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Prüfsysteme in der Milchrindzucht
Schriftenreihe der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft
Heft 5/2008
Landesanstalt für Landwirtschaft

Modellrechnungen zur Optimierung der Prüfsysteme in der Milchrindzucht
Silke Krostitz, Dr. Ralf Fischer, Dr. Uwe Bergfeld

A Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
...................................................................................................................................................................................
1
2 Ziele und Aufgabenstellung
.......................................................................................................................................................1
3 Literaturübersicht
........................................................................................................................................................................2
3.1 Milchrindzucht in Sachsen ....................................................................................................................................................2
3.2 Zuchtprogramme...................................................................................................................................................................3
3.3 Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung ..........................................................................................................................7
3.3.1 Milchleistungsprüfung...................................................................................................................................................8
3.3.2 Eigenleistungsprüfung Bullen .......................................................................................................................................9
3.3.3 Testherden - Nachkommenprüfung..............................................................................................................................9
3.3.4 Testherden - Gesundheitsmerkmale ..........................................................................................................................10
3.3.5 Testherden - Ländervergleich.....................................................................................................................................14
3.3.6 Biotechnologie ............................................................................................................................................................15
3.3.7 Bullenmütterprüfstation/Bullenmütterselektion ...........................................................................................................16
3.3.8 Globalisierung/Interbull-Zuchtwertschätzung .............................................................................................................17
3.4 Zuchtziel..............................................................................................................................................................................18
3.4.1 Nutzungsdauer ...........................................................................................................................................................20
3.4.2 Zuchtleistungsmerkmale.............................................................................................................................................21
3.4.3 Eutergesundheit..........................................................................................................................................................22
3.4.4 Grenznutzen ...............................................................................................................................................................22
3.5 Förderung der Rinderzucht, speziell der Leistungsprüfung ................................................................................................25
4 Material und Methode
................................................................................................................................................................28
4.1 EDV-Programm ZPLAN ......................................................................................................................................................28
4.2 Ausgangssituation und Annahmen für die Zuchtplanungsrechnungen...............................................................................29
4.2.1 Populationsstruktur.....................................................................................................................................................29
4.2.2 Zuchtziel .....................................................................................................................................................................29
4.2.3 Wirtschaftlichkeitsparameter.......................................................................................................................................32
4.2.4 Genetische Parameter................................................................................................................................................33
4.2.5 Züchtungskosten ........................................................................................................................................................34
4.2.6 Populationsparameter.................................................................................................................................................35
4.2.7 Selektionsgruppen und -indices .................................................................................................................................35
5 Ergebnisse
.................................................................................................................................................................................38
5.1 Modellkalkulationen zur Planungsalternative I....................................................................................................................38
5.1.1 Gemeinsame Vertriebsorganisation des Sächsischen Rinderzuchtverbandes e.G. mit der NORDRIND GmbH ......38
5.1.1.1 Gemeinsame Vertriebsorganisation auf der Basis anteiliger Kosten.................................................................38
5.1.1.2 Gemeinsame Vertriebsorganisation auf der Basis Kosten ELP, Kosten WBH, Kosten Spermalagerung
entsprechen den Kosten des SRV .....................................................................................................................39
5.1.2 Variation der Populationsparameter ...........................................................................................................................39
5.1.2.1 Variation der Anzahl Testbullen .........................................................................................................................39
5.1.2.2 Variation der Anzahl Töchter je Testbulle ..........................................................................................................41
5.1.2.3 Variation des Testanteils....................................................................................................................................42
5.1.2.4 Optimierung nach monetären Zuchtfortschritt bzw. Züchtungsgewinn ..............................................................43
5.1.3 Variation der Grenznutzen
.......................................................................................................................................................... 46
5.1.3.1 Variation des Grenznutzens für die Nutzungsdauer ..........................................................................................47
5.1.3.2 Variation des Grenznutzen für die Mastitisanfälligkeit .......................................................................................48
5.1.3.3 Variation des Grenznutzen für den Eiweißgehalt...............................................................................................49
5.2 Modellkalkulationen zur Planungsalternative II...................................................................................................................51
5.2.1 Ergebnisse der Basisvariante.....................................................................................................................................52
5.2.1.1 Variation der Anzahl Kühe in Testherden ..........................................................................................................53
5.2.1.2 Variation des Testumfangs der MLP und der Kosten der MLP..........................................................................55
5.2.1.3 Variation des Testumfangs der MLP und der Anzahl Kühe in Testherden ........................................................58

5.2.1.4 Variation des Testumfangs der MLP und der Anzahl Kühe in Testherden begrenzt auf den SRV....................62
5.2.1.5 Variation des Testanteils in den Testherden und der Anzahl Kühe in Testherden ............................................65
5.2.1.6 Variation der Grenznutzen – Veränderung des Zuchtzieles zu Gunsten der funktionalen Merkmale................68
6 Diskussion
.................................................................................................................................................................................72
7 Zusammenfassung
....................................................................................................................................................................74
8 Literatur
......................................................................................................................................................................................79
9 Anhang
.......................................................................................................................................................................................83

B Tabellenverzeichnis
Tabelle 1:
Entwicklung von Kuhbestand, Milchproduktion und Halterzahl (LfL, Tierzucht und Tierhaltung 2006) .......................2
Tabelle 2:
Entwicklung der Milchleistung in Sachsen (LfL, Tierzucht und Tierhaltung 2006).......................................................3
Tabelle 3:
Zuchtfortschritt in Abhängigkeit vom Testanteil und der Anzahl Testbullen (KÖNIG, 2001)........................................6
Tabelle 4:
Anzahl benötigter Herden zur Testung von 50 Bullen in Abhängigkeit von der gewünschten Zahl der Töchter
in Milch bei einer Wiederfindungsrate von 1:5 (
ALPERS 1996 in SWALVE 2006) .........................................................10
Tabelle 5:
Schätzwerte für die genetischen Parameter für die Schwer- und Totgeburtenrate sowie das Geburtsgewicht
aus
JUNGE (2004) .......................................................................................................................................................12
Tabelle 6:
Selektionsmerkmale und Gewichtung im Gesamtindex in skandinavischen Ländern (BO, 2004) ............................14
Tabelle 7:
Vergleich Zuchtindex Sachsen zum RZG aus
BRADE (2004)....................................................................................18
Tabelle 8:
Abgangsursachen insgesamt aus
DELLING und MÜLLER (2004) .................................................................................20
Tabelle 9:
Grenznutzen in DM/Merkmalseinheit für verschiedene Merkmale in Szenarien mit Milchquotensystem..................23
Tabelle 10: Grenznutzen in €/σ bzw. in % für verschiedene Merkmale........................................................................................23
Tabelle 11: Grenznutzen (GN) für ein Szenario mit Milchquote im Vergleich zu einem...............................................................24
Tabelle 12: Ökonomische Gewichte w für ein Zukunftsszenario mit/ohne Milchquote von LIND (2006)......................................25
Tabelle 13: Unterstellte Grenznutzen der Basisvariante in €/Einheit für die einzelnen Zuchtzielmerkmale.................................33
Tabelle 14: Populationsparameter sowie biologisch-technische Koeffizienten.............................................................................35
Tabelle 15: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei MASTERRIND (Kosten im gewogenen Mittel)...38
Tabelle 16: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei MASTERRIND (Kosten SRV).............................39
Tabelle 17: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in Abhängigkeit von der Anzahl Testbullen -
Testanteil konstant bei 28 % ......................................................................................................................................40
Tabelle 18: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in Abhängigkeit von der Anzahl Testbullen –
Testanteil konstant bei 40 % ......................................................................................................................................41
Tabelle 19: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in Abhängigkeit von der Anzahl Testtöchter –
Anzahl Testbullen konstant bei 260 ...........................................................................................................................42
Tabelle 20: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in Abhängigkeit vom Testanteil – Anzahl
Testbullen konstant bei 260 .......................................................................................................................................43
Tabelle 21: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in der nach monetären Zuchtfortschritt und
Züchtungsgewinn optimierten Variante......................................................................................................................44
Tabelle 22: Heritabilitäten (h²), Standardabweichungen (S
p
/S
g
), Grenznutzen (GN) und wirtschaftliche Gewichte (w)
für die verwendeten Zuchtzielmerkmale ....................................................................................................................46
Tabelle 23: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei Variation des Grenznutzens für die
Nutzungsdauer ...........................................................................................................................................................47
Tabelle 24: Heritabilitäten (h²), Standardabweichungen (S
p
/S
g
), Grenznutzen (GN) und wirtschaftliche Gewichte (w)
für die verwendeten Zuchtzielmerkmale einschließlich dem Eiweißgehalt ................................................................48
Tabelle 25: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei Variation des Grenznutzens für die
Mastitisanfälligkeit ......................................................................................................................................................48
Tabelle 26: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie Züch-
tungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei Variation des Grenznutzens für den Eiweißgehalt .....49
Tabelle 27: Heritabilitäten (h²), Standardabweichungen (S
p
/S
g
), Grenznutzen (GN) und wirtschaftliche Gewichte (w)
für die verwendeten Zuchtzielmerkmale einschließlich dem Eiweißgehalt ................................................................50

Tabelle 28: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei Kombination verschiedener Grenznutzen ..........51
Tabelle 29: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei der Basisvariante – Planungsalternative II.........52
Tabelle 30: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in der nach monetären Zuchtfortschritt und
Züchtungsgewinn optimierten Variante......................................................................................................................53
Tabelle 31: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in der nach monetären Zuchtfortschritt und
Züchtungsgewinn optimierten Variante......................................................................................................................56
Tabelle 32: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in der nach monetären Zuchtfortschritt und
Züchtungsgewinn optimierten Variante......................................................................................................................59
Tabelle 33: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in der nach monetären Zuchtfortschritt und
Züchtungsgewinn optimierten Variante......................................................................................................................63
Tabelle 34: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in der nach monetären Zuchtfortschritt und
Züchtungsgewinn optimierten Variante......................................................................................................................66
Tabelle 35: Heritabilitäten (h²), Standardabweichungen (S
p
/S
g
), Grenznutzen (GN) und wirtschaftliche Gewichte (w)
für die verwendeten Zuchtzielmerkmale ....................................................................................................................69
Tabelle 36: Heritabilitäten (h²), Standardabweichungen (S
p
/S
g
), Grenznutzen (GN) und wirtschaftliche Gewichte (w)
für die verwendeten Zuchtzielmerkmale einschließlich dem Eiweißgehalt ................................................................69
Tabelle 37: Natural Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und Jahr sowie
Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei Veränderung des Zuchtzieles zugunsten
der funktionalen Merkmale.........................................................................................................................................70

C Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:
Vier Erbpfade in einem Reinzuchtsystem nach RENDEL und ROBERTSON (1950).....................................................4
Abbildung 2:
Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung in Sachsen (LfL, Faltblatt LP Rinderzucht)..........................................8
Abbildung 3:
Vorteile und Nachteile einer flächendeckenden Leistungsprüfung in der Milchrindzucht nach
BERGFELD (2004) .11
Abbildung 4:
Modell der Zuchtwertschätzung für Gesundheitsmerkmale (LfL Sachsen)............................................................12
Abbildung 5:
Schema eines konventionellen Besamungs-Zuchtprogramms von
KÖNIG (2001) nach.........................................15
Abbildung 6:
Modernes Zuchtprogramm für Milchrinder nach
SWALVE (2004a).........................................................................17
Abbildung 7:
Übersicht über die Entwicklung der Abgangsursachen in Sachsen (LKV-J
AHRESBERICHT 2005)..........................20
Abbildung 8:
Leistungsmerkmale der Basisvariante ...................................................................................................................30
Abbildung 9:
Funktionale Merkmale der Basisvariante...............................................................................................................31
Abbildung 10: Schematische P-Matrix für Planungsalternative I ..................................................................................................36
Abbildung 11: Schematische P-Matrix für Planungsalternative II .................................................................................................37
Abbildung 12: Monetärer Zuchtfortschritt in Abhängigkeit von dem Testanteil (TA) und der Anzahl an.......................................45
Abbildung 13: Züchtungsgewinn in Abhängigkeit von dem Testanteil (TA) und der Anzahl an Testbullen ..................................46
Abbildung 14: Zuchtfortschritt in Abhängigkeit der Anzahl Kühe in Testherden ...........................................................................54
Abbildung 15:
Zuchtfortschritt in Abhängigkeit der Anzahl Kühe in Testherden ...........................................................................54
Abbildung 16: Zuchtfortschritt in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme ......................................................................................57
Abbildung 17: Züchtungsgewinn in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme..................................................................................57
Abbildung 18: Zuchtfortschritt in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme und von der Anzahl Tiere in Testherden ......................60
Abbildung 19: Züchtungsgewinn in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme und von der Anzahl Tiere in Testherden..................61
Abbildung 20: Züchtungsgewinn in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme und von der Anzahl Tiere in Testherden bei
einem zusätzlichem Aufwand für die Testherdenbetreuung von 2,00 € ................................................................62
Abbildung 21: Zuchtfortschrit in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme und von der Anzahl Tiere in Testherden bei
Begrenzung der Testherden auf das Gebiet des SRV...........................................................................................64
Abbildung 22: Züchtungsgewinn in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme und von der Anzahl Tiere in Testherden bei
Begrenzung der Testherden auf das Gebiet des SRV...........................................................................................65
Abbildung 23: Zuchtfortschritt in Abhängigkeit vom Testanteil in den Testherden .......................................................................67
Abbildung 24: Züchtungsgewinn in Abhängigkeit vom Testanteil in den Testherden...................................................................67
Abbildung 25: Entwicklung des Zuchtfortschritts im Vergleich Szenario II a und Szenario II e ....................................................68
Abbildung 26: Entwicklung des Zuchtfortschrittes der Milchleistungsmerkmale in % in Abhängigkeit vom Zuchtziel..................71
Abbildung 27: Entwicklung des Zuchtfortschrittes der funktionalen Merkmale in % in Abhängigkeit vom Zuchtziel ....................71

D Anhangsverzeichnis
Anhang 1: Zeitlicher Ablauf für die Durchführung eines Zuchtprogramms.....................................................................................83
Anhang 2: Schematische Darstellung zum Ablauf der Zuchtplanung ............................................................................................84
Anhang 3: Zuchtprogramm Sachsen..............................................................................................................................................85
Anhang 4: Genetische Parameter der Planungsalternative I .........................................................................................................86
Anhang 5: Genetische Parameter der Planungsalternative II - 1...................................................................................................87
Anhang 6: Genetische Parameter der Planungsalternative II - 2...................................................................................................88
Anhang 7: Selektionsindex und Informationsquellen der Planungsalternative I.............................................................................89
Anhang 8: Selektionsindex und Informationsquellen der Planungsalternative II............................................................................90
E Abkürzungsverzeichnis
AB Altbulle
AG Arbeitsgruppe
BB Bullenvater
BCS
Body Condition Score
BP
Kuhvater in Produktionsstufe
BV
Kuhvater in Zuchtstufe
DHV Deutscher Holsteinverband
EDV Elektronische Datenverarbeitung
EG Eiweißgehalt
ELP Eigenleistungsprüfung
EM Eiweißmenge
ET Embryonentransfer
F:E
Fett zu Eiweiß
FM Fettmenge
GA Genanteil
GAP
Gemeinsame Agrarpolitik der EU
GN Grenznutzen
IVP
In vitro Befruchtung
K1L
Kühe mit 1. Laktation
K2L
Kühe mit >= 2. Laktation
KB Bullenmutter
KEL
Kühe mit 180 Tage Eigenleistung
KP
Kuhmutter in Produktionsstufe
KZ
Kuhmutter in Zuchtstufe
LfL
Landesanstalt für Landwirtschaft
LKV Landeskontrollverband
LP Leistungsprüfung
MLP Milchleistungsprüfung
MM Milchmenge
MOET
Multiple Ovulation and Embryo Transfer
ND Nutzungsdauer
OPU
Ova pick up
PK Produktionsstufe Kühe
RL-Nr Richtlinien-Nummer
RZE Relativzuchtwert Exterieur
RZG Relativer Gesamtzuchtwert
RZM Relativzuchtwert Milch
RZN Relativzuchtwert Nutzungsdauer

RZS Relativzuchtwert Zellgehalt
RZZ Relativzuchtwert Zuchtleistung
SCS Somatische Zellzahl
SDM
Standardisierte diskontierte Merkmalsausprägung
SRV Sächsischer Rinderzuchtverband
TA Testanteil
TB Testbulle
TESSA
Teststation Sachsen
TGR Totgeburtenrate
TH Testherden
TierZG
Tierzuchtgesetz
TK
Kuhmütter aus Testherden in Zuchtstufe
VIT
Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung w.V.
WBH Wartebullenhaltung
WFR Wiederfindungsrate
wJR weibliche Jungrinder
ZB Zuchtstufe Bullen
ZE Züchtungsertrag
ZF Zuchtfortschritt
ZG Züchtungsgewinn
ZK Züchtungskosten
ZK Zuchtstufe Kühe
ZKZ Zwischenkalbezeit
ZIS Zuchtindex Sachsen
ZW Zuchtwert
ZWS Zuchtwertschätzung
ZZ Zuchtziel

1 Einführung
Nach
FÜRST (2005) ist es erforderlich, dass sich aktuelle Zuchtentscheidungen nach der zukünftig zu erwartenden
wirtschaftlichen Lage richten. Dazu sind stabile und ausgewogene züchterische Strategien zu wählen, um für die
wahrscheinlichen marktpolitischen Rahmenbedingungen gerüstet zu sein.
DEMPFLE et al. (2004) gliedern den
Prozess der Züchtung in zwei Schritte:
Definition des Zuchtzieles hinsichtlich der erwarteten Entwicklung der strukturellen und wirtschaftlichen
Gegebenheiten
Konzeption und Durchführung eines Zuchtprogramms mit dem Ziel, die bearbeitete Population möglichst
effizient in Richtung auf das Zuchtziel weiterzuentwickeln. Die zentralen Elemente eines Zuchtpro-
gramms sind dabei Leistungsprüfung, Zuchtwertschätzung sowie Selektion und Anpaarungsplanung.
2 Ziele und Aufgabenstellung
Die Optimierung des Zuchtprogramms ist also eine notwendige Aufgabe, um die Wettbewerbsfähigkeit der regio-
nalen Milchproduktion und der Züchter im Besonderen zu erhalten bzw. zu verbessern.
Motivation erhielt dieses Projekt vor allem durch die sich zukünftig verändernden marktpolitischen Rahmenbedin-
gungen. So liegt ein Teil der Betrachtung in der Reduzierung bzw. dem Wegfall staatlicher Fördermittel im Be-
reich der Leistungsprüfungen. Als Konsequenz daraus ist mit einem Rückgang bei der Teilnahme an Leistungs-
prüfungen bzw. mit einem höheren Kostenaufwand für die Durchführung dieser Prüfungen zu rechnen. Hierbei
kommt insbesondere der Milchleistungsprüfung (MLP) eine bedeutende Rolle als Grundlage für die Zuchtwert-
schätzung zu. Mittels zuchtplanerischer Kalkulationen sollen deshalb u. a. die Auswirkungen einer zu erwarten-
den reduzierten Teilnahme von Milchviehbetrieben an der MLP und am gesamten Testprogramm auf die Sicher-
heit der Zuchtwertschätzung bei Milchrindbullen untersucht werden. Schwerpunkt wird hier in einer Verbesserung
der Wirksamkeit verschiedener Erfolgsgrößen wie dem Züchtungsgewinn und dem Zuchtfortschritt liegen. Ziel
des Projektes ist es, Vorschläge für die zukünftige Gestaltung der Prüfsysteme abzuleiten sowie Empfehlungen
für die Entwicklung des Zuchtprogramms für Milchrinder und Schlussfolgerungen für die Gestaltung der Rahmen-
bedingungen für die Leistungsprüfung zu geben.
Laut
DELLING und MÜLLER (2004) ist die Rinderleistungsprüfung
von heute gleichzeitig der Züchtungs- und Qualitätsfortschritt von morgen.
Aus dem vor kurzer Zeit vollzogenen Zusammenschluss der Unternehmen SRV e. G. (SRV) und NORDRIND
GmbH (Nordrind) hat sich ein weiteres Teilprojekt ergeben. Es erhielt seine Motivation durch den zukünftig ge-
meinsamen Geschäftsbetrieb beider Unternehmen, welche unter dem Namen MASTERRIND GmbH agiert. Die
MASTERRIND GmbH verfügt landesweit im Holsteinbereich über die größte Herdbuchpopulation. Die gemein-
same Arbeit beider Zuchtorganisationen hat somit u. a. Auswirkungen auf die Organisation des Testeinsatzes und
auf die verwendeten Prüfmethoden, beispielsweise der Nachkommenprüfungen.
Das Ziel des Gesamtprojektes, aus der Interpretation aller Komponenten entsprechende Empfehlungen für die
zukünftige Züchtung zu bilden, bezieht sich nicht nur auf die Leistungsmerkmale, sondern vor allem auch auf die
Ergebnisse der Zuchtwertschätzung für funktionale Merkmale, deren zunehmende Bedeutung unter ökonomi-
schen und tierschützerischen Aspekten bereits vielfach wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Dazu sollen zu-
sätzliche und alternative Informationsquellen für die Erfassung von Leistungsdaten getestet werden, beispielswei-
se die Effektivität eines Testherdenprogramms.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
1
Schriftenreihe, Heft 5/2008

3 Literaturübersicht
Unter Tierzucht bzw. züchten versteht man die gezielte Auswahl und Paarung von Elterntieren, um Nachkommen
zu erhalten, die einem formulierten Zuchtziel im Durchschnitt näher sind als die Elterngeneration. Das Vorhan-
densein von genetischer Variabilität ist die Grundvoraussetzung für jede züchterische Arbeit (
BRADE und FLA-
CHOWSKY
2005).
Zentraler Bestandteil eines Zuchtprogramms ist das Zuchtziel. Des Weiteren besteht ein Zuchtprogramm aus den
drei Elementen Beurteilung, Selektion und Anpaarung. Die Beurteilung in Form der Leistungsprüfung ist laut
BERGFELD (2004) dabei der aufwändigste und kostenintensivste Teil, jedoch entscheidend über Erfolg und Wett-
bewerbsfähigkeit eines Zuchtprogramms. Der zeitliche Ablauf für die Erreichung des Zuchtzieles und die Durch-
führung eines Zuchtprogramms ist in Anhang 1 dargestellt.
SWALVE (2002) teilt die Entwicklung und den Betrieb eines Zuchtprogramms in einen theoretischen und einen
praktischen Teil. Zur Theorie zählt er die Zuchtzieldefinition, die Schätzung genetischer Parameter, die Auswahl
der Merkmale und die Vorausschätzung des genetischen Fortschrittes. Die Praxis umfasst die Durchführung der
Leistungsprüfung, die Zuchtwertschätzung, die Selektion und die Zuchtorganisation.
3.1
Milchrindzucht in Sachsen
Der Sächsische Rinderzuchtverband e. G. ist am 11. Mai 1990 gegründet wurden. Derzeit sind ca. 190 000 Hol-
steinkühe zur Milchproduktion in der Population. Die Herdengrößen liegen laut
BRADE (2004) in Familienbetrieben
bei ca. 70 - 80 Kühen und in Großbetrieben bei 250 - 300 Kühen, wobei viele Betriebe über 500 – 2 000 Kühe
halten. In Tabelle 1 ist die Entwicklung von Kuhbestand, Milchproduktion und Anzahl Betrieben abgebildet.
Tabelle 1: Entwicklung von Kuhbestand, Milchproduktion und Halterzahl (LfL, Tierzucht und Tierhal-
tung 2006)
Jahr
Anzahl Milchkühe
Produzierte Milch-
menge (t)
Anzahl Halter
Kühe im Herdbuch
1989
1996
1999
2001
2003
2005
458 624
247 852
220 230
207 960
203 915
197 147
1 932
1 384
1 483
1 522
1 571
1 597
800
2 348
1 786
1 621
1 510
1 409
156 061
147 980
146 887
146 685
142 266
Die Anzahl der Milchkühe und die zugehörige Anzahl Betriebe haben sich in den letzten Jahren systematisch
verringert. Dies ist begründet durch eine stetige Leistungssteigerung bei gleichbleibender Milchquote. Zusätzlich
steigen kleinere Betriebe, begründet durch den Strukturwandel, aus der Milchproduktion aus. In Tabelle 2 ist die
Leistungsentwicklung der Kühe in Sachsen abgebildet.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
2
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 2:
Entwicklung der Milchleistung in Sachsen (LfL, Tierzucht und Tierhaltung 2006)
Jahr
Anzahl geprüfter
Kühe
Milch (kg)
Fett (%)
Eiweiß (%)
Fett + Eiweiß
(kg)
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2005
210 976
234 002
233 383
229 625
207 887
197 530
192 879
191 087
5 013
5 472
5 902
6 562
7 393
7 790
8 391
8 375
4,47
4,48
4,44
4,36
4,30
4,21
4,11
4,16
3,35
3,47
3,49
3,47
3,46
3,45
3,43
3,44
386
435
468
514
574
597
633
636
Die Milchleistung pro Kuh der Mitgliedsbetriebe des Sächsischen Landeskontrollverbandes e.V. (LKV) ist seit
1991 um über 3 600 kg gestiegen.
Mit den hohen Milchleistungssteigerungen ist ein Produktionsniveau im physiologischen Grenzbereich erreicht
(
KLUNKER et al. 2004). Steigende Leistungen führen jedoch nicht zwingend zu größeren Problemen in den funktio-
nalen Merkmalen (SEELAND und HENZE 2003; SWALVE 2003; BERGFELD 2005). In gut geführten Herden mit hoher
Milchleistung werden häufig hervorragende Ergebnisse bei der Fruchtbarkeit erreicht. Im Hochleistungsbereich
werden jedoch höhere Anforderungen an Management und Bestandsbetreuung gestellt und schon kleinere Feh-
ler schwerer bestraft.
3.2 Zuchtprogramme
Untersuchungen zur Effektivität von Zuchtprogrammen sind in der deutschen Milchrindzucht unter anderen von
RIEDL (1996), HECKENBERGER (1991), KALM et al. (2003), MOLL (1987), NEUNER et al. (2006) und NIEBEL (1974) durch-
geführt wurden. Bis Mai 2007 lief eine Untersuchung zu einem Zuchtprogramm für die ökologische Milchrindhal-
tung durch
SCHMIDTKO an der Universität Göttingen. Modellrechnungen zu anderen Tierarten wurden unter ande-
ren von
MÄURER (1990), MÜLLER (1994), SÖLLKNER et al. (2000) und WÜNSCH (1998) erarbeitet.
Grundlage für eine derartige Untersuchung ist das Aufstellen des Zuchtplanes als Modell, welches alle züchteri-
schen Maßnahmen beinhaltet. Für die Bewertung eines Zuchtplanes werden Kriterien wie der naturale jährliche
Zuchtfortschritt, der monetäre jährliche Gesamtzuchtfortschritt, der Züchtungsertrag und der Züchtungsgewinn
verwendet. Diese Begriffe sollen zunächst nach
WILLAM (2001) definiert werden.
Zuchtfortschritt (ZF)
-> durchschnittliche, monetäre bzw. naturale Überlegenheit der Nachkommen der selektier-
ten Tiere einer Selektionsrunde gegenüber der Ausgangspopulation in der Zuchtstufe = genetische Überlegen-
heit, d.h. Selektionserfolg
ZF = s
g
² * i * r
ZW
/ L
(s
g
² …genetische Variabilität, i … Selektionsintensität, r
ZW
…Zuverlässigkeit der Zuchtwertschätzung, L … Gene-
rationsintervall)
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3
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Unter einer Selektionsrunde versteht man alle Selektionsmaßnahmen, die sich auf die Tiere eines Jahrganges
von der Geburt bis zur letzten Zuchtverwendung beziehen.
Züchtungsertrag (ZE)
-> abhängig von Zuchtfortschritt, von der Häufigkeit der Realisierung des Zuchtfortschrittes
und vom zeitlichen Anfall (Diskontierung)
ZE = natZF * GN * SDM
(natZF …naturaler Zuchtfortschritt, GN …Grenznutzen, SDM …standardisierte diskontierte Merkmalsausprägung)
Züchtungsgewinn (ZG)
-> Züchtungsertrag abzüglich der Züchtungskosten (ZK)
ZG = ZE – ZK
Die Planung der Leistungsprüfung, Zuchtwertschätzung, der Selektion und der Selektionserfolge wird in der Rein-
zucht über das 4-Pfade-Modell von
RENDEL und ROBERTSON (1950) vorgenommen. Abbildung 1 stellt die vier Erb-
pfade dar.
Bullen
Kühe
Jungkühe
Kühe zur
Nachzucht von
Bullen
Kühe zur
Nachzucht von
Kühen
Abbildung 1:
Vier Erbpfade in einem Reinzuchtsystem nach
RENDEL und ROBERTSON (1950)
Es wird davon ausgegangen, dass männliche und weibliche Tiere verschieden streng selektiert werden. Man
spricht von unterschiedlichen Selektionspfaden bzw. Selektionsgruppen. Diese verschiedenen Tiergruppen liefern
für die Zuchtwertschätzung unterschiedliche Informationen aus der Leistungsprüfung, die Generationsintervalle
sind dabei unterschiedlich lang. Die einzelnen Selektionspfade werden in der Genübertragungsmatrix zusam-
mengefasst und spielen für die Struktur des Zuchtprogramms eine entscheidende Rolle. Nach
RENDEL und RO-
Bullenmütter
Kuhmütter
KV x KM
Prüfbullen
weiblich
Bullen zur
Nachzucht von
Bullen
Bullenväter
BV x BM
männlich
Bullen zur
Nachzucht von
Kühen
Kuhväter
Eltern
Prüfen
Selektion
Pfade
Verpaarung
Nachkommen
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4
Schriftenreihe, Heft 5/2008

