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Abschlussbericht zur Sonderaktion
„Lagerung von Holzpellets“
Februar – Mai 2013

 
2
Inhaltsverzeichnis
1. Anlass und Aufgabenstellung
3
2. Durchführung
3
3. Kontrollergebnisse
4
3.1 Lagertypen
4
3.2 Heizkessel
6
3.3 Fördersysteme
7
3.4 Bewertung
8
4. Eingeleitete Maßnahmen
11
5. Empfehlungen
11
Anhang
12
Anlage 1 Freisetzung von Kohlenmonoxid in Lagerräumen - Rechnerische Ermittlung
12
Anlage 2 Freisetzung von Kohlenmonoxid in Lagerräumen - Beispiele, berechnet
13
Anlage 3
Hinweise zur Lagerung von Holzpellets
15
Anlage 4 Checkliste - Revision von Holzpelletheizungen
17
Quellen
19

3
1. Anlass und Aufgabenstellung
Im Oktober 2012 erlitt ein Beschäftigter einer Heizungsfirma während der Inbetriebnahme
einer Holzpelletheizung eine Kohlenmonoxidvergiftung. Nach einer notfallmedizinischen
Versorgung war der Verunfallte wieder außer Lebensgefahr.
Nach dem derzeitigen Kenntnisstand können als Ursachen für die CO-Freisetzung der
Heizkessel (Logikfehler der Steuerungs-Software) wie auch das Holzpelletlager in Betracht
gezogen werden. In einer vergleichbaren Anlage mit ca. 50t Holzpellets konnte eine
Konzentration von ca. 600 ppm Kohlenmonoxid im Pelletlagerraum nachgewiesen werden.
Im Zeitraum 2002-2011 traten 14 tödliche CO-Vergiftungen im Umgang mit Holzfasern
(hauptsächlich Holzpellets) in den Ländern Schweden, Finnland, USA, Niederlande,
Deutschland, Schweiz, Dänemark und Irland auf.
1
Bei der Pelletherstellung werden technologiebedingt (Zerkleinerung, Erwärmung, Trocknung)
Autoxidationsvorgänge in Holzbestandteilen (ungesättigte Fettsäuren) in Gang gesetzt, die
noch Monate nach Herstellung der Pellets zur Freisetzung von Kohlenmonoxid und von
Aldehyden führen.
2
Unter Laborbedingungen wurden bei der Lagerung im
Gleichgewichtszustand über 3000 ppm CO gemessen.
3
Die Freisetzungsrate erhöht sich mit der Lagertemperatur.
4
Bei Schiffstransporten sind Konzentrationen im Lagerraum von über 10 000 ppm gemessen
worden.
5
Ab einem Aufenthalt von 10 min in einer solchen Atmosphäre besteht für die Person
Lebensgefahr.
Das hohe Gefährdungspotential ist in vielen Unternehmen und bei privaten Betreibern nicht
bekannt oder wird unterschätzt.
Eine Gefährdung von Betreibern kleinerer Anlagen kann nicht ausgeschlossen werden.
6
Eine Weitergabe von ausreichenden Informationen zur CO-Freisetzung von Holzpellets über
den Vertriebsweg erfolgt zurzeit nicht. Sicherheitsdatenblätter sind in diesem
Zusammenhang nach der REACH-Verordnung nicht zwingend notwendig. Ausgelöst durch
tödliche Unfälle in Pelletfrachträumen im Seeverkehr wurde von der Wood Pellet Association
of Canada 2010 die Schaffung eines Sicherheitsdatenblattes angeregt.
7,8,9
Derzeit existieren als technische Regeln die „Empfehlungen zur Lagerung von Holzpellets“
des DEPV, Stand 02/2012
10
sowie die Richtlinie VDI 3464, September 2012 (Entwurf).
Mit der Durchführung der Sonderaktion sollten insbesondere das Expositionsniveau von
Kohlenmonoxid bei der Lagerung von Holzpellets bewertet, die Nutzer informiert und auf
eine Reduzierung festgestellter Gefährdungspotentiale hingewirkt werden.
2. Durchführung
Die Revisionen wurden durch Mitarbeiter der Dienststellen Dresden, Leipzig und Chemnitz
der Landesdirektion Sachsen (LDS) mittels Checkliste (Anlage 4) durchgeführt.
Die Adressen der gewerblich betriebenen Holzpelletheizungen wurden von den
Bezirksschornsteinfegern sehr zeitnah übermittelt.
Vom Thüringer Landesbetrieb für Arbeitsschutz und technischen Verbraucherschutz (TLAtV)
wurde für die Durchführung der Sonderaktion ab Februar dankenswerterweise ein Messgerät
G 750 Polytector II zur Bestimmung der Kohlenmonoxidkonzentration zur Verfügung gestellt.
Insgesamt wurden 42 Betriebe, davon in den Dienststellen Dresden 20, Leipzig 5 und
Chemnitz 17 aufgesucht. Dabei waren 39 Betriebe Betreiber von Pelletheizungen und drei
Firmen Pellethersteller.

