Das Birkhuhn im Erzgebirge – Monitoring und Maßnahmen
Dr. M. Homann
1
, H. Blischke²
1
Staatsbetrieb Sachsenforst (SBS), Bonnewitzer Straße 34, 01796 Pirna, michael.homann@smul.sachsen.de
²Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Halsbrücker Straße 31a, 09599 Freiberg, hei-
ner.blischke@smul.sachsen.de
1
Die Entwicklung der Birkhuhn-
bestände im Erzgebirge seit 1980
1.1 Bestandesentwicklung auf deutscher Seite seit
1980
Anfang der achtziger Jahre gab es nur noch einen sehr
kleinen Restbestand von Birkhühnern im deutschen Teil
des Erzgebirges. Im Osterzgebirge (Fürstenau, Kahleberg)
erloschen die Vorkommen auf deutscher Seite bis auf we-
nige Einzelbeobachtungen zwischen 1965 und 1980. Im
Mittleren Erzgebirge bei Deutscheinsiedel wurden letzt-
malig 1980 drei balzende Hähne beobachtet; lediglich im
noch etwas westlicher gelegenen Bereich um Satzung lie-
ßen sich bis 1987 kontinuierlich zwei bis vier balzende
Birkhähne auf deutscher Seite nachweisen (KRÜGER
2004). Für den Bereich um Johanngeorgenstadt und
Carlsfeld im Westerzgebirge liegen für diesen Zeitraum
keine gesicherten Daten vor, gelegentliche Beobachtun-
gen von Birkhühnern werden mit den zahlenstärkeren
Vorkommen auf tschechischer Seite in Verbindung ge-
bracht (BROZIO et al. 2007).
Ab 1987 nahmen die Birkhuhnbestände im Ost- und Mitt-
leren Erzgebirge im Gefolge der katastrophalen immissi-
onsbedingten Waldschäden rasant zu. Auf dem Höhe-
punkt dieser Entwicklung im Jahr 1993 konnten auf säch-
sischer Seite mit 57 balzenden Birkhähnen mehr als
zehnmal so viel Individuen beobachtet werden als sieben
Jahre zuvor. Bereits 1995 war der Bestand jedoch wieder
rückläufig, im Jahr 2000 wurden laut KRÜGER nur noch
dreizehn Birkhähne gezählt. KRÜGER äußert in seiner in
dieser Zeit entstandenen Studie demzufolge auch die Be-
fürchtung eines erneuten Erlöschens der Birkhuhnvor-
kommen im sächsischen Teil des Erzgebirges.
Diese Befürchtung hat sich zumindest bis jetzt nicht be-
stätigt, die Bestände scheinen in den letzten fünfzehn Jah-
ren auf sehr niedrigem Niveau zu stagnieren. Abbildung 1
(folgende Seite) stellt die für die Jahre 1980 bis 2006 ver-
fügbaren Zahlen zusammen. Ergänzt wurden zudem die
Ergebnisse des Birkhuhnmonitorings aus den Jahren 2013
bis 2015, welche aufgrund der geänderten Erfassungsme-
thodik mit Vorsicht mit den bisherigen Ergebnissen ver-
glichen werden sollten.
Die wenigen Beobachtungen verteilen sich derzeit auf
vier verschiedene Vogelschutzgebiete, die östlichsten und
westlichsten Vorkommen sind rund 85 Kilometern von-
einander entfernt. Zudem liegen alle Beobachtungspunkte
in unmittelbarer Nähe der auf dem Erzgebirgskamm
veraulenden Grenze zu Tschechien. Die meisten der auf
sächsischer Seite beobachteten Birkhühner nutzen ver-
mutlich auch Habitate auf tschechischer Seite. Insgesamt
ist anzunehmen, dass es eine zusammenhängende, sich
selbst tragende Birkhuhnpopulation auf sächsischer Seite
nicht gibt.
