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Bedarfsgerecht barrierefreier Wohnraum in Sachsen
Ergebnisbericht
Auftraggeber: Sächsisches Staatsministerium des Innern

2

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Bedarfsgerecht barrierefreier Wohnraum in Sachsen
ERGEBNISBERICHT

4
Herausgeber:
Institut für Holztechnologie gemeinnützige GmbH
Zellescher Weg 24 | 01217 Dresden
1. Auflage,
März 2017
Die Studie
wurde mit Steuermitteln auf Grundlage des von den
Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes finanziert.

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Vorwort
Mit der vorliegenden Studie stehen in deutschlandweit ein-
maliger Form Ergebnisse zu den Wohnbedürfnissen von Men-
schen mit Behinderungen zur Verfügung. Die Wohnbedarfe
wurden auf Grundlage der Befragung von Betroffenen in drei
Regionen Sachsens – dem Landkreis Bautzen, dem Erzgebirgs-
kreis und der Stadt Leipzig ermittelt. Von 17.100 versendeten
Fragebögen kamen 2.400 zurück und konnten ausgewertet
werden. Es wurden unterschiedliche Behinderungsarten berücksichtigt und jeweils spe-
zifische Bedarfe identifiziert. Im Ergebnis sind detaillierte Kriterienkataloge entstanden,
die Bauherren und Architekten bei der Planung von Neubauten sowie bei Umbau und
Modernisierung von Bestandswohnungen Orientierung geben können.
Untersucht wurde, welche Kriterien bedarfsgerechter Barrierefreiheit in Wohnungen
von Menschen mit Behinderung vorhanden sind und welche von den Bewohnern für
eine selbstbestimmte und sichere Nutzung als notwendig angesehen werden. Auch die
Zufriedenheit mit der eigenen Wohnsituation und ein möglicher Veränderungsbedarf
wurden erfasst. Befragt wurden Menschen mit motorischen wie mit sensorischen Be-
hinderungen. Für beide Gruppen kamen unterschiedliche Fragebögen zur Anwendung.
Das Ergebnis ist ein Beleg für eine hohe Zufriedenheit der Befragten mit ihrer Lebens-
situation, ihrem Wohnumfeld und ihrer Nachbarschaft. Rund 31 Prozent der Befragten
sind mit ihrer Wohnung sehr zufrieden, rund 56 Prozent eher zufrieden. Dieses erfreuli-
che Ergebnis muss jedoch auch vor dem Hintergrund einer hohen Kompensationsfähig-
keit der Studienteilnehmer betrachtet werden. Zeigt doch die Studie zugleich, dass die
als wichtig eingestuften Kriterien für eine den Bedürfnissen angepasste Wohnung nur
bei einer Minderheit der Befragten vollständig erfüllt waren. Es bleibt daher eine gro-
ße Aufgabe für alle Akteure des Wohnungsmarktes, mehr bedarfsgerecht barrierefreie
Wohnungen zu schaffen, zumal die Zahl von Menschen mit körperlichen Einschränkun-
gen in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird.
Möge die Studie zum einen dazu beitragen, die Wohnbedarfe von behinderten Men-
schen mehr in den Blickpunkt der öffentlichen Diskussion zu rücken und zum anderen
beim Neu- und Umbau von Wohnungen Berücksichtigung finden. Gerade ohnehin an-
stehende Renovierungen sollten dazu genutzt werden, durch geringe Mehrkosten Barri-
eren zu reduzieren. Die Studie zeigt: Die Erfüllung von notwendigen Kriterien ist oft ganz
einfach und mit geringem Aufwand möglich.
Markus Ulbig
Staatsminister des Innern
VORWORT

6

7
Um diese Frage beantworten zu können, wurde im Auftrag des Sächsischen Staats-
ministeriums des Innern eine umfangreiche Studie durchgeführt. Menschen mit Behin-
derung wurden zu ihren persönlichen Erfahrungen mit ihrer eigenen Wohnung befragt.
Die Befragten haben auch Aussagen dazu gemacht, welche Anforderungen sie an ihre
Wohnung haben und was sie bei der Benutzung beeinträchtigt. Mit Hilfe der Ergebnisse
sollen Handlungsbedarfe erkannt werden und Grundlagen für die Planung konkreter
Maßnahmen abgeleitet werden.
Insgesamt konnten 2.400 Antworten von Menschen mit Behinderung in die Auswertung
aufgenommen werden. Aus den Aussagen der Teilnehmer/-innen zu ihren Anforderungen
an die Wohnung wurden MUSS-Kriterien für die Bewertung von Bestandswohnungen
definiert. Sind diese erfüllt, dann kann davon ausgegangen werden, dass die Wohnung
bedarfsgerecht barrierefrei ist. Bei den MUSS-Kriterien wird zwischen motorischer Be-
hinderung und sensorischer Behinderung unterschieden. Diese Kriterien stellen ein
Mindestanforderungsniveau für Bestandsbauten dar.
Darüber hinaus wurden erstmals fünf Kriterienkataloge für bedarfsgerecht barrierefreie
Wohnungen erarbeitet. Dabei werden drei unterschiedliche Gruppen motorischer Be-
hinderung und zwei Gruppen sensorischer Behinderung unterschieden. Diese Kriterien-
kataloge können als Grundlage für Neubauten für die jeweilige Gruppe herangezogen
werden. Für Menschen mit Behinderung sind die flächenbezogene Anforderungen be-
Gibt es ausreichend bedarfs­
gerecht barrierefreie Wohnungen
in Sachsen?
KURZFASSUNG

8
sonders wichtig, die ihnen ermöglichen mit ihrem Rollator oder Rollstuhl gut zu Recht
zu kommen. Auch die einfache und sichere Überwindung von Höhenunterschieden ist
für sie wichtig. Für Menschen mit sensorischer Behinderung stehen sicherheitsrelevante
Anforderungen im Vordergrund. Besonders wichtig war den Befragten der Gesamtstich-
probe auch, ob sie ihren Müllcontainer gut erreichen und benutzen können.
Erwartungsgemäß waren für die Befragten der Zugangsbereich des Hauses, die Treppen
und Aufzüge und das Bad die Schwerpunktbereiche, in denen fehlende Eigenschaften
sie besonders beeinträchtigen. In diesen Bereichen werden Grundlagen benötigt, um
bei Bedarf, die Wohnung an Kompetenzeinschränkungen oder Behinderung anpassen
zu können. Wenn die Wohnung einige wichtige Grundeigenschaften erfüllt, besteht für
die meisten Behinderungen die Möglichkeit, durch Nachrüstung die notwendige be-
darfsgerechte Barrierefreiheit herzustellen.
Notwendige Grundeigenschaften von Wohnungen für Menschen mit motorischer Be-
hinderung sind:
യയയയ
ein leicht und erschütterungsarm befahrbarer Zuweg,
യയയയ
eine leicht zu öffnende und sicher zu durchfahrende Haustür,
യയയയ
ein stufen- und schwellenlos erreichbarer Zugang zur Wohnung,
യയയയ
ausreichend Platz für Bewegung mit dem Hilfsmittel, insbesondere im Bad, und
യയയയ
Möglichkeiten um das Hilfsmittel abzustellen.
Altersbedingt verschlechtern sich Hör- und Sehvermögen bei allen Menschen ab dem
70. Lebensjahr deutlich.
Deshalb sollten folgende Eigenschaften für alle Wohnungen grundsätzlich erfüllt werden:
യയയയ
Erkennbarkeit von Gefährdungsstellen (z. B. Anfang und Ende von Treppen),
യയയയ
sichere Abstützmöglichkeiten vorhanden (z. B. Haltegriffe im Bad),
യയയയ
ebene und feste Bodenbeläge für eine sichere Fortbewegung, und
യയയയ
bequem und gefahrlos begehbare Treppen.
Dabei sind die meisten dieser Anforderungen durch Nachrüstung erfüllbar.
Die meisten Schwierigkeiten mit ihren bestehenden Wohnungen haben Menschen die
einen Rollstuhl benötigen, geäußert. Dies beruht vermutlich auf dem besonders hohen
Bedarf an Bewegungsfläche. Auch eine zusätzlich anwesende Hilfsperson hat neben
dem Betroffenen und seinem Hilfsmittel, einen weiteren Bedarf an Bewegungsfläche.
Das dafür notwendige Flächenangebot wird zum Beispiel in typischen Mietwohnungen
nicht vorgehalten.
Ziel der Studie war es auch, unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung,
den Bestand und den bis 2030 zu erwartenden Bedarf an bedarfsgerechten barrierefreien
Wohnungen für den Freistaat Sachsen zu ermitteln.
Aktuell bewohnen in Sachsen 87,8 % der Menschen mit motorischen Behinderungen
Wohnungen, die die definierten MUSS-Kriterien für bedarfsgerecht barrierefreie Be-
standsbauten nicht oder nur teilweise erfüllen. Es besteht ein absoluter Anpassungs-
bedarf bei Wohnungen für motorisch behinderte Menschen, der laut Schätzung von
KURZFASSUNG

9
heute etwa 74.000 bis 2030 noch auf 77.000 Wohnungen ansteigt. Menschen mit sen-
sorischen Behinderungen leben heute zu 58,3 % in Wohnungen, die die für diese Ziel-
gruppe definierten MUSS-Kriterien nicht oder nur teilweise erfüllen. Sachsenweit be-
steht ein Anpassungsbedarf bei Wohnungen für sensorisch behinderte Menschen, der
von heute etwa 26.000 bis 2030 noch auf ca. 27.000 Wohnungen ansteigt.
Trotz der durch die Studie ermittelten Defizite der genutzten Wohnungen, wurde ins-
gesamt eine hohe Zufriedenheit der Befragten mit Lebenssituation, Wohnung, Wohn-
umfeld und Nachbarschaft festgestellt. Die empfundene Beeinträchtigung scheint im
Vergleich zu den objektiven Defiziten vergleichsweise gering zu sein. Die Auswertung
der Befragung zeigtein hohes Medianalter der befragten Personen (72 Jahre) im Ver-
gleich zum Median in Sachsen (48,2 Jahre). Möglicherweise sind die hohen Zufrieden-
heitswerte darauf zurück zu führen. Andere Studien bestätigen, dass eine höhere Zufrie-
denheit typisch für ältere Teilnehmer/ -innen ist. Diese sind leichter zufriedenzustellen
und anpassungsbereiter als jüngere Menschen.
Die Ergebnisse der Studie sind nicht in allen Teilen statistisch belastbar. Es besteht zum
Thema bedarfsgerecht barrierefreier Wohnraum in Sachsen weiterer Untersuchungs-
bedarf. Zum Beispiel liegen nicht für alle Einzelkriterien der Wohnung eine ausreichend
große Anzahl von Antworten vor. Auch beruht die Prognose des Bedarfs an bedarfs-
gerecht barrierefreiem Wohnraum in Sachsen auf der Schätzung des heute vorhan-
denen Bestands. Aufgrund der dafür vorliegenden geringen Datenbasis, war nur eine
Bestandsschätzung und keine genaue Ermittlung möglich.
KURZFASSUNG

10

a
1 ANLASS ............................................................ 15
2 AUFGABENSTELLUNG .................................................. 17
3 KRITERIEN FÜR DIE BARRIEREFREIHEIT DER WOHNUNG ...................... 19
3.1 Normung und Bauordnung in Sachsen ..................................... 19
3.2 Hilfsmittelnutzung und Hilfebedarf im Wohnraum ........................... 22
3.2.1 motorische Behinderungen ......................................... 22
3.2.2 sensorische Behinderungen ......................................... 24
3.3 Kriterienkatalog für die Befragung ........................................ 24
4 SCHRIFTLICHE BEFRAGUNG ............................................ 27
4.1 Rahmenbedingungen ................................................... 27
4.2 Datenerhebung – Schriftliche Befragung ................................... 29
4.2.1 Fragebogendesign ................................................. 29
4.2.2 Stichprobenumfang ............................................... 32
4.2.3 Rücklauf ......................................................... 33
4.3 Datenauswertung ...................................................... 34
4.3.1 Erfassung und Auswertung der quantitativen Daten ..................... 34
4.3.2 Erfassung und Auswertung der qualitativen Daten ..................... 35
4.3.3 Konsequenzen aus der Merkzeichenverteilung ......................... 36
5 ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG .......................................... 37
5.1 Soziodemografische Ergebnisse der Gesamtstichprobe ........................ 37
5.1.1 Soziologische Charakterisierung der Stichprobe ........................ 37
5.1.2 Zufriedenheit der Befragten ......................................... 43
Inhalt
INHALTSVERZEICHNIS

b
5.1.3 Wohnen und Wohnumfeld .......................................... 50
5.1.4 Stadt­Land­Unterschiede ........................................... 61
5.2 Stichprobe Fragebogen motorische Behinderung ............................ 64
5.2.1 Aussagen zu Selbstbestimmung und Sicherheitsgefühl .................. 64
5.2.2 Beeinträchtigung wegen nicht vorhandener Wohnungseigenschaft ........ 68
5.2.3 Fazit für motorische Behinderungen ................................. 75
5.3 Stichprobe Fragebogen sensorische Behinderung ............................ 78
5.3.1 Aussagen zu Selbstbestimmung und Sicherheitsgefühl .................. 78
5.3.2 Beeinträchtigung wegen nicht vorhandener Wohnungseigenschaft ........ 80
5.3.3 Fazit für sensorische Behinderungen ................................. 84
6 KRITERIENKATALOGE FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN ..... 87
6.1 Qualitative Bewertung der Kriterien ....................................... 87
6.2 Kriterienkataloge bedarfsgerecht barrierefreies Wohnen ...................... 89
6.2.1 Beispiel A — Kriterienkatalog HMG 1, gehend mit Hilfsmittel ............. 90
6.2.2 Beispiel B — Kriterienkatalog Hörbehindert/Gehörlos .................... 96
7 WOHNEN VON MENSCHEN MIT GEISTIGER BEHINDERUNG .................. 103
7.1 Methodik ........................................................... 103
7.2 Ergebnisse ........................................................... 105
7.2.1 Stichprobenumfang .............................................. 105
7.2.2 Betreuungs­ und Hilfebedarf ....................................... 105
7.2.3 Wohnsituation ................................................... 106
7.2.4 Anforderungen an die Wohnung .................................... 107
7.2.5 Zufriedenheit .................................................... 108
7.2.6 Veränderungsbedarf .............................................. 109
7.2.7 Offene Probleme aus Sicht der Befragten ............................. 109
7.3 Fazit ............................................................... 110
8 BESTANDSSCHÄTZUNG VON
BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN ............. 113
8.1 Ermittlung der Anzahl der Betroffenen im Untersuchungsgebiet .............. 114
8.1.1 Verteilung von Behinderung in Sachsen .............................. 114
8.1.2 Zusammensetzung der Stichprobe motorischer Fragebogen .............. 116
8.1.3 Zusammensetzung der Stichprobe sensorischer Fragebogen ............. 119
8.1.4 MUSS­Kriterien für die Bestandsschätzung .......................... 120
INHALTSVERZEICHNIS

c
8.1.5 Einschätzung des Bestandes an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen in
der Stichprobe ................................................... 122
8.1.6 Verteilung der Stichproben auf urbane bzw. ländliche Räume ............ 123
8.2 Bestandsschätzung für den Freistaat Sachsen .............................. 125
8.2.1 Bestandsschätzung für Personen mit motorischer Behinderung .......... 125
8.2.2 Bestandsschätzung für Personen mit sensorischer Behinderung .......... 126
9 BEDARFSPROGNOSE FÜR DEN
FREISTAAT SACHSEN ................................................. 129
9.1 Entwicklungskorridore für Sachsen ...................................... 130
9.2 Prognose der Anzahl der Menschen mit Behinderung für 2030 ................ 133
9.3 Prognose des Bedarfs an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen
........... 135
10 ZUSAMMENFASSUNG ............................................... 139
LITERATURVERZEICHNIS ................................................. 143
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS ............................................... 147
ABBILDUNGSVERZEICHNIS ............................................... 149
TABELLENVERZEICHNIS .................................................
151
ANLAGE .............................................................. 153
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung ­
Hilfsmittelgruppe 1, gehend mit Hilfsmittel ...............................
153
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung ­
Hilfsmittelgruppe 2, mechanischer Rollstuhl .............................. 158
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung ­
Hilfsmittelgruppe 3, Elektro­Rollstuhl, Hilfsperson ......................... 163
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung –
Hörbehindert/Gehörlos ................................................ 168
Kriterienkatalog bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung –
Sehbehindert/Blind ................................................... 171
INHALTSVERZEICHNIS

14

15
1 Anlass
Im Koalitionsvertrag vom 23. Oktober 2014 haben sich die Regierungsparteien die Säch-
sische Staatsregierung verpflichtet, einen ressortübergreifenden Aktionsplan zur Um-
setzung der UN Behindertenrechtskonvention
1
zu erarbeiten. Dieses
Übereinkommen
über die Rechte von Menschen mit Behinderungen
(UN- BRK) ist ein Menschenrechts-
übereinkommen der Vereinten Nationen, das am 13. Dezember 2006 von der General-
versammlung der Vereinten Nationen beschlossen wurde und am 3. Mai 2008 in Kraft
getreten ist. Die Unterzeichnung in Deutschland fand am 30. März 2007 statt und mit
der Verkündung des Gesetzes zur Ratifikation des
Übereinkommens über die Rechte von
Menschen mit Behinderungen
konnte die Behindertenrechtskonvention am 24. Februar
2009 in Deutschland in Kraft treten. Die UN-Behindertenrechtskonvention beinhaltet –
neben der Bekräftigung allgemeiner Menschenrechte auch für behinderte Menschen
– eine Vielzahl spezieller, auf die Lebenssituation behinderter Menschen abgestimmte
Regelungen.
In mehreren Arbeitsgruppen wurde deshalb begonnen, einen Aktionsplan zur Umset-
zung der UN-BRK für den Freistaat Sachsen zu erarbeiten. Ein Ergebnis dieser Arbeit war,
die Erhebung von Grundlageninformationen zu veranlassen.
Über den zur Verfügung stehenden Wohnraum speziell für Menschen mit Behinderun-
gen liegen in Sachsen keine oder nur unzureichende Informationen vor. Damit fehlen
belastbare Voraussetzungen für die Feststellung eventueller Handlungsbedarfe, Planun-
gen und konkreter Maßnahmen.
1
UNO (2006)
ANLASS

16
In der Arbeitsgruppe
Wohnen, inklusiver Sozialraum
im Rahmen des Projekts
Erstellung
des Aktionsplans zur Umsetzung der UN-BRK
der Sächsischen Staatsregierung wurde
eine intensive Diskussion zu den tatsächlichen Anforderungen von Menschen mit Be-
hinderung an ihre Wohnung geführt.
Insbesondere die Vertreter von Wohnungsbaugenossenschaften und von Städten und
Gemeinden verwiesen auf die hohen Kosten für umfassend barrierefrei errichtete oder
umgebaute Wohnungen und dadurch entstehende hohe Mietkosten. Deshalb wurde
die Frage erörtert, inwieweit sich Anforderungen an die Wohnung je nach der Behinde-
rungsart unterscheiden. Durch eine nur auf die spezifische Behinderung abgestimmte
bauliche Gestaltung würden sich möglicherweise die Baukosten und damit die Miete
reduzieren lassen.
Aus diesem Grund wurde eine Studie zum Bestand und Bedarf an
bedarfsgerecht bar-
rierefreien Wohnungen in Sachsen, regional sowie nach der Art der Behinderung diffe-
renziert, unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung, ausgeschrieben. Der
Auftrag wurde dem Institut für Holztechnologie Dresden gemeinnützige GmbH (IHD)
gemeinsam mit seinem Nachauftragnehmer ATB Chemnitz gGmbH erteilt. Am IHD wur-
den und werden seit mehreren Jahren erfolgreich unterschiedliche Forschungsprojekte
zu Fragen in den Themenbereichen ganzheitliche Barrierefreiheit und benutzergerechte
Gestaltung von Gebäuden, Möbeln und Innenausbauten durchgeführt und neue Lösun-
gen entwickelt. Die ATB Arbeit, Technik und Bildung gGmbH hat Erfahrung in der Durch-
führung und der wissenschaftlichen Begleitung von Studien und Projekten zur Datener-
hebung und in der Erarbeitung von Analysedesigns.
ANLASS

17
Das Ziel der vorliegenden Studie ist es, den Bestand und den bis 2030 zu erwarten-
den Bedarf an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen für den Freistaat Sachsen zu
ermitteln. Da keine geeigneten Informationen vorliegen, muss geklärt werden, wieviel
Wohnraum für Menschen mit Behinderungen in Sachsen benötigt wird und wieviel ge-
eigneter Wohnraum bereits vorhanden ist. Dabei sollte die demografische Entwicklung
beachtet und Aussagen nach Art der Behinderung differenziert getroffen werden. Eine
regionale Aufgliederung sollte erfolgen.
Folgende Fragestellungen lagen dem Forschungsdesign zu Grunde:
1. Welche Kriterien bedarfsgerechter Barrierefreiheit sind in den Wohnungen von
Menschen mit Behinderungen und den für die Wohnnutzung notwendigen Be-
reichen des Wohngebäudes, in drei ausgewählten Regionen Sachsens, erfüllt?
2. Welche Kriterien bedarfsgerechter Barrierefreiheit werden von Menschen mit
Behinderung, in drei ausgewählten Regionen Sachsens, als notwendig für eine
selbstbestimmte und sichere Nutzung ihrer Wohnung und ihres Wohnumfeldes
angesehen?
3. Wie zufrieden sind die Befragten mit ihrer Wohnsituation und welchen Verän-
derungsbedarf bezüglich ihrer Wohnsituation sehen sie?
4. Wie viele bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen für Menschen mit Behinde-
rung gibt es in Sachsen?
2 Aufgabenstellung
AUFGABENSTELLUNG

18
5. Welcher Bedarf bis zum Jahr 2030 an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnun-
gen (einschließlich rollstuhlgerechten Wohnungen) kann aus den Befragungser-
gebnissen abgeleitet werden?
6. Wie unterscheiden sich die ermittelten Bedarfe hinsichtlich einer Differenzie-
rung von urbanen und ländlichen Räumen?
Im ersten Teil befasst sich die Studie mit dem Stand der Technik, darunter mit den ak-
tuellen relevanten Normen und Bauordnungen zum barrierefreien Wohnen in Sachsen.
Darauf aufbauend werden allgemeingültige Kriterien für barrierefreie Wohnungen zu-
sammengestellt. Dabei werden verschiedene Formen der Hilfsmittelnutzung und des
Hilfebedarfs im häuslichen Umfeld und die daraus folgenden Anforderungen mit be-
trachtet. Diese literaturbasierten Kriterien bildeten die Grundlage für einen Fragebogen
zur Datenerhebung der Studie. Sie sind in Kapitel 3 ausführlich dargestellt.
Zur Beantwortung der Fragen nach vorhandenem bedarfsgerecht barrierefreiem Wohn-
raum und nach den spezifischen Anforderungen der Bewohner musste eine Befragung
durchgeführt werden. Ziel dieser Befragung war es, quantitative Aussagen zum Vorhan-
densein der ermittelten Kriterien im Bestand zu erhalten und zu erfahren, inwieweit
diese von den Befragten als relevant eingeschätzt werden. Dafür wurde in Leipzig, dem
Landkreis Bautzen und dem Erzgebirgskreis von Mitte August bis Mitte September 2016
eine Befragung durchgeführt. Befragt wurden Menschen mit unterschiedlichen motori-
schen und sensorischen Behinderungen. Das methodische Vorgehen und die Ergebnisse
der Befragung sind ausführlich in den Kapiteln 4 und 5 dargestellt.
Basierend auf den Befragungsergebnissen erfolgt in Kapitel 6 eine Wichtung der Kriteri-
en und die Erstellung von Kriterienkatalogen für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnun-
gen, getrennt nach verschiedenen Arten der Behinderung.
In Kapitel 7 wird dargestellt, welche Anforderungen an bedarfsgerecht barrierefreie
Wohnungen für Menschen mit geistiger Behinderung ermittelt wurden. Hierzu wurden
qualitative Interviews mit Betreuern/-innen bzw. Familienangehörigen von Menschen
mit geistiger Behinderung durchgeführt und ausgewertet.
In den Kapiteln 8 und 9 erfolgt auf Basis der erhobenen Daten eine Bestandsschätzung
sowie ein Bedarfsprognose an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen für den Frei-
staat Sachsen. Abschließend werden in Kapitel 10 die wichtigsten Ergebnisse der durch-
geführten Studie zusammengefasst.
AUFGABENSTELLUNG

19
3 Kriterien für die Barrierefrei­
heit der Wohnung
3.1 Normung und Bauordnung in Sachsen
Für eine bedarfsgerecht barrierefreie Gestaltung von Wohnraum liegen keine Kriterien
vor. Die Erarbeitung eines Kriterienkatalogs für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnun-
gen basiert deshalb auf dem aktuellen Wissensstand zum barrierefreien Bauen.
Als Planungsgrundlage für barrierefreies Bauen ist in der Liste der Technischen Bau-
bestimmungen (VwV-LTB) DIN 18040 - 2
2
teilweise bauaufsichtlich eingeführt. Diese
gilt für die barrierefreie Planung, Ausführung und Ausstattung von Wohnungen sowie
Gebäuden mit Wohnungen und der Teile der Außenanlagen, die der Erschließung und
wohnbezogenen Nutzung dienen.
Die Barrierefreiheit baulicher Anlagen ist in der Norm als Ziel benannt. Diese sollen für
Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Er-
schwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sein
(nach § 4 BGG Behindertengleichstellungsgesetz
3
). Die Norm setzt damit einen allge-
meinen Standard für barrierefreies Bauen, der für die Mehrzahl der Menschen mit Be-
hinderung geeignete Lösungen ermöglicht.
Anforderungen an bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen, müssen sich auf den indi-
viduellen Bedarf eines Menschen mit Behinderung beziehen. Diese können spezifisch
und damit unterschiedlich sein.
Behinderung wird in Deutschland im §2 Sozialgesetzbuch (SGB) IX
4
definiert. Demnach sind
2
DIN 18040-2:2011-05
3
Behindertengleichstellungsgesetz (2002)
4
SGB IX (2001)
KRITERIEN FÜR DIE BARRIEREFREIHEIT DER WOHNUNG

image
20
Menschen behindert,
„...wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische
Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Le-
bensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesell-
schaft beeinträchtigt ist.“
Der Schweregrad einer Behinderung wird dabei als Grad der
Behinderung (GdB) angegeben und wird in Zehnerschritten auf einer Skala von 20 bis 100
dargestellt. Ab einem GdB von 50 gelten Betroffene dem Gesetzgeber nach als schwerbe-
hindert.
DIN 18040-2 bezieht sich mit der Formulierung
“...grundsätzlich ohne fremde Hilfe…”
auf
die grundsätzliche Möglichkeit einer selbstbestimmten Benutzung. Einige Behinderungs-
arten, wie z. B. eine Lähmung an allen vier Gliedmaßen, führen dazu, dass die Betroffenen
regelmäßig oder sogar dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind. Diese Betroffenheiten und die
räumlichen Anforderungen aus der Anwesenheit der Hilfsperson werden von DIN 18040-2
nicht erfasst.
Für Wohnräume unterscheidet die DIN 18040-2 zwischen
൵൵൵൵
barrierefrei nutzbaren Wohnungen
und
൵൵൵൵
barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren Wohnungen
.
Diese Unterscheidung gilt nicht für die Infrastruktur der Gebäude. Dort wird grundsätz-
lich auch die
uneingeschränkte Nutzung mit dem Rollstuhl
berücksichtigt. Zusätzliche
oder weitergehende Anforderungen an Wohnungen für
eine barrierefreie und uneinge-
schränkte Rollstuhlnutzung
sind innerhalb der Norm gesondert erfasst.
Die uneingeschränkte Nutzbarkeit mit dem Rollstuhl bezieht sich auf die geometrischen An-
forderungen, die sich aus den zugrunde gelegten Abmessungen von Standardrollstühlen
5
ergeben. Bei der Nutzung eines Hilfsmittels mit größeren Abmessungen als in der Norm
erfasst können damit zusätzliche oder andere Anforderungen bestehen. Deshalb verweist
5
maximale Breite 70 cm, maximale Länge 120 cm
Abbildung 1 – Bewegungsfläche nach DIN 18040-2 für Standartrollstuhl (eigene Darstellung)
KRITERIEN FÜR DIE BARRIEREFREIHEIT DER WOHNUNG

image
21
Abbildung 2 – Wenderadius für Standardrollstuhl in Abhängigkeit von den motorischen Fähigkeiten des Be-
nutzers / der Benutzerin (eigene Darstellung)
die Norm darauf, dass für Wohnanlagen für spezielle Nutzergruppen und Wohnungen für
spezielle Nutzer/ -innen zusätzliche oder andere Anforderungen notwendig sein können.
In Sachsen regelt die Sächsische Bauordnung (SächsBO)
6
inwieweit Wohnungen barrie-
refrei errichtet werden müssen. Durch § 50 SächsBO „Barrierefreies Bauen“ wird festge-
legt, dass in Gebäuden mit mehr als zwei Wohnungen die Wohnungen eines Geschosses
barrierefrei erreichbar sein müssen, wobei diese Wohnungen auch in mehreren Ge-
schossen liegen können. In diesen Wohnungen müssen die Wohn- und Schlafräume, eine
Toilette, ein Bad sowie die Küche oder die Kochnische barrierefrei sein. DIN 18040-2 gilt
dabei für Neubauten. Bei der Planung von nicht wesentlichen Änderungen, Umbauten
oder Modernisierungen kann die Norm sinngemäß angewendet werden.
Abweichungen können nach § 67 SächsBO nur dann zugelassen werden, soweit die An-
forderungen aufgrund schwieriger Geländeverhältnisse, wegen des Einbaus eines sonst
nicht erforderlichen Aufzugs, wegen ungünstiger vorhandener Bebauung oder im Hin-
blick auf die Sicherheit der Menschen mit Behinderungen oder alter Menschen nur mit
einem unverhältnismäßigen Mehraufwand erfüllt werden können.
In den in Sachsen geltenden technischen Bauvorschriften sind die Abschnitte 4.3.6 und
4.4 der DIN 18040-2, sowie alle Anforderungen mit der Kennzeichnung „R“ von der Ein-
führung ausgenommen. Für das barrierefreie Bauen werden damit zurzeit keine Vorga-
ben für die uneingeschränkte Nutzung von Wohnungen mit dem Standardrollstuhl, für
die Nutzung mit in den Abmessungen darüber hinausgehende Rollstühle und für das
Warnen, Orientieren, Informieren und Leiten von sensorisch Behinderten in Wohnge-
bäuden gemacht.
6
Staatsministerium des Innern Sachsen (2016)
KRITERIEN FÜR DIE BARRIEREFREIHEIT DER WOHNUNG

22
3.2 Hilfsmittelnutzung und Hilfebedarf im Wohnraum
3.2.1 motorische Behinderungen
DIN 18040-2 beschreibt Anforderungen für Benutzer/-innen, die höchstens einen Standardrollstuhl be-
nutzen und in der Lage sind selbstbestimmt ihr Leben zu führen. Für die Benutzergruppen, die auf eine
Hilfsperson angewiesen sind oder ein größeres Hilfsmittel benutzen, bestehen möglicherweise andere
Anforderungen.
Für die Definition der Kriterien für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen, bei Nutzung größerer Hilfs-
mittel als der Standardrollstuhl und bei nötiger Unterstützung durch eine Hilfsperson, wurde versucht
den Bedarf in der Literatur zu ermitteln. Maßgeblich ist dabei unter anderem der Bedarf an Bewegungs-
fläche.
Die Grundabmessungen von Bewegungsflächen werden in der Literatur unterschiedlich dargestellt. Ei-
nige Quellen geben nicht die Bewegungsfläche sondern einen Wenderadius (bzw. -kreis) beim Wenden
um 180° an. Es ist zu beachten, dass bei der Angabe der Bewegungsfläche in DIN 18040-2 von einem
Wenden in mehreren Zügen ausgegangen wird. Beide Angaben sind also nicht direkt miteinander ver-
gleichbar (vgl. dazu Abbildung 1 und Abbildung 2).
In Tabelle 1 sind Aussagen aus der Literatur zu Abmessungen von Bewegungsflächen und Wenderadien
vergleichend gegenübergestellt. Es wird deutlich, dass der Bedarf an Bewegungsfläche, aber auch der
Bewegungsradius, abhängig vom benutzten Hilfsmittel sind. Die Anwesenheit einer Hilfsperson erhöht
den Bedarf zusätzlich.
In Auswertung der Literatur werden hier bezogen auf den Bedarf an Bewegungsfläche vier Hilfsmittel-
gruppen (HMG) bei motorischen Behinderungen definiert. Diese sind nach dem notwendigen Bedarf an
Bewegungsfläche unterteilt.
യയയയ
HMG 0 - ohne Hilfsmittel (Prothesen- oder Orthesenträger ohne Gehhilfen inbegriffen), kein
Bedarf abweichend von nicht behinderten Benutzer/ -innen ohne Hilfsmittel
യയയയ
HMG 1- gehend mit Hilfsmittel (wie Gehstützen oder Rollator), entspricht Flächenbedarf
DIN 18040-2 barrierefrei nutzbar
യയയയ
HMG 2- rollend bei Nutzung eines mechanischen Rollstuhls nach Vorgaben der DIN 18040-2
(Anforderungen der DIN mit “R”)
യയയയ
HMG 3- rollend bei Nutzung eines Rollstuhls mit größeren Abmessungen als in DIN 18040-2
zugrunde gelegt und/ oder Hilfsperson mindestens teilweise anwesend (Anforderungen über
die DIN hinausgehende als “R+” definiert).
Für eine Befragung sollten vorrangig die HMG 1 bis 3 zum Tragen kommen, da bei HMG 0 keine besonde-
ren Anforderungen bestehen. Bei der Erarbeitung von Fragebögen muss die Hilfsmittelverwendung und
ein möglicher Bedarf für eine Hilfsperson mit ermittelt werden. Die Auswertung der Ergebnisse sollte
ebenfalls nach diesen Gruppen erfolgen.
KRITERIEN FÜR DIE BARRIEREFREIHEIT DER WOHNUNG

23
Quelle
DIN 18040
6
Schweizer
Fachstelle
7
Pressalit
Care
8
Arjo-
Huntleigh
9
Leitfaden
barrierefreies
Bauen
10
Grundabmessungen in [mm]
ohne Hilfsmittel
600 x 600
ohne Hilfsmittel, mit Hilfsperson
(seitlich)
DB
11
1200
600 x 1000
DB 1200
12
mit 2 Unterarmstützen (Gehstö-
cken)
DB 900
900 x 1000
manueller Rollstuhl
700 x 1200
700 x 1300
750 x 1200
manueller Rollstuhl, Hilfsperson
(hinten)
DB 700
750 x 1750
elektrischer Rollstuhl
700 x 1800
700 x 1300
elektrischer Rollstuhl, Hilfsperson
750 x 2000
Rollator
DB 700
600 x 1000
Rollator, Hilfsperson (seitlich)
DB 1300
Wendekreis/Bewegungsfläche in [mm]
Selbständiger Benutzer/ -innen
mit 2 Unterarmstützen
(Gehstöcken)
1200 x 1200
1300 x 1300
mit Rollator (Gehwagen)
1400 x 1500
13
1300 x 1300
im manuellen Rollstuhl
1500 x 1500 1700 x 1400
1500 x 1500 1500 x 1500 2000 x 1590
14
im elektrischen Rollstuhl
1700 x 1400
1850 x 1850
2250 x 2250
15
Benutzer/ -innen mit Helfer
im manuellen Rollstuhl
1750 x 1750 1900 x 1900
im Pflegerollstuhl
2100 x 2100
7
DIN 18040-2:2011-05
8
Bohn, Felix (2014).
9
Pressalit Care GmbH (Hg.) (2015)
10
Arjohuntleigh (Hg.) (2015)
11
Loeschcke, Gerhard.; Pourat, Daniela (2009)
12
DB = Durchgangsbreite
13
Höhere Anforderungen bei schwergewichtigem Benutzer/ -innen mit 2 Hilfspersonen (DB 2150mm)
14
Seitliche Anfahrt ≥60 cm beachten
15
ISO 21542:2011,. größte Abmessung der Kategorie
16
CAN/CSA B651-04 (R2010), größte Abmessung der Kategorie
Tabelle 1 – Flächenbedarf verschiedener Nutzer mit und ohne Hilfsmittel/Hilfsperson
KRITERIEN FÜR DIE BARRIEREFREIHEIT DER WOHNUNG

