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Gunter A. Pilz
Fans und Polizei – ein Plädoyer für Kommunikation statt Konfrontation
Der Fußball bietet offensichtlich eine geeignete Plattform, um Feindbilder zu pro-
duzieren und zu verstärken. Bereits 1988 wurde im Gutachten „Fankultur und Fan-
verhalten" auf eine Distanz zwischen Fans und Polizei hingewiesen. Die sich dahinter
verbergenden Feindbilder - oft Folge von Unkenntnis der Verhaltensnotwendig- und -
Möglichkeiten des Anderen - leisten in Konfliktsituationen gefährlichen Eskalations-
und Solidarisierungsprozessen Vorschub und lässt die Präsenz von Polizei im
Fanbereich zusätzlich emotional und affektiv belastend werden.
Maßnahmen zur Deeskalation, zur Gewaltprävention setzen entsprechend voraus, dass
die Konfliktparteien die Spielregeln des Gegenübers kennen, dass die Polizei über
Ursachen und Bedingungen von Gewaltbereitschaft, über Ziele und Inhalte von
Fankulturen, über deren Verhaltenskodexe und —weisen unterrichtet ist, und dass
umgekehrt die Fans über die Notwendigkeiten und Ziele polizeilichen Handelns informiert
sind. Diese Notwendigkeit des Dialoges, des Austausches, zwischen Fans und
Polizei im Schnittfeld der Bemühungen um Gewaltprävention lässt sich mit
dem soziologischen Grundsatz begründen, dass „das Handeln von Menschen
nicht von ihrer Situation, sondern von ihrer Definition der Situation" bestimmt ist.
Anhand von zwei Praxisbeispielen (Zukunftswerkstätten mit Fans und Polizei und dem
polizeilichen Konfliktmanagementmodell der Polizeidirektion Hannover) wird
verdeutlicht, dass Kommunikation der herausragende Baustein zur Verbesserung der
Sicherheit im Fußball ist. Dialog ist der Weg, der zu einer Umkehr der Spirale von wachsenden
Feindbildern und daraus resultierenden Konflikten führt. Am Ende bewirkt eine Verbesserung
der Sicherheit auf der Grundlage echter Mitverantwortung der Fanszenen eben auch eine
wirksame Entlastung der Polizei in den Fußballeinsätzen. Und einer solchermaßen entlasteten
Polizei wird es naturgemäß viel leichter gelingen, mit Zurückhaltung und Augenmaß zu
agieren. Der Nutzen auf der Fanseite liegt in zurückgewonnenen Freiheiten und Spielräumen,
so dass beide Seiten gewinnen. Wir brauchen weder schärfere Gesetze, noch mehr Polizei
bei Fußballspielen, sondern mehr Transparenz polizeilichen und fanspezifischen Handeln und
vor allem mehr Kommunikation und Dialog zwischen Fans und Polizei.
Prof. h.c., Dr. phil., Dipl.-Soz. Gunter A. Pilz
Zur Person
Pilz, Gunter A., Prof. h.c., Dr. phil, Dipl.-Soziologe,
Akad. Oberrat i.R.; geb. 5.12.1944
Honorarprofessor an der Hochschule Hannover
Preisträger des Ethikpreises der Deutschen Olympischen Sportbundes
Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande

 
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Vorsitzender des Netzwerks Sport & Politik für Fairness, Respekt und Menschenwürde
Studium:
der Soziologie, Psychologie und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Freiburg i. Brsg.,
München und Zürich (1965-1971), Promotion zum Dr. phil. an der Fakultät für Geistes- und
Sozialwissenschaften der Universität Hannover (1981)
beruflicher Werdegang:
1972-1974 wiss. Mitarbeiter am Forschungsinstitut der Eidgenössischen Turn- und
Sportschule Magglingen (Schweiz)
1974 – 2010 Wiss. Angestellter/Akad. Oberrat am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz
Universität Hannover
von 2012 bis 2014 Leiter
der
Kompetenzgruppe
"Fankulturen
und
Sport
bezogene
Soziale
Arbeit"
am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover
seit Januar 2000 Honorarprofessor an der Evang. Fachhochschule Hannover, jetzt
Hochschule Hannover, Fakultät V, Diakonie, Gesundheit und Soziales
Gutachter
für das Bundesinnenministerium
"Sport und Gewalt" (1981)
"Darstellung von Gewalt im Sport, in den Medien und ihre Auswirkungen"(1987)
"Fanverhalten und Fankultur" (1988)
Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball (2006)
Rechtsextremismus im Sport in Deutschland und im internationalen Vergleich (2008-
2009)
für das Bundesinstitut für Sportwissenschaft
zur fachlichen Beratung (2010-2017)
für den DFB
Fans und Ultras im Internet (2002-2003)
Evaluation Fan- und Besucherbetreuungsprogramm WM 2006 (2005-2006)
Evaluation der Schul- und Vereinskampagne Team 2011 des OK der FIFA-Frauen-
Fußball-WM 2011
Wissenschaftliche Begleitung des Projekts „Kinderträume wahrmachen“ des OK der
FIFA-Frauenfußball-WM 2011
für das Deutsche Jugendinstitut
Jungen und Gewalt im organisierten Sport - Recherche über geschlechtsspezifische –
insbesondere jungenspezifische - Ansätze in der Gewaltprävention. (2004-2005,
zusammen mit Franciska Wölki und Susanne Gizycki)
für den Europarat

