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Reform der sächsischen Lehrpläne
Leistungsbeschreibung
der Grundschule
Comenius-Institut
Juni 2004

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Inhalt
Seite
1
Einleitung.....................................................................................................................2
2
Bildungs- und Erziehungsauftrag.................................................................................. 3
3
Bildungs- und Erziehungsziele ..................................................................................... 3
3.1
Überfachliche Ziele.......................................................................................................3
3.2
Fachliche Ziele.............................................................................................................4
4
Struktur........................................................................................................................8
5
Gestaltung des Bildungs- und Erziehungsprozesses.................................................... 9
Stundentafel für die Grundschule .........................................................................................11
1
Einleitung
Die Leistungsbeschreibung der Grundschule baut auf der Konzeption zur leistungs- und
kindorientierten Schule auf und ordnet sich ein in die Vorhaben zur Weiterentwicklung der
Lehr- und Lernkultur in den Schulen Sachsens.
Sie bildet den Rahmen
-
für die Grundschulen bei der Entwicklung und Sicherung von Schulqualität,
-
für die Schulaufsicht bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zur Qualitätssicherung und
-entwicklung sowie in der Beratung,
-
für Seminare für das Lehramt an Grundschulen, für Fortbildungsinstitutionen und Univer-
sitäten im Rahmen ihrer Aufgaben bei der Professionalisierung von Lehrern,
-
für die Lehrplankommissionen bei der Gestaltung der Fachlehrpläne.
Grundlage für die Leistungsbeschreibung ist das Leitbild für Schulentwicklung des Sächsi-
schen Staatsministeriums für Kultus. Von den darin dargestellten Voraussetzungen und Be-
dingungen für Bildung und Erziehung sind in der Grundschule von besonderer Bedeutung:
1. In der Grundschule eignen sich die Schüler die grundlegenden Kulturtechniken Lesen,
Schreiben und Rechnen an. Diese bilden das Fundament für lebenslanges Lernen.
2. Die Grundschule ist eine Schule für alle Schüler, was eine große Heterogenität in der
Schülerschaft bedeutet. Die Lebenswelten von Kindern ähneln einander immer weniger.
Der Wandel in den Familienstrukturen, ein vielfältiges Spektrum von Erziehungsvorstel-
lungen und Werteorientierungen prägen die Entwicklung der Kinder. Kinder erleben we-
niger autoritäre Strukturen in der Eltern-Kind-Beziehung, sondern eher partnerschaftliche
Verhältnisse, wobei sie ihre Meinung äußern und Entscheidungen treffen können. Das
kann einerseits ihre Selbstständigkeit erhöhen, sie andererseits aber auch überfordern.
3. Als Schule für alle Kinder ist die Grundschule zugleich ein Ort gemeinsamer Erfahrun-
gen. Im sozialen Miteinander werden sowohl Gemeinschaftsfähigkeit als auch individuel-
le Selbstentfaltung des Kindes möglich. Kinder müssen lernen, Verantwortung für sich
und andere zu übernehmen, ihr eigenes Handeln und dessen Folgen zu bedenken und
zu werten. In der Gemeinschaft können sie Orientierung, Bestätigung und Kritik finden.
4. Einen starken Einfluss auf die kindliche Lebenswelt haben moderne Technik und Medien
verschiedener Art. Darin liegen sowohl Chancen als auch Gefahren. Zum einen führt die
lange Verweildauer vor dem Fernseher und dem Computer vielfach zu einer Reizüber-

3
flutung und damit zur Unfähigkeit, die medialen Erlebnisse zu verarbeiten. Hinzu kommt,
dass reale Erlebnisse und Erfahrungen mit der Natur und im Spiel mit anderen Kindern
oft fehlen. Zum anderen verfügen Kinder häufig schon über beachtliche Erfahrungen im
Umgang mit Medien und haben dadurch Zugang zu vielen Wissensbereichen.