24
3.2.2 sensorische Behinderungen
Bei einer sensorischen Behinderung werden andere Hilfsmittel genutzt als bei moto-
rischen Behinderungen. Diese Hilfsmittel (z.B. Hörhilfen oder Sehhilfen) haben keinen
Einfluss auf die notwendigen Bewegungsflächen im Raum. Menschen mit sensorischer
Behinderung wären damit der HMG 0 zuzuordnen.
Vorgaben für eine, an sensorische Behinderungen angepasste bauliche Gestaltung, un-
terscheiden sich nach der Sinnesbehinderung. Betroffene mit einer Hörbehinderung
oder Gehörlosigkeit haben andere Anforderungen als Betroffene mit einer Sehbehinde-
rung oder Blindheit. Einige Anforderungen treffen für beide Zielgruppen zu. Die Mehr-
zahl der Anforderungen dieser Zielgruppen unterscheidet sich maßgeblich von den An-
forderungen der Menschen mit motorischer Behinderung.
Die Betroffenheit von Menschen mit sensorischer Behinderung führt zu einer verän-
derten Kommunikation. Für Menschen mit Sehbehinderung werden für die schriftliche
Kommunikation unter anderem große Schrift und starke Kontraste benötigt. Blinde be-
nötigen Dokumente in Brailleschrift oder maschinenlesbare Dokumente. Für gehörlos
Geborene ist eine angepasste Sprache notwendig.
3.3 Kriterienkatalog für die Befragung
Für die Erstellung eines Fragebogens zur Erhebung der für die Studie notwendigen Da-
ten war die Erarbeitung eines Kriterienkatalogs notwendig. Die dafür heranzuziehen-
de Basis war DIN 18040-2, die in Sachsen teilweise bauaufsichtlich eingeführt ist. Eine
vollständige Abbildung aller in DIN 18040 aufgelisteten Kriterien in einem Fragebogen
war nicht möglich. Die Vielzahl der sich ergebenden Fragen hätte die Befragungsteil-
nehmer/-innen überfordert und zu einer geringen Rücklaufquote geführt. Deshalb
mussten Fragen zusammengefasst werden.
Da Normen für und von Fachleuten erarbeitet werden, sind sie in einer Fachsprache
formuliert. Diese Sprache ist für Laien nicht immer verständlich. Zur Verbesserung des
Verständnisses und Erleichterung der Beantwortung durch die Studienteilnehmer/
-innen war deshalb eine Umformulierung der Begrifflichkeiten aus der Norm notwendig.
Darüber hinaus konnten die Studienteilnehmer/-innen nicht nach Maßangaben befragt
werden, da die zu erwartenden Ergebnisse nicht vergleichbar wären. Jeweils den not-
wendigen Maßbezug mit anzugeben, hätte die Zielgruppe überfordert. Fragen mit Maß-
bezug wurden deshalb so umformuliert, dass die Teilnehmer sie verstehen konnten.
Tabelle 2 zeigt beispielhaft, wie Kriterien der DIN 18040-2 zusammengefasst und umfor-
muliert wurden.
KRITERIEN FÜR DIE BARRIEREFREIHEIT DER WOHNUNG

25
Tabelle 2 – Gegenüberstellung Normkriterium, Fragestellung im Fragebogen
Bereich
Normkriterium
Frage im Fragebogen
Zugang zum
Gebäude
fest und eben
leicht und erschütterungsarm mit dem
Rollstuhl bzw. Rollator befahrbar
Der Gehweg vor dem Haus ist eben und
fest, so dass er leicht und sicher passierbar
ist.
Zugang zum
Gebäude
Bewegungsfläche von 150 cm × 150 cm
am Anfang und Ende von Rampen
Vor der Rampe ist ausreichend Platz, um
mit dem Hilfsmittel zu wenden.
Aufzug
Bedienelemente erreichbar
(85 cm - 105 cm)
Man kann alle Tasten auch aus dem Sitzen
gut erreichen.
In einem späteren Arbeitsschritt konnten aus zusammengefassten Fragestellungen, um-
formulierten Maßbezügen und neu formulierten Fragen, wieder Kriterien, die denen
der DIN 18040-2 vergleichbar sind, abgeleitet werden. Zur besseren Nachvollziehbarkeit
für die Teilnehmer erfolgte die Gliederung der Befragung nach in jeder Gebäudegrö-
ße vorkommenden Wohnbereichen. Diese sollten in der Reihenfolge, wie ein Gebäude
betreten und benutzt wird, aufgeführt werden. Daraus ergibt sich entsprechend der
Wohnbereiche eine Gliederung in die Abschnitte
യയയയ
nahes Wohnumfeld
യയയയ
Zugangsbereich
യയയയ
Treppen und Aufzüge
യയയയ
allgemeiner Wohnbereich
യയയയ
Küche
യയയയ
Bad.
Zu jedem Wohnbereich sollten mehrere Kriterien abgefragt werden. Dabei sollten alle
relevanten Anforderungen aus der Literatur mit in die Befragung aufgenommen wer-
den. Genaueres zum Fragebogendesign kann in 4.2.1 nachgelesen werden.
KRITERIEN FÜR DIE BARRIEREFREIHEIT DER WOHNUNG

26

27
4 Schriftliche Befragung
4.1 Rahmenbedingungen
In diesem Kapitel wird das methodische Vorgehen der Studie beschrieben. Es wird dar-
gelegt, wie die für die Beantwortung der Forschungsfragen notwendigen Informationen
durch eine Befragung von Menschen mit Behinderung erlangt werden konnten.
Für die Durchführung der Befragung wurden die Stadt Leipzig, der Landkreis Bautzen
sowie dem Erzgebirgskreis ausgewählt. Die Auswahl der Adressaten erfolgte durch Zu-
fallsauswahl aus einem Datensatz des Kommunalen Sozialverbandes Sachsen (KSV). In
diesem Datensatz sind alle Menschen mit Behinderung anhand der in ihrem Behinder-
tenausweis ausgewiesenen Merkzeichen erfasst. Andere Adressdatensätze standen
nicht zur Verfügung.
Sogenannte gesundheitliche Merkzeichen werden im Behindertenausweis vermerkt.
Mit den Merkzeichen können bestimmte Nachteilsausgleiche und Rechte in Anspruch
genommen werden. Die Merkzeichen bedeuten:
യയയയ
G – Erheblich Gehbehindert; Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr ist erheb-
lich beeinträchtigt
യയയയ
aG – Außergewöhnlich Gehbehindert; wegen außergewöhnlicher Behinderung
beim Gehen ist die Fortbewegung auf das schwerste eingeschränkt
യയയയ
Bl – Blind; Augenlicht fehlt vollständig oder Sehschärfe auf keinem Auge mehr
als 1/50
യയയയ
Gl – Gehörlos; Taubheit beiderseits oder Hörbehinderung mit einer an Taubheit
grenzenden Schwerhörigkeit
SCHRIFTLICHE BEFRAGUNG

image
image
28
Abbildung 3 – Beispiel geschlossene Fragen
Die Merkzeichen werden bei einer Betroffenheit oberhalb eines Schwellwertes (in der
Regel ab GdB 50) vergeben. Neben den mit einem Merkzeichen im Behindertenausweis
vermerkten Behinderungen können weitere Behinderungen bestehen.
Insbesondere bei den Merkzeichen G und aG können die verschiedensten Ursachen für
die Behinderung vorliegen, die zur Vergabe des Merkzeichens führt. Die Bewegungsfä-
higkeit im Straßenverkehr kann z.B. durch Einschränkungen des Gehvermögens, der Ori-
entierungsfähigkeit und der Belastbarkeit (z.B. durch eingeschränkte Lungenfunktion)
beeinträchtigt sein. Daraus kann nicht geschlossen werden, ob eine motorische, sen-
sorische oder kognitive Behinderung vorliegt. Auch der Bedarf an Mobilitätshilfen kann
sich jeweils deutlich unterscheiden. Deshalb wurde bei der Auswertung der Befragung
kein Bezug zu den Merkzeichen mehr hergestellt.
Insgesamt wurden 17.100 Personen mit Behinderung im Zeitraum vom 15.08.2016 bis
12.09.2016 für die Befragung angeschrieben. Der Rücklauf betrug insgesamt 2.759 Fra-
gebögen, von denen nach kritischer Datenanalyse 2.400 verwertbare Fragebögen in der
Datenbank erfasst und anschließend ausgewertet wurden. In diesem Kapitel wird das
methodische Vorgehen im Detail dargestellt.
Abbildung 4 – Beispiel Schema Globalfragen
SCHRIFTLICHE BEFRAGUNG

image
image
image
image
29
4.2 Datenerhebung – Schriftliche Befragung
4.2.1 Fragebogendesign
Schriftliche Version
Aufgrund der sehr unterschiedlichen Anforderung an die bauliche Umwelt bei Men-
schen mit motorischer bzw. sensorischer Behinderung wurden zwei Fragebögen entwi-
ckelt (vgl. hierzu auch Kapitel 4.2.2). Den Fragebogen „motorische Behinderung“ erhiel-
ten Personen mit Merkzeichen G (motorisch) oder aG. Den Fragebogen „sensorische
Behinderung“ erhielten Personen mit Merkzeichen Gl, Bl, G (sehschwach) und schwer-
hörige Personen.
Der schriftliche Fragebogen wurde auf Basis des in Kapitel 3 beschriebenen normativen
Kriterienkatalogs und den zugeordneten Fragestellungen entwickelt, der in ein von Lai-
en bewertbares Beurteilungsschema umgewandelt wurde.
Aufbau des Fragebogens
Der grundsätzliche Aufbau des Fragebogens ist in beiden Versionen gleich. Der Frage-
bogen beginnt mit
Fragen zum Wohnort und zur Wohnung
, um Aussagen über Eigen-
tums- und Wohnverhältnisse sowie bereits umgesetzte Maßnahmen zur Reduzierung
von Barrieren sowie deren Finanzierung zu erhalten.
Abbildung 5 – Beispiel offene Freitextfelder
Abbildung 6 – Fragenblock zu Zufriedenheit und Perspektiven
SCHRIFTLICHE BEFRAGUNG

30
Im zweiten Abschnitt
Fragen zur Wohnsituation
wurden ausgehend vom Wohnumfeld
über die Zugangs- und Eingangsbereiche bis hin zu den einzelnen Räumlichkeiten in der
Wohnung die Beschaffenheit und die Barrierefreiheit entsprechend der Kriterien des
Kriterienkatalogs abgefragt. Dabei war von den Befragten in geschlossenen Fragen stets
anzukreuzen, ob das Kriterium
(eher) zutrifft
oder
(eher) nicht zutrifft
. Zudem hatten sie
ergänzend stets die Möglichkeit, die Aussage
das beeinträchtigt mich
zu markieren, um
die persönliche Bedeutung des Fehlens des Kriteriums hervorzuheben (vgl. Abbildung 3).
Weiterhin wurden zu jedem Bereich in geschlossenen Fragen abgefragt, wie sich die Ge-
staltung auf das Orientierungsgefühl, das Autonomiegefühl und das Sicherheitsgefühl
der Befragten auswirkt (vgl. Abbildung 4). Diese sogenannten
Globalfragen
ermöglichen
einen Vergleich zwischen den einzelnen Bereichen (Wohnumfeld, Zugang zum Gebäu-
de, Aufzug/Treppen etc.) bzgl. der Problemrelevanz und lassen auch einen Abgleich der
Bewertung der Kriterien je Wohnungsbereich mit dem allgemeinen Eindruck des Selbst-
bestimmungs- und Sicherheitsgefühls in dem jeweiligen Themenfeld zu.
Am Ende jedes Bereiches bestand zudem die Möglichkeit, in einem offenen Freitextfeld
Aussagen zu treffen, was das größte Problem im jeweiligen Bereich darstellt bzw. nicht
abgefragte Aspekte zu ergänzen (vgl. Abbildung 5).
Im dritten Abschnitt wurden den Befragten
Fragen zu Zufriedenheiten und Perspekti-
ven
gestellt. Diese sollten Aufschluss darüber geben, inwiefern sie zufrieden mit ihrer
Wohnsituation sind und ob der Wunsch nach einem Umzug in barrierefreie Wohnräume
besteht (vgl. Abbildung 4: Fragenblock zu Zufriedenheit und Perspektiven). Weiterhin
wurde erhoben, inwiefern die teilnehmenden Personen aktiv versuchten, etwas an ihrer
Wohnsituation zu ändern, um auch Aufschluss über eine etwaige Umzugsbereitschaft
zu erhalten.
Der Fragebogen endete im vierten Abschnitt mit
Fragen zur Person
.
Die soziodemografischen Fragen und die Fragen zur Beurteilung der Wohnkriterien wur-
den als Nominalskalen gestaltet. Die Fragen zu Zufriedenheiten wurden als Ordinalskalen
(Rating-Skalen) gestaltet. Insgesamt umfasste der Fragebogen fünf Doppelseiten.
Beim Layout des Fragebogens für Menschen mit sensorischer Behinderung wurde eine
ausreichend große, serifenlose Schrift mit 1,5 Zeilenabstand verwendet, um die Lesbar-
keit des Fragebogens für diese Zielgruppe zu ermöglichen.
17
Dem Fragebogen wurde ein Begleitschreiben mit Hinweisen zu Ziel und Nutzen der Befra-
gung sowie Hinweisen zur Verwendung der erhobenen Daten beigelegt. Ebenfalls wurde
die Herkunft der für die Versendung des Fragebogens benötigten Daten erläutert.
18
17
Vgl. Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (2008)
18
Vgl. hierzu Hollenberg (2016), S. 7f.
SCHRIFTLICHE BEFRAGUNG

31
Barrierefreie Onlineversion
Um einen barrierefreien Zugang zur Befragung zu ermöglichen, wurde zudem eine On-
linebefragung eingerichtet, die insbesondere Blinden und Menschen mit Sehbehinde-
rung ein selbständiges Ausfüllen des Fragebogens ermöglichen sollte und darüber hin-
aus von allen Teilnehmern/-innen genutzt werden konnte.
Bei der Gruppe Blinde und Menschen mit Sehbehinderung bestehen erhöhte Anfor-
derungen, um eine barrierefreie Bedienbarkeit zu ermöglichen. Da sie i. d. R. mit so-
genannten Screenreadern arbeiten, die den Text zeilenweise von links nach rechts und
von oben nach unten erfassen und vorlesen, musste vom Layout des schriftlichen Frage-
bogens teilweise abgewichen werden. Da der Screenreader keine Bilder erfassen kann,
wurde in der Onlineversion im Unterschied zur papierbasierten Version auf die Verwen-
dung von Bildern verzichtet. Bei der Abfrage der Kriterien z. B. zum Wohnumfeld, zur
Küche etc. wurde die Aussage
das belastet mich
immer unmittelbar abgefragt und nicht,
wie im schriftlichen Fragebogen, in einer Tabelle. Ausgewählt wurde das Befragungspro-
tal
SoSci Survey
, da es eine barrierefreie Befragung ermöglicht. So erhalten Nutzer von
Screenreadern hier eine Rückmeldung, welches Feld sie angeklickt haben und erhalten
Anweisungen, wie sie weiter durch den Fragebogen navigieren können.
Um ein schnelles Navigieren durch den Fragebogen zu ermöglichen, wurden zudem Fil-
terfragen gesetzt. So wurde etwa abweichend von der schriftlichen Befragung bereits
zu Beginn nach Art der Behinderung gefragt, um für diese Behinderung irrelevante
Fragen auszublenden.
Pretest
Mit beiden Versionen des Fragebogens sowie der Onlineversion wurde ein Pretest mit
insgesamt 20 Probanden unterschiedlicher Behinderung durchgeführt.
Die Fragebögen wurden zusammen mit einem Pretestfragebogen an die Probanden per
Post oder E-Mail versendet.
Ziel des Pretest war es, die Fragebögen auf
യയയയ
Verständlichkeit der Fragen,
യയയയ
Übersichtlichkeit,
യയയയ
Schwierigkeiten beim Ausfüllen durch die Zielpersonen,
യയയയ
Funktion des Fragebogendesigns,
യയയയ
Reihenfolge der Fragen,
യയയയ
die Dauer des Ausfüllens, sowie
യയയയ
das Antwortverhalten der Probanden
zu testen.
19
19
Vgl. hierzu Hollenberg (2016), S. 24
SCHRIFTLICHE BEFRAGUNG

32
Die Rückläufe wurden hinsichtlich dieser Kriterien geprüft und ausgewertet. Der Frage-
bogenentwurf wurde nach dem Pretest in folgenden Bereichen angepasst:
യയയയ
Differenzierung der Fragen bzgl. der unterschiedlichen Betroffenheiten im
Fragebogen für sensorische Behinderung,
യയയയ
einige Frageformulierungen angepasst,
യയയയ
Logik aufeinander aufbauender Fragen, bessere Kennzeichnung als zur Haupt-
frage gehörende eingerückte Frage.
Weiterhin stellte sich im Fragebogen für Menschen mit sensorischer Behinderung he-
raus, dass die Fragen oft entweder schwerhörige bzw. gehörlose Personen oder seh-
behinderte bzw. blinde Personen betrafen. Insofern wurden die jeweiligen Fragen im
schriftlichen Fragebogen mit Symbolen markiert und mussten dann nur von der einen
oder der anderen Gruppe beantwortet werden. In der Onlineversion wurde dies durch
entsprechende Filterfragen gelöst.
യയയയ
Im Pretest wurden zudem verschiedene Antwortschemata getestet. Im Ergebnis
wurde entschieden, für die abgefragten Kategorien die Antwortmöglichkeiten
trifft (eher) zu
,
trifft (eher) nicht zu
und
das beeinträchtigt mich
zu verwenden.
4.2.2 Stichprobenumfang
Insgesamt wurde auf Basis des Datensatzes des KSV unter Berücksichtigung geltender
Datenschutzbestimmungen der Fragebogen an insgesamt 17.110 Menschen mit Behin-
derung und entsprechenden Merkzeichen im Behindertenausweis in drei ausgewähl-
ten Regionen Sachsens (Stadt Leipzig, Landkreis Bautzen und Erzgebirgskreis) versandt
(vgl. Tabelle 3). Um eine korrekte Zustellung der beiden Fragebogenversionen zu
sichern, wurden die Fragebögen wie folgt zugeordnet:
Tabelle 3 – Übersicht Anzahl der Adressaten je Merkzeichen
Merkmal
Fallauswahl
sensorisch/
motorisch
Ausgabe
Anzahl
Gl
alle mit Merkzeichen Gl
sensorisch
alle gefundenen
Fälle
1.367
Bl
mit Merkzeichen Bl aber ohne
Merkzeichen Gl
sensorisch
alle gefundenen
Fälle
1.810
G_sehschwach
mit G und hochgradiger Seh-
schwäche aber ohne Merkzeichen
aG und Bl und Gl
sensorisch
alle gefundenen
Fälle
922
G_motorisch
mit Merkzeichen G aber ohne
Merkzeichen aG und Bl und Gl
und hochgradiger Sehschwäche
motorisch
Stichprobe
8.234
aG
alle mit Merkzeichen aG
motorisch
Stichprobe
2.690
schwerhörig
schwerhörig aber ohne MZ Gl und
Bl und G
sensorisch
Stichprobe
2.087
Summe
17.110
davon motorisch
10.924
davon sensorisch
6.186
SCHRIFTLICHE BEFRAGUNG

33
Um Repräsentativität zu ermöglichen, erfolgte bei den Personen mit den Merkzeichen
Gl und Bl sowie teilweise G (sehschwach) eine Vollbefragung. Die Teilnehmer/ -innen
der Merkzeichen G (motorisch, Stichprobe: 13 % der in den Regionen betroffenen Per-
sonen) und aG (Stichprobe: 25 % der in den Regionen betroffenen Personen) wurden
per Zufallsstichprobe befragt. Die Stichprobengröße wurde abhängig von der Anzahl der
Betroffenen in der Region gewählt, um vergleichbar große Rückläufe zu erhalten. Bei
den 17.110 angeschriebenen Personen aus den drei festgelegten Regionen handelt es
sich um 10.924 Personen mit motorischer Behinderung (Teilbefragung der insgesamt
Betroffenen mit motorischer Behinderung). Weiterhin wurden 6.186 Personen mit sen-
sorischer Behinderung angeschrieben (Vollbefragung aller Betroffenen mit Ausnahme
schwerhöriger Personen).
Ergänzend wurde der Onlinefragebogen über verschiedene Kanäle (u. a. Beauftragte
für die Belange von Menschen mit Behinderung der Städte bzw. Kommunen, Vereine,
Initiativen, Selbsthilfegruppen) beworben und der Link versendet.
4.2.3 Rücklauf
Auf die insgesamt 17.110 versandten Fragebögen kamen insgesamt 2.759 Antworten.
Davon waren 2.400 vollständig bzw. überwiegend vollständig ausgefüllte Fragebögen
für die Studie verwertbar. Insgesamt ergibt sich somit eine Rücklaufquote von 18,0 %.
Ausführlich können die Rückläufe der Tabelle 4 entnommen werden.
Tabelle 4 – Rücklaufquote
Grundgesamtheit [Daten KSV]
79.415
Stichprobe absolut (versendet)
17.110
Verluste
Irrläufer
1.817
davon Verluste
unzustellbar
1.367
davon Verluste
Probanden verhindert
100
davon Verluste
telefonische Absagen
350
Verlust-Quote
10,6 %
Korrektur Stichprobe
15.293
Rücklauf gesamt
2.759
davon Rücklauf
nicht verwertbar
359
Rücklauf
verwertbare Fragebögen
2.400
Rücklaufquote
18,0 %
Die 2.400 verwertbaren Antworten setzen sich aus 1.426 Fragebögen
motorische
Behinderung
und 974 Fragebögen
sensorische Behinderung
zusammen
(vgl. Abbildung 7,). In der Teilnehmergruppe gab es leichte Abweichungen in der
Zusammensetzung im Unterschied zur Stichprobenauswahl. Diese setzte sich zusammen
aus 63,8 % Personen mit motorischer Behinderung und 36,2 % mit sensorischer
Behinderung. Bei den ausgewerteten Fragebogenrückläufern beträgt der Anteil der
Personen mit motorischer Behinderung 59,4 % und bei Personen mit sensorischer
Behinderung 40,6 %.
SCHRIFTLICHE BEFRAGUNG

image
34
4.3 Datenauswertung
4.3.1 Erfassung und Auswertung der quantitativen Daten
Die Datenerfassung erfolgte kontinuierlich mit einer Statistik- und Analyse-Software
anhand einer eindeutigen schriftlichen Kodierung. Alle Fragebögen wurden vor der Er-
fassung fortlaufend nummeriert. Dies ermöglicht eine ggf. spätere Überprüfung der Fra-
gebögen. Nach der Datenerfassung wurden die Daten einer univariaten Datenanalyse
und einer Prüfung auf Normalverteilung unterzogen, um einen stimmigen Datensatz zu
erhalten.
Zur Vereinfachung der Auswertung wurden bei den Zufriedenheitsfragen und den Glo-
balfragen die Ratingskalen dichotomisiert und bei den soziodemografischen Fragen zu
Wohnraumgröße und Alter Gruppen gebildet.
Bei den geschlossenen Fragen wurden den Skalenwerten Zahlen zugeordnet, die in die
Erfassungsbögen eingetragen wurden.
20
Für die Auswertung des Datensatzes wurden folgende statistische Verfahren eingesetzt:
യയയയ
Häufigkeitsanalysen
യയയയ
CHI-Quadrat-Test (Unterschiedstest)
In der vorliegenden Studie wurden Werte ab einem p-Wert <
.05
als statistisch signikant
angenommen.
20
Vgl. hierzu Hollenberg (2016), S. 30
Abbildung 7 – Art und Anzahl der Antworten
SCHRIFTLICHE BEFRAGUNG

35
4.3.2 Erfassung und Auswertung der qualitativen Daten
Zur Analyse der Antworten der offenen Fragen wurde das Ausgangsmaterial inhaltlich
gegliedert und die Komplexität reduziert. Es wurde ein Kategoriensystem entwickelt,
bei dem die Antworten der offenen Fragen geordnet und durch Kategorien beschrieben
wurden (vgl. beispielhaft Tabelle 5).
Dabei wurden im Bereich der bereits vollzogenen Maßnahmen zur Barrierefreiheit Über-
kategorien gebildet. Anschließend wurden zu den Überkategorien die entsprechenden
inhaltlichen Aussagen der Teilnehmenden gegliedert, um einen Überblick über die ein-
zelnen Maßnahmen in dem jeweiligen Wohnbereichen zu erhalten. Anschließend wur-
den die Nennungen ausgezählt, um einen zahlenmäßigen Eindruck zu erhalten. Somit
entstand ein System aus Kategorien, das Mehrfachnennungen in den einzelnen Teilbe-
reichen nicht auslässt.
Durch diese Vorgehensweise konnten die teilweise sehr individuellen verbalen Äuße-
rungen systematisiert und inhaltlich zusammengefasst werden. Die Individualität der
Antworten führte allerdings auch dazu, dass einige Aussagen in keine Kategorie gefasst
werden konnten.
Die auf dies Weise gebildeten Kategorien wurden anschließend ausgezählt und grafisch
aufbereitet.
Tabelle 5 – Kategoriensystem - Beispiel Bad
Raum
Kategorie
Schriftliche Äußerungen
Bad
Dusche
Einbau ebenerdige Dusche, Einbau Dusche, behindertenge-
rechte Dusche, Dusche mit Sitzgelegenheit, Dusche niedriger
gebaut
Dusche statt Wanne
Dusche statt Wanne
Wannenlift
Einbau Wannenlift
WC
WC, WC-Erhöhung, Toilette, Sitzerhöhung, WC höher gebaut
Haltegriff
Haltegriffe, Griffe
Unterfahrbares Waschbecken unterfahrbares Waschbecken, Waschbecken wurde ersetzt
Rutschfeste Fliesen
Rutschfeste Fliesen, rutschfester Boden
Wanne
niedrigere Wanne, Wanne mit Tür
barrierearm
Barrierearm, teilweise barrierefrei
barrierefrei
barrierefrei, behindertengerecht, rollstuhlgerecht
Umbau
Umbau, Umgestaltung, Bad, Bad barrierefrei
SCHRIFTLICHE BEFRAGUNG

36
4.3.3 Konsequenzen aus der Merkzeichenverteilung
Bei der Auswertung der eingegangenen Antworten ergaben sich erhebliche Schnittmen-
gen zwischen den Merkzeichen. Bei etwa 19,0 % der Antworten gab es eine Mehrfach-
zuordnungen von Merkzeichen und bei ca. 20,0 % keine Angaben zum Merkzeichen.
Für die Studienauswertung ergeben sich aus der verwendeten Merkzeichenzuordnung
erhebliche Konsequenzen, da diese für die Weiterarbeit nicht geeignet erscheinen. Aus
der Kumulation resultiert, dass 39,0 % der erhaltenen Antworten nicht eindeutig be-
stimmten Merkzeichen zuordenbar waren. Damit ist eine Auswertung nicht möglich.
Der KSV kann aber Datensätze mit einer Aufschlüsselung der erfassten schwerbehinder-
ten Menschen (GdB 50 - 100) nach Art der Hauptbehinderung zur Verfügung stellen.
Dort enthalten sind definierte Altersklassen und die Auswahl der Haupterkrankungen,
z.B. Bewegungsapparat und Sinnesorgane. Diese Datenbasis wurde als Grundlage für
die weitere Auswertung, Bestandsschätzung und Prognose verwendet. Bezüglich der
Personen mit motorischer Behinderung erfolgte eine Differenzierung nach Hilfsmittel-
verwendung, soweit gesicherte statistische Aussagen aufgrund geringer Fallzahlen bei
einer Detailbetrachtung, z. B. Anzahl der durch fehlenden Bewegungsraum
21
im Bad be-
einträchtigten Personen im Rollstuhl mit Hilfsperson in ländlichen Gebieten, dies zulie-
ßen. Zur Gewährleistung statistisch gesicherter Aussagen wurden hierzu drei Gruppen
von Hilfsmittel nutzenden Personen mit motorischer Behinderung gebildet
22
.
21
Das Bad bietet ausreichend Platz, damit ich mich mit meinem Hilfsmittel bequem bewegen kann. Ich muss dafür
nicht viel rangieren.
22
HMG 1: Nutzer von Gehilfen bzw. Rollatoren; HMG 2: Nutzer von mechanischen Rollstühlen; HMG 3: Nutzer von
Rollstühlen mit Hilfsperson bzw. Nutzer von elektrischen Rollstühlen
SCHRIFTLICHE BEFRAGUNG

