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1
Kartoffeln im Ökolandbau
Informationen für Praxis und Beratung

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Kartoffeln im Ökolandbau
Informationen für Praxis und Beratung
Hartmut Kolbe, Wolfgang Karalus, Martina Schuster, Martin Hänsel, Annette Schaerff, Birgit Pölitz

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Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung.................................................................................................................................................................4
2
Botanik und Entwicklungsstadien.......................................................................................................................... 5
3
Standortansprüche.................................................................................................................................................. 7
4
Nährstoffversorgung und Düngung....................................................................................................................... 9
5
Fruchtfolgestellung und Zwischenfruchtanbau.................................................................................................... 16
6
Sortenwahl................................................................................................................................................................ 18
7
Anbautechnik und Pflegemaßnahmen................................................................................................................... 22
8
Krankheiten und Schädlinge................................................................................................................................... 30
9
Ernte..........................................................................................................................................................................36
10
Lagerung..................................................................................................................................................................38
11
Aufbereitung.............................................................................................................................................................42
12
Wirtschaftliche Bewertung......................................................................................................................................48
13
Pflanzguterzeugung................................................................................................................................................. 53
Weiterführende Literatur ......................................................................................................................................... 55

4
1 Einleitung
Die ökologisch erzeugte Kartoffel erfreut sich großer Beliebtheit und Akzeptanz beim Verbraucher und eignet sich hervorragend
für die Direktvermarktung. In den letzten Jahren werden Ökokartoffeln auch zunehmend über Discounter vermarktet. Daher ist
der Anbau von Speisekartoffeln für viele ökologisch wirtschaftende Betriebe ein bedeutender Produktionszweig. Er trägt zu
einem wesentlichen Teil zum Betriebseinkommen bei. Unter den besonders umweltschonenden Produktionsbedingungen des
Ökolandbaus werden erheblich niedrigere Durchschnittserträge erzielt als in der konventionellen Landwirtschaft, die jedoch
durch deutlich höhere Erzeugerpreise ausgeglichen werden können.
Allerdings stellt der ökologische Anbau von Speisekartoffeln hohe Anforderungen an Wissen und Können der Erzeuger. Prob-
leme bereiten insbesondere ein ungenügendes Stickstoffangebot im Frühjahr, ein hoher Krankheits- und Schädlingsbefall sowie
die oft starke Spätverunkrautung der Bestände. Grundsätzlich steht ein breites Spektrum bodenverbessernder und pflanzen-
stärkender Maßnahmen wie Fruchtfolgegestaltung, organische Düngung, Einsatz biologischer Pflanzenschutzmittel sowie Be-
regnung zur Verfügung.
Die vorliegende Broschüre soll in kurzer Form unter Berücksichtigung aktueller Forschungsergebnisse die spezifischen Anfor-
derungen an eine ökologische Erzeugung, Lagerung und Aufbereitung von Speisekartoffeln aufzeigen und somit eine Hilfe für
Praxis und Beratung sein. Für einen tieferen Einblick zum Anbau von Kartoffeln sei auf das Handbuch von MÖLLER et al.
(2003) verwiesen.

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5
2 Botanik und Entwicklungsstadien
Die Kartoffelpflanze (
Solanum tuberosum
L.) stammt aus Südamerika und weist unter kühlen Bedingungen der gemäßigten
Breiten, ausreichender Wasserversorgung und hoher Einstrahlung ihre höchste Leistungsfähigkeit auf. Ihr Wachstumsverlauf ist
gekennzeichnet durch das Auspflanzen von Pflanzknollen, vegetatives Wachstum, Knollenanlage und –wachstum sowie Blü-
tenbildung und Absterben der Krautmasse (Abb. 1 – 4).
Die Kartoffelknolle besteht zu 75 % aus Wasser und die Trockensubstanz setzt sich zu 21 % aus Kohlehydraten, 2 % Rohei-
weiß, 1,3 % Mineralstoffe (besonders viel K) und 0,7 % Rohfaser zusammen. Der Gehalt an Vitamin C ist verhältnismäßig hoch.
Kartoffeln können als Speisekartoffeln zum Direktverzehr angebaut werden, wofür meistens zu einem geringeren Umfang Früh-
kartoffeln und hauptsächlich mittelfrühe Kartoffelsorten verwendet werden. Der Anbau von Speisefrischkartoffeln steht in dieser
Broschüre im Mittelpunkt. Darüber hinaus werden Kartoffeln zur industriellen Weiterverarbeitung zu Pommes Frites oder Chips
sowie als Wirtschaftskartoffeln bei Nutzung von meistens später abreifenden Sorten für die Herstellung von Stärke, Alkohol und
vielen weiteren Produkten angebaut.
Abbildungen 1 - 3: Kartoffelpflanze nach dem Austrieb,
Stadium der Blüte und Kartoffelprobe vor der Ernte

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6
Abbildung 4: Vegetationsstadien, Entwicklung und Nährstoffaufnahme der Kartoffel (Quelle: Vegetationsstadien nach
HACK et al., 1993)
Entwicklung der Aufnahme an Trockenmasse und Nährstoffen (rel.)
0
20
40
60
80
100
120
15
30
45
60
75
90
105
120
135
Tage nach Aufgang
Anteile (%)
Trockenmasse
N
P
K
Ca
Mg

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7
3 Standortansprüche
Kartoffeln zeichnen sich durch eine gute Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Böden aus und gedeihen daher auf den
meisten Standorten Deutschlands. Im Vergleich zu anderen Früchten haben sie auf leichten Böden ihre höchste wirtschaftliche
Konkurrenzkraft. Das liegt daran, weil Kartoffeln sowohl auf leichten, mittleren und schwereren Böden mit ähnlich hohen Erträ-
gen reagieren, während viele andere Fruchtarten die höchsten Erträge auf schwereren Böden erzielen. Gut geeignet sind daher
leichte bis mittelschwere Böden, humose lehmige Sande und Lehmböden (Abb. 5). Bei ausreichender Wasserversorgung bie-
ten diese Standorte in der Regel eine gute Erwärmbarkeit, eine lockere Struktur und neigen weniger zur Klutenbildung. Auf
schweren, bindigen oder sehr leichten Böden mit geringer Wasserhaltefähigkeit ist mit Ertrags- und Qualitätseinbußen zu rech-
nen. Auch steinreiche bzw. zur Klutenbildung neigende Böden sind negativ zu bewerten, weil hier die Knollen bei der mechani-
sierten Ernte und Sortierung häufiger beschädigt werden. Ein zusammenfassender Überblick über den Einfluss der Witterung
und Nährstoffversorgung auf Ertrag und Qualität der Kartoffeln kann aus Abbildung 6 entnommen werden.
Das Ertragsniveau liegt um 200 dt/ha und beträgt 50 – 60 % des Niveaus im konventionellen Anbau. Die Ertragsschwankungen
sind in der Regel größer als im Getreideanbau. Deshalb sollte die Standortwahl im Ökolandbau eine höhere Beachtung finden,
da viele ungünstige Einflüsse auf Wachstum, Entwicklung und Qualität auch auf Standortunterschiede (Bodenart, Witterung,
Nährstoffversorgung, Krankheits- und Schädlingsbefall) zurückgeführt werden können (Abb. 6 und Kap. 8).
Je höher die Hürden zur Anwendung bestimmter Pflanzenschutz- und Düngemittel z.B. durch Verbandsregelungen gestellt sind,
umso wichtiger ist die Auswahl der Anbauflächen auf den Betrieben anzusehen. Daher sollten Kartoffeln in Problemregionen
bzw. auf ungeeigneten Flächen (ungünstige Böden, hohes Schaderreger- und Krankheitsaufkommen auf Grund ungünstiger
klimatischer Verhältnisse, etc.) möglichst nicht mehr angebaut werden.
Abbildung 5: Kartoffeldamm im
Querschnitt auf einem Boden mit
einer lockeren und krümeligen Struk-
tur

8
Wetter Nährstoffversorgung
Einstrahlung Temperatur Niederschläge N P K
(mittel = 180 – 200 h)
(mittel = 15 – 17 °C)
(mittel = 55 mm/Monat)
niedrig
mittel
hoch
niedrig
mittel
hoch
niedrig
mittel
hoch
niedrig
mittel
hoch
niedrig
mittel
hoch
niedrig
mittel
hoch
1 Vegetationszeit
2 Knollenertrag
3 Knollenanzahl
4
Knollengewicht
5 Zellwandbestandteile
6 Trockenmasse
7 Stärke
8 Reduzierende Zucker
9 Organische Säuren
10 Vitamin C
11 Eiweiß
12 Eiweißqualität
13 Nitrat
14 P
15 K, Mg
16 Widerstandsfähigkeit gegen
Verfärbungen
Einfluss: gering mittel hoch
Abbildung 6: Einfluss des Wetters und der Nährstoffversorgung auf Knollenerträge und Inhaltsstoffe von Kartoffeln

9
4 Nährstoffversorgung und Düngung
Die Aufnahme wichtiger Nährstoffe läuft der Trockensubstanzausbildung und dem Massezuwachs der Knollen zeitlich voraus
(s. Abb. 7). Bereits 45 Tage nach Aufgang hat die Pflanze je nach Nährelement schon über 50 % (P, Mg) bzw. über 70 % (N, K,
Ca) der insgesamt benötigten Nährstoffe aufgenommen. Damit die Kartoffelknollen optimal wachsen können, müssen die benö-
tigten Nährstoffe im Boden daher frühzeitig zur Verfügung stehen.
Tritt in der Phase der Krautentwicklung, also insbesondere in den Monaten Mai und Juni eine unzureichende Nährstoffbereit-
stellung auf, so schlägt sich das über eine verringerte Blattmasse- und Photosyntheseleistung letztendlich in Ertragseinbußen
nieder (Abb. 7). Mit zunehmender Wuchshöhe bzw. zunehmendem Kraut-Bedeckungsgrad steigen die Knollenerträge stark an.
Wird der Reihenschluss nicht erreicht, kann das auch ein Hinweis auf Mängel in der Bodenstruktur sein. Hierdurch wird sowohl
die Wurzelentwicklung als auch die Nährstoffbereitstellung durch die Mineralisation eingeschränkt. Besonders auf schwereren
Böden können diese negativen Auswirkungen auch durch Zufuhr fester organischer Düngemittel (Stalldung, Kompost, Grün-
düngung) vor dem Anbau von Kartoffeln behoben werden (Abb. 8).
Abbildung 7: Einfluss der Wuchshöhe des Kartoffelkrautes auf die Knollenerträge (Ökofeld Roda in Sachsen, 68 Bo-
denpunkte)
Werden Nährstoffe dagegen zu spät bereitgestellt, sind zwar hohe Erträge, aber meistens auch abnehmende Knollenqualitäten
(hohe Nitratgehalte) die Folge. Dies kann z.B. bei einem Anbau von Kartoffeln auf fruchtbaren Böden direkt nach mehrjährigen
Leguminosen der Fall sein. Aber auch eine zu späte Düngung kann denselben Effekt bewirken, wenn z.B. eine zu hohe Menge
an ungenügend verrottetem Dung erst im Frühjahr eingearbeitet wird. Unter bestimmten Witterungsbedingungen setzt die Mine-
ralisierung verzögert ein, so dass der Stickstoff zu spät pflanzenverfügbar wird. Wenn die Pflanzen den Stickstoff zu diesem
Zeitpunkt nicht mehr verwerten können, erhöht sich das Risiko der Auswaschung.
Untersuchungen in ökologisch wirtschaftenden Betrieben haben gezeigt, dass häufig nicht der Befall durch Krautfäule der er-
tragslimitierende Faktor ist, sondern eine zu niedrige N-Versorgung (FINCK et al., 2006). Fruchtfolgestellung und Düngung sind
daher entsprechend den speziellen Bedingungen des ökologischen Kartoffelanbaus auszurichten.
R² = 0,9216***
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
30
35
40
45
50
55
60
65
70
75
Wuchshöhe (cm)
Knollenertrag (dt/ha)
2004
2005
2006
Polynomisch (Insgesamt)

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10
Abbildung 8: Nur mit weitgehend geschlossenen Krautbeständen sind angemessen hohe Erträge zu realisieren: ohne
Düngung (links); mit Stalldung (rechts; Ökofeld Roda, 68 Bodenpunkte)
Grundelemente des Nährstoffmanagements im Ökobetrieb
Zur Dokumentation der Anbauabfolge des gesamten Betriebes sind flächenbezogende Aufzeichnungen des Pflanzenbaus
(Schlagkartei) und der Tierhaltung (Stallbuch) zu führen. Diese Aufzeichnungen dienen sowohl als Grundlage für die Ökokon-
trolle, für die Teilnahme an einem Qualitätssicherungssystem (QM-Kartoffel) als auch für die hier aufgeführten Berechnungen
und Kalkulationen. Die im Rahmen von Düngungsmaßnahmen veranschlagten Zukaufdüngemittel müssen zudem aus einer
Liste erlaubter Betriebsmittel ausgewählt werden (Internet:
https://www.betriebsmittel.org/→Betriebsmittelliste).
Die Düngebedürftigkeit mit bestimmten Zukaufdüngemitteln muss genau dokumentiert, ggf. auch durch den Anbauverband in
dem der Betrieb Mitglied ist genehmigt werden. Der Nachweis der Düngebedürftigkeit sowie weitere Berechnungen zum Nähr-
stoffmanagement können heute auch mit Hilfe des PC-Programms BEFU erstellt werden, dessen jeweils neueste Version aus
dem Internet herunter geladen werden kann
(http://www.landwirtschaft.sachsen.de/befu/).
Das routinemäßige Programm zur Bodenuntersuchung und zum Nährstoffmanagement kann einer Broschüre von KOLBE &
SCHUSTER (2011) entnommen werden. Separat für jeden Schlag sollten folgende Merkmale herangezogen werden:
Grundnährstoffe und Spurenelemente
Kalk
Humus
Stickstoff.
Versorgung des Bodens mit Grundnährstoffen und Spurenelementen
Eine optimale Phosphor- und Kaliumversorgung ist die Voraussetzung für einen guten Anbauerfolg. In der Regel reicht die Bo-
dengehaltsklasse B als anzustrebende Versorgungsstufe im ökologischen Landbau aus (3,5 bis 5,9 mg P; 4 bis 12 mg K; 2,1
bis 10,0 mg Mg je 100 g Boden). Diese Nährstoffgehalte sollten im Boden nicht unterschritten werden, weil es sonst bei allen
Kulturen aufgrund einer unzulänglichen Jugendentwicklung zu deutlichen Ertragsausfällen kommen kann. Das trifft besonders
auf Hackfrüchte wie den Kartoffeln zu. In Absprache mit dem Anbauverband kann bei besonderen Anbauverhältnissen, wie
einem intensiven Gemüseanbau oder einem hohen Anteil von empfindlichen Hackfrüchten in der Fruchtfolge, auch die Gehalts-
klasse C angestrebt werden.
Bestehen z. B. bestimmte Probleme bei den Knollenqualitäten (Verfärbungsneigung, Lagerfähigkeit, s. Abb. 6), so ist zunächst
die Auswahl von Flächen mit günstigen Gehalten an Grundnährstoffen wichtig (Bodenuntersuchung). Grundsätzlich ist offenbar

11
der Nährstofftransfer vom Boden in die Knollen auf schweren Böden schlechter. Auch wenn deutlich höhere Gehalte an pflan-
zenverfügbaren Nährstoffen vorliegen, steigen die Gehalte in den Knollen dann nicht proportional an. Dagegen kann auf leichte-
ren Böden durch Düngungsmaßnahmen sowohl ein schnellerer Anstieg der Bodengehalte als auch eine deutliche Erhöhung der
Nährstoffaufnahme durch die Pflanzen erreicht werden. Die Wirkung der Düngung auf die Gehalte in der Pflanze und auf die
Qualität ist auf leichten Böden damit stärker als auf schweren Böden.
Für die Düngeplanung kann die Erstellung fruchtfolgeabhängiger Nährstoffbilanzen hilfreich sein, in die die Nährstoffentzüge
der jeweiligen Fruchtarten eingehen. Aus Tabelle 1 ist der Entzug an Grundnährstoffen durch Kartoffeln zu entnehmen. Beson-
ders hackfrucht- und gemüsereiche Fruchtfolgen zeichnen sich durch hohe Nährstoffentzüge aus. Weisen die Bodengehalte an
Nährstoffen auf die Versorgungsklasse A, so ist in jedem Fall eine Düngung anzuraten. Die Zufuhr dieser Nährstoffe sollte dann
im Verlauf der Fruchtfolge am besten zu Leguminosen erfolgen, um deren Stickstofffixierungsleistung zu erhöhen. Bestehen
jedoch besondere Probleme bei den Knollenqualitäten (Neigung zu Rohverfärbung, Kochdunklung, Blaufleckigkeit und Beschä-
digungen), so sollte eine K-Düngung direkt vor Kartoffeln erfolgen. Das gleiche gilt für eine P-Gabe, wenn die Knollen erfah-
rungsgemäß sehr schlecht lagerfähig sind.
Tabelle 1: Nährstoffentzüge von Kartoffelknollen
N
(kg/dt FM)
P
(kg/dt FM)
K
(kg/dt FM)
Mg
(kg/dt FM)
Frühkartoffeln
0,39
0,07
0,60
0,02
mittelfrühe Kartoffeln
0,31
0,06
0,50
0,02
Spätkartoffeln
0,31
0,06
0,50
0,02
Nährstoffbedarf, bezogen auf Knollenertrag
(Knollen : Kraut = 1 : 0,3)
0,43 0,08 0,65 0,06
Für die Versorgung mit Grundnährstoffen sind organische Düngemittel (Stallmist, Kompost) geeignet. In Versuchen auf
schweren Böden hat sich gezeigt, dass sie zu einer genau so hohen oder sogar zu einer besseren Nährstoffbereitstellung
führen können als eine vergleichbare mineralische Düngung. Die Düngung mit zugelassenen mineralischen Düngemitteln wie
Rohphosphaten und chlorarmen Kaliumdüngern sollte nach vorheriger Bodenanalyse und Absprache mit dem Anbauverband
erfolgen. Gleiches gilt für die Zufuhr von Spurennährstoffen. Die Notwendigkeit der Verwendung der jeweiligen Mittel muss
genau dokumentiert werden.
pH-Wert
Im ökologischen Landbau wird ein optimaler pH-Wert angestrebt (Bodenversorgungsklasse C). Kartoffeln wachsen aber besser
bei pH-Werten zwischen 5,0 und 6,0. In diesem pH-Bereich kommt es außerdem zu einer geringeren Schorfbildung. Weil ande-
re Früchte wie z.B. Getreide, Gerste und Erbsen höhere pH-Werte bevorzugen, muss bei der pH-Einstellung des Bodens ein
der Fruchtfolge entsprechender Kompromiss gefunden werden. Anstehende Kalkungen sollten erst nach Kartoffeln erfolgen.
Humusbilanzierung und organische Düngung
Als Kontrollinstrument zur Überprüfung der Anbauabfolge der Kulturen sind schlagbezogene Humusbilanzen geeignet. Dazu ist
mindestens eine Fruchtfolgerotation zu berechnen, die möglichst mit einer standortangepassten Methode bilanziert wird. Die
Bewertung erfolgt nach VDLUFA-Einstufung:
A = ≤ -200
B = -200 bis -76
C = -75 bis +400
D = +401 bis +600
E = ≥ +600 kg Humus-C/ha u. Jahr.
Die Betriebe sollten sich mindestens an der Versorgungsgruppe C ausrichten und darauf achten, dass diese Gruppe nicht un-
terschritten wird. Sonst können ein standort- und bewirtschaftungstypischer Humusgehalt sowie die Bodenfruchtbarkeit langfris-

12
tig nicht erhalten werden. Darüber hinaus sollte die Versorgungsstufe D nicht überschritten werden, da auch negative Auswir-
kungen auf die Umwelt auf Grund einer erhöhten N-Freisetzung entstehen können.
Durch die geringen Ernte- und Wurzelrückstände und die intensive Bodenbewegung bei Pflanzung, Dammaufbau und Ernte
weisen Kartoffeln fruchtartspezifisch deutlich negative Humuswerte auf (Tab. 2). Dies ist sowohl bei der Fruchtfolgeplanung als
auch bei der Auswahl und Höhe der Düngung zu berücksichtigen. Je nach Standortbedingungen kann diese negative Humus-
wirkung z. B. durch Ackerfutter als Vorkultur (Szenario 1) oder flüssige und feste organische Düngemittel (Szenario 2 und 3)
weitgehend ausgeglichen werden.
Tabelle 2: Humusbilanzierung im Kartoffelbau (standortangepasste Methode)
Szenario
Anbaukonzept
(kg/dt FM)
Humusbilanz (HÄQ in kg C/ha u. Jahr)
Fruchtart
Organische Materialien
Saldo
Szenario 1
1. Jahr Ackerfutter
2. Jahr Kartoffel
Mittelwert 2 Jahre
Kleegras (einjähr.) 400 dt/ha Abfuhr
Kartoffeln 250 dt/ha
+260 bis +650
-900 bis -510
-640 bis +140
Szenario 2
Kartoffeln
+ Gülle
+ Zwischenfrucht
Kartoffeln 250 dt/ha
+ 30 m
3
/ha Rindergülle (7 % TM)
+ Zwischenfrucht (als Untersaat)
+ Gründüngung 10 t/ha
-900 bis -510
-60 bis +330
+243
+55
-662 bis +118
Szenario 3
Kartoffeln
+ Stalldung
Kartoffeln 250 dt/ha
+ 30 t/ha Stalldung (25 % TM)
-900 bis -510
+720
-180 bis +210
Werden Kartoffeln nicht direkt nach einer Leguminosen-Hauptfrucht, sondern erst später z.B. nach Getreide in die Fruchtfolge
eingegliedert, so ist oft eine organische Düngung erforderlich. Die Düngemittel sind allerdings unterschiedlich gut geeignet (Tab.
3). Besonders durch feste Düngemittel wie Stallmist oder Kompost können günstige physikalische Bodeneigenschaften (Locke-
rung, Wasserhaushalt) für das Wachstum der Kartoffeln geschaffen werden, die auf bindigen Böden über eine erhöhte Minerali-
sation zu einer Verbesserung der Wachstumsbedingungen führen.
Tabelle 3: Empfehlungen zum direkten Einsatz von organischen Düngemitteln zu Kartoffeln
Geflügel-
mist
Frischmist
Rind
Schwein
Rottemist
Rind
Schwein
Kompost
Gülle
Jauche
Handels-
dünger
Ackerland
Kartoffeln
-
+
+ +
+ + +
+ + +
+ +
+ +
+
+ +
Eignung: +++ = sehr gut; ++ = gut; + = weniger gut; - = nicht geeignet
Je nach Nährstoffgehalt des Bodens sind Stallmist- und Kompostgaben zwischen 150 dt und 350 dt/ha geeignet (Abb. 9). Gut
verrotteter Stallmist sollte nach Möglichkeit im Herbst vor Kartoffeln eingearbeitet bzw. bereits zur Vorfrucht oder danach zur
Zwischenfrucht ausgebracht werden. Unverrotteter Mist erschwert eine gleichmäßige Ablage der Knollen und kann zu Auflauf-
und Entwicklungsverzögerungen führen. Mittlere Gaben an Gülle sowie Handelsdüngemitteln können ebenfalls ausgebracht
werden. Tabelle 4 informiert über optimale Aufwandmengen an organischen Düngemitteln direkt vor dem Anbau und die zu