 
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Das Phänomen der Ultras in den Staaten des Europarates im Auftrag des Standing
Comittee (T-RV) der European Convention on Spectator Violence and Missbehavour
at Sport Events and in Particular at Football Matches
für das Innenministerium Niedersachsen (Reformkommission der Polizei
Niedersachsen)
„Geschlossene Einsätze“ (1991-1992)
Mitbegründer und wissenschaftlicher Begleiter
des Fußball-Fan-Projektes Hannover (Start 1985)
des Fair Play Cups Niedersachsen (Start 1987, ausgezeichnet mit der Fair Play
Medaille des International Fair Play Committee)
des Mitternachtssports in Hannover (Start 1997)
des Projekts „Ethnische Konflikte im Jugendfußball, Integration, Gewaltprävention und
Intervention durch Vernetzung von Sportverein, Schule und Soziale Arbeit, Start 2002)
des Projekts Fußball als Medium schulischer und beruflicher Qualifikation (Start 2005,
sechsfach ausgezeichnet: Integrationspreis des DFB 2010; Integrationspreis der Stadt
Hannover 2011; Deichmann Förderpreis für Integration 2012, Hochschulperle des
Stifterverbandes der deutschen Wissenschaft 2013; Ideenwettbewerbs zum Fonds
„Miteinander-Gemeinsam für Integration“ der Region Hannover 2013 und 2. Platz beim
Hidden Movers Award der Deloitte-Stiftung 2013)
des JugendSportZentrums Hannover (Start 2007)
Berater
des Deutschen Fußball Bundes für Fan-/Fanprojekt-Fragen, Fair Play, Werteorientierung,
Gewaltprävention, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Diskriminierung, Vielfalt und
Nachhaltigkeit und Gewaltprävention (seit Oktober 2006)
der Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit (KoFaS gGmbH)
(seit 2016)
des Bundesprojekts „VOLLKONTAKT Demokratie und Kampfsport“
Vorsitzender aktuell
der AG Qualitätssicherung der Fan-Projekte nach dem Nationalen Konzept Sport und
Sicherheit des Beirats der Koordinationsstelle Fan-Projekte (seit 2010)
des Netzwerks "Sport und Politik verein(t) gegen Rechtsextremismus (Beratungsnetzwerk
REX) (seit 2011, ab 2018 Netzwerk Sport & Politik für Fairness, Respekt und
Menschenwürde))
der Arbeitsgruppe der Daniel-Nivel-Stiftung der FIFA (seit 2011)
Mitglied aktuell
in der Kommission "Prävention und Sicherheit (2007- 2013) ab Oktober 2013
Kommission "Prävention & Sicherheit & Fußballkultur“ des DFB
in der Kommission „Gesellschaftliche Verantwortung“ des DFB (seit 2013)
in der AG „Sport mit Courage“ der dsj (seit 2012)
im Beirat der Koordinationsstelle Fan-Projekte bei der Deutschen Sportjugend (seit 1993)
in der PG „Gewalt gegen Schiedsrichter“ (seit 2019)

 
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berufenes Mitglied der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur (seit 2004)
Ehrungen
Verleihung der goldenen Ehrenspange des Niedersächsischen Fußballverbandes für
"hervorragende Verdienste um die Förderung des Fußballsports und in Anerkennung
unermüdlichen Eintretens für seine Ziele" (am 19.07.2012)
Verleihung des Ethikpreises des Deutschen Olympischen Sportbundes für
"herausragende Verdienste in den Bereichen Fair Play und Gewaltprävention" sowie
"langjährigen Engagements gegen Rechtsextremismus im Sport" (am 06.09 2012)
10. März 2015 Übergabe der Festschrift „Für Respekt im Sport! – Gunter A. Pilz zwischen
Graugänsen, Streithähnen und Zaunkönigen, erschienen 2015 als Band 3 der KoFaS-
Reihe im Arete-Verlag Hildesheim
Verleihung der Silbernen Ehrennadel des Deutschen Fußball-Bundes in Würdigung meiner
Verdienste um den deutschen Fußballsport (20.04.2017)
Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande (14.08. 2017)
Verleihung der Goldenen Ehrennadel der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft
(29.03.2022)
Ehrenamtliche Tätigkeiten
Schirmherr der Foto-Wanderausstellung gegen Rechtsextremismus „Sei eine Stimme“ der
Aktion Liebe Deinen Nächsten e.V.
Mitglied im Kuratorium der Stiftung St. Laurentius Nienhagen
Vorsitzender der Neuen Jazzinitiative Celle e.V.
(
www.neue-jazzinitiative-celle.de
) (1996-
2016)
Ehrenvorsitzender der Neue Jazzinitiative Celle e.V.
Ehrenmitglied des Fördervereins der Big Band Celle
Hobbys:
Gitarre spielen (Blues und vor allem Rock´n´Roll), Jazz, Mitglied der Band „The Grandparents“,
Fußball, Skilaufen und Wasserski, Wohnmobilreisen, leidenschaftlicher Norwegenfan (Winter
wie Sommer)