37
5 Ergebnisse der Befragung
5.1 Soziodemografische Ergebnisse der Gesamtstichprobe
In diesem Kapitel werden Ergebnisse der Auswertung der soziodemografischen Daten dar-
gestellt, um einen Überblick über die soziale Struktur der Teilnehmergruppe der Befragung
zu geben. Dazu werden Aussagen zur Altersverteilung und Arbeitssituation, zu den Ein-
kommensverhältnissen, der Lebenssituation sowie zum Grad der individuellen Behinde-
rung und der angegebenen Hilfsmittelverwendung der Befragten gemacht. In einem wei-
teren Abschnitt werden die Aussagen der Befragten zu ihrer individuellen Zufriedenheit
mit der eigenen Lebenssituation und den Wohnverhältnissen ausgewertet. Daran schließt
sich die Auswertung der Daten bezüglich der Wohnsituation und dem Wohnumfeld an.
Diese werden ergänzt durch die Auswertung der Aussagen zu bereits getätigten, Umbau-
maßnahmen zur Verminderung von Barrieren, zum Umzugswunsch der Befragten, sowie
zur Kenntnis und Nutzung von Wohnberatungsangeboten. Das Kapitel schließt mit einer
Betrachtung von Stadt-Land-Unterschieden.
5.1.1 Soziologische Charakterisierung der Stichprobe
Die Fragebögen wurden von 1265 Teilnehmerinnen und 1092 Teilnehmern ausgefüllt.
Damit waren mit 53,0 % mehr als die Hälfte der Teilnehmer weiblich und 45,0 % männ-
lich. 2,0 % der Personen machten keine Angaben zu ihrem Geschlecht. Der hohe Anteil an
weiblichen Teilnehmerinnen lässt sich mit dem hohen Altersdurchschnitt der Stichprobe
von 72 Jahren erklären. Aufgrund der höheren Lebenserwartung von Frauen in Deutsch-
land mit derzeit 83,4 Jahren
23
sind auch in dieser Stichprobe weibliche Teilnehmerinnen
stärker vertreten.
23
Statista (2016)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
38
Abbildung 8 – Altersverteilung der Befragten
Das Alter der Teilnehmenden lag zwischen 6 und 102 Jahren (vgl. Abbildung 8), wobei
in einigen Fällen die Beantwortung der Fragen durch einen gesetzlichen Vertreter bzw.
eine gesetzliche Vertreterin vorgenommen wurde.
Das Durchschnittsalter liegt in dieser Stichprobe bei 72 Jahren. Es ist im Vergleich zum
Medianalter der Gesamtbevölkerung in Sachsen, das bei 48,2 Jahre
24
liegt, deutlich er-
höht. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass die meisten Behinderungen erst im Laufe
des Lebens erworben werden. Ab der Altersklasse 45 - 60 Jahre steigt die Anzahl der
Personen mit Behinderungen deutlich an (vgl. Abbildung 9). Somit ist auch der Anteil
älterer Menschen innerhalb der Gruppe der Teilnehmenden mit Behinderungen deut-
lich erhöht.
Im hohen Medianalter der Stichprobe widerspiegelt sich auch die leicht überdurch-
schnittliche Beteiligung von Frauen an der Befragung (hier mit 53,0 %) mit einer in
Deutschland höheren Lebenserwartung als Männer
25
.
Im Stadt-Land-Vergleich zeigte sich, dass sich die Befragten signifikant bzgl. des Alters
unterschieden: Von den Teilnehmern/-innen waren Menschen mit Behinderung aus
ländlichen Regionen vergleichsweise jünger als Menschen mit Behinderung, die in der
Stadt lebten. Von den Befragten aus ländlichen Regionen waren 44,4 % 65 Jahre oder
jünger. Im Unterschied dazu waren 36,2 % der Befragten aus urbanen Regionen dieser
Altersgruppe zuzuordnen. Dies lässt möglicherweise darauf schließen, dass für ältere
Menschen mit Behinderung bessere wohnliche und soziale Voraussetzungen in urba-
nen Regionen vorliegen.
24
Bertelsmann-Stiftung (2015)
25
Statista (2016)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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39
Abbildung 9 – Altersverteilung schwerbehinderter Menschen im Freistaat Sachsen am 31.12.2013
26
Der hohe Anteil an älteren Personen mit Behinderung in der Befragung spiegelt sich
auch im hohen Anteil an nicht Erwerbstätigen in der Stichprobe wider. Die Mehrheit
der Befragten war zum Zeitpunkt der Befragung Rentner (75,1 %). Der Anteil der Be-
rufstätigen betrug 9,2 %, der Anteil der Erwerbsunfähigkeitsrentner lag bei 6,2 %
(vgl. Abbildung 10).
Bei der Betrachtung der Einkommensverhältnisse zeigt sich, dass 54,9 % der Befragten
ein monatliches Nettoeinkommen von 900 - 2.000 € pro Person hatten. Weiterhin ver-
fügten 32,6 % der Teilnehmer/-innen zum Zeitpunkt der Befragung über ein monatliches
Nettoeinkommen zwischen 500 - 900 € (vgl. Tabelle 6 ). Die Vergleichswerte für Sachsen
sind in der Tabelle mit aufgeführt. Es wird ersichtlich, dass die Stichprobe vor allem
kleine und mittlere Einkommensbezieher repräsentiert, während die Bezieher höherer
Nettoeinkommen (> 2.000 €) unterrepräsentiert sind. Das überrascht in Bezug auf die
Altersverteilung der Stichprobe nicht. Die Einteilung der Grenzen des monatlichen Net-
toeinkommens orientierte sich in der Befragung an den Einteilungen des Mikrozensus
27
.
Tabelle 6 – Monatliches Nettoeinkommen der Befragten (Stichprobe
28
und Sachsen 2015
29
)
Merkmal
Stichprobe in %
Sachsen 2015 in %
mehr als 2.000 €
6,2
13,8
900 – 2000 €
54,9
55,2
500 – 900 €
32,6
21,9
bis 500 €
6,3
9,0
26
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2013)
27
Statistische Landesamt des Freistaates Sachsen (2016d)
28
Bezieht sich auf n=1874; ohne Personen, die keine Angaben über ihr Einkommen gemacht haben
29
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2016b)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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40
Fast die Hälfte der Befragten (47,8 %) lebte zum Zeitpunkt der Befragung mit ihrem Part-
ner zusammen und 12,1 % in einer Familie (mit Eltern/Kindern/Angehörigen). Der Anteil
der Alleinlebenden betrug 35,4 % (vgl. Abbildung 11). Im Vergleich dazu lebte 2011 in
19,9 % der sächsischen Haushalte nur eine Person.
30
Der erhöhte Wert der alleinleben-
den Menschen mit Behinderung in der vorliegenden Studie lässt sich vermutlich auf das
hohe Medianalter zurückführen. Dabei zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen
Personen aus ländlichen und Personen aus urbanen Gebieten in Bezug auf die Lebens-
situation in Familie lebend (mit Angehörigen lebend). Menschen mit Behinderung aus
ländlichen Gebieten lebten häufiger in einer Familie (19,2 % auf dem Land gegenüber
10,1 % in der Stadt).
30
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2014).
Abbildung 10 – Arbeitssituation der Befragten
Abbildung 11 – Lebenssituation der Befragten
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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41
Abbildung 12 – Verteilung Grad der Behinderung in der Stichprobe
Abbildung 13 – Angaben der Befragten zur Art der Behinderung
Grad der Behinderung
Um den Grad der Beeinträchtigung durch eine Behinderung darzustellen, wird in
Deutschland die Maßeinheit Grad der Behinderung (GdB) verwendet. Der GdB wird in
10er Schritten von 10 bis 100 dargestellt. Ab einem GdB 50 gilt hierbei eine Schwerbe-
hinderung. In diesem Fall kann ein Behindertenausweis beantragt werden, bei dem das
entsprechende Merkzeichen angegeben wird.
43,1 % der Befragten waren im Besitz eines Schwerbehindertenausweises mit einem
GdB von 100. 35,6 % gaben einen GdB zwischen 60 und 80 und 13,6 % der Befragten
einen GdB von 50 und weniger an (vgl. Abbildung 12).
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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42
Weiterhin machten die Teilnehmer/-innen Angaben zu der Art ihrer Behinderung. Ent-
sprechend gaben 62,9 % eine körperliche Behinderung, 34,1 % Gehörlosigkeit bzw.
Schwerhörigkeit und 24,5 % Blindheit bzw. starke Sehbehinderung an (vgl. Abbildung 13).
Mit Blick auf die Merkzeichen gaben 58,4 % das Merkzeichen G, 17,3 % das Merkzei-
chen aG, 13,2 % das Merkzeichen Gl sowie 14,1 % das Merkzeichen Bl an. Mehrfachnen-
nungen waren dabei möglich (vgl. Abbildung 14).
Hilfsmittelverwendung
Spezielle Hilfsmittel sind für viele Menschen mit Behinderung Voraussetzung für eine
Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben. Hilfsmittel werden u. a. einge-
setzt, um die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu sichern, die bestehende Behin-
derung auszugleichen oder einer drohenden Behinderung vorzubeugen.
31
Für die Be-
trachtung der Anforderungen an die Wohnung und das Wohnumfeld sind besonders
Mobilitätshilfen von Bedeutung. Durch die Verwendung dieser Hilfsmittel entstehen
spezifische Anforderungen an die bauliche Gestaltung. In Abbildung 15 ist dargestellt,
welche Hilfsmittel die Befragten nach eigenen Angaben nutzen. Auffällig ist, dass auch
19,2 % der Befragten mit einer sensorischen Hauptbehinderung angaben, eine Geh-
stütze zu verwenden. Aufgrund des hohen Altersdurchschnitts können neben der sen-
sorischen Behinderung weitere typische altersbedingte motorische Beeinträchtigungen
vorhanden sein oder eine Mehrfachbehinderung vorliegen.
31
Deutschen Vereinigung für Rehabilitation (2010)
Abbildung 14 – Merkzeichenverteilung in der Stichprobe
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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43
Abbildung 15 – Angaben zur Hilfsmittelverwendung in der Gesamtstichprobe
5.1.2 Zufriedenheit der Befragten
Im Rahmen der Studie wurde erhoben, wie zufrieden die Teilnehmenden mit ihrer Le-
benssituation, ihrer Wohnung, ihrem Wohnumfeld sowie mit dem Umgang und der Un-
terstützung durch die Mitbewohner oder Nachbarn sind. Diese Aussagen ermöglichen
ein Gesamtbild über die allgemeine Zufriedenheit der Befragten in diesen vier Berei-
chen. Eine Person, die insgesamt zufriedener ist, bewertet vermutlich auch kleinere Pro-
bleme und Hindernisse im Wohnraum weniger negativ. Sie arrangiert sich vermutlich
eher mit diesen Umständen und akzeptiert diese leichter. Das bedeutet jedoch nicht,
dass diese Probleme und Hindernisse für sie nicht bestehen. Sie werden möglicherwei-
se lediglich anders wahrgenommen.
Bei der Untersuchung der Zufriedenheit der Befragten lässt sich eine Trend erkennen:
Eine größere bewohnte Wohnfläche (Medianwert > 63 qm) korreliert im Vergleich zu
einer kleineren bewohnten Wohnfläche im häuslichen Wohnen tendenziell mit einer hö-
heren Zufriedenheit mit der Wohnungsgröße selbst, mit der eigenen Lebenssituation so-
wie mit den Nachbarn. Das gilt unabhängig davon, ob es sich bei den Befragten um allein
lebende Personen, Personen mit Partner oder in Familie lebende Personen handelt. Auch
sind keine größeren Unterschiede zwischen Stadt und Land zu erkennen.
Bei der Bewertung der Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld spielt der ansonsten beob-
achtete Einfluss der Wohnungsgröße auf die Zufriedenheit offenbar eine geringere Rolle.
Zufriedenheit mit der Lebenssituation
Die aktuelle Lebenssituation der Menschen (Partnerschaft, Familie, Trauer, Gesundheit,
Alter, etc.) markiert wichtige Rahmenbedingungen der Einbindung in ein soziales Umfeld.
Verwerfungen in Teilen des gesamten Settings führen zu einer Verringerung der Zufrie-
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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44
denheit und sind damit Indikator für Gestaltungserfordernisse bzw. auch Hilfebedarf.
In der Auswertung über die gesamte Stichprobe waren die Befragten mit ihrer Lebens-
situation überwiegend zufrieden bis sehr zufrieden. Im Grad der Zufriedenheit ergeben
sich bezogen auf die Hilfsmittelverwendung bzw. die Art der sensorischen Einschrän-
kung allerdings Unterschiede.
Hinsichtlich der Lebenssituation zeigte sich, dass 44,3 % der Personen im Rollstuhl mit
Hilfsperson eher unzufrieden bzw. sehr unzufrieden waren. Gleiches trifft für 37,9 % der
Rollstuhlfahrer und 29,8 % E-Rollstuhlfahrer zu. Über alle Befragten zeigten sich lediglich
20,4 % der Befragten eher unzufrieden bzw. sehr unzufrieden mit ihrer Lebenssituation
(vgl. Abbildung 16).
Bezüglich der Zufriedenheit mit der Lebenssituation zeigte sich, dass Befragte mit einer
Wohnungsgröße von weniger als 63 m² tendenziell eine geringere Lebenszufriedenheit
(76,5% Zufriedenheit) als Befrage mit einer größeren Wohnung (81,2 % Zufriedenheit)
hatten.
Weiterhin zeigte sich, dass die Zufriedenheit mit der Lebenssituation signifikant im Zu-
sammenhang mit der Arbeitssituation stand. Befragte, die arbeitssuchend waren, ga-
ben zu 62,7 % an, dass sie eher bzw. sehr zufrieden sind, EU-Rentner stimmten dem zu
63,6 % zu und Befragte, die sich in einer unklaren Erwerbssituation (kein Erwerbsein-
kommen) befanden, stimmten zu 48,0 % zu. Die höchste Lebenszufriedenheit wiesen
mit 84,7 % Befragte auf, die sich in Beschäftigungsverhältnissen befanden. Einschrän-
kend sei darauf verwiesen, dass ein großer Teil der Befragten nicht bzw. nicht mehr im
Erwerbsleben stand.
Ein weiterer Zusammenhang konnte zwischen dem Nettoeinkommen und der Lebens-
zufriedenheit aufgezeigt werden. Menschen mit Behinderung mit einem Nettoeinkom-
men > 2000 EUR hatten eine höhere Lebenszufriedenheit (87,5 % Zufriedenheit) als
Abbildung 16 – Zufriedenheit – Lebenssituation nach verwendetem Hilfsmittel
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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45
Befragte mit geringeren Nettoeinkommen (77,9 % Zufriedenheit). Ein möglicher Grund
hierfür könnten größere Gestaltungsspielräume im Wohn- und Lebensumfeld aufgrund
des höheren Einkommens sein.
Die Zufriedenheit mit der Lebenssituation stand auch signifikant im Zusammenhang mit
dem Umfang der Behinderung. Menschen mit mehreren Behinderungen bzw. mit meh-
reren Merkzeichen hatten eine geringere Lebenszufriedenheit als Menschen mit einer
Behinderung bzw. einem Merkzeichen. Menschen mit einer Behinderung waren zu 80,3
% zufrieden, Menschen mit mehreren Behinderungen waren zu 73,5 % zufrieden.
Bei der Einordnung dieser Ergebnisse ist zu beachten, dass die 65- bis 85- Jährige in der
Mehrzahl mit ihrem Leben ausgesprochen zufrieden sind. Am Wichtigsten ist es für sie,
in ihrer vertrauten Umgebung zu verbleiben.
32
Zufriedenheit mit der Wohnung
Ähnlich der mehrheitlich positiv eingeschätzten Lebenssituation der Befragten ergibt
sich ein vergleichbar positives Bild bezüglich der Zufriedenheit mit der Wohnung, was
bei differenzierter Betrachtung der schriftlichen Aussagen von Rollstuhlfahrern eben-
falls einer Detaillierung bedarf.
Hier äußerten 20,3 % der Personen mit E-Rollstuhl, dass sie unzufrieden seien, weiter-
hin waren 17,3 % der Probanden mit Rollstuhl und Hilfspersonen sowie 16,5 % der Be-
fragten mit Rollstuhl unzufrieden mit der Wohnung (vgl. Abbildung 17). Im Durchschnitt
gaben 10,3 % der Befragten an, unzufrieden mit ihrer Wohnung zu sein. Das deutet
darauf hin, dass Rollstuhlfahrer tendenziell unzufriedener mit ihrer Wohnung sind.
32
Generali Deutschland AG (Hg.) (2017)
Abbildung 17 – Aussagen zur Zufriedenheit bezogen auf die Wohnung nach verwendeten Hilfsmitteln
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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46
Hinsichtlich der Zufriedenheit mit der Wohnung gaben 86,8 % der Menschen mit Behin-
derung mit einer Wohnungsgröße von weniger als 63 m² an, zufrieden zu sein. Im Ver-
gleich hierzu waren 91,0 % der befragten Personen mit einer größeren Wohnung eher
zufrieden bzw. sehr zufrieden. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass verfügbare Be-
wegungsräume in der Wohnung keine zwingende Rolle für die Zufriedenheit spielen.
Es zeigte sich weiterhin, dass die Zufriedenheit mit der Wohnung signifikant im Zusam-
menhang mit dem Eigentumsverhältnis der Wohnung stand. Personen, die in einer Ei-
gentumswohnung lebten, hatten eine höhere Zufriedenheit mit der Wohnung (94,3 %
Zufriedenheit) als Personen in anderen Eigentumsverhältnissen (Mietwohnung 86,6 %
Zufriedenheit; Genossenschaftswohnung 87,0 %). Entscheidend sind möglicherweise
die verfügbaren Gestaltungsoptionen, die individuell eingesetzt werden können.
Darüber hinaus stand die Zufriedenheit mit der Wohnung signifikant im Zusammenhang
mit dem Gebäudetyp. Die Befragten, die in einem Ein-/Zweifamilienhaus lebten, zeigten
sich tendenziell etwas zufriedener mit ihrer Wohnung (92,9 % Zufriedenheit) als befragte
Bewohner von Mehrfamilienhäusern (87,5 % Zufriedenheit).
Diese Ergebnisse überraschen nicht, denn es ist bei Eigentum ein deutlich größerer Ge-
staltungsspielraum vorhanden, die Wohnung und die nahe Umgebung entsprechend
der persönlichen Bedürfnisse anzupassen. Das zeigt sich bei der Angabe zur Umsetzung
von Maßnahmen zur Barrierefreiheit. Diese stand signifikant im Zusammenhang mit
der Zufriedenheit mit der Wohnung. Die Befragten, die in einer Wohnung lebten, in
der Maßnahmen zur Barrierefreiheit umgesetzt wurden, hatten tendenziell eine etwas
höhere Zufriedenheit mit der Wohnung (92,5 % Zufriedenheit) als Befragte, die in einer
nicht ertüchtigten Wohnung lebten (87,4 % Zufriedenheit).
Es zeigte sich überdies, dass die Zufriedenheit mit der Wohnung signifikant im Zusam-
menhang mit dem Alter stand. Teilnehmer/-innen, die jünger als 65 Jahre alt waren,
Abbildung 18 – Aussagen zur Zufriedenheit bezogen auf das Wohnumfeld nach verwendeten Hilfsmitteln
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
47
Abbildung 19 – Aussagen zur Zufriedenheit bezogen auf die Nachbarschaft nach verwendeten Hilfsmitteln
hatten mit 85,9 % eine geringere Zufriedenheit mit der Wohnung als Ältere mit einer
Zufriedenheit von 91,3 %.
Ältere Menschen sind nach den Ergebnissen anderer Untersuchungen mit ihrer Wohn-
situation überwiegend zufrieden. Dies gilt auch wenn sie mit der Barrierefreiheit ihrer
Wohnung unzufrieden sind.
33
Darüber hinaus wurde in einer weiteren Studie festge-
stellt, dass sich ältere Menschen in den vorhandenen Wohnbedingungen einrichten,
auch wenn sie nicht optimal an ihre Bedürfnisse angepasst sind.
34
Deshalb muss davon
ausgegangen werden, dass Aussagen zur Zufriedenheit mit der Wohnsituation nicht aus-
schließlich geeignet sind, Rückschlüsse auf die objektive Eignung der Wohnung in Bezug
auf Barrierefreiheit, zu ziehen. Dies bestätigen auch Aussagen wonach über 65-Jährige
in der Regel sehr zufrieden mit ihrer Wohnsituation sind und meist kein Wunsch zur
Veränderung besteht. Nur wenige haben konkrete Planungen für den Fall, dass sie pfle-
gebedürftig werden.
35
Wohnumfeld
Das Wohnumfeld der Befragten erhält mehrheitlich eine positive Einschätzung der Zu-
friedenheit. Im Vergleich zur Zufriedenheit mit der Wohnung fällt diese jedoch geringer
aus. Mit dem Wohnumfeld waren 15,5 % der Personen mit Rollstuhl und Hilfsperson un-
zufrieden, weiterhin waren 15,2 % der Rollstuhlfahrer bzw. Rollstuhlfahrerinnen sowie
13,1 % der blinden bzw. sehbehinderten Befragten mit dem Wohnumfeld unzufrieden
(vgl. Abbildung 18). Auch hier zeigt sich eine höhere Unzufriedenheit bei Nutzung von
Rollstühlen sowie der Abhängigkeit von einer Hilfsperson.
33
Köhler, Dr Norbert; Götze, H. (2015)
34
Mahne, K.; Wolff, J. Katharina; Simonson, J. (2017).
35
Büscher, Andreas; Emmert, S.; Hurrelmann, K. (2009)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

48
Hinsichtlich der Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld gaben 76,5 % der Befragten mit ei-
ner Wohnungsgröße von weniger als 63 m² an, mit diesem zufrieden zu sein. Der Anteil
der Befragten mit einer Wohnungsgröße von mehr als 63 m² lag bezüglich der Zufrie-
denheit mit dem Wohnumfeld bei 81,2 %. Verfügbare Bewegungsräume in der Woh-
nung und im Wohnumfeld könnten demnach eine wichtige Rolle für die Zufriedenheit
spielen.
Die Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld korreliert signifikant im Zusammenhang mit
dem Alter. Teilnehmer/-innen, die jünger als 65 Jahre waren, hatten tendenziell eine ge-
ringere Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld (84,8 % Zufriedenheit) als ältere Menschen
(90,7 % Zufriedenheit). Jüngere Menschen mit Behinderung haben offenbar höhere An-
sprüche bezüglich der Möglichkeit der Teilhabe am öffentlichen Leben und fühlen sich
durch bestehende Barrieren mehr eingeschränkt, während ältere Menschen sich mögli-
cherweise mit ihrer gewohnten Umgebung eher arrangiert haben.
Darüber hinaus korreliert die Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld signifikant mit dem
Nettoeinkommen. Befragte mit einem Nettoeinkommen > 2000 EUR hatten eine etwas
höhere Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld (91,2 % Zufriedenheit) als Teilnehmer/-in-
nen mit einem geringeren Nettoeinkommen (84,2 % Zufriedenheit bei einem Nettoein-
kommen zwischen 500 - 900 Euro). Das verfügbare Einkommen scheint demnach ein
relevanter Faktor für Gestaltungsspielräume zu sein, die den Personen Möglichkeiten
zur Kompensation von individuellen (körperlichen) Einschränkungen ermöglichen.
Nachbarschaft
Auch die Nachbarschaft wird von den Befragten überwiegend positiv beurteilt (vgl. Ab-
bildung 19), allerdings fällt dies im Vergleich zur Zufriedenheit mit der Wohnung eben-
falls geringer aus. Nicht zufrieden mit der Nachbarschaft waren 19,4 % der befragten
schwerhörigen bzw. hörbehinderten Personen. Weiterhin gaben 14,8 % der Personen
mit Rollstuhl und Hilfsperson sowie 14,5 % der Personen mit Rollator an, unzufrieden zu
sein. Im Stadt-Land-Vergleich unterscheidet sich die Zufriedenheit mit dem Nachbarn
signifikant. Demnach waren die befragten Menschen mit Behinderung im ländlichen
Raum mit den Nachbarn tendentiell zufriedener (89,4 % Zufriedenheit ggü. 83,5 % Zu-
friedenheit im urbanen Raum). Insgesamt äußerten sich 13,8 % aller Befragten unzufrie-
den über ihre Nachbarschaft.
Die ergänzenden statistischen Analysen zeigen, dass die Zufriedenheit mit den Nach-
barn tendenziell höher ist,
യയയയ
bei Nutzung einer größeren Wohnung,
യയയയ
in Eigentumswohnungen bzw. in Ein- oder Zweifamilienhäusern,
യയയയ
nach Umsetzung von Maßnahmen zur Barrierefreiheit,
യയയയ
bei Menschen die älter als 65 Jahre waren sowie
bei einem Nettoeinkommen > 2000 EUR.
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

49
Zufriedenheit nach Art der Behinderung
Um Erkenntnisse zu erhalten, ob es Unterschiede bei den Aussagen zur Zufriedenheit
hinsichtlich der Art der Behinderung gibt, wurden die vier Bereiche Lebenssituation,
Wohnung, Wohnumfeld und Nachbarschaft differenziert ausgewertet. Es zeigte sich,
dass über alle Behindertengruppen hinweg eine insgesamt sehr hohe Zufriedenheit
herrschte. Dargestellt wird nachfolgendend die Unzufriedenheit je Behindertengruppe
in den einzelnen Bereichen, um mögliche Problemfelder differenzierter sichtbar zu ma-
chen.
Am unzufriedensten waren die Befragten über alle Behindertengruppen hinweg mit ih-
rer Lebenssituation.
Der Unzufriedenheit mit der Lebenssituation folgte der Höhe nach die Unzufrieden-
heit mit der Nachbarschaft. Demnach waren 19,4 % der Personen mit Gehörlosigkeit
bzw. Schwerhörigkeit mit der Nachbarschaft unzufrieden. Eine mögliche Erklärung dafür
ist, dass aufgrund der Art der Behinderung eine Kommunikation und Verständigung er-
schwert ist und sich dadurch der Aufbau sozialer Kontakte schwieriger gestaltet. Durch
die teilweise eingeschränkten sprachlichen Möglichkeiten bzw. die geringe Verbreitung
der Gebärdensprache unter „Hörenden“ ist die Kommunikation mit den Nachbarn nur
erschwert möglich. Gehörlosigkeit und Schwerhörigkeit sind keine von außen sichtba-
ren Behinderungen und werden daher von Außenstehenden nicht als diese wahrge-
nommen. Daher wird oftmals verändertes Verhalten von Betroffenen durch Andere
falsch interpretiert.
Eine Unzufriedenheit mit der Nachbarschaft gaben weiterhin 14,9 % der Personen mit
geistiger Behinderung sowie 14,2 % der Personen mit körperlicher Behinderung an.
Mit der Wohnung waren 14,4 % der Personen mit „weiteren Erkrankungen“ (u. a. Krebs,
Diabetes, Rheuma) unzufrieden. Weiterhin waren 12,7 % der Personen mit körperlicher
Behinderung sowie 11,2 % der Blinden bzw. Sehbehinderten mit ihrer Wohnung unzu-
frieden.
Hinsichtlich des Wohnumfelds gaben 13,1 % der befragten Blinden bzw. Sehbehinder-
ten an, unzufrieden zu sein. Dies gaben zudem 12,3 % Personen mit körperlicher Be-
hinderung sowie 12,2 % der Personen mit Gehörlosigkeit bzw. Schwerhörigkeit an (vgl.
Abbildung 20).
Generell waren (mit Ausnahme der Personen mit Gehörlosigkeit bzw. Schwerhörigkeit)
keine nennenswerten Ausschläge in der Zufriedenheit einzelner Behindertengruppen
zu erkennen. Der von Personen mit Gehörlosigkeit bzw. Schwerhörigkeit auf die Nach-
barschaft gelegte Fokus, ist vermutlich auf besondere Herausforderungen in den Berei-
chen Kommunikation und Lärmbelästigung zurückzuführen.
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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50
5.1.3 Wohnen und Wohnumfeld
Einen Einfluss auf die Wohnsituation der Menschen mit Behinderung haben, neben
der Lebenssituation, der Wohnort, der Wohnungstyp sowie die Wohnungsart. Etwa die
Hälfte der Befragten (48,8 %) lebte zum Zeitpunkt der Befragung in der Stadt Leipzig,
etwa ein Viertel (25,3 %) im Landkreis Bautzen und 23,7 % im Erzgebirgskreis. 2,2 %
der Befragten machten keine Angaben zu ihrem derzeitigen Wohnsitz. Die Rückläufe
entsprechend der Regionen können nachfolgender Tabelle entnommen werden (vgl.
Tabelle 7). Es zeigt sich, dass die Beteiligung von Menschen mit Behinderung aus der
Stadt Leipzig prozentual am höchsten war.
Tabelle 7 – Zusammensetzung der Teilnehmergruppen, entsprechend Befragungsregionen
angeschriebene
Personen
antwortende
Personen
Rücklaufquote in
Prozent
Leipzig
6489
1170
682 (motorisch)
18,0 %
488 (sensorisch)
Erzgebirgskreis
5214
570
339 (motorisch)
10,9 %
231 (sensorisch)
Landkreis Bautzen 5408
605
368 (motorisch)
11,2 %
237 (sensorisch)
Abbildung 20 – Aussagen zur Unzufriedenheit nach Art der Behinderung
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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51
Abbildung 21 – Angaben der Befragten zur Wohnungsart
Die meisten der Teilnehmenden (46,1 %) lebten in einer Mietwohnung. 21,5 % der Teil-
nehmenden hatten zum Zeitpunkt der Befragung ein eigenes Haus bzw. eine eigene
Wohnung, 18,2 % wohnten in einer Genossenschaftswohnung (vgl. Abbildung 21).
Zwischen Genossenschaftswohnung, Eigentumswohnung und Mietwohnung wurde in
dieser Studie differenziert, da Genossenschaftswohnungen Besonderheiten aufweisen:
Genossenschaftsmitglieder besitzen i. d. R. prozentuale Geschäftsanteile, die sie bei Ein-
tritt erwerben. Anstatt eines Mietvertrages unterschreiben sie einen Nutzungsvertrag,
sodass Genossenschaftswohnungen weder als Eigentums- noch als Mietwohnung be-
trachtet werden können.
Im Freistaat Sachsen lag die Wohneigentumsquote 2011
36
bei 33,2 %. Für die Stadt Leip-
zig lag sie 2011 bei 12,9 %, im Landkreis Bautzen bei 46,0 % und im Erzgebirgskreis bei
42,6 %. Damit ist Wohneigentum in der Stichprobe unterrepräsentiert. Dies erscheint
bezogen auf die hohe Zahl an Teilnehmern/-innen die allein leben verständlich.
Mit 69,4 % lebt die Mehrheit der Teilnehmern/-innen zum Zeitpunkt der Befragung in ei-
nem Mehrfamilienhaus (vgl. Abbildung 22). Dieser hohe Anteil ist möglicherweise auf den
Wohnort der Teilnehmenden zurückzuführen, denn fast die Hälfte der Teilnehmenden
lebt im urbanen Raum, wo deutlich mehr Menschen in Mehrfamilienhäusern wohnen.
Weiterhin zeigte sich, dass sich der Gebäudetyp in ländlichen und urbanen Regionen
signifikant unterschieden: Menschen mit Behinderung aus ländlichen Gebieten lebten
36
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2011)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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52
häufiger in Eigentumswohnungen (47,0 %) bzw. im Haus von Angehörigen (19,8 %) und
weniger in Miet- und Genossenschaftswohnungen (24,0 %) als Menschen mit Behinde-
rung aus urbanen Gebieten. In urbanen Gebieten lebten 53,1 % der Personen in einer
Mietwohnung und nur 13,8 % in einer Eigentumswohnung bzw. 5,2 % im Haus von An-
gehörigen.
29,5 % der Befragten wohnten im Erdgeschoss, 27,8 % in der ersten Etage und
33,4 % in der zweiten Etage oder höher. Zudem gaben 9,7 % der Befragten an, dass sie
auf mehreren Etagen wohnen (vgl. Abbildung 23). Auch hier zeigte sich, dass sich Stadt
und Land signifikant bzgl. der Wohnetage unterscheiden. Menschen mit Behinderung,
die in ländlichen Gebieten leben, wohnen mit 38,6 % häufiger im Erdgeschoss als die
Befragten in urbanen Regionen (26,9 %).
Im ländlichen Raum wohnten mit 19,1 % mehr Befragte über mehrere Etagen als Befrag-
te in urbanen Regionen (5,4 %) und weniger in der zweiten oder einer höheren Etage,
als Menschen mit Behinderung in der Stadt (11,9 % gegenüber 40,4 % der Personen in
urbanen Regionen).
Das ist damit erklärbar, dass Menschen mit Behinderung aus ländlichen Gebieten häu-
figer in Einfamilienhäusern und Bauernhöfen (61,1 %) (i. d. R. mit 1-2 Etagen) und selte-
ner in Mehrfamilienhäusern (34,2 %) (i. d. R. mehr als 2 Etagen) wohnten.
Die hohe Anzahl im Erdgeschoss wohnender Menschen mit Behinderung könnte ein
Hinweis auf die Notwendigkeit eines barrierefreien Zugangs zur Wohnung sein, da oft-
mals Aufzüge in Mehrfamilienhäusern fehlen.
Die durchschnittliche Wohnfläche der Befragten betrug zum Zeitpunkt der Befragung
69 m². Im Vergleich dazu liegt dieser Wert für ganz Sachsen bei 73 m². Menschen mit
Behinderung in der Stadt und auf dem Land unterscheiden sich signifikant im Hinblick
auf die Größe ihrer Wohnung. Befragte im ländlichen Raum haben zu 60,0 % eine Wohn-
Abbildung 22 – Angaben der Befragten zur Gebäudesart
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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53
Abbildung 23 – Angaben zu der von den Befragten bewohnten Etage
fläche von mehr als 63 m² zur Verfügung. Im Vergleich sind es in urbanen Regionen le-
diglich 48,1 %. Die durchschnittliche Wohnfläche der Befragten in der ländlichen Region
liegt bei 77 m² im Vergleich zu durchschnittlich 67 m² von Befragten aus dem urbanen
Raum. Dies lässt sich möglicherweise darauf zurückführen, dass die Mietpreise im länd-
lichen Raum deutlich günstiger als im urbanen Raum sind bzw. auch Wohneigentum
eine größere Rolle spielt. Ein weiterer Aspekt könnte die häufiger angegebene Einbin-
dung in familiäre Strukturen sein.
In Abbildung 24 wird die Wohnfläche ihrer Wohnung nach Aussage der Befragten darge-
stellt. Es erfolgt eine Unterscheidung nach der Hauptbehinderung der Befragten.
Umbaumaßnahmen zur Verminderung von Barrieren
Die Teilnehmer/-innen wurden befragt, ob in ihrer Wohnung / ihrem Haus bereits Maß-
nahmen zur Reduzierung von Barrieren bzw. zur Herstellung von Barrierefreiheit oder
Barrierereduzierung umgesetzt wurden. Daraus sollten Erkenntnisse gewonnen wer-
den, in welchem Umfang Möglichkeiten zur Verbesserung der Wohnung bereits genutzt
wurden bzw. welche die häufigsten bzw. wichtigsten Maßnahmen für einzelne Grup-
pen waren. Befragt nach Umbaumaßnahmen zur Herstellung von Barrierereduzierung/
Barrierefreiheit, gaben insgesamt 33,3 % der Befragten an, bereits Umbaumaßnahmen
durchgeführt zu haben. Von den Personen mit motorischer Behinderung waren das
38,3 % und 26,1 % von den Personen mit sensorischer Behinderung.
Um Aufschluss über konkret durchgeführte Umbaumaßnahmen zur Herstellung von
Barrierefreiheit/Barrierereduzierung zu erhalten, wurden die Teilnehmer/-innen ge-
fragt, welche Umbaumaßnahmen konkret durchgeführt wurden, wer diese veranlasst
und wer diese finanziert hat. Dazu wurden die Antworten der offenen Fragen ausgewer-
tet und anschließend in Gruppen von Maßnahmen zusammengefasst. Da es hier keine
vorgegebenen standardisierten Antwortkategorien gab und die Teilnehmenden zur frei-
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
54
en Texteingabe aufgefordert waren, sind manche der aus den Angaben aggregierten
Kategorien recht allgemeiner Natur.
Die Aussagen zu Umbaumaßnahmen wurden hinsichtlich der Hilfsmittelverwendung
bzw. der Betroffenheiten kategorisiert und dargestellt, um zu untersuchen inwiefern es
hier Unterschiede zur Gesamtauswertung gibt. In der zusätzlichen Darstellung bzgl. der
Hilfsmittelverwendung bzw. den Betroffenheiten werden kleine Fallzahlen mit geringen
Nennungen jedoch im Unterschied zu den Gesamtgrafiken nicht dargestellt. Im Folgen-
den werden nun die verschiedenen Maßnahmen der einzelnen Wohnbereiche sowie
eine Aufschlüsselung entsprechend der Hilfsmittelverwendung bzw. der Betroffenheiten
beschrieben. Zusätzlich wurden die Aussagen zu Umbaumaßnahmen im Stadt-Land Ver-
gleich untersucht, um Unterschiede in Bezug auf die verschiedenen Wohnregionen zu
ermitteln.
Schwerpunkte der Umbaumaßnahmen
Die Ergebnisse der Befragung verdeutlichen, dass am häufigsten in den Bereichen allge-
meiner Wohnraum, Bad und Zugangsbereich Maßnahmen zur Barrierefreiheit in Woh-
nung und im Wohnumfeld umgesetzt wurden (vgl. Abbildung 25).
Es zeigt sich, dass Befragte aus den Hilfsmittelgruppen (HMG) 1 bis 3 sowohl im allge-
meinen Wohnbereich als auch im Bad den größten Gestaltungsbedarf hatten. Im Bereich
Küche und nahes Wohnumfeld wurden über alle HMG hinweg kaum Umbaumaßnahmen
veranlasst.
Während das
nahe Wohnumfeld erwartungsgemäß vom Bewohner kaum gestaltbar ist,
verwundert der geringe Gestaltungsbedarf in der
Küche auf den ersten Blick. Wahrschein-
lich ist jedoch, dass hier mögliche Kompensationsstrategien (u. a. der Partner übernimmt
die Küchenarbeit oder das Essen wird geliefert) in Kombination mit einem potentiell ho-
hen Aufwand für Gestaltungsmaßnahmen in häufig ohnehin sehr kleinen Küchen wirken.
Abbildung 24 – Angaben zur Größe der Wohnfläche der Wohnung
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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55
Abbildung 25 – Absolute Häufigkeitsverteilung: durchgeführte Umbaumaßnahmen zur Barrierefreiheit in
den Bereichen (Mehrfachnennungen möglich)
Im Stadt-Land-Vergleich zeigten sich diesbezüglich kaum Unterschiede. Schwerpunkte
bei Umbaumaßnahmen lagen sowohl im ländlichen als auch im urbanen Raum auf Maß-
nahmen im allgemeinen Wohnraum sowie im Bad.
Umbaumaßnahmen im Zugangsbereich
Schwerpunkte der Umbaumaßnahmen im Zugangsbereich lagen bei Fahrstühlen, Ram-
pen und Treppenliften. Abbildung 26 verweist auf insgesamt 269 Personen, die Angaben
zu Maßnahmen in diesem Bereich angaben. Konkret gehörten zu diesen Maßnahmen
Fahrstühle (n=122) Treppenlifte (n=31) und Rampen (n=6). Unter Fahrstuhl wurden die
Begriffe Lift, Aufzug, Fahrstuhl und Hebebühne subsummiert. Die Kategorie Elektrik um-
fasst unter anderem Beleuchtung und elektronische Türöffner.
Bei der Betrachtung der HMG zeigte sich, dass der Anbau eines Fahrstuhls bzw. der
Einbau von Treppenliften Schwerpunkte der Maßnahmen in den HMG 1 bis 3 waren. Im
Vergleich zwischen urbanen und ländlichen Raum zeigte sich, dass auch hier der Anbau
eines Fahrstuhls bzw. der Einbau eines Treppenlifts den Schwerpunkt der Umbaumaß-
nahmen darstellte.
Umbaumaßnahmen im allgemeinen Wohnraum
Im allgemeinen Wohnraum wurden besonders häufig Schwellen entfernt oder allge-
mein Maßnahmen zur Schaffung von Barrierefreiheit durchgeführt. In der Kategorie
allgemein Maßnahmen zur Schaffung von Barrierefreiheit enthalten sind Anpassungs-
maßnahmen zu einer barrierefreieren Wohnung. Dazu gehören auch der Umzug in eine
niedrigere Etage oder das Anbringen von zusätzlichen Haltegriffen. Ein weiterer Schwer-
punkt war die Anpassung von Türen, wobei die Türklinken herabgesetzt oder breitere
Türen eingebaut wurden (vgl. Abbildung 27).
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
56
Im Rahmen von Instandsetzungs- und wohnraumverbessernden Maßnahmen werden
bereits in vielen Wohnungen von Genossenschaften, kommunalen und privaten Anbie-
tern Schwellen entfernt, um Wohnwert und Attraktivität der Immobilien zu erhalten
bzw. zu verbessern. Das gilt insbesondere für Standorte, an denen ein Mietermarkt, d.h.
ein Wohnraumüberschuss existiert. Deshalb ist der Bedarf an schwellenfreiem Wohn-
raum möglicherweise deutlich höher als die Anzahl der durchgeführten Anpassungsar-
beiten vermuten lässt.
Demgegenüber sind Maßnahmen, wie die Anpassung von Türen, das Anbringen (zusätz-
licher) Haltegriffe oder der Umbau in barrierefreie Wohnungen eher direkt der Zielgrup-
pe Menschen mit Behinderung zuzuordnen.
Eine Auswertung bezogen auf die Hilfsmittelgruppen zeigte, dass die Veranlassung der
Entfernung von Schwellen in allen drei HMG die häufigste Maßnahme war. Die Schaf-
fung von Barrierefreiheit (ohne nähere Angaben) wurde zudem vorrangig von den HMG
2 und 3 umgesetzt. Der Einbau einer Lichtanlage der Klingel wurde von Menschen mit
sensorischer Behinderung als Umbaumaßnahme getätigt.
Im Stadt-Land Vergleich ergaben sich keine wesentlichen Unterschiede.
Umbaumaßnahmen in der Küche
In der Küche wurden insgesamt nur von sechs Personen allgemeine Angaben zur Schaf-
fung von Barrierefreiheit angegeben. Den Umbau der Küche veranlassten drei Perso-
nen. Eine unterfahrbare Arbeitsfläche gaben zwei Personen an und eine Sitzerhöhung
wurde von einer Person als Maßnahme angegeben. Eine Differenzierung entsprechend
der Hilfsmittel bzw. der Betroffenheiten sowie ein Stadt-Land Vergleich ist an dieser Stel-
le aufgrund der geringen Fallzahlen nicht möglich.
Abbildung 26 – Absolute Häufigkeitsverteilung der Maßnahmen zur Barrierefreiheit im Zugangsbereich
(Mehrfachnennungen möglich)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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57
Abbildung 27 – Absolute Häufigkeitsverteilung der Maßnahmen zur Barrierefreiheit im allgemeinen Wohn-
bereich (Mehrfachnennungen möglich)
Umbaumaßnahmen im Bad
Im Bad wurden am häufigsten Maßnahmen im Bereich Dusche und Umbau des gesam-
ten Bades
umgesetzt (vgl. Abbildung 28). Es wurden in die Wohnungen ebenerdige Du-
schen oder Duschen mit einer Sitzgelegenheit eingebaut. Im Bereich Umbau des gesam-
ten Bades wurden die Angaben, die Umbauten in ein rollstuhlgerechtes/barrierefreies
Bad betrafen, zusammengefasst.
Bei der Auswertung bezogen auf die Hilfsmittelgruppen zeigte sich, dass die häufigste
Maßnahme in allen drei HMG der Einbau einer Dusche war, um das Bad besser nutzen
zu können. Ein genereller Umbau des Bads war Schwerpunkt der Umbauten bei Perso-
nen aus den HMG 2 und 3.
Im Stadt- Land Vergleich zeigte sich, dass auf dem Land insgesamt etwas mehr Umbau-
maßnahmen im Bad durchgeführt wurden als in der Stadt.
Veranlasser der Umbaumaßnahmen
Die meisten Umbaumaßnahmen wurden durch die Betroffenen in Eigeninitiative veran-
lasst (vgl. Abbildung 29). Bezieht man die Kategorie Familie in die Betrachtung mit ein,
dann zeigt sich, dass die Umbauten dreimal so häufig privat veranlasst wurden, als sie
vom Vermieter oder der Genossenschaft in die Wege geleitet wurden. Weiterhin veran-
lassten häufig die Genossenschaften und Vermieter, sicher auch in Umsetzung aktueller
Standards zur Schwellenfreiheit in der Wohnung bzw. als allgemeine Maßnahmen von
Werterhaltung und Wohnkomfort, die Maßnahmen zur Barrierefreiheit.
Es zeigten sich Unterschiede bei den Veranlassern der Umbaumaßnahmen im Vergleich
Stadt-Land. Teilnehmer/-innen in ländlichen Regionen führten die Umbaumaßnahmen
tendenziell eher in Eigeninitiative durch als Teilnehmende in urbanen Gebieten.
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