5. Die Zuwanderung von Menschen anderer Länder führt zu vielfältigen Begegnungen mit
unterschiedlichen Kulturkreisen. In der Grundschule lernen Kinder verschiedener Natio-
nalität und Herkunft miteinander. Das erfordert in besonderem Maße Integrationsfähig-
keit.
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Bildungs- und Erziehungsauftrag
Der Bildungs- und Erziehungsauftrag für die Grundschule leitet sich aus der Verfassung des
Freistaates Sachsen und aus dem Schulgesetz für den Freistaat Sachsen ab. Er wird be-
stimmt durch das „Recht eines jeden jungen Menschen auf eine seinen Fähigkeiten und Nei-
gungen entsprechende Erziehung und Bildung ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftli-
che Lage “ (Schulgesetz für den Freistaat Sachsen § 1 Abs. 1).
Die Schule hat den Auftrag Bildung zu vermitteln, die zur Entfaltung der Persönlichkeit der
Schüler in der Gemeinschaft beiträgt (vgl. Schulgesetz für den Freistaat Sachsen § 1
Abs. 2). Diesen Auftrag erfüllt die Grundschule, indem sich alle Kinder in einem gemeinsa-
men Bildungsgang grundlegendes Wissen aneignen, Methoden-, Lern- und Sozialkompetenz
erwerben sowie ein Bewusstsein für Werte entwickeln. In einer Atmosphäre des Zutrauens
und der gegenseitigen Achtung sollen selbstständiges Denken, Lernen und Arbeiten entwi-
ckelt sowie Freude am Lernen erhalten und geweckt werden. Grundschule schafft damit
Voraussetzungen für den Übergang zu weiterführenden Bildungsgängen.
Die Grundschule knüpft an die vorschulischen Erfahrungen der Kinder an. Sie berücksichtigt,
dass die Kinder mit unterschiedlichen Entwicklungs-, Lern- und Verhaltensvoraussetzungen
in die Schule kommen. Jedes Kind soll in seiner Individualität angenommen und so gefördert
werden, dass es sich entsprechend seinen Voraussetzungen optimal entwickeln kann. Zum
festen Bestandteil der pädagogischen Arbeit gehört die Förderung aller, einschließlich der
leistungsschwachen und der leistungsstarken Schülerinnen und Schüler. Das setzt konti-
nuierliche Analyse und differenzierte Gestaltung von Lernprozessen voraus.
In Vorbereitung des Übergangs der Kinder in weiterführende Schulen arbeitet die Grund-
schule kooperativ mit den anderen Schularten zusammen und berät Kinder und Eltern zu
Fragen der Schullaufbahn.
3
Bildungs- und Erziehungsziele
Ausgehend vom Bildungs- und Erziehungsauftrag werden überfachliche und fachliche Bil-
dungs- und Erziehungsziele formuliert, die miteinander korrespondieren.
3.1
Überfachliche Ziele
Grundschulkinder erwerben
Wissen
, das ihnen ermöglichen soll, sich in alltäglichen Situati-
onen zu orientieren und das eine sichere Grundlage für weiterführendes Lernen darstellt. Sie
eignen sich in systematischen Lernprozessen strukturiertes und anschlussfähiges Wissen
an. Dabei entwickeln sie die Fähigkeit, Wissen sinnvoll und gezielt anzuwenden sowie nach
kreativen Lösungen zu suchen. In der Grundschule erwerben Schüler die Kulturtechniken
Lesen, Schreiben und Rechnen. Mit der Einführung einer Fremdsprache werden die Grund-
lagen für weiteres Sprachenlernen gelegt. Die Schüler entwickeln in allen Fächern ihre Kom-
munikationsfähigkeit und lernen, Sprache situationsangemessen zu gebrauchen.

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Entwicklung von
Methodenkompetenz
bedeutet, dass die Schüler fachliche Methoden und
Arbeitstechniken kennen und anwenden lernen, wie gezieltes Beobachten, Fragen, Auspro-
bieren, Nachschlagen, graphisches Hervorheben, Aufschreiben, Abschreiben, Auswendig-
lernen, Sammeln, Ordnen, Vergleichen, Zuordnen, Nutzen von Gedächtnisstützen.