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13
erwartenden Mehrerträge im Ökokartoffelanbau. Bei einmaliger Anwendung zu Kartoffeln werden durch Komposte nur geringe
Mehrerträge und durch Gülle und verschiedene Handelsprodukte die höchsten Mehrerträge erzielt.
Erfolgt eine regelmäßige organische Düngung des Bodens, so kommt es zu einer Anhebung der Humusgehalte und der Boden-
fruchtbarkeit. Die Humusgehalte steigen nach Kompostdüngung stärker an als nach dauerhafter Gülledüngung. Da die Knollen-
erträge sich ebenso unterschiedlich erhöhen, kann bei Daueranwendung schließlich mit allen Düngemitteln eine ähnlich hohe
Ertragsanhebung zwischen 40 – 65 dt/ha erreicht werden.
Tabelle 4: Aufwandmengen an organischen Düngemitteln und Mehrerträge an Kartoffelknollen
Düngemittel
Optimale Aufwandmenge
Mehrertrag
(einmalige Anwendung vor Kartoffeln)
Kompost
150 – 300 dt/ha
15 – 40 dt/ha
Stalldung
150 – 300 dt/ha
20 – 45 dt/ha
Gülle
15 – 35 m³/ha
30 – 55 dt/ha
Handelsdünger
50 – 100 kg N/ha
25 – 60 dt/ha
Quelle: KOLBE (2007)
Bemessung der N-Versorgung
Auswahl der Anbaufläche
Bei der Auswertung einer Reihe von Dauerversuchen konnte herausgearbeitet werden, dass zwischen den Humusgehalten und
den Knollenerträgen nur relativ geringe positive Beziehungen bestehen. Vielmehr werden mit steigenden Humusgehalten
gleichzeitig oft die C/N-Verhältnisse der Böden weiter. Neben Unterschieden im Ertragspotenzial sind Böden mit relativ engen
C/N-Verhältnissen um 10 im Vergleich zu weiteren C/N-Verhältnissen von über 15 durch eine höhere N-Verfügbarkeit gekenn-
zeichnet. Dies führt dann oft zu höheren N-Gehalten in den Knollen, was Rückschlüsse auf bestimmte Merkmale der Knollen-
qualitäten erlaubt (s. Abb. 6). Durch eine erhöhte Humusreproduktion, wie sie oft nach der Umstellung auf Ökolandbau ange-
strebt wird, ist unter bestimmten Standortbedingungen über viele Jahre mit einer Erweiterung der C/N-Verhältnisse des Bodens
zu rechnen. Auf Grund der dann verringerten Mineralisation an bestimmten Nährstoffen (N, P, S), kann es zu einer Stagnation
oder sogar zu einer Abnahme der Ertragsfähigkeit dieser Standorte kommen.
Abbildung 9: Stallmistausbringung
zur Sicherung der Nährstoffversor-
gung

14
Kalkulation des Stickstoffbedarfs
Ein befriedigendes Ertragsniveau ist nur über eine ausreichende Nährstoffversorgung erreichbar. Besonders im Frühjahr müs-
sen die Nährstoffe in pflanzenverfügbarer Form rechtzeitig zur Verfügung stehen (s. Abb. 4). Dies trifft besonders für den Nähr-
stoff Stickstoff zu, der in vielen Fällen im Wesentlichen als ertragsbegrenzender Faktor anzusehen ist. Daher eignet sich dieser
Nährstoff auch im Ökolandbau für die Düngungsbemessung. Auf der zum Kartoffelanbau ausgesuchten Fläche stehen prinzi-
piell folgende Stickstoffquellen zur Verfügung:
N-Nachlieferung aus dem Humus,
N- Freisetzung aus Gründüngung und Ernterückständen und
N-Freisetzung aus Wirtschafts- und organischen Handelsdüngern.
Eine überschlagsmäßige Kalkulation der Nährstoffmenge an Stickstoff kann nach dem Schema in Tabelle 5 erfolgen. Der N-
Bedarf wird für einen Zielertrag ermittelt und der Nährstoffbereitstellung über die Vorkultur, die Bodenart und die organische
Düngung vor Aussaat gegenübergestellt. Die mögliche Nachlieferung an Stickstoff aus der Vorfrucht wird in Abhängigkeit von
der Stellung nach dem Leguminosenanbau berücksichtigt (Tab. 6). Die Tabellenwerte stehen auf der Grundlage von langjähri-
gen Durchschnittswerten. Auch Orientierungswerte für die N
min
-Analysen können dieser Tabelle entnommen werden oder es
erfolgt eine N
min
-Probenahme im Frühjahr (0 – 60 cm Tiefe) mit anschließender Laboruntersuchung. Ein N
min
-Herbstwert von ca.
30 kg ist hierbei abzuziehen oder es werden nur ca. 50 % der Frühjahrswerte angerechnet. Aus dem Beispiel ist zu ersehen,
dass der Zielertrag von 250 dt/ha Knollen durch die anvisierte Nährstoffbereitstellung aus Fruchtfolgestellung und Düngung
abgedeckt werden kann.
Tabelle 5: Kalkulation des N-Bedarfs in Abhängigkeit von einem anvisierten Ertragsziel für Kartoffeln
1. Kalkulationsglieder
Nährstoffbedarf
für Ertragsziel ergibt sich aus Ertragserwartung
*
N-Bedarfsfaktor (Knollen + Kraut, s. Tab. 1)
N
min
-Gehalt
Frühjahr (0 – 60 cm Tiefe) (minus N
min
-Gehalt im Herbst)(s. Tab. 6)
N-Nachlieferung
während der Vegetationszeit in Abhängigkeit von Fruchtfolgestellung nach Leguminosen mit 100 % Anrechnung (Grundlage Tab. 6)
N-Bereitstellung
aus (zusätzlich zu leistender) organischer Düngung vor der Aussaat, im Herbst oder Frühjahr (Grundlage Tab. 7)
2. Anbaubeispiel
Mittelfrühe Kartoffeln, Ertragsziel 250 dt/ha Knollen, Aussaat nach Getreide im 2. NBJ nach Leguminosen, mittlerer Boden, Düngung 30 t/ha Stalldung
auf Stoppel d. Vorfrucht
3. Berechnung der Nährstoffbereitstellung aus Vorfrucht und Düngung des Nährstoffbedarfes für den Zielertrag
Stalldung 30 t/ha (15 % Wirkung):
30 t
*
5 kg N
*
0,15
23 kg N/ha
N
min
Frühjahr (minus N
min
-Herbst):
2. NBJ n. Kleegras (- 30 kg bzw. 50 % Anrechnung)
35 kg N/ha
N-Bereitstellung Vorfrucht/Boden:
2. NBJ n. Kleegras (100 % Anrechnung)
65 kg N/ha
N-Bereitstellung gesamt:
123
kg N/ha
Nährstoffbedarf
für 250 dt/ha Knollen + Kraut:
250 dt
*
0,43 kg N
108
kg N/ha
NBJ = Nachbaujahr nach (mehrjährigen) Futterleguminosen bzw. Körnerleguminosen
Tabelle 6: Durchschnittliche N
min
-Richtwerte (Frühjahr) bzw. N-Bereitstellungsmengen in Abhängigkeit von der Frucht-
folgestellung der Leguminosen (in kg N/ha)
Bodenart
Anbaujahr*
1. Nachbaujahr**
2. Nachbaujahr**
3. und weitere NBJ**
leicht
S, Sl
15
50
30
20
mittel
lS, SL, sL
20
70
65
35
schwer
L, lT
20
80
85
50
Anbaujahre Leguminosen bzw. Leguminosengras; ** Nachbaujahre (NBJ) mit Nichtleguminosen

15
Tabelle 7: Mittlere Nährstoffgehalte und N-Verfügbarkeit im Anwendungsjahr in Wirtschafts- und anderen organischen
Düngern
Gruppe
Tierart
TM
(%)
N
(kg/t)
N-Verfüg-
barkeit
(% Ges.-N)
P
(kg/t)
K
(kg/t)
Mg
(kg/t)
Stallmist
Rind
Schwein
Rind, Schwein
25
25
25
5,00
6,10
5,50
5 – 18
5 – 20
5 – 18
1,20
2,50
1,80
6,60
5,00
5,80
0,80
1,20
1,00
Geflügelkot
Hühnertrockenkot
45
20,90
35 – 45
8,64
3,40
3,42
Bioabfallkompost
60
7,70
0 – 15
1,90
6,20
3,40
Gründüngung (Zwischenfrucht)
15
4,30
10 – 25
0,50
4,30
0,40
(%)
(kg/m³)
(% Ges.-N)
(kg/m³)
(kg/m³)
(kg/m³)
Jauche
Rind
Schwein
Rind, Schwein
2
2
2
1,70
2,30
2,00
50 – 65
55 – 65
50 – 65
0,10
0,40
0,25
4,60
3,00
3,80
0,10
0,10
0,10
Gülle normal
Rind
Schwein
Rind, Schwein
8
8
8
3,00
4,60
3,80
20 – 30
30 – 40
25 – 35
0,50
1,20
0,80
3,10
1,60
2,40
0,40
0,50
0,45
Geflügelkot
Hühnerfrischkot
12
7,40
40 – 55
4,30
2,80
0,70
(%)
(kg/dt)
(% Ges.-N)
(kg/dt)
(kg/dt)
(kg/dt)
Ackerbohnenschrot
86
4,20
20 – 30
0,47
1,13
0,16
Erbsenschrot
86
3,50
20 – 30
0,43
1,06
0,13
Hornmehl
98
13,00
30 – 45
0,47
0,42
0,26
Haar- u. Federmehl
98
13,50
30 – 45
0,40
0,16
0,10
Fleischknochenmehl
95
7,00
35 – 50
6,50
0,30
0,26
Quelle: KÖHLER & KOLBE (2007)

16
5 Fruchtfolgestellung und Zwischenfrucht-
anbau
Fruchtfolgestellung und N-Versorgung
Die Fruchtfolgegestaltung hat im ökologischen Landbau einen sehr hohen Stellenwert, da über den Anbau von Leguminosen
der überwiegende Teil des benötigten Stickstoffs bereitgestellt werden muss. Weiterhin werden der Kulturzustand des Bodens,
sein phytosanitäres Potential und der Beikrautbesatz durch die zeitliche Abfolge und das Miteinander der Kulturarten entschei-
dend beeinflusst. In Abbildung 10 werden einige Fruchtfolgebeispiele mit Kartoffeln aufgezeigt. Beispiel A demonstriert einen
reinen Ackerbaubetrieb ohne Viehhaltung. Die anderen Fruchtfolgen beinhalten verschieden hohe Anteile an Viehhaltung. Hier-
bei fallen organische Dünger in unterschiedlicher Höhe an, die je nach Bedarf gezielt zu bestimmten Kulturen gegeben werden
können. In den Beispielen B – F wird die Kartoffel auch an verschiedenen Stellen nach Leguminosen-Hauptfrüchten eingeglie-
dert. Jeder Betrieb sollte daher mögliche Fruchtfolgestellungen ausprobieren, um je nach klimatischer Lage, Bodenart und
Nährstoffversorgung die optimale Position ausfindig zu machen.
Grundsätzlich gilt, dass Kartoffeln für eine reichliche Versorgung mit organischer Substanz dankbar sind und mit hohen Erträ-
gen reagieren. Daher werden die höchsten Erträge oft nach mehrjährigem Leguminosengras und Ackerfutter vorgefunden.
Hierbei ist aber zu bedenken, dass bei sehr hohem Stickstoffangebot die Gefahr der N-Auswaschung steigt und die Knollenqua-
lität sinken kann. Letzteres betrifft insbesondere nährstoffreiche und schwere Standorte, während die Auswaschungsgefahr auf
Sandböden höher ist. Hinzu kommt, dass N-bedürftige Kulturarten, wie z.B. Backweizen, mit Kartoffeln um den 1. Platz nach
Leguminosen konkurrieren. Außerdem sind Wechselwirkungen zwischen Nährstoffversorgung und Pflanzenschutz zu beachten.
So können nach mehrjährigem Kleegras verstärkt Drahtwürmer auftreten und Rhizoctonia wird ebenfalls durch hohe Mengen an
organischen Materialien gefördert (s. Kap. 8).
Zwischenfruchtanbau
Die Kartoffel benötigt einen sehr gut strukturierten Boden mit möglichst hohen Anteilen an verrotteter organischer Substanz.
Dies ist auch bei der Wahl der vorausgehenden Früchte oder Zwischenfrüchte zu beachten. Der Anbau von Winterzwischen-
früchten ist wegen der Verminderung der N-Auswaschungsgefahr vor allem auf leichten und mittleren Böden sinnvoll. Wirts-
pflanzen des Stoppelwurzelälchens (Überträger des Rattle-Virus) wie die meisten Senf- und Rapssorten und Rübsen eignen
sich jedoch nicht als Vorfrüchte. Günstiger sind Leguminosen, Ölrettich oder nematodenresistente Raps- und Senfsorten. Ist die
Befahrbarkeit des Bodens mindestens einen Monat vor der Kartoffelpflanzung gegeben, so kann die Zwischenfrucht noch im
Frühjahr eingearbeitet werden. Dafür wird vorausgesetzt, dass die Zwischenfrucht lediglich ein Entwicklungsstadium erreicht
hat, zu dem noch keine Verholzung von Pflanzenteilen erfolgt ist, da es sonst auch zu Ertragsdepressionen kommen kann.
Beim Anbau von Kruziferen als Zwischenfrucht kann daher ein Mulchen des Pflanzenbestandes vor Winter notwendig werden.
Auf schweren Böden kommen in der Regel nur Zwischenfrüchte mit Herbstumbruch in Frage (Abb. 11).
Im Vergleich zu einer Getreidevorfrucht können die Wirkungen von alternativen Vorfrüchten und Zwischenfrüchten auf die Knol-
lenmehrerträge wie folgt zusammengefasst werden (MÖLLER et al., 2003):
nicht legume Zwischenfrüchte:
-10 bis +30 dt/ha
legume Zwischenfrüchte:
+10 bis +40 dt/ha
Hackfrüchte als Feldgemüse:
+10 bis +50 dt/ha
Kleegras (ein- bis mehrjährig):
+20 bis +70 dt/ha
Körnerleguminosen:
+20 bis +100 dt/ha.
Vorfruchtwert und Selbstfolgeabstand
Kartoffeln hinterlassen den Boden in garem Zustand mit relativ hohem Reststickstoffgehalt im Herbst. Um diesen Stickstoff
auszunutzen, sollten Sommerungen nur dann folgen, wenn der Anbau einer Zwischenfrucht möglich ist. Günstige Nachfrüchte
sind alle Winterungen wie Weizen und Roggen, soweit die Aussaat zeitlich noch optimal erfolgen kann. Zeichnet sich der
Schlag durch ein geringes Unkrautpotential aus, besitzt die Kartoffel auch für Feldgemüse einen guten Vorfruchtwert. Um den
Befall mit Nematoden auszuschließen, muss der Selbstfolgeabstand der Kartoffel mindestens 4 Jahre betragen und der Anteil
von Kartoffeln in der Fruchtfolge darf 25 % nicht überschreiten. Günstige Vorfrucht- und Nachfruchtkombinationen können über
ein Schaudiagramm ermittelt werden:
http://orgprints.org/15100/

image
17
Fruchtfolge
Jahr
A
B
C
D
E
F
1
Hauptfrucht
Kleegras
Ackerbohne /
Erbse / Lupine
Rotklee
Rotklee
Rotklee
Klee / Luzerne
Zwischenfrucht
(abfrierende
Zw.-frucht)
2
Hauptfrucht
Kartoffeln
W.-Weizen /
W.-Roggen
Hafer /
W.-Roggen
W.-Weizen Hafer
Klee / Luzerne
Zwischenfrucht
Erbsen /
Wicken
Ölrettich /
Wicken*
Lupinen /
Wicken*
Erbsen /
Wicken*
3 Hauptfrucht W.-Weizen
Kartoffeln Kartoffeln Kartoffeln
W.-Roggen W.-Weizen*
Zwischenfrucht
Lupinen*
4
Hauptfrucht
W.-Roggen W.-Roggen W.-Roggen Triticale
Kartoffeln
Silomais
Zwischenfrucht
Kleegrassaat
Leguminosen
5
Hauptfrucht
Hafer / So.-
Gerste
W.-Gerste* Sonnenblume W.-Roggen
Kartoffeln
Zwischenfrucht
Rotkleesaat Serradella
6
Hauptfrucht
Rotkleesaat S.-Gerste W.-Roggen
Zwischenfrucht
Rotkleesaat
Leguminosen
7
Hauptfrucht
S.-Gerste
Zwischenfrucht
Klee-Luzerne-
Saat
* Vorschlag: Düngung mit Stallmist oder Mistkompost 200 – 350 dt/ha oder 20 – 40 m³/ha Gülle möglich
Abbildung 10: Möglichkeiten der Einordnung der Kartoffeln in die Fruchtfolge
Abbildung 11: Zwischenfruchtmi-
schung aus Phacelia und Sommerwi-
cken

18
6 Sortenwahl
Bedeutung der Sortenwahl und Vorgehensweise
Mit der Sortenwahl wird eine wichtige Entscheidung im Hinblick auf die Vermarktungsfähigkeit der angebauten Kartoffeln und
damit auch auf den wirtschaftlichen Erfolg des Produktionszweiges getroffen. Um eine gezielte Sortenwahl vornehmen zu kön-
nen, sollten zunächst folgende Fragen geklärt werden:
Welche Verwertung ist vorgesehen (Speisekartoffeln für Direktverzehr, Verarbeitungskartoffeln)?
Welche Kundenwünsche sind zu erfüllen (Großhandel, Verarbeiter, Kunden beim Direktabsatz)?
Wann und wie lange sollen die Kartoffeln vermarktet werden?
Wie sind die Standortbedingungen für den Kartoffelbau (Klima, Boden)?
Welche betrieblichen Möglichkeiten bestehen im Hinblick auf qualitätssichernde Maßnahmen (Bodenseparierung, Be-
regnung, Lagerbedingungen) und eine Knollen schonende Behandlung (Erntetechnik, Aufbereitung)?
Die Erfüllung der von den Kunden gewünschten Qualitätsanforderungen hat eine höhere Priorität als das Ertragsvermögen
einer Sorte. So kann es aus vermarktungstaktischen Gründen sinnvoll sein, eine Sorte anzubauen, die zwar aufgrund einer
höheren Anfälligkeit für die Krautfäule weniger ertragsstabil ist, die aber aufgrund bestimmter Qualitätseigenschaften nachge-
fragt wird. Als Beispiel wäre hier die Sorte Adretta zu nennen. Der Anbauumfang solcher Sorten sollte aber im Betrieb begrenzt
bleiben.
Der Erzeuger kann mit einer Stärken-Schwächen-Analyse klären, ob bei den Standortbedingungen und im Anbauverfahren
Schwachpunkte vorliegen, die bei der Wahl der Sorten zumindest teilweise kompensiert werden müssen. Beispielsweise sollten
auf leichteren Böden mit höherem pH-Wert unbedingt schorftolerante Sorten angebaut werden. Ist eine die Knollen schonende
Behandlung nicht gewährleistet, kommen nur Sorten mit geringer Beschädigungsempfindlichkeit und geringer Neigung zu
Schwarzfleckigkeit in Frage.
Unabhängig von den zuvor genannten Aspekten sollten immer mehrere Sorten mit dem Ziel einer Risikominderung angebaut
werden. Nicht vorhersehbare Witterungseinflüsse, auf die einzelne Kartoffelsorten mitunter stark reagieren, können dadurch
zum Teil ausgeglichen werden. Der Anbau mehrerer Sorten ist außerdem ratsam, um den Bezug verschiedener Pflanzguther-
künfte zu ermöglichen. Eine unzureichende Qualität bei einer Pflanzgutherkunft würde somit nicht die gesamte Kartoffelerzeu-
gung des Betriebes beeinträchtigen.
Kriterien bei der Sortenwahl
Qualitätseigenschaften
Kochtyp und Geschmack
Bei Speisekartoffeln für den Direktverzehr ist der Kochtyp der Sorten das erste Auswahlkriterium. Der Kochtyp wird bei der vom
Bundessortenamt durchgeführten Sortenzulassung anhand der Merkmale Konsistenz, Struktur, Mehligkeit und Feuchtigkeit
festgelegt. Es wird zwischen fest kochenden, vorwiegend fest kochenden und mehlig kochenden Sorten unterschieden. Eine
weitere Differenzierung der Kochtypen ermöglicht die Einstufung mit den Großbuchstaben A bis D, die im Rahmen der Europäi-
schen Gesellschaft für Kartoffelforschung (EAPR) vereinbart wurde.
Der Kochtyp ist zwar eine sortenspezifische Eigenschaft, kann aber deutlich durch Boden, Witterung und Anbaumaßnahmen
beeinflusst werden, so dass die tatsächlichen Kocheigenschaften einer Partie von der in der Beschreibenden Sortenliste ange-
gebenen Einordnung abweichen kann. Im direkt vermarktenden Betrieb sollten alle drei Kochtypen angeboten werden. Beim
Absatz über den Großhandel wird der gewünschte Kochtyp in der Regel vorgegeben bzw. es werden häufig sogar bestimmte
Sorten verlangt. In den letzten Jahren wurden vor allem fest kochende Sorten über den Großhandel verkauft.
Die ausgewählten Sorten sollten im Geschmack einwandfrei sein. Wie beim Kochtyp sind hierbei regionale Neigungen und
Vorlieben zu berücksichtigen. Einige Sorten sind im Geschmack recht stabil, bei anderen treten stärkere Schwankungen von
Jahr zu Jahr oder von Standort zu Standort auf. Darüber hinaus kann sich der Geschmack mit der Lagerdauer verändern.

