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Postfach 54 01 37, 01311 Dresden
Internet:
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
Bürgerbeauftragte:
Frau Karin Bernhardt
E-Mail:
karin.bernhardt@smul.sachsen.de
Tel.:
0351 2612-9002; Fax: 0351 2612-1099
Bearbeitungsstand:
Juli 2008
Kurzfassung MaP 250 „Zschopautal“
1. Gebietscharakteristik
Das FFH-Gebiet (SAC) „Zschopautal“ erstreckt sich vom Raum Annaberg-Buchholz im Erzgebirgs-
kreis bis nördlich Mittweida im Landkreis Mittelsachsen. Es setzt sich aus fünf getrennten Teilgebie-
ten (TG) zusammen, die insgesamt eine Fläche von 2.436,6 ha umfassen.
Das FFH-Gebiet folgt als überwiegend schmales Band dem von Süden nach Norden gerichte-
ten Tal der Zschopau von Schlettau bis Kriebstein auf einer Flusslänge von ca. 91 km. Dabei
schließt es Schlucht- und Hangwälder, Felsformationen sowie Grünland der Bergländer und
Sohlentäler ein. Linksseitig der Zschopau sind das Sternmühlental bei Kunnersdorf sowie ein
Serpentinitstandort bei Krumbach in das Schutzgebiet integriert. Die Stadtgebiete von
Zschopau und Flöha wurden ausgegrenzt.
Das Grundgebirge des südlichen, erzgebirgischen Anteils des SAC wird überwiegend aus Phylliten,
Glimmerschiefern und Gneisen aufgebaut, während im nördlichen Teil das Granulitgebirge ansteht.
Als geologische Besonderheit sind die Granat-Serpentinit-Standorte herauszustellen. An Bodenty-
pen überwiegen in den Gneisgebieten bei Flöha, den Glimmerschieferbereichen um Zschopau und
in den Phyllitgürtelflächen sandig-lehmige Braunerden. Demgegenüber bildeten sich in den grund-
vernässten Böden der Flussauen und Hänge Gleye bis Braungleye.
Die Höhenlage des Gebietes bewegt sich von ca. 210 m - 575 m üNN. Das Flusstal der Zschopau
ist durch relative Niederschlagsarmut und Windschwäche gekennzeichnet, aber stark hochwasser-
gefährdet. Der Fluss nimmt einen gewundenen und unverzweigten Verlauf und ist reliefbedingt
selten mäandrierend. Die Ufer sind mäßig verbaut, naturnahe Abschnitte herrschen lediglich im
Oberlauf vor. Die Gewässergüte zeigt im allgemeinen eine mäßige Belastung. Innerhalb des FFH-
Gebietes existieren 67 Querbauwerke, von denen die knappe Hälfte nicht ökologisch durchgängig
ist. Mindestens 29 unterliegen einer Wasserkraftnutzung. Zum SAC gehören auch zahlreiche zu-
fließende Bäche sowie Teiche. Die Talsperre Kriebstein wurde anteilig integriert.
Den größten Flächenumfang im SAC nehmen mit ca. 1.333 ha (54,7 %) die Wälder und Forsten
ein. Dabei dominieren mit jeweils einem Drittel Nadel-Reinbestände bzw. Laubmischwald. Die
Waldflächen befinden sich etwa zur Hälfte in Privatbesitz, 36 % sind Landeswald. Des Weiteren ist
im SAC Wirtschaftsgrünland mit einer Fläche von 513,2 ha (21,1 %) vertreten.
Im Gebiet sind zahlreiche Schutzkategorien nach Naturschutzrecht vorhanden: Vogelschutzgebiet
(SPA) „Zschopautal“ (1.159 ha); Naturschutzgebiet (NSG) „Zschopautalhänge bei Lichtenwalde“
(ca. 38 ha); die Landschaftsschutzgebiete „Mittweidaer Zschopautal“ (ca. 560 ha), „Talsperre Krieb-
stein“ (ca. 1.710 ha), „Mittleres Zschopautal“ (ca. 2.260 ha.), „Lichtenwalde“ (790 ha), „Augustus-
burg–Sternmühlental“ (3.639 ha) und „Oberes Zschopautal mit Preßnitztal“ (11.541 ha); dazu
33 Flächennaturdenkmale, der Naturpark „Erzgebirge/Vogtland (Anteil am FFH- Gebiet ca. 154 ha)
sowie viele nach § 21 SächsNatSchG (i.d.F. vom 22.07.2013) geschützte Biotope.

2
2.
Erfassung und Bewertung
2.1
LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Im FFH-Gebiet „Zschopautal“ wurden 15 Lebensraumtypen (LRT) mit einer Gesamtfläche von
490,6 ha kartiert (vgl. Tabelle 1). Hinzu kommen 14,4 ha Entwicklungsflächen für die LRT Hainsim-
sen-Buchenwälder (9110) und Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder (91E0*). Der im Standard-
datenbogen angegebene LRT 3270 (Flüsse mit Schlammbänken) konnte nicht bestätigt werden.