Für die Entwicklung ihrer Lernkompetenz prägen die Schüler Aufmerksamkeit, Wahrneh-
mungsfähigkeit, Konzentration, Ausdauer, Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft aus. Sie
lernen ihre Zeit einzuteilen, Ordnung am Arbeitsplatz zu halten und mit den Arbeitsmitteln
sorgfältig umzugehen. Die Schüler lernen selbstständig und effektiv zu arbeiten und entwi-
ckeln die Fähigkeit, ihr Lernverhalten zu kontrollieren und zu korrigieren.
Durch fachübergreifendes und fächerverbindendes Arbeiten erleben die Schüler eine enge
Verbindung zu ihrer Erfahrungswelt und lernen, Themen und Probleme mehrperspektivisch
zu erfassen.
Im Rahmen einer informatischen Vorbildung erwerben die Schüler Erfahrungen mit dem
Computer als Medium und Werkzeug. Sie eignen sich elementare Bedienfertigkeiten an und
nutzen diese bei der Lösung von Aufgaben. Die Schüler erwerben elementare Kenntnisse
zum sachgerechten, kritischen Umgang mit vielfältigen Medien.
In der Grundschule erleben die Kinder Regeln und Normen des
sozialen Miteinander
, er-
kennen deren Sinnhaftigkeit und streben deren Einhaltung an. Sie lernen dabei verlässlich
zu handeln, Verantwortung zu übernehmen, Kritik zu üben und damit umzugehen sowie
Konflikte gewaltfrei zu lösen. Durch vielfältige Formen der Zusammenarbeit bilden sie die
Fähigkeit zum gemeinsamen Lernen aus.
Die Schüler entwickeln eigene
Wertvorstellungen
, indem sie Werte im schulischen Alltag
erleben und erfahren. Dazu gehören insbesondere Erfahrungen des Wertseins und der
Wertschätzung, des Anerkanntseins und der Anerkennung. Sie schätzen und achten andere
Menschen und entwickeln solidarisches Verhalten.
In der Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur entwickeln die Schüler ihr ästhetisches
Empfinden und entwickeln ihre individuelle Ausdrucks- und Gestaltungsfähigkeit. Sie erfah-
ren die Vielfalt und Einzigartigkeit der Natur und entwickeln ein Gefühl für deren Schönheit.
Sie erkennen, dass der Mensch auf die Umwelt angewiesen ist und sie deshalb geschützt
und verantwortungsvoll gestaltet werden muss. Die Schüler erkennen ihre Verantwortung für
die eigene Gesundheit und Sicherheit und nehmen diese Verantwortung innerhalb und au-
ßerhalb der Schule wahr. Im Lernprozess erleben die Kinder ihre eigene schöpferische Kraft,
entwickeln Erlebnisfähigkeit und Freude am Lernen.
3.2
Fachliche Ziele
Die fachlichen Ziele sind auf den Erwerb von Wissen im Sinne anwendungsbereiten, flexibel
nutzbaren Wissens und die schrittweise Entwicklung von Kompetenzen und Wertvorstellun-
gen gerichtet.
3.2.1 Deutsch/Sorbisch
Der Deutsch- /Sorbischunterricht als Unterricht in der Muttersprache hat die vorrangige Auf-
gabe, einen spezifischen Beitrag zur Aneignung der Kulturtechniken Lesen und Schreiben zu
leisten. Im Unterricht ist verstärkt von realen Kommunikationsanlässen auszugehen, um die
Schüler zur Bewältigung von sprachlichen Anforderungen in ihrem Alltag zu befähigen.