BERTSON (1950) sowie SKJERVOLD (1963) wird ein höherer Zuchtfortschritt zwischen 60 und 70 % auf dem männli-
chen Pfad (Bullenväter und Kuhväter) im Vergleich zum weiblichen Pfad zwischen 20 und 30 % erzielt.
Nach
KÖNIG (2001) muss es das Ziel von Zuchtverbänden sein, kostengünstige und effiziente Zuchtprogramme zu
gestalten. Nach
JUNGE und STAMER (2006) zeichnet sich ein effektives Zuchtprogramm durch folgende Punkte
aus:
hohe Selektionsintensität
maximale Vermehrung der selektierten Tiere
genaue Zuchtwertschätzung
kurzes Generationsintervall
Die Optimierung der Zuchtstruktur ist für einen hohen Zuchtfortschritt und Züchtungsgewinn somit von zentraler
Bedeutung. Eine weitere Anpassung der Zuchtverbände wird durch die zunehmende Globalisierung gefordert. In
Deutschland ist ein Trend zu verzeichnen, dass sich Zuchtprogramme zusammenlegen. Dies nimmt den Druck
der innerdeutschen Konkurrenzsituation und steigert die Effizienz der Selektion.
Laut
WILLAM (1997) ist der Zuchtfortschritt die entscheidende Zielgröße jeder züchterischen Arbeit. Aus der zuvor
genannten Formel ist erkennbar, dass der Zuchtfortschritt steigt je größer die genetisch bedingten Leistungsun-
terschiede zwischen den Tieren sind, je schärfer selektiert wird, je zuverlässiger die Zuchtwertschätzung ist und
je kürzer die Generationen aufeinander folgen. Hinzu kommen weitere Faktoren wie die Populationsgröße oder
die Zahl der gleichzeitig berücksichtigten Merkmale (
BRADE und FLACHOWSKY 2005).
KÖNIG (2001) beschreibt die Möglichkeiten einer Zucht- bzw. Besamungsorganisation, ihren Marktanteil zu stei-
gern wie folgt:
A) Erhöhung der getesteten Bullen
B) Erhöhung der Anzahl Nachkommen je Testbulle und/oder
C) Höhere Anforderungen an den Zuchtwert der Elterntiere.
KÖNIG (2001) kam bei seinen Berechnungen (Tabelle 3) zu dem Ergebnis, dass eine Erhöhung der Töchterzahlen
um 20 % nur zu einer minimalen Verbesserung gegenüber der Ausgangssituation führt mit einer leichten Tendenz
zu extremeren Zuchtwerten. Diese Vorgabe erhielt er auch durch mehr getestete Bullen. Bei gleich bleibendem
Testumfang und einer Erhöhung der Anzahl getesteter Jungbullen von 310 auf 455 erhielt er, begründet durch die
mögliche schärfere Selektion unter den Altbullen, eine Steigerung im Zuchtfortschritt von 2,5 kg Milch pro Jahr.
Es ist jedoch mit mehr Bullen im „negativen“ Bereich zu rechnen. Bei einem reduzierten Umfang von Testbullen
erhielt er deutlich negative Auswirkungen auf den Zuchtfortschritt, begründet durch die Erhöhung im Generations-
intervall. Ein hoher Testanteil wiederum führt zu einer Erhöhung der Selektionsintensität unter den Kuhvätern und
zu einer deutlichen Reduzierung im Generationsintervall. Eine von ihm durchgeführte Rechnung führte zu einem
optimalen Testanteil von 50 %, welche er allerdings aus Kosten- bzw. Ertragsgründen als unrealistisch abweist.
Er fordert einen Testanteil von 20 % in der von ihm untersuchten TopQ-Kooperation und errechnet einen mögli-
chen Zuchtfortschritt von 100,8 kg Milch pro Generation.
Gleichzeitig stellt er heraus, dass dieser Zuchtfortschritt nur realisiert werden kann, wenn eine noch schärfere
Selektion unter den Kuhvätern angestrebt wird, d.h. wenn bei einem Testanteil von 20 % eine Remontierungsrate
unter den Kuhvätern von 20 % auf 10 % reduziert wird. Wie bereits erwähnt, lehnt er die Variante des höheren
Testeinsatzes aus Kostengründen ab und unterstützt die von ihm benannte Forderung von
LEISEN (1998), pro
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5
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Jahr in Deutschland 680 Bullen für den Bereich Holstein Schwarzbunt zu testen und bei 500 Erstbesamungen je
Testbulle 100 nachkommengeprüfte Töchter anzustreben. Eine Erhöhung der Anzahl Töchter beschreibt er als
unumgänglich, wenn zukünftig Merkmale mit geringer Heritabilität in den Gesamtindex mit einbezogen werden
sollen.
Tabelle 3:
Zuchtfortschritt in Abhängigkeit vom Testanteil und der Anzahl Testbullen (
KÖNIG, 2001)
Testanteil
Anzahl
Testbullen
Erstbesamungen/
Testbullen
P
KV
i
KV
∆G
(Milch-kg)
30 %
30 %
20 %
50 %
20 %
310
455
310
758
310
734
500
500
500
500
20 %
14 %
20 %
8 %
10 %
1,40
1,59
1,40
1,86
1,76
96,7
99,2
95,9
102,5
100,8
P
KV
… Remontierungsrate auf dem Kuhvater – Pfad
i
KV
… Selektionsintensität auf dem Kuhvater – Pfad
∆G … Zuchtfortschritt im Merkmal Milch - kg
In der Arbeit von
RIEDL (1996) ergab sich, dass zur Steigerung des Zuchtfortschritts bzw. des Züchtungsgewinns
der Anteil an Testanpaarungen eine entscheidende Größe ist. Ein Optimum für den monetären Zuchtfortschritt im
Gesamtzuchtwert für die sächsische Rinderpopulation von damals 242 000 Kühen erhielt er bei einem Testanteil
von 50 % und für den Züchtungsgewinn bei 40 %. Die Anzahl jährlich zu selektierender Testbullen ist dabei ab-
hängig vom zu realisierenden Testanteil. Bei dem von ihm anzustrebenden Testanteil von 50 % lag das Optimum
für den Zuchtfortschritt bei 125 jährlich zu testenden Jungbullen.
DEKKERS et al. (1996) aus KÖNIG (2001) untersuchten die optimale Zuchtstruktur unter verschiedenen Szenarien
und mit verschiedenen Modellen. Aufgrund der Reduzierung im Generationsintervall und der möglichen schärfe-
ren Selektion der Altbullen stellten auch sie fest, dass der Zuchtfortschritt grundsätzlich mit steigender Testkapa-
zität zunimmt. Bei der Betrachtung des Züchtungsgewinns erkannten sie, dass bereits weniger Testbullen mit
dafür höheren Töchterzahlen die optimale Variante darstellt. Sie begründeten es damit, dass hohe Fixkosten für
jeden selektierten Jungbullen stärker ins Gewicht fallen als ein Anstieg in den variablen Züchtungskosten für die
größere Nachkommengruppengröße. Für ihre ökonomischen Bewertungen stellten sie die diskontierten Einnah-
men aus dem Spermaverkauf den diskontierten Züchtungskosten gegenüber.
HECKENBERGER (1991) fand den optimalen Testanteil je nach Populationsgröße und Anteil des aktiven Zuchtmate-
rials zwischen 40 % und 60 %. Bei
KALM et al. (2003) ergab sich beim Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn ein
Optimum bei 60 %, das Optimum für den monetären Zuchtfortschritt lag bei 50 %.
Sowohl
MOLL (1987) als auch SÖLKNER et al. (2000) haben ebenso in ihren Planungsrechnungen festgestellt, dass
für das von ihnen betrachtete Zuchtprogramm eine Ausdehnung der Kapazität der Eigenleistungsprüfstation von
Jungbullen zu einer deutlichen Verbesserung des monetären Selektionserfolges und des Züchtungsgewinns
führt.
SKJERVOLD (1963) beschrieb ein reines Jungbullenprogramm als die effizienteste Form eines Rinderzucht-
programms. Aus der Arbeit von KALM et al. (2003) geht hervor, dass bei großen Populationen größere Testkapazi-
täten zur Verfügung stehen und somit mehr Jungbullen mit einer ausreichenden Töchterzahl für die Nachkom-
menprüfung geprüft werden können. Auch
NEUNER et al. (2006) geben an, dass die Anzahl an Topvererbern so-
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

wohl mit zunehmender Bullenanzahl auf der Prüfstation als auch mit steigender Gruppengröße der Nachkommen
je Bulle steigt. Weil hohe Anforderungen an die Sicherheit der Zuchtwerte gestellt werden, ist dies nur mit einer
Mindestanzahl an Nachkommen zu erreichen.
SØRENSEN et al. (1999) stellten fest, dass eine Erhöhung der Töch-
terzahlen keine Verbesserung im Gesamtzuchtfortschritt bewirkt. Jedoch wird die Zusammensetzung des Zucht-
fortschritts zu Gunsten der funktionalen Merkmale verschoben. Eine Optimierung mehrerer Kriterien ist daher
nach
NEUNER et al. (2006) der alleinigen Erhöhung der Testkapazität vorzuziehen.
BERGFELD (2004) verglich in seiner Arbeit eine Vielzahl von Ergebnissen und fasste die wichtigsten Aussagen wie
folgt zusammen:
Das Optimum beim Testanteil ist sehr flach und von konkreten Bedingungen abhängig.
Eine Maximierung des Selektionserfolges ist mit vielen Prüftieren, einem hohen Testanteil und eher ge-
ringer Töchterzahl zu erzielen.
Ein hoher Züchtungsertrag ist hingegen mit höherer Töchterzahl und geringerem Testanteil zu erzielen.
Sind im Zuchtziel auch Merkmale mit geringer Heritabilität, so sind mehr Prüftöchter erforderlich.
Die Bullenvermarktung benötigt für stabile und differenzierte Zuchtwerte eher höhere Töchterzahlen.
Mit zunehmender Populationsgröße ist ein geringerer Testanteil nötig.
3.3 Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung
Hinsichtlich Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung hat Deutschland eines der modernsten Systeme (
BERG-
FELD
2005). Bei dem Verfahren der Zuchtwertschätzung werden Leistungs- und Abstammungsinformationen
miteinander verknüpft. Somit fließen die in den Leistungsprüfungen erfassten Merkmale, ausgehend vom Zucht-
ziel, in die Zuchtwertschätzung ein. Der Zuchtwert eines Tieres ist dessen genetische Leistungsveranlagung, bei
einem Gesamtzuchtwert wird von mehreren Merkmalsleistungen und Informationsquellen ausgegangen (
ALHUS-
SEIN
, 1993).
Für die Aufnahme eines Merkmals in das Zuchtziel werden von
BRADE und FLACHOWSKY (2005) folgende Bedin-
gungen genannt:
Die wirtschaftliche Bedeutung sollte gegeben sein.
Das Merkmal muss eine genügend große genetische Varianz s
g
² aufweisen.
Das Merkmal muss mit genügender Genauigkeit erfassbar/messbar sein.
Im Vorgängerprojekt „Entwicklung und Erprobung eines Prüfsystems für funktionale Merkmale für die Milchrind-
zucht im Freistaat Sachsen“ (
FIEDLER et al. 2004) wird ausführlich auf die verschiedenen Leistungsprüfungen und
Zuchtwertschätzverfahren eingegangen. Wichtige Gesetzesgrundlagen und Zuständigkeiten werden genannt,
wobei sich künftig durch die Änderung des Tierzuchtgesetzes Ende 2006 Veränderungen herauskristallisieren
werden. Des Weiteren werden die finanziellen Rahmenbedingungen der Leistungsprüfung und Zuchtwertschät-
zung durch eine abnehmende staatliche Förderung und schwieriger werdende wirtschaftliche Bedingungen zu-
nehmend komplizierter (
BERGFELD, 2005). Daher sollen einige Aspekte zu den für dieses Projekt relevanten Leis-
tungsprüfsystemen dennoch betrachtet werden. Abbildung 2 zeigt eine Übersicht über die Leistungsprüfung und
Zuchtwertschätzung in Sachsen.
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

Milchleistungsprüfung
Melkbarkeitsprüfung
Zuchtleistungsprüfung
Eigenleistungsprüfung
Bullen
Äußere Erscheinung
Kühe
ZW Milch
ZW Zellzahl
ZW Melkbarkeit und
Melkverhalten
ZW Zuchtleistung
ZW Nutzungsdauer
ZW Exterieur
ZW Fundamentstabilität
ZW Futteraufnahme
Körzuchtwert
ZW Exterieur
ZW Gesundheitsmerkmale
Gesamt-
Zucht-
wert
Gesundheitsmerkmale
Abbildung 2:
Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung in Sachsen (LfL, Faltblatt LP Rinderzucht)
3.3.1 Milchleistungsprüfung
Laut SWALVE (2006) verfolgt die Milchleistungsprüfung im Wesentlichen zwei Ziele, zum einen dienen die Rückbe-
richte und Auswertungen dem Management der Betriebe und zum anderen bilden die gewonnenen Daten die
Grundlage züchterischer Auswertungen. Unter allen Leistungsprüfungen ist insbesondere die Milchleistungsprü-
fung Voraussetzung für eine erfolgreiche Rinderzucht. Weil das Hauptmerkmal „Milchleistung“ geschlechtsge-
bunden ist, dominiert in der Zuchtarbeit die Nachkommenprüfung (
SWALVE, 2002). Die MLP liefert die Datengrund-
lage für die Zuchtwertschätzung aller Milchleistungsmerkmale. Die Leistungsprüfung ist in ihrer derzeitigen Hand-
habung gut standardisiert (
SWALVE, 2002). Die Kontrolldichte liegt in Sachsen bei ca. 94 %. Das Milchleistungsni-
veau der Kuh ist in Menge und Qualität ein Schlüsselfaktor in der Ökonomie der Milchviehhaltung und dem Ein-
kommen der Rinderzüchter (
DELLING UND MÜLLER, 2004). Der Anteil Kühe, welcher durch einen sächsischen Milch-
leistungsprüfer des Landeskontrollverbandes betreut wird, ist konstant hoch. Alternative Methoden werden jedoch
an Bedeutung gewinnen, weil Melktechnik und betriebliche Herdenmanagementprogramme sich rasant entwi-
ckeln (
DELLING und MÜLLER, 2004; BRADE und FLACHOWSKY, 2005). Der Gedanke über künftig sich verändernde
Prüfmethoden und Prüfverfahren wurde auch vom Sächsischen Landeskontrollverband e.V. bereits zum Interna-
tionalen Rindertag im Jahre 2004 aufgegriffen. In Bezug auf den Beratungsbereich wurde erkannt: „Neue, ver-
besserte Dienstleistungen für den Milcherzeuger sind die Antwort der LKV auf die einsetzende Degression der
Förderung aus der Gemeinschaftsaufgabe.“
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8
Schriftenreihe, Heft 5/2008

REENTS (2004) weist darauf hin, dass die Qualität eines Zuchtwertschätzverfahrens entscheidend von der Daten-
grundlage abhängt. Er gibt an, dass eine flächendeckende Leistungsprüfung bisher vor allem durch staatliche
Fördermittel möglich war. Zukünftig besteht in seinen Betrachtungen jedoch die Gefahr, dass mit dem Rückzug
des Staates aus der Finanzierung der Leistungsprüfung eine neutrale, fachlich hochstehende Grunddatenerhe-
bung schwierig zu gestalten sein wird. Er erkennt einen möglichen Rückzug aus der MLP, weil die Daten zum Teil
aus den Prozessrechnern im Betrieb genutzt werden können. Auch sieht er die Chance für eine umfassende
Datengrundlage zur Verbesserung von Gesundheitsmerkmalen durch die Aufzeichnungspflicht der Tierhalter in
Bezug auf Krankheitsbehandlungen. Dies sollte in integrierten Herdenmanagementsystemen erfolgen.
3.3.2 Eigenleistungsprüfung Bullen
Die Eigenleistung der Jungbullen entspricht einer Zweistufenselektion. Die Zuchtwahl der Tiere wird dabei in zwei
aufeinanderfolgenden Selektionsschritten vorgenommen. In der ersten Selektionsstufe werden die Jungtiere
geprüft. Neben dem Pedigree gehen die Wachstumsleistung, das Exterieur und eine Futteraufwandsprüfung in
das Prüfergebnis ein. In der zweiten Selektionsstufe werden die Bullen zusätzlich anhand der Nachkommenprü-
fung ihrer Töchter bewertet. Nur die bestgeprüften Jungbullen kommen nach ihrer Wartezeit als Altbullen zum
Wiedereinsatz. In der Eigenleistungsprüfung auf Station besitzen funktionale Merkmale wie die Futteraufnahme
bereits eine hohe Bedeutung. Die erfassten Merkmale in der ELP lassen sich in einer Stationsprüfung gegenüber
einer Feldprüfung wesentlich leichter und kostengünstiger aufnehmen (
FIEDLER et al. 2004). In Sachsen erfolgt die
Eigenleistung der Bullen in der Prüfstation Meißen-Korbitz. Im Jahr 2005 wurden 208 Bullen geprüft. Die Prüf-
dauer beträgt 253 Tage (112. – 365. Lebenstag).
3.3.3
Testherden - Nachkommenprüfung
Nach
KÖNIG (2001) bietet das Testen von Jungbullen in vertraglich gebundenen Betrieben die Möglichkeit, gezielt
große Herden auszuwählen. Damit ist der Testeinsatz dahingehend steuerbar, dass die effektive Töchterzahl
erhöht werden kann. Er ist der Meinung, dass von einem Bullen ein höherer Zuchtwert zu erwarten ist, wenn er
bei gleicher Töchterzahl und gleicher Leistungsabweichung der Töchter in größeren Herden zum Einsatz kommt.
Weiterhin stellte er heraus, dass auf modernen Milchviehbetrieben mit entsprechend großen Tierzahlen höhere
Heritabilitäten vorliegen. Durch eine Optimierung der Umwelt sind somit genetische Unterschiede stärker sichtbar
(
KÖNIG, 2001; PLATEN, 2003). Er empfiehlt, den Testeinsatz der Bullen auf diese moderne Betriebsstrukturen zu
konzentrieren und spezielle Testherden einzurichten. Eine zusätzliche Merkmalserfassung in den Gesundheits-
merkmalen wird u. a. auch von
SWALVE (2004b), LEISEN (2004) und KEHR et al. (2006) favorisiert. SWALVE (2006)
arbeitet heraus, dass die nicht flächendeckende Erfassung von Exterieurdaten ein Beispiel dafür ist, eine sinnvol-
le Datenerhebung durchzuführen. Eine anzustrebende Anzahl an Testherden ermittelte
ALPERS (1996) mit folgen-
den Ergebnissen (Tabelle 4 in
SWALVE 2006).
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9
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Tabelle 4:
Anzahl benötigter Herden zur Testung von 50 Bullen in Abhängigkeit von der gewünschten
Zahl der Töchter in Milch bei einer Wiederfindungsrate von 1:5 (ALPERS, 1996 in SWALVE, 2006)
Töchter je Bulle
Herdengröße
60
80
100
120
200
400
600
800
1 000
1 200
1 400
1 600
1 800
2 000
75
38
25
19
15
13
11
9
8
7
100
50
33
25
20
17
14
12
11
10
125
62
41
31
25
21
18
16
14
12
150
75
50
37
30
25
21
19
17
15
Voraussetzung für die hier berechneten Werte ist eine Testanpaarung von allen Kühen innerhalb der Testherden.
SWALVE (2006) gibt dabei zu bedenken, dass auch Altbullen in Testherden geprüft werden sollten, um eine Ver-
netzung der Daten für nationale Zuchtwertschätzungen zu gewährleisten und das Vertrauen in die geschätzten
Zuchtwerte zu erhalten. Er errechnet die Anzahl der anzustrebenden Testherden mit folgender Schätzformel:
Zahl der Herden = (WFR * Tö/Bulle * Zahl der TB) / Herdengröße
(WFR … Wiederfindungsrate = Anzahl Töchter in Milch : Anzahl ausgegebener Spermaportionen je TB)
(Tö/Bulle … Anzahl Töchter je Bulle)
(TB … Testbullen)
SWALVE (2006) ermittelt eine anzustrebende Testanpaarung mit Jungbullen in Testherden von 50 % – 60 %.
3.3.4
Testherden - Gesundheitsmerkmale
BERGFELD (2004) stellt wie REENTS (2004) heraus, dass sich die Verfahren der Leistungsprüfungen in Zukunft
differenzieren werden. Er gibt die klare Aussage, dass Leistungsprüfungen nur dann finanzierbar sind, wenn für
den Landwirt ein interessanter betrieblicher Nutzen vorhanden ist. Trotzdem werden an die Prüfsysteme zusätzli-
che Anforderungen gestellt, um die funktionalen Merkmale zukünftig stärker zu berücksichtigen.
Die Möglichkeit der Nutzung vertraglich gebundener Testherden für einen konzentrierten Testeinsatz und für eine
zusätzliche Datenerfassung wird auch von ihm favorisiert. In der folgenden Abbildung 3 stellt
BERGFELD (2004) die
Vor- und Nachteile einer flächendeckenden Leistungsprüfung heraus.
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10
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image
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image
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image
Abbildung 3:
Vorteile und Nachteile einer flächendeckenden Leistungsprüfung in der Milchrindzucht
nach
BERGFELD (2004)
Das wichtigste Argument für die Abkehr von flächendeckenden Leistungsprüfungen hin zu Testherden sieht auch
SWALVE (2006) in der möglichen Verbesserung funktionaler Merkmale. Er weist darauf hin, dass solche Merkmale
ausgewählt werden sollen, die im physiologischen Sinne dem Zuchtzielmerkmal nahe stehen. Auch
BERGFELD und
KLUNKER
(2002)
sehen eine stärkere Einbeziehung funktionaler Merkmale in die zukünftige Rinderzucht als eine
Notwendigkeit.
SWALVE (2006) gibt zu bedenken, dass schon bei der Erfassung der Grunddaten hohe Anforderungen an die Qua-
lität der betrieblichen Dokumentation zu stellen sind und vom Betrieb eine Bereitschaft zur zusätzlichen Datener-
hebung vorhanden sein muss.
Zur zusätzlichen Datenerfassung in Testherden gibt es mehrere Pilotprojekte, unter anderem auch in Sachsen in
Zusammenarbeit von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft, dem Sächsischen Landeskontroll-
verband e.V. und dem Sächsischen Rinderzuchtverband e. G. unter dem Titel „Entwicklung und Erprobung eines
Prüfsystems für funktionale Merkmale für die Milchrindzucht im Freistaat Sachsen“ (2003 – 2004) sowie das dar-
auf aufbauende Projekt „Analyse genetischer Einflussfaktoren auf Gesundheitsmerkmale beim Milchrind und
Ableitung züchterischer Maßnahmen“ (2004 – 2006). Ziel dieser beiden Projekte war es, aufgrund eines enormen
Leistungsanstiegs den gegenwärtig bedenklichen Problemen im Bereich der Nutzungsdauer bzw. den vorzeitigen
Abgängen durch Krankheiten, den erhöhten Kälberverlusten und erhöhten Fruchtbarkeitsstörungen verbunden
mit wirtschaftlichen Verlusten und relevanten Tierschutzaspekten, züchterisch entgegenzusteuern und neue Prüf-
systeme zu entwickeln (
BERGFELD, 2005; KEHR et al. 2006). Mit der Schaffung eines solchen Prüfsystems soll die
bessere Erfassung funktionaler Merkmale, eine höhere Genauigkeit der Zuchtwertschätzung, eine Verbesserung
des Prüfplanes, eine bessere Wiederfindungsrate, Effizienzsteigerung und Kosteneinsparung beim Testpro-
Stichprobengröße
Erfassung aller Umweltbedin-
gungen
Flächendeckende Management-
effekte
Flächendeckende
Vorteile
Leistungsprüfung
Nachteile
Eingeschränktes Datenspektrum
Datenqualität
Grobe Erfassung Umwelteffekte
Kosten
Zusätzlich:
Gezielte
Prüfung
in
Prüfstationen
und
vertraglich
gebunde-
nen
Betrieben
Testbetriebe
Bullenmütter-
prüfstationen
ELP-Stationen
Zuchtwertschätzung
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11
Schriftenreihe, Heft 5/2008

gramm möglich sein. Es entstand der Aufbau eines Testherdensystems in Sachsen mit bisher 13 teilnehmenden
Betrieben. Die oben genannten Kriterien wurden bei der Auswahl der Betriebe in diesen Projekten bereits berück-
sichtigt. In den Testherden werden zusätzliche Merkmale erfasst. Neben zahlreichen Gesundheitsmerkmalen
werden Exterieurdaten von Kühen in der zweiten Laktation und Klauenpflegerdaten erhoben und ausgewertet. Im
Rahmen der Projekte fand eine Reihe populationsgenetischer Auswertungen statt. Seit Februar 2006 werden für
ausgewählte Gesundheitsmerkmale zusätzliche Zuchtwertschätzmodelle durchgeführt. Die Schätzung findet
dreimal pro Jahr zum Zeitpunkt der offiziellen Zuchtwertschätzung statt. In die Zuchtwertschätzung gehen drei
Merkmalskomplexe mit einer Gewichtung von 1 : 1 mit insgesamt sieben Einzelmerkmalen ein (Abbildung 4).
1. Fundament:
Mortellaro : Panaritium : Sohlengeschwür
->
1 : 1 : 1
2. Euter: Klinische Mastitis -> 1
3. Fruchtbarkeit:
Endometritis : Zyklusstörungen : Zysten
->
2 : 1 : 1
Abbildung 4:
Modell der Zuchtwertschätzung für Gesundheitsmerkmale (LfL Sachsen)
Zusätzlich werden betriebsindividuelle Auswertungen erstellt, die auch einen Vergleich zu den übrigen Testbe-
trieben beinhalten und für Managemententscheidungen genutzt werden können.
JUNGE (2004) stellt in seinem Bericht die Ergebnisse zu einem weiteren Pilotprojekt bezüglich Testherden vor. In
Zusammenarbeit mit der Nord-Ost-Genetik und dem Institut für Tierzucht der Universität Kiel wurden in vertraglich
gebundenen Betrieben Nachkommenschaften erstellt und seit 1998 Daten zu funktionalen Merkmalen erhoben.
Ziel war auch hier die Verbesserung in diesen Merkmalen. Dazu wurden alle Mastitisbehandlungen aufgezeichnet
sowie Daten zum Kalbeverlauf, Geburtsgewichte und Totgeburtenraten erfasst.
JUNGE (2004) gab als Ergebnis im Rahmen des Pilotprojektes folgende ermittelte Heritabilitäten an:
Tabelle 5: Schätzwerte für die genetischen Parameter für die Schwer- und Totgeburtenrate sowie das
Geburtsgewicht aus
JUNGE (2004)
Merkmal
Heritabilität
Mastitisanfälligkeit
Somatische Zellzahl
Schwergeburten
Totgeburten
Geburtsgewicht
0,17
0,14
0,06
0,014
0,62
Im Ergebnis des Projektes wurde ermittelt, dass im Vergleich zur alleinigen Berücksichtigung der Merkmale Kal-
beverlauf und Totgeburtenrate gegenüber der Kombination dieser Merkmale mit dem Informationsmerkmal Ge-
burtsgewicht die mittleren Genauigkeiten der Zuchtwerte für das Zuchtzielmerkmal Schwergeburtenrate um 33 %
und für das Merkmal Totgeburtenrate um 24 % gesteigert werden konnte. Zwar weisen die beiden Zielmerkmale
sehr geringe Heritabilitäten (
JUNGE, 2004; SWALVE, 2004b) auf, jedoch ist in der Kombination mit dem Geburtsge-
wicht mit einer hohen Heritabilität und engen genetischen Korrelationen von 0,66 zur Schwergeburtenrate und
0,30 zur Totgeburtenrate ein züchterischer Erfolg zu verzeichnen.
Auch in diesem Projekt stellt sich heraus, dass eine flächendeckende Prüfung auf funktionale Merkmale als unre-
alistisch erscheint.
JUNGE (2004) gibt an, dass diese Betriebe eine ausreichende Kuhzahl aufweisen müssen, um
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12
Schriftenreihe, Heft 5/2008

den Betreuungsaufwand zu senken. Des Weiteren sind eine gute technische Ausstattung und eine Motivation zur
Mitarbeit in der Datenerhebung notwendig.
In einem gemeinsamen Projekt der Universitäten Göttingen und Halle-Wittenberg wurde untersucht, welcher
Zuchtfortschritt für das Zielmerkmal Klauenerkrankung möglich ist, wenn neben den Exterieurmerkmalen des
Fundaments eine direkte Erfassung von Klauenerkrankungen erfolgt. Dazu standen Klauenmessungen an Jung-
bullen aus insgesamt vier Aufzuchtstationen zur Verfügung.
KÖNIG und SWALVE (2006) schlussfolgerten aus die-
sem Projekt, dass eine Selektionswürdigkeit auf Klauenbefunde gegeben ist. Im Ergebnis erhielten sie, dass bei
vorliegenden Befunden der wichtigsten Klauenkrankheiten von mindestens 50 Töchtern je Testbulle und der
Berücksichtigung in der Zuchtwertschätzung der Bullen, sich die Frequenz der kranken Kühe gegenüber einer
alleinigen Selektion über Exterieurmerkmale mehr als halbieren könnte. Sie schlussfolgern, dass die direkte Er-
fassung von Krankheitsmerkmalen nicht nur erfolgversprechend im Bezug auf Klauenerkrankungen ist, sondern
weitere Gesundheitsmerkmale erfasst werden sollten.
ANACKER und GERNAND (2006) bestätigen die Möglichkeit der züchterischen Verbesserung der Klauengesundheit.
Sie untersuchten seit 1996 erhobene Klauendaten aus der ELP Station Meißen. Seit 2002 werden die Untersu-
chungen an Bullen in der ELP Station Nordhausen weitergeführt. Für ihre Auswertungen standen Daten von
1 240 Prüfbullen, 124 Wartebullen und 799 Prüftöchtern zur Verfügung. Sie berechneten Heritabilitäten von ein-
zelnen Klauenmerkmalen in einem züchterisch verwertbaren Bereich zwischen 0,10 und 0,50. Die Schätzwerte
der Prüftöchter waren dabei vergleichbar mit den ermittelten Schätzwerten der Bullen. Einzige Ausnahme war das
Merkmal der Klauenhärte. Hier wurden für die Töchter mit 0,25 und 0,37 deutlich höhere Werte ermittelt. Aus
ihren Untersuchungen schlussfolgerten
ANACKER und GERNAND (2006), dass auch auf der Basis weiblicher Tiere
Heritabilitäten und genetische Standardabweichungen geschätzt werden können. Für Bullen geben sie die Aus-
sage, dass ausreichend hohe Heritabilitäten für ausgewählte Merkmale eine Berücksichtigung in der Zuchtwert-
schätzung und damit eine Selektion in einem frühen Lebensalter noch vor dem Testeinsatz der Bullen möglich ist.
Eine flächendeckende Erfassung von Klauenkrankheiten scheint jedoch auch hier als unrealistisch.
Die Etablierung eines Testherdensystems sehen
KÖNIG und SWALVE (2006) als mögliche Umsetzungsstrategie.
Sie fordern, dass dieses Potenzial genutzt werden muss, um in Zukunft im internationalen Vergleich konkurrenz-
fähig zu sein.
An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gibt es weitere Projekte wie „Zuchtprogramme in der Milchrind-
zucht mit besonderer Berücksichtigung des Testens von Nachkommenschaften in Vertragsbetrieben und von
stationären Prüfungen für Bullenmütter“ und „Zuchtzielsetzung für Deutsche Holsteins unter besonderer Berück-
sichtigung der Zucht auf Verbesserung der Langlebigkeit und des Exterieurs“. Ergebnisse aus diesen Projekten
sind teilweise im Literaturteil mit aufgegriffen. Weitere Projekte laufen in Mecklenburg-Vorpommern.
Es wird aus allen Projekten deutlich, dass sich die Zucht auf funktionale Merkmale lohnt. Trotz niedriger Heritabili-
täten und schwieriger Merkmalserfassung werden oft beachtliche genetisch nutzbare Variabilitäten beobachtet
(
BERGFELD, 2005). Er stellt heraus, welche Möglichkeiten es generell gibt, um funktionale Merkmale züchterisch
stärker zu berücksichtigen:
höhere Wichtung dieser Merkmale im Zuchtziel
genauere, differenzierte sowie möglichst auch frühere Merkmals- oder Hilfsmerkmalserfassung
Nutzung von molekulargenetischen Informationen (genetische Marker)
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
13
Schriftenreihe, Heft 5/2008

3.3.5
Testherden - Ländervergleich
Neuseeland arbeitet schon seit 1961 mit ca. 400 Testherden, in welchen die Nachzuchtprüfung durchgeführt wird.
Pro Jahr werden rund 300 Testbullen eingesetzt, die ca. 70 Töchter in der Nachkommenprüfung haben. In den
Testherden wird fast ausschließlich Testbullensperma eingesetzt. Insgesamt sind ungefähr 130 000 Kühe im
Programm.
In Schweden führt man seit knapp 30 Jahren eine Zuchtwertschätzung für Mastitis und Tochterfruchtbarkeit
durch. In Dänemark wurde erstmalig 1992 eine Zuchtwertschätzung für Mastitis durchgeführt. Tabelle 6 zeigt die
Gewichtung der einzelnen Merkmale im Gesamtindex für die skandinavischen Länder Norwegen, Schweden und
Dänemark, zusammengestellt von Bo (2004).
Tabelle 6:
Selektionsmerkmale und Gewichtung im Gesamtindex in skandinavischen Ländern
(B
O, 2004)
Schweden
Norwegen
Dänemark
Tabelle – SRB Selektionsmerkmale
Tabelle – NRF Selektionsmerkmale
Tabelle – HOF Selektionsmerkmale
Merkmale Gewichtung Merkmale Gewichtung Merkmale Gewichtung
Leistung
30 %
Leistung
24 %
Leistung
34 %
Fleischqualität
6 %
Mastitisresistenz
22 %
Fleischproduktion
5 %
Fruchtbarkeit 10 % Euter 15 % Fruchtbarkeit 9 %
Kalbeverlauf Bulle
3 %
Fruchtbarkeit
15 %
Kalbeverlauf
6 %
Kalbeverlauf MV
6 %
Fleischqualität
9 %
Eutergesundheit
14 %
Mastitisresistenz
12 %
Fundament
6 %
Übrige Gesundheit
2 %
Andere Krankheiten
3 %
Temperament
4 %
Körper
2 %
Euter
12 %
Andere Krankheiten
3 %
Fundament
5 %
Fundament
6 %
Kalbeverlauf
2 %
Euter
9 %
Temperament
3 %
Melkbarkeit
6 %
Nutzungsdauer
6 %
Temperament
2 %
Größe
3 %
Nutzungsdauer
6 %
Die nordischen Länder erkannten schon früh die Wichtigkeit der Gesundheitsmerkmale. B
O (2004) begründete
dies mit dem Ziel der Vermeidung von reduzierten Tierkomfort und ökonomischen Verlusten. Krankheiten fordern
zusätzliche Tierarztbehandlungen, zusätzlichen Arbeitsaufwand, eine sinkende Milchproduktion, weggeworfene
Milch und unfreiwilliges Schlachten. Er verbindet dies mit einem generellen ethischen Gesichtspunkt und mit einer
einhergehenden Akzeptanz beim Verbraucher.
SIMIANER und KÖNIG (2002) sehen die genetische Überlegenheit
der skandinavischen Länder bezüglich des Komplexes Eutergesundheit als Beweis für das Funktionieren eines
solchen Systems.
In Österreich gibt es ein sogenanntes „Gesundheitsmonitoring RIND“. Projektträger ist die Zentrale Arbeitsge-
meinschaft österreichischer Rinderzüchter (ZAR). Im Rahmen des Projektes werden Gesundheitsdaten aus ca.
1 600 teilnehmenden Betrieben erfasst und Gesundheitsberichte für die Züchter erstellt (
EGGER-DANNER et al.
2006). Zuchtwerte für Gesundheitsmerkmale werden frühestens 2010 geschätzt. Die österreichische Rinderzucht
ist seit vielen Jahren auf ein auch international anerkanntes fitnessbetontes Zuchtziel ausgerichtet.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
14
Schriftenreihe, Heft 5/2008