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58
Kostenübernahme für die Umbaumaßnahmen
Die Kosten zum Umbau einer barrierefreien Wohnung wurden meist privat getragen.
Zusätzlich konnte ein Teil der Kosten von Kranken- und Pflegekassen oder Genossen-
schaften übernommen werden (vgl. Abbildung 30).
Dabei ist zu beachten, dass die Kranken- und Pflegekassen nur einen geringen Betrag
übernehmen. Umfassende Umbauten sind mit diesem Volumen nicht möglich. Mit Blick
auf die Hilfsmittelgruppen zeigt sich, dass eine private Finanzierung insbesondere durch
HMG 3 erfolgte. In den HMG 1 und 2 lag der Anteil derer, die die Umbaumaßnahmen
privat finanzierte deutlich darunter.
Dies ist insbesondere in Bezug auf die geringen verfügbaren monatlichen Einkommen
der Befragten bemerkenswert. Daraus lässt sich auf die Dringlichkeit der Umbauten
schließen. Wer die notwendigen Mittel nicht aufbringen kann, kann aber notwendige
Anpassungsarbeiten nicht finanzieren.
Im Stadt-Land Vergleich zeigte sich, dass Teilnehmer/-innen aus ländlichen Gebieten die
Umbaumaßnahmen eher privat finanzierten, als Befragte im urbanen Raum.
Umzugswunsch bei den Befragten
Die Teilnehmer/-innen der Studie wurden befragt, ob sie bereits versucht haben, in eine
andere Wohnung bzw. ein anderes Wohngebiet umzuziehen. Diese Frage sollte Aus-
kunft darüber geben, ob sich ihre Wohnsituation dadurch verbessert hat und welche Er-
fahrungen die Personen mit Blick auf verfügbare barrierefreie/barrierereduzierte Woh-
nungen gemacht haben. Insgesamt gaben 10,0 % (entspricht 240 von 2.400 Befragten)
an, dass sie versuchten, in ein anderes Wohnumfeld / eine andere Wohnung zu ziehen.
Von denjenigen Personen, die angaben, dass sie es bereits versuchten, gaben 27,5 % an,
Abbildung 28 – Absolute Häufigkeitsverteilung der Maßnahmen zur Barrierefreiheit im Bad (Mehrfachnen-
nungen möglich)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
59
Abbildung 29 – Absolute Häufigkeitsverteilung der Veranlasser der Umbaumaßnahmen
bereits etwas gefunden zu haben und demnächst umzuziehen bzw. bereits umgezogen
zu sein. Mit 37,0 % gaben eine große Zahl an, etwas gefunden zu haben, dies aber nicht
bezahlen zu können. Darüber hinaus haben 35,4 % der Befragten angegeben, keine ge-
eignete Wohnung gefunden zu haben.
Die Analyse der Antworten auf die offenen Fragen ergab ergänzend Gründe, warum
Personen bereits versucht haben umzuziehen bzw. bereits umgezogen sind (vgl. Abbil-
dung 31). Demnach erfolgte der Umzug vorrangig aus alters- bzw. gesundheitsbeding-
ten Gründen, insbesondere weil in eine alters- bzw. behindertengerechte Einrichtung/
Wohnung umgezogen wurde. Ein Umzug erfolgte auch aufgrund des fehlenden Aufzugs
bzw. der fehlenden Barrierefreiheit der bis dahin genutzten Wohnung. Einige Befragte
mussten aufgrund der Wohnungsgröße umziehen. Dabei wurden keine Angaben zu der
Frage gemacht, ob die Wohnung zu groß oder zu klein geworden ist.
Im Vergleich zwischen Stadt und Land zeigte sich, dass es bzgl. des Versuchs die Woh-
nung zu wechseln signifikante Unterschiede gibt. Demnach haben Menschen mit Behin-
derung, die im ländlichen Raum wohnen, einen Wohnungswechsel seltener versucht
(6,1 % ggü. 11,4 % in urbanen Gebieten). Diese Aussagen korrespondieren mit der be-
reits angemerkten engeren Anbindung an Wohneigentum bzw. an die Familie. Aussagen
aus einer Befragung von Pflegekräften auf dem Lande bestätigen, dass als Alternativen
zum Wohnen mit der eigenen Familie bzw. zum eigenen Haus oft nur die Heimunter-
bringung bzw. der Einzug in betreutes Wohnen, sofern überhaupt verfügbar, möglich
sind
37
. Die geringe Zahl an Befragten die überhaupt einen Wunsch nach Umzug artiku-
lierten, ist typisch für die Altersgruppe. Untersuchungen zeigten einen Zusammenhang
zwischen Veränderungsbereitschaft und Alter. Die Mehrzahl der Menschen mag im Al-
37
VSWG e. V. (Hg). (2015)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
60
ter eigentlich nicht mehr umziehen, sich nicht mehr verändern
38
.
Die Analyse der Freitextfelder zeigte zudem auf, aus welchen Gründen die Befragten
noch nicht umgezogen sind bzw. nicht versucht haben umzuziehen. In den freien Nen-
nungen gaben 152 Personen an, mit ihrer Wohnung zufrieden zu sein und demnach kei-
nen Umzugswunsch zu haben. Weiterhin gaben 93 Personen an, im Eigentum zu woh-
nen und somit keinen Umzugswunsch zu hegen. 87 Personen gaben an, dass ein Umzug
aus finanziellen Gründen und 54 als alters- bzw. krankheitsbedingten Gründen nicht
möglich sei. Weiterhin empfanden 69 Personen das Umfeld bzw. die Infrastruktur der
Wohnung als gut, sodass sie nicht umziehen möchten. Jeweils 53 Personen gaben an,
dass sie vor Ort Unterstützung durch Partner und/oder Familie/Freunde erfahren und
somit ein Umzug nicht notwendig erscheint. Das wahrgenommene Fehlen von verfüg-
barem barrierefreien Wohnraum bzw. alters- und behindertengerechten Einrichtungen
war für 28 Personen ein Grund, nicht umzuziehen. Von 26 Personen wurde ein Umzug
ausgeschlossen, da sie bereits seit vielen Jahren in dieser Wohnung leben und sich nicht
von dieser trennen möchten.
Wohnberatung
Weiterhin wurde gefragt, ob die Befragten die Möglichkeiten der Wohnberatung für
Menschen mit Behinderung kennen. Hierzu gaben 72,4 % an, diese nicht zu kennen bzw.
machten keine Angaben. 21,8 % der befragten Personen gaben an, die Möglichkeiten
zu kennen, diese aber noch nicht in Anspruch genommen zu haben. Insgesamt haben
3,3 % der Befragten bereits eine Wohnberatung in Anspruch genommen. Hochsignifi-
kante Unterschiede gab es hier zwischen Stadt und Land. Wohnberatung war auf dem
38
Kremer-Preiß, Ursula (Hg.) (2011)
Abbildung 30 – Absolute Häufigkeitsverteilung zur Kostenübernahme der Maßnahmen zur Barrierefreiheit
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
61
Abbildung 31 – Von den Befragten angegebene Umzugsgründe
Dorf lebenden Menschen mit Behinderung weniger bekannt.
39
5.1.4 Stadt-Land-Unterschiede
Im Rahmen der Studie wurden Unterschiede mit Blick auf urbane und ländliche Regio-
nen ausgewertet. Als urbane Region wurden Gemeinde mit Stadtrecht bzw. städtisch ge-
prägte Ortsteile definiert, die anhand der angegebenen Postleitzahlen bestimmt wurde.
Insgesamt konnten so 1815 Personen (75,6 %) dieser Kategorie zugeordnet werden. Als
ländliche Region wurden dörflich geprägte Ortsteile bzw. Gemeinden ohne Stadtrecht
verstanden. Demnach konnten 555 Personen (23,1 %) der Stichprobe dieser Kategorie
zugeordnet werden. Die Ergebnisse wurden bereits in Kapitel 5.1 ergänzend dargestellt
und werden an dieser Stelle noch einmal zusammenfassend aufgeführt.
39
80,7 % der Probanden aus ländlichen Regionen kannten diese nicht ggü. 72,2 % der Personen aus urbanen Re-
gionen
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

62
Durch den Stadt-Land Vergleich wurden folgende signifikante Unterschiede ermittelt:
Tabelle 8 – zusammenfassende Übersicht der Ergebnisse
Gebäudetyp
യയയയ
Befragte, die auf dem Land lebten, wohnten eher in Eigentumswohnungen
(47,0 % ggü. 13,8 % der Personen in urbanen Regionen) bzw. im Haus von An-
gehörigen (19,8 % ggü. 5,2 % in urbanen Regionen) und weniger in Miet- und
Genossenschaftswohnungen (24,0 % ggü. 53,1 % in urbanen Regionen).
യയയയ
Menschen mit Behinderung in ländlichen Regionen wohnten eher in Einfa-
milienhäusern (53,0 % ggü. 14,7 % in urbanen Regionen) und Bauernhöfen
(8,1 % ggü. 0,4 % in urbanen Regionen) und weniger in Mehrfamilienhäusern
(34,2 % ggü. 80,6 % in urbanen Regionen).
Etagenwohnung
യയയയ
Befragte aus ländlichen Regionen wohnten eher im Erdgeschoss (38,6 % ggü.
26,9 % in urbanen Regionen) bzw. über mehrere Etagen (19,1 % ggü. 5,4 %)
und weniger in der zweiten oder einer höheren Etage (11,9 % ggü. 40,4 % in
urbanen Regionen).
Größe der Wohnung
യയയയ
Personen, die in ländlichen Regionen lebten, hatten eine größere Wohnung
(≥ 63 m²) (60,0 % ggü. 48,1 % in urbanen Regionen).
Arbeit
യയയയ
Befragte aus ländlichen Regionen waren häufiger berufstätig (11,3 %) als Per-
sonen aus urbanen Regionen (8,6 %)
Alter
യയയയ
Aus den ländlichen Regionen haben jüngere Personen teilgenommen (44,4 %
waren jünger als 65 Jahre ggü. 36,2 % der Personen in urbanen Regionen).
Geschlecht
യയയയ
Mehr Befragte aus ländlichen Regionen gaben männlich als Geschlecht an
(50,9 % ggü. 44,9 % in urbanen Regionen).
Nutzung des Hilfsmittels Rollstuhl mit Hilfsperson
യയയയ
Teilnehmer/-innen aus ländlichen Regionen waren häufiger auf Rollstuhl mit
Hilfsperson angewiesen (12,8 % ggü. 9,3 % der Personen aus urbanen Regio-
nen).
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

63
Wohnung und Wohnumfeld
യയയയ
Befragte aus ländlichen Regionen haben die Frage nach dem schwellenlosen
Hauseingang weniger positiv beantwortet (27,7 % positive Antworten ggü.
36,5 % in urbanen Regionen).
യയയയ
Die Frage nach der Gehwegqualität wurde durch die Befragten aus ländlichen
Regionen kritischer beantwortet (20,6 % negativ Antworten ggü. 16,0 % in
urbanen Regionen).
യയയയ
Personen aus ländlichen Regionen hatten eher keinen Aufzug (91,0 % ggü.
66.6 % in urbanen Regionen).
യയയയ
Mit den selbstständigen Bewegungsmöglichkeiten in Aufzügen und Treppen
waren Personen aus den ländlichen Regionen unzufriedener (18,4 % ggü.
13,9 % in urbanen Regionen).
യയയയ
Menschen mit Behinderung aus ländlichen Regionen beantworteten die Fra-
ge nach dem Platzangebot in der Wohnung weniger kritisch (22,4 % negative
Antworten ggü. 28,7 % in urbanen Regionen).
യയയയ
Die Frage nach dem Platzangebot in der Küche wurde von Befragten aus länd-
lichen Regionen positiver beantwortet (71,9 % ggü. 54,9 %).
യയയയ
Teilnehmer/-innen aus ländlichen Regionen beantworteten die Frage nach
dem Platzangebot im Bad positiver (47,8 %) als Personen aus urbanen Regio-
nen (36,8 %).
യയയയ
Bei Befragten aus ländlichen Regionen war eher eine Dusche vorhanden
(81,3 % ggü. 69,5 % in urbanen Regionen); gleichzeitig hatten sie auch eher
eine Badewanne (19,8 % ggü. 7,6 % in urbanen Regionen).
Lebenssituation
യയയയ
Befragte aus ländlichen Regionen lebten häufiger in Familie (19,2 % ggü.
10,1 % in urbanen Regionen).
Zufriedenheit
യയയയ
Personen, die in ländlichen Gebieten wohnten, waren eher unzufrieden mit
ihrer Lebenssituation (24,5 % ggü. 20,3 % in urbanen Regionen).
യയയയ
Mit den Nachbarn waren Teilnehmer/innen aus ländlichen Regionen weniger
unzufrieden (10,6 %) als Befragte aus urbanen Regionen (16,5 %).
Wohnungsberatung
യയയയ
Personen, die in ländlichen Gebieten wohnten, war die Wohnberatung weni-
ger bekannt (80,7 % ggü. 72,2 % in urbanen Regionen).
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
64
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG
5.2 Stichprobe Fragebogen motorische Behinderung
Neben den soziografischen Fragestellungen enthält der
Fragebogen motorische Behin-
derung
Fragen zu Sicherheitsgefühl und Selbstbestimmung in den verschiedenen Be-
reichen. Darüber hinaus wird die Einhaltung von Einzelkriterien abgefragt und ob eine
Nichteinhaltung eine Beeinträchtigung für den Benutzer/ die Benutzerin darstellt. Im
Folgenden werden die Ergebnisse zu diesen Fragestellungen dargestellt. Dabei kann
über die Fragen zur Selbstbestimmung und zum Sicherheitsgefühl ermittelt werden,
welche Bereiche der Wohnung die größten Probleme verursachen. Anhand der Antwor-
ten zu diesen Globalfragen ist ein Vergleich der Wohnbereiche möglich. Die Antworten
zu den Einzelkriterien ermöglichen eine Aussage, wie häufige ein Kriterium im Bestand
bereits erfüllt ist und wie stark seine Nichterfüllung die Bewohner mit Behinderung ein-
schränkt.
5.2.1 Aussagen zu Selbstbestimmung und Sicherheitsgefühl
Gestaltungskriterien sagen nur etwas über den einzelnen Parameter, also zum Beispiel
über die Türbreite, aus. Um Problemschwerpunkte im Wohnhaus oder der Wohnung
besser erkennen zu können, wurden zu den Wohnbereichen
യയയയ
nahes Wohnumfeld,
യയയയ
Zugangsbereich,
യയയയ
Treppen und Aufzüge,
യയയയ
allgemeiner Wohnbereich,
യയയയ
Küche und
യയയയ
Bad
Fragen gestellt, wie sicher, wie selbstbestimmt und wie gut orientiert sich die
Teilnehmer/-innen in diesem Bereich jeweils fühlen.
Abbildung 32 – selbst empfundenen Selbstbestimmung, Fragebogen motorische Behinderung gesamt

image
65
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG
Diese globalen Fragen dienten dazu, das von den Befragten wahrgenommene Gefühl
zu Selbstbestimmtheit und Sicherheit als Gesamtzusammenhang zu erfassen und so zu
ermitteln, in welchen Bereichen die größten Probleme wahrgenommen werden.
Anhand der Globalfragen sind die einzelnen Wohnbereiche darüber hinaus, in Bezug auf
die wahrgenommene Sicherheit und Selbstbestimmtheit bei der Nutzung, miteinander
vergleichbar. Die Einzelkriterien ermöglichen keine Vergleichbarkeit, da nicht alle in je-
dem Wohnbereich auftreten und die Befragten sie nicht gleich häufig bewertet haben.
Die zur Ermittlung eines grundlegenden Sicherheitsgefühls und der wahrgenommen
Selbstbestimmung gestellten Fragen wurden für jeden Wohnbereich gesondert gestellt.
In der Auswertung dieser Fragen für den Datensatz aus dem
Fragebogen motorische
Behinderung
zeigte sich über alle HMG eine hohe Zufriedenheit der Befragten.
Die größten Probleme wurden bei den Fragen zum Komplex „
Wie wirkt sich die Gestal-
tung auf ihre Selbstbestimmung und Ihr Sicherheitsgefühl aus?“
für die Aussage „
… kann
ich mich selbständig und problemlos bewegen und betätigen.“
gesehen. Insbesondere
für die Bereiche
Treppen und Aufzüge
,
Bad, Zugangsbereich
und
nahes Wohnumfeld
werden, wie in Abbildung 32 dargestellt, häufiger die Aussagen
stimme eher nicht zu
und
stimme gar nicht zu
getroffen.
Die Aussagen zu
“… kann ich mich gut orientieren, wo ich bin und was zu beachten ist.”
und
“… fühle ich mich sicher und habe keine Angst, mich zu verletzen oder etwas falsch
zu machen.”
wurden deutlich positiver bewertet. Auffällig ist die hohe Anzahl an nicht
gegebenen Antworten für den Bereich Treppen und Aufzüge. Dieser beruht vermutlich
auf der hohen Anzahl an Befragten, die im Erdgeschoss wohnen und deshalb weder Trep-
pen noch Aufzüge benutzen. Weil dadurch die Vergleichbarkeit der Aussagen nicht mehr
gegeben ist, wird im Folgenden die Anzahl an nicht gegebenen Antworten nicht mehr
grafisch dargestellt, sondern nur noch auf die absolute Anzahl an Antworten verwiesen.
Abbildung 33 – selbst empfundenen Selbstbestimmung, HMG 1; (Mehrfachnennung möglich)

image
66
Bei den Aussagen zum Wohnumfeld ist unklar, ob die Befragten mit ihren Aussagen
stärker auf den öffentlichen Raum abzielen. Aufgabe dieser Untersuchung war, den zum
Wohngebäude gehörigen Bereich der Außenanlagen zu betrachten. Die Aussagen der
Teilnehmer/ -innen scheinen sich aber nicht nur auf den Bereich von der Grundstücks-
grenze bis zum Gebäude zu beziehen. Eine klare Abgrenzung, welche Aussagen zum
direkten Wohnumfeld zu zu ordnen sind und welche dem öffentlichen Raum ist nicht
möglich.
Die Gesamtübersicht über alle motorisch Behinderten erlaubt keine Aussage dazu, in-
wieweit Unterschiede bei den HMG 1 bis 3, in Bezug auf Selbstbestimmtheit und Si-
cherheitsgefühl bei der Benutzung, bestehen. Deshalb ist es notwendig die Aussagen
bezogen auf die Hilfsmittelnutzung zu überprüfen, um zu ermitteln, ob bei einer HMG
besonders starke Einschränkungen bei der selbstständigen Benutzung eines Bereiches
wahrgenommen werden. Bei der Angabe zum genutzten Hilfsmittel waren Mehrfach-
nennungen möglich. Die Addition der Anzahl der Befragten in den einzelnen Hilfsmittel-
gruppen übersteigt deshalb die Gesamtzahl der Teilnehmer/ -innen.
Personen, die eine Gehhilfe nutzen (HMG 1)
Personen mit einer motorischen Einschränkung, die eine Gehhilfe, z.B. eine Unterarm-
stütze oder einen Rollator nutzen, fühlten sich in ihrer Selbstständigkeit zu einem über-
wiegenden Teil nicht oder kaum beeinträchtigt. Sie stimmten der Aussage
“Ich kann
mich in dem jeweiligen Bereich meines Wohnhauses selbstständig und problemlos be-
wegen und betätigen”
voll oder eher zu. In den Bereichen
Küche
und
allgemeiner Wohn-
bereich
fühlen sich 12,3 % und 14,9 % der Befragten beim Bewegen und Betätigen in
diesen Bereichen beeinträchtigt (siehe dazu Abbildung 33).
Deutlich mehr Probleme haben Personen die eine Gehstütze verwendeten im
Bad
mit
Abbildung 34 – selbst empfundenen Selbstbestimmung, HMG 2; (Mehrfachnennung möglich)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
67
24,4 % und im Bereich der
Treppen und Aufzüge
in ihrem Wohnhaus. Insgesamt gaben
20,7 % an, in diesem Bereich Probleme zu haben, wovon 6,4 % der Befragten der Aussa-
ge überhaupt nicht zustimmten.
Rollstuhl mechanisch (HMG 2)
Personen, die einen mechanischen Rollstuhl benutzen, fühlten sich in ihrer Selbststän-
digkeit zu einem überwiegenden Teil nicht oder kaum beeinträchtigt. Sie stimmten der
Aussage
“ Ich kann mich in dem jeweiligen Bereich meines Wohnhauses selbstständig
und problemlos bewegen und betätigen”
voll oder eher zu. In den Bereichen
Küche
und
allgemeiner Wohnbereich
fühlen sich 27,6 % und 26,0 % der Befragten beim Bewegen
und Betätigen in diesen Bereichen beeinträchtigt (vgl. Abbildung 35).
Noch mehr Probleme hatten sie im Wohnumfeld, wozu 38,9 % aussagen, sie könnten
sich eher nicht oder gar nicht selbstständig und problemlos bewegen und betätigen.
Ähnliche Aussagen werden zum
Zugangsbereich
, Bad und im Bereich der
Treppen und
Aufzüge
gemacht. Die Gruppe derer, die der Aussage gar nicht zustimmen, war für
Trep-
pen und Aufzüge
mit 14,3 % am größten.
Rollstuhl elektrisch und Rollstuhl mit Hilfsperson (HMG 3)
Von den Personen, die auf einen elektrischen Rollstuhl oder auf einen Rollstuhl mit Hilfs-
person angewiesen waren, fühlten sich etwa die Hälfte der Befragten in ihrer Selbst-
ständigkeit nicht oder kaum beeinträchtigt. Sie stimmten der Aussage
“ Ich kann mich in
dem jeweiligen Bereich meines Wohnhauses selbstständig und problemlos bewegen und
betätigen”
voll oder eher zu.
Insbesondere in den Bereichen
Bad
und im Bereich
Treppen und Aufzüge
fühlen sich die
Befragten beim Bewegen und Betätigen beeinträchtigt.
Abbildung 35 – selbst empfundenen Selbstbestimmung, HMG 3; (Mehrfachnennung möglich)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
68
Abbildung 36 – Antwortvarianten
Für
Treppen und Aufzüge
stimmten 15,6 % der Befragten der Frage
“ Ich kann mich in
dem jeweiligen Bereich meines Wohnhauses selbstständig und problemlos bewegen und
betätigen”
gar nicht zu. Auch für das Bad und den
Zugangsbereich
ist der prozentuale
Anteil derer die dieser Frage gar nicht zustimmen groß.
Schwerpunkte bei Selbstbestimmung und Sicherheit
Die Teilnehmer/-innen die einen Rollstuhl benutzen oder zusätzlich auf eine Hilfsper-
son angewiesen waren, sagten deutlich häufiger, dass sie sich eher nicht, oder gar nicht
selbstständig und problemlos bewegen und betätigen können. Dabei ist die Ausprägung
abhängig von der Hilfebedürftigkeit und der Hilfsmittelnutzung.
Die größten Einschränkungen werden von Rollstuhlbenutzer/ -innen gesehen, unabhängig
davon, welche Rollstuhlart sie benutzen. Problemschwerpunkt ist neben
Treppen und Auf-
züge
und dem
Zugangsbereich
das
Bad
. Die größten Probleme werden von Teilnehmern/
-innen der HMG 3 gesehen.
Für die Entscheidung, welche Kriterien für den Katalog für bedarfsgerecht barrierefreien
Wohnraum tatsächlich und mit welcher Gewichtung relevant sind, werden nun die Antwor-
ten zu den Einzelfragen des Fragebogens in den Wohnbereichen detaillierter ausgewertet.
5.2.2 Beeinträchtigung wegen nicht vorhandener Wohnungseigenschaft
Im Fragebogen wurde für jeden Wohnbereich
40
in einem eigenen Abschnitt danach ge-
fragt, ob die beschriebene Wohnungseigenschaft erfüllt ist, oder nicht. Die Befragten
konnten entscheiden ob auf die gestellte Frage, bezogen auf ihre eigene Wohnung, die
Antwort
trifft (eher) zu
oder
trifft (eher) nicht zu
ist. Darüber hinaus konnte vermerkt
werden, wenn die Nichterfüllung des Kriteriums zu einer Beeinträchtigung des Befrag-
ten führt. Beispielhaft zeigt Abbildung 36 die drei möglichen Antwortvarianten. Die
40
nahes Wohnumfeld, Zugangsbereich, Treppen und Aufzüge, allgemeiner Wohnbereich, Küche und Bad
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
69
Abbildung 37 – Darstellung Anteil das beeinträchtigt mich von gesamter Antwortanzahl.
Antworthäufigkeit zu
trifft (eher) zu
und
trifft (eher) nicht zu
sagt etwas über den Erfül-
lungsgrad der abgefragten Wohnungseigenschaft in den Wohnungen der Befragten aus.
Die Aussage
das beeinträchtigt mich
bezieht sich auf die Antworten
trifft (eher) nicht
zu
(vgl. Abbildung 37). Diese gibt Aufschluss darüber, ob die abgefragte Wohnungs-
eigenschaft für die individuelle Benutzbarkeit durch den Befragten relevant ist oder nicht.
Dabei unterscheiden sich die Anforderungen je nach Hilfsmittelgruppe oder sensori-
scher Betroffenheit. Die Häufigkeit mit der zu einem Kriterium die Aussage
das beein-
trächtigt mich
getroffen wurde, ist maßgeblich für die Wichtung dieses Kriteriums in
Bezug auf eine bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung. Der Vergleich der Nennungshäu-
figkeit von
das beeinträchtigt mich
zu den Kriterien, ermöglicht deshalb die Sortierung
nach Wichtigkeit der Kriterien für eine bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung.
In einem ersten Schritt wurden die Aussagen der Befragten zu den Wohnungseigen-
schaften quantitativ ausgewertet. Die Aussagen der Stichprobe
Fragebogen motorische
Behinderung
wurden nach dem Prozentanteil der Antworten
das beeinträchtigt mich
bezogen auf die Antwort
das trifft (eher) nicht zu
ermittelt. Die ermittelten Werte wur-
den in absteigender Reihe sortiert.
Nicht berücksichtigt wurden hierbei Aussagen, die sich auf eine vorangegangene Frage
beziehen. Dabei handelte es sich um Einzelfragen zu Gestaltungsvarianten eines Objek-
tes, wie der Dusche oder des Aufzugs (beispielhaft dargestellt in Abbildung 38). Diese
wurden separat ausgewertet.
In einem zweiten Schritt wurden die nach Prozentanteil sortierten Kriterien in einer
Gleichverteilung (gleiche Anzahl an Kriterien je Gruppe) in die Kategorien A, B und C ein-
geteilt (vgl. Tabelle 8, Spalte
gesamt
). Dabei ist davon auszugehen, dass die Einhaltung
aller Kriterien in Kategorie A aufgrund der höchsten Beeinträchtigung der Befragten
durch die Nichteinhaltung des Kriteriums, für eine bedarfsgerecht barrierefreie Woh-
nung sehr wichtig ist. Die Einhaltung der Kriterien der Kategorie B ist durchschnittlich
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
70
Abbildung 38 – Auf vorangegangene Frage bezogene Fragen zur Dusche
wichtig und die der Kategorie C weniger wichtig.
Für die Aussagen zu den Kriterien die sich auf die vorhergehende Frage bezogen, er-
folgte ebenfalls eine quantitative Auswertung unter Einbeziehung aller Unterfragen zur
Hauptfrage. Bei diesen Fragen wurden nur von wenigen Teilnehmern/-innen Antworten
zu den Unterfragen gegeben.
Die Auswertung der Aussagen zur Beeinträchtigung durch nicht vorhandene Eigenschaf-
ten eines baulichen Kriteriums zeigt eine Häufung von Antworten mit Bezug zu Bewe-
gungsflächen in der ermittelten Kategorie A. Die Betrachtung über alle Hilfsmittelgrup-
pen (HMG) führt zu einer Gleichbewertung unabhängig davon, wie der Bewegungsflä-
chenbedarf durch die Hilfsmittelnutzung ist. Benutzer/ -innen mit HMG 1 haben einen
geringeren Bedarf an Bewegungsfläche als Benutzer/ -innen in HMG 2 und 3. Deshalb
erfolgte eine Auswertung nach HMG, um die tatsächliche Beeinträchtigung der Betrof-
fenen zu überprüfen und Probleme zu identifizieren.
Auswertung nach Hilfsmittelnutzung
In einem dritten Schritt wurden deshalb auch für die HMG die Daten zur Erfüllung der
Einzelkriterien und einer möglichen Beeinträchtigung durch Nichterfüllung quantitativ
ausgewertet. Dazu wurden, die Antworten zusammengefasst in:
HMG 0
Keine Nutzung einer Mobilitätshilfe
HMG 1
Nutzung von Gehstützen und/ oder Rollator, aber kein Rollstuhl
HMG 2
Nutzung eines mechanischen Rollstuhls, aber ohne Hilfsperson
HMG 3
Nutzung eines elektrischen Rollstuhl und/ oder auf eine Hilfsperson angewiesen
Die Aussagen der Teilstichproben der Antworten
das beeinträchtigt mich
bezogen auf
die Antwort
das trifft (eher) nicht zu
wurden nach Prozentanteil in absteigender Reihe
sortiert. Nicht berücksichtigt wurden wieder Aussagen, die sich auf eine vorangegan-
gene Frage beziehen, diese wurden gesondert ausgewertet (vgl. dazu Tabelle 9, Spalte
HMG 1, HMG 2 und HMG 3
).
Für alle drei HMG wurden die Kategorien A bis C mit Hilfe mit der gleichen Verfahrens-
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

71
weise wie bei der Gesamtstichprobe zum
Fragebogen motorische Behinderung
gebil-
det. In der Tabelle 9 ist dargestellt, wie die Fragestellungen insgesamt und für jede Hilfs-
mittelgruppe zu den Kategorien zugeordnet wurden. Die farbliche Darstellung verweist
auf die Zuordnung zu Kategorie A, B oder C. Der obere Zahlenwert gibt jeweils die Pro-
zentangabe der Antworten
das beeinträchtigt mich
bezogen auf die Antwort
das trifft
(eher) nicht zu
an. Die darunter befindlichen Klammerwerte, verweisen auf die Anzahl
der Teilnehmer die diese Antwort gegeben haben.
Die Zahl derer, die bei einer Frage angegeben haben, dass durch die Nichterfüllung der
Anforderung eine Beeinträchtigung eintritt, differiert bei den Fragestellungen stark. Ein
hoher Prozentsatz der Beeinträchtigung bei geringer absoluter Antwortanzahl, verweist
auf einen bereits guten Erfüllungsgrad dieses Kriteriums im Bestand.
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

