Sanierung kontaminierter Standorte – Schlüssel für ein effizientes
Flächenmanagement in der EU
am 10. November 2011
im Sachsen-Verbindungsbüro Brüssel
Nachbetrachtung
Dr. Michael Gruschwitz, Sachsen-Verbindungsbüro Brüssel
Grosses Interesse und starke Beachtung fand die Konferenz zur "Sanierung kontaminierter Standorte
- Schlüssel für ein effizientes Flächenmanagement in der EU" am 10. November 2011. Über 100 Teil-
nehmer fanden den Weg in die sächsische Landesvertretung, um dieser gemeinsam von der EU
Kommission, Generaldirektion Umwelt und dem sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Land-
wirtschaft organisierten Veranstaltung beizuwohnen. Entsprechend hochkarätig war die Liste der Red-
ner u.a. mit EU Umweltkommissar Janez Potočnik und Generaldirektor Karl Falkenberg auf Seiten der
EU, mit Staatsminister Frank Kupfer und Abteilungsleiter Ulrich Kraus auf sächsischer Seite oder mit
Prof. Harald Burmeier als international anerkanntem Experten für Altlastensanierung und Flächenre-
cycling. Die am weitesten angereisten Teilnehmer kamen aus Irland, Dänemark und der Schweiz.
Hintergrund der Veranstaltung ist der dramatische Flächenverbrauch in der EU, wodurch die Verfüg-
barkeit von fruchtbaren Böden und von Grundwasser für künftige Generationen gefährdet wird. In dem
kürzlich verabschiedeten "Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa" strebt die EU daher eine
Netto-Null im Flächenverbrauch bis 2050 an.
Unter der ausgezeichneten Moderation von Dr. Grant Lawrence wurden im vormittäglichen Konfe-
renzblock Grundsatz- und Übersichtsreferate zu verschiedenen Aspekten des Flächenmanagements,
der Standortsanierung und Altlastenbeseitigung gehalten.
Kommissar Potočnik ging auf die europäische Dimension des Bodenverlustes ein. Er stellte die Vorrei-
terrolle Deutschlands in der Standort- und Bodensanierung heraus und betonte die Chancen und
Möglichkeiten für Technologietransfer, Innovation und wirtschaftliche Expansion. Staatsminister Kup-
fer ging auf die Strategien und Programme des Freistaates Sachsen in der Beseitigung und Sanierung
von Altlasten und Deponien sowie auf deren erfolgreiche Umsetzung ab dem Jahr 1991 ein. Er dankte
dabei der EU Kommission für die konsequente finanzielle Unterstützung bei Maßnahmen und Projek-
ten zur Bodensanierung. Auf den beiderseitigen Nutzen zwischen Bodensanierung und einem daraus
entstehenden erfolgreichen Boden- und Standortmanagement ging Prof. Burmeier in seinen Ausfüh-
ren ein und stellte dies an Beispielen verschiedener europäischer Entwicklungsprogramme dar.
Flächenrecycling und Flächenrevitalisierung an Beispielen aus Sachsen standen im Mittelpunkt des
Vortrages von Herrn Kraus, der insbesondere das Ziel einer Reduzierung des Flächenverbrauchs als
Generationenaufgabe betonte. Herr Michael Illing, Geschäftsführer der LMBV International, stellte die
Sanierung von Altlasten im Bergbau in den Mittelpunkt seines Referates.
Frau Merja Haapakka erläuterte die Bedeutung und Förderung der Brachflächennutzung bei der Sied-
lungsentwicklung im Rahmen der EU Kohäsionspolitik. Herr Tom Heron, Geschäftsführer einer däni-
schen Beraterfirma, gab einen Überblick zur Beseitigung von Altlasten in Dänemark, wobei er neben
den ökologischen auch die ökonomischen Aspekte herausstellte.
In einem anschließenden "kommunalen Schwerpunktblock" referierte Frau Christine Lafeuille über das
industrielle Erbe und die Bodensanierung in der nordfranzösischen Großstadt Lille. Frau Angela
Zábojnik und Herr Wolfgang Socher stellten am Beispiel der Städte Leipzig und Dresden verschiede
Ausgleichsmaßnahmen zugunsten den Bodenschutzes im städtischen Flächenmanagement vor, de-
ren Verknüpfung mit der Ökokonto-Regelung des Freistaates Sachsen großes Interesse im Sinne
eines europäischen Modells gefunden hatte.
Abgerundet wurde die Konferenz durch eine Podiumsdiskussion am Nachmittag. Daran nahmen ne-
ben Staatsminister Kupfer und Prof. Burmeier auch Herr Karl Falkenberg, Generaldirektor der EU
Kommission - Generaldirektion Umwelt, Herr Hermann Winkler - Mitglied des Europäischen Parla-
ments (EVP) sowie Vertreter Sachsens im Regionalausschuss des EU-Parlaments und Herr Pieter de
Pous vom Europäischen Umweltbüro teil. Alle Diskussionsbeiträge betonten die Unvermehrbarkeit

und Bedeutung des Schutzgutes Boden für die Zukunft Europas. Dabei wurde auch die weitere Ent-
wicklung der EU - Bodenrahmenrichtlinie hinterfragt.