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Forstjournal 3I10
Waldpost 2012 / 2013
Zeitung für Waldbesitzer in Sachsen

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02 |
Editorial
In Sachsen gibt es 270 Flora-Fauna-Habitat-
Gebiete. Für den Flächeneigentümer stellt sich
dabei die Frage, ob der eigene Wald betroffen
ist und welche Konsequenzen damit verbun-
den sind. Wir erläutern Ihnen, wie Sie gezielt
Informationen erhalten können. Vorab viel-
leicht schon einmal soviel: Fragen Sie Ihren
Förster! Die Revierförster von Sachsenforst
können Ihnen genau erklären, welche Wald-
flächen in Schutzgebieten liegen und wie Sie
Ihren Wald bewirtschaften können.
Ein forstliches Highlight dieses Jahres war
zweifellos die Tagung des Kuratoriums für
Waldarbeit und Forsttechnik e. V. in Bopfin-
gen. Die alle vier Jahre stattfindende Veran-
staltung hat sich zur größten Forstmesse und
-tagung Mitteleuropas entwickelt. In einem
Beitrag ziehen wir ein Fazit dieser Veranstal-
tung.
Liebe Waldbesitzerinnen, liebe Waldbesit-
zer, Sachsenforst unterstützt Sie bei der ord-
nungsgemäßen Bewirtschaftung Ihrer Wälder.
Die Waldpost soll die Beratung durch unsere
Revierförster ergänzen. Ich bin sicher, dass die
Waldpost viele Anregungen für ein Beratungs-
gespräch mit den Revierförstern vor Ort bietet.
Editorial
Hubert Braun
Liebe Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer,
nach der Premiere im vergangenen Jahr halten
Sie nun die zweite Ausgabe unserer Waldbe-
sitzerzeitung „Waldpost“ in den Händen. Wir
möchten Ihnen damit fachliche Anregungen
zur Behandlung Ihrer Wälder geben. Die posi-
tiven Reaktionen auf die erste „Waldpost“ ha-
ben uns darin bestärkt.
Die Europäische Lärche ist der Baum des Jah-
res 2012. Anlass genug, sich dieser vielseitigen
Baumart zu widmen. Nachfolger des „Interna-
tionalen Jahres der Wälder 2011“ der Vereinten
Nationen ist in diesem Jahr das „Internationa-
le Jahr der Genossenschaften“. Hat dies etwas
mit Forstwirtschaft zu tun? Lesen Sie selbst!
In unserer Premierenausgabe erläuterten wir
die betriebswirtschaftlichen Aspekte der Wald-
pflege. Nun, zwischen Waldpflege und Holzer-
lösen liegt der Holzverkauf. Erfreulich ist: Die
Holzpreise haben sich aus Sicht der Waldbe-
sitzer gut entwickelt. Fakt ist aber auch: Ne-
ben dem vertraglich vereinbarten Holzpreis
gibt es weitere wichtige Einflussfaktoren auf
den tatsächlichen Erlös. Apropos Betriebs-
wirtschaft: Mancher Waldbesitzer hat sich
bestimmt schon gefragt, ob es betriebswirt-
schaftliche Vergleichsmöglichkeiten mit an-
deren Betrieben gibt. Wir stellen Ihnen dazu
das Testbetriebsnetz des Bundesministeriums
für Ernährung, Landwirtschaft und Verbrau-
cherschutz vor.
Neben dem Holz treten seit einiger Zeit ver-
stärkt andere vermarktungsfähige Produkte in
den Focus der Betrachtung. Insbesondere die
Bereitstellung naturschutzrechtlicher Kom-
pensationsleistungen erfreut sich steigender
Nachfrage. Ich halte dies auch für eine Chan-
ce für die Waldbesitzer, die es zu nutzen gilt.
Zwei weitere Beiträge widmen sich dem The-
ma „Verjüngung“: Wir stellen Ihnen die we-
sentlichen Schadfaktoren von Kulturen vor
und zeigen Ihnen Handlungsoptionen auf. Mit
dem Göttinger Fahrradlenker beschreiben wir
ausführlich ein etabliertes und ergonomisch
günstiges Pflanzverfahren. In einem weiteren
Beitrag widmen wir uns verschiedenen Aspek-
ten des Eschentriebsterbens.
Die laufende Förderperiode befindet sich so-
zusagen auf der Zielgeraden. Ich möchte Sie in
diesem Zusammenhang daran erinnern, dass
der 31. Oktober 2012 der letzte Antragsstich-
tag für diese Förderperiode ist.
Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß beim Lesen!
Ihr Prof. Dr. Hubert Braun
Geschäftsführer des
Staatsbetriebes Sachsenforst

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| 03
Baum des Jahres 2012
Die Europäische Lärche wächst hoch hinaus!
Jedes Jahr aufs Neue proklamiert das Kura-
torium Baum des Jahres als Fachbeirat der
Baum-des-Jahres-Stiftung eine besonders
bedrohte, eine seltene oder auch eine für die
landschaftliche Bedeutung besonders wertvol-
le Baumart als Baum des Jahres. 1989 wurde
mit der Benennung der Stiel-Eiche der erste
Baum des Jahres auserkoren. Seit dem folg-
ten inzwischen weitere 23 Baumarten (siehe
Übersicht). Die Stiftung hat es sich zum Ziel
gesetzt, Menschen an Bäume heranzuführen
und für dieses lebendige Kulturgut zu sensi-
bilisieren.
Die Europäische Lärche (lat. Larix decidua) ist
der Baum des Jahres 2012 und spielt für vie-
le Waldbesitzer wie auch für Holzkäufer eine
bedeutende Rolle. Sie ist die einzige einhei-
mische Nadelbaumart, die vor dem Winter die
Nadeln abwirft und vorher wegen der gold-
gelben Herbstfärbung weithin geliebt wird. Sie
kann ein stattlicher Baum mit einem starken,
geraden Stamm und einer hoch angesetzten
Krone werden.
Ein Baum mit hoher Wuchsleistung
Die Lärche hat ihre natürlichen Standorte
in den mittleren bis höheren Berglagen der
Hochgebirge (Alpen- und Karpatenlärche)
und in den Mittelgebirgen (Sudeten- und Po-
lenlärche). Lärchenherkünfte aus Schlesien
und Polen haben sich bei ihrer Einbringung
in niedere Lagen anderer Länder gut bewährt.
Sie gedeihen durchaus gut auch auf tieferen
sächsischen Lagen.
Ungeeignete Standorte:
„strenge“ Tone bzw. stark ausgeprägte
Pseudogleye, Stagnogleye, Gleye
ärmste Sandböden
kalt-feuchte Lagen mit hoher Luftfeuchtig-
keit (Krebsgefahr)
extreme Spätfrostlagen
Geeignete Standorte:
durchlässige, tiefgründige Böden in konti-
nental geprägtem Klima
nicht stark pseudovergleyte Lehm-, Ton-
oder Lösslehmböden
Hanglagen des Berglandes
In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet muss
die Europäische Lärche mit extrem kalten oder
extrem trockenen Bedingungen zurechtkom-
men. Das ist wohl auch der Grund, warum diese
Nadelbaumart – wie die einheimischen Laub-
bäume – im Herbst ihre „Blätter“ abwirft. Dies
ist der beste Verdunstungs- und Frostschutz.
Vorher müssen aber noch die wichtigen Nähr-
stoffe aus den Nadeln abgezogen werden. Da-
her verfärben sich diese im Herbst in ein wun-
derschönes Goldgelb. Allerdings sorgen die
somit nährstoffarmen Nadeln auf dem Boden
für eine schlechte Streuzersetzung. Daher nei-
gen Lärchenreinbestände zu mächtigen Roh-
humusauflagen.
Jahr
Baum des Jahres
1989
Stiel-Eiche
1990
Rot-Buche
1991
Sommer-Linde
1992
Berg-Ulme
1993
Speierling
1994
Eibe
1995
Spitz-Ahorn
1996
Hainbuche
1997
Eberesche
1998
Wild-Birne
1999
Silber-Weide
2000
Sand-Birke
2001
Esche
2002
Wacholder
2003
Schwarz-Erle
2004
Weiß-Tanne
2005
Rosskastanie
2006
Schwarz-Pappel
2007
Wald-Kiefer
2008
Walnuss
2009
Berg-Ahorn
2010
Vogel-Kirsche
2011
Elsbeere
2012
Europäische Lärche
Besondere Klimaansprüche hat die Lärche ei-
gentlich nicht. Allerdings ist eine hohe Luft-
feuchte nicht so günstig, da sie zur Krebsbil-
dung reizt. Vielmehr liebt die Baumart es „Luft
um die Nase“ zu haben. Auch hinsichtlich der
Nährstoffansprüche ist die Lärche genügsam.
Außer bei hoch anstehendem Grund- oder
Stauwasser findet sie mit ihrem intensiven
Wurzelsystem in jedem Boden ausreichend
Halt. Frostgefährdet ist die Lärche dann, wenn
die jungen Triebe im Frühjahr bereits ausge-
trieben sind. Daher sind Standorte mit hoher
Spätfrostgefahr für sie ungeeignet.
Solitärlärche in Tharandt
Foto: Prof. Dr. A. Roloff

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04 |
Die Europäische Lärche ist als ausgesproche-
ne Pionierbaumart sehr lichtbedürftig und ein
raschwüchsiger Baum. In einem Mischbestand
gedeiht die Lärche nur dann, wenn sie ausrei-
chend Licht bekommt. Waldbaulich kann dem
Rechnung getragen werden, indem man die
Lärche in Gruppen pflanzt und sie den ande-
ren, eher Schatten vertragenden Baumarten
wie der Buche, voranwachsen lässt.
Mit 20 Jahren erreicht die Lärche eine Höhe
von 12 bis 14 m. Das Herzwurzelsystem veran-
kert den Baum fest im Boden, so kann die Lär-
che gut dem Wind trotzen. Die Lärche ist ab-
solut frosthart (hält Temperaturen bis -40 °C
problemlos aus) und ziemlich widerstandsfä-
hig gegen Luftverschmutzungen, wohl auch
weil sie im Winter die Nadeln verliert. Letzte-
res war ein Grund für die züchterische Bear-
beitung der Lärchenarten (Kreuzungen mit der
noch rauchtoleranteren Japanischen Lärche)
und ihr Anbau in den Rauchschadgebieten des
Erzgebirges.
Langfristig gesehen leidet die Lärche außer-
halb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes
jedoch an verschiedenen speziellen Schader-
regern wie Lärchenbock, Borkenkäfer, Minier-
motte und Schütte, die den forstwirtschaftli-
chen Zweck ihres Anbaus, die Steigerung der
Holzproduktion je Flächeneinheit, in Frage
stellen kann. Wenn die Europäische Lärche
von solchen Schadfaktoren verschont bleibt,
kann sie – vor allem in ihrem Herkunftsge-
biet – wahrhaft erstaunliche Dimensionen
erreichen. Im Schweizer Wallis wachsen auf
über 2.000 Meter Höhe die wohl ältesten
und dicksten Exemplare dieser Baumart. Mit
Durchmessern von drei Metern und einem Al-
ter über 1.000 Jahre sind sie geeignet, jedem
Betrachter Ehrfurcht einzuflößen. Vermutlich
sind solche Superlative auch der Grund, wa-
rum sich um die Lärche zahlreiche Mythen
bildeten.
Lärchenholz ist begehrt
Die Europäische Lärche ist ein wertvoller
Waldbaum. Sie liefert Holz von guter Quali-
tät, mit rötlich gefärbtem Kernholz von hoher
Dauerhaftigkeit. Deshalb wird sie von Holz-
verarbeitern gerne im Außenbereich verwen-
det. Grund hierfür ist der hohe Harzgehalt
im Lärchenholz. Auch in der Holzverwertung
weist die Lärche Superlative auf. So ist der
Sendeturm Gleiwitz in Oberschlesien (Polen)
der mit Abstand höchste Holzturm der Welt.
Im Jahr 1935 aus Lärchenholz erbaut, ragt er
einschließlich des Antennenmastes 118 Meter
in die Höhe.
Aber nicht nur Bauholz ist bei holzverarbei-
tenden Betrieben stark nachgefragt. Bei der
Wertholzsubmission des Sachsenforstes ha-
ben starke Lärchenstämme immer wieder hohe
Holzpreise erzielt. Durchschnittspreise bei 270
Euro/m³ und Spitzenpreise bis 938 Euro/m³
zeigen, wie begehrt hochwertiges Lärchen-
holz ist.
Insofern ist der Baum des Jahres nicht nur von
seiner Wuchsleistung zu enormen Leistungen
fähig. Auch betriebswirtschaftlich wächst er
manchmal hoch hinaus. Wer heute solche
Bäume ernten darf, wird es seinen waldbesit-
zenden Vorfahren danken und vorausschau-
end gerade derartige Bäume wieder wachsen
lassen – nicht nur weil sie einmal Baum des
Jahres waren!
Quellen:
www.baum-des-jahres.de;
Informationen aus dem Text von Prof. Dr. A. Roloff
Prof. Dr. Hans Jürgen Otto, aid-Informationen Nr. 1095/2007
Lärchenbestand im Herbst
Foto: Prof. Dr. A. Roloff