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4
Folgende Informationen wurden dabei hauptsächlich erfasst:
Pellets:
Hersteller, Anlieferfirma, Qualität.
Heizkessel:
Nennwärmeleistung, Baujahr, techn. Unterlagen, Beschickungsart.
Heizraum:
Größe, Lüftungsbedingungen, CO-Konzentration.
Lagerraum:
Größe, Typ, Lüftungsbedingungen, CO-Konzentration (in 28 Anlagen),
Temperatur, Füllstand (Max, Ist), Kennzeichnung.
Betrieb:
Gefährdungsbeurteilung, Informationsstand, Freigabesystem nach
BGR 117.
Von acht Pelletproben wurde das Freisetzungsvermögen von Kohlenmonoxid bewertet.
3. Kontrollergebnisse
3.1 Lagertypen
Die Betreiber der Anlagen errichteten je nach Größe der Heizungsanlage und vorhandener
Gebäudestruktur unterschiedliche Lagersysteme. Nachfolgend wurden vier häufig
anzutreffende Lager dargestellt.
Abbildung 1:
Gewebesilo
Abbildung 2:
Hochsilo

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5
Abbildung 3:
Schrägbodenlager; Außen- und Innenansicht
Abbildung 4:
kubisches Lager
Der am häufigsten vorkommende Lagertyp war das Schrägbodenlager (Diagramm 1).

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6
3.2 Heizkessel
Es wurden Heizkessel von 48 kW bis max. 1250 kW Nennleistung mit Baujahren ab 1996
vorgefunden. In nur einem Heizraum war Kohlenmonoxid messtechnisch nachzuweisen
(6 ppm).
Abbildung 5:
Heizkessel, 48 kW
Abbildung 6:
Heizkessel, 1250 kW
Diagramm 1: Kontrollzahl nach Lagertyp
6
3
16
6
11
Gewebesilo
kub. Lager
Schrägbodenlager
Silo
Haufwerk

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7
3.3 Fördersysteme
Je nach Größenordnung der Anlage, kommen verschiedene Systeme zum
Einsatz (Abb. 7, 8).
Die Gestaltung der Fördersysteme muss einen Rückbrand aus dem Heizkessel in die
Pelletzuführung wirksam verhindern (Abb. 9).
Abbildung 7:
Schneckenförderung
Abbildung 8:
pneumatische Förderung
1
2
3
4
Abbildung 9:
Pelletübergabe eines 1250 kW-
Heizkessels;
Austragsschnecke, Schrägbodenlager(1),
Zufuhrschnecke Heizkessel(2),
Absperrschieber (3), Löscheinrichtung (4)

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8
3.4 Bewertung
Eine Kennzeichnung der Lagerräume nach den Empfehlungen des Deutschen Energieholz-
und Pelletverbandes (DEPV) war in ca. 30% der Anlagen vorzufinden. Durch die Form dieser
„Sicherheitshinweise für Pellet-Großlager > 10 Tonnen“ ist eine ausreichende Warnung vor
Kohlenmonoxid aus Sicht der Landesdirektion nicht gegeben. Diese Kennzeichnungsform
wurde daher als mangelhaft bewertet. Viele Lagerkennzeichnungen enthielten keinen
Hinweis auf eine Gefährdung durch Kohlenmonoxid (Abb. 11).
Abbildung 10:
Kennzeichnung nach
Empfehlung des DEPV
Abbildung 11:
vorgefundene
Kennzeichnungen einiger
Lagerräume