Bei in etwa gleichbleibenden Summen gezählter Hähne
hat sich deren räumliche Verteilung in den letzten Jahren
verändert. Im östlichsten Vogelschutzgebiet "Fürstenau",
das als einziges außerhalb des Staatswaldes liegt und gro-
ße Grünlandanteile umfasst, waren trotz zahlreicher habi-
tatverbessernder Maßnahmen (RENTSCH 2007) in den
letzten beiden Jahren gar keine balzenden Hähne mehr zu
beobachten, im mittelerzgebirgischen SPA "Deutschein-
siedel" gingen die Zählergebnisse von vier (2013) auf nur
noch einen Hahn (2015) zurück. Relativ stabil waren da-
gegen die Zählergebnisse der letzten drei Jahre im SPA
"Kahleberg und Lugstein"/Osterzgebirge (sechs bis sieben
Hähne) und im SPA "Satzung"/Mittleres Erzgebirge (acht
bis zehn Hähne). Im von Immissionen weniger beeinfluss-
ten SPA Westerzgebirge entstanden große Freiflächen im
Bereich der Staatsgrenze erst durch den Orkan Kyrill im
Jahr 2007. Ab 2010 wurden hier balzende Birkhähne beo-
bachtet, in den letzten drei Jahren regelmäßig drei bis vier
Exemplare.
1.2 Grenzübergreifende Betrachtung der Gesamtpo-
pulation
Seit 2013 werden die beiderseitigen Ergebnisse der jährli-
chen Frühjahrszählungen zwischen Tschechien und Sach-
sen ausgetauscht (vgl. Kap. 2.3.2). Verantwortlich für die
tschechischen Daten ist die Agentur für Natur- und Land-
schaftsschutz der Tschechischen Republik (AOPK). Ab-
bildung 2 (folgende Seite) zeigt die beiderseitigen Be-
obachtungen aus 2014 in einer gemeinsamen Darstel-
lung
1
.
Die Karte veranschaulicht, dass der weitaus größere Teil
der Birkhühner im Erzgebirge auf tschechischer Seite lebt
und dass von einer zusammenhängenden Gesamtpopula-
tion in diesem Naturraum auszugehen ist. Die Birkhühner
auf sächsischer Seite sind Teil dieser Gesamtpopulation.
Die tschechischen Zählergebnisse der letzten Jahre deuten
auf momentan stabile Bestände hin (Tabelle 1), obgleich
sich immer wieder räumliche Verschiebungen innerhalb
des Gesamtvorkommens feststellen lassen.
Tab. 1: Ergebnisse der Zählungen balzender Hähne im tschechi-
schen Erzgebirge, Quelle: AOPK 2015 (Ergebnisse für
Sachsen zum Vergleich, Quelle: LfULG 2015)
Jahr
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
[N] CZ
167
188
206
173
217
220
209
[N] D
25
24
18
1
Der AOPK wird für die Erlaubnis, Ergebnisse des tschechi-
schen Birkhuhnmonitorings im Rahmen dieses Symposiums
präsentieren zu dürfen, ausdrücklich gedankt.

image
Auch in Tschechien nehmen derzeit die Bestände im
westlichen Teil des Erzgebirges zu, in den östlichsten Be-
reichen dagegen ab (VOLF 2016).
Abb. 1: Zusammenstellung verfügbarer Zahlen zur Anzahl balzender Hähne auf deutscher Seite des Erzgebirgs-
kamms von 1980 bis 2015. Graue Säulen: Erfassungsergebnisse ehrenamtlicher Ornithologen und Er-
hebungen aus der Dissertation von Krüger (KRÜGER 2004, LfUG 2007), grüne Säulen: Ergebnisse des
Birkhuhnmonitorings in Form von gemeinsamen Ansitzzählungen von SBS, Naturschutzbehörden und
ehrenamtlichen Ornithologen (LfULG 2015)
Abb. 2: Karte der 2014 beobachteten Hähne während der Frühjahrsbalz; hellblau: Grenzen der deutschen Vo-
gelschutzgebiete mit Birkhuhnvorkommen, dunkelblau: Grenzen der tschechischen Vogelschutzgebiete,
Darstellung der Beobachtungspunkte aus Artenschutzgründen vergröbert (AOPK 2015, LfULG 2015,
Kartengrundlage: ÜK200, © Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen 2016),
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
1980
1981
1982
1983
1984
1985
1986
1987
1988
1989
1990
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2013
2014
2015

2.
