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Reform der sächsischen Lehrpläne
Eckwerte zur
musisch-künstlerischen Bildung
Comenius-Institut Juni 2004

 
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Inhalt
Seite
Vorbemerkung........................................................................................................................2
1
Zur Bedeutung musisch-künstlerischer Bildung...........................................................2
2
Ziele musisch-künstlerischer Bildung...........................................................................2
3
Umsetzungsformen an sächsischen Schulen..............................................................3
4
Beiträge der Fächer Kunst und Musik..........................................................................4
Vorbemerkung
Das Eckwertepapier richtet sich an Lehrer, die Gestalter der Lehrpläne, die Mitarbeiter der
Schulaufsicht sowie an die mit der Lehrerbildung betrauten Einrichtungen im Freistaat Sach-
sen. Es beinhaltet Vorgaben für Unterrichtsgestaltung in allen sächsischen Schularten und
stellt einen verbindlichen Rahmen für die Weiterentwicklung der Fächer Kunst und Musik
dar.
Die Aussagen basieren auf den Positionen des Leitbildes für Schulentwicklung und innovati-
ven fachdidaktischen Ansätzen. Das Eckwertepapier orientiert sich begrifflich an den Formu-
lierungen des Schulgesetzes des Freistaates Sachsen.
1
Zur Bedeutung musisch-künstlerischer Bildung
Die Welt und die von den Menschen erlebbare, erkennbare Wirklichkeit wird vom Einzelnen
nicht in ihrer Gesamtheit erfasst, da sie aus unendlich vielen einzelnen Fakten, Ideen und
Meinungen besteht, die in unterschiedlicher Beziehung zueinander stehen. Die individuelle
Bezugnahme auf diese Mannigfaltigkeit bildet den Ausgangspunkt menschlichen Erkennens
und Handelns.
Deshalb sind Wahrnehmungsfähigkeiten von grundlegender und orientierender Bedeutung
für das Lernen und Leben eines Menschen. Musisch-künstlerischer Bildung kommt dabei
eine Schlüsselfunktion zu. Sie trägt dazu bei, motorische, sinnenhafte sowie geistige Anfor-
derungen zu bewältigen und besitzt wesentliche Potenziale zu Selbsterforschung und Selbst-
findung. Unabdingbar dafür sind persönliche Erfahrungen und deren Austausch mit anderen
sowie individuelle und gemeinschaftliche Erlebnisse. Musisch-künstlerische Bildung bietet
hierbei zahlreiche Möglichkeiten und begegnet somit auch der Gefahr der Vereinzelung in
der Gesellschaft. Sie kann zudem auf eine sinnvolle Freizeitgestaltung orientieren.
Musisch-künstlerische Bildung erfolgt in enger Beziehung zur kulturellen Öffentlichkeit und
vermag, den Wert kultureller Traditionen zu verdeutlichen. Die Auseinandersetzung mit
Kunst und Kultur leistet bei fortschreitender Auflösung festgefügter Weltbilder und Wertvor-
stellungen einen bedeutsamen Beitrag zu Werteorientierung sowie zur Herausbildung von
kultureller Identität und Toleranz.
Musisch-künstlerische Bildung ist zugleich ein „Übungsfeld für assoziierendes und spieleri-
sches Denken, für die Ausbildung von Spontaneität, Fantasie und Flexibilität bei der Ent-
wicklung von Vorstellungen“
1
sowie Quelle von Selbstvertrauen und Urteilsvermögen. Nicht
zuletzt sind dies Eigenschaften und Fähigkeiten, die vor dem Hintergrund technologischer
und ökonomischer Modernisierung an Bedeutung gewinnen.
2
Ziele musisch-künstlerischer Bildung
Musisch-künstlerische Bildung leistet „einen Beitrag zur Erfüllung des Bildungsauftrags der
Schule im Sinne einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung durch Vermittlung einer
1
Bund Deutscher Kunsterzieher e. V.: Kunst und Unterricht in der Schule der Zukunft. In: BDK-Mitteilungen
1995, Heft 2, S. 6.