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| 05
Im Jahr 2011 haben wir das Internationale
Jahr des Waldes genutzt, um die Bedeutung
des Waldes für die Bevölkerung stärker ins
allgemeine Bewusstsein zu bringen. Das Jahr
2012 wurde von den Vereinten Nationen zum
Internationalen Jahr der Genossenschaften
ausgerufen. Damit soll auf die weltweite wirt-
schaftliche und soziale Bedeutung von Genos-
senschaften aufmerksam gemacht werden.
In Deutschland gibt es etwa 7.500 Genossen-
schaften und genossenschaftliche Unternehmen
(Quelle:
www.genossenschaften.de).
Auch in der
Forstwirtschaft findet man Genossenschaften.
Überregional bekannt ist u. a. die FVS Forstwirt-
schaftliche Vereinigung Schwarzwald eG.
Ein gelungenes Beispiel in Sachsen ist die
Holzvermarktungsgemeinschaft Lausitz eG
(HVGL). Anlass für uns, mit der anerkannten
Forstbetriebsgemeinschaft über Hintergründe
und Ziele zu sprechen.
Dazu führten wir mit Herrn Dr. Denie Gerold
und Herrn Torsten Winkler ein Interview.
Warum wurde für die Forstbetriebsgemein-
schaft die Rechtsform der Genossenschaft
gewählt?
Die Geschichte reicht bis ins Jahr 2003 zurück.
Im Rahmen des Projekts „Kreislauforientier-
te Forstwirtschaft“ wurde für die Euroregion
Neiße untersucht, inwieweit regionale Wert-
schöpfungsketten initiiert werden können.
In diesem Zusammenhang wurde auch eine
Satzung für einen zu etablierenden Holz- und
Biomassehof Lausitz als zentrales Vermark-
tungsinstrument erarbeitet – in der Rechts-
form einer Genossenschaft (eG). Vorteile
dieser Rechtsform sind die Beteiligung ver-
schiedener juristischer und natürlicher Perso-
nen (wie z. B. Waldbesitzer, Forstunternehmen,
Kommunen, Holz verarbeitende Betriebe), die
unkomplizierte Möglichkeit der Erweiterung,
der persönliche Bezug der Beteiligten und ein
freiwillig gesichertes und variables Grundkapi-
tal. Darüber hinaus bietet die Genossenschaft
Vorteile im Wirtschaftsverkehr.
Nach Ablauf des Projektes haben wir zusam-
men mit Wilfried Mannigel (Anm.: damals
Leiter des Forstamtes Löbau, heute Leiter des
Kreisforstamtes Görlitz) die Idee aufgegriffen
und weiterentwickelt. Seit Ende 2004 existiert
die Holzvermarktungsgemeinschaft Lausitz eG,
später folgte im Jahr 2007 dann die Anerken-
nung als Forstbetriebsgemeinschaft. Sie sehen
Internationales Jahr der Genossenschaften 2012
Die Holzvermarktungsgemeinschaft Lausitz eG vorgestellt
also, die Entwicklung erfolgte in einem länge-
ren Prozess.
Wer sind Mitglieder der HVGL und was sind
die Geschäftsbereiche und Arbeitsschwer-
punkte?
Gegenwärtig wird die Genossenschaft von 31
Mitgliedern mit einer Waldfläche von insge-
samt 4.500 ha getragen. Die Mitgliederstruk-
tur ist vielfältig: sowohl größere und kleinere
private und kirchliche Waldbesitzer als auch
Unternehmen wie z.B. forstliche Dienstleister
sind Teil der Gemeinschaft.
Der Schwerpunkt unserer Tätigkeit umfasst
drei Geschäftsbereiche:
die Zusammenfassung, Bündelung und Ver-
marktung der Holzmengen der Waldbesitzer,
die Beförsterung privater Forstbetriebe und
die Bereitstellung von Energieholz – neben
Scheitholz und Hackschnitzeln vermarkten
wir auch Pellets.
Zu erwähnen ist dabei, dass wir auch für
Nicht-Mitglieder tätig sind.
Was sind die Unterschiede zum wirtschaft-
lichen Verein, den die anderen Forstwirt-
schaftlichen Zusammenschlüsse in Sachsen
als Rechtsform gewählt haben?
Zwischen den wirtschaftlichen Vereinen und
Genossenschaften gibt es einige markante Un-
terschiede. Insbesondere:
Genossenschaften entstehen durch Eintra-
gung in das Genossenschaftsregister. Gleich-
zeitig bestehen Pflichtmitgliedschaften im
Genossenschaftsverband und der IHK. Die
Anerkennung als Forstbetriebsgemeinschaft
erfolgt separat.
Die Organe der Genossenschaft sind die Ge-
neralversammlung, der Vorstand und der
Aufsichtsrat. Der Vorstand vertritt die Ge-
nossenschaft nach außen, führt die Geschäf-
te und wird durch den Aufsichtsrat über-
wacht.
Die Mitglieder zahlen Genossenschaftsan-
teile ein, die bei Austritt selbstverständlich
wieder ausgezahlt werden.
Die Mitglieder der Genossenschaft haften
nicht mit ihrem persönlichen Vermögen,
wenn in der Satzung eine Nachschusspflicht
ausgeschlossen ist. In diesen Fällen haftet
die Genossenschaft nur mit ihrem eigenen
Vermögen gegenüber ihren Gläubigern.
Kurz: die Genossenschaft ist eine aus unse-
rer Sicht sehr gut geeignete Rechtsform für
wirtschaftlich ausgerichtete Forstbetriebsge-
meinschaften.
Die HVGL kooperiert mit der Bioenergie
Oberlausitz GmbH zur Mobilisierung und
Vermarktung von Biomasse. Wie schätzen
Sie den Erfolg des regionalen Biomasseho-
fes ein?
Die Bioenergie Oberlausitz GmbH wurde im
Mai 2007 als eine Kooperation zwischen Forst-
wirtschaft, Landwirtschaft und einem sozialen
Träger gegründet und hat ihren Sitz in Ber-
thelsdorf. Die HVGL ist dabei einer von meh-
reren Gesellschaftern.
Gegenstand des Unternehmens ist die Er-
schließung von Biomassereserven und deren
Verwertung zu diversen Brennholzsortimenten
und damit die Schaffung regionaler Kreisläufe.
Begonnen haben wir mit der Beschaffung ei-
nes Holzspalters und der Vermarktung von
Scheitholz. Später kam die Hackschnitzelpro-
duktion und -vermarktung hinzu. Vorausset-
zung dafür waren umfangreiche Investitio-
nen, um das Material hacken, trocknen und
lagern zu können. Damit haben wir immerhin
fünf direkte Arbeitsplätze geschaffen. Aktuell
erweitern wir die Angebotspalette durch den
Handel mit Pellets. Mittlerweile ist auch der
Holzhof Dresden als weiterer Standort hinzu-
Dr. Denie Gerold (r.) und Torsten Winkler (l.)

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06 |
gekommen. Gegenwärtig sind wir am Aufbau
von Vermarktungsstrukturen im Rahmen des
„Bioenergienetzwerkes Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge“ beteiligt und können dort un-
sere Erfahrungen einbringen.
Wie schätzen Sie das Zusammenschluss-
wesen in der Lausitz ein, welche Entwick-
lungstendenzen gibt es und welche Rolle
möchte die HVGL dabei spielen?
Es gibt mittlerweile zahlreiche Forstbetriebs-
gemeinschaften in der Region. Dabei ist fest-
zustellen, dass die Zusammenschlüsse in ih-
ren Zielen, Ausrichtungen und Aktivitäten sehr
heterogen sind sowie hier und dort durchaus
auch in Konkurrenz miteinander stehen. Ein
größeres Gewicht insbesondere in der Holz-
vermarktung ließe sich womöglich mit einer
Forstwirtschaftlichen Vereinigung erreichen.
Wichtig ist dabei aber gleichzeitig die Wah-
rung der regionalen Identität. Und natürlich
wünschen wir uns weiterhin eine Unterstüt-
zung durch den Sachsenforst über die Bera-
tung und die Förderung.
Als künftige Aufgaben sehen wir vor allem vier
Dinge:
Mobilisierung von Waldbesitzern und Einbin-
dung in die Strukturen der Forstwirtschaftli-
chen Zusammenschlüsse
Entwicklung regionaler Wertschöpfungskon-
zepte und dabei gleichermaßen auf stoffli-
chem und energetischem Gebiet
Erweiterung des Angebots der Zusammen-
schlüsse sowohl inhaltlich – wir denken da
an Komplettleistungen wie Revierdienst –
sowie auch für Nicht-Mitglieder
Risikovorsorge vor Schadereignissen, Stich-
wort Klimawandel.
Wir denken, die HVGL ist durch die Vielfalt ih-
rer Mitglieder gut aufgestellt.
Der Holzverkauf stellt die wesentliche, häufig
die einzige, Einnahmequelle für Forstbetriebe
dar. Die Nachfrage nach Holz ist nach wie vor
stabil auf hohem Niveau. Somit bieten sich
für Waldbesitzer vielfältige Vermarktungs-
möglichkeiten. Im folgenden Beitrag sollen
die wichtigsten Inhalte eines Vertrages erläu-
tert werden.
Vor einer geplanten Hiebsmaßnahme ist eine
Flächenbesichtigung mit einem Förster sinn-
voll. Hier sollten waldbauliche Ziele, die op-
timale Holzerntetechnologie und die Holz-
markt- bzw. Preissituation für die möglichen
Holzsortimente besprochen werden. Der De-
ckungsbeitrag einer Hiebsmaßnahme wird von
zwei Faktoren bestimmt: Einmal sind das die
Holzerntekosten für Einschlag und Rückung
Vertragsgestaltung beim Holzverkauf
sowie ggf. weitere Kosten für die Hiebsvorbe-
reitung und den Holzverkauf. Demgegenüber
stehen die Holzerlöse. Der Waldbesitzer hat
die Möglichkeit, über Forstbetriebsgemein-
schaften, forstliche Dienstleister oder über
die Verträge des Sachsenforstes das Holz zu
verkaufen. Daneben ist es selbstverständlich
möglich, eigene Verträge mit Holzkäufern ab-
zuschließen. Dabei sind einige Dinge zu be-
achten:
Zuerst muss über das Verkaufsverfahren ent-
schieden werden. Im Normalfall wird der so
genannte Vorverkauf durchgeführt. Hier wird
bereits vor Hiebsbeginn ein Vertrag abge-
schlossen. In diesem wird geregelt, zu welchen
Anforderungen und Konditionen das Holz be-
reitzustellen ist.
Beim Nachverkauf wird erst das Holz einge-
schlagen und danach ein Käufer gesucht. Eine
kundenspezifische Aushaltung ist in diesem
Fall nicht möglich. Typische Beispiele dafür
sind der Brennholzverkauf oder die Wertholz-
submisson.
Der Holzverkauf ist ein privatrechtliches Ge-
schäft. Unabhängig ob eine Privatperson, eine
Firma oder eine öffentliche Verwaltung be-
teiligt ist, regelt das Bürgerliche Gesetzbuch
(BGB) die wichtigsten Grundlagen. Zweckmä-
ßiger Weise sollte ein schriftlicher Vertrag ge-
schlossen werden, damit das Geschäft hinrei-
chend genau beschrieben ist. Ein mündlicher
Verkauf ist nach BGB ebenfalls möglich, aber
meist nicht ratsam. Kommt es bei mündlich
geschlossenen Verträgen zu Unstimmigkeiten,
lassen sich die „Spielregeln“ aufgrund feh-
lender schriftlicher Festlegungen nicht mehr
nachvollziehen. Ein schriftlicher Vertrag ist
immer empfehlenswert.
Die Hauptbestandteile eines Vertrages lassen
sich mit folgenden Fragen zusammenfassen:
Wer?
Angabe der Vertragspartner, Anschriften der
Partner
Wann?
Zeitraum der Mengenbereitstellung, Fristen
zur Holzübernahme und Abfuhr
Wo?
Ort des Einschlages / der Holzlagerung / der
Übergabe an den Käufer
Was?
Baumarten, Sortiment, Dimension, Übermaß,
Messverfahren, Güteklasse, ergänzt z. B. durch
eine Holzliste als Anlage zum Vertrag

