Kulturland Sachsen
Wegweiser für die Kulturentwicklung in Sachsen

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KULTURKOMPASS
Wegweiser für die Kulturentwicklung in Sachsen
Freistaat Sachsen
Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

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KULTURKOMPASS
Wegweiser für die Kulturentwicklung in Sachsen
vom 06. August 2009
Inhaltsverzeichnis:
I.
Vorbemerkungen …………………………………………………………
.………..
5
II.
Thesen zur Kulturpolitik …………………………………………………
.………
… 7
III.
Sachsen als Kulturstaat ……………………………………
…... ……………
… … 11
IV.
Die Kulturlandschaft Sachsen: Bestandsaufnahme und Vision … ………
.…... 16
V.
Schwerpunkte mittelfristiger Kulturpolitik für den Freistaat Sachsen ……..
.… 40
VI.
Ausblick … …………………………………………………………………
.……….
47
VII.
Anmerkungen… … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … .… … … … … 48

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I. Vorbemerkungen
Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) legt mit dem
KULTURKOMPASS Leitlinien für die Kulturentwicklung im Freistaat Sachsen vor.
Das Ministerium folgt damit den Handlungsempfehlungen aus dem Schlussbericht
der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“, in
den einzelnen Bundesländern kulturpolitische Leitlinien für die Zukunft der kulturellen
Entwicklung des Landes zu erarbeiten.
Kultur ist immer in Entwicklung begriffen und alles andere als statisch. Der Staat hat
die Aufgabe, durch die Herstellung angemessener Rahmenbedingungen – den freien
Diskurs und finanzielle Mittel – eine Permanenz der kulturellen Entwicklung zu er-
möglichen und das Kulturleben im Lande zu befördern. Dieses wird nicht von staatli-
cher Stelle konzipiert und anschließend dekretiert. Der Kulturkompass kann aus die-
sem Grunde nur als ein offenes Konzept einer Kulturarbeit für die Zukunft verstanden
werden, das im ständigen Dialog mit den für Kultur in Sachsen Verantwortlichen –
Kulturverbänden, dem Sächsischen Kultursenat und der Sächsischen Akademie der
Künste (SAK), Kulturpolitikerinnen und Kulturpolitikern und weiteren Vertretern von
Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden sowie dem Sächsischen Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst – den sich verändernden Bedingungen angepasst und
weiterentwickelt werden muss.
1
Er soll – im Sinne eines „work in progress“ – eine
demokratische Diskussionsplattform und zugleich Reflexionsraum über Kultur sein.
Der Freistaat sieht es als seine Aufgabe, Freiräume für die kulturelle Entwicklung in
Sachsen zu schaffen. Freilich sind kulturelle Leistungen bzw. die tradierte Substanz
nicht von ihrer landesspezifischen Bedeutung, überregionalen Ausstrahlung und kul-
turtouristischen Effekten zu trennen. Die Kulturlandschaft entfaltet Attraktivität für
Touristen von auswärts, für die Bürgerinnen und Bürger in Sachsen, aber auch für
Wirtschaftsansiedlungen. Sie erfüllt Aufgaben der Bildung und Identitätsstiftung.
In den ersten beiden Jahrzehnten nach der Neugründung des Freistaates Sachsen
und der Wiederherstellung der deutschen Einheit war Kulturpolitik auf die Erhaltung
des Kulturerbes und den Aufbau einer neuen kulturellen Infrastruktur ausgerichtet.
Nach der Aufbauphase sah sich der Freistaat in den vergangenen Jahren veranlasst,

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Bestandsaufnahmen zur Stabilisierung des Status Quo vorzunehmen, Stärken zu
stärken und Neues auf den Weg zu bringen. Stärker als bisher muss nun auf mittel-
fristige Planungen und Profilbildungen geachtet werden. Dabei haben sich die Rah-
menbedingungen in ganz Deutschland angesichts der weltweiten Finanzkrise weiter
verschlechtert. Das zieht für die Kulturpolitik besondere Herausforderungen nach
sich und macht eine grundsätzliche Befassung mit der öffentlichen Kulturfinanzierung
sowie der Bedeutung von Kultur und Kulturpolitik erforderlich.

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II. Thesen zur Kulturpolitik
1.
Kulturpolitik hat die Aufgabe, Orientierung und Perspektiven zu geben, ebenso
wie Rahmenbedingungen zu gestalten. Um diese Aufgabe zu erfüllen, bedarf es
eines kulturvollen, offenen Dialogs. Die
Entwicklung von Leitlinien zur Kultur-
entwicklung
für den Freistaat Sachsen wird als ein kommunikativer Prozess be-
griffen, der kulturpolitisch Verantwortliche der Staatsregierung, Kunst- und Kul-
turschaffende im Lande, Verantwortliche von Kulturinstitutionen des Freistaates
sowie die Nutzer bzw. Rezipienten von Kultur in einem breiten, auf Teilhabe ge-
richteten Diskurs miteinander in Beziehung setzt. Die fortzuentwickelnden Leitli-
nien – es handelt sich um Eckpunkte und grundsätzliche Ziele der Kulturpolitik –
werden künftig als Referenzquelle politischen und administrativen Handelns
sächsischer Kulturpolitik dienen.
2.
Kultur ist in Sachsen nach der Verfassung des Freistaates
Staatsziel
. Sie wird
als „harter“
Standortfaktor
begriffen und gilt als
Kernkompetenz
dieses Bun-
deslandes – auch im europäischen Kontext. Daraus leiten sich die gesetzlich
festgelegte
Pflichtaufgabe
sowie die Prüfung der
Kulturverträglichkeit
staatli-
cher Maßnahmen ab.
3.
Im Rahmen einer demokratisch verfassten Gesellschaft muss der Zugang zur
Kultur für alle
möglich sein. Dies bedeutet sowohl die mögliche Teilhabe aller
Menschen im Freistaat Sachsen an kulturellen Angeboten der verschiedenen
Kultursparten, als auch die angemessene Förderung der Breitenkultur im Ver-
hältnis zur so genannten Hochkultur der etablierten Museen, der Musik und der
darstellenden Kunst.
4.
Um Sachsen fortdauernd als Kulturland in einem ausgewogenen Verhältnis von
Stadt und Land in allen Landesteilen kulturspartenübergreifend zu entwickeln,
verfügt der Freistaat Sachsen mit dem im Jahr 2008 entfristeten
Sächsischen
Kulturraumgesetz
über ein langfristig angelegtes Instrumentarium solidarischer
Kulturfinanzierung, das den vielfältigen Kulturinstitutionen – sowohl etablierten
Einrichtungen als auch kleinen Initiativen – einerseits Planungssicherheit gibt, die
dezentralen Kulturräume in ihrer subsidiären Zuständigkeit aber zugleich dazu

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anhält, bestehende Strukturen fortwährend zu überprüfen und fortzuentwickeln.
Dazu gehört auch die finanzielle und inhaltliche Weiterentwicklung des Kultur-
raumgesetzes.
5.
Der Freistaat Sachsen gestaltet auch auf kulturpolitischem Gebiet den
demogra-
fischen Wandel
mit, indem die kulturelle Infrastruktur sich auf eine abnehmen-
de, alternde und möglicherweise durch Einwanderung diversifizierende Gesell-
schaft einstellt – im Sinne von Umbau statt Abbau. Kulturpolitik ist dabei zugleich
ein Mittel gegen die Abwanderung und Schrumpfung sowohl im ländlichen Raum
wie in den urbanen Zentren. Kultur begleitet die Erfahrung des demografischen
Wandels. Menschen aller Altersstufen bedürfen einer kulturellen Grundversor-
gung als alle Lebensphasen begleitendes Angebot – auch um den Zusammen-
halt der demokratischen Gesellschaft zu stärken. Kultur muss deshalb auch er-
reichbar und bezahlbar bleiben.
6. Kulturelle Bildung
ist integraler Bestandteil sowohl von Kultur als auch von Bil-
dung im Allgemeinen. In diesem Sinne ist sie eine Querschnittsaufgabe, die zu
den herausragenden Aufgaben einer nachhaltigen Kulturpolitik gehört. Kulturelle
Bildung bedarf besonderer Anstrengung und ist Teil des gesellschaftlichen Auf-
trags öffentlich finanzierter Kultureinrichtungen. Die Zusammenarbeit von Kinder-
tagesstätten, Schulen und Hochschulen mit Museen, Theatern, der freien Kunst-
szene und anderen Kultureinrichtungen muss gestärkt werden – auch für die kul-
turelle Erwachsenenbildung und den generationenübergreifenden Dialog.
7.
Das kulturelle Erbe und die
starken Traditionen
im Freistaat Sachsen haben für
die kulturelle Entwicklung des Landes eine beträchtliche Prägekraft. In der Mo-
derne haben sich immer wieder nachwachsende Generationen des Kunst- und
Kulturschaffens an ihnen produktiv gerieben. Kulturpolitik kann und will dieses
Spannungsverhältnis von Tradition und Kulturerbe einerseits sowie
Innovation
und Experiment
als „Erbe von Morgen“ andererseits nicht aufheben. Sie muss
vielmehr beides, d.h. den Wert an sich und sein Infragestellen – für alle Kultur-
sparten übergreifend – ermöglichen und in ein angemessenes Verhältnis zuei-
nander setzen.

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8.
In einer sich rasch wandelnden globalen Welt und im Zuge des europäischen Ei-
nigungsprozesses kommt der
Erinnerungskultur
ein zentraler kulturpolitischer
Stellenwert zu. Dies betrifft die Bereiche der Museen, Gedenkstätten und Archi-
ve, aber auch der Industriekultur, der Denkmalpflege und Archäologie. Sie erlan-
gen Bedeutung sowohl im Hinblick auf die Definition eigener kultureller Identität
sowie im Dialog mit anderen Kulturen in der europäischen Nachbarschaft wie in
der Ferne.
Eine Wertorientierung an Weltoffenheit und Toleranz ist eine der zentralen Leh-
ren der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Kulturpolitik hat in diesem Zusammen-
hang die Aufgabe, kulturelle Vielfalt und den interkulturellen Dialog zu fördern.
9.
In Sachsen hat die
sorbische Kultur
eine Brückenfunktion sowohl im
bikulturellen Siedlungsgebiet der Sorben im Freistaat Sachsen, als auch zu an-
deren slawischen Sprachen und Kulturen in Mittel- und Osteuropa sowie zur ak-
tiven Teilhabe am Diskurs über Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung von
Minderheitenkulturen in ganz Europa.
10.
Zum Nutzen der kulturellen Entwicklung des Freistaates Sachsen sollen Anreize
geschaffen und fortentwickelt werden, die
bürgerschaftliches Engagement
und Mäzenatentum
im Kulturbereich stimulieren und anerkennen. Beispiele gu-
ter Praxis sollen in ganz Sachsen Schule machen. Die Ausgabe einer
Ehren-
amtskarte
für einen ermäßigten Zugang zu öffentlichen Kulturangeboten ist ein
geeignetes Mittel öffentlicher Anerkennung.
11.
Der
Kultur- und Kreativwirtschaft
kommt auch in Sachsen – mit spezifischen
regionalen Ausprägungen – sowohl in der Privatwirtschaft als auch im Bereich
der öffentlichen Förderung – als Wertschöpfungsquelle und als Arbeitsmarkt be-
sondere Bedeutung zu. Die Staatsregierung trägt dem ressortübergreifend durch
die Wahrnehmung kultur- sowie wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischer Quer-
schnittaufgaben und gezielter Maßnahmen Rechnung. Durch die Einführung
wirtschaftlicher Steuerungsmodelle und neuer Trägerschaftsformen in staatlichen
Kultureinrichtungen soll die Eigenverantwortung erhöht und mehr Wirtschaftlich-
keit erzielt werden. Kulturelle Qualitätskriterien müssen jedoch Vorrang vor der

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Marktlogik behalten. Die Grundsicherung der öffentlichen Kultureinrichtungen
bleibt Aufgabe des Freistaates, der Landkreise und Kommunen.
12.
Der Freistaat Sachsen – „Sachsen. Land von Welt“ – hat ein vitales Interesse an
einem prosperierenden
Kulturtourismus
und erfolgreichen
Marketing
auf die-
sem Gebiet. Institutionen und Angebote verschiedener Kultursparten, vor allem
der Erinnerungskultur und Musikkultur, ziehen Jahr für Jahr Millionen Menschen
nach Sachsen. Dieser Sektor gibt vielen Menschen Arbeit und wirkt sich positiv
auf das äußere Erscheinungsbild Sachsens und Deutschlands in Europa aus.
Kulturtourismus hat nur dort eine Chance, wo qualitativ gute Kulturangebote mit
unverwechselbarer kultureller Tradition verbunden werden.
13.
Aus der
Vernetzung und Verdichtung
der Kultur- und Wissenschaftsinstitutio-
nen erwachsen Potentiale für die künftige Entwicklung des Freistaates Sachsen.
Ausgehend von der Erfahrung, dass wissenschaftliche Fortschritte oftmals in den
Schnittmengen der Grenzgebiete erzielt werden, sollen die bestehenden Kultur-
und Wissenschaftsinstitutionen Spielräume erhalten, Neues entstehen zu lassen
und Experimentellem Raum geben zu können.

