1.066
342
Personen stimmen den formulierten zehn „MUSS-
Kriterien“ zur bedarfsgerechten Barrierefreiheit der
Wohnung zu, davon
174
(=12,2%)
124
(=11,6%)
47
(=13,7%)
Personen mit Gehhilfen (HMG 1)
64
46
18
Personen mit einem mechanischen Rollstuhl (HMG 2)
14
11
3
Personen, die einen Rollstuhl mit Hilfsperson bzw. eine
E-Rollstuhl nutzen (HMG 3)
27
22
5
Insgesamt leben 342 der Befragten mit motorischer Behinderung im ländlichen Raum, wäh-
rend 1066 der Befragten mit motorischer Behinderung zum Zeitpunkt der Befragung in den
urbanen Bereichen wohnten. Im Aussageverhalten ergeben sich nur geringe Unterschiede.
Während Befragte aus dem ländlichen Raum mit einem Anteil von 13,7 % den definierten
MUSS-Kriterien zustimmten, lag der Anteil bei den Befragten aus urbanen Gebieten bei
11,6 %.
Tabelle 30 beinhaltet eine Gegenüberstellung der Befragten mit sensorischer Behinderung
im ländlichen bzw. urbanen Raum bezogen auf die Beantwortung der Fragen zu den sieben
definierten MUSS-Kriterien (Kategorie A-Schwerpunktbereiche). Die statistische Aussage-
kraft reduziert sich aufgrund sehr kleiner Stichprobengrößen in den einzelnen Gruppen
stark. Die im Detail geringen Fallzahlen vermitteln dennoch eine Tendenz.
- 124 -

 
Tabelle 30 – Gegenüberstellung urbaner/ländlicher Raum aus sensorischer Stichprobe
Stichprobe
sensorisch
Anteil
urban
Anteil
ländlich
Stichprobe „sensorisch“ gesamt
974
747
213
Personen stimmen den formulierten sieben „MUSS-
Kriterien“ zur bedarfsgerechten Barrierefreiheit der
Wohnung zu
406 (41,7%)
313
(41,9%.)
91
(43,7%)
Personen mit Hörhilfen
208
162
45
Personen mit Sehhilfen bzw. Blindenhilfsmittel
206
154
50
Die sensorische Stichprobe enthält 974 Datensätze. Insgesamt lebten davon 213 der Befrag-
ten mit sensorischer Behinderung im ländlichen Raum, während 747 in urbanen Bereichen
wohnten. 14 Befragte gaben keinen Wohnort an.
Im Aussageverhalten ergeben sich auch in der Stichprobe sensorischer Fragebogen nur ge-
ringe Unterschiede zwischen Stadt und Land. Während Befragte aus dem ländlichen Raum
mit einem Anteil von 43,7 % den definierten MUSS-Kriterien zustimmten, lag der Anteil bei
den Befragten aus urbanen Gebieten bei 41,9 %.
8.2. Bestandsschätzung für den Freistaat Sachsen
8.2.1. Bestandsschätzung für Personen mit motorischer Behinderung
Aus der Bestandsschätzung geht hervor, dass etwa 10.300 Personen mit motorischer Behin-
derung über eine bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung verfügen, welche allen zehn defi-
nierten MUSS-Kriterien (Kategorie A-Schwerpunktbereiche) entspricht (vgl. dazu Tabelle 31).
Insgesamt resultiert ein Anpassungsbedarf für die Wohnungen von etwa 74.000 Personen
(entspricht einem Anteil von 87,8 %), um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit entspre-
chend der zehn definierten MUSS-Kriterien (Kategorie A-Schwerpunktbereiche, vgl. Tabelle
27 auf Seite 120) herzustellen. Unter Zugrundelegung aller Kategorie A und B-Kriterien wür-
de der Anpassungsbedarf für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen noch höher ausfallen.
- 125 -

image
Tabelle 31 – Bestandsschätzung „bedarfsgerecht barrierefrei“ für Menschen mit motorischer Behinderung;
Quelle: KSV und eigene Berechnungen
Ein Gestaltungsschwerpunkt im Rahmen der zehn definierten MUSS-Kriterien bezieht sich
auf den
Zugangs- bzw. Eingangsbereich
(4 Kategorie-A-Kriterien), wo lediglich 23 % der an
der Befragung Teilnehmenden die MUSS-Kriterien als komplett zutreffend beurteilten (vgl.
Tabelle 32). Ein zweiter Gestaltungsschwerpunkt mit ebenfalls vier MUSS-Kriterien bildet
erwartungsgemäß das
Bad
mit Erfüllungsquote von 34 %. Demgegenüber besitzt das
Trep-
penhaus
mit 2 Kategorie-A-Kriterien bereits eine Zustimmungsquote von 73 %.
- 126 -

image
 
Tabelle 32 – Bestandsschätzung „bedarfsgerecht barrierefrei“ für Menschen mit motorischer Behinderung für
ausgewählte Schwerpunktbereiche „Eingang“, „Bad“ und „Treppenhaus“; Quelle: KSV und eigene Berechnun-
gen
Beispielhaft resultiert daraus insgesamt ein Anpassungsbedarf für den Eingangsbereich von
etwa 65.000 Wohneinheiten, um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit entsprechend der de-
finierten MUSS-Kriterien herzustellen.
8.2.2. Bestandsschätzung für Personen mit sensorischer Behinderung
Aus der Bestandsschätzung geht hervor, dass etwa 18.400 Personen mit sensorischer Behin-
derung (davon 13.900 Personen mit Seh- bzw. Höreinschränkungen) über eine bedarfsge-
recht barrierefreie Wohnung verfügen, welche allen sieben definierten MUSS-Kriterien (Ka-
tegorie A-Schwerpunktbereiche) entspricht (vgl. Tabelle 33). Im Gegensatz dazu bewohnen
ca. 1.700 Personen eine Wohnung, die keinem der sieben MUSS-Kriterien entspricht und
fühlen sich dadurch beeinträchtigt.
- 127 -

image
Damit resultiert ein Anpassungsbedarf für die Wohnungen von etwa 26.000 Personen mit
sensorischen Einschränkungen um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit der Wohnung ent-
sprechend der sieben definierten MUSS-Kriterien (Kategorie A-Schwerpunktbereiche) herzu-
stellen. Unter Zugrundelegung aller Kategorie A und B-Kriterien würde der Anpassungsbedarf
für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen noch höher ausfallen.
Tabelle 33 – Bestandsschätzung „bedarfsgerecht barrierefrei“ für Menschen mit sensorischer Behinderung;
Quelle: KSV und eigene Berechnungen
Ein Bereich mit erhöhtem Gestaltungsbedarf innerhalb der sieben definierten MUSS-
Kriterien bezieht sich gemäß Tabelle 34 wiederum auf den
Zu- bzw. Eingangsbereich
(3 Kate-
gorie-A-Kriterien), wo 63 % der an der Befragung Teilnehmenden die MUSS-Kriterien als für
ihren Wohnbereich zutreffend beurteilten, gefolgt von den MUSS-Kriterien zur Beschaffen-
heit des
Treppenhauses
(3 Kategorie-A-Kriterien) mit 69 % und im
Bad
mit 81 % Erfüllungs-
quote (1 Kategorie-A-Kriterium).
- 128 -

image
Die bedarfsgerecht barrierefreie Ausstattung der Wohnung ist für Menschen mit sensori-
scher Behinderung damit wesentlich häufiger gegeben, als bei Menschen mit motorischer
Behinderung.
Tabelle 34 – Bestandsschätzung „bedarfsgerecht barrierefrei“ für Menschen mit sensorischer Behinderung für
ausgewählte Schwerpunktbereiche „Eingang“, „Bad“ und „Treppenhaus“; Quelle: KSV und eigene Berechnun-
gen
Beispielhaft resultiert daraus insgesamt ein Anpassungsbedarf für den Eingangsbereich von
etwa 16.300 Wohneinheiten, um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit entsprechend der
definierten MUSS-Kriterien herzustellen.
- 129 -

 
9. Bedarfsprognose für den Freistaat Sachsen
Das Kapitel entwickelt erste Antworten auf die Fragestellung, welcher Bedarf an bedarfsge-
recht barrierefreien Wohnungen (einschließlich rollstuhlgerechten Wohnungen) bis zum Jahr
2030 aus den Befragungsergebnissen abgeleitet werden kann. Weiterhin wird der Frage
nachgegangen, wie sich der Bedarf zwischen urbanen und ländlichen Räumen unterscheidet.
Aufgrund der vorbeschriebenen unzureichenden Datenlage, kann eine abschließende Ant-
wort nicht gegeben werden.
Die Bedarfsprognose für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen im Freistaat Sachsen er-
folgte auf der Basis der bereits ausgeführten Bestandsschätzung, ergänzt um angenommene
demografische Entwicklungstendenzen bis zum Jahr 2030. Diese Entwicklungstendenzen
fußten auf Annahmen und Berechnungen der „6. Regionalisierte Bevölkerungsvorausbe-
rechnung für den Freistaat Sachsen 2015 bis 2030“. In den an die Entwicklung der Gesamt-
bevölkerung angelehnten Zahlen wird jedoch nicht berücksichtigt, dass in den vergangenen
Jahren trotz stetig sinkender Bevölkerungszahlen in Sachsen ein Anstieg der Menschen mit
Behinderung zu verzeichnen war. Daher wurde den beiden in Anlehnung an die 6. Bevölke-
rungsvorausberechnung dargestellten Varianten eine dritte Berechnungsvariante beigefügt,
welche auf Basis der bisherigen Entwicklung der Anzahl der Menschen mit Behinderung eine
mathematisch gestützte Prognose entwickelt.
9.1.1. Entwicklungskorridore für Sachsen
Bezüglich der künftigen Entwicklung des Anteils an Menschen mit Schwerbehindertenaus-
weis an der Gesamtbevölkerung Sachsens wurden mehrere Berechnungen durchgeführt, um
einen möglichen Korridor der Entwicklung zu bestimmen. Im Gegensatz zur rückläufigen Be-
völkerungsentwicklung in Sachsen, stieg die Anzahl der Menschen mit Behinderung im Ver-
gleich zu 1993 (=100 %) von 235.000 auf 392.000, was eine Steigerung um 66 % bedeutet. Im
gleichen Zeitraum sank Sachsens Bevölkerung von 4,56 Mio. auf 4,1 Mio. Einwohner, was
einem Rückgang um 10,6 % entspricht.
Das verfügbare Zalhlenmaterial zu Menschen mit Schwerbehindertenausweis (KSV-Daten)
weist aufgrund eines noch fehlenden Abgleiches mit den Daten des Einwohnermelderegis-
ters Unsicherheiten auf, die im Rahmen der Befragung durch unzustellbare Fragebögen
(„verstorben“, „verzogen“, „kein Schwerbehindertenausweis mehr“) zutage traten (vgl. dazu
Tabelle 4 auf Seite 27).
- 130 -

image
In Deutschland nahm hingegen die Anzahl der Menschen mit Behinderung (bei ebenfalls
abnehmender Bevölkerungszahl) im Vergleich zu 1993 (lediglich) um 19 % zu.
Auf Basis der 6. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat Sachsen
2015 bis 2030 (vgl. Tabelle 35, Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen -
2016c) wurden zwei Varianten für die zu erstellende Prognose der Entwicklung von Men-
schen mit motorischer bzw. sensorischer Behinderung zugrunde gelegt.
Tabelle 35 – Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen für die Jahre 2020, 2025 und 2030 für die Varian-
ten 1 (erhöhte Geburtenrate und Zuwanderung) und 2 (konstante Entwicklung)
Variante 1 der 6. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung geht dabei von etwas op-
timistischeren Werten bei der Entwicklung der Geburtenrate sowie bei der Zuwanderung
aus, so dass im Jahre 2030 etwa 146.000 Menschen mehr im Freistaat Sachsen leben würden
als nach Variante 2.
Annahmen für Sachsen, Variante 1: Der Ausgangswert für die Geburtenrate beträgt für 2014
1,57 Kinder je Frau, steigt bis 2018 auf 1,7, bleibt dann bis 2020 konstant, senkt sich bis 2028
- 131 -