9
Arbeitgebern wie Arbeitnehmern war sehr häufig nicht bekannt, dass Holzpellets
Kohlenmonoxid während der Lagerung freisetzen können. Gefährdungsbeurteilungen lagen
teils generell nicht vor bzw. enthielten damit auch keinen Hinweis auf diese Problematik.
Freigabesysteme nach BGR 117-1 „Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen" waren
nur in wenigen Betrieben für das Befahren von Holzpelletlagern vorhanden.
In Schrägbodenlagern und Silos waren die höchsten Konzentrationen an Kohlenmonoxid
festzustellen. Dies liegt an den hier meist vorliegenden niedrigeren Luftwechselraten und den
aus betriebswirtschaftlichen Gründen höheren Belegungsgraden (Füllständen) gegenüber
anderen Lagertypen Tab. 1).
Tabelle 1: Kohlenmonoxidkonzentrationen der Lagerräume
Lagertyp
Anzahl CO-
Messungen
CO [ppm]
Mittelwert
CO [ppm]
Max-Wert
Kubisches Lager
(Kellerraum)
4
27
60
Gewebesilo
5
0,4
2
Silo
4
414
640
Schrägbodenlager
13
231
717
Diagramm 2: Verteilung der Mängel
Mängel der
Kennzeichnung
(30% nach DEPV
gekennzeichnet)
Informationsdefizit
Fehlendes
Freigabesystem
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
1

10
In den Anlagen 1 und 2 wurde die Abhängigkeit der CO-Konzentration von der Zeit,
Lagertemperatur, dem Füllstand und dem Luftwechsel für die Lagertypen Schrägbodenlager
und kubischer Lagerraum rechnerisch dargestellt. Insbesondere die Abhängigkeit der CO-
Konzentration
vom
Füllstand
steht
in
Übereinstimmung
mit
den
vorliegenden
Messergebnissen (Diagramm 3).
Weitere aus der Literatur bekannte Einflussfaktoren wie eingesetzte Holzart und Alter der
Pellets konnten bei der Bewertung mangels Informationen in der Lieferkette nicht
berücksichtigt werden. Es war aber festzustellen, dass dunklere Pellets eine niedrigere
Freisetzungsrate an Kohlenmonoxid besitzen. Dies dürfte am hier offensichtlich höheren
Rindenanteil liegen.
Es wurde festgestellt, dass eine Weitergabe von ausreichenden Informationen zur CO-
Freisetzung von Holzpellets über den Vertriebsweg unzureichend ist oder nicht erfolgt.
0,02
0,05
0,07
0,10
0,18
0,22
0,25
0,29
0,34
0,46
0,49
0,51
0
100
200
300
400
500
600
700
800
ppm CO
Füllstand, ist
Diagramm 3: Verhältnis Kohlenmonoxidkonzentration und
Lagerparameter der kontrollierten Anlagen
13 Schrägbodenlager
4 Silos
4 kub. Lager
5 Gewebesilos