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III. Sachsen als Kulturstaat
Anspruch dieser Leitlinien zur Kulturentwicklung ist es, einen kulturpolitischen Dis-
kursrahmen zu definieren, innerhalb dessen die Prinzipien der Dezentralität, der
Subsidiarität und der Pluralität in der Kulturpflege in vollem Umfang zur Geltung
kommen und nicht etwa ein bestimmtes dogmatisches Kulturverständnis.
Lebendige Kulturpolitik findet ihren Ausdruck in einer
Kultur der Weltoffenheit, Plu-
ralität und Toleranz
und schafft zugleich deren Voraussetzungen. Die Staatsregie-
rung betrachtet die in Sachsen traditionell allgemeine Parteigrenzen überschreitende
Akzeptanz der Kulturpolitik durch das Bekenntnis zur Kultur und Förderung in der
Verfassung des Freistaates als besondere Errungenschaft. Die von der Staatsregie-
rung angestrebten und geförderten innovativen Wege der Kulturpolitik und Kulturför-
derpolitik mit ihren Institutionen und Instrumenten entbinden den Freistaat nicht aus
der Gesamtverantwortung für die Kultur. Dabei ist angesichts des Reichtums der kul-
turellen Überlieferung die Traditionspflege und Bewahrung des Kulturerbes in den
Sparten der Museen, der Musikkultur, Bibliotheken wie der Denkmalpflege ebenso
selbstverständlich wie der Respekt vor der im demokratischen Rechtsstaat verfas-
sungsrechtlich garantierten
Freiheit der Kunst
, die stets risikobereit, unbequem und
unberechenbar auf der Suche nach Neuem sein können muss.
In der Bundesrepublik Deutschland liegt die vorrangige Kompetenz zur Förderung
von Kunst und Kultur nach dem Grundgesetz bei den Ländern. Der in Artikel 5 des
Grundgesetzes enthaltene Satz „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind
frei“ impliziert das Grundrecht auf Freiheit vor staatlichen Eingriffen. Gleichzeitig ist
der Staat aber verpflichtet, das kulturelle Erbe zu pflegen und die Entwicklung von
Kunst und Kultur aktiv zu fördern und damit den Rahmen für die Freiheit zu schaffen.
Artikel 1 Satz 2 der
Verfassung
des Freistaates Sachsen vom 27. Mai 1992 legt fest,
dass der Freistaat Sachsen „ein demokratischer, dem Schutz der natürlichen Le-
bensgrundlagen und der Kultur verpflichteter sozialer Rechtsstaat“ ist. Sie erhebt
damit die Kultur zum Staatsziel und geht über das in Artikel 11 der Verfassung for-
mulierte
Staatsziel
der Kulturförderung hinaus. Die Verfassung verfolgt somit das
Ziel, Kultur in ihrer Vielfalt zu sichern und eine Teilnahme aller an der Kultur zu er-

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möglichen. Der gesellschaftlichen Mitwirkung und Beratung durch den unabhängigen
Sächsischen Kultursenat kommt hier eine besondere Bedeutung zu.
Die Förderung des kulturellen und künstlerischen Schaffens mit seinen vielfältigen
Ausdrucksformen, der Teilhabe der Bevölkerung an Kultur (als Kulturschaffende und
-rezipienten sowie am gesellschaftlichen Diskurs Beteiligte) sowie des Schutzes der
Kulturgüter im Lande sind für den Freistaat Sachsen Ziele der Kulturpolitik. Es gilt,
das Bewusstsein dafür zu stärken und das herausragende kulturelle Erbe zu sichern,
zu nutzen und zu entwickeln, um Chancen für die kulturelle und wirtschaftliche Ent-
wicklung der Zukunft zu eröffnen.
Da sich Kultur an alle wendet, kann
„Kultur für alle“
nur heißen, dass konkurrieren-
de Kulturangebote und -praxen gefördert werden, ohne dass e i n e Kultur als maß-
geblich für alle favorisiert wird. Der Zugang also zu unterschiedlichen kulturellen An-
geboten gewährleistet eine umfassende produktive Teilhabe aller und führt erst zu
einer tragfähigen „Kultur von allen“.
Kultur hat einen
Wert „an sich“
und eine Bedeutung eigener Art. Kultur bezieht ihre
Legitimation aus sich selbst, sie bedingt ganz entscheidend Lebensqualität einer Ge-
sellschaft. Die sächsische Kulturpolitik arbeitet mit einem erweiterten Kulturbegriff,
der Kunst nicht allein als Sphäre künstlerischer Produktion und Rezeption begreift,
sondern alle geistigen, materiellen, ethischen und lebenswürdigen Ausdrucksformen
der Gesellschaft, der sowohl Hochkultur wie Breitenkultur einschließt.
Kulturpolitik ist ihrem eigenen Anspruch nach Ausdruck eines fortlaufenden kritischen
Dialoges auf allen Ebenen der Gesellschaft, im Parlament und in der Öffentlichkeit.
Politik hat die Aufgabe, die Freiheit dieses Dialoges zu schützen und – unabhängig
von sich verschlechternden demografischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingun-
gen – Voraussetzungen zu schaffen, unter denen künstlerische Arbeit sich frei entfal-
ten, die Kreativität des Einzelnen sich innerhalb des Gefüges von Tradition, Ge-
schichte, Visionen und Avantgarde entwickeln und Kulturpflege geleistet werden
kann.
Kultur muss als
Schwerpunkt der Landespolitik
begriffen werden. Neben der Wis-
senschaft sind Kunst und Kultur Kernkompetenzen des Freistaates Sachsen, die ihn

13
im Wettbewerb mit anderen Bundesländern bzw. angrenzenden Regionen auszeich-
nen. Schließlich ist Kultur ein Standortfaktor für den Tourismus als wichtigen Wirt-
schaftszweig, für die Zuwanderung in diese Region mit degressiver Bevölkerungs-
entwicklung und für die Unternehmensansiedlung. Kulturwirtschaft ist selbst ein
prosperierender Arbeitsmarkt – gerade in Sachsen.
Darüber hinaus müssen Kultur und Kunst allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich
und für sie nach ihren Bedürfnissen erfahrbar sein. Regionen ohne
angemessene
kulturelle Infrastruktur
drohen auch gesellschaftlich und politisch zu veröden.
Die Kulturfinanzierung bedarf einer Verstetigung in allen Bereichen, die Kulturräume
müssen gesichert werden. „Sachsen. Land von Welt“ muss die Vermarktung des Kul-
turlandes noch weiter optimieren und für ein besseres Ineinandergreifen der ver-
schiedenen Kultursparten sorgen.
Sächsische Kulturpolitik beschränkt sich nicht allein auf die „
Leuchttürme
“ in den
urbanen Ballungsräumen, sondern umfasst auch die
ländlichen Regionen
, denn die
Teilhabe am künstlerischen und kulturellen Geschehen soll den Bürgerinnen und
Bürgern überall im Freistaat möglich sein.
Die Kultur entwickelt sich in den verschiedenen Kulturräumen Sachsens unabhängig.
Das Kulturraumgesetz ermöglicht es den Kommunen und freien Trägern,
Gestal-
tungsspielräume
zu nutzen und ist ein Garant für die dezentrale, regional verant-
wortete Kulturpolitik.
Ein durch die knapper werdenden Ressourcen sich verschärfender
Wettbewerb
wird
künftig Qualitätskriterien verstärkt in den Vordergrund treten lassen. Die Evaluierung
der Förderpraxis wird deshalb künftig kontinuierlich die Arbeit der geförderten Ein-
richtungen mit deren Beteiligung begleiten.
Die Evaluierungen der Kulturstiftung sowie die von dieser beauftragten Gutachten
zur Festivallandschaft und zur Theater- und Orchesterlandschaft haben hier bereits
Maßstäbe gesetzt. Sie dienen dem Zweck, Gestaltungsspielräume zu nutzen und
verschiedene Förderprogramme weiterzuentwickeln.
Das Nebeneinander der die Strukturen sichernden
institutionellen Förderung
ei-
nerseits und der flexibleren
Projektförderung
andererseits ist bestimmend für die

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weitere Entwicklung des Kulturlandes Sachsen. Eine Weiterentwicklung sollte aber
von realistischen Perspektiven ausgehen: Mindereinnahmen und geringer werdende
Ressourcen bei gleichzeitig steigenden Kosten werden Zielkonflikte einer angemes-
senen Güterabwägung zur Folge haben. Wie kann die kulturelle Infrastruktur auf
demselben Niveau gesichert und entwickelt werden? Es ist daher sinnvoll, Schwer-
punkte dort zu setzen, wo sich kulturelle Kerne erfolgreich entwickelt haben und sol-
che erfolgversprechenden Potentiale verstärkt zu fördern. Eine optimierte Entfaltung
kultureller Projekte wird insbesondere auch dort zum Tragen kommen, wo durch
Drittmittel aus EU- oder Bundeszuschüssen oder auch Sponsoren bzw. Zusammen-
arbeit und Vernetzung mit anderen Kultureinrichtungen deutlich bessere finanzielle
Rahmenbedingungen gegeben sind.
Eine verstetigte
Schwerpunktsetzung
des Freistaates zugunsten von Kultureinrich-
tungen in unmittelbarer oder mittelbarer Trägerschaft des Freistaates Sachsen (Or-
chester, Theater und Museen) bzw. kultureller Projekte, die im besonderen Interesse
des Freistaates sind, erscheint deshalb unausweichlich. Durch
Kulturpreise
können
zusätzliche fördernde
Anreize
geschaffen werden. Die Fördermittel sollen ansonsten
möglichst effektiv zum Einsatz kommen und wirtschaftlich und sparsam verwendet
werden.
Kultur ist in Sachsen auch ein
„harter“ Standortfaktor.
Für das Selbstverständnis
des Freistaates Sachsen sind wirtschaftliche Prosperität, Technik und Industrie von
der Vielfalt und Lebendigkeit der Kultur nicht zu trennen. Die traditionelle Trias
von hochentwickelter Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft ist auch für die Zukunft
Sachsens handlungsleitend. Dabei muss sich die Kultur im Hinblick auf ihre ökono-
mische Grundlagen in einem
ausgewogenen Verhältnis
auf die drei Säulen des
bürgerschaftlichen Engagements (musisch-künstlerische Tätigkeiten, Ehrenamt, Mä-
zenatentum, Sponsoring), des Marktes (Kultur als gewinnorientiertes wirtschaftliches
Handeln, Eigenverantwortung der Institutionen) und der staatlichen Vorsorge (zielge-
richtete Förderung, Stimulierung kulturellen Engagements) stützen.
Sachsen investiert in seine Zukunft, indem es sein
Standbein Kultur
stark macht
und weiterentwickelt. Dazu gehört die Profilierung der Städte und Regionen im über-
regionalen europäischen Wettbewerb mittels ihrer kulturellen Infrastruktur, der Be-

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wahrung und Präsentation bedeutender Sammlungen, aber auch der Förderung zeit-
genössischer Kunst.
Die klassische Unterscheidung zwischen den verfassungsrechtlich definierten Haus-
haltsbegriffen Investition und Subvention ist bezogen auf den Kulturbereich durchaus
fragwürdig, denn indem der Freistaat Sachsen in seine Menschen, also sein „Hu-
mankapital“, investiert, betreibt er
Zukunftsinvestitionen
. Angesichts der Folgeef-
fekte eines qualitätsvollen und breiten Kulturangebotes für die wirtschaftliche Prospe-
rität einer Region kann
Kultur
zugleich
als Wirtschaftsfaktor
betrachtet werden.
Kulturausgaben sind insofern Ausgaben eigener Art, die als solche in der Abwägung
mit anderen Politikzielen besonderes Gewicht beanspruchen können.
Da Wirtschaftsunternehmen ihre Ansiedlungspolitik auch am kulturellen Umfeld aus-
richten und Führungskräfte einen Ortswechsel nicht unbeeinflusst vom regionalen
Kulturangebot vornehmen, wirkt sich Kulturpolitik auf die Entwicklung des Standorts
unmittelbar aus. Nachhaltige Unternehmensansiedlungen in Regionen mit ausge-
prägter kultureller Identität sind deutlich einfacher als in kulturellen Brachlandschaf-
ten. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft selbst,
wo Firmen vor allem dann prosperieren können, wenn das kulturelle Umfeld stimmt.
Die Tourismuswirtschaft kann sich dort besonders gut entfalten, wo die Kultur lang-
fristig eine wesentliche Rolle spielt. Dies schließt neben den angebotsorientierten
Kultursparten auch insbesondere die Baukultur – also Städtebau sowie moderne Ar-
chitektur und Baudenkmalpflege – mit ein.
Der Freistaat Sachsen muss im Zusammenwirken mit den prosperierenden Wirt-
schaftszweigen Wege finden, die Kulturfinanzierung durch ein stärkeres Engagement
der Wirtschaft zu ergänzen.
In diesem Zusammenhang ist auch die Einführung des so genannten Neuen Steue-
rungsmodells (NSM) und Änderungen der Trägerschaftsformen zu sehen, die staatli-
chen Kultureinrichtungen künftig zu mehr Eigenverantwortung und mehr Wirtschaft-
lichkeit befähigen soll. Vor einem ökonomiebezogenen Utilitarismus in Bezug auf die
Kulturbetriebe ist indes zu warnen, da im kulturellen Bereich jenseits von Marktlo-
giken spezifische Besonderheiten, vor allem
kulturelle Qualitätskriterien
, im Vor-
dergrund stehen müssen. Eine
Grundsicherung
der kulturellen Infrastruktur wird
deshalb immer eine staatliche Aufgabe bleiben.

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IV. Die Kulturlandschaft Sachsen: Bestandsaufnahme und Vision
Sachsen hat sich in Jahrhunderten zu einer einzigartigen, außerordentlich dichten
Kulturlandschaft in Deutschland und Europa entwickeln können, die für seine Wahr-
nehmung von innen und außen heute von großer Bedeutung ist. Mit Sachsen verbin-
den sich große Namen der Musikkultur – wie z.B. Bach, Mendelssohn-Bartholdy,
Schumann und Wagner – und der Bildenden Kunst – etwa C.D. Friedrich, Pechstein,
Schmidt-Rottluff, Beckmann oder Dix – sowie des Tanzes – Palucca, Wigman – aber
auch anderer Kunstsparten. Die sächsische Kulturlandschaft verfügt über ein reich-
haltiges kulturelles Erbe, beruht aber zugleich auf Innovation in der Gegenwart. Sie
macht das Land unverwechselbar und für viele anziehend, wirkt identitätsstiftend und
gibt den hier lebenden Menschen Halt und Orientierung.
Die beeindruckende öffentlich geförderte kulturelle Infrastruktur Sachsens umfasst in
ganz unterschiedlichen Rechtsformen und Förderstrukturen
-
Theater (sowohl des staatlichen Schauspiels als auch der freien Szene, Kinder-
und Jugendtheater sowie Amateurtheater),
-
Musikkultur von der Oper und dem klassischen Konzert (Orchester, Musikfesti-
vals) über Ballett bis hin zum breitenmusikalischen Schaffen und den Musikschu-
len,
-
Museen, Gedenkstätten, Galerien und Sammlungen (d.h. große staatliche Muse-
en in staatsunmittelbarer Trägerschaft sowie verschiedene Trägerschaftsformen
kommunaler oder privater Art).
-
Identitätsstiftend sind zugleich die gut erhaltenen Altstadtkerne, Baudenkmale,
teils auch archäologische Denkmale, kulturtouristische Wege, Schlösser, Burgen
und Gärten wie auch Werke der modernen Baukultur.
-
Eine besondere Verantwortung erwächst aus der Vielzahl der in Sachsen befind-
lichen, in der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen (KNK) zusammenge-
schlossenen „Blaubuch“-Einrichtungen in den östlichen Bundesländern.
2
Der
Freistaat Sachsen verfügt im Kulturbereich über öffentlich-rechtliche Landesstif-
tungen wie die Kulturstiftung und die Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erin-