Maßnahmen und Monitoring
2.1 Maßnahmen zum Habitaterhalt
2.1.1 Immissionsschäden und forstliche Maßnahmen
als prägende Faktoren
Die oben geschilderte Bestandesentwicklung der Birk-
hühner im sächsischen Teil des Erzgebirges hängt eng mit
den damaligen Immissionsschäden und den Maßnahmen
zur Bewältigung dieser Schäden zusammen. Die meisten
der insgesamt rund 10.000 Hektar Immissionsschadflä-
chen wurden Anfang der achtziger Jahre kahlgeschlagen
und anschließend mit rauchharten "Ersatzbaumarten"
(Murraykiefer, Stechfichte, Omorikafichte, Hybridlär-
chen) aufgeforstet. Die anfänglich offenen und halboffe-
nen Wiederaufforstungsflächen entwickelten sich inner-
halb weniger Jahre zu geschlossenen Jungbeständen.
Der fortschreitende Verlust zwischenzeitlich entstandener
Habitatflächen war somit absehbar und wurde zum Bei-
spiel von SAEMANN und HEINRICH bereits 1996 themati-
siert
2
.
Trotz des primären forstlichen Ziels der Wiederbewal-
dung gab es in dieser Zeit auch von forstlicher Seite erste
Reaktionen auf das Problem des Verlustes von Habitatflä-
chen für Arten des Offenlandes. So wurde im Rahmen der
Forsteinrichtung für das Revier Deutscheinsiedel (Stich-
tag 01.01.2000) ein sogenanntes Blößenkonzept erarbei-
tet, dem zufolge rund zwanzig Hektar ursprünglich be-
waldete Blößen dauerhaft unaufgeforstet bleiben.
Seit rund fünfzehn Jahren werden die naturfernen Jungbe-
stände aus Ersatzbaumarten wiederum stark aufgelichtet,
um sie mit standortsheimischen Fichten zu unterpflanzen.
Dieser Prozess wird je nach Gebiet noch einige Jahre bis
Jahrzehnte in Anspruch nehmen und kann vorübergehend
neue Habitatflächen schaffen. Allerdings schließen sich
auch diese Waldumbauflächen nach etwa zehn Jahren
wieder.
2.1.2 Realisierung von "Sofortmaßnahmen" seit 2008
Das Sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie
(LfUG) erarbeitete 2008 einen Sofortmaßnahmenkatalog
für die vier Vogelschutzgebiete mit Birkhuhnvorkommen
(damals noch ohne Westerzgebirge). Der Katalog umfass-
te auf Flächen von insgesamt etwa 70 Hektar starke Auf-
lichtungen in Jungbeständen der oben genannten Ersatz-
baumarten sowie die Anlage zusätzlicher Blößen. Die
Maßnahmen wurden bis 2010 in gebietsbezogenen Ar-
beitsgruppen abgestimmt, teilweise auch abgeändert und
zumindest im Landeswald bis 2011 umgesetzt.
2.1.3 Umsetzung Ministerialerlass von 2012
Im März 2012 hat das Sächsische Ministerium für Um-
welt und Landwirtschaft (SMUL) einen grundsätzlichen
Erlass zum Birkhuhnschutz im Landeswald herausgege-
ben. Kernaussagen dieses Erlasses sind:
2
Allerdings nennen diese Autoren auch eine zunehmende Ver-
grasung und die Mehrung von Störungen als weitere wesentliche
Gründe für die Verschlechterung der Birkhuhnhabitate.
- Mit den Naturschutzbehörden abgestimmte Maßnahmen
zugunsten der Birkhühner sind in die Forsteinrichtung
zu integrieren. Deren Umsetzung ist so zu staffeln, dass
innerhalb des zehnjährigen Planungszeitraums immer
ausreichend Habitatflächen zur Verfügung stehen.