19
Beschädigungsempfindlichkeit, Schwarzfleckigkeit
Besonderes Augenmerk ist auf die Eigenschaften Beschädigungsempfindlichkeit und Neigung zu Schwarzfleckigkeit zu richten,
wenn bei Ernte, Lagerung und Aufbereitung keine optimalen Bedingungen zur Vermeidung von mechanischen Belastungen
vorliegen. Gleiches gilt sinngemäß für die Neigung zu Zwiewuchs und Wachstumsrissen. Nur für Betriebe, die mit Hilfe der
Beregnung eine weitgehend gleichmäßige Wasserversorgung der Kartoffeln absichern können, kommen Sorten in Frage, die
bei diesen beiden Merkmalen zu Mängeln tendieren.
Äußere Beschaffenheit
Formschönheit, Schalenbeschaffenheit und Augentiefe spielen vor allem bei Speisekartoffeln eine wichtige Rolle, die über den
Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden. Eine gleichmäßige Knollenform, glatte Schale und geringe Augentiefe wird auch bei
ökologisch erzeugten Kartoffeln verlangt. In Deutschland bevorzugen die meisten Verbraucher eine gelbe oder tiefgelbe
Fleischfarbe. Insbesondere beim Direktabsatz kann durch zusätzlich ein oder zwei rotschalige Sorten die Attraktivität des Ange-
botes erhöht werden. Kartoffeln zur Weiterverarbeitung in einem Schälbetrieb sollten eine geringe Augentiefe aufweisen, um
Schälabfälle beim maschinellen Schälen möglichst gering zu halten und um ein Nachschälen von Hand zu vermeiden.
Stärkegehalt
Bei Speisekartoffeln ist der Stärkegehalt kein Kriterium, das für oder gegen eine Sorte spricht. Der Kartoffelanbauer sollte aber
über die sortentypische Höhe dieses Inhaltsstoffes informiert sein, um gegebenenfalls mit einer termingerechten Krautminde-
rung den Stärkegehalt zu begrenzen.
Verarbeitungseignung
Ist für die Kartoffeln eine Verarbeitung zu Pommes frites, Chips oder Trockenkartoffeln vorgesehen, kommen nur Sorten mit
entsprechender Verarbeitungseignung in Frage. In der Regel findet in dieser Verwertungsrichtung ein Vertragsanbau statt, bei
dem der Verarbeiter die Sorte vorgibt. Die Sorte Agria ist im ökologischen Kartoffelbau nach wie vor die wichtigste Sorte zur
Herstellung von Pommes und Chips. Kartoffelsorten, die für die Verarbeitung vorgesehen sind, sollten eine geringe Neigung zur
Rohverfärbung aufweisen. Hersteller von Babynahrung legen großen Wert auf einen geringen Nitratgehalt der Kartoffeln. Bei
diesem unerwünschten Inhaltsstoff unterscheiden sich Kartoffelsorten sehr deutlich. Auch hier hat die Sorte Agria einen beson-
deren Stellenwert, da sich mit ihr sicher nitratarme Kartoffeln erzeugen lassen.
Agronomische Eigenschaften
Reifezeit
In Deutschland zugelassene Kartoffelsorten sind einer von vier Reifegruppen zugeordnet (Abb. 12), die aus den unterschiedli-
chen Reifezeiten abgeleitet werden (Tab. 8). Bei ungestörtem Wachstum und ausgeglichener Wasserversorgung nimmt mit
einer Verlängerung der Reifezeit das Ertragsvermögen der Sorten zu und die Lagereignung verbessert sich. Da im ökologi-
schen Landbau das Krautwachstum frühzeitig durch
Phytophthora
-Befall beendet sein kann, sind nicht in jedem Fall die späte-
ren Sorten den früheren im Ertrag überlegen. In Jahren mit frühem Auftreten der Krautfäule erzielen frühe Sorten gleiche oder
sogar höhere Erträge als mittelfrühe Sorten, da sie aufgrund ihrer zügigeren Entwicklung die krautfäulefreie Zeit besser ausnut-
zen konnten.
In der Praxis spielen die frühen und mittelfrühen Sorten die wichtigste Rolle. Mit frühen Sorten lassen sich bereits im August
qualitativ hochwertige Kartoffeln erzeugen, die in der Regel bis Dezember gut lagerfähig sind. Im September gerodete mittelfrü-
he Sorten mit geringer Keimfreudigkeit können bei guten Lagerbedingungen bis April oder Mai des Folgejahres vermarktet wer-
den. Mittelspäte bis sehr späte Sorten sind im ökologischen Landbau kaum verbreitet, da eine lange Gesunderhaltung des
Krautes nicht oder nur mit großem Aufwand möglich ist. Gegen diese Reifegruppe spricht auch, dass die zum Teil späte Ernte
im Oktober häufig bei nicht mehr optimalen Bedingungen stattfinden kann. Sofern es möglich ist, sollten Sorten verschiedener
Reifegruppen nicht auf dem gleichen Schlag angebaut werden, um ein rasches Übergreifen der Krautfäule von frühen auf spä-
tere Sorten zu vermeiden.

20
Tabelle 8: Reifegruppen von Kartoffelsorten
Reifezeit
Reifegruppe
Normale Erntezeit
Ertragsvermögen
Lagereignung *
1 - 2
I
sehr früh
Juni - Juli
gering bis mittel
gering
3
II früh
August
mittel bis hoch
mittel bis gut
4 - 5
III mittelfrüh
September
hoch
gut
6 - 9
IV mittelspät bis sehr spät
Sept. - Oktober
hoch
gut
* mit deutlichen Sortenunterschieden innerhalb der Reifegruppe
Krautentwicklung und Wuchsform
Kartoffelsorten unterscheiden sich in der Zügigkeit der Krautentwicklung und der gebildeten Krautmasse. Allerdings werden
diese Unterschiede deutlich von anderen Einflussfaktoren, wie dem physiologischen Alter der Pflanzknollen, der Witterung und
der Nährstoffversorgung, überlagert. Bei der Sortenwahl kann daher das Merkmal Krautentwicklung in den Hintergrund gestellt
werden.
Bei der Wuchsform der Stauden wird zwischen Stängel-, Blatt- und Zwischentypen differenziert. Blatt- und Zwischentypen mit
breitwüchsiger Form vermögen zwar über eine intensivere Beschattung des Bodens Unkräuter besser zu unterdrücken, aller-
dings muss bei diesen Typen die mechanische Unkrautregulierung und Pflege auch früher abgeschlossen werden, um nicht
beim letzten Häufelgang zu viele Blätter im unteren Staudenbereich zuzuschütten. Demnach können auch bei der Wuchsform
keine eindeutigen Empfehlungen für die Sortenwahl getroffen werden.
Knollenansatzzeit und Knollenzahl
Sorten der gleichen Reifegruppe können sich bei der Knollenansatzzeit unterscheiden. Vorteilhaft sind Sorten, bei denen die
Knollen vergleichsweise früh angelegt werden, da sie die Zeit bis zum Auftreten der Krautfäule besser zum Ertragsaufbau nut-
zen. Die Ansatzzeit der Knollen ist aber nur bis zum Jahr 1997 in der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes an-
gegeben. Für später zugelassene Sorten liegt diese Information nur vor, sofern die Ansatzzeit in weiteren Sortenversuchen
außerhalb des Zulassungsverfahrens erfasst wurde.
Bei Kartoffelsorten mit hoher Knollenzahl besteht unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus die Gefahr, dass bei
einem frühzeitigen Absterben des Krautes ein hoher Anteil der Ernteknollen eine vermarktungsfähige Größe nicht erreicht. Un-
ter dem Aspekt der Sicherung eines hohen Marktwareertrages sind daher Sorten mit geringerer bis mittlerer Knollenzahl zu
bevorzugen. Besonders bei Sorten mit geringer Knollenzahl sollte aber auf der anderen Seite durch Proberodungen während
der Vegetationszeit immer geprüft werden, wie sich der Anteil an Übergrößen entwickelt. Gegebenenfalls muss mit einer me-
chanischen Krautminderung das Knollenwachstum beendet werden.
Anfälligkeit für Krankheiten
Die Kartoffelsorten unterscheiden sich zum Teil deutlich in der Anfälligkeit für Krautfäule. Daraus kann aber nicht abgeleitet
werden, dass im ökologischen Anbau die relativ toleranten Sorten in jedem Fall ertragsstärker sind. Wichtiger für das Ertrags-
vermögen sind die Eigenschaften Knollenansatzzeit und Knollenzahl. So kann eine anfälligere Sorte mit frühem Knollenansatz
durchaus gleiche oder sogar höhere Erträge erzielen als eine vergleichsweise tolerante Sorte, die aber die Knollen erst spät
ansetzt.
Unbedingt beachtenswert ist die Anfälligkeit der Sorten für Eisenfleckigkeit und Kartoffelschorf. In der Beschreibenden Sorten-
liste ist auch die Anfälligkeit für Rhizoctonia-Wipfelroller und Schwarzbeinigkeit angegeben. Bei beiden Krankheiten hat der
Befall des Pflanzgutes aber eine wesentlich größere Bedeutung für das Auftreten der Schaderreger im Feld als genetisch be-
dingte Resistenzunterschiede, die daher bei der Sortenwahl keine große Relevanz haben.

image
21
Knollenertrag, Sortierung und Marktwareertrag
Ziel ist es, einen möglichst hohen Ertrag in der gewünschten Sortierung, d. h. Marktwareertrag, zu erreichen. Der Gesamtertrag
hat demzufolge bei der Bewertung einer Kartoffelsorte nur eine untergeordnete Bedeutung. Da beim Anteil an Unter- und Über-
größen sehr große Sortenunterschiede bestehen, wird mit der Sortenwahl gleichsam der Grundstein für die Höhe des Marktwa-
reertrags gelegt. Die Anforderungen können in Abhängigkeit von der Verwertungsrichtung und den Absatzmöglichkeiten dabei
deutlich variieren. Während zum Beispiel bei langovalen Kartoffeln, die in Kleinpackungen unter 5 kg verkauft werden sollen, ein
möglichst hoher Anteil in der Sortierung 30 – 60 mm angestrebt wird, kommt für die Verwertung als Pommes-Kartoffeln vor
allem die Fraktion über 55 mm in Frage. Bei der Festlegung der Sortiergrenzen wird in der Regel die Knollenform berücksichtigt.
So gelten bei Sorten mit runder oder rundovaler Form Knollen < 35 mm und bei Sorten mit langovaler und langer Form Knollen
< 30 mm als Untergrößen.
Lagereignung
Die Lagereignung von Kartoffelsorten hängt maßgeblich von deren Keimfreudigkeit ab, die bei den in Deutschland zugelasse-
nen Sorten zwischen sehr gering bis gering und hoch variiert. Tendenziell nimmt mit zunehmender Reifezeit die Keimfreudigkeit
ab, d. h. die früheren Sorten sind keimfreudiger als die späteren (siehe Tab. 8). Aber auch innerhalb der Reifegruppen bestehen
zum Teil deutliche Sortenunterschiede bei der Keimfreudigkeit. Eine Langzeitlagerung bis April oder Mai des Folgejahres ist nur
möglich, wenn neben optimalen Lagerbedingungen die Sorten zumindest als gering keimfreudig eingestuft sind.
Informationsquellen zu Kartoffelsorten
Ertragsfähigkeit und Qualität von Kartoffelsorten werden von den Länderdienststellen im Rahmen von regionalen Sortenversu-
chen auch unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus geprüft und bewertet. In jährlich herausgegebenen Sortenemp-
fehlungen werden die Ergebnisse veröffentlicht.
Sortenversuche in Sachsen und benachbarten Bundesländern:
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
Verfügbarkeit von Pflanzgut verschiedener Sorten:
http://www.organicxseeds.de
Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes:
http://www.bundessortenamt.de
Abbildung 12: Präsentation verschie-
dener Kartoffelsorten

22
7 Anbautechnik und Pflegemaßnahmen
Pflanzgutvorbereitung
Im ökologischen Kartoffelbau stellt das Vorkeimen der Pflanzkartoffeln eine entscheidende Maßnahme zur Ertragssicherung
dar. Zum Anbau von Frühkartoffeln ist dies unentbehrlich. Durch Vorkeimung kann ein Wachstumsvorsprung von 10 – 14 Tagen
erreicht werden. Dies ist insbesondere in Jahren mit zeitigem Krautfäulebefall interessant, da dann beim Absterben des Krautes
bereits ein befriedigender Ertrag gebildet worden ist. In Untersuchungen in Sachsen erbrachte das Vorkeimen im Durchschnitt
von 3 Jahren und 2 Standorten einen Mehrertrag von ca. 20 %. Daher wird das Vorkeimen auch für den Anbau von mittelfrühen
Kartoffeln empfohlen. Weiterhin sollen folgende Ziele durch das Vorkeimen des Pflanzgutes erreicht werden:
eine Knollenauslese vor dem Pflanzen ermöglicht Feldaufgang mit weniger Fehlstellen,
zügiges und gleichmäßiges Auflaufen,
verminderter Befall mit
Rhizoctonia solani
(Wurzeltöter- oder Pockenkrankheit),
bessere Ausnutzung der Bodenfeuchte im Frühjahr,
höhere Konkurrenzkraft gegen Beikräuter,
Verringerung der Zahl angesetzter Knollen durch Förderung der Apikaldominanz bei der Keimung,
Vorverlegung des Erntetermins (wichtig bei Frühkartoffeln),
früherer Beginn von Bereinigungsarbeiten in Pflanzkartoffelbeständen,
Vorverlegung der Altersresistenz gegen Viruskrankheiten,
geringere Nitratgehalte,
Verlegung des Rodetermins bei Spätkartoffeln in Zeiträume mit günstigeren Rodebedingungen.
VORKEIMEN - WIE WIRD´S GEMACHT?
Zum Vorkeimen werden die Pflanzkartoffeln ca. 4 – 6 Wochen vor dem geplanten Legetermin in Vorkeimkisten oder -säcke
eingefüllt. In den ersten beiden Tagen der Vorkeimphase sollen die Pflanzknollen einen „Wärmestoß“ erhalten (Temperatur 15°
– 20° C), wodurch die Keimung eingeleitet wird. Im weiteren Verlauf der Vorkeimung soll die Temperatur zwischen 8° und 15° C
liegen. Um kurze, dunkle und kräftige Keime zu erzeugen, müssen die Knollen pro Tag mindestens 8 – 10 Stunden belichtet
werden. Ist der ungehinderte Einfall von Tageslicht nicht gewährleistet, kann Kunstlicht (pro ha Pflanzgut 5 Warmton-
Neonröhren) eingesetzt werden. Jede Bewegung der Knollen fördert den Keimprozess. Wem das Vorkeimen zu arbeits- und
kostenintensiv ist, sollte seine Pflanzknollen wenigstens in Keimstimmung bringen. Hierzu werden die Knollen in loser Schüt-
tung 2 bis 3 Wochen vor dem Auspflanzen in hellen Räumen bei ca. 10° C gelagert.
Bodenbearbeitung
Mit der Grundbodenbearbeitung und der Pflanzbettvorbereitung im Kartoffelanbau wird das Ziel verfolgt, einen möglichst hohen
vermarktbaren Anteil an Knollen zu erzeugen, eine effektive Unkrautregulierung zu ermöglichen und einen siebfähigen Boden
für eine störungsfreie Ernte herzustellen. Dem technischen Aufwand sind dabei fast keine finanziellen Grenzen gesetzt, wenn
es gelingt, dadurch den Marktwarenanteil auch nur um wenige Prozente anzuheben. Es kann mit 10 – 20 % höheren Erträgen
gerechnet werden, wenn die Bodenstruktur in Ordnung ist.
Im Wesentlichen muss ein klutenfreier lockerer Boden hergestellt werden. Daraus werden voluminöse Dämme geformt, in de-
nen die heranwachsenden Kartoffelknollen vor Licht und damit vor dem Ergrünen geschützt sind. Der lockere Boden ermöglicht
den schwachen Kartoffelwurzeln ein ungehindertes Wachstum und später eine zügige und schonende Knollenernte.
Die Grundbodenbearbeitung erfolgt im Ökologischen Landbau üblicherweise mit dem Pflug. Auf mittleren und schweren Böden
wird die Herbstfurche die hohen Ansprüche des Kartoffelanbaus an die Pflanzbettstruktur besser erfüllen als die Frühjahrsfur-
che. Auf leichten und mittleren Böden bietet die Frühjahrsfurche Vorteile hinsichtlich des Umfangs der Nährstoffauswaschung
über den Winter und für die Bodenstruktur, so dass mit höheren Knollenerträgen gegenüber der Herbstfurche gerechnet werden
kann. Eine Rückverfestigung des gelockerten Bodens über Pflug-Packer-Arbeitsgangkombinationen im Frühjahr ist auch für das
präzise Befahren bei späteren Arbeitsgängen wichtig. Bodenschollen werden dabei außerdem ohne zusätzlichen Arbeitsgang
zerkleinert bevor sie an der Bodenoberfläche austrocknen und hart werden. Die Rückverfestigung sollte jedoch durch leichtere
Packer auf die oberflächennahen Bodenschichten begrenzt bleiben.

image
23
Die Bodenbearbeitung im Kartoffelanbau wird auch unter dem Aspekt des Drahtwurmbefalls diskutiert. Allerdings konnte bisher
noch keine zuverlässige Bekämpfungsstrategie ausgearbeitet werden. Erfolge gegen den Drahtwurm konnten offenbar eher mit
intensiver als mit extensiver Bodenbearbeitung erzielt werden. Die Ergebnisse sind aber bisher nicht immer eindeutig.
Unter dem Gesichtspunkt des Bodenschutzes ist einer möglichst extensiven Bodenbearbeitung der Vorzug zu geben. Dabei
schützt vor allem ein Bewuchs oder eine Mulchschicht ab etwa 30 % Bedeckungsgrad die Bodenoberfläche wirksam vor Erosi-
on. Ein Verzicht auf den Pflug ist im ökologischen Landbau unter günstigen Bedingungen auch im Kartoffelanbau möglich. Auf
einem anlehmigen Standort mit 544 mm Niederschlag im Jahresmittel wurden sogar Mehrerträge bei langjähriger pflugloser
Bodenbearbeitung im Ökologischen Landbau im Feldversuch nachgewiesen (DITTMANN & HANFF, 2008). Um eine mechani-
sche Unkrautregulierung zu ermöglichen, darf die Mulchauflage dabei nur aus kurzen Pflanzenresten bestehen. Die Tiefe der
Bodenlockerung muss auch ohne Pflug den klutenfreien Aufbau der Kartoffeldämme gewährleisten, etwa 20 cm Bearbeitungs-
tiefe sind dafür erforderlich. Bei schweren Böden kann mit dem Einsatz einer Reihenfräse der Boden im Damm siebfähig aufbe-
reitet werden.
Pflanzbettbereitung und Pflanzung
Zur Pflanzbettvorbereitung wird die Pflugfurche möglichst in einem Arbeitsgang eingeebnet. Je nach Bodenstruktur wird der
Boden dazu bis 15 cm tief durchgearbeitet. Die Maschinentechnik für diesen Arbeitsgang kann unterschiedlich ausfallen. Grub-
ber, Kreiseleggen, Fräsen oder gezogene Saatbettkombinationen sind dafür grundsätzlich geeignet.
Bei schweren Böden mit geringer Gefahr der N-Auswaschung sollte die positive Wirkung der Frostgare ausgenutzt werden. Auf
diesen Böden bestehen gute Erfahrungen mit der Herbstdammvorformung zur Verhinderung der Klutenbildung. Direkt nach der
Herbstfurche erfolgt hierbei eine Dammformung mit dem Häufelgerät. Die zusätzliche Ansaat einer abfrierenden Zwischenfrucht
zum Erosionsschutz ist möglich. Im Frühjahr werden die Pflanzknollen dann direkt in die vorgeformten Dämme abgelegt.
Die Kopplung der Arbeitsgänge zum Legen der Kartoffeln zu einem Arbeitsgang (All-In-One oder kombiniertes Verfahren) ist
konzipiert, um Arbeitszeit einzusparen. Kombiniert werden die Pflanzbettbereitung, das Legen und das Formen des hohen End-
dammes. Verbunden sind damit weniger Überfahrten des Bodens. Im Ökologischen Landbau stellt jedoch der umgehende Auf-
bau des Enddammes einen kritischen Punkt in der Produktionstechnik dar. Die Kartoffelkeime müssen sich bei hohen Dämmen
eine lange Strecke durch den Boden schieben, bevor sie in den Genuss von Licht und Wärme kommen. Das beansprucht die
Triebkraft der Pflanzknollen stärker als ein Dammaufbau in Stufen bis zur endgültigen Höhe über mehrere Arbeitsgänge. Für die
kombinierte Verfahrenstechnik eignen sich besonders gesunde und triebkräftige Mutterknollen. Schwächere Partien, z. B. nach
einer Abkeimung zwischen Auslagern und Legen bergen insofern ein erhöhtes Ertragsrisiko (PETERS, 2009).
Abbildung 13: Separierung des Bo-
dens und Legen der Kartoffeln in auf-
einander abfolgenden Arbeitsgängen

24
Für steinige und zur Klutenbildung neigende Böden stellt die Beetseparierung eine technische Lösung dar, um Knollenverlet-
zungen zu minimieren und um die Ernte zu erleichtern (Abb. 13). Aus der Sicht des Ökologischen Landbaus müssen bei dieser
Anbaumethode folgende Punkte berücksichtigt werden:
Die äußerst intensive Bodenbearbeitung lässt einen hohen Humusabbau erwarten. Gegebenenfalls sollte die Zufuhr an
organischer Substanz erhöht werden. Die Ausformung des hohen Enddammes erfolgt in einem Arbeitsgang mit dem
Legen, so dass bei keimschwachem Pflanzgut mit erhöhtem Fehlstellenanteil beim Auflaufen gerechnet werden muss.
Die intensive Bodenbearbeitung führt erfahrungsgemäß zu einem starken Auflaufen von Unkraut auch aus größeren
Bodentiefen. Damit muss mit einer erhöhten Zahl von Arbeitsgängen zur Unkrautregulierung gerechnet werden.
Die Dammform und –höhe sollte soweit wie möglich bei der Unkrautregulierung erhalten bleiben, dazu sind nur speziel-
le Striegel-, Hack- und Häufelmaschinen geeignet.
Die Verwendung von zertifiziertem Pflanzgut ist aufgrund der geringen Virusbelastung anzuraten. Bei der Verwendung von
eigenem Nachbau muss mit einer Ertragsdepression von 20 – 30 % pro Jahr gerechnet werden (siehe Kap. 8).
WICHTIG!
Für zertifiziertes Pflanzgut ist keine Befallsfreiheit durch
Rhizoctonia solani
vorgeschrieben. Deshalb muss beim Pflanzgutkauf
darauf geachtet werden, dass die Knollen nicht befallen sind, weil spätere Regressforderungen kaum Erfolg versprechend sind.
Der optimale Pflanzzeitpunkt ist von der Witterung und der Bodenart abhängig. Anfang bis Mitte April kann auf leichten Standor-
ten i.d.R. bereits gepflanzt werden. Auf schweren Böden, die längere Zeit zum Abtrocknen brauchen, verzögert sich dieser
Termin um etwa 2 Wochen. Die Bodentemperatur sollte 8° – 10° C erreicht haben. Früh gelegte Bestände entwickeln meist ein
starkes Wurzelwerk, auch bei oberirdisch vorerst nicht feststellbarer Entwicklung und haben somit gute Voraussetzungen für
eine rasche Bestandsbildung. Einen Anhaltspunkt bei der Bestimmung des optimalen Legezeitpunktes bieten die Blüte der
Traubenkirsche bzw. der Blühbeginn des Winterrapses.
Mit gutem Erfolg werden Kartoffeln mit einem Reihenabstand von 75 cm und einem Pflanzabstand von 33 cm angebaut (40.000
Pflanzen pro ha). Sorten mit einer ausgeprägten Neigung zu Übergrößen sollten etwas enger gelegt werden. Auch wenn bei
großfallenden Sorten (z. B.
Agria
) eine Vorkeimung vorgesehen ist, sind engere Pflanzabstände zu wählen (50.000 Pflan-
zen/ha), um keinen erhöhten Anteil an Übergrößen zu erzeugen.
Gepflanzt werden Kartoffeln mit Hilfe von 2- oder 4-reihigen Legegeräten. Für die vollmechanisierte Pflanzung vorgekeimter
Knollen stehen Spezialgeräte mit Vibrations- oder Rollboden zur Verfügung, bei denen die Gefahr des Abbrechens von Keimen
stark reduziert ist. Allerdings ist der Anschaffungspreis dieser Geräte um ca. 80 % höher als der herkömmlicher Legemaschi-
nen. Bei der Verwendung von Vorkeimsäcken kann auch das Befüllen der Legebunker mechanisiert erfolgen.
Unkrautregulierung
Bis zum Bestandesschluss toleriert die Kartoffel nur wenig Konkurrenz durch Unkräuter in Bezug auf die Ertragsbildung. Das
heißt, es muss Unkrautfreiheit angestrebt werden. Die direkte Bekämpfung der Unkräuter erfolgt in den jungen Kartoffeln bei
ökologischer Bewirtschaftung in der Regel mit mechanischen Verfahren. Thermische Verfahren mit Abflammgeräten werden nur
bei Dammvorformung eingesetzt. Weitere wichtige Elemente im gesamten Unkrautmanagement sind die Bodenbearbeitung, die
Wahl konkurrenzkräftiger Sorten mit zügiger Jugendentwicklung und starker Krautbildung (siehe Kap. 6) und die Fruchtfolge-
gestaltung. Besonders wirksam gegen Unkraut erweist sich darunter der Anbau von Kleegras oder Luzerne mit häufiger
Schnittnutzung und die intensive Stoppelbearbeitung nach früh das Feld räumenden Kulturpflanzen.
Die Kartoffel bietet durch ihren am Anfang zögerlichen Vegetationsverlauf und ihren Anbau als Dammkultur über eine relativ
lange Zeitspanne gute Möglichkeiten zur Unkrautregulierung (Abb. 14). Diese Pflegearbeiten können mit hohen Wirkungsgra-
den ausgeführt werden, so dass eine Handhacke unterbleiben kann und trotzdem keine Ertragsminderungen eintreten. Zeit-
punkt und Häufigkeit der mechanischen Pflegearbeiten müssen sich nach Unkrautentwicklung, Witterung und Bodenart richten.
Mechanische Pflegearbeiten sollten allerdings stets bei ausreichend abgetrocknetem Boden durchgeführt werden. Traditionell
erfolgt die Kartoffelpflege durch Anhäufeln und Abeggen der Kartoffeldämme. Zum Abeggen hat die Netzegge immer noch
Bedeutung. Striegel leisten nur befriedigende Arbeit wenn sie eine vollständige Anpassung der Zinken an die Dammform ge-
währleisten, d. h. vom Kamm bis zur Basis müssen die Dämme gleichmäßig bearbeitet werden (z.B. „Treffler“-Striegel). Dabei

