image
image
Klima und Umwelt
Abteilung Klima, Luft, Lärm, Strahlen
Abteilung Agrarmeteorologie, Dienstort
Leipzig
Referat Klima, Luftqualität
Kärrnerstr. 68, 04288 Leipzig
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
www.dwd.de
www.lfulg.sachsen.de
Kap. 1: F. Böttcher
Kap. 2: Dr. J. Franke
Kap. 3: Mitarbeiter der Referate 42, 43, 45;
BfUL, LTV
Kap. 4: Dr. D.-R. Eisenhauer (SBS)
Kap. 5. D. Zederer, M. Sacher, Dr. W. Karalus,
M. Panicke, Dr. W. Schmidt,
Kap. 6: C. Kröling
Kap. 7: A. Pausch, Dr. A. Hausmann
Bearbeiter:
Dr. Andrea Hausmann
Abteilung/Referat:
5/51
E-Mail:
andrea.hausmann@smul.sachsen.de
Telefon:
0351 2612-5100
Redaktionsschluss:
28.01.2021
Internet:
http://www.lfulg.sachsen.de
2020 Wetter trifft auf Klima
Fazit:
Das dritte Jahr in Folge mit zu wenig Niederschlag, zu hohen Temperaturen und über-
durchschnittlich vielen Sonnenstunden hat die Trockenheit in Sachsen 2020 weiter
vorangetrieben. Wenn man diese Bedingungen zusammen betrachtet, ergibt sich in
der atmosphärischen Bilanz ein Gesamtdefizit von 800 Litern Wasser pro Quadratme-
ter. Das Defizit ist inzwischen so massiv, dass es wochenlang anhaltend regnen
müsste, um es auszugleichen.
Die Grundwasserdürre hat sich 2020 weiter verschärft und einen neuen Tiefststand
erreicht. In den Flüssen herrschte vielerorts anhaltendes Niedrigwasser. Die pflanzen-
verfügbaren Wasservorräte der Böden Sachsens wiesen ein großes Defizit auf.
Nach einem »extrem zu warmen« Winter startete die Vegetation mehr als 2 Wochen
früher als normal. Die Spätfrostereignisse Ende März und Mitte Mai bewiesen dann die
trotz Klimaerwärmung weiter anhaltende Spätfrostgefahr.
In Abhängigkeit von Wasserverfügbarkeit und Spätfrost fielen die Erträge in Landwirt-
schaft und Gartenbau sowie die Waldschäden regional sehr unterschiedlich aus.

2
1
Einordnung der Jahreswitterung 2020 global, in Europa und Deutschland; Phä-
nologie
Das Jahr 2020 war ein weiteres zu warmes Jahr in Folge. Nach vorläufigen Auswertungen
der WMO wird 2020 auch
global
eines der drei wärmsten Jahre seit Mitte des 19 Jh. sein.
Die globale Durchschnittstemperatur im Jahr 2020 wird etwa 1,2 °C über dem vorindustriel-
len (1850-1900) Niveau liegen. Die sechs wärmsten Jahre finden sich alle seit 2015. Die Un-
terschiede zwischen den wärmsten drei Jahren sind allerdings so gering, dass sich die
Ranglisten der verschiedenen Auswertungen unterscheiden können. Im
europäischen
Maßstab haben acht Länder 2020 als bisher wärmstes seit dem – jeweils unterschiedlichen -
Beginn der Aufzeichnungen eingeordnet, z. B. : Finnland, Schweden, Estland, Frankreich.
Die arktische Meereisausdehnung war die zweitniedrigste seit Beginn der Aufzeichnungen.
(Quelle; F. Imbery, F. Kaspar, K. Friedrich & B. Plückhahn: Klimatologischer Rückblick auf
2020, DWD, Abteilungen für Klimaüberwachung und Agrarmeteorologie)
Mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,4 °C war 2020 das zweitwärmste Jahr in
Deutsch-
land
seit 1881, mit geringem Abstand zu dem bisher wärmsten Jahr 2018 (10,5 °C) und
knapp vor 2019 und 2014 (jeweils 10,3 °C); Abbildung 1. Neun der zehn wärmsten Jahre
wurden im 21. Jahrhundert beobachtet, davon die vier wärmsten Jahre in der zurückliegen-
den Dekade 2011-2020. Diese Dekade war zugleich die wärmste seit Beginn der Wetterauf-
zeichnungen.
Außer dem Mai 2020 waren in Deutschland 2020 alle Monate sowie alle Jahreszeiten wär-
mer als die vieljährigen Monats- und Jahreszeitenmittel 1961-1990. Januar, Februar, April
und August zeigten dabei mit einer Abweichung von über 3 Grad die höchsten positiven
Temperaturanomalien. Die in der Fläche kältesten Nächte traten in der letzten Märzdekade
auf. Den ersten meteorologischen Sommertag gab es am 17. April in der Mitte und im Sü-
den. Zwischen dem 5. und 22. August etablierte sich über Deutschland eine teils sehr heiße
und feuchte Witterung. Dabei kletterten die Höchstwerte auf über 35 °C.
Der Trend zu weniger Frost- und Eistagen in Deutschland hielt an. Auch die Anzahlen der
Sommertage und heißen Tage lagen im oberen Bereich bisheriger Aufzeichungen,
erreichten die Rekorde aus den beiden Vorjahren aber nicht.
Verbreitet zu trocken, insbesondere in der Westhälfte Mit rund 710 Litern pro Quadratmeter
(l/m²) erreichte 2020 nur gut 90 Prozent seines Solls von 789 l/m² (Abbildung 2). Damit wa-
ren von den letzten 10 Jahren 9 zu trocken, nur 2017 war feuchter als normal. Dürre und
Regen, teilweise mit Überflutungen, lagen 2020 häufig nah beieinander. Am 3. August mel-
dete Aschau-Innerkoy, südöstlich von Rosenheim, mit 154,4 l/m² die größte Tagessumme.
Die höchsten Jahresmengen gingen mit bis zu 2000 l/m² im Schwarzwald und an den Alpen
nieder. Am trockensten blieb es mit unter 500 l/m² in vielen Teilen Nordostdeutschlands. Be-

image
3
achtenswerte Schneefälle waren eine Rarität und fokussierten sich vor allem auf das höhere
Bergland. In der Südhälfte kamen Ende Februar und Anfang Dezember aber auch mal im
Flachland die Schneefans auf ihre Kosten. Die mächtigste Schneedecke des Jahres weitab
der Gipfellagen gab es in Zinnwald-Georgenfeld, Osterzgebirge, am 5. Februar mit 37 cm.
Deutschland erlebte das viertsonnigste Jahr seit Messbeginn. Mit etwa 1901 Stunden über-
traf der Sonnenschein sein Soll von 1544 Stunden um gut 20 Prozent. Damit nahm 2020 den
vierten Platz der sonnigsten Jahre seit Messbeginn 1951 ein. Über 2000 Stunden schien sie
vor allem im Süden. Vergleichsweise sonnenscheinarm blieb es dagegen in der norddeut-
schen Tiefebene und in den zentralen Mittelgebirgen.
Abbildung 1: Anomalie der Jahresmitteltemperatur über Deutschland bezogen auf die
Normalperiode 1961-1990 im Zeitraum 1881 bis 2020
Die Pflanzenentwicklung startete 2020 im Mittel über Sachsen etwa 19 Tage früher als nor-
mal (Abbildung 3). Das ist auf den extrem zu milden Winter 2019/20 zurückzuführen. Die
ersten stäubenden Haselsträucher waren Ende Januar zu erleben. Die Verfrühung hielt über
die neun Tage frühere Apfelblüte bis zum Beginn des Frühsommers, festgemacht am Erblü-
hen der Dolden des Schwarzen Holunders an. Hoch- und Spätsommer lagen sowohl bei
Eintrittszeit als auch Andauer im normalen Bereich. Der Herbst war etwas länger, so dass
der phänologische Winter erst am 12.11., d. h. fünf Tage später als normal mit dem Blattfall
der Stieleiche begann.

image
image
4
Abbildung 2: Anomalie der Jahresniederschlagssumme in Prozent über Deutschland
im Jahr 2020 bezogen auf die Normalperiode 1961-1990 (Quelle: DWD)
Abbildung 3: Darstellung der phänologischen Entwicklung 2020 in Sachsen im Ver-
gleich der Normalperiode 1961-1990 (Quelle: DWD)

image
5
2
Klimatologische Einordnung für Sachsen und seine Landkreise
2.1
Langjährige Entwicklung der Lufttemperatur
In Abbildung 4 sind die jährlichen Abweichungen (in Kelvin, K) des Flächenmittels der Jah-
resmitteltemperatur gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen abgebildet.
2020 wurde mit +2,2 K als «extrem zu warm» eingestuft und gehört mit 2018 und 2019 zu
den drei wärmsten Jahren seit 1881. Es fällt auf, dass in den letzten 30 Jahren in Sachsen
fast ausnahmslos überdurchschnittlich warme Jahre auftraten, was auch in der dekadischen
Entwicklung der Lufttemperatur in einem markanten Anstieg über die letzten vier Dekaden
1981-1990 bis 2011-2020 zum Ausdruck kommt (Abbildung 5).
Auf der Grundlage von Auswertungen der sächsischen Klimaprojektion „WEREX-VI-
Ensemble“ ist davon auszugehen, dass sich dieser Erwärmungstrend bis zum Ende des 21.
Jahrhunderts in einem Korridor zwischen +1,5 K (RCP2.6) und +5 K (RCP8.5), gegenüber
1961-1990, weiter fortsetzt (Abbildung 5).
In Abbildung 6 sind die jährlichen Abweichungen (in Kelvin, K) der Jahresmitteltemperatur
gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für sächsische Landkreise (oh-
ne kreisfreie Städte) abgebildet.
Abbildung 4: Abweichungen der Jahresmitteltemperatur (K) gegenüber 1961-1990 in
Sachsen, 1881 bis 2020

image
6
Abbildung 5: Abweichungen der mittleren Jahresmitteltemperatur (K) für Dekaden ge-
genüber 1961-1990 in Sachsen, 1881 bis 2100 (1881-2020 gemessene Daten, 2001-2100
Projektionsdaten WEREX-VI-Ensemble)

image
image
image
7
Abbildung 6: Abweichungen der Jahresmitteltemperatur (K) für 2020 vs. 1961-1990 in
sächsischen Landkreisen (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)
In Abbildung 7 sind Abweichungen (in Kelvin, K) der Wintertemperatur gegenüber der Refe-
renzperiode 1961-1990 im Zeitraum 1881-2100 für Sachsen abgebildet. Mit +4,3 K war der
Winter 2019/20 der zweitwärmste seit 1881. Von einer Fortsetzung des Erwärmungstrends
im Winter im 21. Jahrhundert ist auszugehen.
Abbildung 7: Abweichungen der Mitteltemperatur (K) im Winter in Sachsen für Jahre
und Dekaden vs. 1961-1990 im Zeitraum 1881-2100: Jahre 1881-2020 (links), Dekaden
1881-2100 (rechts), (1881-2020 gemessene Daten, 2001-2100 Projektionsdaten WEREX-
VI-Ensemble)

image
8
In Abbildung 8 ist die chronologische Abfolge wärmerer und kühlerer Jahreszeiten in Sach-
sen im Zeitraum Winter 2010/11 bis Herbst 2020 dargestellt. Diese Abbildung dokumentiert
das zunehmend höhere thermische Niveau, auch vor dem Hintergrund der Kumulation. Seit
1881 ist der Abschnitt von Sommer 2013 bis Herbst 2020 (30 Jahreszeiten) der längste, in
dem durchgehend alle Jahreszeiten über ihrem Referenzwert lagen.
Abbildung 8: Chronologische Abfolge positiver und negativer Abweichungen der Luft-
temperatur für Jahreszeiten gegenüber 1961-1990 in Sachsen, Winter 2010/11 bis
Herbst 2020
2.2
Langjährige Entwicklung des Niederschlags
Generell ist der Niederschlag, im Vergleich zur Temperatur, eine raum-zeitlich sehr hetero-
gene Größe, was den Umgang mit diesem wichtigen Klimaelement schwierig macht.
In Abbildung 9 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) des Flächenmittels des Jah-
resniederschlages gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen abgebildet. Das
Jahr 2020 war mit -9 % «zu trocken». In Abbildung 9 fällt auf, dass im Vergleich zur Lufttem-
peratur keine klare Entwicklung in den Jahresniederschlagssummen sichtbar wird.
Auf der Grundlage von Auswertungen der sächsischen Klimaprojektion „WEREX-VI-
Ensemble“ ist davon auszugehen, dass sich die in der Dekade 2011-2020 beobachtete Ent-
wicklung des mittleren Jahresniederschlages in einem Korridor zwischen -5 % und -25 %,
gegenüber 1961-1990, bis zum Ende des 21. Jahrhunderts fortsetzt (Abbildung 10).

image
9
In Abbildung 11 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) des Jahresniederschlages
gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für sächsische Landkreise (oh-
ne kreisfreie Städte) abgebildet.
Abbildung 9: Abweichungen des Jahresniederschlages (%) gegenüber 1961-1990 in
Sachsen, 1881 bis 2020

image
10
Abbildung 10:
Abweichungen des mittleren Niederschlages im Jahr (%) für De-
kaden gegenüber 1961-1990 in Sachsen, 1881 bis 2100 (1881-2020 gemessene Daten,
2001-2100 Projektionsdaten WEREX-VI-Ensemble)

image
image
image
11
Abbildung 11:
Abweichungen des Jahresniederschlags (%) für 2020 vs. 1961-
1990 in sächsischen Landkreisen (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung:
LfULG)
In Abbildung 12 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) der Niederschlagssummen im
April sowie der Vegetationsperiode I (Apr-Jun) gegenüber der Referenzperiode 1961-1990
als Flächenmittel für Sachsen und für sächsische Landkreise (ohne kreisfreie Städte) abge-
bildet. Mit -33 % war die VP I 2020 «zu trocken», das Frühjahr (Mrz-Mai) mit -39 % sogar
«extrem zu trocken». Von einer Fortsetzung der prekären Entwicklung der Niederschlags-
summen während der ersten Hälfte der Vegetationszeit im 21. Jahrhundert ist auszugehen.
Einen zunehmenden Beitrag für die beobachtete Niederschlagsentwicklung in den Frühjahr-
monaten kommt dem Monat April zu.