SWALVE (1999) fasste die Vorteile für ein Testherdenprogramm wie folgt zusammen (in SWALVE 2006):
Sicherung der Testkapazität in Zeiten rückläufiger Besamungszahlen
Erhebung von Merkmalen zusätzlich zu denjenigen aus der flächendeckenden MLP
Verbesserung der Wiederfindungsrate
Effiziente Verteilung der Testbullen nach Versuchsplan
Schaffung einer Datengrundlage für molekularbiologische Untersuchungen und der Anwendung marker-
gestützter Selektion
Vereinfachte Logistik der Besichtigung der Nachkommengruppen
Neben den züchterischen Vorteilen ergibt sich auch für den teilnehmenden Betrieb ein Zusatznutzen aus der
verbesserten Dokumentation und Leistungserfassung (SWALVE 2006). Die Ergebnisse unterstützen betriebliche
Managemententscheidungen, so dass der zusätzliche Aufwand für die Datenerfassung wieder entschädigt wird.
Des Weiteren hat der Betrieb den Vorteil, schon frühzeitig die neueste Genetik in seinem Bestand zu haben.
SWALVE (2006) gibt zu bedenken, dass aber auch Negativvererber vorhanden sind und über eine Regelung dies-
bezüglich nachgedacht werden muss.
3.3.6 Biotechnologie
Obwohl in den letzten Jahren durch den zur Routine gewordenen Einsatz des Embryonentransfers alternative
Zuchtprogramme, sogenannte MOET-Nukleuszuchtprogramme (MOET Multiple Ovulation and Embryo Transfer)
entwickelt und diskutiert wurden, dominieren gegenwärtig weiterhin herkömmliche konventionelle Besamungs-
zuchtprogramme mit angeschlossener Nachkommenprüfung für Jungbullen. Im Bereich der Biotechnologie ist seit
vielen Jahren die Künstliche Besamung ein fester Bestandteil in der Rinderzucht. Sie ermöglicht eine starke Ver-
mehrung männlicher Tiere.
KB
MLP
Herdbuch
Bullenmütter
Aufzucht der Bullen-
kälber
Testbullen
Wartebullen
Nachkommen-
prüfung Milch, etc.
Bullenväter
Kuhväter
Gesamtpopulation
Abbildung 5:
Schema eines konventionellen Besamungs-Zuchtprogramms von
KÖNIG (2001) nach
SKJERVOLD (1966)
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
15
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Abbildung 5 zeigt das Schema eines konventionellen Besamungs-Zuchtprogramms. Bullenmütter werden aus der
Herdbuchpopulation selektiert und mit Elitebullen angepaart. Es entstehen die Bullen der nächsten Generation.
Diese werden nach der Aufzucht als Testbullen eingesetzt und die erzeugten Töchter dienen, hauptsächlich
durch die MLP, zur Nachkommenprüfung. Während der langen Zeit von der Aufzucht der Töchter bis zum Ende
ihrer 1. Laktation werden die Testbullen als Wartebullen gehalten. Aus der Nachkommenprüfung werden Zucht-
werte für die Testbullen geschätzt. Danach kann unter den Wartebullen erneut selektiert werden: Spitzenbullen
werden Bullenväter, Kuhväter mit positiven Zuchtwert gehen in den breiten Einsatz und der größte Teil der War-
tebullen wird gemerzt.
Der Vorteil von modernen Zuchtprogrammen mit Einsatz des Embryonentransfers liegt besonders in einer höhe-
ren Selektionsintensität im Bullenmütterpfad sowie im Kuhmütterpfad und in der Nutzung von Vollgeschwisterin-
formationen für die Zuchtwertschätzung.
RIEDL
(1996)
erhielt eine Erhöhung des monetären Zuchtfortschritts
bzw. Züchtungsgewinns um 10 % bei Einsatz des Embryonentransfers.
3.3.7 Bullenmütterprüfstation/Bullenmütterselektion
Die Bullenmütter im Rahmen der Sächsischen Rinderzucht werden weltweit selektiert.
BRADE (2004) spricht von
einem international offenen Zuchtprogramm, wobei 30 – 40 % der Testbullen von sächsischen Betrieben erzeugt
werden.
KÖNIG (2001) stellte in der bisherigen Bullenmütterselektion erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedens-
ten Zuchtorganisationen heraus und gab an, dass im Gegensatz zu dem im Wesentlichen festgelegten Selekti-
onsstrategien bei den Bullenvätern sich bei der Selektion der Bullenmütter erheblich mehr Gestaltungsraum im
Zuchtprogramm bzw. Verbesserungsstrategien bietet. Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung ergeben sich auch
durch Nutzung der neuesten Erkenntnisse aus Molekulargenetik und Biotechnik (
KÖNIG 2001; SWALVE 2003; LEI-
SEN
2004, SCHWERIN et al. 2006). Hier genannt werden nur kurz Stichworte wie markergestützte Selektion, Sper-
masexing und In-Vitro-Techniken. Ein solch modernes Zuchtprogramm wird in Abbildung 6 dargestellt. Allerdings
müssen die hohen anfallenden Kosten berücksichtigt werden. Die OPU/IVP-Anwendung kann als Ergänzung zum
ET-Verfahren genutzt werden. Der Vorteil einer zentralen Bullenmütterstation wie sie beim SRV seit 1999 durch
die TESSA-Station vorliegt, ist vor allem in den einheitlichen Umweltbedingungen aller Kühe zu finden. Eine ge-
zielte Beeinflussung und Sonderbehandlung von als „wertvoll“ eingestuften Kühen ist durch den Züchter nicht
möglich. In Sachsen erfolgt die Prüfung 180 Tage in der ersten Laktation. Im Jahr 2005 wurden 36 Kühe geprüft.
Im Jahr 2007 wurde die Prüfung ausgesetzt. Des Weiteren gibt es zwei Bullenmutterprüfstationen in Deutschland,
zum einen integriert in das Embryo-Transfer Donor-Testprogramm der Osnabrücker Herdbuch Gesellschaft und
zum anderen ein Färsenspülprogramm der Nord-Ost Genetic GmbH & Co. KG in Karkendamm.
JUNGE und STAMER (2006) fassen die Vorteile einer Bullenmütterprüfstation wie folgt zusammen:
höhere Genauigkeit der Zuchtwertschätzung, durch standardisierte Umweltbedingungen und höhere
Heritabilitäten
Ausschluss von Sonderbehandlungen
höhere Herdendichte
leichtere Erfassung funktionaler Merkmale (Eigenleistung)
leichtere Organisation von Maßnahmen im Bereich der Biotechnologie
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16
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Den Nachteil von Bullenmutterprüfstationen sehen sie in den höheren Kosten. Als Bedingung für einen Erfolg
fordern sie, dass die Umwelt- und Managementbedingungen in etwa gleich sind mit der Produktionsumwelt im
Feld, um Genotyp-Umwelt Interaktionen zu vermeiden.
In Modellrechnungen von
ALPERS (1996) ergab sich ein um 15 - 17 % höherer Zuchtfortschritt im Merkmal Eiweiß-
kilogramm durch die Prüfung von Bullenmüttern auf Station (in JUNGE und STAMER 2006).
Population unter Milchleis-
tungskontrolle
Testherden
Bullenmütterteststation
geprüfte Bullen
(gesexter Samen)
Potentielle Bullenmütter
(Pedigree/Index, Markerselektion)
Elitebullen
(gesexter Samen)
Anpaarung mit
gesextem Samen
Bullenmütter mit männ-
licher Nachzucht
Weibliche Kälber
(markerselektiert)
Bullen von positiv getesteten
Bullenmüttern
Bullenkälber
(markerselektiert)
Herdbuchpopulation
Abbildung 6:
Modernes Zuchtprogramm für Milchrinder nach
SWALVE (2004a)
Auch
BERGFELD (2004) sieht die Gründe für eine stetige Weiterentwicklung der Prüfsysteme als einen kontinuierli-
chen Prozess zur Anpassung an sich verändernde Rahmenbedingungen, insbesondere
zunehmender Kostendruck auf die Milchproduktion
stärkere züchterische Berücksichtigung funktionaler Merkmale durch Produktion im physiologischen
Grenzbereich
rückläufige staatliche Förderung der Leistungsprüfung
neue technische Lösungen im Herdenmanagement
Entwicklungen in der Bio- und Gentechnik sowie der Informationstechnik.
3.3.8 Globalisierung/Interbull-Zuchtwertschätzung
Im Zuge der Globalisierung gibt
KÖNIG (2001) folgende Empfehlungen für die Zuchtorganisationen: Der Testein-
satz der Bullen sollte international ausgerichtet sein. Dabei sollte jeder Bulle in wenigen Ländern in etwa die glei-
che Anzahl Töchter haben. Somit könnte das Problem der internationalen Zuchtwertschätzung umgangen und
den Züchtern ‚nachvollziehbare’ Ergebnisse geliefert werden. Seine Idealvorstellung beruht ebenfalls darauf, dass
der Testeinsatz in speziellen Testherden stattfindet, die dem Großteil der jeweiligen landestypischen Produkti-
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17
Schriftenreihe, Heft 5/2008

onsstruktur entsprechen. Dadurch sind die Bullen unter den Umweltbedingungen selektiert, unter denen auch ihre
Nachkommen die Leistung erbringen müssen. Kleine Zuchtprogramme hält er für nicht mehr konkurrenzfähig und
fordert grenzüberschreitende Prüfprogramme und Paralleltests. Er sieht den Vorteil in einer besseren genetischen
Verknüpfung des Datenmaterials und der Erschließung neuer Absatzmärkte über Landesgrenzen. Er stellt her-
aus, dass das Testen von 100 Töchtern in Deutschland und 20 Töchtern im Ausland eine Alternative zu her-
kömmlichen Zuchtprogrammen darstellt. Er gibt weiterhin an, dass die Wahrscheinlichkeit, einen guten deutschen
Bullen durch Einbeziehung dieser ausländischen Töchter in Deutschland zu verschlechtern, wesentlich geringer
ist, als einen guten deutschen Bullen im Ausland zu verbessern. Somit kann das Vermarktungspotenzial dieses
Bullen erheblich zunehmen.
KÖNIG (2001) verglich das genetische Niveau der verschiedensten Länder. In seinen
Ergebnissen wird dargelegt, dass Deutschland in den Produktionsmerkmalen zwar unterlegen ist, aber im Bezug
auf das Exterieur deutliche Vorteile zeigt.
Die Rinderzuchtorganisation wird wie jeder auf dem Markt agierender Anbieter durch die wirtschaftlichen Rah-
menbedingungen beeinflusst.
POTT (1999) und LEISEN (1999) in KÖNIG (2001) sehen als logische Schlussfolge-
rung, dass in Zukunft eine Zuchtorganisation insbesondere gegenüber ausländischen Anbietern nur konkurrenz-
fähig bleibt, wenn Zusammenschlüsse auf nationaler Ebene stattfinden. Im weiteren Verlauf dieses Berichtes
werden verschiedene Szenarien diesbezüglich mit Hilfe von Modellrechnungen kalkuliert.
3.4 Zuchtziel
Bei der Beschreibung des Zuchtzieles für die Rasse Deutsche Holstein orientiert sich das sächsische Zuchtpro-
gramm an den Vorgaben des Deutschen Holsteinverbandes e.V. Tabelle 7 zeigt die Wichtungen des Gesamt-
zuchtwertes (RZG) und des Zuchtindex Sachsens.
Tabelle 7:
Vergleich Zuchtindex Sachsen zum RZG aus
BRADE (2004)
RZM
RZN
RZE
RZS
RZZ
RZG
ZIS
50 %
62 %
25 %
4 %
15 %
18 %
5 %
12 %
5 %
4 %
Ein Gesamtzuchtwert wurde erstmals im Jahre 1997 definiert und kombiniert die züchterisch bedeutsamen
Merkmale entsprechend ihrer Gewichtung im Zuchtziel. Die Milchleistung wird mittlerweile nur noch mit 50 %
gewichtet, der Rest liegt auf den funktionalen Merkmalen und davon die Hälfte auf der Langlebigkeit. 1995 wurde
ein Zuchtindex Sachsen (ZIS) eingeführt. Mit dem ZIS ist unter Berücksichtigung der Teilzuchtwerte Milch (RZM),
Nutzungsdauer (RZN), Exterieur (RZE), Zellgehalt (RZS) und Zuchtleistung (RZZ) eine gezielte Selektion auf
Fett- und Eiweißmenge bzw. Eiweißgehalt angestrebt. Dafür wurde ein spezieller Relativzuchtwert Milch
(RZM
Sachsen
) entwickelt, der mit 62 % am stärksten im ZIS gewichtet ist.
RZM
Sachsen
= 1 * ZW
Fettmenge
+ 8 * ZW
Eiweißmenge
+ 10 * ZW
Eiweißgehalt
Der Schwerpunkt der sächsischen Zuchtarbeit liegt weiter in der Verbesserung der Fundaments- und Euterquali-
tät. Eine lange Nutzungsdauer wird angestrebt.
Die Merkmale des Zuchtziels werden mit Hilfe der Grenznutzen ökonomisch gewichtet. Dieser gibt an, um wie viel
der Gewinn ansteigt, wenn das Merkmal vom Mittelwert ausgehend um eine Einheit erhöht wird, wenn für die
anderen berücksichtigten Merkmale die Populationsmittelwerte unterstellt werden. Die Berechnung der Grenznut-
zen birgt jedoch nach
SWALVE (2003) folgende Schwierigkeiten in sich:
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18
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Planungshorizont und Zukunftsorientierung
Aufgrund des langen Generationsintervalls beim Rind sind zukünftige Preis- und Kostenrelationen aus-
schlaggebend.
Durchschnittsorientierung und Annahme von Szenarien
Ökonomische Kalkulationen verlangen eine Annahme über eine gewisse durchschnittliche Situation. In
einzelnen Betrieben kann die Situation mehr oder weniger zutreffen. Es wird daher versucht, zahlreiche
Szenarien zu untersuchen, aus denen der Tierzüchter auswählen muss.
Er gibt weiterhin an, das bei den funktionalen Merkmalen erschwerend hinzukommt, das die Relation zwischen
dem biologischen Merkmal und einer Kosteneinsparung häufig nicht linear ist.
In der Arbeit von
KALM et al. (2003) wurde untersucht, wie sich eine Veränderung der ökonomischen Gewichte zu
Gunsten der funktionalen Merkmale auswirkt. Es wurde ermittelt, wie sich der naturale Zuchtfortschritt von Leis-
tungsmerkmalen verändert, wenn die wirtschaftlichen Gewichte der funktionalen Merkmale um 50 % bzw. um 100
% erhöht werden. Es ergab sich, dass die naturalen Zuchtfortschritte in den Leistungsmerkmalen mit Erhöhung
der wirtschaftlichen Gewichte stark zurückgehen. Im Merkmal Milchleistung führte eine 100-%ige Erhöhung der
ökonomischen Gewichte der funktionalen Merkmale zu einem Rückgang des naturalen Zuchtfortschritts um 52 %.
Auch
BAUMUNG et al. (2001) erhielten gleiche Tendenzen. Diese wurden von KALM et al. (2003) mit einem Rück-
gang des naturalen Zuchtfortschritts um ca. 38 % beschrieben. Dagegen steigen bei beiden Untersuchungen die
naturalen Zuchtfortschritte in den funktionalen Merkmalen mit zunehmender Gewichtung im Zuchtziel.
KALM et al.
(2003) erhielten ein nur geringes ökonomisches Risiko bei einer Erhöhung der wirtschaftlichen Gewichte für funk-
tionale Merkmale um 50 %. Die niedrigeren Zuchtfortschritte in den Milchleistungsmerkmalen und somit Produkti-
onsmerkmalen werden fast kompensiert von den höheren Zuchtfortschritten in den funktionalen Merkmalen. Die
ökonomische Effizienz sank lediglich um 3 %.
Durch große Prüfgruppen in den Besamungsstationen ergibt sich nach
NEUNER et al. (2006) auch für die funktio-
nalen Merkmale mit geringer Erblichkeit ein Zuwachs in der Sicherheit der Zuchtwerte.
Grenznutzen wurden unter anderen ermittelt in den Arbeiten von
RIEDL (1996), WÜNSCH und BERGFELD (2001),
HOFFMANN
und KALTENECKER (1994), HECKENBERGER (1991) und PATSCH (2002). Diese sind in der Tabelle 9 darge-
stellt.
MACK (1996) und LIND (2006) rechneten ebenfalls Grenznutzen. Kommt es zu einer Veränderung im Aus-
gangsszenario in den Preis- und Kostenkomponenten, so verändern sich auch die Grenznutzen. Dies führt zu
einer unterschiedlichen Gewichtung der Merkmale im Zuchtablauf. Schon bei
NIEBEL et al. (1974) beschrieben,
verändern sich damit auch primär die naturalen Zuchtfortschritte des direkt beeinflussten Merkmals, die sich somit
über den Grenznutzen finanziell bewerten lassen. Alle weiteren Merkmale verhalten sich gegenläufig. Er stellte
fest, dass sich Fehleinschätzungen einzelner Preis- und Kostenkomponenten bis zu 40 % nur gering auswirken.
HECKENBERGER (1991) hingegen unterscheidet zwischen Leistungsmerkmalen und funktionalen Merkmalen.
Grenznutzenwerte für Milchleistungsmerkmale sollten nach seiner Meinung sehr genau sein, Fehleinschätzungen
in den Grenznutzen für funktionale Merkmale sind tolerierbar.
Weil in den beiden Vorgängerprojekten ausführlich auf einzelne Merkmale und Merkmalskomplexe im Bereich der
funktionalen Merkmale eingegangen wurde, erfolgt dies hier nur für dieses Projekt wichtigsten.
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

3.4.1 Nutzungsdauer
In Untersuchungen von
DELLING und MÜLLER (2004) in den Jahren 1994 bis 2004 ging das Alter der Abgangstiere
um 0,7 Jahre oder 8,4 Monate zurück. Die Nutzungsdauer ist in diesem Betrachtungszeitraum von 38,1 Monate
(3,2 Jahre) auf 33,7 Monate (2,8 Jahre) gesunken, d.h. ein Rückgang von 4,4 Monaten oder 0,4 Jahren. Der
Durchschnitt in Sachsen liegt bei nur 31,8 Monaten (LKV-J
AHRESBERICHT 2005). Die Entwicklung der Abgangsur-
sachen soll in der folgenden Tabelle 8 dargestellt werden.
Tabelle 8:
Abgangsursachen insgesamt aus
DELLING und MÜLLER (2004)
Abgangsursachen in %
1994
2003
Verkauf
Alter
geringe Leistung
Unfruchtbarkeit
Euter
Melkbarkeit
Klauen
Stoffwechsel
4,7
2,1
10,3
7,4
22,5
1,2
7,1
-
3,2
1,1
7,7
15,1
20,7
2,8
16,0
6,8
Tierabgänge und Abgangsursachen
4,6
3,1
5,2
3,7
3,4
1,3
1,5
1,3
0,9
0,8
8,2
8,9
8,4
7,5
7,3
8,3
11,0
12
,3
15,8
15,3
11,2
11,5
11,8
14,7
14,3
23,8
23,2
22,9
19
,8
20,5
1,2
1,9
2,9
3,3
3,7
9,8
12
,1
13
,4
15,9
16
,4
31,6
26,8
16,4
10,1
10,0
5,4
8,3
8,2
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
1995
1997
2000
2004
2005
Jahr der Abgänge
Abgänge in %
Stoffwechsel
s ons t. Gründe
Klauen
Melkbarkeit
Euter
s ons t. Krankheiten
Unfruchtbarkeit
geringe Leistung
Alter
Verkauf
Abbildung 7:
Übersicht über die Entwicklung der Abgangsursachen in Sachsen (LKV-JAHRESBERICHT
2005)
Die Abgänge wegen Unfruchtbarkeit, Euterkrankheiten und Klauen dominieren in Sachsen (Abbildung 7). Um
diesen Trend zu stoppen, hat die Nutzungsdauer an Bedeutung gewonnen. Die Informationen über dieses Merk-
mal liegen jedoch erst spät vor, so dass zusätzliche Hilfsmerkmale einbezogen werden. Dafür können korrelierte
Merkmale wie das Exterieur oder die Verbleiberate nach der 1. Laktation verwendet werden. Die Korrelationen
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
20
Schriftenreihe, Heft 5/2008

der Nutzungsdauer zu anderen funktionalen Merkmalen liegen beispielsweise zum maternalen Kalbeverlauf bei
0,17 und zur Fundamentnote bei 0,33 (VIT Verden). Die Korrelation zwischen Nutzungsdauer und Eutergesund-
heit wird sogar mit 0,42 angegeben (
BÜNGER et al. 2003). Heritabilitäten der Exterieurmerkmale liegen bei 0,17 für
das Fundament und bei 0,22 für das Euter.
SWALVE (2003) und REENTS (2004) stellen heraus, dass es in Bezug
auf die Exterieurmerkmale zusätzlicher Merkmale für das Fundament bzw.
BÜNGER et al. (2003) für das Euter
bedarf.
DISTL
fordert bereits 1995, dass für ein optimales Fundament verstärkt an den Klauen zu arbeiten ist.
Klauenmaße eignen sich nach DISTL (1999) am besten für die Zucht auf ein gesundes Fundament und somit für
die Zucht auf Langlebigkeit. Er ermittelte Heritabilitäten für Fundamentsmerkmale zwischen 0,07 und 0,29 und für
Klauenmaße zwischen 0,09 und 0,53. Das optimale Verfahren besteht für ihn in einer Kombination von Klauen-
messungen sowie Fundamentbeurteilungen bei möglichst allen Jungbullen und den Fundamentmerkmalen der
Jungkühe.
3.4.2 Zuchtleistungsmerkmale
Zur Zuchtleistung gehören die Merkmale Kalbeverlauf, Kälberverluste und Fruchtbarkeit. Die Heritabilitäten liegen
in diesen Merkmalen in einem sehr niedrigen Bereich (
BRADE und FLACHOWSKY 2005; BERGFELD 2005; KEHR et al.
2006).
Eine Zuchtwertschätzung Fruchtbarkeit gibt es in Deutschland seit 1994. Als Merkmal für die ZWS Fruchtbarkeit
wird das Merkmal NonReturnRate 90 herangezogen.
KARB (1986)
findet Heritabilitäten zwischen 0,006 und
0,016. Der VIT Verden rechnet mit einer Heritabilität von 0,02 für dieses Merkmal. Die Heritabilität für die Zwi-
schenkalbezeit schätzten
SEELAND
und HENZE (2003) auf 0,04. In Sachsen beträgt die durchschnittliche Zwi-
schenkalbezeit 411 Tage (LKV-JAHRESBERICHT 2005). In Österreich wird eine ZWS Fruchtbarkeit seit 1995 durch-
geführt. In weiteren Ländern wie Schweden oder den Niederlanden gibt es einen Fruchtbarkeitsindex, in dem
mehrere Merkmale entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung kombiniert werden. In Schweden beispielswei-
se sind dies die Brunstintensität, die Anzahl der Besamungen, die Rastzeit und die Anzahl an tierärztlichen Be-
handlungen (
GREDLER 2006). Im Jahre 2004 begann in Österreich ein Projekt „Entwicklung einer Zuchtwertschät-
zung für Merkmale der Fruchtbarkeit beim Rind“ mit dem Ziel, durch eine verbesserte Zuchtwertschätzung für
Fruchtbarkeit die Wirtschaftlichkeit der Rinderzucht zu erhöhen und eine langfristige genetische Verbesserung
der Fruchtbarkeit zu erreichen.
GREDLER (2006) legt die Ergebnisse dieses Projektes dar. In Deutschland soll
ebenfalls ein Fruchtbarkeitsindex eingeführt werden, der sich gerade in der Testphase befindet (JAITNER et al.
2006). Als Zielgröße umschreibt der Fruchtbarkeitsindex die Zwischenkalbezeit. Eine höhere Gewichtung in den
Reproduktionsmerkmalen im Gesamtzuchtwert ist demnach zu erwarten.
BCS (Body Condition Score) wäre ebenso wie die TGR (Totgeburtenrate) ein weiteres denkbares Merkmal für die
Fruchtbarkeit. Heritabilitäten für BCS wurden aus Literaturrecherchen von
GREDLER (2006)
und
KEHR
et al.
(2006) zwischen 0,20 und 0,35 ermittelt. SCHAFBERG et al. (2006) gaben an, dass der überwiegende Teil der Va-
riation der Totgeburten nicht-genetischer Natur ist. In ihrer Arbeit stellten sie heraus, dass für etwa 1/3 aller toten
Kälber aus veterinärmedizinischer Sicht keinerlei Todesursache erkennbar ist. Aussagen zu Heritabilitäten und
Korrelationen sind kaum in der Literatur zu finden. Die Heritabilität wird mit weniger als 5 % angegeben. Sie er-
kannten das Problem der Totgeburten als multifaktoriell und stellten bezüglich der genetischen Hintergründe eine
Unterscheidung zwischen einer maternalen und paternalen Komponente als notwendig heraus. Als eine der be-
deutendsten Ursachen für zu hohe Totgeburtenraten nannten sie die Körperkondition. Somit sollte der BCS als
eventuelles Hilfsmerkmal berücksichtigt werden. Niedrige Heritabilitäten in den Fruchtbarkeitsmerkmalen liegen
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
21
Schriftenreihe, Heft 5/2008

oft an ihrer Komplexität. Für Non-Return-Raten wurden Größenordnungen von 0,01 bis 0,05 geschätzt (WEIGEL
und REKAYA 2000; WALL et al. 2003 aus GREDLER 2006). Für das ökonomisch wertvolle Merkmal Zwischenkalbezeit
wurden Heritabilitäten zwischen 0,022 und 0,036 von
ANDERSEN-RANDBERG (2005) (in GREDLER 2006) geschätzt.
Bei der Erfassung von Kalbeverlauf und Totgeburten sieht
SWALVE (2004b) Probleme durch eine zu grob einge-
stufte Schlüsseleinteilung. Geringe Heritabilitäten zum Kalbeverlauf fanden
KEHR
et al. (2006) durch Literaturre-
cherchen von 0,023 für den paternalen und zwischen 0,008 und 0,021 für den maternalen Kalbeverlauf.
SWALVE
(2004b) gibt zu bedenken, dass im Bezug auf Zuchtleistungen Daten aus der MLP mit den Daten aus dem Besa-
mungswesen verknüpft werden müssen. Dieses ist mit einer Vielzahl von Unsicherheiten verknüpft, von fehlen-
den oder falschen Zeitangaben (Datum) bis hin zu fehlenden oder falschen Angaben zur Besamung (Bulle).
3.4.3 Eutergesundheit
Die Mastitis zählt als bedeutendste Krankheit des Milchrindes. Die Eutergesundheit wird jedoch kaum direkt er-
fasst. Lediglich durch die MLP werden monatlich Zellzahlgehalte festgestellt, welche Rückschlüsse auf die Euter-
gesundheit geben können. Eine Ausnahme bei der Datenerfassung bilden skandinavische Länder. Eine direkte
Erfassung der Krankheitsausprägung von Mastitiden ist auch in Deutschland denkbar und wird in Sachsen bereits
als Pilotprojekt durchgeführt. Dazu sind ebenfalls Untersuchungen durch
JUNGE (2004) erfolgt. Er fand das Merk-
mal züchterisch bedeutsam, weil relativ hohe Heritabilitäten ermittelt wurden (in SWALVE 2006). SWALVE (2003) gab
Heritabilitäten für die Mastitisanfälligkeit mit 0,05 und die für die Zellzahl mit 0,10 an. In den beiden Vorgängerpro-
jekten wurden durch eine umfangreiche Literaturrecherche Erblichkeitsgrade zwischen 0,01 und 0,20 für das
Merkmal Mastitis und 0,07 für das Merkmal Somatische Zellzahl (SCS) gefunden. Die genetische Korrelation
zwischen dem Zellgehalt und der Mastitisanfälligkeit liegen zwischen 0,55 und 0,65 (
SWALVE 2003; NEGUSSIE et al.
2005,
KOIVULA et al. 2005). KEHR et al. (2006) ermittelten eine Heritabilität in den sächsischen Testherden von 0,04
für das Merkmal Mastitis und zwischen 0,036 und 0,049 für SCS. Mastitiden sind als Faktorenkrankheiten anzu-
sehen (
PLATEN 2003). Das Risiko von Folgekrankheiten wird von ihm mit einem Faktor von 8,1 angegeben. Hier
sei auf die Vielzahl von Mastitiserreger und somit auf die Komplexität hinsichtlich einer züchterischen Bearbeitung
hingewiesen.
3.4.4 Grenznutzen
Für die Ermittlung des Gesamtzuchtwertes müssen zuerst die wirtschaftlichen Gewichte der einzelnen Teilmerk-
male vorliegen. Der Gesamtzuchtwert entspricht der im Zuchtziel beschriebenen linearen Funktionen aus relati-
ven ökonomischen Gewichten und den Teilzuchtwerten (
LIND 2006). BEKMAN und VAN ARENDONK (1993) beschrei-
ben dies so, dass in der Selektionsindextheorie der Gesamtzuchtwert üblicherweise als lineare Funktion von zu
verbessernden Merkmalen, die jeweils mit ihrem ökonomischen Gewichten multipliziert werden, definiert ist (in
LIND 2006).
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
22
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 9:
Grenznutzen in DM/Merkmalseinheit für verschiedene Merkmale in Szenarien mit Milchquo-
tensystem von unterschiedlichen Autoren
Merkmal
Einheit
HENZE
1980
ZEDDIES
1989
HE-
CKEN-
BERGER
1991
HOFFMANN U.
KALTEN-
ECKER 1994
RIEDL
1996
WÜNSCH U.
BERGFELD
2001
PÄTSCH
2002
Zitiert von HECKENBERGER
Milchträger kg
-0,05
-0,094
-0,05
Milchmenge kg 0,24 0,36 0,38 0,25
0,06
Eiweißmenge kg 5,56 6,3 3,97 5,25
5,62
Fettmenge kg 3,81 1,1
0,083
(0,987)
1,5
1,48
Nutzungsdauer Tag 0,12 0,22 0,22 0,16 0,31
0,23
ZKZ Tag -0,56 -0,6 -1,4
NonReturnRate 90 %
2,00
Mat. Kalbeverhalten
% Kl.
-0,8
-0,8
2,82 (0,36)
Totgeburtenrate %
1,38
Melkbarkeit kg/min
50
Mastitisresistenz %
25
Verhältnis F:E
1:4,6
1:5,7
1:3,5
1:3,8
LIND et al. (2005) ermittelten die wirtschaftlichen Gewichte in Euro je Standardabweichung unter Berücksichtigung
ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit. Sie verglichen die Ergebnisse mit der Arbeit von
MIESENBERGER (1997). LIND et al.
(2005) stellten fest, dass sich zwar das absolute Gewicht der Fett- und Eiweißmenge zwischen der Arbeit von
1997 und der von 2005 fast verdoppelt hat, jedoch ist das relative wirtschaftliche Gewicht der Leistungsmerkmale
um etwa 10 % zurückgegangen. Im Gegenzug ist das relative Gewicht für die Nutzungsdauer extrem angestiegen
auf knapp 50 %. Tabelle 10 zeigt den Vergleich beider Ergebnisse.
Tabelle 10:
Grenznutzen in €/σ bzw. in % für verschiedene Merkmale
MIESENBERGER
1997
LIND et al.
2005
Merkmal
absolut w (€/σ) relativ (%)
absolut w
(€/σ) relativ (%)
Eiweißmenge 19,99 26,8 43,66 25,0
Fettmenge 16,35 22,0 23,78 13,6
Nutzungsdauer 22,24 29,8 82,05 47,0
Konzeptionsrate 7,27 9,8 17,98 10,3
Kalbeverlauf 2,91 3,9 0,80 0,5
Totgeburtenrate -1,74 2,3 -4,39 2,5
Melkbarkeit - - 0,55 0,3
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
23
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Für die Standardabweichungen findet man in der Literatur sehr unterschiedliche Angaben. Die große Schwan-
kungsbreite macht einen Vergleich bzw. eine Übernahme in eigene Berechnungen sehr schwierig.
„Da die Zuchtarbeit auf die Zukunft ausgerichtet ist, muss für die Berechnung der Wirtschaftlichkeitskoeffizienten
von zukünftigen Marktpreisen ausgegangen werden.“
(HECKENBERGER 1991). MACK (1996) und LIND (2006) errech-
neten daher Grenznutzen bzw. Wirtschaftlichkeitskoeffizienten für ein mögliches Szenario ohne Milchquotenrege-
lung. Im Folgenden sind beide Zukunftsszenarien ohne Milchquotenbeschränkung kurz dargestellt.
Szenario 1 –
MACK (1996):
keine Milchquote
Auszahlungspreis pro kg bei 3,7 % Fett und 3,4 % Eiweiß
Milchpreis 20,45 Cent/kg
(0,40 DM/kg)
Szenario 2 –
LIND (2006):
keine Milchquote
Auszahlungspreis pro kg bei 4,2 % Fett und 3,6 % Eiweiß
Milchpreis 28,32 Cent/kg
MACK (1996) gab an, dass bei fehlender Quotenregelung die Grenznutzen für die Leistungsmerkmale rückläufig
sind und bei einer zukünftigen Leistungssteigerung die Grenznutzen der Leistungen stark zurückgehen. Ebenso
verlieren die Zuchtleistungsmerkmale an Bedeutung (siehe Tabelle 11). In Relation zu den Milchleistungsmerk-
malen steigt jedoch die Bedeutung einer Verbesserung der Zuchtleistung.
Tabelle 11: Grenznutzen (GN) für ein Szenario mit Milchquote im Vergleich zu einem Zukunftsszenarien
ohne Milchquote von MACK (1996)
Merkmal
Einheit
GN – mit Quote
€/Merkmalseinheit
GN – ohne Quote €/Merkmalseinheit
Milch kg 0,15 0,11
Fett kg 1,40 0,83
Eiweiß kg 5,44 3,69
Trockensubstanz % 152,47
174,26
Nutzungsdauer Monate 7,15
3,16
Totgeburtenrate %
5,30
3,59
Kalbeverlauf Klasse 0,79
0,60
Zwischenkalbezeit Tage
-1,67
-2,04
Erstkalbealter Tage 17,29
12,97
LIND (2006) betrachtete in ihrer Arbeit nicht den Grenznutzen in Euro je Merkmalseinheit, sondern die wirtschaftli-
chen Gewichte in Euro je genetischer Standardabweichung (siehe Tabelle 12). Das wirtschaftliche Gewicht ermit-
telt sich aus der Multiplikation von Grenznutzen und genetischer Standardabweichung.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
24
Schriftenreihe, Heft 5/2008