 
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ästhetischen Grundbildung und die Möglichkeit des Erwerbs einer individuellen ästhetischen
Profil- und Schwerpunktbildung.“
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Die Schüler eignen sich Wissen und Fähigkeiten zur akti-
ven Teilnahme am kulturellen Leben an und erlangen außerdem Qualifikationen zur Selbst-
verwirklichung in künstlerischen Berufen.
Ziele musisch-künstlerischer Bildung sind:
Entfaltung individueller Ausdrucks- und Gestaltungsfähigkeiten
durch
- mediale bzw. personale Möglichkeiten, um individuelle Weltsicht darzustellen und
Vorstellungen, Ideen und Überzeugungen auszudrücken,
- Anwendung verschiedener Gestaltungsprinzipien im kreativen Wechselspiel von
Mensch, Mittel und Material,
-
kritisches Reflexionsvermögen sowie Artikulation und Begründung von Urteilen,
-
Spielfähigkeit.
Entwicklung differenzierter Wahrnehmungsfähigkeiten
durch
-
Aufnahme von Aussagen, Strukturen und Intentionen unterschiedlicher Zeichensys-
teme und Raum-Zeit-Beziehungen sowie deren Einordnung im jeweiligen Kontext,
-
Verwendung verschiedener Wahrnehmungsweisen,
-
Verweilen können zugunsten anhaltender Wahrnehmungsaktivität.
Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung
durch
-
ganzheitliche und vielsinnige Beziehungen zur Welt,
-
Organisation und Formung der Lebensumwelt,
-
Selbstvertrauen durch Entfaltung von Talenten und Begabungen,
-
ästhetischen Genuss und erlebte Sinnhaftigkeit von Kunst.
3
Umsetzungsformen an sächsischen Schulen
Musisch-künstlerische Bildung wird als Aufgabe der gesamten Schule verstanden. Sie tritt im
Unterricht aller Fächer, ausdrücklich in den Fächern Kunst und Musik, im Wahlpflichtbereich
der Mittelschulen, in den Profilen und im Wahlbereich der Gymnasien, im fächerverbinden-
den Unterricht sowie in fakultativen Angeboten in Erscheinung.
Schulische Fächer und Wahlpflichtangebote
müssen die Ziele musisch-künstlerischer
Bildung bei der Planung und unterrichtlichen Realisierung berücksichtigen. Da Denken, Füh-
len und Handeln gleichrangig zur Geltung kommen sowie ganzheitliche Aktionsformen ange-
strebt werden sollen, muss der Unterricht in seinen Zielen und Inhalten folgendermaßen
ausgerichtet sein:
-
Ausprägung künstlerisch-ästhetischer Verhaltensweisen im Wechselspiel von freien und
gebundenen Arbeitsformen
- Diskussion unterschiedlicher Problemperspektiven (z. B. historisch bzw. soziokulturell,
material- bzw. strukturbezogen sowie wirkungspsychologisch bzw. funktional)
-
Auseinandersetzung mit einer Auswahl (Prinzip des Exemplarischen) an Kunst- und Kul-
turerscheinungen.
Die Auswahl der Unterrichtsinhalte und -methoden orientiert sich an altersspezifischen, le-
bensweltlichen und medial bedingten Themen und Gegenständen. Zugleich haben gemein-
same Erfahrungen in der Arbeit mit Partnern und Gruppen, in der Analyse sowie in der Prä-
sentation von eigenen und fremden Werken eine Bedeutung für die Unterrichtsgestaltung.
Die Aufgabenstellungen müssen auf das für künstlerisch-ästhetisches Verhalten charakteri-
2 Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland
(Hrsg.): Zur Situation im Fach Bildende Kunst an den allgemein bildenden Schulen in der Bundesrepublik
Deutschland, Bonn 1995, S. 10.

 
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sierende Zusammenspiel von Fantasie, Gefühl und Verstand ausgerichtet sein und haben
unterschiedliche Leistungsfähigkeit, Talente und Begabungen der Schüler zu berücksichti-
gen.