| 07
Wie viel?
Mengenangabe, Bezugsgröße (Mengeneinhei-
ten, Lieferung frei Waldstraße), Toleranzen
Preis?
Preis netto/brutto (pauschalierender Land-
und Forstwirt oder Regelbesteuerer), Besteu-
erung, Bezugsgröße (z. B. fm o. R., Rm m. R.,
t
atro
) Güte, Stärkeklassen, Zahlungsmodalitäten
(z. B.: Fälligkeit, Skonto, Zahlungsverzug)
Nach der Nennung der Vertragspartner und
der Vertragslaufzeit werden Sortiment, Baum-
art, Aushaltung (Länge und Durchmesser), Gü-
teklassen und die besonderen Anforderungen
wie z. B. Krümmung benannt. Die Beschrei-
bung des Holzes erfolgt dabei umfangreich.
Die Käufer haben sehr genaue Vorstellungen,
wie das Holz beschaffen sein muss, da diese
Eigenschaften des Holzes ausschlaggebend für
die gleichbleibende Qualität der zu fertigen-
den Produkte sind.
Damit bei einem Verkauf nicht jedes Qualitäts-
merkmal erwähnt werden muss, kann auf die
festgelegten allgemeinen Holzsortierungsre-
geln als Grundlage zurückgegriffen werden.
Bisher war die so genannte Gesetzliche Han-
delsklassensortierung für Rohholz (ForstHKS)
die Grundlage für die Beurteilung der Holz-
qualität, deren Vermessung und Güteklassen-
einteilung. Die ForstHKS hat jedoch seit dem
1. Januar 2009 keine Gesetzeskraft mehr. Ge-
genwärtig werden neue (ähnliche) Sortier-
und Messregeln erarbeitet, die aber noch nicht
vorliegen. Damit zukünftig in Deutschland
wieder eine einheitliche Regelung vorliegt,
verhandeln der deutsche Forstwirtschaftsrat
und Vertreter der Sägeindus trie derzeit über
die „Rahmenvereinbarung für den Rohholz-
handel in Deutschland“. Bis zum Vorliegen
der neuen Vermessungsregeln ist es deshalb
sinnvoll, im Vertragstext die Verwendung der
Mess- und Sortierverfahren der ForstHKS
Sachsen zu vereinbaren. Dabei dürfen die Gü-
teklassen jedoch nur ohne den Zusatz „EWG“
verwendet werden.
Nachdem die Sortierung und Aushaltung im
Vertrag festgelegt wurden, erfolgt die Preis-
festlegung. Dieser wird zwischen den Ver-
tragspartnern ausgehandelt und durch die
Marktsituation zum Zeitpunkt des Vertrags-
abschlusses beeinflusst. Damit einhergehend
werden die Zahlungsmodalitäten und die be-
sonderen Vertragsbestandteile geregelt. Diese
können z. B. Mindestübergabemengen, Anwen-
dung der Werksvermessung oder die getrenn-
te Polterung von Baumarten sein. Nach der
Bestimmung der Zahlungs- und Haftungs-
modalitäten wird der Vertrag für den festge-
legten Zeitraum mit den Unterschriften aller
Vertragspartner rechtskräftig.
Die Verträge, die durch Sachsenforst geschlos-
sen werden, verweisen auf die Allgemeinen
Verkaufs- und Zahlungsbedingungen für Ver-
käufe von Holz und Nebennutzungsprodukten
durch die Forstbehörden des Freistaates Sach-
sen (AVZ). Verkauft ein Waldbesitzer über Rah-
menverträge des Sachsenforstes Holz, gelten
auch für seinen Holzverkauf die Regelungen
der AVZ. Darüber hinaus können sich natür-
lich auch private Waldbesitzer an der AVZ des
Freistaates Sachsen bei der Gestaltung eigener
Verträge orientieren.
Grundsätzlich werden in der AVZ des Frei-
staates Sachsen die Vertrags- und Zahlungs-
bedingungen definiert. Individuelle Vertrags-
abreden haben dabei Vorrang vor allgemeinen
Geschäftsabreden. Einen zentralen Punkt stellt
die Übergabe des Holzes an den Verkäufer dar.
Innerhalb von zehn Werktagen nach auftrags-
gemäßer Bereitstellung ist ein Vorzeigetermin
zu vereinbaren. Das Ergebnis des Vorzeige-
termins ist zu protokollieren (Baumart, Sorte,
Maß, Menge, Güte). Mit der Unterzeichnung
des Übergabeprotokolls erkennt der Käufer das
Holz als vertragsgemäß an und erlangt Mitbe-
sitz an dem verkauften Holz. Ab diesem Zeit-
punkt geht jede Gefahr des Verlustes, des zu-
fälligen Untergangs und der Wertminderung
des Holzes auf den Käufer über. Gleichzeitig
bleibt das Holz bis zur vollständigen Bezah-
lung im Eigentum des Verkäufers. Auch bei der
Weiterverarbeitung oder Vermischung bleibt
das Holz bis zur Bezahlung im Eigentum des
Verkäufers (verlängerter Eigentumsvorbehalt).
Eine Abfuhr des Holzes wird grundsätzlich erst
gestattet, wenn der Rechnungsbetrag beglichen
wurde oder eine Besicherung des Holzes erfolgt
ist. Im Normalfall besteht die Besicherung aus
einer Bankbürgschaft, die bei der Geschäftslei-
tung von Sachsenforst hinterlegt wird.
Besonders für die Werksvermessung ist eine
Bankbürgschaft Voraussetzung, da das tat-
sächliche Maß erst in den Sägewerken durch
geeichte Vermessungsanlagen ermittelt wird.
Somit steht auch erst zu diesem Zeitpunkt der
Rechnungsbetrag fest. Die AVZ enthält ferner
Regelungen zur Zahlungsfrist, zur Gewährung
von Skonto und zum Vorgehen bei Zahlungs-
verzug.
Neben dem Preis sind auch die anderen, vor-
genannten Vertragsbedingungen ein aus-
schlaggebendes Kriterium! Sie entscheiden
maßgeblich über den tatsächlichen Holzerlös
des Verkäufers, also des Waldbesitzers.
Die Revierförster des Sachsenforstes informie-
ren gern zu Vermarktungsmöglichkeiten und
zu den verschiedenen Aspekten des Holzver-
kaufs, wie beispielsweise der korrekten Ver-
messung des Holzes. Eine Rechtsberatung
hingegen ist durch Mitarbeiter des Sachsen-
forstes nicht möglich.
Im Zuge von Energiewende, Holzmarktschwan-
kungen und dem Streben nach betriebswirt-
schaftlicher Unabhängigkeit rücken alternati-
ve Einnahmequellen oder neue Geschäftsfelder
stärker in den Blickpunkt der Forstbetriebe.
Hinter dem Begriff verbirgt sich das Ziel, die
Leistungen des Waldes über die reine Holz-
produktion hinaus in Wert zu setzen und da-
durch unabhängiger vom Holzmarkt und sei-
nen Schwankungen zu werden. Dabei kann die
Kompensation und Ökokonto
Neue Geschäftsfelder für den Forstbetrieb
Erschließung neuer Geschäftsfelder nicht nur
für große Forstbetriebe, sondern auch für klei-
nere und mittlere Waldbesitzer eine alternative
Einnahmequelle sein.
Der Wunsch die Leistungen des Waldes um-
fassend in Wert zu setzen, ist nicht neu. Be-
reits in der Vergangenheit bestanden dazu
Ansätze. Bekannte Beispiele sind Schmuck-
reisig- und Weihnachtsbaumverkäufe, Jagd-
verpachtungen oder kommerzielle Sammelbe-
rechtigungen. Sie zählen zu den klassischen
Nebennutzungen, sind etabliert und werden
in größeren Forstbetrieben seit langem ange-
wendet.
Zu diesen traditionellen Bereichen traten in
jüngerer Vergangenheit weitere Geschäftsmo-
delle hinzu, die direkt an die Benutzung des
Waldbodens und dessen Bestockung gekop-
pelt sind. Hierzu zählen unter anderem die
Einrichtung von Friedwäldern (z. B. in Hessen),

08 |
die Erschließung des Waldes zur Windkraft-
nutzung auf forstbetrieblichen Flächen (z. B.
in Rheinland-Pfalz), die Vermarktung spezieller
Erholungs- und Abenteuerbereiche im Wald
(Kletterwälder und Hochseilgärten) oder das
Angebot naturschutzrechtliche Ausgleichsleis-
tungen zu erbringen.
Speziell die Bereitstellung naturschutzrecht-
licher Kompensationsleistungen erfreut sich
steigender Nachfrage. Diese speist sich aus
fortschreitender Bautätigkeit und der Ver-
knappung unversiegelter Flächen mit Aus-
gleichspotenzial. Die Bereitstellung von Kom-
pensationsmaßnahmen ist für kleine bis große
Flächen möglich und kann seit Bestehen der
Ökokontoverordnung des Freistaates Sachsen
auch vorlaufend erfolgen. Damit bietet sich
allen Waldbesitzern die Chance, den Bereich
zu erschließen. Er soll deshalb Gegenstand der
weiteren Betrachtungen sein.
Grundlage des Geschäftsfeldes sind natur-
schutzfachliche und forstrechtliche Ausgleichs-
verpflichtungen. Wird im Zuge eines Eingriffes
Natur und Umwelt in Anspruch genommen, so
ist der Träger einer Maßnahme dazu verpflich-
tet, die Verschlechterung des ursprünglichen
Zustands auszugleichen. Die Höhe dieses Aus-
gleichs richtet sich nach der Schwere des Ein-
griffs und der ökologischen Wertigkeit des in
Anspruch genommenen Landschaftsteils. Die
Ausgleichsverpflichtung wird in der Regel von
Sachverständigen und Fachbehörden festge-
legt. Sie mündet in konkreten Vorgaben über
den durchzuführenden Ersatz (Fläche, Art des
Ersatzes) oder in der Bewertung des Eingriffs
mittels ökologisch neutralen Werteinheiten
(vergleichbar einer Währung).
Die Bereitstellung des oben festgestellten Aus-
gleiches obliegt nun dem Eingriffsverursacher.
Da dieser oft nicht über die Ressourcen ver-
fügt, den Eingriff auszugleichen, sucht er nach
weiteren Möglichkeiten den Ersatz zu leisten.
An dieser Stelle beginnt die Tätigkeit des Forst-
betriebes. Er hat das Fachwissen, um Flächen
forstwirtschaftlich und naturschutzfachlich
aufzuwerten, verfügt über Grundeigentum,
auf dem die Aufwertung vorgenommen wer-
den kann und hat die Möglichkeit, Arbeitskraft
sowie technische Ausrüstung in die Erstellung
einzubringen. Typische Beispiele hierfür sind
Erstaufforstungen, Waldumbaumaßnahmen,
Entsieglungen oder Renaturierungen von Bä-
chen und Teichen.
Die eigene Wertschöpfung steigt dabei mit
dem Grad der betrieblichen Beteiligung. Im
einfachsten Fall kann der Grundstückseigen-
tümer dem Eingriffsverursacher seine Flächen
zur Aufwertung übergeben. Die Bewertung der
ökologischen Aufwertung, die Anlage des Er-
satzes und dessen Pflege erfolgen durch den
Eingriffsverursacher oder dessen Beauftragte.
Die Kosten hierfür trägt der Eingriffsverursa-
cher. Der Forstbetrieb profitiert von der für ihn
kostenlosen Leistungserstellung. Übernimmt
der Betrieb weitere Leistungsbestandteile von
der Planung ausgehend, über die Beschaffung
der Materialien und die Umsetzung der Arbei-
ten bis hin zur dauerhaften Pflege, steigt des-
sen Wertschöpfung.
Der geschilderte Ablauf setzt die zeitliche Auf-
einanderfolge von Eingriff und Ausgleich vor-
aus. Erst, wenn der Eingriffsverursacher seine
Kompensationsverpflichtungen kennt, kann er
sich auf die Suche nach dem Leistungserstel-
ler begeben. Umgekehrt ist der Forstbetrieb
darauf angewiesen, mit seinen betrieblichen
Maßnahmen auf einen ihm noch nicht be-
kannten Nachfrager zu warten. Ein Nachteil.
Diese zeitliche Bindung kann durch das Öko-
konto, als zweite Möglichkeit sich am Aus-
gleichs- und Kompensationsgeschäft zu be-
teiligen, entkoppelt werden. Das Ökokonto
funktioniert ähnlich einem Kataster oder
Bank konto, auf dem vorlaufend erbrachte Aus-
gleichsleistungen gutgeschrieben werden, be-
vor sie einem konkreten Eingriff zuzuordnen
sind. Als Maßeinheit dienen Ökopunkte. Sie
sind frei handelbar und werden zur Bemes-
sung einer Auf- oder Abwertung in Natur und
Landschaft herangezogen.
Bei Ökokontomaßnahmen muss der Forstbe-
trieb in Vorleistung treten. Unabhängig von
einem konkreten Eingriff ist eine Aufwertung
zu planen. Die Maßnahme wird mit Hilfe der
Ökokontoverordnung bewertet, zusammen mit
der unteren Naturschutzbehörde abgestimmt
und von dieser anerkannt. Als Ergebnis des
Prozesses entstehen Ökopunkte. Sie werden
im Kompensationskataster Naturschutz gut-
geschrieben. Hier kann der Eingriffsverur-
sacher nun nach dem für ihn erforderlichen
Ausgleich suchen und dem Ersteller ein Ange-
bot für seine benötigte Punktzahl oder Maß-
nahme unterbreiten. Der Preis wird zwischen
beiden ausgehandelt und die Maßnahme bzw.
Punktsumme an den Eingriff gebunden. Das
Ausgleichsgeschäft ist abgeschlossen.
Beide Ausgleichswege beruhen auf vertrag-
licher Basis. Aufgrund des Geschäftsumfan-
ges zeichnen sich die Kompensationsverträge
durch einige Besonderheiten aus. So haben die
Verträge in der Regel eine Laufzeit von 15 bis
25 Jahren. Während dieser Zeit verpflichtet
sich der Leistungsersteller zur Pflege des ge-
schaffenen Ausgleiches und haftet bei dessen
Untergang. Die Ausgleichsmaßnahme ist für
die Dauer des Eingriffes an diesen gebunden
und muss zweckentsprechend bewirtschaftet
werden. Die naturschutzfachliche Bindung
wird über den Vertrag hinaus im Grundbuch
dinglich gesichert. Der Vertrag regelt weiter-
hin den Leistungsumfang, die Zahlungsziele
sowie Abnahmen und Informationsverpflich-
tungen gegenüber den prüfenden Fachbe-
hörden. Mit Abschluss des Vertrages geht die
Ausgleichspflicht auf den Erbringer über, der
von nun an hierfür die Verantwortung trägt.
Um erfolgreich am Ausgleichsgeschäft teilzu-
nehmen, sollte der Forstbetrieb einige Voraus-
setzungen mitbringen. An erster Stelle steht
eine geographische Lage nahe an Ballungszen-
tren. Je stärker die Bautätigkeit in einer Region
ist, und je stärker diese bereits überbaut wur-
de, desto höher ist die Nachfrage nach einem
adäquaten Ausgleich. Weiterhin sind Grund-
kenntnisse über Marktteilnehmer, gesetzliche
Regelungen und Abläufe sowie die bestehen-
den Verwaltungsstrukturen erforderlich. Nicht
zuletzt bedarf es auch betriebswirtschaftlicher
Kenntnisse, um bei der Preisgestaltung für die
angebotene Leistung, bezogen auf die Kom-
plexität der Verträge und deren lange Laufzeit
keine Verluste zu realisieren. Beispiele sind die
Berechnung der Grundbuchbelastungen, die
Wertveränderung von landwirtschaftlich ge-
nutzten Flurstücken gegenüber forstwirtschaft-
licher Nutzung oder die Bewertung von Aus-
fallrisiken während der Vertragslaufzeit.
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass
neue Geschäftsfelder nicht ganz neu sind aber
aktuell in Teilbereichen an Dynamik gewonnen
haben. Neben klassischen Einnahmequellen
aus Pachten und Gestattungen ergeben sich
neue Möglichkeiten durch Erholungsnutzung
oder Ausgleichstätigkeiten. Die Erstellung von
Kompensationsmaßnahmen ist dabei für Forst-
betriebe unterschiedlicher Größe möglich. Die
Ausgleichsleistungen können direkt vertraglich
vereinbart oder im Zuge von Ökokontomaßnah-
men vorlaufend erstellt werden. Unter Beach-
tung der betrieblichen Rahmenbedingungen
ist die Erstellung von Ausgleich und Ersatz mit
einem überschaubaren Risiko verbunden und
kann bei Verfügbarkeit aufwertbarer Flächen,
Vorhandensein entsprechender Fachkenntnis-
se sowie ein wenig Geschick bei der Preis- und
Vertragsgestaltung als neues Geschäftsfeld für
den Waldbesitzer zum betrieblichen Erfolg bei-
tragen. Der nachstehende Steckbrief einer Kom-
pensationsmaßnahme im Staatswald des Forst-
bezirkes Leipzig soll dies veranschaulichen:

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| 09
Steckbrief Kompensationsmaßnahme:
Anlage eines Waldrandes auf der Kippe Haselbach
Ausgleich für:
Neubau der Staatsstraße 50 und die straßenbegleitende 110 KV Hochspan-
nungsleitung zwischen Deutzen und Heuersdorf
Eingriff durch:
Sächsisches Landesamt für Straßenbau und Verkehr
Envia Mitteldeutschland
Ausgleich durch:
Forstbezirk Leipzig in Eigenregie
Vertragslaufzeit:
2010 bis 2035
Ausgleichsumfang: 19,25 Hektar Gesamtfläche; 28 Pflanzquartiere (straßenbegleitend);
12,3 km Zaunlänge; 25.400 Pflanzen
Artenspektrum:
Vogelkirsche, Weißdorn, Wildapfel, Elsbeere, Hainbuche, Stieleiche, Besen-
ginster, Roter Hartriegel, Pfaffenhütchen, Schwarzdorn, Schneeball, Hasel,
Berberitze, Hundsrose, Traubenholunder, Kreuzdorn, Seidelbast, Feldulme,
Feldahorn

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10 |
Das Arbeitsverfahren der Pflanzung mit dem
Göttinger Fahrradlenker hat sich in weiten
Bereichen der Kunstverjüngung etabliert. Es
wird aufgrund der Eignung bei unterschiedli-
chen Bodenverhältnissen, der Verschiedenheit
der Wurzelausbildung und der damit für die-
ses Verfahren geeigneten Pflanzensortimente
gern angewendet. Ursprünglich mit breitem
Blatt für den Einsatzbereich auf leichten und
wenig durchwurzelten, gesteinsarmen Böden
entwickelt, wurde das Verfahren wegen der
einfachen Handhabung mit schmalem Blatt
auch für stärker durchwurzelte, schwerere
oder gesteinsreichere Böden modifiziert. Al-
lerdings beschränkt sich dort sein Einsatz auf
Kleinpflanzen und Pfahlwurzler. Der besonde-
re Vorteil des Verfahrens liegt jedoch in seiner
ergonomisch günstigen Körperbeanspruchung
und dabei trotzdem flüssigem Arbeitsablauf.
Im Folgenden nun eine kurze Beschreibung
mit Bildern, die den Arbeitsablauf mit dem
Göttinger Fahrradlenker veranschaulichen und
nach ein bisschen Übung eine fachgerechte,
körperschonende und wurzelgerechte Pflan-
zung gewährleisten.
Arbeitsvorbereitung
:
Pflanzenauswahl
geeignet für 20 bis 25 cm lange Pflanzen
(ohne Wurzel)
möglich ist das Beschneiden überlanger
Saugwurzeln mit scharfem Werkzeug
Ein Arbeitsverfahren vorgestellt
Pflanzung mit dem „Göttinger Fahrradlenker“
Achtung:
Pfahlwurzel oder starke Hauptwur-
zeln nicht kappen, Pflanzen mit zu großem
Wurzelwerk aussortieren und mit anderem
Verfahren pflanzen!
Lenker einstellen:
Die Höhe des Göttinger Fahrradlenkers ist
so einzustellen, dass die Unterarme waage-
recht ausgerichtet sind und die Handgelenke
nicht abgeknickt werden. Der Ergonomieeffekt
hängt von „geraden Gelenken“ ab. Hierdurch
wird erreicht, dass zuerst das Körpergewicht
und dann kräftige Mus kelgruppen eingesetzt
werden können. Beabsichtigte Pflanzabstände
können auf dem Lenker markiert werden (z. B.
mit farbigem Isolierband).
Taschen einstellen
Eine Tasche wird auf der Seite getragen (wenn
man rechts neben dem Pflanzloch abkniet auf
der linken Seite), die Vorratstasche hängt hin-
ten mittig. Den Beckengurt in Höhe des Be-
ckens einrichten, Verschlüsse von Brust- und
Beckengurt in der Körpermitte platzieren.
Arbeitsschritte bei der Pflanzung
1. schräges Einstechen – Tritthilfe verwenden
und das Körpergewicht einsetzen
2. Pflanzspalt je nach Wurzelgröße und Bo-
denverhältnissen öffnen (dabei wiederum
das Körpergewicht einsetzen) seitlich neben
das Pflanzloch treten und dabei den Lenker
zurückbewegen
3. Abknien und Pflanze einschwingen, dabei
auf geraden Rücken achten
4. Gegenzug: Herausziehen des Blattes und
gleichzeitiges Nachschieben der Pflanze. Da-
durch wird gewährleistet, dass die Saugwur-
zeln an die tiefste Stelle des Pflanzloches ge-
langen und Erde, Sand oder Nadelstreu nicht
nachrutschen.
5. Entspannen: Die Pflanze durch leichtes
Anheben in die Höhe bringen, wie sie im
Verschulbeet stand. Die natürliche Wur-
zelausformung wird gewährleistet und Wur-
zelstauchung vermieden.
6. Aufstehen. Dabei den Lenker senkrecht ca.
10 cm hinter Pflanzloch stellen und sich da-
ran beim Aufstehen abstützen.
7. senkrechten Schließstich hinter dem Pflanz-
loch und den Pflanzspalt schließen.
Dabei 1. unten den „Keller“ zudrücken,
2. oben den Erdkeil andrücken und nach Ent-
fernen des Lenkers den offenen Spalt zum
Schließstich zutreten.
Wiederum sind dabei „gerade Gelenke“ und
der Einsatz des Körpergewichtes wichtig.
8. Richten, Antreten und Festsitz kontrollieren,
Pflanze dabei nicht beschädigen.
9. Abstand nehmen zur nächsten Pflanze
(Markierung auf dem Lenker nutzen).
Das Arbeitsgerät, der Göttinger Fahrradlenker
Die Blattgröße stimmt mit der Wurzelgröße überein
Einstellung der richtigen Höhe
Pflanztaschen

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| 11
Schritt 1
Schritt 2/1
Schritt 2/2
Schritt 3
Schritt 4
Schritt 5
Schritt 7/1
Schritt 7/2
Schritt 7/3

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12 |
Wenn die Kultur gut ange-
wachsen ist und im Jahr
nach der Pflanzung die
ersten Höhentriebe sicht-
bar werden, ist die Freude
darüber sehr groß. Allerdings
sind die Kulturen noch lange den verschie-
densten Gefahren ausgesetzt, die immer wie-
der genauestens überwacht und wenn not-
wendig, beseitigt werden müssen.
Wenig Einfluss hat man auf die Witterung und
auf die Bodenverhältnisse, mit denen die jun-
gen Bäume in der ersten Zeit fertig werden
müssen. Auch der Wildverbiss kann durch den
Waldbesitzer meist nur indirekt beeinflusst
werden.
Alle nachfolgend genannten Schädlinge kann
man jedoch regelmäßig überwachen und ge-
eignete Gegenmaßnahmen ergreifen.
Gefahren für den jungen Wald
Und noch ein kleiner Tipp:
„Rückwärts arbeiten“ macht einiges leichter.
Aber Achtung - nicht hinfallen!
Hinweise zu weiteren Pflanzverfahren können
Sie der vom Sachsenforst für Privatwaldbesit-
zer herausgegebenen Informationsbroschüre
entnehmen – oder sehen Sie sich die Pflanzar-
beiten einfach mal im Landeswald an.
Die Forstbezirke und der für Sie zuständige
Revierförster bieten Ihnen gern Unterstüt-
zung an.
Schritt 7/4
Schritt 8
Schritt 9
Großer Brauner Rüsselkäfer
Hylobius abietis
Dieser ca. 1 cm große, farblich un-
scheinbare Käfer stellt die größte Ge-
fahr für junge Nadelbäume dar. Mit ei-
nem verstärkten Anbau von Nadelhölzern
wie Kiefer, Douglasie, Tanne und auch Fich-
te, hat sich der über viele Jahre eher gering
vorhandene Rüsselkäfer wieder deutlich ver-
mehrt. Die Käfer benötigen für ihre Eiablage
frische Nadelholzstubben. Nach der Überwin-
terung beginnen sie an den ersten warmen
Tagen Ende März/April mit der Suche geeigne-
ter Bruthabitate. Da er hauptsächlich zu Fuß
geht, findet man ihn in der Nähe von son-
nigen, warmen, im letzten Winter durchfors-
teten und für einen Voranbau vorbereiteten
Althölzern bzw. auf Kahlschlägen.
Seine Eier legt er in die Rinde der flach strei-
chenden Stockwurzeln frisch gefällter Kiefern
oder Fichten. An diesen entwickeln sich auch