image
image
image
12
Abbildung 12:
Abweichungen des Niederschlags (%) in Sachsen für Jahre und
Dekaden vs. 1961-1990 im Zeitraum 1881-2100: Vegetationsperiode I (Apr-Jun): Jahre
1881-2020 (oben links) & Dekaden 1881-2100 (oben rechts) & Jahr 2020 für sächsische
Landkreise (unten links), April: Dekaden 1881-2020 (unten rechts), (1881-2020 gemes-
sene Daten, 2001-2100 Projektionsdaten WEREX-VI-Ensemble)
In Abbildung 13 ist die chronologische Abfolge niederschlagsarmer und -reicher Jahreszeiten
in Sachsen im Zeitraum Winter 2010/11 bis Herbst 2020 dargestellt. In dieser Darstellung
zeigt sich auf den ersten Blick keine der Temperatur vergleichbare Entwicklung an (vgl. Ab-
bildung 8), allerdings ist eine Häufung niederschlagsärmerer Abschnitte erkennbar.

image
13
Abbildung 13:
Chronologische Abfolge positiver und negativer Abweichungen
des Niederschlages für Jahreszeiten gegenüber 1961-1990 in Sachsen, Winter 2010/11
bis Herbst 2020
2.3
Langjährige Entwicklung eines Trockenheitsmaßes (
de Martonne
-Index)
Der Index nach
de Martonne
zielt auf die pflanzenphysiologische Wirkung des Niederschlags
ab und liefert ein einfaches Maß für die Trockenheit eines Lebensraumes. Er ist definiert mit
dM = P/(T+10), wobei P der Niederschlag (mm) eines Bezugszeitraumes (z.B. Jahreszeit)
und T die Mitteltemperatur (°C) des Bezugszeitraums ist. Die Temperatur fungiert hier als
Proxy für die Verdunstung. Der
de Martonne
-Index harmoniert mit der klimatischen Wasser-
bilanz und kann als atmosphärische Rahmenbedingungen für Feuchte- und Trockenphasen
interpretiert werden. Aufgrund der geringen Datenanforderung lassen sich vergleichsweise
lange Zeitreihen für dM berechnen und hinsichtlich Klimawandel bewerten.
In Abbildung 14 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) des Flächenmittels für den
de
Martonne
-Index auf Jahresbasis gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen
abgebildet. Das Jahr 2020 hatte mit -19 % einen Wert angenommen, der mit «zu trocken»
eingestuft wurde. Aus Abbildung 14 geht hervor, dass hier bereits seit 7 Jahren eine Ten-
denz besteht.
Auf der Grundlage von Auswertungen der sächsischen Klimaprojektion „WEREX-VI-
Ensemble“ ist davon auszugehen, dass sich die in der Dekade 2011-2020 bisher beobachte-
te Entwicklung des mittleren
de Martonne
-Index auf Jahresbasis in einem Korridor zwischen
-15 % und -45 %, gegenüber 1961-1990, bis zum Ende des lfd. Jahrhunderts fortsetzt
(Abbildung 15).

image
14
Abbildung 14:
Abweichungen des de-Martonne-Index (%) gegenüber 1961-1990
in Sachsen, 1881 bis 2020, Jahr
Abbildung 15:
Abweichungen des de-Martonne-Index im Jahr (%) für Dekaden
gegenüber 1961-1990 in Sachsen, 1881 bis 2100 (1881-2020 gemessene Daten, 2001-
2100 Projektionsdaten WEREX-VI-Ensemble)
In Abbildung 16 ist die chronologische Abfolge trockener und feuchterer Jahreszeiten in
Sachsen im Winter 2010/11 bis Herbst 2020 dargestellt. Diese Abbildung dokumentiert, dass
seit Herbst 2013, mit wenigen Ausnahmen, vermehrt atmosphärische Bedingungen auftra-
ten, die einen Aufbau/Ausprägung von Trockenheit begünstigen bzw. vorantreiben.

image
15
Abbildung 16:
Chronologische Abfolge positiver und negativer Abweichungen
des de-Martonne-Index für Jahreszeiten gegenüber 1961-1990 in Sachsen, Winter
2010/11 bis Herbst 2020
2.4
Langjährige Entwicklung der Sonnenscheindauer
In Abbildung 17 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) des Flächenmittels der Jah-
ressumme für Sonnenstunden gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen ab-
gebildet. Das Jahr 2020 wurde mit +23 % als «viel zu sonnenreich» eingestuft. In Abbildung
17 fällt auf, dass in Analogie zur Lufttemperatur die letzten 30 Jahre weitgehend überdurch-
schnittlich sonnenreich, mit Auftreten von extrem sonnenreichen Jahren, gewesen sind, was
auch in der dekadischen Entwicklung sichtbar ist (Abbildung 18). Diese Zunahme ist auch
vor dem Hintergrund einer verbesserten Luftqualität infolge eines verminderten Aerosolge-
haltes zu sehen.
Das WEREX-VI-Ensemble projiziert bis zum Ende des 21. Jahrhunderts eine Fortsetzung
der dekadischen Entwicklung für die seit 1951 vorliegenden Messungen in einem Korridor
der Größenordnung +10 % bis +35 %, gegenüber 1961-1990, bis zu Ende des lfd. Jahrhun-
derts (Abbildung 18).
In Abbildung 19 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) der Jahressumme für Son-
nenstunden gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für sächsische
Landkreise (ohne kreisfreie Städte) abgebildet.

image
image
16
Abbildung 17:
Abweichungen der Jahressonnenstunden (%) gegenüber 1961-
1990 in Sachsen, 1951 bis 2020

image
17
Abbildung 18:
Abweichungen der mittleren Jahressonnenstunden (%) für Deka-
den gegenüber 1961-1990 in Sachsen, 1951 bis 2100 (1951-2020 gemessene Daten,
2001-2100 Projektionsdaten WEREX-VI-Ensemble)
Abbildung 19:
Abweichungen der jährlichen Sonnenscheindauer (%) für 2020 vs.
1961-1990 in sächsischen Landkreisen (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartener-
stellung: LfULG)
In Abbildung 20 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) der Sonnenstundensummen
für das Frühjahr gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für Sachsen
und für sächsische Landkreise (ohne kreisfreie Städte) abgebildet. Mit ca. +50 % war das
Frühjahr 2020 «extrem zu sonnenreich».

image
image
image
18
Abbildung 20:
Abweichungen der Sonnenscheindauer (%) vs. 1961-1990 im
Frühjahr in Sachsen 1881-2020 (links) und sächsischen Landkreisen 2020 (rechts) (Da-
ten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)
In Abbildung 21 ist die chronologische Abfolge der prozentualen Abweichungen sonnenrei-
cherer und sonnenärmerer Jahreszeiten in Sachsen im Winter 2010/11 bis Herbst 2020 dar-
gestellt. In Analogie zur Lufttemperatur (Abbildung 8) ist auch bei den Sonnenstunden eine
Entwicklung hin zu wesentlich länger andauernden Zeitabschnitten mit sonnenreicheren Jah-
reszeiten festzuhalten.
Abbildung 21:
Chronologische Abfolge von Abweichungen der Sonnenstunden
für Jahreszeiten gegenüber 1961-1990 in Sachsen, Winter 2010/11 bis Herbst 2020

19
2.5
Zusammenfassende klimatologische Einordnung für Lufttemperatur, Nieder-
schlag und Sonnenscheindauer
Abbildung 22 zeigt eine zusammenfassende klimatologische Einordnung für die Elemente
Lufttemperatur, Niederschlag und Sonnenstunden auf der Basis von Jahres-, Jahreszeiten-
und Monatswerten.
Die farblichen Hervorhebungen betreffen die Randbereiche der Verteilungen über die jewei-
ligen Abweichungen seit Datenverfügbarkeit und zielen auf das Sichtbarmachen von Extre-
men in den unterschiedlichen Zeitskalen Monat, Jahreszeit und Jahr ab.
Botschaften:
Das Jahr 2020 war in Sachsen mit 2,2 Kelvin (K) «extrem zu warm», mit +23 Prozent «viel
zu sonnenreich» und mit -9 Prozent weniger Niederschlag «zu trocken».
Das Defizit im Jahresniederschlag bilanziert sich aus sehr hohen "von-Monat-zu-Monat"-
Schwankungen. Beispiele hierfür sind die Monate Februar mit +136 Prozent («extrem zu
feucht») und Oktober mit +107 Prozent («viel zu feucht») bzw. April mit -86 Prozent und No-
vember mit -84 Prozent, beide «extrem zu trocken».
Bis auf das Frühjahr waren alle Jahreszeiten «extrem zu warm», insbesondere der Winter
2019/20 mit +4,3 K. Das Frühjahr war mit -39 Prozent «extrem zu trocken» und mit +47%
«extrem zu sonnenreich».
Der Monat Mai war mit -1,0 K der einzige kühlere Monat im Jahresverlauf, wie bereits 2019.
Insgesamt fallen die Monate im Jahr 2020 durch eine Vielzahl extremerer Ausprägungen bei
der Lufttemperatur, dem Niederschlag und den Sonnenstunden auf. In der Gesamtschau der
Elemente fallen insbesondere auf:
Kategorie "feucht & warm-dunkel"
Februar: +5,3 K («extrem zu warm»), +136 % («extrem zu feucht»), -29 %
(«zu sonnenarm»);
Oktober: +1,3 K («zu warm»), +107 % («viel zu feucht»), -35 % («zu sonnen-
arm»);
Kategorie "trocken & warm-hell"
April: +2,6 K («viel zu warm»), -86 % («extrem zu trocken»), +94 % («extrem
zu sonnenreich»);
November: +2,0 K («zu warm»), -84 % («extrem zu trocken»), +80 % («ext-
rem zu sonnenreich»);
Dezember: +2,6 K («zu warm»), -58 % («zu trocken»), +57 % («zu sonnen-
reich»).

image
image
image
image
20
Abbildung 22:
Zusammenfassende klimatologische Einordnung des Jahres 2020
in Sachsen (Datenzeitraum: 1881 bis 2020; Hinweis zur oberen Abbildung: scheinbare
Inkonsistenzen in den Zahlenangaben beruhen auf Rundungsungenauigkeiten, maß-
gebend sind die Größenordnungen) und verwendete Perzentile und deren Eigenschaft
für die Lufttemperatur (2. von oben), den Niederschlag (3. von oben) und die Sonnen-
stunden (unten)
2.6
Besonderheit im Witterungsverlauf
Die hier gemachten Aussagen verstehen sich in Ergänzung zu den Berichten von 2019
(Rückblick 2018) und 2020 (Rückblick 2019)
(
https://www.klima.sachsen.de/jahresruckblicke-
wetter-trifft-klima-12409.html
)
und beleuchten die Abfolge der Monate November 2017 bis
Dezember 2020.
Über die Monate November 2017 bis Dezember 2020 hat sich ein ca. 18prozentiges Nieder-
schlagsdefizit gegenüber 1961/90 in Sachsen aufgebaut, ca. 400 mm Niederschlag, der dem
Boden fehlt und mehr als die Hälfte des mittleren Jahresniederschlages in Sachsen ent-
spricht. Das Defizit gegenüber 1981/10 betrug sogar ca. -500 mm (-21 %) (Abbildung 23,
Abbildung 24).
Infolge des im Mittel mit +2,2, K gegenüber 1961-1990 sehr hohen thermischen Niveaus und
dem 24prozentigen Überschuss an Sonnenstunden in Sachsen (siehe Abbildung 25) erhöhte
sich über diesen Zeitraum die potentielle Verdunstung (Sättigungsdefizit der Atmosphäre)
um ca. +17 % bzw. 255 mm (Abbildung 26), was eine stark erhöhte Sogwirkung auf die
Landoberfläche zur Folge hat, worauf diese in Abhängigkeit des Wasserdargebotes mit ent-
sprechenden Verdunstungsraten reagiert.

21
In der Bilanzierung der atmosphärischen Bedingungen (klimatische Wasserbilanz: Nieder-
schlag minus potentielle Verdunstung) hat sich ein Defizit von 800 l/m² Wasser aufgebaut
(Abbildung 27).
Botschaften:
Von wesentlich herausragender Bedeutung ist die Fortsetzung des gleichartigen Witterungs-
verlaufes aus den Jahren 2018 und 2019 in 2020. Das Fazit hierfür ist: 3 Jahre in Folge Nie-
derschlagsdefizit und 3 Jahre in Folge Überschuss an Wärme (drei wärmsten Jahre seit
1881) und Sonnenstunden!
In der dreijährigen Bilanz steht dem 18prozentigen Niederschlagsdefizit (ca. -400 l/m²) ein 17
Prozent höheres Sättigungsdefizit (auch "Durst") der Atmosphäre
1
(ca. +325 l/m²) gegen-
über. Die Bilanzierung der atmosphärischen Bedingungen aus Niederschlag minus Sätti-
gungsdefizit (potentieller Verdunstung) ergibt ein Defizit im potentiellen Wasserdargebot
(klimatische Wasserbilanz) von ca. -800 l/m². Demnach fehlen in der atmosphärischen Bilanz
800 l/m² Wasser! Die Wirkung des Niederschlagdefizites von -400 l/m² verschärft sich durch
die Verdunstung auf -800 l/m²!
Neben der Größenordnung ist insbesondere die Andauer dieses Zustandes mit erheblichen
Risiken für das System Boden-Pflanze-Atmosphäre verbunden. Seit Herbst 2013 traten in
den darauffolgenden Jahreszeiten bis einschließlich Herbst 2020 vermehrt atmosphärische
Bedingungen auf, die eine Ausbildung von Trockenheit begünstigen bzw. vorantreiben.
Sichtbar wurden die Auswirkungen erst 2018! Durch gleichzeitiges und anhaltendes Auftre-
ten von Extremen für Niederschlag, Temperatur und Sonnenstunden ergeben sich neuartige
Extreme!
Niederschlagsdefizite sind aus der Vergangenheit bekannt, bisher allerdings nicht unter
vergleichbaren Niveaus für die Lufttemperatur und die Sonnenstunden
2
. So waren die 30
Jahreszeiten von Sommer 2013 bis Herbst 2020 durchgehend alle wärmer und sind damit
der längste zusammenhängende Abschnitt seit 1881, was in etwa auch für die Sonnenstun-
den seit 1951 gilt. Aus den aktuellen Klima-Projektionen für Sachsen geht hervor, dass die
Änderungen in den letzten 10 Jahren (2011-2020) für die Lufttemperatur und die Sonnen-
stunden bereits das Niveau des Szenarios RCP2.6 (Klimaschutz-Ziel) zum Ende des 21.
Jahrhunderts erreicht haben!
1
Für das Sättigungsdefizit sind die Lufttemperatur (+2,2 K) und die Sonnenstunden (+26 %) maßgebliche Trei-
ber.
2
Jahre: RR (%), TM (K) – 1962/64: -20, -0.7 | 1971/73: -13, -0.1 | 1982/85: -14, +0.2 | 1989/91: -16, +0.9 |
2018/19: -18, +2.2

image
image
image
image
image
22
Abbildung 23:
Verlauf des kumulierten Niederschlages (mm) von November 2017
bis Dezember 2020 in Sachsen (Daten: DWD, Datenverarbeitung: LfULG)

image
image
23
Abbildung 24:
Abweichungen des kumulierten Niederschlages von November
2017 bis Dezember 2020 vs. 1961-1990 (oben) bzw. vs. 1981-2010 (unten) in sächsi-
schen Landkreisen: links in (l/m²), rechts in (%) (Daten: DWD, Datenverarbeitung &
Kartenerstellung: LfULG)

image
image
image
24
Abbildung 25:
Abweichungen der Monatsmitteltemperatur (K) (oben) und der
monatlichen Sonnenstunden (%) (unten) von November 2017 bis Dezember 2020 vs.
1961-1990 in Sachsen (Daten: DWD, Datenverarbeitung: LfULG)
Abbildung 26:
Abweichungen der kumulierten potentiellen Verdunstung von No-
vember 2017 bis Dezember 2020 vs. 1961-1990 in sächsischen Landkreisen: links in
(l/m²), rechts in (%) (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)
Abbildung 27:
Abweichungen der kumulierten klimatischen Wasserbilanz von
November 2017 bis Dezember 2020 vs. 1961-1990 in sächsischen Landkreisen in (l/m²)
(Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)