auf 1,6 ab und bleibt bis 2030 konstant. Der Wanderungsgewinn beträgt im Vorausberech-
nungszeitraum 2015 bis 2030 280 000 Personen.
Annahmen für Sachsen, Variante 2: Der Ausgangswert für die Geburtenrate beträgt für 2014
1,57 Kinder je Frau, steigt bis 2028 auf 1,6 und bleibt danach konstant. Der Wanderungsge-
winn beträgt im Vorausberechnungszeitraum 2015 bis 2030 170 000 Personen.
Weitere Annahmen für Sachsen: Die Lebenserwartung bei der Geburt steigt von 2014 bis 2030
bei Mädchen von 83,3 auf 85,8 Jahre, bei Jungen von 77,3 auf 80,2 Jahre. Die Binnenwande-
rungsmuster stabilisieren sich bis 2030 auf dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.
Es wurde eine Alterskorrektur vorgenommen, welche die Altersstrukturveränderungen, d.h.
die Abnahme jüngerer und Zunahme älterer Bevölkerungsgruppen innerhalb der Gesamtbe-
völkerung berücksichtigt.
Für die Einschätzung der im Jahr 2030 zu erwartenden Zahlen der Menschen mit Behinde-
rung in Sachsen wurde ihr im Jahr 2015 bestehende Anteil auf die prognostizierten Zahlen
für die Bevölkerungsentwicklung 2030 hochgerechnet (vgl. Abbildung 42). Für die Varianten
1 und 2 wurde der bis dahin zu verzeichnende Anstieg der Anzahl der Menschen mit Behin-
derung bei gleichbleibender Abnahme der Gesamtbevölkerung nicht berücksichtigt. Zum
einen hat sich diese gegenläufige Entwicklung in den letzten sechs Jahren stetig abge-
schwächt. Zum anderen würde die Einführung eines Korrekturfaktors nach Ansicht der Auto-
ren zu einer lediglich scheinbaren Erhöhung der Genauigkeit der Vorhersagewerte führen, da
ohnehin lediglich Korridore aufgezeigt werden können.
- 132 -

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Abbildung 42 – Trendberechnungen zur Anzahl behinderter Personen in Sachsen bis 2030
Die dritte Variante für die zu erstellende Prognose der Entwicklung von Menschen mit moto-
rischer bzw. sensorischer Behinderung für den Zeitraum bis 2030 baut auf einem Modell auf,
welches die Entwicklung der vergangenen 15 Jahre in einer mathematischen Funktion nach-
zeichnet. Sie beruht auf einer logarithmischen Regression der bisherigen Entwicklung. Das
Verfahren der logarithmischen Regression liefert, in Fortschreibung der Entwicklung der An-
zahl der Behinderten in Sachsen von 2001 bis 2015, nach Einschätzung der Autoren plausible
Prognosedaten für das Jahr 2030.
Abbildung 42 und Tabelle 36 fassen die Ergebnisse zur Trendberechnung bezüglich der vo-
raussichtlichen Entwicklung der Anzahl der Menschen mit Behinderung im Freistaat Sachsen
bis 2030 zusammen.
- 133 -

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Tabelle 36 – Zusammenstellung von Real- und Trendwerten in Fünfjahresscheiben bis 2030
Danach leben in Anlehnung an Variante 2 zur „6. Regionalisierten Bevölkerungsvorausbe-
rechnung für den Freistaat Sachsen 2015 bis 2030“ im Jahr 2030 voraussichtlich zwischen
399.000 und 409.000 Personen (Variante 1) mit Behinderung in Sachsen. Das ergibt eine
Spanne von ca. 10.000 Personen und entspricht einer Abweichung von etwa 2,5 % zwischen
oberem und unterem Prognosewert.
Der mittlere Prognosewert (V3) geht dabei von einer weiteren, über die letzten Jahre bereits
beobachteten Zunahme der Anzahl der Menschen mit Behinderung aus, indem eine loga-
rithmische Regression zugrunde gelegt wurde. Die beiden unteren Prognosewerte (V1 und
V2)
beruhen auf der Annahme, dass sich die Anzahl der Menschen mit Behinderung künftig im
Verhältnis zu den Einwohnerzahlen in Sachsen bewegen wird, wobei aber die Veränderung
der Altersstruktur berücksichtigt wurde. Der reale Wert wird sich nach Einschätzung der Au-
toren sehr wahrscheinlich innerhalb des bezeichneten Korridors bewegen.
Abbildung 42 auf Seite 133 vermittelt zur Trendberechnung bezüglich der voraussichtlichen
Entwicklung der Anzahl der Menschen mit Behinderung im Freistaat Sachsen bis 2030 einen
visuellen Eindruck zu den angenommenen Entwicklungsszenarien.
9.2. Prognose der Anzahl der Menschen mit Behinderung für 2030
Mit den ermittelten Werten aus der Trendberechnung für den Freistaat Sachsen wurden im
Folgenden die Entwicklungen der Zahlen der Personen mit Behinderung für die betrachteten
Gruppen
Erkrankung Bewegungsapparat
und
Erkrankung Sinnesorgane
in den einzelnen
Regionen des Freistaates Sachsen ermittelt. Dabei wurden drei Szenarien betrachtet. Prog-
nose A fußt auf Variante 1 der 6. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung für den
Freistaat Sachsen 2015 bis 2030 (vgl. dazu Tabelle 37). Der Prognose B wurde Variante 2 der
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6. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung zugrunde gelegt (vgl. Tabelle 38). Eine
logarithmische Hochrechnung der bisherigen Veränderung der Anzahl von Menschen mit
Behinderung in der Bevölkerung ist Grundlage von Prognose C (vgl. Tabelle 39).
Tabelle 37 – Prognose A für das Jahr 2030 , in Anlehnung an die 6. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberech-
nung, Variante 1
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Tabelle 38 – Prognose B für das Jahr 2030 , in Anlehnung an die 6. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberech-
nung, Variante 2
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Tabelle 39 – Prognose C für das Jahr 2030 bei angenommen weiterem Anstieg der Anzahl der Menschen mit
Behinderung, unabhängig von der Bevölkerungsentwicklung
An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass es im Rahmen der Entwicklung der
Anzahl behinderter Personen innerhalb der unterschiedlichen Arten von Einschränkungen
bereits innerhalb der letzten Jahre z.T. starke Verschiebungen der Anteile gegeben hat. In
der Abbildung 43 wird zudem ersichtlich, dass gerade im Bereich der immobilen Menschen
ein, durchaus nachvollziehbarer, hoher zahlenmäßiger Zuwachs an Betroffenen erwartet
wird, der ergänzende quantitative Auswirkungen auf die Anforderungen an Vermieter bzw.
auf notwendige Ausstattungsmerkmale von Wohnungen mit sich bringen würde.
- 137 -

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Abbildung 43: Versorgungsprofile bis zum Jahr 2050 unter Berücksichtigung des Zuwachses an Patienten (vgl.
kon.med GmbH 2012).
9.2.1. Prognose des Bedarfs an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen
Eine Gesamtprojektion aller dargestellten Zahlen, Trends und Randbedingungen auf Sachsen
verspricht in Anbetracht der vielen verschiedenen Variablen bestenfalls Orientierungswerte.
Dazu werden in Tabelle 40 Berechnungen auf Basis der über die Befragung ermittelten Er-
kenntnisse zusammengestellt, welche Tendenzen bzw. mögliche Entwicklungskorridore für
Sachsen anhand aktuell verfügbarer Trendberechnungen aufzeigen.
Erkennbar wird ein scheinbarer Widerspruch. Insgesamt wurde eine hohe Zufriedenheit der
Befragten mit Lebenssituation, Wohnung, Wohnumfeld und Nachbarschaft angegeben.
Gleichzeitig wurde anhand der Einschätzungen der Befragten ein hoher nominaler Anpas-
sungsbedarf des Wohnungsbestandes zur Erfüllung der Kriterien bedarfsgerechter Barriere-
freiheit ermittelt.
Zu vermuten ist, dass trotz der in der Studie ermittelten Defizite bezüglich der von den Be-
troffenen genutzten Wohnungen die empfundene (erlebte) Beeinträchtigung im Vergleich zu
objektiven Defiziten eher gering ausfällt, weil ein hohes gewachsenes Kompensationsvermö-
gen der Betroffenen u.a. durch soziale Strukturen und individuelle Kompensationsstrategien
existiert.
- 138 -

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Tabelle 40 – Zusammenfassung der Bestandsschätzungen und Prognosen für die betrachteten Varianten der
Entwicklung von Bevölkerung bzw. der Schwerbehinderten in Sachsen zur Verdeutlichung von möglichen Ent-
wicklungstendenzen im Untersuchungsfeld bis 2030 (angelehnt an Daten des Statistischen Landesamtes des
Freistaates Sachsen - 2016a,Variante 1 und 2 sowie an Daten des Kommunalen Sozialverbandes Sachsen -
2016b).
Bezogen auf die im Rahmen der Befragung ermittelten Verhältnisse für einzelne Gruppen
von Menschen mit Behinderung ergäbe das am Beispiel der Nutzer von Rollstühlen (HMG 2
und 3) eine Anzahl von ca. 25.100 - 25.800 Personen mit Rollstuhl in Sachsen, die im Jahre
2030 eine bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung benötigen würden. Von besonderem Inte-
resse ist diese Gruppe aufgrund des besonders hohen zu erwartenden Aufwandes für eine
bedarfsgerecht barrierefreie Anpassung entsprechender Wohnungen sowie des Zugangs zu
diesen Wohnungen.
Projiziert man die in der Stichprobe ermittelten Anteile der Personen, die einen Rollstuhl mit
Hilfsperson bzw. eine E-Rollstuhl nutzen (HMG 3), auf drei Ballungszentren (69,4 %) und die
10 Landkreise (30,6 %) in der motorischen Stichprobe, so ergäbe das in den städtischen Re-
gionen im Jahre 2030 ca. 17.500 - 17.900 Personen die einen Rollstuhl benötigen. In ländli-
chen Regionen läge die Anzahl bei ca. 7.000 - 8.000 auf einen Rollstuhl angewiesene Perso-
nen. Diese Aussage stellt jedoch aufgrund niedriger Fallzahlen in der motorischen Stichprobe
lediglich einen groben Orientierungswert dar. Die Verteilung, der Menschen mit Behinde-
rung zwischen urbanen und ländlichen Räumen, die der HMG 3 zuzuordnen sind, wider-
spricht dabei der Bevölkerungsverteilung in Sachsen. Die Ursachen dafür sind im Rahmen der
- 139 -

aktuellen Untersuchungen nicht aufklärbar. Gegebenenfalls sollten weitere Untersuchungen
dazu erfolgen.
Zudem verringert sich der tatsächliche Anpassungsbedarf mit dem Neubau von Wohnhäu-
sern aufgrund der Vorgaben der sächsischen Bauordnung, die einen definierten Anteil an
barrierefreien Wohneinheiten je Neubau vorschreibt.
Allgemein ergibt sich auf Basis der definierten 10 MUSS-Kriterien (Anpassungsbedarf ca.
74.000 Wohnungen) für die kommenden 13 Jahre ein rechnerischer Anpassungsbedarf pro
Jahr von ca. 5.700 Wohnungen für Personen mit motorischer Behinderung, wenn man von
einem Anpassungszeitraum bis 2030 zur Herstellung der bedarfsgerechten Barrierefreiheit
ausgeht.
Für Personen mit sensorischer Behinderung (Einschränkung im Bereich Hören und Sehen)
ergibt sich auf Basis der definierten 7 MUSS-Kriterien (Anpassungsbedarf ca. 25.700 Woh-
nungen) ein rechnerischer Anpassungsbedarf pro Jahr von ca. 2.000 Wohnungen, wenn man
von einem Anpassungszeitraum bis 2030 zur Herstellung der bedarfsgerechten Barrierefrei-
heit ausgeht. Die Aufwände für die Anpassung pro Wohnung dürften hier jedoch wesentlich
geringer ausfallen, als zur bedarfsgerecht barrierefreien Anpassung von Wohnungen für
Menschen mit motorischer Behinderung.
Die Ermittlung dafür notwendiger finanzieller Aufwendungen auf Basis der definierten
MUSS-Kriterien für bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen in Bestandsgebäuden bedarf
einer weiteren Untersuchung.
Die demografische Entwicklung lässt auch für die Zukunft im Verhältnis zur abnehmenden
Gesamtbevölkerung eher einen Anstieg der Menschen mit Behinderung vermuten, denn mit
zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, eine schwere Behinderung zu erleiden.
Für die Bereitstellung von bedarfsgerecht barrierefreiem Wohnraum für schwerbehinderte
Menschen in Sachsen bedeutet das, dass der Bedarf speziell auf diese Zielgruppe zugeschnit-
tener Lebensräume trotz sinkender Gesamtbevölkerung vorerst weiter zunehmen wird. Be-
kräftigt wird diese Annahme, da eine Reihe von so genannten Volkskrankheiten, auf denen
ein Großteil der Behinderungsarten basiert, seit 2003 kontinuierlich steigt. Das wird sich zu-
sätzlich auf die Zahlen der Schwerbehinderten auswirken (vgl. kon.med GmbH 2012). Hierbei
ist u.a. im Bereich motorisch eingeschränkter, immobiler Menschen ein Anstieg zu erwarten,
der auf die hohe Anzahl der Erkrankten zurückzuführen ist. Bezogen auf Wohnungen im Be-
stand bedeutet dies, dass neben den bereits diskutierten MUSS-Kriterien für bedarfsgerecht
- 140 -