Für die Umsetzung der Inhalte musisch-künstlerischer Bildung sind dabei verschiedene Fak-
toren der Schul- und Lernkultur förderlich:
- kooperative Beziehungen der Lehrer zu den Schülern mit Interesse an ihren künstleri-
schen Ausdrucksformen als ein Mittel der Selbstoffenbarung
-
ansprechende Lernräume und ein kreativitätsfreundliches Schul- und Klassenklima
- Einbeziehung verschiedener anderer Lernorte (z. B. Galerien, Konzerthäuser, Museen,
Studios, Theater).
In den Fächern Kunst und Musik
sorgen die Handlungsformen Produktion, Rezeption und
Reflexion, die im konkreten künstlerisch-ästhetischen Verhalten ineinander greifen, für eine
motivierende und lernwirksame Gestaltung von Unterrichtsprozessen. Der Begriff des „intel-
ligenten Wissens“ umfasst somit auch den Erwerb von künstlerischen Handlungserfahrungen
als eigenständigen Tätigkeitsbereich. Für die Weiterentwicklung der Fächer werden im Punkt
4 spezifische Aussagen getroffen.
Eine veränderte Rhythmisierung des Unterrichts in Kunst und Musik (derzeit in der Regel
eine Wochenstunde) erhält eine wachsende Bedeutung. Dabei geht es um die Schaffung
besserer Möglichkeiten zur Planung zusammenhängender Lerneinheiten und zur Berück-
sichtigung individueller Lernzeiten. Denkbar wären die Zusammenlegung zweier Unterrichts-
stunden im vierzehntägigen Wechsel der Fächer, die Zusammenlegung mehrerer Unter-
richtsstunden zu größeren Lerneinheiten oder das Schaffen eines zeitweiligen Fächerver-
bundes. Diese organisatorischen Varianten unterstützen das Arbeiten in innovativen metho-
dischen Unterrichtsformen (z. B. Blockunterricht, projektorientierter Unterricht bzw. Projekt-
arbeit, Freiarbeit, Epochenunterricht).
Eine Integration der genannten Ziele
in den fächerverbindenden Unterricht
ist notwendig,
da Elemente musisch-künstlerischer Bildung in allen Perspektiven und Themenbereichen
des fächerverbindenden Unterrichts einfließen können. Insbesondere bieten sich hierbei gute
Möglichkeiten für das Arbeiten in Prozessen mit offener Verlaufsstruktur sowie für experi-
mentelles bzw. konzeptionelles Handeln.
Die aktive Teilnahme an
außerunterrichtlichen Angeboten
begünstigt eine weitere Ausbil-
dung individueller Fähigkeiten und Begabungen. Fakultative Angebote (z. B. Arbeitsgemein-
schaften) ergänzen das Lehrangebot der Fächer, bereichern zudem das Schulleben und
prägen das Bild von Schule in der Öffentlichkeit.
4
Beiträge der Fächer Kunst und Musik
Kunst
Die Bilderwelten der neuen Medien bestimmen zunehmend unsere Alltagserfahrungen und
damit unser Wirklichkeitsverständnis. Da die Lebenswelt Heranwachsender immer stärker
von medial vermittelten Zeichen geprägt wird und der aktive Umgang mit der Komplexität
dieser Reize zunehmend als Problem bei der Suche nach Orientierung erscheint, kommen
auch auf die Kunstpädagogik veränderte Aufgaben zu. Eine zentrale Bedeutung erhält dabei
die Entwicklung von Bildkompetenz
3
.
Das Fach Kunst thematisiert die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Kunst, die auch
in und mit den neuen Medien arbeiten. Es umfasst dabei freie wie angewandte Künste und
integriert Disziplinen wie Architektur, Landschaftsgestaltung und Design, in denen das künst-
lerische Gestalten zweckgebundenen Ansprüchen genügt. Das Fach nimmt diese ver-
schiedenen Erscheinungsformen zum Anlass individuellen künstlerischen Experimentierens
und Gestaltens, nicht zuletzt, um mit konventionellen Rezeptions- und Konsumtionsweisen
3 Bildkompetenz als Vermögen, die Bildsprache als Medium der Kommunikation zu nutzen. Bild als inneres
Modell der Wirklichkeit im Zusammenspiel von sinnlichen, emotionalen und rationalen Komponenten. Künst-
lerische Bilder sind prinzipiell offen und nicht an eine Fläche gebunden.