72
Tabelle 9 – Zuordnung zu Kategorie A, B und C, motorische Behinderungen
Aussage laut Fragebogen
gesamt HMG 1
HMG 2
HMG 3
Der Gehweg vor dem Haus ist eben und fest, so dass er leicht und sicher passierbar ist.
41,6
46,1
(101)
47,6
(39)
45,5
(35)
Der Müllcontainer ist für mich ohne Hindernisse erreichbar und zu benutzen.
29,1
32,3
(123)
32,1
(53)
31,7
(60)
Ich kann leicht und erschütterungsarm mit dem Rollstuhl/Rollator auf dem Gehweg fahren.
28,9
35,9
(115)
42,0
(50)
38,7
(46)
Die Armatur ist mit einer Hand zu bedienen.
27,9
23,9
(17)
29,6
(8)
50,0
(13)
Insgesamt bietet die Wohnung ausreichend Platz, damit ich mich (mit meinem Hilfsmit-
tel) frei bewegen kann.
26,6
31,2
(88)
41,1
(30)
43,9
(43)
Der Hauseingang ist stufenlos und schwellenlos erreichbar.
25,3
32,0
(227)
43,6
(68)
43,9
(72)
Ich kann mich problemlos auf das WC setzen und wieder aufstehen.
23,6
24,5
(56)
23,5
(23)
34,5
(38)
Der Briefkasten ist für mich ohne Hindernisse erreichbar und zu benutzen.
22,6
25,1
(58)
29,2
(31)
32,5
(37)
Die Haustür lässt sich leicht öffnen und ich kann sicher durchfahren, bevor sie sich wie-
der schließt.
22,2
23,7
(122)
34,4
(52)
36,7
(61)
Die Handläufe sind durchgehend und ermöglichen einen sicheren Halt beim Benutzen
der Treppe.
21,9
29,0
(56)
22,2
(19)
17,9
(15)
Das Bad bietet ausreichend Platz, damit ich mich mit meinem Hilfsmittel bequem bewe-
gen kann. Ich muss dafür nicht viel rangieren.
21,5
24,3
(150)
29,2
(45)
37,9
(67)
Die Stufen der Treppen sind bequem und gefahrlos begehbar ohne Stolper- oder Rutsch-
gefahr.
21,2
28,7
(70)
27,8
(25)
28,6
(26)
Klingel und Gegensprechanlage sind für mich gut erreichbar.
20,6
25,6
(42)
29,7
(27)
29,1
(32)
Der Flur ist breit genug, um ohne Rangieren durch alle Türen zu gelangen.
20,1
24,5
(95)
30,8
(32)
32,3
(42)
In meinem Bad ist eine Dusche vorhanden.
19,2
22,6
(94)
17,5
(14)
25,8
(25)
Das Waschbecken ist für mich gut mit meinem Hilfsmittel erreichbar.
19,1
22,3
(61)
26,8
(22)
34,4
(33)
Die Türklinke ist für mich gut erreichbar.
18,9
29,2
(26)
16,4
(9)
20,3
(14)
Die Küche bietet ausreichend Platz, um sich mit dem Hilfsmittel frei zu bewegen.
18,8
21,8
(83)
29,1
(34)
29,0
(40)
Die Handläufe sind gut zu greifen und ich kann sicher daran gehen.
18,6
26,9
(47)
21,1
(16)
16,5
(14)
Es ist ausreichend Platz für alle Dinge, die ich unterbringen möchte.
17,6
23,2
(46)
17,8
(13)
21,0
(17)
Es gibt eine Terrasse/Balkon, die/der schwellen- und stufenlos erreichbar ist.
17,3
20,1
(147)
25,1
(47)
27,1
(55)
Im Eingangsbereich besteht die Möglichkeit, das Hilfsmittel abzustellen.
16,4
18,7
(70)
27,3
(30)
30,1
(40)
Es gibt einen Parkplatz für meine Wohnung, der sich in der Nähe des Hauseingangs
befindet und ohne Hindernisse erreichbar ist.
16,4
20,2
(65)
22,2
(20)
18,4
(16)
Der Türöffner ist für mich gut erreichbar.
16,4
18,5
(35)
21,0
(17)
25,0
(26)
Die Fläche vor und neben dem WC ist ausreichend, um mich mit meinem Hilfsmittel frei
zu bewegen und es gegebenenfalls abzustellen.
16,3
19,4
(118)
24,7
(39)
29,4
(53)
Ich kann auf dem WC sicher sitzen.
16,3
16,7
(11)
11,1
(5)
18,0
(9)
Stauräume und Griffe der Geräte sind problemlos erreichbar.
16,0
20,6
(44)
19,8
(21)
22,5
(27)
es trifft (eher) nicht zu und das beeinträchtigt mich in
Prozent (%) mit Anzahl der beeinträchtigten Personen
Kategorie A
Kategorie B
Kategorie C
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

73
Aussage laut Fragebogen
gesamt HMG 1
HMG 2
HMG 3
Meine Küche ist gut angeordnet, so dass ich kurze Wege habe und wenig rangieren
muss.
16,0
17,6
(35)
24,3
(17)
31,3
(25)
Die Fenster kann ich leicht öffnen und schließen.
15,6
13,3
(27)
16,8
(22)
20,8
30)
Der Bodenbelag ist auch bei Nässe gefahrlos begehbar.
15,4
17,5
(86)
26,4
(31)
25,0
(34)
Im Haus ist ein Aufzug vorhanden.
15,0
17,9
(134)
24,8
(41)
23,6
(41)
Ich kann den Wasserhahn auch im Sitzen gut erreichen.
14,8
16,1
(31)
24,4
(11)
33,3
(20)
In meiner Küche ist ausreichend Platz für einen Essplatz, den ich auch mit meinem Hilfs-
mittel gut nutzen kann.
13,8
15,9
(55)
17,5
(18)
19,0
(22)
Es ist genug Platz vorhanden, um mit dem Rollstuhl oder einem anderen Hilfsmittel zu
wenden.
13,6
19,4
(32)
26,2
(11)
26,8
(11)
Die Spülung lässt sich leicht erreichen und bedienen.
13,2
17,9
(15)
11,8
(6)
18,8
(9)
Der Balkon/Terrasse ist ausreichend groß, dass ich mich mit meinem Hilfsmittel prob-
lemlos bewegen kann.
12,9
16,7
(73)
14,0
(17)
20,3
(26)
Es ist ausreichend Platz neben dem Bett, um sich mit dem Hilfsmittel zu bewegen und
bei Bedarf umzusetzen.
12,4
14,8
(50)
17,6
(13)
18,9
(18)
Hindernisse oder gefährliche Bereiche vor dem Haus sind gut sichtbar und ausreichend
gekennzeichnet.
12,4
13,1
(34)
20,5
(17)
17,6
(15)
Ich kann mich im Sitzen und im Stehen im Spiegel über dem Waschbecken sehen.
11,3
12,6
(72)
21,2
(32)
20,2
(36)
Die Badtür lässt sich nach außen öffnen.
10,6
11,4
(49)
17,0
(18)
22,6
(24)
Der Wasserhahn an der Spüle kann mit einer Hand bedient werden.
10,5
10,2
(10)
25,0
(6)
21,6
(11)
Ein Abstellraum in meiner Wohnung ist schwellen- und stufenlos erreichbar und auch
mit dem Hilfsmittel benutzbar.
10,0
11,6
(71)
13,3
(22)
14,7
(27)
Es gibt einen gesonderten Abstellplatz oder -raum für das Hilfsmittel.
9,8
10,2
(64)
12,6
(22)
15,4
(29)
Aus einem Fenster meiner Wohnung kann ich auch sitzend heraussehen.
9,7
12,5
(40)
16,4
(12)
17,1
(14)
Beim Gehen in der Küche kann man sich durchgängig abstützen.
9,7
12,1
(26)
11,4
(12)
13,8
(15)
Es ist eine Rampe vorhanden, um den Hauseingang zu erreichen.
9,3
11,1
(106)
19,6
(41)
21,5
(47)
Der Weg vor dem Haus ist ausreichend breit, so dass sich auch zwei Rollstuhlfahrer
begegnen können.
9,2
9,1
(26)
15,6
(14)
13,7
(13)
An der Toilette befinden sich Stützklappgriffe, die ich gut benutzen kann.
8,8
9,7
(74)
12,1
(19)
15,3
(27)
Ich kann auch im Sitzen über die Brüstung sehen.
8,7
10,0
(40)
11,7
(13)
15,2
(19)
Das Waschbecken ist unterfahrbar.
8,7
9,1
(52)
19,5
(25)
26,4
(37)
In der Küche sind Herd, Arbeitsfläche und Spüle unterfahrbar.
8,1
8,1
(68)
16,3
(37)
16,3
(42)
Das Bett ist für mich von mindestens zwei Seiten problemlos erreichbar.
6,7
7,6
(44)
8,9
(17)
9,3
(19)
In meinem Bad ist eine Badewanne vorhanden.
6,0
5,7
(15)
8,1
(9)
9,3
(9)
In der Wohnung gibt es ein zweites Bad.
3,5
3,8
(34)
5,0
(12)
5,7
(14)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

74
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG
In jeder HMG haben unterschiedlich viele Teilnehmer/-innen geantwortet. Bei HMG 1
waren es etwa 3-mal so viele Teilnehmer/-innen wie in den anderen HMG. Darüber
hinaus haben manche Teilnehmer/-innen einige Fragen nicht beantwortet. Deshalb
können die Absolutwerte der Antwortanzahl nicht direkt miteinander verglichen wer-
den. Kriterien als gar nicht relevant auszuschließen, weil eine zu geringe Anzahl an Ant-
worten vorliegt, erscheint nicht richtig. Es kann sich dabei um Anforderungen handeln,
deren Nichteinhaltung zu einem Nutzungsausschluss für Menschen mit Behinderung
führt. Dies widerspräche den Anforderungen der UN-BRK. Zur Frage inwieweit Kriterien
bei der baulichen Ausgestaltung von bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen unab-
dingbar zu erfüllen sind, folgt im nachfolgenden Kapitel eine qualitative Bewertung.
Besonders gering sind die Antwortzahlen für Fragen die sich auf eine vorhergehende
Hauptfrage beziehen. Dies beruht darauf, dass nicht alle Befragten die Hauptfrage mit
trifft (eher) zu
beantwortet haben. Damit ist die Zahl derer, die die Unterfragen über-
haupt beantwortet konnten, noch einmal geringer. Im Fragebogen beinhalteten diese
Fragen Kriterien, die für die Spezifizierung von Ausstattungselementen von Interesse
sind. Derartige Fragen wurden z.B. zur Ausführung von Aufzügen, Rampen oder Du-
schen gestellt.
Für einige Anforderungen an die Ausgestaltung der Dusche haben ausreichend
Teilnehmer/-innen Aussagen getroffen. Insbesondere Schwellenlosigkeit und sichere
Benutzbarkeit sind für die Befragten wichtig (vgl. dazu Tabelle 10).
Tabelle 10 – Bewertung der Kriterien bezogen auf die Dusche
Frage laut Fragebogen
HMG 1
HMG 2
HMG 3
Die Dusche ist schwellen- und stufenlos erreichbar.
21,8 %
(75)
30,0 %
(24)
35,0 %
(28)
Die Duscharmatur kann ich mit einer Hand gut benutzen.
19,0 %
(19)
21,4 %
(9)
24,5 %
(13)
Der Bodenbelag in der Dusche ist gefahrlos begeh- und
befahrbar durch einen rutschhemmenden Untergrund.
15,5 %
(45)
18,8 %
(16)
25,6 %
(21)
Die Duscharmatur mit Handbrause ist für mich ohne
Hindernisse erreichbar und benutzbar.
13,9 %
(17)
20,4 %
(11)
22,1 %
(15)
In der Dusche gibt es eine Sitzgelegenheit bzw. es kann noch
eine nachgerüstet werden.
23,9 %
(28)
14,8 %
(8)
29,8 %
(14)
In der Dusche befinden sich Haltegriffe, die ich gut benutzen
kann.
13,4 %
(34)
16,9 %
(14)
20,7 %
(18)
Bei der Auswertung von Tabelle 9 ist auffällig, dass ein fehlender Aufzug im Gebäude
aufgrund der Anzahl derer, die dies als Beeinträchtigung empfinden, nicht in die höchs-
te Kategorie eingestuft werden muss. Wenn ein Mensch mit Behinderung auf einen
Rollstuhl angewiesen ist, kann er seine Wohnung nur dann verlassen, wenn er im Erd-
geschoss wohnt, oder ein Aufzug vorhanden ist. In allen HMG wohnten bis zu 2/3 der
Teilnehmer/-innen nicht ausschließlich im Erdgeschoss (siehe dazu Tabelle 11). Bezieht

75
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG
man in die Bewertung der Antworthäufigkeit die Tatsache, dass alle die im Erdgeschoss
wohnen, diese Frage nicht als relevant, weil für sie nicht zutreffend, angesehen haben
mit ein, dann ergibt sich für die Frage nach der Notwendigkeit eines Aufzuges im Haus,
die höchste Priorität.
Tabelle 11 – Etage in der die Wohnung liegt, die der Teilnehmer bewohnt, n= 1426
Wohnetage
Erdgeschoss
1. Etage
2. Etage + x
auf mehreren
Etagen
HMG 1
33,5 %
29,3 %
28,9 %
8,3 %
HMG 2
42,6 %
23,1 %
27,2 %
7,1 %
HMG 3
44,4 %
24,3 %
26,5 %
8,0 %
Anders ist das bei den Fragen, wie der Aufzug ausgestattet sein muss. Dort zeigt die
niedrige Antwortanzahl (n= 0 - 7), wie gering die Teilnehmer die Wichtigkeit der folgen-
den Fragen einschätzen:
യയയയ
Vor dem Aufzug ist ausreichend Platz, um zu wenden.
യയയയ
Im Fahrkorb ist ein Handlauf, an dem ich mich gut festhalten kann.
യയയയ
Für mich sind die Tasten des Aufzugs gut erreichbar.
യയയയ
Der Fahrkorb verfügt über einen Spiegel.
യയയയ
Vor dem Aufzug können auch zwei Rollstuhlfahrer aneinander vorbei fahren.
Welche Ausstattung ein Aufzug notwendigerweise haben muss, um als bedarfsgerecht
barrierefrei angesehen werden zu können, kann auf Grundlage dieser Befragung nicht
beantwortet werden. Hierzu sollten weitere Untersuchungen erfolgen.
5.2.3 Fazit für motorische Behinderungen
Als Schwerpunktbereiche für die bedarfsgerecht barrierefreie Gestaltung von Wohnun-
gen und Wohnumfeld werden von den Befragten die Bereich
Treppen und Aufzüge
, der
Zugangsbereich
und das
Bad
empfunden. Die höchste Beeinträchtigung bezogen auf die
als problematisch wahrgenommenen Kriterien besteht im
Zugangsbereich
des Hauses,
gefolgt vom
Bad
. Eine Übersicht zu den Kriterien, die in allen HMG in Kategorie A einge-
ordnet wurden, enthält Tabelle 12.

76
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG
Tabelle 12 – Kriterien die in allen HMG in Kategorie A (sehr wichtig) eingeordnet wurden
Bereich
Kriterium
nahes Wohnumfeld
Der Gehweg vor dem Haus ist eben und fest, so dass er leicht und sicher
passierbar ist.
nahes Wohnumfeld
Ich kann leicht und erschütterungsarm mit dem Rollstuhl/Rollator auf dem
Gehweg fahren.
Zugangsbereich
Der Müllcontainer ist für mich ohne Hindernisse erreichbar und zu benutzen.
Zugangsbereich
Der Hauseingang ist stufenlos und schwellenlos erreichbar.
Zugangsbereich
Der Briefkasten ist für mich ohne Hindernisse erreichbar und zu benutzen.
Zugangsbereich
Die Haustür lässt sich leicht öffnen und ich kann sicher durchfahren, bevor
sie sich wieder schließt.
Zugangsbereich
Klingel und Gegensprechanlage sind für mich gut erreichbar.
allgemeiner
Wohnbereich
Insgesamt bietet die Wohnung ausreichend Platz, damit ich mich
(mit meinem Hilfsmittel) frei bewegen kann.
allgemeiner
Wohnbereich
Der Flur ist breit genug, um ohne Rangieren durch alle Türen zu gelangen
Bad
Die Armatur ist mit einer Hand zu bedienen.
Bad
Ich kann mich problemlos auf das WC setzen und wieder aufstehen.
Bad
Das Bad bietet ausreichend Platz, damit ich mich mit meinem Hilfsmittel
bequem bewegen kann. Ich muss dafür nicht viel rangieren.
Bei der Betrachtung von Kategorie A und B zeigt sich eine deutlich stärkere Problematik
im Bad und in der Küche (vgl. dazu Tabelle 13). Die dort enthaltenen Fragestellungen
sind insbesondere bei Nutzung eines Rollstuhles von Bedeutung. Eine bei Nutzung von
Gehhilfen noch mögliche Anpassung an die vorgefundene Situation, kann bei Rollstuhl-
nutzung nicht mehr erfolgen.

77
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG
Tabelle 13 – Kriterien die in allen HMG in Kategorie A (sehr wichtig) oder B (durchschnittlich wichtig)
eingeordnet wurden
Bereich
Kriterium
Bad
In meinem Bad ist eine Dusche vorhanden.
Bad
Das Waschbecken ist für mich gut mit meinem Hilfsmittel erreichbar.
Bad
Der Bodenbelag ist auch bei Nässe gefahrlos begehbar.
Bad
Die Fläche vor und neben dem WC ist ausreichend, um mich mit meinem
Hilfsmittel frei zu bewegen und es gegebenenfalls abzustellen.
Küche
Es ist ausreichend Platz für alle Dinge, die ich unterbringen möchte.
Küche
Die Küche bietet ausreichend Platz, um sich mit dem Hilfsmittel frei zu
bewegen.
Küche
Stauräume und Griffe der Geräte sind problemlos erreichbar.
Küche
Meine Küche ist gut angeordnet, so dass ich kurze Wege habe und wenig
rangieren muss.
allgemeiner Wohn-
bereich
Es gibt eine Terrasse/Balkon, die/der schwellen- und stufenlos erreichbar
ist.
Zugangsbereich
Im Eingangsbereich besteht die Möglichkeit, das Hilfsmittel abzustellen.
nahes Wohn-
umfeld
Es gibt einen Parkplatz für meine Wohnung, der sich in der Nähe des Haus-
eingangs befindet und ohne Hindernisse erreichbar ist.
Treppen und
Aufzüge
Im Haus ist ein Aufzug vorhanden.
Es zeigt sich, dass Fragestellungen die in einer HMG als besonders wichtig eingeschätzt
wurden, in einer anderen HMG als weniger wichtig (in Kategorie C) bewertet worden
sind. Darüber hinaus geht in diese, rein qualitative Auswertung nicht ein, inwieweit die
bewerteten Kriterien durch Nachrüstung erfüllt werden könnten, oder ob sie zum Bei-
spiel sicherheitsrelevant sind.
Deshalb erfolgte eine weitere qualitative Bewertung der Ergebnisse und eine Zuord-
nung zu Kriterien die unabdingbar sind, Kriterien deren Einhaltung notwendig ist und
Kriterien deren Einhaltung wünschenswert erscheint.
Da die Wichtung der Kriterien bei den HMG teilweise sehr unterschiedlich ausfällt, wer-
den für jede HMG jeweils eigene Kriterienkataloge für bedarfsgerecht barrierefreies
Wohnen erarbeitet.

image
78
5.3 Stichprobe Fragebogen sensorische Behinderung
5.3.1 Aussagen zu Selbstbestimmung und Sicherheitsgefühl
In der Auswertung dieser Fragen für den Datensatz der sensorisch Behinderten zeigte
sich, dass die größten Probleme bei den Fragen zum Komplex “
Wie wirkt sich die Gestal-
tung auf ihre Selbstbestimmung und Ihr Sicherheitsgefühl aus?
” für die Aussage
“… fühle
ich mich sicher und habe keine Angst, mich zu verletzen oder etwas falsch zu machen.”
getroffen wurden. Insbesondere für die Bereiche
Treppen und Aufzüge, Zugangsbereich
und
Wohnumfeld
wurden, wie in Abbildung 39 dargestellt, häufiger die Aussagen
stim-
me eher nicht zu
und
stimme gar nicht zu
getroffen.
Die Aussagen zu
“… kann ich mich gut orientieren, wo ich bin und was zu beachten ist.”
und
“… kann ich mich selbständig und problemlos bewegen und betätigen.”
wurden
deutlich positiver bewertet.
Auch für die Antworten der Menschen mit sensorischer Behinderung muss bei den Aus-
sagen zum
Wohnumfeld davon ausgegangen werden, dass die Teilnehmer/-innen mit
ihren Aussagen stärker auf den öffentlichen Raum abzielen, als auf den Bereich von der
Grundstücksgrenze bis zum Gebäude, da für sie der Unterschied nicht erkennbar ist.
Eine Abgrenzung, welche Aussagen zur Außenanlages des Gebäudes und welche zum
öffentlichen Raum gehört, ist nicht möglich.
Die Gesamtübersicht über alle sensorisch Behinderten erlaubt keine Aussage dazu, in-
wieweit Unterschiede bei den Menschen mit Hörbehinderung zu den Menschen mit
Sehbehinderung bestehen. Deshalb war es notwendig, die Aussagen in Bezug auf Be-
troffenheit der Teilnehmer/-innen zu überprüfen, um zu ermitteln, ob bei einer Betrof-
fenheit besonders starke Einschränkungen bei der selbstständigen Benutzung eines Be-
Abbildung 39 – subjektive Angst sich zu verletzen,Fragebogen sensorische Behinderung gesamt
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
79
Abbildung 40 – subjektive Angst sich zu verletzen, sehbehindert/blind; (Mehrfachnennung möglich)
reiches wahrgenommen wurden.
Sehbehindert/Blind
Personen die eine Sehbehinderung haben oder blind sind, fühlen sich in ihrer Sicherheit
zu einem überwiegenden Teil nicht oder kaum beeinträchtigt. Sie stimmten der Aussage
“Ich fühle mich im jeweiligen Wohnbereich sicher und habe keine Angst, mich zu verlet-
zen oder etwas falsch zu machen”
voll oder eher zu (siehe dazu Abbildung 40).
Die größten Schwierigkeiten wurden im
nahen Wohnumfeld
wahrgenommen. Dort
stimmen insgesamt 27,8 % der Aussage
“Ich fühle mich im Wohnumfeld sicher und habe
keine Angst, mich zu verletzen oder etwas falsch zu machen”
eher nicht oder gar nicht
zu. Weitere Schwerpunkte waren der
Zugangsbereich
zum Haus und
Treppen und Auf-
züge
. Insgesamt gaben 19,2 % bzw. 17,7 % an, in diesen Bereichen Angst zu haben sich
zu verletzen oder etwas falsch zu machen.
Hörbehindert/Gehörlos
Personen mit Hörbehinderung oder Gehörlosigkeit gaben seltener als Menschen mit
Sehbehinderung oder Blindheit an, sie fühlten sich im jeweiligen Wohnbereich nicht si-
cher und hätten Angst, sich zu verletzen oder etwas falsch zu machen. Schwerpunkt bei
dieser Personengruppe war auch das
nahe Wohnumfeld
. Hier sagen 13,3 % die Aussage
“Ich fühle mich im Wohnumfeld sicher und habe keine Angst, mich zu verletzen oder
etwas falsch zu machen”
trifft eher nicht oder gar nicht zu. Für Bad sowie Aufzug und
Treppen werden von 11,9 % und 11,3 % negative Aussagen zu der Frage gemacht.
Für die Aussage
“… kann ich mich selbständig und problemlos bewegen und betätigen.”
ergeben sich insbesondere für das
nahe Wohnumfeld
deutlich negativere Aussagen als
zur eben betrachteten Fragestellung (vgl. dazu Abbildung 41). Hier sagen 26,8 % trifft
eher nicht oder gar nicht zu. Auch der
Zugangsbereich
wird für diese Fragestellung ne-
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

image
80
gativer bewertet. 16,6 % sagen dass sie sich im
Zugangsbereich
eher nicht oder gar nicht
selbständig und problemlos bewegen und betätigen können.
5.3.2 Beeinträchtigung wegen nicht vorhandener Wohnungseigenschaft
Auch für den Datensatz zum
Fragebogen sensorische Behinderung
wurden die Daten
wie beim
Fragebogen motorische Behinderung
ausgewertet (vgl. 5.2.2.). Die Aussagen
der Gesamtstichprobe nach Prozentanteil der Antworten
das beeinträchtigt mich
be-
zogen auf die Antwort
das trifft(eher) nicht zu
wurden in absteigender Reihe sortiert.
Nicht berücksichtigt wurden hierbei Aussagen, die sich auf eine vorangegangene Frage
beziehen, diese wurden gesondert ausgewertet. Die Kategorisierung nach Wichtigkeit
der Kriterien ist Grundlage für die Erarbeitung des Kriterienkatalogs für bedarfsgerecht
barrierefreie Wohnungen.
Die Häufigkeit einer Aussage ergab, ob sie als sehr wichtig, als durchschnittlich wichtig
oder als weniger wichtig angesehen wird. Deshalb erfolgte auch hier eine Einteilung in
drei Kategorien (A, B und C), wie in Tabelle 13 dargestellt. Dabei ist davon auszugehen,
dass die Einhaltung aller Kriterien in Kategorie A für eine bedarfsgerecht barrierefreie
Wohnung sehr wichtig ist. Die Einhaltung der Kriterien der Kategorie B ist durchschnitt-
lich wichtig und die der Kategorie C weniger wichtig.
Die Auswertung der Aussagen zur Beeinträchtigung durch nicht vorhandene Eigenschaf-
ten eines baulichen Kriteriums zeigt Unterschiede nach der Betroffenheit (Hörbehinde-
rung oder Sehbehinderung). Deshalb muss eine Auswertung nach Beeinträchtigung er-
folgen um die tatsächlichen Probleme zu identifizieren. In Tabelle 13 ist dargestellt, wie
die Fragestellungen insgesamt und für beide Betroffenheiten zu den Kategorien A bis C
zugeordnet wurden. Die Zahlenwerte geben zum besseren Vergleich die Prozentangabe
der Antworten
das beeinträchtigt mich
bezogen auf die Antwort
das trifft (eher) nicht
Abbildung 41 – selbst empfundenen Selbstbestimmung, hörbehindert/gehörlos; (Mehrfachnennung möglich)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

81
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG
zu
an. Die Klammerwerte verweisen auf die Anzahl der Teilnehmer/-innen die diese
Antwort gegeben haben.
Insgesamt muss festgestellt werden, dass nur bei wenigen Fragen eine größere Anzahl
von Teilnehmern/-innen ausgesagt hat, dass sie die Nichterfüllung des Kriteriums beein-
trächtigt. Insbesondere wurden sicherheitsrelevante und einige die Benutzung verhin-
dernde Kriterien als wichtig empfunden.
Für die Aussagen zu den Kriterien, die sich auf die vorhergehende Frage beziehen, er-
folgte ebenfalls eine quantitative Auswertung unter Einbeziehung aller Unterfragen zur
Hauptfrage. Da bereits die Hauptfrage nur von wenigen Teilnehmern beantwortet wur-
de, ist die Zahl derer, die sich durch eine nicht erfüllte Eigenschaft beeinträchtigt füh-
len, naturgemäß gering. Tabelle 14 zeigt, wie die auf den Aufzug bezogenen Kriterien
bewertet wurden. Als besonders relevant wurden alle mit der Bedienung verbundenen
Probleme eingeschätzt. Auffällig ist, dass auch gehörlose Teilnehmer/-innen nicht er-
füllte Kriterien, die eigentlich für seheingeschränkte Benutzer/ -innen wichtig sind, als
Beeinträchtigung empfanden. Dies ist vermutlich auf altersbedingte Einschränkungen
der Sinne zurückzuführen
41
.
Tabelle 14 – Bewertung der Kriterien bezogen auf den Aufzug
Frage laut Fragebogen
sehbehindert
GdB >80
gehörlos
GdB >80
Ich kann alle Tasten im und am Fahrstuhl gut erkennen und bedienen.
30,0 %
(9)
38,9 %
(7)
Ich kann die Beschriftung gut erkennen bzw. ertasten.
31,0 %
(13)
24,6 %
(7)
Es gibt im Aufzug eine Anzeige für "Bitte sprechen" bzw. "Hilfe kommt".
22,2 %
(6)
27,8 %
(10)
Im Fahrstuhl ist die Beleuchtung ausreichend hell und blendfrei.
20,0 %
(3)
20,0 %
(2)
Im Aufzug wird die Etage laut und deutlich angesagt.
16,3 %
(14)
15,0 %
(12)
An den Tasten gibt es zusätzlich eine Beschriftung in Brailleschrift.
12,3 %
(8)
8,3 %
(4)
41
vgl. dazu. Marsiske, Michael et al. (2010).

82
Tabelle 17 – Zuordnung zu Kategorie A, B und C, sensorische Behinderungen
es trifft (eher) nicht zu und das beeinträchtigt mich in
Prozent mit Anzahl der beeinträchtigten Personen
Kategorie A
Kategorie B
Kategorie C
Bereich
Aussage laut Fragebogen
gesamt
sehbehindert
GdB >80
gehörlos
GdB >80
Eingangsbereich
Die Tür ist gut zu erkennen.
25,4
33,3
(11)
22,2
(4)
Wohnumfeld
Der Gehweg vor dem Haus ist eben und fest, so dass er leicht
und sicher passierbar ist.
25,0
30,1
(22)
15,0
(9)
Eingangsbereich
Der Hauseingang ist hell genug beleuchtet, auch bei Regen.
23,2
26,7
(23)
15,9
(7)
Eingangsbereich
Die Hausnummer und andere Schilder sind gut zu erkennen.
23,0
25,4
(35)
26,3
(15)
Aufzüge/Treppen
Ich kann den Anfang und das Ende der Treppe deutlich
erkennen.
21,7
25,0
(44)
29,7
(22)
Eingangsbereich
Die Klingelschilder sind kontrastreich gestaltet und ohne
Blendung durch Licht gut zu erkennen.
21,1
25,0
(40)
16,3
(13)
Aufzüge/Treppen
Die Stufen der Treppen im Haus sind bequem und gefahrlos
begehbar.
20,7
26,9
(18)
23,4
(11)
Eingangsbereich
Man erkennt an der Tür, wenn sie zum Öffnen freigegeben ist.
20,1
26,9
(18)
27,7
(44)
Aufzüge/Treppen
Die Stufen im Haus sind beim Hoch- und Runtergehen für mich
gut erkennbar.
20,1
18,6
(18)
23,4
(11)
Eingangsbereich
Der Hauseingang ist gut zu erkennen und leicht zu finden.
20,0
20,0
(8)
9,1
(2)
Küche
Die Beleuchtung ist ausreichend hell und blendet nicht.
19,6
25,7
(9)
17,4
(4)
Wohnbereich
Stufen und Schwellen sind in meiner Wohnung nicht
vorhanden bzw. sind leicht zu erkennen.
18,9
20,3
(16)
15,9
(11)
Wohnbereich
Die Gegensprechanlage ist auch für Schwerhörige und
Gehörlose geeignet.
18,0
10,7
(16)
22,7
(58)
Bad
In meinem Bad gibt es keine schwer erkennbaren Schwellen,
Vorsprünge und Kanten an denen ich mich verletzen könnte.
17,7
20,0
(16)
24,6
(15)
Küche
Meine Küche ist so gestaltet, dass ich mich dort gut
zurechtfinde.
17,0
13,0
(3)
22,2
(4)
Wohnbereich
Geräusche von außen stören in meiner Wohnung nicht.
16,0
13,9
(11)
20,2
(19)
Aufzüge/Treppen
Die Handläufe sind durchgehend und ermöglichen einen
sicheren Halt beim Benutzen der Treppe.
15,6
23,0
(14)
18,2
(8)
Bad
Die Beleuchtung am Spiegel ist ausreichend hell und blendet
nicht.
15,4
15,3
(9)
18,4
(7)
Wohnbereich
Die Beleuchtung in der Wohnung ist für mich ausreichend und
blendet nicht.
14,2
15,2
(7)
11,1
(3)
Aufzüge/Treppen Die Handläufe im Haus sind gut erkennbar.
14,1
14,3
(10)
23,1
(6)
Wohnbereich
Ich habe eine Gegensprechanlage mit Bild. Man erkennt wer
an der Haustür steht.
13,2
7,5
(14)
19,7
(58)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

83
Bereich
Aussage laut Fragebogen
gesamt
sehbehindert
GdB >80
gehörlos
GdB >80
Bad
An der Badewanne sind Haltegriffe, die beim Ein- und
Aussteigen helfen.
13,0
14,0
(25)
14,2
(22)
Aufzüge/Treppen Im Treppenhaus ist die jeweilige Etage für mich gut erkennbar.
12,6
14,3
(17)
16,7
(10)
Wohnbereich
Es gibt ein Lichtsignal, wenn jemand an der Tür klingelt.
12,3
7,6
(13)
20,1
(32)
Wohnbereich
Lichtschalter und Steckdosen sind gut zu erkennen.
12,0
16,9
(15)
5,4
(3)
Eingangsbereich
Die Klingelschilder sind auch durch Abtasten lesbar.
11,6
16,3
(37)
9,4
(13)
Wohnumfeld
Hindernisse oder gefährliche Bereiche vor dem Haus sind
deutlich gekennzeichnet.
11,2
14,9
(29)
9,0
(12)
Bad
Der Bodenbelag in meinem Bad ist rutschhemmend.
9,9
9,8
(17)
15,9
(21)
Bad
In der Dusche befinden sich Haltegriffe, die ich gut benutzen
kann.
9,7
10,7
(20)
11,1
(15)
Eingangsbereich
Der Anfang und das Ende der Rampe sind gut und sicher zu
erkennen.
9,1
12,3
(14)
10,0
(8)
Eingangsbereich
Man kann den Hauseingang gut finden, weil es am Weg
Begrenzungen gibt, an denen man entlangtasten kann.
9,1
11,4
(13)
9,5
(7)
Küche
Die Küchengriffe sind ausreichend groß und kontrastreich
gestaltet.
8,9
9,7
(6)
9,3
(4)
Wohnumfeld
Bereiche an denen man sich den Kopf stoßen kann, sind mit
dem Langstock gut zu ertasten.
8,6
11,0
(15)
9,2
(9)
Küche
In der Küche gibt es keine vorstehenden Kanten oder
Vorsprünge an denen ich mich verletzen könnte.
7,2
9,1
(7)
6,2
(4)
Küche
Beim Gehen in der Küche kann ich mich durchgängig abstützen.
7,0
6,8
(5)
4,8
(3)
Küche
Die Küchenmöbel sind kontrastreich zum Boden, zur
Arbeitsfläche und zur Wand gestaltet.
5,9
3,4
(2)
4,7
(2)
Bad
Wände und Boden im Bad sind farblich unterschiedlich
gestaltet.
5,8
9,4
(13)
9,0
(9)
Bad
Ausstattungselemente wie WC, Dusche und Waschbecken
heben sich farblich kontrastierend von ihrer Umgebung ab.
5,7
7,7
(13)
9,6
(11)
Aufzüge/Treppen
Die Enden der Handläufe sind so gestaltet, dass ich nicht mit
der Kleidung hängen bleibe.
5,6
6,2
(4)
11,4
(5)
Aufzüge/Treppen In meinem Wohnhaus ist ein Aufzug vorhanden.
4,2
2,7
(7)
3,5
(8)
Wohnbereich
Türen und Türklinken sind kontrastreich gestaltet.
4,1
4,5
(5)
2,6
(2)
Wohnbereich
Das Licht spiegelt sich nicht im Bodenbelag.
4,0
3,8
(3)
1,7
(1)
Wohnbereich
Die Sockelleisten bzw. Wände in der Wohnung sind
kontrastierend zum Fußboden gestaltet.
2,8
2,8
(4)
2,2
(2)
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

84
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG
5.3.3 Fazit für sensorische Behinderungen
Schwerpunktbereiche für die bedarfsgerecht barrierefreie Gestaltung von Wohnungen
und Wohnumfeld sind nach Aussage der Befragten die Bereiche
Treppen und Aufzüge
,
der
Zugangsbereich
und das
Bad
. Die höchste Beeinträchtigung bezogen auf die als pro-
blematisch wahrgenommenen Kriterien bestand bei
Treppen und Aufzügen
gefolgt vom
Zugangsbereich
des Hauses. Eine Übersicht zu den Kriterien die in allen HMG in Katego-
rie A eingeordnet wurden, enthält Tabelle 15.
Tabelle 15 – Kriterien, die bei beiden Betroffenheiten in Kategorie A (sehr wichtig) eingeordnet wurden
Bereich
Kriterium
Treppen und
Aufzüge
Ich kann den Anfang und das Ende der Treppe deutlich erkennen.
Treppen und
Aufzüge
Die Stufen der Treppen im Haus sind bequem und gefahrlos begehbar.
Treppen und
Aufzüge
Die Stufen im Haus sind beim Hoch- und Runtergehen für mich gut erkennbar.
Treppen und
Aufzüge
Die Handläufe sind durchgehend und ermöglichen einen sicheren Halt beim
Benutzen der Treppe.
Zugangsbereich
Man erkennt an der Tür, wenn sie zum Öffnen freigegeben ist.
Zugangsbereich
Die Hausnummer und andere Schilder sind gut zu erkennen.
Zugangsbereich
Die Tür ist gut zu erkennen.
Bad
In meinem Bad gibt es keine schwer erkennbaren Schwellen, Vorsprünge und
Kanten an denen ich mich verletzen könnte.
Bei der Betrachtung der Kategorien A und B (vgl. Tabelle 16) zeigt sich eine deutlich stär-
kere Problematik im
Zugangsbereich
des Hauses, aber auch im
allgemeinen Wohnbe-
reich
und im
Bad
. Die dort enthaltenen Fragestellungen haben wiederum mit Sicherheit
und Benutzbarkeit zu tun.

