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Faktensammlung Frühkindliche Bildung und Förderung | 1
Leistungen der Eingliederungshilfe für behinderte und von
Behinderung bedrohte Kinder im nicht schulpflichtigen Alter
In Sachsen erhielten 2014 insgesamt 8.406 Kinder im nicht schulpflichtigen Alter
Leistungen der Eingliederungshilfe. Das entspricht 3,5 % aller Kinder in dieser
Altersgruppe in Sachsen. Davon sind etwa zwei Drittel Jungen und ein Drittel
Mädchen. 55 % dieser Kinder werden in Kindertageseinrichtungen betreut, darunter
43 % in integrativer Form und 12 % in heilpädagogischen Kindertagesstätten oder
heilpädagogischen Gruppen. 41 % der Kinder erhalten heilpädagogische Leistungen
im Rahmen der ambulanten Frühförderung. Der Anteil der Kinder mit einer
Behinderung, die vollstationär (im Wohnheim) untergebracht sind, beläuft sich seit
Jahren auf 0,3 %.
Tabelle 1: Leistungen der Eingliederungshilfe Kinder im nicht schulpflichtigen Alter in Sachsen
2011 bis 2014 (pro 1000 Kinder 0 bis 6 Jahre)
Jahr
Kinder mit
Förderbedarf
insgesamt
Anteil an
altersgleicher
Bevölkerung
(pro 1000)
darunter in:
integrativer
Kita
heilpädagog.
Kita/Gruppe
Früh-
förderung
Heim
2011
8.533
3,6
15,8
4,9
15,5
0,01
2012
8.535
3,6
16,4
4,6
14,6
0,01
2013
8.194
3,4
14,8
4,4
14,5
0,01
2014
8.406
3,5
15,0
4,2
15,4
0,01
absolut
- 222
- 85
- 137
+ 93
+ 2
Veränderung
(pro 1000)
- 7,4 %
- 5,2
- 14,6
- 0,5
0,0
Quelle: KSV: Leistungen für behinderte Kinder im nichtschulpflichtigen Alter im Freistaat Sachsen:
Angaben der örtlichen Sozialhilfeträger im Rahmen des Benchmarkings 2011 bis 2014,
Bevölkerungszahlen nach Statistischem Landesamt (2015) – Hochrechnungen auf Zensus
2011
Heilpädagogische Leistungen in Kindertageseinrichtungen
Kinder mit einer Behinderung sollen möglichst gemeinsam mit nicht behinderten
Kindern eine Kindertageseinrichtung besuchen können – dies fordert die UN-
Behindertenrechtskonvention; dies ist auch bundesgesetzlich vorgegeben. Nach dem
Sächsischen Gesetz zur Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen (SächsKitaG)

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ist die Integration von behinderten und von Behinderung bedrohten Kindern in
Kindertageseinrichtungen zu fördern, ihrem spezifischen Förderbedarf ist zu
entsprechen. Seit 1991 wurden hierfür nach den Angaben des Landesjugendamtes
in 1.422 Kindertageseinrichtungen in Sachsen entsprechende Voraussetzungen
geschaffen. In diesem Rahmen entstanden verschiedene Formen der gemeinsamen
Förderung behinderter und nicht behinderter Kinder in Tageseinrichtungen. Darüber
hinaus haben sich einzelne heilpädagogische Einrichtungen auch für Kinder ohne
Eingliederungshilfebedarf geöffnet.
Der Anteil der betreuten Kinder unter drei Jahren, die Leistungen der
Eingliederungshilfe beziehen, ist mit 0,7 % aller betreuten Kinder (bzw. 0,3 % aller
Kinder dieses Alters) recht niedrig. Dies ist unter anderem damit zu erklären, dass
Kinder mit heilpädagogischem Förderbedarf in diesem Alter oftmals Leistungen der
ambulanten Frühförderung erhalten und damit keine weiteren Leistungen der
Eingliederungshilfe in Kindertageseinrichtungen.
Tabelle 2: Betreuung von Kindern unter 3 Jahren mit Leistungen der Eingliederungshilfe,
Sachsen 2006 bis 2013
Jahr
Betreute Kinder
mit Förderbedarf *
Anteil an betreuten
Kindern
Anteil an
Altersgruppe
2006
273
0,9
0,3
2007
266
0,9
0,3
2008
313
1,0
0,3
2009
314
0,9
0,3
2010
314
0,8
0,3
2011
276
0,7
0,3
2012
250
0,6
0,2
2013
301
0,7
0,3
Veränderung
-8 %
-34 %
-14 %
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, Statistik der Kinder- und Jugendhilfe, Gesamtzahl 2006 bis
2011 einschließlich Hilfe zur Erziehung, ab 2012 nur Eingliederungshilfe
Im Jahr 2014 wurden nach Angaben des Kommunalen Sozialverbandes Sachsen (KSV)
insgesamt 4.638 Kinder mit Behinderungen in integrativen oder heilpädagogischen
Kindertagesstätten
einschließlich
heilpädagogischer
Gruppen
in
„regulären“
Kindertageseinrichtungen gefördert. Seit 2010 ist der Anteil der Kinder, der integrativ betreut

