isw Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung gemeinnützige Gesellschaft mbH
Begleitende Evaluierung
für den Europäischen Sozialfonds
im Freistaat Sachsen 2007-2013
Bericht zur Programmevaluierung
der Prioritätsachse E
Projektleitung:
Dipl. Ök. Gerald Wagner
wagner@isw-institut.de
Tel. (0345) 52 13 60
Halle (S.), 26.03.2010

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Programmevaluierung der Prioritätsachse E
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1
Gliederung
Tabellenverzeichnis ................................................................................................................ 2
Abbildungsverzeichnis........................................................................................................... 2
Verzeichnis der Übersichten.................................................................................................. 2
Abkürzungsverzeichnis.......................................................................................................... 3
Zusammenfassung ................................................................................................................. 5
Executive summary ................................................................................................................ 9
1. Untersuchungskonzept .................................................................................................. 13
1.1. Einordnung der Untersuchung in das Gesamtkonzept der begleitenden
Evaluierung für den ESF in Sachsen....................................................................... 13
1.2. Methodisches Vorgehen im Überblick ..................................................................... 14
1.3. Bewertungsfragen .................................................................................................... 15
1.4. Daten- und Informationsgrundlagen ........................................................................ 15
2. Entwicklung der sozioökonomischen Rahmenbedingungen für die Umsetzung
der Prioritätsachse E des OP......................................................................................... 17
2.1. Der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger...................................................................... 17
2.2. Der Ausbildungsmarkt.............................................................................................. 18
2.3. Auslandspraktika für Auszubildende........................................................................ 20
2.4. Fazit .......................................................................................................................... 21
3. Bewertung der strategischen Ausrichtung der PA E ................................................. 22
3.1. Grundsätzliche Orientierungen des OP................................................................... 22
3.2. Finanzielle Vorgaben des OP für die Umsetzung der PA E.................................... 23
3.3. Quantifizierte Ziele und Indikatoren für die PA E .................................................... 24
3.4. Bewertung ................................................................................................................ 25
4. Bewertung der Programmdurchführung...................................................................... 27
4.1. Umsetzung der strategischen Ziele des OP in konkrete Fördermaßnahmen......... 27
4.2. Vollzugsanalyse ....................................................................................................... 28
4.2.1. Aktueller Stand der Umsetzung der Maßnahmen der PA E ....................... 28
4.2.2. Verzögerungen bei der Umsetzung: Ursachen und Perspektiven............ 31
5. Analyse und Bewertung der Ergebnisse, Wirkungen und Effizienz......................... 35
5.1. Schätzungen zum Wirkungspotenzial der ESF-Fördermaßnahmen der PA E....... 35
5.2. Ergebnisse und Wirkungen einzelner Fachprogramme.......................................... 38
5.2.1. Auslandsaufenthalte von Berufsfachschülern ............................................. 39
5.2.2. Betriebsnahe Ausbildungsplätze – transnational ........................................ 41
5.3. Realisierung der im OP quantifizierten Ziele für die PA E....................................... 42
5.4. Beitrag der PA E zur Unterstützung der Querschnittsziele des ESF ...................... 45
5.5. Effizienzbetrachtung................................................................................................. 46
6. Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen................................................... 47

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2
Tabellenverzeichnis
Tab. 1
Eckdaten zur Arbeitsmarktentwicklung in Sachsen insgesamt und für
Jüngere (2004-2008)..........................................................................................17
Tab. 2
Eckdaten zur Entwicklung des Ausbildungsmarktes in Sachsen
(2006/07 bis 2008/09) ........................................................................................18
Tab. 3
Verteilung der ESF-Mittel der PA E nach Interventionsbereichen ....................23
Tab. 4
Überblick über Projekte der PA E, Stand 30.9.2009 .........................................29
Tab. 5
Überblick über die finanzielle Umsetzung der PA E, Stand 30.9.2009.............30
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1
Umsetzungsstand der Prioritätsachse E und der zugehörigen
Vorhabensbereiche per 30.9.2009 (in %, Zielvorgaben 2013 = 100) ...............31
Abb. 2
Bewertung der Auswirkungen des Auslandspraktikums auf die
Entwicklung persönlicher Kompetenzen der Teilnehmer:
Selbsteinschätzung der Schüler und Fremdeinschätzung der Lehrer
im Vergleich........................................................................................................40
Verzeichnis der Übersichten
Übersicht 1
Überblick über die Zielindikatoren des OP für die PA E..............................24
Übersicht 2
Zusammenfassende Bewertung der Zielindikatoren der PA E ...................25
Übersicht 3
Vorhabensbereiche und Fördergegenstände der PA E ..............................27
Übersicht 4
Ziele und Referenzgrößen für Fördermaßnahmen der PA E......................36
Übersicht 5
Überblick über die Zielindikatoren des OP für die PA E und
zugeordneten Fördergegenständen gemäß VKS (Stand
19.9.2008) ....................................................................................................44

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3
Abkürzungsverzeichnis
AG
Projektstatus: abgeschlossen
ALG
Arbeitslosengeld
APO
Ausbildungsprogramm Ost
BA
Bundesagentur für Arbeit
BAFA
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
BG
Bedarfsgemeinschaft
BGJ
Berufsgrundbildungsjahr
BIP
Bruttoinlandsprodukt
BMBF
Bundesministerium für Bildung und Forschung
BVJ
Berufsvorbereitungsjahr
EBS
Europäische Beschäftigungsstrategie
EF
ESF-Einsatzfeld
ESF
Europäischer Sozialfonds
FG
Fördergegenstand
GISA
Gemeinschaftsinitiative Sachsen (zur Bereitstellung zusätzlicher Ausbildungs-
plätze)
GRW
Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“
HJ
Halbjahr
IAB
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit
ILEK
Integrierte Ländliche Entwicklungskonzepte
ISCED
International Standard Classification of Education
isw
Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung
IuK
Informations- und Kommunikationstechnik
KfW
Kreditanstalt für Wiederaufbau
LEP
Landesergänzungsprogramm (des Freistaats Sachsen zur Bereitstellung
zusätzlicher Ausbildungsplätze)
LuF
Land- und Forstwirtschaft
NSRP
Nationaler Strategischer Rahmenplan
OP
Operationelles Programm
PA
Prioritätsachse
PE
Personalentwicklung

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Q
Quartal
QSZ
Querschnittsziel
RD
Regionaldirektion (der Bundesagentur für Arbeit)
RL
Richtlinie
SAB
Sächsische Aufbaubank – Förderbank –
SGB
Sozialgesetzbuch
SMF
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
SMK
Sächsisches Staatsministerium für Kultur
SMS
Sächsisches Staatsministerium für Soziales
SMWA
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit
TAURIS
Initiative „Tätigkeiten und Aufgaben: Regionale Initiativen in Sachsen“
TN
Teilnehmer
ÜLU
Überbetriebliche Lehrunterweisung
VB
Verwaltungsbehörde
VFP
Vorhabensfinanzierungsplan
VGN
Projektstatus: Verwendungsnachweis geprüft
VKS
Verwaltungs- und Kontrollsystem
WB
Weiterbildung

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5
Zusammenfassung
Förderstrategie
In der hier untersuchten Prioritätsachse E des Operationellen Programms werden Qualifizie-
rungsmaßnahmen mit transnationaler Ausrichtung gefördert. Sachsen hat von allen deut-
schen Bundesländern, die ESF-Programme im Ziel „Konvergenz“ umsetzen, die umfang-
reichsten Förderaktivitäten in der PA E geplant. Die vergleichsweise hohe finanzielle Ge-
wichtung der PA E kann mit der Lage des Freistaats in Nachbarschaft zu Polen und Tsche-
chien und den Bemühungen um Intensivierung der transnationalen Zusammenarbeit auch im
Bereich der Humanressourcen plausibel begründet werden. Mit Blick auf die vollständige
Arbeitnehmerfreizügigkeit, die für die östlichen Nachbarn Sachsens ab 2011 gelten wird,
erscheinen entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten für sächsische Unternehmen und
Beschäftigte begründet.
Praktisch fokussiert die Förderung transnationaler Maßnahmen im sächsischen OP auf den
Bereich der Erstausbildung (Schule, Berufsausbildung, Studium) und korrespondiert damit
mit den Zielen der PA B. Zwar benennt das OP als Ziele auch die Förderung des transnatio-
nalen Erfahrungsaustausches im Rahmen der beruflichen Weiterbildung und bietet somit
Anknüpfungspunkte sowohl für Fördermaßnahmen im Bereich der beruflichen Weiterbildung
für Erwerbstätige (PA A) als auch für Arbeitslose (PA C). In der Förderpraxis spielen diese
Bereiche jedoch keine Rolle.
Bewertung der Durchführung
Die Mittelbindung ist in der Prioritätsachse E bereits weit vorangeschritten. Aus den Daten
des finanziellen Monitoring per Ende September 2009 und zusätzlichen Informationen lässt
sich ein Bewilligungsstand von knapp 50 % des für den gesamten Programmzeitraum ge-
planten Förderbudgets schätzen. Um das Förderangebot für transnationale Maßnahmen bis
zum Ende der Förderperiode im Jahr 2013 aufrecht erhalten zu können, sind demzufolge
Entscheidungen im Hinblick auf künftige Prioritätensetzungen erforderlich.
Bei Betrachtung einzelner Vorhabensbereiche und Fördergegenstände stellen sich die Um-
setzungsfortschritte sehr unterschiedlich dar. Die fortgeschrittene Mittelbindung der PA E
insgesamt wird im Wesentlichen durch zwei der insgesamt acht Fördergegenstände getra-
gen (Auslandspraktika für Berufsfachschüler, Zusätzliche betriebsnahe Ausbildungsplätze
mit Auslandspraktika – LEP trans).
Umsetzungsdefizite gibt es bei Maßnahmen, bei denen
-
Unternehmen als Träger der dualen Ausbildung Adressaten des Förderangebots sind
(Auslandsaufenthalte sächsischer Auszubildender, Interkulturelle und Sprachkompe-
tenzen);
-
Kleinstmaßnahmen aus dem ESF finanziert werden sollen, die bisher für die zustän-
digen Ressorts keine Umsetzungspriorität hatten (Sprachkurse Tschechisch und Pol-
nisch für Lehrer, transnationale Bildungsprojekte des SMUL, transnationale Studien-
abschlussstipendien des SMWK).

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Mit einer Beschleunigung des Förderprozesses ist in diesen Bereichen nach Einschätzung
der Evaluatoren kurzfristig nicht zu rechnen. Lediglich bei den geplanten Sprachkursen für
Lehrer ist bereits im Jahr 2010 ein deutlicher Fortschritt der Mittelbindung zu erwarten.
Erreichung der Zielvorgaben des OP
Im OP ist für die Prioritätsachse E als Outputindikator ein Zielwert von jährlich 1.200 Perso-
nen festgelegt, die an transnationalen Maßnahmen teilnehmen. Die Zahl der Auslandsprakti-
ka von Azubi soll damit gegenüber dem für 2005 ermittelten Basiswert etwa verdreifacht
werden.
Die Zahl der bisher registrierten Teilnehmereintritte in den Fördergegenständen, die für die
Bewertung der Zielerreichung relevant sind, beläuft sich auf rd. 450 Personen. Bezogen auf
die Zielvorgabe für den gesamten Förderzeitraum errechnet sich daraus ein Stand der Zieler-
reichung von rd. 5 %. Unter Hinzurechnung der Zahl der Teilnehmer an Auslandspraktika für
Berufsfachschüler, die von den Evaluatoren empfohlen wird, würde der Zielerreichungsgrad
bei 12,5 % liegen.
Damit ist einzuschätzen, dass trotz relativ fortgeschrittener finanzieller Umsetzung auf Ebene
der PA E insgesamt der angestrebte Teilnehmer-Zielwert erst zu einem geringen Teil erreicht
wurde. Ursache hierfür sind vor allem die geringen bzw. bisher fehlenden Umsetzungsfort-
schritte bei den Fördergegenständen „Auslandsaufenthalte sächsischer Jugendlicher“ und
„Interkulturelle und Sprachkompetenzen“, die nach den Planungen den mit Abstand gewich-
tigsten Beitrag zur Erreichung des Teilnehmerziels leisten sollen.
Nur wenn hier eine deutliche Verstärkung der Förderaktivitäten gelingt, besteht realistisch die
Möglichkeit, die in den Förderkonzeptionen festgelegten Teilnehmerziele bis zum Ende der
Förderperiode noch zu erreichen. In jedem Fall erscheint eine Anpassung des OP-Zielwertes
an den aktuellen Stand der operationellen Planungen erforderlich.
Bewertung von Ergebnissen und Wirkungen, Schlussfolgerungen
Signifikante Umsetzungsfortschritte waren zum Untersuchungszeitpunkt erst für zwei der
insgesamt 8 Fördergegenstände der PA E zu verzeichnen (siehe oben). Auch für diese bei-
den Fördergegenstände liegen aufgrund der Laufzeit der Einzelvorhaben noch keine belast-
baren Daten über nachhaltige Wirkungen wie dem Verbleib der Teilnehmer nach Maßnah-
meende, Eingliederungseffekte in den Arbeitsmarkt etc. vor. Unter dem Gesichtspunkt der
Wirksamkeit der Maßnahmen kann die Evaluierung zum gegenwärtigen Zeitpunkt daher nur
vorläufige Einschätzungen treffen.
Das ESF-Angebot zur Förderung von Auslandspraktika für Berufsfachschüler fügt sich nach
Einschätzung der Evaluatoren schlüssig in die Strategie des Freistaats Sachsen ein, Jugend-
lichen bereits während der Ausbildung die Möglichkeit des Erwerbs arbeitsmarktrelevanter
Auslandserfahrungen zu eröffnen. In den für die Förderung in Frage kommenden Ausbil-
dungsrichtungen sind fremdsprachliche und interkulturelle Kompetenzen von großer Bedeu-
tung für die Beschäftigungsfähigkeit der Jugendlichen und beeinflussen die Chancen für ei-
nen erfolgreichen Berufsstart in hohem Maße positiv. Insofern ist das Förderangebot als

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sinnvoll und zweckmäßig einzuschätzen. Soweit dies nach dem aktuellen Stand der Pro-
grammdurchführung beurteilt werden kann, werden die Ziele der Förderung – deutliche Ver-
besserung der sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen der Teilnehmer sowie ausbil-
dungsadäquate Berufseinmündungen – erreicht.
Mit Blick auf diese zentralen Ergebnisse kann das Förderangebot als effektiv eingeschätzt
werden. Die Evaluatoren empfehlen eine Fortsetzung bis zum Ende des Förderzeitraums.
Die mehrwöchigen Auslandspraktika im Rahmen der Förderung zusätzlicher betriebsnaher
Ausbildungsplätze für marktbenachteiligte Jugendliche (LEP trans) tragen nach ersten Ein-
schätzungen vor allem zur Entwicklung von Sozialkompetenz bzw. soft skills der Azubi bei.
Sie erscheinen daher grundsätzlich geeignet, die Übergangschancen der Zielgruppe an der
2. Schwelle zu erhöhen. Dieser Wirkungszusammenhang ist allerdings gegenwärtig noch
nicht anhand von Daten empirisch belegbar oder gar quantifizierbar. Er kann lediglich durch
Plausibilitätsbetrachtungen hergeleitet und begründet werden.
Die vorliegenden Bewertungsergebnisse sprechen dafür, die Förderung von Auslandsprakti-
ka auch für die Zielgruppe marktbenachteiligter Auszubildender zukünftig fortzusetzen. Prob-
lematisch erscheint jedoch das gewählte Umsetzungsmodell: Die bisherige Konzentration
der Aktivitäten auf ein besonderes Landesprogramm, in dem nur ein kleinerer Teil der Ziel-
gruppe das Angebot der Auslandspraktika nutzen kann, ist nicht optimal. Sie beschränkt die
gebotene Flexibilität und Zielgenauigkeit bei der Umsetzung des Förderangebots und führt
so zu Effizienz- und Anreizverlusten. Daher sollten zukünftig neue Umsetzungsstrukturen für
das Förderangebot entwickelt werden.
Die übrigen Fördergegenstände der PA E können aufgrund der bisher geringen Umset-
zungsfortschritte gegenwärtig nur unter dem Gesichtspunkt der potenziellen Wirksamkeit
beurteilt werden. Legt man die Daten aus der Programmplanung und den Förderkonzeptio-
nen der Fachressorts zugrunde, dann ist das Wirkungspotenzial der Fördergegenstände
Bildungsprojekte, Studienkonzepte im Agrarsektor sowie im Bereich der Forstwirt-
schaft, ländlichen Entwicklung und Umwelt (FG 9091) und
Transnationale Studienabschlussstipendien (FG 9628)
als relativ gering einzuschätzen. Bei beiden Programmen liegt dies an der geringen Finanz-
ausstattung, beim SMUL-Programm zusätzlich an dem sehr breiten Zielgruppenspektrum.
Aus ihren Bewertungen leiten die Evaluatoren für diese Fördergegenstände folgende Hand-
lungsempfehlungen ab:
Bzgl. der Förderung von Sprachkursen für Lehrer wird angeregt, die Erfahrungen bei
der Teilnehmergewinnung für die im Jahr 2010 beginnenden Maßnahmen zu nutzen,
um den Bedarf an weiteren Kursen künftig genauer einzuschätzen und das ESF-
Angebot ggf. bedarfsgerecht weiter zu entwickeln.