Tabelle 1:
Lebensraumtypen im SAC
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflächen
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SAC [%]
3150
Eutrophe Stillgewässer
3
0,3
< 0,1
3260
Fließgewässer mit Unterwasservegetation
35
94,4
3,9
6230*
Artenreiche Borstgrasrasen
1
< 0,1
< 0,1
6430
Feuchte Hochstaudenfluren
11
2,1
0,1
6510
Flachland-Mähwiesen
68
51,5
2,1
6520
Berg-Mähwiesen
19
10,8
0,4
8150
Silikatschutthalden
1
0,1
< 0,1
8220
Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
68
4,0
0,2
8230
Silikatfelsen mit Pioniervegetation
12
0,3
< 0,1
9110
Hainsimsen-Buchenwälder
51
97,0
4,0
9130
Waldmeister-Buchenwälder
2
24,1
1,0
9160
Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder
4
13,2
0,5
9170
Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
41
102,0
4,2
9180*
Schlucht- und Hangmischwälder
31
57,8
2,4
91E0*
Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder
47
33,0
1,4
Summe
347
490,6
20,1
*prioritärer Lebensraumtyp
Dem LRT Eutrophe Stillgewässer (3150) entsprechen der Stauteich südlich der Naturschutzstation,
der obere Teich an der Grundteichschänke und der Altarm an der Zschopau südlich von Erd-
mannsdorf. Kennzeichnend für alle ist der Mangel an LRT-relevanten Arten, der lediglich eine mitt-
lere bis schlechte Bewertung des Arteninventars zulässt. Zudem treten natürliche Beeinträchtigun-
gen durch Beschattung und strukturelle Defizite bei den Stauteichen auf. Insgesamt befindet sich
daher ein Stauteich in ungünstigem, die anderen beiden LRT-Flächen in gutem Erhaltungszustand
(EHZ).
Dem LRT Fließgewässer mit Unterwasservegetation (3260) konnten neben der Zschopau auch
fünf Nebengewässer zumindest abschnittsweise zugerechnet werden (Heidelbach, Pöhlbach, Dre-
bacher Bach, Dorfbach und Seidelbach). Von den 35 LRT-Flächen befinden sich 31 in günstigem
EHZ. Trotz einer streckenweise guten Lebensraumstruktur fällt die arme Ausbildung der Unterwas-
servegetation als Auswirkung des Hochwasserereignisses 2002 auf. Nach der Regeneration kann
jedoch mit einer qualitativen Verbesserung des LRT gerechnet werden. Beeinträchtigungen beste-
hen durch die zahlreichen Querbauwerke an der Zschopau, durch die Dominanz von Drüsigem
Springkraut (
Impatiens glandulifera
) in der Ufervegetation sowie durch Beschattung.

3
Tabelle 2:
Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SAC
Lebensraumtyp (LRT)
Erhaltungszustand
A
B
C
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
3150
Eutrophe Stillgewässer
-
-
2
0,3
1
< 0,1
3260
Fließgewässer mit
Unterwasservegetation
2
1,6
29
87,5
4
5,3
6230*
Artenreiche
Borstgrasrasen
-
-
1
< 0,1
-
-
6430
Feuchte
Hochstaudenfluren
-
-
10
1,8
1
0,3
6510
Flachland-Mähwiesen
-
-
68
51,5
-
-
6520
Berg-Mähwiesen
5
5,0
13
5,7
1
0,1
8150
Silikatschutthalden
-
-
1
0,1
-
-
8220
Silikatfelsen mit
Felsspaltenvegetation
1
< 0,1
67
4,0
-
-
8230
Silikatfelsen mit
Pioniervegetation
-
-
12
0,3
-
-
9110
Hainsimsen-Buchenwälder
-
-
48
94,2
3
2,8
9130
Waldmeister-
Buchenwälder
-
-
2
24,1
-
-
9160
Sternmieren-Eichen-
Hainbuchenwälder
-
-
4
13,2
-
-
9170
Labkraut-Eichen-
Hainbuchenwälder
1
2,7
40
99,3
-
-
9180*
Schlucht- und
Hangmischwälder
-
-
31
57,8
-
-
91E0*
Erlen-Eschen- und
Weichholzauenwälder
1
1,7
46
31,3
-
-
*prioritärer Lebensraumtyp
Der LRT Artenreiche Borstgrasrasen (6230*) ist im FFH-Gebiet nur auf einer kleinen Fläche entwi-
ckelt, wo er sich in gutem Erhaltungszustand befindet. Sie liegt inmitten einer großen, artenreichen
Bergwiese, so dass beide LRT sehr gut verzahnt sind. Das Arteninventar des Borstgrasrasens ist
hervorragend ausgebildet, als wertgebende Arten kommen Wald-Läusekraut (
Pedicularis sylvati-
ca
), Teufelsabbiss (
Succisa pratensis
) und Arnika (
Arnica montana
) vor. Der recht hohe Anteil von
Streufilz wurde als einzige Beeinträchtigung gewertet.
Der überwiegende Teil der ausgedehnten Zschopau-Ufersäume kann nicht dem LRT Feuchte
Hochstaudenfluren (6430) zugeordnet werden. Ursache ist neben dem Fehlen charakteristischer
Arten die Dominanz von Neophyten und Nitrophyten. Der LRT 6430 wurde daher nur auf 11 Flä-
chen an der Zschopau bei Weißthal, zwischen Sachsenburg und der Autobahn, zwischen Wiesa
und Tannenberg, am Lützelbach und am Großolbersdorfer Bach nachgewiesen. Es konnte über-
wiegend ein guter, nur in einem Fall ein ungünstiger EHZ ausgewiesen werden. Direkte und indirek-
te anthropogene Beeinträchtigungen sind in Form des stärkeren Auftretens von Nitrophyten (v.a.
Große Brennnessel -
Urtica dioica
) und Neophyten (Drüsiges Springkraut) festzustellen.
Sämtliche 69 Bestände des im SAC flächenmäßig bedeutsamsten Offenland-LRT Flachland-
Mähwiesen (6510) befinden sich in einem guten Erhaltungszustand. Es handelt sich fast aus-
schließlich um Mähwiesen, von denen ein Teil auch nachbeweidet wird. Sie sind standortbedingt
natürlicherweise nur mäßig strukturreich. Zwar können die Wiesen recht artenreich und bunt sein,
jedoch treten gefährdete oder seltene Arten nicht bzw. nur vereinzelt auf. Als Beeinträchtigungen
sind vor allem untypische Dominanzen von Nitrophyten oder ein hoher Anteil nährstoff-
anspruchsvoller Gräser anzusehen.