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| 13
Rüsselkäferfraß
die Larven. Das eingeschränkte Nahrungs-
angebot auf diesen Flächen führt dazu, dass
die Altkäfer und auch die neue Generation
die Rinde der frisch gepflanzten Nadelhölzer
fressen. Massenweise fallen sie über die klei-
nen Bäumchen her, fressen deren Rinde an
Stämmchen und Ästen ab. Durch den platz-
weisen z. T. bis zu einer Ringelung führenden
Fraß, der meist durch den Bast hindurch bis
in das Splintholz hinein erfolgt, bekommen
die Stämmchen ein grindiges, pockennarbiges
Aussehen („Pockennarbenfraß“), kümmern und
sterben schließlich ab, da der Saftfluss nicht
mehr richtig funktioniert.
Die Jungkäfer aus der Eiablage des vorange-
gangenen Jahres schlüpfen Ende Juli/ Anfang
August, wodurch es in diesem Zeitraum zu
einer zweiten Fraßwelle kommt. Da die Käfer
bis drei Jahre alt werden und bei günstigen
Witterungsbedingungen die Jungkäfer noch
im Jahr der Eiablage schlüpfen können, kann
man bis zu 60.000 Käfer auf einem Hektar Na-
delholzkultur finden.
Überwachung und Bekämpfung
Bereits bei der Pflanzung der Bäume kann man
Schutzmaßnahmen ergreifen, indem man die
Pflanzen vor dem Einpflanzen in eine Insek-
tizidbrühe taucht oder bei festgestellter Ge-
fährdung nach der Pflanzung damit einsprüht.
Allerdings sind dazu nur „sachkundige Perso-
nen“ gem. Pflanzenschutzgesetz (PflSchG) be-
rechtigt. Verwendet werden dürfen dafür nur
die entsprechenden amtlich zugelassenen In-
sektizide. Die Vor- und Nachteile eines Pflan-
zenschutzmitteleinsatzes müssen in jedem Fall
vom Eigentümer abgewogen werden. Liegt die
Waldfläche in einem nach Wasser- oder Na-
turschutzrecht ausgewiesenem Schutzgebiet,
ist ein Pflanzenschutzmitteleinsatz ggf. nur
erlaubt, wenn vom Waldbesitzer zuvor eine
Genehmigung eingeholt wurde. Für PEFC-zer-
tifizierte Betriebe ist ein fachliches Gutachten
erforderlich. Der Sachsenforst nutzt dafür vor-
gefertigte Formulare. An diesen können sich
auch private Waldbesitzer orientieren.
Die Ergebnisse eines Pflanzenschutzmittel-
einsatzes sind auch nicht immer zufrieden-
stellend, da z. B. die Witterung zum Behand-
lungszeitraum eine große Rolle für Erfolg oder
Misserfolg spielt. Die Wurzelbereiche erreicht
man mit dem Spritzverfahren gar nicht und
der Käfer nimmt das Mittel hauptsächlich erst
auf, wenn er an der Pflanze frisst. Wenn die
Schädlinge massenweise auftreten, kann es
dadurch trotzdem zu einer nachhaltigen Schä-
digung der Pflanze kommen. Beim Tauchver-
fahren ist zu bedenken, dass man während der
gesamten Pflanzung in Kontakt mit den be-
handelten Pflanzen kommt.
Umweltfreundlicher sind die althergebrachten
Methoden. Am günstigsten wäre es, nach dem
Einschlag mit der Neuanpflanzung mindestens
drei Jahre zu warten, damit die Käfer, die in
den frischen Stöcken brüten, zu anderen Flä-
chen weitergezogen sind. Das ist jedoch kaum
realisierbar, da diese Zeit der „Schlagruhe“ er-
hebliche Probleme nach sich zieht. Zudem
sind gemäß dem Waldgesetz für den Freistaat
Sachsen (§ 20 SächsWaldG) Flächen innerhalb
von drei Jahren aufzuforsten.
Die Fläche beginnt zu vergrasen und es wird
eine Behandlung des Areals vor der Pflanzung
nötig, um den Setzlingen wenigstens das An-
wachsen zu ermöglichen. Außerdem erhöht
sich der Aufwand der Kulturpflege, da in den
ersten drei Jahren nach einer Ernte die Ver-
grasung noch gering ist, aber dann sehr stark
zunimmt. Der Verlust an Zeit und damit an
Ertrag macht diese Vorsichtsmaßnahme nicht
unbedingt attraktiver.
Da ist die zweite Methode wesentlich effekti-
ver. Sobald die Temperaturen ansteigen, kon-
trolliert man möglichst täglich die Setzlinge
und muss bei den ersten Befallszeichen sofort
reagieren, um größere Schäden zu verhindern.
Von einer frisch gefällten Fichte wird ein etwa
40 cm breites Rindenstück abgeschält, was
zum Zeitpunkt des Saftflusses unkompliziert
möglich ist. Man verwendet dazu ein Lohei-
sen oder eine Axt. Dieses etwa 40 cm x 80 cm
große Rindenstück wird so zusammengelegt,
dass die Bastseiten aufeinander liegen und die
Rinde jeweils unten und oben sichtbar wird.
Um die Duftwirkung der Fangrinde zu erhö-
hen, legt man einen kleinen, frischen Kiefern-
oder Fichtenzweig dazwischen. Nun bereitet
man ca. acht bis 15 Fangplätze je Hektar vor,
indem man den Bodenbewuchs möglichst flä-
chig etwa 50 cm x 50 cm abzieht. Auf den so
freigelegten Boden wird die Rinde abgelegt
und mit der entstandenen Rasensode abge-
deckt. Dadurch ist die Fangrinde für längere
Zeit vor Austrocknung geschützt und kann
länger ihren verführerischen Duft aussenden.
Durch diesen werden die Käfer angelockt. Der
frische Bast ist wesentlich schmackhafter als
die Rinde der jungen Bäumchen. Nun sollte
man täglich in den frühen Morgenstunden die
Fangrinde, die man mit einer Markierung (z. B.
Pfahl) versehen hat, kontrollieren. Solange es
noch kühl ist, bewegen sich die Käfer langsam.
Der Boden unter der Fangrinde sollte glatt und
übersichtlich sein, da die Käfer sich bei der ge-
Gewinnung der Rinde
Fangrinde

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14 |
Schermausfraß
ringsten Erschütterung fallen lassen und tot
stellen. Diese Vorgehensweise und ihre Tarn-
farbe schützt sie sehr effektiv vor einer Entde-
ckung. Zu empfehlen ist die Verwendung einer
kleinen Zange, da die Käfer empfindlich zubei-
ßen können. Der harte Chitinpanzer stellt eine
echte Herausforderung an die Vernichtung der
in einem Schraubglas gesammelten Käfer dar.
Diese Methode ist zwar etwas aufwendig und
muss eventuell im August nochmals wieder-
holt werden, aber man kann damit nachhaltig
die Kultur schützen und die Käferpopulation
erheblich verringern.
Mäuse
Ganz besonderes Augenmerk muss man auf
stark vergraste Kulturen und speziell Erstauf-
forstungen auf aufgegebenen Ackerflächen
legen. Hier fühlen sich
Kurzschwanzmäu-
se wohl, die bis 20
Jahre nach der
Pflanzung enor-
me Schäden ins-
besondere an Laubholzkul-
turen verursachen können. Die Mäuse nagen
die Rinde und die Wurzeln der Bäume ab und
können bei massenhaftem Auftreten eine Kul-
tur vernichten.
Verfahren mit Bodenlockerung wie Frässtrei-
fen, Vollumbruch oder Pflanzmaschineneinsatz
begünstigen die Schäden durch Schermäuse,
da der gelockerte Boden für die wühlfaulen
Mäuse besonders attraktiv ist.
Eine regelmäßige Kontrolle der Kultur auf Hin-
weise zum Vorhandensein der Mäuse ist unbe-
dingt notwendig. Dafür kann man herkömmli-
che Fallen und Steckreiser zum Nachweis von
Erd-, Feld- und Rötelmaus sowie Verwühlpro-
ben für die Feststellung des Vorhandenseins
von Schermäusen oder auch andere Methoden
anwenden. Wenn im Herbst in 50 Fallen über
zwei Nächte hinweg etwa 10 Kurzschwanz-
mäuse gefangen wurden, besteht unter Be-
rücksichtigung der Bodenvegetationsverhält-
nisse und der verjüngten Baumart ein sehr
hohes Schadrisiko. Bekämpfungsmaßnahmen
wären in einem solchen Fall forstfachlich ge-
rechtfertigt.
Generell ist es günstig, die natürlichen Fein-
de der Mäuse wie Greifvögel, Eulen, Fuchs,
Wildschwein, Marder und Wiesel mit geeig-
neten Maßnahmen zu unterstützen. Sollten
diese der Plage nicht Einhalt gebieten kön-
nen, bleibt noch die Möglichkeit des Einsat-
zes von Pflanzenschutzmitteln. Dabei sind
alle pflanzenschutzrecht-
lichen Vorgaben zu
berücksichtigen. Das
heißt, es dürfen nur
amtlich zugelasse-
ne Mittel (Rodentizi-
de) und entsprechend den
vorgegebenen Anwendungsbestimmun-
gen verwendet werden. Die Anwendung ist
auf sachkundige Personen gemäß Pflanzen-
schutzgesetz beschränkt. Auch hier gilt, dass
in Schutzgebieten ggf. eine Genehmigung ein-
geholt werden muss.
Aufgrund ihrer hohen genetischen Variabilität,
einer weiten standörtlichen Ausdehnung, ihrer
großen Stabilität, der bislang geringen Anfäl-
ligkeit gegenüber Schaderregern und insbe-
sondere wegen ihrer Trockentoleranz galt die
Esche bis vor kurzem als ein Hoffnungsträger
im Hinblick auf den Klimawandel. Doch seit
einigen Jahren wird die Esche massiv von ei-
ner neuen Krankheit, dem Eschentriebsterben,
befallen – mit weitreichenden Folgen für ihre
wirtschaftliche aber auch ihre ökologische
Bedeutung. Verursacher ist der Pilz „Falsches
Weißes Stengelbecherchen“ (Hymenoscyphus
pseudoalbidus) mit der Nebenfruchtform Cha-
lara fraxinea.
Die Schadsymptome des Eschentriebsterbens
wurden erstmals 1991 in Polen und dem Bal-
tikum beobachtet. Von dort breitete sich die
Krankheit rasant aus – mittlerweile hat sie ei-
nen großen Teil des natürlichen Verbreitungs-
gebietes der Esche, bis hin nach Südeuropa
erfasst. Aus Sachsen liegen erste Schadmel-
dungen in Eschenaufforstungen seit 2005 vor.
Um Kenntnis über das genaue Schadausmaß
Die Esche
Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind
zu erlangen, erfolgte im Zeitraum von Sep-
tember 2010 bis Mai 2011 in Zusammenarbeit
zwischen Sachsenforst und den unteren Forst-
behörden der Landkreise und kreisfreien Städ-
te nach einem einheitlichem Verfahren eine
Bonitur von Eschenbeständen. Das Ergebnis
war erschreckend – es existieren in Sachsen
faktisch keine befallsfreien Bestände mehr.
Dies deckt sich mit den zwischenzeitlichen
Einschätzungen und Untersuchungen ande-
rer Bundesländer.
Die Schadsymptome des Eschentriebsterbens
sind vielfältig und hängen mit dem Krank-
heitszyklus zusammen:
Im späten Frühjahr entwickelt sich die Haupt-
fruchtform des Pilzes auf dem vorjährigen
Eschenlaub am Boden. Hier bilden sich Sporen,
die mit dem Wind verfrachtet werden und die
Blätter infizieren. Erste Anzeichen des Befalls
sind Verfärbungen der Blätter und insbeson-
dere der Blattspindeln im Sommer. Ab Ende
Juli kann diese Verfärbung rasant zunehmen
bis hin zu vollständiger Welke und Blattfall.
Ausgehend von den Blättern wächst der Pilz in
das unverholzte Mark der Zweige und von hier
Im Spätsommer kann es zu einer plötzlichen Welke
befallener Eschen bzw. einem vorzeitigem Blattfall
kommen.

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| 15
aus in bereits verholzte Bereiche ein. In diesem
Stadium entstehen die typischen Rindennek-
rosen bzw. ein Absterben der Triebe. Die Nek-
rosen können bereits im Herbst gebildet wer-
den. Das vollständige Ausmaß des Befalls wird
jedoch erst im kommenden Frühjahr sichtbar,
da der Pilz auch im Winter sein Wachstum
fortsetzt. Insbesondere über befallene Kurz-
triebe kann sich die Krankheit auch auf den
Stamm ausbreiten und führt dort ebenfalls zu
Nekrosen. Unterhalb der abgestorbenen Triebe
bildet die Pflanze Regenerationstriebe. Mehr-
facher Befall führt zur Verbuschung. Befalle-
nes Holz ist nicht infektiös.
Vom Eschentriebsterben sind Eschen aller Al-
tersstufen und auf allen Standorten betroffen.
Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Intensi-
tät auf Nassstandorten etwas höher, was mit
den dort günstigen Entwicklungsbedingun-
gen für den Pilz in Zusammenhang gebracht
wird. Der Krankheitsverlauf an der Einzelpflan-
ze kann sich, insbesondere an älteren Eschen,
über viele Jahre hinziehen, bei Jungpflanzen
führt er häufig zum raschen Absterben. Stark
befallene Eschen sind geschwächt und werden
anfällig für weitere Schaderreger, z. B. Halli-
masch, Eschenbastkäfer.
Anfangs galten nur die Gemeine Esche (Fra-
xinus excelsior) und die in Südeuropa heimi-
sche Schmalblättrige Esche (Fraxinus angusti-
folia) als gefährdet, mittlerweile wurde das
Eschentriebsterben auch an anderen Eschen-
arten beobachtet, z. B. an der aus Nordamerika
stammenden und bei uns in Auwäldern vor-
kommenden Rotesche (Fraxinus pennsylvanica).
Maßnahmen zur wirksamen Eindämmung der
Krankheit sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt
nicht bekannt. Anlass zur Hoffnung gibt die
Beobachtung, dass in nahezu allen, zum Teil
seit mehreren Jahren geschädigten Bestän-
den noch immer Eschen zu finden sind, die
wenig bzw. gar nicht geschädigt sind. Für den
Staatswald in Sachsen hat das Referat Wald-
bau und Waldschutz im Kompetenzzentrum
Wald und Forstwirtschaft des Sachsenforstes
folgende Empfehlungen gegeben, die auch
Grundlage der Beratung von privaten und kör-
perschaftlichen Waldbesitzern sind:
Vom Anbau der Esche wird gegenwärtig
abgeraten, da eine sehr hohe Wahrschein-
lichkeit des Totalausfalls besteht. Als Ersatz-
baumarten kommen in Abhängigkeit vom
Kleinstandort insbesondere Schwarz-Erle,
Berg-Ahorn und Stiel-Eiche in Kombination
mit Hainbuche in Frage.
In jungen Eschenbeständen sollten vitale,
we nig geschädigte Individuen unabhängig
von ihrer Qualität durch Entnahme mehre-
rer benachbarter Bestandesglieder geför-
dert werden. Es kann davon ausgegangen
werden, dass großkronige, vitale Eschen wi-
derstandsfähiger sind, auch wenn sie kei-
ne vollständige Resistenz gegenüber dem
Eschentriebsterben besitzen. Ein Dichthal-
ten von Eschen-Jungbeständen sollte un-
terbleiben.
Das Entfernen absterbender/abgestorbener
Bäume ist aus waldhygienischen Gründen
nicht erforderlich. Ebenso kann ein Rück-
schnitt ins gesunde Holz bzw. das „Auf-
den-Stock-Setzen“ von Jungeschen zwar
geschädigte Pflanzenteile beseitigen, aber
die Neuinfektion nicht verhindern. Jedoch
sollten befallene Altbäume rechtzeitig ent-
nommen werden, bevor es zu einer Holzent-
wertung kommt. Darüber hinaus sind Aspek-
te der Verkehrssicherung zu berücksichtigen.
Auf das Auftreten von Folgeschäden, insbe-
sondere durch Eschenbastkäfer, ist zu ach-
ten. Er kann vorgeschädigte Bäume weiter
schwächen. Wird ein Befall durch diesen
Käfer erkannt, so sollten befallene Bäume
unverzüglich entnommen und das aufgear-
beitete Holz aus den Beständen abgefahren
werden. Dadurch wird dem Eschenbastkäfer
weiterer Brutraum entzogen.
Naturverjüngung sollte durch Eingriffe im
Schirm gefördert werden (insofern dies kei-
ne Ertragseinbußen nach sich zieht), um op-
timale Wuchsbedingungen zu bieten.
Darüber hinaus wurden vom Sachsenforst
wie auch von einigen unteren Forstbehörden
der Landkreise und kreisfreien Städte Ver-
suchsflächen eingerichtet, um den weiteren
Verlauf des Eschentriebsterbens, das eventu-
elle Vorkommen resistenter Individuen sowie
die Auswirkungen waldbaulicher Maßnah-
men zu untersuchen.
Weiterführende Informationen finden sich z. B.
unter
www.waldwissen.net
und
www.eschentriebsterben.org
Charakteristisch für die Krankheit sind orangegelbe
bis braune Rindenverfärbungen ohne Schleimfluss.
Befallene Triebe treiben im folgenden Jahr nicht
mehr aus.
Verfärbungen, Nekrosen bzw. Überwallungen im
Stammbereich zeigen, dass die Krankheit über die
Triebe bereits in den Stamm eingedrungen ist.
Wiederholter Befall und Regeneration führen zur
typischen Verbuschung der Pflanze.
Der Eschenbastkäfer vermag durch das Eschentrieb-
sterben stark geschwächte Pflanzen zu befallen. Auf
ein vermehrtes Auftreten des Käfers ist zu achten.