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Um das Angebot zur Förderung transnationaler Studienabschlussstipendien effektiv
umzusetzen, ist nach Einschätzung der Evaluatoren eine gezielte Informationsoffen-
sive an geeigneten Hochschulstandorten in den Nachbarstaaten erforderlich. Eine
solche Informationstätigkeit sollte von Seiten des SMWK in Abstimmung mit den
sächsischen Hochschulen zügig initiiert werden.
Für ein spezielles ESF-Angebot zur Förderung transnationaler Maßnahmen im
Agrarsektor sowie im Bereich der Forstwirtschaft, ländlichen Entwicklung und Umwelt
besteht nach Einschätzung der Evaluatoren unter den gegebenen Rahmenbedingun-
gen (Interessenlage der Antragsteller, Fördermöglichkeiten in anderen Programmen)
kein signifikanter Bedarf.
Um die Umsetzung der Angebote zur Förderung von Auslandsaufenthalten sächsi-
scher Auszubildender sowie zur Vermittlung interkultureller und Sprachkompetenzen
zu forcieren, wurde Ende 2009 ein Netz von Beratungsstellen eingerichtet. Die Wirk-
samkeit dieser Unterstützungsstruktur sollte zeitnah – gegen Ende des Jahres 2010 –
überprüft werden.
Das im ESF-OP angesprochene Thema der Arbeitnehmerfreizügigkeit hat bei der Umset-
zung der PA E bisher keine Rolle gespielt. Einerseits hat die Bundesregierung ihre Position
gegen eine Verkürzung der Übergangsfristen mit der Gefahr schwerwiegender Störungen
des deutschen Arbeitsmarktes begründet. Andererseits sind die bisherigen Übergangsfristen
nach Einschätzung der Evaluatoren nur wenig genutzt worden, um Unternehmen und Arbeit-
nehmern gezielt auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit vorzubereiten.
Vor diesem Hintergrund empfehlen die Evaluatoren, den Unterstützungsbedarf von Unter-
nehmen und Arbeitgebern in Sachsen im Hinblick auf die ab Mai 2011 geltende volle Arbeit-
nehmerfreizügigkeit systematisch zu untersuchen und im Ergebnis ggf. geeignete Unterstüt-
zungs- und Förderangebote zu entwickeln.

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Executive summary
Strategy
Priority axis E of the Operational programme (OP) comprises training measures with transna-
tional focus. In this respect, Saxony has foreseen the most comprehensive array of activities
among all German länder having set up ESF programmes under the “convergence” objec-
tive. This is mainly due to the fact that Saxony has fostered activities on transnational coop-
eration in the field of human resources development with its neighbors Poland and Czech
Republic. With view on the full freedom of movement for workers for its eastern neighbors
which will come into power by 2011, supporting mechanisms for Saxon companies and em-
ployees seem to be appropriate.
In practical terms, these transnational measures foreseen in the OP focus on the field of ini-
tial training (school, vocational training, academic studies) and therefore corresponds with
the aims of priority axis B (PA B). The OP also indicates the fostering of transnational ex-
change of experience within the framework of advanced vocational training. This may give
some links to both measures within the field of professional training for employees (PA A) as
well as jobless people (PA C) but in practical terms these are rather non-relevant.
Evaluation of implementation
Implementation of PA E has made significant progess. According to financial monitoring data
by the end of 2009 as well as some additional information an estimated 50% of the planned
budget for the total programme period has already been approved. In order to maintain the
proposed support for transnational measures until the end of the period in 2013 some deci-
sions with view on future priorities are essential.
Implementation progress is varying between single areas of action and objects. The already
mentioned advanced progress of implementation is mainly driven by two of the eight actions,
which are training abroad for people attending technical schools and additional apprentice-
ship training positions with training abroad (LEP trans).
There are deficits in implementation to be observed for those measures,
-
which are addressed to companies active in the dual education system (temporary
employment abroad of Saxon trainees, inter-cultural and language skills)
-
which aimed at financing micro measures within ESF scheme which had not first pri-
ority for the responsible authorities (language courses for teachers in Czech and Pol-
ish, transnational education projects of the SMUL, transnational grants for final de-
grees by SMWK)
An accelerated implementation within these fields seems not to be likely in the short-term
run. Merely for the language courses a significant progress is likely to be expected from
2010.

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Achievment oft he goals set in the OP
There is a fixed goal of 1,200 people annually attending measures with transnational focus
set in the OP for PA E as an output indicator. This implies that the number of abroad training
measures is three times higher compared to the base value calculated in 2005.
The number of the so far registered people attending measures which are relevant for the
evaluation of the achievement of the goal, accounts at approx. 450. With reference to the
goal set for the total period the target achievement accounts at about 5 per cent. If the num-
ber of technical schools attendants are added - which is recommended by the evaluation
team – the target achievement accounts for 12.5 per cent.
Given that, the aspired target number of attendants has been reached only to a marginal
extend - despite the fact that financial implementation of PA E has already made quite sub-
stantial progress.
The main reason for this is the fact that there has only minor progress been made within the
actions „Stay abroad for Saxon young people“ and „Inter-cultural and language skills“ which
were planned to contribute the vast amount to reach the target.
Only if there will be a significant acceleration of funding activities, a realistic chance to meet
the set goals by the end of the period will remain. In any case, an adjustment of the goal set
in the OP with view on the recent operational planning seems to be necessary.
Evaluation of outputs and outcomes, conclusions
Significant progress in terms of implementation has been observed for 2 out of 8 actions of
PA E (see above). Even for these two actions there are no assured data available yet de-
scribing sustainable outcomes such as the whereabouts of the participants after the termina-
tion of the measure, aspects about integration into the labor market etc.
Concerning the outcomes of the measures there can only be drawn some preliminary obser-
vations at the moment.
The ESF approach to support practical training abroad for attendants of technical vocational
schools meets the strategy of the Free State of Saxony to give young people the opportunity
to gather on-the-job-experience abroad during their regular vocational training.
For those faculties targeted with the funding it is important to develop capabilities like foreign
language skills or cross-cultural competence. These factors are of major importance for em-
ployability of young people and may therefore rise their chance for a successful career to a
certain extent. Therefore, the approach can be assessed to be both reasonable and appro-
priate. As far as the targets such as substantial improvement of language and cross-cultural
skills as well as adequate career starts are concerned, according to recent implementation
figures, it seems likely that they will be achieved.

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With view on these core results, the approach can be described to be effective. Therefore,
the evaluation team recommends to continue it until the end of the funding period.
The trainings abroad for disadvantaged young trainees (LEP trans) which last several weeks
do help to develop their social or soft skills according to preliminary observations. Therefore
they – in general – seem appropriate to raise chances of integration or a good career start.
However this interdependency can yet not be proved or even quantified by using empirical
data. It can only be derived an justified by plausibility observations.
The present evaluation results clearly favor to continue the support of training abroad also for
the target group of disadvantaged trainees in the future. However, the adapted implementa-
tion strategy seems rather problematic: The focus of activities on a special State programme
which can only be used by a small part of the target group is not optimal. It cuts the well de-
sired flexibility and aiming accuracy in terms of implementation and leads to a loss of effi-
ciency and appeal. It is therefore recommended to establish new implementation structures
for the respective actions.
All other actions under PA E can be evaluated at the moment only with view on their potential
outreach since implementation has made only marginal progress yet. Based on the data
fixed in the programming and the concepts made by the functional departments, the potential
outcome of the
education projects, study concepts within the agricultural sector as well as forestry, ru-
ral development and environment (FG 9091) and
transnational final degree scholarships (FG 9628)
seems likely to be marginal. The reason for that is mainly the weak financial base for both
approaches and in addition (for the SMUL programme) the very broad target group.
The following recommendations concerning the above mentioned actions should be given by
the evaluation team based on their assessments:
Concerning language courses for teachers it is recommended to utilize experiences
gained through program marketing for the upcoming measures in 2010 in order to es-
timate the demand for further courses more precisely and to advance the ESF inter-
vention tailored to suit the market need if necessary.
An effective implementation of the support of transnational final degree scholarships
should be based on a well-directed marketing campaign at appropriate locations in
the neighboring countries. This should be initiated by the SMWK in co-operation with
the Saxon universities and colleges within a short time.
There is no specific demand for an ESF funded approach to support transnational
measures within the agricultural sector as well as forestry, rural development and en-
vironment according to evaluation of the context conditions (constellation of interests
among potential applicants, support from other funding programmes).

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In order to enhance implementation of actions aiming at the support of stay abroad
for Saxon trainees as well as procurement of cross-cultural and language skills, a
network of helpdesks has been established by the end of 2009. The effectiveness of
this structure should be evaluated reasonably soon – at the end of 2010.
Until now the freedom of movement which was addressed in the ESF OP has not been of
importance. On one hand, the German Federal government stated their position against a
reduction of the transition period because of expected risks for the German labor market. On
the other hand, the current time-span of transition period did force activities for targeted
preparation of companies and employees for the upcoming freedom of movement of labor
only to a marginal extent.
Given that it is recommended by the evaluation team to assess the actual demand of com-
panies and employees in view of the freedom of movement of laborforce (from May 2011)
systematically and to develop appropriate support and funding in the following if necessary.

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1. Untersuchungskonzept
1.1. Einordnung der Untersuchung in das Gesamtkonzept der begleitenden Evaluie-
rung für den ESF in Sachsen
Die Programmevaluierung des OP ESF wird in zwei Stufen vorgenommen. In der ersten Stu-
fe wurde eine überblicksartige Analyse des Umsetzungsstandes zum Jahresende 2008 vor-
genommen. Im Ergebnis wurden potenzielle Problembereiche der Programmumsetzung
identifiziert. Die so gewonnenen Erkenntnisse und Fragstellungen werden in den Evaluie-
rungsdesigns der nachfolgenden Bewertungsschritte berücksichtigt.
Die nächste Phase der Evaluation beinhaltet Bewertungen auf der Ebene einzelner Priori-
tätsachsen (PA) des OP. Sie ist formal strukturiert in eine sogenannte „Fachevaluierung“ und
eine „Programmevaluierung“. Hiermit wird der Bericht zur Programmevaluierung für die PA E
vorgelegt.
Die folgende Grafik veranschaulicht das Vorgehen:
Bewertungsschritt
Kernziele
(1) Programmevaluierung
1. Stufe
(2) Fachevaluierung +
Programmevaluierung PA A
(6) Programmevaluierung
2. Stufe
(7) Ad hoc-Bewertung
Schaffung von Überblickswissen
Identifikation von Problembereichen
Konkretisierung des Bewertungskonzepts
Bewertungen auf Ebene einzelner
Fachprogramme
Schlussfolgerungen und Empfehlungen
zur Steuerung der Fachprogramme
Ergebnisbewertung für spezifische
Einsatzfelder des ESF
Zusammenfassung der Einzelergebnisse
PA-übergreifende Bewertung
Schlussfolgerungen/ Empfehlungen zur
OP-Steuerung
Beurteilung des Bedarfs zur Neu-
ausrichtung des OP
Erarbeitung von Grundlagen für das
Verfahren zur Programmanpassung
(3) Fachevaluierung +
Programmevaluierung PA C
(4) Fachevaluierung +
Programmevaluierung PA E
(5) Fachevaluierung +
Programmevaluierung PA B

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1.2. Methodisches Vorgehen im Überblick
Ausgangspunkt der Entwicklung des Untersuchungskonzepts ist die Frage des Evaluie-
rungsplans zu PA E. Diese Bewertungsfrage bezieht sich auf die Kernaspekte der Wirksam-
keit und des Nutzens der Fördermaßnahmen.
Im Untersuchungskonzept wird diese Bewertungsfrage soweit untersetzt, dass auch die wei-
teren in den Verdingungsunterlagen zur begleitenden Evaluierung angeführten Bewertungs-
aspekte angemessen berücksichtigt werden.
Das Untersuchungskonzept zur Programmevaluierung der PA E ist im Grundsatz so ange-
legt, dass es die in der Fachevaluierung der Maßnahmen der PA E gewonnenen Erkenntnis-
se aufnimmt und – bezogen auf die spezifischen Erkenntnisziele bzw. Bewertungsfragen der
Programmevaluierung zur PA E – verdichtet.
Darüber hinaus werden hier auch jene Vorhabensbereiche der PA E in die Bewertung einbe-
zogen, die nicht Gegenstand der Fachevaluierung zur PA E sind. Für diese Vorhabensberei-
che bezieht sich die Bewertung im Wesentlichen auf
-
die Implementierung,
-
den Umsetzungsstand und
-
das Wirkungspotenzial
der vorgesehenen Fördermaßnahmen. Die Bewertung basiert auf Ergebnissen des Monito-
ring (finanzielles und materielles Monitoring) und den Stammblattdaten sowie Expertenge-
sprächen mit den zuständigen Fachreferaten, Fondsbewirtschaftern und der Verwaltungsbe-
hörde ESF.
Die Berichterstattung zu diesen Themenfeldern reflektiert im Wesentlichen den Arbeitsstand
der Auswertung vorhandener Datenquellen, insbesondere
-
amtlicher statistischer Quellen;
-
der Ergebnisse des finanziellen Monitoring der SAB mit Stand 30.09.2009;
-
den an die Evaluatoren übergebenen ESF-Stammblattdaten mit Angaben
zu finanziellen und materiellen Indikatoren auf Projekt- und Teilnehmerebene
mit Stand Ende September 2009.

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1.3. Bewertungsfragen
Der Bewertungsplan gibt für die Programmevaluierung der PA E folgende Bewertungsfrage
vor:
Wie sind Wirkungen, Effektivität und Effizienz der Vorhaben der PA E zur Errei-
chung des strategischen Ziels „Erhöhung der Anpassungsfähigkeit des Humanka-
pitals durch transnationale Qualifizierung“ zu bewerten?
Diese Bewertungsfrage stellt die Kernfrage der Bewertung im Hinblick auf die Wirksamkeit
und den Nutzen der Förderprogramme der PA E dar. Darüber hinaus sehen die Verdin-
gungsunterlagen weitere Bewertungsaspekte vor, die im Zuge der Programmevaluierung für
alle Prioritätsachsen systematisch zu untersuchen sind. Dies gilt entsprechend auch für die
Programmevaluierung der PA E. Dazu zählen
-
die Entwicklung der sozioökonomischen Rahmenbedingungen in Sachsen und ihr
Einfluss auf die Umsetzung und den Erfolg der Fördermaßnahmen der PA E;
-
Umsetzungsstand und Umsetzungsschwierigkeiten der Förderangebote der PA E;
-
die Qualität der strategischen Ziele und spezifischen Indikatoren des OP mit Bezug
zur PA E;
-
der Beitrag der Fördermaßnahmen der PA E zur Unterstützung der Querschnittsziele
des OP.
Entsprechend sind diesbezügliche Fragen in der Programmevaluierung der PA E zu beant-
worten.
1.4. Daten- und Informationsgrundlagen
Das Spektrum der eingesetzten Untersuchungsmethoden umfasst
die Auswertung der Daten aus dem finanziellen und materiellen Monitoring zum OP
(Stammblattdaten);
Dokumentenanalysen (Dokumente der Programmplanung und -umsetzung, maßnah-
mespezifische Förderkonzepte, Richtlinien, Förderanträge und Sachberichte einzelner
Projektträger und Maßnahmeteilnehmer, einschlägige Studien, Analysen etc.);
Fachgespräche mit den an der Umsetzung der Fördermaßnahmen beteiligten Akteuren
(Fachressorts, Bewilligungsstelle, Regionaldirektion Sachsen der BA, Vertreter der
Kammern, einzelne Projektträger);
standardisierte Befragungen von Zuwendungsempfängern und Maßnahmeteilnehmern;
teilnehmende Beobachtung an zwei Erfahrungsaustausch-Treffen von Ausbildungsver-
einen und Bildungsträgern.