image
25
dürfen die Zinken auch seitlich an den Dammflanken nicht abgleiten, um eine lückenlose Unkrautregulierung zu gewährleisten.
Für das Striegeln eignen sich besonders auch Kombigeräte in Form eines Häuflerstriegels (siehe Abb. 15). Die umfangreiche
Bodenbewegung beim Abstriegeln und Aufhäufeln der Dämme lässt auch gegenüber älteren Entwicklungsstadien der Unkräuter
noch gute Wirkungsgrade erwarten.
Den Aufbau voluminöser und stabiler Dämme sichern Dammformbleche, die bei herausnehmbaren Firstblechen auch noch im
Pflanzenbestand eingesetzt werden können. Mit Formblechen aufgebaute Dämme müssen mit speziellen Kombinationen aus
Striegeln und Hackelementen, die auch an den Dammflanken in der Bearbeitungstiefe geführt werden, gegen Unkraut bearbei-
tet werden. Über integrierte Dammformbleche wird in demselben Arbeitsgang die alte Dammform wieder hergestellt. Bei dieser
kombinierten Arbeit wird relativ wenig Boden bewegt, so dass schon in frühen Entwicklungsstadien der Unkräuter gearbeitet
werden muss. Die Dammschultern stellen dabei erfahrungsgemäß eine schwierig zu pflegende Zone dar. Durch Einsatz des
„Ecoridgers“ wird schonend Erde von den Seiten auf die Dammkrone gefördert. Mit diesem Gerät kann bis Reihenschluss gear-
beitet werden.
Beim traditionellen Verfahren der Unkrautregulierung besteht der erste Arbeitsgang im Hochhäufeln des flachen Pflanzdammes
einige Tage nach dem Pflanzen mit dem Häufelpflug. Wenige Tage später kann der Damm wieder leicht abgestriegelt werden.
Je nach Unkrautbesatz werden nun im Wechsel Häufler und Striegel bzw. Hackgeräte eingesetzt, bis kurz vor Reihenschluss
als letzter Arbeitsgang ein möglichst hoher Damm mit großem Volumen erzeugt wird. Diese Maßnahme dient zum einen der
ausreichenden Bedeckung der wachsenden Knollen (Verhinderung von Ergrünungen), zum anderen wird die Gefahr der Knol-
leninfektion durch
Phytophthora infestans
(Braunfäule) gemindert. Der Damm wirkt als Filter für infektiöse Sporen.
Die Arbeiten mit Häuflern und Striegeln können durch den Einsatz einer Maschinenhacke sinnvoll ergänzt werden. Die Hacke
sollte dazu drei Hackschare aufweisen, von denen das mittlere Schar in der Furche tiefer gestellt wird und die Seitenschare den
Dammflanken angepasst werden. Gut geeignet zum Häufeln ist auch eine Sternrollhacke, deren Wirkung durch die Kombination
mit Hackscharen verbessert werden kann. Die Sternrollhacke ist in der Lage, bindigen Boden beim Anhäufeln fein zu krümeln.
Abbildung 14: Einsatz des
Häuflerstriegels in Kartoffeln

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26
Abbildung 15
:
Arbeitsgänge und -werkzeuge für die mechanische Kartoffelpflege (Quelle: DREYER, 1992)
Zum Zeitpunkt des Auflaufens der Kartoffeln sollte der Einsatz des Striegels nur im Notfall erfolgen, da die frischen Triebe noch
leicht abbrechen. Früher oder später kann diese Arbeit mit geringerem Schadensrisiko ausgeführt werden bis die Pflanzen etwa
20 cm hoch sind. Besonders wirksam erweisen sich die Pflegemaßnahmen, wenn die Unkräuter im Keimblattstadium erfasst
werden. Die Verletzung von Feinwurzeln und Stolonen der Kartoffelpflanzen durch die Pflegegeräte muss durch genaue Einstel-
lung und exakte Fahrweise weitgehend ausgeschlossen werden, da erhebliche Ertragseinbußen die Folge dieser Verletzungen
sein können.
Ab Reihenschluss unterdrücken die Kartoffelpflanzen selbst das Unkraut relativ stark. Später, insbesondere bei frühen bis mit-
telfrühen Sorten bzw. bei zeitigem Absterben des Krautes durch Krautfäulebefall, muss jedoch trotz guter Pflege mit einer Spät-
verunkrautung gerechnet werden. Um letztlich die Erntearbeiten ungehindert durchführen zu können, ist der Einsatz von Kraut-
schlägern oder Abflammgeräten erforderlich. Effektiv und schonend arbeiten Schlegelgeräte, deren Arbeitswerkzeuge dem
Relief der Dämme angepasst sind.
Reihenstriegel
(links Furchenstriegel, rechts Dammstriegel)
Netzegge
Häufelkörper
Hackwerkzeuge
Häuflerstriegel
Ausrüstung „Häufeln“
Häuflerstriegel
Ausrüstung „Häufeln + Striegeln“
Häuflerstriegel
Ausrüstung „Striegeln“

27
Von den zahlreichen Unkrautarten steht häufig die Acker-Kratzdistel im Fokus des Öko-Ackerbaus. Diese ausdauernde Un-
krautart wird erfahrungsgemäß im Kartoffelanbau trotz intensiver Pflegearbeiten eher vermehrt als bekämpft. Die Ausbreitung
der Distel lässt sich über den Lichtzutritt nach dem Absterben des Kartoffelkrautes bis zur Ernte und die hohe Restnährstoffver-
fügbarkeit auf den Kartoffeläckern erklären. Der Kartoffelanbau stellt somit keine Sanierungsmaßnahme in Bezug auf Acker-
Kratzdisteln dar.
Untersaaten zur Unkrautunterdrückung
Der späte Unkrautaufwuchs in abreifenden Kartoffelbeständen kann zu erheblichen Erntebehinderungen führen. Neben länge-
ren Rodezeiten werden gleichzeitig die Krautabtrennorgane der Erntemaschinen zum Teil extrem belastet und damit schneller
verschlissen. Es gibt sowohl Versuchsergebnisse zur breitwürfigen Ansaat von Zwischenfrüchten als auch zur Reihensaat ge-
nau in die Furchen mit Sonnenblumen und Mais. Mit einer verbesserten Unkrautunterdrückung und Nitratspeicherung kann bei
beiden Verfahren gerechnet werden. Die Furchensaat ist jedoch technisch noch nicht ausgereift, so dass eine Anwendung noch
nicht in Frage kommt. Breit gestreute Untersaaten können frühestens beim letzten Häufeln ausgebracht werden. Auch Saatter-
mine nach dem Absterben des Krautes mit Gelbsenf oder Phacelia sind möglich. Die Unkrautunterdrückung gelingt jedoch bei
den späten Terminen schlechter. Durch Untersaaten und Unkrautmasse können Nitratreste im Boden in vergleichbarer Höhe
konserviert werden (HAAS, 2003).
Eine gleichmäßige Keimung der Untersaaten erfolgt nur bei ausreichender Bodenfeuchte und deren Sprosswachstum wird bei
früh abreifenden Kartoffelsorten oder bei frühem Krautfäulebefall gefördert. Besonders Ölrettich wirkt auf das Unkraut verdrän-
gend, auch auf Weißen Gänsefuß. Ansaaten von Senf, Buchweizen und Sonneblumen sind ähnlich effektiv.
Ein negativer Einfluss von Untersaaten auf Ertrag, Krankheiten und Schädlinge konnte nicht nachgewiesen werden. Bei Ölret-
tich ist jedoch mit der Bildung von kräftigen Wurzelrüben zu rechnen, die unter Umständen auf dem Verlesetisch des Roders
aussortiert werden müssen (STUMM & KÖPKE, 2008). Bei Ölrettich besteht auch die Gefahr, dass sich reife Samen entwickeln
oder eingepflügte Wurzeln in den Folgekulturen wieder austreiben, wodurch diese Kulturpflanze dann selbst zum Unkraut wer-
den kann.
Beregnung von Kartoffeln
Die hohen Markterlöse von Kartoffeln lassen eine Beregnung auch im Ökologischen Landbau trotz niedriger Ernteerträge wirt-
schaftlich aussichtsreich erscheinen (Abb. 16). Besondere Anforderungen an die Beregnung von Kulturen sind durch die EG-
Öko-Verordnung nicht gegeben, so dass die üblichen Verfahren eingesetzt werden können und das Niveau der Beregnungs-
kosten, dem des konventionellen Landbaus gleich zu setzen ist. Größtenteils fehlen bisher Untersuchungen zur Beregnung von
Öko-Kartoffeln, so dass im Wesentlichen eine Orientierung an konventionellen Ergebnissen erfolgen muss.
Im konventionellen Landbau kann mit 20 – 35 % Mehrertrag durch 65 – 150 mm Beregnungswasser, verregnet unter Berück-
sichtigung der klimatischen Wasserbilanz, bei Kartoffeln gerechnet werden. Die Ertragssteigerungen hängen neben der natürli-
chen Wasserversorgung stark von der Bodenart und dem Abreifezeitpunkt der Kartoffeln ab. Je mm Beregnungswasser lag die
Ertragswirkung auf einem anlehmigen Sandboden mit der Ackerzahl 35 in Brandenburg (Güterfelde) bei verschiedenen Sorten
in den Jahren 1996 – 2000 im Durchschnitt bei 1,7 dt/ha (DITTMANN, 2001).
In Thüringen (Versuchsstandort Staußfurt) wurden in den Jahren 1994 – 2006 im Durchschnitt 1,4 dt/ha Mehrertrag je mm Zu-
satzwasser auf einem Schwarzerdeboden aus Ton mit 80 mm nutzbarer Wasserkapazität bis 60 cm Tiefe erzielt (PFLEGER,
2007). Auf die Qualität der Knollen, außer auf die Größensortierung und Form, hatte die Beregnung in diesen mehrjährigen
Versuchen eher einen geringen Einfluss. Auch die Neigung zur Schwarzfleckigkeit konnte dadurch nicht verringert werden.

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28
In einem Versuch zum Ökologischen Landbau wurden im besonders trockenen Jahr 2003 auf einem Standort mit 28 Boden-
punkten bei Hamburg durch 4 Wassergaben von zusammen 120 mm zwischen 16 % und 21 % Mehrertrag im Durchschnitt der
beiden Kartoffelsorten Agria und Marlen erzielt (Ertragsniveau 380 dt/ha ohne Düngung und Beregnung). Schon bei einer Dün-
gung von 80 kg N/ha über Stallmist wurde das Ertragsmaximum mit 510 dt/ha unter Beregnung erreicht. Dabei wurden auch
sekundäre Effekte der organischen Düngung, zum Beispiel die Verbesserung der Bodenstruktur, als ertragswirksam angese-
hen. Ohne Beregnung blieben dagegen alle Stallmistgaben wirkungslos. Die Wirtschaftlichkeitsschwelle der Beregnungsmaß-
nahmen wurde durch die Mehrerträge von bis zu 130 dt/ha bei kalkulierten Erlösen von 13 €/dt (Verarbeitungskartoffeln) weit
überschritten (KRAUSE et al., 2005). In Erhebungsuntersuchungen auf Praxisbetrieben von BÖHM et al. (2011) wird von Mehr-
erträgen durch Beregnung von 25 % berichtet.
Die Kartoffel hat ab dem Beginn des Knollenansatzes, dabei werden die ersten Blütenansätze sichtbar, einen hohen Wasseran-
spruch. Die Beregnungsbedürftigkeit setzt also schon relativ früh ein. Insbesondere zum Knollenwachstum wirkt sich Zusatz-
wasser auf die Ertragsbildung stark positiv aus.
Die Entscheidung zur Beregnung kann über die nutzbare Feldkapazität (nfK) des Standortes (Tab. 9), die Wasserbilanz und die
Durchwurzelungstiefe genauer bestimmt werden. Die Wasserzufuhr sollte dann bei 40 – 50 % der nfK beginnen und den Boden
bis auf 80 % der nfK aufsättigen, um Luftdefizite im Boden oder eine Auswaschung von Nährstoffen zu vermeiden. Die Bilanz-
rechnung (Verdunstung der Kulturfläche abzüglich Niederschläge) zum pflanzenverfügbaren Bodenwasser beginnt zu einem
Startpunkt im Frühjahr in der Regel bei maximaler nfK (Wassersättigung) und wird jedes Mal zum Zeitpunkt der Wassergabe
neu berechnet. In der Folgezeit wird der Wassergehalt des Bodens täglich berechnet und fortgeschrieben, die Salden summiert
und bei entsprechendem Defizit über die Beregnungsanlage wieder ausgeglichen. Die regionalen Verdunstungswerte stellt der
Deutsche Wetterdienst inklusive eines interaktiven Rechenprogramms nach der „Geisenheimer Methode“ für den Zeitpunkt der
Beregnungsgabe kostenpflichtig über den DWD-Wettershop zur Verfügung
(http://www.dwd-shop.de).
Der zunehmende
Tiefgang der Wurzeln erfordert im Wachstumsverlauf der Kartoffeln steigende Wassermengen. Die Wurzeln
der Kartoffeln gelangen im Laufe der Vegetationszeit bis in 60 cm Tiefe. Dieser Wachstumsverlauf lässt sich mit dem Spaten
kontrollieren. Je nach Bodenart betragen dann die Wasserzufuhren 20 – 30 mm je Gabe. Dabei werden die Höhen der Gaben
noch durch die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens beeinflusst. Diese steigt zum Beispiel mit zunehmendem Humusgehalt
und mit abnehmender Bodendichte. Die Infiltrationsleistung des Bodens verbessert sich vor allem mit zunehmender Bodenbe-
deckung über Mulchmaterial oder ein Blätterdach, weil die Bodenoberfläche dann weniger schnell verschlämmt.
Abbildung 16: Beregnung in Kartof-
feln

29
Tabelle 9: Nutzbare Feldkapazität nach Bodenarten (< 4 % Humus, ohne Grundwassereinfluss)
Bodenart
Abkürzung
nfK (mm/dm Bodenschicht)
Sand
(S)
9
Anlehmiger Sand
(Sl)
13
Lehmiger Sand
(lS)
15
Stark lehmiger Sand
(SL)
19
Sandiger Lehm
(sL)
20
Lehm
(L)
23
Schwerer Lehm
(LT)
17
Ton
(T)
15
Schluff
(U)
26
Quellen: VORDERBRÜGGE et al. (2004); BUNDESANSTALT FÜR GEOWISSENSCHAFTEN UND ROHSTOFFE (2005)
Im ökologischen Landbau werden keine speziellen Techniken zur Beregnung eingesetzt. Als Besonderheit muss für viele be-
regnungsbedürftige Kulturen in der Jugendentwicklung bis zum Bestandesschluss die Befahr- und Bearbeitbarkeit der Fläche
zur mechanischen Unkrautregulierung gewährleistet sein. Schläuche oder Rohre im Arbeitsbereich der Geräte müssen dem-
nach häufig umgesetzt werden. Ein wichtiger Vorteil der Rohr-Schlauch-Beregnungstechnik ist das feine Tropfenspektrum und
der nur mäßige Druckbedarf an den Regnern. Rohr-Schlauch-Anlagen eignen sich für kleine Flächen, bei denen sich Investitio-
nen in Rohrtrommelanlagen nicht rechnen.
Im Rahmen einer ausgewogenen Pflanzenernährung kommt im Ökologischen Landbau eine gleichmäßige Durchfeuchtung des
durchwurzelbaren Bodens eine größere Bedeutung zu als im konventionellen Landbau, weil hauptsächlich die mikrobielle Um-
setzung der organischen Substanz zur Ernährung der Pflanzen vor allem mit Stickstoff beiträgt. Somit sind die Beregnungsan-
lagen relativ dicht mit Tropfschläuchen zu bestücken, was zu einem höheren Materialaufwand führen kann.
Auf Schlägen mit mehreren Hektar Fläche wird der Einsatz von Rohrtrommelmaschinen wirtschaftlich interessant. Das Warten,
Umsetzen, Einstellen und Kontrollieren dieser kompakten und mobilen Anlagen erfordert technisch versierte und erfahrene
Mitarbeiter. Für das Umsetzen wird jedoch nur eine Person benötigt. Wenn Regnerkanonen verwendet werden sind sowohl der
hohe Druckbedarf als auch die hohe kinetische Energie der überwiegend großen Wassertropfen beim Aufprall auf den Boden
als ungünstig anzusehen. Wechselnde und starke Winde können zudem die präzise Wasserverteilung auf der Fläche erheblich
erschweren. Diesen Nachteil kann ein Düsenwagen als Wasserverteilsystem an der Rohrtrommelmaschine jedoch abmildern.
Linear- und Kreisberegnungsmaschinen kommen erst ab etwa 25 ha zusammenhängender Fläche in Betracht. Diese Technik
zeichnet sich durch einen geringen Arbeitszeitbedarf und eine hohes Automatisierungspotenzial aus.

image
30
8 Krankheiten und Schädlinge
Das Auftreten von Krankheiten und Schädlingen kann zu erheblichen Einbußen hinsichtlich der Ertragshöhe führen. Aber auch
Qualitätsmängel verschlechtern die Vermarktungschancen der Kartoffeln deutlich. So können stark mit Rhizoctonia, Silberschorf
und mit Drahtwurm befallene Knollen nicht mehr vermarktet werden. Die Symptome wichtiger Krankheiten und Schädlinge und
mögliche Gegenmaßnahmen sind in Tabelle 10 aufgeführt worden.
Rhizoctonia und Silberschorf
Im ökologischen Landbau müssen alle vorbeugenden Maßnahmen ergriffen werden, die den Pflanzen ein gutes und kräftiges
Wachstum ermöglichen. Dadurch kann in einem gewissen Umfang Vorsorge betrieben werden. Ein sehr wichtiger Faktor ist
dabei die Qualität des Pflanzgutes, denn einige Krankheiten wie die Wurzeltöterkrankheit (
Rhizoctonia solani
) und der Silber-
schorf (
Helminthosporium solani
) werden auch mit dem Pflanzgut verbreitet. Nach Untersuchungen von KARALUS (2005) hat
der Rhizoctonia-Befall der Pflanzknollen einen direkten Einfluss auf den Befall der Ernteknollen. Waren keine Sklerotien am
Pflanzgut vorhanden, lag der Anteil Ernteknollen mit Befall unter 10 %. Bereits bei geringem Befall des Pflanzgutes wiesen 20 –
30 % der geernteten Knollen Befallssymptome auf. Der Befall an den Knollen zeigt sich in Form von schwarzen Pocken, Lö-
chern und Einschnürungen (Abb. 17, Tab. 10).
Bei einem hohen Befall mit Silberschorf werden die Augen der Knollen vom Pilz überwachsen und es bilden sich gar keine
Keime oder keine gesunden Keime aus. Ein Silberschorfbefall ist angezeigt, wenn die Knolle teilweise den Prallzustand verloren
hat und mindestens ein Auge betroffen ist (PEINE, 2008). Von einigen Züchtern und Vermehrern werden Untersuchungen zum
Besatz des Pflanzgutes mit Rhizoctonia und Silberschorf-Dauersporen vorgenommen und die Einführung eines Grenzwertes für
Pflanzgutpartien wird diskutiert. Der Rhizoctonia-Pockenbesatz bei Pflanzgut sollte 20 % befallene Knollen, unabhängig von der
Befallshöhe, nicht überschreiten.
Einen Einfluss auf den Besatz mit Rhizoctonia-Pocken zeigte sich bei einem Anbau der Kartoffeln nach Winterweizen und der
Zwischenfrucht Ölrettich, wo nach Zwischenfrucht 11 – 20 % Pocken auftraten gegenüber ohne Zwischenfrucht mit 34 % (BE-
RENDONK, 2011). Andere Versuche zum Einfluss der organischen Substanz auf den Rhizoctoniabefall zeigen allerdings oft
kein eindeutiges Ergebnis. Wird Kompost direkt in die Pflanzrinne eingebracht, so reduzierte sich der Sklerotienbefall um 30 –
60 %. Eine praktische technische Umsetzung für so ein Verfahren steht bisher noch nicht zur Verfügung. Eine breitflächige
Ausbringung des Kompostes hatte dagegen keine Wirkung (BRUNS et al., 2009)
Abbildung 17: Symptome von
Rhi-
zoctonia solani