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nerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft (StSG). Er ist an Stiftungen des
bürgerlichen Rechts beteiligt, namentlich der Stiftung Deutsches Hygiene-
Museum in Dresden (DHMD), der Stiftung Schlesisches Museum zu Görlitz sowie
der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, Teil der Welterbe-Stätte der
UNESCO Fürst-Pückler-Park Bad Muskau/Legnica. Zu einem Teil sind diese mit
Dritten gemeinsam finanziert.
-
Hinzu kommt ein Netz öffentlicher Bibliotheken, Kunsthochschulen, nichtkommer-
zieller Film- und Medienkultur
-
sowie der Breitenkultur, d.h. insbesondere soziokultureller Zentren, Kinder- und
Jugendkultur, Traditions- und Heimatpflege u.v.m.
-
Nicht zu vergessen sind die Kulturschaffenden selbst, bildende Künstlerinnen und
Künstler, Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Musikerinnen und Musiker u.v.a.
Neben der Bildung ist die Kultur für die Landesentwicklung mit einer Perspektive bis
2020 und darüber hinaus ein
Schlüsselfaktor
. Der Freistaat Sachsen fördert bei
durchschnittlich 16 Mrd. Euro Haushaltsvolumen deshalb seine Kulturleistungen di-
rekt und indirekt mit 400 bis 465 Mio. Euro (ca. 2,5–3 Prozent) pro Jahr (Anteil Säch-
sisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst 250 Mio. Euro p.a.). Ausweis-
lich der Kulturstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder verzeich-
nete Sachsen (2005) mit 155,40 Euro je Einwohner das mit Abstand höchste Ge-
wicht der Kultur im Ländervergleich.
3
Sachsen ist im Länderranking zugleich das
Bundesland mit der intensivsten Belegung von künstlerischen Fächern in den höhe-
ren Jahrgangsstufen allgemeinbildender Schulen, und es hat danach auch die bes-
ten Studienbedingungen in der Fächergruppe Kunst und Kunstwissenschaft.
Zwischen
Tradition und Innovation
sowie Hoch- und Breitenkultur, urbaner und
ländlicher Kultur muss im Interesse des Ganzen der komplexen sächsischen Kultur-
landschaft eine Balance und nachhaltige Verbindung gehalten werden.
Der Freistaat Sachsen verfügt - beruhend auf dem Subsidiaritätsprinzip - über be-
währte Förderstrukturen, die sich von unten aufbauend wie folgt darstellen:

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Die
Kommunen
fördern gem. § 2 Abs. 1 Sächsisches Kulturraumgesetz i. V. m. § 2
Abs. 1 Sächsische Gemeindeordnung i. V. m. ihren jeweiligen Förderrichtlinien (vgl.
z. B. Richtlinie der Landeshauptstadt Dresden zur kommunalen Kulturförderung vom
15.04.1999) Kunst und Kultur auf lokaler Ebene.
Die
Kulturräume
fördern kulturelle Einrichtungen, einschließlich Musikschulen, und
Maßnahmen von regionaler Bedeutung als Pflichtaufgaben gem. § 2 Abs. 2 i. V. m. §
3 Abs. 1 Sächsisches Kulturraumgesetz i. V. m. ihrer jeweiligen Förderrichtlinie.
Die
Kulturstiftung
nimmt dabei einen gewichtigen Stellenwert als kulturpolitisches
Förderinstrument des Freistaates ein. Sie fördert (ggf. in Ergänzung mit anderen Stif-
tungen oder sonstigen Förderern) gem. Stiftungsgesetz und Förderrichtlinie vom
23.08.2004 Projekte unterschiedlicher Kultursparten mit überregionaler, landesweiter
und internationaler Sichtbarkeit und Qualität. Dazu gehören Projekte des zeitgenös-
sischen Kunstschaffens bildender Kunst, Neuinszenierungen, neue Choreografien
und Kompositionsaufträge sowie die Nachwuchsqualifizierung im Bereich Darstellen-
de Kunst und Musik, die Herstellung von Dokumentar- und Kurzfilmen, literarische
Veranstaltungen und Schreibwerkstätten – im Bereich Soziokultur spartenübergrei-
fende Projekte – , auch intermedial sowie die Vergabe von Stipendien, insbesondere,
wenn die Arbeit an neuen Vorhaben verwirklicht wird.
Die Aufgabenübertragung auf die Kulturstiftung hat sich bewährt, da sie mit einer
Bündelung von Zuständigkeiten, deutlichen Vereinfachung und Verkürzung der
Kommunikationswege, einer Vereinheitlichung von Qualitäts- und Bewertungsmaß-
stäben verbunden ist, die dazu beitragen können, Förderentscheidungen transparen-
ter zu machen. Ein Vorteil ist die Perspektive eines sich entwickelnden vernetzten,
alle Sparten übergreifenden Wissens über die Kulturszene des Freistaates und ihrer
Akteure, aus dem gemeinsame Kooperationen mit Dritten und Förderpartnerschaften
entstehen können.
Insgesamt wird eine verstärkte konzeptionell-strategische Koordinierung der Förder-
politik des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst und der Kul-
turstiftung des Freistaates, auch mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, ange-
strebt. Diese sieht u.a. auch eine in Abständen regelmäßige Evaluierung der Kultur-

19
stiftung mit Beteiligung von Vertretern der Kulturverbände sowie der Kulturstiftung
selbst vor. Durch eine langfristige Planung – mehrjährige Förderentscheidungen –
werden Rahmenbedingungen für künstlerische Innovation und bessere Nachwuchs-
förderung geschaffen.
Aus dem Haushalt des
Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und
Kunst
werden eine Vielzahl von Landeseinrichtungen wie die Sächsische Staatsoper
Dresden, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden oder das Landesamt für Ar-
chäologie finanziert. Im Rahmen der Allgemeinen Kunstförderung werden gemäß der
Förderrichtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst
vom 27.09.2004 insbesondere Festivals mit „besonderem Landesinteresse“, also die
Festivals mit besonderer landesweiter nationaler und internationaler Ausstrahlung,
gefördert. Außerdem fördert das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und
Kunst eine Reihe besonders bedeutsamer freier Träger
4
mittels institutioneller Förde-
rung und gewährleistet dadurch langfristig die Arbeit an deren besonders qualifizier-
ten Projekten. Mittelfristig bedürfen diese Einrichtungen einer Evaluierung durch ex-
terne Sachverständige.
Das Gesetz über die
Kulturräume
in Sachsen (
Sächsisches Kulturraumgesetz
SächsKRG) wurde in der laufenden Legislaturperiode in der Fassung der Bekannt-
machung vom 18. August 2008 (SächsGVBl. S. 539) entfristet und mittelfristig durch
eine Erhöhung um 10 Mio. Euro auf einen Mindestzuschuss des Freistaates von 86,7
Mio. Euro auf eine gute finanzielle Grundlage gestellt. Das Kulturraumgesetz ist ein
maßgebliches Instrument solidarischer Kulturfinanzierung eines breiten und qualitativ
hochwertigen Kulturangebots in den urbanen und ländlichen Kulturräumen des Lan-
des, das im Bundesvergleich einzigartig ist und aus Sicht der Enquete-Kommission
des Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“ Vorbildwirkung entfaltet.
5
Das Kulturraumgesetz regelt die Förderung von Einrichtungen und Projekten mit re-
gionaler Bedeutung (Musikschulen, Museen, Theater, Bibliotheken, darstellende und
bildende Kunst, Musik, Literatur, Film, Soziokultur, Sorbische Kunst etc.). Für die
Kommunen ist die Kulturpflege Pflichtaufgabe. Gemeinsam mit dem Freistaat Sach-
sen tragen sie in den Kulturräumen Verantwortung für die Kultur und werden darin
von den Kulturschaffenden unterstützt. Dadurch wird die kulturelle Versorgung aller

20
Bürgerinnen und Bürger in den Großstädten wie im ländlichen Raum mit ihren Thea-
tern, Musikschulen oder Museen gesichert.
Die Staatsregierung begrüßt die Erarbeitung von
Kulturleitbildern und Kulturent-
wicklungsplänen
6
in den einzelnen Kulturräumen. Diese können eine Grundlage
sein, auf der unter Einbeziehung des Sächsischen Kultursenats ein nachhaltiges
Entwicklungskonzept für das Land erarbeitet werden kann, welches im Einklang mit
den kulturpolitischen Leitlinien steht.
Nach der vollzogenen Kreisgebietsreform und der Vergrößerung der Kulturräume –
gegenüber denen das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst die
Rechtsaufsicht ausübt – ist es an diesen, festzulegen, welche kulturellen Einrichtun-
gen in welcher Art und Weise und welchem Umfang innerhalb eines größeren Kultur-
raumes mittel- bis langfristig erhalten bzw. gestärkt werden sollen.
Ergänzend zu diesen Kulturpolitischen Leitlinien und den Kulturentwicklungsplänen
der vergrößerten Kulturräume empfiehlt sich die Erarbeitung eines nachhaltigen Ent-
wicklungskonzepts für die Kulturräume. Der dafür notwendige Diskussionsprozess –
der gemeinsame Schwerpunkte für die kulturelle Entwicklung und zukunftsweisende
tragfähige Strukturen sowie die Bündelung der Mittel für die Kulturpflege zum Ziel hat
– sollte umgehend eingeleitet werden.
Die Staatsregierung beabsichtigt – begleitend zu den fortlaufenden periodischen
Evaluierungen der Wirksamkeit des Kulturraumgesetzes – die Institutionalisierung
eines regelmäßigen Erfahrungsaustausches unter Beteiligung der Kulturräume, des
Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, des Sächsischen Kul-
tursenats sowie der Kulturstiftung in Form eines regionalen Kulturdialogs.
Die regional bedeutsamen Kultureinrichtungen sollen in der Verantwortung der Kul-
turräume so entwickelt werden, dass sie – in einem Netzwerk öffentlicher und priva-
ter Kultureinrichtungen – den regionalen Traditionen und Spezifika, kultur- und bil-
dungspolitischen Aufgaben ebenso Rechnung tragen wie touristischen Ansprüchen.
Die Vereinbarung zwischen dem Freistaat Sachsen und der Landeshauptstadt Dres-
den zur gemeinsamen Finanzierung der Landeskultureinrichtungen in Dresden

21
(
Stadt-Land-Vertrag
) wird fortgesetzt. Der Freistaat bekennt sich zur Forsythe-
Company in Dresden-Hellerau.
Die Kulturpflege in Sachsen kann sich zudem auf die unabhängige Beratungskompe-
tenz des
Sächsischen Kultursenats
und der
Sächsischen Akademie der Künste
(SAK) stützen. Aufgabe des Sächsischen Kultursenats ist es, die Förderpolitik des
Landes und der Kommunen beratend zu begleiten und Empfehlungen zu inhaltlichen
und regionalen Schwerpunktsetzungen auszusprechen sowie zu grundsätzlichen kul-
turpolitischen Fragen Stellung zu nehmen. Die SAK als dialogisches Forum der
Künste, des geistigen und kulturellen Lebens der Zeit unterbreitet Vorschläge zur
Förderung der Kunst und zur Pflege der Überlieferungen des traditionellen sächsi-
schen Kulturraums.
Der Freistaat Sachsen hat seine Beziehungen zu den
Kirchen und Religionsge-
meinschaften
in Staatsverträgen geregelt. Er würdigt die wichtige Rolle, welche die
Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Kulturpflege in Sachsen einneh-
men (insbesondere
in
den
Bereichen
Kulturdenkmalpflege,
Kirchen-
und
Synagogalmusik, „Kunstdienst“, Reformationsdekade und Soziokultur u.a.m.).
Die Zukunft des Freistaates Sachsen wird wesentlich beeinflusst von der Entwicklung
seiner Kulturlandschaft mit besonderem Augenmerk auf die verschiedenen Kultur-
sparten. Im Folgenden erfährt die Kulturförderung durch das Sächsische Staatsmi-
nisterium für Wissenschaft und Kunst als für Kunst und Kultur vorrangig zuständigem
Ressort besonderes Augenmerk. Zugleich wird deutlich, dass Kultur in Sachsen –
künftig sogar noch verstärkt – als eine Querschnittaufgabe des Staates begriffen
werden muss, die auch andere Ressorts mit einschließt.
Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hat seiner Museums-
politik mit der
„Museumskonzeption 2020 – Kulturland Sachsen“
in Fortschrei-
bung der Museumskonzeption von 2001 und unter Einbeziehung der betroffenen Ein-
richtungen sowie ausgewählten überregionalen Fachleuten einen Rahmen für das
kommende Jahrzehnt gegeben.
7
Sie ist Kernbestandteil einer Kulturpolitik für den
Freistaat Sachsen als Ganzes. Sie ist zudem Ausdruck einer Kulturpolitik, die der
nachhaltigen Entwicklung der traditionsreichen und vielfältigen Kulturlandschaft

22
Sachsens Raum gibt und für die sächsische Museumslandschaft unter möglichst ver-
lässlichen Rahmenbedingungen zukunftsfähige Strukturen im Hinblick auf inhaltliche
Angebote, räumliche Unterbringung und rechtliche Trägerschaften schafft. Grund-
sätzlich muss die sächsische Museumslandschaft in ihrer Breite und Vielfalt, aber
auch in ihrer Einzigartigkeit und spezifischen Ausstrahlungskraft stabilisiert werden.
Zu diesem Zweck werden die Strukturen und Rechtsformen der staatlichen Museen
mit dem Ziel weiterentwickelt, ihre Effizienz zu erhöhen und ihre Handlungs-
spielräume zu erweitern. Es bleibt dabei eine öffentliche Pflicht, die Kernaufgaben
der Museen – Sammeln, Bewahren, Präsentieren, Forschen – sowie die Sicherheit
ihrer wertvollen Sammlungen und Ausstellungsgebäude aus öffentlichen Mitteln fi-
nanziell abzusichern.
Die
Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
sind Hüter des sächsischen
Staatsschatzes, das bedeutendste Museum des Freistaates und darüber hinaus ei-
nes der renommiertesten Museen Deutschlands und weltweit. Die Sammlungen der
SKD sind von herausragender Bedeutung für die Identität des Freistaats Sachsen.
Sie wirken als kulturelle Botschafter Sachsens und vertreten gemeinsam mit der Stif-
tung Preußischer Kulturbesitz, der Stiftung Weimarer Klassik, den Bayerischen
Staatsgemäldesammlungen und vergleichbaren Einrichtungen die Kunst und Kultur
Deutschlands in der Welt. Sie bilden mit diesen de facto ein „imaginäres deutsches
Nationalmuseum“.
Die SKD sind an herausragender Stelle Teil der vielfältigen und reichen sächsischen
Museumslandschaft. Für die Verwirklichung von Standards der Museumsarbeit set-
zen sie Maßstäbe und sind Vorreiter für museumsfachliche Neuentwicklungen. Sie
tragen daher als Kompetenzzentrum und Sympathieträger der sächsischen Muse-
umslandschaft in enger Zusammenarbeit mit der
Sächsischen Landesstelle für
Museumswesen (SLfM)
zur qualitativen Entwicklung der sächsischen Museums-
landschaft bei. Diese Zusammenarbeit sollte längerfristig durch eine Integration der
SLfM in die SKD ausgebaut werden, wobei die SLfM weiterhin als bewährter und an-
erkannter Anlaufpunkt für alle nichtstaatlichen Museen im Freistaat Sachsen zur
Qualitätssicherung der sächsischen Museumslandschaft fungieren soll.