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Monitoring- und Stammblattdaten
Für die Analyse des finanziellen Umsetzungsstandes und der materiellen Ergebnisse für die
einzelnen Fachprogramme haben die Evaluatoren zum einen die Tabellen der SAB zum fi-
nanziellen Monitoring per 30.09.2009 und zum anderen die von der SAB übermittelten pro-
jekt- und teilnehmerbezogenen Stammblattdaten-Dateien mit Stand Ende September 2009
ausgewertet.
Standardisierte Befragungen
Entsprechend dem Untersuchungskonzept der Fachevaluierung wurden für einen Förderge-
genstand – Auslandspraktika für Berufsfachschüler (FG 9177) – standardisierte Befragungen
von Zuwendungsempfängern (Lehrkräfte der Bildungsträger) und von Maßnahmeteilneh-
mern durchgeführt.

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2. Entwicklung der sozioökonomischen Rahmenbedingungen
für die Umsetzung der Prioritätsachse E des OP
2.1. Der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger
Zentrale Indikatoren der Arbeitsmarktentwicklung zeigen, dass sich die Arbeitsmarktsituation
für Berufseinsteiger in Sachsen in den letzten Jahren deutlich verbessert hat. Die Erwerbs-
beteiligung (Erwerbstätigenquote) stieg von 42% im Jahresdurchschnitt 2004 auf über 50%
in 2008 (vgl. Tab. 1).
Die Verbesserung resultiert aus unterschiedlichen Einflussfaktoren:
-
Die Zahl der Arbeitsplätze hat leicht zugenommen (+6%). Die Zahl der sv-pflichtigen
Arbeitsplätze als bedeutendste Teilmenge stagnierte allerdings. Zugelegt haben eher
marginale Beschäftigungsverhältnisse.
-
Das Arbeitsangebot, also der Umfang der Altersgruppe, ist demografisch bedingt
zurückgegangen.
-
Die Arbeitsverwaltung hat bei ihren Aktivitäten zur Arbeitsförderung der Zielgruppe
Jugendlicher sehr hohe Priorität eingeräumt.
In der Folge sind Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenquote in der jüngeren Altersgruppe deut-
lich zurückgegangen.
Tab. 1
Eckdaten zur Arbeitsmarktentwicklung in Sachsen insgesamt und für
Jüngere (2004-2008)
Merkmal
2004
2005
2006
2007
2008
Erwerbstätige
insgesamt (Tsd. Personen)
1.764,5
1.821,8
1.850,5
1.891,5
1.917,1
2000=100
100,0
103,2
104,9
107,2
108,6
dar. unter 25 Jahre (Tsd. Personen)
235,8
239,2
241,2
251,3
249,6
2000=100
100,0
101,4
102,3
106,6
105,9
Erwerbstätigenquote (%)
insgesamt
60,8
62,8
64,5
67,3
69,3
dar. unter 25 Jahre
42,4
42,8
44,3
48,2
50,6
sv-pflichtig Beschäftigte
insgesamt
1.368.537
1.332.240
1.342.567
1.373.314
1.398.763
2000=100
100,0
97,3
98,1
100,3
102,2
dar. unter 25 Jahre
171.618
163.453
165.634
168.892
169.276
2000=100
100,0
95,2
96,5
98,4
98,6
Arbeitslose
insgesamt (JD)
396.328
402.270
371.892
322.821
279.573
2000=100
100,0
101,5
93,8
81,5
70,5
dar. unter 25 Jahre
44.000
52.226
45.789
37.272
32.054
2000=100
100,0
118,7
104,1
84,7
72,9
Arbeitslosenquote
abhängige zivile Erwerbspersonen
19,4
20,0
18,9
16,4
14,3
dar. unter 25 Jahre
14,5
18,5
16,9
14,0
12,4
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen – Mikrozensus, Statistik der BA.
Berechnungen isw Institut.

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2.2. Der Ausbildungsmarkt
Besonders drastisch hat sich der demografische Wandel in den zurückliegenden Jahren auf
dem sächsischen Ausbildungsmarkt niedergeschlagen. Gegenüber dem Ausbildungsjahr
2006/07 hat sich die Gesamtnachfrage nach Ausbildungsplätzen in Sachsen bis zum Ausbil-
dungsjahr 2008/09, also binnen zweier Jahre, nahezu halbiert (Tab. 2). Zwar ist auch das
Angebot an Ausbildungsplätzen zurückgegangen, jedoch deutlich langsamer. Im Segment
der betrieblichen Ausbildungsplätze blieb die Zahl der angebotenen Stellen etwa stabil.
Tab. 2
Eckdaten zur Entwicklung des Ausbildungsmarktes in Sachsen
(2006/07 bis 2008/09)
Indikator/Berichtsjahr*)
2006/2007
2007/2008
2008/2009
Gesamtangebot
an Ausbildungsplätzen
(Gemeldete Berufsausbildungsstellen)
29.909
25.494
22.405
betriebliche Berufsausbildungsstellen
16.707
17.149
16.153
außerbetriebliche Berufsausbildungsstellen
13.202
8.345
6.252
Gesamtnachfrage
(Gemeldete Bewerber)
47.741
34.127
25.247
Frauen
20.613
15.285
11.508
Männer
27.128
18.842
13.739
Altbewerber
24.589
17.880
11.625
Angebots-Nachfrage-Relation
0,63
0,75
0,89
Zahl unversorgte Lehrstellenbewerber
2.294
454
179
Frauen
1.035
235
82
Männer
1.259
219
97
Eingetragene Ausbildungsverhältnisse
31.701
27.475
24.487
davon staatlich finanziert (außerbetrieblich)
9.748
7.280
6.812
darunter GISA
2.084
1.510
LEP dual
1.066
1.053
§ 241ff. SGB III
4.691
2.982
§ 66 BBiG (behinderte Menschen)
1.907
1.735
Einmündungen ins Übergangssystem
(Berufs-
vorbereitung u. 1-jährige schulische Grundbildung)
10.095
8.020
6.608
Einstiegsqualifizierungen
720
427
353
berufsvorbereit. Maßnahmen nach SGB III
3.337
3.312
2.462
BVJ
2.632
2.302
2.027
BGJ und 1-jährige Berufsfachschule
3.402
1.979
1.766
Quellen: Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt in Zahlen - Ausbildungsmarkt; Bewerber und
Berufsausbildungsstellen Land Sachsen September 2008, 2009
BIBB/ Bundesagentur für Arbeit: Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September
RD Sachsen Berichtsjahre: 1998 – 2008
Antwort der Sächsischen Staatsregierung auf die Große Anfrage „Lehrstellen- und Ausbildungssituation im Freistaat
Sachsen“ Sächsischer Landtag, Drs.-Nr. 4/14473 vom 01.04.2009. Anlage 3.

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19
In der Folge ist eine erhebliche Verbesserung jener Indikatoren zu beobachten, die Problem-
lagen auf dem Ausbildungsmarkt anzeigen: Die Relation von Angebot und Nachfrage hat
sich von rd. 0,6 (2006/07) auf etwa 0,9 (2008/09) verbessert. Für viele Ausbildungsberufe
registrieren die Arbeitsagenturen inzwischen mehr Ausbildungsstellen als Bewerber.
1
Allerdings erfasst die angeführte Angebots-Nachfrage-Relation von 0,9 im Ausbildungsjahr
2009 den Grad der Unterversorgung nach den erfolgten öffentlichen Stützmaßnahmen für
den Ausbildungsstellenmarkt, da über 6 Tsd. außerbetriebliche Berufsausbildungsstellen in
das betrachtete Gesamtangebot eingeflossen sind. Bei einer Betrachtung ohne die außerbe-
trieblichen Ausbildungsstellen liegt die Relation von Angebot zu Nachfrage bei 0,72.
Darüber hinaus gibt es im Freistaat beträchtliche regionale Unterschiede: Auf 100 registrierte
Bewerber kamen im Agenturbezirk Dresden 148 gemeldete Ausbildungsstellen, in den um-
liegenden Bezirken (Riesa, Pirna, Bautzen) dagegen nur etwa 64 bis 67.
2
Für Ausbildungs-
bewerber aus ländlichen Gebieten bedeutet dies höhere Mobilitätsanforderungen. Fehlt die-
se Mobilität, dann nimmt die Gefahr unnötiger „Warteschleifen“ und der Zuweisung in unnöti-
ge Fördermaßnahmen der Berufsvorbereitung zu.
3
Die Zahl der zu Beginn eines Ausbildungsjahres noch unvermittelten Bewerber ist nach den
Daten der Ausbildungsstatistik auf eine geringe Restgröße zurückgegangen. Dieses Ergeb-
nis geht sowohl auf eine im Trend verbesserte Lage am Ausbildungsmarkt als auch auf um-
fangreiche Einmündungen u.a. in Maßnahmen des Übergangssystems zurück, die ebenfalls
in Tab. 2 dargestellt sind.
Die Zahl der sog. Altbewerber, also jener Jugendlicher, die aufgrund fehlender Ausbildungs-
stellen zeitweise in Ersatzmaßnahmen des sog. „Übergangssystems“ aufgefangen werden
und in den Folgejahren wiederum nach einem Ausbildungsplatz suchen, ging zuletzt deutlich
zurück. Ihr Anteil an allen bei den Arbeitsagenturen registrierten Ausbildungsplatzbewerbern
sank von rd. 52 % (2007, 2008) auf 46 % in 2009. Dennoch mündete von den Lehrstellen-
bewerbern des Jahrgangs 2008/09 wiederum ein beträchtlicher Teil in sog. berufsvorberei-
tende Maßnahmen ein und wird demzufolge im nächsten Jahr wiederum mit einer erhebli-
chen Zahl von Altbewerbern zu rechnen sein.
Im Zuge der durchgreifenden Verbesserung der Situation am Ausbildungsmarkt wurde das
Angebot an staatlich finanzierten Ausbildungsstellen in den letzten Jahren bereits bedarfs-
orientiert reduziert. Nach vorliegenden Prognosen wird die Zahl der Schulabgänger in Sach-
sen bis zum Jahr 2011 weiter sinken – um ca. 25 % gegenüber 2009.
4
Insofern scheint unter
1
Für Details siehe Statistik der BA: Arbeitsmarkt in Zahlen – Ausbildungsstellenmarkt. Bewerber und
Berufsausbildungsstellen Land Sachsen September 2009. Tab. 4.1.
2
ebenda, Tab. 5
3
vgl. ISG: Untersuchung des Verbleibs und der Übergangsprobleme von Absolventen vorberuflicher und be-
ruflicher Bildungsgänge als Beitrag zur Beurteilung der Wirksamkeit verschiedener Unterstützungs- und Aus-
bildungsprogramme im Freistaat Sachsen. Endbericht, 19. März 2009.
4
Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland
(Hrsg.): Statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz Nr. 182 – Mai 2007: Vorausberechnung
der Schüler- und Absolventenzahlen 2005 bis 2020.
http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2007/2007_05_01-Vorausberechnung-
Schueler-Absolventen-05-2020.pdf

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20
den gegebenen Rahmenbedingungen eine weitere Rückführung des Umfangs staatlich fi-
nanzierter Ausbildungsstellen möglich. Dabei sind jedoch die weiterhin bestehende Proble-
matik der ungenügenden Bereitstellung von betrieblichen Ausbildungsstellen sowie der häu-
fig nicht gelingenden Einmündung von Bewerbern mit individuellen Problemlagen in betrieb-
liche Ausbildungsverhältnisse zu berücksichtigen.
2.3. Auslandspraktika für Auszubildende
Das Ausmaß der internationalen Arbeitsteilung hat in den letzten 20 Jahren weltweit erheb-
lich zugenommen. Die sächsische Wirtschaft hat an diesen Prozessen in hohem Maße parti-
zipiert. Viele Unternehmen sind dazu übergegangen, Auslandsmärkte zu erschließen und mit
ausländischen Partnern zu kooperieren. Für den Standort Sachsen im Zentrum Europas, mit
einer erstarkenden Exportwirtschaft und zunehmendem Austausch mit den Nachbarstaaten
Tschechien und Polen, sind Fachkräfte besonders wichtig, die neben beruflichen Kompeten-
zen auch die Fähigkeit besitzen, über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg mit anderen Men-
schen zusammen zu arbeiten.
In der Folge sind Auslandserfahrung und interkulturelle Kompetenz bei Arbeitnehmern zu-
nehmend gefragt und bestimmen die Handlungsmöglichkeiten von Unternehmen im Wettbe-
werb. Dies gilt sowohl in gewerblichen als auch in Dienstleistungsberufen. Die Erwartungen
an Anpassungsfähigkeit und Mobilitätsbereitschaft der Mitarbeiter wachsen. Insofern gibt es
zunehmende Bemühungen, Auslandserfahrung bereits während der beruflichen Ausbildung
zu vermitteln.
Derzeit haben allerdings fast nur Großunternehmen Ausbildungsphasen im Ausland in ihre
Berufsbildungskonzepte integriert. Für KMU ist dies eher die Ausnahme – wenngleich auch
für sie die Auslandsqualifizierung ihrer Fachkräfte oft nicht weniger wichtig ist. Vor diesem
Hintergrund ist damit zu rechnen, dass erfolgreiche Auslandspraktika auch bei Einstellung
von Berufsanfängern durch Arbeitgeber zunehmend höher bewertet werden.
Zur Förderung ausbildungsbegleitender Auslandspraktika wurde das EU-Mobilitätsprogramm
„Leonardo da Vinci“ aufgelegt. Für Auszubildende aller Fachrichtungen werden Auslands-
praktika mit einer Dauer von 3 bis 39 Wochen gefördert. Bedingung ist, dass sich diese Per-
sonen in anerkannten Bildungsgängen befinden, die einen berufsbildenden Abschluss ver-
mitteln. Im Verhältnis zu diesem Programm stellt das ESF-Angebot des Freistaats Sachsen
in erster Linie eine qualitative und quantitative Ergänzung dar.
Aus dem Leonardo-Programm wurde im Durchschnitt der letzten drei Jahre (2007 bis 2009)
in Sachsen für jährlich rd. 750 Teilnehmer in der Erstausbildung ein Auslandsaufenthalt ge-
fördert. Hierfür wurden Zuschüsse im Umfang von rd. 1,1 Mio. € p.a. bewilligt. Mit 9 % der
bundesweit geförderten Teilnehmer ist Sachsen bei einem Bevölkerungsanteil von 5 % deut-
lich überdurchschnittlich an der Nutzung dieses EU-Mobilitätsprogramms beteiligt.

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21
2.4. Fazit
Anliegen der Maßnahmen der Prioritätsachse E ist die Förderung von transnationaler Mobili-
tät und Erfahrungsaustausch. Durch die im OP festgelegten Kontextindikatoren werden As-
pekte der transnationalen Mobilität im Arbeitsmarkt- und Ausbildungsbereich nicht erfasst.
Jene im OP festgelegten Kontextindikatoren, die die Entwicklung des Ausbildungsmarktes
und der Arbeitsmarktsituation für Jüngere abbilden (s.o.), weisen nur einen schwachen Be-
zug zu den strategischen Zielen der PA E auf. Sie lassen auf eine schrittweise Verbesserung
der allgemeinen Lage am Ausbildungsmarkt und der Arbeitsmarktsituation für Ausbildungs-
absolventen und jüngere Arbeitnehmer schließen. Insgesamt haben Arbeits- und Ausbil-
dungsmarkt in Sachsen sich in den letzten Jahren deutlich günstiger entwickelt, als dies in
den für die Ausarbeitung des OP erstellten Prognosen vorhergesagt wurde. Allerdings be-
stehen nach wie vor noch ausgeprägte Problemlagen im Hinblick auf das Angebot von be-
trieblichen Ausbildungsstellen sowie den Zugang von Bewerbern mit individuellen Problem-
lagen zu betrieblichen Ausbildungsplätzen.
Soweit sich die Programmbegleitung allein auf die im OP festgelegten Indikatoren stützt, ist
die Entwicklung der Kontextbedingungen für die Umsetzung der Prioritätsachse E des OP
ESF Sachsen nach Einschätzung der Evaluatoren nicht hinreichend zu beurteilen.
Mit Blick auf die strategische Ausrichtung der PA E sollten nach Einschätzung der Evaluato-
ren Kontextindikatoren für die Programmbegleitung festgelegt werden, die insbesondere fol-
gende Sachverhalte bzw. Entwicklungstrends abbilden:
-
spezielle Arbeitsmarktbedingungen in den grenznahen Regionen Sachsens;
-
Entwicklung der Zahl der sächsischen Auszubildenden sowie Bildungsanbieter, die
internationale Austauschprogramme nutzen (insbesondere Leonardo da Vinci);
-
Umsetzungsaktivitäten der Ziel-3-Programme Sachsen-Tschechien und Sachsen-
Polen, insbesondere im Vorhabensbereich Arbeitsmarkt/ Humanressourcen.
Die vorgeschlagenen Anpassungen des Indikatorensystems sollten – aus systematischen
Gründen für das OP insgesamt – im Rahmen der Ad hoc-Evaluierung in enger Abstimmung
mit den zuständigen Fachressorts vorgenommen werden.