image
image
31
Kraut- und Knollenfäule sowie Nassfäule
Eine Ausbreitung von Krankheiten kann aber auch über den nicht sichtbaren (latenten) Befall von Pflanzgut erfolgen wie bei der
Nassfäule (
Pecotobacterium atrosepticum
) sowie der Kraut- und Knollenfäule (
Phytophthora infestans
), der bislang wichtigsten
Krankheit im ökologischen Kartoffelbau. So zeigen molekularbiologische Untersuchungen bei 17 zufällig ausgewählten Partien
von zertifiziertem Kartoffel-Pflanzgut in den Jahren 2007 – 2009, dass durchschnittlich 11 % des Pflanzgutes latent mit
Phy-
tophthora infestans
infiziert war. Die höchste Infektionsrate einer Partie lag bei 38 % (ZELLNER et al., 2011).
Als vorbeugende Maßnahme gegen den primären Stängelbefall und die Schwarzbeinigkeit besteht die Möglichkeit das Pflanz-
gut mit 80 – 120 g/ha Kupfer zu beizen. Dies kann bei der Aufbereitung des Pflanzgutes im Frühjahr mit stationären Geräten im
Lagerhaus oder beim Legen der Kartoffeln in der Legemaschine erfolgen. An stationären Einrichtungen gibt es Sprühgeräte mit
Rotationsdüsen (z. B. Firma Mantis, ULV-Verfahren = Ultra Low Volume). Die Wirkungsgrade der Beizung betrugen annähernd
50 % und durch die Verminderung des Stängelbefalls wurde auch der sekundäre Blattbefall reduziert (KEIL & ZELLNER, 2009).
Zur Regulierung der Kraut- und Knollenfäule darf Kupfer gegen den sekundären Blattbefall eingesetzt werden. Dadurch soll das
vorzeitige Absterben der Pflanzen und der Knollenbefall verhindert werden (Abb. 18). Die Anwendung kann einen vorhandenen
Phytophthora-Befall nicht stoppen, so dass rechtzeitig vorbeugend behandelt werden muss. Erfolgt die Kupferbehandlung kurz
vor bzw. zum Befallsbeginn, so zeigt sich die größte Wirkung. Die Kupfer-Ionen blockieren dann Enzym-Reaktionen, was zum
Absterben der Pilzsporen führt. Der Abstand zwischen den einzelnen Spritzungen zum Schutz des Blattzuwachses liegt bei 8 –
14 Tagen. Durch Niederschlagsereignisse verkürzt sich dieser Abstand. Sehr wichtig für eine Behandlung ist der Beginn des
Befalls. Nach Untersuchungen von BRUNS et al. (2008) schwankte der Befallsbeginn in den Jahren 2002 - 2007 zwischen dem
18. Juni und dem 18. Juli und verlief im Mittel über einen Zeitraum von 4 - 6 Wochen. Bei einem sehr frühen Befallsbeginn si-
chert eine Kupferspritzung die Ertragsbildung ab, während bei einem späten Befallsbeginn der größte Teil der Hauptertragsbil-
dung erreicht war. Eine Kupferbehandlung führte durchschnittlich zu einer Befallsminderung von 58 %. Die Wirkung auf den
Ertrag betrug in den Jahren mit einem mittleren bis späten Befallsbeginn 8 – 26 %, in dem Jahr mit dem sehr frühen Befallsbe-
ginn sogar 96 %.
Es sind Mittel mit den Wirkstoffen Kupferoxychlorid, Kupferhydroxid und Kupferoktanoat zugelassen (siehe Kap. 12). Die jeweils
aktuelle Liste der zugelassenen Pflanzenschutzmittel kann unter
http://www.oekolandbau.de
eingesehen werden. Da sich Kup-
fer als
Schwermetall im Boden anreichert, einen negativen Einfluss auf Bodenlebewesen hat und zu einer Veränderung der
mikrobiellen Zusammensetzung des Bodens führt, steht der Einsatz unter einem kritischen Focus. Die Anbauverbände haben
die maximale Einsatzmenge auf 3 kg Cu/ha und Jahr im Kartoffelbau begrenzt und vor der Anwendung muss von den Betrieben
eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden. Der Verband Demeter schließt den Einsatz generell aus.
In den letzten Jahren wurde intensiv an Strategien zur Minimierung der Aufwandmengen gearbeitet. Neben den vorbeugenden
Maßnahmen, wie optimale Nährstoffversorgung, Vorkeimen der Pflanzkartoffeln, Saatgutbeizung und Sortenwahl, gehören
hierzu auch die Weiterentwicklung von Prognosemodellen und die Untersuchung des Einsatzes von variablen Einzelspritzmen-
gen in Abhängigkeit vom Infektionsdruck.
Abbildung 18: Symptome der
Kraut- und Knollenfäule

image
32
Das entwickelte Modell ÖKO-SIMPHYT erweist sich als zuverlässiges Hilfsmittel bei der Krautfäulebekämpfung. Der Zugang
zum Modell ist über das Internet möglich:
http://www.isip.de.
Der Behandlungsbeginn sowie die Spritzabstände für einzelne
Kartoffelschläge
kann z. B. in folgender Weise erfolgen: 0,3 – 0,5 kg/ha Reinkupfer in 400 l Wasser, erste Anwendung laut
Warnmeldung, je nach Befallsdruck max. 5 weitere Anwendungen. Beim Programm wird von einer Gesamtaufwandmenge von
3 kg/ha Reinkupfer pro Jahr und der Kupferformulierung Cuprozin flüssig ausgegangen, da das Mittel in Versuchen die beste
Regenbeständigkeit zeigte. Weitere Informationen im Internet:
http://orgprints.org/11008/;
http://orgprints.org/13182/.
Alternativ
zum Einsatz kupferhaltiger Pflanzenschutzmittel können auch Pflanzenstärkungsmittel eingesetzt werden. Dazu lie-
gen einige, teilweise sich widersprechende Versuchsergebnisse vor. Deshalb können keine speziellen Empfehlungen gegeben
werden. Auch bei der Wurzeltöterkrankheit ist ein Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln in Form von Trocken- und Flüssigbeiz-
mitteln auf der Basis von
Bacillus subtilis
und
Pseudomonas proradix
möglich, wobei auch hier unterschiedliche Ergebnisse zur
Wirksamkeit vorliegen.
Kartoffelkäfer
Gegen die Larven des Kartoffelkäfers (Abb. 19) in den Stadien L1 – L2 ist der Einsatz des Wirkstoffs Azadirachtin (NeemAzal
T/S; 2,5 l/ha in 300 – 500 l Wasser) möglich. Der Wirkstoff muss über den Fraß der Blätter aufgenommen werden. Eine starke
Sonneneinstrahlung und Niederschläge verringern die Wirksamkeit, so dass eine Anwendung besonders in den Abendstunden
vor einer trockenen Nacht erfolgen sollte. Die effektive Wirkungsdauer auf die Kartoffelkäferlarven beträgt etwa eine Woche und
meistens ist eine Behandlung als ausreichend anzusehen. Das Mittel Spintor (Wirkstoff: Spinosad), Stoffwechselprodukt eines
Bodenbakteriums, ist nach der EU-Öko-Verordnung zugelassen. Wegen der Gefährlichkeit gegenüber Bienen lehnen die meis-
ten Anbauverbände den Einsatz jedoch ab. Pyrethrine mit Rapsöl können ebenfalls eingesetzt werden. Das natürliche Py-
rethrum besitzt aber den gleichen Wirkmechnismus wie synthetische Pyrethroide, gegen die die Käfer bereits resistent sind.
Daher kann eine Anwendung nicht empfohlen werden.
Ernte und Lagerung
Während der Erntearbeiten und der Zeit der Lagerung kann es zur Übertragung einiger Krankheiten kommen. Dazu gehören die
Trocken- und Nassfäulen sowie der Silberschorf. Daher ist besonders auf eine schonende Ernte möglichst ohne Beschädigun-
gen und Verletzungen der Knollen zu achten. Schnelle Bewegungen des Erntegutes sollten vermieden, geringe Fallhöhen und
kurze Förderwege eingehalten und elastische Materialien bei Sortiereinrichtungen und Förderbändern eingesetzt werden. Es
darf nur trockenes Material eingelagert werden und kranke Knollen sind auszusortieren. Weitere Hinweise zu Ernte und Lage-
rung sind in den Kapiteln 9 und 10 enthalten.
Abbildung 19: Kartoffelkäferlarven

33
Tabelle 10: Wichtige Krankheiten und Schädlinge von Kartoffeln
Speisekartoffeln
Schaderreger
Schadbild/Verbreitung
Bedeutung und Gegenmaßnahmen
Kartoffelschorf
(
Streptomyces
spp.)
nur Symptome an der Knolle, an der Schale bilden sich
braune, rissige Flecken; stirbt nur oberflächliches
Gewebe ab, spricht man von Flach- oder Netzschorf;
tiefere Dellen oder Vertiefungen bezeichnet man als
Tiefenschorf; beim Buckelschorf bildet sich neues
Gewebe
Wahl von Sorten mit geringer oder sehr geringer Anfälligkeit
Luzerne bzw. Wicken-Roggen-Gemenge fördern
Bacillus
subtilis
als Antagonist
Keine Kalkung direkt vor Kartoffeln, pH-Werte > 6 begünstigen
den Befall
Beregnung verringert Befall (ab 3. Woche nach Auflauf über 6
– 8 Wochen
Nassfäule und Schwarz-
beinigkeit
(
Pecotobacterium atrosep-
ticum
)
latenter Befall des Pflanzgutes führt in feuchten Jahren
zur Verbreitung; Schwarzfärbung der Stängelbasis;
Infektion der Knollen über Mutterknolle bzw. Wunden
und Kontakt mit faulen Knollen, Knollenfleisch wird in
eine breiige, wässrige Masse verwandelt
Kontrolle der Bestände: Entfernen kranker Pflanzen vor der
Knollenbildung
Ernte nach Erreichen der Schalenfestigkeit bei trockenem
Boden, Bodentemperaturen mind. 10 °C; Verletzungen ver-
meiden
Auslesen fauler Knollen bei Ernte und zu Beginn der Einlage-
rung
Belüftung des Lagers
Cu-Beizung der Pflanzkartoffeln möglich
Kraut- und Knollenfäule
(
Phytophthora infestans
)
Entstehung von Primärherden im Bestand aus latent
befallenen Knollen, ausschließlich Stängelbefall bei
hoher Bodenfeuchte; auf Blättern Anfangssymptome
vorwiegend an Blattrand oder Blattspitze, Herausbil-
dung gelblicher bis grüner unregelmäßiger Flecke,
später dunkelbraune Verfärbung; Blattunterseite am
Rand der Flecke zum Teil weißer Pilzrasen, bei trocke-
ner Witterung Stillstand der Ausbreitung
regelmäßige Kontrolle der Bestände
Vermeidung von Infektionen durch Abfallhaufen
Schläge in offenen Lagen (gute Abtrocknung)
Sortenwahl und gesundes Pflanzgut
Vorkeimen (schnellere Jugendentwicklung)
Cu-Beizung der Pflanzkartoffeln zur Verhinderung des primä-
ren Stängelbefalls
Erste befallene Pflanzen vernichten
Cu-Spritzung nach Infektionsgefahr, max. 3 kg Cu/ha/a
Pflanzenstärkungsmittel
Krautschlagen 3 – 5 Wochen vor Ernte
schonende Ernte und Einlagerung und optimale Lagerbedin-
gungen schaffen
Wurzeltöterkrankheit
(
Rhizoctonia solani
)
viele Ausbildungsformen; verzögerter Auflauf der
Bestände mit geringer Triebbildung und Fehlstellen;
später Bildung weißer Kragen an Stängelbasis (Weiß-
hosigkeit) bei hoher Luftfeuchte oder Wipfelrollen der
Blätter; an Knollen „dry-core“- Symptome (Ähnlichkeit
mit Drahtwurmbohrlöchern) oder Deformation; auf
Knollenschale schwarze Pocken (Sklerotien)
Pflanzgut soll frei von Rhizoctonia-Pocken sein bzw. nur
gering belastet
Anbaupausen von 4 – 5 Jahren
Vermeiden von Kartoffeldurchwuchs
Pflanzgut vorkeimen bzw. Keimstimmen
Pflanzen in erwärmte Böden ab 10 °C
für eine schnellere Umsetzung organische Dünger, Gründün-
gung und Stroh gut in den Boden einarbeiten, direkte Stall-
mistdüngung im Frühjahr vermeiden
hoher Unkrautbesatz fördert Befall
Saatgutbeizung mit biologischen Mitteln möglich
Ernte der Kartoffeln bald nach Erreichen der Schalenfestigkeit
Wartezeit zwischen Krautschlagen und Ernte der Kartoffeln <
20 Tage

34
Tabelle 10: (Fortsetzung)
Speisekartoffeln
Schaderreger
Schadbild/Verbreitung
Bedeutung und Gegenmaßnahmen
Dürrfleckenkrankheit
(
Alternaria
spp.)
Graubraune Flecken mit schwarzen, konzentrischen
Ringen auf den Blättern; an den Knollen bilden sich
dunkle, eingesunkene Flecke (Trockenfäule)
Verwendung gering anfälliger Sorten
gesundes Pflanzgut
eine Cu-Spritzung gegen die Krautfäule erfasst auch die
Alternaria-Pilze
schonende Ernte und Einlagerung und optimale Lagerbedin-
gungen schaffen
Silberschorf
(
Helminthosporium solani
)
der Pilz führt zum Absterben von Zellen der Kork-
schicht, die sich vom Zellgewebe ablöst, dadurch
bilden sich silbrig-graue Flecke; die Knollen neigen zu
höheren Wasserverlusten und zum Schrumpfen,
Symptome zeigen sich erst im Lager
gesundes Pflanzgut
frühzeitige Ernte
gutes Lagermanagement
Staubreste vor und während der Einlagerung entfernen
Aufbereitung in räumlicher Trennung zur Lagerung
Kartoffelkäfer
(
Leptinotarsa decemlinea-
ta
)
Käfer überwintern im Boden, wandern ab Bodentem-
peraturen von 11 - 14 °C in die Bestände ein; an die
Blattunterseiten legen die Weibchen orangefarbene
Eigelege, aus denen oft noch am selben Tag rote
Larven schlüpfen; in den Junglarvenstadien (2 – 3 mm)
ist erfolgversprechende Bekämpfung möglich, die
älteren Larven (4 – 10 mm) sind unempfindlicher
Einhaltung der Fruchtfolge
großer Abstand zwischen den Kartoffelfeldern in den Einzel-
jahren
Vermeiden von Kartoffeldurchwuchs
Schadschwelle: 1 Eigelege oder 10 Larven je Pflanze an 5
Pflanzen jeweils an 5 Punkten im Feld
Nutzung des Prognosemodells SIMPHYT
Behandlung mit NeemAzal T/S möglich
Drahtwurm
(Larven der Schnellkäfer
Agriotes
spp.)
die Käfer legen ihre Eier in dichte Bestände von Mai –
Juli; nach 4 – 6 Wochen schlüpfen die Larven und
wachsen bis zu 3 cm heran; sie sind gelb bzw. hell-
braun gefärbt; die Umwandlung zur Puppe und von der
Puppe zum Käfer erfolgt in einer Zeitspanne von 3 – 5
Jahren; die Larven können negative Phasen wie Kälte,
Trockenheit und Nahrungsmangel überstehen indem
sie sich inaktiv in tiefere Bodenschichten zurückziehen;
durch Fraß entstehen Gänge und Löcher in den Knol-
len, die wie ausgestanzt aussehen
Fruchtfolge mit hohen Anteilen Sommerungen und Körnerle-
guminosen
Bodenbearbeitung in der fraßaktiven Zeit (Ende März - Mitte
Mai bzw. Ende Juli - Anfang Oktober)
mehrfache Stoppelbearbeitung (Junglarven werden dezimiert)
Bekämpfung der Quecken (bieten gute Entwicklungsbedin-
gungen für Larven)
Herbstfurche günstiger als Frühjahrsfurche (geringerer Eiabla-
gereiz)
2 - 3-jähriges Kleegras als Vorfrucht vermeiden (günstige
Bedingungen zur Eiablage durch schattige, feuchte Boden-
oberfläche, keine Störung durch Bodenbearbeitung)
Stalldung/Kompost zügig einarbeiten
Beregnung kann reduzierend wirken
früher Rodetermin
Kartoffelzystennematode
(
Globodera rostochiensis
– Gelbe K., 5 Pathotypen
Ro1, Ro2, Ro3, Ro4, Ro5
Globodera pallida
– Weiße
K., 3 Pathotypen
Pa1 ,Pa2, Pa3
Junge Nematoden (Larven) wandern in die Wurzeln
der Kartoffel ein und ernähren sich vom Zellinhalt, so
dass die Wurzeln absterben und es treten nesterweise
Fehlstellen in Beständen auf, Quarantäneschädling
Einhaltung der Fruchtfolge
Anbau resistenter Sorten gegen die Arten und Pathotypen
Vermeidung einer Verschleppung über Pflanzgut und anhaf-
tende Erde
Pflanzkartoffelvermehrer müssen amtliche Untersuchung
nachweisen, dass Fläche frei von Nematoden ist
Eisenfleckigkeit (Rattle-
Virus)
es können sich gelbe, bogen-, ring- oder fleckenartige
Verfärbungen bilden, auf den Knollen zeigen sich
nekrotische, eingesunkene Ringe und Bögen oder
rostbraune Flecke im Knollenfleisch
Virus wird von Nematoden übertragen, neben Kartoffeln
werden auch viele andere Pflanzen wie Unkräuter und Zwi-
schenfrüchte befallen
Ungünstige Zwischenfrüchte vor Kartoffeln vermeiden wie
Raps, Rübsen, Weißer Senf und Phacelia

35
Tabelle 10: (Fortsetzung)
Pflanzkartoffeln
Schaderreger
Schadbild/Verbreitung
Bedeutung und Gegenmaßnahmen
Y-Virus (PVY)
am deutlichsten zeigen sich Sekundärinfektionen,
wenn Knollen im Vorjahr infiziert wurden; Primärbefall
nur bei sehr frühem Befall;
es zeigen sich Tintenspritzer auf Blattunterseite, die zu
Nekrosen auswachsen (Strichelkrankheit)
Vermehrung von Pflanzkartoffeln in Gesundlagen
Räumliche Trennung von Pflanz- und Speisekartoffeln
Vorkeimen oder Keimstimmen des Pflanzgutes
Frühzeitige Selektion von infizierten Pflanzen
Ausbringen von Strohmulch zum Auflauftermin
Blattrollvirus (PLRV)
die Blätter sind von der Seite nach oben eingerollt mit
einer steileren Blattstellung, im unteren Bereich kommt
es zu tütenförmigen Blattverformungen, die Blätter
werden hart und brüchig
Virus wird von Blattläusen übertragen, bei starkem Blattlaus-
befall rechtzeitig Krautminderung
Quelle: KÜHNE et al. (2006); RADTKE et al. (2000)
Hinsichtlich der Erzeugung von Kartoffeln sollten folgende Voraussetzungen beachtet werden:
Einsatz von anerkanntem Pflanzgut mit Basispflanzgutqualität möglichst aus ökologischer Vermehrung, Befallsfreiheit
von Viruskrankheiten
max. Virusbesatz von 6 % bei Z-Saatgut (gesetzlich vorgegebener Wert)
Rhizoctonia-Sklerotien-Besatz der Knollen <20 % der Partie (angestrebter Grenzwert)
In Pflanzkartoffel erzeugenden Betrieben sind alle Anbauflächen auf Kartoffelzystennematoden und ihre Pathotypen zu
untersuchen (Bodenprobe zur Bestimmung an LfULG)
Das Pflanzgut muss frei von Bakterieller Ringfäule, Schleimkrankheit, Kartoffelkrebs und Kartoffelzystennematoden
sein, diese Krankheiten sind sogenannte Quarantänekrankheiten und meldepflichtig
Überwachung des Gesundheitszustandes während der Vegetation, gegebenenfalls sind kranke Stauden zu entfernen.
Wichtige Internetadressen:
http://www.landwirtschaft.sachsen.de
http://www.isip2.de
– Prognosemodelle für Kraut- und Knollenfäule,
Kartoffelkäfer
http://www.jki.bund.de
http://www.bvl.bund.de
http://www.oekolandbau.de
http://www.bvl.bund.de/infopsm
http://pflanzenstärkungsmittel.bba.de

36
9 Ernte
Ziel der Kartoffelernte ist es, den gewachsenen Ertrag möglichst vollständig und beschädigungsarm einzubringen (Abb. 20).
Hierauf muss detailliert eingegangen werden, da die Voraussetzung von Verlusten während der Lagerungsphase zu einem
großen Teil bereits während der Ernte geschaffen werden. Die betriebswirtschaftlichen Folgen, die aus Lagerungsverlusten
resultieren, sind z.T. erheblich. Um eine hohe Qualität der erzeugten Ware nach der Ernte, aber auch nach einer längeren La-
gerungsphase gewährleisten zu können, sind die folgenden Punkte zu berücksichtigen.
Sortenwahl
Die Beschädigungsempfindlichkeit sowie die Lagerungseignung sind sortenspezifische Eigenschaften. Einige Ernte- und Lage-
rungseigenschaften werden in der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes mit den Merkmalen Beschädigungs-
empfindlichkeit, Anfälligkeit für Knollenfäule und Eisenfleckigkeit sowie Keimfreudigkeit beschrieben. Wünschenswert erscheint
eine Einschätzung bezüglich des spezifischen Gewichtsverlustes (Schwund) während der Lagerung. In der Regel sind später
abreifende Sorten besser für eine Lagerung geeignet als frühe Sorten (siehe Kap. 6).
Ernteverfahren und -termin
Der Gewichtsverlust von Kartoffeln während einer Lagerungsphase von 6 Monaten kann in Abhängigkeit von der eingelagerten
Qualität und Sorte zwischen lediglich 4 % und dem Totalverlust (z.B. bei starkem Nassfäulebefall) liegen. Neben unsachgemä-
ßer Klimaführung im Lagerraum sind Qualitätsbeeinträchtigungen des Erntegutes im Wesentlichen auf die Erntebedingungen
zurückzuführen. Die zu diesem Zeitpunkt verursachten Beschädigungen der Knollen sind Voraussetzung für den Befall mit
Schaderregern und können zu erheblichen Lagerverlusten führen.
Der Erntetermin ist abhängig von der Reifegruppe der angebauten Sorte, der geplanten Verwendung des Erntegutes und von
der Witterung. Frühkartoffeln werden vor der Krautabreife geerntet, sie benötigen etwa 100 Tage Vegetationszeit. Da die Knol-
len in der Regel nicht schalenfest und damit nicht lange haltbar sind, eignen sich diese Kartoffeln nur zum sofortigen Verzehr
und müssen dementsprechend vermarktet werden.
Bei mittelfrühen und späteren Sorten wird der Erntetermin durch Kriterien wie Reife, Schalenfestigkeit und Absterben des Krau-
tes bestimmt. Dieser Zeitpunkt liegt in der Regel im September bis Anfang Oktober. Die Knollen müssen dann vollständig aus-
gereift und festschalig sein. Dies ist etwa 3 Wochen nach dem Absterben des Krautes der Fall. In Abhängigkeit von der Sorte
und vom Abreifezustand nach Krautfäuleinfektion können aber auch 4 – 5 Wochen vergehen, bis eine genügende Schalenfes-
tigkeit erreicht ist.
KONTROLLE DER SCHALENFESTIGKEIT:
Lässt sich die Kartoffelschale mit dem Daumen leicht abschieben, ist diese noch „losschalig“, also noch nicht erntereif. Losscha-
lige Knollen haben vor allem in den ersten Wochen nach der Ernte einen 15 – 100-fachen Wasserverlust im Vergleich zu reifen
Knollen und sind deshalb nicht zum Einlagern geeignet.
Feuchte Knollen sind beschädigungsempfindlicher als trockene. Deshalb sollte nur bei abgetrocknetem Boden gerodet werden.
Empfehlenswert ist das geteilte Ernteverfahren. Hierbei bleiben die gerodeten Kartoffeln einige Zeit zum Abtrocknen auf dem
Feld liegen. Alle weiteren Arbeitsgänge, die Knollenverletzungen bedingen können, werden so in einem weniger empfindlichen
Zustand durchlaufen. Allerdings ist der erhöhte Arbeitsaufwand zu berücksichtigen.
In der Regel kommen Bunkerroder zum Einsatz. Knollenbeschädigungen können durch die Einstellung einer optimalen Rode-
geschwindigkeit, Rodetiefe sowie Abtrennung von Kraut, Kluten und Steinen gewährleistet werden. Es ist auf die Einhaltung
geringer Fallhöhen und kurzer Förderwege, die Vermeidung schneller Bewegungen und den Einsatz elastischer Materialien bei
Sortiereinrichtungen, Verlesetisch und Förderbändern zu achten.
Innerhalb eines schonenden Vorsortierganges sollten kranke, ergrünte und beschädigte Knollen sowie sonstige Beimengungen
wie Erde, Steine und organisches Material entfernt werden. Ebenso dürfen keine losschaligen und weichen Knollen ins Lager
gelangen. Die wichtigsten Faktoren zur Gewährleistung einer schonenden Ernte sind hier zusammengefasst:

image
37
Reduktion bzw. Vermeidung von Kluten durch optimale Grundbodenbearbeitung und mechanische Pflege, gegebenen-
falls Dammvorformung im Herbst auf schweren Böden (Kluten wirken in trockenem Zustand wie Steine)
Absammeln von Steinen
Schlepperbereifung 8" bis höchstens 11" bei einer maximalen Hangneigung von 10 °, um Druckschäden an den Knol-
len im Damm zu vermeiden
bei Spätverunkrautung Mulchen des oberirdischen Bewuchses mit dammangepassten Schlegelgeräten wenige Tage
vor der Ernte
exakte Dammabstände und Rodetiefe
Rodegeschwindigkeit so wählen, dass das Erntegut möglichst lange im Erdstrom befördert wird,
Ummantelung von Metallteilen der Siebkette
niedrige Fallhöhen, Polsterungen
Rodung bei abgetrocknetem Boden und Knollentemperaturen von über 10 °C.
Abbildung 20: Kartoffelernte in Nemt
(Sachsen)