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zu brechen und das Medium Bild phantasievoll zu hinterfragen. Die Schüler setzen sich da-
bei kritisch mit dem eigenen und fremden Bild- und Weltverständnis auseinander.
Das Fach rückt die Moderne und die zeitgenössische Kunst ins Zentrum seiner Betrachtung.
Dabei wird die Gegenwartskunst als Stadium einer steten Entwicklung thematisiert, deren Ver-
ständnis nur in ihrer geschichtlichen Einbettung erreicht werden kann. Eine vorurteilsfreie und
zugleich kritische Auseinandersetzung hilft den Schülern, zeitgemäße Gestaltungsprinzipien und
Verarbeitungsweisen von Wirklichkeit wahrzunehmen sowie Deutungen unserer Gegenwart zu
verstehen und ein Verhältnis zu ihrer eigenen Erlebnis- und Erfahrungswelt herzustellen.
Im Suchen bildkünstlerischer Gestaltungen verarbeiten die Schüler Alltagserlebnisse, es
manifestieren sich ihre Träume, Vorstellungen, Entdeckungen, Ideen und eigene Überzeu-
gungen. Der Prozess künstlerischen Ent- und Verwerfens, Konzipierens und Gestaltens be-
reitet die Schüler auch darauf vor, innovativ an der Lösung von Problemen zu arbeiten, in
dieser Gesellschaft ihren Platz zu finden sowie den Anforderungen der heutigen Berufs- und
Arbeitswelt gewachsen zu sein.
Im Spannungsfeld von Vergangenheit und Gegenwart nimmt der bewusste Umgang mit Ge-
schichtszeugen und –zeugnissen, insbesondere mit Hauptlinien der historischen Kunst, eine
besondere Stellung ein. Natur- und Kulturdenkmäler im weiteren Sinne werden später als
kulturelles Erbe in die Verantwortung der heutigen Schülergeneration übergehen. Es ist da-
her notwendig, dass die Schüler lernen, „eine bestimmte Sache als Denkmal zu bewerten,
unter Schutz zu stellen und zu erhalten“. Damit sie die Bereitschaft entwickeln, sich dafür zu
engagieren, müssen sie sich mit diesen Belangen auseinander setzen und „auf diesem Ge-
biet im Rahmen der Möglichkeiten der Schule auch praktische Erfahrungen sammeln.“
4
Abgeleitet aus den dargestellten Sachverhalten und unter Beachtung der Einheit des Er-
werbs künstlerisch-praktischer Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie von Wissen, der Kompe-
tenzentwicklung und der Werteorientierung werden folgende
fachliche Ziele
formuliert:
Die Schüler
- entwickeln differenzierte Wahrnehmungsfähigkeiten und lernen verschiedene Methoden
der Rezeption von Bildinformationen und Zeichensystemen kennen und anzuwenden.
-
erleben die eigene künstlerisch-ästhetische Praxis als Experimental- und Werkstattsitua-
tion. Sie eignen sich ein Spektrum künstlerischer Gestaltungsmöglichkeiten (z. B. Mittel,
Techniken und Strategien künstlerischer und ästhetischer Gestaltung) an, um sich aus-
zudrücken und ihre individuelle Weltsicht darzustellen.
- erwerben ein anwendungsbereites kulturgeschichtliches Grundwissen und machen sich
exemplarisch mit wesentlichen Werken, Künstlerpersönlichkeiten, Stilepochen, Gattun-
gen und Genres der Kunstgeschichte bis in die Gegenwart vertraut.
-
erleben die Geschichte der Kunst im Wandel ihrer Funktionen
5
und gewinnen Einsichten
in das Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit.