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22
3. Bewertung der strategischen Ausrichtung der PA E
3.1. Grundsätzliche Orientierungen des OP
Nach Artikel 3 Abs. 6 der Verordnung 1081/2006 unterstützt der ESF grenzübergreifende
und interregionale Aktionen insbesondere durch den Austausch von Informationen, Erfah-
rungen, Ergebnissen und bewährten Verfahren sowie durch die Entwicklung von ergänzen-
den Konzepten und koordinierten oder gemeinsamen Aktionen.
Art. 8 der Verordnung sieht vor, dass für solche Maßnahmen der Finanzierungsbeitrag des
ESF um 10 Prozentpunkte erhöht werden kann, sofern sie innerhalb eines operationellen
Programms einen speziellen Schwerpunkt (Prioritätsachse) bilden. Im ESF-OP des Frei-
staats Sachsen wurde hierfür die Prioritätsachse E „Transnationale Maßnahmen“ eingerich-
tet.
Als strategisches Ziel für den Einsatz des ESF in der Prioritätsachse E gilt die „Erhöhung der
Anpassungsfähigkeit des Humankapitals durch transnationale Qualifizierung“.
In die SWOT-Analyse zum OP ist die Priorität „Transnationalität“ nicht systematisch einbe-
zogen, es finden sich nur einige punktuelle Verweise.
In Abschnitt 4.1.5 des OP „Strategie für Innovationen, transnationale und interregionale Ko-
operation“ werden Anknüpfungspunkte für ESF-kofinanzierte Maßnahmen mit transnationa-
ler Ausrichtung in folgenden Bereichen aufgezeigt:
-
berufliche Aus- und Weiterbildung,
-
Qualifizierung von Lehrpersonal und
-
Projekten zur Stärkung der Leistungsfähigkeit von Hochschulen.
Die Programmplanung sieht vor, dass die in der PA E umzusetzenden Maßnahmen inhaltlich
an eine der anderen Prioritätsachsen des OP (A, B, C) angelehnt sind, aber in der PA E se-
parat verwaltet werden.
In Abschnitt 4.2.5 des OP wird die Strategie für die Prioritätsachse ausführlicher beschrieben
und durch folgende Handlungsoptionen untersetzt:
-
Förderung der beruflichen Erstausbildung von Jugendlichen;
-
Förderung der interkulturellen und sprachlichen Kompetenz für Lehrkräfte
an Grund- und Mittelschulen und der Mobilität der Schüler;
-
Förderung des transnationalen Erfahrungsaustausches im Rahmen der beruflichen
Weiterbildung.
Begründet wird die Förderung insbesondere mit der Grenzlage Sachsens zu Polen und
Tschechien und mit der ab 2011 bestehenden vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit für diese Mit-
gliedstaaten.

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3.2. Finanzielle Vorgaben des OP für die Umsetzung der PA E
Zur Unterstützung von Vorhaben in der PA E sind lt. OP Fördermittel im Umfang von rd.
51 Mio. € vorgesehen. Fünf Prozent der ESF-Mittel des OP bzw. 42 Mio. € sollen in diesem
Bereich eingesetzt werden. Hinzu kommen nationale öffentliche Mittel im Umfang von
9 Mio. €.
Die Mittel sollen lt. OP nahezu ausschließlich in jenen Interventionsbereichen gemäß VO
1828/2006 eingesetzt werden, die den Zielen der Prioritätsachse B „Verbesserung des Hu-
mankapitals“ zugeordnet sind. Nach den finanziellen Vorgaben der Programmplanung sollen
die transnationalen Maßnahmen des OP also in erster Linie im Bereich der Schulbildung und
der beruflichen Erstausbildung umgesetzt werden.
Damit verstärkt der für die PA E geplante Mitteleinsatz die bereits in der Gesamtstrategie des
Programms angelegte Konzentration der Förderaktivitäten auf Maßnahmen der Prioritäts-
achse B. Inhaltlich fokussieren die Maßnahmen der PA B und E in hohem Maße auf die Ver-
besserung der Humanressourcen der jüngeren Generation in Sachsen.
Tab. 3
Verteilung der ESF-Mittel der PA E nach Interventionsbereichen
Interventionsbereiche gemäß VO 1828/2006, Anhang II
Anteil ESF-Mittel an
PA E insgesamt in %
66
Durchführung aktiver und präventiver Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt
0,5
72
Konzipierung, Einführung und Umsetzung von Reformen in den Systemen
der allgemeinen u. beruflichen Bildung, mit dem Ziel, die Beschäftigungsfä-
higkeit und Arbeitsmarktrelevanz von allgemeiner und beruflicher Aus- und
Weiterbildung zu verbessern und die Fähigkeiten der Lehrkräfte im Hinblick
auf Innovation und eine wissensbasierte Wirtschaft zu aktualisieren
23,0
73
Maßnahmen im Hinblick auf eine verstärkten Teilnahme an der allgemeinen
und beruflichen Bildung während des gesamten Lebens, einschließlich
Maßnahmen zur Verringerung der Zahl der Schulabbrecher, zum Abbau der
geschlechtsspezifischen Segregation bei den Fächern und zur Verbesse-
rung des Zugangs zu und der Qualität von allgemeiner, beruflicher und
tertiärer Aus- und Weiterbildung
72,3
74
Entwicklung des Humanpotenzials in den Bereichen Forschung und Innova-
tion, insbesondere durch Postgraduiertenstudiengänge und die Weiterbil-
dung von Forschern und Vernetzung der Tätigkeiten von Hochschulen,
Forschungszentren und Unternehmen
4,2
PA E: Transnationale Maßnahmen
100
Quelle: OP, S. 245
Im Umkehrschluss folgt daraus: Jene Interventionsbereiche, die im OP den anderen Priori-
tätsachsen des Programms zugeordnet sind (PA A: Steigerung der Anpassungsfähigkeit und
Wettbewerbsfähigkeit von Beschäftigten und Unternehmen, PA C: Verbesserung des Zu-
gangs zu Beschäftigung sowie der sozialen Eingliederung von benachteiligten Personen),
wurden bei der Finanzplanung der PA E im OP nicht bzw. nur marginal berücksichtigt

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24
(0,5 %). Hier sind – ableitbar aus der Finanzplanung des OP – kaum Maßnahmen mit trans-
nationaler Ausrichtung geplant.
5
3.3. Quantifizierte Ziele und Indikatoren für die PA E
Im OP sind für die Fördermaßnahmen der Prioritätsachse E für zwei Indikatoren quantifizier-
te Zielwerte festgelegt. Davon ist je einer als Outputindikator bzw. als dazugehöriger Ergeb-
nisindikator klassifiziert.
Als „strategischer Indikator“ für die Begleitung und Bewertung der Prioritätsachse E gilt lt. OP
der Ergebnisindikator „Erhöhung der Teilnehmerzahlen an transnationaler Aus- und Weiter-
bildung“. Ausgehend von einem Umfang von 631 Teilnehmern am EU-Mobilitätsprogramm
„Leonardo da Vinci“ im Jahr 2005 wird für den Förderzeitraum 2007-2013 ein Zielwert von
1.830 Fällen pro Jahr angestrebt. Pro Jahr sollen aus dem ESF also rd. 1.200 Teilnehmer an
transnationalen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen gefördert werden.
Übersicht 1 Überblick über die Zielindikatoren des OP für die PA E
Bezeichnung des Indikators
Typ
Zielwert
(2007-13 kumuliert)
Einsatzfeld
22) Erhöhung der Teilnahme an transnationaler
Qualifizierung
Ergebnis
1.830 p.a.
23) Personen, die an transnationalen Maßnahmen
teilnehmen
Output
8.400
(1.200 p.a.)
Quelle: OP S. 103f., eigene Zusammenstellung
Mit diesen Zielwerten strebt der ESF eine durchaus beachtliche Verstärkung der Aktivitäten
zum transnationalen Austausch im Bereich der beruflichen Erstausbildung an. Nach den Pla-
nungen soll der Ausgangswert von 2005 in der neuen Förderperiode etwa verdreifacht wer-
den.
Die Bewertung dieser Indikatoren und der für sie quantifizierten Ziele erfolgt – wie bereits für
die anderen Prioritätsachsen des OP geschehen – unter den Gesichtspunkten
Relevanz bzgl. der Ziele der PA E;
Repräsentativität für die Förderaktivitäten der PA E;
Beeinflussbarkeit im Rahmen der OP-Steuerung;
realistische Quantifizierung.
5
Mit dem Entwurf der Änderungsfassung der ESF-Richtlinie Berufliche Bildung werden transnationale Maß-
nahmen explizit in die Auflistung von Schwerpunktbereichen aufgenommen. Damit bestehen in Prioritätsach-
se A, Projektbereiche betriebliche und berufliche Weiterbildung, flexible Möglichkeiten zur Förderung trans-
nationaler Maßnahmen.

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25
Neben den Zielvorgaben auf OP Ebene werden für die Bewertung auch die maßnahmespe-
zifischen Zielvorgaben herangezogen, die in den Förderkonzeptionen der einzelnen Fach-
ressorts enthalten sind.
Folgende Einschätzungen lassen sich zusammenfassen:
Die Indikatoren sind für das strategische Ziel der PA E, mehr Menschen in Maßnahmen der
transnationalen Aus- und Weiterbildung einzubeziehen, relevant. Sie sind darüber hinaus als
repräsentativ für die Förderaktivitäten der PA E einzuschätzen, die sich auf den Bereich der
beruflichen Erstausbildung konzentrieren. Im Rahmen der Umsetzung der einzelnen Fach-
programme kann die Zielerreichung für diese Indikatoren nach Einschätzung der Evaluatoren
relativ gut gesteuert werden.
Kritisch ist die Quantifizierung der Indikatoren zu bewerten. Der Zielwert von 8.400 zu för-
dernden Teilnehmern liegt deutlich höher als die Summe der quantifizierten Zielwerte auf der
Ebene einzelner Fördergegenstände, aus denen der Indikator „gespeist“ wird (vgl. Übersicht
5 auf Seite 44). Die fehlende Konsistenz ist auf eine Änderung der operativen Zielwerte für
einzelne Fördergegenstände in der Förderkonzeption des SMWA zurückzuführen. Im Zuge
einer anstehenden OP-Änderung sollte der im Programm ausgewiesene Zielwert entspre-
chend angepasst werden.
Übersicht 2 Zusammenfassende Bewertung der Zielindikatoren der PA E
Bewertungskriterium
OP-
Indikator
Relevanz
Repräsentativität
Steuerungs-
fähigkeit
Realistische
Quantifizierung
22
+
+
+
-
23
+
+
+
-
+
Kriterium erfüllt
-
Kriterium nicht erfüllt
Mit Blick auf den Informationsgehalt der beiden für die PA E festgelegten Zielindikatoren er-
scheint darüber hinaus einer der beiden Indikatoren verzichtbar: Der für den Ergebnisindika-
tor (23) festgelegte Zielwert – Erhöhung der Teilnahme an transnationaler Qualifizierung auf
1.830 Personen jährlich – ergibt sich durch einfache Addition des Output-Ziels (Indikator 22)
zur Basisgröße des Jahres 2005. Für die Steuerung, Begleitung und Bewertung des Pro-
gramms bzw. der PA E hat der Zielwert für Indikator 23 nach Einschätzung der Evaluatoren
somit keine zusätzliche Relevanz und erscheint daher verzichtbar.
3.4. Bewertung
Mit 5 % der ESF-Mittel hat der Freistaat Sachsen einen vergleichsweise großen Teil des För-
derbudgets explizit zur Unterstützung transnationaler Maßnahmen vorgesehen. In den ande-
ren ostdeutschen Flächenländern liegt der Budgetanteil der Prioritätsachse E deutlich niedri-

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26
ger: in Brandenburg und Thüringen bei etwa 3 Prozent, in Sachsen-Anhalt bei 1,5 Prozent.
Mecklenburg-Vorpommern hat auf die Einrichtung einer separaten Prioritätsachse E im ESF-
OP verzichtet.
Die hohe finanzielle Gewichtung der PA E kann mit der Lage des Freistaats in Nachbarschaft
zu Polen und Tschechien und den Bemühungen um Intensivierung der transnationalen Zu-
sammenarbeit auch im Bereich der Humanressourcen plausibel begründet werden. Mit Blick
auf die vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit, die für die östlichen Nachbarn Sachsens ab
2011 gelten wird, erscheinen entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten für sächsische
Unternehmen und Beschäftigte begründet.
Die im OP beschriebenen Handlungsoptionen zur Umsetzung der PA E enthalten Anknüp-
fungspunkte für alle anderen Prioritätsachsen des Programms:
Mit der Förderung im Bereich der beruflichen Erstausbildung von Jugendlichen und mit
den Vorhaben zur Förderung der interkulturellen und sprachlichen Kompetenz für Lehr-
kräfte an Grund- und Mittelschulen werden die Förderansätze der PA B um eine transna-
tionale Komponente erweitert.
Die geplante Förderung des transnationalen Erfahrungsaustausches im Rahmen der
beruflichen Weiterbildung bietet Anknüpfungspunkte sowohl für Fördermaßnahmen im
Bereich der beruflichen Weiterbildung für Erwerbstätige (PA A) als auch für Arbeitslose
(PA C).
Trotz dieser grundsätzlichen Orientierungen und der umfangreichen Finanzausstattung fo-
kussieren die Planungen für den Einsatz der Mittel der PA E, soweit dies mit dem OP vorbe-
stimmt ist, auf Maßnahmen im Bereich der beruflichen Erstausbildung und der schulischen
Bildung. Das OP sieht vor, die Mittel der PA E nahezu vollständig in jenen Interventionsbe-
reichen einzusetzen, die der Prioritätsachse B des OP zugeordnet sind. Kern der Strategie
für die PA E ist es somit, Jugendlichen bereits während der Ausbildung die Möglichkeit des
Erwerbs arbeitsmarktrelevanter Auslandserfahrungen zu eröffnen.
In den Handlungsfeldern der Prioritätsachsen A und C sind dagegen kaum Förderaktivitäten
mit transnationaler Ausrichtung geplant (Ausnahme: siehe Fußnote 5 auf Seite 24). Im Ver-
gleich zu der im OP beschriebenen und begründeten Ausrichtung der PA E stellt diese Be-
grenzung einen gewissen Widerspruch dar.
Die für die PA E festgelegten OP-Indikatoren und quantifizierten Zielwerte folgen der Logik
der Konzentration auf Maßnahmen im Bereich der beruflichen Erstausbildung. Sie sind
grundsätzlich als relevant, repräsentativ und steuerungsfähig einzuschätzen. Ihre Quantifi-
zierung sollte an die veränderten Planungen zur Umsetzung einzelner Maßnahmen der PA E
angepasst werden. Mit Blick auf den im Wesentlichen gleichen Informationsgehalt erscheint
einer der beiden OP-Indikatoren aus Sicht der Evaluatoren verzichtbar.