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16 |
Das Schutzgebietsystem NATURA 2000 wurde
von der Europäischen Union ins Leben geru-
fen. Grundlage sind zwei Richtlinien: Fauna-
Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) und
Vogelschutzrichtlinie. Die EU-Mitgliedsstaaten
verpflichten sich darin, ausgewählte, zum Teil
gefährdete Arten und Lebensräume durch ge-
eignete Maßnahmen zu erhalten, Lebensräu-
me wiederherzustellen oder sie zu entwickeln.
In Sachsen wurden 270 FFH-Gebiete als Ge-
biete von gemeinschaftlicher Bedeutung und
77 Vogelschutzgebiete mit einer Gesamtflä-
che von etwa 293.000 Hektar nach Brüssel als
schützenswert gemeldet. Dies entspricht rund
16 Prozent der Landesfläche.
Was bedeutet das für Sie als Waldbesitzer?
Maßgeblich für die Bewirtschaftung Ihrer Wäl-
der in FFH-Gebieten sind die amtlich bestätig-
ten Managementpläne. Sie enthalten allgemei-
ne Behandlungsgrundsätze, die für das ganze
Gebiet gelten, sowie flächenspezifische Erhal-
tungs- und Entwicklungsmaßnahmen. Dieses
Instrument bietet somit wichtige Hinweise
über Naturschutzziele. Ihre rechtliche Grundla-
ge finden die Managementpläne in Ergänzung
der Vorgaben aus dem Bundesnaturschutzge-
setz in den umgangssprachlich FFH-Grund-
schutzverordnungen genannten Vorschriften.
So bestimmt zum Beispiel die Verordnung der
Landesdirektion Dresden zur Bestimmung des
Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung
„Elbtalhänge zwischen Loschwitz und Bon-
newitz“ (= Grundschutzverordnung), dass der
Informationen über FFH-Managementpläne
Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio-Car-
pinetum) als FFH-Lebensraumtyp 9170 (siehe
Foto) dort besonders geschützt ist. Des Wei-
teren werden schützenswerte Tier- und Pflan-
zenarten, wie zum Beispiel die Mopsfleder-
maus, benannt.
Diese Schutzgüter dürfen im Zuge der Wald-
bewirtschaftung nicht in erheblicher Weise
beeinträchtigt werden. Es ist deshalb wichtig,
sie zu kennen.
Für FFH-Lebensraumtypen und Arten gilt im
FFH-Gebiet ein gesetzliches Verschlechte-
rungsverbot. Als Ordnungswidrigkeit verbo-
ten sind aktive Maßnahmen, die Lebensraum-
typen oder Artvorkommen beseitigen oder
erheblich beeinträchtigen. Andererseits sind
Sie als privater Waldbesitzer nicht verpflichtet,
zum Beispiel einer ausbleibenden Eichenna-
turverjüngung mittels ergänzender Pflanzung
entgegenzuwirken, weil sich der Lebensraum-
typ 9170 hinsichtlich seiner Baumartenantei-
le ohne Ihr Zutun von selbst „verschlechtert“.
Missachten Sie jedoch das Verschlechterungs-
verbot (siehe oben), kann die Naturschutz-
behörde dies mit einem Bußgeld von bis zu
50.000 Euro ahnden und anordnen, dass der
Unter Bezug auf die im vorangegangenen
Artikel enthaltenen Fachinformationen zum
Eschentriebsterben weist die Bewilligungs-
stelle bezüglich geförderter Verjüngungen,
deren Zweckbindungsfrist noch nicht abge-
laufen sind, auf Folgendes hin:
Die Zuwendungsbescheide (ZWB) enthalten
Auflagen zum Schutz und zur Pflege der ge-
förderten Kulturen. Die Bewilligungsstelle im
Sachsenforst (SBS) geht aus diesem Grund
davon aus, dass dementsprechend Pflanzen-
ausfälle durch die Zuwendungsempfänger
(ZWE) selbständig und eigenverantwortlich
ersetzt werden. Solange diese Kultursiche-
rungsmaßnahmen durch den ZWB legitimiert
sind, ist eine Information der Bewilligungs-
stelle im SBS nicht erforderlich.
Forstliche Förderung – Mitteilungspflichten
Für den Fall, dass aufgrund der Pflanzenaus-
fälle der Zweck der Zuwendung in Frage ge-
stellt scheint und eine Nachbesserung oder
Wiederholung aus forstfachlicher oder wirt-
schaftlicher Sicht problematisch oder unmög-
lich sind, soll der ZWE die Bewilligungsstelle
im SBS umgehend informieren. Das gilt insbe-
sondere auch dann, wenn im Zuge von Nach-
besserungen Abweichungen von der bewillig-
ten Baum artenzusammensetzung beabsichtigt
sind. Die Bewilligungsstelle im SBS wird – ggf.
nach nochmaliger forstfachlicher Prüfung –
Einzelfallentscheidungen treffen.
Vorsorglich wird hiermit ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass sich obige Darstellung aus-
schließlich auf Verjüngungsflächen im Wald
bezieht. Sie gilt nicht für Erstaufforstungen
(EA). Sofern geförderte EA betroffen sind, ist
die Außenstelle Pirna des Sächsischen Landes-
amtes für Landwirtschaft, Umwelt und Geolo-
gie – als zuständige Bewilligungsstelle – An-
sprechpartner für die ZWE.
Zudem wird darauf hingewiesen, dass diese
Hinweise nicht nur beim Eschentriebsterben
relevant sind, sondern vielmehr für alle durch
biotische und abiotische Faktoren verursachten
Schäden gelten. Die ZWE sind verpflichtet, der
Bewilligungsstelle unverzüglich anzuzeigen,
wenn sich herausstellt, dass der Zuwendungs-
zweck nicht zu erreichen ist. Diese Mitteilungs-
pflichten gelten nicht nur für Verjüngungen,
sondern auch für alle anderen nach den je-
weiligen Förderrichtlinien geförderten Vorha-
ben, deren Zweckbindungsfristen noch laufen.
Lebensraumtyp Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald

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| 17
ursprüngliche Zustand, soweit möglich, wie-
derherzustellen ist. Aus den Grundschutzver-
ordnungen geht nicht hervor, wo genau die
geschützten Lebensraumtypen und Arthabi-
tate liegen und welche forstlichen Nutzungen
mit ihren Schutzzielen vereinbar sind. Deshalb
lohnt sich ein Blick in den Managementplan.
Er enthält Karten, die die Lage der FFH-Lebens-
räume oder der FFH-Arten in ihren Lebensräu-
men, den so genannten Arthabitaten, zeigen.
Außerdem bietet er weiterführende Aussagen,
was eine verträgliche forstliche Nutzung ist.
Als Waldbesitzer können Sie die Pläne bei den
unteren Naturschutzbehörden einsehen. Da-
rüber hinaus geben Ihnen die im Privatwald
tätigen Revierförster des Sachsenforstes flur-
stücksgenau Auskunft darüber, ob sich Ihr
Wald in einem Natura 2000-Gebiet befindet
und welche FFH-Lebensräume und FFH-Arten
dort vorkommen. Nicht zuletzt erfahren Sie,
wie eine angemessene Bewirtschaftung Ihres
Waldes aussieht.
Darüber hinaus sind im Internet für die meis-
ten FFH-Managementpläne zwischenzeitlich
Kurzfassungen abrufbar
(http://www.smul.
sachsen.de/umwelt/natur/21184.htm). Es sind
dort wesentliche Aussagen für jeden einzel-
nen Plan zusammengefasst. Eine Übersichts-
!
(
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Herausgeber:
Sächsisches Landesamt
für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie
N
1
0
1
2km
Bearbeitung: Plan T
Planungsgruppe Landschaft und Umwelt
Leitung: Gabriele Hintemann
Bearbeiter: Markus Lindner
Bearbeitungsstand: 14.11.2008
Herausgeber: Sächsisches Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie
Geobasisdaten: © 2008, Landesvermessungsamt Sachsen
Lebensraumtypen nach Anhang I der FFH-Richtlinie
Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arthabitate
im SCI Nr. 033E "Elbtalhänge zwischen
Loschwitz und Bonnewitz" 1:25.000
3260
Fließgewässer mit Unterwasservegetation
!
(
6430
Feuchte Hochstaudenfluren
6510
Flachland-Mähwiesen
8220
8230
!
(
!
(
Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
Silikatfelsen mit Pioniervegetation
9110
Hainsimsen-Buchenwälder
9170
Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
9180*
91E0*
* Prioritärer Lebensraumtyp
Schlucht- und Hangmischwälder
Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder
Habitatflächen für Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie
Großes Mausohr, Mopsfledermaus
"
)
Eremit
Spanische Flagge
Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Grenze des SCI 033E "Elbtalhänge zwischen Loschwitz und Bonnewitz"
"
)
Quartiere: Großes Mausohr, Kleine Hufeisennase
Kleine Hufeisennase
Aller vier Jahre trifft sich die mitteleuropäi-
sche Forstwirtschaft zur Tagung des Kurato-
riums für Wald und Forstwirtschaft (KWF), der
mittlerweile größten Forstmesse und –tagung
in Mitteleuropa.
Die 16. KWF-Tagung fand in Bopfingen in Ba-
den-Württemberg statt. Sie wurde durch den
Kuratorium für Wald und Forstwirtschaft e. V.
mit dem gastgebenden Bundesland organisiert.
Das KWF, gegründet 1962, ist eine länder-
übergreifende Institution und nimmt über-
regionale technisch-wissenschaftliche Auf-
gaben für die deutsche Forstwirtschaft wahr.
Es hat Mittlerfunktion zwischen Forstpraxis,
Forschung und Industrie durch Auswertung
und Umsetzung von Forschungsergebnissen
und Praxiserfahrungen im Bereich Waldarbeit
und Forsttechnik.
Die KWF-Tagung versteht sich als Messe im
Wald. Im Gegensatz zu anderen Forstmessen
bietet sie neben der Neuheitenschau „KWF-
EXPO“ und Fachkongress ein umfangreiches
Angebot an Exkursionen zu forsttechnischen
Themen an.
Die 16. KWF-Tagung in Bopfingen
Faszination Forstwirtschaft – durch Zusammenarbeit gewinnen
Mit 538 Ausstellern aus 26 Ländern auf
75.500 qm Standfläche und über 50.000 Be-
suchern und einer Exkursionsroute mit 28
Exkursionsbildern hat sie ihre 15 Vorgänger
deutlich übertroffen und sich zur weltgröß-
ten Forstmesse gemausert. Ein Großteil der
auf der Neuheitenschau ausgestellten Expo-
nate folgt auch weiterhin dem internationa-
len Trend „Stärker, schneller, leistungsfähiger“.
Diese Entwicklung wird exemplarisch auf
den Harvester- und Forwardermarkt mit ei-
ner nicht überschaubaren Zahl von Ausstel-
lern und über 100 Modellen jeder Größe deut-
lich. Im Gegensatz zu den früheren Tagungen
wird aber auch hier verstärkt den Forderungen
nach boden- und bestandesschonender Tech-
nik Rechnung getragen. Alle Hersteller haben
entsprechende Ausrüstungen und Technik im
Angebot, wie z. B. Kettenlaufwerke, Boogibän-
der oder Traktionswinden.
karte zeigt die räumliche Einbindung. Die Kurz-
fassungen können Sie, soweit vorliegend, auf
Anfrage auch bei den Revierförstern von Sach-
senforst bekommen.
Nutzen Sie die Gelegenheit und erfahren Sie
mehr über die Vielfalt der Natur in Ihrem
Wald!
Der Sachsenforst hilft Ihnen dabei.
Übersichtskarte zu den Lebensraumtypen und Arthabitaten des Managementplans für das FFH-Gebiet „Elbtal-
hänge zwischen Loschwitz und Bonnewitz“
Forwarder HSM 208F 10to „BigFoot“,
geeignet für wenig tragfähige Standorte
Technikvielfalt auf dem Ausstellungsgelände