25
3
Auswirkungen der Witterung 2018/19 auf die Ressource Wasser
Mit Beiträgen von LfULG (Referate 42, 43 und 45), BfUL sowie LTV
Hinweis: Die folgenden Auswertungen beziehen sich teilweise auf das Kalenderjahr, teilwei-
se auf das Hydrologische Jahr (oder „Abflussjahr“), welches vom November des Vorjahres
bis zum Oktober des Betrachtungsjahres reicht. Diese Zeiteinteilung ist in der Hydrologie für
Mitteleuropa gebräuchlich, da im November typischerweise die Phase der Grundwasserneu-
bildung einsetzt.
3.1
Wasserhaushaltliche Einordnung
2020 war das dritte Jahr in Folge mit einem ausgeprägten Niederschlagsdefizit in Sachsen.
Vor allem der April und Juli, aber insbesondere die Periode von Anfang November bis Ende
des Jahres war ausgesprochen trocken. Für die Kalenderjahre und gegenüber der Klimarefe-
renzperiode 1961 bis 1990 betrugen die Defizite/Abweichungen beim Niederschlag 2018
ca. 33 %, 2019 ca. 13 % und 2020 rund 10 %. Damit hat sich das in den vergangenen Jah-
ren aufgebaute Niederschlagsdefizit weiter verstärkt! Weiterhin war – auf Grund des generell
gestiegenen thermischen Niveaus – die Verdunstung höher als üblich.
Ein wichtiger Kennwert zur Bewertung des Wasserhaushalts ist die sogenannte Klimatische
Wasserbilanz (KWB). Sie ist die Differenz aus der Niederschlagssumme und der potentiellen
Verdunstung. Die potentielle Verdunstung ist dabei ein Maß für die unter optimalen Verduns-
tungsbedingungen und maximaler Wasserverfügbarkeit mögliche Verdunstung über Gras.
Die tatsächliche Verdunstung ist in der Regel kleiner als die potentielle Verdunstung.
Grundsätzlich ist in Sachsen die KWB im Jahres- und Flächenmittel positiv – es fällt also
mehr Niederschlag, als potentiell verdunstet. Dieses „Plus an Niederschlag“ lässt sich für
Sachsen im mehrjährigen (1981–2010) Flächenmittel der Jahressumme mit circa 145 mm
(bzw. Liter pro Quadratmeter [l/m²]) beziffern.
Im Abflussjahr (November bis Oktober) 2018 betrug die KWB hingegen im Flächenmittel cir-
ca
-
220 mm, im Abflussjahr 2019 ca.
-
20 mm. Insbesondere die Monate April bis Oktober
wiesen in beiden Jahren (Ausnahme: Mai 2019) eine deutlich unter der Erwartung liegende
KWB auf.
Im Abflussjahr 2020 war die Summe der KWB erstmals wieder positiv, doch blieb sie mit le-
diglich circa 20 mm auch deutlich unter dem Durchschnittswert der Bezugsperiode 1981–
2010 (145 mm). Mit Blick auf die monatlichen Abweichungen von der mittleren KWB der
mehrjährigen Bezugsperiode 1981–2010, stechen 2020 besonders der April und Juli hervor,
welche flächendeckend deutlich unterdurchschnittliche KWB-Werte aufweisen
(Abbildung 28).
Hinweis: Bei negativen KWB-Werten ist es nicht so, dass der verfügbare Niederschlag aus-
schließlich für die Verdunstung aufgebraucht wird. Vor allem bei schlechter Wasserverfüg-
barkeit ist die tatsächliche Verdunstung sehr viel geringer als die potentielle Verdunstung. So
gelangt also auch ein – wenn auch unterdurchschnittlicher – Anteil des Niederschlags zum
Abfluss oder ins Grundwasser. Abfluss und Grundwasserneubildung sind damit gegenüber
den typischen Verhältnissen reduziert, was unter anderem zu Niedrigwasser führt, da bei
länger andauerndem Trockenwetter der Abfluss in den Fließgewässern in der Regel aus
dem Grundwasser gespeist wird.

image
26
Abbildung 28:
Monatliche Abweichung der Klimatischen Wasserbilanz von den
mittleren KWB-Werten der Bezugsperiode 1981 bis 2010; Angabe in mm (LHWZ)
3.2
Entwicklung der Bodenfeuchte an ausgewählten Standorten
Dargestellt sind die Auswertungen der Messungen an drei Boden-
Dauerbeobachtungsflächen („BDF“) des LfULG (siehe Abbildung 29):
BDF Köllitsch (Nordsachsen, Aue): Vega aus Auensediment (Elbaue)
BDF Hilbersdorf (Osterzgebirge): Braunerde aus Lößlehm über Gneis (Östlicher Erz-
gebirgsnordrand)
BDF Schmorren (Mittelsachsen): Parabraunerde-Tschernosem aus Lößlehm (Mittel-
sächsisches Lößhügelland).

image
27
Abbildung 29:
Lage der betrachteten Boden-Dauerbeobachtungsflächen
Die Dürrejahre 2018/2019 haben in den pflanzenverfügbaren Wasservorräten der Böden
Sachsens bis zum Winter 2019/2020 ein großes Defizit verursacht. Erst im Februar 2020 fiel
genug Niederschlag, um diese Vorräte zumindest einigermaßen aufzufüllen.
Der Auffüllstand des Wasserspeichers im Boden erreicht seinen höchsten Punkt üblicher-
weise zu Beginn des Frühjahrs nach der Schneeschmelze. Bleiben Winterniederschläge und
Schnee aus, starten die Böden mit einem deutlich niedrigeren Wasservorrat in das Frühjahr.
So stiegen auch im Winter 2018/2019 die Bodenwasservorräte an, jedoch konnte das große
Defizit vom Sommer 2018 nicht ausgeglichen werden. Am Ende des Jahres 2019 waren
wieder deutliche Defizite der pflanzenverfügbaren Wasservorräte zu verzeichnen.
Im August bis Oktober der Jahre 2018/2019/2020 erreichte die Bodenfeuchte aufgrund der
langanhaltenden Trockenheit ein absolutes Minimum (siehe Abbildung 30 und Abbildung 31)
und sank auf der BDF Hilbersdorf fast bis auf den permanenten Welkepunkt. In dieser Situa-
tion kann die Pflanze die im Boden immer noch verbliebene Restfeuchte nicht mehr aufneh-
men. Ohne zeitnahen Regen verdorrt sie.
Die Auffüllung des Wasservorrats im Boden erfordert entweder eine langsame Schnee-
schmelze oder aber einen Landregen, weil nur dann das Wasser in den Boden einsickern
kann. Starkregen führt fast ausschließlich zu Oberflächenabfluss und Bodenerosion.

image
image
28
Abbildung 30:
BDF II Hilbersdorf – Verlauf der Bodenfeuchten und der Nieder-
schläge 2016 bis Anfang Januar 2021; Monatsdurchschnitte der Bodenfeuchten in Ab-
hängigkeit der Tiefe (in [Vol.-%] – rot); Monatssummen der Niederschläge (in [l/m
2
] –
blau)
Abbildung 31:
BDF II Köllitsch – Verlauf der Bodenfeuchten und der Nieder-
schläge 2016 bis Anfang Januar 2021; Monatsdurchschnitte der Bodenfeuchten in Ab-
hängigkeit der Tiefe (in [Vol.-%] – rot); Monatssummen der Niederschläge (in [l/m
2
] –
blau)
In normal feuchten Jahren liegt der Auffüllstand des verfügbaren Wasserspeichers im
Oberboden je nach Jahreszeit und Bodenart zwischen 40 und 80 % und kann in extremen
Trockenzeiten (meist zum Ende des Sommers) bis unter 10 % absinken (Sandböden).
Die Auswertungen haben gezeigt, dass der pflanzenverfügbare Wasservorrat in den obers-
ten 65 cm der Lößboden seit 2014 kontinuierlich um ca. 20 mm gesunken ist (Abbildung 32),

image
29
dieses Wasser fehlt dann gerade in den extremen Hitze- und Trockenperioden. Das maxima-
le Wasserdefizit wurde hier bisher jedoch am Ende des Dürrejahrs 2003 gemessen.
Abbildung 32:
Verhältnis zwischen pflanzenverfügbarem Wasservorrat und Bo-
denfeuchte in der Bodenschicht bis 65 cm am Beispiel eines Lößstandortes – BDF II
Schmorren; Monatssummen der Niederschläge in [l/m
2
] - blaue Säulen
Eine dünne Schicht Boden von nur 1 cm Mächtigkeit kann bei Sandböden rund 0,5 bis 1 mm
(bzw. l/m²) und bei Lößböden ca. 2 bis 3 mm Wasser speichern. Um den Hauptdurchwurze-
lungshorizont bis etwa 40 cm in Frühjahr 2020 wieder ausreichend zu befeuchten, hätte es
Anfang Mai 2020 zwischen 13 und 24 mm Niederschlag als ausdauernden Landregen ge-
braucht.
Die Situation in Lößböden Anfang Mai 2020 war noch kein Problem, weil der absolut verfüg-
bare Wasservorrat dort immer noch sehr groß war. In Sandböden war das jedoch in diesem
Frühjahr 2020 ein großes Problem, weil der absolute Vorrat an pflanzenverfügbarem Wasser
fast aufgebraucht wurde und die Hauptwachstumsphase der Pflanzen noch bevorstand.
Aktuell befindet sich ca. 86 mm (Stand: Anfang Januar 2021) an pflanzenverfügbarem Was-
ser im Oberboden der untersuchten Lößböden. Im Vergleichszeitraum 2017/2018 waren es
etwa 122 bis 133 mm. In sandigen Substraten sind Anfang Januar nur ca. 50 mm an pflan-
zenverfügbarem Wasser im Oberboden vorhanden. In den Jahren 2017/2018 wurden Anfang
Januar hingegen etwa 75 bis 80 mm gemessen.
3.3
Bodenwasserhaushalt und Grundwasserneubildung am Standort Brandis (Ly-
simeterstation der BfUL)
Die nachfolgenden Analysen basieren auf den Untersuchungen verschiedener Bodentypen
unter einheitlicher landwirtschaftlicher Nutzung und identischem Klima an der Lysimeterstati-
on Brandis. Im aktuellen Untersuchungsjahr wurde in Brandis Winterraps angebaut. Die un-
tersuchten Bodengruppen decken ein breites hydrologisches Spektrum ab und sind vor allem
für den Nordwesten Sachsens repräsentativ. Nachfolgend werden die in Brandis beobachte-
ten Sickerwassermengen und Bodenwasserspeicherdefizite, der in Tabelle 1 nach hydrologi-
schen Aspekten charakterisierten Böden, des hydrologischen Jahres 2020 (11/2019–

30
10/2020) und mit den historischen Beobachtungen in der Bezugsperiode 1981–2010 vergli-
chen.
Tabelle 1:
Einteilung der untersuchten Bodengruppen (Gr.) in Klassen von Pe-
dohydrotopen (PH) mit Beschreibung der Böden und Angaben zur mittleren Feldkapa-
zität (FK) und der maximalen Feldkapazität (FKmax) der Wurzelzone, sowie den mittle-
ren jährlichen Sickerwassermengen (Sw) und dem vertikalen Verlagerungsrisiko des
Wassers (VR)
PH
Beschreibung
Gr.
FK (FK
max
)
(mm)
Sw
(mm/a)
VR
a
kiesige Mittel- und Grobsande ohne
bindige Deckschichten
5
58 (70)
191
mittel
b
gebänderte Mittel- und Feinsande über
Sanden und Kiesen
4
8
109 (145)
135
gering
c
Geschiebelehm (-mergel) über Sanden
oder Kiesen
1; 7
11
120 (185)
102
gering –
sehr gering
d
mächtige Lößschichten über Sanden,
Kiesen oder Geschiebelehm/-mergel
9
10
275 (445)
20
sehr gering
Das hydrologische Jahr 2019 endete im Oktober mit noch teils hohen Bodenwasserspei-
cherdefiziten. Deren Auffüllung dauerte auf den leichten Böden bis in den Januar 2020, auf
den mittleren Böden bis in den Februar. Auf allen Böden war somit ein verspätetes Einsetzen
der Sickerwasserperiode zu beobachten. Nach stark überdurchschnittlichen Niederschlags-
summen im Februar, kam es auf allen leichten und mittleren Böden zu überdurchschnittli-
chen Sickerwassermengen, welche sich im März fortsetzten und somit das verspätete Ein-
setzen der Sickerwasserperiode in Bezug auf die Jahressumme etwas ausgleichen konnten.
In der Folge ergaben sich auf fast allen leichten und mittleren Böden durchschnittliche jährli-
che Sickerwassermengen (Abbildung 33). Deutlich unterdurchschnittlich waren die Sicker-
wassermengen nur auf den sehr leichten Böden der Gruppe 5 und dem mittleren Boden der
Gruppe 11. Auf den schweren Böden kam es, bedingt durch sehr hohe Bodenwasserspei-
cherdefizite zum Ende des hydrologischen Jahres 2019, im gesamten Jahr 2020 zu keiner
Sickerwasserbildung. Eine ausbleibende Sickerwasserbildung ist auf diesen Böden aller-
dings nicht ungewöhnlich.