Die Schüler erwerben:
-
Lesefähigkeit, insbesondere Textverständnis
-
Schreibfähigkeit

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-
Kenntnisse über grundlegende Rechtschreibregeln und -strategien
-
erste Kenntnisse über sprachliche Traditionen
-
Kenntnisse über Grundregeln der Kommunikation
-
mündliche Sprachfähigkeit
Die Schüler entwickeln:
-
Lesefreude und Leseinteresse
-
ästhetisches Empfinden im Umgang mit Texten
-
Urteilsfähigkeit im Umgang mit Sprache
3.2.2 Mathematik
Der Mathematikunterricht leistet einen wesentlichen Beitrag zur Aneignung der Kulturtechnik
Rechnen und zur Entwicklung des logischen Denkens. Dabei ist verstärkt von realen
Problemen auszugehen, damit die Schüler mathematische Zusammenhänge in Alltagssitua-
tionen erkennen und anwenden.
Die Schüler erwerben:
-
Kenntnisse über Zahlenaufbau und Zahlbeziehungen bis zur Million
-
Kenntnisse über grundlegende mathematische Begriffe
-
Sicherheit in den Grundrechenarten
-
grundlegende Fähigkeiten im Messen und Schätzen
-
grundlegende Fähigkeit zum mathematischen Modellieren
Die Schüler entwickeln:
-
Vorstellungen über Mengen und Größen
-
Vorstellungen über Formen und Raum
-
Freude am Lösen mathematischer Probleme
-
exakte Arbeitsweisen
3.2.3 Sachunterricht
Der Sachunterricht hat das Ziel, die Kinder beim Erschließen der Umwelt zu unterstützen
und dabei verstärkt entdeckendes und handlungsorientiertes Lernen zu entwickeln.
Die Schüler erwerben:
-
grundlegende Kenntnisse aus dem sozial- und kulturwissenschaftlichen Bereich, dem
raumbezogenen Bereich, dem historischen Bereich, dem naturbezogenen Bereich und
dem technischen Bereich
-
fachspezifische Arbeitstechniken, wie z. B. Karten lesen, Modelle bauen, Geräte handha-
ben, experimentieren, Ergebnisse dokumentieren
Die Schüler entwickeln:
-
Freude am Entdecken der Lebenswelt
-
Verantwortung für sich selbst und Mitverantwortung für das Umfeld

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3.2.4 Englisch
Der Englischunterricht in der Grundschule erhält durch den Beginn des systematischen und
ergebnisorientierten Fremdsprachenlernens eine neue Qualität und damit einen neuen Stel-
lenwert. Der Entwicklung mündlicher Sprachfähigkeit kommt eine wesentliche Bedeutung zu.
Ziel des fremdsprachlichen Unterrichts ist es, verlässliche Grundlagen für das Sprachen-
lernen in den weiterführenden Schularten zu schaffen.
Die Schüler erwerben:
-
grundlegende Fähigkeiten für die mündliche Interaktion (Hörverstehen, Sprechen und
Reagieren)
-
Kenntnisse über einfache Strukturen der Fremdsprache
-
grundlegende Kenntnisse über fremde Kulturen
-
Kenntnisse über grundlegende Strategien des Fremdsprachenlernens
Die Schüler entwickeln:
-
Freude am kommunikativen Gebrauch einer Fremdsprache
-
Aufgeschlossenheit gegenüber Fremdem
3.2.5 Musik
Der Musikunterricht zielt darauf, die emotionale und ästhetische Erlebnisfähigkeit sowie die
aktive musikalische Tätigkeit zu entwickeln.
Die Schüler erwerben:
-
Kenntnis einiger ausgewählter Lieder aus dem kulturellen Erbe und der Gegenwart
-
Kenntnisse über Werke deutscher und ausländischer Musikkultur
Die Schüler entwickeln:
-
die Fähigkeit zu singen, zu musizieren und sich nach Musik zu bewegen
-
die Fähigkeit Klänge, Melodien und Rhythmen bewusst aufzunehmen, nachzugestalten
und zu improvisieren
-
Freude am Umgang mit Musik
3.2.6 Kunst
Der Unterricht im Fach Kunst trägt dazu bei, die emotionale und ästhetische Erlebnisfähigkeit
sowie verstärkt individuelles Gestaltungsvermögen zu entwickeln.