barrierefreien Wohnungen in Bestandsgebäuden insbesondere auch mehrstöckige Gebäude
ohne Personenaufzug zunehmend Barrieren für Bewohner und Besucher darstellen. Erste
Anzeichen sind nach ähnlich lautenden Aussagen von Vorständen verschiedener Wohnungs-
genossenschaften leer stehende Wohnungen in den oberen Stockwerken von Mehrfamilien-
häusern, während lange Wartelisten für Erdgeschosswohnungen existieren. Von den Befrag-
ten wohnten immerhin 29,5 % im Erdgeschoss, was als Hinweis auf die Notwendigkeit eines
barrierefreien Zugangs zur Wohnung gesehen werden kann, da in Mehrfamilienhäusern
oftmals Aufzüge fehlen und ihre Nachrüstung für Vermieter und Mieter zu teuer wären. Laut
einer Untersuchung von TERRAGON und HUNDT Consult im Jahr 2014 liegt der Anteil von
Wohnungen in Wohngebäuden mit drei und mehr Einheiten mit seniorengerechtem Aufzug
in Sachsen bei 12,7 %. Das entspricht 191.586 von insgesamt 1.508.553 Wohnungen. Der
durchschnittliche Ausstattungsgrad von Wohnungen mit Aufzügen in Deutschland liegt bei
nur 7,7 %.
- 141 -

 
10.
Zusammenfassung
Mit diesem Bericht werden Ergebnisse einer umfassenden Untersuchung zu den Anforde-
rungen von Menschen mit Behinderung an ihr Wohnumfeld vorgelegt. Es konnten insgesamt
2.400 Antworten von Menschen mit Behinderung in die Auswertung aufgenommen werden.
Bisher sind keine anderen vergleichbaren Untersuchungen bekannt. Ziel der Studie war, un-
ter anderem Erkenntnisse zur Relevanz von in Normung oder Literatur bekannten Anforde-
rungen an die Wohnungs- und Wohnumfeldgestaltung, je nach individueller Betroffenheit zu
gewinnen.
Menschen mit Behinderung sind unterschiedlich schwer betroffen. Neben verschieden star-
ken Ausprägungen der Hauptbehinderung kommen altersbedingte Einschränkungen und
weitere Behinderungsarten hinzu. Auch die Abhängigkeit von der Nutzung eines Hilfsmittels
und der Bedarf an Hilfestellung durch eine weitere Person unterscheiden sich teilweise deut-
lich. Um dennoch Aussagen zu einer bedarfsgerechten Barrierefreiheit machen zu können,
wurden verschiedene Hilfsmittelgruppen für Menschen mit motorischer Behinderung defi-
niert. Für diese sowie für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung wurden eigene Anforde-
rungskataloge für eine bedarfsgerecht barrierefreie Gestaltung von Wohnung und nahem
Wohnumfeld erarbeitet. Diese sollten Grundlage für Neubauten von bedarfsgerecht barrie-
refreien Wohnungen sein.
Für die Bewertung von Bestandswohnungen wurden im Ergebnis der Befragung MUSS-
Kriterien definiert. Sind diese eingehalten, dann kann davon ausgegangen werden, dass die
Wohnung bedarfsgerecht barrierefrei ist. Bei den MUSS-Kriterien wird zwischen motorischer
Behinderung und sensorischer Behinderung unterschieden. Diese Kriterien stellen ein Min-
destanforderungsniveau für Bestandsbauten dar.
Im Ergebnis der Untersuchung konnte die Wichtigkeit von einzelnen Vorgaben für barriere-
freies Planen und Bauen bezogen auf die Benutzbarkeit der Wohnung und des nahen Woh-
numfeldes durch Menschen mit Behinderung überprüft werden. Für einige Fragestellungen
konnte noch keine abschließende Aussage getroffen werden. Zu einigen im Fragebogen ab-
gefragten Kriterien liegen zahlenmäßig zu wenige Antworten vor, um belastbare Aussagen
dazu machen zu können, ob das Kriterium für eine bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung
relevant ist. Dort besteht weiterer Untersuchungsbedarf.
Die Ergebnisse der Studie zeigen Unterschiede in den Anforderungen in Abhängigkeit von
dem verwendeten Hilfsmittel und einem vorhandenen Hilfebedarf. Auch die Zufriedenheits-
- 142 -

werte in der Stichprobe waren je nach der Betroffenheit unterschiedlich. Insgesamt zeigte
sich jedoch eine hohe Zufriedenheit.
Das hohe Durchschnittsalter der Stichprobe lässt die Vermutung zu, dass die Befragten be-
reit sind, sich besonders stark anzupassen. Dies wurde für diese Altersgruppe in anderen
Forschungsarbeiten nachgewiesen. Dort zeigte sich auch, dass Menschen in höherem Alter
grundsätzlich zufriedener sind als jüngere, unabhängig von den tatsächlichen Lebensverhält-
nissen. Deshalb kann nach Ansicht der Autoren von den Zufriedenheitswerten nicht darauf
geschlossen werden, dass keine Probleme mit der Wohnung bestehen.
Die meisten Schwierigkeiten mit ihren bestehenden Wohnungen haben Menschen, die einen
Elektro-Rollstuhl oder einen Rollstuhl mit Hilfsperson benötigen, geäußert. Dies beruht ver-
mutlich auf dem besonders hohen Bedarf an Bewegungsflächen. Auch eine zusätzlich anwe-
sende Hilfsperson hat neben dem Betroffenen und seinem Hilfsmittel, einen weiteren Bedarf
an Bewegungsfläche. Das dafür notwendige Flächenangebot wird zum Beispiel in typischen
Mietwohnungen nicht vorgehalten.
Menschen mit Behinderung, die einen Elektro-Rollstuhl benutzen oder auf eine Hilfsperson
angewiesen sind, haben Anforderungen die von DIN 18040-2 nicht vollumfänglich erfasst
werden. In Sachsen sind zurzeit keine Vorgaben für barrierefreie und uneingeschränkt mit
dem Rollstuhl nutzbare Wohnungen, also für Menschen die einen Rollstuhl oder Elektro-
Rollstuhl benutzen, bauordnungsrechtlich vorgegeben.
Die Ausprägung der Behinderung (Grad der Behinderung und verwendetes Hilfsmittel) ver-
ändert sich im Laufe des Lebens. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist die Behinde-
rung nicht angeboren, sondern wird im Laufe des Lebens erworben (vgl. dazu Statistisches
Bundesamt (2016)). Deshalb verändern sich im Laufe des Lebens auch die Anforderungen an
die gebaute Umgebung. Darüber hinaus wird die Betroffenheit von typischen altersbeding-
ten Beeinträchtigungen überlagert. Die Anforderungen an die Wohnraumgestaltung können
dadurch steigen und eine Anpassung an die Gegebenheiten, die bei Nutzung einer Gehhilfe
zum Beispiel noch möglich ist, kann bei Nutzung eines Rollstuhls dann nicht mehr erfolgen.
Schwerpunktbereiche, für die von den Teilnehmern besonders häufig ausgesagt wurde, dass
sie durch fehlende Eigenschaften beeinträchtigt sind, sind unabhängig von der Betroffenheit
der Zugangsbereich des Hauses, Treppen und Aufzüge, sowie das Bad. In diesen Bereichen
werden Grundlagen benötigt, um bei Bedarf die Wohnung an Kompetenzeinschränkungen
oder Behinderung anpassen zu können. Wenn die Wohnung einige wichtige Grundeigen-
- 143 -

schaften erfüllt, besteht für die meisten Behinderungen die Möglichkeit, durch Nachrüstung
die notwendige bedarfsgerechte Barrierefreiheit herzustellen.
Notwendige Grundeigenschaften von Wohnungen für Menschen mit motorischer Behinde-
rung sind:
ein stufen- und schwellenlos erreichbarer Zugang zur Wohnung,
ein leicht und erschütterungsarm befahrbarer Zuweg,
ausreichend Platz für Bewegung mit dem Hilfsmittel, insbesondere im Bad,
eine leicht zu öffnende und sicher zu durchfahrende Haustür und
Möglichkeiten, um das Hilfsmittel abzustellen.
Weitere Kriterien, die für eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit für motorisch eingeschränkte
Benutzer/-innen notwendig sind, können durch Nachrüstung erfüllt werden. Dazu muss die-
se Nachrüstung vorbereitet sein. Für Stützgriffe im Bad muss zum Beispiel die Unterkon-
struktion in der Wand vorbereitet sein. Notwendige Eigenschaften der Wohnung die nachge-
rüstet werden können sind:
eine geeignete Badausstattung,
Zugang zu Ausstattungen wie Klingel oder Briefkasten,
Ersatz der vorhandenen Badewanne durch eine bodengleiche Dusche oder
Ablagemöglichkeiten in geeigneter Höhe.
Anforderungen von Menschen mit sensorischer Behinderung sollten unabhängig davon, ob
eine Seh- oder Hörbehinderung vorliegt, immer alle erfüllt werden. Altersbedingt ver-
schlechtern sich Hör- und Sehvermögen bei allen Menschen spätestens ab dem 70. Lebens-
jahr deutlich. Dadurch haben insbesondere ältere Menschen mit einer Sinnesbehinderung
auch eine Einschränkung der anderen Sinne.
Deshalb sollten für alle Wohnungen folgende Grundeigenschaften immer erfüllt werden:
Erkennbarkeit von Gefährdungsstellen (z. B. Anfang und Ende von Treppen),
sichere Abstützmöglichkeiten vorhanden (z. B. Haltegriffe im Bad),
ebene und feste Bodenbeläge für eine sichere Fortbewegung und
bequem und gefahrlos begehbare Treppen.
Dabei sind die meisten dieser Anforderungen durch Nachrüstung erfüllbar.
- 144 -