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27
4. Bewertung der Programmdurchführung
4.1.
Umsetzung der strategischen Ziele des OP in konkrete Fördermaßnahmen
Die Konkretisierung der strategischen Zielvorgaben des OP erfolgt – außerhalb des Pro-
grammdokuments – durch spezifische Fördergegenstände und Projekttypen. Diese werden
in der Systematik der sächsischen ESF-Förderung sog. Vorhabensbereichen zugeordnet.
Maßgebliche Dokumente der Konkretisierung der ESF-Förderstrategie sind
die Förderkonzeptionen, die nach einheitlichen Vorgaben des SMF von den jeweiligen
Fachressorts für alle Vorhabensbereiche des OP erarbeitet wurden, sowie
die Finanzplanung im sog. Vorhabensfinanzierungsplan (VFP), die bis zur Ebene ein-
zelner Vorhabensbereiche und Fördergegenstände aufgegliedert ist.
Diese Schritte der Detailplanung sind – da außerhalb des OP – nicht Gegenstand der forma-
len Zustimmung bzw. Genehmigung durch die Europäische Kommission. Hier hat der Frei-
staat erhebliche Handlungsspielräume zur praktischen Ausgestaltung der ESF-Förderung.
Die operationelle Umsetzung der sächsischen ESF-Strategie in der PA E erfolgt durch die in
der folgenden Übersicht 3 dargestellten – zum Teil bereits laufenden, zum Teil auch noch im
Stadium der Vorbereitung befindlichen – spezifischen Förderansätze:
Übersicht 3 Vorhabensbereiche und Fördergegenstände der PA E
Richtlinie
Vorhabensbereich
FG-Nr.
Fördergegenstand
07409
Transnationale Bildung im
Agrarsektor sowie im Bereich
der Forstwirtschaft, ländlichen
Entwicklung und Umwelt
9091
Bildungsprojekte, Studienkonzepte
9128/
10815
Betriebsnahe Ausbildungsplätze –
LEP trans 2008/ 2009
7390
Auslandsaufenthalte sächsischer
Jugendlicher
9130
Interkulturelle und Sprachkompetenzen
07411
Transnationale Ausbildung
9132
Projekte Beratungsinfrastruktur
9177
Vorhaben, die Auslandspraktika für
Berufsfachschüler zum Gegenstand haben
07466
Qualifizierung von Lehrern
(Sprachkurse), Auslandsprak-
tika für Berufsfachschüler
9178
Vorhaben zur Vermittlung von Sprach-
kenntnissen in Tschechisch oder Polnisch
und zur Verbesserung der interkulturellen
Kompetenzen in Bezug auf die beiden
Nachbarländer (Lehrer)
07474
Stärkung der Leistungsfähig-
keit der Hochschulen
9628
Transnationale Studienabschlussstipendien

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28
Die Maßnahmen korrespondieren vor allem mit den ESF-Einsatzfeldern 3, 4, und 5, also der
Prioritätsachse B des OP, und den dort vorgesehenen Förderbereichen.
Bezüge zur Ausrichtung der Prioritätsachsen A und C des Programms lassen sich auch für
die konkreten Maßnahmen, die zur Umsetzung in der PA E vorgesehen sind, kaum feststel-
len. Lediglich der Bereich „Transnationale Bildung im Agrarsektor…“ weist einen breiteren
konzeptionellen Ansatz auf und fördert Projekte, Studien und Konzepte zur Weiterbildung
nicht nur von Auszubildenden, sondern auch von Arbeitnehmern und Unternehmern
-
zum Erwerb wirtschaftlicher, fachlicher und interkultureller Kompetenzen,
die den Anforderungen einer global agierenden Wirtschaft entsprechen,
-
zur Verbesserung des unternehmerischen Denkens und Handelns von Mitarbeitern
in Unternehmen und
-
zur Vorbereitung von transnationalen Kooperationen.
4.2.
Vollzugsanalyse
4.2.1. Aktueller Stand der Umsetzung der Maßnahmen der PA E
Datengrundlage
Die Bewertung des Programmvollzugs erfolgt in diesem Abschnitt auf der Grundlage von
Projekt- und Finanzdaten aus dem Monitoring der SAB. Die Daten bilden den Umsetzungs-
stand per Ende September 2009 ab.
In der Darstellung sind die Daten nach den Vorhabensbereichen und Fördergegenständen
der PA E gegliedert. Zusätzliche Informationen über Umsetzungsschwierigkeiten für ausge-
wählte Programme wurden im Rahmen von Fachgesprächen gewonnen.
Aktueller Stand
Mit Stand zum Ende September 2009 stellen sich die Umsetzungsfortschritte der Maßnah-
men der PA E wie folgt dar:
Gemessen an den Planungen bzgl. der Vorhabensbereiche und Fördergegenstände zur
Umsetzung der Prioritätsachse E sind die bisher erreichten Umsetzungsfortschritte - zumin-
dest teilweise – als gering einzuschätzen. Größere Umsetzungsfortschritte sind nur in zwei
Bereichen festzustellen:
-
bei der Förderung von Auslandspraktika für Berufsfachschüler und
-
bei der Finanzierung zusätzlicher Ausbildungsplätze mit transnationaler Komponente.

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29
Für diese zwei Fördergegenstände wurden bis Ende September 2009 insgesamt rd.
23,7 Mio. € für Fördermaßnahmen bewilligt.
Für einen Fördergegenstand – die Förderung von Auslandsaufenthalten sächsischer Ju-
gendlicher, die sich in betrieblicher Ausbildung befinden – waren zum Stichtag zumindest
marginale Umsetzungsfortschritte zu verzeichnen. In den übrigen 5 Fördergegenständen
wurden bis dato keine Projekte bewilligt und – mit einer Ausnahme – auch noch keine För-
deranträge registriert.
Tab. 4
Überblick über Projekte der PA E, Stand 30.9.2009
Anzahl Anträge
einge-
reicht
bewil-
ligt
abge-
lehnt
offen
Ablehnungs
quote (%)
07466
Qualifizierung von Lehrern (Sprachkurse), Aus-
landspraktika für Berufsfachschüler
39
39
0
0
0,0
9177
Vorhaben, die Auslandspraktika für Berufsfach-
schüler zum Gegenstand haben
39
39
0
0
0,0
9178
Vorhaben zur Vermittlung von Sprachkenntnissen
in Tschechisch oder Polnisch und zur Verbesse-
rung der interkulturellen Kompetenzen in Bezug
auf die beiden Nachbarländer (Lehrer)
0
0
0
0
0,0
07474
Stärkung d. Leistungsfähigkeit d. Hochschulen
1
1
0
0
0,0
9628
Transnationale Studienabschlussstipendien
1
1
0
0
0,0
07409
Transnationale Bildung im Agrarsektor sowie
im Bereich der Forstwirtschaft, ländlichen
Entwicklung und Umwelt
0
0
0
0
0,0
9091
Bildungsprojekte, Studienkonzepte
0
0
0
0
0,0
07411
Transnationale Ausbildung
16
13
3
0
18,8
9128/
10815
LEP trans 2008/ 2009
6
6
0
0
0,0
7390
Auslandsaufenthalte sächsischer Jugendlicher
8
7
1
0
12,5
9130
Interkulturelle und Sprachkompetenzen
2
0
2
0
100
9132
Projekte Beratungsinfrastruktur
0
0
0
0
0,0
Quelle: Monitoringdaten der SAB (Anlage 3 zum Infobrief Nr. 23).

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30
Tab. 5
Überblick über die finanzielle Umsetzung der PA E, Stand 30.9.2009
Bewilligte Mittel im Zeitraum…
2007
2008
3. Q.
2009
2007 –
3. Q 2009
Budget
2007-13
insgesamt
Prioritätsachse/
ESF-Einsatzfeld
Vorhabensbereich/
Fördergegenstand
Mio. €
PA E insgesamt
0,0
12,2
11,5
23,7
51,3
07466 Qualifizierung von Lehrern (Sprachkurse), Auslands-
praktika für Berufsfachschüler
0,0
1,6
1,8
3,4
12,9
9177 Vorhaben, die Auslandspraktika für Berufsfachschüler zum
Gegenstand haben
0,0
1,6
1,8
3,4
12,7
9178 Vorhaben zur Vermittlung von Sprachkenntnissen in Tsche-
chisch oder Polnisch und zur Verbesserung der interkultu-
rellen Kompetenzen in Bezug auf die beiden Nachbarlän-
der (Lehrer)
0,0
0,0
0,0
0,0
0,27
07474 Stärkung der Leistungsfähigkeit der Hochschulen
0,0
0,0
0,012
0,012
2,1
9628 Transnationale Studienabschlussstipendien
0,0
0,0
0,012
0,012
2,1
07409 Transnationale Bildung im Agrarsektor sowie
im Bereich der Forstwirtschaft, ländlichen Entwicklung
und Umwelt
0,0
0,0
0,0
0,0
0,24
9091 Bildungsprojekte, Studienkonzepte
0,0
0,0
0,0
0,0
0,24
07411Transnationale Ausbildung
0,0
10,6
9,7
20,3
36,0
9128/ 10815 LEP trans 2008
0,0
10,6
9,7
20,3
23,7
9130, 9132, 7390 Internationale Kompetenzen in der beruflichen
Erstausbildung, Auslandsaufenthalte sächsischer Jgdl.
0,0
0,026
0,007
0,033
12,3
Quelle: Monitoringdaten der SAB (Anlage 2 zum Infobrief Nr. 23). Berechnungen isw Institut.
Aktuell wird der erreichte Stand der Mittelbindung in der PA E nach den verfügbaren Monito-
ringdaten somit von lediglich 2 der 8 Fördergegenstände getragen. Dabei liegt das Schwer-
gewicht wiederum im Bereich der Finanzierung zusätzlicher betriebsnaher Ausbildungsplät-
ze.
Für die Prioritätsachse insgesamt erreichte der Stand der Mittelbindung per Ende September
2009 einen Anteil von rd. 46 % des für den gesamten Förderzeitraum 2007-2013 vorgesehen
Budgets (vgl. Abb. 1 auf der folgenden Seite). Dabei ist zu beachten, dass ein erheblicher
Posten – die Zusage zur Förderung der Berufsweltmeisterschaft „WorldSkills 2013“ in Leip-
zig – sich noch nicht in den Monitoringdaten niederschlägt. Berücksichtigt man dies, dann ist
das Budget der PA E bereits zu etwa zwei Dritteln ausgeschöpft.
Bei Fortsetzung des bisherigen Bewilligungstempos wäre das noch verfügbare Förderbudget
für die PA E insgesamt voraussichtlich im Verlauf des Jahres 2011 vollständig gebunden.
Um das Förderangebot für transnationale Maßnahmen bis zum Ende der Förderperiode im
Jahr 2013 aufrecht erhalten zu können, sind demzufolge Entscheidungen im Hinblick auf
künftige Prioritätensetzungen erforderlich.

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31
Abb. 1
Umsetzungsstand der Prioritätsachse E und der zugehörigen Vorhabens-
bereiche per 30.9.2009 (in %, Zielvorgaben 2013 = 100)
Umsetzungsstand der Prioritätsachse E und den zugehörigen Vorhabensbereichen in % (Zielvorgabe
2013=100)
24
12
0
0
29
22
14
1
0
27
54
74
99
100
44
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
PA :E
07466 - Qualifizierung von Lehrern
(Sprachkurse), Auslandspraktika
für Berufsfachschüler
07474 - Stärkung der
Leistungsfähigkeit der
Hochschulen
07409 - transnationale Bildung
07411 - transnationale Ausbildung
Richtlinien/ Vorhabensbereich
Proze nt
bew illigte Mittel 2007
bew illigte Mittel 2008
bew illigte Mittel 2009
verbleibender Bew illigungsrahmen
Quelle: eigene Berechnungen auf Basis der Monitoringdaten der SAB (Anlage 2 zum Infobrief Nr. 23)
4.2.2. Verzögerungen bei der Umsetzung: Ursachen und Perspektiven
Im Hinblick auf Verzögerungen bei der Umsetzung ausgewählter Maßnahmen der PA E las-
sen sich im Ergebnis der Fachgespräche, die die Evaluatoren geführt haben, folgende Ein-
schätzungen treffen:
Vorhabensbereich 07466
Qualifizierung von Lehrern (Sprachkurse), Auslandspraktika für
Berufsfachschüler
Fördergegenstand 9178
Vorhaben zur Vermittlung von Sprachkenntnissen in Tsche-
chisch oder Polnisch und zur Verbesserung der interkulturellen
Kompetenzen in Bezug auf die beiden Nachbarländer (Lehrer)
Das Förderangebot wurde bisher noch nicht umgesetzt. Im Fachressort hatte zunächst die
Implementierung anderer ESF-Maßnahmen Priorität. Der Bedarf für das Förderangebot wird
als sehr begrenzt eingeschätzt. Mit Blick auf den geringen Umfang (geplant sind für die ge-
samte Förderperiode lediglich je ein Kurs in Polnisch und Tschechisch) wird die Verzögerung
des Anlaufs als wenig problematisch angesehen.

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32
Nach aktuellen Recherchen (Stand Ende Januar 2010) wird eine Ausschreibung des geplan-
ten Kurses in Tschechisch in Kürze erfolgen. Für die Ausschreibung des Polnisch-Kurses
sind noch Klärungen hinsichtlich der Kohärenz zur Ziel-3-Förderung erforderlich.
Die operative Umsetzung der Maßnahme soll nach Planung des Fachressorts im Jahr 2010
mit Start des neuen Schuljahres beginnen. Nach Einschätzung der Evaluatoren sollten die
Erfahrungen bei der Teilnehmergewinnung für die ersten Kurse genutzt werden, um den Be-
darf an weiteren Kursen künftig genauer einzuschätzen und das ESF-Angebot ggf. bedarfs-
gerecht weiter zu entwickeln.
Vorhabensbereich 07474
Stärkung der Leistungsfähigkeit der Hochschulen
Fördergegenstand 9628
Transnationale Studienabschlussstipendien
Das Förderangebot ist bisher nicht effektiv an die Zielgruppe (Studierende an Hochschulen
in Osteuropa, die ihr Studium in Sachsen abschließen und gleichzeitig Praxiserfahrung bei
sächsischen Unternehmen sammeln können) kommuniziert worden. Vor diesem Hintergrund
hat es bisher nur punktuelle Interessenbekundungen und Förderaktivitäten gegeben. Zumin-
dest hat bis zum Ende des Jahres 2009 die Zahl der Förderanträge leicht zugelegt (6 Anträ-
ge).
Um den lt. Förderkonzeption des Fachressorts angestrebten Zielwert und den damit verbun-
denen positiven strukturpolitischen Effekt für die Entwicklung des Fachkräftepotenzials in
Sachsen zu erreichen, ist nach Einschätzung der Evaluatoren eine gezielte Informationsof-
fensive an geeigneten Hochschulstandorten in den Nachbarstaaten erforderlich. Eine solche
Informationstätigkeit sollte von Seiten des SMWK in Abstimmung mit den sächsischen Hoch-
schulen zügig initiiert werden.
Vorhabensbereich 07409
Transnationale Bildung im Agrarsektor sowie im Bereich der
Forstwirtschaft, ländlichen Entwicklung und Umwelt
Fördergegenstand 9091
Bildungsprojekte, Studienkonzepte
Das Förderangebot wurde bisher noch nicht umgesetzt. Auch ein Antragsvorlauf war bis zum
Jahresende 2009 nicht zu verzeichnen. Nach Auskunft des Fachressorts haben sich noch
keine potenziellen Projektträger mit geeigneten Projektideen gemeldet. Als eine wichtige
Ursache hierfür wird der hohe Koordinierungsaufwand für transnationale Projekte angese-
hen. Andererseits hat eine intensive Kommunikation des Förderangebots bisher noch nicht
stattgefunden. Über die künftige Umsetzung der ESF-Maßnahme soll nach Aussage des
Fachressorts im Lichte der Diskussion in der neu gegründeten „AG Transnationalität“ ent-
schieden werden.
Nach Einschätzung der Evaluatoren orientieren sich potenzielle Antragsteller aus dem Agrar-
und Umweltsektor vorrangig auf die Förderangebote des Entwicklungsprogramms für den
ländlichen Raum im Freistaat Sachsen (EPLR). Dort können in der Maßnahme 421 „Ge-