Die Schüler erwerben:
-
Kenntnisse über bildnerische Gestaltungsmittel und -techniken
-
Kenntnisse über ausgewählte Beispiele aus Kunst- und Kulturgeschichte
Die Schüler entwickeln:
-
Fähigkeiten zur künstlerisch-praktischen Umsetzung von bildnerischen Ideen
-
Bedürfnisse und Fähigkeiten zur Begegnung mit Kunstwerken
-
Freude am eigenschöpferischen Gestalten

7
3.2.7 Werken
Der Werkunterricht wird dem kindlichen Bedürfnis nach konkretem praktischen Tätigsein
gerecht und trägt zu einem grundlegenden Verständnis technischer Zusammenhänge bei.
Dabei sollen die Schüler verstärkt Gelegenheit haben, kreative Lösungen in Zusammenhang
mit Funktion und Material eines herzustellenden Gegenstandes zu erproben.
Die Schüler erwerben:
-
Kenntnisse über Arbeitsschritte und -techniken beim Herstellen von Gegenständen
-
Kenntnisse über Materialeigenschaften
Die Schüler entwickeln:
-
Fähigkeiten zum Untersuchen von Zweck, Material und Funktion ausgewählter Objekte
-
Fähigkeiten zum kreativen Lösen einfacher technischer Gestaltungsaufgaben
-
feinmotorische Fähigkeiten und grundlegende Fertigkeiten
-
Freude am praktischen Tun und Wertschätzung von Geschaffenem
3.2.8 Sport
Der Sportunterricht trägt dem kindlichen Grundbedürfnis nach Spiel und Bewegung Rech-
nung. Er bietet spezifische Möglichkeiten ganzheitliche Erfahrungen zu sammeln sowie Ge-
sundheit und Wohlbefinden zu stärken.
Die Schüler erwerben:
-
vielfältige Bewegungsfertigkeiten und -fähigkeiten
-
Kenntnisse über Spiel- und Wettkampfregeln
-
grundlegende Kenntnisse über eine gesunde Lebensweise
-
motorische Fähigkeiten
Die Schüler entwickeln:
-
Fairness und Verantwortung
-
Freude an sportlicher Betätigung
3.2.9 Evangelische Religion/Katholische Religion
Der Religionsunterricht gibt den Schülern Orientierungshilfe bei der Suche nach dem Sinn
des Lebens und eigenen Wertvorstellungen. Dabei geht er von den in der Bundesrepublik
Deutschland und im Freistaat Sachsen verfassungsrechtlich verankerten Grundwerten und
den Glaubensüberzeugungen der christlichen Kirchen aus. Seinen Inhalten nach ist er kon-
fessionell verantwortet und ökumenisch ausgerichtet.
Die Schüler erwerben:
-
biblisch-theologisches Grundwissen sowie Kenntnisse über religiöse und konfessionelle
Prägungen der eigenen Lebenswelt
Die Schüler entwickeln:
-
Sprachfähigkeit und Symbolverständnis zur Erkundung der spirituellen Dimension des
Lebens
-
Verantwortungsbewusstsein für sich selbst sowie die Fähigkeit zu gemeinschaftsbezoge-
nem Leben und Handeln

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-
ihre Individualität in Auseinandersetzung mit christlicher Tradition und glaubenden Men-
schen heute
-
Begegnungs- und Verständigungsfähigkeit mit anderen Menschen und Achtung vor de-
ren Wertvorstellungen.
3.2.10 Ethik
Der Ethikunterricht gibt den Schülern Orientierungshilfe bei der Suche nach dem Sinn des
Lebens und eigenen Wertvorstellungen. Dabei geht er von den in der Bundesrepublik
Deutschland und im Freistaat Sachsen verfassungsrechtlich verankerten Grundwerten aus.
Die Schüler erwerben:
-
grundlegende Kenntnisse über ethische Wertvorstellungen
-
grundlegende Kenntnisse über religiöse, vor allem christliche Traditionen.