- SBS organisiert in Zusammenarbeit mit LfULG und ört-
lichen Ornithologen ein flankierendes Erfolgsmonito-
ring (vgl. Kapitel 2.3).
- Zufällig entstehende Freiflächen im Umfeld von Birk-
huhnvorkommen sollen gestaffelt aufgeforstet werden,
um ein Schließen der Bestände zu verzögern.
Habitatflächen müssen demzufolge nicht in jedem Fall
dauerhaft an ein und derselben Stelle erhalten werden,
sondern können im Zusammenhang mit dem laufenden
Waldumbau und den damit verbundenen Auflichtungen
sowie infolge zufälliger Schadereignisse „wandern“ (dy-
namischer Ansatz). Auf diese Weise wird versucht, zu-
mindest für einen längeren Übergangszeitraum einen
Kompromiss zwischen den Belangen des Birkhuhnschut-
zes und den sonstigen Waldfunktionen zu finden.
In Summe sehen die aktuellen Forsteinrichtungen in den
SPA bis 2020 bzw. bis 2022 starke, temporäre Bestandes-
auflichtungen auf einer Fläche von rund 140 Hektar vor,
den Erhalt dauerhafter Blößen auf rund 65 Hektar.
2.1.4 Wiedervernässung der Moore
Ein wichtiger Baustein zur Schaffung
dauerhafter
Habi-
tatflächen ist die Wiedervernässung entwässerter Moore,
die es in jedem SPA mit Birkhuhnvorkommen gibt. Durch
die Eingriffe beim Grabenverbau und den anschließenden
Grundwasseranstieg bilden sich in der Regel nach und
nach unterschiedlich lichte, von offenen Flächen durch-
zogene Moorwälder, die – im Gegensatz zu den Immissi-
onsflächen – den primären Lebensräumen der Birkhühner
zuzurechnen sind.
In den letzten Jahren wurden im sächsischen Teil des
Erzgebirges erhebliche Anstrengungen unternommen,
entwässerte Moore wieder zu revitalisieren. Der Schwer-
punkt dieser Maßnahmen liegt aufgrund der naturräumli-
chen Gegebenheiten im Forstbezirk Marienberg (Mittleres
Erzgebirge). Seit 2010 wurden allein hier rund 350 Hektar
Moore, überwiegend im Landeswald und in maschineller
Bauweise, wiedervernässt und dabei rund 220 Hektar
Wald dauerhaft aufgelichtet; außerdem liegen in diesen
wiedervernässten Bereichen rund 50 Hektar bereits vorher
vorhandene Blößen. Maßnahmen zur Revitalisierung wei-
terer Moore sind geplant.
2.2 Grenzübergreifende Zusammenarbeit
Aufgrund der ungleichen räumlichen Verteilung der Birk-
hühner im Erzgebirge hängt der Erfolg von Schutzmaß-
nahmen auf deutscher Seite von den Entwicklungen in
Tschechien und einer zielgerichteten Zusammenarbeit mit
den tschechischen Partnern ab.
Seit 2010 finden deshalb sowohl auf ministerieller als
auch regionaler Ebene in unregelmäßigen Abständen
grenzübergreifende Arbeitsberatungen statt. Die Organi-
sation auf regionaler Ebene obliegt dabei den Forstbezir-
ken. Eines der Ergebnisse dieser Treffen sind erste Ent-

image
würfe grenzübergreifender Karten, aus denen die beider-
seitigen Maßnahmen zum Erhalt der Birkhuhnvorkom-
men in Form grober Maßnahmenkategorien (Auflichtung
dauerhaft/temporär,
Moorrenaturierung,
Verbesserung
Nahrungsangebot) ersichtlich werden.