38
10 Lagerung
Zielsetzung und Anforderungen bei der Kartoffellagerung
Bei der Lagerung sind Kartoffelknollen vor Licht, Wasser, zu hohen und zu niedrigen Temperaturen sowie vor Krankheitserre-
gern zu schützen. Zu den wichtigsten Maßnahmen im Kartoffellager gehören das Abtrocknen und Abkühlen der Knollen. Dabei
besteht das Problem, dass nur in einem bestimmten Bereich eine optimale Qualitätserhaltung stattfindet und sich außerdem die
Ansprüche der Knollen im Verlauf der Lagerperiode verändern. So ist auf der einen Seite zu Beginn der Lagerung ein zügiges
Abtrocknen der Knollen unbedingt erforderlich, um Infektionen durch Krankheitserreger zu vermeiden. Außerdem ist eine aus-
reichende Abkühlung der Knollen notwendig, um Atmungsverluste zu reduzieren, die Keimbildung zu verzögern und die Aus-
breitungsmöglichkeiten für Krankheiten zu verhindern.
Auf der anderen Seite führt eine zu intensive Belüftung aber zu hohen Substanzverlusten durch Wasserabgabe der Knollen.
Insbesondere am Ende der Lagerperiode ist dann die Qualität der Knollen durch Lagerdruckstellen und Schwarzfleckigkeit
beeinträchtigt. Kalte Kartoffelknollen sind darüber hinaus stark beschädigungsempfindlich, so dass vor einer intensiven Bewe-
gung, z. B. beim Sortieren, wieder eine Anwärmung notwendig ist.
Optimale Bedingungen für die Dauerlagerung von Kartoffeln bestehen bei einer Temperatur von 4 °C und einer relativen Luft-
feuchtigkeit von 90 – 95 %. Bei 98 – 100 % relativer Luftfeuchte werden pilzliche und bakterielle Krankheitserreger stark geför-
dert. Bei Werten unter 85 % ist mit einem deutlichen Feuchteentzug aus den Knollen zu rechnen, so dass die Substanzverluste
erhöht und die Bildung von Lagerdruckstellen gefördert werden.
Lagerverfahren
Loselager
Bei der Lagerung von Kartoffeln wird zwischen Loselagern und Kistenlagern unterschieden. Loselager sind vor allem für größe-
re einheitliche Kartoffelpartien geeignet. Ein Vorteil im Vergleich zum Kistenlager mit Raumbelüftung liegt darin, dass die Belüf-
tung der Knollen effektiver ist, da die über Belüftungskanäle von unten zugeführte Luft erst den gesamten Stapel durchströmen
muss, bevor sie über Abluftöffnungen entweichen kann. Die Temperaturabsenkung erfolgt im Loselager daher schneller als im
Kistenlager mit Raumbelüftung.
Eine Loselagerung ohne Belüftung des Stapels ist nur bis zu einer Höhe von 1,50 m möglich. Ab 1,50 m Höhe ist eine Zwangs-
belüftung mit kalter Außenluft von unten nach oben notwendig, um eine zu starke Temperaturschichtung im Stapel zu vermei-
den. Pro Meter Stapelhöhe nimmt die Temperatur um 0,5 – 1 °C zu, d. h. die oberste Zone kann bis zu 4 °C wärmer sein als die
unterste Schicht. Dadurch kann es zur Bildung von Kondenswasser in der obersten Schicht kommen, wodurch Fäulnis entste-
hen kann. Wird im Loselager mit einer Stapelhöhe bis 1,50 m Höhe über offene Türen und Fenster gelüftet, schützt eine min-
destens 30 cm dicke Strohschicht auf den Kartoffeln vor dem Feuchtwerden der Knollen in der obersten Zone.
Kistenlager
Die Lagerung von Kartoffeln in Großkisten (Abb. 21) weist folgende Vorteile auf:
Eine Umnutzung von vorhandenen Gebäuden auf dem Betrieb ist leichter möglich als bei Einrichtung eines Loselagers.
Bei Befüllung der Kisten direkt bei der Ernte auf dem Feld entstehen insgesamt weniger Verletzungen, da im Vergleich
zur Loselagerung weniger Bewegungen der Knollen notwendig sind. Allerdings ist bei Verwendung von Gitter-
Stahlrahmenkisten eine schonende Befüllung der Kisten erforderlich; insbesondere die zuerst in die Kiste fallenden
Knollen sind einer starken Verletzungsgefahr beim Aufprall auf den Kistenboden ausgesetzt.
Eine einfache Trennung von Sorten und Partien ist möglich.
Es treten relativ wenig Probleme mit Lagerdruckstellen auf, weil die Lagerhöhe pro Kiste auf ca. 1 m begrenzt ist.
Ein beschädigungsarmer Transport ohne Eigenbewegung der Knollen ist möglich.
Vor der Aufbereitung ist eine Anwärmung ohne vorherige Bewegung möglich.
Die Isolierung von fäulegeschädigten Partien lässt sich leicht realisieren.
Bei Kistenlagern wird zwischen Wind-, Raum- und Zwangsbelüftung unterschieden. Windbelüftete Lager sind nicht mit Geblä-
sen ausgestattet. Die Zufuhr von Außenluft erfolgt über Belüftungsklappen oder Öffnen von Toren. Bei raumbelüfteten Kistenla-

image
39
gern wird Außenluft mit Gebläsen in das Lager gedrückt. Von der zugeführten Luft durchdringt aber nur ein geringer Teil die
Kisten, so dass relativ lange Belüftungszeiten zum Abtrocknen und Kühlen erforderlich sind. Die Zwangsbelüftung von Kisten
erfordert zwar bauliche Voraussetzungen, z. B. in Form einer Belüftungswand, an der die seitlich geschlossenen Kisten aufge-
stellt werden, ermöglicht aber einen hohen Wirkungsgrad der Belüftung.
Vorbereitung des Kartoffellagers
Eine gründliche Reinigung des Lagers vor der Einlagerung dient in erster Linie der Gesunderhaltung des Erntegutes. So ist ein
Übergang von Krankheitserregern über Kartoffel- und Erdreste auf die neue Ernte unbedingt zu vermeiden. Dies betrifft v. a.
Fusarium
-Pilze (Trockenfäule) und Bakterien (Nassfäule). Aber auch Staub kann Quelle von Infektionen sein, wie z. B. beim
Silberschorf, der in den letzten Jahren verstärkt für Qualitätsminderungen gesorgt hat. Nach der Beseitigung von grobem
Schmutz und Kartoffelresten mit Schaufel und Besen sollte daher - am besten am Folgetag, wenn sich der aufgewirbelte Staub
gelegt hat - der restliche Staub mit einem Staubsauger entfernt werden. In diesem Zusammenhang ist auch eine räumliche
Trennung von Lagerung und Aufbereitung empfehlenswert, die sich bereits mit einfachen Holz- oder Folienwänden realisieren
lässt. Eine Belastung der lagernden Knollen durch beim Sortieren entstehenden Staub kann so vermieden werden.
Einlagerungs- und Transportgeräte sollten mit einem Hochdruckreiniger gereinigt werden. Dabei ist es vorteilhaft, wenn das
Wasser eine Zeitlang einwirken kann. Wichtig ist eine vollständige Abtrocknung der Geräte vor dem nächsten Einsatz. Auch bei
Kartoffelkisten ist der Einsatz eines Hochdruckreinigers sinnvoll, insbesondere wenn es in der vorherigen Lagerperiode zur
Bildung von nass- und trockenfaulen Knollen gekommen ist. Es genügt aber häufig auch, die Kisten über mehrere Wochen im
Freien aufzustellen, um so die Überdauerungsorgane von Pilzen und Bakterien durch die Einwirkung von Feuchte und Tro-
ckenheit sowie der UV-Strahlung abzutöten. Die Kisten sollten dazu nicht zu dicht stehen. Zur Vorbereitung des Lagers gehört
auch die Überprüfung der Funktionsfähigkeit von Gebläsen, Steuerungsanlage, Belüftungsklappen und den Messinstrumenten
(Thermometer und Hygrometer).
Lagerphasen
Bei der zeitlichen Abfolge der Lagerung wird zwischen Abtrocknung, Wundheilphase, Abkühlung, Dauerlagern und Anwärmung
vor Aufbereitung unterteilt.
Abtrocknung
Die Abtrocknung der Knollen sollte innerhalb von 24 h erfolgen. Dies geschieht entweder bei geeigneter Witterung durch Auf-
stellen der Kartoffelkisten im Freien, wobei ein Schutz vor Niederschlägen gewährleistet sein muss. Oder die Knollen werden im
Lager durch intensive Belüftung (max. 10 – 12 h pro Tag) abgetrocknet. Die Zuluft muss dabei 2 – 3 °C kälter sein als die obere
Stapelschicht. Schwitzschichten sind unbedingt zu vermeiden.
Abbildung 21: Kistenlagerung von Kartoffeln

40
Wundheilphase
Während der zweiwöchigen Wundheilphase sind die Knollen bei 12 – 15°C und einer Belüftungsdauer von max. 2 h pro Tag
aufzubewahren. Die Lagerstabilität wird durch das Verheilen der bei der Ernte zugeführten Verletzungen erheblich erhöht.
Abkühlung und Dauerlagerung
Ziel der Abkühlung ist das Erreichen einer Temperatur von 5 °C bis Mitte November. Die Belüftung mit geeigneter Außenluft (s.
u.) liegt bei 5 – 12 h täglich. Während der Dauerlagerung, die sich je nach Sorte und Verwertungsrichtung bis auf 5 Monate
erstrecken kann, sollte die Lagertemperatur bei 3 – 5 °C gehalten werden. Bei Kartoffeln zur Erzeugung von Pommes frites und
Chips wird häufig eine Warmlagerung bei 7 – 9 °C durchgeführt, um der Bildung von reduzierenden Zuckern vorzubeugen, die
bei der Verarbeitung zu einer Beeinträchtigung der Qualität führen. Die maximale tägliche Belüftungsdauer sollte in der Dauer-
lagerperiode bei 1 – 2 h liegen.
Anwärmphase
Vor der Aufbereitung trägt eine Anwärmung der Knollen auf 10 – 12 °C dazu bei, die Beschädigungsempfindlichkeit zu reduzie-
ren. Bei zu kalt aufbereiteten Knollen kann in erheblichem Maße Schwarzfleckigkeit hervorgerufen werden. Die Zuluft bei der
Anwärmung sollte nicht über 25 °C betragen.
Belüften von Knollen
Erfahrungsgemäß bringt die Belüftung bei einer Temperaturdifferenz von 2 – 3 °C die besten Resultate, d. h. die Zuluft ist um 2
– 3 °C kälter als die obere Stapelzone. Eine Temperaturdifferenz von über 4 – 5 °C sollte vermieden werden, da sich die zuge-
führte Luft im Stapel zu stark erwärmen würde, was eine deutliche Absenkung der relativen Luftfeuchtigkeit und damit einen
starken Wasserentzug aus den Knollen zur Folge hätte. Die relative Luftfeuchtigkeit der Zuluft sollte über 80 % liegen, um eben-
falls eine zu starke Austrocknung der Knollen zu verhindern.
Diese auf die Temperaturdifferenz und die relative Luftfeuchte bezogene zweiseitige Begrenzung bei der zugeführten Luft ma-
chen eine effektive Ausnutzung der möglichen Belüftungszeiten notwendig. So sollte die spezifische Luftmenge bei mindestens
100 – 150 m³/t und h liegen. Hohe Luftmengen über einen kürzeren Zeitraum sind für die Qualitätserhaltung der Kartoffeln
günstiger als niedrige Luftmengen über einen längeren Zeitraum. Vorteile bieten in diesem Zusammenhang Belüftungsanlagen
mit Mischluftregelung, die auch an Frosttagen eingesetzt werden können. In den frühen Morgenstunden sind die Bedingungen
für eine effektive Belüftung oft am günstigsten. Prozessorgesteuerte Anlagen ermöglichen ein automatisches Betätigen der
Gebläse und Belüftungsklappen.
Eine Abkühlung der Knollen ist erst sinnvoll, wenn die Temperatur im Lager gehalten werden kann. Die Einlagerungsphase mit
ständigem Öffnen der Tore sollte demzufolge abgeschlossen sein. Bis Ende Oktober sollte die Temperatur im Stapel auf 10 °C
und bis Mitte November auf 5 °C abgesenkt werden. Der Erfolg einer Abkühlungsbelüftung hängt auch sehr stark von der Dich-
te des Lagers und der Isolierung ab. Eine gute Isolierung schützt außerdem vor Frosteinwirkung und beeinflusst darüber hinaus
den Feuchtegehalt der Luft im Lager. Bei einer zu geringen Wärmedämmung kann es zu einer Kondensation von Wasser an
den Wänden und der Decke kommen, wenn die Temperaturdifferenz zwischen der Raumluft und der Innenwandfläche zu hoch
ist. Die relative Luftfeuchte sinkt und die Wasserverluste der Knollen nehmen zu. Da warme und feuchte Luft im Lager nach
oben steigt, muss die Decke stärker isoliert sein als die Wände. Das Lager und die Belüftungsanlage sollten in einer Weise
eingerichtet werden, dass die durchschnittliche tägliche Belüftungsdauer während der Dauerlagerphase nicht wesentlich über
1,5 h liegt. An warmen Tagen sind Belüftungsklappen und Tore verschlossen zu halten.
Bei der Entscheidung über die Belüftungsstrategie sollte unbedingt der Gesundheitszustand der Kartoffeln berücksichtigt wer-
den. Bei gesund eingelagerten Knollen steht die Vermeidung von Substanzverlusten im Vordergrund. Bei infektionsgefährdeten
Partien, z. B. durch Krankheiten im Feld oder ungünstigen Rodebedingungen, kommt es vor allem auf eine ausreichende Ab-
trocknung und zügige Temperaturabsenkung an. Es kann in diesem Fall sinnvoll sein, die Temperaturdifferenz beim Belüften
zeitweise auf 4 – 5 °C zu erhöhen bzw. trockenere Zuluft zu verwenden.
Die Steuerung der Belüftungsintensität kann insbesondere während der Einlagerungsphase über die Kenntnis der Stapelfeuch-
te erleichtert werden. Dabei wird mit Hilfe eines speziellen Messgerätes die elektrische Leitfähigkeit der Knollenoberfläche er-

41
fasst. Diese nimmt mit steigendem Feuchtegehalt der Schale zu. Eine Überbelüftung während der Abtrocknungsphase lässt
sich auf diesem Wege relativ einfach vermeiden.
Durch die Atmung produzieren Kartoffelknollen Wärme und CO
2
. Es kommt also zu einer ständigen Selbsterwärmung des Sta-
pels, die bei etwa 0,3 °C pro Tag liegt. Demzufolge muss auch nach dem Erreichen der optimalen Lagertemperatur regelmäßig
nachgekühlt werden, um einen Temperaturanstieg zu vermeiden. Höhere Konzentrationen von CO
2
im Lager fördern die Nass-
fäule. Daher ist auch in einem Einfachlager ohne Belüftung dafür zu sorgen, dass in regelmäßigen Abständen ein Luftaustausch
ermöglicht wird. Deckenventilatoren können die Luftzirkulation in diesem Fall unterstützen.
Periodische Umluft im Lager trägt dazu bei, dass Temperatur- und Feuchteschichtungen vermieden werden. Umgekehrte Um-
luft im Loselager beseitigt Schwitzschichten in der oberen Stapelzone. Alle während der Lagerung durchgeführten Maßnahmen
sowie der Temperaturverlauf, die Anzahl der Belüftungsstunden und der Zustand der Knollen sollten in einem Lagerbuch aufge-
zeichnet werden.
CHECKLISTE KARTOFFELLAGERUNG
Vor der Einlagerung Lager reinigen und Technik überprüfen
Nur schalenfeste Knollen einlagern
Partien mit Fäulnis vor dem Einlagern sortieren
Zügiges Abtrocknen vor oder nach dem Einlagern (innerhalb 24 h)
Wundheilphase bei 12 –15 °C über 2 Wochen
Abkühlung auf 5 °C bis Mitte November
Dauerlagerung bei 3 – 5°C und 90 – 95 % relativer Luftfeuchtigkeit
Überbelüftung vermeiden
Zuluft 2 – 3 °C kälter als Knollen und 80 – 100 % relative Luftfeuchte
Luftmenge 100 – 150 m³/t und h
Knollen vor Frost und Licht schützen
Anwärmung der Knollen auf 10 – 12 °C vor der Aufbereitung

image
42
11 Aufbereitung
Zielsetzung und Anforderungen
Ziel der Aufbereitung von Kartoffelknollen ist die Herstellung von Fertigware in einem vom Abnehmer gewünschten Zustand, der
in erster Linie die Sortierung der Knollen, äußere Qualitätsmerkmale und die Packungsgröße betrifft. Vereinbarungen zur Ver-
marktung sind hierbei zu beachten, bei denen z. B. das Sortieren nach dem Quadratmaß sowie das Einhalten bestimmter Min-
destgrößen und Sortierbandbreiten festgelegt sind.
Einerseits wird bei der Aufbereitung die Qualität einer Kartoffelpartie verbessert, wie z. B. durch das Herauslesen von stark
schorfigen oder ergrünten Knollen. Andererseits kann aber die Aufbereitung selbst Ursache von Qualitätsmängeln werden, da
durch die zum Teil intensive Bewegung der Knollen in der Aufbereitungsanlage leicht Beschädigungen und Schwarzfleckigkeit
hervorgerufen werden (Abb. 22). Schwarzfleckigkeit ist nicht mit äußeren sichtbaren Gewebeverletzungen verbunden. Die Ver-
färbungen unter der Knollenschale werden nach dem Anwärmen der Knollen sichtbar. Die Belastungsstärke bzw. die Anzahl
von Stößen war dann zu hoch.
Bei der Planung von Aufbereitungsanlagen sind in Verbindung mit den Investitionskosten die erforderliche Aufbereitungsleis-
tung (t aufbereitete Ware pro h) sowie der Zeitaufwand bzw. die Arbeitskosten zu berücksichtigen. Insbesondere wenn auf ei-
nem Betrieb Kartoffeln für verschiedene Verwertungsrichtungen angebaut und aufbereitet werden oder unterschiedliche Anfor-
derungen der Abnehmer vorliegen, bieten mobil aufgebaute Anlagen Vorteile, da einzelne Arbeitsgänge hinzugefügt bzw. aus-
gelassen werden können.
Arbeitsschritte und Gerätetechnik
Nach der Ernte der Kartoffeln können in Abhängigkeit von den betrieblichen Gegebenheiten folgende Arbeitsschritte anfallen:
Annehmen, Enterden, Vorsortieren, Einlagern, Auslagern, Sortieren, Verlesen, Waschen bzw. Bürsten, Wiegen, Abpacken und
Verladen. In landwirtschaftlichen Betrieben gehören dabei das Sortieren nach Größe und das Handverlesen nach Qualitäts-
mängeln zu den wichtigsten Aufbereitungsarbeiten.
Annahme, Enterden und Vorsortieren
Vom Roder werden die Knollen lose auf Anhänger geladen oder direkt am Feld in Kisten gefüllt, die unmittelbar in das Lager
transportiert werden. Letzteres Verfahren hat zwar den Vorteil, dass die Schritte Überladen im Betrieb, Enterden und Vorsortie-
ren entfallen und das Beschädigungsrisiko sinkt, allerdings gelangen die Kartoffeln mit einem höheren Anteil an Beimengungen
in das Lager, die während der Lagerung und späteren Aufbereitung Probleme verursachen können. So verzögert ein feuchter
Erdbesatz die Abtrocknung der Ernteknollen und verschmutzt die Transportbänder und Sortieranlage. Beim Befüllen von Kisten
am Feld ist auf eine Begrenzung der Fallhöhe zu achten, entweder durch Überladeeinrichtungen mit Fallsegeln am Bunkeraus-
lauf oder mit (selbst gefertigten) Fallbremsen. Dies gilt insbesondere für die in den neuen Bundesländern weit verbreiteten Git-
ter-Großkisten.
Für die Annahme von lose verladenen Kartoffeln stehen Seiten- oder Heckannahmen zur Verfügung. Dabei gewährleisten fle-
xible Gummischürzen am Bunker den Einsatz von Anhängern unterschiedlicher Größe und Bauweise. Bei Enterdern werden
verschiedene Bautypen angeboten, wie z. B. Spiralwalzen-, Siebketten-, Gummistern-, Gummifinger- oder Glattwalzenenterder.
Zum Teil ist auch eine Abtrennung von Steinen möglich, was die Beschädigungsgefahr bei der weiteren Aufbereitung erheblich
Abbildung 22: Auftreten von Schwarzfleckigkeit im Knollengewebe