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18 |
Neben diesen Angeboten für professionelle
Nutzer gab es auch ein umfangreiches An-
gebot an Ausstattung, Zusatzausrüstung und
technischen Kleingeräten. Jeder Waldbesit-
zer konnte das für ihn und seinen Waldbe-
sitz maßgeschneiderte Werkzeug und Gerät
finden.
Der Entwicklung in Folge der Energiewende
widmete sich eine Sonderschau zur Energie-
holzgewinnung. Auf dieser – und auch auf
den Fachexkursionen – wurden praxisreife
Verfahren zur Energieholzgewinnung vorge-
stellt. Hier spannte sich der Bogen von der
Energieholzernte in der Jungbestandespflege
über die industrielle Bereitstellung von Hack-
schnitzeln bis zur Herstellung von Scheitholz
für den heimischen Kamin. Auch der interes-
sierten Öffentlichkeit wurde mit den Einbli-
cken in die forstliche Vielfalt eine Menge an
Informationen geboten.
Bei den insgesamt 28 Exkursionsbildern wur-
den verschiedene Arbeitsverfahren von der
Pflanzung über Wertästung und Waldpflege
bis zur Laubstarkholzernte am Steilhang de-
monstriert, erläutert und diskutiert. Prämisse
dabei: Die Forsttechnik versteht sich als Brü-
cke zwischen Waldbau, Nachhaltigkeit und der
effizienten und schonenden Bereitstellung des
Rohstoffes Holz. So standen Verfahren der bo-
denschonenden Holzernte ebenso im Focus,
wie der Arbeits- und Naturschutz sowie die
Umweltverträglichkeit.
Hervorzuheben war die Laubstarkholz-Are-
na. Auf diesem Rundweg wurde in mehreren
Exkursionsbildern vorgeführt, wie manuelle
Holzernte im starken Laubholz unter den zu-
künftig zu erwartenden Waldstrukturen pro-
fessionell und sicher durchgeführt werden
kann.
Der auf der KWF-Tagung stattfindende Fach-
kongress griff das Tagungsthema „Faszination
Forstwirtschaft – Durch Zusammenarbeit ge-
winnen“ auf und vertiefte es mit Fachvorträ-
gen, in Arbeitskreisen und Diskussionsforen.
Das Tagungsthema baute einen Spannungsbo-
gen von „Wie viel Technik verträgt der Wald-
besucher? – Technikeinsatz im Spannungsfeld
einer multifunktionalen Forstwirtschaft“ über
„Spurlos im Wald? - Technische Möglichkeiten
zur Vermeidung von Umweltschäden“ bis hin
zu „Scheitholz – wie lange währt der Brenn-
holzboom?“ Im Fachkongress wurde deutlich,
dass im professionellen Beherrschen dieser
Arbeitsfelder der Schlüssel für die Konkurrenz-
fähigkeit, Akzeptanz und Erfolg der Forstwirt-
schaft in unserer Zeit und Gesellschaft liegt.
Durch die Größe der Veranstaltung war es
dem Fachbesucher kaum möglich, alle Aus-
stellungsstände und Fachthemen zu besuchen.
Fazit:
Die Forstwirtschaft ist so breit aufgestellt
wie nie. In allen forstlichen Bereichen haben
modernste Technologien Einzug gehalten. Es
ist gelungen, den Wald als attraktiven Ar-
beitsplatz zu präsentieren, der traditionelles
Handwerk mit modernsten Arbeitsmitteln ver-
knüpft. Wer seinen Wald zukünftig wirtschaft-
lich, sicher und nachhaltig bewirtschaften und
entwickeln will, muss dies durch ausgebildetes
Fachpersonal und zertifizierte Forstunterneh-
men durchführen lassen.
Übrigens, Bopfingen liegt im Ostalbkreis und
ist eine Reise wert. Kultur, Landschaft, Ge-
schichte und die hier lebenden Menschen ha-
ben einiges zu bieten.
Betriebliche Kennzahlen als Indikator der Er-
tragslage von Forstbetrieben bilden eine wich-
tige Grundlage für forstpolitische Entschei-
dungen in Bundes- und Landespolitik, bspw.
für die Förderung oder die Besteuerung. Wie
können solche Daten erhoben und ausgewer-
tet werden?
Bereits 1976 wurde vom Bundesministeri-
um für Ernährung, Landwirtschaft und Ver-
braucherschutz (BMELV) ein Testbetriebsnetz
eingerichtet, welches auf freiwilliger Basis
betriebswirtschaftliche Daten von Forstbe-
trieben ab einer forstlichen Betriebsfläche
Das Testbetriebsnetz Forstwirtschaft
Auch für den Privatwald interessant
von 200 ha erhebt. In Sachsen nehmen acht
kommunale und 14 private Forstbetriebe am
Testbetriebsnetz teil. Damit wird der vorgege-
bene Stichprobenumfang erreicht und sicher-
gestellt, dass die Wirtschaftsergebnisse der
sächsischen Betriebe bei der Beurteilung der
Ertragslage der Forstbetriebe durch die Bun-
desregierung Berücksichtigung finden.
Die Angaben der Einzelbetriebe werden streng
vertraulich behandelt und nur anonymisiert
und zusammengefasst verarbeitet. Für die teil-
nehmenden Betriebe ergeben sich umfangrei-
che Informations-, Analyse- und Vergleichs-
möglichkeiten, welche ihnen in den jährlichen
Schulungs- und Informationsveranstaltungen
vorgestellt und erläutert werden.
Hierfür werden die im Kennzahlenbogen des
Bundesministeriums verfügbaren Daten als
Zeitreihen und als Betriebsvergleiche einheit-
lich für alle Eigentumsarten nach folgenden
Kriterien ausgewertet und grafisch dargestellt:
Baumarten, Holzvorrat, Personal
Hiebssatz und Holzeinschlag
Reinertrag mit und ohne Förderung
Ertrag und Aufwand
Hanimax „Soft“ der weltweit stärkste Harvester kann Stämme aus dem Bestand heben

| 19
Holzerlös und Deckungsbeitrag in der Holz-
ernte
Themen- oder anlassbezogen können weite-
re Standardkennzahlen oder zusätzlich beim
Bundesministerium angeforderte Daten auf-
bereitet und analysiert werden.
Folgende Abbildung zur Entwicklung von
Holzeinschlag und Reinertrag II (Reinertrag
einschließlich Fördermittel) im Privatwald in
Sachsen und im Bundesgebiet zeigt beispiel-
haft Möglichkeiten der Datenauswertungen
aus dem Testbetriebsnetz:
6,0
7,3
7,9
12,0
7,2
2,9
4,7
4,7
4,3
4,5
5,4
4,8
5,5
4,8
5,0
6,8
4,1
4,6
4,7
60
77
69
60
21
14
13
-8
6
23
83
22
20
39
98
63
270
148
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
Testbetriebsnetz Forstwirtschaft des BMELV
Entwicklungen von Holzeinschlag und Reinertrag II im Privatwald
Holzeinschlag
(m
3
/ha Holzboden)
Reinertrag II
(Euro/ha Holzboden)
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
Reinertrag II
Privatwald Deutschland
Holzeinschlag
Privatwald Deutschland
Reinertrag II
Privatwald Sachsen
Holzeinschlag
Privatwald Sachsen
Gut erkennbar sind die erhöhten Holzeinschläge in den Sturmjahren bzw. deren deutlicher Rückgang im jeweiligen Folgejahr. Der Holzeinschlag
liegt in Sachsen etwa 2,5 m³/ha Holzboden niedriger als im Bundesdurchschnitt. Die Reinerträge sind dabei deutlich von der Höhe der Holzein-
schläge abhängig. Darüber hinaus werden die tendenziell steigenden Reinerträge augenscheinlich von weiteren Einflussfaktoren bestimmt.
Andere Aussagen bedürfen weiterführender Analysen: Der deutlich niedrigere Holzeinschlag in Sachsen begründet sich z. B. in der abweichen-
den Baumarten- und Altersklassenverteilung. Die Reinerträge werden neben der Holzeinschlagshöhe zusätzlich sowohl ertragsseitig (Holzpreis-
schwankungen, Fördermittelzahlungen, …) als auch aufwandseitig (unterschiedliche Höhe der Aufwendungen für Waldumbau, Walderschließung,
abweichende Unternehmeranteile, …) durch weitere Faktoren beeinflusst.
Ganz unterschiedliche natürliche und betrieb-
liche Voraussetzungen, regionale Besonderhei-
ten, individuelle Vorstellungen der Eigentümer
oder vorhandene Zwänge bei der Bewirtschaf-
tung der Betriebe haben einen großen Einfluss
auf jede im Rahmen des Testbetriebsnetzes er-
mittelte Kennzahl. Dies erfordert Sachverstand
bei der Interpretation und Wertung.
Eine pauschale Übertragung der aus dem Test-
betriebsnetz gewonnenen Erkenntnisse ins-
besondere auf den Kleinprivatwald ist nicht
möglich, da die Daten von Betrieben über 200
Hektar forstlicher Betriebsfläche erhoben wur-
den. Dennoch – ob für direkte betriebswirt-
schaftliche Vergleiche im größeren Privatwald
oder einfach nur als Hintergrundinformation
für das Agieren im Kleinprivatwald – die Aus-
wertungen der Daten aus dem Testbetriebs-
netz stellen eine wertvolle Quelle dar, aus
der alle Waldbesitzer wichtige Informationen
schöpfen können.
Zum Schluss eine Bemerkung in eigener Sa-
che. Das Testbetriebsnetz lebt von der freiwilli-
gen Teilnahme privater und körperschaftlicher
Forstbetriebe. Jeder zusätzliche Testbetrieb
verbessert die Qualität der Gesamterhebung.
Haben Sie Fragen zum Testbetriebsnetz?
Könnten Sie sich die Mitarbeit als Testbetrieb vorstellen?
Hier können Sie Kontakt aufnehmen: Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
Ines Ulbricht, Tel.: 03 51 / 56 42 361, Ines.Ulbricht@smul.sachsen.de
Sind Sie interessiert an den Ergebnissen des Testbetriebsnetzes?
Kennzahlen zum Testbetriebsnetz Forstwirtschaft in Sachsen finden Sie unter
www.forsten.sachsen.de/wald/1743.htm
Informationen des Bundesministeriums erhalten Sie auf
www.bmelv-statistik.de

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20 |
Forstminister Frank Kupfer hat am 7. Novem-
ber 2011 im Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft in Dresden den Preis für
vorbildliche Waldbewirtschaftung in Sachsen
verliehen. Der Freistaat vergibt die Auszeich-
nung an private und körperschaftliche Wald-
besitzer, die ihren Wald vorbildlich im Sinne
der ökonomischen, ökologischen und sozialen
Nachhaltigkeit bewirtschaften. Gegenstand
des Waldpreises 2011 war die Berücksichti-
gung der Interessen der Bevölkerung bei der
Bewirtschaftung.
„Nur wenn der Wald kompetent bewirtschaf-
tet und gepflegt wird, kann er auch in Zukunft
seine wichtigen Aufgaben erfüllen, und Klima-
schützer, Rohstofflieferant, Arbeitgeber und
Erholungsort zugleich sein“, sagte Staatsmi-
nister Frank Kupfer in seiner Festrede.
Den 1. Preis erhielt die Forstverwaltung der
Evangelischen Brüderunität Herrnhut (Land-
kreis Görlitz) für die Verbesserung der Er-
holungsleistungen des eigenen 716 Hektar
großen Waldes sowie für zahlreiche Veran-
staltungsangebote. Der 2. Preis ging an Dr. Al-
fred Prinz von Schönburg-Hartenstein (Land-
kreis Zwickau) für sein Engagement in der
Waldpädagogik. Den 3. Preis sprach die Jury
der Stadt Zwickau zu. Stadtrat und Stadt-
verwaltung hatten hier ein Konzept für den
Stadtwald entwickelt, das vor allem die Be-
dürfnisse der städtischen Bevölkerung nach
Erholungsmöglichkeiten berücksichtigt und
Kurz notiert
Waldpreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung
Staatsminister Frank Kupfer mit den Preisträgern
zudem Waldkindergärten, waldpädagogische
Angebote und Ausbildungsmöglichkeiten für
junge Menschen vorsieht. Eine lobende Aner-
kennung erhielten zudem die Gemeinde Groß-
pösna (Landkreis Leipzig), Familie Modrak aus
Bad Lausick (Landkreis Leipzig) und die Forst-
betriebsgemeinschaft Pfaffroda w. V. (Erzge-
birgskreis).
Der nächste Waldpreis wird voraussichtlich
2013 ausgelobt.
Ausbildungsinitiative Forst e. V.
Gemeinsam haben verschiedene Akteure der
sächsischen Forstwirtschaft die „Ausbildungs-
initiative Forst e. V.“ ins Leben gerufen. Im
Rahmen der Initiative wollen die Umweltser-
vice GmbH Freiberg, der Sächsische Forstun-
ternehmerverband e. V. und der Sachsenforst
einen Ausbildungsverbund aufbauen, über
den eine verstärkte Ausbildung von Forstwir-
ten durch forstliche Unternehmer und nicht-
staatliche Waldbesitzer erreicht werden soll.
Ziel ist die Sicherung des langfristigen Bedarfs
an gut ausgebildeten Fachkräften.
Forstminister Frank Kupfer begrüßt den Start
der Ausbildungsinitiative und den geplanten
Ausbildungsverbund. „Gut ausgebildete Forst-
wirte sind eine wichtige Voraussetzung für
eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder,
für die Produktion des wertvollen Rohstoffes
Holz und zur Sicherung der Schutz- und Erho-
lungsfunktion des Waldes“, sagt der Minister.
„Der Start der Ausbildungsinitiative und der
geplante Ausbildungsverbund sind die richti-
gen Schritte, um den Bedarf an qualifiziertem
Waldarbeiternachwuchs langfristig zu sichern.“
Sächsische Forstunternehmer und nichtstaat-
liche Waldbesitzer, die junge Forstwirte be-
nötigen und sich an der Verbundausbildung
beteiligen möchten, können sich an die „Aus-
bildungsinitiative Forst e. V.“ wenden.
Kontakt:
„Ausbildungsinitiative Forst e. V.“
c/o Umweltservice GmbH
Am St. Niclas Schacht 13
09599 Freiberg
Tel.: 037 31 / 16 11 010, Frau Nitsche
Fax: 037 31 / 16 11 032
E-Mail: info@umweltservice-freiberg.de