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33
bietsübergreifende und transnationale Zusammenarbeit“ Vorhaben Lokaler Aktionsgruppen
zur Anbahnung und Umsetzung von transnationalen Kooperationsprojekten gefördert wer-
den. Hierfür stehen dem ESF vergleichbare Förderkonditionen (80 % Zuschuss), aber mit 2,5
Mio. € ein zehnmal höheres Förderbudget zur Verfügung. Nach der im ESF-OP (Kap. 5) vor-
genommenen Abgrenzung der Interventionen von ESF und ELER werden Bildungsmaß-
nahmen für den Bereich Land- und Forstwirtschaft, ländliche Entwicklung und Umwelt grund-
sätzlich nur über den ESF gefördert. Von diesem Grundsatz ausgenommen ist u.a. die För-
derung der Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen außerhalb Sachsens, die über den
ELER realisiert werden soll.
Darüber hinaus bieten auch die Ziel-3-Programme Sachsen-Polen und Sachsen-Tschechien
vielfältige Anknüpfungspunkte zur Förderung von transnationalen Bildungsprojekten in den
Bereichen Land- und Forstwirtschaft, ländliche Entwicklung und Umwelt. Dieses Förderan-
gebot ist zwar nicht landesweit in Sachsen verfügbar, aber in einer durchaus beachtlichen
Fördergebietskulisse.
Unter den gegebenen Rahmenbedingungen ist der Bedarf für ein zusätzliches ESF-Angebot
zur Förderung transnationaler Kooperationsprojekte nach Einschätzung der Evaluatoren ge-
ring.
Vorhabensbereich 07411
Transnationale Ausbildung
Fördergegenstand 7390
Auslandsaufenthalte sächsischer Auszubildender
Fördergegenstand 9130
Interkulturelle und Sprachkompetenzen
Fördergegenstand 9132
Projekte Beratungsinfrastruktur
Die an einzelne Unternehmen gerichteten Förderangebote zur Unterstützung von Auslands-
aufenthalten sowie zum Erwerb von interkulturellen und Sprachkompetenzen für sächsische
Auszubildende wurden bisher nur in sehr geringem Umfang in Anspruch genommen. Auch
bis zum Ende des Jahres 2009 ist kein nennenswerter Zuwachs an Förderanträgen zu ver-
zeichnen. Aus den Expertengesprächen lassen sich zwei wesentliche Ursachsen hierfür be-
nennen: Zum einen wird im Bewusstsein vieler Arbeitgeber der Nutzen eines Auslandsauf-
enthalts ihrer Azubi noch nicht besonders hoch gewichtet. Zum anderen schätzen die Unter-
nehmen den Aufwand für die Organisation der Auslandspraktika und für die Abwicklung der
Förderverfahren im Verhältnis zum erwarteten Nutzen als zu hoch ein und nehmen das För-
derangebot deshalb kaum in Anspruch. An dieser grundsätzlichen Konstellation dürfte sich
kurzfristig nichts ändern. Deshalb ist eine stärkere Inanspruchnahme der entsprechenden
Förderangebote allenfalls mittel- bis längerfristig zu erwarten.
Um den skizzierten Problemen zu begegnen und die Umsetzung der Programme zu be-
schleunigen, wurde Ende 2009 ein umfangreiches Vorhaben zur Förderung der Beratungs-
infrastruktur 2009 bewilligt. Das Projekt APIK (AuslandsPraktikumInterkulturelleKompetenz)
soll seit Anfang 2010 umfassende Beratung zur Organisation transnationaler Projekte für
interessierte Betriebe, Mitarbeiter und Auszubildende anbieten. Der mit der Förderung dieses
Projekts verbundene Umsetzungsfortschritt im Vorhabensbereich für den Fördergegenstand

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34
9132 „Projekte Beratungsinfrastruktur“ wird durch die für diesen Bericht genutzten Monito-
ringdaten noch nicht abgebildet.
Mit der im September 2009 getroffenen Entscheidung für Leipzig als Austragungsort der Be-
rufsweltmeisterschaft „WorldSkills“ im Jahr 2013 ist nach Angaben des Fachressorts die Zu-
sage von Fördermitteln in Höhe von 10 Mio. € verbunden. Diese umfangreiche Mittelbindung
wird ebenfalls noch nicht im finanziellen Monitoring abgebildet, das Grundlage für diesen
Bericht war. Unter Berücksichtigung dieser Fördermittelzusage ist die Mittelbindung im Vor-
habensbereich 07411 bereits deutlich weiter fortgeschritten als der in diesem Bericht ausge-
wiesene Umsetzungsstand zum Stichtag 30.09.2009.
Fazit
Ergänzt man die Monitoringdaten mit Stand Ende September 2009 um zusätzliche Informati-
onen, dann wird deutlich, dass die Mittelbindung in der Prioritätsachse E bereits weit voran-
geschritten ist. Um das Förderangebot für transnationale Maßnahmen bis zum Ende der
Förderperiode im Jahr 2013 aufrecht erhalten zu können, sind demzufolge Entscheidungen
im Hinblick auf künftige Prioritätensetzungen erforderlich.
Bei Betrachtung einzelner Vorhabensbereiche und Fördergegenstände fallen die Umset-
zungsfortschritte sehr unterschiedlich aus. Die fortgeschrittene Mittelbindung wird durch zwei
Fördergegenstände getragen, bei denen die Förderung über Ausbildungsvereine bzw. Bil-
dungsträger abgewickelt wird.
Umsetzungsdefizite gibt es bei Maßnahmen, bei denen
-
Unternehmen als Träger der dualen Ausbildung Adressaten des Förderangebots sind
(Auslandsaufenthalte sächsischer Auszubildender, Interkulturelle und Sprachkompe-
tenzen);
-
Kleinstmaßnahmen aus dem ESF finanziert werden sollen, die bisher für die zustän-
digen Ressorts keine Umsetzungspriorität hatten (Sprachkurse Tschechisch und Pol-
nisch für Lehrer, transnationale Bildungsprojekte des SMUL, transnationale Studien-
abschlussstipendien des SMWK).
Mit einer Beschleunigung des Förderprozesses ist in diesen Bereichen nach Einschätzung
der Evaluatoren kurzfristig nicht zu rechnen. Lediglich bei den geplanten Sprachkursen für
Lehrer ist bereits im Jahr 2010 ein deutlicher Fortschritt der Mittelbindung zu erwarten. Bei
den anderen Fördergegenständen könnte mittel- bis längerfristig eine Zunahme von Förder-
anträgen und Bewilligungen stattfinden. Inwieweit dies tatsächlich der Fall sein wird, hängt
maßgeblich vom Engagement in den zuständigen Fachressorts ab. Im Falle der Förderung
von Auslandspraktika und interkulturellen Kompetenzen in der dualen Ausbildung wird die
künftige Inanspruchnahme des Förderangebots entscheidend von der Effektivität der neu
eingerichteten Beratungsinfrastruktur abhängen.

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5. Analyse und Bewertung der Ergebnisse, Wirkungen und Effizienz
5.1. Schätzungen zum Wirkungspotenzial der ESF-Fördermaßnahmen der PA E
Ziele und Vorgehen
Für die Bewertung der Effektivität des Programms ist es zunächst wichtig, einen Eindruck
davon zu bekommen, was die Fördermaßnahmen der PA E „leisten können“. Die wenigen im
OP (S. 107.) festgelegten Indikatoren reichen für eine solche Einschätzung allein nicht aus.
Sie beschränken sich auf die Angabe der Zahl der Maßnahmeteilnehmer, die mit der Förde-
rung erreicht werden sollen. Sie vermitteln aber kaum einen Eindruck davon, was die Errei-
chung dieser Ziele im jeweiligen Handlungsfeld ggf. bedeutet. Kann die Förderung bei Errei-
chung der im OP festgelegten Zielwerte einen substanziellen Beitrag zur Verbesserung der
Bildungs- oder Beschäftigungssituation im betreffenden Segment oder für die betreffende
Zielgruppe leisten? Für die Bewertung des Wirkungspotenzials – und in der Folge der tat-
sächlichen Wirkungen des Programms – ist dies eine entscheidende Frage.
Nicht zuletzt geht es darum, rational begründete Erwartungen und Maßstäbe zu gewinnen,
anhand derer die Ergebnisse zu beurteilen sind. Es geht um nachvollziehbare Einschätzun-
gen darüber, wo die ESF-Maßnahmen in ihrer konkreten konzeptionellen Ausgestaltung sig-
nifikante Wirkungen entfalten können bzw. wo ihr Effekt voraussichtlich kaum wahrnehmbar
sein wird – z.B. aufgrund einer ungünstigen Relation von Fördervolumen und potenziellem
Adressatenkreis.
Diesbezügliche Einschätzungen haben die Evaluatoren für alle jene derzeit umgesetzten
bzw. zur Umsetzung vorgesehenen Fördermaßnahmen der PA E vorgenommen, in denen
eine größere Anzahl von Einzelvorhaben unterstützt bzw. Teilnehmern erreicht werden soll.
Ausgeklammert bleiben solche Maßnahmetypen, in denen lediglich einzelne Vorhaben ge-
fördert werden sollen.
Soweit man den ESF-Förderangeboten (vgl. Übersicht 3, Seite 27 f.) spezifische Ziel- bzw.
Adressatengruppen zuordnen kann, wurde der Versuch unternommen, den Umfang der je-
weiligen Zielgruppen zu schätzen. Anschließend wurden die vorhanden Informationen zum
geplanten Umfang von Förderaktivitäten ins Verhältnis zum geschätzten Umfang der jeweili-
gen Zielgruppe gesetzt. Für einen besseren Überblick wurden die Ergebnisse schließlich
klassifiziert in Maßnahmen mit voraussichtlich marginaler, geringer, mittlerer und großer
Reichweite.
Ergebnisse
Die Ergebnisse sind in Übersicht 4 zusammengefasst. Das Schema zur Klassifizierung der
Reichweite findet sich am Ende der folgenden Übersichtstabelle.

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Übersicht 4 Ziele und Referenzgrößen für Fördermaßnahmen der PA E
Fördergegenstand
Ziele lt. Förderkonzeption
(2007-2013)
Bezugsgrößen
geschätzte Reich-
weite in Relation
zur Bezugsgröße
*)
FG 9091
Bildungsprojekte,
Studienkonzepte im Agrar-
sektor sowie im Bereich
der Forstwirtschaft, ländlichen
Entwicklung und Umwelt
280 TN an geförderten Projekten
Zielgruppen lt. Richtlinie:
Auszubildende, Arbeitnehmer,
Unternehmer/ KMU ohne Bran-
cheneinschränkung
nicht
quantifizierbar
wg. des geringen
Förderbudgets (240 T€
im gesamten Förder-
zeitraum)
< 1 %
marginal
FG 9128/ 10815
Betriebsnahe Ausbildungs-
plätze – LEP trans
exemplarisch für Ausbildungsjahr 2009/10:
Kontingent von bis zu 500 Plätzen im LEP trans
exemplarisch für Ausbildungs-
jahr 2009/10:
Kontingent von ca. 2.500 zusätz-
lichen betriebsnahen Ausbil-
dungsplätzen (GISA+LEP)
ca. 20 %
mittel
FG 7390
Auslandsaufenthalte
sächsischer Jugendlicher
FG 9130
Interkulturelle und Sprachkom-
petenzen
ca. 2.500 Teilnehmer (ca. 400 p.a.)
ca. 16 Tsd. betriebliche
Ausbildungsstellen p.a.
ca. 750 TN p.a. am EU-
Mobilitätsprogramm Leonardo/
Erstausbildung
bezogen auf alle Azubi
in dualer Ausbildung:
ca. 2,5 %
gering
bezogen auf das Aus-
gangsniveau von Azubi
mit Auslandspraktikum:
> 50 %
hoch
FG 9177
Auslandspraktika
für Berufsfachschüler
650 Berufsfachschüler
Schätzung: ca. 2.800 Berufs-
fachschüler in den förderfähigen
Ausbildungsrichtungen
ca. 23 %
hoch

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Fördergegenstand
Ziele lt. Förderkonzeption
(2007-2013)
Bezugsgrößen
geschätzte Reich-
weite in Relation
zur Bezugsgröße
*)
FG 9178
Vorhaben zur Vermittlung von
Sprachkenntnissen in Tsche-
chisch oder Polnisch und zur
Verbesserung der interkulturel-
len Kompetenzen in Bezug auf
die beiden Nachbarländer (Leh-
rer)
Fortbildung von ca. 30 Lehrern an Grund- und
Mittelschulen in Sachsen
783 Grundschulen und 293 Mit-
telschulen in öffentlicher Träger-
schaft in Sachsen (Stand Sept.
2009)
ca. 300 Grund- und Mittelschu-
len mit einschlägigen Angeboten
im Schuljahr 2006/07
bezogen auf alle Grund-
und Mittelschulen in
Sachsen:
ca. 3 %
gering
bezogen auf vorhande-
ne Angebote im Schul-
jahr 2006/07:
Erhöhung um ca. 10 %
mittel
FG 9628
Transnationale
Studienabschlussstipendien
ca. 150 Stipendiaten
lt. Förderkonzeption SMWK:
3.100 Studierende in Sachsen
aus den 20 lt. Förderrichtlinie
vorgesehenen Herkunftsstaaten
bezogen auf ausländi-
sche Studierende in den
letzten 2 Studienjahren
vor Abschluss:
< 5 %
gering
*) Legende „Reichweite“
marginal
: Förderung erreicht wahrscheinlich weniger als 1% der Zielgruppe
gering
:
Förderung erreicht wahrscheinlich 1 bis 5% der Zielgruppe
mittel
:
Förderung errecht wahrscheinlich > 5 bis 20% der Zielgruppe
hoch
:
Förderung erreicht wahrscheinlich > 20% der Zielgruppe

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Fazit
Setzt man die geplanten Teilnehmerzahlen der einzelnen Förderprogramme ins Verhältnis
zum geschätzten Umfang der Zielgruppe, die die Förderung in Anspruch nehmen könnte
bzw. bisher in Anspruch genommen hat, dann lässt sich die Reichweite der Förderangebote
einschätzen. Programme mit geringer Reichweite können zwar einigen wenigen Menschen
nützen, jedoch kaum zur Verbesserung der Qualifikation oder Beschäftigungssituation der
Zielgruppe insgesamt einen signifikanten Beitrag leisten. Aus dieser Perspektive wäre ihr
Wirkungspotenzial von Vornherein als gering einzuschätzen.
Für jene Fördergegenstände der PA E, für die die Fachressorts quantifizierte Zielwerte fest-
gelegt haben, ist die „programmierte“ Reichweite teilweise gering, teilweise jedoch auch be-
achtlich hoch einzuschätzen.
Eher gering ist das geschätzte Wirkungspotenzial der Fördergegenstände
Bildungsprojekte, Studienkonzepte im Agrarsektor sowie im Bereich der Forstwirt-
schaft, ländlichen Entwicklung und Umwelt (FG 9091) und
Transnationale Studienabschlussstipendien (FG 9628)
zu veranschlagen. Bei beiden Programmen liegt dies an der geringen Finanzausstattung,
beim SMUL-Programm zusätzlich an dem sehr breiten Zielgruppenspektrum.
Die anderen Programme der PA E weisen demgegenüber eine teilweise recht hohe Reich-
weite auf und verfügen aus dieser Perspektive über ein beachtliches Wirkungspotenzial. Für
die Zielgruppen, die mit diesen Programmen unterstützt werden sollen, könnte bei plankon-
former Umsetzung eine beträchtliche Verstärkung transnationaler Aktivitäten erreicht wer-
den.
5.2. Ergebnisse und Wirkungen einzelner Fachprogramme
Die bisher vorliegenden Daten aus den Stammblattverfahren zu PA E vermitteln kein reprä-
sentatives Bild für die PA E insgesamt. Sie werden durch die Ergebnisse für einen einzigen
Fördergegenstand (Auslandspraktika für Berufsfachschüler) dominiert. Daher muss zum jet-
zigen Zeitpunkt auf eine Interpretation der Daten und die Ableitung von Schlussfolgerungen
aus diesen Daten verzichtet werden. Stattdessen wird auf die Darstellung der Ergebnisse der
bisher umgesetzten Fachprogramme im Bericht zur Fachevaluierung der PA E verwiesen.