43
mindert. Das Vorsortieren ist vor allem bei begrenzter Lagerkapazität auf dem Betrieb von Bedeutung. Die Geräte arbeiten mit
Flachsieben, Siebbändern oder Profilwalzen, wobei Flachsieb-Vorsortierer am universellsten einsetzbar sind.
Auslagerung und Aufbereitung
Nach der Auslagerung finden mit dem Sortieren und Verlesen die wichtigsten Arbeitsgänge der Aufbereitung statt. Während bei
Speise- und Pflanzkartoffeln in der Regel eine Fraktionierung in Unter-, Mittel- und Übergrößen erfolgt, genügt bei Verarbei-
tungskartoffeln häufig die Separierung von Untergrößen (z. B. Knollen < 45 mm). Neben den weit verbreiteten Flachsieb-
Sortierern stehen Sortiermaschinen mit Profilwalzen, Siebbändern, Riemen, Siebrosten und Kegelwalzen zur Verfügung. In
Großanlagen kommen außerdem optoelektronische Sortiermaschinen zum Einsatz.
Die Bewegung von Flachsiebsortierern kann schwingend und/oder stoßend sein. Insbesondere bei langfallenden Kartoffelsorten
ist es wichtig, dass die Knollen aufgerichtet werden und während einer gewissen Ruhephase durch die Siebe fallen können. Mit
Ausstoßern ausgerüstete Sortierer verhindern ein Verstopfen der Siebe. Der Platzbedarf einer Flachsiebanlage wird durch die
Anordnung der Siebe bestimmt, die untereinander, hintereinander oder treppenförmig sein kann. Während die Sortiergenauig-
keit mit der Sieblänge einhergeht, beeinflusst die Siebbreite die Sortierleistung. Eine hohe Sortiergenauigkeit ist häufig mit ei-
nem höheren Anteil an Beschädigungen gekoppelt, wobei die Knollenform eine wichtige Einflussgröße darstellt. Gummierte
Siebe verringern die Beschädigungsgefahr.
Standardgeräte beim Verlesen sind Rollenverlesebänder. Die Knollen werden zwei bis dreimal gewendet, so dass nicht jede
Knolle zur Begutachtung in die Hand genommen werden muss. Vorteilhaft ist eine stufenlos regelbare Geschwindigkeit des
Bandes. Gute Arbeitsbedingungen werden außerdem durch eine blendfreie Beleuchtung und Infrarot-Heizstrahler geschaffen.
Die Einrichtung eines abgeschlossenen, beheizbaren Verlese-Raumes vermindert die Belastung des Personals durch Lärm,
Kälte und Staub deutlich. Ist ein Anwärmraum für ausgelagerte Kartoffeln vorhanden, bietet es sich an, das Verlesen dort durch-
zuführen. Pro Person kann mit einer Arbeitsleistung von 1 – 2 t/h gerechnet werden.
Für die Reinigung von Kartoffelknollen werden Bürstenmaschinen und Trommelwaschmaschinen angeboten. Gewaschene
Knollen müssen vor der Abpackung ausreichend abtrocknen, ansonsten ist die Haltbarkeit sehr stark eingeschränkt. Für das
Abwiegen besteht ein umfangreiches Angebot an Absackwaagen. Gängige Wiegebereiche sind dabei 2,5 – 25 kg und 12,5 –
50 kg. Für kleinere Gebinde wird vorrangig eine Nettoverwiegung praktiziert, d. h. die Knollen werden erst in einem Behälter
gewogen und dann in das Säckchen oder die Tüte gefüllt. Bei der Bruttoverwiegung werden die Kartoffeln im Gebinde gewo-
gen.
In kleineren Betrieben findet die Aufbereitung von der Auslagerung bis zum Abpacken häufig in einem Durchgang statt. In Be-
trieben mit hoher Aufbereitungsleistung ist dagegen aus arbeitsorganisatorischen Gründen mitunter eine Zwischenlagerung in
Vorratsboxen nach bestimmten Arbeitsschritten erforderlich. Außerdem werden die verlesenen Knollen vor dem Abpacken in
Fertigwareboxen gefüllt. Aufgrund von Boxenhöhen bis 5 m ist die Installation von Leitsegeln obligatorisch. Die betriebsspezifi-
schen Anforderungen an eine Aufbereitungsanlage einerseits und die Vielzahl der von verschiedenen Herstellern angebotenen
Geräte andererseits erfordern eine individuelle Planung für jeden Betrieb.
Qualitätssichernde Maßnahmen
Für die Qualitätssicherung bei der Aufbereitung spielen neben den baulichen und technischen Aspekten auch biologische Ein-
flussgrößen eine wichtige Rolle.
Sorteneigenschaften und Knollengröße
Beachtenswert sind die unterschiedliche Beschädigungsempfindlichkeit von Kartoffelsorten und die Knollenform. Langfallende
Sorten sind vor allem durch Stoßverletzungen am Nabel- und Kronenende gefährdet, während rundfallende Sorten zu stärkeren
Rollbewegungen in Aufbereitungsanlagen neigen, so dass es zu Schürfwunden kommen kann. Außerdem sind große Knollen
einer wesentlich höheren Beschädigungsgefahr ausgesetzt als kleine Knollen.
Lagerdauer und Lagerbedingungen
Aufgrund von Veränderungen bei den Inhaltsstoffen nimmt mit zunehmender Lagerdauer die Neigung zur Bildung von Schwarz-
fleckigkeit deutlich zu. Hat bereits die Keimung der Knollen eingesetzt, ist die Gefahr für Verfärbungen besonders groß. Ebenso

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fördern unsachgemäße Lagerbedingungen, die zu einer starken Wasserabgabe führen, diesen Qualitätsmangel bei der nach-
folgenden Aufbereitung. Empfindlich sind auch Knollen aus der unteren Zone von hohen Loselagern; selbst wenn bei der Aus-
lagerung noch keine eindeutigen Druckstellen sichtbar sind, reagieren diese Knollen rasch auf intensive Bewegungen und hohe
Fallstufen.
Knollentemperatur
Bei kalt gelagerten Kartoffeln ist die Elastizität des Knollengewebes stark gemindert, so dass nach mechanischen Belastungen
leicht Verfärbungsreaktionen eintreten („Stoßblau“). Daher ist ein Anwärmen der ausgelagerten Kartoffeln vor dem Aufbereiten
auf ca. 10 °C unbedingt empfehlenswert (Abb. 23). Vorteile bietet hierbei die Lagerung in Großkisten, da die Knollen ohne Ei-
genbewegung in einen angewärmten Raum gebracht werden können. Beim Einsatz von Heizgeräten sollte die zugeführte Luft
nicht über 25 °C warm sein, beim Anwärmen entstandene Schwitzschichten können durch Umluft wieder beseitigt werden. Die
für das Anwärmen benutzte Luft sollte nicht mit Staub aus dem Kartoffellager oder Aufbereitungsraum belastet sein, um Infekti-
onen mit Krankheitserregern zu vermeiden, zumal hierfür bei Knollen, die durch Kondenswasser befeuchtet sind, günstige Be-
dingungen bestehen. Erforderlich ist also die Verwendung von sauberer Außenluft.
Knollenfäulen
Werden Kartoffelpartien mit faulen Knollen aufbereitet, sollten bestimmte Hygienemaßnahmen beachtet werden. Dies gilt in
besonderem Maße beim Auftreten der durch Bakterien verursachten Nassfäule (Abb. 24). Ausgehend von wenigen befallenen
Knollen kann sich der Erreger über die Aufbereitungsanlage auf die gesamte Partie und weitere, bisher gesunde Partien aus-
breiten. Das Entfernen von faulen Knollen direkt nach der Annahme, z. B. durch einen zusätzlichen Verlesetisch, verhindert
eine Kontamination der gesamten Anlage. Auch beim Entleeren von Großkisten nach der Lagerung ist ein sofortiges Herausle-
sen von faulen Knollen anzustreben, bevor diese auf die eigentliche Anlage gelangen.
Grundsätzlich sollte bei der Aufbereitung von Partien mit Fäulnisbesatz auf eine besonders schonende Aufbereitung geachtet
werden, da die Fäulniserreger häufig über Verletzungen in die Knollen eindringen. Außerdem ist eine Aufbereitung dieser Par-
tien am Abend bzw. vor dem Wochenende empfehlenswert, um genügend Zeit für eine gründliche Reinigung mit Wasser sowie
ein vollständiges Abtrocknen der Anlage zu haben. Ist bei der Aufbereitung nassfaules Knollengewebe über die Partie verteilt
worden, sollte diese in einem gut durchlüfteten Raum zum raschen Abtrocknen aufbewahrt werden.
Abbildung 23: Kontrolle der Temperatur vor der Aufbereitung
Abbildung 24: Nassfaule Knollen bedürfen bei der Aufbereitung einer beson-
deren Behandlung

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45
Räumliche Trennung von Lagerung und Aufbereitung
Eine räumliche Trennung zwischen dem Kartoffellager und dem Ort der Aufbereitung hat verschiedene Vorteile: Die angestreb-
te Lagertemperatur wird leichter erreicht bzw. gehalten, wenn das Lager nicht ständig geöffnet werden muss. Außerdem kann
im Aufbereitungsraum eine höhere Temperatur eingestellt werden, wodurch zum einen die Arbeitsbedingungen verbessert
werden und zum anderen der Aufbereitungsraum zum Anwärmen der Knollen nutzbar wird. Darüber hinaus wird durch eine
räumliche Trennung vermieden, dass der bei der Aufbereitung aufgewirbelte Staub auf lagernde Knollen gelangt, was insbe-
sondere im Falle des Silberschorfes zur Befallsreduktion beiträgt. Im Einfachlager lässt sich dieser Effekt bereits durch eine
selbst gefertigte Trennwand realisieren.
Fallstufen und Fallhöhen, Rollbewegung
Viele schwache Stöße auf Kartoffelknollen können sich genauso negativ auswirken wie wenige starke Belastungen. Demzufol-
ge kommt es nicht nur darauf an, Fallhöhen auf unter 25 cm zu begrenzen (Abb. 25), sondern auch die Zahl der Fallstufen über
die Aufbereitungsstrecke möglichst gering zu halten. In diesem Zusammenhang ist auch ein Fall von Knollen auf Knollen er-
strebenswert, vor allem, wenn die Fallhöhe über 25 cm beträgt. So sollten insbesondere die Übergabestellen von Transport-
bändern nicht leer laufen, sondern ständig einen gewissen Füllstand aufweisen. Verbleibt bei kurzzeitigen Unterbrechungen der
Arbeit z. B. in der Annahme noch ein Knollenrest, ist bei Wiederbeginn der Befüllung die Fallhöhe verringert. Nachteilig ist es,
wenn unmittelbar unter der Auftreffstelle der Knollen auf einem Transportband eine Unterstützungsrolle liegt.
Intensive Rollbewegungen führen häufig zu Schalenverletzungen. Neben der Knollenform sind die Neigung und Geschwindig-
keit der Transportbänder sowie die Menge der transportierten Knollen wesentliche Einflussgrößen. Insbesondere bei der Aufbe-
reitung von rundfallenden Sorten sollte darauf geachtet werden, dass die Knollen auf den Transportbändern nicht zurückrollen
und auf abschüssigen Strecken nicht zu stark beschleunigt werden. Beim Arbeiten im geschlossenen Gutstrom polstern sich die
Knollen gegenseitig ab.
Polsterung, Beseitigung von Kanten und verkrustetem Schmutz
Während bei neuen Aufbereitungsanlagen die Kriterien für eine beschädigungsarme Behandlung der Kartoffeln zunehmend
erfüllt werden, bestehen bei älteren Geräten in dieser Beziehung häufig Mängel. Durch das Anbringen von Polstern an Fallstu-
fen, die Beseitigung von Kanten und in den Kartoffelstrom ragenden Bauteilen sowie die Gummierung von Sieben lassen sich
aber bereits mit einfachen Mitteln Verbesserungen erzielen. Quetschungen und Abschürfungen lassen sich vermeiden, wenn
beim Richtungswechsel von Fördereinrichtungen an den Umlenkstellen Gurte angebracht werden. Da insbesondere die in Auf-
bereitungsanlagen verwendeten Bauteile zur Dämpfung der Knollenbewegung dem Verschleiß unterliegen, gehört eine regel-
mäßige Instandsetzung der Polster, Gummischürzen etc. ebenfalls zu den qualitätssichernden Maßnahmen. Regelmäßiges
Entfernen von Schmutzkrusten, die eine Aufrauung der Oberfläche bewirken, sowie von hängengebliebenen Steinen und Kluten
vermindert die Verletzungsgefahr erheblich.
Probelauf und Knollenuntersuchung
Aufgrund der vielfältigen Einflussmöglichkeiten ist eine Vorhersage, ob in einer Anlage die Knollen ausreichend beschädi-
gungsarm aufbereitet werden, nur bedingt möglich. Veränderungen sollten aber nicht erst dann vorgenommen werden, wenn
Kunden reklamieren oder Partien zurückgewiesen werden. Daher ist vor dem Aufbereiten jeder Kartoffelpartie ein Probelauf mit
anschließender Knollenbegutachtung auf Beschädigungen und Schwarzfleckigkeit anzuraten. Dazu werden vor und nach der
Aufbereitung jeweils 100 Knollen zufällig entnommen, gewaschen, bei Zimmertemperatur über zwei Tage aufbewahrt und mit
Abbildung 25: Geringe Fallhöhen und der Fall von Knollen auf Knollen ver-
mindern das Risiko für Schwarzfleckigkeit

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46
Hilfe eines Schälers und Messers untersucht. Das im nachfolgenden Kasten aufgeführte Schema kann dazu als Vorlage ge-
nutzt werden. Ein Zwischenlagern bei 20 – 25 °C bis zur Begutachtung ist notwendig, um insbesondere die Symptome der
Schwarzfleckigkeit sichtbar zu machen.
BEGUTACHTUNG VON KARTOFFELKNOLLEN
Entnehmen Sie bitte eine Stichprobe von 100 Knollen und bewahren Sie diese bei 20 – 25 °C über zwei Tage auf. Nach dem
Schälen mit einem Kartoffelschäler (max. 1 mm tief schälen) wird bei jeder Knolle die
Anzahl
an Beschädigungen und Verfär-
bungen erfasst, jeweils in zwei Stufen. Dabei kann folgende Einstufung benutzt werden:
Beschädigungen
Schwarzfleckigkeit
Keine: Keine bzw. unter 2,0 mm tief
Keine: Keine
Leicht: 2,0 – 5,0 mm tief
Mittel:
Bis 5 mm Tiefe und max. 2 cm² Fläche
Schwer: Über 5,0 mm tief
Stark:
Über 5 mm Tiefe od. über 2 cm² Fläche
In Abhängigkeit von den Qualitätsanforderungen des Abnehmers kann auch eine andere Einstufung erforderlich sein!
Weist die nach der Aufbereitung entnommene Knollenprobe mehr Beschädigungen oder Schwarzfleckigkeit auf als die vorher
gezogene Probe, sind Veränderungen im Prozessablauf notwendig (Abb. 26). Ist eine genaue Zuordnung der Beschädigungs-
ursache nicht möglich, dann müssen an mehreren Stellen Knollenproben entnommen werden, um z. B. ein bestimmtes Gerät,
eine Übergabestelle oder eine Fallstufe als Verursacher lokalisieren zu können.
Wurde die Hälfte einer Partie z. B. im November ohne Probleme aufbereitet, dann sollte vor der Aufbereitung der anderen Hälf-
te zu einem späteren Zeitpunkt, z. B. im Februar, trotzdem ein erneuter Probelauf mit Knollenbonitur durchgeführt werden, da
sich aufgrund der längeren Lagerdauer und der bis dahin aufgetretenen Substanzverluste die Empfindlichkeit der Partie gegen-
über Schwarzfleckigkeit deutlich verändert haben kann.
Die Begutachtung der Knollen zwei Tage nach der Aufbereitung gibt noch nicht das Endstadium der Schwarzfleckigkeit wieder.
Das Ausmaß der Verfärbungen nimmt vielmehr mit der Zeit noch zu und wird demzufolge häufig erst beim Abnehmer oder
Verbraucher richtig sichtbar. Bei der Einschätzung der Knollenproben nach zwei Tagen sollten daher strenge Maßstäbe ange-
legt werden, das Ergebnis ist als Momentaufnahme zu betrachten. Eine Bewertung von Aufbereitungsanlagen hinsichtlich eines
knollenschonenden Durchganges ist auch mit elektronischen Messknollen und dazugehörigem Auswertungsprogramm möglich.
Arbeitsbedingungen, Schulung der Mitarbeiter
Die Schaffung günstiger Arbeitsbedingungen ist für eine qualitätsorientierte Kartoffelaufbereitung nicht zu unterschätzen. Neben
dem Schutz vor Kälte, Staub und Lärm gehört dazu eine gute Beleuchtung am Verleseband. Das Personal sollte in die Bedie-
nung der Maschinen gründlich eingewiesen werden und auch über die Ursachen von Qualitätsmängeln ausreichend informiert
werden. Die Teilnahme an Schulungen und Fortbildungsmaßnahmen ist daher ein wichtiger Aspekt bei der Erzeugung von
Qualitätskartoffeln.
Abbildung 26: Knollenprobe zur Begutachtung der Qualität

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CHECKLISTE QUALITÄTSSICHERUNG BEI DER AUFBEREITUNG
Beschädigungsempfindlichkeit der Partie einschätzen: Sorte, Knollenform und -größe, Lagerdauer und -bedingungen
Höhe der Fallstufen überprüfen
Polsterung überprüfen
Beleuchtung und Infrarot-Heizer am Verlesetisch überprüfen
Verkrusteten Schmutz von der Aufbereitungsanlage entfernen
Knollen vor der Aufbereitung auf 10°C anwärmen
Partien mit faulen Knollen gesondert behandeln
Fall von Knollen auf Knollen gewährleisten
Im durchgängigen Knollenstrom arbeiten
Springen und Rollen der Knollen vermeiden
Probelauf und Knollenuntersuchung durchführen
Mitarbeiter ausreichend einweisen

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48
12 Wirtschaftliche Bewertung
In Deutschland werden auf einer Anbaufläche von 8350 ha ökologische Kartoffeln erzeugt, davon beträgt die Anbaufläche für
Speisekartoffeln 7450 ha. Der Anteil erzeugter Öko-Kartoffeln an der Gesamterzeugung liegt bei 7,5 % (AMI, 2011). In Sach-
sen werden auf 340 ha ökologische Speisekartoffeln angebaut und für die Betriebe ist die Kartoffelerzeugung selbst auf kleine-
ren Flächen ein wirtschaftlich interessanter Produktionszweig. Neben Eiern und Frischgemüse zählen Kartoffeln zu den am
stärksten nachgefragten Produkten. Der größte Teil der erzeugten Öko-Kartoffeln wird in Deutschland über Discounter vermark-
tet. 2010 betrug dieser Anteil der Vermarktung 59 % (AMI, 2011).
Um die Kartoffeln gut vermarkten zu können (Abb. 27), besteht ein hoher Anspruch an die äußere und innere Qualität der Knol-
len. Krankheiten und Schädlinge wie Knollenfäule, Wurzeltöterkrankheit (
Rhizoctonia
) bzw. Drahtwurmfraß beeinträchtigen die
äußere Qualität der Knollen und damit sinken die Anteile an vermarktungsfähiger Ware. Die Jahreswitterung hat ebenfalls einen
wesentlichen Einfluss auf den Ertrag, so dass mit deutlich schwankenden wirtschaftlichen Ergebnissen gerechnet werden muss.
Bei umfangreichen Investitionen in die Kartoffelerzeugung empfiehlt es sich deswegen, höhere Liquiditätsreserven einzuplanen
als bei Investitionen z. B. in die Getreideerzeugung.
Kosten für Betriebsmittel
Als Ausgaben für Betriebsmittel müssen das Pflanzgut sowie Pflanzenschutz- und Pflanzenstärkungsmittel berechnet werden.
Beim Pflanzgut besteht die Verpflichtung ökologisch vermehrte Pflanzkartoffeln einzusetzen. Informationen zur aktuellen
Pflanzgutverfügbarkeit findet man in der Datenbank
http://www.organicxseeds.com.
Ist eine gewünschte Sorte nachweislich
nicht verfügbar
kann ein Antrag auf die Nutzung von konventionell erzeugtem, unbehandeltem Pflanzgut gestellt werden.
Die Ausbreitung einiger Krankheiten erfolgt über das Pflanzgut (siehe Kap. 8). Eigener Nachbau kann verwendet werden, wenn
die Pflanzenbestände umfangreich von kranken Pflanzen bereinigt wurden und die Knollen weitgehend frei von Rhizoctonia-
Pocken sind. Mit geeignetem Nachbaupflanzgut lassen sich die Verfahrenskosten je nach Preis für die Speiseware teilweise
wirkungsvoll senken. Allerdings müssen hier die Abgaben für die Züchter und der Aufwand für die Bestandesbereinigung sowie
Lagerung und Aufbereitung mit berücksichtigt werden. Für die folgende Deckungsbeitragsrechnung wurde ein Pflanzgutpreis
von 76 €/dt für zertifiziertes Pflanzgut angesetzt.
Das Vorkeimen des Pflanzgutes ist eine effektive Maßnahme zur Ertragssteigerung und Ernteverfrühung. Die Kartoffel erhält
dadurch einen Wachstumsvorsprung von bis zu 14 Tagen. Dieser Effekt tritt ca. jedes zweite Jahr auf. Im Mittel der Jahre ist mit
Abbildung 27: Werbung für die Ver-
marktung von Ökoprodukten

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10 – 20 % Ertragszuwachs zu rechnen. Die Kosten für das Vorkeimen betragen bis zu 520 €/ha je nach verwendeter Methode.
Betriebswirtschaftliche Vorteile entstehen nicht nur über einen Mehrertrag sondern auch über die frühere Marktpräsenz bei
Pflanzung vorgekeimter Knollen. Die Deckungsbeitragsrechnung wurde ohne Vorkeimen gerechnet.
Besonders auf leichten Böden kann sich auch die Bewässerung betriebswirtschaftlich lohnen. Die Kartoffel gilt als eine der
bewässerungswürdigsten Pflanzen. Nur mit ausreichend Wasser kann sie die Nährstoffe und ihr Wachstumspotenzial optimal
ausnutzen. Sie reagiert mit erheblichen Ertragseinbußen auf Wassermangel speziell in der Phase der Knollenanlage und der
Knollenfüllungsphase. Die Vollkosten für eine Beregnung variieren je nach Methode zwischen 2,80 € und 3,40 € je mm Was-
sergabe. Witterungsabhängig werden 75 – 200 mm Wasser zugeführt. Bei durchschnittlichen Kosten von 400 €/ha reichen
12 dt/ha Mehrertrag im Mittel der Jahre aus, um die Kosten zu decken. Mit Mehrerträgen von 30 % (= 55 dt/ha) kann auf vielen
Standorten gerechnet werden. Außerdem dient die Bewässerung der Qualitätssicherung, und reduziert damit das Ausfallrisiko
durch nicht marktfähige Ware.
Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist die Spritzung mit NeemAzal T/S gegen Kartoffelkäferlarven und der Einsatz von
Kupfer gegen die Erreger der Kraut- und Knollenfäule möglich. Die Wirkstoffkosten können je nach Intensität der Anwendung
bis zu 200 Euro je ha betragen (Tab.11). In der Regel reicht eine Behandlung mit NeemAzal gegen junge Larven der Kartoffel-
käfer aus. Kupferspritzungen erfolgen nach Einschätzung der aktuellen Infektionsgefahr im Bestand vorbeugend. Ein Schutz
kann nur erfolgen, wenn ein Wirkstoffbelag auf den Blättern vorhanden ist und die Infektion verhindert. Die Kupferaufwandmen-
gen bei hohem Infektionsrisiko betragen 500 – 800 g Reinkupfer, bei mittlerem Risiko 200 – 300 g Reinkupfer je ha. Nach Re-
gen und starkem Blattzuwachs müssen die Spritzungen wiederholt werden (siehe Kap. 8). Für die Deckungsbeitragsrechnung
wurden eine Spritzung mit NeemAzal und zwei Spritzungen mit Kupfer eingerechnet.
Tabelle 11: Ausgewählte Kosten für Pflanzenschutzmittel im Ökolandbau
Pflanzenschutzmittel
Preis €/l oder €/kg
2008
2009
2010
2011
Durchschnitt
Aufwand-
menge (max.)
Gesamtpreis
(€/ha)
NeemAzal T/S 4 x 5 l
54,50
55,00
51,30
52,90
53,43
2,5 l/ha
133,57
Kupferoxychlorid 5 kg
(Funguran)
8,50
8,70
9,90
12,10
9,80
2,5 kg/ha
24,50
Kupferhydroxid 2 x 5 l
(Cuprozin Flüssig)
23,50
24,60
23,70
27,40
24,80
2,5 l/ha
62,00
Kupferoktanoat 10 l
(Cueva)
2,90 3,20 3,20 4,40 3,43 8 l/ha 27,44
Quelle: Eigene Erhebungen 2011, LfULG
Kosten der Arbeitserledigung
In die Kosten für die Arbeitserledigung fließen die Gesamtkosten für Maschinen bzw. Geräte und Betriebsstoffe sowie die Kos-
ten für den Personalaufwand ein. Diese Kosten wurden nach der KTBL-Datensammlung für die Betriebsplanung im Ökologi-
schen Landbau (KTBL, 2010) berechnet und sind in Tabelle 12 für die Ertragshöhe von 200 dt/ha aufgeführt. Es fließen die
Arbeitsgänge ein, die für Sachsen als Standardverfahren ausgewählt worden sind. Weitere Arbeitsgänge, die einzelbetrieblich
relevant sein können, sind kursiv dargestellt und müssten dann zu den Gesamtkosten hinzugerechnet werden wie die organi-
sche Düngung in Form von Stallmist oder Gülle. Bei der Nutzung von vorgekeimten Kartoffeln betragen der Arbeitszeitbedarf
6,96 Akh/ha und die gesamten Maschinenkosten 82,80 €/ha.
Die Art und Häufigkeit der Unkrautregulierung können in den Betrieben unterschiedlich sein. In der Regel werden 4 Pflege-
durchgänge durchgeführt, die Kostenunterschiede zwischen den Maßnahmen sind relativ gering. Bei den Pflanzenschutzmaß-
nahmen wurden Maßnahmen gegen die Kraut- und Knollenfäule sowie gegen den Kartoffelkäfer kalkuliert.