image
31
Abbildung 33:
Verlauf der an der Lysimeterstation Brandis beobachteten Jah-
ressummen der jährlichen Sickerwassermengen für acht verschiedene Bodengruppen
im hydrologischen Jahr 2020.
Die grauen Boxplots repräsentieren die in der Bezugsperio-
de 1981–2010 beobachteten Verteilungen der jeweiligen jährlichen Größen und dienen der
statistischen Einordnung.
Die mittleren Bodenwasserspeicherdefizite der acht untersuchten Bodengruppen für das
aktuelle hydrologische Jahr sind in Abbildung 34 dargestellt. Aus bodenhydrologischer Sicht
ist, nach den Jahren 2018 und 2019, auch das Jahr 2020 als außergewöhnlich trockenes
Jahr zu charakterisieren. Die mittleren jährlichen Bodenwasserspeicherdefizite sind auf allen
leichten und mittleren Böden als überdurchschnittlich einzustufen und liegen unterhalb der
jeweiligen 25% Perzentile der Bezugsperiode 1981 bis 2010. Diese Situation ergibt sich vor
allem aus der ungewöhnlich späten Auffüllung im Januar/Februar 2020 und der bereits un-
gewöhnlich starken Ausschöpfungen im April 2020. Ursächlich für diese ungewöhnlich star-
ken Ausschöpfungen sind zum einen der außergewöhnlich niederschlagsarme April und zum
anderen der sich schnell entwickelnde Winterraps. Bedingt durch ein hohes Strahlungsange-
bot in Verbindung mit warmer Witterung, kam es so bereits zu teils vollständigen Ausschöp-
fungen der Bodenwasserspeicher auf den leichten Böden und hohen Ausschöpfungen auf
den mittleren Böden zum Ende des Monats April. In den folgenden Monaten reichten die
Niederschläge nicht aus, um den Evapotranspirationsbedarf der Vegetation zu decken,
wodurch sich die bereits bestehenden Bodenwasserspeicherdefizite, wenn möglich, noch
vergrößerten. Nach der Ernte im Juli kam es nur zu einer langsamen Auffüllung der Boden-
wasserspeicherdefizite, welche insbesondere aufgrund stark unterdurchschnittlicher Nieder-
schläge im November und Dezember noch nicht abgeschlossen ist.

image
32
Abbildung 34:
Verlauf der in der Lysimeterstation Brandis beobachteten mittle-
ren jährlichen Bodenwasserspeicherzehrungen für acht verschiedene Bodengruppen
im hydrologischen Jahr 2020.
Die grauen Boxplots repräsentieren die in der Bezugsperio-
de 1981–2010 beobachteten Verteilungen der jeweiligen jährlichen Größen und dienen der
statistischen Einordnung.
Besonders ausgeprägt ist das Bodenwasserspeicherdefizit auf den schweren Lößböden der
Gruppen 9 und 10. Die Bodenwasserspeicher dieser tiefgründigen Lößböden sind so groß,
dass sich Defizite ausbilden können, die durch die Winterniederschläge nur noch teilweise
aufgefüllt werden können. Auf diese Weise können Bodenwasserspeicherdefizite teilweise in
das Folgejahr fortbestehen und sich akkumulieren. Die aktuellen Bodenwasserspeicherdefi-
zite der schweren Böden sind die höchsten seit Beginn der Beobachtungen (1980) und ha-
ben ein Niveau erreicht, bei dem auch ein überdurchschnittlich feuchter Winter nicht zu einer
Auffüllung ausreicht.
Zusammenfassend ist anzumerken, dass 2020 das erste Jahr der letzten sieben Jahre mit
einer halbwegs durchschnittlichen Sickerwasserbildung gewesen ist. Im Verhältnis zu den
durchschnittlichen 7-jährigen Sickerwassermengen der Bezugsperiode wurden im Zeitraum
2014–2020 deutlich geringere Sickerwassermengen beobachtet (siehe Abbildung 35). Auf
den leichten und mittleren Böden liegen die prozentualen Anteile zwischen 58 % und 37 %,
während auf den schweren Böden nur 2 % bis 4 % der üblichen Sickerwassermengen beo-
bachtet wurden. Die aktuellen Bodenwasserspeicherdefizite weisen darauf hin, dass die Si-
ckerwasserperiode auch im Jahr 2021 erst verspätet einsetzt und unterdurchschnittliche Si-
ckerwassermengen zu erwarten sind.

image
33
Abbildung 35: Vergleich der in Brandis beobachteten 7-jährigen Sickerwassermengen
des Zeitraumes 2014–2020 im Vergleich zu den durchschnittlichen 7-jährigen Sicker-
wassermengen der Bezugsperiode 1981–2010
3.4
Auswirkungen auf das Grundwasser
In dem 51-jährigen Zeitraum 1970 bis 2020 ging in Sachsen mit den klimatischen Änderun-
gen eine Abnahme der mittleren Grundwasserstände mit einem Landesmittel von ca. 80 cm
einher. 2020 verschärfte sich die bestehende „Grundwasserdürre“ durch die im dritten Jahr
in Folge auftretende Kombination aus Niederschlagsmangel und extrem hoher potenziell
möglicher Verdunstung weiter. 2020 sanken die Grundwasserstände im Jahresmittel gegen-
über dem Rekord aus dem Jahre 2019 im Landesmittel von Sachsen erneut auf einen neuen
Rekordwert ab (siehe Abbildung 36).
Abbildung 36:
Jährlicher mittlerer Grundwasserstand in Sachsen 1970–2020
350
400
450
500
550
600
1970
1980
1990
2000
2010
2020
Grundwasserstand [cm unter
Geländeoberkante]
Jährlicher mittlerer Grundwasserstand
Mittel über 108 Messstellen in Sachsen

34
Bei der seit 2018 andauernden Grundwasserdürre fällt auf, dass das Landesmittel der
Grundwasserstände im Frühjahr sukzessive zunehmend auf einem für die Jahreszeit unty-
pisch niedrigen Niveau liegt (Abbildung 37). 2020 tritt im Frühjahr erstmals ein Grundwasser-
stand auf, wie er bis vor 2018 noch nicht mal mit dem Jahrestiefststand im Herbst (Abbildung
38) zu beobachten war.
Abbildung 37:
Anomalie des mittleren Grundwasserstandes in Sachsen im Früh-
jahr 1970-2020
Abbildung 38:
Anomalie des mittleren Grundwasserstandes in Sachsen im
Herbst 1970 - 2020
-110
-55
0
55
110
1970
1980
1990
2000
2010
2020
Anomalie [cm]
Anomalie des mittleren Grundwasserstandes im
Frühjahr
Referenzperiode 1970-2020: 457 cm unter Geländehöhe
Mittel über 108 Messstellen in Sachsen
Frühjahr
-110
-55
0
55
110
1970
1980
1990
2000
2010
2020
Anomalie [cm]
Anomalie des mittleren Grundwasserstandes im
Herbst
Referenzperiode 1970-2020: 457 cm unter Geländehöhe
Mittel über 108 Messstellen in Sachsen
Herbst

image
35
Die seit 2018 andauernde Grundwasserdürre tritt im Zeitraum 1970–2020 mit dem Landes-
mittel der herbstlichen Tiefstwerte der Grundwasserstände deutlich hervor. Die Werte der
Jahre 2018 bis 2020 pegeln sich dabei auf einem ähnlich tiefen Niveau ein. Bei Fortsetzung
unzureichender Niederschläge im laufenden Winterhalbjahr 2020/2021 ist eine noch weitere
Verschärfung der bestehenden Grundwasserdürre im Jahr 2021 nicht auszuschließen.
In Sachsen bestehen im Fest- und Lockergestein regionale Unterschiede im Grundwasser-
stands-Regime. Im Festgestein steigen die Grundwasserstände hydrogeologisch bedingt
und aufgrund der höheren Niederschläge in den Mittelgebirgen im Winter in der Regel rasch
wieder an. An der Grundwassermessstelle Geising, OT Lauenstein im Osterzgebirge ist
exemplarisch zu erkennen, dass 2018, 2019 und 2020 der sommerliche Tiefstand des
Grundwassers ungewöhnlich lange anhält, nachdem vom Höchststand des Winterhalbjahres
ein sehr schnelles Wiederabsinken zu beobachten ist (Abbildung 39).
Abbildung 39:
Verlauf des Grundwasserstands der vergangenen Jahre an der
Messstelle Geising, OT Lauenstein
Die Grundwassermessstelle Wildenhain in Nordsachsen (Abbildung 40) zeigt für das Tief-
land Sachsens exemplarisch, dass sich die Grundwasserstände in 2020 bei den Defiziten
des Winter- und Frühjahrsniederschlages und der intensiven Verdunstung im Sommerhalb-
jahr weiterhin auf sehr niedrigem und im Beobachtungszeitraum vor 2018 noch nicht beo-
bachteten Niveau bewegen können. Geringe Grundwasserneubildung und eine hohe Ver-
dunstungszehrung im Sommerhalbjahr verhindern an der Messstelle Wildenhain das dritte
Jahr in Folge ein Ende der Phase mit den aus 50-jährigen Beobachtungen bisher unbekannt
niedrigen Grundwasserständen.

image
36
Abbildung 40:
Verlauf des Grundwasserstands der vergangenen Jahre an der
Messstelle Wildenhain
3.5
Auswirkungen auf die Öffentliche Wasserversorgung
Während bei der Entnahme von Wasser für Bewässerungs- oder sonstige Zwecke Allge-
meinverfügungen und Verbote auch 2020 erlassen worden, konnte und kann die öffentliche
Trinkwasserversorgung seit der seit 2018 andauernden Trockenperiode durchgängig in der
geforderten Qualität und Menge sichergestellt werden. Damit wird dem wichtigen Grundsatz
des Vorranges der öffentlichen Wasserversorgung vor anderen Wasserentnahmen Rech-
nung getragen. Auch Roh- und Trinkwasser aus den Trinkwassertalsperren, aus denen
knapp 40 % der Wasserentnahmen für die öffentliche Wasserversorgung stammen, konnten
2020 ohne Einschränkungen bereitgestellt werden (vgl. Abschnitt 3.7).
Zwar wurden örtlich und regional die Wasserversorgungsunternehmen vor außergewöhnli-
che Herausforderungen, wie starke Dargebotsrückgänge, Beschaffenheitsprobleme bei
Oberflächenwasser- und Uferfiltratnutzung oder Störungen im Leitungsnetz gestellt, jedoch
konnten diese durch Netzumstellungen, Verbundbetrieb und weitere, in den letzten drei Jah-
ren umgesetzte Maßnahmen bewältigt werden. So profitierte 2020 die sächsische Wasser-
versorgung bereits aus den Erfahrungen des Jahres 2018, in welchem vereinzelt provisori-
sche Maßnahmen des Notbetriebes ergriffen werden mussten. Durch vorsorgendes Handeln
konnte die kommunale Pflichtaufgabe der Wasserversorgung erfüllt werden. Die seit 2018
anhaltende Trockenperiode hat jedoch gezeigt, dass die Eigenwasserversorgungsanlagen

37
der privaten dezentralen Versorgungsstrukturen stark betroffen sind und eine zeitweise Not-
versorgung durch die öffentlichen Aufgabenträger erfolgen musste.
Von einer zunehmenden Betroffenheit der Dargebote der privaten Eigenwasserversorgung
durch die Folgen des Klimawandels sowie der Betreiber von Kleinanlagen zur Eigenversor-
gung durch komplexere und gestiegene fachliche und rechtliche Anforderungen muss aus-
gegangen werden. Die Aufgabenträger sind in diesem Zusammenhang dazu angehalten die
gesetzliche Versorgungspflicht (nach § 43 SächsWG) und die Möglichkeiten der Wasserver-
sorgung für Ortslagen mit überwiegend privater Wasserversorgung zu überprüfen. Daher
unterstützt das Sächsische Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Land-
wirtschaft die Aufgabenträger der öffentlichen Wasserversorgung bei der Erweiterung der
öffentlichen Trinkwasserinfrastrukturen im ländlichen Raum mit einem bis zum 31. Dezember
2023 befristeten Sonderprogramm (Förderrichtlinie Sonderprogramm öffentliche Trinkwasse-
rinfrastruktur – RL öTIS/2019, Fördersatz bis 65 %). Der erste Aufruf zur Einreichung von
Förderanträgen erfolgte am 5. April 2019. Der zweite Aufruf folgte am 1. Oktober 2020. (In-
formationen zu Konditionen, Verfahrensablauf sowie die Antragsformulare finden sich auf
den Seiten der SAB:
www.sab.sachsen.de/Trinkwasserversorgung
).
Im Jahr 2016 betrug der Anschlussgrad in Sachsen 99,3 %, d.h. nur 27.038 Einwohner wa-
ren ohne Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung. Schwachstellen der sächsischen
Wasserversorgung, von denen einige in der andauernden Trockenperiode offensichtlich
wurden und werden, werden in der „Grundsatzkonzeption Wasserversorgung 2030“ themati-
siert. Im Zusammenhang stehende Handlungsbedarfe wurden für Behörden und Aufgaben-
träger abgeleitet. Für die Fortschreibung der Wasserversorgungskonzepte erhalten die Auf-
gabenträger methodische Vorgaben zu Inhalt, Umfang und Form.
Im Ergebnis sollen zukünftig insbesondere die Bewirtschaftung der Dargebote optimiert wer-
den, eine verlässliche Datengrundlage (Datenbank mit relevanten jährlichen Kennzahlen der
öffentlichen Wasserversorgung in Sachsen) die Auskunftsfähigkeit des Freistaates verbes-
sern und qualifizierte Wasserversorgungskonzepte die öffentliche Wasserversorgung lang-
fristig und nachhaltig auch im Not-, Krisen- oder Katastrophenfall sichern.
3.6
Entwicklung des Niedrigwassers in den Fließgewässern
Durch das Niederschlagsdefizit der vergangenen Jahre bei gleichzeitig verstärktem Verduns-
tungsanspruch kam es zu einer deutlichen Abnahme der Grundwasserneubildung und damit
der Grundwasserstände (siehe Abschnitt 3.4). In Phasen längerer Niederschlagsarmut oder -
freiheit herrschen in den meisten Fließgewässern sog. effluente Verhältnisse. Das bedeutet,
dass der Großteil des in den Fließgewässern ablaufenden Wassers Grundwasser ist. Im
Umkehrschluss bedeutet das, das bei zurückgehenden Grundwasserständen auch die Was-

image
38
serführung bei Trockenwetter in den Fließgewässern zurückgeht. Durch kurzfristige Nieder-
schläge erholt sich die Wasserführung meist rasch, allerdings nicht nachhaltig, sodass sie –
je nach Einzugsgebietsgröße – nach einigen Tagen wieder auf das niedrige Ausgangsniveau
zurückgefallen ist.
Vor diesem Hintergrund lassen sich gut die nachstehenden Abbildungen diskutieren. Abbil-
dung 41 zeigt dabei den Anteil sächsischer Pegel mit einer Wasserführung kleiner/gleich des
Niedrigwasser-Schwellenwertes MNQ für die Kalenderjahre 2018 bis 2020. Es handelt sich
dabei gewissermaßen um einen Indikator der „Niedrigwasser-Intensität“.
Abbildung 41:
Anteil sächsischer Pegel mit einer Wasserführung kleiner/gleich
des Niedrigwasser-Schwellenwertes MNQ für die Kalenderjahre 2018 bis 2020; es
handelt sich um eine wöchentlich aktualisierte Stichtags-Auswertung (LHWZ)
Bemerkenswert sind dabei die folgenden Punkte:
Grundsätzlich herrschte in 2018 das intensivste Niedrigwasser, bezogen auf den hier
dargestellten Indikator. Das hängt vor allem damit zusammen, dass in 2018 der größ-
te Niederschlagsmangel herrschte und die längsten Trockenwetterperioden vorka-
men.
Zum Ende der dargestellten Jahre befanden sich stets noch rund ein Fünftel der
Ausgewerteten Messstellen im Niedrigwasser, was sehr untypisch ist.
Unter den normalen hydroklimatischen Bedingungen Mitteleuropas setzt spätestens
Oktober/November eine Phase des Niederschlagsüberschusses ein und damit ein
Rückgang der Niedrigwasser-Intensität. Diese Linderung fand in 2020 bisher nicht
statt, was absolut außergewöhnlich ist!
Abbildung 42 zeigt eine Analyse der Abflussmengen anhand der mittleren jährlichen
Durchflüsse an ausgewählten Pegeln. Hierbei werden (im Gegensatz zu Abbildung 41)
alle aufgetreten Messungen mit einbezogen (also auch im Mittel- und Hochwasserbe-
reich).