Die Ergebnisse der Studie sind nicht in allen Teilen statistisch belastbar. Nicht für alle Einzel-
kriterien liegt eine ausreichend große Anzahl von Antworten vor. Dies ist bei der Stichprobe
zum Fragebogen motorische Behinderung der notwendigen Unterteilung in die Hilfsmittel-
gruppen geschuldet. Auch konnten nur Teilnehmer, in deren Wohnung oder Wohnumfeld
Anforderung nicht erfüllt sind, eine Aussage dazu machen, ob sie durch das Fehlen der abge-
fragten Eigenschaft beeinträchtigt sind. Bei einem bereits hohen Erfüllungsstand, sinkt
dadurch die Zahl der möglichen Antworten zu einer Beeinträchtigung durch ein nicht erfüll-
tes Kriterium für eine bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung.
Es besteht ein weiterer Untersuchungsbedarf, bezüglich der Kriterien zu denen wenige Ant-
worten dazu vorliegen, dass ihre Nichteinhaltung zu einer Beeinträchtigung führt. Dabei ist
zu klären, welche dieser Kriterien wichtig für ein bedarfsgerecht barrierefreies Wohnen sind
und welche nicht. Klarheit zu den unabdingbar und notwendig zu erfüllenden Kriterien ist
insbesondere deshalb interessant, weil dadurch Umbau- und Neubaukosten reduziert wer-
den könnten.
Bei der Schätzung des vorhandenen Bestandes an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen
in Sachsen wurde ein hoher nominaler Anpassungsbedarf des Wohnungsbestandes ermit-
telt. Dieser wird trotz sinkender Gesamtbevölkerung vorerst weiter zunehmen. 87,8 % der
Wohnungen, die Menschen mit motorischen Behinderungen heute bewohnen, erfüllen die
zehn definierten MUSS-Kriterien für bedarfsgerecht barrierefreie Bestandsbauten nicht oder
nur teilweise. Es besteht heute ein absoluter Anpassungsbedarf von etwa 74.000 Wohnun-
gen für motorisch behinderte Menschen. Bis 2030 wird der Bedarf weiter auf 77.000 Woh-
nungen in Sachsen ansteigen. Menschen mit sensorischen Behinderungen leben heute zu
58,3 % in Wohnungen, die die sieben für diese Zielgruppe definierten MUSS-Kriterien nicht
oder nur teilweise erfüllen. Es besteht in Sachsen ein Anpassungsbedarf bei Wohnungen für
sensorisch behinderte Menschen, der von heute etwa 26.000 bis 2030 noch auf ca. 27.000
Wohnungen ansteigt. Die Prognose des Bedarfs an bedarfsgerecht barrierefreiem Wohn-
raum in Sachsen bis 2030 beruht auf der Schätzung des heute vorhandenen Bestands. Auf-
grund der geringen Datenbasis ist nur eine Bestandsschätzung und keine genaue Ermittlung
möglich. In weiteren Untersuchungen sollten diese Zahlen überprüft werden.
Die von Menschen mit geistiger Behinderung an ihre Wohnung gestellten Anforderungen,
wurden mit Hilfe einer qualitativen Einzelfallstudie ermittelt. Im Ergebnis der Befragung hat
sich gezeigt, dass Menschen mit geistiger Behinderung besondere Anforderungen an ihr
- 145 -

Wohnumfeld und ihre Wohnung haben, die vom Betroffenheitsgrad, möglichen weiteren
Behinderungen und dem Betreuungsbedarf abhängen. Diese unterscheiden sich insbesonde-
re darin, ob der Betroffene allein unterwegs sein kann, oder immer auf Begleitung angewie-
sen ist. Nach Aussage der Befragten ist nicht ausreichend geeigneter Wohnraum für diese
Zielgruppe vorhanden. Es besteht weiterer Untersuchungsbedarf bezüglich der notwendigen
Grundeigenschaften von Wohnraum für Menschen mit geistiger Behinderung und zu mögli-
chen Organisations- und Finanzierungsmodellen.
- 146 -

 
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11.05.2016. in: SächsGVBl. 2016 Nr. 6, S. 186; Fsn-Nr.: 421-1/3. Online verfügbar unter
http://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/1779-SaechsBO.
schweizer Normen- Vereinigung sia (Hg.) (2009), Hindernisfreies Bauen. SIA 500:2009
Bauwesen. schweizer Normen- Vereinigung sia.
Statista (2016). Entwicklung der Lebenserwartung bei Geburt in Deutschland nach Ge-
schlecht in den Jahren von 1950 bis 2060 (in Jahren). Online verfügbar unter
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/273406/umfrage/entwicklung-der-
lebenserwartung-bei-geburt--in-deutschland-nach-geschlecht/, zuletzt geprüft am
16.12.2016.
- 149 -

Statistisches Bundesamt (2016a). Informationssystem der Gesundheitsberichterstat-
tung des Bundes. Online verfügbar unter:
http://www.gbe-bund.de//,
zuletzt geprüft
am 16.12.2016.
Statistisches Bundesamt (2016b). Schwerbehinderte Menschen mit Ausweis (absolut
und je 100.000 Einwohner). Gliederungsmerkmale: Jahre, Deutschland, Geschlecht,
Ursache der Behinderung, Grad der Behinderung
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Behinderte/
BehinderteMenschen.html, abgerufen am 22.11.2016.
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2011). Statistik. Wohnsituation, GWZ.
Online verfügbar unter
https://www.statistik.sachsen.de/html/26288.htm,
zuletzt ge-
prüft am 09.01.2017.
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am 31. Dezember 2013 nach Alter und Geschlecht. In Statistischer Bericht Schwerbe-
hinderte Menschen im Freistaat Sachsen, Seite 10.
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2014). Haushalts-, Familienstruktu-
ren. Online verfügbar unter
https://www.statistik.sachsen.de/html/26289.htm
zuletzt
geprüft am 24.01.2017.
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2016a). Annahmen für die 6. Regio-
nalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat Sachsen 2015 bis 2030. On-
line verfügbar unter
https://www.statistik.sachsen.de/,
zuletzt geprüft am 22. Novem-
ber 2016.
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2016b). Statistik. Einnahmen und
Ausgaben. Online verfügbar unter
https://www.statistik.sachsen.de/html/637.htm,
zu-
letzt geprüft am 09.01.2017.
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2016c). Die 6. Regionalisierte Bevöl-
kerungsvorausberechnung für den Freistaat Sachsen 2015 bis 2030. Online verfügbar
unter
https://www.statistik.sachsen.de/,
zuletzt geprüft am 22. November 2016.
Statistische Landesamt des Freistaates Sachsen (2016d): Stichprobenerhebung über
die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt Mikrozensus 2016 und Arbeitskräftestichprobe
2016 der Europäischen Union.
https://www.statistik.sachsen.de/download/Erhebungsboegen/2A_MZ_EHB_VJ.pdf.
- 150 -

Stiftung MyHandicap gemeinnützige GmbH (2016). Der Rollstuhl: Mobilität für Men-
schen mit Handicap. Online verfügbar unter
www.myhandicap.de/rollstuhl/,
zuletzt
geprüft am 22. November 2016.
TERRAGON und HUNDT Consult (2014). Aufzugsarmut: Wie altersgerecht sind Deutsch-
lands Wohnhäuser?, Seite 10.
Trabandt, Susanne; Schmidt, Stefan; Geißler, Linda (2016). Häusliche Pflege im Bad.
Anforderungen an die räumliche Gestaltung bei der Bewegung im Bad. Hg. v. IHD-
Dresden. Dresden.
UNO (2006) Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-
Behindertenrechtskonvention, BRK) . Online verfügbar unter
https://www.behindertenrechtskonvention.info/.
Wohnen im Alter. Marktprozesse und wohnungspolitischer Handlungsbedarf (2011).
Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für
Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Forschungen).
VSWG e. V. (Hg). (2015). Selbständiges Wohnen bis ins hohe Alter – eine volkswirt-
schaftliche Analyse, Dresden, S. 56 ff.
- 151 -

 
Abkürzungsverzeichnis
ATB
Arbeit Technik Bildung Chemnitz gGmbH
aG
Merkzeichen außergewöhnlich gehbehindert
BL
Merkzeichen blind
BGBl
Bundesgesetzblatt
BGG
Behindertengleichstellungsgesetz
DB
Durchgangsbreite
DIN
DIN-Norm
G
Merkzeichen erheblich gehbehindert
Gbe
Gesundheitsberichterstattung des Bundes
GdB
Grad der Behinderung
ggü
gegenüber
GL
Merkzeichen gehörlos
HMG
Hilfsmittelgruppe
IHD
Institut für Holztechnologie Dresden gemeinnützige GmbH
KSV
Kommunalen Sozialverband Sachsen
SächsBO
Sächsische Bauordnung
SächsGVBl
Sächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt
SGB
Sozialgesetzbuch
UN-BRK UN
Behindertenrechtskonvention
VwV-LTB
Liste der eingeführten Technischen Baubestimmungen
- 152 -

 
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 – Bewegungsfläche nach DIN 18040-2 für Standartrollstuhl (eigene Darstellung)
.................................................................................................................................................. 15
Abbildung 2 – Wenderadius für Standartrollstuhl in Abhängigkeit von den motorischen
Fähigkeiten des Benutzers / der Benutzerin (eigene Darstellung) .......................................... 16
Abbildung 3 – Beispiel geschlossene Fragen ............................................................................ 22
Abbildung 4 – Beispiel Schema Globalfragen........................................................................... 22
Abbildung 5 – Beispiel offene Textfelder ................................................................................. 23
Abbildung 6 – Fragenblock zu Zufriedenheit und Perspektive ................................................ 23
Abbildung 7 – Art und Anzahl der Antworten .......................................................................... 27
Abbildung 8 – Altersverteilung der Befragten ......................................................................... 32
Abbildung 9 – Altersverteilung schwerbehinderter Menschen im Freistaat Sachsen am
31.12.2013 (Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2013)) ...................... 32
Abbildung 10 – Arbeitssituation der Befragten ....................................................................... 33
Abbildung 11 – Lebenssituation der Befragten ........................................................................ 34
Abbildung 12 – Verteilung Grad der Behinderung in der Stichprobe ...................................... 35
Abbildung 13 – Angaben der Befragten zur Art der Behinderung ........................................... 35
Abbildung 14 – Merkzeichenverteilung der Stichprobe .......................................................... 36
Abbildung 15 – Angaben zur Hilfsmittelverwendung in der Gesamtstichprobe ..................... 37
Abbildung 16 – Zufriedenheit – Lebenssituation nach verwendeten Hilfsmitteln .................. 38
Abbildung 17 – Aussagen zur Zufriedenheit bezogen auf die Wohnung nach verwendeten
Hilfsmitteln ............................................................................................................................... 40
Abbildung 18 – Aussagen zur Zufriedenheit bezogen auf das Wohnumfeld nach verwendeten
Hilfsmitteln ............................................................................................................................... 42
Abbildung 19 – Aussagen zur Zufriedenheit bezogen auf die Nachbarschaft nach
verwendeten Hilfsmitteln ........................................................................................................ 43
Abbildung 20 – Aussagen zur Unzufriedenheit nach Art der Behinderung ............................. 45
Abbildung 21 – Angaben der Befragten zur Wohnungsart ...................................................... 46
Abbildung 22 – Angaben der Befragten zur Gebäudeart ......................................................... 47
Abbildung 23 – Angaben zu der von den Befragten bewohnten Etage ................................... 48
Abbildung 24 – Angaben zur Größe der Wohnfläche der Wohnung ....................................... 49
- 153 -

Abbildung 25 – Absolute Häufigkeitsverteilung : durchgeführte Umbaumaßnahmen zur
Barrierefreiheit in den Bereichen (Mehrfachnennungen möglich) ......................................... 50
Abbildung 26 – Absolute Häufigkeitsverteilung der Maßnahmen zur Barrierefreiheit im
Zugangsbereich (Mehrfachnennungen möglich) ..................................................................... 51
Abbildung 27 - Absolute Häufigkeitsverteilung der Maßnahmen zur Barrierefreiheit im
allgemeinen Wohnbereich (Mehrfachnennungen möglich) .................................................... 52
Abbildung 28 – Absolute Häufigkeitsverteilung der Maßnahmen zur Barrierefreiheit im Bad
(Mehrfachnennungen möglich) ............................................................................................... 53
Abbildung 29 – Absolute Häufigkeitsverteilung der Veranlasser der Umzugsmaßnahmen .... 54
Abbildung 30 – Absolute Häufigkeitsverteilung zur Kostenübernahme der Maßnahmen zur
Barrierefreiheit ......................................................................................................................... 55
Abbildung 31 – Von den Befragten angegebene Umzugsgründe ............................................ 56
Abbildung 32 – selbst empfundene Selbstbestimmung,
Fragebogen motorische Behinderung
gesamt
...................................................................................................................................... 63
Abbildung 33 – selbst empfundene Selbstbestimmung; HMG 1; (Mehrfachnennung möglich)
.................................................................................................................................................. 64
Abbildung 34 – selbst empfundene Selbstbestimmung; HMG 2; (Mehrfachnennung möglich)
.................................................................................................................................................. 65
Abbildung 35 – selbst empfundene Selbstbestimmung; HMG 3; (Mehrfachnennung möglich)
.................................................................................................................................................. 66
Abbildung 36 - Antwortvarianten ............................................................................................ 67
Abbildung 37 – Darstellung Anteil
das beeinträchtigt mich
von gesamter Anwortanzahl ...... 68
Abbildung 38 – Auf vorangegangene Frage bezogene Fragen zur Dusche .............................. 69
Abbildung 39 – subjektive Angst sich zu verletzen,
Fragebogen sensorische Behinderung
gesamt
...................................................................................................................................... 78
Abbildung 40 – subjektive Angst sich zu verletzen,
sehbehindert/blind; (Mehrfachnennungen
möglich)
.................................................................................................................................... 79
Abbildung 41 – subjektive Angst sich zu verletzen,
hörbehindert/gehörlos;
(Mehrfachnennungen möglich)
................................................................................................ 80
Abbildung 42 – Trendberechnungen zur Anzahl behinderter Personen in Sachsen bis 2030
................................................................................................................................................ 133
- 154 -