4
Der LRT Berg-Mähwiesen (6520) wurde im SAC auf 19 Flächen erfasst. Ihr Erhaltungszustand ist
überwiegend günstig. Der Reichtum an Strukturen zusammen mit geringen Beeinträchtigungen
ergeben für 5 Flächen sogar einen hervorragenden EHZ. Das Arteninventar der Wiesen ist zumeist
gut ausgebildet, sehr häufige Vertreter aus der Gruppe der besonders bewertungsrelevanten Arten
sind Bärwurz (
Meum athamanticum
) und Wald-Storchschnabel (
Geranium sylvaticum
). Besonders
hervorzuheben ist der Artenreichtum auf zwei Bergwiesen südöstlich und nordöstlich der Grund-
teichschänke. Als Beeinträchtigungen spielen vor allem zu hoher Nährstoffeintrag, Pflegedefizite
(Verbrachung) bzw. unangepasste Nutzung eine Rolle. Sie führen bei einer LRT-Fläche zu einem
ungünstigen Erhaltungszustand.
Im FFH-Gebiet können drei verschiedene Fels-Lebensraumtypen gefunden werden: Ein dem LRT
8150 (Silikatschutthalden) entsprechender Felsstandort wurde in der Ringethaler Schweiz südwest-
lich Falkenhain kartiert. Typisch für die Ausbildung des LRT in Sachsen ist die trotz strukturell guter
Voraussetzungen verarmte Schutthaldenvegetation. Während Kryptogamen, besonders Flechten,
in relativ hoher Individuen- und auch Artenzahl vorkommen, fehlen bewertungsrelevante Farn- und
Blütenpflanzen völlig.
Zahlreicher sind die LRT 8220 (Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation) und 8230 (Silikatfelsen mit
Pioniervegetation) im Gebiet vertreten. Der LRT 8220 konnte auf 47 Flächen als zumeist punktuel-
les Vorkommen festgestellt werden. Auch er zeigt Defizite des Arteninventars. Zwei die Ausbildung
Serpentinitfelsen
des LRT 8220 repräsentierende LRT-Flächen befinden sich nördlich von Krum-
bach bzw. südlich von Mittweida. Der in Sachsen und auch bundesweit stark gefährdete Serpen-
tinit-Streifenfarn (
Asplenium cuneifolium
) besitzt dort ein Vorkommen von über 100 Exemplaren.
Der LRT 8230 tritt ebenfalls punktuell und sehr kleinflächig auf 10 Flächen im SAC auf. Die Berei-
che wurden überwiegend nur aufgrund des Vorkommens von bewertungsrelevanten Moos- und
Flechtengesellschaften dem LRT zugeordnet.
Alle Flächen der drei Fels-LRT sind in gutem EHZ. Beeinträchtigungen sind nur punktuell festzu-
stellen, z.B. großflächige Verdrahtung zur Verkehrssicherung, Beschattung, Nährstoff- und Stö-
rungszeiger oder Vermüllung (insbesondere im Umkreis von Aussichtspunkten).
Hainsimsen-Buchenwälder des LRT 9110 stellen den flächenmäßig bedeutsamsten Wald-LRT im
SAC dar. Sie wurden auf 51 Flächen ausgewiesen, davon zeigen 48 einen günstigen EHZ. Das LR-
typische Arteninventar der Bestände aus mehrheitlich starkem Baumholz ist gut ausgebildet. Bei
den drei Flächen mit einem ungünstigen EHZ handelt es sich um Bestände aus schwachem Baum-
holz mit fehlender Reifephase und ungenügenden Anteilen an starkem Totholz bzw. Biotopbäumen.
Die zwei kartierten Waldmeister-Buchenwälder des LRT 9130 im Schweizerwald südlich von Mitt-
weida befinden sich in einem guten EHZ. Beide Bestände aus starkem Baumholz sind strukturreich
und weisen eine gute Ausstattung an starkem Totholz auf. Der Flächenanteil der Hauptbaumart
Rotbuche (
Fagus sylvatica
) ist mit unter 70 % zu niedrig. Die LR-typische Bodenvegetation ist zwar
mit einem hohen Deckungsgrad vorhanden, aber floristisch verarmt.
Der LRT Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder (9160) wurde im SAC in vier Einzelflächen erfasst.
Die Bestände weisen einen guten EHZ auf. Drei der LRT-Flächen zeigen einen wertgebenden
kleinräumigen Wechsel von feuchten Mulden und erhabenen trockenen Standortbereichen. Eine
Fläche erhält aufgrund ihres höheren Eichenanteils von 55 % eine hervorragende Bewertung des
Arteninventars.
Der LRT Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder (9170) wurde schwerpunktmäßig im Süden des SAC
mit insgesamt 41 Einzelflächen nachgewiesen. Alle befinden sich in einem günstigen, ein mehr-
schichtiger Bestand aus starkem Baumholz mit hohem Eichenanteil sogar in hervorragenden EHZ.
Bei etwa einem Viertel der Bestände weist die Eiche einen sehr geringen Flächenanteil (zwischen
20 % und 35 %) in der Hauptschicht auf.
Der LRT Schlucht- und Hangmischwälder (9180*) tritt im FFH-Gebiet in zwei Ausbildungen auf.