11
4. Eingeleitete Maßnahmen
Die Betreiber der Anlagen wurden per Revisionsschreiben aufgefordert
die Gefährdungsbeurteilung zu überarbeiten,
die Kennzeichnung zu ergänzen,
Sicherheitsvorkehrungen festzulegen,
spezifizierte Unterweisungen durchzuführen.
Die Hersteller wurden aufgefordert, Information nach Art. 32 der Verordnung (EG) Nr.
1907/2006 (REACH) bei der Abgabe der Pellets an „Abnehmer“ (d.h. Händler und
gewerbliche Anwender) zur Verfügung zu stellen. Diese Informationen genügen damit
gleichzeitig den Anforderungen des § 6 Produktsicherheitsgesetz bei der Weitergabe an
Verbraucher.
Zum Entwurf der Richtlinie VDI 3464 „Lagerung von Holzpellets beim Verbraucher“ wurde im
Dezember 2012 ein begründeter Einspruch an den VDI gesandt. Der Einspruch bezog sich
im Wesentlichen auf den Umfang der Lüftung (15 min) des Lagers vor Befahrung, der
Staffelung der Schutzmaßnahmen nach absoluter Lagergröße und der Empfehlung zur
Kennzeichnung nach DEPV. Bis Redaktionsschluss lag noch keine Rückmeldung vor.
Auf Grund der fehlerhaften Steuerungssoftware eines neu errichteten 1250kW-Heizkessels
(Maschinen-RL) wurde die zuständige Marktbehörde informiert (ICSMS-Mittteilung).
5. Empfehlungen
Für den Betreiber von Holzpelletheizungen ist eine ausreichend sichere Einschätzung des
konkreten Gefährdungspotentials durch Kohlenmonoxid ohne Messtechnik nicht möglich.
Dies liegt ursächlich an der Vielzahl von Einflussfaktoren, die nicht in jedem Fall dem
Arbeitgeber bekannt sind.
Es wird bezweifelt, dass die in Punkt 9 der VDI 3464 (Entwurf) angegebenen
Lüftungsvarianten „Deckelbelüftung“ und „separate Lüftungsöffnung“ für eine ausreichende
Sicherheit sorgen. Darüber hinaus ist eine Staffelung von Belüftungsmaßnahmen nicht nach
absoluter Lagermenge sondern nach dem technisch erreichbaren maximalen Füllstand des
Lagers sinnvoll.
Lediglich unter folgenden Randbedingungen ist eine Lagerung als nicht kritisch anzusehen,
d.h. die zu erwartende Konzentration an Kohlenmonoxid liegt nicht über 30 ppm:
Lagerraumvolumen
10 x Pelletschüttvolumen und
Lagertemperatur 20°C und
Luftwechsel
0,1 h
-1
.
Schutzmaßnahmen sollten in Anlehnung an Anlage 3 in Anwendung gebracht werden.

12
00
0
0
0
2
2
0
1
1
0
0
1
2
2
0
1
1
0
1
2
2
:
00
,
R
pR
Ct
R
Ct
p
Vtt
ppV
P
L
R
PS
L
p
P
PS
PS
L
tt
F
dc
Mm
VC V
dt
V
dc
dt
Mm
VC
Mm
Mm
C
Ce
V V
V
V
V
V
F
V
m
V
V
V
V
V
MF
MF
CC
Randbedingungen
tt
C
t
t
tt
C
Ct
t
t
tt
e
2
1
C
0
C t
2
,
2
t
0
t
2
Anhang
Anlage 1
Freisetzung von Kohlenmonoxid in Lagerräumen -
Rechnerische Ermittlung
Die Berechnungen gehen von idealisierten Randbedingungen, wie z.B. einer trägheitslosen
und
gleichmäßigen
Durchmischung
des
Kohlenmonoxids
im
Lagerraum
(Skizze
Schrägbodenlager) aus.
Größe
Einheit
M
Emissionsrate Pellets
V
L
Bruttovolumen Lagerraum
Volumenstrom
m
p
Masse Pellets
C
Konzentration CO
Schüttdichte Pellets
F
Pelletfüllstand im Lager
Luftwechselzahl
V
R
Luftvolumen Lagerraum
V
PS
Volumen Pelletsubstanz
V
P
Volumen Schüttung
t
Zeit
M
.
m
p
.
V
.
C
V
V
L
11
mgt
h
31
mh
3
mg
CO
m
3
tm
t
m
3
h
1
m
3
m
3
h
m
3