Die Schüler entwickeln:
-
Fähigkeiten zum Erkennen und Akzeptieren der eigenen Individualität in Auseinanderset-
zung mit verschiedenen weltanschaulichen und religiösen, insbesondere christlichen Tra-
ditionen
-
Erlebnis-, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit
-
Fähigkeiten zu gemeinschaftsbezogenem Leben und Handeln
-
Begegnungs- und Verständigungsfähigkeit mit anderen Menschen sowie Achtung vor
deren Wertvorstellungen
-
die Fähigkeit, einen philosophischen Zugang zu Fragen des Lebens zu finden.
4
Struktur
Die Grundschule ist eine eigenständige Schulart. Sie baut auf vorschulischer Bildung und Er-
ziehung auf und bereitet die weiterführende Bildung und Erziehung vor. Sie wird grundsätz-
lich von allen schulpflichtigen Kindern besucht. Der Unterricht in den verschiedenen Fächern
der vier Klassenstufen erfolgt auf der Grundlage der sächsischen Lehrpläne.
Mit dem Eintritt in die Grundschule beginnt für die Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Um
diesen möglichst optimal zu gestalten, ist eine enge Kooperation zwischen Grundschule und
Elternhaus erforderlich. Kindertageseinrichtungen und öffentlicher Gesundheitsdienst arbei-
ten zusammen.
Kinder, die wegen Beeinträchtigung einer oder mehrerer Funktionen für längere Zeit einer
besonderen pädagogischen Förderung bedürfen, werden in die Förderschule aufgenommen
(vgl. Schulgesetz für den Freistaat Sachsen § 13 Abs.1) Unter bestimmten Voraussetzun-
gen besteht für diese Kinder die Möglichkeit, am Unterricht der Grundschule teilzunehmen
(vgl.Schulintegrationsverordnung – SchIVO § 2).
Die Gestaltung der Schuleingangsphase erfolgt auf der Grundlage eines schuleigenen Kon-
zepts, das den individuellen Lernausgangslagen und Entwicklungsbesonderheiten der
Schüler Rechnung trägt.
Kinder mit diagnostizierter Lese-Rechtschreib-Schwäche können mit Einverständnis der Er-
ziehungsberechtigten nach der Klassenstufe 2 in Grundschulen mit LRS-Klassen unterrichtet
werden (vgl. VwV LRS-Förderung vom 19.Juli 2001).

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Ab Klassenstufe 3 wird fremdsprachlicher Unterricht erteilt. Darüber hinaus besteht in ausge-
wählten Grundschulen ein Angebot für "Intensives Sprachenlernen" von Klassenstufe 1 bis
4.
In den Klassenstufen 3 und 4 findet für Schüler und Eltern verstärkt die Schullaufbahnbera-
tung gemäß § 6 der Schulordnung Grundschulen - SOGS statt. Allen Schülern der Klassen-
stufe 4 wird gemäß § 21 SOGS im zweiten Schulhalbjahr eine Bildungsempfehlung für eine
weiterführende Schulart erteilt.
Als Form der äußeren Differenzierung wird in allen Klassenstufen Förderunterricht erteilt.
Dieser wird in der Regel in kleineren Gruppen, auch klassenübergreifend, durchgeführt.
5
Gestaltung des Bildungs- und Erziehungsprozesses
Grundschule mit Qualität zu gestalten bedeutet die alltägliche Kultur des Lehrens und Ler-
nens zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht dabei die Unterrichtsqualität. Gleichzeitig stellen
sich veränderte Anforderungen an die Gestaltung des Schullebens und an die Führungs-
tätigkeit der Schulleitung.
Anforderungen an die Unterrichtsgestaltung
Der Unterricht in der Grundschule knüpft an die Erfahrungs- und Erlebniswelt der Schüler an
und orientiert auf ganzheitliches Lernen. Lerninhalte werden besser verstanden und behal-
ten, wenn sie bedeutsam für das eigene Leben erscheinen und das Gefühl ansprechen.