Abbildung 43: Versorgungsprofile bis zum Jahr 2050 unter Berücksichtigung des Zuwachses
an Patienten (vgl. kon.med GmbH 2012)............................................................................... 138
- 155 -

 
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 – Flächenbedarf verschiedener Nutzer mit und ohne Hilfsmittel/Hilfsperson ........ 17
Tabelle 2 – Gegenüberstellung Normkriterium, Fragestellung im Fragebogen ...................... 19
Tabelle 3 – Übersicht Anzahl der Adressaten je Merkzeichen ................................................. 26
Tabelle 4 – Rücklaufquote ........................................................................................................ 27
Tabelle 5 –
Kategoriensystem - Beispiel Bad
...................................................................... 29
Tabelle 6 – Monatliches Nettoeinkommen der Befragten (Stichprobe und Statistik Sachsen
2015) ......................................................................................................................................... 34
Tabelle 7 – Zusammensetzung der Teilnehmergruppen, entsprechend Befragungsregionen 46
Tabelle 8: Zusammenfassende Übersicht der Ergebnisse im Stadt-Land-Vergleich ................ 58
Tabelle 9 – Zuordnung zu Kategorie A, B und C, motorische Behinderungen ......................... 71
Tabelle 10 – Bewertung der Kriterien bezogen auf die Dusche ............................................... 73
Tabelle 11 – Etage in der die Wohnung liegt, die der Teilnehmer bewohnt, n= 1426 ............ 74
Tabelle 12 – Kriterien die allen HMG in Kategorie A (sehr wichtig) eingeordnet werden ...... 75
Tabelle 13 – Kriterien die in allen HMG in Kategorie A (sehr wichtig) oder B (durchschnittlich
wichtig) eingeordnet wurden ................................................................................................... 76
Tabelle 14 – Bewertung der Kriterien bezogen auf den Aufzug .............................................. 81
Tabelle 16 – Kriterien, die bei beiden Betroffenheiten in Kategorie A (sehr wichtig)
eingeordnet wurden................................................................................................................. 85
Tabelle 17 – Kriterien, die bei beiden Betroffenheiten in Kategorie A (sehr wichtig) oder B
(durchschnittlich wichtig) eingeordnet wurden....................................................................... 86
Tabelle 18 – Definition unabdingbare, notwendige und wünschenswerte Kriterien .............. 88
Tabelle 19 – notwendige Bewegungsflächen für die verschiedenen Hilfsmittelgruppen ....... 90
Tabelle 20 – Zuordnung der Betroffenen zu drei Gruppen.................................................... 102
Tabelle 21 – Anzahl der von den Befragten betreuten nach Betroffenengruppe ................. 103
Tabelle 22 – Betreuungs- und Hilfebedarf der von den Befragten betreuten Menschen mit
geistiger Behinderung ............................................................................................................ 104
Tabelle 23 – Wohnsituation der von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger
Behinderung ........................................................................................................................... 105
Tabelle 24 – Tabelle mit artikulierten Anforderungen an die Wohnung bezogen auf
Betroffenengruppe ................................................................................................................. 105
Tabelle 25 – Art der Hauptbehinderung nach Behinderungsgruppen ................................... 112
- 156 -

Tabelle 26 – Menschen mit Behinderung (Schwerbehinderte) nach Städten und Landkreisen
im Freistaat Sachsen ............................................................................................................... 113
Tabelle 27 – Kategorie A in den Schwerpunktbereichen, motorische Gesamtstichprobe,
bereinigt von nachrüstbaren Anforderungen ........................................................................ 120
Tabelle 28 – Kategorie A in den Schwerpunktbereichen, sensorische Gesamtstichprobe,
bereinigt von nachrüstbaren Anforderungen ........................................................................ 121
Tabelle 29 – Gegenüberstellung urbaner/ländlicher Raum aus motorischer Stichprobe ..... 124
Tabelle 30 – Gegenüberstellung urbaner/ländlicher Raum aus sensorischer Stichprobe .... 125
Tabelle 31 – Bestandsschätzung „bedarfsgerecht barrierefrei“ für Menschen mit motorischer
Behinderung; Quelle: KSV und eigene Berechnungen ........................................................... 126
Tabelle 32 – Bestandsschätzung „bedarfsgerecht barrierefrei“ für Menschen mit motorischer
Behinderung für ausgewählte Schwerpunktbereiche „Eingang“, „Bad“ und „Treppenhaus“;
Quelle: KSV und eigene Berechnungen .................................................................................. 127
Tabelle 33 – Bestandsschätzung „bedarfsgerecht barrierefrei“ für Menschen mit sensorischer
Behinderung; Quelle: KSV und eigene Berechnungen ........................................................... 128
Tabelle 34 – Bestandsschätzung „bedarfsgerecht barrierefrei“ für Menschen mit sensorischer
Behinderung für ausgewählte Schwerpunktbereiche „Eingang“, „Bad“ und „Treppenhaus“;
Quelle: KSV und eigene Berechnungen .................................................................................. 129
Tabelle 35 – Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen für die Jahre 2020, 2025 und
2030 für die Varianten 1 (erhöhte Geburtenrate und Zuwanderung) und 2 (konstante
Entwicklung) ........................................................................................................................... 131
Tabelle 36 – Zusammenstellung von Real- und Trendwerten in Fünfjahresscheiben bis 2030
................................................................................................................................................ 134
Tabelle 37 – Prognose A für das Jahr 2030 , in Anlehnung an die 6. Regionalisierte
Bevölkerungsvorausberechnung, Variante 1 ......................................................................... 135
Tabelle 38 – Prognose B für das Jahr 2030 , in Anlehnung an die 6. Regionalisierten
Bevölkerungsvorausberechnung, Variante 2 ......................................................................... 136
Tabelle 39 – Prognose C für das Jahr 2030 bei angenommen weiterem Anstieg der Anzahl
der Menschen mit Behinderung, unabhängig von der Bevölkerungsentwicklung ................ 137
Tabelle 40 – Zusammenfassung der Bestandsschätzungen und Prognosen für die
betrachteten Varianten der Entwicklung von Bevölkerung bzw. der Schwerbehinderten in
Sachsen zur Verdeutlichung von möglichen Entwicklungstendenzen im Untersuchungsfeld
- 157 -

bis 2030 (angelehnt an Daten des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen -
2016a,Variante 1 und 2 sowie an Daten des Kommunalen Sozialverbandes Sachsen - 2016b).
................................................................................................................................................ 139
- 158 -

 
Kriterienkatalog
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung — Hilfsmittelgruppe 1, gehend mit Hilfsmittel
Hilfsmittelgruppe 1 — unabdingbare Kriterien
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
U 1
nahes Wohnumfeld
Der Gehweg vor dem Haus ist eben und fest, so dass
er leicht und sicher passierbar ist.
fest und eben
U 2
nahes Wohnumfeld
Ich kann leicht und erschütterungsarm mit dem
Rollstuhl/Rollator auf dem Gehweg fahren.
leicht und erschütterungsarm mit dem Rollator befahrbar
Querneigung maximal 2,5 %, nur zur Abführung von Oberflächenwas-
ser
Längsneigung maximal 3 %
Teile mit maximal 6 % mit Zwischenpodesten nach maximal 10 m
Länge
U 3
Zugangsbereich
Der Hauseingang ist stufenlos und schwellenlos
erreichbar.
stufen- und schwellenlos
ohne Schwellen oder untere Türanschläge
U 4
Treppen und Aufzüge
Die Handläufe sind durchgehend und ermöglichen
einen sicheren Halt beim Benutzen der Treppe.
beidseitig und ohne Unterbrechung
mindestens 30 cm über Anfang und Ende waagerecht weiterführend
und abgerundet abschließend
Seite 159 von 201

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
U 5
Treppen und Aufzüge
Die Stufen der Treppen sind bequem und gefahrlos
begehbar ohne Stolper- oder Rutschgefahr.
geradläufig und rechtwinklig zu den Treppenstufenkanten
mit Setzstufen
mit Trittstufen, die nicht vorkragen
an freien seitlichen Stufenenden Aufkantung
U 6
Aufzüge und Treppen
Die Handläufe sind gut zu greifen und ich kann si-
cher daran gehen.
griffsicher und gut umgreifbar
vorzugsweise rund oder oval
Durchmesser 3 cm bis 4,50 cm
85 cm bzw. 90 cm über Stufenvorderkante OFF bis Oberkante des
Handlaufes
U 7
Zugangsbereich
Die Haustür lässt sich leicht öffnen und ich kann
sicher durchfahren, bevor sie sich wieder schließt.
lichte Durchgangsbreite von 90 cm
leicht zu öffnen und schließen und sicher zu passieren
≤ 30 N, Moment ≤5Nm
U 8
Bad
In meinem Bad ist eine Dusche vorhanden.
nutzbare Dusche vorhanden
U 9
nahes Wohn-
umfeld
Es gibt einen Parkplatz für meine Wohnung, der sich
in der Nähe des Hauseingangs befindet und ohne
Hindernisse erreichbar ist.
in der Nähe der barrierefreien Zugänge
als barrierefreier Parkplatz gekennzeichnet, Beschilderung, Boden-
markierung
- 160 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
U 10 allgemeiner Wohnbereich
Es gibt eine Terrasse/Balkon, die/der
schwellen- und stufenlos erreichbar ist.
Schwellen- und stufenlos erreichbar
U 11 Zugangsbereich
Im Eingangsbereich besteht die Möglichkeit, das
Hilfsmittel abzustellen.
Abstellplatz für Hilfsmittel
ausreichende Bewegungsfläche >1,20 m x 1,20 m
U 12 Treppen und Aufzüge
Im Haus ist ein Aufzug vorhanden.
Aufzug oder ähnliches im Haus vorhanden
U 13 Bad
Die Spülung lässt sich leicht erreichen und bedienen.
leicht erreichbar
mit Hand oder Arm zu bedienen
U 14 Bad
Der Bodenbelag ist auch bei Nässe gefahrlos begeh-
bar.
rutschhemmender Bodenbelag
U 15 Bad
Ich kann auf dem WC sicher sitzen.
Abstützung möglich
U 16 Bad
Ich kann den Wasserhahn auch im Sitzen gut errei-
chen.
Abstand der Armatur vom vorderen Rand max. 40 cm
- 161 -