13
Anlage 2
Freisetzung von Kohlenmonoxid in Lagerräumen -
Beispiele, berechnet
In nachfolgenden Rechnungen sind die Luftwechselzahlen geschätzt.
Für die beiden Lagertypen wurden typische in der Praxis festgestellte Füllstände
angenommen. Die Berechnungen erfolgten mittels Excel nach Anlage 1.
Pelletfüllstand im Lager:
F=
0,20
Verstärkte Lüftung:
Pelletdichte:
ρ=
0,700 [t/m³]
λ
2
=
3 [1/h]
Luftwechselzahl:
λ
1
=
0,20 [1/h]
1/24=0,0417
Beginn Zusatzlüftung ab t
1
=
46 [h]
Emissionsrate CO
9
:
M=
37,5
[mg
CO
/txh]
20°C
Dauer
Dt=
0,25 [h]
Emissionsrate CO
9
:
M=
91,7
[mg
CO
/txh]
30°C
(Zutritt Lager bei t2= 46,25 [h])
Kohlenmonoxidbildung in einem Holzpelletlager (berechnet) - "Kub. Lagerraum"
0
10
20
30
40
50
60
70
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
22
24
26
28
30
32
34
36
38
40
42
44
46
48
h
C [mg/m³]
30°C
20°C

14
Pelletfüllstand im Lager:
F=
0,80
Verstärkte Lüftung:
Pelletdichte:
ρ=
0,700 [t/m³]
λ
2
=
3 [1/h]
Luftwechselzahl:
λ
1
=
0,01 [1/h]
1/24=0,0417
Beginn Zusatzlüftung ab t
1
=
46 [h]
Emissionsrate CO
9
:
M=
37,5
[mg
CO
/txh]
20°C
Dauer
Dt=
0,25 [h]
Emissionsrate CO
9
:
M=
91,7
[mg
CO
/txh]
30°C
(Zutritt Lager bei t2= 46,25 [h])
Kohlenmonoxidbildung in einem Holzpelletlager (berechnet) - "Schrägbodenlager"
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
22
24
26
28
30
32
34
36
38
40
42
44
46
48
h
C [mg/m³]
30°C
20°C
Bei hohen CO-Konzentrationen reicht offensichtlich eine Lüftung über 15min (Dt) vor einer
Befahrung auch bei einem Luftwechsel von 3h
-1
nicht aus.

15
Anlage 3
Hinweise zur Lagerung von Holzpellets
Während der Lagerung von Holzpellets können durch oxidative Abbauvorgänge
Kohlenmonoxid (CO), Methan und Kohlendioxid gebildet werden. Höhere Temperaturen
sowie geringe Luftwechselraten bei Herstellung bzw. Lagerung führen zu teils
lebensgefährlichen Kohlenmonoxid-Konzentrationen.
In der Gefährdungsbeurteilung nach § 6 GefStoffV ist auf die hohe Freisetzungsrate von
Kohlenmonoxid aus Holzpellets während der Lagerung und der dadurch bedingten hohen
Gefahr einer akuten CO-Vergiftung einzugehen. In die Betrachtung sind Kontrolltätigkeiten
und Instandhaltungen einzuschließen.
Unterweisungen sind nach § 14 GefStoffV unter Berücksichtigung der vorzusehenden
Schutzmaßnahmen durchzuführen.
Vorschläge der „Wood Pellet Association of Canada“ (WPAC) sind in den nachfolgenden
Bewertungen teilweise berücksichtigt.
Werden vom Hersteller bzw. Lieferanten Sicherheitsinformationen nach Art. 32 der
VERORDNUNG (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) bereitgestellt, sind auch diese zu
berücksichtigen.
Lüftungsempfehlungen
1. Holzpellets, verpackt (Gebinde bis zu 25kg)
Empfehlung des WPAC:
-
Lagerraum
mit
einer
Luftwechselrate
von
mindestens
1 x je 24 Stunden (ca.0,04 h
-1
) oder
-
Lagerraum, unbelüftet mit Raumvolumen von mindestens dem
zehnfachen Volumen der gesamten verpackten Holzpellets.
2. Holzpellets, lose
Empfehlung des WPAC:
-
Lagertemperatur 20°C:
1 x je 24 h
- Lagertemperatur ≥30 °C:
2 x je 24 h
Rechnerisch können folgende Expositionsszenarien abgeleitet werden:
Füllstand Lager
Luftwechsel [h
-1
]
Temperatur [°C]
CO [ppm]
0,70
0,3
20
60
0,10
0,1
20
30
0,70
0,8
30
60