Dabei sind die Schlucht- und Schatthangwälder kühl-feuchter Standorte mit 19 Einzelflächen vertre-
ten, die Hangwälder trocken-warmer Standorte mit 12 Flächen. Der LRT umfasst größtenteils
mehrschichtige Bestände aus schwachem Baumholz. Alle weisen einen günstigen Gesamt-
Erhaltungszustand auf.
Die 47 kartierten Flächen des LRT Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder (91E0*) sind alle in
günstigem EHZ. Mehrheitlich werden die Bestände des SAC von schwachem Baumholz gebildet
und zeigen ein gutes Arteninventar. Ein völlig ungestörter Bestand mit sehr gut ausgebildetem LR-
typischen Arteninventar weist einen insgesamt hervorragenden Erhaltungszustand auf.

5
In den Wald-LRT herrscht allgemein ein Mangel an Totholz und Biotopbäumen, auch in Beständen
mit einer ausgebildeten Reifephase. Beeinträchtigungen bestehen durch erhöhte Verbissbelastung,
punktuellen Nährstoffeintrag, Zerschneidung bzw. Verlärmung durch Straßen sowie Vergrasung,
z.B. mit Zittergras-Segge (
Carex brizoides
). Fünf Flächen des LRT 91E0* sind sehr stark durch
eine neophytische Staudenflora beeinträchtigt.
Hinsichtlich der gebietsübergreifenden Bedeutung des SAC kommt dem Schutz des Serpentinit-
Standortes innerhalb des LRT 8220 mit dem Bestand des stark gefährdeten Serpentinit-
Streifenfarnes landesweit und auch im europäischen Raum eine herausragende Bedeutung zu. Die
Ausprägung des LRT Feuchte Hochstaudenfluren (6430) mit dem seltenen Sächsischen Reitgras
(
Calamagrostis pseudopurpurea
), die im Norden des SAC an der Zschopau erfasst wurde, ist von
mindestens landesweiter Bedeutung. Da der Bestand der Artenreichen Borstgrasrasen (6230*) im
SAC kaum Beeinträchtigungen aufweist und eine Reihe gefährdeter Arten enthält, kommt ihm eine
überregionale Bedeutung zu. Innerhalb des LRT Berg-Mähwiesen (6520) sind die Bärwurzbrachen
in traditioneller (Naturschutz-)Mahdnutzung auf der Hochfläche östlich von Dörfel überregional be-
deutend.
2.2
ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Im FFH-Gebiet „Zschopautal“ wurden 7 Arten des Anhang II der FFH-Richtlinie nachgewiesen (vgl.
Tabelle 3).
Tabelle 3:
Habitatflächen der Anhang II - Arten im SAC
Anhang II – Art
Anzahl der
Habitate im
Gebiet
Fläche
[ha]
Flächen-
anteil im
SAC [%]
Name
Wissenschaftlicher Name
Grüne Keiljungfer
Ophiogomphus cecilia
2
38,8
1,6
Spanische Flagge
Euplagia quadripunctaria
2
0,3
< 0,1
Bachneunauge
Lampetra planeri
1
71,5
2,9
Westgroppe
Cottus gobio
5
117,5
4,8
Mopsfledermaus
Barbastella barbastellus
2
792,0
32,5
Großes Mausohr
Myotis myotis
1
672,0
27,6
Fischotter
Lutra lutra
4
1159,2
47,6
Für die Libellenart Grüne Keiljungfer wurden zwei Habitatflächen ausgewiesen, die beide einen
guten Erhaltungszustand (EHZ) aufweisen. Das erste Habitat nimmt den ca. 6 km langen Flusslauf
der Zschopau von unterhalb Sachsenburg bis zum Wehr an der WKA Schönborn-Dreiwerden ein.
Dieser Zschopauabschnitt, einer der bevorzugten Aufenthaltsbereiche der Libellenart, zeichnet sich
durch einen strömungsarmen Verlauf und eine gute Besonnung aus. Die zweite Habitatfläche um-
fasst einen ca. 2,2 km langen Abschnitt der Zschopau von Braunsdorf bis zur Brücke der B 169 bei
Gunnersdorf. Auch in diesem Abschnitt wurden die Imagines der Grünen Keiljungfer überwiegend
über flachen, strömungsarmen Zonen, hauptsächlich im Bereich des Harrasfelsens, beobachtet. An
den Fundorten ließen sich keine gravierenden Beeinträchtigungen erkennen, allerdings haben die
Querbauwerke eine Zerschneidung potenziell geeigneter Habitate der Art zur Folge. Die Population
der Grünen Keiljungfer im SAC „Zschopautal“ hat trotz ihrer relativ geringen Größe indikatorischen
Wert und naturschutzfachliche Bedeutung.
Die Falterart Spanische Flagge besitzt im FFH-Gebiet eine zwar individuenschwache, aber offenbar
stabile Population, welche sich auf einen relativ kleinen Ausschnitt oberhalb der Kriebsteintalsperre
konzentriert. Es wurden zwei Habitate ausgewiesen. In Weißthal besiedelt die Art das Ufer rechts-
seitig der Zschopau unterhalb der Straßenbrücke Weißthal-Ringethal. Der Ufersaum enthält ca.
100 blühende Exemplare der bevorzugten Faltersaugpflanze Wasserdost. Die Fläche weist erste
Verbuschung mit Weiden auf, die Beeinträchtigung durch Drüsiges Springkraut ist zunehmend.