85
ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG
Tabelle 16 – Kriterien, die bei beiden Betroffenheiten in Kategorie A (sehr wichtig) oder B (durchschnitt-
lich wichtig) eingeordnet wurden
Bereich
Kriterium
Zugangsbereich
Die Klingelschilder sind kontrastreich gestaltet und ohne Blendung durch
Licht gut zu erkennen.
Zugangsbereich
Der Hauseingang ist hell genug beleuchtet, auch bei Regen.
Zugangsbereich
Die Gegensprechanlage ist auch für Schwerhörige und Gehörlose geeignet.
Zugangsbereich
Die Beleuchtung ist ausreichend hell und blendet nicht.
Zugangsbereich
Der Anfang und das Ende der Rampe sind gut und sicher zu erkennen.
allgemeiner
Wohnbereich
Stufen und Schwellen sind in meiner Wohnung nicht vorhanden bzw. sind
leicht zu erkennen.
allgemeiner
Wohnbereich
Geräusche von außen stören in meiner Wohnung nicht.
allgemeiner
Wohnbereich
Die Beleuchtung in der Wohnung ist für mich ausreichend und blendet nicht.
Bad
Die Beleuchtung am Spiegel ist ausreichend hell und blendet nicht.
Bad
An der Badewanne sind Haltegriffe, die beim Ein- und Aussteigen helfen.
Bad
In der Dusche befinden sich Haltegriffe, die ich gut benutzen kann.
Treppen und
Aufzüge
Die Handläufe im Haus sind gut erkennbar.
Treppen und
Aufzüge
Im Treppenhaus ist die jeweilige Etage für mich gut erkennbar.
nahes
Wohnumfeld
Der Gehweg vor dem Haus ist eben und fest, so dass er leicht und sicher
passierbar ist.
nahes
Wohnumfeld
Man kann den Hauseingang gut finden, weil es am Weg Begrenzungen gibt,
an denen man entlangtasten kann.
Küche
Meine Küche ist so gestaltet, dass ich mich dort gut zurechtfinde.
Aus der Behinderung der Befragten heraus ist dieses Ergebnis nicht vollständig zu erklä-
ren. Menschen mit Sehbehinderung haben Kriterien für hörbehinderte Menschen als
wichtig eingestuft und umgekehrt. Das ist nur mit dem hohen Altersdurchschnitt der
Stichprobe zu begründen. Nach Marsiske (2010)
42
verringern sich auch bei gesundem
Altern die sensorischen Kompetenzen im Alter deutlich. Diese altersbedingten Einschrän-
kungen führen zu vergleichbaren Beeinträchtigungen, wie leichten Behinderungen. Da
die Wichtung der Kriterien bei den beiden Betroffenheiten teilweise sehr unterschied-
lich ausfällt, wurden jeweils eigene Kriterienkataloge für bedarfsgerecht barrierefreies
Wohnen erarbeitet.
42
Marsiske, Michael et al. (2010).

86

87
6 Kriterienkataloge für
bedarfsgerecht barrierefreie
Wohnungen
6.1 Qualitative Bewertung der Kriterien
Auf Basis der statistischen Auswertung, wie viele Befragte sich beeinträchtig fühlen,
wenn ein Kriterium nicht zutrifft, erfolgte eine qualitative Bewertung zur Einordnung
aller Anforderungen in einen Kriterienkatalog für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnun-
gen. Es erfolgte eine Unterscheidung ob die Kriterien:
യയയയ
sicherheitsrelevant sind,
യയയയ
einen Nutzungsausschluss für eine Benutzergruppe bedeuten würden oder
യയയയ
eine Nachrüstbarkeit gegeben ist.
Es kann davon ausgegangen werden, dass die Kriterien, die aufgrund der Häufigkeit ih-
rer Nennung in Kategorie A eingeordnet wurden, am wichtigsten sind, also unabdingbar
sind, um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit zu erreichen. Die Kriterien in Kategorie
B haben eine mittlere Wichtigkeit, sie sind notwendig für eine bedarfsgerechte Barrie-
refreiheit. Die Kriterien in der Kategorie C sind weniger wichtig, ihre Einhaltung ist den-
noch wünschenswert. Nach der qualitativen Bewertung erfolgte aus den Kategorien A,
B und C wie in Tabelle 19 dargestellt eine Ableitung von unabdingbar zu erfüllenden
Kriterien, notwendigen Kriterien und Kriterien der Erfüllung wünschenswert ist.
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

88
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN
Tabelle 18 – Definition unabdingbare, notwendige und wünschenswerte Kriterien
Kategorie
Definition
U
Kriterien deren Einhaltung
unabdingbar ist
Kriterien, die als sicherheitsrelevant eingestuft wurden oder bei Nicht-
einhaltung zu einem Nutzungsausschluss für die Benutzergruppe führen
würden und in Kategorie A und B stehen, aber nicht nachrüstbar sind
N
Kriterien deren Einhaltung
notwendig ist
Kriterien aus Kategorie A und B, die durch Nachrüstung erfüllt werden
können, die Nachrüstung muss vorbereitet sein (z.B. Unterkonstruktion
vorgerichtet) oder die nicht als sicherheitsrelevant eingestuft wurden
oder die nicht zu einem Nutzungsausschluss für die Benutzergruppe
führen würden
W
Kriterien deren Einhaltung
wünschenswert ist
Kriterien der Kategorie C, wobei für als nachrüstbar eingestufte Kriterien
gilt, dass eine spätere Nachrüstung nur vorbereitet sein muss
Im Kriterienkatalog für die Hilfsmittelgruppen und die sensorischen Behinderungen
wurden die im Fragebogen in vereinfachter Form formulierten Kriterien wieder den ent-
sprechenden Normkriterien zugeordnet (vgl. dazu Punkt 3.3). Dazu musste da, wo ein
Bezug auf eine Bewegungsfläche besteht, die Bewegungsfläche für das jeweils verwen-
dete Hilfsmittel und für den Platzbedarf der Hilfspersonen definiert werden.
Es konnte davon ausgegangen werden, dass eine Bewegungsfläche nach DIN 18040-2
auf jeden Fall als ausreichend empfunden wird. Die dort angegebenen Werte beruhen
auf langjähriger Erfahrung beim Bauen für Menschen mit Behinderung. Nach der Nut-
zung der Hilfsmittel konnte für die HMG 1 eine Zuordnung zum Standard
barrierefrei
nutzbar
(vgl. dazu 3.1) und für die HMG 2 eine Zuordnung zum Standard
barrierefrei
und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar
nach DIN 18040-2 erfolgen. Für HMG 3
konnte keine Zuordnung zu Bewegungsflächen der DIN 18040-2 erfolgen. Diese Bewe-
gungsfläche musste neu ermittelt werden.
Der Durchmesser des Wendekreises bei Nutzung eines mechanischen Standardroll-
stuhls (vgl. dazu 3.2) beträgt je nach Fähigkeiten des Benutzers/ der Benutzerin und
der Konstruktion zwischen 1,50 m und 1,70 m. Der Durchmesser des Wendekreises von
Elektro-Rollstühlen und Pflegerollstühlen mit Hilfsperson beträgt je nach Konstruktion
1,85 m bis 2,10 m. Bei der in DIN 18040-2 für eine Rollstuhlnutzung vorgesehen Bewe-
gungsfläche von 1,50 m x 1,50 m wird davon ausgegangen, dass ein Wenden in meh-
reren Zügen erfolgt. Deshalb ist diese Fläche kleiner als der Wendekreis der Rollstühle.
Für die Ermittlung der Bewegungsfläche eines Elektro-Rollstuhls oder eines Rollstuhls
mit Pflegeperson wird deshalb diese Bewegungsfläche mit dem Faktor multipliziert, um
den der Durchmesser des Wendekreises eines Standard-Rollstuhl von dem Durchmes-
ser des Wendekreises von Elektrorollstühlen oder Rollstühlen mit Hilfsperson abweicht.
Daraus ergibt sich für diese Benutzung (HMG 3) notwendige Bewegungsfläche von 1,85
m x 1,85 m.
Für die Fälle, in denen der/ die Betroffene auf Hilfe angewiesen ist, ist eine Bewegungs-

89
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN
fläche für die Hilfsperson vorzusehen. Als notwendige Bewegungsfläche für die Hilfsper-
son gibt Pressalit
43
0,70 m lichten Freiraum neben dem Waschtisch und 0,75 m neben
WC und Duschsitz, über die ganze Tiefe des Sanitärobjektes, an. Andere Quellen fordern
noch größere Freiräume für eine Hilfsperson (vgl. dazu BAuA, 2013
44
und Arjo Huntleigt,
2015
45
). Der notwendige Freiraum für die Hilfsperson wurde hier mit 0,75 m mal 0,75 m
angenommen.
Zusammenfassend sind die sich ergebenden Bewegungsflächen in Tabelle 20 dargestellt.
Tabelle 19 – notwendige Bewegungsflächen für die verschiedenen Hilfsmittelgruppen
46
Kriterium
HMG 1
barrierefrei
HMG 2
barrierefrei
R
HMG 3
barrierefrei
R+
Jeweils vor den Sanitärobjekten wie WC-
Becken, Waschtisch, Badewanne und im
Duschplatz ist eine Bewegungsfläche an-
zuordnen.
Ausreichend ist eine Mindestfläche von...
1,20 m x 1,20 m
1,50 m x 1,50 m
1,85 m x 1,85 m
Jeweils neben den Sanitärobjekten wie
WC-Becken, Waschtisch und im Duschplatz
ist eine Bewegungsfläche für die Hilfs-
person anzuordnen. Ausreichend ist eine
Mindestfläche von...
Innerhalb dieser Fläche muss sich die Hilfs-
person frei bewegen können.
keine
Anforderung
keine
Anforderung
0,75 m x 0,75 m
6.2 Kriterienkataloge bedarfsgerecht barrierefreies Wohnen
Für alle HMG und die beiden sensorischen Behinderungen, wurden nach den vorgenann-
ten Kriterien der qualitativen Bewertung eigene
Kriterienkataloge bedarfsgerecht barri-
erefreies Wohnen
aufgestellt (siehe Anlage). Die Reihenfolge der Kriterien im Kriterien-
katalog entspricht der Wichtung
47
durch die Befragung und der qualitativen Bewertung.
In den Kriterienkatalogen sind die in den Fragebögen gestellten Fragestellungen den
Normkriterien aus DIN 18040-2 oder anderen Anforderungen aus der Literatur gegen-
über gestellt. Die Kriterien, die auch durch Nachrüstung erfüllbar sind, sind gesondert
markiert. Hierfür müssen nur die technischen Grundvoraussetzungen für die Nachrüs-
tung erfüllt sein (z.B. geeignete Unterkonstruktion um Stützgriffe bei Bedarf nachrüsten
zu können).
Unabdingbare Kriterien sind zu erfüllen, um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit zu
erreichen. Die
notwendigen Kriterien sollten für eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit
werden. Die Kriterien in der Kategorie
wünschenswert können erfüllt werden.
43
Pressalit Care GmbH (Hg.) (2015)
44
Ausschuss für Arbeitsstätten (2013)
45
Arjohuntleigh (Hg.) (2015)
46
siehe DIN 18040-2
47
Reihenfolge bei Sortierung absteigend nach Prozentanteil der Aussage
das beeinträchtigt mich

image
90
6.2.1 Beispiel A — Kriterienkatalog HMG 1, gehend mit Hilfsmittel
Beispielhaft dargestellt wird im Folgenden der Kriterienkatalog für Hilfsmittelgruppe 1.
Auf den folgenden Seiten sind für die jeweiligen Wohnbereiche die Kriterien des Kri-
terienkatalogs für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen für HMG 1 unterteilt nach
unabdingbaren, notwendigen und wünschenswerten Kriterien dargestellt. Für eine
leichtere Verständlichkeit sind hier nur die den Fragen im Fragebogen entsprechenden
Normkriterien aus DIN 18040-2 oder aus anderen Anforderungen der Literatur darge-
stellt. Die mit hellerem Farbton und
kursiv herausgehobenen Anforderungen sind durch
Nachrüstung erfüllbar.
Anforderungen an das nahe Wohnumfeld, gehend mit Hilfsmittel
unabdingbare Kriterien
Gehweg
fest und eben
leicht und erschütterungsarm mit dem Rollstuhl bzw. Rollator befahrbar
Neigung quer max. 2,5 %, Abführung von Oberflächenwasser längs max. 3 %
Teile mit maximal 6 % mit Zwischenpodesten nach maximal 10 m Länge
Parkplatz
in der Nähe der barrierefreien Zugänge
als barrierefreier Parkplatz gekennzeichnet, Beschilderung, Bodenmarkierung
notwendige Kriterien
Müllcontainer
stufen- und schwellenlos erreichbar, >1,20 m x 1,20 m Bewegungsfläche da-
vor
Platzangebot
mindestens 1,20 m x 1,20 m
wünschenswerte Kriterien
Hindernisse/
Gefahrenstellen
Wahrnehmung nicht vermeidbarer Hindernisse,
kontrastreich gestaltet
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

image
91
Gehweg zum
Eingang
mindestens 1,50 m breit
nach 15 m Wegelänge folgt eine Begegnungsfläche von
1,80 m × 1,80 m
Anforderungen an den Zugangsbereich, gehend mit Hilfsmittel
unabdingbare Kriterien
Hauseingang
stufen- und schwellenlos erreichbar
ohne Schwellen oder untere Türanschläge
Haustür
lichte Durchgangsbreite von 90 cm
leicht zu öffnen und schließen und sicher zu passieren
≤ 30 N, Moment ≤5 Nm (leicht zu öffnen und zu schließen)
Eingangsbereich
Abstellplatz für Hilfsmittel
ausreichend Bewegungsfläche >1,20 m x 1,20 m
notwendige Kriterien
Eingangstür
Drückerhöhe 85 cm – 105 cm
Laibungstiefe <26 cm
Klingel und Ge-
gensprechanlage
Lautsprecher und Mikrofon max. 85 cm – 105 cm hoch,
mit ausreichender Bewegungsfläche davor >1,20 m x 1,20 m
Briefkasten
in einer Höhe von 85 cm bis 105 cm
mit ausreichender Bewegungsfläche davor >1,20 m x 1,20 m
Türöffner
Drückerhöhe 85 cm – 105 cm
Laibungstiefe <26 cm
wünschenswerte Kriterien
Rampe
stufenloser Zugang zum Haus über Rampe
Neigung max. 6 %
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

image
92
Anforderungen an Treppen und Aufzüge, gehend mit Hilfsmittel
unabdingbare Kriterien
Handläufe
beidseitig und ohne Unterbrechung
mindestens 30 cm über Anfang und Ende waagerecht weiterführend und
abgerundet abschließend
griffsicher und gut umgreifbar
vorzugsweise rund oder oval
Durchmesser 3 cm bis 4,50 cm
85 cm bzw. 90 cm über Stufenvorderkante OFF bis Oberkante des Handlaufes
Stufen
geradläufig und rechtwinklig zu den Treppenstufenkanten
mit Setzstufen
mit Trittstufen, die nicht vorkragen
an freien seitlichen Stufenenden Aufkantung
Aufzug
Aufzug oder ähnliches im Haus vorhanden
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

image
93
Anforderungen an den allgemeinen Wohnbereich, gehend mit Hilfsmittel
unabdingbare Kriterien
Balkon/Terrasse
schwellen- und stufenlos erreichbar
notwendige Kriterien
Flur
im Flur ist eine Durchgangsbreite von ≥1,20 m vorzusehen, mindestens an
allen Türdurchgängen, ausreichend breit
Platzan-
forderungen
allgemein
>1,20 m × 1,20 in Wohn- und Schlafräumen, Küche und Freisitz, Flur
mindestens 90 cm x 1,20 cm tief vor Möbeln
Platzan-
forderungen
am Bett
>1,20 m x 1,20 m an einer Seite
Stauraum
ausreichend Stauraum in erreichbarer Höhe, 40 cm < 140 cm hoch
wünschenswerte Kriterien
Fenstergriff
≤ 30 N, Moment ≤5 Nm (leicht zu öffnen und zu schließen)
Griffhöhe 85 cm - 105 cm
Fensterhöhe
Brüstungshöhe ≤ 60 cm (aus sitzender Position Durchblick in die Umgebung
möglich)
Abstellraum
Stufen- schwellenlos mit ausreichend Bewegungsfläche
mit ausreichend Bewegungsfläche, >1,20 m x 1,20 m
Abstellplatz/
-raum
Abstellplatz für Hilfsmittel
Balkon
Balkonbrüstung ab Höhe ≤ 60 cm durchsichtig (aus sitzender Position Durch-
blick in die Umgebung möglich))
Besondere
Platzanforde-
rungen am Bett
≥ 120 cm entlang der einen und
≥ 90 cm entlang der anderen Seite
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

image
94
Anforderungen an Treppen und Aufzüge, gehend mit Hilfsmittel
notwendige Kriterien
Platzanforde-
rungen
mindestens 1,20 m x 1,20 m
90 cm vor dem Esstisch
Erreichbarkeit
der Stauräume
rollbare Containerschränke für Stauraumnutzung und Unterfahrbarkeit
Stauräume in erreichbarer Höhe (40 cm < 140 cm hoch)
Unterschränke mit Vollauszügen
Höhe von Griffe von Geräten erreichbar (40 cm ≤ 140 cm)
Küchengestal-
tung
Herd und Spüle möglichst übereck angeordnet
dazwischenliegende Arbeitsfläche
abgerundete Kanten und Ecken verhindern Verletzungsgefahr
keine Verletzungsgefahr bei Schranktüren, z.B. Falttüren, horizontalen Rollläden
Küche allgemein
Bewegungsflächen >1,20 m x 1,20 m
wünschenswerte Kriterien
Küche
Handlauf für die Arbeitsfläche, den Herd und die Spüle
Wasserhahn
Unterputz- oder Flachaufputzsiphon
flache Einbauspüle
Einhebelarmatur
Küchengestaltung
Unterfahrbarkeit von Herd, Arbeitsfläche und Spüle
Anforderungen an das Bad, gehend mit Hilfsmittel
unabdingbare Kriterien
Dusche
nutzbare Dusche vorhanden
Toiletten-
spülung
leicht erreichbar
mit Hand oder Arm zu bedienen
Bodenbelag
rutschhemmender Bodenbelag
WC
Abstützung möglich
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

image
95
Waschbecken-
armatur
Abstand der Armatur vom vorderen Rand max. 40 cm
notwendige Kriterien
WC
Abstützmöglichkeiten vorhanden
Höhe (inkl. Sitz) von 46 cm bis 48 cm
Platzanforde-
rungen
>1,20 m x 1,20 m vor den Sanitärobjekten
Waschbecken-
armatur
Einhebelarmaturen für einhändige Bedienung
Waschbecken
>1,20 m x 1,20 m davor, nicht zwingend mittig angeordnet
seitlicher Abstand zur Wand ≥ 20 cm oder zu anderen Ausstattungselemen-
ten
Platzanforde-
rungen am WC
davor > 1,20 m x 1,20 m
einseitig mit mindestens 70 cm × 90 cm Bewegungsfläche
andere Seite mindestens 70 cm × 30 cm Bewegungsfläche
wünschenswerte Kriterien
Spiegel
mindestens 100 cm hoher Spiegel ab Oberkante des Waschbeckens beginnend
Badtür
von außen entriegelbar
Drehflügeltüren nach außen schlagend, Schiebetür möglich
Stützklappgriffe
je Seite ein klappbarer Stützgriff am vorderen Griffende 1 kN belastbar
lichter Abstand zwischen den Griffen 65 cm bis 70 cm
15 cm über Vorderkante des WC-Beckens hinausragend
Oberkante bei 28 cm über der Sitzhöhe
kraftarme Bedienung
Waschbecken
90 cm benötigte unterfahrbare Breite, axial angeordnet
Nutzung im Sitzen ermöglichen (sowohl im Rollator als auch auf einem Hocker)
Vorderkantenhöhe des Waschtisches von max. 80 cm
Unterfahrbarkeit von mindestens 55 cm Tiefe
Unterputz- oder Flachaufputzsiphon
Badewanne
nutzbare Badewanne vorhanden
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

image
96
6.2.2 Beispiel B — Kriterienkatalog Hörbehindert/Gehörlos
Anforderungen an das nahe Wohnumfeld
unabdingbare Kriterien
Gehweg
fest und eben
leicht und erschütterungsarm mit dem Rollstuhl bzw. Rollator befahrbar
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

image
97
Anforderungen an den Zugangsbereich
unabdingbare Kriterien
Eingangstür
optische oder fühlbare Anzeige der Türfreigabe
Gegensprech-
anlage
mit visueller Anzeige der Hörbereitschaft der Gegenseite
nach dem 2-Sinne-Prinzip
Rampe
Anfang und Ende optisch kontrastierend gestaltet (bei Bedarf auch seitlich)
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

image
98
Anforderungen an Treppen und Aufzüge
unabdingbare Kriterien
Treppen
Treppenbreite taktil erfassbare Felder an An- und -austritt ≥60 cm - 90 cm tief
Handlauf
geradläufig und rechtwinklig zu den Treppenstufenkanten
mit Setzstufen
mit Trittstufen, die nicht vorkragen
an freien seitlichen Stufenenden Aufkantung
Treppen
Stufenmarkierungen (4 cm - 5 cm auf der Trittstufenvorderkante)
Stufenmarkierungen (1 cm - 2 cm an der Oberkante der Setzstufen)
Handlauf
beidseitig und ohne Unterbrechung
mindestens 30 cm über Anfang und Ende waagerecht weiterführend
abgerundet abschließend
notwendige Kriterien
Handläufe
visuell kontrastierend zum Hintergrund
wünschenswerte Kriterien
Aufzug
Aufzug oder Ähnliches im Haus vorhanden
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

image
99
Anforderungen an den Zugangsbereich
unabdingbare Kriterien
Geräusche
keine störenden Geräusche von außen
Türsignal
optisches oder Vibrationssignal beim Klingeln
Gegensprech-
anlage
Ausstattung im 2-Sinne-Prinzip
notwendige Kriterien
Stufen und
Schwellen
erkennbar und sicher
Beleuchtung
gleichmäßige, indirekte Beleuchtung bei glatten, glänzenden Oberflächen
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

image
100
Anforderungen an das nahe Wohnumfeld
unabdingbare Kriterien
Gehweg
fest und eben
leicht und erschütterungsarm mit dem Rollstuhl bzw. Rollator befahrbar
wünschenswerte Kriterien
Küchen-
gestaltung
Handlauf für die Arbeitsfläche, den Herd und die Spüle
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

image
101
Anforderungen an den Zugangsbereich
unabdingbare Kriterien
Sicherheit
erkennbare Schwellen, Vorsprünge und Kanten
Boden
rutschhemmender Bodenbelag
Badewanne
Haltegriff für sicheren Ein- und Ausstieg sowie hochziehen aus dem Liegen
Dusche
beidseitig nachrüstbare, hochklappbare Stützgriffe, OK +28 cm über Sitz
Haltegriffe zur Wandmontage
notwendige Kriterien
Beleuchtung am
Spiegel
blendfreie, flächige Beleuchtung am Spiegel
Beleuchtung
gleichmäßige, indirekte Beleuchtung bei glatten, glänzenden Oberflächen
Farbgestaltung
Ausstattungselemente sollten sich kontrastierend von ihrer Umgebung abheben
KRITERIENKATALOG FÜR BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIE WOHNUNGEN

102

103
7 Wohnen von Menschen mit
geistiger Behinderung
7.1 Methodik
Die Anforderungen von Menschen mit geistiger Behinderung an ihre Wohnung wurden
mit Hilfe einer qualitativen Einzelfallstudie ermittelt. Dazu wurden leitfadengestützte
Experteninterviews anhand von Fragebögen mit Betreuern/-innen von Menschen mit
geistiger Behinderung geführt. Die Gliederung der Befragung basierte für eine besse-
re Vergleichbarkeit der Ergebnisse auf der Gliederung der schriftlichen Befragung von
Menschen mit Behinderung zum Wohnbestand und -bedarf.
Mit dieser Herangehensweise sollten subjektive Einschätzungen unter Berücksichtigung
der situationsspezifischen Kontextbedingungen der individuellen Wohnsituation erfasst
werden. Da aufgrund der Betroffenheit auch Betreuer/-innen von Menschen mit geis-
tiger Behinderung befragt werden sollten, musste bei der Bewertung der individuellen
Perspektiven und Veränderungswünsche die Sicht von Betreuern/-innen als regelmäßi-
ge Begleitung, aber nicht selbst Betroffene, beachtet werden.
Ziel der Befragung war eine Erfassung von Unterschieden zwischen den verschiedenen
Wohnformen und soweit möglich die Ermittlung von spezifischen Anforderungen dieser
Betroffenengruppe an das Wohnen. Folgenden Forschungsfragen sollte dabei nachge-
gangen werden:
യയയയ
In welchen Wohnformen wohnen Menschen mit geistiger Behinderung heute?
യയയയ
Welche Kriterien bedarfsgerechter Barrierefreiheit werden von den Betreuern
oder den Menschen mit geistiger Behinderung selbst als notwendig für eine
selbstbestimmte und sichere Nutzung ihrer Wohnung angesehen?
WOHNEN VON MENSCHEN MIT GEISTIGER BEHINDERUNG

104
WOHNEN VON MENSCHEN MIT GEISTIGER BEHINDERUNG
യയയയ
Wie zufrieden sind die Befragten mit ihrer Wohnsituation / der Wohnsituation
der von ihnen Betreuten?
യയയയ
Welchen Veränderungsbedarf bezüglich der Wohnsituation sehen sie?
Zur Auswahl der zu befragenden Experten/ -innen wurde ein Interview mit der Bereichs-
leitung Wohnen der Lebenshilfe Dresden e.V. durchgeführt. Die Lebenshilfe Dresden
vertritt die Interessen von Menschen mit geistiger Behinderung und ihrer Familien. Sie
ist Elternvereinigung, Fachverband und Einrichtungsträger.
48
Sie beobachtet in ihrer Praxis, dass das Wohnen in privater Häuslichkeit für Menschen
mit geistiger Behinderung oft abhängig von der Betroffenheit (Schweregrad der Behin-
derung und dem Hilfe- bzw. Betreuungsbedarf) ist. Nicht stationäres Wohnen von Men-
schen mit geistiger Behinderung kann in Auswertung dieses Interviews in drei Gruppen
aufgeteilt werden (siehe dazu Tabelle 21).
Tabelle 20 – Zuordnung der Betroffenen zu drei Gruppen
Gruppe A
Gruppe B
Gruppe C
Betroffenheit
leicht, keine weitere
Behinderung
mittelschwer, leichte
weitere Behinderung
schwer, weitere
Behinderung(en)
Hilfebedarf bei alltäglichen
Verrichtungen
kein
gering
hoch
Betreuungsbedarf
gering
mittel
hoch
Betreuungsumfang
gering (ca. 3 h/Woche)
mittel (tagsüber vari-
ierend, nachts Bereit-
schaftsdienst)
durchgehend
Wenn Menschen noch stärker von Behinderung betroffen sind, leben sie heute in statio-
nären Einrichtungen. Der Wunsch, geistig behinderte Angehörige in einer nicht stationä-
ren Wohnform unterzubringen, nimmt nach der Erfahrung der Lebenshilfe Dresden,zu.
Die von ihr geführte Warteliste für Wohnprojekte für Menschen mit geistiger Behinde-
rung ist lang. Der Bedarf kann zurzeit nicht gedeckt werden.
Bei einer Unterscheidung nach Wohnsituation ergibt sich, dass Menschen mit geisti-
ger Behinderung entweder in stationären Einrichtungen (die hier nicht mit betrachtet
werden), in der Wohnung der Eltern oder in eigener Wohnung bzw. im Zimmer in einer
(betreuten) Wohngemeinschaft (WG) leben. Im Rahmen eines betreuten Wohnens sind
auch Mietwohnungen für alleinlebende Menschen mit geistiger Behinderung möglich.
In den Wohngemeinschaften oder Wohngruppen leben oft Menschen mit unterschied-
lichen Behinderungen zusammen.
Die Befragung sollte deshalb mindestens Betreuer/-innen der Betroffenen aller drei
Gruppen betreuen einbeziehen. Es sollte auch versucht werden, Betroffene der Gruppe
A selbst zu befragen. Dies konnte dann aufgrund der individuellen Situation der von den
Befragten betreuten Menschen mit geistiger Behinderung nicht durchgeführt werden.
48
Lebenshilfe Dresden e.V. (2014)

105
WOHNEN VON MENSCHEN MIT GEISTIGER BEHINDERUNG
7.2 Ergebnisse
7.2.1 Stichprobenumfang
Es wurden insgesamt zehn Interviews durchgeführt. Alle Interviews erfolgten mit Be-
treuern/ -innen von Menschen mit geistiger Behinderung, darunter zweimal mit einem
Elternteil. Die Betreuer/-innen schätzten ein, dass die von ihnen betreuten Menschen
mit geistiger Behinderung nicht ausreichend in der Lage waren, die Fragen selbst zu
beantworten. Dafür wurden als Gründe genannt:
യയയയ
fehlendes Abstraktionsvermögen,
യയയയ
fehlende Ausdauer,
യയയയ
nicht ausgeprägte Kritikfähigkeit.
Tabelle 22 zeigt die Zahl der von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger Behin-
derung nach Betroffenengruppe.
Tabelle 21 – Anzahl der von den Befragten betreuten nach Betroffenengruppe
Betroffenheit
Anzahl
Gruppe A
11
Gruppe B
9
Gruppe C
1
Die von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger Behinderung hatten unter-
schiedliche weitere Behinderungen. Insbesondere motorische Behinderungen traten
zusätzlich auf. Dabei war nur ein Bewohner auf einen Rollstuhl angewiesen. Mehrere
hatten aber grobmotorische Einschränkungen, die zu vergleichbaren Anforderungen an
Bewegungsraum und Schwellenfreiheit führten wie sie bei Menschen mit motorischen
Behinderungen bestehen, die einen Rollstuhl benutzen.
7.2.2 Betreuungs­ und Hilfebedarf
Für die bauliche Gestaltung der Wohnung und des direkten Wohnumfeldes sind neben
der Hilfsmittelverwendung der Betreuungs- und Hilfebedarf der Bewohner/ -innen von
Bedeutung. Je nachdem, ob Tätigkeiten allein, oder nur mit einer Hilfsperson durchge-
führt werden können, verändert sich die Anforderung an die gebaute Umwelt.
Bei den von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger Behinderung waren
Betreuungs- und Hilfebedarf sehr unterschiedlich. Diese sind abhängig von der Aus-
prägung der geistigen Behinderung und von vorhandenen weiteren Behinderungen.
Tabelle 23 gibt eine Übersicht, welche Betreuungs- und Hilfebedarfe vorlagen. Dabei
war nicht in jeder Wohnsituation der gleiche Bedarf vorhanden.