image
39
Abbildung 42:
Mittlere Jahresdurchflüsse für ausgewählte Pegel für die Kalen-
derjahre 2018 bis 2020 im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert; für die Abflusssum-
men (Füllen) ergibt sich relativ dasselbe Bild (LHWZ)
Dabei sind die folgenden Punkte zu bemerken:
In den Kalenderjahren 2018 bis einschließlich 2020 lag die Wasserführung flächen-
deckend deutlich unter dem vieljährigen Durchschnitt; es war also weniger Wasser in
den Fließgewässern, als üblich.
Verbreitet war hinsichtlich der mittleren Wasserführung bzw. der Gesamtabflussmen-
gen nicht das niederschlagsärmste Jahr 2018, sondern 2020 der Negativ-
Spitzenreiter. Das ist eine direkte Konsequenz aus der bereits erläuterten Abhängig-
keit der Wasserführung bei Trockenwetter von den Grundwasserständen.
Insbesondere in den Flussgebieten der Schwarzen Elster und Spree, aber auch der
Mulde war 2020 ein extrem abflussarmes Jahr, was sich nicht zuletzt in den Heraus-
forderungen bei der Talsperrenbewirtschaftung widerspiegelt (siehe Abschnitt 3.7).
Zur Elbe
Den abflussarmen Jahren 2014, 2015, 2016, 2017, 2018 und 2019 in der Elbe folgte nun-
mehr ein weiteres Jahr, welches in der Elbe insbesondere im Frühjahr durch extremes Nied-
rigwasser gekennzeichnet war. Es wurden in diesem Zeitraum historisch niedrige Durchflüs-
se beobachtet.
Der niedrigste Tagesmittelwert im April 2020 am Pegel Dresden wurde am 26.04. mit
117 m³/s registriert (siehe Abbildung 43). So ein geringer Durchfluss ist in einem April seit
Beginn der Aufzeichnungen am Pegel Dresden bisher nur einmal aufgetreten (am
01.04.1865 mit 80,8 m³/s). Grund der für die Jahreszeit außerordentlich niedrigen Durchflüs-
se waren die geringen Schneerücklagen in den Mittelgebirgen des Einzugsgebietes sowie
die extrem geringen Niederschläge verbunden mit den Bauarbeiten an der tschechischen
Moldaukaskade in den Wintermonaten. Bereits im Mai wurde das MNQ(Jahr) unterschritten

image
40
(vom 09.05. bis 10.05. und vom 21.05. bis 23.05.). In diesem Zeitraum wurden am Pegel
Dresden historische Tiefstwerte registriert (am 10. und 11.05. Q = 102 m³/s und W = 68 cm,
am 22.05. Q = 94,5 m³/s und W = 62 cm). Das sind die niedrigsten Tagesmittelwerte in ei-
nem Mai seit der Inbetriebnahme der Moldaukaskade im Jahr 1964.
Abbildung 43:
Durchflussganglinie für den Pegel Dresden / Elbe von Anfang
2018 bis Ende 2020 (LHWZ)
Mitte Juni kam es im tschechischen Einzugsgebiet zu Starkniederschlägen von örtlich über
100 mm in 24 Stunden. Dabei wurden an den sächsischen Elbepegeln die höchsten Was-
serstände und Durchflüsse vom 23. bis zum 24.06. erreicht, die gleichzeitig die höchsten
Wasserstände und Durchflüsse des Abfluss- und Kalenderjahres 2020 darstellen. Die Was-
serstände blieben dabei unter dem ersten Alarmstufen-Richtwert, die Durchflüsse deutlich
unter MHQ(Jahr).
Der Jahresmittelwert des Durchflusses am Pegel Dresden im Abflussjahr 2020 beträgt nur
62 % vom vieljährigen Mittel. 2020 ist nunmehr das sechste Jahr, in dem das Durchfluss-
Jahresmittel ausgesprochen niedrig ausfällt. Ein solch langer Zeitraum von sieben Jahren mit
einem derart niedrigen mittleren Abflussniveau ist für die Elbe absolut außergewöhnlich.
Hinweis:
Weitere Details und tiefergehende Auswertungen sind in den vom LHWZ heraus-
gegebenen „Hydrologischen Wochen- und Monatsberichten“ zu finden (siehe
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/lhwz/hydrologische-wochen-und-
monatsberichte.html
).
3.7
Bewirtschaftung der Trinkwassertalsperren
Die monatelang viel zu geringen Niederschlagssummen wurden im Dezember 2018 und Ja-
nuar 2019 durch erhebliche Niederschlagsmengen abgelöst. Die darauffolgenden Wintermo-
nate 2019 brachten durchschnittlichen Niederschlag, teils als Schnee. Vor allem in den Ge-
birgsregionen, in denen die Trinkwassertalsperren liegen, bildete sich eine Schneedecke

image
41
aus. Die stark unterdurchschnittlichen Niederschläge Ende 2019 und im Frühjahr 2020 (Aus-
nahme Februar 2020) haben dazu geführt, dass nicht alle Stauanlagen wieder zu 100 %
gefüllt werden konnten. Beispielsweise betrug das Niederschlagsdefizit 2018 bis Ende 2020
für das Einzugsgebiet der TS Gottleuba rund 370, für die TS Lehnmühle rund 530 mm.
Die großen Wasservorräte in der Schneedecke in den Gebirgsregionen aus dem Winter
2018/2019 wurden im Februar und März 2019 abflusswirksam. Im Frühjahr 2020 fehlten die-
se Rücklagen allerdings. Auf Grund des trockenen Frühjahrs konnte 2020 nicht an allen
Trinkwassertalsperren das Stauziel wieder erreicht werden. Das heißt, der für die Wasser-
versorgung genutzte Betriebsraum war nicht zu 100 % wieder gefüllt (siehe als Beispiel Ab-
bildung 44).
Abbildung 44: Vergleich der Füllstände des Talsperrensystems Lehnmühle-
Klingenberg (Summe) bezogen auf das Stauziel für die Jahre 2018 bis 2020 (LTV)
Wegen der geringen Zuflüsse sank die Talsperrenfüllung stetig; stellenweise mehr als im
Jahr 2018. Durch die höheren Zuflüsse im Oktober starten die Trinkwassertalsperren jedoch
im Vergleich zu 2019 mit höheren Wasserständen in das Folgejahr. Die geringen Nieder-
schläge im November und Dezember führten allerdings rasch wieder zu einer Abnahme der
Zuflüsse (siehe
Abbildung 45
und
Abbildung 46
). Bei einem trockenen Frühjahr 2021 kann
die Vollfüllung der Betriebsräume in den Talsperren nicht garantiert werden. Die Betriebs-
räume der Trinkwassertalsperren sind jedoch so bemessen und die Systeme entsprechend
vernetzt, dass auch mit Talsperrenfüllungen unter Stauziel die Rohwasserbereitstellung mit
hoher Versorgungssicherheit gewährleistet bleibt. Die Trockenperiode seit 2018 ist noch
nicht beendet und verlangt weiter eine sehr sparsame und vorausschauende Bewirtschaf-
tung der Talsperren.

image
image
image
image
image
42
Abbildung 45: Zuflussbilanz diverser Stauanlagen (an der Sperrstelle) in den Sommer-
halbjahren (Mai bis Oktober) im Vergleich der Jahre 2018 bis 2020 gegenüber dem Mit-
tel der Periode 1991 bis 2020 (LTV)
Abbildung 46: Zuflussbilanz ausgewählter Talsperren (an der Sperrstelle) der vergan-
genen hydrologischen Jahre gegenüber den Mittelwerten der Bezugsperiode 2014 bis
2020 sowie 1991 bis 2020
Für die Bewirtschaftung im Jahr 2020 wirkte sich das trockene Frühjahr besonders aus. In
Folge dessen konnten beispielsweise die TS Bautzen und TS Quitzdorf (Brauchwassertal-
sperren) bis zum Beginn der Bewirtschaftungsperiode Mai 2020 nicht wieder bis zum Stau-
ziel gefüllt werden. Auf Grund einer Sanierungsmaßnahme startete die TS Quitzdorf mit

43
Wasserständen unter dem Absenkziel in das Jahr 2020, eine Auffüllung bis zum Stauziel war
daher nicht wahrscheinlich und ist auch nicht eingetreten.
Das Jahr 2018 war hinsichtlich der Niederschlagssumme beispielsweise im Einzugsgebiet
der TS Quitzdorf hoch defizitär. 2019 betrug das Defizit dann aber nur noch 44 l/m
2
. 2020
konnte hier gar im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert ein geringer Niederschlagsüber-
schuss von ca. 6 l/m
2
gemessen werden. Im Gegensatz zum Niederschlagsdargebot 2020
beträgt aber das Zuflussdefizit (Stand Ende 12/2020) am Zuflusspegel Jänkendorf 1 ca.
11,5 Mio. m³ und liegt damit im Bereich der Jahre 2018 und 2019! Dieser – nur beim ersten
Blick widersprüchliche – Effekt ist vielfach in Sachsen zu beobachten (siehe auch Abschnitt
3.6 Entwicklung des Niedrigwassers in den Fließgewässern); durch die großen akkumulier-
ten Niederschlagsdefizite und die ausbleibende Grundwasserneubildung und damit zurück-
gehende Grundwasserstände, sinkt generell die Wasserführung, welche im Niedrigwasser-
bereich hauptsächlich aus Grundwasser gespeist wird. Die Niederschläge können also nicht
in ausreichendem Umfang zur Auffüllung der Talsperren beitragen.
Grundsätzlich bleibt mit Blick auf die Rohwasserbereitstellung für die Trinkwasseraufberei-
tung festzustellen, dass, als Management-Maßnahmen zum Umgang mit der Trockenheit,
die Abgaben in 2019 und 2020 nur an sehr wenigen Stauanlagen nach dem Konzept der
Bereitstellungs-Stufen reduziert werden mussten. Die Versorgungssicherheit der Bevölke-
rung mit Trinkwasser war dabei stets gewährleistet. Immerhin erhalten rund 40 % der Sach-
sen Trinkwasser aus aufbereitetem Talsperrenwasser.
4
Klimawandel – Waldschäden – Waldentwicklung - Forstwirtschaft
Für die Anpassung an den Klimawandel in den sächsischen Wäldern ist eine belastbare Da-
tengrundlage mit möglichst langen Messreihen an repräsentativen Standorten eine Grundvo-
raussetzung. Bereits
vor 25 Jahren
wurde durch das heutige Kompetenzzentrum für Wald
und Forstwirtschaft (KWuF, Sachsenforst), das
System der Sächsischen Waldklimastati-
onen
eingerichtet. Ziel war und ist es, im
Klimawandel
den
Waldumbau
von Fichten- und
Kiefern-Forsten zu standortgerechten Kultur-Wäldern durch langjährige, kontinuierliche so-
wie zeitlich hochauflösende Messreihen zum Waldklima zu begleiten und den Einfluss der
Veränderungen von klimatischen Standortsfaktoren auf das
Beziehungsgefüge von Wald-
Lebensgemeinschaften
analysieren zu können. Weiterführende Informationen gibt der
diesjährige Waldzustandsbericht, wo auch der Bezug zu relevanten Forschungs- und Ent-
wicklungsvorhaben hergestellt wird. Ohne technisch
versierte Kollegen
wäre es unmöglich
dieses
Monitoring – System des Waldklimas
zu betreiben, die ständig wachsende Daten-
menge zu pflegen und für interne wie externe Nutzer verfügbar zu halten. Herr Peters lebt
seit 25 Jahren am Puls dieses Monitoring – Systems. (Abbildung 47)

image
image
44
Abbildung 47:
Waldklimastationen des Staatsbetriebes Sachsenforst (links);
Herr Peters (SBS) bei der Datenübernahme (rechts; Foto: R. Benning)
Der Klimawandel verläuft nicht
„linear“
in Richtung eines warm-trockenen Klimas.
Extreme
im Witterungsverlauf sind nach wie vor von Bedeutung, in erheblichem Maße für den Wald-
umbau. Das verdeutlicht auch das
Spätfrostereignis
während der
Eisheiligen
(12.-14.Mai),
bei dem es auf einer Fläche von ca.
7.500 ha
zu Schäden am neuen Laubaustrieb bzw.
neuen Nadeljahrgang kam (Abbildung 48, Abbildung 49). Auch ältere Bäume in der oberen
Baumschicht waren betroffen. Eine
mehrschichtige Waldstruktur
kann die Anfälligkeit der
Weiß-Tanne gegenüber Spätfrösten in hohem Maße ausgleichen. Vor allem der
Waldum-
bau
im Standortsbereich von Buchen-, Tannen-Buchen-, Tannen-Buchen-Fichten-, aber
auch Fichten-Bergwäldern, ist
seit nahezu 3 Jahrzehnten auf die Entwicklung solcher
Strukturen
gerichtet.
Das bestätigt neben der Bedeutung eines mehrschichtigen Waldaufbaus, bei dem die höhe-
ren älteren Bäume die niedrigeren jüngeren vor Frosteinwirkungen wie auch starker Son-
neneinstrahlung schützen, die Auswahl von
angepassten
, spät austreibenden Herkünften,
sogenannten
Ökotypen
, bei Pflanzung und Saat. Derartiges Wissen liegt als Ergebnis jahr-
zehntelanger angewandter Forschung vor und sollte mit der Veränderung der
regionalen
klimatischen Bedingungen unter den gegebenen Bodeneigeneigenschaften
systema-
tisch erweitert werden. Der Zeitpunkt von Knospenöffnung und Blattaustrieb ist hierfür nur
ein Beispiel. Gleiches trifft innerhalb der gleichen Baumart auch für die Widerstandsfähigkeit
gegenüber Trockenheit während der Vegetationsperiode und weitere Eigenschaften zu.