 
Hilfsmittelgruppe 1 — notwendige Kriterien
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
N 1
nahes Wohnumfeld
(nachrüstbar)
Der Müllcontainer ist für mich ohne Hindernisse
erreichbar und zu benutzen.
stufen- und schwellenlos erreichbar, >1,20 m x 1,20 m Bewegungsflä-
che davor
N 2
allgemeiner Wohnbereich
Insgesamt bietet die Wohnung ausreichend Platz,
damit ich mich (mit meinem Hilfsmittel) frei bewe-
gen kann.
>1,20 m × 1,20 m in Wohn- und Schlafräumen, Küche und Freisitz,
Flur
mindestens 90 cmx 1,20 cm tief vor Möbeln
N 3
Zugangsbereich
(nachrüstbar)
Die Türklinke ist für mich gut erreichbar.
Drückerhöhe 85 cm – 105 cm
Laibungstiefe <26 cm
N 4
Zugangsbereich
(nachrüstbar)
Die Klingel und Gegensprechanlage sind für mich ist
gut erreichbar.
Lautsprecher und Mikrofon max. 85 cm – 105 cm hoch
mit ausreichender Bewegungsfläche davor >1,20 m x 1,20 m
N 5
Zugangsbereich
(nachrüstbar)
Der Briefkasten ist für mich ohne Hindernisse er-
reichbar und zu benutzen.
in einer Höhe von 85 cm bis 105 cm
mit ausreichender Bewegungsfläche davor >1,20 m x 1,20 m
N 6
allgemeiner Wohnbereich
Der Flur ist breit genug, um ohne Rangieren durch
alle Türen zu gelangen.
im Flur ist eine Durchgangsbreite von ≥ 120 cm vorzusehen, mindes-
tens an allen Türdurchgängen, ausreichend breit
N 7 Bad
Ich kann mich problemlos auf das WC setzen und
Abstützmöglichkeiten vorhanden
- 162 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
wieder aufstehen.
Höhe (inkl. Sitz) von 46 cm bis 48 cm
N 8
Bad
Das Bad bietet ausreichend Platz, damit ich mich mit
meinem Hilfsmittel bequem bewegen kann. Ich
muss dafür nicht viel rangieren.
>1,20 m x 1,20 m vor den Sanitärobjekten
N 9
Bad
(nachrüstbar)
Die Armatur ist mit einer Hand zu bedienen.
Einhebelarmaturen für einhändige Bedienung
N 10
allgemeiner Wohnbereich
(nachrüstbar)
Es ist ausreichend Platz für alle Dinge, die ich unter-
bringen möchte.
ausreichend Stauraum in erreichbarer Höhe, 40 < 140 cm hoch
N 11 Bad
Das Waschbecken ist für mich gut mit meinem
Hilfsmittel erreichbar.
>1,20 m x 1,20 m davor, nicht zwingend mittig angeordnet
seitlicher Abstand zur Wand ≥ 20 cm oder zu anderen Ausstattungs-
elementen
N 12 Küche
Die Küche bietet ausreichend Platz, um sich mit dem
Hilfsmittel frei zu bewegen.
mindestens 1,20 m x 1,20 m
90 cm vor dem Esstisch
- 163 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
N 13
Küche
(nachrüstbar)
Stauräume und Griffe der Geräte sind problemlos
erreichbar.
rollbare Containerschränke für Stauraumnutzung und Unterfahrbar-
keit
Stauräume in erreichbarer Höhe (40 < 140 cm hoch)
Unterschränke mit Vollauszügen
Höhe von Griffe von Geräten erreichbar (40 cm ≤ 140 cm)
N 14 Bad
Die Fläche vor und neben dem WC ist ausreichend,
um mich mit meinem Hilfsmittel frei zu bewegen
und es gegebenenfalls abzustellen.
davor > 1,20 m x 1,20 m
einseitig mit mindestens 70 cm × 90 cm Bewegungsfläche
andere Seite mindestens 70 cm × 30 cm Bewegungsfläche
N 15 nahes Wohnumfeld
Es ist genug Platz vorhanden, um mit dem Rollstuhl
oder einem anderen Hilfsmittel zu wenden.
mindestens 1,20 m x 1,20 m
N 16
Zugangsbereich
(nachrüstbar)
Der Türöffner ist für mich gut erreichbar.
Drückerhöhe 85 cm – 105 cm
Laibungstiefe <26 cm
N 17
Küche
(nachrüstbar)
Meine Küche ist gut angeordnet, so dass ich kurze
Wege habe und wenig rangieren muss.
Herd und Spüle möglichst übereck angeordnet
dazwischenliegende Arbeitsfläche
abgerundete Kanten und Ecken verhindern Verletzungsgefahr
keine Verletzungsgefahr bei Schranktüren, z.B. Falttüren, horizonta-
len Rollläden
- 164 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
N 18 allgemeiner Wohnbereich
Der Balkon/Terrasse ist ausreichend groß, dass ich
mich mit meinem Hilfsmittel problemlos bewegen
kann.
Bewegungsfläche >1,20 m x 1,20 m in Wohn- und Schlafräumen, Kü-
che und Freisitz, Flur
N 19 Küche
In meiner Küche ist ausreichend Platz für einen Ess-
platz, den ich auch mit meinem Hilfsmittel gut nut-
zen kann.
Bewegungsfläche >1,20 m x 1,20 m
N 20 allgemeiner Wohnbereich
Es ist ausreichend Platz neben dem Bett, um sich
mit dem Hilfsmittel zu bewegen und bei Bedarf um-
zusetzen.
>1,20 m x 1,20 m an einer Seite
- 165 -

 
Hilfsmittelgruppe 1 — wünschenswerte Kriterien
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
W 1
allgemeiner Wohnbereich
Die Fenster kann ich leicht öffnen und schließen.
≤ 30 N, Moment ≤5Nm
Griffhöhe 85 cm - 105 cm
W 2
nahes Wohnumfeld
Hindernisse oder gefährliche Bereiche vor dem Haus
sind gut sichtbar und ausreichend gekennzeichnet.
Wahrnehmung nicht vermeidbarer Hindernisse
Kontrastreich gestaltet
W 3
Bad
(nachrüstbar)
Ich kann mich im Sitzen und im Stehen im Spiegel
über dem Waschbecken sehen.
mindestens 100 cm hoher Spiegel ab Oberkante des Waschbeckens
beginnend
W 4
allgemeiner Wohnbereich
Aus einem Fenster meiner Wohnung kann ich auch
sitzend heraussehen.
Brüstungshöhe ≤ 60 cm (aus sitzender Position Durchblick in die
Umgebung möglich)
W 5
Küche
Beim Gehen in der Küche kann man sich durchgän-
gig abstützen.
Handlauf für die Arbeitsfläche, den Herd und die Spüle
W 6
allgemeiner Wohnbereich
Ein Abstellraum in meiner Wohnung ist schwellen-
und stufenlos erreichbar und auch mit dem Hilfsmit-
tel benutzbar.
stufen- und schwellenlos
mit ausreichend Bewegungsfläche, >1,20 m x 1,20 m
- 166 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
W 7
Bad
Die Badtür lässt sich nach außen öffnen.
von außen entriegelbar
Drehflügeltüren nach außen schlagen, Schiebetür möglich
W 8
Zugangsbereich
Es ist eine Rampe vorhanden, um den Hauseingang
zu erreichen.
stufenloser Zugang zum Haus über Rampe
Neigung max. 6 %
W 9
allgemeiner Wohnbereich
Es gibt einen gesonderten Abstellplatz oder -raum
für das Hilfsmittel.
Abstellplatz für Hilfsmittel
W 10
Küche
(nachrüstbar)
Der Wasserhahn an der Spüle kann mit
einer Hand bedient werden.
Einhebelarmatur
W 11 allgemeiner Wohnbereich
Ich kann auch im Sitzen über die Brüstung sehen.
Balkonbrüstung ab Höhe ≤ 60 cm durchsichtig (aus
sitzender Position Durchblick in die Umgebung möglich)
W 12
Bad
(nachrüstbar)
An der Toilette befinden sich Stützklappgriffe, die
ich gut benutzen kann.
je Seite ein klappbarer Stützgriff am vorderen Griffende 1 kN be-
lastbar
lichter Abstand zwischen den Griffen 65 bis 70 cm
15 cm über Vorderkante des WC-Beckens hinausragend
Oberkante bei 28 cm über der Sitzhöhe
kraftarme Bedienung
- 167 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
W 13 nahes Wohnumfeld
Der Weg vor dem Haus ist ausreichend breit, so dass
sich auch zwei Rollstuhlfahrer begegnen können.
mindestens 1,50 m breit
nach 15 m Wegelänge folgt eine Begegnungsfläche von 1,80 m ×
1,80 m
W 14 Bad
Das Waschbecken ist unterfahrbar.
90 cm benötigte unterfahrbare Breite, axial angeordnet
Nutzung im Sitzen ermöglichen (sowohl im Rollator als auch auf
einem Hocker)
Vorderkantenhöhe des Waschtisches von max. 80 cm
Unterfahrbarkeit von mindestens 55 cm Tiefe
Unterputz- oder Flachaufputzsiphon
W 15
Küche
(nachrüstbar)
In der Küche sind Herd, Arbeitsfläche und Spüle
unterfahrbar.
Unterfahrbarkeit von Herd, Arbeitsfläche und Spüle
W 16 allgemeiner Wohnbereich
Das Bett ist für mich von mindestens zwei Seiten
problemlos erreichbar.
≥ 120 cm entlang der einen und ≥ 90 cm entlang der
anderen Seite
W 17 Bad
In meinem Bad ist eine Badewanne vorhanden.
nutzbare Badewanne vorhanden
- 168 -

 
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung - Hilfsmittelgruppe 2, mechanischer Rollstuhl
Hilfsmittelgruppe 2 — unabdingbare Kriterien
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
U 1
Zugangsbereich
Der Hauseingang ist stufenlos und schwellenlos
erreichbar.
stufen- und schwellenlos
ohne Schwellen oder untere Türanschläge
U 2
nahes Wohnumfeld
Ich kann leicht und erschütterungsarm mit dem
Rollstuhl/Rollator auf dem Gehweg fahren.
leicht und erschütterungsarm mit dem Rollstuhl befahrbar
Querneigung maximal 2,5 %, nur zur Abführung von Oberflächen-
wasser
Längsneigung maximal 3 %
Teile mit maximal 6 % mit Zwischenpodesten nach
maximal 10 m Länge
U 3
allgemeiner Wohn-
bereich
Insgesamt bietet die Wohnung ausreichend Platz,
damit ich mich (mit meinem Hilfsmittel) frei bewe-
gen kann.
> 1,50 m × 1,50 m in Wohn- und Schlafräumen, Küche und Freisitz,
Flur
mindestens 90 cm x 1,50 m tief vor Möbeln
U 4
Bad
Das Bad bietet ausreichend Platz, damit ich mich mit
meinem Hilfsmittel bequem bewegen kann. Ich
muss dafür nicht viel rangieren.
> 1,50 m × 1,50 m vor den Sanitärobjekten
- 169 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
U 5
Küche
In der Küche sind Herd, Arbeitsfläche und Spüle
unterfahrbar.
• Unterfahrbarkeit von Herd, Arbeitsfläche und Spüle
U 6
allgemeiner Wohnbereich
Der Flur ist breit genug, um ohne Rangieren durch
alle Türen zu gelangen.
im Flur ist eine Durchgangsbreite von ≥ 120 cm vorzusehen, min-
destens ein Mal > 1,50 m × 1,50 m
U 7
Bad
Ich kann mich problemlos auf das WC setzen und
wieder aufstehen.
Tiefe von 70 cm
Höhe (inkl. Sitz) von 46 cm bis 48 cm
U 8
Küche
Die Küche bietet ausreichend Platz, um sich mit dem
Hilfsmittel frei zu bewegen.
Breite mindestens 120 cm
1,50 m vor dem Esstisch
mindestens ein Mal > 1,50 m × 1,50 m
U 9
Treppen und Aufzüge
Die Stufen der Treppen sind bequem und gefahrlos
begehbar ohne Stolper- oder Rutschgefahr.
geradläufig und rechtwinklig zu den Treppenstufenkanten
mit Setzstufen
mit Trittstufen, die nicht vorkragen
an freien seitlichen Stufenenden Aufkantung
U 10 Zugangsbereich
Die Haustür lässt sich leicht öffnen und ich kann
sicher durchfahren, bevor sie sich
wieder schließt.
lichte Durchgangsbreite von 90 cm
leicht zu öffnen und schließen und sicher zu passieren
≤ 30 N, Moment ≤5 Nm (leicht zu öffnen und zu schließen)
- 170 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
U 11 Zugangsbereich
Im Eingangsbereich besteht die Möglichkeit, das
Hilfsmittel abzustellen.
Abstellplatz für Hilfsmittel,
Bewegungsfläche > 1,50 m × 1,50 m
U 12 nahes Wohnumfeld
Der Müllcontainer ist für mich ohne Hindernisse
erreichbar und zu benutzen.
Aus sitzender Haltung erreichbar, mit Bewegungsfläche > 1,50 m ×
1,50 m davor
Stufen- und schwellenlos erreichbar
U 13 Bad
Die Fläche vor und neben dem WC ist ausreichend,
um mich mit meinem Hilfsmittel frei zu bewegen
und es gegebenenfalls abzustellen.
einseitig mit mindestens 70 cm × 90 cm Bewegungsfläche
andere Seite mindestens 70 cm × 30 cm Bewegungsfläche
U 14 allgemeiner Wohnbereich
Es gibt eine Terrasse/Balkon, die/der schwellen- und
stufenlos erreichbar ist.
Stufen- und schwellenlos erreichbar
U 15 Bad
Das Waschbecken ist für mich gut mit meinem
Hilfsmittel erreichbar.
> 1,50 m × 1,50 m davor, nicht zwingend mittig angeordnet
seitlicher Abstand zur Wand ≥ 20 cm oder zu anderen Ausstat-
tungselementen
U 16 Bad
Der Bodenbelag ist auch bei Nässe gefahrlos begeh-
bar.
rutschhemmender Bodenbelag
U 17 nahes Wohnumfeld
Es ist genug Platz vorhanden, um mit dem Rollstuhl
bis 6 m Länge und ohne Richtungsänderung
- 171 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
oder einem anderen Hilfsmittel zu wenden.
Rangierfläche von 150 cm x 150 cm vor Objekten aller Art
U 18 Zugangsbereich
Es ist eine Rampe vorhanden, um den Hauseingang
zu erreichen.
stufenloser Zugang zum Haus über Rampe
U 19 Treppen und Aufzüge
Im Haus ist ein Aufzug vorhanden.
Aufzug oder ähnliches im Haus vorhanden
U 20 Bad
In meinem Bad ist eine Dusche vorhanden.
nutzbare Dusche vorhanden
U 21 Bad
Ich kann den Wasserhahn auch im Sitzen gut errei-
chen.
Abstand der Armatur vom vorderen Rand max. 40 cm
U 22 Treppen und Aufzüge
Die Handläufe sind durchgehend und ermöglichen
einen sicheren Halt beim Benutzen der Treppe.
beidseitig und ohne Unterbrechung
mindestens 30 cm über Anfang und Ende waagerecht weiterfüh-
rend und abgerundet abschließend
U 23 nahes Wohnumfeld
Es gibt einen Parkplatz für meine Wohnung, der sich
in der Nähe des Hauseingangs befindet und ohne
Hindernisse erreichbar ist.
in der Nähe der barrierefreien Zugänge
als barrierefreier Parkplatz gekennzeichnet, Beschilderung, Boden-
markierung
U 24 Treppen und Aufzüge
Die Handläufe sind gut zu greifen und ich kann si-
cher daran gehen.
griffsicher und gut umgreifbar
vorzugsweise rund oder oval
- 172 -