w = GN * S
g
w ökonomisches Gewicht
GN Grenznutzen
S
g
genetische Standardabweichung
LIND (2006) gab aufgrund ihrer Berechnungen an, dass eine Begrenzung der Produktion durch die Milchquotenre-
gelung deutlichen Einfluss auf die wirtschaftlichen Gewichte nimmt.
Sie
fand heraus, dass bei einer Produktion mit Milchquote das wirtschaftliche Gewicht für die Fettmenge mit zu-
nehmender Milchleistung sinkt. Im Szenario ohne Milchquote kommt es hingegen kaum zu Änderungen bei stei-
gender Milchleistung. Weiterhin beschreibt sie, dass mit steigender Nutzungsdauer bei ansonsten gleich bleiben-
den Leistungen das Verhältnis der ökonomischen Gewichte von Nutzungsdauer zu Fett- und Eiweißmenge steigt.
Dieses Verhältnis ist ohne Quote deutlich höher als mit Quote.
LIND (2006) kam zur Schlussfolgerung, dass der
größte Gewinn im Szenario ohne Quotenbeschränkungen möglich ist.
Tabelle 12:
Ökonomische Gewichte w für ein Zukunftsszenario mit/ohne Milchquote von
LIND (2006)
Merkmal
Einheit
w – mit Quote
€/genet.
Standardabweichung
w – ohne Quote
€/genet. Standardabweichung
Milchträger
kg -8,8
Fett
kg -4,98 14,4
Eiweiß
kg 41,14 83,7
Melkbarkeit
% 2,42 1,4
Zellzahl
Monate 5,92 32,5
Persistenz
% 6,02 25,5
Nutzungsdauer
Klasse
31,43
25 – 50
Kalbeverlauf
Tage 0,29 < 2,0
Totgeburtenrate
Tage -0,54 < 2,0
3.5
Förderung der Rinderzucht, speziell der Leistungsprüfung
GROßKOPF (2003) fasst die Kernelemente der Luxemburger Beschlüsse zur GAP-Reform wie folgt zusammen:
Entkopplung der Direktzahlungen
Bindung der Direktzahlungen an die Einhaltung von Standards in den Bereichen Umweltschutz, Tier-
schutz, Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit
Bindung der Direktzahlungen an die Einhaltung von Mindestanforderungen für den guten landwirtschaft-
lichen und ökologischen Zustand der Flächen (Einhaltung Cross Compliance)
Obligatorische Modulation
Veränderungen im Bereich der Marktordnungen für Getreide, Stärkekartoffeln und Milch
Um langfristig eine rentable Milchproduktion zu erhalten, werden die Ansprüche an das Management weiter stei-
gen. Sinkende Milchpreise und ungünstige agrarpolitische Rahmenbedingungen müssen über Rentabilitätssteige-
rungen ausgeglichen werden (
HEINRICH und PETERSEN 2003 in OERTEL 2003).
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
25
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Durch das neue Tierzuchtgesetz ist eine Leistungsprüfung in der bisherigen Form, d.h. von einer neutralen Stelle
ab dem Jahre 2013 nicht mehr vorgesehen. Sie übernimmt lediglich Kontrollmechanismen. Somit ist die Leis-
tungsprüfung nicht mehr staatliche Aufgabe. Daraus ergibt sich auch ein Rückzug des Staates aus der Förderung
der Leistungsprüfung. Als Konsequenz daraus ist mit einem Rückgang bei der Teilnahme an Leistungsprüfungen
bzw. mit einem höheren Kostenaufwand für die Durchführung dieser Prüfungen auf Seiten der Zuchtverbände zu
rechnen. Sollten Nachzuchtbewertungen ausschließlich durch Stationen und Zuchtverbände selbst durchgeführt
werden, sind Diskussionen und Kritik an der Glaubwürdigkeit der Ergebnisse programmiert. Es besteht eine Ge-
fahr für Umfang und Qualität der Daten und somit für die Qualität der Zuchtwertschätzung.
Derzeit ist noch die Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zur Förderung
der Tierzucht (RL-Nr.: 96/2002) vom 17.04.2002 rechtskräftig. Ziel der Förderung ist es, die Wettbewerbsfähigkeit
der tierischen Erzeugung durch tierzüchterische Maßnahmen zu verbessern. Gegenstand der Förderung ist unter
anderem die Durchführung von Leistungsprüfungen und Zuchtwertfeststellung im Rahmen von Zuchtprogram-
men. Zuwendungsvoraussetzung gemäß Punkt 4 für diese Maßnahmen ist die Durchführung der Leistungsprü-
fung gemäß § 4 TierZG in Verbindung mit
„- der Verordnung über die Leistungsprüfungen und die Zuchtwertfeststellung bei Rindern in der Fassung der
Bekanntmachung vom 6. Juni in der jeweils geltenden Fassung.
Der Punkt 5 regelt Art, Umfang und Höhe der Zuwendungen.
5.2
„Der Zuschuss beträgt bis 70 vom Hundert der zuwendungsfähigen Ausgaben.
Zu den zuwendungsfähigen Ausgaben zählen die direkt zuordenbaren Aufwendungen für die Durchführung der
Leistungsprüfungen und die Aufbereitung der Prüfungsergebnisse für züchterische und betriebswirtschaftliche
Zwecke.“
Nach der Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft für die Förderung von
Leistungsprüfungen in der tierischen Erzeugung (RL-Nr.: 11/2005) vom 15.06.2005 soll die Milchleistungsprüfung
zur Unterstützung einer beständigen Entwicklung der Leistungsprüfungen gefördert werden. Gemäß Punkt 1 kann
die Milchleistungsprüfung gefördert werden, weil sie die Grundlage für die züchterische Selektion sowie für die
Verbesserung der Produktivität und Qualität in der Milcherzeugung ist. Unter Punkt 2 ist zu lesen:
„Förderungsfähig sind:
a) die Durchführung der Milchleistungsprüfungen (einschließlich Melkbarkeitsprüfung) und der damit verbundenen
Beratung
b) die Aufbereitung der Prüfungsergebnisse für züchterische und betriebswirtschaftliche Zwecke.“
Der Punkt 5 umfasst Art, Umfang und Höhe der Zuwendungen.
5.1
„Die Zuwendungen erfolgen im Rahmen der Projektförderung mit Festbetragsfinanzierung und werden in Form
von Zuschüssen gewährt. Sie sind zur teilweisen Abdeckung der laufenden Ausgaben des Teils der Milchleis-
tungsprüfung bestimmt, der über das wirtschaftliche Interesse des einzelnen Kuhhalters hinausgeht.“
5.2
„Die Höhe des Zuschusses beträgt im Jahr bis zu 10,23 EUR für jede Kuh, für die die Milchleistungsprüfung
durchgeführt wird.“
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
26
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Nach Stand vom 12.12.2006 gibt es einen neuen Entwurf zur Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für
Umwelt und Landwirtschaft zur Förderung der Tierzucht (Förderrichtlinie Tierzucht – RL TZ/2007). Gemäß Punkt
1 Satz 2 der Richtlinie ist die Erfassung und Auswertung von Daten förderfähig, wenn sie einen Beitrag zu einem
oder mehreren der folgenden Ziele leisten:
„a) Durch züchterische Maßnahmen dazu beitragen, Grundlagen für eine auf Verbraucher-, Tier- und Umwelt-
schutz ausgerichtete Tierhaltung und Züchtung zu schaffen und die Tiergesundheit zu sichern.
b) Die tierschutzrelevanten genetischen Trends frühzeitig zu erkennen.
c) Die genetische Qualität zu verbessern und eine genetische Vielfalt zu erhalten.
d) Den Abnehmern von Zuchtprodukten eine Bewertung im Hinblick auf die züchterische Veranlagung zu ermög-
lichen.
e) Eine nachhaltige und wirtschaftliche Tierhaltung zu ermöglichen.
f) Durch züchterische Maßnahmen dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Unterneh-
men und damit auch die Multifunktionalität des ländlichen Raums langfristig zu erhalten.“
Förderfähig im Sinne dieser Richtlinie ist nach Punkt 2.1 weiterhin die Durchführung von Leistungsprüfungen und
Zuchtwertfeststellung im Rahmen von Zuchtprogrammen. Neu ist die vorgesehene Förderung aus Landes- und
Bundesmitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“. Demnach
sind Maßnahmen zur Verbesserung der genetischen Qualität landwirtschaftlicher Nutztiere förderfähig, insbeson-
dere:
„a) die regel- und planmäßige Ermittlung von züchterisch beeinflussbaren Merkmalen im Rahmen von Zuchtpro-
grammen anerkannter Züchtervereinigungen oder zum Vergleich verschiedener Zuchtprodukte oder Kreuzungs-
programme von anerkannten Zuchtorganisationen sowie die Erfassung, die überbetriebliche Auswertung im Sin-
ne des Zuchtprogramms und die Bewertung von Parametern zur Tiergesundheit, der Tierhaltungsbedingungen,
der Tierfütterung und des Betriebsmanagements,
b) die Aufbereitung und Bereitstellung der Daten für die Beratung insbesondere zur Verbesserung der Tierge-
sundheit und eines hohen Tier- und Umweltschutzstandards, der Vermeidung von Umweltbelastungen und der
Erzeugung von gesundheitsunbedenklichen Produkten,
c) die Aufbereitung der erfassten Daten für die Berechnung der genetischen Qualität der Tiere zur Realisierung
eines züchterischen Fortschritts und zur Erhaltung der genetischen Vielfalt.“
Die Zuwendungen werden gemäß Punkt 5 als Anteilsfinanzierung im Rahmen der Projektförderung in Form von
jährlichen Zuschüssen gewährt. Bei Maßnahmen zur Verbesserung der genetischen Qualität erfolgt eine Festbe-
tragsfinanzierung. Der Punkt 5 der Richtlinie regelt Art, Umfang und Höhe der Zuwendungen.
5.2
„Der Zuschuss beträgt bis 70 vom Hundert der zuwendungsfähigen Ausgaben.
Zu den zuwendungsfähigen Ausgaben zählen die direkt zuordenbaren Aufwendungen für die Durchführung der
Leistungsprüfungen und die Aufbereitung der Prüfungsergebnisse für züchterische und betriebswirtschaftliche
Zwecke.“
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
27
Schriftenreihe, Heft 5/2008

5.4
„Die Höhe des Zuschusses beträgt pro Jahr bis zu 10,23 EUR je Kuh für die Erfassung und Auswertung der ge-
netischen Qualität und weiterer Maßnahmen, jedoch nicht mehr als 60 vom Hundert der jährlichen Kosten. Bei
der Ermittlung der zuwendungsfähigen Ausgaben ist von den jährlich laufenden Kosten der Kontrollen und Aus-
wertungen sowie den Kosten für die Veröffentlichung der erfassten Daten auszugehen sowie den Kosten der
Erhebung der Tiergesundheitsdienste, soweit sie über das wirtschaftliche Interesse des einzelnen Tierhalters
hinausgehen und vom Zuwendungsempfänger zu tragen sind.“
Damit würde dieser Entwurf die beiden erst genannten Richtlinien ersetzen. Die Förderung zur Erfassung und
Auswertung der Daten würde sich nicht ausschließlich auf die Datenerfassung im Rahmen der Milchleistungsprü-
fung beschränken.
Laut Tierarzneimittelkontrollgesetz sind Behandlungen von Krankheiten zu dokumentieren. Diese werden jedoch
nicht durchgängig elektronisch erfasst und kaum für Zucht und Management verwendet. Durch ein „Monitoring“
im Bezug auf den Gesundheitsstatus der Kühe wird man auch den Aspekten im Bezug auf Lebensmittelsicherheit
und Lebensmittelqualität sowie Ethik und Tierschutz gerecht. Gesunde, widerstandsfähige Tiere sind die Grund-
lage für eine lange Lebensdauer der Tiere und die Produktion gesunder Lebensmittel in hoher Qualität. Diese
Maßnahmen führen daher zu einer höheren Akzeptanz der Landwirtschaft von Seiten der Verbraucher.
4 Material und Methode
4.1 EDV-Programm ZPLAN
Für die Arbeit wird das Computerprogramm ZPLAN verwendet. Das Programm wurde von
KARRAS (1984) entwi-
ckelt und von
NIEBEL et al. (1989) überarbeitet.
Ausgehend von genetischen, biologischen und ökonomischen Inputparametern dient das Programm einer Opti-
mierung von Zuchtplänen. Methodisch fließen in das Programm die Selektionstheorie, die Indextheorie, die
Genflussmethode und Grundzüge der Investitionstheorie ein, so dass als Output wichtige Kenngrößen der Zucht-
planung, wie naturaler jährlicher Zuchtfortschritt, monetärer Gesamtzuchtfortschritt, Züchtungsertrag, Züchtungs-
kosten sowie der Züchtungsgewinn zur Verfügung stehen.
Schwerpunkt in ZPLAN ist die Verwendung der von
MC CLINTOCK und CUNNINGHAM (1974) entwickelten und von
HILL (1974) sowie ELSEN und MOCQUOT (1974) um die Matrixschreibweise erweiterten Genflussmethode. Mit der
Genflussmethode wird untersucht, wie die Gene von den Tieren der Selektionsrunde auf die direkten Nachkom-
men übertragen werden. Eine Optimierung erfolgt dabei nicht nach mathematischen Optimierungsfunktionen,
sondern durch die bestmögliche Kombination der Populationsparameter hinsichtlich der Maximierung oder Mini-
mierung von Zielgrößen. ZPLAN wird im Wesentlichen durch die folgenden Punkte beschrieben:
1.
Mehrmerkmalsmodell
2.
Statischer, deterministischer Ansatz
3.
Nutzung der Genflussmethode
4.
Verwendung der Selektionsindextheorie
5.
Einbeziehung einer Kosten-Nutzen-Analyse
Im Anhang 2 ist ein Ablaufschema zur Optimierung von Zuchtplänen mit Hilfe des Programms ZPLAN dargestellt.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
28
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Für eine erfolgreiche Projektarbeit ist eine enge Zusammenarbeit mit dem SRV und der Nordrind notwendig. Die
Zuchtverbände lieferten die Daten für die im nächsten Kapitel vorgestellte Ausgangssituation. Im Rahmen der
Arbeitsgruppe „Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung Rind“ wurden die Zwischenergebnisse regelmäßig
dargelegt und eine weitere Vorgehensweise besprochen. Mögliche Fehler in der Struktur und im Programmablauf
wurden diskutiert und bei der Fortführung des Projektes berücksichtigt.
4.2
Ausgangssituation und Annahmen für die Zuchtplanungsrechnungen
4.2.1 Populationsstruktur
Für eine optimale Zuchtstruktur müssen sowohl züchterische als auch genetische Maßnahmen sowie ökonomi-
sche Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Die Formulierung des Zuchtzieles bezieht sich in den Untersuchun-
gen auf die Rasse Holstein Frisian. Als Grundlage für die Planungsrechnungen dient die Population von Milchkü-
hen der MASTERRIND GmbH, wie sie aus der Vereinigung von dem SRV e. G. und der NORDRIND GmbH ent-
standen ist. Die Populationsgröße über beide Verbände beträgt 520 000 Milchkühe. Aus
HARDER et al. (2004) geht
hervor, dass mit zunehmender Populationsgröße auch der Züchtungserfolg steigt. Für diese Ausgangssituation
werden zwei Zuchtplanungsalternativen abgebildet. Planungsalternative I lehnt sich an das derzeitige Zuchtpro-
gramm des Sächsischen Rinderzuchtverbandes, wobei aber ein geschlossenes Reproduktionsschema ohne
Genimport aus anderen Populationen angenommen wird. Nach Absprache mit dem Zuchtverband sollen in der
Planung die Bullenmütter zu 100 % von Kühen aus der 1. Laktation stammen. Das im Anhang 3 dargestellte
Schema zeigt den zeitlichen Ablauf des Besamungs-Zuchtprogramms.
Planungsalternative II soll als zusätzliche Informationsquelle im Bereich der Leistungsprüfungen eine Gesund-
heitsdatenerfassung in vertraglich gebundenen Testherden berücksichtigen. Allgemein können beide Planungsal-
ternativen wie folgt abgegrenzt werden:
Planungsalternative I
gemeinsames Zuchtprogramm vom SRV e. G. und der NORDRIND GmbH
stärkeres Einbeziehen funktionaler Merkmale in das Zuchtziel
Optimierung der Zuchtstruktur
Planungsalternative II
gemeinsames Zuchtprogramm vom SRV e. G. und der NORDRIND GmbH
Testherden als alternative Leistungsprüfung
Auswirkungen von Rückgängen in anderen Leistungsprüfungen
stärkeres Einbeziehen funktionaler Merkmale in das Zuchtziel
Optimierung der Zuchtstruktur
Nach dem Aufstellen der Basisvarianten werden beide Planungsalternativen nach unterschiedlichen Gesichts-
punkten variiert.
4.2.2 Zuchtziel
Nach
KALM et al. (2003) sind jene Merkmale im Zuchtziel zu berücksichtigen, die unter zukünftigen Bedingungen
die Wirtschaftlichkeit verbessern. In den Modellrechnungen wurden zuerst als Merkmale der Milchleistung die fett-
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
29
Schriftenreihe, Heft 5/2008

und eiweißfreie Milchmenge, die Eiweißmenge und die Fettmenge (Abbildung 8) in das betrachtete Zuchtziel
aufgenommen. Durch die zunehmende Bedeutung funktionaler Merkmale wurden diese in einem zweiten Schritt
in das Zuchtziel integriert (Abbildung 9). Alle gelb unterlegten Merkmale sind Zuchtzielmerkmale, blau unterlegte
sind Hilfsmerkmale.
Zur Integration der Testherden wurden ausgewählte Merkmale zusätzlich noch einmal definiert. Um die Überle-
genheit in der Leistungserfassung abzubilden, erhielten diese Merkmale eine höhere Heritabilität. Die in den
folgenden Abbildungen 8 und 9 rot gerahmten Merkmale sind somit sowohl für die „normale“ Zuchtpopulation als
auch für die Testherden eingearbeitet. Zusätzlich wurde in der Planungsalternative II ein neues Merkmal für den
Gesundheitskomplex eingeführt. Das Merkmal spiegelt die bessere Erfassung in den gesamten Gesundheits-
merkmalen der Testherden wider. Bei der Wahl der Merkmale sind unter anderem die Heritabilitäten und geneti-
schen Korrelationen der Merkmale untereinander zu berücksichtigen.
Für das Gesundheitsmerkmal wurde eine Heritabilität von h² = 0,10 gewählt. Diese Kenngröße stützt sich auf das
Projekt der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft „Analyse genetischer Einflussfaktoren auf Gesund-
heitsmerkmale beim Milchrind und Ableitung züchterischer Maßnahmen“.
Leistungsmerkmale
Milchmenge
Fettmenge
Eiweißmenge
Eiweißgehalt
Abbildung 8:
Leistungsmerkmale der Basisvariante
Als Produktions- oder Leistungsmerkmale wurden die Milchmenge, die Fettmenge, die Eiweißmenge und der
Eiweißgehalt ausgewählt. Die Milchleistungsprüfung bildet dabei die Grundlage zur Datenerfassung und der dar-
aus resultierenden Zuchtwertschätzung. Der Milcheiweißgehalt ist gegenüber den anderen Milchleistungsmerk-
malen ein qualitatives und kein quantitatives Merkmal. Derzeitige Zuchtprogramme orientierten sich bisher oft nur
an einer Verbesserung der Milcheiweißmenge. Die gleichzeitige Einbeziehung von Eiweißmenge und Eiweißge-
halt ist jedoch durch ihre negative Korrelation berechtigt, um Qualitätsverluste zu vermeiden.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
30
Schriftenreihe, Heft 5/2008

image
image
Funktionale Merkmale
Zuchtleistung
Nutzungsdauer
Mastitis
Zwischen-
kalbezeit
NonReturnRate
weiblich
NonReturnRate
männlich
Maternales
Kalbeverhalten
Paternales
Kalbeverhalten
Bewertung Funda-
ment
Bewertung Euter
Verbleiberate
1. Laktation
Zellzahl
Melkbarkeit
Milchfluss
Komplex Gesundheit
Fruchtbarkeit
Abkalbung
Abbildung 9:
Funktionale Merkmale der Basisvariante
Eine einseitige Ausrichtung des Zuchtzieles auf Milchleistungsmerkmale führt zu negativen Zuchtfortschritten in
verschiedenen funktionalen Merkmalen (
RIEDL und JÄHNE 1995). Daher sollen auch diese in das Zuchtziel mit
einfließen. Zu den funktionalen Merkmalen zählen unter anderen die Zuchtleistung mit der Fruchtbarkeit, die
Nutzungsdauer, Merkmale der Gesundheit, insbesondere die Anfälligkeit gegenüber Mastitis sowie die Melkbar-
keit. Aus Abbildung 9 erkennt man die Komplexität der funktionalen Merkmale. Aus den Untersuchungen von
LIND
(2006) ergab sich, dass es nicht sinnvoll erscheint, die Leistung in nur einem Merkmal zu verbessern, um eine
wirtschaftliche Zucht zu betreiben. Verwendete Hilfsmerkmale können dabei einen Beitrag zur Steigerung der
Sicherheit in den Zuchtwerten leisten und sie sind häufig schneller verfügbar (
JAITNER et al. 2006).
Lange Zeit wurde in der Milchrinderzucht ein Zuchtfortschritt in den funktionalen Merkmalen nur durch eine indi-
rekte Selektion auf Hilfsmerkmale erreicht. Ein Beispiel ist die Erfassung der Zellzahl im Rahmen der MLP, wel-
che in der Zuchtwertschätzung berücksichtigt wird und die Mastitisresistenz fördern soll. Genetische Korrelatio-
nen werden in der Literatur zwischen 0,49 und 0,61 angegeben (
ROGERS et al. 1998 aus KÖNIG und SWALVE 2006).
Fruchtbarkeitsprobleme zählen mit zu den häufigsten Abgangsursachen. In Deutschland stellt eine unzureichen-
de Fruchtbarkeit den Hauptgrund für eine frühzeitige Schlachtung dar. Die Zwischenkalbezeit wird als ökono-
misch wichtigstes Fruchtbarkeitsmerkmal gesehen (
PLATEN 2003 in GREDLER 2006). Sie setzt sich aus der Rast-
zeit, der Non-Return-Rate und der Trächtigkeitsdauer zusammen.
GREDLER (2006) sieht die Zwischenkalbezeit
trotz niedriger Heritabilitäten als züchterisch wertvoll an, weil sie für den wirtschaftlichen Erfolg der Milchprodukti-
on eine bedeutende Rolle spielt. Sie begründet dies damit, dass zum einen lange Zwischenkalbezeiten zu verlän-
gerten Laktationen mit reduzierter Milchleistung führen und zum anderen mit Problemen in der Remontierung der
weiblichen Nachzucht zu rechnen ist.
JAITNER et al. (2006) bevorzugen in ihren Aussagen die Bewertung von
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
31
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Einzelkomponenten gegenüber dem einzelnen Merkmal der Zwischenkalbezeit. Sie begründen dies einmal mit zu
langen Wartezeiten, bis die eigentliche Beobachtung vorliegt, andererseits ist keine Berücksichtigung von abge-
gangenen Tieren vorhanden. Bisher wird in der Zuchtwertschätzung Fruchtbarkeit nur das Merkmal NonReturn-
Rate90 als eine zeitnahe Datengrundlage verwendet. Im Modell wird von einer paternalen und einer maternalen
Komponente ausgegangen. Die genetischen Korrelationen von Zwischenkalbezeit und weiteren Fruchtbarkeits-
merkmalen sind nach
G (2006) meist hoch und günstig. Zwischen den Merkmalen der Fruchtbarkeit und den
Leistungsmerkmalen ist wie bei den meisten funktionalen Merkmalen eine antagonistische Beziehung vorhanden
(
SEELAND und HENZE [2003]); MARK et al. 2005 in GREDLER 2006).
Nach Untersuchungen von
LIND (2006) kommt der Nutzungsdauer die größte wirtschaftliche Bedeutung zu. Die im
Rahmen der Exterieurbeurteilung erfassten Fundament- und Eutermerkmale dienen der Zucht auf Langlebigkeit.
Fast 25 % der Abgänge sind durch Probleme im Fundament- und Euterkomplex bedingt (
BÜNGER et al. 2003).
Dabei wird auch in diesen Komplexen von verschiedenen Autoren für eine genauere Datenerfassung und Merk-
malserweiterung plädiert. Eine längere Nutzungsdauer führt zu geringeren Aufzuchtkosten und ermöglicht die
Ausnutzung der altersbedingten Leistungssteigerung.
Weil die Informationen zu einigen Merkmalen wie beispielsweise zur Nutzungsdauer nicht direkt erfasst werden
können bzw. erst sehr spät vorliegen, nutzt man Hilfsmerkmale. Dabei sollte man Hilfsmerkmale erfassen, welche
eine enge Korrelation zum eigentlichen Zuchtzielmerkmal haben. Je enger die Korrelation ist, desto genauer wird
die Zuchtwertschätzung. Weil, wie bereits mehrmals erwähnt, die funktionalen Merkmale ein Konstrukt aus mit-
einander verknüpften Merkmalen bilden (
SWALVE 2003; PLATEN 2003; KEHR 2006), wird mit einer Verbesserung in
den Merkmalskomplexen Fruchtbarkeit und Eutergesundheit auch die Nutzungsdauer positiv beeinflusst. Die
Nutzungsdauer wird daher auch als „Bioindex“ der anderen Merkmale interpretiert (
SWALVE 2004b).
4.2.3 Wirtschaftlichkeitsparameter
Der ökonomische Ansatz für die Zuchtzielsetzung erfordert zunächst, deren wirtschaftliche Bedeutung zu ermit-
teln. Die gewichteten Leistungsmerkmale werden dann in einem Gesamtzuchtwert zusammengefasst. Für eine
ökonomische Gewichtung der Zuchtzielmerkmale dient der Grenznutzen. Die in den gerechneten Varianten un-
terstellten Grenznutzenparameter entstammen aus der Arbeit von
MACK (1996) bzw. WÜNSCH (1999) und sind in
der folgenden Tabelle 13 dargestellt. Die Grenznutzen und somit die Wichtung der Merkmale wirken sich im Se-
lektionsindex aus.
In beiden Planungsalternativen wurden zunächst die Wirtschaftlichkeitsparameter der Tabelle 13 angenommen.
In weiteren Schritten sollen die funktionalen Merkmale, im Besonderen die Nutzungsdauer stärker gewichtet wer-
den, um die zukünftige Bedeutung hervorzuheben und das Zuchtziel dahin gehend zu verbessern.
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32
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 13: Unterstellte Grenznutzen der Basisvariante in €/Einheit für die einzelnen Zuchtziel-
merkmale
Merkmal
Einheit
MACK 1996 WÜNSCH 1999
Planungsalternative I+II
in DM
in DM
in Euro/Merkmalseinheit
Fett- und eiweißfreie Milchmenge
kg
-0,05
-0,03
Milchmenge kg 0,15
Eiweißmenge kg 5,44
5,80 3,00
Fettmenge kg 1,40
1,42 0,50
Nutzungsdauer Monat 7,27
11,40 5,83
ZKZ Tag
-1,67
-0,85
Mat. Kalbeverhalten
% Kl.
0,79
2,82
Totgeburtenrate % 5,30 1,38
Melkbarkeit kg/min 50,00
Mastitisresistenz % 25,00
Mastitis %
-7,00
Verhältnis F:E
1 : 3,9
1 : 4
1 : 6
4.2.4 Genetische Parameter
Die in den Planungsrechnungen für die Merkmale verwendeten phänotypischen Standardabweichungen, Heritabi-
litäten sowie genetischen und phänotypischen Korrelationen sind im Anhang 4 bis 6 dargestellt. Diese Werte
stützen sich nach einer umfangreichen Literaturrecherche auf Arbeiten folgender Quellen und Autoren:
RIEDL(1996), HECKENBERGER (1991), PASMAN et al. (2001), MICHAILOWSKAJA et al. (2001) und dem VIT in Verden
sowie den im Literaturteil bereits benannten weiteren Autoren.
Für die Planungsalternative I (Anhang 4) und die untergeordneten Varianten werden die Heritabilitäten, die Stan-
dardabweichungen, die phänotypischen sowie genetischen Korrelationen bei allen Berechnungen in gleicher
Weise verwendet. Für die Planungsalternative II (Anhang 5+6) gilt dies ebenfalls, jedoch unterscheiden sich bei-
de Alternativen voneinander. Um die genauere Zuchtwertschätzung in den Testherden der Planungsalternative II
abzubilden, sind höhere Heritabilitäten für die erfassten Merkmale in den Testherden verwendet worden. Das
zusätzlich eingeführte Merkmal für den Gesundheitskomplex erhielt entsprechend den Literaturangaben eine
Heritabilität von 0,10. Dieses Merkmal wurde vor allem zur Nutzungsdauer hoch korreliert. Durch die große An-
zahl an einbezogenen Merkmalen mussten zum Teil Kompromisse in den Erblichkeitsgraden und Korrelationen
eingegangen werden, um die Matrizen positiv definite zu erhalten. Aus diesem Grund wurde in den vorliegenden
Planungsrechnungen auf weitere Merkmale verzichtet. Die genetische Korrelation zwischen dem Merkmal Ge-
sundheit und Nutzungsdauer liegt in den Berechnungen bei 0,69, die zur Verbleiberate nach der 1. Laktation bei
0,24.
Im Ergebnis entstand bei beiden Alternativen eine positiv definite Matrix. Die Heritabilität kann Werte zwischen
0 und 1 annehmen. Der mögliche Selektionserfolg ist umso höher, je höher der Wert ist. Neben dem Erblichkeits-
grad interessieren die genetischen Beziehungen zwischen den Merkmalen. Diese Beziehung wird in Form der
Korrelation ausgedrückt und kann Werte zwischen -1 und +1 annehmen. Ist die Korrelation 0, so besteht keine
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33
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Beziehung zwischen den Merkmalen, sie sind unabhängig voneinander. Ist die Korrelation +1, besteht ein enger
positiver bzw. bei -1 ein enger negativer Zusammenhang. Die Heritabilitäten für funktionale Merkmale liegen im
Gegensatz zu den Leistungsmerkmalen auf einem niedrigen Niveau. Des Weiteren bestehen zwischen den Leis-
tungsmerkmalen und den meisten funktionalen Merkmalen unerwünschte negative Korrelationen.
KÖNIG (2001) stellte fest, dass in modernen Milchviehbetrieben mit entsprechend großen Tierzahlen höhere Heri-
tabilitäten vorliegen.
4.2.5 Züchtungskosten
Um Aussagen über die Wirtschaftlichkeit von Zuchtprogrammen machen zu können bzw. für die Berechnung des
Züchtungsgewinns, ist es erforderlich, die anfallenden Züchtungsaufwendungen zu berücksichtigen. Es werden
dabei nur die Kosten eingearbeitet, die direkt zur Durchführung des Zuchtprogramms aufzuwenden sind. Der
Züchtungsaufwand ist unterteilt in fixe und variable Kosten.
Fixe Züchtungskosten
In den fixen Kosten sind vor allem die Aufwendungen des Zuchtverbandes für Löhne und Gehälter, Miet- und
Reisekosten sowie Kosten für die Datenauswertungen enthalten. Diese fixen Kosten hängen hauptsächlich von
der Anzahl Kühe in der Zuchtstufe ab. Mit steigendem Anteil der aktiven Population tritt eine Kostendegression je
Kuh und Jahr auf.
Für den Planungsansatz wurden die Fixkosten für eine minimale Zuchtpopulation von 30 000 sowie eine Zucht-
population von 500 000 Kühen angenommen. Fixkosten je Jahr für eine Zuchtpopulation von 500 000 Kühen
wurden mit ca. 1 500 000 € angesetzt.
Variable Züchtungskosten
In den variablen Kosten sind vor allem Kosten der Leistungsprüfungen, die Kosten der Wartebullenhaltung, der
Spermagewinnung und Spermalagerung sowie Kosten des Embryonentransfers bei Bullenmüttern enthalten.
Um die variablen Kosten möglichst realistisch abzubilden, wurden die Kostenkomponenten der beiden vereinigten
Zuchtverbände SRV e.G. und NORDRIND GmbH übernommen. Die einzelnen Parameter für beide Zuchtverbän-
de sind zum einen getrennt voneinander und zum anderen unter der Annahme für einen gemeinsamen Ge-
schäftsbetrieb ermittelt.
Für die gemeinsame Planungsvariante der Planungsalternative I wurden die Kosten der Eigenleistungsprüfung
auf Station, die Kosten der Wartebullenhaltung und die Spermalagerung entsprechend den Kosten des SRV
angenommen. Die weiteren Kosten sind anteilig eingesetzt. Für die zusätzliche Erfassung der Gesundheitsmerk-
male in der Planungsalternative II ist es notwendig, die Kosten für deren Durchführung zu berücksichtigen.
Weil sich der Anfall der Ertrags- und Kostenkomponenten auf unterschiedliche Zeiträume verteilt, erfolgt im Pro-
gramm ZPLAN auf der Basis der Investitionstheorie eine Diskontierung auf einen einheitlichen Bezugspunkt.
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34
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Folgende Investitionsparameter wurden unterstellt:
- Investitionsdauer
25 Jahre
- Zinssatz für den Ertrag
6 %
- Zinssatz für den Aufwand
4 %
Die Investitionsparameter wurden in Zusammenarbeit mit dem SRV abgestimmt.
4.2.6 Populationsparameter
Zur Beschreibung des Zuchtablaufs müssen weiterhin folgende Populationsparameter sowie biologisch-
technische Koeffizienten definiert werden. Soweit sie sich nicht aus dem Zuchtverlauf ergeben, wurden die Daten
für Sachsen aus dem Sächsischen Tierzuchtreport 2005 bzw. aus dem Jahresbericht des LKV entnommen. Die
Daten der beiden Zuchtverbände sind entsprechend aufsummiert bzw. anteilig angenommen. Die wichtigsten
Werte sind in Tabelle 14 dargestellt.
Tabelle 14:
Populationsparameter sowie biologisch-technische Koeffizienten
Parameter
Einheit
Wert
Populationsgröße Stück 520 000
Anteil MLP-Kühe
%
91,5
Herdbuchanteil
%
77
Anteil Kühe im Testprogramm (ausgehend von Herdbuchanteil)
%
84
Anzahl auf Milchleistung geprüfte Töchter je Testbulle
Stück
120
Anzahl Testbullen
Stück
260
Nutzungsdauer der Bullenväter
Jahre
2
Nutzungsdauer der Kuhväter
Jahre
2,5
Nutzungsdauer der Bullenmütter
Jahre
2,5
Nutzungsdauer der Kuhmütter
Jahre
4
Erstkalbealter
Jahre 2,33
Zwischenkalbezeit Jahre 1,17
Mittleres Alter der Altbullen bei der Geburt der ersten Nachkommen
Jahre
6
Mittleres Alter der Testbullen bei der Geburt der ersten Nachkommen
Jahre
2
4.2.7 Selektionsgruppen und -indices
Die Unterteilung der gesamten Population in verschiedene Selektionsgruppen ist Grundlage für die Aufstellung
der Übertragungsmatrix (P-Matrix). Diese beinhaltet in der Planungsalternative I 20 Selektionsgruppen und be-
schreibt den Aufbau der Zucht- und Produktionsstufe. Abbildung 10 zeigt eine Darstellung der P-Matrix.
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