Gestaltungsprinzip für den Unterricht ist entdeckendes Lernen.
Grundschulkinder wollen in der Regel etwas leisten. Insofern ist eine leistungsorientierte
auch eine kindorientierte Grundschule. Basis für die Entwicklung von Leistungen ist ein
systematischer Wissenserwerb, in dem methodisch vielfältige Übung, Wiederholung und
Festigung ebenso ihren Platz haben wie sinnvolle, motivierende Hausaufgaben.
In der Verantwortung der Lehrenden liegt es, Lernprozesse der Schüler zu steuern. Zugleich
geht es darum, das Kind als aktiv handelndes und lernendes Individuum anzuerkennen. Den
Schülern soll von Anfang an Gelegenheit gegeben werden, selbstständig etwas zu leisten
und eigene Lernwege zu erproben. Dabei können Fehler, Irr- und Umwege auftreten, die
nicht in erster Linie als Leistungsmängel angesehen werden, sondern als Zwischenschritt im
Lernprozess.
Das breite Leistungsspektrum der Grundschüler bedingt einen differenzierenden und indivi-
dualisierenden Unterricht. Im Vordergrund steht dabei die innere Differenzierung, die den
individuellen Lernvoraussetzungen und Leistungsständen sowie den unterschiedlichen Zu-
gangsweisen zum Lernstoff und dem unterschiedlichen Lerntempo gerecht wird. Das erfor-
dert vom Lehrer eine sorgfältige Analyse und diagnostische Fähigkeiten. Die darauf aufbau-
enden Lernschritte sollen weniger am Defizit als vielmehr am individuellen Lernfortschritt
orientiert sein.
Neben der Differenzierung im Klassenverband bietet der Förderunterricht eine weitere Mög-
lichkeit, Begabungen und Interessen zu fördern, Entwicklungsdefizite abzubauen und Teil-
leistungsschwächen zu verringern. Neben unterstützendem Lernen kann auch vorbereiten-
des und weiterführendes Lernen ermöglicht werden.
Individuelles, selbstständiges Lernen kann auch durch den Einsatz moderner Medien, insbe-
sondere des Computers, gefördert werden. Die Nutzung des Computers im Unterricht ver-
bindet effektives Üben mit Freude am Lernen, ermöglicht Kommunikation und Informations-
beschaffung, bahnt einen sinnvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit Technik an
und verbessert die Lernchancen für alle Kinder.

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Eine wesentliche Rolle für kindgemäßes und effektives Lernen spielt die Rhythmisierung des
Unterrichts. Die Planung des Unterrichts sollte sich nicht allein an der 45-Minuten-Einheit,
sondern an den Lernaufgaben und –bedingungen der Schüler orientieren. Zu berücksichti-
gen ist ein sinnvoller Wechsel von Anspannung und Entspannung, von Bewegung und Ruhe.
Fächerverbindendes Arbeiten trägt wesentlich zu einer Veränderung der Lehr- und Lernkul-
tur bei. In diesem Rahmen kann unterrichtliches Lernen durch das Einbeziehen außerunter-
richtlicher Lernorte ergänzt und somit das Erfahrungs- und Handlungsfeld der Schüler er-
weitert werden. Die schulspezifische Erarbeitung fächerverbindender Themen soll durch
exemplarisches Lernen in konkreten Situationen gekennzeichnet sein, ein Lernen mit Kopf,
Herz und Hand herausfordern und schülerzentrierte Unterrichtsformen entwickeln helfen.
Formen des fächerverbindenden Unterrichts sind für alle Schüler mindestens zwei Wochen
pro Schuljahr zu planen und durchzuführen. Dabei ist es möglich, unterschiedliche Organi-
sationsformen zu finden.
Leistungsbeurteilung in der Grundschule basiert auf einer sorgfältigen Analyse des Lernpro-
zesses und der Lernergebnisse. Bei der Leistungsbeurteilung werden unterschiedliche Lern-
voraussetzungen und individuelle Lernfortschritte berücksichtigt. Von besonderer Bedeutung
ist eine ermutigende Beurteilung im Anfangsunterricht.