50
Tabelle 12: Maschinen- und Verfahrenskosten für den Anbau von Öko-Speisekartoffeln (Parzellengröße 5 ha, Feld-Hof-
Entfernung 2 km, Ertragshöhe 200 dt/ha, 13 €/ha Lohnansatz)
Arbeitsgang
An-
zahl
Arbeits-
zeitbedarf
(Akh/ha)
Maschinenkosten
(€/ha)
fix
variabel
gesamt
Personal-
kosten
(€/ha)
Verfahrens-
kosten ges.
(€/ha)
Maschinen/Geräte
Düngung
Gülle ausbringen,
20 m
3
/ha
Stallmist ausbringen,
200 dt/ha
1
1
2,16
1,61
23,25
31,82
31,54
29,28
54,79
61,11
28,08
20,93
82,87
82,03
Pumptankwagen; 5 m
3
; Schleppschlauch-
verteiler; 7,5 m; 45 kW
Frontlader; Stalldungstreuer; 10 t; 67 kW
Bodenbearbeitung
Grubbern
Pflügen
1
1
0,96
1,67
6,51
16,01
16,63
31,38
23,14
47,39
12,48
21,71
35,62
69,10
Schwergrubber; 2,5 m
Drehpflug; 4 Schare; 1,4 m; angebaut
Bestellung
Pflanzbettbereitung
Kartoffeln legen*
1
1
0,45
1,20
6,36
23,13
9,18
28,18
15,54
51,31
5,85
15,60
21,39
66,91
Saatbettkombination; 4 m
2 Reihen; 2 AK; 0,3 t; Vorrat
Pflege/Pflanzenschutz
Hacken + Striegeln,
2
1,45
1 x VA, 1 x NA
Häufeln 2 1,68
Behandlung mit Neem
1
0,19
Behandlung mit Kupfer 2
0,38
Kraut schlagen
1
1,75
23,09
16,64
5,30
10,60
21,55
19,83
19,64
2,90
5,80
20,57
42,92
36,28
8,20
16,40
42,12
18,85
21,84
2,47
4,94
22,75
61,77
58,12
10,67
21,34
64,87
Hackstriegel; 6,0 m; angebaut
Kartoffelpflegegerät; 4-reihig; angebaut
Anbaupflanzenschutzspritze; 18 m; 1500 l
Krautschläger; 4-reihig; angebaut
Ernte
Kartoffeln roden
Transport
1
1
17,04
0,72
179,50
13,81
105,38
9,63
284,88
23,44
221,52
9,36
506,40
32,80
Sammelroder; 1-reihig; 4 t; 67 kW; 1+2 AK
Dreiseitenkippanhänger; 14 t
Gesamt ohne Lage-
rung, ohne organ.
Düngung (Var. 1)
27,49
322,50
269,12
591,62
357,37
948,99
Einlagerung
1
0,67
1,55
1,87
3,42
8,04
11,46
Hallenfüller; 30t/h
Gesamt mit einfach.
Lagerung (Var. 2)
28,16
324,05
270,99
595,04
366,08
961,12
Sortieranlage*
1
-
-
220
-
-
220
Kosten von 5 - 17 €/t (11 € angesetzt)
Lagerung*
1
5,55
801,75
66,75
868,50
72,15
940,65
Kistenlager; 500 t; Raumbelüftung
Gesamt mit Kisten-
lagerung/Sortierung
(Var. 3)
33,04
1124,25
555,87
1460,1
429,52
2109,64
* Parameter wurden vom konventionellen Anbau übernommen
Die gesamten Verfahrenskosten in Abhängigkeit von der Art der Lagerung betragen für die Varianten:
1: Verkauf ab Hof zur Ernte, unsortiert:
948,99 €/ha
2: Verkauf ab Hof, unsortiert aus einfachem Flach-Lager:
961,12 €/ha
3: Verkauf ab Hof, sortiert aus Kistenlager mit Belüftung:
2109,64 €/ha.
Weiterhin werden verschiedene Lagerungsmöglichkeiten dargestellt. Die Variante 1 erfasst dabei den Verkauf nach der Ernte
ohne Lagerung und Sortierung. Die Variante 2 zeigt die Kosten einer einfachen Zwischenlagerung in der Halle, während Varian-
te 3 die Sortierung in einer Sortieranlage und eine Kistenlagerung mit Belüftung beinhaltet. Die Verfahrenskosten der Variante 3
liegen deutlich höher als bei den anderen Varianten, so dass Mehrerlöse bei der Vermarktung von mindestens 7,18 €/dt gegen-

51
über der einfachen Lagerung notwendig werden. Aber nur ein optimal eingerichtetes Lager erlaubt die Beschickung des Mark-
tes über mehrere Monate mit Speisekartoffeln in guter Qualität.
Wirtschaftlichkeit des Anbauverfahrens
Für die ökonomische Bewertung des Kartoffelanbaus wurden in der Deckungsbeitragsrechnung Erträge von 150 – 250 dt/ha
und ein durchschnittlicher Erzeugerpreis von 33,00 €/dt angenommen. Die Entwicklung der mittleren Erzeugerpreise an den
Großhandel von 2005 – 2010 zeigt Tabelle 13. Es muss darauf verwiesen werden, dass es sich um Durchschnittswerte inner-
halb der Jahre und über verschiedene Sorten handelt. Einzelne Sorten zeigen wiederum Preisschwankungen z. B. im Laufe des
Jahres 2010 für lose Ware von 0,30 – 0,61 €/kg. Jahre mit hohen Erzeugerpreisen werden hervorgerufen durch ein knappes
Angebot aufgrund einer geringen Ernte oder einem hohen Anteil an nicht vermarktungsfähiger Ware durch Qualitätsmängel. Bei
einer ertragreichen Ernte und guter Qualität sinken die Preise wieder, so dass die Markterlöse für die gesamte Ware meistens
im mittleren Bereich liegen. Aus diesem Grund wurde der Erzeugerpreis relativ niedrig angesetzt. Bei einer Vermarktung an den
Naturkosthandel oder direkt an den Endverbraucher können auch noch höhere Preise erzielt werden. Bei diesem Handelsweg
stehen meistens kleinere Mengen einem hohen Vermarktungsaufwand gegenüber. Insgesamt lassen sich jedoch wirtschaftlich
lohnende Verfahren für flächenmäßig kleine bis sehr große Produktionseinheiten individuell entwickeln.
Tabelle 13: Durchschnittliche jährliche Erzeugerpreise an Großhandel/Packer für Biokartoffeln
Speisekartoffeln*
Durchschnitt
Verpackung
2005
(€/kg)
2006
2007
2008
2009
2010
alle Sorten
12,5 kg gesackt
0,46
0,59
0,71
0,70
0,61
0,69
alle Sorten
2 – 5 kg gesackt
0,58
0,64
0,78
0,87
0,70
0,65
alle Sorten
Lose
0,28
0,48
0,56
0,51
0,36
0,47
fk. Sorten
12,5 kg gesackt
0,47
0,62
0,71
0,70
0,62
0,68
fk. Sorten
Lose
0,28
0,49
0,56
0,51
0,35
0,48
vfk. Sorten
12,5 kg gesackt
0,44
0,59
0,69
0,69
0,58
0,72
vfk. Sorten
Lose
0,28
0,48
0,56
0,50
0,37
0,45
mk. Sorten 12,5 kg gesackt 0,48 0,58 0,73 0,72 0,59 0,69
* fk. = festkochend, vfk .= vorwiegend festkochend, mk. = mehligkochend
Quelle: AMI (2011)
Die Deckungsbeiträge (Tab. 14) werden neben dem Preis am stärksten durch die Ertragshöhe beeinflusst. Planungsdaten unter
der Rubrik Betriebsplanung zeigen die erzielbaren Deckungsbeiträge differenziert nach Leistungsniveaus der Produktionstech-
nik unter
http://www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/268.htm.
Für die Vollkostenbetrachtung müssen die Flächenkosten (Pacht, Grundsteuer, Berufsgenossenschaft) und die Gemeinkosten
(Leitung, Verwaltung, Beiträge Versicherung) in der Größenordnung von durchschnittlich 400 – 500 €/ha ergänzt werden. Diese
Kosten sind betriebsspezifisch und es bestehen daher große Schwankungsbreiten. Auf der Erlösseite stehen noch die Aus-
gleichszahlung für die ökologische Erzeugung für die Umstellung (erstes und zweites Jahr) Acker- und Grünland von 324 €/ha
und ab dem dritten Jahr von 204 €/ha für einen Verpflichtungszeitraum von 5 Jahren. Um die finanzielle Förderung zu erhalten
muss der gesamte Betrieb nach den Bestimmungen der EU-Öko-Verordnung wirtschaften.

52
Tabelle 14 : Kalkulation Deckungsbeitrag ohne Prämien
Leistungen
Verfahren mit einfacher Zwischenlagerung
Ertrag
Ertrag Speisekartoffeln
Ertrag Futterkartoffeln
Erlös Marktware
Erlös Futterware
80 %
20 %
33 €/dt
5 €/dt
dt/ha
dt/ha
dt/ha
€/ha
€/ha
150
120
30
3960
150
200
160
40
5280
200
250
200
50
6600
250
Leistung
€/ha
4110
5480
6850
Pflanzkartoffel 25 dt/ha (100% zertifizier-
tes Pflanzgut)
Pflanzenschutzmittel
Düngung
Versicherung
76 €/dt
€/ha
€/ha
€/ha
€/ha
1900
196
34
1900
196
37
1900
196
43
Summe Direktkosten
Variable Maschinenkosten
€/ha
€/ha
2130
265
2133
271
2139
281
Variable Kosten
€/ha
2395
2404
2420
Deckungsbeitrag 1
€/ha
1715
3076
4430
Deckungsbeitrag 1/dt
€/dt
11,4
15,4
17,7
Arbeitskraftbedarf
Lohnansatz
Lohnkosten
Akh/ha
€/Akh
€/ha
27,6
13
359
28,2
13
366
28,7
13
373
Deckungsbeitrag 2
€/ha
1356
2710
4057
Deckungsbeitrag 2/Akh
€/Akh
98,9
96,2
141,4
Fixe Maschinenkosten
€/ha
324
324
324
Deckungsbeitrag 3
€/ha
1032
2386
3733
Deckungsbeitrag 3/dt
€/dt
6,8
11,9
14,9
Quelle: Datensammlung Ökologischer Landbau für die Betriebsplanung (KTBL. 2010)

53
13 Pflanzguterzeugung
Nach der EU-Verordnung (EG)834/2007 ist die Verwendung von ökologisch erzeugtem Saatgut und vegetativem Vermeh-
rungsmaterial vorgeschrieben. Diese Regelung gilt auch für den Kartoffelanbau. Weiterhin bestehen für den Pflanzkartoffelan-
bau noch einige fachliche Besonderheiten.
Oberstes Gebot der Pflanzguterzeugung im Kartoffelanbau ist die Verhinderung einer Infektion der Knollen mit Viruskrankheiten
(siehe Kap. 8). Virosen bewirken einen fortschreitenden irreversiblen Leistungsabbau, der sich mit jedem Nachbau potenziert.
Diese Erscheinung ist unter dem Begriff „Viröser Abbau“ bekannt. Das Y-Virus ist mit einem Anteil von 90 % die wichtigste
Viruserkrankung.
Damit ausgeschlossen werden kann, dass virös infiziertes Pflanzgut auf den Markt gelangt, muss die als Pflanzgut vorgesehene
Partie von einer Anerkennungsstelle geprüft werden. Hier wird mittels des ELISA-Tests der prozentuale Befallsgrad der Partie
mit Virosen bestimmt. Anschließend wird das Pflanzgut der entsprechenden Güteklasse zugeordnet bzw. bei zu starkem Befall
vom Verkauf als zertifiziertes Pflanzgut ausgeschlossen. Aberkannte Ware kann lediglich als Speiseware - und damit zu niedri-
geren Preisen - abgesetzt werden.
Der Hauptüberträger von Viruskrankheiten ist die Grüne Pfirsichblattlaus (
Myzus persicae
). Auch andere Blattlausarten können
gelegentlich Überträger sein, haben jedoch als Vektor nur in einzelnen Jahren größere Bedeutung. Im Entwicklungsablauf der
Pfirsichblattläuse bestimmen der Zeitpunkt des Abfluges der geflügelten Blattlausgenerationen (Migranten) vom Winterwirt so-
wie der Beginn und die Stärke des Sommerfluges das Ausmaß der Virusverbreitung. Beide Entwicklungsabschnitte werden
durch die Klima- und Witterungsverhältnisse am jeweiligen Standort gesteuert und bestimmen die Eignung eines Standortes zur
Pflanzguterzeugung. Eine wirkungsvolle Verhinderung von Viruskrankheiten, so auch im konventionellen Anbau, kann daher
nur in Gebieten mit einem geringen Blattlausauftreten erfolgen.
Wahl des Standortes
Für den Anbau von Pflanzkartoffeln sind Gesundlagen zu bevorzugen:
Höhenlagen eignen sich aufgrund ihrer für Blattläuse widrigen klimatischen Bedingungen oftmals gut für die Pflanzgut-
erzeugung. Allerdings kann der zeitlich verlagerte Vegetationsbeginn neben einem verzögerten Besiedlungsbeginn
durch die Blattläuse auch zu einem verspäteten Pflanztermin führen.
Flurstücke in freier, dem Wind ausgesetzter Lage zeigen geringere Befallsflüge als benachbarte Tallagen oder Mulden.
Zu meiden sind Standorte vor natürlichen Hindernissen in Hauptwindrichtung (z. B. Höhenzüge, Waldgebiete), da hier
böige Winde besonders starke Ablagerungen geflügelter Blattläuse zulassen.
Nahe Überwinterungsmöglichkeiten bedingen einen früheren und stärkeren Befall und sind deshalb zu meiden. Über-
wintern können die Läuse in Hecken, Rübenmieten, Kellern und in Gewächshäusern sowie im Freien vor allem an ü-
berwinternden
Brassica
-Arten, wenn die Temperaturen nicht unter -10 °C sinken.
Die Nähe von Speisekartoffelschlägen ist ebenfalls ungünstig, da diese einen Infektionsherd darstellen.
Lückige Pflanzenbestände werden von den Läusen stärker befallen, deshalb sollte
ein dichter Pflanzenbestand durch geringe Pflanzabstände angestrebt werden (ca. 50.000 Pflanzen/ha)
das Feld möglichst quadratisch angelegt werden, um den Anteil an Randpflanzen zu minimieren
der Anteil an besonders gefährdeten Randpflanzen gesondert geerntet und als Speiseware veräußert werden.
Sortenwahl
Die zu bevorzugende Sorte sollte folgenden Ansprüchen genügen:
Der Landwirt hat mit der Sorte bereits im Speisekartoffelanbau an seinem Standort gute Erfahrungen gemacht.
Der Absatz muss gesichert sein z. B. in Form einer Kooperation mit der Züchtungsfirma.
Die Sorte sollte sich durch eine hohe Virusresistenz in Verbindung mit einer geringen Virustoleranz auszeichnen.
Virusresistente Sorten werden seltener befallen. Tolerante Pflanzen dagegen werden zwar befallen, zeigen aber keine oder nur
schwache Symptome und sind damit schwerer erkennbar. Dies kann zu hohen Aberkennungsraten führen. Im Gegensatz zur
Resistenz sind Aussagen zur Toleranz nicht in der obligaten Sortenbeschreibung enthalten. Eine Rücksprache mit dem Züchter
ist anzuraten.

54
Pflanzknollengröße
Die Pflanzknollengröße wirkt bestimmend auf die Sortierung des Erntegutes. Aus großen Pflanzknollen wird gewöhnlich kleiner
fallendes Erntegut erzeugt und umgekehrt. Um folglich kleinfallendes Pflanzgut zu erzeugen, muss großfallendes Basispflanz-
gut verwendet werden. Die Sortierung des Erntegutes kann weiterhin durch die Variation von Pflanzabstand und Erntetermin
beeinflusst werden. Sollen großfallende Sorten vermehrt werden, ist eine Pflanzendichte von mindestens 50.000 Pflanzen je ha
zu wählen. Haben die Knollen Pflanzgutgröße erreicht, kann das Knollenwachstum durch Krautschlagen beendet werden (Pro-
berodung!).
Selektion
Pflanzkartoffeln müssen von sekundär infizierten Pflanzen (über die Pflanzknollen) konsequent und frühzeitig bereinigt werden.
Das Virus wird sonst von den Blattläusen durch Saugen an viruskranken Kartoffelblättern aufgenommen. Danach ist eine sofor-
tige Virusübertragung der nicht persistenten Viren (Y und A) mit weiteren Stichen möglich, jedoch verliert das Insekt nach eini-
gen Stunden seine Infektionsfähigkeit wieder. Die Weitergabe persistenter Viren (z. B. Blattrollvirus) kann erst nach einer ge-
wissen Latenzzeit im Vektor (ca. 24 – 36 h) erfolgen. Virusinfizierte Pflanzen sind für die Läuse „schmackhafter“ und die Auf-
nahme des Virus wird dadurch forciert.
Folgende Aspekte müssen beachtet werden, um einen guten Selektionserfolg zu erzielen:
Weil je nach Witterung der Flug der Blattläuse bereits Ende Mai einsetzen kann, müssen alle Maßnahmen zur Verfrü-
hung des Bestandes (Vorkeimen, frühe Pflanzung) ausgenutzt werden, damit viele viruskranke Pflanzen erkannt wer-
den (je größer die Pflanze, desto deutlicher die Symptomausprägung).
Der erste Selektiervorgang sollte bei 10 – 15 cm Wuchshöhe durchgeführt und dann in kurzen Abständen mindestens
2x von Fachkräften wiederholt werden. Die entstehenden Mehrkosten werden durch bessere Anerkennungsraten aus-
geglichen.
Es müssen sämtliche verdächtige Pflanzen samt Knollenansatz radikal entfernt werden. Der Abtransport muss in ei-
nem läusedichten Behälter erfolgen.
Die Morgen- bzw. Abenddämmerung ist gut geeignet. Grelles Licht sollte dagegen vermieden werden, da Farbnuancen
dann schwerer zu unterscheiden sind.
Weil sich die Infektion nesterförmig und vor allem in Reihenrichtung ausbreitet, erscheint es sinnvoll, die Nachbarn von
befallenen Pflanzen ebenfalls zu entfernen.
Verhinderung der Virusabwanderung in die Knollen
Die stärkste Verbreitung von Virosen erfolgt während des Sommerfluges der Blattläuse, der etwa Mitte Juli einsetzt. Die Ab-
wanderung des übertragenen Virus vom Blatt in die Knolle erfolgt etwa 10 – 14 Tage nach der Infektion. Um dies zu verhindern,
muss der Infektionsweg vom Blatt zur Knolle unterbrochen werden. Ab einer Schadensschwelle von 80 – 100 Läusen pro 100
Blatt muss das Kraut mechanisch oder thermisch abgetötet werden. Die Rodung darf erst nach Verkorkung der Schalen erfol-
gen.
Ernte und Lagerung
Weil Pflanzknollen früh geerntet und ohne Qualitätsbeeinträchtigungen bis ins folgende Frühjahr gelagert werden sollen, müs-
sen sie besonders schonend geerntet und sortiert werden. Die Nutzung eines klimatisierten Lagers, in dem optimale Tempera-
tur- und Feuchtewerte (6 °C, mind. 90 % Luftfeuchte) eingehalten werden, ist unumgänglich. Keinesfalls dürfen keimhemmende
Mittel während der Lagerung zur Anwendung kommen, da die Keimfähigkeit im Frühjahr beeinträchtigt werden könnte. Die
Mitnutzung von nichtbegasten konventionellen Großlagern ist in Betracht zu ziehen.
Anerkennungsverfahren
Pflanzkartoffeln dürfen zu gewerblichen Zwecken nur in Verkehr gebracht werden, wenn sie anerkannt sind. Das Verfahren ist
in der Pflanzkartoffelverordnung (PflKartV) geregelt und beginnt mit der Anmeldung des Vermehrungsvorhabens bei der nach
Landesrecht zuständigen Stelle. In dem Bundesland, in deren Territorium das Pflanzgut aufwächst, muss die Anmeldung
erfolgen. Anerkennungsstelle für Sachsen:
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Waldheimer Str. 219, 01683 Nossen
Telefon: 035242 631-7306

55
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Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
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Schaerff, Birgit Pölitz
Abteilung Pflanzliche Erzeugung
Fotos:
LfULG (Dr. Wolfgang Karalus Titelbild, S. 5 – Abb. 2, S. 7, 20, 21, 31, 32, 39, 42 - 46;
Dr. Michael Grunert S. 23, 28, 37; Anja Schmidt S. 17; Dr. Hartmut Kolbe S. 10)
www.oekolandbau.de
(S. 5 – Abb. 1 u. 3, S. 13, 25, 48)
Redaktionsschluss:
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