-
eignen sich Fähigkeiten zu fachgerechter Kommunikation an und lernen, sich verbal und
spielerisch-assoziativ mit künstlerisch-ästhetischen Zusammenhängen auseinander zu
setzen.
-
entwickeln ihre künstlerisch-ästhetische Erlebnisfähigkeit und ein Vermögen, ihre eigene
Lebenswelt unter ästhetischen Gesichtspunkten zu reflektieren und selbstständig zu or-
ganisieren.
-
stärken ihre Sensibilität im Umgang mit wesentlichen Bereichen der Kultur und Natur.
-
erwerben Urteils- und Kritikfähigkeit im Umgang mit Bildender Kunst und Alltagsästhetik.
Die didaktisch-methodische Umsetzung der genannten Ziele erfolgt in Arbeitsfeldern und
Gestaltungsdimensionen (bisher: Arbeitsbereiche). So gibt es drei sich aufeinander bezie-
4
Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland
(Hrsg.): Zur Situation der Behandlung von Fragen des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege in der Schu-
le, Bonn 1993, S. 7.
5
Kunst als polyfunktionales System (z. B. künstlerisch-ästhetisch, religiös, gesellschaftlich-politisch, erziehe-
risch, abbildend).

6
konzeptionell
intramedial
intermedial
hende
Arbeitsfelder
, deren Vernetzung die für die künstlerischen Fächer erforderliche Ein-
heit von Produktion, Rezeption und Reflexion gewährleistet.
1. Künstlerisch-ästhetische Praxis
2. Kunst- und Gestaltungstheorie
3. Kunst- und Kulturgeschichte
Das Arbeitsfeld Künstlerisch-ästhetische Praxis wird als kreatives Handeln definiert, das pro-
zess- oder produktbezogen individuelle Lösungen verlangt. Das Arbeitsfeld Kunst- und Ges-
taltungstheorie fokussiert die Auseinandersetzung mit der Bildsprache, die Kenntnis ihrer
Eigenschaften und Wirkungsweisen. Das Arbeitsfeld Kunst- und Kulturgeschichte gewähr-
leistet die geschichtliche Einbettung eines zeitgemäßen Kunstverständnisses.
Die Inhalte der Arbeitsfelder werden in
drei Gestaltungsdimensionen
abgebildet, welche
die künstlerische Praxis im 20. Jahrhundert berücksichtigten sowie eine Öffnung zu neueren
künstlerisch-ästhetischen Ausdrucksformen bedeuten:
1. Fläche
2. Körper / Raum
3. Prozess
Die sich in der Grafik zwischen den Gestaltungsdimensionen befindlichen Strategien des
künstlerischen Arbeitens (konzeptionell, intramedial, intermedial) spiegeln prinzipielle Formen
der Auseinandersetzung mit bildnerischen Problemen wider und sind sowohl integrativer Be-
standteil jeder Dimension als auch Verbindungsglied zwischen diesen. Konzeptionell bedeutet
dabei entweder eine künstlerische Idee als Voraussetzung des Gestaltens oder eine eigen-
ständige Kunstform. Intramedial steht für die Arbeit innerhalb eines Mediums/einer Gattung,
intermedial für ein künstlerisches Programm, welches das Ineinanderwirken vormals eigen-
ständiger Gestaltungsweisen, Kunstmittel, Genres und Medien
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aufgreift sowie Aufmerksam-
keit für Schnittstellen entwickelt.
Musik
Musik ist aufgrund ihrer Vielfalt und Omnipräsenz Bestandteil allgemeiner Existenz- und Aus-
druckserfahrungen der Menschen sowie ein Spiegel von Zeitgeist und Weltsicht. Sie steht
6
Medien = Vermittler von Kommunikation inkl. Speicherung und Übertragung von Informationen. Der moderne
Medienbegriff vereint heterogene Inhalte. Primäre Medien sind zwischenmenschliche Verständigungsmittel
(z. B. Gesang, Gestik, Körperhaltung, Mimik, Spiel, Sprache, Tanz, Theater). Sekundäre Medien erfordern
technische Hilfsmittel, um Kommunikationsangebote zu produzieren (z. B. Bilder, Briefe, Bücher, Fotografien,
Skulpturen). Tertiäre Medien erfordern sowohl bei der Herstellung und Übertragung als beim Empfang der In-
formationen technische Apparaturen (z. B. Kino, PC, Radio, TV).