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wird, im Vergleich zum Anteil der Kinder, die in heilpädagogischen Kindertagesstätten bzw.
Gruppen betreut werden, von 75 % auf 78 % gestiegen.
Tendenziell ist festzustellen, dass der Umfang an den heilpädagogischen Leistungen in
Kindertageseinrichtungen insgesamt zwischen den Jahren 2011 und 2014 zurückgegangen
ist (absolut -222, relativ -4,6 Prozent). Die Zahl der Kinder unter sechs Jahren in Sachsen ist
– entgegen dem bundesweiten demografischen Trend rückläufiger Kinderzahlen – von
193.746 im Jahr 2006 auf 242.619 im Jahr 2014 gestiegen. Deshalb
kann von einer
demographisch bedingten erhöhten Nachfrage (Anstieg der Anzahl nichtschulpflichtiger
Kinder um 3,1 Prozent) nach solchen Leistungen ausgegangen werden. Dadurch ergibt sich
bezogen auf die Anzahl der Kinder im nicht schulpflichtigen Alter im Freistaat ein relativer
Rückgang aller erbrachten Leistungen um 7,4 Prozent.
Tabelle 3: Leistungen der Eingliederungshilfe für behinderte Kinder im nicht schulpflichtigen
Alter in Kindertageseinrichtungen in Sachsen 2010 bis 2014
Jahr
Insgesamt
Integrative
Kindertageseinrichtungen
Heilpädagogische Tages-
stätten bzw. Gruppen
2011
4.860
3.714
1.146
2012
5.016
3.925
1.091
2013
4.655
3.591
1.064
2014
4.638
3.629
1.009
Quelle KSV: Leistungen für Kinder mit Behinderungen im nichtschulpflichtigen Alter in Sachsen
Auf dem Weg zu einer inklusiven frühkindlichen Bildung kommt es darauf an, günstige
Rahmenbedingungen zu schaffen und das Personal in den Kindertageseinrichtungen gezielt
auf diese Aufgabe vorzubereiten. Dies hat beispielsweise das Projekt „Inklusion in
sächsischen Kindertageseinrichtungen“ zum Ziel, das vom SMK und dem KSV gefördert
wird.
Ambulante Leistungen der Früherkennung und Frühförderung
Die Leistungen der Eingliederungshilfe für behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder
im Alter bis zum Schuleintritt umfassen neben den Leistungen in Kindertageseinrichtungen
auch Leistungen der Früherkennung und Frühförderung, die in Frühförderstellen oder in
Sozialpädiatrischen Zentren erbracht werden. Die Angebote der Früherkennung und
Frühförderung haben das Ziel, „eine drohende oder bereits eingetretene Behinderung zum
frühestmöglichen Zeitpunkt zu erkennen, drohenden Behinderungen entgegenzuwirken,
Auswirkungen
vorhandener
Behinderungen
durch
gezielte
Förder-
und

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Behandlungsmaßnahmen auszugleichen oder zu mildern und betroffene Familien zu
beraten.“
Zum Jahresende 2014 erhielten 3.744 Kinder im nichtschulpflichtigen Alter Leistungen der
Frühförderung. Da sich die Anzahl der Kinder in diesem Alter in der Bevölkerung insgesamt
erhöht hat, ging die Quote der Kinder mit Leistungen der Früherkennung und Frühförderung
von 15,5 je 1.000 Altersgleiche im Jahr 2011 geringfügig auf 15,4 je 1.000 Altersgleiche im
Jahr 2014 zurück.
Tabelle 4: Frühförderung für behinderte Kinder im nicht schulpflichtigen Alter in Sachsen
2010 bis 2014
Jahr
Anzahl
je 1.000 Altersgleiche
2011
3.651
15,5
2012
3.497
14,6
2013
3.514
14,5
2014
3.744
15,4
Quelle: KSV: Leistungen für behinderte Kinder im nichtschulpflichtigen Alter im Freistaat Sachsen:
Angaben der örtlichen Sozialhilfeträger im Rahmen des Benchmarkings 2010 bis 2014 ,
Bevölkerungszahlen nach Statistischem Landesamt (2015) – Hochrechnungen auf Zensus
2011
In Sachsen sind insgesamt 50 Frühförderstellen (inklusive Außenstellen) tätig, die entweder
interdisziplinär besetzt sind oder bei Bedarf mit niedergelassenen therapeutischen Praxen
kooperieren. Sie erbringen auch Leistungen in Form der sogenannten Komplexleistung.
Darüber hinaus werden Leistungen zur Früherkennung und Frühförderung in zwei
überregional spezialisierten Frühförderstellen für Kinder mit Sinnesbehinderungen sowie in
sieben Sozialpädiatrischen Zentren erbracht.