Herkunft der Eltern
ZB ZK PK
ZB
BB
TB>BZ
AB>BZ
KB
K1L>BZ
ZK
BK
TB>KZ
AB>KZ
TB>wJR
AB>wJR
TB>KEL AB>KEL
TB>K1L
AB>K1L
TB>K2L
AB>K2L
KZ
KZ>KZ
KZ>wJR
KZ>KEL
KZ>K1L
KZ>K2L
Einsatz
der
Nach-
kommen
PK
BP
AB>KP
KP
>KP
Zuchtebenen Selektionsgruppen
ZB - Zuchtstufe (Bullen)
BB - Bullenväter
ZK - Zuchtstufe (Kühe)
unterteilt in TB – Test- u. AB - Altbullen
PK - Produktionsstufe (Kühe)
BK - Kuhväter
unterteilt in TB – Test- u. AB – Altbullen
BP - Kuhväter in Produktionsstufe (Altbullen)
KB - Bullenmütter (alles Kühe mit 1. Lakt.)
KZ - Kuhmütter in Zuchtstufe
KP - Kuhmütter in Produktionsstufe
Abbildung 10:
Schematische P-Matrix für Planungsalternative I
Wie schon von RENDEL und ROBERTSON (1950) durch das 4-Pfade-Modell aufgestellt und von WILLAM (1997) be-
schrieben, stellen die männlichen Nachkommen aus der gezielten Anpaarung von Bullenvätern mit Bullenmüttern
die Ausgangsbasis für die Selektion der Bullen der nächsten Generation dar. Bei der Selektion der Bullenväter
handelt es sich um sehr wenige, aber scharf selektierte Elitebullen. Die Testbullen, erzeugt aus den besten Bullen
und Kühen, sind dabei jene Tiere der nächsten Generation, die nach der Eigenleistungsprüfung in den Testein-
satz kommen und nach der Nachkommenprüfung entweder als Altbullen zum Einsatz kommen oder aus der
Zucht ausscheiden. Somit war jeder Bullen- bzw. Kuhvater vorher bereits als Testbulle im Testeinsatz.
Die Bullenmütter werden als Färsen nach einer Vorauswahl selektiert und nach erfolgreichem Abschluss der
1. Laktation für eine Anpaarung an die Bullenväter unter Vertrag genommen. Die väterlichen Gene und somit die
genetische Überlegenheit oder der Zuchtfortschritt werden dabei nur über die Bullenväter und die mütterlichen
Gene nur über die Bullenmütter an die männlichen Tiere der Nachkommengeneration übertragen. Die Kuhväter
sind wiederum Testbullen und alle Bullen, die eine Nachkommenprüfung mit Erfolg, d.h. mit einem positiven
Zuchtwert abgeschlossen haben. Alle weiteren männlichen Nachkommen spielen für die Zucht keine Rolle. Die
Kuhmütter umfassen alle Kühe der Milchviehbetriebe, die auch zur Zucht eingesetzt werden.
Der Zuchtfortschritt ist somit im Wesentlichen abhängig von einer konsequenten Auslese zuverlässig geprüfter
Bullen und Bullenmütter. Die weiblichen Tiere der nächsten Generation erhalten ihre Gene von Altbullen bzw.
Jungbullen und mütterlicherseits hauptsächlich von Kuhmüttern und zu geringem Anteil von Bullenmüttern.
Um eine Selektion auf mehrere Merkmale zu ermöglichen, wird vom Programm die Indexselektion verwendet. Im
Selektionsindex werden die verschiedenen Merkmale, die auch von verschiedenen Informationsquellen stammen
können, unter Berücksichtigung genetischer und ökonomischer Bedingungen in einem Ausdruck zusammenge-
fasst. Diese Methode bietet die Möglichkeit, bei der Selektion auf mehrere Merkmale einen maximalen Zuchtfort-
schritt aus der Summe der Einzelmerkmale zu erreichen (
ALHUSSEIN 1993). Nach PANICKE und SCHNEPPER (1990)
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36
Schriftenreihe, Heft 5/2008

dient sie als Hilfsmittel der gerichteten Selektion und wird zur optimalen Verknüpfung von Merkmalen in der Ori-
entierung auf ein Zuchtziel genutzt. Bei der Zweistufenselektion zur Bullenauswahl ist ebenfalls eine Möglichkeit
zur Steigerung des Zuchtfortschrittes durch den Selektionsindex gegeben. Dies wurde von
NIEBEL und FEWSON
(1976) dadurch begründet, dass die Informationen aus der ersten Selektionsstufe nochmals in den Selektionsin-
dex für die zweite Selektionsstufe mit einfließen (
ALHUSSEIN 1993).
Für die Umsetzung der Planungsalternative II war es erforderlich, auf der Zuchtstufe weitere Selektionsgruppen
für die Realisierung der Testherden aufzustellen. Die neu entstandene Übertragungsmatrix (P-Matrix) beinhaltet
27 Selektionsgruppen und ist in Abbildung 11 dargestellt.
KP
>KP
BP
AB>KP
PK
KZ
TK
KZ>KZ
TK>TK
KZ>wJR
TK>wJR
KZ>KEL
TK>KEL
KZ>K1L
TK>K1L
KZ>K2L
TK>K2L
BK
TB>KZ
AB>KZ
TB>TK
AB>TK
TB>wJR
AB>wJR
TB>KEL
AB>KEL
TB>K1L
AB>K1L
TB>K2L
AB>K2L
ZK
KB
K1L>BZ
BB
TB>BZ
AB>BZ
ZB
ZB
ZK
PK
Einsatz der
Nach-
kommen
Herkunft der Eltern
Zuchtebenen Selektionsgruppen
ZB - Zuchtstufe (Bullen) BB - Bullenväter
ZK - Zuchtstufe (Kühe)
unterteilt in TB
Test- u. AB - Altbullen
PK - Produktionsstufe (Kühe)
BK - Kuhväter
Unterteilt in TB
Test- u. AB
Altbullen
BP - Kuhväter in Produktionsstufe (Altbullen)
KB - Bullenmütter (alles Kühe mit 1. Lakt.)
KZ - Kuhmütter in Zuchtstufe (ohne Testherden)
TK - Kuhmütter aus Testherden in Zuchtstufe
KP - Kuhmütter in Produktionsstufe
Abbildung 11:
Schematische P-Matrix für Planungsalternative II
Für die verwendeten Selektionsgruppen sind die entsprechenden Selektionsindices und die dazugehörigen In-
formationsquellen im Anhang 7 (Planungsalternative I) und Anhang 8 (Planungsalternative II) beschrieben.
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37
Schriftenreihe, Heft 5/2008

5 Ergebnisse
5.1 Modellkalkulationen zur Planungsalternative I
In den folgenden Abschnitten sollen verschiedene Parameter der Populationsstruktur sowie biologisch-technische
Koeffizienten variiert werden, um deren Einfluss auf die für die Zuchtplanung wichtigen Erfolgsgrößen Zuchtfort-
schritt im Gesamtzuchtwert sowie Züchtungsgewinn pro Kuh quantifizieren zu können. Eine Erhöhung der Wirt-
schaftlichkeit ist laut
LIND (2006) nur durch züchterischen Fortschritt zu erreichen und auch nur dann, wenn es
ökonomisch angemessen erscheint. Ziel ist es, ein Optimum in der Zuchtstruktur bei einem gemeinsamen Ge-
schäftsbetrieb zu finden, um daraus Vorschläge für die Einbindung in das zukünftige Zuchtprogramm abzuleiten.
In der Planungsalternative I werden dabei der Einfluss der variablen Kosten, der Anzahl Testbullen, der Anzahl
Töchter je Testbulle bzw. der Testanteil dargestellt. In weiteren Planungsrechnungen wird der Einfluss der wirt-
schaftlichen Gewichtung durch Variation des Grenznutzens für die Nutzungsdauer, Mastitiserkrankung und den
Eiweißgehalt dargestellt.
5.1.1 Gemeinsame Vertriebsorganisation des Sächsischen Rinderzuchtverbandes e.G. mit der NORD-
RIND GmbH
Bei den Berechnungen wird jeweils von der im vorigen Kapitel vorgestellten Ausgangsvariante ausgegangen.
5.1.1.1 Gemeinsame Vertriebsorganisation auf der Basis anteiliger Kosten
Auf der Grundlage der unterstellten Planungsparameter für die Ausgangssituation wird angenommen, dass die
variablen Kosten im gewogenen Mittel den Kosten des SRV und der NORDRIND entsprechen. In der Tabelle 15
werden die Ergebnisse dargestellt. Für die Analyse der Wirksamkeit eines Zuchtprogramms ist der monetäre
Zuchtfortschritt im Gesamtzuchtwert entscheidend, welcher die ökonomisch gewichteten Zuchtzielmerkmale um-
fasst. Er beträgt in der Ausgangssituation 16,48 € pro Kuh und Jahr. Für den betrachteten Investitionszeitraum
von 25 Jahren ist darüber hinaus ein Züchtungsertrag von etwa 122,77 € und Züchtungskosten von etwa 30,50 €
zu erwarten. Somit ist in der derzeitig vorliegenden Situation von einem Züchtungsgewinn von 92,27 € auszuge-
hen.
Tabelle 15: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei MASTERRIND
(Kosten im gewogenen Mittel)
Erfolgsparameter
Einheit
Wert
Naturaler Zuchtfortschritt
Milchmenge kg 125
Eiweißmenge kg 4,88
Fettmenge kg 3,75
Zwischenkalbezeit Tage 0,72
Nutzungsdauer Monate 0.03
Klinische Mastitis
%
-0,59
Monetärer Zuchtfortschritt
€ 16,48
Züchtungsertrag € 122,77
Züchtungskosten € 30,50
Züchtungsgewinn
€ 92,27
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38
Schriftenreihe, Heft 5/2008

5.1.1.2 Gemeinsame Vertriebsorganisation auf der Basis Kosten ELP, Kosten WBH, Kosten Sperma-
lagerung entsprechen den Kosten des SRV
In dieser Kalkulation werden die bisherigen Kosten für die Eigenleistungsprüfung, die Kosten für die Wartebullen-
haltung und die Kosten für die Spermalagerung vom SRV übernommen. Die weiteren Kosten sind analog Ab-
schnitt 5.1.1 anteilige Kosten beider Zuchtorganisationen.
Die Ergebnisse für den naturalen Zuchtfortschritt für Milchmenge, Eiweißmenge, Fettmenge sowie für funktionale
Merkmale und das Ergebnis für den monetären Zuchtfortschritt entsprechen denen der Variante 1 aus Tabelle 15.
Tabelle 16: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei MASTERRIND
(Kosten SRV)
Erfolgsparameter
Einheit
Wert
Monetärer Zuchtfortschritt
16,48
Züchtungsertrag € 122,77
Züchtungskosten € 30,35
Züchtungsgewinn
€ 92,42
Die Züchtungskosten sind entsprechend den Kosten des SRV mit 30,35 € je Kuh geringer und realisieren somit
einen höheren Züchtungsgewinn (siehe Tabelle 16). Weil es das Ziel des gemeinsamen Zuchtunternehmens ist,
die Kosten des SRV auch bei einer Erweiterung der Herdbuchpopulation zu erreichen, wurde in Absprache mit
der Arbeitsgruppe für die weiteren Berechnungen von dieser Kostenvariante ausgegangen.
Weil es sich hierbei um ein statisches Modell handelt, werden die Auswirkungen in den einzelnen Szenarien im-
mer unter Konstanthaltung aller verwendeten Parameter berechnet. Eine Anpassung innerhalb des Investitions-
zeitraumes an sich veränderte Rahmenbedingungen ist nicht möglich. Dies führt zu einer gewissen Unsicherheit
in den Berechnungen verglichen mit einem dynamischen Modell.
5.1.2
Variation der Populationsparameter
5.1.2.1 Variation der Anzahl Testbullen
Ziel der folgenden Berechnungen war es, Veränderungen in der Nachkommenprüfung zu simulieren. Dazu wurde
die Anzahl der Testbullen und als Folge die Anzahl an Nachkommen je Testbulle unter zwei fixen Testkapazitäten
variiert. Es sind acht Varianten gerechnet, wobei die Anzahl Testbullen schrittweise von 180 auf 320 erhöht wur-
de. In Tabelle 17 wird der Testanteil mit 28 % konstant gehalten. Dabei stellt die Variante mit 260 Jungbullen die
Basisvariante dar und spiegelt den derzeitigen Testeinsatz der MASTERRIND GmbH wieder. Die Anzahl Töchter
je Testbulle errechnet sich programmintern. Allen Varianten liegen die im Kapitel 4 beschriebenen Parameter
zugrunde.
Tabelle 18 zeigt die Ergebnisse bei gleichen Variationsstufen, jedoch mit einem konstanten Testanteil von 40 %.
Ein höherer Testanteil ist Ziel des Zuchtverbandes. Um die Ergebnisse auf Plausibilität abzugleichen, wurde die
Variante mit 40 % Testanteil gewählt, weil im Kapitel 5.2.3 ein Testanteil von 40 % als Optimum im Züchtungsge-
winn ermittelt wurde. Die gelb unterlegten Spalten in Tabelle 18 und Tabelle 20 zeigen die vergleichbaren Varian-
ten, zum einen mit konstantem Testanteil von 40 % und variierender Anzahl Testbullen (Tabelle 18) und in Kapitel
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
39
Schriftenreihe, Heft 5/2008

5.2.3 mit konstanter Anzahl Testbullen von 260 und variierendem Testanteil (Tabelle 20). Beide Ergebnisse zei-
gen annähernd gleiche Ergebnisse und sind somit zueinander schlüssig.
Tabelle 17: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in Abhängigkeit
von der Anzahl Testbullen - Testanteil konstant bei 28 %
Erfolgsparameter Einheit
Anzahl Testbullen
180
200
220
240
260
280
300
320
Naturaler Zucht-
fortschritt
Milchmenge kg 126,50 127,90 129,20 130,50 131,60 132,60 133,60 134,50
Eiweißmenge kg 4,95 4,99 5,03 5,07 5,11 5,13 5,16 5,19
Fettmenge kg 3,80 3,84 3,87 3,90 3,93 3,96 3,98 4,01
ZKZ Tage 0,71 0,72 0,73 0,74 0,75 0,76 0,77 0,77
Nutzungsdauer Monate 0,034 0,034 0,033 0,032 0,032 0,031 0,030 0,030
Klinische Mastitis % -0,611 -0,607 -0,602 -0,598 -0,593 -0,589 -0,583 -0,579
Monetärer Zucht-
fortschritt
€ 16,82 16,89 16,94 16,99 17,03 17,06 17,08 17,10
Züchtungsertrag € 124,30 125,30 126,00 126,60 127,30 127,70 128,10
128,50
Züchtungskosten € 27,97 28,53 29,11 29,72 30,35 31,02 31,71 32,42
Züchtungsgewinn
€ 96,37 96,73 96,90
96,93
96,92 96,65 96,35 96,08
Töchter pro Test-
bulle
Anzahl 174 157 143
131
121 112 105 98
Plätze-ELP
Anzahl 247 274 301
329
356 384 411 438
Bullenmütter
Anzahl 100 111 122
133
144 155 166 177
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 18: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in Abhängigkeit
von der Anzahl Testbullen – Testanteil konstant bei 40 %
Erfolgsparameter Einheit
Anzahl Testbullen
180
200
220
240
260
280
300
320
Naturaler Zucht-
fortschritt
Milchmenge kg 125,00 126,30 127,50 128,70 129,70 130,70 131,60 132,40
Eiweißmenge kg 4,91 4,96 5,00 5,03 5,07 5,10 5,12 5,15
Fettmenge kg 3,77 3,81 3,84 3,87 3,90 3,93 3,95 3,97
ZKZ Tage 0,69 0,70 0,71 0,72 0,73 0,74 0,74 0,75
Nutzungsdauer Monate 0,037 0,037 0,036 0,036 0,035 0,035 0,034 0,033
Klinische Mastitis % -0,634 -0,632 -0,629 -0,626 -0,623 -0,620 -0,617 -0,613
Monetärer Zucht-
fortschritt
€ 16,82 16,89 16,94 16,99
17,03 17,06 17,08 17,10
Züchtungsertrag € 125,00 126,00 126,80 127,50 128,20 128,70 129,20
129,70
Züchtungskosten € 28,32 28,87 29,45 30,06 30,70 31,36 32,05 32,77
Züchtungsgewinn
€ 96,67 97,12 97,38 97,47
97,50
97,38 97,12 96,89
Töchter pro Test-
bulle
Anzahl250 224 204 187
172
160 149 140
Plätze-ELP
Anzahl247 274 301 329
356
384 411 438
Bullenmütter
Anzahl100 111 122 133
144
155 166 177
Die Tabellen 17 und 18 zeigen die Auswirkungen einer Erweiterung der Jungbullenanzahl auf die Zielgrößen
Zuchtfortschritt und Züchtungsgewinn. Die Erhöhung der Testbullenzahl führt zu einer Steigerung des monetären
Zuchtfortschritts. Es kann aus einer größeren Anzahl getesteter Jungbullen schärfer selektiert werden. Gleichzei-
tig sinkt die Selektionsintensität im Bullenmütterpfad. Es werden mehr Bullenmütter für die Schaffung der Bullen-
kälber aus gezielter Anpaarung benötigt. Der positive Effekt der höheren Anzahl an Jungbullen bei konstantem
Testanteil geht zu Ungunsten der Genauigkeit der Zuchtwertschätzung für die Altbullen. Es ist weiter zu beach-
ten, dass eine Erhöhung der Testbullenanzahl zu einer Ausdehnung der Eigenleistungsprüfung führt und damit
einen Anstieg der Züchtungskosten zur Folge hat. Somit ergibt sich bei einem Testanteil von 28 % ein Optimum
des Züchtungsgewinns bei 240 Testbullen und bei einem Testanteil von 40 % ein Optimum des Züchtungsge-
winns bei 260 Testbullen.
5.1.2.2 Variation der Anzahl Töchter je Testbulle
Tabelle 19 zeigt die Auswirkungen einer Erhöhung der Anzahl an Töchtern je Testbulle von 120 bis 190. Die
Testbullenanzahl bleibt konstant mit 260, der Testanteil errechnet sich. Die Variante mit 120 Töchtern je Testbulle
stellt die Basisvariante dar.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
41
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 19:
Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in Abhängigkeit
von der Anzahl Testtöchter – Anzahl Testbullen konstant bei 260
Erfolgsparameter
Einheit
Anzahl Töchter/Testbulle
120
130
140
150
160
170
180
190
Naturaler Zucht-
fortschritt
Milchmenge kg 131,70 131,20 130,90 130,50 130,20 129,80 129,50 129,10
Eiweißmenge kg 5,11 5,10 5,09 5,08 5,08 5,07 5,06 5,05
Fettmenge kg 3,93 3,93 3,92 3,92 3,91 3,90 3,90 3,89
ZKZ Tage 0,751 0,746 0,742 0,737 0,733 0,729 0,725 0,721
Nutzungsdauer Monate 0,032 0,033 0,033 0,034 0,035 0,035 0,035 0,036
Klinische Mastitis % -0,593 -0,601 -0,607 -0,613 -0,618 -0,623 -0,627 -0,630
Monetärer Zucht-
fortschritt
€ 17,03 17,08 17,12 17,16 17,18 17,20 17,22 17,22
Züchtungsertrag € 127,30 127,60 127,90 128,10 128,20 128,20
128,30
128,20
Züchtungskosten € 30,30 30,37 30,44 30,50 30,57 30,64 30,70 30,77
Züchtungsgewinn
€ 97,00 97,23 97,46 97,60
97,63
97,60 97,60 97,43
Testanteil
% 0,28 0,30 0,32 0,35
0,37
0,39 0,42 0,44
auf Exterieur geprüfte
Töchter/TB
Anzahl 60 65 70 75 80 85 90 95
auf Melkbarkeit ge-
prüfte Töchter/TB
Anzahl 30 33 35 38 40 43 45 48
Mit steigender Anzahl Töchter je Testbulle steigt auch die Genauigkeit der Zuchtwerte für die Altbullen, also deren
Sicherheit. Der monetäre Fortschritt steigt dennoch nur gering um etwa 1 % an. Eine Erhöhung der Töchterzahlen
hat somit kaum Einfluss auf den Gesamtzuchtfortschritt. Jedoch ist zu erkennen, dass sich die Zusammenset-
zung des Zuchtfortschrittes zugunsten der funktionalen Merkmale verschiebt. Somit kann man trotzdem die Töch-
terzahl von 160 empfehlen, welche ein Optimum im Züchtungsgewinn darstellt.
5.1.2.3 Variation des Testanteils
In den Berechnungen der Tabelle 20 wird eine Erweiterung des Testanteils simuliert. Die Anzahl Testbullen lag
konstant bei 260.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
42
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 20: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in Abhängigkeit
vom Testanteil – Anzahl Testbullen konstant bei 260
Erfolgsparameter
Einheit
Testanteil
.15
.20
.25
.30
.35
.40
.45
.50
Naturaler Zuchtfort-
schritt
Milchmenge kg 134,60 133,20 132,20 131,30 130,50 129,70 129,00 128,20
Eiweißmenge kg 5,14 5,13 5,11 5,10 5,08 5,07 5,05 5,03
Fettmenge kg 3,96 3,95 3,94 3,93 3,92 3,90 3,89 3,87
ZKZ Tage 0,79 0,77 0,76 0,75 0,74 0,73 0,72 0,71
Nutzungsdauer Monate 0,023 0,028 0,030 0,032 0,034 0,035 0,036 0,037
Klinische Mastitis % -0,52 -0,56 -0,58 -0,60 -0,61 -0,62 -0,63 -0,64
Monetärer Zucht-
fortschritt
€ 16,46 16,76 16,95 17,08 17,15
17,20 17,23 17,23
Züchtungsertrag € 123,20 125,40 126,70 127,60 128,00 128,20
128,30
128,10
Züchtungskosten € 29,98 30,12 30,27 30,41 30,55 30,70 30,84 30,98
Züchtungsgewinn
€ 93,22 95,28 96,29 97,19 97,45
97,50
97,46 97,12
Töchter pro Test-
bulle
Anzahl 65 86 108 129 151
172
194 216
Die schrittweise Erhöhung des Testanteils von 15 auf 50 % führt bis zu einem Anteil von 45 % im Züchtungser-
trag und bis zu einem Anteil von 40 % im Züchtungsgewinn zu einer Steigerung. Der zugrunde liegende Mehrge-
winn im Zuchtfortschritt ist zum einen begründet durch die Verkürzung des Generationsintervalls durch den ver-
stärkten Einsatz der Jungbullen. Andererseits ermöglicht der höhere Testumfang eine größere Töchterzahl je
Jungbulle. Somit werden die Zuchtwerte für die Altbullen sicherer. Gleichzeitig werden weniger geprüfte Kuhväter
notwendig, die somit schärfer selektiert werden können.
5.1.2.4 Optimierung nach monetären Zuchtfortschritt bzw. Züchtungsgewinn
In der folgenden Berechnung wurde der Parameter für die Anzahl Testbullen und für den Testanteil gleichzeitig in
mehreren Stufen variiert. Die Anzahl Testbullen wurden dabei zwischen 220 und 290 mit einem Variationsschritt
von 10 und der Testanteil von 30 bis 44 % mit einem Variationsschritt von 2 % variiert. Die optimalen Varianten
bezogen auf den monetären Zuchtfortschritt bzw. nach dem möglichen Züchtungsgewinn sind in Tabelle 21 dar-
gestellt.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
43
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 21: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in der nach mone-
tären Zuchtfortschritt und Züchtungsgewinn optimierten Variante
Erfolgsparameter
Einheit
Ausgangsvariante Optimiert nach Zuchtfort-
schritt
Optimiert nach Züch-
tungsgewinn
Naturaler Zuchtfort-
schritt
Milchmenge kg 125,40 130,50 130,00
Eiweißmenge kg 4,88 5,10 5,07
Fettmenge kg 3,75 3,93 3,91
Zwischenkalbezeit Tage 0,723 0,733 0,732
Nutzungsdauer Monate 0,0295 0,0350 0,0346
Klinische Mastitis
%
-0,5787
-0,625
-0,620
Monetärer Zuchtfort-
schritt
€ 16,34 17,29 17,19
Züchtungsertrag € 121,68 129,10 128,20
Züchtungskosten € 30,24 31,82 30,64
Züchtungsgewinn
€ 91,44 97,28 97,56
Generationsintervall
Jahre 5,68 5,53
5,59
Töchter pro Testbulle
Anzahl 120 170
164
Testanteil
% .28 .44 .38
Anzahl Testbullen
Anzahl 260 290
260
Ein nach Zuchtfortschritt optimierter Zuchtplan ergibt sich bei 44 % Testanteil mit 290 Testbullen und je 170 ge-
prüfte Töchter. Der Zuchtfortschritt steigt mit zunehmendem Einsatz an Jungbullen.
Die dabei schärfere Selektion
der notwendigen Kuh- und Bullenväter aus der erweiterten Testbullenanzahl und die Verkürzung des Generati-
onsintervalls führen zu einer Steigerung des monetären Zuchtfortschritts um fast 6 % gegenüber der Ausgangs-
variante. Die Züchtungskosten steigen mit zunehmender Anzahl Testbullen an. Dennoch kann mit dem nach
Zuchtfortschritt optimierten Zuchtplan ein um 6 % höherer Züchtungsgewinn pro Kuh zur Ausgangsvariante er-
reicht werden. Ähnliche Ergebnisse erhielt auch
RIEDL (1996).
Abbildung 12 zeigt die zugehörigen Ergebnisse zum monetären Zuchtfortschritt in Abhängigkeit von dem Testan-
teil und der Anzahl an Testbullen bei jeweils nach dem monetären Zuchtfortschritt optimierter Töchterzahl je
Testbulle.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
44
Schriftenreihe, Heft 5/2008

220
230
240
250
260
270
280
290
0,30
0,32
0,34
0,36
0,38
0,40
0,42
0,44
16,80
16,85
16,90
16,95
17,00
17,05
17,10
17,15
17,20
17,25
17,30
Abbildung 12:
Monetärer Zuchtfortschritt in Abhängigkeit von dem Testanteil (TA) und der Anzahl an
Testbullen (TB)
Bei einem auf Züchtungsgewinn ausgerichteten Zuchtplan wird die um 30 Bullen geringere Testbullenanzahl von
260 Testbullen als optimal ermittelt. Dies entspricht der Anzahl geprüfter Jungbullen der Ausgangsvariante. Auch
hier ist zu beachten, dass die Kosten über den genannten Investitionszeitraum von 25 Jahren nicht angepasst
werden können. Die Untersuchungen ergaben, dass eine gewünschte Verbesserung in den funktionalen Merkma-
len über eine Erhöhung der Testkapazität erreicht werden kann. Die Erhöhung der Töchter je Testbulle führt zu
einer höheren Genauigkeit der Zuchtwertschätzung und verbessert ebenso die funktionalen Merkmale.
Eine optimale Testkapazität ist bei 38 % erreicht, weil die Selektionsintensität mit steigender Anzahl Testbullen in
diesem Pfad zurückgeht. Der Genauigkeitsgewinn bei einer höheren Töchterzahl hat auch hier wie bei
SØRENSEN
et al. (1999) und KALM et al. (2003) keine größeren Auswirkungen mehr auf den monetären Zuchtfortschritt. Abbil-
dung 13 zeigt die zugehörigen Ergebnisse zum Züchtungsgewinn in Abhängigkeit von dem Testanteil und der
Anzahl an Testbullen bei jeweils nach dem Züchtungsgewinn optimierter Töchterzahl je Testbulle.
Bei Realisierung dieser Zuchtstruktur ist im Vergleich zur Ausgangsvariante ein um etwa 5 % höherer monetärer
Zuchtfortschritt möglich, bei einem um etwa 7 % höheren Züchtungsgewinn.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
45
Schriftenreihe, Heft 5/2008

220
230
240
250
260
270
280
290
0,30
0,32
0,34
0,36
0,38
0,40
0,42
0,44
96,40
96,60
96,80
97,00
97,20
97,40
97,60
Abbildung 13:
Züchtungsgewinn in Abhängigkeit von dem Testanteil (TA) und der Anzahl an Testbullen
(TB)
Das somit zu favorisierende und zu empfehlende Optimum liegt bei einer Testkapazität von 38 % mit 260 Testbul-
len und 164 Töchter je Testbulle.
5.1.3
Variation der Grenznutzen
Laut
LIND (2006) sollten mehrere Merkmale den erzielbaren wirtschaftlichen Erfolg mitbestimmen. Somit liegt das
zukünftige Augenmerk der Zucht unter anderen auf einer Verbesserung in den funktionalen Merkmalen. Aus
diesem Grund wurden Merkmale wie die Nutzungsdauer oder die Zwischenkalbezeit über Grenznutzen gewichtet,
um ihnen stärkere Bedeutung im Zuchtziel zu geben. Die Ermittlung der Grenznutzen hängt hauptsächlich von
einer Preis- und Kostenanalyse ab. Diese Analysen basieren in Kapitel 3 und 4.2.3 bei den genannten Autoren
auf unterschiedlichen Szenarien und sind mit Unsicherheitsfaktoren behaftet. In den folgenden Kapiteln sollen die
Auswirkungen fehlerhaft geschätzter Grenznutzen auf den Zuchtfortschritt untersucht werden. Die Berechnungen
beruhen auf der beschriebenen Ausgangsvariante.
Zunächst sind die in den Planungsrechnungen eingehenden ökonomischen Gewichte aus den verwendeten
Grenznutzen wie in Tabelle 22 abgebildet ermittelt.
Tabelle 22: Heritabilitäten (h²), Standardabweichungen (S
p
/S
g
), Grenznutzen (GN) und wirtschaftliche
Gewichte (w) für die verwendeten Zuchtzielmerkmale
Merkmal
S
p
S
g
GN
€/Merkmalseinheit
w
€/S
g
%
%
MM 0,35 900 532,45 -0,03 -15,97 10,83
FM 0,25 40 20,00 0,5 10,00 6,78
EM 0,31 30 16,70 3 50,11 33,98
51,59
ZKZ 0,05 55 12,30 -0,85 -10,45 7,09
ND 0,16 6 2,40 5,83 13,99 9,49
Mastitis 0,05 30 6,71 -7 -46,96 31,84
48,41
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
46
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Die Gewichtung liegt in den Planungsrechnungen zu 52 % auf den Leistungsmerkmalen und zu 48 % auf den
funktionalen Merkmalen. In der Arbeit von WÜNSCH (1999), von welcher überwiegend die verwendeten Grenznut-
zen entnommen wurden, ist sie ebenfalls mit 52 % zu 48 % verteilt.
LIND (2006) hat eine Aufspaltung von 44 % in
den Leistungsmerkmalen und 56 % in den funktionalen Merkmalen. Der Deutsche Holsteinverband e.V. (DHV)
gibt beiden Merkmalskomplexen eine Wichtung im Verhältnis 1: 1 und somit zu je 50 %. Der Zuchtindex Sachsen
(ZIS) bewertet die Milchleistungsmerkmale mit 62 %, alle anderen in der Summe mit 38 %.
Betrachtet man den Grenznutzen steht die Fettmenge zur Eiweißmenge im Verhältnis 1: 6, bezogen auf die rela-
tiven wirtschaftlichen Gewichte ergibt sich noch ein Verhältnis von 1: 5. Die Nutzungsdauer als wichtiges funktio-
nales Merkmal ist mit 10 % im Zuchtziel gewichtet, die Eutergesundheit mit dem Merkmal Mastitis sogar mit 30 %.
Somit steht bei einer ökonomischen Betrachtung das Merkmal Nutzungsdauer zu Mastitisanfälligkeit in einem
Verhältnis von über 1 : 3.
HECKENBERGER (1991) fand die wirtschaftliche Bedeutung bei 47 % in der Milch- und
Fleischleistung und bei 53 % in den funktionalen Merkmalen. Dabei wurden 7 % der Nutzungsdauer und 25 % der
Mastitishäufigkeit zugeordnet.
5.1.3.1 Variation des Grenznutzens für die Nutzungsdauer
Für die Ermittlung des Zuchtfortschritts wurden die Grenznutzenwerte für das Merkmal Nutzungsdauer in 3 Stufen
variiert. Ein Grenznutzen von 6 € pro Monat Nutzungsdauer entspricht annähernd der Ausgangssituation mit 5,83
€. Eine Abweichung von 2 € wurde sowohl nach oben als auch nach unten untersucht.
Tabelle 23: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei Variation des
Grenznutzens für die Nutzungsdauer
Variation des Grenznutzen für Nutzungsdauer von 4 bis 8
4,00 6,00 8,00
Naturaler Zucht-
fortschritt
Milchmenge kg 130 125 120
Eiweißmenge kg 5,0 4,9 4,7
Fettmenge kg 3,9 3,7 3,6
Zwischenkalbezeit Tage 0,74 0,72 0,70
Nutzungsdauer Monate
0,015 0,031 0,047
Klinische Mastitis % -0,54 -0,58 -0,62
Monetärer Zucht-
fortschritt
€ 16,31 16,36 16,44
Züchtungsertrag € 121,47 121,80 122,37
Züchtungskosten € 30,24 30,24 30,24
Züchtungsgewinn
€ 91,23 91,56 92,13
Tabelle 23 zeigt, dass es durch eine Erhöhung des wirtschaftlichen Gewichtes von einer Variationsstufe zur ande-
ren zu einer Verbesserung des naturalen Zuchtfortschrittes im Merkmal kommt. Allerdings beläuft sich die ver-
besserte Nutzungsdauer lediglich auf 0,032 Monate bzw. etwa 1 Tag pro Jahr. Auch die anderen betrachteten
funktionalen Merkmale verbessern sich. Die naturalen Zuchtfortschritte der Milchleistungsmerkmale gehen hinge-
gen zurück, weil Antagonismen bestehen und sie negativ zur Nutzungsdauer korreliert sind. Der monetäre Zucht-
fortschritt steigt mit jeder Variationsstufe leicht an.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
47
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Betrachtet man in Tabelle 24 die wirtschaftlichen Gewichte bei einem Grenznutzen von 8 € pro Monat Nutzungs-
dauer, so verändern sich die relativen wirtschaftlichen Gewichte. Die funktionalen Merkmale sind jetzt mit 50 %
gewichtet. Die Nutzungsdauer ist um etwa 3 % stärker gewichtet und steht jetzt zur Mastitisanfälligkeit im Ver-
hältnis von 1: 2,4.
Tabelle 24:
Heritabilitäten (h²), Standardabweichungen (S
p
/S
g
), Grenznutzen (GN) und wirtschaftliche
Gewichte (w) für die verwendeten Zuchtzielmerkmale einschließlich dem Eiweißgehalt
Merkmal
S
p
S
g
GN
€/Merkmalseinheit
w
€/S
g
%
%
MM 0,35 900 532,45 -0,03 -15,97 10,46
FM 0,25 40 20,00 0,5 10,00 6,55
EM 0,31 30 16,70 3 50,11 32,82
49,83
ZKZ 0,05 55 12,30 -0,85 -10,45 6,84
ND 0,16 6 2,40 8 19,20 12,57
Mastitis 0,05 30 6,71 -7 -46,96 30,76
50,17
5.1.3.2 Variation des Grenznutzen für die Mastitisanfälligkeit
Eine ähnliche Vorgehensweise wurde auch für die Mastitisanfälligkeit gewählt, wobei ebenfalls drei Variationsstu-
fen zum Einsatz kamen. Tabelle 25 zeigt die Ergebnisse.
Tabelle 25: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei Variation des
Grenznutzens für die Mastitisanfälligkeit
Variation des Grenznutzen für Mastitisanfälligkeit von -4 bis -10
-4,00 -7,00 -10,00
Naturaler Zucht-
fortschritt
Milchmenge kg 199 126 53
Eiweißmenge kg 6,7 4,9 3,0
Fettmenge kg 5,6 3,8 1,9
Zwischenkalbezeit Tage 1,07 0,72 0,37
Nutzungsdauer Monate -0,03 0,03 0,08
Klinische Mastitis %
0,08 -0,58 -1,04
Monetärer Zucht-
fortschritt
€ 15,41 16,35 18,85
Züchtungsertrag € 115,11 121,76 139,82
Züchtungskosten € 30,24 30,24 30,24
Züchtungsgewinn
€ 84,88 91,52 109,58
Wie die Ergebnisse zeigen, geht die Anfälligkeit für Mastitis zurück, wenn man für dieses Merkmal einen negati-
ven Grenznutzen ansetzt. Ein negativer Grenznutzen bedeutet, dass der Grenzerlös abzüglich der Grenzkosten
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
48
Schriftenreihe, Heft 5/2008