106
Tabelle 22 – Betreuungs- und Hilfebedarf der von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger
Behinderung
Art
Bedarf der von den Befragten betreuten Menschen
mit geistiger Behinderung
Betreuungsbedarf
Alltagsbegleitung (z.B. Begleitung zum Fahrdienst, Arzt etc.)
Unterstützung bei der Tagesstrukturierung
Mobilitäts- und Fertigkeitentraining
Nachtbereitschaft
Hilfebedarf bei alltäglichen
Verrichtungen
Hilfe bei der Körperpflege (z.B. Duschen, Kämmen, Zähne putzen)
hauswirtschaftliche Hilfen (Saubermachen, Kochen)
Mobilitätshilfen, z.B. Umsetzen in den Rollstuhl
7.2.3 Wohnsituation
Hauptsächlich wurden Betreuer/-innen von Wohngemeinschaften befragt. Deshalb ist
dies auch die häufigste Wohnform (siehe dazu Abbildung 28: Absolute Häufigkeitsvertei-
lung der Maßnahmen zur Barrierefreiheit im Zugang zur Wohnung und im Wohnumfeld
(Mehrfachnennungen möglich)). Die befragten Eltern von Bewohnern einer Wohnge-
meinschaft kannten aus eigener Erfahrung auch das Wohnen in der eigenen Wohnung
mit dem geistig behinderten Kind und konnten darüber Auskunft geben.
Tabelle 23 – Wohnsituation der von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger Behinderung
Wohnsituation
Anzahl der Bewohner mit geistiger Be-
hinderung
Wohnen in der Wohnung / dem Haus der Eltern
1
Wohnen in einem Zimmer einer WG
12
Wohnen in eigener Wohnung im betreuten Wohnen
8
In allen Wohnungen, bis auf eine, wurden bereits Maßnahmen zur Barrierefreiheit um-
gesetzt. Dabei war der Grad der Anpassung der Wohnung an Standards der Barrierefrei-
heit nach Aussage der Befragten vorrangig abhängig von den weiteren Behinderungen
der Bewohner/-innen.
WOHNEN VON MENSCHEN MIT GEISTIGER BEHINDERUNG

107
7.2.4 Anforderungen an die Wohnung
Zum Anpassungsbedarf der Wohnungen wurden verschiedene Aussagen gemacht. Da
einige Wohnungen grundhaft barrierefrei, nach den Vorstellungen der Betreuer der
Bewohner, hergerichtet waren bevor sie bezogen wurden, war dort kein aktueller An-
passungsbedarf vorhanden. Die Betreuer/-innen der Menschen mit geistiger Behinde-
rung die in diesen Wohnungen leben, konnten aber Aussagen zum notwendigen Aus-
stattungsbedarf für die Wohnungen machen. Diese Aussagen wurden mit in Tabelle 25
aufgenommen. Dort sind die Aussagen zu den Anforderungen an die Wohnung und das
Wohnumfeld je Betroffenengruppe erfasst. Dabei wurden nur die Anforderungen auf-
genommen, die ursächlich auf die geistige Behinderung zurückzuführen sind und nicht
auf eine weitere Behinderung.
Tabelle 24 – Tabelle mit artikulierten Anforderungen an die Wohnung bezogen auf Betroffenengruppe
Gruppe A
Gruppe B
Gruppe C
Wohnumfeld
leichte
Orientierung
keine Anforderungen, da
nicht allein unterwegs
Keine Anforderungen aus
geistiger Behinderung, da nicht
allein unterwegs, je nach
weiterer Betroffenheit Anforde-
rungen vorhanden
Zugang zum
Gebäude
verständliche
Symbole, leichte
Sprache
keine Anforderungen, da
nicht allein unterwegs
Keine Anforderungen aus
geistiger Behinderung, da nicht
allein unterwegs, je nach
weiterer Betroffenheit Anforde-
rungen vorhanden
Treppen und
Aufzüge
leichte Bedien-
barkeit (z.B.
eigener Schlüssel)
keine Anforderungen, da
nicht allein unterwegs
Keine Anforderungen aus
geistiger Behinderung, da nicht
allein unterwegs, je nach
weiterer Betroffenheit Anforde-
rungen vorhanden
allgemeine
Wohnräume
keine
Anforderungen
keine Anforderungen, aus
geistiger Behinderung, je
nach weiterer Betroffenheit
Anforderungen möglich
Keine Anforderungen aus
geistiger Behinderung, je nach
weiterer Betroffenheit Anforde-
rungen vorhanden
Küche
keine
Anforderungen
keine Anforderungen, aus
geistiger Behinderung, je
nach weiterer Betroffenheit
Anforderungen möglich
Keine Anforderungen aus
geistiger Behinderung, je nach
weiterer Betroffenheit Anforde-
rungen vorhanden
Bad
keine
Anforderungen
keine Anforderungen, aus
geistiger Behinderung, je
nach weiterer Betroffenheit
Anforderungen möglich
Keine Anforderungen aus
geistiger Behinderung, je nach
weiterer Betroffenheit Anforde-
rungen vorhanden
WOHNEN VON MENSCHEN MIT GEISTIGER BEHINDERUNG

108
Besonderes
Allgemein helfen
beständige
Situationen bei der
selbstständigen
Lebensführung
Büro für Betreuer
Büro für Betreuer, Raum für
Nachtdienst
Die Probleme in der Wohnung oder im Wohnumfeld sind abhängig davon, ob die Men-
schen mit geistiger Behinderung in Begleitung unterwegs sind oder nicht. Die Anforde-
rungen unterscheiden sich je nach Ausprägung der geistigen Behinderung. Menschen
mit geistiger Behinderung, die in der Lage sind, ihr Leben vorrangig allein zu führen
(Gruppe A), haben die höchsten Anforderungen, da sie vorrangig allein unterwegs sind
(siehe dazu Tabelle 24).
7.2.5 Zufriedenheit
Die Mehrzahl der von den Befragten betreuten Menschen mit geistiger Behinderung
wohnt in eigens für sie angepassten Wohnräumen. Deshalb ist mit einer hohen Zufrie-
denheit mit der baulichen Wohnsituation zu rechnen. Das spiegelt sich auch in einer
geringen Anzahl an genannten Problemen wieder. Besonders die Lebenssituation, die
Wohnung und das Wohnumfeld sind zufriedenstellend. Lediglich bei der Frage der Zu-
friedenheit mit der Unterstützung der Nachbarschaft sind eine geringe Anzahl der Be-
fragten aufgrund fehlender Akzeptanz der Nachbarn unzufrieden.
Eine hohe Zufriedenheit der Menschen mit geistiger Behinderung lässt sich auch daraus
ableiten, dass der Wunsch nach einem Umzug nicht besteht. Die Mutter eines Kindes
mit geistiger Behinderung beschreibt dies sinngemäß (und in Bezug auf ihr Kind): „Auf-
grund eines fehlenden Vorstellungsvermögens ist der Wunsch nach Veränderung nicht
gegeben.“. Bei der Mutter ist der Wunsch nach einer Veränderung der Wohnsituation
vorhanden. Bis auf einen Befragten war in keiner Wohnsituation der Wunsch vorhanden
,diese zu ändern. Der größere Teil der Befragten kann sich für die von ihm Betreuten ein
relativ selbstbestimmtes Leben in Zukunft vorstellen.
Eine andere Sichtweise besteht bei Eltern, die mit ihrem geistig behinderten Kind in der
eigenen Wohnung leben. Von den Befragten wurde aus der eigenen Erfahrung, vor dem
Umzug des Kindes in die WG, von der nicht zufriedenstellenden Situation berichtet. Pro-
bleme waren:
യയയയ
die Überforderung der Eltern,
യയയയ
die Sorge, dass das älter werdende Kind sich nicht mehr an eine veränderte
Wohnsituation anpassen kann,
യയയയ
eine ungeeignete, weil zu kleine Wohnung,
യയയയ
eine Wohnung in der nicht die bedarfsgerechte Barrierefreiheit für ein mehr-
fach behindertes Kind vorhanden war.
Bezüglich der Zufriedenheit der großen Gruppe der Eltern, die für ihr geistig behinder-
tes Kind noch keine geeignete Wohngemeinschaft oder ähnliches gefunden hat, besteht
noch Untersuchungsbedarf.
WOHNEN VON MENSCHEN MIT GEISTIGER BEHINDERUNG

109
7.2.6 Veränderungsbedarf
Die befragten Eltern, die für ihr Kind eine eigene Wohnung suchen oder gesucht haben,
wollten eine Lösung finden, die ihrem Kind ein dauerhaftes Wohnen ermöglicht. Es kam
dabei keine stationäre Unterbringung infrage. Eine Mutter hatte noch keine akzeptable
Lösung gefunden. Ursache dafür scheint auch zu sein, dass die Familie nicht in der Stadt
wohnt. Angebote im ländlichen Raum sollen nach Aussage der Befragten nur selten vor-
handen sein.
Nach Aussage der Eltern wäre ein Übergang aus der Wohnung der Eltern in eine eige-
ne Wohnung oder ein Zimmer in einer WG Anfang 20 bis spätestens 25 Jahre ideal. In
höherem Alter wird für die Menschen mit geistiger Behinderung die Anpassung an die
neuen Lebensbedingungen schwerer. Darüber hinaus besteht die Gefahr des Verster-
bens der Eltern, wodurch die Lebensstruktur der Betroffenen zerstört wird. Diese Aus-
sagen decken sich mit den Erfahrungen der Lebenshilfe Dresden.
7.2.7 Offene Probleme aus Sicht der Befragten
In den 1990er Jahren wurden viele Heime für Menschen mit geistiger Behinderung, die
eine Werkstatt besuchen, gebaut. Die dort vorhandene Kapazität ist nach Aussage der
Befragten nicht ausreichend, da die Bewohner der ersten Stunde heute Rentner sind
und für Jüngere kein Platz zur Verfügung gestellt werden kann. Für Menschen mit geisti-
ger Behinderung im Rentenalter gibt es keine Wohnangebote. Besonders gravierend ist
nach Aussage der Befragten der Mangel an Alternativen im ländlichen Raum. Dort wer-
den demnach nahezu ausschließlich Wohnangebote über die Wohlfahrtsverbände in
Heimen der ersten Nachwendegeneration, das heißt, fast ausschließlich in Zweibettzim-
mern, zur Verfügung gestellt. Dies entspricht nicht den Wünschen der befragten Eltern.
Nach deren Aussage werden in derartigen Wohnverhältnissen erworbene Fähigkeiten
verlernt, weil kostenbewusst verwaltet und (Zitat:) „überbetreut“ wird. Individuelle und
vor allen Dingen kleine Wohngruppen, z. B. Mehrgenerationswohnen als gelebte Inklu-
sion, sind nach Aussage der Befragten im ländlichen Raum nicht vorhanden. Besonders
erschwerend werden die Vorgaben des KSV Sachsen bei der Umsetzung alternativer
Wohnprojekte sowohl funktional als auch pekuniär wahrgenommen. Es sei nahezu aus-
sichtlos, ein privates Wohnkonzept umzusetzen, weil eine Kofinanzierung, selbst nur
über die Betriebskosten, mit Beteiligung des KSV an eine vorgegebene Anwesenheit des
Bewohners gebunden sei, die nicht mit Normalität und freier Entscheidung zu vereinba-
ren wäre. Individuelles Wohnen in einer eigenen kleinen Wohnung, mit eigener Nass-
zelle und eigener Kochnische werde nach Aussage der Befragten beim KSV als Luxus
bewertet. Deshalb seien Gemeinschaftsbäder und Wohnen in einer Wohngemeinschaft
die Normalität. Es besteht nach Aussage der Befragten ein Bedarf an betreuten Woh-
nungen für Menschen mit geistiger Behinderung.
WOHNEN VON MENSCHEN MIT GEISTIGER BEHINDERUNG

110
Als allgemein ungelöste Probleme, vor denen Eltern mit geistig behinderten Kindern
im Zusammenhang mit Wohnraum für ihre Kinder stehen, wurden von den Befragten
darüber hinaus beschrieben:
യയയയ
Eine geeignete Wohnung/ geeigneten Wohnraum zu finden, insbesondere auf
dem Land, ist kaum möglich.
യയയയ
Eine geeignete Wohnung zu finden, wenn ein besonderes Hilfsmittel benötigt
wird (z. B. bei Mehrfachbehinderung, vorrangig bei E-Rollstuhlnutzung), ist
noch schwieriger.
യയയയ
Umzüge sind schwierig, weil Angebote fehlen.
യയയയ
Offen ist, was passiert, wenn die Menschen mit Behinderung älter werden und
nicht mehr in der Werkstatt arbeiten, dafür gibt es noch keine Wohnformen.
യയയയ
Menschen mit geistiger Behinderung altern oft schneller, unklar ist, wie ihre
Anforderungen in höherem Alter sind.
7.3 Fazit
Menschen mit geistiger Behinderung haben besondere Anforderungen an ihr Wohn-
umfeld und ihre Wohnung, die vom Betroffenheitsgrad, möglichen weiteren Behinde-
rungen und dem Betreuungsbedarf abhängen. Diese unterscheiden sich insbesondere
darin, ob der Betroffene allein unterwegs sein kann oder immer auf Begleitung ange-
wiesen ist.
Im Ergebnis der Befragung sind Aussagen zu den Anforderungen der Menschen mit geis-
tiger Behinderung an ihre Wohnung und ihr Wohnumfeld möglich, aber nicht zum Erfül-
lungsgrad dieser Anforderungen im Bestand. Offen ist, wie groß der tatsächliche Bedarf
an
bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen für Menschen mit geistiger Behinderung
ist. Vermutlich ist dieser Bedarf hoch. Es scheinen nicht genügend Angebote von geeig-
netem Wohnraum am Markt vorhanden zu sein. Dazu deckten sich die Aussagen der
befragten Eltern und der Lebenshilfe Dresden.
Die Befragten betreuten Menschen in mehrheitlich als gut empfundenen Lösungen.
Dies lag an der Auswahl der Gesprächspartner. Entweder waren es Eltern, die sehr enga-
giert für ihre Angehörigen gute Lösungen gesucht und teilweise auch gefunden hatten,
oder Betreuer von Menschen mit geistiger Behinderung, für die ihre Angehörigen gute
Lösungen gefunden hatten.
Bis eine geeignete Wohnung gefunden wird, ist es nach Aussage der Befragten meist ein
langer Weg. Dabei sind vielfältige Schwierigkeiten zu überwinden. Es konnte aufgrund
des Studiendesigns nicht geklärt werden, wo in Sachsen wie viel Wohnraum in welchen
Wohnformen für Menschen mit geistiger Behinderung vorhanden ist. Nach Aussage der
Befragten ist nicht ausreichend geeigneter Wohnraum vorhanden. Dort besteht weite-
WOHNEN VON MENSCHEN MIT GEISTIGER BEHINDERUNG

111
rer Untersuchungsbedarf, wobei die Frage, welche Art von Wohnraum (Wohngemein-
schaft, Wohngruppe oder Wohnheim) benötigt wird, mit betrachtet werden muss.
Auch zur Finanzierbarkeit privat organisierter Wohnformen besteht nach den Ergeb-
nissen der Befragung weiterer Untersuchungsbedarf. Es sollte untersucht werden, wel-
che geeigneten Finanzierungsmodelle für Wohngruppen und Wohngemeinschaften
existieren. In diesem Zusammenhang sollten auch zu den notwendigen Abläufen zur
Umsetzung eines neuen Wohnprojektes für Menschen mit geistiger Behinderung Unter-
suchungen durchgeführt werden. Zu diesen Fragen ergaben sich im Rahmen der ersten
Bürgerbeteiligung über das Beteiligungsportal des Freistaates mehrere Nachfragen.
WOHNEN VON MENSCHEN MIT GEISTIGER BEHINDERUNG

112

113
8 Bestandsschätzung von
bedarfsgerecht barrierefreien
Wohnungen in Sachsen
Die bisher ermittelten Ergebnisse zeigen spezifische Anforderungen der Betroffenen in
den verschiedenen Hilfsmittelgruppen (HMG) und nach Art der sensorischen Behinde-
rung. Deshalb unterscheidet sich die bedarfsgerechte Barrierefreiheit in ihren Parame-
tern je nach betrachteter Art der Einschränkung. Die Bestandsermittlung erfolgt deshalb
getrennt nach einzelnen aus der Gesamtstichprobe differenzierbaren Bedarfsgruppen.
Daten für eine Hochrechnung der Erhebungsergebnisse auf Sachsen liegen beim KSV
vor. Die dort geführte Statistik zur Merkzeichenverteilung konnte, wie vorn erläutert,
nicht genutzt werden (vgl. dazu Abschnitt 4.3.3). Eine weitere Statistik erfasst die Haupt-
behinderung der Betroffenen. Mit Hilfe dieser Datenbasis lassen sich die Menschen mit
Behinderung aber nur nach fünf Hauptbehinderungen
Bewegungsapparat
, Sinnesor-
gane,
innere Organe
,
Gehirn
/
Psyche
sowie
sonstige Behinderungen
differenziert nach
Altersgruppen unterscheiden. Die Aufschlüsselung des Datensatzes bezieht sich dabei
auf schwerbehinderte Menschen mit GdB 50-100. Die Bestandsschätzung erfolgte ge-
mäß der Aufgabe nur für die zwei Arten der Haupterkrankung von Bewegungsapparat
und Sinnesorganen. Diese Werte wurden in Folge auch zur Prognose verwendet.
Für die Bestandsschätzung an bedarfsgerecht barrierefreiem Wohnraum in Sachsen
wurde wie folgt vorgegangen:
യയയയ
Ermittlung der Verteilung der Hilfsmittelnutzung sowie der sensorischen Be-
troffenheit in der Stichprobe, als Grundlage für eine Ermittlung der Anzahl der
Betroffenen in der Region.
യയയയ
Übertragung der Ergebnisse auf den KSV- Datensatz Hauptbehinderung Bewe-
gungsapparat und Sinnesorgane und Hochrechnung der Ergebnisse auf die
Regionen und Sachsen, einschließlich einer Überprüfung der Ergebnisse an-
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

114
hand verfügbarer Studien und Veröffentlichungen.
യയയയ
Auswahl der Kriterien für bedarfsgerecht barrierefreien Wohnraum aus den
Befragungsergebnissen.
യയയയ
Ermittlung der Anzahl der Wohnungen aus der Stichprobe die diese Kriterien
erfüllen.
യയയയ
Hochrechnung ermittelter Verhältnisse auf die Regionen und ganz Sachsen.
Diese Vorgehensweise bedingt, dass keine Aussagen zum Bestand an bedarfsgerecht
barrierefreiem Wohnraum für die einzelnen HMG und die jeweilige sensorische Betrof-
fenheit ermittelt werden können. Dies ist mit den zur Verfügung stehenden Daten nicht
möglich. Für diese Fragestellung besteht ein weiterer Untersuchungsbedarf.
8.1 Ermittlung der Anzahl der Betroffenen im Untersuchungsgebiet
8.1.1 Verteilung von Behinderung in Sachsen
Als Vergleichsbasis für die Grundgesamtheit an Menschen mit Behinderung in Sachsen
bzw. regional in den drei kreisfreien Städten und zehn Landkreisen wurde die vom KSV
zur Verfügung gestellte Datenbasis nach Art der Hauptbehinderung genutzt. (vgl. Tabelle
26).
Tabelle 25 – Art der Hauptbehinderung nach Behinderungsgruppen
49
Art der Hauptbehinderung
nach Behinderungsgruppen
Anzahl der Betroffenen in
Sachsen
Anteil der Betroffenengruppe an
der Gesamtzahl der Betroffenen
Bewegungsapparat
84.234
21,5 %
Sinnesorgane
44.055
11,2 %
Innere Organe
109.750
28,0 %
Gehirn, Psyche
97.324
24,8 %
Sonstige Behinderung
56.651
14,5 %
Schwerbehinderte gesamt
392.014
-
Diese Daten konnten auf die Regionen aufgegliedert werden. Tabelle 26 beinhaltet regi-
onenbezogen (nach Landkreisen und kreisfreien Städten) die Anzahl von Menschen mit
Behinderungen fokussiert auf Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie der Sin-
nesorgane (vgl. markierte Abschnitte in Tabelle 26). Der Anteil von Menschen mit Be-
hinderungen an der Gesamtbevölkerung Sachsens liegt im Durchschnitt bei 9,7 %. Zwi-
schen den Regionen beträgt der Anteil zwischen 8,7 % (Stadt Dresden) und 11,5 % im
Landkreis Görlitz. Der Anteil von Menschen mit sensorischer Behinderung (Erkrankung
der Sinnesorgane) liegt mit durchschnittlich 1,1 % der Gesamtbevölkerung Sachsens
deutlich unter dem Anteil der Menschen mit motorischen Behinderungen (Erkrankung
des Bewegungsapparates) mit durchschnittlich 2,1 % bezogen auf die Gesamtbevölke-
rung Sachsens. In den Befragungsregionen Stadt Leipzig, Erzgebirgskreis und Landkreis
49
Kommunaler Sozialverband Sachsen (2016b)
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

115
Bautzen unterscheiden sich die Anteile der Betroffenen teilweise erheblich. Während
der Anteil der Menschen mit motorischer Behinderung im Erzgebirgskreis 2,4 % und im
Landkreis Bautzen 2,3 % beträgt, liegt dieser in Leipzig bei nur 1,7 %. Bei Menschen mit
sensorischer Behinderung fallen die Unterschiede im Vergleich der Regionen deutlich
geringer aus. Ursachen dafür sind nicht bekannt.
Tabelle 26 – Menschen mit Behinderung (Schwerbehinderte) nach Städten und Landkreisen im Freistaat
Sachsen
50
Kreisfreie Stadt
bzw. Landkreis
Menschen mit Behinderung
gesamt GdB 50-100
Erkrankung
Bewegungsapparat
(motorische Behinderung)
Erkrankung Sinnesorgane
(sensorische Behinderung)
Menschen mit Behinderung je
Region gesamt GdB 50-100
Erkrankung
Bewegungsapparat
(motorische Behinderung)
Erkrankung Sinnesorgane
(sensorische Behinderung)
Anzahl absolut
Anteil an Gesamtbevölkerung
Chemnitz, Stadt
25.488
5.017
3.370
10,47 %
2,06 %
1,38 %
Erzgebirgskreis
36.311
8.510
3.867
10,39 %
2,43 %
1,11 %
Mittelsachsen
29.875
6.780
3.536
9,55 %
2,17 %
1,13 %
Vogtlandkreis
24.366
5.182
2.568
10,48 %
2,23 %
1,11 %
LK Zwickau
29.656
6.489
3.608
9,12 %
2,00 %
1,11 %
Dresden, Stadt
46.501
9.791
5.432
8,67 %
1,83 %
1,01 %
Bautzen
31.740
6.937
3.299
10,35 %
2,26 %
1,08 %
Görlitz
29.885
6.399
2.902
11,49 %
2,46 %
1,12 %
Meißen
23.766
5.747
2.404
9,75 %
2,36 %
0,99 %
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
21.502
4.601
2.191
8,74 %
1,87 %
0,89 %
Leipzig, Stadt
47.980
9.453
6.146
8,81 %
1,74 %
1,13 %
LK Leipzig
25.303
5.372
2.765
9,82 %
2,09 %
1,07 %
Nordsachsen
19.641
3.956
1.967
9,97 %
2,01 %
1,00 %
Freistaat Sachsen
392.014
84.234
44.055
9,67 %
2,08 %
1,09 %
Als Vergleich kann die Gesundheitsberichterstattung des Bundes
51
heran gezogen wer-
den. Dort wird die Anzahl der Menschen mit Behinderung (GdB > 50) für Sachsen mit
391.137 angegeben. Das sind die aktuellsten öffentlich zugänglichen Zahlen.
50
Kommunaler Sozialverband Sachsen, (2016a)
51
Statistisches Bundesamt (2016b)
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

116
8.1.2 Zusammensetzung der Stichprobe motorischer Fragebogen
Für die Ermittlung der Anzahl der Betroffenen wurden aus der Stichprobe (n=1.426)
diejenigen Gruppen (HMG 1-3) herausgelöst, für die ein besonderer Gestaltungsbedarf
innerhalb ihres Wohnbereiches im Rahmen der Befragung ermittelt wurde.
Bei der Stichprobe der Menschen mit motorischen Behinderungen handelt es sich dabei
um die Hilfsmittelgruppen
൵൵൵൵
Rollstuhl mit Hilfsperson
sowie
E-Rollstuhl-Nutzer
, entspricht HMG 3,
൵൵൵൵
mechanischer Rollstuhl
, entspricht HMG 2 sowie
൵൵൵൵
gehend mit Gehhilfen
(Gehstütze und Rollator), entspricht HMG 1.
Die ermittelten Zusammenhänge und Verhältnisse der Menschen in diesen HMG wer-
den im weiteren Verlauf der Betrachtungen auf den KSV-Datensatz:
Erkrankungen des
Bewegungsapparates
übertragen. Dazu werden die Daten aus der ermittelten Stichpro-
be der Menschen mit motorischer Behinderung, ins Verhältnis zu den Menschen mit
Erkrankungen des Bewegungsapparates
im KSV-Datensatz gesetzt. Hierauf beruht die
Schätzung der bestehenden Wohnverhältnisse für Personen mit motorischer Behinde-
rung für die einzelnen Regionen in Sachsen. Eine exakte Ermittlung ist aufgrund der
geringen Datenbasis nicht möglich. Sobald die Stichprobengröße n=640
52
unterschreitet
sind die möglichen Aussagen statistisch nicht mehr begründbar.
Die Auswahl der Personen mit besonderen Betroffenheiten aus dem Gesamtdatensatz
der Menschen mit motorischer Behinderung (n=1426) erfolgte folgendermaßen:
HMG 3, Gruppe Rollstuhl mit Hilfsperson sowie E-Rollstuhl-Nutzer (n=298)
In dieser Gruppe wird der höchste Grad der motorischen Beeinträchtigung angenom-
men, so dass das Hilfsmittel
E-Rollstuhl
bzw. der Fakt
Rollstuhlnutzung mit Hilfsperson
das entscheidende Kriterium für bauliche Anforderungen an die Häuslichkeit darstellt.
Bei Überschneidungen bzw. bei Doppelnutzungen z.B. mit mechanischem Rollstuhl oder
Gehstützen wurden diese um die Doppelnennungen bereinigt. Es wurde keine Korrek-
tur bezüglich sich überschneidender Doppelnutzungen mit weiteren in der Studie be-
trachteten Hilfsmitteln (z.B. mit Nutzern von Prothesen) vorgenommen.
Die Filterung der Gruppe erfolgt auf der Basis der Addition der Nutzer von
Rollstuhl
mit Hilfsperson
(n=200) und der Nutzer
E-Rollstühle
(n=124), korrigiert um die doppelt
eingeflossenen Nutzerzahl beider Hilfsmittel (n=26). Damit besteht diese Stichprobe aus
298 Personen. Das entspricht einem Anteil von 20,9 % an der motorischen Stichprobe.
HMG 2, Gruppe mit mechanischem Rollstuhl (n=119)
Die Gruppe der Nutzer von mechanischen Rollstühlen (n=314) wurde um die Gruppen
korrigiert, die gleichzeitig die Nutzung Rollstuhl mit Hilfsperson oder E-Rollstuhl (n=195)
angegeben haben. Damit besteht diese Stichprobe aus 119 Personen. Das entspricht ei-
nem Anteil von 8,3 % der motorischen Stichprobe (ohne E-Rollstuhl und ohne Rollstuhl
mit Hilfsperson).
52
Vgl. dazu Friedrichs, Jürgen (1990)
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

117
HMG 1, Gruppe gehend mit Gehhilfen (n=571)
Die Filterung der Gruppe erfolgt auf der Basis der Addition der Nutzer von
Gehstüt-
zen
(n=460) und
Rollatoren
(n=329), korrigiert um die doppelt eingeflossene Nutzerzahl
beider Hilfsmittel (n=218). Zudem erfolgte gleichzeitig ein Ausschluss der bereits be-
trachteten Gruppen Nutzer von
mechanischem Rollstuhl
,
Rollstuhl mit Hilfsperson
sowie
E-Rollstuhl-Nutzer
. Damit besteht diese Stichprobe aus 571 Personen. Das entspricht
einem Anteil von 40,0 % der motorischen Stichprobe (ohne Rollstuhlnutzung).
438 der befragten Personen, das entspricht ca. 30,7 % der an der Befragten mit motori-
scher Behinderung nutzten andere (Prothesen, Orthesen u.a.) bzw. keine Hilfsmittel. Sie
sind in der Hilfsmittelgruppe 0 erfasst.
Auf Basis des KSV-Datensatzes:
Art der Hauptbehinderung nach Behinderungsgruppen
,
hier
Erkrankungen des Bewegungsapparates
erfolgte eine Ermittlung der betroffenen
Personen mit motorischen Behinderungen für die einzelnen Regionen in Sachsen und
für den Freistaat Sachsen. Dazu wurden die Verhältnisse aus der motorischen Stichpro-
be mit Hilfe der verfügbaren Daten zu
Erkrankungen des Bewegungsapparates
des KSV-
Datensatzes hochgerechnet. Dabei verhält sich die Anzahl der betrachteten Gruppe der
Hilfsmittelnutzung in der Stichprobe zur motorischen Stichprobe gesamt wie die Anzahl
der betrachteten Gruppe der Hilfsmittelnutzung in Sachsen zum Anteil der
Erkrankun-
gen des Bewegungsapparates
in Sachsen. Eine annähernde Gleichverteilung des Alters
der Personen aus der Stichprobe und den KSV-Daten liegt vor.
Den Autoren der Studie ist bewusst, dass sich die beiden miteinander ins Verhältnis ge-
setzten Gruppen lediglich ähneln, keinesfalls aber in ihrer Zusammensetzung identisch
sind. Daher wird auch von einer Schätzung der Betroffenen behinderten Menschen in
Sachsen auf Basis der motorischen Stichprobe ausgegangen. Im Ergebnis dieser Schät-
zung liegt in Sachsen:
യയയയ
die Anzahl der Nutzer von
Gehhilfen
(HGM 1) bei etwa 34.000 Betroffenen.
യയയയ
die Anzahl der Nutzer von
mechanischen Rollstühlen
(HGM 2) bei etwa 7.000
Betroffenen, und
യയയയ
die Anzahl der
Rollstuhlnutzer mit Hilfsperson
sowie
E-Rollstuhl-Nutzer
(HMG 3)
bei etwa 18.000 Betroffenen,
Um die ermittelten Zahlenwerte abzusichern bzw. auf ihre Plausibilität zu prüfen, wurde
ein Vergleich bzw. eine Diskussion mit vorliegenden Studien- bzw. Erhebungsergebnis-
sen vorgenommen.
Die Stiftung MyHandicap sagt aus: „In der Bundesrepublik Deutschlandnutzen nutzen
mehr als eineinhalb Millionen Menschen einen Rollstuhl dauerhaft oder zeitweise. Die-
se Betroffenengruppe besteht aus etwa gleichen Teilen aus Senioren und Menschen mit
körperlichen Behinderungen.“
53
Das würde bedeuten, es nutzen etwa 750.000 Menschen mit körperlichen Behinderun-
gen einen Rollstuhl, was einem Anteil von etwa 9,8 % der Menschen mit Behinderung in
53
Stiftung MyHandicap gemeinnützige GmbH (2016)
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

118
Deutschland (7.615.560 Personen
54
) entspricht. Würde man dieses Verhältnis auf Sach-
sen mit 391.137 Menschen mit Behinderung (GdB > 50)
55
übertragen, ergäbe dies eine
Anzahl von ca. 38.500 Menschen mit Behinderung, die einen Rollstuhl benutzen. Diese
Quelle enthält allerdings keine Angaben zur Validität der angegebenen Zahlen, so dass
diese nicht verifizierbar sind.
Eine weitere Quelle
56
nennt Anhaltspunkte, auf denen eine solche Schätzung beruhen
könnte. Danach werden ausgewählte Arten von Behinderungen, wie „Verlust oder Teil-
verlust von Gliedmaßen“, „Funktionseinschränkung von Gliedmaßen“, „Funktionsein-
schränkung der Wirbelsäule und des Rumpfes“, „Deformierung des Brustkorbes“ sowie
„Querschnittslähmungen“, für die Schätzungen der Anzahl von Rollstuhlfahrern heran-
gezogen. Betrachtet man deren Anteile für Deutschland mit 1.879.561 Betroffenen bzw.
für Sachsen mit 76.712 Betroffenen
57
, resultiert ein Wert für Sachsen von ca. 61.200
Rollstuhlfahrern (30.600 davon mit GdB > 50). Dabei ist zu beachten, dass nicht die
Gesamtheit der derartig Betroffenen auf einen Rollstuhl angewiesen sein wird. Insbe-
sondere der Verlust, Teilverlust oder auch Funktionseinschränkungen von Gliedmaßen
führen nicht zwangsläufig zur Nutzung eines Rollstuhls.
Die Schätzung aus der Stichprobe heraus liegt bei ca. 25.000 Rollstuhlnutzern und damit
bei einem Anteil von etwa 6,3 % an den Menschen mit Behinderung in Sachsen (bezo-
gen auf 391.137 Personen).
Dieser im Verhältnis geringere Anteil gegenüber deutschlandweit 9,8 % verwundert
insofern, da in Sachsen sowohl der Anteil der über 65-jährigen Menschen höher als
im gesamtdeutschen Schnitt liegt als auch der Anteil der Menschen mit Behinderung
(GdB > 50). Gründe für die recht große Abweichung der beiden ermittelten Anteile
werden zum einen in den relativ geringen Betroffenen-Zahlen für die differenziert be-
trachteten Hilfsmittelgruppen innerhalb der motorischen Stichprobe vermutet, die bei
einer Hochrechnung entsprechende Ausschläge verursachen könnten.
Zum anderen bergen aber auch Schätzungen in Anlehnung an einzelne Arten von Behin-
derungen Fehlerquellen, da nicht vollständig zu klären ist, welche Einzelfälle tatsächlich
zur Nutzung eines Rollstuhles führen. Eine differenzierte und verlässliche Bestimmung
erfordert weitere vertiefte Untersuchungen. Die Autoren schlagen die Betrachtung ei-
nes Korridors vor, dessen untere Grenze durch die eigenen ermittelten Zahlen (6,3 %)
beschrieben wird. Die obere Grenze bildet der Schätzwert von myhandicap.de (9,8 %).
Somit resultiert ein Korridor zwischen 25.000 und etwa 30.600 Menschen mit Behin-
derung in Sachsen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind (HMG 2 und HMG 3). Die
weiteren Betrachtungen für Sachsen beziehen sich jedoch auf die in der Studie erhobe-
nen Daten, da die Angaben von myhandycap nicht verifizierbar sind und keine anderen
Studienergebnisse verfügbar sind.
54
Statistisches Bundesamt (2016b)
55
Statistisches Bundesamt (2016b)
56
HS Onlinemarketing GmbH (2016)
57
Bei Statistisches Bundesamt (2016b) für 2013 ausgewiesen bei ca. 1,5 Mio. Rollstuhlfahrern in Deutschland
(750.000 davon mit GdB > 50)
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

119
8.1.3 Zusammensetzung der Stichprobe sensorischer Fragebogen
Analog zum Vorgehen zur Stichprobe der Menschen mit motorischen Behinderungen
wurde bei der Gruppe der Menschen mit sensorischer Behinderung (n=974) verfahren.
Bei der Stichprobe der Menschen mit sensorischer Behinderung handelt es sich um die
Gruppen
യയയയ
der Menschen mit Sehbehinderung sowie
യയയയ
der Menschen mit Hörbehinderung.
Ermittelte Zusammenhänge und Verhältnisse der Menschen mit sensorischer Behinde-
rung werden im weiteren Verlauf der Betrachtungen auf den KSV-Datensatz: „Erkran-
kungen der Sinnesorgane“ übertragen. Dazu werden die Daten aus der ermittelten
Stichprobe der Menschen mit sensorischen Behinderungen, ins Verhältnis zu den Men-
schen mit „Erkrankungen der Sinnesorgane“ im KSV-Datensatz gesetzt. Hierauf beruht
die Schätzung der bestehenden Wohnverhältnisse für Personen mit sensorischen Be-
hinderungen für die einzelnen Regionen in Sachsen.
Die Zuordnung der Personen aus dem Gesamtdatensatz der Menschen mit sensorischer
Behinderung (n=974) hat dabei den Charakter einer Plausibilitätsprüfung.
യയയയ
29,3 % der sensorischen Stichprobe sind Personen mit Sehbeeinträchtigungen.
യയയയ
21,8 % der sensorischen Stichprobe sind Personen mit Hörbeeinträchtigungen.
യയയയ
23,4 % der sensorischen Stichprobe sind Personen mit Seh- und Hörbeeinträch-
tigungen.
യയയയ
24,1 % der befragten Personen lassen sich keiner Gruppe zuordnen.
Der Anteil der Gruppen „Sehbeeinträchtigung“ in der Stichprobe überschreitet um ca.
6 % den im KSV-Datensatz ausgewiesenen Anteil. Hier beträgt der Anteil der Menschen
mit „Sehbeeinträchtigung“ lediglich 23,4 % an der Gruppe der „Erkrankungen der Sin-
nesorgane“ (für die Befragungsregion sogar lediglich 11,1 %). Problematisch ist die
Gruppe von „Seh- und Hörgeschädigten“ mit 23,4 % Anteil. Es erscheint als sehr wahr-
scheinlich, dass das Hilfsmittel „Sehhilfe“ als „normale“ Brille interpretiert wurde, so
dass viele Hörgeschädigte auch diese Kategorie mit angegeben haben. Als Konsequenz
für die weitere Berechnung wird der Anteil der Menschen mit Sehbeeinträchtigung ge-
mäß KSV-Datensatz (23,4 %) angesetzt. Dieser Wert kann als gesichert betrachtet wer-
den.
Der Anteil der Menschen mit „Hörbeeinträchtigungen“ im KSV-Datensatz beträgt 46,9%
und entspricht in etwa dem in der Stichprobe ermitteltem Anteil von 45,2 %.
Auf Basis des KSV-Datensatzes:
„Art der Hauptbehinderung nach Behinderungsgrup-
pen“, hier: „Erkrankungen der Sinnesorgane“, erfolgte eine Ermittlung der betroffenen
Personen mit sensorischen Behinderungen für die einzelnen Regionen in Sachsen sowie
für den Freistaat Sachsen. Dabei verhält sich die Anzahl der betrachteten Gruppe der
Hilfsmittelnutzung in der Stichprobe zur sensorischen Stichprobe gesamt wie die Anzahl
der betrachteten Gruppe der Hilfsmittelnutzung in Sachsen zum Anteil der „Erkrankun-
gen der Sinnesorgane“ in Sachsen. Den Autoren der Studie ist auch hier bewusst, dass
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