Insgesamt ist der EHZ der Habitatfläche gut. Das zweite Habitat westlich der Liebenhainer Mühle ist
in ungünstigem EHZ. Sie besitzt nur ein kleines Wasserdost-Vorkommen mit ca. 20 blühenden
Exemplaren, ist sehr stark vergrast und ebenfalls durch Neophyten beeinträchtigt. Außerhalb des

6
SAC befinden sich zwei weitere Vorkommen der Spanischen Flagge an der Verbindungsstraße
zwischen Mittweida und der Liebenhainer Mühle (besonders individuenreich) sowie nordwestlich
der Straße Neudörfchen-Dreiwerden. Die Habitate der Spanischen Flagge im SAC können wichtige
Trittsteinfunktionen, möglicherweise auch Quellfunktionen für das größere Areal dieser Art am
nördlichen Erzgebirgsrand übernehmen.
Aufgrund von zahlreichen Nachweisen des Bachneunauges wurde die Zschopau von Schlettau bis
Zschopau als Habitat für die Art abgegrenzt. Es befindet sich in gutem Erhaltungszustand. Präsenz
und Altersgruppenstruktur der Population sind gut, die Individuendichte meist gering. Ca. 30-40 %
des Habitats enthalten die für das Bachneunauge wichtigen Strukturen, wie strömungsarme Flach-
wasserzonen mit sandigem Substrat und mäßigen Detritusablagerungen sowie Kiesbänke. Auch
der Abschnitt zwischen der Stadt Zschopau und Flöha weist noch geeignete Habitate auf, doch
fehlen aus diesem Abschnitt Nachweise der Art. Der Abschnitt wird daher als Entwicklungshabitat
eingestuft (ca. 44,8 ha).
Die Nachweise der Fischart Groppe im SAC konzentrieren sich auf höhere und mittlere Lagen des
Zschopautals. Für die Art wurden zwei Habitatflächen an der Zschopau und drei an Nebenbächen
ausgewiesen. Die Feststellung von zumeist mehreren verschiedenen Größenklassen lässt auf in-
takte reproduzierende (Teil-)Populationen der Art schließen, insbesondere in den Abschnitten bei
Wiesenbad, Hopfgarten und Scharfenstein. Letztere beide weisen auch eine auffallend hohe Indivi-
duendichte auf. Von den Habitaten sind 3 in gutem, das Habitat im unverbauten Drebacher Bach
sogar in hervorragenden Erhaltungszustand. Der Zschopau-Abschnitt zwischen Zschopau und
Flöha befindet sich aufgrund der schwachen Groppen-Population in ungünstigem EHZ.
Die Vorkommen der in Sachsen stark gefährdeten Arten Bachneunauge und Groppe im SAC sind
überregional von Bedeutung. Erhebliche Beeinträchtigungen für sie ergeben sich in erster Linie
aufgrund der fehlenden ökologischen Durchgängigkeit der Zschopau.
Im Rahmen der Ersterfassung 2006 gelang erstmals der Nachweis der Mopsfledermaus im FFH-
Gebiet. Nachweise von Jungtieren unmittelbar nach dem Flüggewerden legen den Verdacht nahe,
dass die Art auch erfolgreich im Schutzgebiet reproduziert. Basierend auf den Fundpunkten wurden
zwei große Habitatflächen abgegrenzt. Die erste umfasst die Wälder zwischen dem Hechtbusch im
Süden und dem Pfaffenstein an der Talsperre Kriebstein im Norden. Die zweite Habitatfläche bein-
haltet die Waldflächen zwischen Tannenberg im Süden (Lötzschmühle) und Grießbach im Norden.
Der Bestand an Laub- und Laubmischwald in den Habitaten ist mit etwa 56 % als günstig anzuse-
hen. Von diesen wiederum weisen ca. 139 ha ein Bestandsalter von mehr als 80 Jahren auf. Somit
bestehen auch günstige Bedingungen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Quartierbäumen. Als be-
sonders reich an potenziellen Quartierbäumen sind der Stadtwald Mittweida und der Schweizerwald
südöstlich von Mittweida herauszustellen.
Bedeutende Wochenstuben der Fledermausart Großes Mausohr befinden sich in Oederan (ca.
7 km vom SAC entfernt) sowie in Steina bei Waldheim (ca. 8 km entfernt). Innerhalb des (pauscha-
len) Aktionsradius der Art von 15 km um die beiden Wochenstuben wurden die im SAC liegenden
Waldgebiete als eine Jagdhabitatfläche ausgewiesen. Sie befindet sich in gutem Erhaltungszu-
stand. Der Vorrat an baumhöhlenträchtigen Altbeständen und an unterwuchsarmem Laub- und
Laubmischwald innerhalb der Wälder ist gut.
Beeinträchtigungen der Fledermaushabitate resultieren insbesondere aus den in der Vergangenheit
vorgenommenen Umwandlungen von Laub- in Nadelholzbestände und aus der teilweise relativ
starken Fragmentierung durch Straßen.
Für den Fischotter liegt die hauptsächliche Bedeutung des Zschopautals in der Funktion als Nah-
rungshabitat und Wanderkorridor. Die kleinräumige Vielfalt an Strukturen des SAC ermöglicht dabei
ein breites Nahrungsangebot. Es wurden vier Habitatflächen abgegrenzt. Sie weisen eine gute Ha-
bitatqualität auf, ungestörte Uferbereiche sind zumindest streckenweise vorhanden. Negativ wirken
gewässerkreuzende Verkehrswege, die in den Ortslagen teils starke Verbauung sowie der in teil-
weise längeren Abschnitten gewässerparallele Verlauf von Straßen und Bahntrassen. Weitere Be-
einträchtigungen sind entlang der Zschopau in Form zahlreicher Wehre und Wasserkraftanlagen
gegeben, die z.T. nicht gefahrlos umwandert werden können.