negativ ist, d.h. es ergibt sich ein absinkender Gewinn, wenn die Mastitisanfälligkeit um 1 % steigt und alle ande-
ren Merkmale gleich bleibend sind. Ein hoher negativer Grenznutzen von -10 zeigt einen Rückgang in der Masti-
tishäufigkeit von über 1 %. Es zeigt jedoch auch einen deutlichen Rückgang zu Lasten der Milchleistungsmerk-
male. Bei einem Grenznutzen von -7 liegt der naturale Zuchtfortschritt für die Nutzungsdauer im positiven Bereich
und der für die Mastitisanfälligkeit im negativen Bereich. Auch die Zwischenkalbezeit ist gegenüber der Variante
mit einem Grenznutzen von -4 verbessert. Die Nutzungsdauer liegt bei der Grenznutzenvariante -4 noch im nega-
tiven Bereich. Es zeigt sich, dass Fehleinschätzungen im Grenznutzen der Mastitisanfälligkeit zu größeren Aus-
wirkungen führen können, als bei den Grenznutzen der Nutzungsdauer. In den Szenarien wurde ein Grenznutzen
von -7 für die Mastitisanfälligkeit bevorzugt.
5.1.3.3 Variation des Grenznutzens für den Eiweißgehalt
Geht man davon aus, dass der Gehalt an Eiweiß in der Milch nicht abnehmen soll, so darf der naturale Zuchtfort-
schritt in diesem Merkmal nicht negativ sein.
Tabelle 26:
Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei Variation des
Grenznutzens für den Eiweißgehalt
Variation des Grenznutzens für Eiweißgehalt von 1 bis 100
1,00 10,00 100,00
Naturaler Zucht-
fortschritt
Milchmenge kg 125 123 95
Eiweißmenge kg 4,9 4,8 4,1
Fettmenge kg 3,7 3,7 3,2
Eiweißgehalt % -0,0105 -0,0093 0,0035
Zwischenkalbezeit Tage 0,72 0,71 0,57
Nutzungsdauer Monate 0,030 0,027 0,003
Klinische Mastitis
%
-0,58
-0,59
-0,73
Monetärer Zucht-
fortschritt
€ 16,34 16,25 15,98
Züchtungsertrag € 121,68 121,01 118,80
Züchtungskosten € 30,24 30,24 30,24
Züchtungsgewinn
€ 91,44 90,77 88,56
Es zeigt sich in Tabelle 26, dass erst bei einem Grenznutzen von 100 € pro % Eiweißgehalt der Zuchtfortschritt in
diesem Merkmal knapp über Null ist. In allen anderen Merkmalen sind bei einer Anhebung um 10 % kaum Ände-
rungen erkennbar. Fehleinschätzungen sind ähnlich wie bei der Nutzungsdauer somit tolerierbar.
Gibt man dem Eiweißgehalt nun einen Grenznutzen von 100 € je Prozent mehr Eiweißgehalt, so verschiebt sich
auch hier das Verhältnis der wirtschaftlichen Gewichtungen. Entsprechend Tabelle 27 fallen nun 54 % auf die
Leistungsmerkmale und 46 % auf die funktionalen Merkmale. Der Eiweißgehalt erhält eine Wichtung von 8 %. Im
Gegenzug fallen alle anderen Merkmale etwas weniger ins Gewicht.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
49
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 27:
Heritabilitäten (h²), Standardabweichungen (S
p
/S
g
), Grenznutzen (GN) und wirtschaftliche
Gewichte (w) für die verwendeten Zuchtzielmerkmale einschließlich dem Eiweißgehalt
Merkmal
S
p
S
g
GN
€/Merkmalseinheit
w
€/S
g
%
%
MM 0,35 900 532,45 -0,03 -15,97 9,61
FM 0,25 40 20,00 0,5 10,00 6,02
EM 0,31 30 16,70 3 50,11 30,17
53,88
EG 0,45 0,20 0,13 100 13,42 8,08
ZKZ 0,05 55 12,30 -0,85 -10,45 6,29
ND 0,16 6 2,40 8 19,20 11,59
Mastitis 0,05 30 6,71 -7 -46,96 28,27
46,12
Tabelle 28 zeigt, dass mit einer Gewichtung des Eiweißgehaltes durch die negative Korrelation zur Nutzungsdau-
er, diese im naturalen Zuchtfortschritt rückläufig ist. Ebenso gehen die Milchleistungsmerkmale Milch-, Eiweiß-
und Fettmenge wie auch in Tabelle 26 zurück. Im Gegenzug wird ein weiteres Absinken des Eiweißgehaltes
verhindert.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
50
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 28:
Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei Kombination
verschiedener Grenznutzen
Kombination der Grenznutzen für Nutzungsdauer und Eiweißgehalt
GN
ND
=8,00
GN
EG
=0,00
GN
ND
=8,00
GN
EG
=100
Naturaler Zuchtfortschritt
Milchmenge kg 118 88
Eiweißmenge kg 4,7 3,9
Fettmenge kg 3,6 3,0
Eiweißgehalt % -0,01 0,003
Zwischenkalbezeit Tage 0,68 0,53
Nutzungsdauer Monate
0,05 0,02
Klinische Mastitis
%
-0,65
-0,80
Monetärer Zuchtfortschritt
€ 16,65
16,23
Züchtungsertrag € 123,74 120,47
Züchtungskosten € 30,48 30,48
Züchtungsgewinn
€ 93,26 88,99
In beiden Varianten: 260 Testbullen mit 164 Töchtern je Bulle, Testanteil 38 %
Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung einzelner funktionaler Merkmale besteht somit in der Erhöhung ihrer
ökonomischen Gewichte. Dies hat jedoch zum Teil einen relativ starken Rückgang in den naturalen Zuchtfort-
schritten der Leistungsmerkmale zur Folge.
5.2 Modellkalkulationen zur Planungsalternative II
In den folgenden Abschnitten 5.2.1.1 bis 5.2.1.5 werden wie in der Planungsalternative I verschiedene Parameter
der Ausgangssituation variiert, um deren Einfluss auf die für die Zuchtplanung wichtigen Erfolgsgrößen Zuchtfort-
schritt im Gesamtzuchtwert sowie Züchtungsgewinn pro Kuh quantifizieren zu können. Es wird der Einfluss der
Populationsgröße von Testherden, die Prüfdichte der Milchleistungsprüfung und die Kosten der Milchleistungs-
prüfung auf den Züchtungsablauf dargestellt. Falls andere als die variierten Parameter geändert wurden und
somit eine Änderung der Basisvariante vorliegt, ist dies im Text erwähnt. Ziel ist es auch in diesen Szenarien, ein
Optimum in der Zuchtstruktur und in der Gestaltung der Leistungsprüfung zu finden, um daraus Vorschläge für
die Einbindung in das zukünftige Zuchtprogramm abzuleiten. In einer weiteren Planungsrechnung im Kapitel
5.2.1.6 wird eine Veränderung des Zuchtzieles durch Variation des Grenznutzens dargestellt. Dabei sollen die
funktionalen Merkmale im Zuchtziel eine stärkere Gewichtung erhalten. Die Veränderungen, vor allem im Beitrag
zum Zuchtfortschritt der einzelnen Merkmale, werden mit der Basisvariante aus Kapitel 5.2.1 verglichen.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
51
Schriftenreihe, Heft 5/2008

5.2.1
Ergebnisse der Basisvariante
Bei den Berechnungen wird jeweils von der im Kapitel 4 vorgestellten Ausgangsvariante ausgegangen. Folgende
Eckpunkte prägen die neue Basisvariante:
Populationsgröße 520 000 Tiere
davon: 190 000 Tiere aus SRV
260 Testbullen
91,5 % Teilnahme an MLP – gesamte Population
77 % Anteil Kühe im gesamten Testprogramm (Herdbuchkühe)
30 % Testanteil über gesamte Zuchtpopulation
ca. 8 000 aktive Tiere in Testherden
In dieser Planungsalternative II wird auf die Ergebnisse der Planungsalternative I aufgebaut. Somit wird die Ziel-
größe der Zuchtorganisation für die Anzahl Testbullen mit 260 Tieren angenommen. Als Testanteil sollten 30 %
angestrebt werden. Um die Zucht auf funktionale Merkmale zu unterstützen und um den negativen Einfluss einer
rückläufigen MLP-Teilnahme abzupuffern, soll der Einfluss von Testherden untersucht werden.
Die Ergebnisse der Basisvariante der Planungsalternative II werden in Tabelle 29 aufgezeigt.
Tabelle 29: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei der Basisvarian-
te – Planungsalternative II
Erfolgsparameter
Einheit
Wert
Wert
Testherden
Naturaler Zuchtfortschritt
Milchmenge kg
114,15 120,35
Eiweißmenge kg
4,68 4,90
Fettmenge
Eiweißgehalt
kg
%
3,51
-0,009
Zwischenkalbezeit
NonReturnRate weiblich
NonReturnRate männlich
Maternales Kalbeverhalten
Paternales Kalbeverhalten
Tage
%
%
% Klassen
% Klassen
0,69
-0,28
-0,25
-0,06
-0,22
-0,44
-0,39
-0,21
-0,13
Nutzungsdauer
Exterieurnote Fundament
Exterieurnote Euter
Verbleiberate 1.Laktation
Monate
Klassen
Klassen
%
0,047
-0,004
0,009
0,53
0,65
Klinische Mastitis
Logarithmische Zellzahl
Milchfluss
Gesundheitsmerkmal
%
Anzahl
kg/min
Tage
-0,49
-0,011
0,013
-0,59
0,014
0,032
Monetärer Zuchtfortschritt
€/Kuh+Jahr
Züchtungsertrag €/Kuh
Züchtungskosten €/Kuh
Züchtungsgewinn
€/Kuh
15,49
126,85
27,47
99,38
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
52
Schriftenreihe, Heft 5/2008

5.2.1.1 Variation der Anzahl Kühe in Testherden
Unter der Bedingung, dass der Gesamtumfang der Zuchtpopulation konstant bleibt, wurde in den folgenden Be-
rechnungen schrittweise der Umfang von vertraglich gebundenen Testherden erhöht. Der Testherdenanteil wurde
dabei zwischen 10 % und 80 % in 5-er Schritten variiert. Sowohl in den Testherden als auch in der restlichen
Zuchtpopulation findet eine Jungbullenanpaarung von 30 % statt. Somit liegt der Unterschied der Herden in Test-
betrieben zu „normalen“ Betrieben lediglich in der genaueren Datenerfassung. Es werden zusätzlich Daten zu
Gesundheitsmerkmalen erfasst. Ein möglicher Zugewinn, der durch die Testherden entsteht, soll abgebildet wer-
den. Somit steht die Frage: „Was bringen Testherden?“.
Die Ergebnisse sind in Tabelle 30 und in den Abbildungen 14 und 15 dargestellt.
Szenario II a:
Testanteil in Testherden 30 %
Testanteil in der restlichen Zuchtpopulation 30 %
Variation des Testherdenumfangs:
10 % - 80 % in 5-er Schritten
Tabelle 30:
Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in der nach mo-
netärem Zuchtfortschritt und Züchtungsgewinn optimierten Variante
Erfolgsparameter
Einheit
Ausgangsvariante
10 % Testher-
denanteil
50 %
Testherdenanteil
80 % Testherden-
anteil
Naturaler Zuchtfort-
schritt
Milchmenge kg 114,15 114,90 115,70 115,50
Milchmenge - TH
kg
120,35
120,50
120,20
119,40
Eiweißmenge kg 4,68 4,74 4,79 4,78
Eiweißmenge – TH
kg
4,90
4,97
5,05
5,05
Zwischenkalbezeit Tage 0,69 0,69 0,66 0,65
Nutzungsdauer Monate 0,047 0,056 0,071 0,076
Klinische Mastitis % -0,49 -0,54 -0,61 -0,63
Klinische Mastitis – TH % -0,59 -0,65 -0,73 -0,75
Milchfluss kg/min 0,013 0,013 0,013 0,013
Milchfluss – TH kg/min 0,014 0,015 0,014 0,014
Gesundheitsmerkmal –
TH
Tage 0,032 0,037 0,044 0,048
Monetärer Zuchtfort-
schritt
€ 15,49 16,06 16,82 16,94
Züchtungsertrag € 126,85 128,10 131,40 135,30
Züchtungskosten € 27,47 27,51 27,72 27,87
Züchtungsgewinn
€ 99,38 100,50 103,60 107,40
Generationsintervall
Jahre 5,53 5,53 5,53 5,53
Testherdenanteil
% 2 10 50 80
Anzahl selektierte
Tiere KZ > KZ
Anzahl
98 098
(von 392 392)
90 090
(von 360 360)
50 050
(von 200.200)
20 020
(von 80 080)
Anzahl selektierte
Tiere TK > TK
Anzahl 2 002
(von 8 008)
10 010
(von 40 400)
50 050
(von 200 200)
80 080
(von 320 320)
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
53
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Zuchtfortschritt in Abhängigkeit vom Umfang der Testherden
15,60
16,00
16,40
16,80
17,20
10
20
30
40
50
60
70
80
Testherdenumfang in %
Zuchtfortschritt in €/Kuh
+ Jahr
Abbildung 14:
Zuchtfortschritt in Abhängigkeit der Anzahl Kühe in Testherden
Veränderungen naturaler Zuchtfortschritte für Einzelmerkmale in
Prozent der Ist-Variante
0
10
20
30
40
50
60
70
Ist-
Variante
10
20
30
40
50
60
70
80
Anteil Kühe in Testherden (%)
Prozent relativ zur Ist-Variante
Milchmenge
Eiweißmenge
Zwischenkalbezeit
Nutzungsdauer
Mastitis
Gesundheit
gesamter monetärer ZF
Abbildung 15:
Zuchtfortschritt in Abhängigkeit der Anzahl Kühe in Testherden
Die Ergebnisse zeigen, dass mit zunehmender Anzahl Tiere in Testherden eine Steigerung im Zuchtfortschritt
erreichbar ist. Es ist ein deutlich positiver Effekt in den funktionalen Merkmalen zu verzeichnen. Sowohl das Ge-
nerationsintervall als auch die Selektionsintensität bleiben in allen Variationsläufen konstant. Der Vorteil entsteht
lediglich durch die bessere Datenerfassung und somit in einer genaueren Zuchtwertschätzung. Dies drückt sich in
einem steigenden Züchtungsertrag dieser Selektionsgruppen aus.
Die Steigerung im Zuchtfortschritt ist degressiv
und ab einem Testherdenanteil von 50 % minimal. Eine vertragliche Bindung von mehr als 50 % der Zuchtpopula-
tion wird uneffektiv. Die höhere Genauigkeit in der Leistungsprüfung wirkt sich nur noch gering aus. Bei einem
Testherdenumfang von 10 % sind ein um 4 % höherer Zuchtfortschritt und ein um 1 % höherer Züchtungsgewinn
im Vergleich zur Basisvariante erreichbar. Dabei ist in den Merkmalen Nutzungsdauer und Mastitisanfälligkeit
eine deutliche Verbesserung möglich. Der Zuchtfortschritt für die Nutzungsdauer steigt gegenüber der Basisvari-
ante um 19 % auf 1,7 Tage/Jahr, die Mastitisanfälligkeit sinkt um 10 %. Bei 50 % der Zuchtpopulation in Testher-
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
54
Schriftenreihe, Heft 5/2008

den liegt der Zuchtfortschritt um knapp 9 % höher und der Züchtungsgewinn um 4 %. Bei einem Testherdenum-
fang von 80 % würde der Zuchtfortschritt um 9,3 % gegenüber der Basisvariante steigen.
5.2.1.2 Variation des Testumfangs der MLP und der Kosten der MLP
Bei den hier betrachteten Berechnungen wird davon ausgegangen, dass in den Testherden eine Anpaarung mit
Jungbullen zu 40 % angestrebt wird. Ein höherer Testanteil bringt, wie in der Planungsalternative I gezeigt, einen
höheren Zuchtfortschritt. Dies war vor allem begründet durch eine Verkürzung im Generationsintervall durch den
verstärkten Einsatz von Jungbullen und durch größere Sicherheit in den Zuchtwerten, weil mehr Töchter je Test-
bulle realisierbar sind. Der höhere Testanteil in den Testherden kann vertraglich geregelt werden und ermöglicht
sogar eine gezielte Anpaarungsplanung. In dieser Variationsrechnung bleibt der Testherdenumfang mit etwa 2 %
oder 8 000 Tieren konstant. Der höhere Anteil an Testanpaarungen mit Jungbullen in den Testherden hat durch
die geringe Populationsgröße der Testherden in diesen Planungsrechnungen somit kaum Auswirkungen. Durch
den geplanten Rückgang staatlicher Fördermittel für die Durchführung der Leistungsprüfung und einer daraus
folgenden Erhöhung der Eigenkosten für die Teilnahme an der MLP ist mit einem Rückgang beim Umfang der
teilnehmenden Betriebe zu rechnen.
In den folgenden Planungsrechnungen wurde der Parameter für den Testumfang der Milchleistungsprüfung und
für die Kosten der MLP gleichzeitig in mehreren Stufen variiert. Derzeit nehmen 91,5 % der Gesamtpopulation an
einer Milchleistungsprüfung teil. Es wird davon ausgegangen, dass in den Nichtherdbuchbetrieben zuerst auf
alternative Methoden übergegangen wird. Aus diesem Grund ist lediglich die Zuchtpopulation berücksichtigt. In
der Ausgangsvariante nehmen alle Herdbuchkühe an der MLP teil. Der Umfang der MLP-Teilnahme wurde dann
beginnend bei 95 % bis auf 60 % mit einem Variationsschritt von 5 schrittweise reduziert und der Kostenaufwand
von 26,00 € bis 40,00 € mit einem Variationsschritt von 2,00 € erhöht. Die Tabelle 31 zeigt einen Ausschnitt aus
den Ergebnissen bei einer Teilnahme von 80 % bzw. 60 % mit einer Kostenerhöhung auf 30 € bzw. auf 40 €.
Szenario II b:
Testanteil in Testherden 40 %
Testanteil in der restlichen Zuchtpopulation 30 %
ca. 8 000 aktive Tiere in Testherden
Variation der Teilnahme an der MLP:
60 % - 95 % in 5-er Schritten
Variation der Kosten der MLP:
26 € - 40 € in 2-er Schritten
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
55
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 31:
Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in der nach mo-
netärem Zuchtfortschritt und Züchtungsgewinn optimierten Variante
Erfolgsparameter
Einheit
Ausgangsvariante
80 % MLP
60 % MLP
Naturaler Zuchtfort-
schritt
Milchmenge kg 114,29 111,20 106,00
Milchmenge – TH
kg
120,40
117,10
111,70
Eiweißmenge kg 4,69 4,56 4,35
Eiweißmenge – TH
kg
4,91
4,78
4,56
Zwischenkalbezeit Tage 0,69
0,68
0,65
Nutzungsdauer Monate 0,048 0,047
0,047
Klinische Mastitis
%
-0,50
-0,48
-0,46
Klinische Mastitis – TH
%
-0,59
-0,58
-0,56
Milchfluss kg/min 0,013 0,013 0,012
Milchfluss – TH
kg/min
0,014
0,014
0,013
Gesundheitsmerkmal –
TH
Tage 0,032 0,032 0,031
Monetärer Zuchtfort-
schritt
€ 15,56 15,15 15,15 14,48 14,48
Züchtungsertrag € 126,89 123,50 123,50 117,90 117,90
Züchtungskosten € 27,48 25,77 31,02 21,84 25,77
Züchtungsgewinn
€ 99,41 97,75 92,51 96,04 92,11
Generationsintervall
Jahre 5,53 5,53 5,53 5,53 5,53
Testanteil MLP –
Herdbuchkühe
% 100 80 80 60 60
Kosten MLP
€ 26,60 30,00 40,00 30,00 40,00
Durch den höheren Testanteil bei 2 % der Zuchtpopulation (Testherden) kommt es zu einer geringfügigen Verän-
derung der Basisvariante. Der Zuchtfortschritt verbessert sich leicht aus den weiter oben bereits genannten
Gründen.
Bei dem hier dargestellten Szenario wird sichtbar, was bei zurückgehender Teilnahme an der Milchleistungsprü-
fung im Hinblick auf den Zuchtfortschritt passiert (Abbildung 16). Mit der Verringerung im Informationsumfang,
gehen die Sicherheiten in den Zuchtwerten zurück. Der Zuchtfortschritt ist bei 100 % Teilnahme an der MLP am
höchsten. Die Kosten der Milchleistungsprüfung haben dabei keinen Einfluss.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
56
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Veränderungen naturaler Zuchtfortschritte für Einzelmerkmale in Prozent
der Ist-Variante
92
93
94
95
96
97
98
99
100
101
100
95
90
85
80
75
70
65
60
Anteil MLP (%)
Prozent relativ zur Ist-Variante
Milchmenge
Eiweissmenge
Zwischenkalbezeit
Nutzungsdauer
Mastitis
Gesundheit
gesamter monetärer ZF
Abbildung 16:
Zuchtfortschritt in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme
Der monetäre Zuchtfortschritt würde sich bei einer Teilnahme an der MLP von lediglich 60 % der Zuchtpopulation
um 7 % reduzieren. Dies wird maßgeblich durch den Rückgang der Anzahl an nachkommengeprüften Töchtern
verursacht und wirkt sich negativ auf die Genauigkeit der Zuchtwertschätzung der Bullen aus. In den Milchleis-
tungsmerkmalen wäre dabei mit einem stärkeren Rückgang im naturalen Zuchtfortschritt als in den funktionalen
Merkmalen zu rechnen. Der Verlust im Zuchtfortschritt steigt mit jedem Rückgang bei der MLP-Teilnahme um
10 % überproportional an. So bewirkt ein Prüfumfangsrückgang von 90 % auf 80 % einen geringeren Rückgang
im Zuchtfortschritt als ein Prüfumfangsrückgang von 70 % auf 60 %.
60
65
70
75
80
85
90
95
40
34
28
90,00
91,00
92,00
93,00
94,00
95,00
96,00
97,00
98,00
99,00
100,00
Züchtungsgewinn in € / Kuh
Testumfang MLP in %
Kosten MLP in €
Züchtungsgewinn in Abhängikeit vom Testumfang MLP und Kosten MLP
Abbildung 17:
Züchtungsgewinn in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
57
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Bei der jetzigen Kostenstruktur ist ein hoher Anteil an milchleistungsgeprüften Tieren anzustreben. Mit Rückgang
der MLP-Prüfdichte auf Zuchtebene von 100 % auf 60 % bei gleichzeitiger Kostenerhöhung auf 40 € je Tier ist mit
einem Rückgang von über 7 % im Züchtungsgewinn zu rechnen (Abbildung 17). Mit zunehmenden Kosten ver-
schiebt sich das Plateau für den Züchtungsgewinn. Ein Optimum wird bei steigenden Kosten bereits mit weniger
Prüftieren erreicht. Das Plus im Züchtungsertrag, welches durch einen höheren Prüfumfang erreicht wird, deckt
nicht mehr die Gesamtkosten die für die Zucht je Tier ermittelt werden und maßgeblich durch die Kosten der MLP
beeinflusst sind. Somit müsste bei MLP-Kosten von 30 € angestrebt werden, das wenigstens 80 % an der Leis-
tungsprüfung teilnehmen. Bei einem Kostenaufwand von 40 € müssten noch 70 % Prüfumfang erreicht werden,
um ein Optimum zwischen Zuchtfortschritt und Züchtungsgewinn zu gewährleisten.
Zusätzlich ergibt sich das Problem, dass ab einer MLP-Teilnahme von 60 % und darunter Selektionstiere für die
Reproduktion fehlen. Es liegen von zu wenigen Tieren Milchleistungsprüfergebnisse vor. Die Bullen erreichen
nicht mehr die Anzahl nachkommengeprüfter Töchter im Bezug auf Milchleistung, ein Relativzuchtwert Milch
sowie der Gesamtzuchtwert verliert somit entschieden an Sicherheit.
5.2.1.3 Variation des Testumfangs der MLP und der Anzahl Kühe in Testherden
In den folgenden Berechnungen wurde der Parameter für den Testumfang der Milchleistungsprüfung und für den
Testherdenumfang gleichzeitig in mehreren Stufen variiert. Der Testumfang für die MLP wurde dabei zwischen 95
% und 60 % mit einem Variationsschritt von 5 schrittweise reduziert und der Testherdenumfang von 10 % bis auf
85 % schrittweise in 5 % Abständen erhöht. Die folgende Tabelle 32 zeigt einen Ausschnitt aus den Ergebnissen
bei einer MLP-Teilnahme von 80 % bzw. 60 % mit einem Testherdenumfang von 20 % bzw. 50 % von der gesam-
ten Zuchtpopulation. In diesen Variationsrechnungen wird wieder von einem höheren Anteil von Anpaarungen mit
Jungbullen in den Testherden ausgegangen. Des Weiteren unterliegen die Kühe, die in diesen Betrieben stehen
alle einer Milchleistungsprüfung. Somit findet die Reduzierung der MLP-Teilnahme nur in der restlichen Zuchtpo-
pulation statt. Diese nimmt jedoch mit steigendem Umfang der Testherdenbetriebe kontinuierlich ab. Um die Er-
gebnisse der einzelnen Variationsläufe vergleichbar zu machen, wird die MLP-Teilnahme jeweils auf die gesamte
Zuchtpopulation hochgerechnet, d.h. alle Tiere der Testherden zusätzlich die entsprechende Anzahl an Tieren
aus der restlichen Zuchtpopulation bezogen auf alle betrachteten Tiere.
Szenario II c:
Testanteil in Testherden 40 %
Testanteil in der restlichen Zuchtpopulation 30 %
ca. 8 000 aktive Tiere in Testherden
MLP-Teilnahme in Testherden 100 %
Variation der Teilnahme an der MLP:
60 % - 95 % in 5-er Schritten
Variation der Anzahl Kühe in Testherden:
10 % - 85 % in 5-er Schritten
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
58
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 32:
Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in der nach mo-
netärem Zuchtfortschritt und Züchtungsgewinn optimierten Variante
Erfolgsparameter
Einheit
Ausgangsvariante
20 % Testherden
50 % Testherden
Naturaler Zuchtfort-
schritt
MLP 80 %
(außer TH
100% MLP)
MLP 60 %
(außer TH
100 % MLP)
MLP 80 %
(außer TH
100 % MLP)
MLP 60 %
(außer TH
100 % MLP)
Milchmenge kg 114,29 112,20 108,50 113,60 111,70
Milchmenge – TH kg 120,40 117,10 113,40 118,10 116,10
Eiweißmenge kg 4,69 4,64 4,50 4,71 4,64
Eiweißmenge – TH
kg
4,91
4,88
4,73
4,97
4,88
Zwischenkalbezeit Tage 0,69 0,66 0,64 0,64 0,64
Nutzungsdauer Monate 0,048 0,063 0,061 0,071 0,069
Klinische Mastitis % -0,50 -0,57 -0,55 -0,61 -0,60
Klinische Mastitis – TH % -0,59 -0,68 -0,66 -0,73 -0,71
Milchfluss kg/min 0,013 0,013 0,012 0,013 0,013
Milchfluss – TH kg/min 0,014 0,014 0,014 0,014 0,014
Gesundheitsmerkmal –
TH
Tage 0,032 0,039 0,038 0,044 0,042
Monetärer Zuchtfort-
schritt
€ 15,56 16,07 15,57 16,60 16,31
Züchtungsertrag € 126,89 125,70 122,20 129,90 127,80
Züchtungskosten € 27,48 24,56 21,93 26,08 24,31
Züchtungsgewinn
€ 99,41 101,10 100,20 103,80 103,50
Generationsintervall
Jahre 5,53 5,52 5,52 5,49 5,49
MLP-Teilnahme –
Herdbuchkühe
% 100 84 68 90 80
Testherdenanteil
% 2 20 20 50 50
Anzahl Tiere in TH
Anzahl
8 008
80 080
80 080
200 200
200 200
Die Teilnahme an der MLP liegt innerhalb der Testherden stets bei 100 %. Variiert man den Umfang der Testher-
den, so verändert sich auch entsprechend die Anzahl Tiere der restlichen Zuchtpopulation. D.h. erhöht man die
Anzahl Kühe in den Testherden durch zusätzliche vertragliche Betriebseinbindung, so verringert sich gleichzeitig
die Anzahl Tiere der „normalen“ Zuchtpopulation. Dementsprechend sind 60 % MLP-geprüfte Tiere in der restli-
chen Zuchtpopulation bei 10 % Testherdenumfang mehr Tiere als 60 % MLP-geprüfte Tiere in der normalen
Zuchtpopulation bei 20 % Testherdenumfang. Allerdings sind bei einer Umfangssteigerung der Testherden von
10 % auf 20 % von vornherein schon 10 % der gesamten Zuchtpopulation mehr in der MLP. Es sind somit Wech-
selwirkungen zu berücksichtigen. Je mehr Testherden zur Verfügung stehen, desto geringer ist die Grundge-
samtheit der übrigen Population, in welcher die MLP zwischen 60 % und 95 % variiert werden kann.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
59
Schriftenreihe, Heft 5/2008

image
Es zeigt sich, dass mit sinkender Teilnahme an der Milchleistungsprüfung der Zuchtfortschritt abnimmt. Gleichzei-
tig ist aber der Vorteil der erhöhten Anzahl Tiere in Testherden vorhanden. Bei einer Teilnahme an der MLP von
60 % mit 20 % Testherden ergibt sich in etwa der gleich monetäre Zuchtfortschritt wie in der Basisvariante. Der
Zuchtfortschritt geht in den Leistungsmerkmalen zurück, wird ab durch den Testherdeneinsatz in den funktionalen
Merkmalen deutlich verbessert.
Abbildung 18:
Zuchtfortschritt in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme und von der Anzahl Tiere in
Testherden
Innerhalb einer gleich bleibenden Anzahl Tiere als Testherdenkühe steigt der Zuchtfortschritt mit zunehmender
MLP-Teilnahme in der restlichen Zuchtpopulation (Abbildung 18). Mit zunehmendem Umfang an Testherdentieren
steigt der Zuchtfortschritt, zum einen bedingt durch das verbesserte Generationsintervall und zum anderen kön-
nen mit höheren Testanteil von 40 % innerhalb der Testherden mehr Töchter je Testbulle realisiert werden, die zu
einer zusätzlichen Verbesserung der Genauigkeit der Zuchtwertschätzung beitragen. Des Weiteren greift auch
hier wieder der bereits erläuterte Vorteil durch die genauere Datenerfassung vor allem in den Gesundheitsmerk-
malen innerhalb der Testherden. Die Auswirkungen zeigen sich stärker bei einer geringen Anzahl Testherdenkü-
he. Dies ist damit begründet, dass bei hoher Anzahl Testherden die Varianz in der restlichen Zuchtpopulation
sinkt. Eine Veränderung bei der MLP-Teilnahme von 60 % auf 95 % bei nur noch 15 % restlicher Zuchtpopulation
führt zu nur noch geringem Anstieg des Zuchtfortschrittes.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
60
Schriftenreihe, Heft 5/2008

image
Abbildung 19:
Züchtungsgewinn in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme und von der Anzahl Tiere in
Testherden
Eine ähnliche Tendenz ist auch beim Züchtungsgewinn zu erkennen (Abbildung 19). Auch hier steigt zunächst
der Züchtungsgewinn innerhalb einer gleich bleibenden Anzahl Tiere als Testherdenkühe. Allerdings kommt es
mit steigendem Umfang der MLP-geprüften Tiere zu einer Steigerung der Züchtungskosten, so dass der Gewinn
ein Optimum erreicht und anschließend die Kosten höher sind als der erreichte Züchtungsertrag und somit der
Züchtungsgewinn rückläufig wirkt. Je mehr Testherden zum Einsatz kommen, umso höher ist der Züchtungsge-
winn. Auch die Züchtungskosten für die Erfassung der Gesundheitsmerkmale in den Testherden steigen mit,
haben aber bezogen auf die gesamte Population einen viel geringeren Einfluss auf den Züchtungsgewinn, als die
Kosten der Milchleistungsprüfung. Der Umfang der MLP-Tiere hat auch hier einen abnehmenden Einfluss, je
mehr Testherdentiere mit 100 %iger MLP zur Verfügung stehen.
Bisher wurde der Aufwand für die zusätzliche Gesundheitsdatenerfassung in den Testherden mit 0,50 € pro Tier
berechnet. In der Abbildung 20 wird die Änderung im Züchtungsgewinn abgebildet, wenn sich diese Kosten auf
2,00 € je Tier belaufen würden.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
61
Schriftenreihe, Heft 5/2008

image
Abbildung 20:
Züchtungsgewinn in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme und von der Anzahl Tiere in
Testherden bei einem zusätzlichem Aufwand für die Testherdenbetreuung von 2,00 €
Auch hier wird erkennbar, dass die zusätzlichen Kosten für die Betreuung der Testherden und die zusätzliche
Datenerfassung gegenüber einer „teuren“ Milchleistungsprüfung nicht ins Gewicht fällt.
5.2.1.4 Variation des Testumfangs der MLP und der Anzahl Kühe in Testherden begrenzt auf den SRV
In den Vorgängerprojekten der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft sind die Kriterien für die Auswahl
der teilnehmenden Betriebe an Testherden ausgearbeitet.
SWALVE (2006) sieht als wesentliches Kriterium die
Größe des Betriebes. Kleine Betriebe bergen nach seiner Meinung die Gefahr, nur wenige Vergleichstiere her-
vorzubringen und keinen Jungbulleneinsatz nach Versuchsplan zu ermöglichen. Aufgrund ihrer Größe favorisiert
er Betriebe in den neuen Bundesländern. Ebenso ist die Herdengröße entscheidend für die Erkennung geneti-
scher Unterschiede der Tiere. Als weiterer Punkt ist der Betreuungsaufwand zu nennen, welcher grundsätzlich
nicht für alle Betriebe des Zuchtverbandes gewährleistet werden kann.
In dieser Variante wird daher die gleiche Situation wie in der vorhergehenden Variante simuliert, allerdings kom-
men nun die Testherden ausschließlich aus dem Gebiet des SRV. Es wird von einer Gesamtpopulation des SRV
von 190 000 Tieren ausgegangen. Durch die unterschiedliche Struktur der Betriebe in den alten und neuen Bun-
desländern scheinen die Betriebe aus Sachsen besser geeignet zu sein, um Testherden vertraglich für die zu-
sätzliche Prüfung auf Gesundheitsmerkmale zu binden. Die Teilnahme an der MLP innerhalb der Testherden liegt
auch hier bei 100 %.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