23
Die SKD sollen über einen Staatsbetrieb in eine öffentlich-rechtliche Stiftung über-
führt werden, die langfristig als sächsische Museumsstiftung auch weiteren staatli-
chen Museen und Sammlungen unter einem gemeinsamen Dach offensteht.
Der Freistaat Sachsen steht zu seiner Verantwortung für die Erfüllung der Ziele der
Washingtoner Erklärung von 1998 und der Erklärung von Terezín von 2009. Er för-
dert daher die umfassende
Provenienzrecherche
und digitale Sammlungserfassung
zur Geschichte der Sammlungen der SKD, die über einen Zeitraum von 10 Jahren
das Projekt „Daphne – Provenienzrecherche, Inventarisierung und Vermögensnach-
weis“ durchführen.
Die
Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens (SES)
vermitteln
Kompetenz für interkulturelle Bildung in einer globalisierten Welt. Sie sind seit ihrem
Zusammenschluss aus den Völkerkundemuseen Leipzig, Dresden und Herrnhut das
zweitgrößte ethnographische Museum Deutschlands. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit
ist die Verbesserung der interkulturellen Bildung an den Schulen. Ihnen kommt zu-
gleich eine hohe Verantwortung für das kulturelle Gedächtnis der Menschheit zu. Um
dieser Verantwortung gerecht zu werden, müssen sie ihre Forschungsaktivitäten wei-
ter ausbauen und die Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern der kulturellen
Zeugnisse vertiefen. Die Staatsregierung strebt die Integration der SES in den Mu-
seumsverbund der SKD zum 01.01.2010 an.
Die
Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen Dresden (SNSD)
und das
Staat-
liche Museum für Naturkunde in Görlitz (SMNG)
wurden durch die Integration in
die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft, Frankfurt am Main (SNG), Trä-
gerin des Forschungsinstituts und Naturmuseums Senckenberg (FIS), zum
01.01.2009 in den Dienst der nationalen Biodiversitätsforschung gestellt. Damit ist
ein Impuls für die Forschung verbunden. Das FIS ist eine föderal strukturierte For-
schungseinrichtung mit Standorten in sechs Bundesländern. Es gewinnt in dieser
Form Kompetenz und Gewicht eines länderübergreifenden naturkundlichen Muse-
ums von nationalem Rang wie in anderen europäischen Staaten. Die Sammlungsbe-
stände der beiden sächsischen Museen bleiben im Eigentum des Freistaates Sach-
sen, der künftig mit Sitz und Stimme in den Gremien der SNG vertreten sein wird.
Der Freistaat ist jedoch darüber hinaus auch in Zukunft gefordert, für eine angemes-

24
sene Präsentation der überaus bedeutenden Sammlungen der bisherigen Museen
Sorge zu tragen: Sie gehen ebenso wie die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
auf die sächsischen Kurfürsten zurück – in Görlitz sind sie das Ergebnis bürgerlicher
Sammlungen aus dem frühen 19. Jahrhundert – und repräsentieren somit sächsi-
sche Identität.
Die Staatsregierung bekennt sich zu einer Entwicklung des
Japanischen Palais
in
Dresden – „Museum zu öffentlichem Nutzen offen stehend“ – als einem Haus der
Museen für die Öffentlichkeit. Im Kern als modernes „Porzellan“museum erdacht,
wird ihm in den nächsten Jahren die Aufgabe zukommen, diesen Gedanken in die
Gegenwart zu übersetzen.
Die
Industriekultur
als eine wesentliche identitätsprägende Sparte der Kultur in
Sachsen bedarf einer übergreifenden Konzeption und der verstärkten Förderung. In-
dustriekultur ist wesentlicher Teil der Kultur in Sachsen. Sachsen schickt sich an,
Wachstumsregion in den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts zu werden.
Durch diese neue industrielle Entwicklung knüpft es an die Traditionen der
Indust-
riekultur
an, die heute und künftig museal bewahrt und für die Öffentlichkeit er-
schlossen werden sollen. Der Freistaat hält daher an der Mitfinanzierung des
Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum (ZVIM)
weiterhin fest. Er soll
künftig weiter profiliert, ggfs. um neue Mitglieder erweitert, strukturell und inhaltlich
weiterentwickelt und finanziell angemessen ausgestattet werden, damit die Industrie-
kultur für den Freistaat und darüber hinaus noch wirksamer und attraktiver ausstrah-
len kann. Grundlage dafür kann das vom Zweckverband vorgelegte Konzept („Positi-
onspapier zum Stand der Industriekultur in Sachsen und zur Lage des Zweckverban-
des Sächsisches Industriemuseum“ vom 31. März 2008) bilden, das eine gemeinsa-
me Finanzierung durch die Trägerkommunen unter Beteiligung des Freistaates und
Unterstützung durch die Kulturräume, die Wirtschaft und weitere Dritte, wie z.B. den
Tourismus, vorsieht.
Das
Landesamt für Archäologie
(LfA) mit dem Museum für Vorgeschichte (MfV)
arbeitet seit 01.01.2008 als Staatsbetrieb in der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben
und Beratungen von Bürgerinnen und Bürgern, Investoren, Unternehmen und kom-
munalen Einrichtungen. Mit der Errichtung des „Hauses der Archäologie“ im ehema-

25
ligen Kaufhaus Schocken in Chemnitz erfolgt die Neugründung eines Museums für
sächsische Archäologie. Auf der Basis der Sammlungen des LfA/MfV entsteht ein
zukunftsorientiertes „Museumslabor“ zur Geschichte Sachsens, dessen Eröffnung für
das Jahr 2012 angestrebt wird. Es fungiert auch als „Schaufenster“ der sächsischen
Landesarchäologie.
Die Staatsregierung hat die
3. Sächsische Landesausstellung
2011 zur Geschich-
te der mittelalterlichen Handelsstraße „Via Regia“ nach Görlitz vergeben. Dadurch
wird ein kulturpolitischer Fokus auf eine europäische Region gelenkt, die wir mit un-
seren Nachbarn Tschechien und Polen teilen. Die Tradition der Landesausstellungen
wird – wieder unter der Verantwortung der SKD – fortgesetzt. Sie begründet infrast-
rukturelle Verbesserungen in der Region und stärkt den Kulturtourismus nachhaltig.
Große Ausstellungen mit Bedeutung und Ausstrahlung für ganz Sachsen und darü-
ber hinaus – so auch die 3. Landesausstellung – werden gegenwärtig in erster Linie
von den SKD geplant. Aber auch von dem Staatsbetrieb Staatliche Schlösser, Bur-
gen und Gärten Sachsen oder der Universität Leipzig bzw. der Staatlichen Porzel-
lanmanufaktur Meißen werden zu Einzelthemen größere Ausstellungen vorbereitet.
Angesichts der Größe des Freistaates Sachsen, der Zahl der Akteure, ihrer unter-
schiedlichen Rechtsformen bzw. Anbindungen und der knapper werdenden Mittel-
ausstattung muss künftig eine stärkere Abstimmung bei der Planung größerer Aus-
stellungsvorhaben erfolgen. Vor diesem Hintergrund erscheint die stärkere Vernet-
zung und Aufgabenkoordination der Schlösser, Burgen und Gärten einerseits und
der staatlichen Museen andererseits im Interesse eines koordinierten Marketings er-
strebenswert. Das gilt auch für die anstehenden hervorragenden Jubiläen, insbeson-
dere von Reformation, Cranach-Jahr und Völkerschlacht. Dies kann zum Vorteil des
Erscheinungsbildes des Freistaates sein und sich positiv auf die Besucherresonanz
auswirken.
Die hier getroffenen Feststellungen gelten nicht allein für die staatlichen Museen.
Vielfalt und Reichtum der großartigen sächsischen Museumslandschaft erschließen
sich erst vollständig beim Blick auf das Ganze: Neben den bedeutenden staatlichen
Sammlungen in den Zentren existiert eine Fülle
nichtstaatlicher Museen
im Frei-
staat Sachsen. Gemeinsam prägen sie das Erscheinungsbild Sachsens als Kultur-
land, begründen sie in unterschiedlicher Ausprägung die touristische Anziehungskraft

26
Sachsens als Reiseland. Sie betreiben eine stärkere Vernetzung, um die vorhande-
nen Potenzen zum Wohle aller Einrichtungen zu stärken, z.B. durch eine verstärkte
Ausrichtung der SLfM als zentrale Informations- und Koordinationsstelle zur Er-
schließung der kulturellen Ressourcen des Landes im Museumsbereich.
Der Freistaat Sachsen bezieht die zeitgeschichtliche Erinnerung in die Kulturpolitik
mit ein. Die angemessene Ausprägung eines „negativen Gedächtnisses“ in der Ge-
stalt der
Gedenkstätten
an – auch international bedeutsamen – historischen Orten
politischen Unrechts ist Teil einer
demokratischen Erinnerungskultur
. Diese folgt
der normativen Orientierung nach Rechtsstaatlichkeit und Menschlichkeit in der Aus-
einandersetzung mit der Geschichte zweier verschiedener Diktaturen in Deutschland.
Um den Erinnerungskonsens zu festigen, bekennt sich die Staatsregierung zu dem
Grundsatz, weder die Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus und die Singularität
des Holocaust zu relativieren, noch die Geschichte der kommunistischen Diktatur in
der sowjetischen Besatzungszone und DDR zu bagatellisieren. Der Freistaat fördert
die Gedenkstättenarbeit durch Zuwendungen an die unter dem Dach der Stiftung
Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft
zusammengeführten Einrichtungen, die zum Teil auch vom Bund gefördert werden.
Die Staatsregierung strebt eine Festigung und Fortentwicklung demokratischer Erin-
nerungskultur durch die wichtige und umfassende Arbeit der Stiftung Sächsische
Gedenkstätten unter Berücksichtigung der in der Verfassung des Freistaates Sach-
sen niedergelegten leidvollen Erfahrungen mit nationalsozialistischer und kommu-
nistischer Gewaltherrschaft an. Sie beabsichtigt die Novellierung des Errichtungsge-
setzes der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, mit dem Ziel, eine Mitwirkung aller
gesellschaftlich relevanten Vertretungen von Opfergruppen und Gedenkstätteninitia-
tiven zu ermöglichen. Als wichtige Grundlage betrachtet sie die Mitwirkung der Op-
ferverbände und Gedenkstätteninitiativen verschiedener Verfolgungsperioden in den
Stiftungsgremien im Geiste von Toleranz und Respekt gegenüber dem individuellen
Leidensschicksal.
Es geht auch darum, mit der Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozi-
alismus sowie an Opposition und Widerstand in der DDR, Freiheitstraditionen in der
sächsischen Geschichte sichtbar zu machen und die Identität Sachsens als Kernland

27
der friedlichen Revolution weiter zu schärfen. Somit soll auch der politische Umbruch
des Herbsts 1989 als Ausgangspunkt einer demokratischen Entwicklung in Sachsen
stärker fokussiert werden. Mittels historisch-politischer Bildungsarbeit in Gedenk-
stätten soll zugleich dem Rechtsextremismus entgegengewirkt werden. Auch einer
Verklärung der DDR-Diktatur soll wirkungsvoll begegnet werden.
Die
Baukultur
erschöpft sich auch in Gegenwart und Zukunft in Sachsen nicht in der
öffentlichen Finanzierung von
Kunst am Bau
. Im Bereich der Kulturbauten und öf-
fentlichen Bauten für die Bildung hat der Freistaat Sachsen nach 1990 im Landesbau
kontinuierlich städtebauliche und architektonische Akzente gesetzt (z.B. Universi-
tätsgebäude, Museumsneubauten, Synagogen-Bauten etc.). Nunmehr gilt es, auch
neben Denkmalschutz und Wiederaufbau Entwicklungen
moderner Architektur
noch mehr Raum zu geben.
Denkmalpflege und Denkmalschutz
sind identitätsstiftend und für den Freistaat
Sachsen mit seinem reichen Kulturerbe von zentraler kultureller und kulturpolitischer
Bedeutung. Die fachliche Anbindung an das Ressort des Sächsischen Staatsministe-
riums für Wissenschaft und Kunst in den Jahren 1992 bis 2002 hatte sich – auch
nach Auffassung des Sächsischen Kultursenats – bewährt. Hoheitliche Aufgaben
und die Fachberatung für Bürgerinnen und Bürger, Kommunen und Körperschaften
sind so besser wahrzunehmen als über die Beauftragung dieser Dienstleistungen
außerhalb der staatlichen Zuständigkeit. Langfristig strebt die Staatsregierung die
Zusammenführung der Landesämter für Denkmalpflege und für Archäologie in einem
zusammengefassten Landesamt an. Hier wären fachlich verwandte Behörden mit
hoheitlichen Aufgaben sinnfällig fusioniert. Ihre enge Verbindung zur Kultur ist evi-
dent.
Die Sächsische Kulturlandschaft ist auch dadurch geprägt, dass die wichtigsten Mu-
seen in außerordentlich hochwertigen Gebäuden – Denkmalen – untergebracht sind.
Sie bilden eine Einheit von Inhalt und Hülle. Nach wie vor gilt es, bauliche Wunden
des Zweiten Weltkrieges zu beseitigen. Bei bisherigen sowie noch anstehenden Sa-
nierungen und Rekonstruktionen steht deshalb die Frage nach der Möglichkeit der
weitestgehenden Wiederherstellung des Originalzustandes der Museumsgebäude in

28
harmonischer Überstimmung mit attraktiven und zukunftsfähigen Ausstellungskon-
zepten im Vordergrund.
Sachsen verfügt über ein über Jahrhunderte gewachsene und in der Bevölkerung
verwurzelte vielgestaltige
Theaterlandschaft
, die es zu bewahren und weiterzuent-
wickeln gilt. Die Staatsregierung beabsichtigt, die Kulturräume bei ihren Bemühun-
gen zur Aufrechterhaltung eines angemessenen
Theater- und Orchesterangebotes
auch weiterhin zu unterstützen und moderierend zu begleiten. Das von der Kulturstif-
tung beauftragte Gutachten über die Weiterentwicklung der Theater- und Orchester-
landschaft im Freistaat Sachsen vom 04.09.2007
8
zeigt mögliche Wege für das sich
schrittweise Anpassen an veränderte Rahmenbedingungen auf. Das Sächsische
Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst ist davon überzeugt, dass es uner-
lässlich ist, ernsthaft über die Konzentration der Potentiale, über Kooperationen und
Fusionen nachzudenken und rechtzeitig zu entscheiden, um mittelfristig ein tragfähi-
ges, qualitativ hochwertiges Theater- und Orchesterangebot vorhalten zu können.
Theater und Orchester in den ländlichen und urbanen Kulturräumen, aber auch die
staatlichen Theater (einschließlich Oper) und Orchester bedürfen einer kontinuierli-
chen und auskömmlichen Förderung, um im Wettbewerb um Zuschauer und Aner-
kennung bestehen zu können und um der Identität Sachsens als Kulturland gerecht
zu werden.
Für die Landesbühnen Sachsen in Radebeul soll die Sitzkommune mittelfristig finan-
zielle Mitverantwortung tragen. Die Staatsregierung strebt im Rahmen der kulturellen
Bildung die Stärkung der Kinder- und Jugendtheater sowie Amateurtheater an.
Sachsen ist ein
Musikland
par excellence. Es hat die dichteste Theater- und Or-
chester-Struktur Deutschlands. Sächsische Musikgeschichte ist eng mit Namen gro-
ßer Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Clara und Robert Schumann und Fe-
lix Mendelssohn-Bartholdy, Heinrich Schütz, Richard Wagner, Richard Strauss und
Carl Maria von Weber verbunden. Konzerthäuser wie die Dresdner Semperoper mit
der Staatskapelle Dresden oder das Gewandhaus in Leipzig begründen den Ruhm
Sachsens als Musikland. Der Leipziger Thomanerchor und der Dresdner Kreuzchor
schauen auf eine mehr als 400-jährige Tradition zurück. Jährlich finden in Sachsen
mehr als 40 national und international renommierte Musikfestivals statt.