Im Raum Satzung / Hora Svatého Šebestiána (Mittleres
Erzgebirge) wurden zwischen 2010 und 2014 auf rund
210 Hektar grenzübergreifende Moorrenaturierungen ge-
plant und realisiert. In der Realisierungsphase lag die
Lead-Partnerschaft dieses von der EU geförderten Ziel3-
Projektes beim Staatsbetrieb Sachsenforst, die Projekter-
gebnisse sind veröffentlicht (SACHSENFORST 2014).
2.3 Birkhuhnmonitoring im Erzgebirge
Die Erfassung des Birkhuhns im Erzgebirge hat eine jahr-
zehntelange Tradition. Örtliche Ornithologen (z. T. auch
vom LfULG beauftragt) und Fachgruppen sowie Mitar-
beiter der Naturschutzverwaltung und der Forstbezirke
haben dafür gesorgt, dass man über die Dimensionen der
Birkhuhnbestände seit den 1980er Jahren gut im Bilde ist.
Allerdings wurde in der Vergangenheit mit unterschiedli-
chen Methoden erfasst, von einzelnen Begehungen zur
Balzzeit bis hin zu gemeinschaftlichen Ansitzerfassungen.
Daher lassen sich die Ergebnisse der Birkhuhnerfassun-
gen mit den Ergebnissen des aktuell laufenden Birk-
huhnmonitorings nur bedingt vergleichen. In den Gebie-
ten, in denen vor dem gemeinschaftlichen Birkhuhnmoni-
toring mit unterschiedlichen Methoden die Birkhühner
erfasst wurden, ergaben sich auch stets deutliche Unter-
schiede bei den ermittelten Zahlen. Einheitliche, verlässli-
che, möglichst objektive und allseits akzeptierte Zahlen
sind jedoch wichtig, um die Bestandssituation bewerten
zu können. Herrscht bereits bei den Bestandszahlen Dis-
sens, so gehen zwangsläufig auch die Meinungen über
notwendige Maßnahmen qualitativ (Maßnahmen über-
haupt notwendig?) und quantitativ (welchen Umfang sol-
len die Maßnahmen haben?) auseinander.
Das im Folgenden beschriebene mit allen Akteuren ge-
meinsam betriebene Birkhuhnmonitoring hatte daher auch
das Ziel, die Birkhuhnbestände mit einer einheitlichen
und reproduzierbaren Methode zu ermitteln und in der
Folge zu vergleichbaren und allseits akzeptierten Zahlen
zu kommen. Das Birkhuhnmonitoring ist dabei nicht
Selbstzweck oder nur ein Messinstrument für die Be-
standsentwicklung, sondern auch ein Messinstrument für
den Erfolg (oder Misserfolg) der Schutzbemühungen.
2.3.1 Organisation und Ablauf des Birkhuhnmonito-
rings auf deutscher Seite
Mit der Organisation des Birkhuhnmonitorings sind die
Forstbezirke sowie das Naturschutzreferat in der Ge-
schäftsleitung des SBS in Zusammenarbeit mit dem
LfULG beauftragt.
An jährlich zwei Besprechungsterminen treffen sich alle
Akteure des Birkhuhnmonitorings beim LfULG in Frei-
berg im Erzgebirge an zentral gelegener Stelle, um die
Ansitzkartierungen vorzubereiten (Vorbereitungstermin
im Spätwinter) und die Ergebnisse der Ansitzkartierungen
auszuwerten (Nachbereitungs- und Auswertungstermin im
Abb. 3: Birkhuhnmonitoring als Instrument zur Ermitt-
lung der Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen
und des Erfolgs von Schutzmaßnahmen
Juni/Juli). Auf dem Vorbereitungstermin werden die be-
reits auf Forstbezirksebene vorabgestimmten Zähltermine
endabgestimmt. Für jedes Vorkommensgebiet wird ein
Zähltermin und ein Ersatztermin festgelegt. Letzterer wird
dann wahrgenommen, wenn am ersten Zähltermin die
Zählbedingungen (starker Wind, Nebel, Störungen etc.)
ungünstig sind. Anregungen zur Schaffung und Besetzung
neuer Ansitze werden auf dem Vorbereitungstermin auf-
genommen, diskutiert und dann ggf. zu den Zählterminen
realisiert. Insbesondere größere Maßnahmenflächen (Auf-
lichtungen, wiedervernässte Moore) werden in das Birk-
huhnmonitoring einbezogen.