Szenario II d:
Testanteil in Testherden 40 %
Testanteil in der restlichen Zuchtpopulation 30 %
ca. 8 000 aktive Tiere in Testherden
Testherden gibt es ausschließlich im Gebiet des SRV
MLP-Teilnahme in Testherden 100 %
Variation der Teilnahme an der MLP:
60 % - 95 % in 5-er Schritten
Variation der Anzahl Kühe in Testherden:
10 % - 85 % in 5-er Schritten
Variiert man nun den Umfang der Testherden, so verändert sich entsprechend die Anzahl Tiere der restlichen
Zuchtpopulation. Die maximale Anzahl an Testherdentieren ist nun auf die Population des SRV beschränkt. Die
Grundgesamtheit der „normalen“ Zuchtpopulation geht mit steigender Anzahl Testherdenbetriebe zurück, wobei
die Auswirkungen bei dieser Variante geringer sein sollten. Die Ergebnisse der Planungsrechnungen sind in Ta-
belle 33 abgebildet.
Tabelle 33:
Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in der nach mo-
netärem Zuchtfortschritt und Züchtungsgewinn optimierten Variante
Erfolgsparameter Einheit
Ausgangsvariante 20 % aus SRV = Testherden 50 % aus SRV = Testherden
Naturaler Zuchtfort-
schritt
MLP 80 %
(außer TH
100 % MLP)
MLP 60 %
(außer TH
100 % MLP)
MLP 80 %
(außer TH
100 % MLP)
MLP 60 %
(außer TH
100 % MLP)
Milchmenge kg 114,29 111,70 106,80 112,20 108,20
Milchmenge – TH kg 120,40 117,20 112,00 117,20 113,10
Eiweißmenge kg 4,69 4,60 4,40 4,64 4,48
Eiweißmenge – TH
kg
4,91
4,83
4,62
4,88
4,71
Zwischenkalbezeit Tage 0,69 0,67 0,64 0,66 0,64
Nutzungsdauer Monate 0,048 0,055 0,053 0,062 0,060
Klinische Mastitis % -0,50 -0,52 -0,50 -0,56 -0,55
Klinische Mastitis – TH % -0,59 -0,63 -0,60 -0,67 -0,65
Milchfluss kg/min 0,013 0,013 0,012 0,013 0,012
Milchfluss – TH kg/min 0,014 0,014 0,014 0,014 0,014
Gesundheitsmerkmal
– TH
Tage 0,032 0,035 0,034 0,039 0,037
Monetärer Zuchtfort-
schritt
€ 15,56 15,60 14,94 16,04 15,50
Züchtungsertrag € 126,89 124,70 119,10 127,10 121,80
Züchtungskosten € 27,48 24,22 20,93 24,74 21,79
Züchtungsgewinn
€ 99,41 100,40 98,15 102,40 99,97
Generationsintervall
Jahre 5,53 5,53 5,53 5,52 5,52
MLP-Teilnahme –
Herdbuchkühe
% 100 81,5 62,9 83,7 67,3
Testherdenanteil
% 2 20 20 50 50
Anzahl Tiere in TH
Anzahl
8 008
29 260
29 260
73 150
73 150
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

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Die schwarz dargestellte Linie in den folgenden Abbildungen 21 und 22 stellt die Höhe von Zuchtfortschritt bzw.
Züchtungsgewinn der Basisvariante dar. In der Basisvariante sind rund 2 % der gesamten Zuchtpopulation Test-
herdentiere. Dies entspricht ca. 8 000 Tieren, welche momentan in den 13 Testbetrieben als aktive Tiere vorhan-
den sind.
Abbildung 21:
Zuchtfortschrit in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme und von der Anzahl Tiere in Test-
herden bei Begrenzung der Testherden auf das Gebiet des SRV
Innerhalb einer gleich bleibenden Anzahl Tiere als Testherdenkühe steigt der Zuchtfortschritt mit zunehmender
MLP-Teilnahme in der restlichen Zuchtpopulation. Die Auswirkungen zeigen sich auch hier stärker bei einer ge-
ringen Anzahl Testherdenkühe. Ein Rückgang im Zuchtfortschritt bei sinkender MLP-Teilnahme von nur noch
80 % kann durch eine 20 %ige Erhöhung der Anzahl Tiere in den Testherden kompensiert werden. Bei einem
Rückgang der MLP-Teilnahme auf 70 % wären 45 % Testherdentiere notwendig, um den Verlust im Zuchtfort-
schritt zu kompensieren. Der Zuchtfortschritt würde sich dabei zu Gunsten der funktionalen Merkmale verschie-
ben.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

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Abbildung 22:
Züchtungsgewinn in Abhängigkeit von der MLP-Teilnahme und von der Anzahl Tiere in
Testherden bei Begrenzung der Testherden auf das Gebiet des SRV
Für den Züchtungsgewinn ergibt sich jeweils mit gleich bleibender Anzahl Testherdenkühe ein Plateau. Ein stei-
gender Umfang der MLP-geprüften Tiere führt zu einer Steigerung der Züchtungskosten. Je mehr Testherden
zum Einsatz kommen, umso höher ist der mögliche Züchtungsgewinn. Bei einer MLP-Teilnahme von nur noch
80 % kann durch eine Erhöhung der Anzahl Tiere in den Testherden auf 5 % der Rückgang im Züchtungsgewinn
kompensiert werden. Bei einem Rückgang der MLP-Teilnahme auf 70 % wären 20 % Testherdenkühe notwendig,
um den Verlust im Züchtungsgewinn zu kompensieren.
5.2.1.5 Variation des Testanteils in den Testherden und der Anzahl Kühe in Testherden
In dieser Planungsrechnung soll innerhalb der gesamten Zuchtpopulation der Testanteil konstant 30 % betragen.
Dabei werden Jungbullen ausschließlich in den Testherden eingesetzt. Der Testanteil in den Testherden soll
variiert werden zwischen 30 % und 70 %. Um den Jungbulleneinsatz über die gesamte Population konstant zu
halten, muss eine Regulierung über die Anzahl Tiere in den Testherden erfolgen. Somit sinkt mit steigender Test-
anpaarung die Anzahl der Testherdenkühe.
Szenario II e:
Testanteil in der Summe der gesamten Zuchtpopulation 30 %
Testanteil in der Zuchtpopulation außerhalb der Testherden 0 %
ca. 8 000 aktive Tiere in Testherden
Variation des Testanteils in den Testherden:
30 % - 70 % in 5-er Schritten
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 34 zeigt ausschnittsweise Ergebnisse der Planungsrechnungen.
Tabelle 34: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren in der nach mone-
tärem Zuchtfortschritt und Züchtungsgewinn optimierten Variante
Erfolgsparameter
Einheit
Ausgangsvariante
40 % Testanteil
in Testherden
55 % Testanteil
in Testherden
70 % Testanteil
in Testherden
Naturaler Zuchtfort-
schritt
Milchmenge kg 114,15 114,70 114,10 113,30
Milchmenge - TH
kg
120,35
118,70
118,40
117,80
Eiweißmenge kg 4,68 4,76 4,74 4,71
Eiweißmenge – TH
kg
4,90
5,02
5,00
4,96
Zwischenkalbezeit Tage 0,69
0,64
0,64
0,64
Nutzungsdauer Monate 0,047 0,076 0,073 0,071
Klinische Mastitis % -0,49 -0,63 -0,62 -0,61
Klinische Mastitis – TH % -0,59 -0,75 -0,74 -0,73
Milchfluss kg/min 0,013 0,013 0,013 0,013
Milchfluss – TH kg/min 0,014 0,014 0,014 0,014
Gesundheitsmerkmal –
TH
Tage 0,032 0,047 0,045 0,044
Monetärer Zuchtfort-
schritt
€ 15,49 16,88 16,76 16,62
Züchtungsertrag € 126,85 134,60 131,30 129,90
Züchtungskosten € 27,47 27,84 27,74 27,68
Züchtungsgewinn
€ 99,38 106,80 103,60 102,20
Generationsintervall
Jahre 5,53 5,53 5,53 5,53
Testanteil in Test-
herden
% 30
( + 30 % in rest.
ZP)
40 55 70
Tiere in Testherden
Anzahl 8.008 300.300 218.400 171.600
Tiere in restlichen
Zuchtpopulation
Anzahl 392.392 100.100 182.000 228.800
In den Abbildungen 23 und 24 werden die Ergebnisse grafisch unterlegt.
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

Zuchtfortschritt in Abhängigkeit vom Testanteil der Testherden
16,40
16,50
16,60
16,70
16,80
16,90
17,00
30
35
40
45
50
55
60
65
70
Testanteil Testherden in %
Zuchtfortschriit in € / Kuh + Jahr
0
20
40
60
80
100
120
Anteil Testherdenkühe in %
ZF
Anteil TH
Abbildung 23:
Zuchtfortschritt in Abhängigkeit vom Testanteil in den Testherden
Züchtungsgewinn in Abhängigkeit vom Testanteil der Testherden
98
100
102
104
106
108
110
30
35
40
45
50
55
60
65
70
Testanteil Testherden in %
Züchtungsgewinn in € / Kuh
0
20
40
60
80
100
120
Anteil Testherdenkühe in %
ZG
Anteil TH
Abbildung 24:
Züchtungsgewinn in Abhängigkeit vom Testanteil in den Testherden
Sowohl der Zuchtfortschritt als auch der Züchtungsgewinn sinken trotz zunehmenden Testanteils in den Testher-
den. Es stehen weniger Kühe in den Testherden zur Verfügung, über die ein Zuchtfortschritt realisierbar wäre.
Der Testherdenanteil sinkt dabei bis auf knapp 44 % der gesamten Zuchtpopulation. 100 % Testherdenkühe aus
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

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dem Gebiet des SRV würden 36,5 % entsprechen. Somit wären 30 % Testanteil in der gesamten Zuchtpopulation
nicht ausschließlich über Testherden des SRV erreichbar.
Vergleicht man Szenario II a und Szenario II e, so wird bei beiden Planungsrechnungen in der gesamten Zucht-
population ein konstanter Testanteil von 30 % realisiert. In Szenario II a wird von je 30 % Testanteil in den Test-
herden und 30 % in der Restpopulation ausgegangen. Grundlage im Szenario II e ist, dass Jungbullen aus-
schließlich in den Testherden eingesetzt werden. Variiert man den Testanteil innerhalb der Testherden, so sinkt
die Anzahl Testherdenkühe, um in der Summe der Zuchtpopulation die angesetzten 30 % Testanteil zu erhalten.
Somit ist ein Vergleich beider Varianten möglich, weil zum einen der Testbulleneinsatz von 30 % über die gesam-
te Zuchtpopulation und zum anderen der gleiche Testbullenanteil ausschließlich über eine Jungbullenanpaarung
in den Testherden vorliegt.
Szenario II a
Szenario II e
16,55
16,60
16,65
16,70
16,75
16,80
16,85
16,90
16,95
50
60
70
80
90
Zuchtfortschritt in € / Kuh + Jahr
Testherdenumfang in %
Variantenvergleich Einsatz TB in gesamten Population / Einsatz TB nur
in Testherden
Szenario II a
Szenario II e
Abbildung 25:
Entwicklung des Zuchtfortschritts im Vergleich Szenario II a und Szenario II e
Für einen Vergleich wurden Zwischenergebnisse z. T. durch Interpolation ermittelt. Das Ergebnis in Abbildung 25
zeigt, dass eine Testanpaarung ausschließlich in den Testherden der Variante mit 30 % Testanteil in der gesam-
ten Zuchtpopulation überlegen ist.
5.2.1.6 Variation der Grenznutzen – Veränderung des Zuchtzieles zu Gunsten der funktionalen Merkmale
Bisher lagen die in die Planungsrechnungen eingehenden ökonomischen Gewichte wie in der Basisvariante der
Planungsalternative I zu 52 % auf den Milchleistungsmerkmalen und zu 48 % auf den funktionalen Merkmalen
(Tabelle 35).
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
68
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 35:
Heritabilitäten (h²), Standardabweichungen (S
p
/S
g
), Grenznutzen (GN) und wirtschaftliche
Gewichte (w) für die verwendeten Zuchtzielmerkmale
Merkmal
S
p
S
g
W
€/S
g
%
%
MM 0,35 900 532,45 -15,97 10,83
FM 0,25 40 20,00 10,00 6,78
EM 0,31 30 16,70 50,11 33,98
51,59
ZKZ 0,05 55 12,30 -10,45 7,09
ND 0,16 6 2,40 13,99 9,49
Mastitis 0,05 30 6,71 -46,96 31,84
48,41
Durch die zunehmende Bedeutung der funktionalen Merkmale sollen Gewichtungen nach LIND (2006) von 44 % in
den Leistungsmerkmalen und 56 % in den funktionalen Merkmalen untersucht werden. Dabei sollen bis zu 2/3
der funktionalen Merkmale der Nutzungsdauer zu Gute kommen. Zusätzlich erhält das komplexe Gesundheits-
merkmal eine Gewichtung im Zuchtziel (Tabelle 36). Tabelle 37 zeigt das Ergebnis.
Tabelle 36: Heritabilitäten (h²), Standardabweichungen (S
p
/S
g
), Grenznutzen (GN) und wirtschaftliche
Gewichte (w) für die verwendeten Zuchtzielmerkmale einschließlich dem Eiweißgehalt
Merkmal
S
p
S
g
w
€/S
g
%
%
MM 0,35 900 532,45 -19,73 9,24
FM 0,25 40 20,00 12,21 5,72
EM 0,31 30 16,70 62,00 29,04
44
ZKZ 0,05 55 12,30 -8,54 4,00
ND 0,16 6 2,40 79 37,00
Mastitis 0,05 30 6,71 -32,02 15,00
Gesundheitsmerkmal 0,10 4 1,26
56
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
69
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Tabelle 37: Naturale Zuchtfortschritte ausgewählter Merkmale, monetärer Zuchtfortschritt pro Kuh und
Jahr sowie Züchtungsertrag und Züchtungsgewinn pro Kuh in 25 Jahren bei Veränderung
des Zuchtzieles zugunsten der funktionalen Merkmale
Erfolgsparameter
Einheit
Ausgangsvariante
Variante mit verändertem
Zuchtziel
Naturaler Zuchtfortschritt
Milchmenge kg 114,15 115,38
Milchmenge - TH
kg
120,35
117,94
Eiweißmenge kg 4,68 4,32
Eiweißmenge – TH
kg
4,90
4,59
Zwischenkalbezeit Tage 0,69 0,70
Nutzungsdauer Monate 0,047 0,18
Klinische Mastitis
%
-0,49
-0,35
Klinische Mastitis – TH
%
-0,59
-0,42
Milchfluss kg/min 0,013 0,016
Milchfluss – TH
kg/min
0,014
0,017
Gesundheitsmerkmal – TH
Tage
0,032
0,068
Monetärer Zuchtfortschritt
€ 15,49
20,47
Züchtungsertrag € 126,85 165,68
Züchtungskosten € 27,47 27,47
Züchtungsgewinn
€ 99,38 138,20
Generationsintervall
Jahre 5,53 5,53
In den Abbildungen 26 und 27 wird die Veränderung im naturalen Zuchtfortschritt einerseits in den Milchleis-
tungsmerkmalen und andererseits in den funktionalen Merkmalen grafisch dargestellt. Während in den Milchleis-
tungsmerkmalen von einem rückläufigen Zuchtfortschritt ausgegangen werden kann, verbessern sich die funktio-
nalen Merkmale aufgrund ihrer stärkeren Gewichtung im Zuchtziel deutlich. In der Nutzungsdauer ist eine Ver-
besserung im Zuchtfortschritt um vier Tage je Jahr möglich. Ebenso wäre im gesamten Gesundheitskomplex eine
Verbesserung um 100 % möglich.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
70
Schriftenreihe, Heft 5/2008

+1,08 %
-2,00 %
-7,69 %
-6,33 %
MM
MM-TH
EM
EM-TH
Zuchtfortschritt von Milchleistungsmerkmalen in
Abhängigkeit vom Zuchtziel
Basisvariante
Veränd. ZZ
Abbildung 26:
Entwicklung des Zuchtfortschrittes der Milchleistungsmerkmale in % in Abhängigkeit
vom Zuchtziel
+ 1,45 %
+ 282,98 %
+28,57
+28,81%
+ 112,50 %
ZKZ
ND
Kl. Mastitis
Kl. Mastitis-TH
GM-TH
Zuchtfortschritt von funktionalen Merkmalen in
Abhängigkeit vom Zuchtziel
Basisvariante
Veränd. ZZ
Abbildung 27:
Entwicklung des Zuchtfortschrittes der funktionalen Merkmale in % in Abhängigkeit vom
Zuchtziel
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
71
Schriftenreihe, Heft 5/2008

6 Diskussion
Die Holstein-Frisian sind eine Rasse, die auf die Milchproduktion ausgerichtet ist. Während lange Zeit das Zucht-
ziel in einer nahezu alleinigen Steigerung der Milchleistungsmerkmale bestand, erfordert das heutige ökonomi-
sche und tierschutzrelevante Denken eine Betonung auf funktionale Merkmale. Das Zuchtziel wurde somit um
verschiedene funktionale Merkmale wie die Zwischenkalbezeit oder die Mastitisanfälligkeit erweitert.
Der Grundgedanke dieser Arbeit lag in der Untersuchung verschiedener Zuchtpläne, mit denen kostengünstig ein
hoher Zuchtfortschritt erzielt werden kann. Es sollten vor allem die Auswirkungen zukünftiger Änderungen in der
Förderpolitik betrachtet werden. In der vorliegenden Arbeit wurden Zuchtprogramme untersucht, die sich haupt-
sächlich in der Populationsstruktur und in der Art der Leistungsprüfung unterscheiden. Leistungsprüfsysteme
wurden vor allem hinsichtlich ihrer Effektivität untersucht. Darüber hinaus wurde geprüft, welchen Beitrag Test-
herden zur Verbesserung der funktionalen Merkmale bringen können.
Zu den wichtigsten Parametern, die die optimale Struktur von Zuchtprogrammen bestimmen, gehören neben der
Populationsgröße die Anzahl jährlich zu selektierender Bullen, der Testanteil und die Anzahl nachkommengeprüf-
ter Töchter je Jungbulle. Wesentlichen Einfluss haben dabei die Art und der Umfang der Leistungsprüfungen für
Bullen und Kühe und die damit bedingte Genauigkeit der Zuchtwertschätzung.
Als Bewertungskriterien für den Vergleich von Zuchtplänen dienen die naturalen und monetären Zuchtfortschritte
sowie der Züchtungsgewinn. Bei Konstanthaltung der einzelnen Züchtungskosten hatten diese wie bei
WÜNSCH
(1998) einen relativ geringen Einfluss auf die Rangierung der Zuchtpläne.
Das untersuchte Zuchtprogramm ist mit 38 % Testanteil und 260 Testbullen mit je 164 Töchtern am effizientes-
ten. Mit Erhöhung der Anzahl Testbullen wurde eine Steigerung im monetären Zuchtfortschritt festgestellt. Erhöht
man die Anzahl Töchter je Testbulle bzw. den Testanteil so ist im Vergleich ein nur geringer monetärer Gesamt-
zuchtfortschritt erzielbar. Auch
SØRENSEN et al. (1999) und KALM et al. (2003) stellten dies in ihren Arbeiten fest.
Jedoch ist wie bei SØRENSEN et al. (1999) zu sehen, dass sich die Zusammensetzung des Zuchtfortschrittes zu-
gunsten der funktionalen Merkmale verschiebt. Aufgrund der großen Variation innerhalb einer Population kann
die Zucht auf funktionale Merkmale trotz geringer Heritabilitäten erfolgreich sein (
PHILIPSSON 2000). Für eine hohe
Sicherheit in den Zuchtwerten sind dafür viele Nachkommen notwendig. In Skandinavien werden zwischen 150
und 200 Töchter je Jungbulle geprüft (
FIEDLER et al. 2004).
Im Bezug auf eine rückläufige Förderpolitik im Bereich der Leistungsprüfungen wurde die Milchleistungsprüfung
näher untersucht. Mit Rückgang der finanziellen Unterstützung ist mit einer Erhöhung der Züchtungskosten für die
Durchführung der MLP zur rechnen. Gleichzeitig kann eine sinkende MLP-Teilnahme die Folge sein. Dies hätte
im untersuchten Szenario einen progressiv ansteigenden Verlust im Zuchtfortschritt zur Folge. Kommen dann
noch Kostenerhöhungen auf den Zuchtverband zu, so ist von einem Verlust im Züchtungsertrag auszugehen. Die
Förderung der Leistungsprüfung ist somit für Zucht- und Prüforganisationen von hoher Bedeutung. Die Ergebnis-
se der Leistungsprüfungen dienen direkt der Zuchtwertschätzung. Zusätzlich unterstützen sie aber auch die
Milchviehbetriebe in ihren Managemententscheidungen. Somit dient ein erzielbarer Zuchtfortschritt nicht nur den
Verbänden, sondern führt auch zu einer effizienten Gestaltung der betroffenen Produktionszweige. Von daher
sollte prinzipiell versucht werden, die Förderung der Leistungsprüfung aufrecht zu erhalten.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
72
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Zusätzlich scheint es aus den gerechneten Szenarien sinnvoll, neben der Milchleistungsprüfung auch eine neut-
rale und flächendeckende Leistungsprüfung im Bereich der Gesundheitsmerkmale zu unterstützen. Gemessen
am Nutzen ist der Aufwand für die zusätzliche Erfassung von Gesundheitsmerkmalen eher gering. Von daher
zeigt sich der Einsatz von vertraglich gebundenen Testherden durchaus als positiv. Der höhere Zuchtfortschritt
ergibt sich aus der exakteren Leistungsprüfung. Eine flächendeckende Realisierung scheint jedoch schwierig,
weil derzeit nicht jeder Betrieb für diese Form der Leistungsprüfung geeignet wäre. Mit der Verpflichtung der Do-
kumentation zu tierärztlichen Behandlungen und Krankheiten, die sich aus dem Tierarzneimittelkontrollgesetz
ergibt, sind jedoch Weichen gestellt. In Ländern wie Österreich oder den skandinavischen Ländern liegen bereits
langjährige positive Erfahrungen vor. Erste Ansätze in Form von Pilotprojekten gibt es in Deutschland. Ebenso
wird im Bereich der Zuchtleistung derzeit an einem Fruchtbarkeitsindex gearbeitet.
Durch eine stärkere Gewichtung der funktionalen Merkmale im Zuchtziel ist eine Verbesserung in diesen Merk-
malen möglich. Die naturalen Zuchtfortschritte der Milchleistungsmerkmale gehen dann zurück, weil Antagonis-
men und somit negative Korrelationen bestehen. Vergleichbare Ergebnisse erhielt auch
HECKENBERGER (1991).
Bei einer stärkeren Gewichtung der Nutzungsdauer steigt in den Szenarien der monetäre Zuchtfortschritt leicht
an. Bei
HECKENBERGER (1991). hat sich bei einer höheren Gewichtung der Nutzungsdauer der monetäre Zucht-
fortschritt geringfügig vermindert.
KÖNIG (2001) führte zusätzlich folgende Punkte heraus, mit denen sich eine Rinderzuchtorganisation in Zukunft
beschäftigen muss, um weitere Effizienzsteigerungen zu realisieren:
die Integration neuester Erkenntnisse aus Molekulargenetik und Biotechnik,
die konsequente Nutzung überlegener ausländischer Genetik in Kombination mit einer zentralen Bul-
lenmutterprüfung sowie
die Optimierung der Bullenmütterprüfung im Feld.
Optimierungen im Bullenmütterpfad sind nicht in den Betrachtungen dieses Projektes enthalten. Die Verwendung
von neuesten Erkenntnissen aus der Biotechnik stellt jedoch eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung des
Zuchtprogramms dar. Für die Erstellung notwendiger Bullenkälber aus gezielter Anpaarung sind durch neue Ver-
fahren deutlich weniger Bullenmütter notwendig, so dass wesentlich schärfer selektiert werden kann. Weitere
Untersuchungen zu höheren Selektionsintensitäten in diesem Selektionspfad sind zu empfehlen.
Ebenso sollte die Eigenleistungsprüfung der Bullen mit in weitere Betrachtungen einbezogen werden. Auch hier
wird es zu Veränderungen hinsichtlich der Förderung der Leistungsprüfung kommen. Als weitere Merkmale kön-
nen die Futteraufnahme, die Prüftagszunahme auf Station sowie die Trockensubstanzaufnahme eingearbeitet
werden. Aufgrund der Vielzahl der bereits verwendeten Merkmale wurde an dieser Stelle darauf verzichtet. Je
mehr Merkmale in den Planungsrechnungen vorhanden sind, desto schwieriger wird es, die Matrix für die phäno-
typischen und genotypischen Korrelationen positiv definite zu erhalten. Dennoch sollten auch hierzu weitere Pla-
nungsrechnungen mit dem Verzicht anderer Merkmale zu Gunsten der Merkmale der Eigenleistungsprüfung
untersucht werden.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
73
Schriftenreihe, Heft 5/2008

7 Zusammenfassung
Motivation
Veränderungen bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Milchproduktion, aber auch bei der Rechtsset-
zung und der Förderpolitik haben einen nachhaltigen Einfluss auf die Rinderzucht. Der Strukturwandel bei den
Zuchtorganisationen ist weltweit bereits voll im Gange. Von Konzentrationen ist auch die sächsische Rinderzucht
unmittelbar betroffen. Mit dem neuen Tierzuchtgesetz kommt es zu einer weitreichenden Liberalisierung des
Spermamarktes. Zudem wird die Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung nach einer Übergangsfrist bis 2013
nicht mehr staatliche Aufgabe sein. In Folge dessen und im Ergebnis der generellen Förderstrategie ist davon
auszugehen, dass sich der Staat schrittweise auch aus der Förderung der Leistungsprüfung und Zuchtwertschät-
zung zurückziehen wird.
Aufgrund der Kosten- und Erlösstrukturen in den Milchviehbetrieben gewinnen funktionale Merkmale auch bei der
Ausrichtung der Zuchtziele stärker an Bedeutung. Dem ist auch in den Zuchtprogrammen Rechnung zu tragen.
Gegenstand der Untersuchung war es, die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die Gestaltung der Zuchtpro-
gramme sowie der Prüfsysteme beim Milchrind in Sachsen näher zu betrachten.
Zielstellung
Schwerpunkt des Projektes war es, die Auswirkungen einer höheren Kostenbelastung durch einen potenziellen
Wegfall öffentlicher Förderungen der Leistungsprüfung sowie einer stärkeren Wichtung funktionaler Merkmale im
Zuchtprogramm zu untersuchen.
Mit einer höheren Kostenbelastung der Leistungsprüfung ist zu befürchten, dass der derzeit noch hohe Anteil der
Betriebe, die sich an der Milchleistungsprüfung beteiligen, abnimmt. Damit reduziert sich die Basis der Leistungs-
prüfungen im Rahmen des Zuchtprogramms. Mit der stärkeren züchterischen Bedeutung funktionaler Merkmale
kommen zudem neue Anforderungen auf die Leistungsprüfung zu. Die Leistungsprüfung wird sich von einer rei-
nen Milchleistungsprüfung zu einer kombinierten Leistungs- und Funktionalitätsprüfung entwickeln. In Sachsen ist
mit dem Testherdenprojekt, das gemeinsam von der Landesanstalt für Landwirtschaft mit dem SRV und dem LKV
Sachsen aufgebaut wurde, die Basis hierfür gelegt.
Im Rahmen der Untersuchungen wurde von den Eckdaten des Zuchtprogramms der Masterrind GmbH ausge-
gangen. Diese Population wurde mit Hilfe der Methoden der Zuchtplanung modelliert. Eine Bewertung der unter-
schiedlichsten Planungsvarianten erfolgte anhand des Züchtungsertrages, des Züchtungsgewinns sowie des
naturalen Zuchtfortschritts in den einzelnen Merkmalen.
Im Einzelnen wurden die folgenden Zielstellungen verfolgt:
Optimierung des untersuchten Zuchtprogramms in Hinblick auf den Testeinsatz (Testanteil, Anzahl Testbul-
len, Töchter je Testbulle)
Nutzung von vertraglich gebundenen Testherden (höhere Genauigkeit der Leistungserfassung, zusätzliche
Erfassung von Gesundheitsmerkmalen) im Zuchtprogramm (Anteil Testherden, Umfang des Testeinsatzes in
Testherden)
Auswirkungen des Umfangs und der Kosten der Milchleistungsprüfung auf die Effizienz des Zuchtprogramms
Auswirkungen unterschiedlicher Wichtungen der Zuchtzielmerkmale (Leistungsmerkmale, funktionale Merk-
male) auf die Gestaltung des Zuchtprogramms
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

Material und Methode
Für die Planungsrechnungen wurde das Programm ZPLAN verwendet. Ausgehend von genetischen, biologischen
und ökonomischen Inputparametern dient das Programm der Optimierung von Zuchtplänen. Methodisch fließen
in das Programm die Selektionstheorie, die Indextheorie, die Genflussmethode und Grundzüge der Investitions-
theorie ein. Als Ergebnis erhält man wichtige Kenngrößen der Zuchtplanung wie den naturalen jährlichen Zucht-
fortschritt, den monetären Gesamtzuchtfortschritt, den Züchtungsertrag, die Züchtungskosten sowie den Züch-
tungsgewinn. ZPLAN beruht auf einem statisch-deterministischen Ansatz, unterstützt Mehrmerkmalsmodelle und
dient der Simulation verschiedener Zuchtprogramme. Eine Optimierung erfolgt dabei durch die bestmögliche
Kombination der Populationsparameter hinsichtlich einer Maximierung bzw. Minimierung von unterschiedlichen
Zielgrößen.
In den Planungsrechnungen wurden somit konstante Züchtungsparameter und -kosten unterstellt. In Anlehnung
an die Struktur der MASTERRIND GmbH setzt sich die Population aus Milchkühen aus zwei Zuchtgebieten zu-
sammen, einem mit einer größeren und einem mit einer kleineren Bestandsstruktur. Die gesamte Populations-
größe beträgt 520 000 Milchkühe. Der Anteil an Herdbuchkühen (Zuchtpopulation) beläuft sich dann auf 400 400
Kühe. Das Basiszuchtprogramm entspricht dem Ablauf eines konventionellen Besamungszuchtprogramms, wobei
aber ein geschlossenes Reproduktionsschema ohne Genimport aus anderen Populationen angenommen wird.
Die Finanzierung der Leistungsprüfung lässt sich prinzipiell auf drei Blöcke aufteilen, die Erlöse aus der Nutzung
der Informationen in der Zucht (derzeit noch nicht veranschlagt), die Erlöse aus der Nutzung der Daten im be-
trieblichen Management (Gebühren der Betriebe für die Teilnahme an der MLP) sowie die Finanzierung aus der
Förderung. In den nachfolgenden Betrachtungen wird diesbezüglich nicht differenziert, sondern werden lediglich
unterschiedliche Gesamtkosten für die Leistungsprüfung unterstellt.
Für die Optimierung eines Zuchtprogramms ist es notwendig, die aktuellen Zuchtentscheidungen an die zukünftig
zu erwartende wirtschaftliche Lage auszurichten. Dazu sind stabile und ausgewogene züchterische Strategien zu
wählen, um für die wahrscheinlichen marktpolitischen Rahmenbedingungen gerüstet zu sein.
Weil die Basis einer Zuchtorganisation ein gut strukturiertes, effektives Zuchtprogramm darstellt, sollen mit Hilfe
von Modellkalkulationen verschiedene Szenarien hinsichtlich Änderungen im Zuchtprogramm bzw. in den Leis-
tungsprüfsystemen simuliert werden. Die züchterischen Maßnahmen sind dabei so zu gestalten und zu optimie-
ren, dass sowohl hohe Zuchtfortschritte als auch ein Optimum im Züchtungsgewinn realisiert werden.
Mittels zuchtplanerischer Kalkulationen soll das zukünftige Testsystem für Besamungsbullen der Rasse Holstein-
Frisian für kommende Entwicklungen optimiert werden. Es wurden unterschiedliche Ansätze der Organisation des
Testeinsatzes und der verwendeten Prüfmethoden zuchtplanerisch modelliert und bewertet.
Zur ökonomischen Gewichtung der Merkmale des Zuchtzieles dient der Grenznutzen, welcher aus der Literatur
entnommen wurde. Im Zuchtziel sind zum einen die Merkmale der Milchleistung, d.h. die fett- und eiweißfreie
Milchmenge, die Eiweißmenge und die Fettmenge integriert. Zum anderen sind für den Bereich der funktionalen
Merkmale die Zwischenkalbezeit als Merkmal der Fruchtbarkeit, die Nutzungsdauer als „Bioindex“ für den Ge-
samtkomplex der funktionalen Merkmale sowie die Mastitisanfälligkeit in das Zuchtziel eingearbeitet. Des Weite-
ren werden zahlreiche Hilfsmerkmale mit einer möglichst engen Korrelation zu den Zuchtzielmerkmalen verwen-
det.
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Schriftenreihe, Heft 5/2008