 
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
Durchmesser 3 cm bis 4,50 cm
85 cm bzw. 90 cm über Stufenvorderkante OFF bis Oberkante des
Handlaufes
U 25 nahes Wohnumfeld
Hindernisse oder gefährliche Bereiche vor dem Haus
sind gut sichtbar und ausreichend gekennzeichnet.
Wahrnehmung vor nicht vermeidbarer Hindernisse, kontrastreich
Hilfsmittelgruppe 2 — notwendige Kriterien
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
N 1
nahes Wohnumfeld
Der Gehweg vor dem Haus ist eben und fest, so dass
er leicht und sicher passierbar ist.
fest und eben
N 2
Bad
Das Waschbecken ist unterfahrbar.
90 cm benötigte unterfahrbare Breite, axial angeordnet
Nutzung im Sitzen ermöglichen (sowohl im Rollator als auch auf
einem Hocker)
Vorderkantenhöhe des Waschtisches von max. 80 cm
Unterfahrbarkeit von mindestens 55 cm Tiefe
- 173 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
Unterputz- oder Flachaufputzsiphon
N 3
Zugangsbereich
(nachrüstbar)
Klingel und Gegensprechanlage sind für mich gut
erreichbar.
Lautsprecher und Mikrofon auch sitzend erreichbar
mit Bewegungsfläche > 1,50 m × 1,50 m davor
N 4
Bad
(nachrüstbar)
Die Armatur ist mit einer Hand zu bedienen.
Einhebelarmaturen für einhändige Bedienung
mit Bewegungsfläche > 1,50 m × 1,50 m davor
N 5
Zugangsbereich
Der Briefkasten ist für mich ohne Hindernisse er-
reichbar und zu benutzen.
in einer Höhe von 85 cm bis 105 cm
mit Bewegungsfläche > 1,50 m × 1,50 m davor
N 6
Bad
(nachrüstbar)
Der Wasserhahn an der Spüle kann mit einer Hand
bedient werden.
Unterputz- oder Flachaufputzsiphon
flache Einbauspüle
Einhebelarmatur, sitzend erreichbar
N 7
Küche
(nachrüstbar)
Meine Küche ist gut angeordnet, so dass ich kurze
Wege habe und wenig rangieren muss.
Herd und Spüle möglichst übereck angeordnet
dazwischenliegende Arbeitsfläche
abgerundete Kanten und Ecken verhindern Verletzungsgefahr
keine Verletzungsgefahr bei Schranktüren, z.B. Falttüren, horizonta-
len Rollläden
- 174 -

 
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
N 8
allgemeiner Wohnbereich
(nachrüstbar)
Es ist ausreichend Platz für alle Dinge, die ich unter-
bringen möchte.
ausreichend Stauraum
in erreichbarer Höhe (40 < 140 cm hoch)
N 9
Bad
(nachrüstbar)
Ich kann mich im Sitzen und im Stehen im Spiegel
über dem Waschbecken sehen.
mindestens 100 cm hoher Spiegel ab Oberkante des Waschbeckens
beginnend
N 10
Zugangsbereich
(nachrüstbar)
Der Türöffner ist für mich gut erreichbar.
Drückerhöhe 85 cm – 105 cm
Laibungstiefe < 26 cm
N 11
Küche
(nachrüstbar)
Stauräume und Griffe der Geräte sind problemlos
erreichbar.
rollbare Containerschränke für Stauraumnutzung und Unterfahrbar-
keit
Stauräume in erreichbarer Höhe (40 < 140 cm hoch)
Unterschränke mit Vollauszügen
Höhe von Griffe von Geräten erreichbar (40 cm ≤ 140 cm)
Hilfsmittelgruppe 2 — wünschenswerte Kriterien
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
W 1 allgemeiner Wohnbereich Es ist ausreichend Platz neben dem Bett, um sich
> 1,50 m × 1,50 m
- 175 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
mit dem Hilfsmittel zu bewegen und bei Bedarf um-
zusetzen.
W 2
Küche
In meiner Küche ist ausreichend Platz für einen Ess-
platz, den ich auch mit meinem Hilfsmittel gut nut-
zen kann.
Bewegungsfläche > 1,50 m × 1,50 m
W 3
Bad
Die Badtür lässt sich nach außen öffnen.
von außen entriegelbar
Drehflügeltüren nach außen schlagen, Schwebetür möglich
W 4
allgemeiner Wohnbereich
Die Fenster kann ich leicht öffnen und schließen.
≤ 30 N, Moment ≤5 Nm (leicht zu öffnen und zu schließen
Griffhöhe 85 cm - 105 cm
W 5
allgemeiner Wohnbereich
Aus einem Fenster meiner Wohnung kann ich auch
sitzend heraussehen.
Brüstungshöhe ≤ 60 cm (aus sitzender Position Durchblick in die
Umgebung möglich)
W 6
Zugangsbereich
(nachrüstbar)
Die Türklinke ist für mich gut erreichbar.
Drückerhöhe 85 cm – 105 cm
Laibungstiefe <26 cm
W 7
nahes Wohnumfeld
Der Weg vor dem Haus ist ausreichend breit, so dass
sich auch zwei Rollstuhlfahrer begegnen können.
mindestens 1,50 m breit
nach 15 m Wegelänge folgt eine Begegnungsfläche von 1,80 m ×
1,80 m
- 176 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
W 8
allgemeiner Wohnbereich
Der Balkon/Terrasse ist ausreichend groß, dass ich
mich mit meinem Hilfsmittel
problemlos bewegen kann.
> 1,50 m × 1,50 m in Wohn- und Schlafräumen, Küche, Freisitz und
Flur,
W 9
allgemeiner Wohnbereich
Ein Abstellraum in meiner Wohnung ist schwellen-
und stufenlos erreichbar und auch mit dem Hilfsmit-
tel benutzbar.
schwellenlos mit ausreichend Bewegungsfläche
> 1,50 m × 1,50 m
W 10 allgemeiner Wohnbereich
Es gibt einen gesonderten Abstellplatz oder -raum
für das Hilfsmittel.
Abstellplatz für Hilfsmittel
W 11
Bad
(nachrüstbar)
An der Toilette befinden sich Stützklappgriffe, die
ich gut benutzen kann.
je Seite ein klappbarer Stützgriff am vorderen Griffende 1 kN be-
lastbar
lichter Abstand zwischen den Griffen 65 cm bis 70 cm
15 cm über Vorderkante des WC-Beckens hinausragen
Oberkante bei 28 cm über der Sitzhöhe
kraftarme Bedienung
W 12
Küche
(nachrüstbar)
Die Spülung lässt sich leicht erreichen und bedienen.
berührungslos oder mit Arm bzw. Hand bedienbar
mit Hand oder Arm zu bedienen
- 177 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
W 13 allgemeiner Wohnbereich
Ich kann auch im Sitzen über die Brüstung sehen.
Balkonbrüstung ab Höhe ≤ 60 cm durchsichtig (aus
sitzender Position Durchblick in die Umgebung möglich)
W 14
Küche
(nachrüstbar)
Beim Gehen in der Küche kann man sich durchgän-
gig abstützen.
Handlauf für die Arbeitsfläche, den Herd und die Spüle
W 15
Bad
(nachrüstbar)
Ich kann auf dem WC sicher sitzen.
Rückenstütze 55 cm hinter der Vorderkante (kein
WC-Deckel als Rückenstütze)
W 16 allgemeiner Wohnbereich
Das Bett ist für mich von mindestens zwei Seiten
problemlos erreichbar.
≥1,50 m entlang der einen und
≥ 1,20 m entlang der anderen Seite
W 17 Bad
In meinem Bad ist eine Badewanne
vorhanden.
nutzbare Badewanne vorhanden
W 18 Bad
In der Wohnung gibt es ein zweites Bad.
in R-Wohnungen mit mehr als 3 Wohn- bzw. Schlafräumen
- 178 -