Um zu allseits akzeptierten Zahlen zu kommen, werden
die Ansitze in einem Vorkommensgebiet möglichst mit
Vertretern der örtlichen Ornithologen, der Naturschutzbe-
hörden sowie des SBS gemischt besetzt.
Die Ansitztermine lagen in den ersten drei Jahren des
Birkhuhnmonitorings im Zeitraum vom 11. April bis zum
3. Mai, mit Schwerpunkt in der zweiten Aprilhälfte. Je
nach Gebiet werden fünf bis zwanzig Sitze pro Zählung
besetzt.
Die Ansitze dauern von vier Uhr bis neun Uhr. Um Stö-
rungen zur Ansitzzeit zu vermeiden, werden die Teilneh-
mer über Parkmöglichkeiten informiert und vorher in die
Ansitze eingewiesen, so dass die Ansitze auch im Dun-
keln möglichst ohne Zeitverzug und direkt gefunden und
besetzt werden können. Die Beobachtungen werden auf
einem eigens entwickelten Zählbogen festgehalten. Der
Zählbogen wird für jeden Ansitz mit einer genauen Karte
oder Luftbild des Umfeldes des Ansitzes ausgegeben. Ne-
ben der Anzahl der Männchen und Weibchen, werden
auch das Verhalten, der Nachweistyp (gesehen oder ge-
hört) sowie die Uhrzeiten der Beobachtungen sowie die
Richtung zu- oder abfliegender Tiere dokumentiert. Ins-
besondere durch die minutengenaue Dokumentation der
Beobachtungen und der An- und Abflugrichtungen kön-
nen Doppelzählungen weitgehend ausgeschlossen wer-
den. Die Ergebnisse werden bereits im Gelände unmittel-
bar nach dem Zähltermin an einem vereinbarten Treff-

punkt ausgetauscht und diskutiert, die vor Ort ausgefüll-
ten Zählbögen eingesammelt.
Auf dem Nachbereitungs- und Auswertungstermin wer-
den die im Naturschutzreferat des SBS ausgewerteten und
kartografisch aufbereitet Zählbögen und ein erster Ent-
wurf der ermittelten Birkhuhnzahlen präsentiert. Die Er-
gebnisse werden diskutiert und ggf. korrigiert und im
Nachgang in einem abgestimmten Protokoll festgehalten.
2.3.2 Abstimmungen und Datenaustausch mit tsche-
chischen Ornithologen und Behörden
Aufgrund des engen Zusammenhangs der sächsischen
Birkhuhnbestände mit den Vorkommen auf der tschechi-
schen Seite des Erzgebirges werden sowohl zum Vorbe-
reitungstermin als auch zum Nachbereitungs- und Aus-
wertungstermin Vertreter aus Tschechien (Fachbehörde,
Naturschutzbehörden, Forst, Naturschutzverband) einge-
laden. Die tschechischen Kollegen nehmen die Einladun-
gen zu den Vorbereitungsterminen regelmäßig wahr und
berichten ihrerseits über die Ergebnisse der Birkhuhner-
fassungen auf tschechischer Seite. Trotz sprachlicher Bar-
rieren, die mit Dolmetschern oder Englisch überwunden
werden, hat sich in den letzten 3 Jahren ein reger Erfah-
rungsaustausch entwickelt. Sächsische Ornithologen ha-
ben 2015 im wichtigsten Vorkommensgebiet im mittleren
Erzgebirge eine gemeinsame und grenzübergreifende
Zählung mit den tschechischen Ornithologen durchge-
führt.