Ergebnisse
Die Ergebnisse des Projektes lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
Optimierung des untersuchten Zuchtprogramms in Hinblick auf den Testeinsatz (Testanteil, Testbullen, Töchter je
Testbulle)
Zu den wesentlichen Parametern, welche die optimale Struktur von Besamungsprogrammen bestimmen, gehören
neben dem Anteil der aktiven Zuchtpopulation an der Gesamtpopulation die Anzahl der eingesetzten Testbullen,
die Anzahl der nachkommengeprüften Töchter je Testbulle und vor allem der Testanteil an der Gesamtpopulation.
Folgende Ergebnisse lassen sich aus den Untersuchungen ableiten:
Das untersuchte Zuchtprogramm ist mit 38 % Testanteil und 260 Testbullen mit je 164 Töchtern am effi-
zientesten. Bei Realisierung dieser Zuchtstruktur ist im Vergleich zur Ausgangsvariante ein um etwa 5 %
höherer monetärer Zuchtfortschritt möglich, bei einem um etwa 7 % höherem Züchtungsgewinn. Dabei
ergibt sich für den Bereich eines Testanteils von 35 % bis 45 % ein sehr flaches Optimum.
Weil der derzeitige Testanteil zwischen 20 % und 28 % liegt, scheint eine Erhöhung auf 38 % unrealis-
tisch. Nach den hier vorliegenden Untersuchungen sollte dennoch ein Testanteil von über 30 % ange-
strebt werden. Ebenso ist es zu empfehlen, dass mindestens 240 Testbullen zum Einsatz kommen und
je Testbulle 150 bis 160 Töchter nachkommengeprüft werden.
Auswirkungen des Umfangs und der Kosten der Milchleistungsprüfung
Eine von einer neutralen Stelle organisierte objektive Milchleistungsprüfung ist ein zentrales Element in allen
Zuchtprogrammen der Holsteinzucht.
Folgende Ergebnisse lassen sich aus den Untersuchungen ableiten:
Mit einem Rückgang der Teilnahme der Betriebe an der Milchleistungsprüfung ist ein überproportionaler
Verlust im Zuchtfortschritt verbunden. Bei einem Rückgang bis auf 60 % MLP-Prüfdichte sinkt der mone-
täre Zuchtfortschritt um 7 %. Der Rückgang im naturalen Zuchtfortschritt ist dabei naturgemäß stärker in
den Milchleistungsmerkmalen als in den funktionalen Merkmalen ausgeprägt.
Mit zunehmenden MLP-Kosten wird ein Optimum im Züchtungsgewinn bereits mit weniger Prüftieren er-
reicht. Bei einer Steigerung der MLP-Kosten auf 30 €, sollten wenigstens 80 % der Herdbuchtiere an der
MLP teilnehmen. Bei einem Kostenaufwand von 40 € müssten noch 70 % Prüfumfang angestrebt wer-
den, um ein Optimum zwischen Zuchtfortschritt und Züchtungsgewinn zu gewährleisten. Der Rückgang
im Züchtungsgewinn kann über 7 % erreichen.
Nutzung vertraglich gebundener Testherden im Zuchtprogramm
Unter Testherden versteht man vertraglich gebundene Betriebe, die neben der klassischen MLP der zusätzlichen
Erfassung von sekundären Merkmalen wie Gesundheitsdaten dienen. Diese Datenerfassung ist in einer höheren
Qualität gegenüber einer flächendeckenden Prüfung erreichbar. Zusätzlich ist eine gezielte Anpaarung in Test-
herden möglich.
Folgende Ergebnisse lassen sich aus den Untersuchungen ableiten:
Mit Erhöhung der Anzahl Kühe in Testherden ergibt sich ein degressiver Anstieg im Zuchtfortschritt. Es
zeigt sich ein deutlich positiver Effekt in den funktionalen Merkmalen. Ein Testherdenumfang von 10 %
führt zu einer Erhöhung im Zuchtfortschritt um 4 %. Ab einem Umfang der Testherden von 50 % ist die
Steigerung im Zuchtfortschritt marginal.
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Je weniger Tiere in Testherden gebunden sind, desto stärkere negative Auswirkungen auf Zuchtfort-
schritt und Züchtungsgewinn hat ein Rückgang der MLP-Teilnahme in der restlichen Zuchtpopulation zur
Folge. Im Züchtungsgewinn ergibt sich ein flaches Optimum. Die Kosten für die zusätzliche Gesund-
heitsdatenerfassung fallen gegenüber den MLP-Kosten kaum ins Gewicht. Somit ist der Züchtungsge-
winn am höchsten, je mehr Testherdentiere zum Einsatz kommen.
Weil für die Auswahl von Testherdenbetrieben die Betriebsgröße eine entscheidende Rolle spielt und die
Strukturen im Zuchtgebiet mit größeren Bestandsstrukturen eher geeignet erscheinen, wird davon aus-
gegangen, dass Tiere in Testherden nur in diesem Zuchtgebiet vorkommen. Bei einem Rückgang der
MLP-Teilnahme auf 80 % der Zuchtpopulation außerhalb von Testherden kann durch einen Testherden-
umfang von 20 % der Zuchtpopulation des Zuchtgebietes mit größeren Bestandsstrukturen der Rück-
gang im Zuchtfortschritt kompensiert werden. Die naturalen Zuchtfortschritte verschieben sich dabei zu-
sätzlich zu Gunsten der funktionalen Merkmale. Bei einem Rückgang der MLP-Teilnahme auf 70 % wä-
ren 45 % Testherdentiere aus diesem Gebiet notwendig, um den Verlust im Zuchtfortschritt zu kompen-
sieren.
In der Literatur findet man die Überlegung, eine Testanpaarung ausschließlich über Testherden zu reali-
sieren. Dies hat unter anderen den Vorteil, eine gezielte Anpaarungsplanung durchzuführen. Es stellt
sich heraus, dass eine Testanpaarung ausschließlich über Testherdenbetriebe im Gebiet mit größeren
Bestandsstrukturen nicht möglich wäre, wenn 30 % Testanpaarung auf die gesamte Zuchtpopulation von
400 400 Tieren erreicht werden sollen. Trotzdem ist eine Testanpaarung ausschließlich in Testherden
der Variante mit 30 % Testanpaarung bei Tieren aus der gesamten Zuchtpopulation überlegen.
Auswirkungen unterschiedlicher Wichtungen der Zuchtzielmerkmale (Leistungsmerkmale, funktionale Merkmale)
In der Milchviehzucht haben funktionale Merkmale eine zunehmende Bedeutung erlangt. Zu diesen Merkmalen
gehören die Zuchtleistung, die Nutzungsdauer, Merkmale der Gesundheit sowie die Melkbarkeit. Es bestehen
jedoch genetische Antagonismen dieser Merkmale zu den Milchleistungsmerkmalen. So stellt mit zunehmender
Milchleistung die Verschlechterung in diesen Merkmalen ein züchterisches Problem dar.
Folgende Ergebnisse lassen sich aus den Untersuchungen ableiten:
Eine züchterische Verbesserung in den funktionalen Merkmalen kann durch eine Erhöhung der Testka-
pazität erzielt werden. Ebenso führt eine Erhöhung der nachkommengeprüften Töchter je Testbulle zu
einer höheren Genauigkeit der Zuchtwertschätzung und somit zu einer Verbesserung auch der funktio-
nalen Merkmale. Der Genauigkeitsgewinn hat zwar nur geringe Auswirkungen auf den monetären Zucht-
fortschritt, verschiebt dessen Zusammensetzung jedoch zu Gunsten der funktionalen Merkmale.
Während die Merkmale Nutzungsdauer und Eiweißgehalt nur geringe Veränderungen bei Fehleinschät-
zungen im Grenznutzen zeigen, zieht eine Fehleinschätzung bei der Mastitisanfälligkeit große Auswir-
kungen im Zuchtfortschritt nach sich.
Durch eine Veränderung des Zuchtzieles zu Gunsten der funktionalen Merkmale kann es zu einer deutli-
chen Verbesserung vor allem in der Nutzungsdauer bei nur geringem Verlust an Zuchtfortschritt bei den
Milchleistungsmerkmalen kommen. Weil die Nutzungsdauer als „Bioindex“ für alle funktionalen Merkma-
le zählt, sollte eine Änderung im Zuchtziel mit mehr Gewichtung auf diese Merkmale angestrebt werden.
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Bedeutung der Eigenleistungsprüfung von Jungbullen (ELP) im Zuchtprogramm
Aufgrund nicht vorliegender Ausgangsparameter und Problemen bei der Umsetzung sehr komplexer Mehrmerk-
malsmodelle konnte die Betrachtung der Eigenleistungsprüfung von Bullen auf Station nicht explizit berücksichtigt
werden. Entscheidend ist aber, dass auch Merkmale wie die Futteraufnahme, die Stabilität unter vergleichbaren
Bedingungen oder die Klauenmessungen bzw. -bewertungen züchterisch wertvoll sind. Auch im Ergebnis der
Auswertung der Fachliteratur wird deutlich, dass der Stellenwert funktionaler Merkmale im Zuchtziel ansteigt und
auf eine Eigenleistungsprüfung von Jungbullen nicht verzichtet werden sollte.
Nutzung von Biotechnik im Zuchtprogramm
Die Untersuchung der Auswirkungen einer intensiveren Nutzung von Biotechnik im Zuchtprogramm war nicht
Gegenstand des bearbeiteten Projektes. Jedoch haben beispielsweise Ergebnisse von
RIEDL (1996) gezeigt, dass
mit Einsatz des Embryonentransfers eine deutliche Steigerung der Selektionsintensität im Bullenmütterpfad mög-
lich ist. Der monetäre Zuchtfortschritt kann gegenüber einer Variante ohne Embryonentransfer um 10 % gestei-
gert werden, wenn alle Bullenmütter zweimal gespült werden. Er empfiehlt eine systematische Nutzung des Emb-
ryonentransfers bzw. des IVP-Verfahrens im Bullenmütterpfad.
Credo
Leistungsprüfung in der Milchrindzucht ist nicht nur für das Zuchtprogramm von grundlegender Bedeutung. Die
Ergebnisse der Leistungsprüfung liefern darüber hinaus auch wertvolle Informationen zur Unterstützung der Be-
triebe in ihren Managemententscheidungen. Zudem kommt der erzielte Zuchtfortschritt nicht nur der Zuchtorgani-
sation zugute, sondern ist zu wesentlichen Teilen auch ein Gratisfaktor zur effizienten Gestaltung der Milchpro-
duktion in den Betrieben. Eine Förderung der Leistungsprüfung ist somit eine makroökonomisch effiziente Form
der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit eines Sektors, der unter Berücksichtigung der vor- und nachgelagerten
Bereiche eine tragende Säule des ländlichen Raumes darstellt.
Ein Wegbrechen der öffentlichen Unterstützung hätte auch strukturelle Folgen, die den gesamten Sektor schwä-
chen. Die sich im Einzelnen ergebenden Folgen sind im Bericht detailliert erörtert.
Der stärkeren Bedeutung funktionaler Merkmale in der Milchrindzucht sollte nicht nur über eine stärkere Wichtung
dieses Merkmalskomplexes im Zuchtziel Rechnung getragen werden, sondern auch durch eine Weiterentwick-
lung der bisherigen Milchleistungsprüfung zu einer kombinierten Leistungs- und Funktionalitätsprüfung. Dabei
sollte im Testprogramm insbesondere eine hohe Qualität der Datenerfassung sowie eine zusätzliche Erfassung
von Gesundheitsmerkmalen abgesichert werden.
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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161 – 171, 4. Rinder-Workshop
VIT
VERDEN (2006): Internetauftritt
www.vit.de
W
ILLAM, A. (2001): Zuchtplanung Zuchtorganisation; Institut für Nutztierwissenschaften Universität für Bodenkultur
Wien
W
ÜNSCH, U. (1998): Untersuchungen zur Zuchtplanung in einer Dreirassenkreuzung am Beispiel des Sächsischen
Schweinezuchtverbandes e.V.; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
W
ÜNSCH, U. (1999): Berechnung wirtschaftlicher Gewichte für ökonomisch wichtige Leistungsmerkmale anhand
der sächsischen Milchrindpopulation; Bericht an die Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
W
ÜNSCH, U.; BERGFELD, U. (2001): Berechnung wirtschaftlicher Gewichte für ökonomisch wichtige Leistungs-
merkmale in der Milchrindzucht; Züchtungskunde 73, 3-11
www.lic.co.nz
– Sire Proving Scheme
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
82
Schriftenreihe, Heft 5/2008

9 Anhang
Anhang 1:
Zeitlicher Ablauf für die Durchführung eines Zuchtprogramms
Zuchtziel
Zuchtbuch
Leistungsprüfung
Zuchtwertschätzung
Selektion
Paarung
Zuchtfortschritt
Übertragung des Zuchtfortschritts
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
83
Schriftenreihe, Heft 5/2008

Anhang 2:
Schematische Darstellung zum Ablauf der Zuchtplanung
Populationsanalyse
Phänotypische und genetische Parameterschät-
zung
Zuchtziel aufstellen aus Produktionsziel
Wirtschaftlichkeitsfaktoren
-
Ökonomische Wichtungsfaktoren ableiten
-
Grenznutzen der Merkmale
Planungsrechnungen
-
Optimierung verschiedener Zuchtpläne mit unterschiedlichen Modellannahmen
-
Änderung der Prüfsysteme unter dem Aspekt der agrarpolitischen Gegebenheiten
Ergebnis
-
Bestmögliche Kombination der Populationsparameter hinsichtlich der
Maximierung des Zuchtfortschrittes bzw. des Züchtungsgewinnes
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
84
Schriftenreihe, Heft 5/2008

image
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image
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
85
Schriftenreihe, Heft 5/2008
Anhang 3:
Zuchtprogramm Sachsen
Aktive Population – 150 000 Kühe – 45 000 Färsen
Bullenmütterselektion
20 - 30 aus Tessa
(Teststation Sachsen)
20 aus Jungrinder
Spülprogramm
20 Bullenmütter
durch Auswahl
Selektionsmerkmale
Eiweiß & Milchmenge
Exterieur
Euter, Fundament
Markerergebnisse
anerkannte Kuhfamilien
Melkbarkeit
Fruchtbarkeit
Zellzahl
Auswahl
von
30
-
50
Bullenmüttern
2 - 3 Testbullen mit
hohem Pedigreeindex aus
anerkannten Kuhfamilien
integrierter
Embryo-
Transfer
gezielte
Anpaarung
8 - 10 internationale
und nationale
Spitzenvererber
150 - 160 schwarzbunte Bullenkälber
ELP Meissen-Korbitz
Selektionsmerkmale
Pedigreeindex
Exterieur
Markerergebnisse
Wachstumsleistung
Besamungstauglichkeit
100
-
120
Testbullen
550
EB
/
Test-
bulle
Nachkommenprüfung
relativer Zuchtwert
Milch, Fett, Eiweiß
Exterieur
Geburtsverhalten
Fruchtbarkeit
Zellzahl, Melkbarkeit
5
-
8
Bullen
mit
positivem
Zuchtwert
1
-
3
Elitebullen

Anhang 4:
Genetische Parameter der Planungsalternative I
Phänotypische Standardabweichung und phänotypische Korrelationen
Merkmal SD MM FM EM EG ZKZ NR90_wbl NR90_ml mKV pKV ND Fundament Euter VR_1L Mastitis log_ZZ Milchfluss Dummy
MM
900.00
1.00
FM
40.00
.86
1.00
EM
30.00 .90 .80
1.00
EG
0.20
-.28
-.10 -.10
1.00
ZKZ
55.00 .20 .20 .20 .05
1.00
NR90_wbl
45.00 -.20 -.20 -.20
.00
-.35
1.00
NR90_ml
35.00 -.20 -.20 -.20
.00
-.35 -.05
1.00
mKV 30.00
-.10 -.10 -.10
.00
.20
.02
.00 1.00
pKV 30.00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00
-.10
1.00
ND
6.00
-.10 -.10 -.10
-.15 .05 .18 .00 .16 .00 1.00
Fundament
1.50 .03 .03 .03
.00 .00 .00 .00 .00 .00
.15
1.00
Euter
1.50 .05 .05 .05
.00
-.10
.00 .00 .00 .00
.15
.00 1.00
VR_1L
45.00
.00 .00 .00 .00
-.10 .20 .20
.00 .00
.55
.15 .15
1.00
Mastitis
30.00
.10 .10 .10 .00 .00 .00 .00 .00 .00
-.20
.00
-.05
-.10
1.00
log_ZZ
0.30
.00 .00
-.10
.00 .00 .00 .00 .00 .00
-.20
.00 -.05
-.10 .40
1.00
Milchfluss
0.60 .20 .20 .20
.00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .10
.10
1.00
Dummy 1.00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 1.00
Heritabilitäten und genotypische Korrelationen
Merkmal h² MM FM EM EG ZKZ NR90_wbl NR90_ml mKV pKV ND Fundament Euter VR_1L Mastitis log_ZZ Milchfluss Dummy
MM
0.35
1.00
FM
0.25 .71
1.00
EM
0.31 .92
.70
1.00
EG
0.45
-.30 -.10 -.23
1.00
ZKZ
0.05 .25 .25 .25 -.05
1.00
NR90_wbl
0.02
-.20 -.20 -.20 .10 -.35
1.00
NR90_ml
0.02
-.20 -.20 -.20 .10 -.35
-.05
1.00
mKV
0.05
-.10 -.10 -.10
.00
.20
.02
.00 1.00
pKV
0.05
.10
.00 .00 .00 .00 .00 .00
-.10
1.00
ND
0.16 -.10
-.10 -.10 -.15 .05
.18
.00
.16
.00 1.00
Fundament
0.17
-.05 -.05 -.05
.00 .00 .00 .00 .00 .00
.26
1.00
Euter
0.22
-.05 -.05 -.05
.00 .00 .00 .00 .00 .00
.20
.00 1.00
VR_1L
0.05
.05 .05 .05
-.10 -.10 .20 .20
.00 .00
.55
.20 .25
1.00
Mastitis
0.05 .30
.10 .10 -.10
.00 .00 .00 .00 .00
-.20
.00
-.10
-.10
1.00
log_ZZ
0.16
.10 .10 .10 -.10
.00 .00 .00 .00 .00
-.20
.00 -.10
-.10 .60
1.00
Milchfluss
0.28
.20 .20 .20
.00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00
.10 .10
1.00
Dummy 0.00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 1.00
Quelle:
Dissertation M. Riedl
Quelle:
Dissertation G.J. Heckenberger
Quelle:
Parameterfile M. Riedl
Quelle:
Milchrind 1/2001 E. Pasman, Dr. S. Rensing, F. Reinhardt, Dr. A. Bünger (VIT) „Zuchtwerte für Nutzungsdauer früher und sicherer“
Quelle:
Internet VIT ZW-Schätzung
Quelle:
Michailowskaja et al. „Schätzung genetischer Parameter an einem Datenmaterial der Sächsischen Rinderpopulation“ (2001)

Anhang 5:
Genetische Parameter der Planungsalternative II - 1
Phänotypische Standardabweichung und phänotypische Korrelationen
Merkmal h² MM FM EM EG ZKZ NR90_
wbl
NR90_
ml
mKV pKV ND Funda-
ment
Euter VR_1L
Masti-
tis
log_ZZ Milch-
fluss
EM_
th
NR90w_
th
NR90m_
th
mKV_
th
pKV_
th
VR1L_
th
Masti-
tis_th
Milch
fluss_th
Gesund
heit_th
MM_th Dummy
MM
900.00
1.00
FM
40.00
.68
1.00
EM
30.00 .87 .77
1.00
EG
0.20
-.27
-.10 -.10
1.00
ZKZ
55.00 -.19 .19 .19 .05
1.00
NR90_wbl
45.00 -.19 -.19 -.19
.00
-.34
1.00
NR90_ml
35.00 -.19 -.19 -.19
.00
-.34 -.05
1.00
mKV 30.00
-.10 -.10 -.10
.00
.19
.02
.00 1.00
pKV 30.00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00
-.10
1.00
ND
6.00
-.10 -.10 -.10
-.15 .05 .17 .00 .15 .00 1.00
Fundament
1.50
.03 .03 .03
.00 .00 .00 .00 .00 .00
.15
1.00
Euter
1.50
.05 .05 .05
.00
-.10
.00 .00 .00 .00
.15
.00 1.00
VR_1L
45.00
.00 .00 .00 .00
-.10 .19 .19
.00 .00
.53
.15 .15
1.00
Mastitis
30.00
.10 .10 .10 .00 .00 .00 .00 .00 .00
-.19
.00
-.05
-.10
1.00
log_ZZ
0.30
.00 .00
-.10
.00 .00 .00 .00 .00 .00
-.19
.00 -.05
-.10 .39
1.00
Milchfluss
0.60 .20 .19 .19
.00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .10
.10
1.00
EM_th 30.00 .67 .67 .87 -.10 .19 -.19 -.19 -.10 .00 -.10 .03 .05 .00 .10 -.10 .19 1.00
NR90w_th 45.00 -.19 -.19 -.19 .00 -.34 .97 -.05 .02 .00 .17 .00 .00 .19 .00 .00 .00 -.19 1.00
NR90m_th 35.00 -.19 -.19 -.19 .00 -.34 -.05 .93 .00 .00 .00 .00 .00 .19 .00 .00 .00 -.19 -.05 1.00
mKV_th 30.00 -.10 -.10 -.10 .00 .19 .02 .00 .70 -.10 .15 .00 .00 .00 .00 .00 .00 -.10 .02 .00 1.00
pKV_th 30.00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 -.10 .45 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 -.10 1.00
VR1L_th 45.00 .00 .00 .00 .00 -.10 .19 .19 .00 .00 .53 .15 .15 .97 -.10 -.10 .00 .00 .19 .19 .00 .00 1.00
Mastitis_th 30.00 .10 .10 .10 .00 .00 .00 .00 .00 .00 -.19 .00 -.05 -.10 .97 .39 .10 .10 .00 .00 .00 .00 -.10 1.00
Milchfluss_th 0.60 .19 .19 .19 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 -.10 .10 .10 .75 .19 .00 .00 .00 .00 -.10 .10 1.00
Gesundheit_th 4.00 .05 .05 .05 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .19 .05 .05 .19 -.10 .00 .00 .05 .00 .00 .00 .00 .19 -.10 .00 1.00
MM_th 900.00 .90 .68 .87 -.27 .19 -.19 -.19 -.10 .00 -.10 .03 .05 .00 .10 .00 .20 .67 -.19 -.19 -.10 .00 .00 .10 .19 .05 1.00
Dummy 1.00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 1.00

Anhang 6:
Genetische Parameter der Planungsalternative II - 2
Heritabilitäten und genotypische Korrelationen
Merkmal H² MM FM EM EG ZKZ NR90_
wbl
NR90_
ml
mKV pKV ND Funda-
ment
Euter VR_1L
Mastitis log_ZZ Milch-
fluss
EM_
th
NR90w_
th
NR90m_
th
mKV_
th
pKV_
th
VR1L_
th
Mastitis_
th
Milch
fluss_th
Gesund
heit_th
MM_th Dummy
MM
0.35
1.00
FM
0.25 .68
1.00
EM
0.31 .88
.67
1.00
EG
0.45
-.29 -.10 -.22
1.00
ZKZ
0.05 .24 .24 .24 -.05
1.00
NR90_wbl
0.02
-.19 -.19 -.19 .10 -.33
1.00
NR90_ml
0.02
-.19 -.19 -.19 .10 -.33
-.05
1.00
mKV
0.05
-.10 -.10 -.10
.00
.19
.02
.00 1.00
pKV
0.05
.20
.00 .00 .00 .00 .00 .00
-.20
1.00
ND
0.16 -.10
-.10 -.10 -.14 .05
.17
.00
.15
.00 1.00
Fundament
0.17
-.05 -.05 -.05
.00 .00 .00 .00 .00 .00
.25
1.00
Euter
0.22
-.05 -.05 -.05
.00 .00 .00 .00 .00 .00
.19
.00 1.00
VR_1L
0.05
.05 .05 .05
-.10 -.10 .19 .19
.00 .00
.52
.19 .24
1.00
Mastitis
0.05 .29
.10 .10 -.10
.00 .00 .00 .00 .00
-.19
.00
-.10
-.10
1.00
log_ZZ
0.16
.10 .10 .10 -.10
.00 .00 .00 .00 .00
-.19
.00 -.10
-.10 .57
1.00
Milchfluss
0.28
.19 .19 .19
.00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00
.10 .10
1.00
EM_th 0.35 .86 .67 .97 -.22 .24 -.19 -.19 .10 .00 -.10 -.05 -.05 .05 .10 .10 .19 1.00
NR90w_th 0.05 -.19 -.19 -.19 .10 -.33 .93 -05 .02 .00 .17 .00 .00 .19 .00 .00 .00 -.19 1.00
NR90m_th 0.05 -.19 -.19 -.19 .10 -.33 .05 .90 .00 .00 .00 .00 .00 .19 .00 .00 .00 -.19 -.05 1.00
mKV_th 0.07 -.10 -.10 -.10 .00 .10 .02 .00 .30 -.10 .15 .00 .00 .00 .00 .00 .00 -.10 .02 .00 1.00
pKV_th 0.07 .10 .00 .00 .00 .00 .00 .00 -.10 .42 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 -.10 1.00
VR1L_th 0.07 .05 .05 .05 -.10 -.10 .19 .19 .00 .00 .52 .19 .50 .95 -.10 -.10 .00 .05 .19 .19 .00 .00 1.00
Mastitis_th 0.07 .29 .10 .10 -.10 .00 .00 .00 .00 .00 -.19 .00 -.10 -.10 .85 .57 .10 .10 .00 .00 .00 .00 -.10 1.00
Milchfluss_th 0.10 .19 .19 .19 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .10 .10 .99 .19 .00 .00 .00 .00 .00 .10 1.00
Gesundheit_th 0.10 .10 .05 .05 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .68 .05 .05 .19 -.10 .00 .00 .05 .00 .00 .00 .00 .24 -.10 .00 1.00
MM_th 0.35 .90 .68 .88 -.29 .24 -.19 -.19 -.10 .20 -.10 -.05 -.05 .05 .29 .10 .19 .86 -.19 -.19 -.10 .10 .05 .29 .19 .05 1.00
Dummy 0.00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 1.00

Anhang 7:
Selektionsindex und Informationsquellen der Planungsalternative I
Selektionsgruppe Infoquelle Feld/Station Anzahl Tiere Leistungsmerkmale
wiederholte Leistungsmerkmale
Testbullen M
VM
MM
HGV
VGV
HGM
F
F
F
F
F
F
1
1
1
EM, MM, EG, log ZZ, Melkbarkeit, ZKZ, NR90_wbl,
mKV, Fundament, Euter
FM, EM, MM, EG, log ZZ, Melkbarkeit, mKV, Fun-
dament, Euter
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ, ZKZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ, ZKZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM,EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
Altbullen E
M
VM
MM
HGV
VGV
HGM
VG
Töchter 1. Gen.
S
F
F
F
F
F
F
F
F
1
1
1
1
NR90_ml
EM, MM, EG, log ZZ, Melkbarkeit,
ZKZ, NR90_wbl, mKV, Fundament, Euter
FM, EM, MM, EG, log ZZ, Melkbarkeit, mKV, Fun-
dament, Euter
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ, Melkbarkeit, ZKZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ, Melkbarkeit, ZKZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ, Fundament, Euter,
Melkbarkeit, NR90_wbl, VR_1L
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
K1L (als BM)
KZ
E
M
VM
MM
HGV
VGV
HGM
PHG
F
F
F
F
F
F
F
F
1
1
1
1
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ, Fundament, Euter,
Melkbarkeit, NR90_wbl
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ, Fundament, Euter
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ,
Fundament, Euter, Melkbarkeit
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ,
Fundament, Euter
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ, Fundament, Euter,
Melkbarkeit, ZKZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ,
Fundament, Euter
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ,
Melkbarkeit, ZKZ
EM, MM, EG, mKV, log ZZ,
Fundament, Euter, Melkbarkeit,
NR90_wbl, ZKZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
KP E 1 leer

Anhang 8:
Selektionsindex und Informationsquellen der Planungsalternative II
Selektionsgruppe Infoquelle Feld/Station Anzahl Tiere Leistungsmerkmale
wiederholte Leistungsmerkmale
Testbullen M
VM
MM
HGV
VGV
HGM
F
F
F
F
F
F
1
1
1
EM, MM, EG, log ZZ, Melkbarkeit, ZKZ, NR90_wbl, mKV, Fundament, Euter
FM, EM, MM, EG, log ZZ, Melkbarkeit, mKV, Fundament, Euter
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ, ZKZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ, ZKZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
Altbullen E
M
VM
MM
HGV
VGV
HGM
VG
Töchter 1. Gen.
S
F
F
F
F
F
F
F
F
1
1
1
1
NR90_ml
EM, MM, EG, log ZZ, Melkbarkeit, ZKZ, NR90_wbl, mKV, Fundament, Euter
FM, EM, MM, EG, log ZZ, Melkbarkeit, mKV, Fundament, Euter
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ, Melkbarkeit, ZKZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ, Melkbarkeit, ZKZ
FM, EM, MM, EG, mKV, log ZZ
EM, MM, EG, mKV, log ZZ, Fundament, Euter, Melkbarkeit, NR90_wbl,
VR_1L
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
FM, EM, MM, EG, log ZZ
K1L (als BM)
KZ
E
M
VM
MM
HGV
VGV
HGM
PHG
F
F
F
F
F
F
F
F
1
1
1
1
MM_th, EM_th, EG, log ZZ, Fundament, Euter, Melkbarkeit_th, NR90m_th,
Mastitis_th, Gesund_th
MM_th, FM, EG, log ZZ, Fundament, Euter, NR90m_th, VR1L_th, Melk-
barkeit_th, Gesund_th
MM_th, FM, EG, log ZZ, Fundament, Euter, NR90m_th, Mastitis_th, Melk-
barkeit_th, Gesund_th
MM_th, FM, EG, log ZZ, Fundament, Euter, NR90m_th, VR1L_th, Melk-
barkeit_th, Gesund_th
MM_th, EG, log ZZ, Fundament, Euter, ZKZ, NR90m_th, Mastitis_th, Melk-
barkeit_th, Gesund_th
MM_th, FM, EG, log ZZ, Fundament, Euter, NR90m_th, VR1L_th, Melk-
barkeit_th, Gesund_th
MM_th, FM, EG, log ZZ, ZKZ, NR90m_th, VR1L_th, Melkbarkeit_th, Ge-
sund_th
MM_th, EM_th, EG, logZZ, Fundament, Euter, ZKZ, NR90m_th, Melk-
barkeit_th, Gesund_th
MM_th, EG, log ZZ, Melkbarkeit_th, Ge-
sund_th
MM_th, EG, log ZZ, Melkbarkeit_th, Ge-
sund_th
MM_th, EG, log ZZ, Melkbarkeit_th, Ge-
sund_th
MM_th, EG, log ZZ, Melkbarkeit_th, Ge-
sund_th
MM_th, EG, log ZZ, Melkbarkeit_th, Ge-
sund_th
MM_th, EG, log ZZ, Melkbarkeit_th, Ge-
sund_th
MM_th, EG, log ZZ, Melkbarkeit_th, Ge-
sund_th
KZ (als KM)
E
M
VM
MM
HGV
VGV
HGM
PHG
F
F
F
F
F
F
F
F
1
1
1
1
MM, FM, EM, EG, log ZZ, Fundament, Euter, Melkbarkeit NR90_wbl, mKV
MM, FM, EM, EG, log ZZ, Fundament, Euter, mKV
MM, FM, EM, EG, log ZZ, Fundament, Euter, mKV, Melkbarkeit
MM, FM, EM, EG, log ZZ, Fundament, Euter, mKV
MM, FM, EM, EG, log ZZ, Fundament, Euter, mKV, ZKZ, Melkbarkeit
MM, FM, EM, EG, log ZZ, Fundament, Euter, mKV
MM, FM, EM, EG, log ZZ, ZKZ, mKV, Melkbarkeit
MM, EM, EG, logZZ, Fundament, Euter, mKV, ZKZ, NR90_wbl, Melkbarkeit
MM, FM, EM, EG, log ZZ
MM, FM, EM, EG, log ZZ
MM, FM, EM, EG, log ZZ
MM, FM, EM, EG, log ZZ
MM, FM, EM, EG, log ZZ
MM, FM, EM, EG, log ZZ
MM, EM, EG, log ZZ
KP E 1 leer

Für alle angegebenen E-Mail-Adressen gilt:
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Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen Staatsregierung im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit heraus-
gegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlhelfern zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden.
Dies gilt für alle Wahlen.
Impressum
Herausgeber:
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
August-Böckstiegel-Straße 1, 01326 Dresden
Internet:
www.landwirtschaft.sachsen.de/lfl/publikationen/
Autoren:
Dipl.-Agrar-Ing. Silke Krostitz, Dr. Ralf Fischer, Dr. Uwe Bergfeld
Fachbereich Tierische Erzeugung
Am Park 3
04886 Köllitsch
Telefon: 034222 46-100
Telefax: 034222 46-109
E-Mail:
uwe.bergfeld@smul.sachsen.de
Foto:
Archiv SRV
Redaktion:
siehe Autoren
Endredaktion:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Anne-Christin Matthies-Umhau, Ramona Scheinert, Matthias Löwig
Telefon: 0351 2612-345
Telefax: 0351 2612-151
E-Mail:
anne-christin.matthies@smul.sachsen.de
ISSN:
1861-5988
Redaktionsschluss:
Februar 2008