29
Die Sächsische Staatsoper Dresden einschließlich der Staatskapelle Dresden muss
im Zusammenwirken von öffentlicher Hand, Sponsoring und Eigeneinnahmen durch
Kartenverkauf weiterhin einträglich arbeiten und finanziell solide aufgestellt werden.
Im Bereich der dezentral ausgerichteten
Musikfestivals
strebt die Sächsische
Staatsregierung mittelfristig eine Akzentuierung bzw. Verstetigung der Förderung an
nach dem Prinzip „Qualität vor Quantität“. Sie folgt damit den Empfehlungen eines
von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Kulturstiftung beauftragten Gut-
achtens aus dem Februar 2007.
9
Der Freistaat wird sich künftig auf die Förderung von drei Festivals in Sachsen kon-
zentrieren: Das Festival Mitte Europa, die Dresdner Musikfestspiele und das Bach-
Fest Leipzig werden auch weiterhin und verstärkt durch das Sächsische Staatsminis-
terium für Wissenschaft und Kunst gefördert. Die Kulturstiftung fördert das Mozartfest
Chemnitz, den Mittelsächsischen Kultursommer, die Kursächsischen Musikfestspiele,
die Silbermanntage, den Instrumentalwettbewerb Markneukirchen, das Jazzfestival
Leipzig sowie Sandstein & Musik. Das Moritzburg Festival wird weiterhin durch das
Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (Sommerakademie) und
Kulturstiftung (Festival) gemeinsam gefördert.
Die Festivalpolitik der Sächsischen Staatsregierung trägt der „von unten“ gewachse-
nen Entwicklung der sächsischen Musikfestivals Rechnung. Um Veranstaltern eines
mehrjährigen Projektes mehr Planungssicherheit zu ermöglichen, wird – zunächst in
einer Pilotphase – über die Kulturstiftung aus Eigenmitteln die dreijährige Konzepti-
onsförderung eingeführt, die bei positiven Ergebnissen ggf. durch (un-)mittelbare
Landesmittel im Haushalt finanziert werden sollen.
Des Weiteren sind kontinuierliches Monitoring und Evaluierung der Festivalförderung
in bestimmten Jahresabständen vorgesehen. Beabsichtigt ist eine verbesserte Ab-
stimmung und Konsultation der Musikfestivalveranstalter sowie der Förderer unterei-
nander, wobei dem Sächsischen Musikrat eine moderierende Funktion zukommt.
Dies gilt vor allem bezüglich der Frage nach neuen Festivalformaten und Inhalten,
die auch ein jüngeres Publikum anziehen (v.a. Musiksparten Rock, Pop und Jazz,
aber auch Heranführung an die Klassik). Ziel ist ferner die Optimierung der Öffent-
lichkeitsarbeit und eine Verbesserung des touristischen Innen- und Außenmarketings
der Musikfestivals mit Hilfe der Tourismus-Marketing-Gesellschaft Sachsen (TMGS).

30
Die mehr als 20
Musikschulen
in Sachsen werden durch die Kulturräume und er-
gänzend durch den Freistaat gefördert. Sie sind Einrichtungen der kulturellen Grund-
versorgung und somit Basis für das Musikleben in Sachsen. Die Musikschulen erfül-
len den unverzichtbaren Auftrag der ästhetischen Bildung und Erziehung vor allem
für Kinder und Jugendliche sowohl in der Breiten- wie der Spitzenförderung. Im
Rahmen der kulturellen Bildung sind sie besonderer Förderung durch den Freistaat
würdig. Dabei wird eine verstärkte Zusammenarbeit der schulischen und hochschul-
ischen Einrichtungen mit Institutionen der Musik-Hochkultur angestrebt. Die Arbeit
der Musikschulen soll gestärkt und jedem interessierten Kind ein Zugang zur musi-
schen Bildung ermöglicht werden. Das Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ soll nach
erfolgreicher Pilotphase verstetigt werden.
Die künstlerische Bildung an den fünf
Kunsthochschulen
des Freistaates ist in vie-
len Bereichen einzigartig. Die Palucca-Schule ist Deutschlands einzige Hochschule
für Tanz. An der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig werden Maler der
weltbekannten Neuen Leipziger Schule zum Abschluss geführt. Die Hochschule für
Bildende Künste Dresden bietet einzigartige Studiengänge, die Hochschule für
Technik und Wirtschaft in Leipzig hat ein besonderes Renommée bei der Ausbildung
von Museologen. Aber auch an den Universitäten des Freistaates bildet der Dialog
zwischen Wissenschaft und Kunst einen Schwerpunkt, der in der Aufgabenstellung
des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst gebündelt ist und
mittelfristig noch stärker ausgebaut werden soll. Das Literaturinstitut an der Universi-
tät Leipzig hat nicht nur Leipzigs lebendige junge Literaturszene belebt, sondern ins-
gesamt eine Reihe erfolgreicher junger Autorinnen und Autoren der deutschen
Gegenwartsliteratur hervorgebracht.
Künftig sollen die Kunsthochschulen in der öffentlichen Wahrnehmung insgesamt
noch stärker als Foren des kulturellen Ausdrucks des künstlerischen Nachwuchses
profiliert werden.
Umfangreiche Kulturgüter staatlicher und nichtstaatlicher Provenienz werden in den
beim Staatsministerium des Innern (SMI) ressortierenden Sächsischen Hauptstaats-
archiven, aber auch in kommunalen Archiven bewahrt und für die interessierte Öf-

31
fentlichkeit erschlossen. In lokalen Archiven gibt es dabei eine enge Überschneidung
der Aufgabenbereiche von
Archiven und Bibliotheken
sowie Museen.
Der Freistaat Sachsen muss der Bewahrung des archivalisch gesicherten Kulturgu-
tes eine ebenso große Aufmerksamkeit schenken wie den Kulturgütern der umfang-
reichen Museumssammlungen. Die Archive können ihre kulturellen und wissen-
schaftlichen Potentiale nur entfalten, wenn das Kulturgut fachkundig konserviert wird
und auf geeignete Weise der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Im Bereich des Kulturgutschutzes, sowohl in der Archiv- wie in der Museumsland-
schaft des Freistaates Sachsen, verfügen die sächsischen Institutionen über heraus-
ragendes Erfahrungswissen und besondere Fachkompetenz, die es – auch im ge-
samtstaatlichen Interesse – zu erhalten und weiter zu profilieren gilt.
Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hat 2007 einen Struk-
tur- und Entwicklungsplan für die wissenschaftliche Literatur- und Informationsver-
sorgung im Freistaat Sachsen (Bibliothekskonzeption) vorgelegt.
10
Ziel ist die Mo-
dernisierung der Bestände sächsischer Bibliotheken, deren Kooperation und Vernet-
zung, wobei die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) als Bibliothek
mit einem umfassenden Bestand einen zentralen Stellenwert einnimmt.
Im Zuge der umfassenden Neustrukturierung des Bildungssystems müssen sich Bi-
bliotheken weiter vom klassischen Wissensspeicher zum aktiven Bildungspartner
entwickeln. In den sächsischen Bibliotheken bedarf es dazu neuer Akzentsetzungen
und Absprachen. Dazu gehören auch umfangreiche Maßnahmen zur Digitalisierung
von Kulturgut.
Notwendiger Umbau und Erweiterung des Serviceangebots einerseits und weitere
Rationalisierungsanstrengungen andererseits erfordern ein vertieftes partnerschaft-
liches Zusammenwirken der sächsischen Bibliotheken. Hinsichtlich der künftigen Zu-
sammenarbeit der SLUB und der sächsischen Hochschulbibliotheken soll grundsätz-
lich das bayerische Modell des „kooperativen Leistungsverbunds“ wegweisend sein.
Auf der Basis des vorliegenden Struktur- und Entwicklungsplans wird die SLUB zent-
rale bibliothekarische DV-Anwendungen zur Verfügung stellen, speziell die Leis-
tungsfähigkeit der kleineren sächsischen Bibliotheken unterstützen sowie Geschäfts-
prozesse und Dienstleistungen koordinieren.

32
Die Bibliotheken werden einheitliche Qualitätsstandards für gleiche Serviceprodukte
definieren. Die sächsischen Bibliotheken bekennen sich zur kennzahlenbasierten Un-
ternehmensstrategie und wollen diese mit modernen betriebswirtschaftlichen Instru-
menten gemeinsam umsetzen.
Die technische Infrastruktur der sächsischen Hochschulbibliotheken ist künftig so zu
entwickeln, dass ein Maximum an Synergieeffekten erreicht wird. Ziel ist die regel-
mäßige Abstimmung und gemeinsame Beschaffung von IT-Technik bis hin zu deren
zentralem Betrieb.
Mit Rücksicht auf die anzustrebende Durchlässigkeit zwischen universitärer und be-
ruflicher Bildung sollen die wissenschaftlichen Bibliotheken und allgemeinen Biblio-
theksdienste möglichst allen Interessierten unbeschränkt zugänglich sein. In einem
gemeinsamen Weiterentwicklungsprojekt zwischen wissenschaftlichen und allgemei-
nen öffentlichen Bibliotheken sowie der Landesfachstelle für Bibliothekswesen soll
diese Verbindung hergestellt werden.
Das zeitgenössische Kunst- und Kulturschaffen wird in allen Sparten der
allgemei-
nen Kunst- und Kulturförderung
einschließlich der Soziokultur durch den Freistaat
Sachsen gefördert. Es erstreckt sich beispielsweise auf bildende und darstellende
Kunst, Literatur, kulturelle Filmförderung und auf spartenübergreifende Kunstformen.
Dies geschieht mit einer Schwerpunktsetzung auf in Sachsen ansässige Künstlerin-
nen und Künstler sowie deren Kunstprojekte in der zeitgenössischen Kunst. Diese
Förderung leistet eine identitätsstiftende Funktion der Selbstbefragung und der
Selbstversicherung mittels der Kultur, aber auch einen Beitrag für „das Erbe von
morgen“ und ist dadurch auch zukunftsorientiert.
Die klar strukturierte Förderpolitik unterscheidet zwischen Landesförderung (Förde-
rung der Landeseinrichtungen; Allgemeine Kunst- und Kulturförderung) durch das
Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Kulturraumförderung,
kommunaler Kulturförderung und schließlich Förderung durch die Kulturstiftung des
Freistaates Sachsen als Teil der dem Sächsischen Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst nachgeordneten mittelbaren Staatsverwaltung und schließlich das
private Mäzenatentum.

33
Besondere Bedeutung kommt in der Förderpolitik des Freistaates dabei der Förde-
rung überregional bedeutsamer Kulturfestivals wie etwa dem Filmfestival Schlingel
für Kinder und junges Publikum in Chemnitz oder dem Festival für computeranimierte
Kunst CYNET Art in Dresden zu. Mit dem Kunstpreis für Toleranz und Demokratie ist
neben anderen Förderpreisen ein weiterer Anreiz geschaffen, Kunst – ihrer gesell-
schaftspolitischen Bedeutung entsprechend – auch zum Nutzen der demokratischen
Wertorientierung des Gemeinwesens wirksam werden zu lassen.
Die Förderpolitik des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst
verfolgt das Ziel, die Rezeption von Kunst mit besonderer Berücksichtigung vor allem
klassischer Musik mit traditionsgemäß hoher Besucherakzeptanz und Wirtschaftlich-
keit zu ermöglichen. Sie hat zugleich die spartenübergreifende Förderung zeitgenös-
sischen Kunst- und Kulturschaffens im Blick, um dem Neuen, künstlerischen Experi-
mentieren Raum zu geben. Bei Schwerpunktsetzungen sollen künftig vor allem
künstlerisch qualitative Merkmale nach transparenten Kriterien Grundlage konzeptio-
neller wie Förderentscheidungen bilden.
Da es in fast allen Sparten der Kunst die Ausnahme ist, dass zeitgenössische Dar-
stellungs- und Ausdrucksformen eine breite wie bereitwillige Annahme durch das
Publikum erfahren, muss die Verbreitung ebenfalls durch Fördermaßnahmen (Festi-
vals, Ausstellungen und Lesungen) unterstützt werden, um junge Talente zur Entfal-
tung zu bringen und Künstler zu ermutigen, ihren Beitrag mit den ihnen eigenen Aus-
drucksformen zum gesellschaftlichen Diskurs im Freistaat Sachsen und darüber hin-
aus leisten zu können.
Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst ermöglicht das Ent-
stehen zeitgenössischer Kunst über alle Sparten
11
: durch die Förderung von Einrich-
tungen, die die künstlerische Produktion unterstützen oder unmittelbar beauftragen,
durch Reise- und Aufenthaltsstipendien und Projektstipendien insbesondere in der
Bildenden Kunst, die Förderung von spartenübergreifenden Gemeinschaftsprojekten
der institutionellen und freien Szene sowie eine Reihe von (Förder)-Preisen im Be-
reich Film und Bildende Kunst – z.B. den Europäischen Kinderfilmpreis zum Interna-
tionalen Kinder- und Filmfestival Schlingel in Chemnitz. Es wird erwogen, einen Preis
für Kunstpräsentation in Galerien, die besonders noch unbekannte Künstler fördern,
zu installieren.