image
45
Abbildung 48:
Bandbreite der Temperaturminima an sächsischen Waldklimasta-
tionen vom 1. März bis 31. Mai 2020
Abbildung 49:
Spätfrostschäden am neuen Jahrestrieb von Weiß-Tannen; Foto:
F. Matschulla
-15
-10
-5
0
5
10
15
1. Mrz.
8. Mrz.
15. Mrz. 22. Mrz. 29. Mrz.
5. Apr.
12. Apr.
19. Apr.
26. Apr.
3. Mai.
10. Mai. 17. Mai. 24. Mai. 31. Mai.
[ C]

image
image
46
Abbildung 50: Niederschläge in Liter pro Quadratmeter an den Waldklimstationen
Doberschütz (oben) und Morgenröthe/Sachsengrund (unten)
Auch das hydrologische Jahr (01.11.2019 – 31.10.2020) war zu trocken. Im
Tiefland
durch-
brachen nur wenige zeitlich konzentrierte Niederschlagsereignisse diesen Trend (Abbildung
50 oben). Die negativen Wirkunken auf die Vitalität der Bäume werden durch die Sandböden
zum Teil in Verbindung mit konkurrenzstarken Decken der Bodenvegetation – aus z. B.
Sandrohr und Brombeeren noch deutlich verstärkt. Davon unterschied sich der Witterungs-
verlauf im
Westerzgebirge
und
Vogtland
deutlich (Abbildung 50 unten), wo
häufigere Nie-
derschläge mittlerer Intensität positive ökophysiologische Effekte
für die Vitalität der
Fichte bewirkten.

image
47
Abbildung 51:
Ausschöpfung des Bodenwasserspeichers im Tief- und Hügelland
von August 2019 bis August 2020
In den Standortsregionen
Östliches und Westliches Tiefland
und
Löß-Hügelland
ist der
Bodenspeicher inmitten der Vegetationsperiode bereits soweit ausgeschöpft gewesen, dass
für die Bäume mit dem Übergang von der Trockenheit zur Dürre zunehmender Stress in der
Wasserversorgung entsteht. Die unterschiedlichen Bodenformen bewirken eine relativ gerin-
ge zeitliche Differenzierung dieser Entwicklung, die am frühesten auf den mittel- bis grob-
sandigen Sand-Braunerden in Westsachsen einsetzt. Die etwas stärker durch Feinsand- und
Lehmanteile und möglicherweise durch eine weniger konkurrenzstarke Bodenvegetation
geprägten Sand-Braunerden in Ostsachsen und die von Lehm geprägten Staugleye bedin-
gen eine zeitliche Verzögerung dieser Entwicklung des Boden-Wasserhaushalts, wobei sich
beide Bodenformen nur wenig unterscheiden. Die Ursache ist das geringe Einsickerungs-
vermögen (Infiltrationsvermögen) der Staugleye, insbesondere dann wenn eine standortge-
rechte Baumartenzusammensetzung fehlt und mehrere Generationen von Fichten-Forsten
zu einer Verdichtung des Bodengefüges geführt haben.
Abbildung 52:
Trockenschäden an der Kiefer, Foto: F. Matschulla
0%
20%
40%
60%
80%
100%
120%
140%
Aug. 19
Sep. 19
Okt. 19
Nov.
19
Dez. 19
Jan. 20
Feb. 20
Mrz. 20
Apr. 20
Mai. 20
Jun. 20
Jul. 20
nutzbare Feldkapazität - bis 30cm Tiefe
Westsachsen (Sandbraunerde)
Mittelsachsen (Decklöß-Staugley)
Ostsachsen (Sandbraunerde)
Staunässe
Dürre
Optimum
Trockenheit

image
48
Das Zusammenwirken eines warm-trockenen Witterungsverlaufs mit einem durch die Bo-
deneigenschaften bedingt geringen und rasch abnehmendem Bodenwasservorrat führt zur
Ausweitung des Schadgeschehens an der Wald-Kiefer
(Abbildung 52
)
auf den Sandbö-
den mit höherem Feinbodenanteil wie auch auf den Lehmböden (Staugleye) mit einer gerin-
gen Tiefe des durchwurzelbaren Bodenraumes, des Weiteren zu
Trockenstress in den Ei-
chen-Wäldern
von den lehmigen Sandböden des Tieflandes bis zu den Staugleyen im Löß-
Hügelland. Die Folge ist eine höhere Anfälligkeit gegenüber holz- und rindenbrütenden Kä-
ferarten, wie zum Beispiel dem Zweipunktigen Eichen-Prachtkäfer (Abbildung 53). Die Wir-
kung von durch Trockenheit und Insektenbefall ausgelösten Entwicklungen in den Eichen-
wäldern ist eher eine strukturierende und führt unter den gegebenen Bedingungen kaum zu
großräumigen Störungen des Waldaufbaus. Die
Ausweitung der Vorkommen (Areale) von
wärmeliebenden Schmetterlingsarten
wie Eichen-Prozessions- und Schwamm-Spinner
(Abbildung 54, Abbildung 55), können als
Bio-Indikation
für den
realen Klimawandel
und
für
Veränderungen des ökologischen Beziehungsgefüges von Eichen-
Waldgesellschaften
interpretiert werden. Ein flächiges Absterben setzt jedoch i. d. R. das
Wirken eines pathogenen Faktorenkomplexes voraus (Trockenheit, Kahlfraß, Vernässung
…). Lässt man wirtschaftliche Schäden und / oder die Kontinuität des Eichen-
Waldlebensraumes „außer Betracht“, prägt dieser – Verjüngungsvorräte und/oder die zeitli-
che Koinzidenz mit Mastjahren (der Fruktifikation der Eiche) vorausgesetzt – die
Verjün-
gungsökologie
von Eichen-Wäldern.
Abbildung 53:
Eichenprachtkäfer, Foto: F. Matschulla

image
image
49
Abbildung 54:
Auftreten des Eichen-Prozessions-Spinners
Abbildung 55:
Fraßbild des Schwamm-Spinners, Foto: F. Matschulla

50
Abbildung 56:
Ausschöpfung des Bodenwasserspeichers im Mittelgebirge von
August 2019 bis August 2020
Eine deutlich
stärkere Differenzierung
weist die Entwicklung des Bodenwasservorrats in
der Standortsregion
Mittelgebirge
auf (Abbildung 56). Während im Westerzgebirge und
Vogtland eine optimale Wasserversorgung überwiegt, kommt es im
Osterzgebirge
erneut
zur
Trockenheit
. Dieser
Gradient
wird auch von der
Entwicklung des Buchdruckerbefalls
nachgezeichnet, bei der das
Osterzgebirge
nach wie vor ein
naturräumlicher Schwer-
punkt
ist
(Abb. 5b1)
, während sich im
Westerzgebirge und Vogtland
nach einem
geringe-
ren Maximum
der Massenvermehrung deren
Rückgang
(Retrogradation) andeutet. Die
Wirkungen der warm-trockenen Witterungsläufe auf
Buchen-Wälder
wird in hohem Maße
vom Standort beeinflusst. Der Schwerpunkt des überwiegend
strukturierenden
Einflusses
sind gegenüber warm-trockenen Witterungsverläufen
exponierte
Standorte der
unteren
Berglagen
und deren
Übergang ins Löß
-
Hügelland
. Durch
Trockenstress der Buchen
,
welcher
Vitalitätsverluste
nach sich zieht, und
günstige phänologische Bedingungen
,
kommt es zu einer
ansteigenden Populationsdynamik des Kleinen Buchen-
Borkenkäfers (Abb. 5b2)
, der zunächst das
Absterben von geschwächten Bäumen
voll-
streckt. Auf den Sandstandorten des Tieflandes zeichnet diese Entwicklung die
aktuelle
standörtliche Grenze der Buchen-Wälder des Tieflandes nach. Eine weitere
Verschiebung
in Richtung klimatisch und durch den Bodenwasserhaushalt begünstigter Standorte ist wahr-
scheinlich.
0%
20%
40%
60%
80%
100%
120%
140%
Aug. 19
Sep. 19
Okt. 19
Nov. 19
Dez. 19
Jan. 20
Feb. 20
Mrz. 20
Apr. 20
Mai. 20
Jun. 20
Jul. 20
nutzbare Feldkapazität - bis 30cm Tiefe
Osterzgebirge
Westerzgebirge
Staunässe
Dürre
Optimum
Trockenheit

image
image
51
Abbildung 57:
Großflächige Störung nach Buchdruckerbefall (links: Foto: R.
Benning), Brutbild des Kleinen Buchen-Borkenkäfers (rechts; Foto: F. Matschulla)
5
Auswirkungen auf die Landwirtschaft
Martin Sacher, Dr. Wolfgang Karalus, Maik Panicke, Dr. Walter Schmidt, Dan Paul Zederer,
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
5.1
Ackerkulturen
Allgemeine Einschätzung
Im 1. Quartal 2020 fielen in Sachsen durchschnittliche bis leicht überdurchschnittliche Nie-
derschläge. Diese reichten jedoch erneut nicht aus, die Böden bis in tiefere Schichten zu
durchfeuchten. Im April waren dann in allen Teilen Sachsens extrem geringe Niederschläge
zu verzeichnen, die lediglich ≤ 15 % des langjährigen Mittels betrugen. Durch annähernd
durchschnittlich hohe Niederschläge im Mai bei gleichzeitig niedriger Verdunstung wurden
die obersten Bodenschichten gerade ausreichend durchfeuchtet, um die Kulturen mit dem
notwendigen pflanzenverfügbaren Wasser zu versorgen. Die Niederschläge im Juni und Juli
waren dann regional aber auch lokal sehr heterogen verteilt. Dies führte dazu, dass die
Wachstumsbedingungen zwar im Mittel über den gesamten Freistaat deutlich günstiger wa-
ren als in den Jahren 2018 und 2019, lokal und regional (insbesondere in den LK Leipzig und
Nordsachsen) die Ertragsbildung aber auch im Jahr 2020 durch Trockenheit stark beein-
trächtigt wurde. Die teilweise ergiebigen Niederschläge im August kamen für die meisten
Kulturen zu spät.
Erhebliche Spätfrostschäden traten im Jahr 2020 insbesondere bei der Wintergerste auf.
Winterweizen
Der Winterweizen wurde termingerecht Ende September / Anfang Oktober bei guten
Bedingungen
gesät. Es erfolgte ein gleichmäßiger Aufgang und eine normale

52
Vorwinterentwicklung. Im Zeitraum von November 2019 bis Januar 2020 gab es nur
vereinzelt Niederschläge und aufgrund der relativ hohen Temperaturen fielen diese fast
ausschließlich
als
Regen.
Die
Bedingungen
ließen
die
Bestände,
mit
kurzen
Unterbrechungen, langsam weiterwachsen. Es trat kaum Vegetationsruhe ein. Der relativ
warme Februar brachte höhere Niederschlagsmengen, die aber meist nur das Defizit der drei
zurückliegenden Monate ausglichen.
Im zeitigen Frühjahr waren vitale, gut bestockte Winterweizenbestände vorhanden. Auch
Spätsaaten machten optisch einen guten Eindruck. Ab Mitte März gab es zwei
Kälteeinbrüche mit Nachttem-peraturen bis -8°, was die Entwicklung des Wintergetreides
stagnieren ließ. Erste Frühinfektionen mit Blattseptoria waren bereits in dieser Phase
vorhanden.
Trockenheit im April in Kombination mit Wechselfrösten und teilweise intensiver
Sonneneinstrahlung stressten die Weizenpflanzen. Der Krankheitsdruck war jetzt weiterhin
gering. Der Monat Mai brachte Niederschlagsmengen, die im Bereich des langjährigen
Mittels lagen, bei gleichzeitig moderaten Temperaturen. Diese Bedingungen wirkten sich
positiv auf die Bestandesentwicklung aus. Der Weizen machte meist einen gleichmäßigen,
guten Eindruck. Ab Mai / Juni kam es zu einer deutlichen Zunahme der Mäusepopulation mit
beginnenden Fraßschäden in der Praxis.
Der Juni zeigte in Sachsen ein sehr differenziertes Witterungsbild. Die Folge war ein regional
sehr unterschiedlicher Krankheitsbefall sowie differenzierte Bedingungen zur Kornfüllung.
Während Mehltau und Gelbrost 2020 eine geringe Rolle spielten, waren Blattseptoria und
teilweise Braunrost von größerer Bedeutung. Auf einzelnen Standorten mit hohen
Niederschlagsmengen (z. B. Christgrün) trat starkes Lager, teilweis in Verbindung mit
Halmbruchbefall, auf. Während Ende Juni eine erste sommerliche Periode einsetzte, folgte
der Juli mit leicht wechselhafter Witterung und moderaten Temperaturen, so dass die Ernte
meist etwas später erfolgte als in den beiden Vorjahren. Die Ernte konnte bei überwiegend
trockenen Bedingungen und ohne große Unterbrechungen eingebracht werden.
Nennenswerte Fallzahlstabilitätsprobleme gab es nicht. Auf Standorten mit guter
Niederschlagsversorgung
zur
Kornfüllung
wurden
hohe
Tausendkornmassen
und
Hektolitergewichte ermittelt. Fusariuminfektionen waren 2020 von geringer Bedeutung.
Der mittlere Winterweizenertrag betrug in Sachsen 2020 laut Statistischem Landesamt
(12/2020) 77,0 dt/ha und lag damit 5 % über dem zehnjährigen Mittel (2010-2019) und deut-
lich über den Erträgen der Trockenjahre 2018 und 2019 (Abbildung 58). Dies ist auf die
häufig besseren Bedingungen zur Kornfüllung mit Niederschlägen und moderaten
Temperaturen zurückzuführen.