Während der Auseinanderset-
zung mit Fläche, Körper / Raum
und Prozess werden die Eigenart
und der Verlauf künstlerisch-
ästhetischer Schaffens- und Re-
zeptionsprozesse thematisiert. In
Abgrenzung zum flächigen oder
körperhaft-räumlichen Gestalten,
welches sich über Zweidimensi-
onalität bzw. Dreidimensionalität
definiert, erweitert prozesshafte
Kunst diese Dimensionen um
eine zeitliche. Prozesshafte
Kunst wirkt grenzüberschreitend,
ereignet sich in Raum-Zeit-Inter-
vallen und ist als Ereignis origi-
när sowie unwiederbringlich
(z. B. Aktionskunst, Perfor-
mance-Art).
Fläche
Körper /
Raum
Prozess

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seit jeher im Spannungsfeld von Tradition und Innovation und ist in ihrer historischen wie
aktuellen Ausprägung ein subjektiv erlebbares Kulturgut. Musik spielt somit eine wichtige
Rolle im Prozess der Findung und Herausbildung kultureller Identität.
Musik erleben, machen und gestalten sind nicht austauschbare Möglichkeiten sich auszu-
drücken und mitzuteilen. Weiterhin fördert gemeinsames Singen und Musizieren den sozia-
len Zusammenhalt und hat im Gemeinschaftserleben identitätsstiftende Bedeutung. Da die
Schule auch denjenigen Kindern und Jugendlichen stabile Identitätsbildungen ermöglichen
muss, die Schule, Elternhaus und Freizeit als kulturell gespaltene Welten erleben, kommt
dem Fach Musik eine besondere Wertigkeit zu.
In musikpraktischer Tätigkeit erworbene und in kontinuierlicher Übung gefestigte Fähigkeiten
sind das Fundament des Musikunterrichts. Der Musikunterricht orientiert grundlegend auf die
Erweiterung kultureller Praxen und trägt somit zur Steigerung der Lebensqualität bei. Kultu-
relle Erfahrungen der Schüler werden dabei bewusst zum Gegenstand des Lernens sowie
der Auseinandersetzung mit der Umwelt gemacht.
Durch vielfältige musikalische Aktivitäten wird Schule und Schulleben (z. B. Gesangs- und
Instrumentalensembles) bereichert und dadurch wesentlich das Erscheinungsbild der Schule
in der Öffentlichkeit geprägt.
Da die Musik und die mit ihr verbundenen Jugendkulturen den Alltag von Kindern und Ju-
gendlichen prägen, müssen musikalische Interessen und Betätigungen der Schüler Eingang
in den Musikunterricht finden. Ein besonderer Akzent ist bei der Beschäftigung mit Musik auf
unverwechselbare Möglichkeiten einer dauerhaften kreativen Lebensgestaltung und über die
Schulzeit hinaus auf die bewusste und kritische Nutzung des Musikangebotes zu legen. Das
Erkennen, Berücksichtigen und systematische Fördern von Talenten und Begabungen ge-
hört zum Selbstverständnis des Faches.
Abgeleitet aus den dargestellten Sachverhalten und unter Beachtung der Einheit des Er-
werbs künstlerisch-praktischer Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie von Wissen, der Kompe-
tenzentwicklung und der Werteorientierung werden folgende
fachliche Ziele
formuliert:
Die Schüler
- lernen körpereigene musikalische Ausdrucksmittel kennen und erleben deren Wirkung
auf sich und andere
- erfahren durch vielseitiges Musizieren eine Förderung ihrer Persönlichkeit, insbeson-
dere der Konzentrationsfähigkeit und des Sozialverhaltens.