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16
Kennzeichnung am Lager:
Kohlenmonoxid
Giftig bei Einatmen
Schädigt die Organe bei längerer oder wiederholter Exposition
Vor dem Betreten für ausreichende Belüftung sorgen
(Kennzeichnung bezüglich Kohlenmonoxid mittels Warnschild des DEPV entspricht nicht GefStoffV und ASR
A1.3)
Eine vereinfachte Kennzeichnung von Leitungen, die CO enthalten können (z.B. Rohr für
Förderschnecke) ist sinnvoll.
Begehen von Lagerbereichen
Es ist eine Sicherungsperson außerhalb des Gefahrenbereichs vorzuhalten.
Vor dem Betreten ausreichend Lüften. Dabei sind auch die mit dem
Lagerraum kommunizierenden Räume zu berücksichtigen. Eine freie Lüftung
über die Einfüll- und Entlüftungsstutzen reichen in der Regel nicht aus.
Da die Lagerbedingungen sehr unterschiedlich sein können, ist vor dem
Betreten eine CO-Konzentrationsmessung in der Raumluft durchzuführen.
Die Befahrung erst bei einer Konzentration unter 30 ppm durchführen. Nach
TRGS 900 darf kurzzeitig (15 min) die CO-Konzentration den Wert von
60 ppm erreichen. Über acht Stunden Expositionszeit ist der
Arbeitsplatzgrenzwert von 30 ppm in jedem Fall einzuhalten.
Während der Befahrung ist ein entsprechendes Gaswarngerät mitzuführen.
Für die Einstellung des Vor- und Hauptalarms gibt es keine gesetzlich
vorgesehene Normierung. Es werden folgende Empfehlungen gegeben:
Voralarm: 30 ppm
Hauptalarm: 60 ppm.
Hinweise:
-
Ex-Gefahr (Staub) ist zusätzlich zu berücksichtigen
-
Weitere Kennzeichnungen unter Beachtung ASR A 1.3
-
TRGS 201 „Einstufung und Kennzeichnung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“, 2011
-
BGR 117-1 „Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen“

17
Anlage 4
Checkliste - Revision von Holzpelletheizungen
Standort der Anlage:
IFAS-Nr.:
Betreiber:
Hersteller Holzpellets:
Anlieferfirma Pellets:
Pelletqualität:
Heizkessel, Heizraum:
Hinweise:
Nenn-Wärmeleistung:
kW
Hersteller:
Baujahr:
Zeitpunkt Inbetriebnahme:
Kessel Inverkehr gebracht als:
Maschine
Bauprodukt
Konformitätserklärung?
CE-Kennzeichnung?
ja
nein
Größe Heizraum:
Technologie der
Pelletbeschickung:
System von
Förderschnecken;
Schubboden;
Tagesbehälter o.a.
Technische Lüftung
vorhanden?
Volumenstrom:
ja
nein
m³/h
Freie Lüftung über:
geschätzte Luftwechselrate:
h
-1
CO-Konzentration im
Heizraum (Kessel in Betrieb):
ppm
Lager:
Typ
Schrägbodenlager; unter
Erdgleiche…
Raumvolumen:
Austragssystem:
Schnecke; Saugsystem
o.a.
z.Z. gelagerte Pelletmenge:
t
max. eingelagerte
Pelletmenge:
t
Zeitpunkt letzte Anlieferung:

18
Technische Lüftung
vorhanden?
Volumenstrom:
Lage Zuluftöffnung:
Lage Abluftöffnung:
ja
nein
m³/h
Freie Lüftung über:
geschätzte Luftwechselrate:
h
-1
CO-Konzentration im Lager:
ppm
Messung bei
Gleichgewichtskonzentrati
on (geschlossener
Lagerraum)
Temperatur
Pellets/Lagerraum:
°C
Betrieb:
sind folgende Vorschriften
bekannt?
„Empfehlungen zur
Lagerung von Holzpellets“
des DEPV
VDI 3464 (Entwurf) 2012
BGR 117-1
Kennzeichnung Lager:
nach DEPV
anders
nein
ggf. erläutern
Gefährdungsbeurteilung
vorhanden?
...darin Hinweis auf
CO-Problem?
ja
nein
ja
nein
Freigabesystem nach BGR
117-1 für Befahrung des
Lagers?
ja
nein
Bemerkungen:
...............................................................................................
Datum
Bearbeiter