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| 21
In diesem Jahr feierten zwei Forstbetriebsge-
meinschaften ihr 20-jähriges Gründungsju-
biläum, die damals wie heute anschauliche
Beispiele für den aktiven Zusammenschluss
von Eigentümern insbesondere kleiner Wald-
flächen einerseits und für ein reges Vereins-
leben andererseits sind. Beide Vereinigungen
sind zudem waldbaulich sehr aktiv.
20 Jahre FBG Pfaffroda w. V. und
FBG Waldbauverein Deutsch-Paulsdorf w. V.
Die Waldgemeinschaft Pfaffroda wurde 1992
als erste Forstbetriebsgemeinschaft in Sach-
sen nach der politischen Wende anerkannt.
Der Waldbauverein Deutsch-Paulsdorf w. V.
gründete sich etwas eher, die Anerkennung
erfolgte aber nach der FBG Pfaffroda.
Erstaufforstungsfläche der FBG Deutsch-Paulsdorf w. V.
Festveranstaltung zum 20-jährigen Gründungsjubiläum der FBG Pfaffroda w. V.
Bodenschutzkalkung
Auch 2012 wird wieder der Wald gekalkt –
insgesamt etwa 40.000 Tonnen Magnesium-
kalk aus Dolomitgestein für rund 10.000 Hek-
tar Wald, davon fast 2.000 ha im Privat- und
Körperschaftswald. Der Freistaat Sachsen in-
vestiert dabei 2,5 Millionen Euro in die Boden-
schutzkalkung um die Folgen jahrzehntelanger
Säureeinträge aus der Luft abzupuffern.
Die Bodenschutzkalkung verhindert eine wei-
tere Verschlechterung und ermöglicht die
langsame Regeneration der Waldböden.
Das Kompetenzzentrum für Wald und Forst-
wirtschaft des Sachsenforstes übernimmt zu-
sammen mit den örtlichen Forstbezirken die
Organisation der Maßnahmen.

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22 |
Frühlingsspaziergänge – die zehnte Auflage 2013
Im Mai 2013 locken die nunmehr zehn-
ten Frühlingsspaziergänge des Sächsischen
Staatsministeriums für Umwelt und Land-
wirtschaft möglichst wieder viele Teilnehmer
zu Wanderungen und Exkursionen in die säch-
sische Natur.
In diesem Jahr wurden rund 300 Wanderun-
gen angeboten, Sachenforst führte dabei 50
Veranstaltungen durch. Eröffnet wurden die
Frühlingsspaziergänge durch unseren Staats-
minister Frank Kupfer im Stadtwald Belgern.
Die Themen sind breit gefächert. Da gibt es
Moor- und Kräuterexkursionen genauso wie
Grenzstein- und Flusswanderungen.
Die Frühlingsspaziergänge leben ganz bewusst
von der Vielfalt der Veranstalter. So können
sich Vereine, Gruppen, Verbände oder auch
Einzelpersonen melden, die einen Spazier-
gang vorschlagen oder selbst führen wollen.
Eine gute Gelegenheit auch für Waldbesitzer,
ihren Wald und die Waldbewirtschaftung einer
breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.
Informationen gibt es beim Sächsischen
Staatministerium für Umwelt und Landwirt-
schaft, Öffentlichkeitsarbeit, Frau Obst,
Archivstraße 1, in 01097 Dresden (Telefon:
03 51 / 56 4-20 62) sowie natürlich im Inter-
net unter
www.smul.sachsen.de
Sachsenforst führte zusammen mit seinen
Partnern im April dieses Jahres die 4. Sächsi-
schen Waldwochen durch. Insgesamt wurden
fast 50 Veranstaltungen in ganz Sachsen orga-
nisiert, darunter vor allem Pflanz- und Wald-
säuberungsaktionen aber auch thematische
Waldführungen und Exkursionen.
Das Ziel der Sächsischen Waldwochen besteht
darin, gemeinsam mit den Aktionspartnern
öffentlichkeitswirksam auf die verschiedenen
Sächsische Waldwochen
Funktionen des Waldes hinzuweisen. Dadurch
soll auch auf die umfangreichen Leistungen
der sächsischen Waldbesitzer aufmerksam
gemacht werden. Schließlich werden durch
eine ordnungsgemäße Waldbewirtschaftung
die Waldfunktionen nachhaltig gesichert. Um
eine möglichst breite Flächenwirkung und so-
mit auch eine große Öffentlichkeitswirkung zu
erzielen, möchten wir eine Vielzahl von Part-
nern für die Sächsischen Waldwochen begeis-
Im Januar 2013 findet die nunmehr 14. Säge-
und Wertholzsubmission des Sachsenforstes
statt. Damit hat sich die Submission als eine
hervorragende Möglichkeit zur Vermarktung
wertvoller Stämme und Raritäten etabliert –
sowohl für den Landeswald als auch den Pri-
vat- und Körperschaftswald.
Die Vorbereitungen dazu beginnen bereits im
Spätsommer / Herbst mit der Identifizierung
vermarktungsfähiger Bäume. Auskünfte zu
den Qualitätsanforderungen und Vermark-
tungsmöglichkeiten der einzelnen Baumarten
sowie zum genauen Ablauf der Submission
geben die Forstbezirke des Sachsenforstes.
Unsere 1. Ausgabe der Waldpost 2011 enthält
übrigens einen umfangreichen Beitrag zu den
Anforderungen an die Wertholzstämme.
Bei der 13. Submission wurden 1.370 Fest-
meter Holz mit einem Durchschnittspreis
von 272 Euro je Festmeter Wertholz vermark-
tet. Dabei beteiligten sich über 100 private
14. Säge- und Wertholzsubmission
und körperschaftliche Waldbesitzer während
40 Unternehmen aus dem In- und Ausland als
Bieter auftraten. Unsere Erfahrungen zeigen:
Auch auf kleinen Waldflächen können Wert-
Auswertung der Ergebnisse der Säge- und Wertholzsubmission mit interessierten Waldbesitzern
holzbäume stehen. Waldbesitzer sollten ihren
Wald unter diesem Gesichtspunkt anschauen
– die Revierförster des Sachsenforstes bera-
ten dazu gern.
tern und gewinnen. Wir würden uns deshalb
freuen, wenn sich auch im nächsten Jahr pri-
vate und körperschaftliche Waldbesitzer an
den Waldwochen beteiligen würden.
Wenn Sie Ideen und Vorschläge haben, so mel-
den Sie sich beim Sachsenforst:
E-Mail: Klaus.Kuehling@smul.sachsen.de
oder Telefon: 035 01/ 542-268.

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| 23
300 Jahre
Nachhaltigkeit
Dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ quasi eine
sächsische Erfindung ist, hat sich mittlerwei-
le herumgesprochen. Im Jahr 1713 veröffent-
lichte der sächsische Oberberghauptmann
Hans Carl von Carlowitz den Begriff in seinem
Buch „Sylvicultura Oeconomica – Anweisung
zur wilden Baumzucht“. Wir haben also 2013
die Gelegenheit, das Jubiläum dieser dann 300
Jahre alten und doch so modernen Idee zu fei-
ern. Damit bietet sich ein hervorragender An-
knüpfungspunkt für die forstliche Öffentlich-
keitsarbeit.
Wir können selbstbewusst von uns behaup-
ten, dass unsere Branche seit Generationen
die Nachhaltigkeit lebt und zwar waldbesitz-
artenübergreifend.
Für die Außenwirkung und breite Wahrneh-
mung wird es entscheidend sein, dass alle
forstlichen Akteure diesen Anlass nutzen und
aktiv gestalten. Wir können somit eine Brücke
vom „Internationalen Jahr der Wälder“ 2011
zum „Jahr der Nachhaltigkeit“ 2013 schlagen.
Waldbesitzer haben im Freistaat Sachsen
letztmalig bis zum 31. Oktober 2012 Gele-
genheit, Fördermittel für forstliche Maßnah-
men gemäß Förderrichtlinie Wald und Forst-
wirtschaft (RL WuF/2007) zu beantragen. Die
Anträge können sich dabei auf Vorhaben be-
ziehen, die in den Jahren 2013 und 2014 aus-
geführt werden sollen.
Finanzielle Unterstützung bietet die RL
WuF/2007 unter anderem für Maßnahmen
zur Wiederaufforstung und zum Waldum-
bau mit standortgerechten Baumarten sowie
für investive Vorhaben zur Verbesserung der
strukturellen Vielfalt und des natürlichen Ar-
teninventars im Wald an. Insbesondere hierfür
stehen gegenwärtig bei attraktiven Förderbe-
dingungen mit Fördersätzen von bis zu 100 %
Fördermittel für Waldbesitzer:
Förderrichtlinie Wald und Forstwirtschaft –
letzter Antragsstichtag am 31. Oktober 2012
der förderfähigen Nettoinvestitionskosten
noch umfangreich Fördermittel bereit. Zudem
bestehen Fördermöglichkeiten für forstwirt-
schaftliche Zusammenschlüsse und den forst-
wirtschaftlichen Wege- und Brückenbau.
Die Waldbesitzer finden die Förderrichtlinie,
aktuelle Antragsunterlagen sowie ausführliche
Hinweise zur Antragstellung im Internet un-
ter
www.smul.sachsen.de/foerderung/357.htm
Kostenlose Beratungsangebote unterbreiten
die Mitarbeiter/innen des Sachsenforstes.
Adressen und Ansprechpartner für diese Bera-
tungsangebote sowie aktuelle Faltblätter zur
Förderung von Waldumbau, Wiederauffors-
tung und Walderschließung sind unter
www.sachsenforst.de
einseh- und abrufbar.
Infoportal
Über
www.sachsenforst.de
erreichen Sie den
Internetauftritt von Sachsenforst. Auf diesen
Seiten können Sie sich über den Sachsenforst,
seine Aufgaben, die Angebote und Leistungen
und vieles andere mehr informieren.
Über
www.sachsenforst.de/waldbesitzer
ge-
langen Sie direkt zu den für Sie als Waldbe-
sitzer interessanten Themen. Hier können Sie
Ihren zuständigen Revierförster suchen, sich
über fachliche Aus- und Fortbildungen und
über forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse
informieren.
4. Mitteldeutscher
Waldbesitzertag
Im Rahmen der Messe Jagd & Angeln in Leip-
zig findet auf dem agra-Messegelände am
13. Oktober 2012 der nunmehr 4. Mitteldeut-
sche Waldbesitzertag statt. Weitere Informa-
tionen folgen.

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Herausgeber:
Staatsbetrieb Sachsenforst
Verantwortlicher Redakteur:
Daniel Thomann
Redaktionskollegium:
Anke Findeisen, Forstbezirk Neustadt; Jörg Moggert, Forstbezirk Oberlausitz; Mathias Stahn, Forst-
bezirk Leipzig; Sven Martens, Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft; Bert Schmieder, Obere
Forst- und Jagdbehörde; Thomas Brezina, Sebastian Förster, Christiane Reinel, Anne Sense, Geschäfts-
leitung des Staatsbetriebes Sachsenforst
Autoren:
Anke Findeisen, Forstbezirk Neustadt; Jörg Moggert, Forstbezirk Oberlausitz; Mathias Stahn, Forst-
bezirk Leipzig; Michael Blaß, Bernd Flechsig, Thomas Brezina, Sebastian Förster, Geschäftsleitung;
Martin Baumann, Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft; Sebastian Krüger, Stephan Gutzer,
Bert Schmieder, Obere Forst- und Jagdbehörde des Staatsbetriebes Sachsenforst; Ines Ulbricht, Re-
ferat Wald und Forstwirtschaft, Forst- und Jagdbehörde des Sächsischen Staatsministeriums für
Umwelt und Landwirtschaft
Redaktionsanschrift:
Redaktion Waldpost
Staatsbetrieb Sachsenforst
Bonnewitzer Str. 34
01796 Pirna OT Graupa
Tel. 03501 542-0
Fax 03501 542-213
E-Mail: presse.sbs@smul.sachsen.de
Internet:
www.sachsenforst.de
Gestaltung und Satz:
Initial Werbung und Verlag
Druck:
Druckfabrik Dresden GmbH
Papier:
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Redaktionsschluss:
Juni 2012
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