- erarbeiten sich mit technischen Medien Möglichkeiten zur Bearbeitung, Speicherung
und Wiedergabe ihrer eigenen Musik.
- erwerben aufbauend, systematisch und in musikpraktischer Tätigkeit musikalische
Grundkompetenzen wie Ton-, Klang- und Rhythmusvorstellungen.
- diskutieren musikbezogene Sachverhalte und eignen sich Einsichten in Funktionen und
Wirkungsweisen von Musik an.
- gewinnen einen Einblick in die Vielfalt der Wechselbeziehungen zwischen Musik, Bild,
Sprache und Bewegung und entwickeln Fähigkeiten zur Interpretation und Gestaltung
von Musik.
-
entwickeln ihre Wahrnehmungs-, Erlebnis-, Ausdrucks- und Gestaltungsfähigkeiten.
- eignen sich Fähigkeiten zu fachgerechter Kommunikation über künstlerisch-ästhetische
Zusammenhänge an, um sich sowohl mündlich und schriftlich (z. B. kompositorisch) als
auch spielerisch-assoziativ damit auseinander zu setzen.
-
lernen selbstbestimmt im Spannungsfeld zwischen bewusster Teilhabe und aktiver Teil-
nahme mit Musik umzugehen.
- erwerben ein anwendungsbereites kulturgeschichtliches Grundwissen und machen sich
exemplarisch mit wesentlichen Werken, Musikerpersönlichkeiten, Stilepochen, Gattun-
gen und Genres der Musikgeschichte vertraut.

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An den Umgangsweisen, welche der didaktisch-methodischen Umsetzung der genannten
Ziele dienen, ist erkennbar, dass sie Bewährtes aufgreifen und den veränderten Anforderun-
gen und Entwicklungen entsprechend modifizieren. Mit den Umgangsweisen und unter der
Berücksichtigung von Dimensionen werden die Lernbereiche der Lehrpläne gestaltet und mit
konkreten Lernzielen und Lerninhalten untersetzt. Gleichberechtigte Umgangsweisen im
Musikunterricht sind:
1. Musik erfinden, wiedergeben und gestalten
2. Musik wahrnehmen, verstehen und deuten
3. Musik umsetzen, verbinden und in Beziehung bringen
Musik erfinden, wiedergeben und gestalten umfasst das Experimentieren mit Klängen und
Rhythmen, das Erfinden von Musik (Improvisation oder Komposition) sowie die Ausführung
und Wiedergabe schriftlich fixierter, mündlich überlieferter oder auf Tonträger festgehaltener
Musik. Dies geschieht mit Stimme und Körper, mit Instrumenten und technischen Medien.
Musik wahrnehmen, verstehen und deuten schließt die gezielte Entwicklung differenzierter
Hörfähigkeiten, den Erwerb von Kenntnissen der Musiklehre sowie die Reflexion über histo-
rische und gesellschaftliche Implikationen des Entstehens von Musik ein.
Musik umsetzen, verbinden und in Beziehung bringen beinhaltet insbesondere die textliche,
bildliche und szenische Darstellung von Musik, die Umsetzung von Musik in Bewegung so-
wie das Zusammenspiel von Musik und anderen Künsten. Dabei soll sowohl die Wiedergabe
objektivierbarer als auch subjektiv empfundener Wahrnehmungen von Musik zum Tragen
kommen.
Musik
erfinden,
wiedergeben
und gestalten
Musik
wahrnehmen,
verstehen
und deuten
Musik umsetzen,
verbinden
und in Beziehung
bringen

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Die Schüler sollen in die Lage versetzt werden Musik in mehreren
Dimensionen
für sich zu
erschließen. Im Unterricht zu berücksichtigen sind:
-
die historische Dimension (der Wechselbezug von Gestern und Heute)
-
die subjektive Dimension (der Wechselbezug von Eigenem und Fremdem)
-
die funktionale Dimension (der Wechselbezug von Absicht und Verwendung)
-
die ästhetische Dimension (der Wechselbezug von Gestalt und Gehalt).