34
Für den
Zugang zum Neuen
soll sich auch weiterhin Dresden-Hellerau mit seinem
Europäischen Zentrum der Künste als ein Kristallisationskern der Moderne entwi-
ckeln. Der Freistaat unterstützt
neue Akzente
wie die Idee eines Georg-Baselitz-
Museums in Kamenz.
Hinzu kommt die Förderung von Berufs- und Interessenverbänden, welche durch
verschiedene Maßnahmen die Verbreitung zeitgenössischer Werke fördern sowie die
Förderung zusammenfassender Projekte innerhalb einer Sparte, die für ganz Sach-
sen einen repräsentativen Querschnitt des aktuellen Schaffens aufzeigen.
Wichtig ist eine qualitative Förderung, über die wechselnde Gremien mit Mitgliedern
aus verschiedenen Institutionen, Verbänden, aber auch nicht organisierte Künstler
entscheiden sollen. Auch bei vielen kommunalen Museen und Galerien nimmt die
zeitgenössische Kunst einen wichtigen Platz ein. Theater und Opernhäuser orientie-
ren sich mit ihren Aufführungen oftmals zwischen der kulturpolitischen Aufgabe zur
Aufführung zeitgenössischer Werke und wirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Öffentlich finanzierte Ankäufe von Kunstobjekten erfolgen in aller Regel durch die
Galerie für zeitgenössische Kunst Leipzig und die Kulturstiftung, ergänzt durch die
Ankäufe für nichtstaatliche Museen durch die Landesstelle für Museumswesen.
Die Förderpolitik im Bereich Musik/Darstellende Kunst zielt auf eine Überwindung ei-
ner Unterteilung nach Genres von „E“- und „U“- Musik – durch die beabsichtigte Ver-
gabe eines Musiknachwuchs-Preises als Ergebnis eines Live-Musikwettbewerbes
sächsischer Bands im Bereich Pop/Rock/Jazz. Angestrebt wird außerdem die Förde-
rung von Rock- und Pop-Musik als spezielles Genre zeitgenössischer Musik in Ko-
operation mit dem SMWA (Förderung der Kulturwirtschaft).
Die
Soziokultur
– die durch eine kleinteilige, niedrigschwellige, interdisziplinäre und
vor allem spartenübergreifende Kulturarbeit „vor Ort“ auf allen Förderebenen des
Freistaates charakterisiert ist – hat in der gesellschaftlichen Demokratisierung nach
1989/90 in Sachsen einen wesentlichen Beitrag geleistet und ist längst als eigen-
ständiger Förderbereich der Kulturpolitik etabliert.
12
Über den Landesverband Sozio-
kultur e.V., der vom Freistaat institutionell gefördert wird, wird eine Vielzahl an freien

35
Trägern der Soziokultur fachlich betreut, die ihrerseits von unterschiedlichen Zuwen-
dungsgebern der verschiedenen staatlichen Ebenen finanziert werden, sich meist
aber auch bürgerschaftlichem Engagement und ehrenamtlicher Arbeit verdanken.
Vielerorts sind es soziokulturelle Einrichtungen und Projekte, die für die Bevölkerung
– insbesondere im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit – erstmalige Zugänge zur
Kultur schaffen und somit eine Mittlerfunktion zwischen Hoch- und Breitenkultur aus-
füllen.
Auch im Bereich der Soziokultur ist es wichtig, dass angesichts des haushalts-
politischen Reformdrucks Qualitätskriterien und Mindeststandards an die Arbeit an-
gelegt, die Arbeitsfelder soziokultureller Einrichtungen und deren Projekte konkreti-
siert und abgegrenzt und soziokulturelle Zentren in den Prozess der Evaluierung von
Kultureinrichtungen einbezogen werden. Die Staatsregierung begrüßt die Entwick-
lung eines „Kriterienkatalogs Soziokultur“ durch den Landesverband. Ebenso be-
deutsam ist es, dass sich die Einrichtungen vernetzen, um Synergien zu erzielen und
ihre Arbeit auf Landesebene insgesamt effektiver gestalten, insbesondere bei über-
regional bedeutsamen Förderungen.
Die Soziokultur hat heute mehr denn je einen wichtigen Stellenwert im Hinblick auf
den demografischen Wandel und die besten Konzepte, die Gesellschaft durch gene-
rationsübergreifende Kulturangebote miteinander in Beziehung zu setzen und diese
Rolle der Kultur zu stärken. Insofern wird die Soziokultur im Freistaat auch für die
Profilierung der kulturellen Bildung und eine integrative Kulturpflege und -rezeption
im kommenden Jahrzehnt und darüber hinaus eine wichtige Rolle einnehmen.
Der Freistaat Sachsen verfügt in der Oberlausitz mit den
Sorben
über eine Minder-
heit, deren Kultur, Sprache und Brauchtum der besonderen Förderung durch den
Staat bedürfen. Auf der Grundlage eines Abkommens mit dem Bund und dem Land
Brandenburg erfolgt eine Finanzierung der
Stiftung für das Sorbische Volk
. Die
Staatsregierung unterstützt die sorbische Sprache und Kultur als Ausdruck der Iden-
tität des sorbischen Volkes – einschließlich der zeitgenössischen sorbischen Kunst.
Der Freistaat Sachsen sieht sich zugleich vor die Frage gestellt, welche Mindestrah-
menbedingungen unabhängig von der Anzahl der sich zum sorbischen Volkstum be-

36
kennenden Sachsen unter kulturellen wie auch bildungspolitischen Gesichtspunkten
erhalten werden müssen.
Die Staatsregierung sieht in der sorbischen Kultur auch eine Brückenfunktion sowohl
im bikulturellen Siedlungsgebiet der Sorben im Freistaat Sachsen als auch zu ande-
ren slawischen Sprachen und Kulturen in Mittel- und Osteuropa sowie zur aktiven
Teilhabe am Diskurs über die Bedeutung von Minderheitenkulturen in ganz Europa.
Die Zukunft der sorbischen Sprache und Kultur bedarf eines nachhaltigen Entwick-
lungskonzeptes, das ihre finanzielle Grundsicherung auf Dauer gewährleistet. Dabei
handelt es sich um eine Aufgabe, wie sie in den UNESCO-Übereinkommen zur Be-
wahrung des immateriellen Kulturerbes und zum Schutz und der Förderung der Viel-
falt kultureller Ausdrucksformen niedergelegt ist und die in gesamtstaatlicher Verant-
wortung wahrgenommen werden muss.
Nicht zuletzt im Zusammenhang
internationaler Kulturangelegenheiten
gilt: Kultur
stärkt die für die demokratische Gesellschaft so lebenswichtige friedliche, weltoffene
und tolerante Entwicklung des Freistaates. Als Kulturland hat Sachsen international
ein besonderes Image. Es ist die reichhaltige und vielfältige kulturelle Tradition und
das künstlerische Gegenwartsschaffen, durch die wir - neben Wirtschaft, Wissen-
schaft und Forschung - mit der Welt in Beziehung treten. Neben den Verpflichtungen
aus dem Kontext der Kultusministerkonferenz bestehen Aktivitäten des Kulturaus-
tauschs und des Künstleraustauschs. Sachsen hat ein vitales Interesse an guten Be-
ziehungen zu den Nachbarn Polen und der Tschechischen Republik mit wachsender
Bedeutung.
Der Freistaat Sachsen hat im europäischen Integrationsprozess durch seine geogra-
fische Nachbarschaft eine besondere Mittlerfunktion nach Mittel- und Osteuropa zur
Erlangung besserer Kenntnisse vielfältiger regionaler, nationaler Kulturen. Die
grenzüberschreitende Kulturpflege und der grenzüberschreitende Kulturaustausch
mit den mittel- und osteuropäischen Staaten sind deshalb fortzusetzen und zu inten-
sivieren.
Kulturentwicklung im Kontext der Globalisierung bedeutet auch, den Prozess durch
und mit Kultur zu begleiten: Kultur ist hier ein wichtiges Element der Stabilisierung
regionaler Identität, sie ist zudem ein Mittel der Integration und sie hat eine Brücken-
funktion zwischen den Kulturen wie z.B. auch mit China oder der islamisch geprägten

37
Welt. Die Festigung einer transnationalen regionalen Identität nach der EU-
Osterweiterung und die Berücksichtigung der kulturellen Vielfalt in der Region ist eine
geeignete Antwort auf die Globalisierung.
Sachsen verfügt gemeinsam mit Polen mit dem Fürst-Pückler-Park Bad
Muskau/Legnica über eine zweistaatliche Welterbestätte der UNESCO. Trotz des
Verlusts des Welterbetitels für das Dresdner Elbtal verfügt der Freistaat über Poten-
tiale, die in den Rang des Kulturerbes der Menschheit gehoben werden könnten und
somit die Kultur Sachsens mit der Weltkultur verbinden. Die Staatsregierung ist sich
des Stellenwerts der UNESCO-Welterbekonvention bewusst und unterstützt die
nachhaltige Entwicklung entsprechender Welterbestätten in Sachsen. Eine gesetzli-
che Verankerung der Welterbekonvention in Sachsen ist geboten.
Die Staatsregierung fördert über das Sächsische Staatsministerium des Innern nach
§ 96 Bundesvertriebenengesetz kulturelle Aufgaben. Einen besonderen Stellenwert
nimmt in diesem thematischen Zusammenhang das in der Rechtsform einer Stiftung
bürgerlichen Rechts betriebene Schlesische Museum zu Görlitz ein, das vom SMWK
und vom Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien (BKM) institutionell geför-
dert wird. Die auf die Tradierung der schlesischen Kultur gerichtete kulturelle Arbeit
des Museums nimmt einen wichtigen Stellenwert für die Versöhnung mit den osteu-
ropäischen Anrainern, insbesondere für den interkulturellen Austausch und die Festi-
gung des europäischen Gedankens, ein, die es zu festigen gilt.
Sachsen ist – wenn auch wegen eines geringeren Bevölkerungsanteils von Men-
schen mit Migrationshintergrund in geringerem Ausmaß als der Bundesdurchschnitt
– mit Fragen der Migrantenkultur konfrontiert. Die Staatsregierung begrüßt und för-
dert kulturelle Aktivitäten, die der Integration in Sachsen lebender Ausländer dienen
und im Freistaat Sachsen ein Klima der Weltoffenheit sowie Vielfalt und Internationa-
lität begünstigen. Diese Aktivitäten sind zu verstärken, denn gelebte Interkulturalität
hilft, Ausländerfeindlichkeit zurück zu drängen. Sachsen ist auf Einwanderung ange-
wiesen und muss sein Image als weltoffenes Land immer wieder aktiv unter Beweis
stellen.
Da sich in den kommenden Jahren die
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
verändern werden, muss auch Kulturpolitik darauf reagieren. Verschiedene Faktoren

38
beeinflussen die Entwicklung einer sowohl traditionsbewussten als auch modernen
Kunst- und Kulturlandschaft in Sachsen:
Die Entwicklung des kulturellen Erbes verdankt sich in der Geschichte meist wirt-
schaftlicher Prosperität und entfaltet in der Gegenwart und Zukunft Kräfte, die sich
ihrerseits positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken können. Insofern be-
findet sich
Wirtschaft und Kultur
in Sachsen in einem wechselseitigen Dialog. Auf
diesem für Sachsen typischen Dialog von wirtschaftlichem Fortschritt und kultureller
Innovation unter Einbeziehung der Wissenschaften muss auch die weitere Entwick-
lung des Freistaates mit einer Perspektive bis 2020 aufbauen.
13
Für die Entwicklung effektiver Strukturen im Kulturbereich muss sich Sachsen im
kommenden Jahrzehnt und darüberhinaus darauf einstellen, dass die gesellschaftli-
che Entwicklung durch Alterung und Schrumpfung einem
demografischen Wandel
unterliegt. Dieser stellt indes kein verselbständigtes Politikziel dar, sondern bildet den
Rahmen für die davon unabhängig bestehenden eigentlichen Politikziele etwa der
kulturellen Bildung oder der Förderung des Kulturtourismus. Der Kulturlandschaft
darf nicht der Boden entzogen werden.
Ein vorauseilendes Sich-Anpassen der kulturellen Infrastruktur an eine prognostizier-
te demografische Entwicklung nach dem Motto „Weniger Menschen – weniger Kul-
tur“ würde eher kontraproduktive Auswirkungen haben. Viel eher kann Kulturpolitik
einen wesentlichen Beitrag dafür leisten, einer Bevölkerungsabwanderung in einem
bestimmten Maße entgegenzuwirken bzw. im begrenzten Umfang vorzubeugen. In
welcher Intensität eine älter werdende Gesellschaft gegebenenfalls verstärkt Kultur-
angebote nachfragt, ist bisher unbekannt. Doch steigende Lebenserwartung und der
Freiraum für Tätigkeiten außerhalb der Erwerbsarbeit führen u. U. dazu, dass Kultur
als Sinnstiftung eher stärker nachgefragt wird als bisher. Jedenfalls darf der Kulturbe-
reich nicht relational zur demografischen Entwicklung und den sinkenden Einnahmen
angesichts des Auslaufens des Solidarpaktes II bis 2019 heruntergefahren werden.
Die Erfahrung des demografischen Wandels verlangt vielmehr nach seiner kulturel-
len Begleitung.
Kultur erweist sich angesichts der dynamischen
Veränderungsprozesse
zugleich
auch als Bindemittel einer solidarischen, demokratisch verfassten Gesellschaft: Glo-

39
bale Entwicklungen wie die Klimaveränderungen, Ressourcenverknappung und stei-
gende Energiekosten, Grenzen des Wachstums oder andere unvorhergesehene
ökonomische Krisen haben unmittelbare Auswirkungen auf die Kultur, die ihrerseits
in ihrer Vielfalt die Kohäsionskräfte der Gesellschaft stärken kann.
Kulturelle Angebote sehen sich in der Gegenwart verstärkt dem Einfluss durch mo-
derne
Technologien
ausgesetzt – teils als konkurrierende Angebote audio-visueller
Medien im Verhältnis zu klassischen Kulturangeboten, teils aber auch als eigenstän-
dige Mittel völlig neuer Ausdrucksformen in der Kunst, teils im Sinne von Synergien
aus der Kooperation beider.
Die
Kooperation
über Landesgrenzen innerhalb und außerhalb Deutschlands ist Teil
sächsischer Kulturpolitik, insbesondere in der historischen mitteldeutschen Kulturre-
gion, wo die Entwicklung gemeinsamer Kulturprojekte im Bereich historischer Aus-
stellungen und der Musikkultur – im Einklang mit dem Programm des Mitteldeut-
schen Rundfunks – auch künftig fortgesetzt werden wird.
Zudem stellen das Zusammenwachsen Europas und die fortschreitende Globalisie-
rung die Kulturpolitik vor neue Herausforderungen.
Überregionale Zusammenarbeit
umfasst über die unmittelbaren Anrainer Sachsens hinaus auch andere Bundeslän-
der oder europäische Partnerregionen, mit denen – nicht zuletzt im Rahmen der Kul-
tusministerkonferenz (KMK) – eine konstruktive Zusammenarbeit praktiziert wird.