53
Abbildung 58:
Anbaufläche und mittlerer Kornertrag von Winterweizen in Sach-
sen 2007 – 2020 Datenquelle: Statistisches Landesamt
Wintergerste
Niederschläge
in
der
ersten
Septemberdekade
führten
verbreitet
zu
guten
Aussaatbedingungen für die Wintergerste. Meist war ein gleichmäßiger Aufgang zu
verzeichen
und
es
folgte
eine
normale
Vorwinterentwicklung
mit
mittlerer
Bestockungsintensität. Blattkrankheiten traten bereits im Herbst auf.
Die Monate November bis Januar waren durch deutlich über dem langjährigen Mittel
liegende Temperaturen und unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen gekennzeichnet.
Die milden Bedigungen führten dazu, dass kaum Vegetationsruhe eintrat. Die Bestände
wuchsen mit kurzen Unterbrechungen langsam weiter. Von Ende Januar bis Anfang März
gab es endlich nennenswerte Regenfälle, die das Defizit der Monate November bis Januar
annähernd ausglichen, bei gleichzeitig milden Temperaturen. Das aus den Vorjahren
vorhandene große Wasserdefizit im Unterboden wurde dadurch jedoch nicht verringert.
Neue Mehltau- und Zwergrostinfektionen waren in einzelnen Sorten Anfang März
feststellbar. Alle zum „normalen Zeitpunkt“ gesäten Wintergerstenbestände zeigten sich in
dieser Phase gut bestockt.
Ab Mitte März folgten Kälteeinbrüche in zwei Phasen mit Nachttemperaturen bis -8°C, was
eine Stagnation in der Entwicklung des Wintergetreides bewirkte und Frostschäden zur
175,0
183,9
189,2
195,6
195,1
158,2
191,8
193,2
194,4
193,2
185,1
190,4
191,1
179,1
68,8
76,7
71,9
69,3
66,3
68,5
70,2
88,4
79,8
81,2
75,1
65,4
70,7
77,0
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
100,0
110,0
120,0
130,0
140,0
150,0
160,0
170,0
180,0
190,0
200,0
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Kornertrag in dt/ha
Anbaufläche in 1000 ha
Anbaufläche
Kornertrag

image
54
Folge hatte. Der Monat April war durch ausgeprägte Trockenheit in ganz Sachsen
gekennzeichnet. Dazu wirkte teilweise eine intensive Sonneneinstrahlung in Verbindung mit
Wechselfrösten. Der Krankheitsdruck war in diesem Zeitraum gering. Meist spielte nur
Zwergrost eine begrenzte Rolle.
Während sich die Niederschlagssituation im Mai wieder entspannte und der Krankheitsbefall
weiterhin meist auf geringem Niveau blieb, hatten die Temperaturschwankungen in der
ersten Maihälfte gravierende Auswirkungen. Wurden am 9. Mai noch Temperaturen um 23
°C erreicht, fiel die Temperatur in den Morgenstunden des 12. Mai vielerorts auf
Temperaturen um -1,5 °C oder weniger ab. Dieses Spätfrostereignis zur Blüte der Winterge-
rste führte verbreitet zur Schädigung von Wintergerstenähren, was ab Ende Mai, Anfang Juni
sichtbar wurde. Die Schäden zeigten sich in Ähren ohne Einkörnung, teilweise auch in
schartigen Ähren mit mehr oder weniger deutlich ausgeprägter „Laternenblütigkeit“, also
fehlenden Körnern in den Ähren (Abbildung 59). Die Schäden bedeuteten teilweise sogar
Totalausfälle bei Gerstenschlägen. Betroffene Gerstenflächen wurden, sofern möglich,
frühzeitig gehäckselt. Frühe Sorten waren 2020 tendenziell stärker betroffen.
Abbildung 59:
Sortenabhänige Spätfrostschäden an Wintergerste. Links im Bild:
normaler Wintergerstenbestand; rechts im Bild: frostgeschädigter Wintergersten-
bestand, dessen sehr schlechte Einkörnung an den nahezu aufrecht stehenden Ähren
erkennbar ist. (02.07.2020, Cristgrün; Foto: M. Sacher, LfULG)

55
Im Juni kam es regional zu einem verstärkten Auftreten von Mäusen in Praxisschlägen. Im
Mittel wurden im Juni annähernd durchschnittliche Niederschlagsmengen verzeichnet, bei
stark differenzierter regionaler Verteilung. Eine erste sommerliche Phase setzte Ende Juni
ein. Diese führte bereits zu Trockenstress auf Standorten mit Niederschlagsdefiziten.
Der Witterungsverlauf
der
Vegetationszeit
2019/2020 führte
zu
meist
mittleren
Bestandesdichten. Lager sowie Halm- und Ährenknicken spielten überwiegend eine
geringere Rolle. Niederschläge im Mai und Juni führten zu „normalen“ Reifebedingungen und
häufig zu einer etwas späteren Ernte als in den beiden Trockenjahren 2018 und 2019. Die
Erntebedingungen waren meist akzeptabel. Regen zum Zeitpunkt der Kornfüllung förderte
die Kornausbildung mit häufig hohen Tausendkornmassen und Hektolitergewichten. Der
Kornertrag betrug in Sachsen im Jahr 2020 im Mittel 68,5 dt/ha, was in etwa dem
zehnjährigen Mittel entspricht. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Erträge in
Abhänigkeit des Ausmaßes der Frostschäden stark variierten, und dass solche Bestände,
die
aufgrund
starker
Frostschäden
frühzeitig
gehäckselt
wurden,
nicht
in
die
Ertragserfassung einflossen.
Winterraps
Die Rapsaussaat fand im August/September 2019 vielerorts unter sehr trockenen Bedingun-
gen statt, wodurch sich der Aufgang teilweise verzögerte. Zum Teil entwickelten sich lückige
und in Bezug auf das Entwicklungsstadium heterogene Bestände, in manchen Regionen
aber auch normale bis überwachsene Rapsbestände.
Im März auftretende Nachtfröste führten lokal bei weit entwickelten Beständen zu einem
Umbiegen der Stängel und Frostrissen. Durch die extrem geringen Niederschläge im April
wurde das Blattwachstum eingeschränkt und die Bestände blieben relativ kurz. Spätfröste im
April und Mai während der Blüte führten teilweise zum Abwerfen von Blüten bzw. zu einer
verminderten Schotenbildung. Der Befallsdruck mit Sclerotinia war allgemein gering.
Regional sehr differenzierte Niederschlagsmengen im Juni führen zu regional (und lokal)
sehr unterschiedlichen Bedingungen bei der Ertragsbildung. In Abhängigkeit der bis dahin
gefallenen Niederschlagsmengen verlief auch die Abreife im Juli regional sehr unterschied-
lich. Der mittlere Ertrag lag in Sachsen mit 35,6 dt/ha um 6 % höher als 2019 (Abbildung 60),
war aber in Relation zum zehnjährigen Mittel um 2 % geringer.
Die Aussaatbedingungen im August/September 2020 waren im Vergleich zu den beiden Vor-
jahren meist besser; lückig aufgelaufene Bestände waren daher deutlich seltener als 2018
und 2019. Im Herbst 2020 erfolgte in der Regel eine gute Anfangsentwicklung. Auch spät
gedrillte Bestände konnten von überdurchschnittlich hohen Temperaturen profitieren und
wiesen eine ausreichende Vorwinterentwicklung auf. Teilweise trat Blattbefall mit Phoma auf.

56
Abbildung 60:
Anbaufläche und mittlerer Kornertrag von Winterraps in Sachsen
2007 – 2020, Datenquelle: Statistisches Landesamt
Kartoffeln
Für das Auspflanzen der Kartoffeln war die Trockenheit im April auf einigen Standorten von
Vorteil. Spätfröste ab dem 12. Mai (Eisheilige) führten jedoch zu Frostschäden an früh aufge-
laufenen Kartoffelbeständen (sehr frühe Sorten, vorgekeimte Partien). Im relativ kühlen Mai
verlief die Jugendentwicklung der Kartoffeln teilweise etwas zögerlich.
Die regional sehr unterschiedlichen Niederschlagsmengen im Juni führten in trockenen Re-
gionen frühzeitig zu Trockenstress mit vermindertem Krautwachstum, in Regionen mit aus-
reichender Wasserversorgung war hingegen eine normale Entwicklung der Bestände zu be-
obachten. Insgesamt trockene Bedingungen im Juli beeinträchtigen jedoch die Ertragsbil-
dung auf den meisten Standorten. Während die Krautfäule meist auf geringem bis mittlerem
Befallsniveau blieb, trat Alternaria in gestressten Beständen teilweise stärker auf. In durch-
weg trockenen Regionen zeigten die Kartoffeln frühzeitig Absterbeerscheinungen.
Die Niederschläge Anfang August kamen für die meisten Bestände und insbesondere die
frühen Sorten zu spät. Allerdings führte die Durchfeuchtung des Oberbodens im August zu
meist guten Rodebedingungen im September (Boden gut siebfähig, kaum Staubbildung).
141,9
129,4
134,2
137,1
127,6
133,3
135,0
131,9
126,6
129,6
129,2
125,9
96,9
101,5
32,7
36,1
41,6
38,5
31,4
37,2
36,8
46,0
38,5
37,1
33,2
30,4
33,5
35,6
0,0
10,0
20,0
30,0
40,0
50,0
60,0
70,0
80,0
90,0
100,0
90,0
95,0
100,0
105,0
110,0
115,0
120,0
125,0
130,0
135,0
140,0
145,0
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Kornertrag in dt/ha
Anbaufläche in 1000 ha
Anbaufläche
Kornertrag

57
Der Knollenertrag in Sachsen lag mit 343 dt/ha auf dem Niveau des Vorjahres; im Vergleich
zum zehnjährigen Mittel ist ein Minderertrag von 11 % zu verzeichnen. Teilweise war ein
stärkerer Befall der Ernteknollen mit Kartoffelschorf zu beobachten (anfällige Sorten auf
Standorten mit Trockenheit im Juni).
Mais
Durch die geringen Niederschläge im April erfolgte die Aussaat des Maises Anfang Mai in ein
trockenes aber warmes Saatbett. Die Bodentemperaturen lagen über 8 °C. Teilweise war der
Auflauf dennoch wegen mangelnder Bodenfeuchte ungleichmäßig. Der Monat Mai brachte
Niederschlagsmengen, die im Bereich des langjährigen Mittels lagen, bei gleichzeitig
unterdurchschnittlichenTemperaturen. Letztere sorgten für eine zögerliche Jugendentwick-
lung. Die Monate Juni und Juli waren durch Trockenheit bei vergleichsweise unterdurch-
schnittlichen Wärmesummen gekennzeichnet (in Bezug auf die 4 Vorjahre).
Auf Standorten mit ausreichenden Niederschlägen (V-Standorte) entwickelten sich üppige
Bestände, wogegen der Mais auf Standorten mit Niederschlagsdefiziten (einige Löß- und die
D-Süd-Standorte) Trockenstresssymptome und ein geringes Längenwachstum zeigte
(Abbildung 61). Außerdem kam es vor allem auf den D-Süd-Standorten zu Problemen bei
der Befruchtung und es trat vermehrt Maisbeulenbrand auf. Die Ende August auftretenden
hohen Niederschläge konnten die Wachstumsdefizite der Vorwochen kaum ausgleichen. Sie
trugen eher zu einer kurzen Abreifeverzögerung und zur Stärkeeinlagerung bei. Anfang
September näherte sich die Wärmesummen dem Durchschnitt der 4 Vorjahre an.
Die Erträge bei Silomais/Grünmais lagen in Sachsen 2020 bei durchschnittlich 319 dt/ha.
Gegenüber dem Silomais-Durchschnittsertrag im Jahr 2019 bedeutet dies einen Mehrertrag
von durchschnittlich rund 20 dt/ha. Im Vergleich zum zehnjährigen Mittel war jedoch auch
2020 ein Minderertrag um 17 % zu verzeichnen.

image
58
Abbildung 61:
Trockenschäden an Mais im LK Nordsachsen (10.07.2020, Außig;
Foto: M. Grunert, LfULG)
5.2
Grünland und Feldfutter
Extreme regionale Unterschiede traten auch im Grünland und Feldfutterbau auf. Dort wo der
Oberboden durch Niederschläge ausreichend durchfeuchtet wurde, konnten gute Ernten
erzielt werden. Insbesondere in Nord- und teilweise auch in Nordostsachsen reichten die
Niederschläge häufig nicht für eine Regeneration der durch die Trockenjahre 2018 und 2019
stark geschädigten Grasnarben aus.
5.3
Auftreten von Schädlingen
Feldmäuse
Im Rhythmus von drei bis fünf Jahren gibt es Massenvermehrungen von Feldmäusen. Fach-
leute sprechen von Gradationen. Die letzte Massenvermehrung in Sachsen gab es im Jahr
2015. In den Jahren 2017 bis 2019 wurde ein eher geringer Befall beobachtet. Seit Frühjahr
2020 zeigte sich in den Erhebungen des LfULG eine starke Zunahme von Feldmäusen im
Freistaat Sachsen.
Die Massenvermehrung wird unter anderem auch von der Witterung beeinflusst. Die Feld-
mäuse sind ursprünglich Steppenbewohner und daher ist eine langanhaltende trockene und
warme Witterung für die Populationsentwicklung sehr förderlich.
Getreidelaufkäfer

image
59
Die Witterung (August – Oktober) begünstigte die Entwicklung des Getreidelaufkäfers
(Abbildung 62). Regional waren Schäden durch die Larven des Getreidelaufkäfers, zum Teil
auch in hoher Befallsstärke, auffällig. In den Getreidebeständen sind zerkaute und ausge-
franste Getreideblätter das typische Schadbild des Getreidelaufkäfers. Die Larven verbergen
sich tagsüber in Erdhöhlen und fressen in den Abend- und Nachtstunden. Getreidelaufkäfer
können alle Getreidearten befallen und Frühsaaten und Getreidefruchtfolgen sind hier be-
sonders gefährdet.
Im Sommer 2020 traten die Jungkäfer des Getreidelaufkäfers massiv auf. Die Population war
so stark, dass die Käfer örtlich von angrenzenden Feldern in Wohngrundstücke als
Lästlin-
ge
einwanderten. Es trafen zahlreiche Meldungen von Anwohnern ein sowie anschließende
Presseanfragen. Ursache für das verstärkte Auftreten des Schädlings waren die günstigen
Witterungsbedingungen in den letzten zwei Jahren. Trockene und warme Witterung im Spät-
sommer fördert die Eiablage um ein Vielfaches.
Abbildung 62:
Laufkäfer Zabrus tenebrioides am Welschen Weidelgras; Fo-
to: B. Pölitz
6
Auswirkungen auf den Garten- und Weinbau
Der Garten- und Weinbau belegt in Sachsen zurzeit eine Fläche von rund 8.000 ha. Neben
Apfel zählen derzeit noch Sauerkirschen und Erdbeeren zu den wichtigsten Obstarten. Der
Anbau konzentriert sich auf den Raum um Borthen und Dürrweitzschen. Markerbsen, Spei-
sezwiebeln und Buschbohnen dominieren das Anbauspektrum im Gemüsebau, der vor allem
in der Lommatzscher Pflege und im Raum Leipzig beheimatet ist. Das sächsische Weinan-
baugebiet umfasst eine bestockte Rebfläche von 510 ha.