Dem SAC „Zschopautal“ kann für zahlreiche FFH-Lebensraumtypen sowie für mehrere Arten der
Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie eine hohe Kohärenzfunktion bescheinigt werden. Eine
Schlüsselfunktion nehmen dabei die großen, weitgehend unzerschnittenen und z.T. störungsarmen
Waldgebiete und das Fließgewässernetz ein. Für Bachneunauge und Groppe beinhaltet das FFH-
Gebiet prinzipiell großräumige Habitate mit einer hohen Kohärenzfunktion. Jedoch unterliegen die
einzelnen (Teil-)Populationen sowohl untereinander als auch über die Gebietsgrenzen hinaus ei-

7
nem hohen Isolationsgrad. Mit der Fläche der mit gutem und hervorragendem Erhaltungszustand
kartierten Wald-LRT (insbesondere LRT 9110, 9170 sowie 9180*) besitzt das SAC eine besonders
hohe Kohärenzfunktion und darüber hinaus für den LRT 91E0* ein hohes Entwicklungspotenzial.
Eine hohe Kohärenzfunktion besteht auch für drei Fels-Lebensraumtypen (LRT 8150, 8220, 8230).
Tabelle 4:
Erhaltungszustand der Habitatflächen im SAC
Anhang II – Art
Erhaltungszustand
A
B
C
Name
Wissenschaftlicher
Name
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Grüne Keiljungfer
Ophiogomphus
cecilia
-
-
2
38,8
-
-
Spanische Flagge
Euplagia
quadripunctaria
-
-
1
0,2
1
< 0,1
Bachneunauge
Lampetra planeri
-
-
1
71,5
Westgroppe
Cottus gobio
1
0,6
3
72,1
1
44,8
Mopsfledermaus
Barbastella
barbastellus
-
-
2
792,0
-
-
Großes Mausohr
Myotis myotis
-
-
1
672,0
-
-
Fischotter
Lutra lutra
-
-
4
1159,2
-
-
3.
Maßnahmen
3.1
MAßNAHMEN AUF GEBIETSEBENE
Allgemeine Behandlungsgrundsätze (ABG) für die Gewässerunterhaltung im SAC sind:
-
bei Gewässerunterhaltungsmaßnahmen oder Rückschnitt und Beseitigung von Gehölzen FFH-
Belange berücksichtigen; Ausführung mit einem Minimum an Beeinträchtigungen für die Erhal-
tungsziele des FFH-Gebietes,
-
Zeitpunkt und Art der Durchführung sind mit der Naturschutzbehörde und der verfahrensfüh-
renden Behörde abzustimmen,
-
in Reproduktions- und Juvenilhabitaten von Groppe und Bachneunauge nach Möglichkeit ganz
auf Sohlberäumungen verzichten,
-
Bepflanzungen am Gewässer nur mit standortgerechten Arten (Grundlage ist die hpnV),
Die ABG für Fischerei und Angeln schließen Besatz mit Fischarten aus anderen Flussgebieten oder
mit nichtheimischen Arten aus. Auch das Entweichen nichtheimischer Arten aus Teichen ist zu
unterbinden.
Als ABG für die landwirtschaftliche Nutzung der Offenland-LRT gilt:
-
grundsätzliche Einhaltung aller Bestimmungen der guten fachlichen Praxis der Landnutzung,
-
Fortführung der Grünlandnutzung auf den bisher entsprechend genutzten Flächen,
-
bei Beweidung Auskoppelung von Nassstellen, Gewässerschonstreifen, Gehölzen; kein freier
Zugang des Viehs an Gewässer,
-
keine Entwässerung von feuchten bis nassen Grünlandflächen.

8
3.2
MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Die Erhaltungsmaßnahmen für den LRT Eutrophe Stillgewässer (3150) sehen extensive Bö-
schungsmahd und einen Verzicht auf Besatz mit nicht einheimischen Fischarten (z.B. Graskarpfen)
oder auf übermäßigen Karpfenbesatz vor. Der Teich an der Grundteichschenke soll ggf. teilentkrau-
tet werden, bei dem Altarm der Zschopau ist eine (Teil-)Entschlammung notwendig.
Für den Erhalt und die Zustandsverbesserung des LRT Fließgewässer mit Unterwasservegetation
(3260) sind bei Beachtung der ABG (s. Kap. 3.1) keine weiteren speziellen Maßnahmen erforder-
lich.
Zum Erhalt des LRT Artenreiche Borstgrasrasen (6230*) wird eine einschürige Mahd nach Samen-
reife der Arnika (ca. nach 15.7.) festgesetzt. Die Flachland-Mähwiesen (LRT 6510) sind durch in
der Regel zweischürige Mahd zu erhalten, einige Flächen sollen ausgehagert werden. Erhaltungs-
maßnahmen für den LRT Berg-Mähwiesen (6520) stellen zweischürige Mahd und Reduzierung der
Düngung dar.
Darüber hinaus sind für die Grünland-LRT hauptsächlich folgende ABG zu beachten:
-
Beibehaltung der extensiven Nutzung, vorzugsweise Mahd, alternativ Mähweide als Nachbe-
weidung in raschem Umtrieb,
-
bei zweischürigen Wiesen Erstnutzungstermin nicht vor dem Blühbeginn der Hauptbestands-
bildner (ca. Ende Mai/Anfang Juni), Zweitnutzung frühestens 6-8 Wochen nach Erstnutzung,
Nutzung generell nach der Phänologie gefährdeter Arten richten,
-
Mahd mit hoch angesetzter Schnitthöhe, vorzugsweise 7-8 cm oder höher (nicht unter 5 cm),
Belassen des Mahdgutes zumindest für einige Tage auf der Fläche,
-
Herausnahme schwer oder unwirtschaftlich zu bearbeitender Strukturen (z.B. Nassstellen) aus
der Nutzung, Belassen von Brach- und Saumstreifen,
-
auch zeitweiliges Brachfallen vermeiden,
-
keine Neuansaat (mit oder ohne Umbruch),
-
keine Düngung des LRT 6230*; entzugsausgleichende Grunddüngung der LRT 6510 und 6520
ist prinzipiell möglich, dabei auf LRT-Flächen, die bisher keine Gülle erhalten haben, auch in
Zukunft nicht mit Gülle düngen.