40
V. Schwerpunkte mittelfristiger Kulturpolitik für den Freistaat Sachsen
Die für die Kulturpolitik Verantwortlichen müssen sich der Frage stellen, in welchen
Bereichen für die nächsten Jahre unmittelbarer Handlungsbedarf besteht.
Kulturpolitik ist in Sachsen eine
ressortübergreifende Aufgabe
, denn die Kultur-
landschaft des Freistaates wird von verschiedenen Ministerien in unterschiedlichen
Sparten betreut. Neben den beim Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft
und Kunst angesiedelten Kernaufgaben der Kunst- und Kulturförderung und der Be-
treuung der Kultureinrichtungen in staatlicher Trägerschaft müssen künftig Bereiche
wie die Staatlichen Burgen, Schlösser und Gärten sowie andere Kulturbauten (SMF),
die Denkmalpflege und das Archivwesen (SMI), die schulische (kulturelle) Bildung
und musische Erziehung im Vorschulalter (SMK), kulturelle Jugendarbeit (SMS) wie
nicht zuletzt die Kultur- und Kreativwirtschaft (SMWA) und die Kultur im ländlichen
Raum (SMUL) aber auch die Medienpolitik (SK) stärker miteinander vernetzt werden,
um für ganz Sachsen eine aufeinander abgestimmte Kulturpolitik entwickeln zu kön-
nen. Von einer stärkeren Verdichtung kulturpolitischer Handlungsfelder der Staatsre-
gierung – von denen hier nur die wichtigsten genannt wurden – werden auch weitrei-
chende Synergieeffekte erwartet.
Kulturelle Bildung
hat – Im Interesse des Erhalts einer breiten Kulturkompetenz
möglichst auch nachwachsender Generationen – einen immer wichtigeren Stellen-
wert in der Zusammenarbeit zwischen Kultur- und Bildungsstätten. Die moderne Bil-
dungsforschung hat die Erkenntnis bestätigt, dass Bildungschancen von Kindern und
Jugendlichen in erheblichem Maße von ihrer kulturellen Prägung abhängen: dem
Umgang mit Kulturgütern, eigener kultureller Aktivität und dem Besuch kultureller
Einrichtungen wie Museen, Theatern oder Konzerten. Kulturelle Bildung bedeutet in
Anlehnung an den Deutschen Kulturrat (2000) die aktive Auseinandersetzung mit
Kultur und beinhaltet die aktive Rezeption und eigene kulturelle Praxis. Sie ist Vo-
raussetzung für die aktive Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftli-
chen Leben, ein lebensbegleitender Lern- und Auseinandersetzungsprozess des
Menschen mit sich, seiner Umwelt und der Gesellschaft, zugleich aber auch integra-
les Element von Allgemeinbildung. Kulturelle Bildung hat unter anderem die Aufgabe,
Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen und ihre sozialen,

41
kommunikativen wie kreative Fähigkeiten zu stärken und somit zur Partizipation und
Übernahme von Verantwortung anzuregen. Eine breite und gute Bildung ist Voraus-
setzung, um den Zugang zur Kultur für alle Generationen und sozialen Milieus zu
öffnen.
Kulturelle Bildung verlangt als gesellschaftlicher Auftrag und Querschnittsaufgabe
verschiedener Politikfelder deshalb verstärkt eine Vernetzung der Bildungseinrich-
tungen von Kindertagesstätten, Schulen (insbesondere in Bezug auf Ganztagsange-
bote) und weiterführenden Bildungsstätten mit den Einrichtungen der Kunst und Kul-
tur selbst. Die Staatsregierung hat aus diesem Grunde 2008 eine interministerielle
Arbeitsgruppe (IMAG) eingerichtet, an der die Ressorts für Kultus (SMK), Soziales
(SMS) sowie Wissenschaft und Kunst (SMWK) beteiligt sind und die sich der Quali-
tätsentwicklung und -sicherung der kulturellen Kinder- und Jugendbildung sowie der
Optimierung ihrer Rahmenbedingungen widmet. Mittelfristig ist eine Stärkung der kul-
turellen Bildung mittels Qualifizierung der Beteiligten und Zertifizierung der Bildungs-
angebote in Zusammenarbeit mit den Kulturräumen, kulturellen Einrichtungen und
den Bildungsagenturen sowie potentiellen Nachfragern vorgesehen. Vorrangiges Ziel
ist es, unter Berücksichtigung von Beispielen guter Praxis das auf dem Gebiet der
Kunst und Kultur bereits bestehende Angebot mit dem vorhandenen Bedarf zu koor-
dinieren und zu vernetzen. Jedes Kind soll frühzeitig die Möglichkeit erhalten, das
Spiel eines Musikinstruments zu erlernen. Das öffentlich geförderte Kulturangebot
muss erreichbar sein und in umfassendem Sinne auch junge Menschen erreichen.
Insgesamt wird durch einen eingeleiteten Prozess der koordinierten Verdichtung von
Bildungs- und Kulturlandschaft in Sachsen eine Verbesserung des Kreativpotentials
zum Nutzen der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung Sachsens zu erreichen
sein.
Neben der staatlichen und kommunalen Trägerschaft und Förderung von Kultur bil-
det das
bürgerschaftliche Engagement
und das
Ehrenamt
in vielfältiger Form ein
wichtiges Standbein Sachsens als Kulturland. Diese gesellschaftliche Beteiligung an
der Kulturpflege reicht von der musisch-künstlerischen Tätigkeit als Freizeitgestal-
tung, der Mitgliedschaft in Fördervereinen, der ehrenamtlichen Betreuung und Frei-
willigendienst, über Schenkungen und Zustiftungen von Kulturgut aus Privatbesitz in

42
die Obhut der Museen bis hin zu klassischem Mäzenatentum und privatem Kultur-
sponsoring. Ohne private Stiftungen, ohne den persönlichen Einsatz der vielen Frei-
willigen und Ehrenamtlichen wäre die Kulturlandschaft im Freistaat Sachsen um eini-
ges ärmer und in manchen Bereichen gar nicht lebensfähig. Auch die Kirchen und
Religionsgemeinschaften stellen ein wichtiges Bindeglied in der sächsischen Kultur-
pflege dar. Ein Hand-in-Hand-Gehen von Gesellschaft und Staat im Bereich der Kul-
tur entfaltet Bindekräfte für ihre demokratische Entwicklung. Die Staatsregierung hat
die Absicht, die Rahmenbedingungen für privates Engagement für Sachsens Kultur-
einrichtungen zu verbessern und zugleich Anreize für das Ehrenamt auch im Bereich
der Kultur zu schaffen. Geeignete Mittel öffentlicher Anerkennung sind Auszeichnun-
gen oder die Ausgabe einer Ehrenamtskarte, die einen ermäßigten Zugang zur öf-
fentlichen Kultur ermöglicht.
Besonders hervorzuheben sind erfolgreiche Modelle wie das neu errichtete Museum
Gunzenhauser in Chemnitz, Museen wie die Daetz-Stiftung im erzgebirgischen Lich-
tenstein oder das Deutsche Uhrenmuseum in Glashütte, die Stiftung Galerie für zeit-
genössische Kunst in Leipzig, das Festspielhaus Hellerau als europäisches Zentrum
der Künste und nicht zuletzt Festivals wie „Leselust“ in Leipzig oder Musikfeste. Auch
für die Theaterlandschaft bietet sich an, nach Wegen zu suchen, das private Enga-
gement zu verstärken.
Die wirtschaftliche Bedeutung der
Kultur- und Kreativwirtschaft
rückt zunehmend
in das Blickfeld der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Staatsregierung sieht hierin ei-
ne Bereicherung der kulturellen Vielfalt und eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts
Sachsen. Die Kultur- und Kreativbranchen gelten als Zukunftsmärkte für Ideen und
Visionen. Sie werden als innovative Wirtschaftsfelder beschrieben, die neue Sicht-
weisen und Handlungsansätze schaffen. Die kleinstteilige Branchenstruktur mit einer
Vielzahl unterschiedlicher Marktteilnehmer ist nicht nur für rein urbane Regionen von
Bedeutung, sie kann sich auch in ländlichen Regionen entwickeln.
Auch Sachsen verfügt als Kulturland über eine wachsende Kultur- und Kreativwirt-
schaft.
14
Wie vom Sächsischen Kultursenat in seinem Kulturbericht 2006 gefordert,
hat die Staatsregierung unter der Federführung des SMWA 2008 einen ersten Kul-

43
turwirtschaftsbericht für Sachsen in Auftrag gegeben, der die verfügbaren Daten zur
Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen zusammenführt.
15
So wie die nicht-marktwirtschaftliche Kulturlandschaft durch herausragende Kultur-
einrichtungen und Initiativen geprägt ist, so verfügt auch die sächsische Kultur- und
Kreativwirtschaft über herausragende Aktivitäten und Initiativen im marktwirtschaftli-
chen Bereich: die Musikinstrumentenproduktion im Vogtland, die Buchstadt Leipzig,
die auch für ihre Buchmesse und die Computerspielbranche renommiert ist, der
sächsische Staatspreis für Design und die für die Kultur- und Kreativwirtschaft wich-
tigen Ausbildungsstätten in Zittau, Dresden, Chemnitz oder Leipzig, vor allem die
Kunsthochschulen. Sächsische Besonderheit ist das Kunsthandwerk wie erzgebirgi-
sche Volkskunst und das Meissner Porzellan.
Der Bericht zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen verfolgt das Ziel, diese als
beschäftigungsintensives Segment intern und extern bekannt zu machen. Zudem
muss die Binnenkommunikation gestärkt, aber auch die Öffentlichkeitsarbeit – insbe-
sondere durch europaweite Kommunikationsnetzwerke und Plattformen im Internet
und eine stärkere internationale Vermarktung der Marktteilnehmer – optimiert wer-
den. Die Förderinstrumente müssen auf die Strukturbedingungen der Marktteilneh-
mer hin überprüft werden und für einzelne Segmente eine Professionalisierung an-
gestrebt werden. Für die Branchen der ausgewählten Teilmärkte des Berichts – Mu-
sikwirtschaft, Buchmarkt, Filmwirtschaft, Designwirtschaft – empfiehlt dieser die Stär-
kung der Märkte durch mehr Zusammenarbeit und Bündelung, den Ausbau der
Schnittstellen sowie Kooperationen mit anderen Teilmärkten. Unausweichlich ist un-
ter Einbeziehung regionaler Ansprechpartner die Verbesserung der Vernetzungen
und Vermarktung im Zuge strategischer Planungen (Einbezug von Tourismus, Kultur-
förderung, Raumplanung, Messen), um Angebot und Nachfrage stärker miteinander
zu koppeln.
Insgesamt lässt sich feststellen: Das kulturelle Erbe Sachsens bildet die Quelle für
historische, für sächsische Identität und kulturelle Bildung. Diese „Leuchttürme”
sächsischer Kultur geben direkt und mittelbar vielen Menschen künstlerischer oder
kulturrelevanter Berufe Beschäftigung und beflügeln den Tourismus und sind somit
weiterhin wichtiger Bestandteil der Kulturwirtschaft in Sachsen.

44
Eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung kultureller Inhalte spielen die
Medien
.
In der Informations- und Wissensgesellschaft sollte jeder Zugang zu den Informati-
ons- und Kommunikationstechnologien haben und befähigt werden, diese kritisch zu
nutzen. Die Staatsregierung strebt an, dass eine engere Kooperation kultureller Sen-
deformate von Hörfunk und Fernsehen des MDR – im Sinne von Medienpartner-
schaften – mit den Kultureinrichtungen im Freistaat entwickelt wird.
Die Staatsregierung bekennt sich zum dualen Rundfunksystem und der Bestands-
und Entwicklungsgarantie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und damit zur Drei-
Länder-Anstalt des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Die Fortentwicklung der
Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland ist eine wesentliche Vo-
raussetzung breiter Legitimation des gebührenfinanzierten Systems. Beide Säulen
des dualen Systems sind unverzichtbar und in ihren Funktionen zu erhalten, weiter-
zuentwickeln und zu stärken.
Die Medienwirtschaft in Sachsen – einschließlich der so genannten Neuen Medien –
ist eine Wachstumsbranche. Die Staatsregierung bekennt sich zur Entwicklung der
Medienwirtschaft in Sachsen und zum Medienstandort Mitteldeutschland. Das erfor-
dert eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Ländern Sachsen-Anhalt
und Thüringen.
Die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien erfüllt wichti-
ge Aufgaben bei der Lizenzierung, Kontrolle, Förderung und im Bereich der Medien-
pädagogik. Sie ist als eigenständige Anstalt beizubehalten und fortzuentwickeln. Da-
bei sind Kooperationen im Sendegebiet des MDR zweckmäßig.
Kulturtourismus
lebt von qualitativ guter Kultur. Sachsen braucht eine hochwertige
Kulturlandschaft, um seine
Image-Werbung
überregional und international zu pfle-
gen und zu festigen – in den urbanen Zentren und in den ländlichen Kulturräumen für
verschiedene Kultursparten wie Museen, Theater und Musikkultur. Unsere „Kultur-
botschafter” – zum Beispiel die Staatskapelle Dresden und die SKD – tragen das Ih-
rige dazu bei, dass Sachsen als kulturtouristisches Reiseziel profiliert wird.