2.3.3 Dokumentation der Birkhuhnbeobachtungen
Sowohl die Birkhuhnbeobachtungen im Rahmen der An-
sitzkartierungen als auch sonstige Birkhuhnbeobachtun-
gen werden in der Zentralen Artdatenbank des LfULG
(
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/8048.htm)
punktgenau dokumentiert. Dadurch stehen die Daten im
Originalformat MultiBaseCS allen angeschlossenen Na-
turschutzbehörden und dem SBS zur Verfügung. Alle be-
hördlichen Beteiligten des Birkhuhnmonitorings greifen
damit auf ein und denselben Datenbestand zurück. Über
ein Ende 2015 beim LfULG entwickeltes Auskunftssys-
tem
namens
Artdaten-Online
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/ida
können die Birkhuhnvorkommensdaten auch im Internet
auf Basis von Messtischblatt-Quadranten von Jedermann
abgefragt werden. Darüber hinaus lassen sich gezielt die
Daten aus dem Birkhuhnmonitoring abfragen.
Auf einer gemeinsam vom Sächsischen Umweltministeri-
um für Umwelt und Landwirtschaft, SBS sowie LfULG
gepflegten Internetseite werden die sonstigen Informatio-
nen sowie die ermittelten Bestandszahlen zugänglich ge-
macht:
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/35823.htm
.
Karten und punktgenaue Daten stehen für die Projektbe-
teiligten in einem passwortgeschützten Bereich zur Ver-
fügung.
3. Ausblick:
Nachdem ein systematisches und methodisch einheitli-
ches Birkhuhnmonitoring erfolgreich etabliert ist, soll ein
nächster Schwerpunkt der Arbeiten eine einheitliche und
möglichst grenzüberschreitende Bewertung der Birkhuhn-
lebensräume in den Vorkommensgebieten und eine eben-
falls grenzüberschreitende Dokumentation von Schutz-
maßnahmen für das Birkhuhn sein. Kriterien für die Beur-
teilung der Birkhuhnlebensräume sollen gemeinsam mit
den tschechischen Kollegen entwickelt werden.
Literatur
[1] AGENTURA OCHRANY PŘÍRODY A KRAJINY ČESKE
REPUBLIKY – AOPK (2015): Ergebnisse Birkhuhn-
monitoring im tschechischen Erzgebirge (Shape-
Dateien)
[2] BROZIO, F.; GILLER, R.; LINDNER, E.; MEISTER, K.;
SCHREITER, B.; SCHRÖDER, U. und TENNE, S.
(2007): Grundlagen für den landesweiten Schutz des
Birkhuhns (
Tetrao tetrix
) im Freistaat Sachsen.
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie,
240 Seiten, unveröffentlicht.
[3] KRÜGER, T. (2004): Die Auswirkungen des Wald-
sterbens und der Einfluß weiterer Faktoren auf die
Populationsschwankungen des Birkhuhns (
Tetrao
tetrix
L.) im sächsischen Erzgebirge auf Grundlage
einer Luftbildanalyse. Dissertation TU Dresden, 235
Seiten
[4] RENTSCH, M. (2007): Sachstand und Perspektiven
des Schutzes des Birkhuhns
Tetrao tetrix
in Sachsen.
Actitis 42, S. 39-57
[5] SACHSENFORST (2014): Abschlussbroschüre Revita-
lisierung der Moore zwischen H. Sv. Šebestiána und
Satzung – Umsetzungsphase. 88 Seiten,
www.moorevital.sachsen.de/
[6] SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEO-
LOGIE – LfUG (2007): Kurzfassung zum Bericht
Grundlagen für den landesweiten Schutz des Birk-
huhns (
Tetrao tetrix
) im Freistaat Sachsen. 11 Seiten,
unveröffentlicht
[7] SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT, LAND-
WIRTSCHAFT UND GEOLOGIE – LfULG (2015): Da-
tenauszug aus der Zentralen Artdatenbank Multibase
CS
[8] SAEMANN, D. und HEINRICH, U. (1996): Problem des
Birkhuhnschutzes im Erzgebirge. NNA-Berichte
1/1996, S. 24-27
[9] VOLF, O. (2016): Ergebnisse Birkhuhnzählung 2015
im tschechischen Erzgebirge, mündliche Mitteilung
07. März 2016