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Signifikante Umsetzungsfortschritte waren bis zum Herbst 2009 zumindest für zwei der ins-
gesamt 8 Fördergegenstände der PA E zu verzeichnen. Neben dem Programm zur Förde-
rung von Auslandspraktika für Berufsfachschüler betrifft dies für das Angebot an zusätzlichen
Ausbildungsplätzen mit transnationaler Komponente. Hier gilt allerdings, dass zwar die ers-
ten, im Jahr 2008 geförderten Ausbildungsverhältnisse zum Untersuchungszeitpunkt bereits
gut ein Jahr bestanden, die meisten Azubi jedoch ihren Auslandsaufenthalt, der Teil der
Ausbildung ist, noch nicht absolviert hatten. Insofern kann über den konkreten Nutzen der
Auslandspraktika gegenwärtig erst auf der Grundlage erster, noch nicht repräsentativer Er-
fahrungsberichte geurteilt werden.
Die übrigen Fördergegenstände der PA E können aufgrund der bisher geringen Umset-
zungsfortschritte gegenwärtig nur unter dem Gesichtspunkt der potenziellen Wirksamkeit
beurteilt werden. Hierzu wird auf die Einschätzungen im vorigen Abschnitt 5.1 verwiesen.
5.2.1. Auslandsaufenthalte von Berufsfachschülern
Das ESF-Angebot zur Förderung von Auslandspraktika für Berufsfachschüler fügt sich nach
Einschätzung der Evaluatoren schlüssig in die Strategie des Freistaats Sachsen sein, Ju-
gendlichen bereits während der Ausbildung die Möglichkeit des Erwerbs arbeitsmarktrele-
vanter Auslandserfahrungen zu eröffnen. In den für die Förderung in Frage kommenden
Ausbildungsrichtungen sind fremdsprachliche und interkulturelle Kompetenzen von großer
Bedeutung für die Beschäftigungsfähigkeit der Jugendlichen und beeinflussen die Chancen
für einen erfolgreichen Berufsstart in hohem Maße positiv. Insofern ist das Förderangebot als
sinnvoll und zweckmäßig einzuschätzen.
Soweit dies nach dem aktuellen Stand der Programmdurchführung beurteilt werden kann,
werden die Ziele der Förderung erreicht:
Die inhaltlichen Kernziele der geförderten Praktika bestehen darin, den Teilnehmern Sicher-
heit im Gebrauch der Fremdsprache in Beruf und Alltag sowie ausreichende Kenntnisse zu
Wirtschaft, Politik und Kultur des Gastlandes zu vermitteln. Lt. Förderkonzeption soll eine
Verbesserung der sprachlichen und interkulturellen Kompetenz bei mindestens 90 % der
teilnehmenden Schüler erreicht werden. Die Untersuchungsergebnisse lassen darauf schlie-
ßen, dass ein so hoher Anteil der Praktikumsteilnehmer tatsächlich entsprechenden Nutzen
aus dem Auslandsaufenthalt zieht.
Darüber hinaus fördert die Teilnahme an den Auslandspraktika auch die Entwicklung anderer
arbeitsmarktrelevanter Kompetenzen. Sowohl die Maßnahmeteilnehmer selbst als auch die
befragten Lehrkräfte schätzen diese Effekte für die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler
sehr positiv ein.
Die höchste Gewichtung erhalten dabei berufsrelevante Sozialkompetenzen wie Kommuni-
kationsfähigkeit, Eigenverantwortlichkeit, die Fähigkeit zum Umgang mit anderen Menschen
und die Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Herausforderungen bzw. Arbeitsbedingungen.

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Etwas weniger ausgeprägt, aber immer noch für über die Hälfte aller Teilnehmer „in hohem
Maße“ gilt dies in Bezug auf Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Belastbarkeit und Konfliktfä-
higkeit.
Insgesamt weisen die Meinungsbilder von Schülern und Lehrkräften im Hinblick auf den Bei-
trag der Auslandspraktika zur Entwicklung von Sozialkompetenzen ein hohes Maß an Über-
einstimmung auf. Tendenziell schätzen die Schüler den Beitrag des Praktikums für ihre Per-
sönlichkeitsentwicklung noch höher ein als die Lehrkräfte.
Deutlich unterschiedliche Bewertungen gibt es lediglich im Hinblick auf den Beitrag der Prak-
tika zur Vertiefung der beruflichen Kenntnisse: Während praktisch alle befragten Lehrkräfte
die Ansicht vertreten, dass die Praktika hierzu „in hohem Maße“ beitragen, vertraten nur
knapp 60% der Teilnehmer selbst diese Ansicht (Abb. 2).
Abb. 2
Bewertung der Auswirkungen des Auslandspraktikums auf die Entwick-
lung persönlicher Kompetenzen der Teilnehmer: Selbsteinschätzung der
Schüler und Fremdeinschätzung der Lehrer im Vergleich
0
20
40
60
80
100
Umgang mit Menschen/soziale
Kompetenz
Arbeiten im Team
Vertiefung beruflicher
Kenntnisse
Aufgeschlossenheit ggü.
Neuem
Konfliktfähigkeit
Belastbarkeit durch neue
Situationen
Eigenverantwortlichkeit
Kommunikationsfähigkeit
Einschätzung Schüler
Einschätzung Lehrer
Legende:
Anteil der Befragten, die angeben, dass der Auslandsaufenthalt „in hohem Maße“ zur Entwicklung entsprechen-
der Kompetenzen beigetragen hat, in Prozent.
Quelle: Teilnehmerbefragung Berufsfachschüler 2009. isw Institut.

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Im Ergebnis sollen die im Praktikum erworbenen und gefestigten Kompetenzen den zügigen
Übergang der Auszubildenden in adäquate Beschäftigungsverhältnisse befördern. Lt. För-
derkonzeption gilt dieses Ziel als erreicht, wenn mindestens 70 % der Teilnehmer innerhalb
von 9 Monaten nach Ausbildungsende eine der Ausbildung adäquate Tätigkeit aufgenom-
men oder in Aussicht haben.
Da die geförderten Teilnehmer ihre Ausbildung zum Untersuchungszeitpunkt noch nicht be-
endet hatten, ist eine Quantifizierung der realisierten Arbeitsmarktübergänge noch nicht
möglich und bleibt ggf. späteren Analysen vorbehalten. Erfahrungswerte befragter Berufs-
schullehrer deuten darauf hin, dass knapp die Hälfte der Absolventen in den betreffenden
Ausbildungsrichtungen relativ zügig nach Ausbildungsende in ein ausbildungsadäquates
Beschäftigungsverhältnis einmündet. Für etwa 15 % der Absolventen wird die Dauer der
Arbeitsuche auf 3 bis 12 Monate geschätzt. Die Angaben zu Arbeitsmarktübergängen sind
durch ein hohes Maß an Unschärfe gekennzeichnet: Für etwa 40 % der Absolventen konn-
ten die Lehrkräfte keine Einschätzung treffen. Die im Rahmen der Fachevaluierung erarbei-
teten Untersuchungsergebnisse belegen, dass die ganz überwiegende Zahl der Maßnahme-
teilnehmer nach Ausbildungsende im erlernten Beruf arbeiten will und dabei einer späteren
Tätigkeit im Ausland sehr aufgeschlossen gegenüber steht.
Mit Blick auf diese zentralen Ergebnisse kann das Förderangebot als effektiv eingeschätzt
werden.
5.2.2. Betriebsnahe Ausbildungsplätze – transnational
Der ESF fördert hier die Bereitstellung zusätzlicher betriebsnaher Ausbildungsplätze für
marktbenachteiligte Jugendliche. Die Ausbildungsgänge beinhalten ein mindestens
3-wöchiges Auslandspraktikum.
Mit Blick auf die gerade erst angelaufene Durchführung der Praktika ist es noch zu früh für
eine abschließende Bewertung, in welchem Maße Auslandspraktika für die Zielgruppe der
marktbenachteiligten Jugendlichen im LEP trans nützlich sind. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt
lassen sich noch kaum verallgemeinerungsfähige Einschätzungen hierzu treffen.
Grundsätzlich zeichnet sich ab, dass die Auslandsaufenthalte vor allem zur Entwicklung von
Sozialkompetenz bzw. soft skills der Azubi beitragen. Diese Einschätzung der Projektträger
bzw. der an der Programmdurchführung beteiligten Bildungsdienstleister deckt sich mit dem
generellen Meinungsbild zum Nutzen von Auslandspraktika während der Ausbildung.
Allerdings berichten die Träger nach ersten Eindrücken, dass sich die Erfahrungen des Aus-
landsaufenthalts eher
selten nachhaltig
positiv auf die Lernmotivation und die Ausbildungs-
leistungen der Azubi auswirken. Wenn die Jugendlichen in ihr heimatliches Lern- und Le-
bensumfeld zurückgekehrt sind, treten meist auch wieder Disziplinschwierigkeiten und Moti-
vationsprobleme auf, die es auch schon vor dem Auslandsaufenthalt gab, die aber im „Aus-

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nahmezustand“ des Auslandspraktikums nach Auskunft der Praktikumsunternehmen und
Betreuungskräfte kaum festgestellt wurden.
Trotz dieser Einschränkung erscheinen die Auslandspraktika grundsätzlich geeignet, die
berufsfachlichen und sozialen Kompetenzen der Jugendlichen zu verbessern und somit die
Übergangschancen der Zielgruppe an der 2. Schwelle zu erhöhen. Dieser Wirkungszusam-
menhang ist allerdings gegenwärtig noch nicht anhand von Daten zur Umsetzung des LEP
trans empirisch belegbar oder gar quantifizierbar. Er kann lediglich durch Plausibilitätsbe-
trachtungen hergeleitet und begründet werden:
Die vorliegenden Bewertungsergebnisse sprechen dafür, die Förderung von Auslandsprakti-
ka auch für die Zielgruppe marktbenachteiligter Auszubildender zukünftig fortzusetzen. Aller-
dings sollten dafür neue Umsetzungsstrukturen entwickelt werden. Die bisherige Konzentra-
tion der Aktivitäten auf ein besonderes Landesprogramm, in dem nur ein kleinerer Teil der
Zielgruppe das Angebot der Auslandspraktika nutzen kann, ist nicht optimal. Sie beschränkt
die gebotene Flexibilität und Zielgenauigkeit bei der Umsetzung des Förderangebots und
führt so zu Effizienz- und Anreizverlusten. So ist das Berufsspektrum im LEP trans mit ca. 30
unterschiedlichen Ausbildungsberufen angesichts der begrenzten Platzzahl durchaus be-
achtlich. Andererseits wird damit nur etwa ein Drittel aller in GISA und Landesergänzungs-
programmen angebotenen Ausbildungsberufe abgedeckt. Insofern ist das Angebotsspektrum
der Berufe, in denen ein Auslandspraktikum absolviert werden kann, durchaus selektiv.
Hinzu kommt, dass der Bedarf an zusätzlichen, öffentlich finanzierten Ausbildungsplätzen –
vor allem im Zuge des demografischen Umbruchs am sächsischen Ausbildungsmarkt – ge-
genwärtig deutlich zurückgeht. In der Folge ist zu erwarten, dass auch leistungsschwächere
Jugendliche verstärkt auf betriebliche Ausbildungsstellen einmünden. Unabhängig davon
sollte auch dort für sie die Möglichkeit bestehen, im Rahmen der Ausbildung ein Auslands-
praktikum zu absolvieren.
5.3. Realisierung der im OP quantifizierten Ziele für die PA E
Im OP ist für die Prioritätsachse E als Outputindikator ein Zielwert von jährlich 1.200 Perso-
nen festgelegt, die an transnationalen Maßnahmen teilnehmen.
Der zweite, als Ergebnisindikator festgelegte Zielwert – Erhöhung der Teilnahme an transna-
tionaler Qualifizierung auf 1.830 Personen jährlich – ergibt sich durch Addition des Output-
Ziels zur Basisgröße des Jahres 2005.
Zur Erreichung des Output-Zielwertes sollen nach den Vorgaben des VKS 6 der 8 Förderge-
genstände der PA E beitragen (vgl. Übersicht 5). Der Fördergegenstand „Auslandspraktika
für Berufsfachschüler“, auf den nach Einschätzung der Evaluatoren der überwiegende Teil
der bisher geförderten Maßnahmeteilnehmer entfällt, zählt nicht dazu. Da mit diesem För-

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dergegenstand ebenfalls Auslandspraktika für Ausbildungsteilnehmer gefördert werden, ist
er inhaltlich passfähig zu den festgelegten OP-Indikatoren. Daher wird empfohlen, künftig
auch den Fördergegenstand 9177 „Auslandspraktika für Berufsfachschüler“ bei der Ermitt-
lung der Zielerreichung der OP-Indikatoren einzubeziehen.
Die Zahl der bisher registrierten Teilnehmereintritte in den Fördergegenständen, die für die
Bewertung der Zielerreichung zu OP-Indikator 23 relevant sind, beläuft sich auf rd. 450 Per-
sonen. Bezogen auf die Zielvorgabe für den gesamten Förderzeitraum errechnet sich daraus
ein Stand der Zielerreichung von rd. 5 %. Unter Einbeziehung der Teilnehmerzahl für För-
dergegenstand 9177 „Auslandspraktika für Berufsfachschüler“ würde der Zielerreichungs-
grad bei 12,5 % liegen.
Damit ist einzuschätzen, dass trotz relativ fortgeschrittener finanzieller Umsetzung auf Ebene
der PA E insgesamt der angestrebte Teilnehmer-Zielwert erst zu einem geringen Teil erreicht
wurde. Ursache hierfür sind vor allem die geringen bzw. bisher fehlenden Umsetzungsfort-
schritte bei den Fördergegenständen „Auslandsaufenthalte sächsischer Jugendlicher“ und
„Interkulturelle und Sprachkompetenzen“, die nach den Planungen den mit Abstand gewich-
tigsten Beitrag zur Erreichung des Teilnehmerziels leisten sollen.
Nur wenn hier eine deutliche Verstärkung der Förderaktivitäten gelingt, besteht realistisch die
Möglichkeit, die in den Förderkonzeptionen festgelegten Teilnehmerziele bis zum Ende der
Förderperiode noch zu erreichen. In jedem Fall erscheint eine Anpassung des OP-Zielwertes
an den aktuellen Stand der operationellen Planungen erforderlich.

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Übersicht 5 Überblick über die Zielindikatoren des OP für die PA E und zugeordneten Fördergegenständen gemäß VKS
(Stand 19.9.2008)
Bezeichnung des
OP-Indikators
Zielwert OP
(2007-13
kumuliert)
Fördergegenstand
Zielvorgabe
Zielerreichung per
Ende Sept. 2009
9091
Bildungsprojekte, Studienkonzepte
280 TN
0
9128
betriebsnahe Ausbildungsplätze – transnational (J1)
Nicht quantifiziert
432
9130, 9132, 7390
internationale Kompetenzen in der beruflichen
Erstausbildung, Auslandsaufenthalte sächsischer Jugendli-
cher (J2)
2.500
18
22) Erhöhung der Teilnahme
an transnationaler
Qualifizierung
12.810
(1.830 p.a.)
9628
Transnationale Studienabschlussstipendien
150
1
9091
Bildungsprojekte, Studienkonzepte
280 TN
0
9128
betriebsnahe Ausbildungsplätze – transnational (J1)
Nicht quantifiziert
432
9130, 9132, 7390
internationale Kompetenzen in der beruflichen
Erstausbildung, Auslandsaufenthalte sächsischer Jugendli-
cher (J2)
2.500
18
23) Personen, die an trans-
nationalen Maßnahmen
teilnehmen
8.400
(1.200 p.a.)
9628
Transnationale Studienabschlussstipendien
150
1
Quelle: OP S. 107, VKS, Förderkonzeptionen der Fachressorts, eigene Zusammenstellung

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5.4. Beitrag der PA E zur Unterstützung der Querschnittsziele des ESF
Aufgrund der Fokussierung der Maßnahmen der PA E auf die Zielgruppe von Jugendlichen
in schulischer bzw. beruflicher Erstausbildung trägt die Förderung dazu bei, durch die Ver-
besserung des Humankapitals der jüngeren Generation den Folgen des demografischen
Wandels auf das Arbeitsangebot in Sachsen entgegenzuwirken. Die Verbesserung von Qua-
lifikation und Beschäftigungsfähigkeit der Zielgruppe trägt tendenziell dazu bei, den quantita-
tiven Rückgang an Berufsanfängern zu kompensieren. Im Sinne der besseren „Ausschöp-
fung“ der verfügbaren Humanressourcen ist dies ein zentraler Baustein der Strategie des
Freistaats Sachsen zur Bewältigung des demografischen Wandels.
Das Potenzial der Maßnahmen der PA E zur Unterstützung der übrigen Querschnittsziele
des OP ist recht begrenzt: Praktisch enthalten die Fördervorgaben der Fachprogramme kei-
ne Präferenzen, um das Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt
oder das Ziel einer umweltgerechten Entwicklung direkt zu unterstützen.
Die Geschlechterverteilung der Teilnehmer in den Programmen wird von geschlechtsspezi-
fisch typischen Berufswahlmustern geprägt. Während die zusätzlichen betriebsnahen Aus-
bildungsplätze im LEP trans überwiegend mit männlichen Bewerbern besetzt werden, wer-
den die Berufsfachschul-Ausbildungsgänge, in denen der ESF Auslandspraktika fördert, zu
rund fünf Sechstel von jungen Frauen belegt. Für beide Fördermaßnahmen gelten keine
spezifischen Vorgaben zur Förderung der Chancengleichheit von Männern und Frauen. Die
Maßnahmestruktur der PA E wirkte jedoch bisher ausgleichend auf das Verhältnis von
männlichen und weiblichen Teilnehmern.
Im LEP trans soll die Teilnahme von jungen Müttern an den mehrwöchigen Auslandspraktika
dadurch ermöglicht werden, dass sie in diesem Zeitraum besondere Unterstützung bei der
Kinderbetreuung erhalten. Insofern wird das Ziel „Chancengleichheit“ hier in der praktischen
Umsetzung der Maßnahme durchaus berücksichtigt.
Auch in Bezug auf das Ziel einer umweltgerechten Entwicklung ist das Steuerungspotenzial
der Maßnahmen der PA E begrenzt. Maßgeblich für die Inhalte der Auslandspraktika, die
aus dem ESF gefördert werden, sind die Vorgaben der Rahmenlehrpläne bzw. Lehrpläne für
die jeweiligen Berufe. Sensibilisierung und die Vermittlung von Handlungskompetenz bzgl.
umweltgerechter Entwicklung müssen deshalb in diesen Plänen systematisch verankert sein.
Für das LEP trans ist darauf hinzuweisen, dass sich im Spektrum der Berufe, die hier geför-
dert werden, auch sog. „grüne Berufe“ mit ausgeprägtem Umweltbezug befinden (Landwirte,
Garten- und Landschaftsbau).