45
Nachhaltigen und dynamischen Kulturtourismus kann es nur dort geben, wo auch
authentische Kultur vorhanden ist. Deshalb dürfen Nachhaltigkeit und Innovation bei
der Kultur und dem Tourismus einander nicht zuwider laufen. Der Kulturtourismus ist
ebenso wie die Kultur- und Kreativwirtschaft ein sehr dynamischer Wirtschaftsbe-
reich. Kultur ist ein Standortfaktor für den Tourismus. Unsere „kulturellen Leuchttür-
me” leiten regionale bzw. nationale und internationale Touristenströme in unsere Re-
gionen. Sie begründen die Attraktivität für Touristen von auswärts, aber auch für die
reisenden Bürgerinnen und Bürger in Sachsen.
Sachsen kann in Bezug auf das Verhältnis von Tourismus und Kultur auf viel Positi-
ves verweisen. Das Image Sachsens als Urlaubsland wird von den kulturellen Se-
henswürdigkeiten und Veranstaltungen entscheidend mitgeprägt. Sachsen ist mit 23
Prozent aller Kulturreisen innerhalb Deutschlands die Nummer Eins auf diesem Ge-
biet. Neben historischen Altstädten, historischen Gebäuden, Stadtfesten und Rund-
fahrten gilt dabei besonders Museumsbesuchen das mit Abstand meiste Interesse.
Nach Bayern hat Sachsen das zweitbeste Kulturimage in Deutschland. Die Museen
sind wichtige Faktoren dieses Wirtschaftszweiges und eine der Hauptattraktionen.
Millionen Besucherinnen und Besuchern kommen Jahr für Jahr wegen der Staatli-
chen Kunstsammlungen Dresden, der Semperoper sowie der sächsischen Museen,
der Schlösser und Gärten. Rund 92 000 Arbeitsplätze hängen in Sachsen von der
Tourismusindustrie ab.
Das Kulturland Sachsen kann im Hinblick auf die kulturtouristische Vermarktung auf
zahlreiche Beispiele guter Praxis verweisen, so etwa die Aktivitäten im Rahmen der
Ferienstraße „Silberstraße” oder des „Kulturquartiers”, eine Partnerschaft herausra-
gender Kultureinrichtungen, gehobener Hotellerie und führender Wirtschaftsunter-
nehmen der Stadt Dresden, Imagekampagnen und Profilbildungen mit so genannten
„Dachmarken” wie „Musikland Sachsen” oder „Schlösserland” u.v.m. Den Hand-
lungsempfehlungen der Bundestagsenquete-Kommission „Kultur in Deutschland”
entsprechend, kommt es künftig entscheidend darauf an, länderübergreifend auch
die Zusammenarbeit zur Verbesserung der Nutzung des kulturtouristischen Potenzi-
als der UNESCO-Welterbestätten zu intensivieren.

46
Kulturtourismus muss sich auch der Grenzen des Wachstums bewusst sein. Aus
dem Eigeninteresse der Kultur und dem konservatorischen Aspekt der Kulturpflege
muss man sich auch der negativen Folgen von ungelenktem, ungebremstem Tou-
rismus gewahr sein. Die Obhut über die Kunstschätze verlangt kluge Konzepte für
den Besucherverkehr im Tourismus.
Kulturpflege und Tourismusmarketing benötigen trotz unterschiedlicher Perspektiven
und Kulturen eine intensivere Zusammenarbeit im Sinne verbesserter Kommunikati-
on, um für einen werbewirksamen Auftritt der Kultureinrichtungen kulturell angemes-
sene Ausdrucksformen zu entwickeln. Grundsätzlich ist eine noch bessere Koordina-
tion und Vernetzung von Tourismusmarketing und Kulturinstitutionen mit Hilfe der
Tourismus-Marketing-Gesellschaft Sachsen (TMGS), aber auch in Zusammenarbeit
mit regionalen Tourismusverbünden anzustreben und diese Kooperation zu stärken.
Sachsen ist weiterhin auch für die Zukunft als weltoffenes Kunst- und Kulturland zu
profilieren.

47
VI. Ausblick
Eine erfolgreiche Kulturpolitik für Sachsen beruht auf einer Teilhabe kulturpolitisch
Verantwortlicher, Praktiker der Kulturverwaltung sowie Kulturschaffender der ver-
schiedenen Sparten von Kunst und Kultur am öffentlichen Diskurs. Es ist selbst Aus-
weis einer demokratischen Kultur, wenn Prozesse öffentlicher Willensbildung von
Vertrauen in Politik und Verwaltung getragen sind, wenn Transparenz vorherrscht,
um Entwicklungsplanungen nachvollziehbar zu machen.
Sachsen als Kulturland verfügt über eine beeindruckende Bandbreite von Stärken,
die es weiterzuentwickeln gilt. Dabei bilden bereits die Handlungsempfehlungen der
Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“ einen
wichtigen Leitfaden. Kulturpolitik ist immer auch von externen politischen und öko-
nomischen Faktoren abhängig. So wie sich das Kulturerbe wirtschaftlicher Prosperi-
tät in der Vergangenheit verdankt, haben krisenhafte Entwicklungen eine Beeinträch-
tigung des kulturellen Lebens zur Folge gehabt. Sachsen steht wie andere Bundes-
länder vor gravierenden Veränderungen, die die Handlungsspielräume der Kulturpoli-
tik unmittelbar tangieren, sei es der demografische Wandel, das Auslaufen des Soli-
darpaktes II bis zum Jahre 2019, die mittelbaren Folgen der weltweiten Finanzkrise
sowie Kaufkraftverluste. Die Entwicklung des Kulturlandes Sachsen hängt somit sehr
stark davon ab, wie es die ernst zu nehmenden Herausforderungen künftig bewältigt.
Darin liegen im Hinblick auf den Strukturwandel und die Entwicklung von Effizienz
und Effektivität Chancen. Aber es bestehen ebenso Risiken im Hinblick auf den Er-
halt der kulturellen Infrastruktur des Freistaates Sachsen.
Die Sächsische Staatsregierung wird ihre konzeptionellen Vorstellungen zur Kultur-
politik kontinuierlich weiterentwickeln und dabei den Dialog mit dem Sächsischen
Kultursenat, den sächsischen Kulturverbänden, dem Parlament und der interessier-
ten Öffentlichkeit suchen.

48
Anmerkungen:
1
Der Entwicklung der Leitlinien ging im zweiten Halbjahr 2008 ein intensiver Dialog mit ausge-
wählten Fachleuten der sächsischen Kulturlandschaft sowie eine Befassung in den verschiedenen
Referaten der Abteilung Kunst des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst
(SMWK) voraus. Im einzelnen wurden Gespräche mit folgenden Fachleuten geführt: 10.06.08: Herr
Knoblich, Geschäftsführer Landesverband Soziokultur; 12.06.08: Herr Hatzsch, MdL, kulturpolitischer
Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag; 17.06.08: Herr Dr. von Loeffelholz, Herr Dr.
Ohlau, Herr Knoblich, Sächsischer Kultursenat; 24.06.08: Herr Lindner, Direktor Kulturstiftung des
Freistaates Sachsen; 25.06.08: Frau Mieth, Sächsische Landesstelle für Museumswesen; 26.06.08:
Herr Heinrichs, kulturpolitischer Sprecher SPD-Stadtratsfraktion Dresden; 02.07.08: Herr Dr. Gersten-
berg, kulturpolitischer Sprecher Bündnis 90/GRÜNE im Sächsischen Landtag; 08.07.08: Frau
Mössinger, Generaldirektorin Städtische Kunstsammlungen Chemnitz; 08.07.08: Herr Kalus, Kultur-
raumsekretär Mittelsachsen; 11.08.08: Herr Tannenberg, Geschäftsführer Sächsischer Musikrat;
12.08.08: Herr Meyer, Kulturraumsekretär Erzgebirge; 12.09.08: Herr Heitmann, MdL, CDU-Fraktion,
Präsident der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen; 02.09.08: Herr Heering, Geschäftsführer LOFFT
Theater e.V. Leipzig; 27.11.08: Frau Möbius, Beauftragte für Kunst und Kultur der Gewerkschaft verdi.
Berücksichtigt wurden außerdem der Dritte Kulturbericht 2006 sowie der Vierte Kulturbericht
2009 des Sächsischen Kultursenates.
Als Arbeitspapier wurden die Leitlinien mit externen Fachleuten der Kulturpflege in Sachsen
am 27.03.09 in einem SMWK-Workshop intensiv erörtert. Diese Diskussion mündete schließlich zu-
sammen mit den Schwerpunktthemen der ebenfalls vom SMWK im Frühjahr 2009 ausgerichteten Kul-
turwerkstatt
www.kulturblog.sachsen.de
in die Endfassung des Leitlinien-Papiers.
2
Vgl. Blaubuch 2006. Kulturelle Leuchttürme in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern,
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Mit einem Anhang: Kulturelle Gedächtnisorte, Berlin 2006.
Blaubuch-Einrichtungen in Sachsen sind: Die SKD, die SES, das SNSD, das DHMD und die Museen
im Grassi auch das Bach-Archiv Leipzig, die Kunstsammlungen Chemnitz, der Fürst-Pückler-Park Bad
Muskau sowie das Museum der Bildenden Künste Leipzig.
3
Kulturstatistiken. Kulturindikatoren auf einen Blick. Ein Ländervergleich, hrsg. v. den Statisti-
schen Ämtern des Bundes und der Länder, Ausgabe 2008.
4
Dabei handelt es sich um folgende freien Träger: AG Kurzfilm e. V. - Bundesverband Deut-
scher Kurzfilm, Deutsches Institut für Animationsfilm (DIAF) e. V., Dok-Filmwochen GmbH Leipzig,
Dresdner Literaturbüro e. V., Ephraim Carlebach Stiftung Leipzig, Filminitiative Dresden e. V. (Filmfest
Dresden), Filmverband Sachsen e. V., Gottfried-Silbermann-Gesellschaft e. V., Landesverband Ama-
teurtheater Sachsen, Landesverband Soziokultur Sachsen e. V., Leipziger Synagogalchor e. V., Neu-
er Sächsischer Kunstverein e. V., Projekttheater Dresden e. V., Sächsischer Blasmusikverband e. V.,
Sächsischer Chorverband e. V., Sächsischer Kinder- u. Jugendfilmdienst e. V., Sächsischer Künstler-
bund e. V., Sächsischer Literaturrat e. V., Sächsischer Musikrat e. V., Verein zur Förderung des Leip-
ziger OFF-Theaters e. V. – LOFFT.Leipzig.
5
Schlussbericht „Kultur in Deutschland“ der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages
2007 (insbesondere Handlungsempfehlungen). Siehe auch die Stellungnahmen der Landeskulturver-
bände sowie des Landesverbands Soziokultur dazu. Vgl. auch: Klaus Winterfeld, Das sächsische Kul-
turraumgesetz – Eine Bilanz nach elf Jahren. Ergebnisse einer sozialwissenschaftlichen Untersu-
chung. Dresdner Studien zur Kultur, Band 5, Leipzig 2006.
6
Vgl. Kulturentwicklungsplan der Landeshauptstadt Dresden, hrsg. von der Landeshauptstadt
Dresden, Dresden 2008. Vgl. auch die aktuellen Kulturentwicklungspläne der Städte Leipzig, Chem-
nitz sowie des Kulturraums Mittelsachsen.
7
Museumskonzeption 2020 – Kulturland Sachsen. Sächsisches Staatsministerium für Wissen-
schaft und Kunst, SMWK Dresden 2009.
8
Reiner Zimmermann/Claudia Hampe/Rolf Lettmann/Uwe Jürgen Ohlau/Rolf Stiska, Gutach-
ten Theater und Orchester im Freistaat Sachsen: Bestandsaufnahme und Empfehlungen zur weiteren
Entwicklung, im Auftrag der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Dresden 2007.
9
Cornelia Dümcke (Culture Concepts), Musikfestivals im Freistaat Sachsen: Grundlagen und
Handlungsstrategien für die Gestaltung der Förderpraxis, im Auftrag der Ostdeutschen Sparkassen-
stiftung im Freistaat Sachsen und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Dresden 2007.
10
Bibliothekssystem Sachsen. Struktur- und Entwicklungsplan für die wissenschaftliche Litera-
tur- und Informationsversorgung im Freistaat Sachsen, SMWK 2008.Das SMWK kann gegenüber der
Bibliotheksplanung der Kulturräume keine Vorgaben machen, jedoch wäre eine Anlehnung an den
Prozess der wissenschaftlichen Bibliotheken erstrebenswert. Vgl. Gesetz über die Sächsische Lan-
desbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SächsLBG) Vom 30. Juni 1995

49
(SächsGVBl. S. 205), zuletzt geändert durch Artikel 1 § 1 Nr. 10 des Gesetzes vom 6. Juni 2002
(SächsGVBl. S. 168).
11
Vgl. Förderrichtlinie des SMWK Kunst und Kultur vom 27.09.2004.
12
Grit Hanneforth, Tobias J. Knoblich, Bericht über die Soziokultur im Freistaat Sachsen. Ent-
wicklung – gegenwärtige Situation – Perspektiven. Hrsg. im Auftrag des Sächsischen Kultursenats,
Dresden 2003.
13
Vgl. z.B. Klaus Winterfeld (Hg.), Kultur und Wirtschaft in Mittelsachsen. Dresdner Studien zur
Kultur I, Band 2, Leipzig 2003.
14
Unter dem Begriff Kultur- und Kreativwirtschaft werden diejenigen Kultur- und Kreativunter-
nehmen erfasst, die überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung,
Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleis-
tungen befassen. Der verbindende Kern jeder kultur- und kreativwirtschaftlichen Aktivität ist der
schöpferische Akt von künstlerischen, literarischen, kulturellen, musischen architektonischen oder
kreativen Inhalten, Werken, Produkten, Produktionen oder Dienstleistungen. Alle schöpferischen Akte,
gleichgültig ob als Unikat, Liveaufführung, serieller bzw. digitaler Produktion oder Dienstleistung, zäh-
len dazu. Ebenso können die schöpferischen Akte urheberrechtlich geschützt oder frei sein. Mit dem
Begriff Kultur- und Kreativwirtschaft werden verschiedene Einzelbranchen wie z. B. die Musikwirt-
schaft, die Filmwirtschaft, der Buchmarkt und andere mehr zu einem Branchenkomplex zusammenge-
fasst. Als verbindender gemeinsamer Kern dient hier die „schöpferische“ Aktivität, die in der Produkti-
on von Musik, Film, Text, Bilder u. ä. ihren Ausgangspunkt hat. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist
derjenige Teil des Kultursektors, der den privaten bzw. marktwirtschaftlichen Bereich umfasst. Ihm
werden alle Unternehmen und wirtschaftlichen Aktivitäten des Profit-Sektors zugeordnet. Die übrigen
beiden Teilsektoren, der öffentliche und der intermediäre Bereich, umfassen alle Non-profit-
Einrichtungen und Aktivitäten, die nicht auf kommerzielle Ziele ausgerichtet sind, sondern primär ge-
sellschaftsbildende Zielsetzungen verfolgen. Die Kultur- und Kreativwirtschaft kann nicht mit dem
übergeordneten Begriff „Kultursektor“ gleichgesetzt werden, sondern bildet einen, wenn auch wesent-
lichen, Teilbereich des gesamten Sektors.
15
Der erste Kulturwirtschaftsbericht für den Freistaat Sachsen schließt die öffentlich geförderte
Kultur mit ein. Er macht auf die wirtschaftlichen Potentiale und Beschäftigungspotentiale der Kultur
aufmerksam. Besonderheit in Sachsen sind der Musikinstrumentenbau im Vogtland sowie die erzge-
birgische Volkskunst.

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