Anforderungen an die Gestaltung des Schullebens
Über den Unterricht hinaus ist ein anregendes Schulleben anzustreben, das zu einem un-
verwechselbaren schulischen Profil beiträgt. Dabei spielt die Kooperation der Schule mit an-
deren Schulen, Schularten und Einrichtungen der Öffentlichkeit eine Rolle. Besondere In-
teressen der Lehrer, Schüler und Eltern sowie regionale Gegebenheiten können dabei prä-
gend sein. Kooperation mit verschiedenen Partnern ermöglicht auch ein vielfältiges Angebot
für eine interessante und abwechslungsreiche Freizeitgestaltung sowie die Entwicklung und
Pflege von Traditionen.
Schule muss als gestalteter und gestaltbarer Raum verstanden werden, in dem sowohl die
Lehrenden untereinander als auch Lehrer, Schüler und Eltern miteinander kooperieren. Das
Kind wird als Partner dabei ernst genommen. So werden Regeln und Normen des schuli-
schen Zusammenlebens ausgehandelt, die von der Gemeinschaft getragen werden. Ge-
meinsame Verantwortung fördert eine harmonische Entwicklung der kindlichen Persönlich-
keit.
Anforderungen an die Führungstätigkeit der Schulleitung
Der Schulleitung kommt bei der Steuerung schulischer Entwicklungsprozesse eine beson-
dere Bedeutung zu. Steuerungsinstrumente können Schulprogramm, Evaluation, Beratung
und Berichterstattung sein. Das Schulprogramm legt Ziele der Bildungs- und Erziehungs-
arbeit sowie entsprechende Maßnahmen und Arbeitsschritte für die einzelne Schule fest.
Schwerpunkte sind die Unterrichtsgestaltung, die Qualifizierung der Pädagogen im Rahmen
der Personalentwicklung, Formen von Kooperation und außerunterrichtliche Vorhaben. Eva-
luation ermöglicht zu überprüfen, wie die im Schulprogramm festgelegten Ziele und Maß-
nahmen umgesetzt wurden und welche Konsequenzen sich für die weitere Arbeit ergeben.
Die Beratung hilft, Stärken des Einzelnen wie auch des Pädagogenteams auszubauen und
Wege zur Überwindung von Schwächen zu finden. Durch Berichterstattung in der Öffentlich-
keit kann das Ansehen und die Anerkennung der schulischen Arbeit erhöht und damit Trans-
parenz erreicht werden. Schulaufsicht und Einrichtungen der Lehrerfortbildung geben in
diesem Prozess Unterstützung.

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Stundentafel für die Grundschule
Klassenstufe
1
2
3
4
Religion/Ethik
1
2
2
2
Deutsch
Sachunterricht
7
9
a)
2
6
9
a)
3
7
9
a)
2
7
10
a)
3
Mathematik
5
5
5
5
Englisch
-
-
2
2
Kunst
Werken
Musik
1
1
3
a)
1
1
1
3
a)
1
2
1
5
a)
2
1
1
4
a)
2
Sport
3
3
3
3
Anfangsunterricht
2
b)
- - -
21+2 22 26 26
Intensives Sprachenlernen
1
1
1 +
c)
1 +
c)
Förderunterricht
2
2
2
2
a) Die Anteile der einzelnen Fächer innerhalb des Fächerblockes können je nach didaktischen Erfordernissen
epochal flexibel verwendet werden. Innerhalb des Schuljahres müssen die Zeitanteile jedes Faches gewahrt
bleiben.
b) Stunden zur differenzierten Förderung in der Schuleingangsphase
c)
Angebot Intensives Sprachenlernen an ausgewählten Grundschulen mit genehmigter Konzeption: in
Klassenstufe 3 und 4 unter Einbeziehung der Förderstunden insgesamt je drei Wochenstunden