120
die beiden miteinander ins Verhältnis gesetzten Gruppen sich lediglich ähneln, keines-
falls aber in ihrer Zusammensetzung identisch sind. Daher kann auch hier lediglich von
Schätzungen bei der Zusammensetzung der Betroffenengruppen in der sensorischen
Stichprobe ausgegangen werden. Im Ergebnis dieser Schätzung, liegt in Sachsen:
യയയയ
die Anzahl der Personen mit Sehbehinderung bei ca. 10.300, und
യയയയ
die Anzahl der Personen mit Hörbehinderung bei ca. 19.900.
Um die ermittelten Werte abzusichern, wurden sie mit der KSV-Statistik zu den Merk-
zeichen im Behindertenausweis verglichen. Laut KSV-Statistik trugen in Sachsen im Jahr
2015 insgesamt 6.058 Personen das Merkzeichen Bl und bei 4.235 Personen war
hoch-
gradige Sehschwäche als erste Behinderung eingetragen. Aus dem Vergleich resultiert
eine hohe Übereinstimmung der geschätzten Anzahl der Personen mit Sehbeeinträchti-
gung mit der Summe der beiden aufgeführten Betroffenengruppen (n= 10.293).
4.504 Personen waren dort mit dem Merkzeichen Gl im Ausweis ausgestattet. Hinzu
kommen 16.175 Personen mit
Schwerhörigkeit (ohne Merkzeichen) als erster eingetra-
gener Behinderung. Es zeigt sich eine hohe Übereinstimmung zwischen der geschätzten
Anzahl der Personen mit Hörbeeinträchtigung und der Summe der beiden aufgeführten
Betroffenengruppen (n= 20.679).
8.1.4 MUSS­Kriterien für die Bestandsschätzung
Die Einschätzung des Bestands bedarfsgerecht barrierefreier Wohnungen erfolgte diffe-
renziert für die motorische bzw. sensorische Stichprobe. Die dafür notwendigen MUSS-
Kriterien wurden aus den Ergebnissen der Befragung folgendermaßen bestimmt:
യയയയ
Quantitative Auswertung
: Ergebnisse der Aussage
das beeinträchtigt mich
be-
zogen auf die Antwort
trifft (eher) nicht zu
, nach Zahlenwert in Prozent sortiert
und in drei gleich große Gruppen verteilt;
യയയയ
Qualitative Auswertung
: Gruppe mit den höchsten Zahlenwerten bereinigt von
allen Anforderungen die durch einfache Nachrüstung (ohne großen baulichen
Aufwand) realisiert werden können;
യയയയ
Auswahl der MUSS-Kriterien
, die zu den in den Globalfragen ( Aussagen zu
Selbstbestimmung und Sicherheitsgefühl) als besonders schwierig dargestellten
Bereichen gehören. Diese Bereiche sind in beiden Stichproben (Fragebogen
motorische Behinderung und Fragebogen sensorische Behinderung)
Bad
,
Trep-
pen und Aufzüge
sowie
Zugang/ Eingangsbereich
. Das Wohnumfeld wurde
nicht mit betrachtet, weil davon ausgegangen werden muss, dass die Teilneh-
mer mit ihren Aussagen stärker auf den öffentlichen Raum abzielen, als auf den
Bereich von der Grundstücksgrenze bis zum Gebäude.
Die so ermittelten Kriterien stellen ein Mindestniveau an bedarfsgerechter Barriere-
freiheit in Bestandsgebäuden dar. Dabei kommen nicht alle Kriterien die aufgrund der
Bewertung der Befragten als unabdingbar oder notwendig eingestuft wurden zur An-
wendung. Es handelt sich vielmehr um die Kriterien die über alle HMG bzw. beide sen-
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

121
sorische Behinderungen in der höchsten Kategorie eingeordnet waren. Für Neubauten
sind alle Kriterien die in den Kategorien
unabdingbar
und
notwendig
enthalten sind
Grundlage für eine bedarfsgerechte barrierefreie Gestaltung einer Wohnung.
Motorische Stichprobe (Art der Hauptbehinderung: Bewegungsapparat)
Der Kriterienkatalog (Kategorie A, in den Schwerpunktbereichen) enthält für die motori-
sche Stichprobe nach der oben beschriebenen Selektion die in Tabelle 28 zusammenge-
stellten 10 MUSS-Kriterien für bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen in Bestands-
gebäuden für die Wohnbereiche
Zugangsbereich
,
Treppen und Aufzüge
und
Bad
.
Tabelle 27 – Kategorie A in den Schwerpunktbereichen, motorische Gesamtstichprobe, bereinigt von
nachrüstbaren Anforderungen
Nr.
Bereich
Aussage
1
Zugangsbereich
Der Müllcontainer ist für mich ohne Hindernisse erreichbar und zu benutzen.
2
Zugangsbereich
Der Hauseingang ist stufenlos und schwellenlos erreichbar.
3
Bad
Ich kann mich problemlos auf das WC setzen und wieder aufstehen.
4
Zugangsbereich
Der Briefkasten ist für mich ohne Hindernisse erreichbar und zu benutzen.
5
Zugangsbereich
Die Haustür lässt sich leicht öffnen und ich kann sicher durchfahren, bevor
sie sich wieder schließt.
6
Treppen und
Aufzüge
Die Handläufe sind durchgehend und ermöglichen einen sicheren Halt beim
Benutzen der Treppe.
7
Bad
Das Bad bietet ausreichend Platz, damit ich mich mit meinem Hilfsmittel
bequem bewegen kann. Ich muss dafür nicht viel rangieren.
8
Treppen und
Aufzüge
Die Stufen der Treppen sind bequem und gefahrlos begehbar ohne Stolper-
oder Rutschgefahr.
9
Bad
In meinem Bad ist eine Dusche vorhanden.
10
Bad
Das Waschbecken ist für mich gut mit meinem Hilfsmittel erreichbar.
Sensorische Stichprobe (Art der Hauptbehinderung: Sinnesorgane)
Der Kriterienkatalog (Kategorie A in den Schwerpunktbereichen) enthält für die sensori-
sche Stichprobe nach der oben beschriebenen Selektion die in Tabelle 29 zusammenge-
stellten 7 MUSS-Kriterien für bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen in Bestandsge-
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

122
bäuden für die Wohnbereiche
Zugangsbereich
,
Treppen und Aufzüge
und
Bad
.
Tabelle 28 – Kategorie A in den Schwerpunktbereichen, sensorische Gesamtstichprobe, bereinigt von
nachrüstbaren Anforderungen
Nr.
Bereich
Aussage
1
Zugangsbereich
Die Tür ist gut zu erkennen.
2
Treppen und
Aufzüge
Ich kann den Anfang und das Ende der Treppe deutlich erkennen.
3
Treppen und
Aufzüge
Die Stufen der Treppen im Haus sind bequem und gefahrlos begehbar.
4
Zugangsbereich
Man erkennt an der Tür, wenn sie zum Öffnen freigegeben ist.
5
Treppen und
Aufzüge
Die Stufen im Haus sind beim Hoch- und Runtergehen für mich gut erkenn-
bar.
6
Zugangsbereich
Der Hauseingang ist gut zu erkennen und leicht zu finden.
7
Bad
In meinem Bad gibt es keine schwer erkennbaren Schwellen, Vorsprünge und
Kanten an denen ich mich verletzen könnte.
8.1.5 Einschätzung des Bestandes an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen
in der Stichprobe
Zur Einschätzung des Bestandes an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen in Sach-
sen wurden die ausgewählten zehn definierten Kriterien der A-Kategorie (MUSS-Kriteri-
en) für
Menschen mit motorischen Behinderungen
als Filterwerte über den motorischen
Datensatz (n=1426) gelegt.
174 der Befragten (ca. 12,2 %) stimmten den formulierten „MUSS-Kriterien“ über alle
zehn Kriterien zu bzw. verhielten sich z.T. neutral, d.h. einzelne MUSS-Kriterien wurden
durch die Probanden nicht bewertet, da sie für diese Personen offenbar unproblema-
tisch waren. Lediglich 57 Personen haben innerhalb einer Grundgesamtheit von 1.426
der Befragten vollständige Angaben zu allen zehn MUSS-Kriterien gemacht und deren
Einhaltung bestätigt. Statistisch gesicherte Aussagen zum Bestand an bedarfsgerecht
barrierefreien Wohnungen in Sachsen anhand der zehn priorisierten MUSS-Kriterien
sind damit nicht möglich. Hier könnte eine separate Befragung zu den jetzt bekann-
ten Kriterien mit hoher Priorisierung vertiefend verwertbare Erkenntnisse ermöglichen.
Eine Grundaussage der Befragung ist jedoch, dass mit den 10 definierten MUSS-Kriteri-
en für Menschen mit motorischer Behinderung ein aktuell kaum erreichter Standard für
Wohnungen im Bestand beschrieben wurde. Einige Tendenzen sollen an dieser Stelle
dargestellt werden.
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

123
Ein Gestaltungsschwerpunkt im Rahmen der zehn definierten MUSS-Kriterien bezieht
sich auf den
Eingangsbereich
(4 Kategorie-A-Kriterien), wo lediglich 23 % der Befrag-
ten die MUSS-Kriterien als komplett zutreffend beurteilten. Ein zweiter Gestaltungs-
schwerpunkt mit ebenfalls vier MUSS-Kriterien bildet erwartungsgemäß das
Bad
mit
Erfüllungsquote von 34 %. Demgegenüber besitzt das
Treppenhaus
mit 2 Kategorie-A-
Kriterien bereits eine Zustimmungsquote von 73 %.
Zur Einschätzung des Bestandes an bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen für
Men-
schen mit sensorischen Behinderungen
in Sachsen, wurden die ausgewählten sieben
definierten MUSS-Kriterien der A-Kategorie als Filterwerte über den sensorischen Da-
tensatz (n= 974) gelegt.
406 Personen (=41,7 % der sensorischen Stichprobe) stimmten den formulierten MUSS-
Kriterien über alle Kriterien zu bzw. verhielten sich teilweise neutral. Davon benutzten:
യയയയ
208 Personen Hörhilfen (= 21,3 % der sensorischen Stichprobe),
യയയയ
206 Personen Sehhilfen bzw. Blindenhilfsmittel (=21,1 % der sensorischen
Stichprobe).
Die dargestellten Auswertungsergebnisse der Filterung lassen folgende Grundaussage
zur bedarfsgerecht barrierefreien Beschaffenheit der Wohnungen von Menschen mit
sensorischer Behinderung zu:
യയയയ
42 % der Befragten mit sensorischer Behinderung wohnen bedarfsgerecht bar-
rierefrei,
യയയയ
in 58 % der Wohnungen von befragten Personen mit sensorischer Behinderung
sind Anpassungsmaßnahmen notwendig, um eine bedarfsgerechte Barrierefrei-
heit herzustellen.
Ein Bereich mit erhöhtem Gestaltungsbedarf innerhalb der sieben definierten MUSS-
Kriterien bezieht sich wiederum auf den Eingangsbereich (3 Kategorie-A-Kriterien), wo
63 % der Befragten die MUSS-Kriterien als für ihren Wohnbereich zutreffend beurteil-
ten, gefolgt von den MUSS-Kriterien zur Beschaffenheit des Treppenhauses (3 Katego-
rie-A-Kriterien) mit 69 % und der Badgestaltung mit 81 % Erfüllungsquote (1 Kategorie-
A-Kriterium).
Die bedarfsgerecht barrierefreie Ausstattung der Wohnung ist für Menschen mit senso-
rischer Behinderung damit wesentlich häufiger gegeben, als bei Menschen mit motori-
scher Behinderung.
8.1.6 Verteilung der Stichproben auf urbane bzw. ländliche Räume
Die Tabelle 30 beinhaltet eine Gegenüberstellung der Ergebnisse der Befragung von
Menschen mit motorischer Behinderung
im urbanen bzw. ländlichen Raum bezogen
auf die Beantwortung der Fragen zu den zehn definierten MUSS-Kriterien (Kategorie
A-Schwerpunktbereiche). Die statistische Aussagekraft reduziert sich aufgrund sehr
kleiner Stichprobengrößen in den einzelnen Gruppen stark. Die im Detail geringen Fall-
zahlen vermitteln somit eine Tendenz, können aber nicht als Berechnungsgrundlage ge-
nutzt werden.
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

124
Tabelle 29 – Gegenüberstellung urbaner/ländlicher Raum aus motorischer Stichprobe
Stichprobe
motorisch
Anteil urban
Anteil ländlich
Stichprobe „motorisch“ gesamt
1.426
1.066
342
Personen stimmen den formulierten zehn „MUSS-
Kriterien“ zur bedarfsgerechten Barrierefreiheit der
Wohnung zu, davon
174 (=12,2%)
124 (=11,6%)
47 (=13,7%)
Personen mit Gehhilfen (HMG 1)
64
46
18
Personen mit einem mechanischen Rollstuhl (HMG 2)
14
11
3
Personen, die einen Rollstuhl mit Hilfsperson bzw.
eine E-Rollstuhl nutzen (HMG 3)
27
22
5
Insgesamt leben 342 der Befragten mit motorischer Behinderung im ländlichen Raum,
während 1066 der Befragten mit motorischer Behinderung zum Zeitpunkt der Befra-
gung in den urbanen Bereichen wohnten. Im Aussageverhalten ergeben sich nur ge-
ringe Unterschiede. Während Befragte aus dem ländlichen Raum mit einem Anteil von
13,7 % den definierten MUSS-Kriterien zustimmten, lag der Anteil bei den Befragten aus
urbanen Gebieten bei 11,6 %.
Tabelle 31 beinhaltet eine Gegenüberstellung der Befragten mit sensorischer Behinde-
rung im ländlichen bzw. urbanen Raum bezogen auf die Beantwortung der Fragen zu
den sieben definierten MUSS-Kriterien (Kategorie A-Schwerpunktbereiche). Die statisti-
sche Aussagekraft reduziert sich aufgrund sehr kleiner Stichprobengrößen in den einzel-
nen Gruppen stark. Die im Detail geringen Fallzahlen vermitteln dennoch eine Tendenz.
Tabelle 30 – Gegenüberstellung urbaner/ländlicher Raum aus sensorischer Stichprobe
Stichprobe
sensorisch
Anteil urban
Anteil
ländlich
Stichprobe „sensorisch“ gesamt
974
747
213
Personen stimmen den formulierten sieben „MUSS-
Kriterien“ zur bedarfsgerechten Barrierefreiheit der
Wohnung zu
406 (41,7%)
313 (41,9%.)
91 (43,7%)
Personen mit Hörhilfen
208
162
45
Personen mit Sehhilfen bzw. Blindenhilfsmittel
206
154
50
Die sensorische Stichprobe enthält 974 Datensätze. Insgesamt lebten davon 213 der
Befragten mit sensorischer Behinderung im ländlichen Raum, während 747 in urbanen
Bereichen wohnten. 14 Befragte gaben keinen Wohnort an.
Im Aussageverhalten ergeben sich auch in der Stichprobe sensorischer Fragebogen nur
geringe Unterschiede zwischen Stadt und Land. Während Befragte aus dem ländlichen
Raum mit einem Anteil von 43,7 % den definierten MUSS-Kriterien zustimmten, lag der
Anteil bei den Befragten aus urbanen Gebieten bei 41,9 %.
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

125
8.2 Bestandsschätzung für den Freistaat Sachsen
8.2.1 Bestandsschätzung für Personen mit motorischer Behinderung
Aus der Bestandsschätzung geht hervor, dass etwa 10.300 Personen mit motorischer
Behinderung über eine bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung verfügen, welche allen
zehn definierten MUSS-Kriterien (Kategorie A-Schwerpunktbereiche) entspricht (vgl.
dazu Tabelle 32).
Insgesamt resultiert ein Anpassungsbedarf für die Wohnungen von etwa 74.000 Per-
sonen (entspricht einem Anteil von 87,8 %), um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit
entsprechend der zehn definierten MUSS-Kriterien (Kategorie A-Schwerpunktbereiche,
vgl. Tabelle 28 auf Seite 121) herzustellen. Unter Zugrundelegung aller Kategorie A und
B-Kriterien würde der Anpassungsbedarf für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen
noch höher ausfallen.
Tabelle 31 –
Bestandsschätzung „bedarfsgerecht barrierefrei“ für Menschen mit motorischer Behinde-
rung; Quelle: KSV und eigene Berechnungen
Kreisfreie Stadt, Landkreis
Behinderte Personen
mit Erkrankung
Bewegungsapparat
10 MUSS-Kriterien
erfüllt
10 MUSS-Kriterien
teilweise erfüllt
Chemnitz, Stadt
5.017
612
4.405
Erzgebirgskreis
8.510
1.038
7.472
Mittelsachsen
6.780
827
5.953
Vogtlandkreis
5.182
632
4.550
LK Zwickau
6.489
792
5.697
Dresden, Stadt
9.791
1.195
8.596
Bautzen
6.937
846
6.091
Görlitz
6.399
781
5.618
Meißen
5.747
701
5.046
Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge
4.601
561
4.040
Leipzig, Stadt
9.453
1.153
8.300
LK Leipzig
5.372
655
4.717
Nordsachsen
3.956
483
3.473
Freistaat Sachsen
84.234
10.277
73.957
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

126
Ein Gestaltungsschwerpunkt im Rahmen der zehn definierten MUSS-Kriterien bezieht
sich auf den
Zugangsbereich
(4 Kategorie-A-Kriterien), wo lediglich 23 % der an der
Befragung Teilnehmenden die MUSS-Kriterien als komplett zutreffend beurteilten. Ein
zweiter Gestaltungsschwerpunkt mit ebenfalls vier MUSS-Kriterien bildet erwartungs-
gemäß das
Bad
mit Erfüllungsquote von 34 %. Demgegenüber besitzt das
Treppenhaus
mit 2 Kategorie-A-Kriterien bereits eine Zustimmungsquote von 73 %.
Tabelle 32 – Bestandsschätzung „bedarfsgerecht barrierefrei“ für Menschen mit motorischer Behin-
derung für ausgewählte Schwerpunktbereiche „Eingang“, „Bad“ und „Treppenhaus“; Quelle: KSV und
eigene Berechnungen
Kreisfreie Stadt,
Landkreis
Einschränkungen
Bewegungs-
apparat
Eingangs-
bereich
Bedarf
Eingangs-
bereich
erfüllt
Bad
Bedarf
Bad
erfüllt
Treppen-
haus
Bedarf
Treppen-
haus
erfüllt
Chemnitz, Stadt
5.017
3.863
1.154
3.311
1.706
3.662
1.355
Erzgebirgskreis
8.510
6.553
1.957
5.617
2.893
6.212
2.298
Mittelsachsen
6.780
5.221
1.559
4.475
2.305
4.949
1.831
Vogtlandkreis
5.182
3.990
1.192
3.420
1.762
3.783
1.399
LK Zwickau
6.489
4.997
1.492
4.283
2.206
4.737
1.752
Dresden, Stadt
9.791
7.539
2.252
6.462
3.329
7.147
2.644
Bautzen
6.937
5.341
1.596
4.578
2.359
5.064
1.873
Görlitz
6.399
4.927
1.472
4.223
2.176
4.671
1.728
Meißen
5.747
4.425
1.322
3.793
1.954
4.195
1.552
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
4.601
3.543
1.058
3.037
1.564
3.359
1.242
Leipzig, Stadt
9.453
7.279
2.174
6.239
3.214
6.901
2.552
LK Leipzig
5.372
4.136
1.236
3.546
1.826
3.922
1.450
Nordsachsen
3.956
3.046
910
2.611
1.345
2.888
1.068
Freistaat Sachsen
84.234
64.860
19.374
55.594
28.640
61.491
22.743
Beispielhaft resultiert daraus insgesamt ein Anpassungsbedarf für den Eingangsbereich
von etwa 65.000 Wohneinheiten, um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit entspre-
chend der definierten MUSS-Kriterien herzustellen.
8.2.2 Bestandsschätzung für Personen mit sensorischer Behinderung
Aus der Bestandsschätzung geht hervor, dass etwa
13.900
Personen mit sensorischer
Behinderung über eine bedarfsgerecht barrierefreie Wohnung verfügen, welche allen
sieben definierten MUSS-Kriterien (Kategorie A-Schwerpunktbereiche) entspricht. Im
Gegensatz dazu bewohnen ca. 1.700 Personen eine Wohnung, die keinem der sieben
MUSS-Kriterien entspricht und fühlen sich dadurch beeinträchtigt.
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

127
Damit resultiert ein Anpassungsbedarf für die Wohnungen von etwa 26.000 Personen
mit sensorischen Einschränkungen um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit der Woh-
nung entsprechend der sieben definierten MUSS-Kriterien (Kategorie A-Schwerpunktbe-
reiche) herzustellen. Unter Zugrundelegung aller Kategorie A und B-Kriterien würde der
Anpassungsbedarf für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen noch höher ausfallen.
Tabelle 33 – Bestandsschätzung „bedarfsgerecht barrierefrei“ für Menschen mit sensorischer Behinde-
rung; Quelle: KSV und eigene Berechnungen
Kreisfreie Stadt, Landkreis
Behinderte Personen mit
Erkrankung der
Sinnesorgane
7 MUSS-Kriterien
erfüllt
Anpassungsbedarf
Chemnitz, Stadt
3.370
1.405
1.965
Erzgebirgskreis
3.867
1.613
2.254
Mittelsachsen
3.536
1.475
2.061
Vogtlandkreis
2.568
1.071
1.497
LK Zwickau
3.608
1.505
2.103
Dresden, Stadt
5.432
2.265
3.167
Bautzen
3.299
1.376
1.923
Görlitz
2.902
1.210
1.692
Meißen
2.404
1.002
1.402
Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge
2.191
914
1.277
Leipzig, Stadt
6.146
2.563
3.583
LK Leipzig
2.765
1.153
1.612
Nordsachsen
1.967
820
1.147
Freistaat Sachsen
44.055
18.371
25.684
Ein Bereich mit erhöhtem Gestaltungsbedarf innerhalb der sieben definierten MUSS-
Kriterien bezieht sich wiederum auf den
Zugangsbereich
(3 Kategorie-A-Kriterien), wo
63 % der an der Befragung Teilnehmenden die MUSS-Kriterien als für ihren Wohnbe-
reich zutreffend beurteilten, gefolgt von den MUSS-Kriterien zur Beschaffenheit des
Treppenhauses
(3 Kategorie-A-Kriterien) mit 69 % und im
Bad
mit 81 % Erfüllungsquote
(1 Kategorie-A-Kriterium).
Die bedarfsgerecht barrierefreie Ausstattung der Wohnung ist für Menschen mit senso-
rischer Behinderung damit wesentlich häufiger gegeben, als bei Menschen mit motori-
scher Behinderung.
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

128
Tabelle 34 – Bestandsschätzung „bedarfsgerecht barrierefrei“ für Menschen mit sensorischer Behin-
derung für ausgewählte Schwerpunktbereiche „Eingang“, „Bad“ und „Treppenhaus“; Quelle: KSV und
eigene Berechnungen
Kreisfreie Stadt,
Landkreis
Einschrän-
kungen
Sinnesorgane
Eingangs-
bereich
Bedarf
Eingangs-
bereich
erfüllt
Treppen-
haus
Bedarf
Treppen-
haus
erfüllt
Bad
Bedarf
Bad
erfüllt
Chemnitz, Stadt
3.370
2.123
1.247
2.325
1.045
2.730
640
Erzgebirgskreis
3.867
2.436
1.431
2.668
1.199
3.132
735
Mittelsachsen
3.536
2.228
1.308
2.440
1.096
2.864
672
Vogtlandkreis
2.568
1.618
950
1.772
796
2.080
488
LK Zwickau
3.608
2.273
1.335
2.490
1.118
2.922
686
Dresden, Stadt
5.432
3.422
2.010
3.748
1.684
4.400
1.032
Bautzen
3.299
2.078
1.221
2.276
1.023
2.672
627
Görlitz
2.902
1.828
1.074
2.002
900
2.351
551
Meißen
2.404
1.515
889
1.659
745
1.947
457
Sächsische Schweiz -
Osterzgebirge
2.191
1.380
811
1.512
679
1.775
416
Leipzig, Stadt
6.146
3.872
2.274
4.241
1.905
4.978
1.168
LK Leipzig
2.765
1.742
1.023
1.908
857
2.240
525
Nordsachsen
1.967
1.239
728
1.357
610
1.593
374
Freistaat Sachsen
44.055
27.755
16.300
30.398
13.657
35.685
8.370
Beispielhaft resultiert daraus insgesamt ein Anpassungsbedarf für den Eingangsbereich
von etwa 16.300 Wohneinheiten, um eine bedarfsgerechte Barrierefreiheit entspre-
chend der definierten MUSS-Kriterien herzustellen.
BESTANDSSCHÄTZUNG VON BEDARFSGERECHT BARRIEREFREIEN WOHNUNGEN IN SACHSEN

129
9 Bedarfsprognose für den
Freistaat Sachsen
Das Kapitel entwickelt erste Antworten auf die Fragestellung, welcher Bedarf an be-
darfsgerecht barrierefreien Wohnungen (einschließlich rollstuhlgerechten Wohnungen)
bis zum Jahr 2030 aus den Befragungsergebnissen abgeleitet werden kann. Weiterhin
wird der Frage nachgegangen, wie sich der Bedarf zwischen urbanen und ländlichen
Räumen unterscheidet. Aufgrund der vorbeschriebenen unzureichenden Datenlage,
kann eine abschließende Antwort nicht gegeben werden.
Die Bedarfsprognose für bedarfsgerecht barrierefreie Wohnungen im Freistaat Sach-
sen erfolgte auf der Basis der bereits ausgeführten Bestandsschätzung, ergänzt um
angenommene demografische Entwicklungstendenzen bis zum Jahr 2030. Diese Ent-
wicklungstendenzen fußten auf Annahmen und Berechnungen der „6. Regionalisierte
Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat Sachsen 2015 bis 2030“. In den an die
Entwicklung der Gesamtbevölkerung angelehnten Zahlen wird jedoch nicht berücksich-
tigt, dass in den vergangenen Jahren trotz stetig sinkender Bevölkerungszahlen in Sach-
sen ein Anstieg der Menschen mit Behinderung zu verzeichnen war. Daher wurde den
beiden in Anlehnung an die 6. Bevölkerungsvorausberechnung dargestellten Varianten
eine dritte Berechnungsvariante beigefügt, welche auf Basis der bisherigen Entwicklung
der Anzahl der Menschen mit Behinderung eine mathematisch gestützte Prognose
entwickelt.
BEDARFSPROGNOSE

130
9.1 Entwicklungskorridore für Sachsen
Bezüglich der künftigen Entwicklung des Anteils an Menschen mit Schwerbehinderten-
ausweis an der Gesamtbevölkerung Sachsens wurden mehrere Berechnungen durchge-
führt, um einen möglichen Korridor der Entwicklung zu bestimmen. Im Gegensatz zur
rückläufigen Bevölkerungsentwicklung in Sachsen, stieg die Anzahl der Menschen mit
Behinderung im Vergleich zu 1993 (=100 %) von 235.000 auf 392.000, was eine Steige-
rung um 66 % bedeutet. Im gleichen Zeitraum sank Sachsens Bevölkerung von 4,56 Mio.
auf 4,1 Mio. Einwohner, was einem Rückgang um 10,6 % entspricht.
Das verfügbare Zalhlenmaterial zu Menschen mit Schwerbehindertenausweis (KSV-Da-
ten) weist aufgrund eines noch fehlenden Abgleiches mit den Daten des Einwohner-
melderegisters Unsicherheiten auf, die im Rahmen der Befragung durch unzustellbare
Fragebögen („verstorben“, „verzogen“, „kein Schwerbehindertenausweis mehr“) zutage
traten (vgl. dazu Tabelle 4).
In Deutschland nahm hingegen die Anzahl der Menschen mit Behinderung (bei eben-
falls abnehmender Bevölkerungszahl) im Vergleich zu 1993 (lediglich) um 19 % zu.
Tabelle 35 – Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen für die Jahre 2020, 2025 und 2030 für die
Varianten 1 (erhöhte Geburtenrate und Zuwanderung) und 2 (konstante Entwicklung)
58
Kreisfreie Stadt
Landkreis
Land
Bevölkerungs-
fortschreibung
Voraussichtliche Bevölkerung
Variante 1
Variante 2
2014
2020
2025
2030
2020
2025
2030
Chemnitz, Stadt
243,5
249,0
242,6
236,3
242,5
236,0
230,1
Erzgebirgskreis
349,6
345,9
329,2
311,4
329,5
312,0
294,9
Mittelsachsen
312,7
313,7
301,8
288,6
299,0
286,6
274,1
Vogtlandkreis
232,4
232,6
223,4
212,9
221,2
211,4
201,4
Zwickau
325,1
324,7
312,1
297,6
308,8
294,9
281,2
Dresden, Stadt
536,3
582,3
587,1
591,7
564,8
577,2
583,1
Bautzen
306,6
309,4
298,3
284,8
294,0
281,9
269,4
Görlitz
260,2
257,9
245,3
232,7
247,2
235,4
223,6
Meißen
243,7
249,8
244,5
237,3
238,2
232,5
226,2
Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge
246,0
253,8
248,6
241,2
242,9
237,6
230,9
Leipzig, Stadt
544,5
602,0
612,9
617,7
586,3
603,7
609,5
Leipzig
257,6
264,5
260,0
254,5
253,2
249,2
244,7
Nordsachsen
197,0
200,6
196,3
190,9
191,6
187,0
182,4
Freistaat Sachsen
4 055,3
4 186,3
4 102,1
3 997,5
4 019,2
3 945,4
3 851,4
58
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2016 c)
BEDARFSPROGNOSE

131
Auf Basis der 6. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat Sach-
sen 2015 bis 2030 (vgl. Tabelle 36) wurden zwei Varianten für die zu erstellende Prog-
nose der Entwicklung von Menschen mit motorischer bzw. sensorischer Behinderung
zugrunde gelegt. Variante 1 der Bevölkerungsvorausberechnung geht dabei von etwas
optimistischeren Werten bei der Entwicklung der Geburtenrate sowie bei der Zuwan-
derung aus, so dass im Jahre 2030 etwa 146.000 Menschen mehr im Freistaat Sachsen
leben würden als nach Variante 2.
Annahmen für Sachsen, Variante 1
59
: Der Ausgangswert für die Geburtenrate beträgt für
2014 1,57 Kinder je Frau, steigt bis 2018 auf 1,7, bleibt dann bis 2020 konstant, senkt
sich bis 2028 auf 1,6 ab und bleibt bis 2030 konstant. Der Wanderungsgewinn beträgt
im Vorausberechnungszeitraum 2015 bis 2030 280 000 Personen.
Annahmen für Sachsen, Variante 2: Der Ausgangswert für die Geburtenrate beträgt für
2014 1,57 Kinder je Frau, steigt bis 2028 auf 1,6 und bleibt danach konstant. Der Wande-
rungsgewinn beträgt im Vorausberechnungszeitraum 2015 bis 2030 170 000 Personen.
Weitere Annahmen für Sachsen: Die Lebenserwartung bei der Geburt steigt von 2014 bis
2030 bei Mädchen von 83,3 auf 85,8 Jahre, bei Jungen von 77,3 auf 80,2 Jahre. Die Binnen-
wanderungsmuster stabilisieren sich bis 2030 auf dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.
Es wurde eine Alterskorrektur vorgenommen, welche die Altersstrukturveränderungen,
d.h. die Abnahme jüngerer und Zunahme älterer Bevölkerungsgruppen innerhalb der
Gesamtbevölkerung berücksichtigt.
Für die Einschätzung der im Jahr 2030 zu erwartenden Zahlen der Menschen mit Behin-
derung in Sachsen wurde ihr im Jahr 2015 bestehende Anteil auf die prognostizierten
Zahlen für die Bevölkerungsentwicklung 2030 hochgerechnet (vgl. Abbildung 42). Für
die Varianten 1 und 2 wurde der bis dahin zu verzeichnende Anstieg der Anzahl der Men-
schen mit Behinderung bei gleichbleibender Abnahme der Gesamtbevölkerung nicht
berücksichtigt. Zum einen hat sich diese gegenläufige Entwicklung in den letzten sechs
Jahren stetig abgeschwächt. Zum anderen würde die Einführung eines Korrekturfaktors
nach Ansicht der Autoren zu einer lediglich scheinbaren Erhöhung der Genauigkeit der
Vorhersagewerte führen, da ohnehin lediglich Korridore aufgezeigt werden können.
Die dritte Variante für die zu erstellende Prognose der Entwicklung von Menschen mit
motorischer bzw. sensorischer Behinderung für den Zeitraum bis 2030 baut auf einem
Modell auf, welches die Entwicklung der vergangenen 15 Jahre in einer mathematischen
Funktion nachzeichnet. Sie beruht auf einer logarithmischen Regression der bisherigen
Entwicklung. Das Verfahren der logarithmischen Regression liefert, in Fortschreibung
der Entwicklung der Anzahl der Behinderten in Sachsen von 2001 bis 2015, nach Ein-
schätzung der Autoren plausible Prognosedaten für das Jahr 2030.
Abbildung 42 fasst die Ergebnisse zur Trendberechnung bezüglich der voraussichtlichen
Entwicklung der Anzahl der Menschen mit Behinderung im Freistaat Sachsen bis 2030
zusammen.
59
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2016 c)
BEDARFSPROGNOSE

132
Abbildung 42 – Trendberechnungen zur Anzahl behinderter Personen in Sachsen bis 2030
Tabelle 36 – Zusammenstellung von Real- und Trendwerten in Fünfjahresscheiben bis 2030
Jahr
2005
2010
2015
2020
2025
2030
Quelle
Gbe
60
Gbe
KSV
61
Trend
Trend
Trend
Anzahl von Menschen
mit Behinderung
62
300.489
344.058
392.014
X
X
X
Trend
63
nach Variante 1
X
X
X
405.506
406.545
409.158
Trend
64
nach Variante 2
X
X
X
395.102
396.347
399.315
Trend
65
nach Variante 3
X
X
X
383.432
395.768
405.843
Danach leben in Anlehnung an Variante 2 zur „6. Regionalisierten Bevölkerungsvor-
ausberechnung für den Freistaat Sachsen 2015 bis 2030“ im Jahr 2030 voraussichtlich
zwischen 399.000 und 409.000 Personen (Variante 1) mit Behinderung in Sachsen. Das
ergibt eine Spanne von ca. 10.000 Personen und entspricht einer Abweichung von etwa
2,5 % zwischen oberem und unterem Prognosewert.
Der mittlere Prognosewert (V3) geht dabei von einer weiteren, über die letzten Jahre
bereits beobachteten Zunahme der Anzahl der Menschen mit Behinderung aus, indem
eine logarithmische Regression zugrunde gelegt wurde. Die beiden unteren Prognose-
werte (V1 und V2)
60
Statistisches Bundesamt (2016a)
61
Statistisches Bundesamt (2016a) 60
Kommunaler Sozialverband Sachsen (2016b)
62
Statistisches Bundesamt (2016a)
63
Trendberechnung in Anlehnung an Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2016a), Var. 1.
64
Trendberechnung in Anlehnung an Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (2016a), Var. 2.
65
Trendberechnung auf Basis logarithmischer Regression der Entwicklung der Zahl der Behinderten in Sachsen
zwischen 2001 und 2015.
274.984
274.585
300.489
296.485
325.328
355.925
377.550
392.014
405.506
406.545
409.158
0
50.000
100.000
150.000
200.000
250.000
300.000
350.000
400.000
450.000
2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 2025 2027 2029 2031
Entwicklung der Zahl behinderter Personen in Sachsen
und Trend (
logarithmisch
/
Bev.V1
/
Bev.V2
) bis 2030
Trendberechnung (logarithmisch)
Trend nach Bef.-fortschr. V1
Trend nach Bef.-fortschr. V2
BEDARFSPROGNOSE

133
beruhen auf der Annahme, dass sich die Anzahl der Menschen mit Behinderung künftig
im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen in Sachsen bewegen wird, wobei aber die Verän-
derung der Altersstruktur berücksichtigt wurde. Der reale Wert wird sich nach Einschät-
zung der Autoren sehr wahrscheinlich innerhalb des bezeichneten Korridors bewegen.
Abbildung 42 vermittelt zur Trendberechnung bezüglich der voraussichtlichen Entwick-
lung der Anzahl der Menschen mit Behinderung im Freistaat Sachsen bis 2030 einen
visuellen Eindruck zu den angenommenen Ent