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5.5. Effizienzbetrachtung
Unter Effizienzgesichtspunkten sind einige der Maßnahmen der PA E aus Sicht der Evalua-
toren kritisch zu bewerten:
So ist der Aufwand der administrativen Vorbereitung der ESF-Förderverfahren für die
„Kleinstmaßnahmen“
-
Vorhaben zur Vermittlung von Sprachkenntnissen in Tschechisch oder Polnisch und
zur Verbesserung der interkulturellen Kompetenzen in Bezug auf die beiden Nach-
barländer (Lehrer) und
-
Transnationale Bildung im Agrarsektor sowie im Bereich der Forstwirtschaft, ländli-
chen Entwicklung und Umwelt,
in denen jeweils nur gut 200 T€ ESF-Mittel für den gesamten Förderzeitraum eingeplant
sind, als problematisch zu beurteilen. Die Dezentralisierung der Umsetzung des ESF ist hier
im Bereich der PA E offenbar mit einer Zersplitterung der Ressourcen einher gegangen.
Bei der Förderung betriebsnaher Ausbildungsplätze mit Auslandspraktika wird die Zielgenau-
igkeit und damit auch die Effizienz der „transnationalen Komponente“ dadurch beeinträchtigt,
dass frühzeitig eine Festlegung auf bestimmte Berufe bzw. Auszubildende erfolgt. Andere,
evtl. höher motivierte und besser geeignete Azubi aus GISA-Maßnahmen haben bei diesem
Verfahren nur geringe Chancen, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Vor diesem Hinter-
grund wird eine Umstellung des Förderverfahrens vorgeschlagen.
Die Angebote zur Förderung von Auslandsaufenthalten und interkulturellen Kompetenzen
sächsischer Jugendlicher in dualer Ausbildung wurden bisher vor allem auch deshalb nicht in
Anspruch genommen, weil Unternehmen den Aufwand für die organisatorische Vorbereitung
der Auslandspraktika und die Abwicklung der Förderverfahren im Vergleich zum erwarteten
Nutzen oft als zu hoch einschätzen.
Die Ende 2009 eingerichteten Beratungsstellen sollen den Unternehmen hier effektive Ent-
lastung schaffen. Inwieweit dies gelingt, sollte in angemessener Frist – bis zum Ende des
Jahres 2010 – bewertet werden.

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6. Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen
In der hier untersuchten Prioritätsachse E des Operationellen Programms werden Qualifizie-
rungsmaßnahmen mit transnationaler Ausrichtung gefördert. Sachsen hat von allen deut-
schen Bundesländern, die ESF-Programme im Ziel „Konvergenz“ umsetzen, die umfang-
reichsten Förderaktivitäten in der PA E geplant. Die vergleichsweise hohe finanzielle Ge-
wichtung der PA E kann mit der Lage des Freistaats in Nachbarschaft zu Polen und Tsche-
chien und den Bemühungen um Intensivierung der transnationalen Zusammenarbeit auch im
Bereich der Humanressourcen plausibel begründet werden. Mit Blick auf die vollständige
Arbeitnehmerfreizügigkeit, die für die östlichen Nachbarn Sachsens ab 2011 gelten wird,
erscheinen entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten für sächsische Unternehmen und
Beschäftigte begründet.
Praktisch fokussiert die Förderung transnationaler Maßnahmen im sächsischen OP auf den
Bereich der Erstausbildung (Schule, Berufsausbildung, Studium) und korrespondiert damit
mit den Zielen der PA B. Zwar benennt das OP als Ziele auch die Förderung des transnatio-
nalen Erfahrungsaustausches im Rahmen der beruflichen Weiterbildung und bietet somit
Anknüpfungspunkte sowohl für Fördermaßnahmen im Bereich der beruflichen Weiterbildung
für Erwerbstätige (PA A) als auch für Arbeitslose (PA C). In der Förderpraxis spielen diese
Bereiche jedoch keine Rolle.
Die Mittelbindung ist in der Prioritätsachse E bereits weit vorangeschritten. Aus den Daten
des finanziellen Monitoring per Ende September 2009 und zusätzlichen Informationen lässt
sich ein Bewilligungsstand von rd. 50 % des für den gesamten Programmzeitraum geplanten
Förderbudgets schätzen. Um das Förderangebot für transnationale Maßnahmen bis zum
Ende der Förderperiode im Jahr 2013 aufrecht erhalten zu können, sind demzufolge Ent-
scheidungen im Hinblick auf künftige Prioritätensetzungen erforderlich.
Bei Betrachtung einzelner Vorhabensbereiche und Fördergegenstände stellen sich die Um-
setzungsfortschritte sehr unterschiedlich dar. Die fortgeschrittene Mittelbindung der PA E
insgesamt wird im Wesentlichen durch zwei der insgesamt acht Fördergegenstände getra-
gen (Auslandspraktika für Berufsfachschüler, Zusätzliche betriebsnahe Ausbildungsplätze
mit Auslandspraktika – LEP trans).
Umsetzungsdefizite gibt es bei Maßnahmen, bei denen
-
Unternehmen als Träger der dualen Ausbildung Adressaten des Förderangebots sind
(Auslandsaufenthalte sächsischer Auszubildender, Interkulturelle und Sprachkompe-
tenzen);
-
Kleinstmaßnahmen aus dem ESF finanziert werden sollen, die bisher für die zustän-
digen Ressorts keine Umsetzungspriorität hatten (Sprachkurse Tschechisch und Pol-
nisch für Lehrer, transnationale Bildungsprojekte des SMUL, transnationale Studien-
abschlussstipendien des SMWK).
Mit einer Beschleunigung des Förderprozesses ist in diesen Bereichen nach Einschätzung
der Evaluatoren kurzfristig nicht zu rechnen. Lediglich bei den geplanten Sprachkursen für
Lehrer ist bereits im Jahr 2010 ein deutlicher Fortschritt der Mittelbindung zu erwarten.

Begleitende Evaluierung für den Europäischen Sozialfonds im Freistaat Sachsen 2007-2013
Programmevaluierung der Prioritätsachse E
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Im OP ist für die Prioritätsachse E als Outputindikator ein Zielwert von jährlich 1.200 Perso-
nen festgelegt, die an transnationalen Maßnahmen teilnehmen. Die Zahl der Auslandsprakti-
ka von Azubi soll damit gegenüber dem für 2005 ermittelten Basiswert etwa verdreifacht
werden.
Die Zahl der bisher registrierten Teilnehmereintritte in den Fördergegenständen, die für die
Bewertung der Zielerreichung relevant sind, beläuft sich auf rd. 450 Personen. Bezogen auf
die Zielvorgabe für den gesamten Förderzeitraum errechnet sich daraus ein Stand der Zieler-
reichung von rd. 5 %. Unter Hinzurechnung der Zahl der Teilnehmer an Auslandspraktika für
Berufsfachschüler, die von den Evaluatoren empfohlen wird, würde der Zielerreichungsgrad
bei 12,5 % liegen.
Damit ist einzuschätzen, dass trotz relativ fortgeschrittener finanzieller Umsetzung auf Ebene
der PA E insgesamt der angestrebte Teilnehmer-Zielwert erst zu einem geringen Teil erreicht
wurde. Ursache hierfür sind vor allem die geringen bzw. bisher fehlenden Umsetzungsfort-
schritte bei den Fördergegenständen „Auslandsaufenthalte sächsischer Jugendlicher“ und
„Interkulturelle und Sprachkompetenzen“, die nach den Planungen den mit Abstand gewich-
tigsten Beitrag zur Erreichung des Teilnehmerziels leisten sollen.
Nur wenn hier eine deutlich Verstärkung der Förderaktivitäten gelingt, besteht realistisch die
Möglichkeit, die in den Förderkonzeptionen festgelegten Teilnehmerziele bis zum Ende der
Förderperiode noch zu erreichen. In jedem Fall erscheint eine Anpassung des OP-Zielwertes
an den aktuellen Stand der operationellen Planungen erforderlich.
Signifikante Umsetzungsfortschritte waren zum Untersuchungszeitpunkt erst für zwei der
insgesamt 8 Fördergegenstände der PA E zu verzeichnen (siehe oben). Auch für diese bei-
den Fördergegenstände liegen aufgrund der Laufzeit der Einzelvorhaben noch keine belast-
baren Daten über nachhaltige Wirkungen wie den Verbleib der Teilnehmer nach Maßnah-
meende, Eingliederungseffekte in den Arbeitsmarkt etc. vor. Unter dem Gesichtspunkt der
Wirksamkeit der Maßnahmen kann die Evaluierung zum gegenwärtigen Zeitpunkt daher nur
vorläufige Einschätzungen treffen.
Das ESF-Angebot zur Förderung von Auslandspraktika für Berufsfachschüler fügt sich nach
Einschätzung der Evaluatoren schlüssig in die Strategie des Freistaats Sachsen sein, Ju-
gendlichen bereits während der Ausbildung die Möglichkeit des Erwerbs arbeitsmarktrele-
vanter Auslandserfahrungen zu eröffnen. In den für die Förderung in Frage kommenden
Ausbildungsrichtungen sind fremdsprachliche und interkulturelle Kompetenzen von großer
Bedeutung für die Beschäftigungsfähigkeit der Jugendlichen und beeinflussen die Chancen
für einen erfolgreichen Berufsstart in hohem Maße positiv. Insofern ist das Förderangebot als
sinnvoll und zweckmäßig einzuschätzen. Soweit dies nach dem aktuellen Stand der Pro-
grammdurchführung beurteilt werden kann, werden die Ziele der Förderung – deutliche Ver-
besserung der sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen der Teilnehmer sowie ausbil-
dungsadäquate Berufseinmündungen – erreicht.
Mit Blick auf diese zentralen Ergebnisse kann das Förderangebot als effektiv eingeschätzt
werden. Die Evaluatoren empfehlen eine Fortsetzung bis zum Ende des Förderzeitraums.

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Die mehrwöchigen Auslandspraktika im Rahmen der Förderung zusätzlicher betriebsnaher
Ausbildungsplätze für marktbenachteiligte Jugendliche (LEP trans) tragen nach ersten Ein-
schätzungen vor allem zur Entwicklung von Sozialkompetenz bzw. soft skills der Azubi bei.
Sie erscheinen daher grundsätzlich geeignet, die Übergangschancen der Zielgruppe an der
2. Schwelle zu erhöhen. Dieser Wirkungszusammenhang ist allerdings gegenwärtig noch
nicht anhand von Daten empirisch belegbar oder gar quantifizierbar. Er kann lediglich durch
Plausibilitätsbetrachtungen hergeleitet und begründet werden.
Die vorliegenden Bewertungsergebnisse sprechen dafür, die Förderung von Auslandsprakti-
ka auch für die Zielgruppe marktbenachteiligter Auszubildender zukünftig fortzusetzen. Prob-
lematisch erscheint jedoch das gewählte Umsetzungsmodell: Die bisherige Konzentration
der Aktivitäten auf ein besonderes Landesprogramm, in dem nur ein kleinerer Teil der Ziel-
gruppe das Angebot der Auslandspraktika nutzen kann, ist nicht optimal. Sie beschränkt die
gebotene Flexibilität und Zielgenauigkeit bei der Umsetzung des Förderangebots und führt
so zu Effizienz- und Anreizverlusten. Daher sollten zukünftig neue Umsetzungsstrukturen für
das Förderangebot entwickelt werden.
Die übrigen Fördergegenstände der PA E können aufgrund der bisher geringen Umset-
zungsfortschritte gegenwärtig nur unter dem Gesichtspunkt der potenziellen Wirksamkeit
beurteilt werden. Legt man die Daten aus der Programmplanung und den Förderkonzeptio-
nen der Fachressorts zugrunde, dann ist das Wirkungspotenzial der Fördergegenstände
Bildungsprojekte, Studienkonzepte im Agrarsektor sowie im Bereich der Forstwirt-
schaft, ländlichen Entwicklung und Umwelt (FG 9091) und
Transnationale Studienabschlussstipendien (FG 9628)
als relativ gering einzuschätzen. Bei beiden Programmen liegt dies an der geringen Finanz-
ausstattung, beim SMUL-Programm zusätzlich an dem sehr breiten Zielgruppenspektrum.
Aus ihren Bewertungen leiten die Evaluatoren für diese Fördergegenstände folgende Hand-
lungsempfehlungen ab:
Bzgl. der Förderung von Sprachkursen für Lehrer wird angeregt, die Erfahrungen bei
der Teilnehmergewinnung für die im Jahr 2010 beginnenden Maßnahmen zu nutzen,
um den Bedarf an weiteren Kursen künftig genauer einzuschätzen und das ESF-
Angebot ggf. bedarfsgerecht weiter zu entwickeln.
Um das Angebot zur Förderung transnationaler Studienabschlussstipendien effektiv
umzusetzen, ist nach Einschätzung der Evaluatoren eine gezielte Informationsoffen-
sive an geeigneten Hochschulstandorten in den Nachbarstaaten erforderlich. Eine
solche Informationstätigkeit sollte von Seiten des SMWK in Abstimmung mit den
sächsischen Hochschulen zügig initiiert werden.
Für ein spezielles ESF-Angebot zur Förderung transnationaler Maßnahmen im
Agrarsektor sowie im Bereich der Forstwirtschaft, ländlichen Entwicklung und Umwelt
besteht nach Einschätzung der Evaluatoren unter den gegebenen Rahmenbedingun-

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gen (Interessenlage der Antragsteller, Fördermöglichkeiten in anderen Programmen)
kein signifikanter Bedarf.
Um die Umsetzung der Angebote zur Förderung von Auslandsaufenthalten sächsi-
scher Auszubildender sowie zur Vermittlung interkultureller und Sprachkompetenzen
zu forcieren, wurde Ende 2009 ein Netz von Beratungsstellen eingerichtet. Die Wirk-
samkeit dieser Unterstützungsstruktur sollte zeitnah – gegen Ende des Jahres 2010 –
überprüft werden.
Das im ESF-OP angesprochene Thema der Arbeitnehmerfreizügigkeit hat bei der Umset-
zung der PA E bisher keine Rolle gespielt. Einerseits hat die Bundesregierung ihre Position
gegen eine Verkürzung der Übergangsfristen mit der Gefahr schwerwiegender Störungen
des deutschen Arbeitsmarktes begründet. Andererseits sind die bisherigen Übergangsfristen
nach Einschätzung der Evaluatoren nur wenig genutzt worden, um Unternehmen und Arbeit-
nehmern gezielt auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit vorzubereiten.
Vor diesem Hintergrund empfehlen die Evaluatoren, den Unterstützungsbedarf von Unter-
nehmen und Arbeitgebern in Sachsen im Hinblick auf die ab Mai 2011 geltende volle Arbeit-
nehmerfreizügigkeit systematisch zu untersuchen und im Ergebnis ggf. geeignete Unterstüt-
zungs- und Förderangebote zu entwickeln.