Als einzelflächenspezifische Erhaltungsmaßnahme für den LRT Feuchte Hochstaudenfluren (6430)
wird Herbstmahd alle 2-3 Jahre mit Motorsensen zur Verhinderung der Verbuschung festgesetzt.
Die LRT-Flächen sind stets auszukoppeln.
Flächenkonkrete Maßnahmen zur Erhaltung der Fels-LRT 8150 (Silikatschutthalden), LRT 8220
(Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation) und 8230 (Silikatfelsen mit Pioniervegetation) beschränken
sich im Gebiet auf die Entfernung von Müllablagerungen und die Entnahme von Gehölzen bei LRT-
Flächen mit bereits stärkerer Verbuschung bzw. Beschattung. Als allgemeine Behandlungsgrund-
sätze für die Fels-LRT gelten zudem:
-
keine über das derzeitige Maß hinausgehende Erschließung und Nutzung für touristische oder
sportliche Zwecke,
-
turnusmäßige Kontrolle der als LRT ausgewiesenen Felsen hinsichtlich Bewuchs- bzw. Be-
schattung, Vermüllung und sonstigen Beeinträchtigungen.
Für die LRT Hainsimsen-Buchenwälder (9110), Waldmeister-Buchenwälder (9130), Sternmieren-
Eichen-Hainbuchenwälder (9160), Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder (9170), Schlucht- und
Hangmischwälder (9180*) sowie Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder (91E0*) gelten u.a.
folgende Behandlungsgrundsätze:
-
Anteil in der Reifephase erhalten, Mehrschichtigkeit fördern, kleinflächige Verjüngungsver-
fahren wählen
-
LR-typische Baumartenzusammensetzung erhalten und fördern; Vermehrung durch Naturver-
jüngung oder autochthones Material
-
gesellschaftsfremde Baumarten bevorzugt entnehmen bzw. dauerhaft beschränken

9
-
bodenschonende Bewirtschaftung
-
Vermeidung von Vergrasung durch angemessene Lichtregulierung
-
Wildbestand reduzieren; Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss durchführen
-
auf sehr steilen Hangabschnitten Bodenschutzfunktion des Waldes beachten
Als konkrete Maßnahmen für einzelne LRT-Flächen sollen Biotopbäume und Totholz belassen
sowie der Anteil der lebensraumtypischen Hauptbaumarten aktiv erhalten bzw. erhöht werden.
3.3
MAßNAHMEN IN BEZUG AUF ARTEN NACH ANHANG II
Für die Grüne Keiljungfer sind bei Gewährleistung einer schutzverträglichen Gewässerunterhaltung
und fischereilichen Nutzung der Zschopau (s. Kap. 3.1) sowie einer auf gute fachliche Praxis aus-
gerichteten Land- und Forstwirtschaft im Umfeld der Fließgewässer keine speziellen Erhaltungs-
maßnahmen erforderlich.
Maßnahmen zur Verbesserung der beiden Habitate der Spanischen Flagge betreffen partielle Ge-
hölzentfernung und die Bekämpfung von Neophyten, um die entsprechenden Faltersaugpflanzen
(vor allem Wasserdost) zu erhalten. Die Maßnahmen sollten hinsichtlich des Durchführungszeit-
raumes und -rhythmus mit denjenigen für den LRT Feuchte Hochstaudenfluren (6430) abgestimmt
werden. Weitergehende Maßnahmen sind nicht erforderlich.
Als Erhaltungsmaßnahmen für Bachneunauge und Groppe sind an den gegenwärtig nicht oder nur
eingeschränkt passierbaren Querbauwerken der Zschopau Fischaufstiegsanlagen zu errichten.
Oberste Priorität besitzen dabei jene Querbauwerke, die sich innerhalb von Habitatflächen oder an
deren unmittelbarer Peripherie befinden. Die jeweils geeigneten Maßnahmen sind durch standort-
spezifische Einzelfallplanung unter Anwendung der maßgebenden Fachstandards herzuleiten. Die
ökologische Durchgängigkeit der Querbauwerke ist neben wasserbaulich-konstruktiven Maßnah-
men auch durch Abgabe von Mindestwassermengen in den Ausleitungsstrecken zu gewährleisten.
Als Behandlungsgrundsätze für die Habitatflächen der Mopsfledermaus gilt:
-
Erhalt strukturreicher Laub- und Laubmischwaldbestände auf > 30 % der Habitatfläche
-
Erhalt quartierhöffiger Altholzbestände mit mindestens 5 potenziellen Quartierbäumen / ha Alt-
holz auf > 20 % der Habitatfläche
-
Kontrolle zu fällender Bäume auf Quartiere
-
Vermeidung von Insektizideinsatz (Förderung vorbeugender Maßnahmen).
Die Behandlungsgrundsätze für das Große Mausohr umfassen:
-
Erhalt von strukturell geeigneten, unterwuchsarmen Beständen auf > 10 % der Habitatfläche,
-
Erhalt baumhöhlenreicher Altholzbestände auf > 5 % der Habitatfläche,
-
Erhalt und Schonung von Höhlenbäumen,
-
Vermeidung von Insektizideinsatz (Förderung vorbeugender Maßnahmen).