19
Quellen
1
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Two Cases and a Review of the Literature. In: Ann. Occup. Hyg., Vol. 56 (2012) No. 7, pp.
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http://annhyg.oxfordjournals.org/content/56/7/755.full.pdf+html
[Stand:
02.08.2013]
2
ARSHADI, M. u.a.: Emission of Volatile Aldehydes and Ketones from Wood Pellets under
Controlled Conditions. In: Ann. Occup. Hyg., Vol. 53, No. 8, pp. 797–805, 2009 unter:
http://annhyg.oxfordjournals.org/content/53/8/797.full.pdf+html
[Stand: 02.08.2013]
3
KUANG, X.; SHANGAR, T. J.; BI, X. T.; SOKHANSANJ, S.; LIM, C. J.; MELIN, S.:
Characterization and Kinetics Study of Off-Gas Emissions from stored Wood Pellets. In:
Annals of Occupational Hygiene, 52 (2008), pp. 675–683 unter:
http://annhyg.oxfordjournals.org/content/52/8/675.full.pdf+html
[Stand: 02.08.2013]
4
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Pellets—Sensitivities to Temperature, Relative Humidity, and Headspace Volume. In: Ann.
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http://annhyg.oxfordjournals.org/content/53/8/789.full.pdf
[Stand: 02.08.2013]
5
SVEDBERG u.a.: Hazardous Off-Gassing of Carbon Monoxide and Oxygen Depletion
during Ocean Transportation of Wood Pellets. In: Ann. Occup. Hyg., Vol. 52(2008) No. 4, pp.
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http://annhyg.oxfordjournals.org/content/52/4/259.full.pdf+html
[Stand:
02.08.2013]
6
SVEDBERG, U.R.A.; HÖGBERG, H.E.; HÖGBERG, J.; GALLE, B.: Emission of Hexanal
and Carbon Monoxide from Storage of Wood Pellets a Potential Occupational and Domestic
Health Hazard. In: Annals of Occupational Hygiene, 48 (2004), pp. 339–349 unter:
http://annhyg.oxfordjournals.org/content/48/4/339.full.pdf+html
[Stand: 02.08.2013]
7
MELIN, S: Review of Off-gassing from Wood Pellets A Canadian Perspective; 26.02.2010
In:
http://www.pellet.org/images/2010-02-26_Review_of_Off-gassing_from_Wood_Pellets.pdf
[Stand: 02.08.2013]
8
Wood Pellet Association of Canada: MATERIAL SAFETY DATA SHEET WOOD
PELLETS IN BAGS, 05.05.2009: In:
http://www.pellet.org/images/2009-05-
05_MSDS_Bagged_Pellets.pdf
[Stand: 02.08.2013]
9
Wood Pellet Association of Canada: MATERIAL SAFETY DATA SHEET WOOD PELLETS
IN BULK, 05.05.2009: In:
http://www.pellet.org/images/2009-05-05_MSDS_Bulk_Pellets.pdf
[Stand: 02.08.2013]
10
Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband e.V.: Empfehlungen zur Lagerung von
Holzpellets. 02/2012 In:
http://www.depv.de/fileadmin/Redaktion/Downloads/DEPV_Empfehlungen_zur_Lagerung_vo
n_Holzpellets_2012.pdf
[Stand: 02.08.2013]

20
Redaktion:
Dipl.-Chem. Rüdiger Spahn
Landesdirektion Sachsen, Abteilung Arbeitsschutz
Stauffenbergallee 2, 01099 Dresden
E-Mail:
post.asd@lds.sachsen.de
Internet:
http://www.lds.sachsen.de
Fotos:
Landesdirektion Sachsen, Abteilung Arbeitsschutz
Redaktionsschluss:
August 2013