 
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung - Hilfsmittelgruppe 3, Elektro-Rollstuhl, Hilfsperson
Hilfsmittelgruppe 3 — unabdingbare Kriterien
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
U 1
Zugangsbereich
Der Hauseingang ist stufenlos und schwellenlos
erreichbar.¹
stufen- und schwellenlos
ohne Schwellen oder untere Türanschläge
U 2
allgemeiner Wohnbereich
Insgesamt bietet die Wohnung ausreichend Platz,
damit ich mich (mit meinem Hilfsmittel) frei bewe-
gen kann.
> 1,85 m × 1,85 m und 0,75 m x 0,75 m Platz für Hilfsperson in
Wohn- und Schlafräumen, Küche und Freisitz, Flur
1,85 m tief vor Möbeln
U 3
Küche
In der Küche sind Herd, Arbeitsfläche und Spüle
unterfahrbar.
Unterfahrbarkeit von Herd, Arbeitsfläche und Spüle
U 4
nahes Wohnumfeld
Ich kann leicht und erschütterungsarm mit dem
Rollstuhl/Rollator auf dem Gehweg fahren.
leicht und erschütterungsarm mit dem Rollstuhl bzw. Rollator be-
fahrbar
Querneigung maximal 2,5 %, nur zur Abführung von Oberflächen-
wasser
Längsneigung maximal 3 %
Teile mit maximal 6 % mit Zwischenpodesten nach
maximal 10 m Länge
- 179 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
U 5
Bad
Das Bad bietet ausreichend Platz, damit ich mich mit
meinem Hilfsmittel bequem bewegen kann. Ich
muss dafür nicht viel rangieren.
> 1,85 m × 1,85 m vor den Sanitärobjekten
0,75 m x 0,75 m Platz für Hilfsperson
U 6
Zugangsbereich
Die Haustür lässt sich leicht öffnen und ich kann
sicher durchfahren, bevor sie sich wieder schließt.
lichte Durchgangsbreite von 90 cm
leicht zu öffnen und schließen und sicher zu passieren, möglichst
feststellbar
≤ 30 N, Moment ≤5 Nm (leicht zu öffnen und zu schließen)
U 7
Bad
Ich kann mich problemlos auf das WC setzen und
wieder aufstehen.
Tiefe von 70 cm
Höhe (inkl. Sitz) von 46 cm bis 48 cm
U 8
Bad
Das Waschbecken ist für mich gut mit meinem
Hilfsmittel erreichbar.
> 1,85 m × 1,85 m davor, nicht zwingend mittig angeordnet
0,75 m x 0,75 m Platz für Hilfsperson
seitlicher Abstand zur Wand ≥ 20 cm oder zu anderen Ausstat-
tungselementen
U 9
Bad
Ich kann den Wasserhahn auch im Sitzen gut errei-
chen.
Abstand der Armatur vom vorderen Rand max. 40 cm
U 10 allgemeiner Wohnbereich
Der Flur ist breit genug, um ohne Rangieren durch
alle Türen zu gelangen.
im Flur ist eine Durchgangsbreite von ≥ 120 cm vorzusehen
ein Mal Wendefläche > 1,85 m × 1,85 m
- 180 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
U 11 Zugangsbereich
Im Eingangsbereich besteht die Möglichkeit, das
Hilfsmittel abzustellen.
Abstellplatz für Hilfsmittel,
ausreichend Bewegungsfläche
U 12 Bad
Die Fläche vor und neben dem WC ist ausreichend,
um mich mit meinem Hilfsmittel frei zu bewegen
und es gegebenenfalls abzustellen.
> 1,85 m × 1,85 m davor
0,75 m x 0,75 m Platz für Hilfsperson
einseitig mit mindestens 70 cm × 90 cm Bewegungsfläche
andere Seite mindestens 70 cm × 30 cm Bewegungsfläche
U 13 Küche
Die Küche bietet ausreichend Platz, um sich mit dem
Hilfsmittel frei zu bewegen.
mindestens Durchgang 1,20 m
1,85m vor dem Esstisch
ein Mal Wendefläche > 1,85 m × 1,85 m
U 14 allgemeiner Wohnbereich
Es gibt eine Terrasse/Balkon, die/der schwellen- und
stufenlos erreichbar ist.
Schwellen- und stufenlos erreichbar
U 15 nahes Wohnumfeld
Es ist genug Platz vorhanden, um mit dem Rollstuhl
oder einem anderen Hilfsmittel zu wenden. (Woh-
numfeld)
bis 6 m Länge und ohne Richtungsänderung (mit Wendemöglichkeit
≥ 120 cm)
Rangierfläche von > 1,85 m × 1,85 m vor Objekten aller Art
U 16 Bad
Das Waschbecken ist unterfahrbar.
90 cm benötigte unterfahrbare Breite, axial angeordnet
Nutzung im Sitzen ermöglichen
- 181 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
Vorderkantenhöhe des Waschtisches von max. 80 cm
Unterfahrbarkeit von mindestens 55 cm Tiefe
Unterputz- oder Flachaufputzsiphon
U 17 Bad
In meinem Bad ist eine Dusche vorhanden.
nutzbare Dusche vorhanden
U 18 Bad
Der Bodenbelag ist auch bei Nässe gefahrlos begeh-
bar.
rutschhemmender Bodenbelag
U 19 Treppen und Aufzüge
Im Haus ist ein Aufzug vorhanden.
Aufzug oder ähnliches im Haus vorhanden
U 20 Bad
Die Badtür lässt sich nach außen öffnen.
von außen entriegelbar
Drehflügeltüren nach außen schlagen, Schiebetür möglich
U 21 Zugangsbereich
Es ist eine Rampe vorhanden, um den Hauseingang
zu erreichen.
stufenloser Zugang zum Haus über Rampe
U 22 allgemeiner Wohnbereich
Es ist ausreichend Platz für alle Dinge, die ich unter-
bringen möchte.
ausreichend Stauraum
- 182 -

 
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
U 23 allgemeiner Wohnbereich
Die Fenster kann ich leicht öffnen und schließen.
≤ 30 N, Moment ≤5 Nm (leicht zu öffnen und zu schließen)
Griffhöhe 85 cm - 105 cm
U 24 allgemeiner Wohnbereich
Der Balkon/Terrasse ist ausreichend groß, dass ich
mich mit meinem Hilfsmittel problemlos bewegen
kann.
> 1,85 m × 1,85 m in Wohn- und Schlafräumen, Küche und Freisitz,
Flur
Hilfsmittelgruppe 3 — notwendig Kriterien
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
N 1
Bad
(nachrüstbar)
Die Armatur ist mit einer Hand zu bedienen.
Einhebelarmaturen für einhändige Bedienung
N 2
Zugangsbereich
(nachrüstbar)
Der Briefkasten ist für mich ohne Hindernisse er-
reichbar und zu benutzen.
in einer Höhe von 85 cm bis 105 cm
N 3
nahes Wohnumfeld
(nachrüstbar)
Der Müllcontainer ist für mich ohne Hindernisse
erreichbar und zu benutzen.
aus sitzender Haltung erreichbar, mit ausreichend Bewegungsfläche
davor
- 183 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
N 4
Küche
(nachrüstbar)
Meine Küche ist gut angeordnet, so dass ich kurze
Wege habe und wenig rangieren muss.
Herd und Spüle möglichst übereck angeordnet
dazwischenliegende Arbeitsfläche, unterfahrbar
abgerundete Kanten und Ecken verhindern Verletzungsgefahr
keine Verletzungsgefahr bei Schranktüren, z.B. Falttüren, horizonta-
len Rollläden
N 5
Zugangsbereich
(nachrüstbar)
Die Klingel und Gegensprechanlage sind für mich ist
gut erreichbar.
Lautsprecher und Mikrofon auch sitzend erreichbar
N 6
Zugangsbereich
(nachrüstbar)
Der Türöffner ist für mich gut erreichbar.
Drückerhöhe 85 cm – 105 cm
Laibungstiefe <26 cm
N 7
Küche
(nachrüstbar)
Stauräume und Griffe der Geräte sind problemlos
erreichbar.
rollbare Containerschränke für Stauraumnutzung und Unterfahrbar-
keit
Stauräume in erreichbarer Höhe
Unterschränke mit Vollauszügen
Griffe von Geräten erreichbar (40 cm ≤ 140 cm)
N 8
Bad
(nachrüstbar)
Der Wasserhahn an der Spüle kann mit einer Hand
bedient werden.
Unterputz- oder Flachaufputzsiphon
flache Einbauspüle
Einhebelarmatur
- 184 -

 
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
N 9
Zugangsbereich
(nachrüstbar)
Die Türklinke ist für mich gut erreichbar.
Drückerhöhe 85 cm – 105 cm
Laibungstiefe <26 cm
N 10
Bad
(nachrüstbar)
Ich kann mich im Sitzen und im Stehen im Spiegel
über dem Waschbecken sehen.
mindestens 100 cm hoher Spiegel ab Oberkante des Waschbeckens
beginnend
Hilfsmittelgruppe 3 — wünschenswerte Kriterien
Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
W 1
Küche
In meiner Küche ist ausreichend Platz für einen Ess-
platz, den ich auch mit meinem Hilfsmittel gut nut-
zen kann.
Bewegungsfläche > 1,85 m × 1,85 m
W 2
allgemeiner Wohnbereich
Es ist ausreichend Platz neben dem Bett, um sich
mit dem Hilfsmittel zu bewegen und bei Bedarf um-
zusetzen.
> 1,85 m × 1,85 m
W 3
Bad
(nachrüstbar)
Die Spülung lässt sich leicht erreichen und bedienen.
berührungslos oder mit Arm bzw. Hand bedienbar
mit Hand oder Arm zu bedienen
- 185 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
W 4
nahes Wohnumfeld
Es gibt einen Parkplatz für meine Wohnung, der sich
in der Nähe des Hauseingangs befindet und ohne
Hindernisse erreichbar ist.
in der Nähe der barrierefreien Zugänge
als barrierefreier Parkplatz gekennzeichnet, Beschilderung, Boden-
markierung
W 5
Bad
(nachrüstbar)
Ich kann auf dem WC sicher sitzen.
Rückenstütze 55 cm hinter der Vorderkante (kein WC-Deckel als
Rücken-stütze)
W 6
Treppen und Aufzüge
Die Handläufe sind durchgehend und ermöglichen
einen sicheren Halt beim Benutzen der Treppe.
beidseitig und ohne Unterbrechung
mindestens 30 cm über Anfang und Ende waagerecht weiterfüh-
rend und abgerundet abschließend
W 7
nahes Wohnumfeld
Hindernisse oder gefährliche Bereiche vor dem Haus
sind gut sichtbar und ausreichend gekennzeichnet.
Wahrnehmung vor nicht vermeidbarer Hindernisse,
W 8
allgemeiner Wohnbereich
Aus einem Fenster meiner Wohnung kann ich auch
sitzend heraussehen.
Brüstungshöhe ≤ 60 cm (aus sitzender Position Durchblick in die
Umgebung möglich)
W 9
Treppen und Aufzüge
Die Handläufe sind gut zu greifen und ich kann si-
cher daran gehen.
griffsicher und gut umgreifbar
vorzugsweise rund oder oval
Durchmesser 3 cm bis 4,50 cm
85 cm bzw. 90 cm über Stufenvorderkante OFF bis Oberkante des
- 186 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
Handlaufes
W 10 allgemeiner Wohnbereich
Es gibt einen gesonderten Abstellplatz oder -raum
für das Hilfsmittel.
Abstellplatz für Hilfsmittel
W 11 Bad
An der Toilette befinden sich Stützklappgriffe, die
ich gut benutzen kann.
je Seite ein klappbarer Stützgriff am vorderen Griffende 1 kN be-
lastbar
lichter Abstand zwischen den Griffen 65 bis 70 cm
15 cm über Vorderkante des WC-Beckens hinausragend
Oberkante bei 28 cm über der Sitzhöhe
kraftarme Bedienung
W 12 allgemeiner Wohnbereich
Ich kann auch im Sitzen über die Brüstung sehen.
Balkonbrüstung ab Höhe ≤ 60 cm durchsichtig (aus
sitzender Position Durchblick in die Umgebung möglich)
W 13 allgemeiner Wohnbereich
Ein Abstellraum in meiner Wohnung ist schwellen-
und stufenlos erreichbar und auch mit dem Hilfsmit-
tel benutzbar.
schwellenlos mit ausreichend Bewegungsfläche
- 187 -

Nr.
Bereich
Frage laut Fragebogen
Normkriterien
W 14
Küche
(nachrüstbar)
Beim Gehen in der Küche kann man sich durchgän-
gig abstützen.
Handlauf für die Arbeitsfläche, den Herd und die Spüle
W 15 nahes Wohnumfeld
Der Weg vor dem Haus ist ausreichend breit, so dass
sich auch zwei Rollstuhlfahrer begegnen können.
mindestens 1,50m breit
nach 15 m Wegelänge folgt eine Begegnungsfläche von 1,80m ×
1,80m
W 16 allgemeiner Wohnbereich
Das Bett ist für mich von mindestens zwei Seiten
problemlos erreichbar.
≥1,85m entlang der einen und
≥ 1,20m entlang der anderen Seite
W 17 Bad
In meinem Bad ist eine Badewanne vorhanden.
nutzbare Badewanne vorhanden
W 18 Bad
In der Wohnung gibt es ein zweites Bad.
in R-Wohnungen mit mehr als 3 Wohn- bzw. Schlafräumen
- 188 -