Als wesentliche Erhaltungsmaßnahmen für den Fischotter sind im Sinne von Behandlungs-
grundsätzen für das Gesamtgebiet zu nennen:
-
Erhalt notwendiger Habitatstrukturen und Nahrungsgrundlagen,
-
kein weiterer Längs- und Querverbau im Fließgewässer,
-
Sicherung der Durchgängigkeit von Gewässerabschnitten und angrenzenden Bereichen für
wandernde Fischotter,
-
Sicherung bzw. Etablierung fischottergerechter Durchlässe bei Neubauten/Sanierung von Brü-
ckenbauwerken,
-
Sicherung einer geringen Gewässerbelastung und hohen Strukturgüte im Gebiet.
Flächenkonkrete Einzelmaßnahmen für die drei Säugetierarten wurden nicht geplant.

10
Tabelle 5:
Erhaltungsmaßnahmen im SAC
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Behandlungsgrundsätze für LRT und Habitate beach-
ten
k.A.
Sicherung bzw. Wiederherstellung des
günstigen Erhaltungszustandes
alle LRT und Habitate
Naturnahe Waldbewirtschaftung
(Biotopbäume sowie Totholz belassen, Anteil der
lebensraumtypischen Hauptbaumarten aktiv erhalten
bzw. erhöhen)
327,1
Erhalt des Quartierangebotes und einer
LR-typischen Baumartenzusammenset-
zung
Hainsimsen-Buchenwälder (9110),
Waldmeister-Buchenwälder (9130),
Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder
(9160), Labkraut-Eichen-
Hainbuchenwälder (9170), Schlucht- und
Hangmischwälder (9180*), Erlen-Eschen-
und Weichholzauenwälder (91E0*)
Mopsfledermaus, Großes Mausohr
Extensive Grünlandwirtschaft oder Naturschutzpflege
(Mahd, Mähweide, ggf. Aushagerung)
64,4
Erhalt und Pflege bzw. Wiederherstel-
lung des LRT
Artenreiche Borstgrasrasen (6230*),
Feuchte Hochstaudenfluren (6430),
Flachland-Mähwiesen (LRT 6510),
Berg-Mähwiesen (6520)
Entschlammung, Entkrautung, Böschungsmahd,
Nutzungsvorgaben
3,4
Erhalt und Pflege des LRT
Eutrophe Stillgewässer (3150)
Entbuschung, Müllentfernung
0,2
Beseitigung von Beeinträchtigungen,
Offenhaltung
Silikatschutthalden (8150), Silikatfelsen
mit Felsspaltenvegetation (8220), Silikat-
felsen mit Pioniervegetation (8230)
Anpassung der Grenze des FFH-Gebietes im Rah-
men eines geeigneten Verfahrens
0,9
Einbeziehung eines (Teil-)Habitats in
das FFH-Gebiet
Spanische Flagge
Partielle Gehölzentfernung, Zurückdrängung des
Drüsigen Springkrauts
0,3
Erhalt und Förderung eines stabilen
Vorkommens
Spanische Flagge
Errichtung von Fischaufstiegsanlagen bzw. Funkti-
onskontrolle und Optimierung vorhandener Anlagen
k.A.
Herstellung bzw. Optimierung der öko-
logischen Durchgängigkeit
Bachneunauge, Groppe

4.
Fazit
Die geplanten Maßnahmen in Wald-LRT, auch in Privatwald, konnten überwiegend positiv abgestimmt
werden, wenngleich für mehrere Waldbesitzer die Umsetzung der Maßnahmen an die künftige Inan-
spruchnahme von Fördermitteln gekoppelt ist.
Im Fall der landwirtschaftlich genutzten LRT konnten die Maßnahmen für ca. 60 % der Fläche voll-
ständig oder teilweise umsetzbar abgestimmt werden. Nicht umsetzbar ist die Pflegemahd einer Hoch-
staudenflur (LRT 6430) deren Erhalt somit nicht langfristig gesichert ist. Für etwa die Hälfte der LRT-
Flächen konnten die Maßnahmen nicht zur Abstimmung kommen, da die Rückäußerung von Seiten
der Nutzer ausblieb oder kein Nutzer ermittelt werden konnte.
Nur wenige der geplanten Maßnahmen zur Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit können
insofern als umsetzbar gelten, als für vier Wasserkraftanlagen zwischenzeitlich eine Genehmigung für
die Errichtung einer Fischaufstiegsanlage erteilt worden ist.
Konfliktpotenzial verbleibt somit hinsichtlich der anderen Querbauwerke. Die mit dem Betrieb von
Wasserkraftanlagen trotz vorhandener Aufstiegshilfen verbleibenden Konflikte und Beeinträchtigungen
können in vielen Fällen nicht ausgeräumt werden. In einer Stellungnahme des Verbandes der Wasser-
kraftwerksbetreiber zum Entwurf der Maßnahmeplanung im MaP werden die aufgezeigten Beeinträch-
tigungen und geplanten Maßnahmen in Abrede gestellt. Grundsätzlich stehen den Wasserbehörden
ausreichend Instrumente zum Vollzug der gesetzlichen Anforderungen (Mindestwasser, Fischauf- und
abstiegsanlagen, Feichrechen etc.) zur Verfügung.
5.
Quelle
Der Managementplan für das Gebiet Nr. 250 wurde im Original von dem Büro RANA (Halle/Saale)
erstellt und kann bei Interesse beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
oder den Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise Mittelsachsen und Erzgebirgskreis eingesehen
werden.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arten