60
In den letzten Jahren lassen sich folgende allgemeine Tendenzen für den Garten- und Wein-
bau ableiten:
Die Ausdehnung der Vegetationsperiode begünstigt schrittweise den Anbau von Sor-
ten, die bislang in unserer Region nicht anbauwürdigt waren. Die Zahl von Anbausät-
zen im Gemüsebau steigt.
Milde Winter führen zu einem frühen Knospenaufbruch und einer immer früheren
Obstblüte. Dies kann die Gefahr von Spätfrostschäden bei allen Obstarten erhöhen.
In milden Wintern können kurze Phasen mit Starkfrösten bei Weinreben zu erhebli-
chen Ausfällen führen.
Niederschlagsarme Winter, Wärme- und Trockenperioden im April und Mai führen
z. B. bei Markerbsen immer häufiger zu Trockenschäden infolge zu geringer Wasser-
verfügbarkeit aus dem Boden.
Sommerliche Hitzeperioden mit extrem hohen Temperaturen und Trockenheit führen
zu erheblichen Qualitätseinbußen durch Sonnenbrandschäden im Obst- und Wein-
bau, bei Speisezwiebeln oder auch zu Ozonschäden bei Buschbohnen. Wasserman-
gel reduziert signifikant die Produktqualität. Ein sicherer Anbau der meisten garten-
baulichen Kulturen wird nur noch mit Zusatzbewässerung möglich ein. Hier zeigt sich
allerdings mittlerweile, dass in den Anbaugebieten nicht immer ausreichend Wasser
für die Beregnung zur Verfügung steht oder durch behördliche Verfügungen in extre-
men Trockenphasen die Zusatzbewässerung gartenbaulicher Kulturen nicht erlaubt
ist.
Stark wechselnde Witterungsabläufe während der Vegetation führen zu Stress und
zu Problemen in der Kulturführung und -terminierung, zu krankheitsanfälligen Be-
ständen und zu Ertragseinbußen.
Extreme Wetterereignisse (Starkregen, Hagel, Sturm) führen teilweise zum vollstän-
digen Verlust der Ernte und erfordern sehr kostenintensive Schutzmaßnahmen (z. B.
Hagelschutznetze, Regenschutz bei Süßkirschen).
Die schrittweise Klimaerwärmung führt zum verstärkten Auftreten von schwer be-
kämpfbaren Krankheiten und Schädlingen. Besonders bei Apfelschorf und -mehltau,
Mehltaupilzen und Fusariosen bei verschiedenen Gemüsearten sowie Viruserkran-
kungen ist eine starke Zunahme zu beobachten. Mit dem Auftreten der Kirschessig-
fliege werden der Weinbau sowie der Anbau von Weichobst vor neue Herausforde-
rungen gestellt. Ähnlich verhält es sich beim Apfel mit der marmorierten Baumwanze.
Das Jahr 2020 kann für Teile des sächsischen Gartenbaus wieder als extrem eingestuft wer-
den. Neben einer erneuten und langanhaltenden Trockenheit im Winter und Frühjahr, welche

61
sich an die Trockenjahre 2018 und 2019 nahtlos anschloss, führten häufige und mehrtägige
Spätfrostereignisse im März und Mai zu erheblichen Ertrags- und Qualitätseinbußen, insbe-
sondere im Baumobst- und Weinanbau (Abbildung 63).
Abbildung 63:
Ertrag wichtiger Baumobstkulturen 2015 bis 2020
Apfel-, Birnen und Kirschbäume verzeichneten großflächig extreme Schäden der Knospen
und Blüten durch Spätfrostereignisse im März und Mai. Bedingt durch den sehr frühen Vege-
tationsbeginn (Abbildung 64) führte dies zur Schädigung der Blütenorgane bis hin zum Ab-
sterben ganzer Blütenstände (Abbildung 65, Abbildung 66). Die Früchte aus der dennoch
guten Apfelblüte blieben jedoch untypisch klein, was zum einen auf die schwächere Entwick-
lung der nicht erfroren lateralen Knospen und zum anderen auf die fehlende Bodenfeuchte
und die ausbleibenden Niederschläge an vielen Standorten zurückzuführen war. Frostbe-
dingte Berostung und Deformationen der Früchte traten zudem gehäuft auf (Abbildung 67 ).
Abbildung 64:
Blühbeginn des Apfels in Dresden-Pillnitz
0
50
100
150
200
250
300
350
400
2015
2016
2017
2018
2019
Mittel
2020*
Hektarerträge wichtiger Baumobstakulturen
Äpfel
Birnen
Sauerkirschen
Süßkirschen
Ertrag
[dt/ha]
*
vorläufige
Werte
26. Mrz.
31. Mrz.
5. Apr.
10. Apr.
15. Apr.
20. Apr.
25. Apr.
30. Apr.
5. Mai.
10. Mai.
15. Mai.
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
Datum 10 % geöffnete Blüte [Sortendurchschnitt]
Mittlerer Blühbeginn des Apfels in Dresden-Pillnitz 1992 bis 2020
Quelle: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Darstellung LfULG, Ref 81 (C.Kröling)
Stand: 05.2020

image
image
image
image
62
Abbildung 65:
Anteile abgestorbener und geschädigter Knospen an Apfelbäu-
men in Pillnitz infolge der Frostnächte vom 23. bis 25.3. 2020 (-8,7 bis -9,1 °C)
Abbildung 66:
Frostschäden an Apfelknospe (links), Frostschutzberegnung am
01.04.2020 in Dresden-Pillnitz (rechts); Fotos: C. Kröling
Abbildung 67:
Frostzungen an Pinova (links) und Golden Delicious (rechts); Fo-
tos: C. Kröling
Im Erdbeeranbau sorgte im Besonderen das Spätfrostereignis in der Nacht vom 11. zum 12.
Mai mit Temperaturen unter -2,0 °C für Ertragseinbußen in Kaltluftlagen. Aufgrund der fort-
10
20
75
50
80
85
20
15
30
20
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
'Golden
Delicious'
'Idared'
'Jonagold'
'Gala'
'Elstar'
Anteil Knospen [%]
Terminalknospen*
abgestorben
geschädigt
Daten: Sylvia Metzner, LfULG
* an der Triebspitze, entscheidend für Ertrag und Qualität
0
5
15
15
5
40
20
25
5
15
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
'Golden
Delicious'
'Idared'
'Jonagold'
'Gala'
'Elstar'
Anteil Knospen [%]
Lateralknospen*
abgestorben
geschädigt
Daten: Sylvia Metzner, LfULG
* an der Triebseite, Früchte mit geringerer Größe

63
geschrittenen vegetativen Entwicklung einzelner Sorten brachte eine Vliesabdeckung zum
Teil nur eine eingeschränkte Schutzwirkung. Dennoch war die Gesamternte in Sachsen zu-
friedenstellend.
Im Gemüseanbau waren, wie schon 2018 und 2019, Ernteausfälle aufgrund von Wärme- und
Trockenperioden im April und Mai zu verzeichnen, wenngleich diese geringer als in den letz-
ten beiden Jahren ausfielen. Dies betraf erneut die für Sachsen wichtigen Verarbeitungsge-
müsearten Markerbsen und Buschbohnen. Im Anbaugebiet in der Lommatzscher Pflege ist
vornehmlich Wassermangel als Ursache für die Ertragsminderung zu nennen.
Im gesamten sächsischen Weinanbaugebiet brachte der Kälteeinbruch in der Nacht vom 11.
zum 12. Mai, erhebliche Frostschäden mit sich. Trockenheitsbedingt traten vor allem auf
sandigen, wasserdurchlässige Standorte, sowie bei vielen Junganlagen erheblich Minderer-
träge auf. Die hohen Temperaturen bis 35 °C Mitte August hatten je nach Hangneigung und
Ausrichtung der Zeilen teils stärkere Sonnenbrandschäden an gefährdeten Rebsorten wie
Riesling und Bacchus zur Folge. Die so geschädigten Traubenteile trockneten jedoch schnell
ein und führten nur zu geringen Ertragsverlusten.

64
7
Auswirkungen auf die Luftqualität
Die durch den Klimawandel bedingten Änderungen der Witterung sind mit sowohl positiven
als auch negativen Folgen für die Luftqualität verbunden. Wichtige meteorologische Größen
sind insbesondere die Temperaturverläufe im Winter (Dezember bis Februar) und im Som-
merhalbjahr (März bis Oktober). Die Witterung ist ein wichtiger Faktor nicht nur für den Aus-
stoß sondern auch für Ausbreitung und damit Verdünnung von Luftschadstoffen. Hohe Kon-
zentrationen von Feinstaub PM10 und damit verbunden auch Überschreitungen des Tages-
grenzwertes von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft treten vor allem in der kalten Jahres-
zeit auf (Beispiel für die Ergebnisse der drei Luftgütemessstationen in Dresden in Abbildung
68 ).
Abbildung 68:
Mittlere Anzahl der PM10-Tagesgrenzwertüberschreitungen in
Dresden 2011 bis 2020
In
milden Wintern
wird weniger Energie für Gebäudeheizungen benötigt. Kraftfahrzeugmo-
toren erreichen schneller die optimale Betriebstemperatur. Deshalb werden wenige Luft-
schadstoffe aus Schornsteinen und Auspuffanlagen ausgestoßen. Inversionswetterlagen, die
ungünstige Ausbreitungsbedingungen für Luftschadstoffe darstellen, sind in milden Wintern
seltener. In der Folge werden
niedrigere Konzentrationen
von verbrennungsbedingten
Luftschadstoffen, insbesondere
Feinstaub,
aber auch
Stickstoffdioxid
registriert (Abbildung
69, Abbildung 70). Der Februar 2020 war mit 5,0°C der wärmste seit Beginn der Aufzeich-
nungen in Sachsen. Die Abweichung zur Referenz 1961 – 1990 beträgt +5,3 K.
Im klimatologischen Vergleich waren alle Winter seit 2013/14 zu warm. Die Wirkungen der
Maßnahmen in den Luftreinhalteplänen – nicht nur in Sachsen – und der infolge der Corona-
Pandemie geringeren Mobilität wurden dadurch unterstützt. Die PM10-Konzentrationen lagen
2020 auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Messungen im Jahr 1999.
0
1
2
3
4
5
6
7
8
Jan
Feb
Mrz
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug Sep
Okt
Nov Dez
Anzahl
Monatliche PM10-Überschreitungen
gemittelt über 10 Jahre (2011 - 2020)
Dresden-Bergstraße
Dresden-Nord
Dresden-Winckelmannstr.
) verkehrsnah
)
städt. Hintergrund

image
image
65
Die Klimaprojektionen lassen eine Fortsetzung der zu warmen Winter erwarten. Trotzdem
können weiterhin einzelne kalte Winter oder längere Kälteepisoden auftreten, die erneute
hohe Konzentrationen von Luftschadstoffen begünstigen.
Abbildung 69:
Mittlere Anzahl der PM10-Tagesgrenzwertüberschreitungen in den
Jahren 2011 bis 2020
Abbildung 70:
NO
2
-Monatsmittelwerte an der verkehrsnahen Luftgüte-
Messstation Dresden Bergstraße 2014 bis 2020
Negativ auf die Luftqualität wirken sich die
gestiegenen Temperaturen
dagegen in der
warmen Jahreszeit aus. Hohe Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung begünstigen
die Bildung des Luftschadstoffes Ozon aus Vorläuferstoffen wie z. B. Stickoxiden und leicht-
flüchtigen Kohlenwasserstoffen.

image
66
An den Stationen des Luftmessnetzes wurden von April bis September an 50 Tagen Höchst-
temperaturen über 30 °C gemessen (2018: an 69 Tagen, 2019: an 52 Tagen).
Die meteorologischen Bedingungen führten zu einer geringeren Ozonbelastung als in den
beiden Vorjahren, die zu den wärmsten seit Messbeginn zählen.
Die lange Ozon-Messreihe von der Luftgütemessstation in Radebeul-Wahnsdorf zeigt ab
Anfang der 70er Jahre bis Ende der 90er Jahre einen deutlichen Anstieg der Ozonkonzentra-
tionen im Jahresmittel (ca. 1 μg/m³ pro Jahr)
.
Danach schwankt das hohe Niveau im
Wesentlichen nur witterungsbedingt. Der Jahresverlauf der Ozonkonzentration an der Station
Radebeul-Wahnsdorf seit 1974 (Abbildung 71) verdeutlicht, dass der Konzentrationsanstieg
seit Mitte der 70er Jahre gleichmäßig über das Jahr verteilt ist. Die witterungsbedingten Un-
terschiede in den Monatsmitteln der Lufttemperatur korrespondieren mit den Jahresgängen
der Ozonkonzentration.
Die gesetzlichen
Ozon-Zielwerte zum Schutz der Gesundheit und der Vegetation
(vgl.
39. BImSchV) werden seit Jahren
auf dem Erzgebirgskamm
und in einzelnen Jahren (nicht
2020) auch im Tiefland
überschritten
. Die Langfristzielwerte werden in ganz Sachsen über-
schritten.
Für die Zukunft lassen die Klima-Projektionen keine Entspannung bei der Ozonproblematik
erwarten. Die meteorologischen und sonstigen Bedingungen für Ozonbildung und –abbau
sind äußerst komplex, es gibt noch erheblichen Forschungsbedarf. Verschiedene Institutio-
nen, auch das LfULG, beschäftigen sich damit.
Abbildung 71:
Jahresgang der Ozonkonzentration in Radebeul-Wahnsdorf